Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertvierundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Kämpfe zwischen Besatzungtruppen und Aufständischen. 13 Tote
bei Feuergefechten in Falludscha und Tikrit. US-Soldaten
erschießen ABC-Kameramann. Untersuchung: US-Soldaten in Irak erhalten keine ausreichende
Unterstützung bei psychischen Problemen. Bush nach scherzhaften
Bemerkungen über die Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak
unter Kritik.
Sa.27.03.04 - Kämpfe zwischen US-Soldaten und Aufständischen in Irak haben
auch am Freitag wieder mehrere Menschen das Leben gekostet. Bei einem
Feuergefecht in der Stadt Falludscha kamen ein US-Soldat und fünf
Iraker ums Leben, darunter ein irakischer Kameramann des
US-Fernsehsenders ABC. Burhan Mohammed el Luhaybi sei an den Folgen
eines Kopfschusses gestorben, sagte ein Arzt im Krankenhaus von
Falludscha der Nachrichtenagentur AFP. US-Marineinfanteristen
hätten das Feuer auf eine Gruppe von Journalisten eröffnet,
nachdem sie von maskierten Widerstandskämpfern mit Granatwerfern
und Sturmgewehren angegriffen wurden. ABC News bestätigte auf
seiner Internetseite, dass der Mitarbeiter beim Filmen der Kämpfe
tödlich getroffen wurde.
Die Marineinfanteristen hatten in dieser Woche die Kontrolle über
die Gegend von einer US-Luftlandedivision übernommen.
In der Nähe von Tikrit kamen bei einer Razzia von irakischen
Sicherheitskräften und US-Soldaten vier Mitglieder des irakischen
Zivilverteidigungsrats und drei mutmassliche Rebellen ums Leben. Wie
die US-Armee weiter mitteilte, wurden 21 mutmassliche Rebellen
gefangengenommen. Das US-Nachrichtenmagazin «Time» gab den
Tod eines irakischen Übersetzers bekannt. Der Mann arbeitete im
Bagdader Büro der Zeitschrift und wurde am Mittwoch
niedergeschossen.
Ein Anschlag auf eine Ölförderanlage in Nordirak entfachte
einen Grossbrand, der erst nach rund 24 Stunden gelöscht werden
konnte. Nach Angaben eines irakischen Sicherheitsbeamten war das Feuer
bei Chabas, westlich von Kirkuk, am Donnerstagabend unter Kontrolle.
Auch bei Basra im Süden des Landes stand am Freitag eine Pipeline
in Flammen, die Ursache war zunächst nicht bekannt.
US-Soldaten haben in Irak ein ranghohes Mitglied des Geheimdienstes von
Saddam Hussein festgenommen. Etwa 40 Soldaten hätten in der Nacht
zum Freitag das Haus von Kamel Lasem Hamid umstellt, das Schloss der
Eingangstür gesprengt und Hamid festgenommen, sagte dessen Bruder
Adnan Lasem der Nachrichtenagentur AFP. Die US-Armee habe das Haus im
Stadtteil El Sajadija im Südwesten Bagdads durchsucht, Dokumente
sichergestellt und Hamid abgeführt. Nach Angaben des Bruders wurde
der ranghohe Geheimdienstvertreter bereits viermal von den
US-geführten Besatzungstruppen vorgeladen, danach aber jedes Mal
wieder laufen gelassen.
Ein Wahlteam der UN traf unterdessen zur technischen Vorbereitung des
Prozesses für die Auswahl der irakischen Übergangsregierung
in Bagdad ein. Das Team wird nach Angaben von UN-Sprecher Fred Eckhard
von der Irak-Expertin Carina Perelli geleitet. Im April soll eine
weitere Delegation unter Führung des UN-Gesandten Lakhdar Brahimi
folgen. Am 30. Juni soll eine irakische Übergangsregierung die
US-Zivilverwaltung ablösen, die militärische Besetzung Iraks
aber weiter andauern.
Die US-Soldaten in Irak erhielten laut einer Untersuchung der
US-Streitkräfte im vergangenen Jahr häufig keine ausreichende
Unterstützung bei psychischen Problemen. 17 Prozent der Befragten
hätten an traumatischem Stress, Depressionen oder Unruhe gelitten,
heisst es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Drei
Viertel davon hätten erklärt, sie hätten keine Hilfe
eines Psychologen, Arztes oder Geistlichen erhalten. Nur ein Drittel
der Soldaten, die um Hilfe baten, hätten entsprechende
Unterstützung bekommen.
Für die psychologische Betreuung der Truppen zuständige
Kräfte beklagten dem Untersuchungsteam zufolge einen Mangel an
Antidepressiva und Schlafmitteln sowie eine unzureichende Vorbereitung.
Zwischen April und Dezember vergangenen Jahres setzten nach
Militärangaben 23 US-Soldaten in Irak und Kuwait ihrem Leben ein
Ende. In drei weiteren Fällen wird Selbsttötung vermutet.
Mit scherzhaften Bemerkungen über die Suche nach
Massenvernichtungswaffen in Irak hat US-Präsident George W. Bush
die Kritik der Opposition auf sich gezogen. Beim Jahresempfang für
Radio- und Fernsehjournalisten in Washington brachte Bush am Mittwoch
Fotos mit, die ihn zeigen, wie er im Weißen Haus hinter
Möbel schaut. «Diese Massenvernichtungswaffen müssen
doch irgendwo sein», sagte Bush dazu und fuhr fort: «Nein,
keine Waffen hier. Vielleicht sind sie dort unten?» Die
Teilnehmer des Empfangs, der traditionell von politischem Humor
begleitet wird, quittierten Bushs Auftritt mit Lachen. Weniger lustig
fand das am Donnerstag der Vorsitzende des Parteivorstands der
Demokraten, Terry McAuliffe. «Das ist ein sehr ernstes
Thema», sagte er und fügte hinzu, darüber solle man
keine Witze reißen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
Achter Kriegstag in Irak
Do.27.03.03 - Alliierte greifen achte Nacht in Folge Ziele in Bagdad an +++ Mindestens 15 tote Zivilisten
bei Raketen-Explosion auf einem Marktplatz im Nordosten der Hauptstadt +++ USA weisen Berichte
über gezielten Angriff auf Wohngebiet zurück +++ Bagdad auch am Morgen von weiteren
Explosionen erschüttert +++ USA: Seit Kriegsbeginn mehr als 4300 Bomben auf Irak abgeworfen +++
Kämpfe zwischen amerikanisch- britischen und irakischen Truppen nehmen an Härte zu +++
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten +++ Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen +++
Friedensforscher: Die richtigen Probleme erwarten Amerika erst nach dem Krieg +++ Bush bereitet die USA
wiederholt auf einen langen Krieg vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303270.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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USA ziehen positive Bilanz des Wiederaufbaus in Afghanistan -
Sicherheitsrat verlängert UN-Mission
Sa.27.03.04 - Das US-Außenministerium hat eine positive Bilanz des
amerikanischen Engagements in Afghanistan gezogen. Die USA hätten
seit 2001 4,2 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau
aufgebracht, heißt es in einer Mitteilung. Es wird zudem darauf
verwiesen, dass Verkehrswege in Stand gesetzt, Schulen gebaut und
Schulbücher verteilt worden seien. Außerdem hätten die
USA 140 Krankenhäuser in Betrieb genommen. Wichtigster Schritt in
den nächsten Monaten sei die Vorbereitung der Wahlen.
Der Weltsicherheitsrat in New York hat am Freitag das Mandat der
UN-Mission in Afghanistan um ein weiteres Jahr verlängert. Die
Mission (UNAMA) unterstützt den Wiederaufbau des Landes seit dem
Sturz der Taliban Ende 2001. In jüngster Zeit hat sie sich auf die
Vorbereitung der Wahlen im Juni konzentriert. Mit der einstimmig
verabschiedeten UN-Resolution wird die Arbeit der UNAMA bis zum 27. Mai
2005 verlängert. In der Erklärung wird die Mission
aufgefordert, den Prozess der Wählerregistrierung zu beschleunigen
und mit den afghanischen Behörden zusammenzuarbeiten, um die
Regierungskontrolle auf alle Teile des Landes auszudehnen. Bislang hat
sich nur ein Bruchteil der Wähler registrieren lassen, was
Beobachter nicht zuletzt auf die instabile Lage im Land
zurückführen. In der Resolution äußert sich der
Sicherheitsrat darüber hinaus besorgt über den
wiederauflebenden Drogenhandel in Afghanistan.
(Quellen: dpa, ap)
Die neue afghanische Verfassung - Ein Rückschritt für die
Demokratie
Am 4. Januar 2004 kamen 502 Delegierte über eine Verfassung
für Afghanistan überein, ein Akt den viele als positiven
Schritt in Richtung Demokratie beschrieben haben. Der US Botschafter in
Afghanistan, Zlmay Khalizad, schrieb: „Die Afghanen haben die
Möglichkeit wahrgenommen, die ihnen von den Vereinigten Staaten
und deren internationalen Partnern gegeben worden ist[; nämlich]
ein Fundament für demokratische Institutionen zu legen und einen
Rahmen für nationale Wahlen zu schaffen." Wenn man danach urteilt,
wer sich beteiligen durfte, die Art ihrer Beteiligung, und nach dem
Dokument selbst, ist das Fundament, das von den Delegierten und ihren
ausländischen Aufsehern gebaut worden ist, vollkommen
antidemokratisch...
Mehr bei Foreign Policy in Focus / ZNet 13.03.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?
< id=1055&PHPSESSID=c0f5ae988bb1e641bdc1e1625f39de3d
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=49&ItemID=5144
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Genfer Abrüstungskonferenz ergebnislos beendet
Sa.27.03.04 - Die Genfer Abrüstungskonferenz hat den ersten Teil der
Sitzungsperiode 2004 ergebnislos beendet. Die Delegierten aus 65
Ländern, die seit Mitte Januar tagten, konnten sich nicht auf ein
Arbeitsprogramm für die einzige internationale
Abrüstungsinstitution einigen, wie das Sekretariat der Konferenz
am Freitag in Genf mitteilte.
Die Verabschiedung einer Agenda scheiterte vor allem an einem Konflikt
der USA mit China. Peking will die Abrüstungsgespräche auf
Waffensysteme im Weltraum ausweiten. Washington lehnt jedoch die
Erweiterung der Agenda ab, weil dadurch mögliche
US-Rüstungsvorhaben verhindert werden könnten.
Die USA wollen sich in Genf auf das Verbot der Herstellung von
Materialien zur Atomwaffenherstellung konzentrieren. Dem stehen andere
offizielle und inoffizielle Atommächte skeptisch gegenüber.
Das bestehende US-Arsenal sei so groß, dass ein Produktionsstopp
zu einem permanenten Ungleichgewicht der Bestände führen
würde, argumentieren sie.
Die Differenzen blockieren das Gremium seit 1997. Da die Konferenz im
Konsensverfahren entscheidet, hat jeder Staat faktisch ein Vetorecht.
Im Mai treffen die Delegationen zur zweiten Sitzungsperiode 2004 wieder
zusammen.
(Quelle: epd)
Nahost-Konflikt
Bush trifft Scharon Mitte April in Washington. Neue gewaltsame
Zwischenfälle im Nahen Osten. Tausende demonstrieren nach
Freitagsgebet gegen Tötung Jassins. UNO wirft Israel Behinderung
von Hilfe für den Gazastreifen vor
Sa.27.03.04 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon wird am 14. April
im Weissen Haus in Washington mit US-Präsident George W. Bush
zusammentreffen.Bei dem Treffen am 14. April wolle Bush mit Scharon
über "Entwicklungen im Nahen Osten und wichtige bilaterale
Angelegenheiten" sprechen, teilte Bushs Sprecher Scott McClellan am
Freitag bei einem Besuch des US-Präsidenten in Phoenix im
US-Bundesstaat Arizona mit. Unter anderem solle es um "den Krieg gegen
den Terrorismus und die Suche nach einem
israelisch-palästinensischen Frieden" gehen. Zwei Tage vor dem
geplanten Treffen mit Scharon will Bush nach Angaben des Weißen
Hauses den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak empfangen.
Für den 21. April ist demnach ein Besuch des jordanischen
Königs Abdullah II. in Washington geplant.
Vier Tage nach der gezielten Tötung des Hamas-Führers Scheich
Ahmed Jassin ist es in den besetzten Gebieten zu mehreren gewaltsamen
Zwischenfällen gekommen. In Erwartung von Ausschreitungen
schränkten die israelischen Behörden den Zugang zum
Freitagsgebet in der Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg
ein. Am Abend fanden in zahlreichen Orten des Gazastreifens und
Westjordanlands Kundgebungen statt, bei denen die Hamas abermals
Vergeltung für den Tod Jassins androhte.
Drei bewaffnete Palästinenser in Schwimmanzügen drangen in
der Nacht zum Freitag auf den Strand der jüdischen Siedlung Tel
Katifa im Gazastreifen vor und eröffneten das Feuer. Zwei von
ihnen wurden nach Militärangaben von Wachsoldaten erschossen, ein
dritter konnte verletzt fliehen. Zu dem Überfall bekannte sich die
Hamas-Bewegung, die auf einem Flugblatt vom «Beginn einer
Erdbeben-Operation» sprach.
Im Flüchtlingslager Balata im Westjordanland explodierte das Auto
eines Kämpfers der Al-Aksa-Brigaden, der sofort tot war. Offenbar
transportierte der Mann Sprengsätze, die vorzeitig explodierten.
In Bethlehem erschossen israelische Soldaten einen Palästinenser,
nachdem Jugendliche Steine auf die Truppen geworfen hatten.
Aufmärsche der Hamas fanden am Freitagabend unter anderem in
Ramallah sowie in Nablus im Westjordanland statt. Mehrere tausend
Menschen schworen dabei Rache für Jassin. In Nablus wurde die
Nachbildung eines israelischen Busses in Brand gesetzt. In Gaza
attackierte ein enger Vertrauter Jassins, Ismail Hanijeh, die USA.
Diese hatten mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat eine Verurteilung des
gezielten Angriffs auf den Hamas-Gründer blockiert. Botschafter
John Negroponte wies den von Algerien eingebrachten Resolutionsentwurf
als einseitig zurück.
Elf Staaten im Sicherheitsrat stimmten der Entschliessung zu, darunter
auch Frankreich. Deutschland, Grossbritannien und Rumänien
enthielten sich. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman
begrüsste die Entscheidung. Es wäre scheinheilig gewesen,
wenn der Sicherheitsrat «die Verteidigung eines Mann
übernommen hätte, dessen Lebenswerk die Zerstörung des
Friedens war». Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb
Erakat kritisierte, das amerikanische Veto werde von Israels als
Ermutigung verstanden, «den Weg der Gewalt fortzusetzen».
Auch in zahlreichen Städten der arabischen Welt protestierten
Tausende gegen den israelischen Anschlag auf Jassin. In Kairo
drängten sich 25.000 Menschen zum Freitagsgebiet in die
El-Ashar-Moschee im Zentrum. Anschliessend zogen mehrere tausend
Demonstranten durch die Strassen und riefen zum Heiligen Krieg auf.
Jugendliche trugen grüne Stirnbänder mit Parolen wie
«Wir alle sind Jassin».
In der iranischen Hauptstadt Teheran demonstrierten ebenfalls mehrere
tausend Menschen gegen Israel und schwenkten palästinensische
Fahnen. Vor der US-Botschaft in Bahrain lösten Polizisten eine
Demonstration mit Tränengas auf, nachdem die Menge mit Steinen in
Richtung des Gebäudes geworfen hatte.
Mehrere UN-Hilfsorganisationen befürchten unterdessen, ihre Arbeit
im Gazastreifen wegen der von Israel auferlegten Beschränkungen
einstellen zu müssen. In einer am Freitag veröffentlichten
Erklärung der Vereinten Nationen hiess es, seit drei Wochen
dürften keine Fahrzeuge von Hilfsorganisationen mehr den
Grenzübergang Eres passieren. Auch Nahrungsmittellieferungen
über den Übergang Karni würden behindert. «Es gibt
Grenzen, über die wir nicht hinausgehen können», sagte
Jean-Marc Siblot, Leiter des Welternährungsprogramms (WFP)
für die palästinensischen Gebiete.
UN-Mitarbeiter müssten den Übergang Eres zu Fuss passieren,
was mehr als vier Stunden in Anspruch nehmen könne. Lieferwagen,
die Lebensmittel nach Gaza bringen, dürften das Gebiet manchmal
nicht wieder verlassen. Dies bedeute, dass die Hilfsorganisationen
wegen nicht fristgerechter Rückgabe Verzugsstrafen zahlen
müssten, sagte Siblot. Unter den sieben UN-Organisationen, die
deshalb eine Einstellung der Hilfe erwägen, sind das WFP, das
UN-Entwicklungsprogramm, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das
Kinderhilfswerk UNICEF.
Die Vorräte des WFP im Gazastreifen reichten noch etwa sechs
Wochen, wenn sich an den Verhältnissen nichts ändere. Die
Organisation versorgt etwa zehn Prozent der Bevölkerung des
Gazastreifens. «Wenn sie dieses Essen nicht bekommen, wird sich
ihre Lage extrem schnell verschlechtern», sagte Siblot. Die
meisten der 1,3 Millionen Palästinenser in dem Gebiet sind ganz
oder teilweise auf Hilfslieferungen angewiesen. Die israelischen
Massnahmen sind offenbar Teil von verschärften
Sicherheitsbestimmungen im Rahmen einer Offensive vor einem
möglichen Rückzug aus Gaza.
(Quellen: ap, afp)
Erneut wurde eine rote Linie überschritten
Man braucht keinen Geheimdienstbericht, um zu wissen, die Ermordung
Jassins war für die Hamas ein „Mega-Anschlag", der eine Reaktion
von gleicher Stärke hervorrufen wird. Es ist ziemlich sicher, dass
sie es nicht schaffen werden, an einen ranghohen Israeli heranzukommen
– obgleich sie dies androhen. Vorstellbar ist hingegen, dass sie
vorhaben, eine ungewöhnlich große Zahl israelischer
Zivilisten zu töten – als Ersatz. Die israelischen Geheimdienste
konzentrieren ihre Aktivitäten darauf, Racheaktionen, die Jassins
Blut rächen sollen, aufzudecken. Diese
Geheimdienst-Aktivitäten werden nach und nach weitere Terroristen
zutage fördern, die ‚den Tod verdient haben'. 10
Planungsverdächtige? 20, die es verdient haben, gezielt
getötet zu werden? Und wieviele Leute um sie herum dürfen
mitgetötet werden bzw. verletzt? 80 oder 100?
Früher oder später wird der nächste terroristische
Racheanschlag erfolgen. Es wird 11 tote Israelis geben oder auch 19,
dazu dutzende Verletzte. Grausame Krankenhausszenen werden sich
abspielen, und Familien werden leiden – man wird das als Beleg werten,
wie mörderisch die Palästinenser sind. Sie töten Juden,
nur weil sie Juden sind. Den neuen Terroranschlag werden wir weder
vergessen noch vergeben. Er - oder der nächste - wird es uns okay
erscheinen lassen, erneut eine rote Linie zu überschreiten...
Aus: Amira Hass "Erneut wurde eine rote Linie überschritten",
Ha'aretz / ZNet 24.03.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1056
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=22&ItemID=5199
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403250.htm#040325_f
|
Südafrika bewilligt sofortige Beschaffung von Aids-Medikamenten
Sa.27.03.04 - Die südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang
hat die sofortige Beschaffung von Aids-Medikamenten bewilligt. Wie die
südafrikanische Zeitung "This Day" am Donnerstag berichtete, kann
nun mit der Abgabe von antiretroviralen Medikamenten an Aids-Kranke
begonnen werden, noch bevor langfristige Lieferverträge mit den
großen internationalen Pharmaunternehmen abgeschlossen sind. Die
südafrikanische Regierung hatte im Herbst die kostenlose Abgabe
von Aids-Medikamenten beschlossen.
Mit der Entscheidung kam Thsabalala-Msimang den Forderungen von
Aids-Hilfe-Gruppen entgegen, die mit einem gerichtlichen Vorgehen
gedroht hatten, falls nicht umgehend mit der Abgabe von
Aids-Medikamenten begonnen werde. Das Gesundheitsministerium hatte die
Abgabe der Medikamente zuerst mit dem Hinweis darauf verzögert,
dass das Personal in den Kliniken trainiert werden müsse. Dann war
die Vergabe wegen langwieriger Verhandlungen mit Unternehmen verschoben
worden.
Südafrika hat mit 4,7 Millionen HIV-Positiven eine der
höchsten Aids-Raten der Welt. Elf Prozent der Bevölkerung
sind infiziert. Zurzeit erhalten nur einige Tausend der etwa 500.000
Aids-Kranken antiretrovirale Medikamente, die das Leben
verlängern. Dabei handelt es sich um Privatversicherte und einige
Hundert Privilegierte, die Zugang zu einem der Pilotprojekte erhielten.
(Quelle: epd)
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema "Aids" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030511
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402200.htm#04022011
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#03120904
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#031209ex
UN-Menschenrechtler prangern Gräueltaten in Sudan an
Sa.27.03.04 - Die Lage im Westen Sudans gibt Menschenrechtlern immer
größeren Anlass zur Sorge. In der Provinz Darfur zeichne
sich trotz der Friedensgespräche zwischen Regierung und Rebellen
eine unermessliche Katastrophe für die Bevölkerung ab,
erklärten acht für die Region zuständige Experten der
UN-Menschenrechtskommission am heutigen Freitag in Genf. Sie verwiesen
auf Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen, Übergriffe auf
Flüchtlinge, Entführungen von Kindern, Brandschatzungen und
Plünderungen von Dörfern sowie mutwillige Tötungen von
Vieh.
In der Provinz Darfur haben sich Rebellen gegen die Streitkräfte
und deren paramilitärische Anhänger erhoben. Vor allem die
Milizen seien für die Gräueltaten an der
Zivilbevölkerung verantwortlich, erklärten die
Menschenrechtsexperten. Die Regierung ermutige sie offenbar dazu, um
die nicht-arabische Bewohner aus der Region zu vertreiben. Bei den
Aufständischen handelt es sich zumeist um islamische Afrikaner,
während die Regierung in Khartum überwiegend von islamischen
Arabern gestellt wird.
Die Kämpfe haben nach Schätzungen von Hilfsorganisationen
schon hunderte Menschen das Leben gekostet und mehr als 800.000 aus
ihren Dörfern vertrieben. Etwa 110.000 Flüchtlinge gingen ins
benachbarte Tschad.
(Quelle: ap)
China droht Intervention in Taiwan an
Sa.27.03.04 - China hat erstmals eine Einmischung in Taiwan angedroht, falls die
innenpolitischen Spannungen nach dem knappen Ausgang der
Präsidentenwahl «außer Kontrolle geraten». Nach
der Ausrufung von Präsident Chen Shui-bian zum Wahlsieger stellte
sich Peking demonstrativ auf die Seite des Oppositionskandidaten Lien
Chan. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Taipeh
reagierte mit Verärgerung auf die Drohung und sprach von einer
«groben Einmischung» in die internen Angelegenheiten
Taiwans.
(Quelle: dpa)
Russland: Duma fordert Freilassung Milosevics
Sa.27.03.04 - Das Unterhaus des russischen Parlaments hat am Freitag die Freilassung
des jugoslawischen Expräsidenten Slobodan Milosevic für die
Dauer seines Kriegsverbrecherprozesses in Den Haag gefordert. Der
Prozess befinde sich bereits im dritten Jahr, ohne Aussicht auf ein
rasches und faires Ende, hieß es in der mit 234 zu 27 Stimmen
angenommenen Erklärung der Staatsduma. Die Abgeordneten seien
zutiefst besorgt über den Gesundheitszustand des Angeklagten.
Milosevic steht vor dem Haager UN-Tribunal wegen Kriegsverbrechen
während der Balkan-Kriege vor Gericht. Er hat sich in allen 66
Anklagepunkten für nicht schuldig erklärt. In den vergangenen
Monaten hatte die Anklage fast 300 Zeugen befragt. Im Juni soll
Milosevic mit seiner Verteidigung beginnen, die er auf eigenen Wunsch
selbst übernommen hat.
(Quelle: ap)
Kosovo-Krise
Belgrader Parlament sieht Kosovo als untrennbaren Teil Serbiens.
KFOR-Kommandeur hält Entwarnung im Kosovo für verfrüht.
Koschnick hält neue Gewalt im Kosovo jederzeit für
möglich
Sa.27.03.04 - Das Belgrader Parlament hat mehr Autonomie für die Serben im
Kosovo gefordert. Die mehrheitlich von Albanern bewohnte Provinz sei
ein untrennbarer Bestandteil Serbiens, und den dort lebenden Serben
müssten «neue institutionelle Garantien ihres Status»
gewährt werden, betonten die Abgeordneten in einer am Freitag
verabschiedeten Erklärung. Alle anwesenden 220 Abgeordneten des
serbischen Parlaments stimmten für die Erklärung.
Nach den blutigen Unruhen in der vergangenen Woche rief die Versammlung
die Vereinten Nationen auf, ihre Politik im Kosovo zu überdenken.
Die serbische Provinz steht seit 1999 unter UN-Verwaltung. Für die
jüngste Gewalt machten die Abgeordneten die Albaner im Kosovo
verantwortlich und sprachen vom Versuch einer «ethnischen
Säuberung».
Vor der Abstimmung bekräftigte Ministerpräsident Vojislav
Kostunica seine Überzeugung, dass ein multiethnisches Kosovo
«unmöglich zu erreichen» sei. Er sprach sich für
ein Nebeneinander von Serben und Albanern und die Schaffung serbischer
Zonen in der Krisenprovinz aus. Eine Autonomie für die serbische
Minderheit sei für eine Koexistenz von Serben und Albanern im
Kosovo notwendig, erklärte er.
Nach den jüngsten Unruhen im Kosovo hält der Kommandeur der
internationalen KFOR-Friedenstruppe, der deutsche General Holger
Kammerhoff, eine Entwarnung für verfrüht. Die gewaltsamen
Auseinandersetzungen mit 28 Toten hätten "immensen" politischen
Schaden angerichtet, sagte Kammerhoff im Gespräch mit der
"Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe). "Nach den schweren
Ausschreitungen kommt es nun darauf an, wieder ein sicheres Umfeld zu
garantieren." Er halte es dabei "auf absehbare Zeit" nicht für
möglich, die KFOR-Truppe zu verkleinern. "Kurz und mittelfristig
sehe ich sogar das Gegenteil, nämlich die Notwendigkeit
zusätzlicher Kräfte", sagte der General. Eine Lösung des
Konfliktes sei aber "nur politisch möglich".
Auch der frühere EU-Administrator der bosnischen Stadt Mostar,
Hans Koschnick, hält neue Gewalt im Kosovo jederzeit für
möglich. Der frühere Bremer Regierungschef sagte der
Nachrichtenagentur dpa, Albaner und Serben zeigten überhaupt keine
Bereitschaft, miteinander zu leben. Es sei daher richtig gewesen, dass
die Europäer sofort zusätzliche Truppen geschickt haben, als
die Gewalt jüngst aufflammte. Er gehe davon aus, das
internationale Truppen noch 30 Jahre im Kosovo bleiben müssen, so
Koschnick weiter.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Polnischer Ministerpräsident Miller tritt zurück
Sa.27.03.04 - Wenige Wochen vor dem EU-Beitritt seines Landes hat der polnische
Regierungschef Leszek Miller seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er
werde sein Amt am 2. Mai abgeben, einen Tag nach dem Beitritt Polens
zur Europäischen Union, sagte Miller. Er zog damit die Kosequenzen
aus einem anhaltenden Umfragetief und wachsendem Druck wegen einer
Serie von Affären. Präsident Aleksander Kwasniewski
kündigte für Montag den Beginn von Sondierungsgesprächen
für die Bildung einer neuen Regierung an.
Um die Bildung einer neuen Regierung zu erleichtern, habe er schon
jetzt seine Entscheidung zum Rücktritt bekannt gegeben, sagte
Miller in Warschau kurz nach seiner Rückkehr vom Brüsseler
EU-Gipfel. Millers Regierung liegt in Umfragen wegen mehrerer
Korruptionsaffären und einer anhaltend hohen Arbeitslosenrate bei
nur noch neun Prozent. Anfang März war Miller bereits vom Amt des
Parteichefs zurückgetreten.
Zuletzt musste Miller im Streit um die EU-Verfassung wegen des
Machtwechsels in Spanien seine bisher harte Haltung aufgeben und sich
der Mehrheit der EU-Staaten in der Frage der künftigen
Abstimmungsverhältnisse in der erweiterten EU beugen. Von Madrid
nach der spanischen Parlamentswahl allein gelassen, signalisierte
Miller in der Verfassungsfrage bereits beim jüngsten Besuch von
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Dienstag in Warschau einen
Kurswechsel in der Verfassungsfrage.
Kwasniewski sagte, eine neue Regierung solle bis zum 16. Mai vor dem
Parlament vereidigt werden - zwei Wochen nach dem Rücktritt
Millers. Bis dahin führt die Regierung Miller die
Amtsgeschäfte weiter.
Kurz vor der Rücktrittsankündigung hatten 27 Mitglieder des
regierenden Bündnisses der Demokratischen Linken (SLD) die Bildung
einer eigenen Links-Partei bekannt gegeben. Der bisher der SLD
angehörende Parlamentspräsident Marek Borowski
begründete dies mit den Worten, Miller habe "das Vertrauen
verloren" und müsse gehen. Die SLD habe "innerhalb von zweieinhalb
Jahren 4,5 Millionen Wähler verloren". Die neue Partei will eine
eigene Liste für die Wahl zum Europaparlament am 13. Juni
aufstellen.
(Quelle: afp)
Italien: Generalstreik gegen Wirtschaftspolitik und Rentenpläne
der Regierung
Sa.27.03.04 - Beim vierten landesweiten Generalstreik in Italien seit Antritt der
Regierung von Silvio Berlusconi sind hunderttausende Menschen gegen die
Wirtschaftspolitik und die geplante Rentenreform der Regierung auf die
Straßen gegangen. Nach Angaben der drei größten
italienischen Gewerkschaften nahmen in den Großstädten rund
eine halbe Million Menschen an Kundgebungen teil.
Gewerkschaftschef Luigi Angeletti von der gemäßigten UIL
forderte in Rom eine Umkehr in der Wirtschaftspolitik: "Wir brauchen
mehr Entwicklung und mehr Beschäftigung." Guglielmo Epifani, Chef
der größten Gewerkschaft CGIL, bezeichnete den Streik als
"Antwort, um der Regierung zu sagen, dass sie beinahe alles falsch
macht".
Der Streik war auf vier Stunden befristet. Schulen, Banken und
Postämter blieben jedoch den ganzen Tag geschlossen,
öffentliche Verkehrsmittel waren nur beschränkt im Einsatz.
Der Flugverkehr war nicht beeinträchtigt; allerdings sind hier
wegen Stellenabbaus Streiks für den 5. April geplant.
Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich im Fiat-Werk nahe Turin 60
Prozent der Belegschaft an dem Ausstand. Fiat als größter
privater Arbeitgeber des Landes ist erfahrungsgemäß ein
Indikator dafür, ob Streikaufrufe in Italien befolgt werden. In
Rom, Mailand, Turin, Bologna und anderen Städten versammelten sich
tausende Streikende zu Protestmärschen. In Parma führten die
Angestellten des krisengeschüttelten Lebensmittelkonzerns Parmalat
den Protest an.
Epifani betonte, dass sich der Protest nicht nur gegen die Rentenreform
richte, obwohl sie im Zentrum des Streikaufrufs stand. "In den
vergangenen 36 Monaten hat Italien einen Stillstand erlebt, die
längste Periode industrieller Stagnation der Nachkriegszeit",
sagte Epifani. Rund 1500 Unternehmen mit etwa 200.000 Arbeitnehmern
steckten landesweit in einer Krise.
Alle großen Gewerkschaften des Landes hatten zu dem Generalstreik
aufgerufen. Nach den Plänen der Regierung sollen die Italiener
künftig 40 Jahre lang arbeiten, um den vollen Rentenanspruch zu
erwerben. Zurzeit ist dies für über 57-Jährige bereits
nach 35 Jahren Arbeit möglich. Die Rentenreform muss noch vom
Parlament verabschiedet werden.
(Quelle: afp)
Antiterror-Aktionsplan der EU erntet vehemente Kritik
Sa.27.03.04 - Der Aktionsplan der EU zur Bekämpfung des Terrorismus, den die
Staats- und Regierungschefs der Union auf ihrem gestern zu Ende
gegangen Frühlingstreffen in Brüssel verabschiedet haben,
schießt nach Ansicht von Datenschützern und
Bürgerrechtlern weit über sein Ziel hinaus. Die Kritiker
befürchten, dass der von den Spitzenpolitikern erwünschte
grenz- und sektorenüberschreitende Datenverbund zwischen Polizei,
sonstigen Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten die Grundpfeiler
des freiheitlichen Rechtsstaats untergräbt...
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46051
Deutsche Terror-Spur versandet
Sa.27.03.04 - Generalbundesanwalt Kay Nehm hat bislang keine Hinweise darauf, dass
die Terroranschläge von Madrid in Deutschland geplant oder
vorbereitet wurden. Das gab die Bundesanwaltschaft am Freitag in
Karlsruhe bekannt. Derzeit werde aber wegen des Verdachts der
Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung
gegen einen 28 Jahre alten Marokkaner ermittelt, der sich im Oktober
2003 in Darmstadt polizeilich gemeldet hat, aber vermutlich nur einige
Tage in der Stadt verbrachte.
(Quelle: dpa)
Behrens erwartet von Muslimen Distanzierung vom Terrorismus
Sa.27.03.04 - Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens erwartet von den
Muslimen in Deutschland eine klare Distanzierung von islamistischen
Organisationen, die mit ihrer Hetze gegen westliche Werte dem
Terrorismus Vorschub leisten. «Der Kampf gegen islamistische
Ideologien ist genau so wichtig wie der Kampf gegen den islamistischen
Terrorismus selbst», sagte Behrens am Freitag bei der Vorstellung
des Landes-Verfassungsschutzberichtes in Düsseldorf.
«Wir können nicht zulassen, dass sich in Deutschland eine
fundamentalistische islamische Parallelgesellschaft entwickelt»,
betonte de Minister. Deshalb sei es wichtig, den Kampf gegen eine
schleichende Ausweitung islamistischer Anschauungen unter den Muslimen
zu führen.
Organisationen, wie etwa die größte in Deutschland
tätige islamistische Organisation Milli Görüs, wollten
ihre antiwestliche Weltsicht bei in Deutschland lebenden Muslimen
verbreiten. Dafür nähmen sie geschickt religiöse Themen
auf, die auch die große Mehrheit der nicht-extremistischen
Muslime bewegten. Gerade die Kopftuch-Debatte zeige, wie ein Element
des islamischen Glaubens als Symbol gegen den angeblich moralisch
verkommenen Westen eingesetzt werde. «Wir dürfen die
Gefahren nicht unterschätzen, die von in Deutschland gewaltfrei
agierenden islamistischen Organisationen ausgehen», mahnte
Behrens.
Der Düsseldorfer Innenminister betonte, Deutschland gehöre
nach den derzeitigen Erkenntnissen nicht in erster Linie zu den durch
islamistisch motivierten Terrorismus besonders gefährdeten
Ländern. Es sei aber eine Illusion zu glauben, man könne sich
gegen jeden Anschlag schützen. «Nach wie vor gehen alle
Sicherheitsbehörden davon aus, dass Deutschland nicht nur Ruhe-
und Rückzugsraum ist, sondern auch Ziel von Anschlägen
islamistischer Terroristen werden kann», sagte Behrens.
Hinweise auf konkrete Anschlagsvorbereitungen lägen ihm aber nicht
vor, betonte der Minister. Dennoch seien nach den Anschlägen von
Madrid die Schutzvorkehrungen insbesondere für amerikanische,
englische israelische und jüdische Einrichtungen sowie für
Einrichtungen der weiteren in den Irak-Konflikt involvierten Staaten
noch einmal angepasst worden.
Bisher spielen ausländerextremistische Gewalttaten im
bevölkerungsreichsten Bundesland aber nur eine untergeordnete
Rolle. Von insgesamt 201 extremistischen Gewalttaten, die 2003 vom
Verfassungsschutz registriert worden, gingen gerade 13 Fälle auf
das Konto ausländischer Extremisten. Der größte Teil,
115 Fälle, wurde von Rechtsextremisten begangen. 62 Gewalttaten
gingen auf das Konto von Linksextremisten. Insgesamt ging die politisch
motivierte Gewaltkriminalität aber um zwölf Prozent
zurück und erreichte den niedrigsten Stand seit sechs Jahren.
(Quelle: ap)
Koalition einigt sich auf schnelle Ausweisung Terrorverdächtiger
Schily legt Vorschläge zur Abschiebung vor. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer
Beck: Sicherheitsaspekte gehören nicht ins Zuwanderungsgesetz
Sa.27.03.04 - SPD und Grüne haben sich auf eine Verkürzung des Verfahrens
bei der Ausweisung terrorverdächtiger Ausländer geeinigt.
Für die gerichtliche Überprüfung solcher Ausweisungen
solle künftig nur das Bundesverwaltungsgericht zuständig
sein. Das sagte der innenpolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, in Berlin. Mit diesem
Vorschlag sehe er gute Chancen für eine Einigung im
Zuwanderungsstreit schon in der kommenden Woche.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat am Freitag Vorschläge
vorgestellt, um die Regelungen zur Abschiebung in Deutschland lebender
und terrorverdächtiger Ausländer zu verschärfen.
«Wenn die Polizei und die Geheimdienste Erkenntnisse haben, dass
eine Person eine potenzielle Gefahr für unser Land darstellt,
müssen wir ausweisen können», sagte der Innenminister
der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe).
Schily kündigte auch härtere Regelungen für
Terrorverdächtige an, die aufgrund internationaler Verträge
nicht in ihre Heimat abgeschoben werden können, etwa wenn ihnen
dort Folter droht. «Dann müssen wir Meldeauflagen,
Aufenthaltsbeschränkungen und auch Sicherungshaft anordnen
können», betonte der Minister. «Für diese
Fälle müssen wir Regelungen schaffen, damit wir die
Verdächtigen im Visier behalten können»,
begründete Schily seine Vorschläge.
Danach ist geplant, dass das Bundesinnenministerium bei einer auf
Tatsachen gestützten Einschätzung, dass eine bestimmte Person
eine Gefahr darstellt, die Ausweisung verfügen soll. In diese
Einschätzung sollen alle Erkenntnisse der Polizei sowie der
Geheimdienste einfließen. «Wenn wir von einer Person genau
wissen, dass sie in einem Lager in Afghanistan ausgebildet wurde, muss
das ausreichen, um sie ausweisen und abschieben zu können»,
betonte der Minister.
Dazu will er ein neues rechtliches Instrument schaffen, die
Abschiebungsanordnung. Mit ihr sollen die bislang getrennten
Entscheidungen von Ausweisung und Abschiebung zusammengelegt werden,
sowohl bei den Behörden wie vor Gericht. «Die
Entscheidungswege müssen verkürzt werden», ist Schily
überzeugt. Die rechtlichen Möglichkeiten der
Verdächtigen dagegen vorzugehen, möchte er einschränken.
Eine Spezialkammer, die beim Bundesverwaltungsgericht angesiedelt wird,
soll in erster und letzter Instanz entscheiden.
Um die Kontrolle zu gewährleisten, soll nach den Plänen des
Bundesinnenministers eine parlamentarische Einrichtung nach dem Vorbild
des Parlamentarischen Kontrollgremiums die Ausweisungen prüfen.
«Damit wird sichergestellt, dass es keinen Missbrauch
gibt», betonte Schily. Forderungen der Länder, dass nicht
das Bundesinnenministerium, sondern die Landesinnenministerien
über die Ausweisungen Terrorverdächtiger verfügen
sollen, hält er für diskutabel. «Allerdings muss dann
das Bundesinnenministerium bei Fällen besonderer Bedeutung die
Verfahren an sich ziehen können», schlug er vor.
Im ARD-Fernsehen sagte Schily am Freitagabend, die Koalitionsfraktionen
hätten sich «vom Grundsatz her» bereits positiv zu
seinen Vorschlägen geäußert. Auch die von der CDU
regierten Bundesländer hätten Zustimmung signalisiert.
Die Grünen haben sich derweil auf eine Trennung von Zuwanderung
und Sicherheitsaspekten festgelegt. «Wir dürfen nicht alle
Ausländer unter Generalverdacht stellen. Die Sicherheitsaspekte
gehören nicht ins Zuwanderungsgesetz, sondern in ein eigenes
Gesetz», sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer
Volker Beck der Tageszeitung «Die Welt» (Samstagausgabe).
Nötig sei eine nüchterne Analyse, was die nach dem 11.
September 2001 beschlossenen Anti-Terror-Gesetze gebracht haben.
Beck sagte: «Die eigentlichen Probleme liegen bei der
Qualität und der Struktur der Aufklärungsarbeit unserer
Geheimdienste.» Beim Bundesamt für Verfassungsschutz
müsse eine zentrale Kompetenz für
Terrorismus-Bekämpfung, überregionalen Extremismus und
Extremismus mit Auslandsbezug geschaffen werden, um
«Reibungsverluste» zu vermeiden.
Zur Forderung der Union, gefährliche extremistische Ausländer
durch gesetzlich festgelegte, strafbewehrte Meldepflichten und
Wohnsitzauflagen zu überwachen, sagte Beck, solche Maßnahmen
könne man bei Ausländern anwenden, bei denen aus rechtlichen
und tatsächlichen Gründen eine Abschiebung trotz
Terrrorismusgefahr unmöglich sei. «In Deutschland leben
allein rund 30 000 Anhänger der islamistischen Gruppe Milli
Görus. Wenn wir von denen verlangen, dass sie sich drei Mal am Tag
bei der Polizei melden, können die Dienststellen ihre Arbeit
einstellen», sagte Beck der Zeitung. Dies sei nicht praktikabel
und führe nicht zu mehr Sicherheit.
(Quellen: dpa, ddp)
Datenschützer warnen vor überzogenen Maßnahmen
Sa.27.03.04 - Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern haben davor
gewarnt, den Datenschutz im Interesse zu Gunsten der Inneren Sicherheit
zurückzuschrauben. Zum Abschluss ihrer zweitägigen Konferenz
in Saarbrücken wandten sie sich vor allem gegen Forderungen, die
Daten aller Sicherheitsbehörden zusammenzuführen.
Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, unterstrich,
Nachrichtendienste und Polizei hätten unterschiedliche Aufgaben
und Befugnisse. Zudem sprächen auch praktische Gründe
dagegen. So müsse die Polizei bei Hinweisen sofort tätig
werden und würde damit «nachrichtliche Ermittlungen
verstopfen». Weiter betonte Schaar, ihm sei kein aktueller Fall
bekannt, in dem der Datenschutz entsprechende Ermittlungen behindert
habe.
Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Großen
Lauschangriff wurde von der Konferenz einhellig begrüßt. Der
saarländische Landesbeauftragte und Konferenzvorsitzende Karl
Albert rechnet nach eigenen Angaben nun auch mit Beschränkungen
bei der Telefonüberwachung. Auch müssten jetzt andere Formen
von Eingriffsmöglichkeiten wie die längerfristige Observation
oder der Einsatz von Vertrauenspersonen und verdeckten Ermittlern auf
den Prüfstand.
Besorgt äußerte sich die Konferenz über die technischen
Möglichkeiten zur automatischen Erfassung von Kfz-Kennzeichen
beispielsweise im Rahmen des Maut-Systems. Hier müsse
ausgeschlossen werden, dass Daten über unverdächtige Personen
gespeichert und Polizei-Dateien abgeglichen werden. Gleichzeitig
bekräftigten die Datenschützer ihre Kritik an der
Übermittlung umfangreicher Flugpassagierdaten von Telefonnummern
bis hin zu persönlichen Essenswünschen an die USA.
«Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen», meinte
Schaar und äußerte die Hoffnung, dass sich das
Europa-Parlament gegen den zwischen EU-Kommission und US-Regierung
ausgehandelten Vertrag wenden werde.
Weiter warnten die Datenschützer vor dem Vordringen einheitlicher
Personennummern etwa im Steuer- oder Gesundheitsbereich. In der
Entschließung heißt es wörtlich, der Staat dürfe
seine Bürgerinnen und Bürger «nicht zur Nummer
abstempeln». Schließlich forderte die Konferenz die
Einführung eines Forschungsgeheimnisses für medizinische
Daten.
(Quelle: ap)
Stiftung IG Farbenindustrie will an Vermögenswerte in der Schweiz
Sa.27.03.04 - Überlebende Zwangsarbeiter des früheren NS-Musterkonzerns IG
Farben sollen trotz Insolvenz doch noch auf Entschädigungen aus
dem Firmenvermögen hoffen können. Die 2001 gegründete
Stiftung IG Farbenindustrie teilte am Freitag in Berlin mit, sie wolle
auf dem Verhandlungs- oder im Klagewege an zum größten Teil
in der Schweiz vermutetes Auslandvermögen heranzukommen. «Da
hat die Schweiz noch etwas zu erledigen,» sagte Stiftungsanwalt
Matthias Druba.
Die Stiftung verfügt nach eigenen Angaben bisher weder über
Finanzmittel noch über ein Kuratorium. Stiftungsgründer sind
der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Pollehn, der ebenso wie
der Jurist Otto Bernhardt Liquidator der IG Farbenindustrie AG in
Abwicklung bis zu deren Insolvenz im November war. Berater sind der
ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) sowie der Historiker
und Judaist Ernst Ludwig Ehrlich.
Die Stiftung unterstrich, dass sie nichts mit dem US-Anwalt und
Sammelkläger Edward Fagan zu tun habe. Fagan hatte im Februar bei
einem New Yorker Bezirksgericht eine Klage von 35 Milliarden Dollar
gegen die Schweizer Bank UBS eingereicht. Die UBS bestritt damals jede
Grundlage für Forderungen im Zusammenhang mit Interhandel.
Die Stiftung vertritt nach den Worten Drubas keine
Aktionärsinteressen. Sie hoffe, dass die seit langem bestehenden
Ansprüche der IG Farben gegen die Rechtsnachfolgerin, der
Schweizer Interhandel «werthaltig genug sind, um die Ziele der
Stiftung zu fördern». Die Beteiligungsgesellschaft
Interhandel hatte 1967 offiziell mit mit der Schweizerischen
Bankgesellschaft (SBG) fusioniert, die 1998 mit der UBS verschmolz.
Die Interhandel war Ende der 1920er Jahre vom deutschen Chemiekonzern
IG Farben als IG Chemie gegründet, 1940 aber abgespalten worden.
Die US-Vermögen der Schweizer Firma wurde während des Zweiten
Weltkrieges von den USA beschlagnahmt und erst 1965 teilweise wieder
freigegeben. Gut 120 Millionen Dollar, damals nach Angaben Drubas rund
500 Millionen Schweizer Franken, flossen an die Interhandel.
Druba sagte, wenn es gelinge, an die Schweizer Vermögenswerte
heranzukommen, dann könnte «erstmals in der
unrühmlichen Geschichte» des Konzerns etwas Positives
herauskommen. Trotz Erfüllung rechtlicher Verpflichtungen
gegenüber den früheren Opfern bleibe die IG Farben bis zu
ihrem endgültigen rechtlichen Erlöschen an eine
«moralische Verpflichtung gebunden, die sich nicht aus dem Gesetz
ergibt und die keinerlei Einschränkungen unterliegt.»
Die IG Farben wurde 1925 nach stufenweisen Fusionen der
Vorläufergesellschaften Bayer, BASF und Hoechst gegründet und
arbeitete in großem Umfang mit dem Nazi-Regime zusammen. Die
Tochterfirma Degesch, an der auch Degussa beteiligt war, stellte das
berüchtigte Giftgas Zyklon B her, mit dem Millionen Menschen
umgebracht wurden. Der Konzern profitierte von der Arisierung und
Eingliederung von Chemieunternehmen, der Rekrutierung von Zwangs- und
Fremdarbeitern und der Ausbeutung von KZ-Häftlingen. 1944
beschäftigte der Konzern mehr als 83.000 ausländische
Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Im konzerneigenen Arbeitslager
Auschwitz-Monowitz starben insgesamt 120.000 Menschen.
Im Nürnberger Tribunal wurden Verantwortliche 1948 zu Haftstrafen
bis zu acht Jahren verurteilt. Bis 1951 wurden alle von den
US-Besatzungsbehörden begnadigt.
(Quelle: ap)
Ifo-Zahlen wecken Zweifel an Aufschwung in Deutschland
Sa.27.03.04 - Der erwartete Konjunkturaufschwung in Deutschland lässt weiter auf
sich warten. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im März erneut
gesunken. Die Sorgen über den weiteren Konjunkturverlauf haben
sich verstärkt, sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn in München.
Die Terroranschläge von Madrid hätten keine Auswirkungen
gehabt. Daher könne die Stimmungsverschlechterung nicht als
vorübergehende Bewegung abgetan werden. Das ifo-Institut
prüft nun eine Senkung seiner Wachstumsprognose für das
laufende Jahr.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sprach von einem Warnsignal.
Nun müssten alle Kräfte darauf gerichtet werden, den
Industriestandort Deutschland und die Erholungstendenzen zu
stärken, sagte der SPD-Politiker in Berlin. An seiner
Wachstumsprognose von 1,5 bis 2,0 Prozent für dieses Jahr halte er
trotzdem fest. Die Opposition warf der Regierung vor, die Wirtschaft
mit ständigen Kurswechseln und Abgabeplänen zu verunsichern.
Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel im März erneut um einen
Punkt auf 95,4 Punkte. Massiv war der Rückgang im Einzelhandel.
Die Konjunkturentwicklung kranke nach wie vor an der schwachen
Inlandsnachfrage, erklärte Sinn. Aber auch in der Industrie ging
der Klimaindikator trotz besserer Exporterwartungen zurück. Nur im
Baugewerbe und im Großhandel verbessert sich das Klima etwas.
Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb sagte: «Der Aufschwung ist noch
nicht in Gefahr. Aber die Stärke des Aufschwungs muss schon noch
mal überprüft werden.»
Clement sagte, was den Wirtschaftsstandort Deutschland schwäche,
müsse aus dem Weg geräumt werden, auch um die Abwanderung von
Unternehmen aus Deutschland zu verhindern. Er appellierte an die
Gewerkschaften, die Konjunkturerholung zu unterstützen.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, die Debatten über
eine Ausbildungsplatzabgabe, neue Steuern und den Emissionshandel
verunsicherten Unternehmer wie Verbraucher. Das Hin und Her in der
Wirtschaftspolitik führe dazu, dass die Menschen ihr Geld zusammen
hielten und auf bessere Zeiten warteten. FDP-Chef Guido Westerwelle
sagte, der Aufschwung liege noch in weiter Ferne, und warf
Bundeskanzler Gerhard Schröder «dramatischen
Realitätsverlust» und «Schönmalerei» vor.
Er solle die Reformen nicht zurückdrehen, sondern viel mutiger
vorantreiben.
Nach neun Monaten Anstieg war der Geschäftsklimaindex im Februar
gesunken und fiel jetzt weiter. Der Index für die aktuelle Lage
sank um einen halben Punkt auf 92,1 Punkte, der Index für die
Erwartungen fiel von 110,3 auf 98,9 Punkte.
Nerb erklärte, auch der starke Euro und die Wirtschaftspolitik
spielten mit hinein. Der massive Rückgang beim Einzelhandel habe
den ganzen Indikator nach unten gezogen. Die
Investitionsgüterindustrie habe sich ganz gut gehalten, bei der
Chemie- und Stahlindustrie sei die Luft etwas draußen, und bei
der Konsumgüterindustrie laufe es nicht gut. Die Europäische
Zentralbank hätte Spielraum für eine Zinssenkung, sagte Nerb.
(Quelle: ap)
Politiker und Wirtschaft für längere Arbeitszeiten
Sa.27.03.04 - Die von den Bundesländern beschlossene Wiedereinführung der
40-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst ist für Politiker und
Industrieverbände ein Vorbild für die Wirtschaft. Der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, ist davon überzeugt,
dass längere Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst nicht nur
mehr Service für den Bürger, sondern auch zusätzliche
Spielräume für Steuersenkungen bedeuten, wie er der
«Welt am Sonntag» sagte. Dadurch gewinne der Standort
Deutschland an Attraktivität, sagte Wansleben. So würden zwei
Stunden Mehrarbeit pro Woche die Betriebe wettbewerbsfähiger
machen und zusätzliche Chancen auf den Weltmärkten
eröffnen.
FDP-Chef Guido Westerwelle will die Entscheidung dazu in die Betriebe
verlagern. Nach seinem Vorschlag sollen die Arbeitnehmer «selbst
über ihre Wochenstunden entscheiden können, ohne dass ihnen
Gewerkschaftsfunktionäre Vorschriften machen dürfen».
Wenn sich 75 Prozent einer Belegschaft in geheimer Abstimmung
dafür entscheiden, künftig wieder 40 Stunden in der Woche zu
arbeiten, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten, dann dürfe ihnen
keine Gewerkschaftsführung einen Strich durch die Rechnung machen.
Auch der Präsidentschaftskandidat von Union und FDP, Horst
Köhler, hält Mehrarbeit für ein probates Mittel, um den
Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern. Es könne für die
Bevölkerung insgesamt kein Tabu sein, darüber nachzudenken,
was geschehen muss, um dem Land zu helfen. Köhler fügte
hinzu: «Ich bin fest überzeugt davon, die meisten Deutschen
wissen, wie notwendig es ist, manchmal mehr zu arbeiten, wenn die
Umstände es verlangen.»
Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, sieht
das völlig anders und wirft den Ländern vor, sie würden
die Tarifabsprachen des letzten Jahres brechen. Das werde seine
Gewerkschaft nicht hinnehmen. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD)
bedauerte das Vorgehen der Länder. Er sehe keinen Grund für
eine Kündigung von Tarifverträgen oder Teilen davon. Auch die
Gemeinden haben bisher nicht gekündigt.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kündigte
derweil massive Arbeitszeitverlängerungen im öffentlichen
Dienst an. Der «Bild am Sonntag» sagte Stoiber, er gehe
davon aus, dass «die Länder noch in diesem Jahr für
alle neu eingestellten Angestellten und Arbeiter eine wöchentliche
Arbeitszeit in der Bandbreite von etwa 40 bis zu 42 Stunden
einführen werden». Auch sei «jede Beförderung
künftig mit der Bereitschaft für eine Arbeitszeit von 40 bis
42 Stunden verbunden», fügte der CSU-Chef hinzu.
(Quelle: ddp)
Computer und TV im Kinderzimmer rauben Schlaf
Sa.27.03.04 - Computer, Handy und Fernsehen im Kinderzimmer rauben dem Nachwuchs bis
zu einen Monat Schlaf pro Jahr. Dies geht aus einer am Freitag in
britischen Medien veröffentlichten Untersuchung hervor.
Nach einer Umfrage unter 1000 britischen Eltern von Kindern im Alter
zwischen vier und zehn Jahren schlafen diese bis zu fünf Stunden
pro Nacht weniger als die Eltern selbst während ihrer Kindheit.
Wissenschaftler warnten vor möglichen gesundheitlichen Folgen des
Schlafentzugs durch Medien.
«Dies ist die erste Generation von Kindern, die sich einer
Unmenge von Alternativen zum Schlafengehen gegenübersehen»,
sagte die Psychiaterin Luci Wiggs von der Universität Oxford. Die
genauen Langzeitauswirkungen seien zwar nicht bekannt, jedoch
könne zu wenig Schlaf das Immunsystem und das Wachstum
beeinträchtigen. Kinder in der betroffenen Altersgruppe
bräuchten zwischen zehn und zwölf Stunden Schlaf.
Nach Angaben der Wissenschaftlerin besteht die Gefahr nicht zuletzt in
der «unstrukturierten» Medienberieselung im Kinderzimmer
direkt vor dem Schlafengehen. «Es ist ein zunehmendes Problem,
dass Kinderzimmer, die früher abends zum Lesen und Schlafen
gedacht waren, mittlerweile zu Plätzen aufregender Unterhaltung
geworden sind», zitierte die BBC Prof. Jim Horne, Chef des
Schlafforschungszentrums der Universität Loughborough.
Untersuchungen zeigten beispielsweise, dass Kinder unter der Bettdecke
mit dem Handy Textmitteilungen verschickten, statt zu schlafen.
Die Wissenschaftler empfahlen Eltern, allabendlich für eine
mindestens 15 Minuten lange Entspannungsphase am Bett ihrer
Sprösslinge zu sorgen. Dazu gehöre beispielsweise das
Vorlesen. Außerdem sei es für die Kinder wichtig, jeden
Abend zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen.
(Quelle: dpa)
Hans Rudolf Zeller
Konzert zum 70. Geburtstag
eigene Werke und Beiträge von künstlerischen Weggefährten
und befreundeten Kollegen
mit
Hans Rudolf Zeller | Heinz-Klaus Metzger | Rainer Riehn
Loise Ingebos | Jörg Burkhard | Edith Rom | Stephan Wunderlich
Samstag, 10. April - 20 Uhr
München, Gasteig, Kleiner Konzertsaal
Eintritt frei
|
Hans Rudolf Zeller, geboren
1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays,
Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte.
Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen:
Dieter Schnebel Denkbare Musik
(1972) und Cage Box (1979).
Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn
1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 /
München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia
1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen
Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften -
Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata
(1963), kinem kontexte
(1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik)
sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und
Diascriptor(en) (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über
Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren
Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle
der Medienkomposition.
Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen.
Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut
- Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie).
Siebenteilige Sendereihe: Kriterien
der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003).
Sendereihe Zwischen Mythos und
Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach
(2004).
Hans Rudolf Zeller Schrift - Laut - Musik:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/hrz07.htm#schrift_laut_musik
Hans Rudolf Zeller Musik der anderen Tradition - Mikrotonale
Tonwelten
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/hrz07.htm#
mikrotonale_tonwelten
Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und
Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30. april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel.+ fax 089-39 43 66
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