Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsechsundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Anschlagsserie in Irak dauert an: Zwei britische Ingenieure bei
Überfall in Irak getötet. Irakische Ministerin und
Provinz-Polizeichef entgehen Attentaten. Erstes irakisches Ministerium
in die Selbstständigkeit entlassen. Saddam Husseins Anwalt
kritisiert USA. Israelischer Parlamentsausschuss beklagt
Fehlinformationen des Geheimdienstes zu Irak. Australien-Premier findet
Humor seines Verbündeten Bush nicht lustig
Mo.20.03.04 - Bei einem Überfall im Norden Iraks sind zwei britische Ingenieure
getötet worden. Unbekannte schossen am Sonntag auf einen Konvoi
auf dem Weg zum Elektrizitätswerk von Mossul, wie die irakische
Polizei mitteilte. Während die drei britischen Insassen eines
ersten Fahrzeugs davonkamen, wurden die beiden Ingenieure im zweiten
Wagen getötet. Nach Polizeiangaben fuhren die Ingenieure
regelmäßig zu dem Kraftwerk, um die Arbeiten zum
Wiederaufbau der Stromversorgung zu beaufsichtigen. Die maskierten
Angreifer entkamen unerkannt.
Die irakische Ministerin für öffentliche Arbeiten, Nesrin el
Barwari, ist nahe der nordirakischen Stadt Mossul nur knapp einem
Attentat entgangen. Drei Leibwächter der kurdischen Politikerin
seien getötet worden, als Unbekannte in Karama, östlich von
Mossul, das Feuer auf ihren Konvoi eröffneten, sagte der
örtliche Polizeikommandeur der Nachrichtenagentur AFP. Die
37-jährige Absolventin der US-Eliteuniversität Harvard hatte
unter anderem jahrelang an Entwicklungsprojekten im kurdischen Norden
Iraks gearbeitet. Auch auf den Polizeichef der Provinz Ninive, deren
Hauptstadt Mossul ist, wurde ein Anschlag verübt. Nach Angaben des
örtlichen Polizeikommadeurs konnten die Leibwächter von
General Mohammed Chairi el Barhawi den Angriff abwehren, dabei wurden
mehrere Menschen verletzt.
Der Chef der US-Zivilverwaltung in Irak, Paul Bremer, hat unterdessen
mit einer symbolischen Schlüsselübergabe das erste irakische
Ministerium in die Selbstständigkeit entlassen. "Sie nehmen nun
den Führungsplatz auf dem Weg in die Souveränität ein",
sagte Bremer am Sonntag an die Adresse von Gesundheitsminister
Chodajjir Abbas, der sein Ressort künftig unabhängig von der
US-Verwaltung führt.
Der französische Anwalt des irakischen Expräsidenten Saddam
Hussein hat den USA vorgeworfen, die Familie seines Mandanten über
dessen Gesundheitszustand im Unklaren zu lassen. Jacques Verges sagte
der Fernsehnachrichtenagentur APTN am Sonntag, Saddam Husseins
Angehörige hätten keinerlei Informationen über seine
körperliche oder seelische Verfassung. Die USA hätten in
mehreren Punkten gegen die Genfer Konventionen verstoßen.
Im Hinblick auf die Bilder, die nach der Verhaftung des ehemaligen
Staatschefs im Dezember veröffentlicht worden waren, kritisierte
Verges, Saddam Hussein sei behandelt worden «wie ein Tier auf
einer Ausstellung». Der Anwalt hofft nach eigenen Angaben, dass
er Saddam Husseins Fall vor den Internationalen Strafgerichtshof
(IStGH) in Den Haag bringen kann. Weder Irak noch die USA haben jedoch
das Statut des IStGH ratifiziert.
Verges hatte am Samstag mitgeteilt, ein Neffe Saddam Husseins habe ihn
im Namen der Familie mit der Verteidigung beauftragt. Der Anwalt
vertrat in der Vergangenheit unter anderen Gestapo-Chef Klaus Barbie.
Außerdem soll er den wegen Völkermords angeklagten
früheren Spitzenfunktionär der kambodschanischen Roten Khmer,
Khieu Samphan, verteidigen.
Für einen Prozess gegen Saddam Hussein gibt es noch keinen
Zeitplan. Der gestürzte irakische Präsident wurde von
US-Truppen am 14. Dezember gefangen genommen. Wo er festgehalten wird,
ist nicht bekannt.
Der Geheimdienstausschuss des israelischen Parlaments hat den
israelischen Geheimdiensten vorgeworfen, bei der Darstellung der von
Irak ausgehenden Gefahr vor und während der US-Offensive gegen das
Land übertrieben zu haben. In einem am Sonntag in Jerusalem
veröffentlichten Bericht kritisiert das Gremium, dass die Gefahr
durch irakische Massenvernichtungswaffen als zu groß dargestellt
und die Bedrohung durch libysche Atomwaffen dagegen nicht ernst
genommen worden sei.
Die parlamentarische Untersuchungskommission ist hart mit der
Geheimdienstarbeit über das irakische
Massenvernichtungswaffenprogramm ins Gericht gegangen. Die zentrale
Frage sei, warum es keine harten Fakten, sondern nur Vermutungen und
Spekulationen über die Bedrohung durch Irak gegeben habe, sagte
der Kommissionsvorsitzende Juval Steinitz am Sonntag zur Abschluss der
achtmonatigen Untersuchung. Fehleinschätzungen hätten
schließlich zu unnötigen Schritten zum Schutz der
Bevölkerung geführt, die neben Panik einen wirtschaftlichen
Millionenschaden verursacht hätten.
Die Kommission befragte in nicht öffentlichen Sitzungen 70 Zeugen.
Der Abgeordnete Haim Ramon von der oppositionellen Arbeitspartei
erklärte, er habe immer wieder auf die Beantwortung der Frage
gedrungen, auf was die Geheimdienste ihre Einschätzung
gegründet hätten, es habe eine große Bedrohung durch
irakische Massenvernichtungswaffen gegeben. «Ich habe keine
Antwort bekommen», sagte er.
Andere Ausschussmitglieder, die nicht ihren Namen genannt wissen
wollten, berichteten, von israelischen Agenten aufgegriffenes
Hörensagen sei an die USA zur Überprüfung weitergeleitet
worden. Einiges habe man auch in die Medien durchsickern lassen. Danach
seien die Informationen offenbar wieder in Umlauf gekommen und von der
israelischen Regierung als Tatsachen akzeptiert worden.
Die Kommission betonte aber, dass Israel mit seinen Informationen die
USA und Großbritannien vor deren Entscheidung zum Krieg gegen
Irak nicht vorsätzlich in die Irre geführt habe. «Wir
haben keine Entscheidung getroffen, in den Krieg zu ziehen»,
sagte Ramon. «Wir haben den Amerikanern oder Briten auch nicht
gesagt, dieses oder jenes zu tun.»
Veröffentlicht wurden 80 Seiten des Berichts, der nicht der
Geheimhaltung unterliegt. Der geheime Teil wird noch vorbereitet. Auf
Grundlage der laut Bericht auf wenig Fakten beruhenden
Einschätzung der Geheimdienste wurden nach Beginn des Irak-Krieges
israelische Bürger von den Streitkräften aufgefordert, ihre
Gasmasken zu entsiegeln und immer bei sich zu tragen. Dieser Schritt
verursachte Kosten in Millionenhöhe, hieß es.
Australiens Premierminister John Howard findet den Humor seines
US-Verbündeten George W. Bush in der Irak-Politik nicht lustig.
"Ich hätte solche Scherze nicht gemacht, wirklich nicht", sagte
Howard am Sonntag dem australischen Fernsehen. Der Premierminister
bezog sich auf einen launigen Auftritts Bushs vor Journalisten, bei dem
der Präsident am Mittwoch scherzhaft im Weißen Haus nach
Massenvernichtungswaffen suchte und dabei murmelte: "Irgendwo
müssen diese Waffen doch sein. Nö, hier sind sie nicht."
Howard kommentierte Bushs Einlage, die in den USA auf entrüstete
Kritik stieß, mit den Worten: "Jedes Land mag seinen eigenen Stil
haben. Ich jedenfalls bin extrem vorsichtig, was diese Dinge angeht."
(Quellen: afp, ap)
Zu Lasten der Toten
Präsident George Bush ... hat die Wirkung seiner Witze
unterschätzt, als er Mittwochnacht beim Essen der Radio- und
Fernsehkorrespondenten auftrat. Ausschnitte der Show wurden am
nächsten Morgen im Fernsehen gezeigt: Die amerikanische Nation sah
Bilder des Präsidenten, wie er am Boden kriechend und den Vorhang
lüpfend nach Massenvernichtungswaffen suchte. Bush selbst kommentierte
launig: "Diese Massenvernichtungswaffen müssen doch irgendwo sein"
Die Korrespondenten lachten entzückt mit - aber viele Zuschauer
waren "not amused". Der Präsident schickte wegen der
Massenvernichtungswaffen Hunderttausende in den Krieg - nun macht er
darüber Scherze auf College-Niveau.Bush hat sich verkalkuliert,
weil der Witz nicht auf seine Kosten ging, sondern zu Lasten der Toten...
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 27.03.04
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
Achter Kriegstag in Irak
Do.27.03.03 - Alliierte greifen achte Nacht in Folge Ziele in Bagdad an +++ Mindestens 15 tote Zivilisten
bei Raketen-Explosion auf einem Marktplatz im Nordosten der Hauptstadt +++ USA weisen Berichte
über gezielten Angriff auf Wohngebiet zurück +++ Bagdad auch am Morgen von weiteren
Explosionen erschüttert +++ USA: Seit Kriegsbeginn mehr als 4300 Bomben auf Irak abgeworfen +++
Kämpfe zwischen amerikanisch- britischen und irakischen Truppen nehmen an Härte zu +++
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten +++ Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen +++
Friedensforscher: Die richtigen Probleme erwarten Amerika erst nach dem Krieg +++ Bush bereitet die USA
wiederholt auf einen langen Krieg vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303270.htm#news
Neunter Kriegstag in Irak
Fr.28.03.03 - Schlimmste Bombennacht in Bagdad seit Kriegsbeginn +++ Nächtliche Angriffe
auf die Stadt Mossul +++ Weiter unerwartet harter Widerstand der irakischen Truppen +++
US-Verteidigungsminister deutet im Kampf um Bagdad eine Belagerungstaktik an +++
Rumsfeld: Es gibt nahezu ununterbrochenen Nachschub an Menschen und Material in
das Kriegsgebiet +++ Irak rechnet mit Einkesselung Bagdads in fünf bis zehn Tagen -
Militärchef kündigt blutigen Straßenkampf um Bagdad an +++ Hoffnung auf
schnelles Kriegsende schwindet +++ USA wollen angeblich über 100 000 zusätzliche
Soldaten einsetzen +++ Weit mehr als 200 Festnahmen bei Protesten gegen Irak-Krieg in New York -
Kriegsgegner legten Verkehr auf der Fifth Avenue in New York lahm +++ Radio- und Fersehsender in den
USA streichen Antikriegs-Songs aus dem Programm +++ In Deutschland reißt Protestwelle gegen Irak-Krieg
nicht ab +++ 83 Prozent der Deutschen gegen Irak-Krieg - Merkel verteidigt Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303280.htm#news
Zehnter Kriegstag in Irak
US-Luftwaffe setzt Bombardierung Bagdads unvermindert fort +++ Wieder Raketenangriff
auf einen Marktplatz - Mindestens 55 Tote +++ USA bestätigten die Berichte über den Angriff nicht +++
Lage in Basra spitzt sich weiter zu +++ Schwere Kämpfe in der Stadt Nassirijah am Euphrat dauern an +++
Bush bereitet seine Landsleute auf weitere eigene Verluste vor +++ Kurden starten nach US-Landung in
Nordirak Offensive +++ Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus +++ Alterspräsident des britischen Unterhauses:
Blair ist ein Kriegsverbrecher +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++ So genannte Koalition der
Willigen gerät zunehmend unter Druck +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++
Italien verhängt wegen Irak-Krieg Ausnahmezustand+++ Von rund 2,5 Millionen Balkonen hängt in
Italien die "Pace"-Fahne herunter +++ Arzt lehnt wegen Golfkrieg Behandlung von Amerikanern ab +++ Der Irak-Krieg
ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303290.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Kein Ende des deutschen Afghanistan-Einsatzes in Sicht - Kabul will
gegen Drogenanbau vorgehen - UNICEF fordert Hilfe für Schulen in
Afghanistan
Mo.20.03.04 - Ein Ende des deutschen Einsatzes in Afghanistan ist für die
Bundesregierung nicht absehbar. «Das lässt sich zeitlich
nicht befristen», sagte Verteidigungsstaatssekretär Walter
Kolbow (SPD) der «Financial Times Deutschland»
(Montagausgabe). Er hoffe aber, dass die Ergebnisse der Berliner
Konferenz für zusätzliche Stabilität sorgen.
«Vielleicht ist dann am Horizont ja absehbar, dass es ein Ende
gibt.»
Die von den USA ins Gespräch gebrachte Vereinigung der beiden
Militäroperationen in Afghanistan, «Enduring Freedom»
und «Isaf», lehnt das Verteidigungsministerium auf
absehbare Zeit ab. «Wir wollen an der Trennung nichts
ändern», betonte Kolbow. Erst wenn sich die Lage
stabilisiert habe, könne man an eine Bündelung denken.
Unter dem Namen «Enduring Freedom» führen die USA den
Anti-Terror-Kampf in Afghanistan gegen Taliban- und
Al-Kaida-Kämpfer. Isaf heißt der unter UNO-Mandat stehende
Militäreinsatz zur Sicherung der Hauptstadt Kabul und weiterer
Regionen. Das deutsche Pilotprojekt in Kundus, wo derzeit 210 der 1930
Bundeswehrangehörigen in Afghanistan stationiert sind, werde
inzwischen auch von Kritikern akzeptiert, unterstrich Kolbow.
Afghanistan will in dieser Woche mit der groß angelegten
Zerstörung von Opium-Mohn beginnen. Die Sicherheitskräfte
sollten am (heutigen) Montag in der Provinz Helmand im Süden des
Landes mit der Arbeit beginnen, sagte Innenminister Ali Ahmad Dschalali
am Sonntag in Kabul. Die Kampagne werde dann in den folgenden Tagen auf
die Nachbarprovinzen Kandahar und Nangarhar ausgedehnt. In der ersten
Phase sollen nach Angaben des Ministers drei Viertel der Mohnernte in
jeder der drei Provinzen zerstört werden, außerdem 20 bis 30
Prozent der landesweiten Ernte. Afghanistan ist der größte
Opium-Produzent der Welt. Im vergangenen Jahr stammten von dort drei
Viertel des weltweiten Opiums, dem Ausgangsmaterial für Heroin.
Vor der am Mittwoch in Berlin beginnenden Afghanistan-Konferenz hat das
UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) zur Unterstützung für den
Wiederaufbau des Schulsystems in dem vom Krieg zerrütteten Land
aufgerufen. In diesem Jahr würden rund 5,5 Millionen Kinder zum
Unterricht erwartet, so viele wie nie zuvor, teilte UNICEF am Montag
mit. Allerdings gingen fast die Hälfte aller afghanischen Kinder
nach wie vor nicht zur Schule. Mädchen sind laut UNICEF besonders
benachteiligt: Rund 70 Prozent von ihnen seien noch immer vom
Schulbesuch ausgeschlossen.
Allein 1,5 Millionen Mädchen im Grundschulalter haben bislang
keine Chance, lesen, schreiben und rechnen zu lernen, wie UNICEF
erklärte. Drei Viertel aller Schulen seien im Bürgerkrieg
beschädigt oder zerstört worden. UNICEF schätzt, dass
mehr als 2.500 Schulen neu gebaut werden müssen.
Auf der internationalen Afghanistan-Konferenz beraten am Mittwoch und
Donnerstag mehr als 60 Delegationen über den Wiederaufbau und die
politische Zukunft des Landes. Auch der afghanische Präsident
Hamid Karsai wird in Berlin erwartet.
(Quellen: ddp, ap, )
Pakistanische Truppen beenden Offensive gegen El Kaida
Mo.20.03.04 - Die pakistanischen Truppen haben ihre erste Offensive gegen
mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder an der Grenze zu Afghanistan
beendet. Der Sicherheitschef der Provinz Süd-Waziristan,
Brigadegeneral Mahsood Shah, bezeichnete die am 16. März begonnene
Aktion am Sonntag als Erfolg. Ein ranghoher El-Kaida-Führer entkam
aber schwer verletzt dem Zugriff, hieß es weiter.
Stammesführer vermittelten die Freilassung von zwölf Soldaten
und zwei Beamten.
Shah sagte, die Streitkräfte würden weiter das Ziel
verfolgen, El-Kaida-Kämpfer aus Pakistan zu vertreiben. Er
forderte die Stammesältesten in der unzugänglichen Region
auf, alle Ausländer auszuliefern. «Andernfalls wird die
militärische Aktion zusammen mit den Verhandlungen
fortgesetzt», sagte er.
Militärsprecher Generalmajor Shaukat Sultan teilte am Samstag mit,
dem mutmaßlichen usbekischen El-Kaida-Führer Tahir Juldasch
sei trotz seiner schweren Verletzung die Flucht gelungen. Juldasch,
auch bekannt als Tahir Juldaschew, ist Führer einer usbekischen
Terrororganisation, die sich mit der El Kaida verbündet hat.
Sultan sagte, die Truppen hätten bei der Aktion gegen Juldasch 60
mutmaßliche terroristische Kämpfer getötet und 163
verhaftet. Außerdem sei ein Versteck mit
Kommunikationseinrichtungen, Tunneln und schweren Waffen ausgehoben
worden. Bei der Militäraktion kamen mindestens 50 Soldaten und
mindestens zwölf Zivilisten ums Leben.
Im Nordwesten Pakistans wurden am Freitag die Leichen von acht Soldaten
gefunden, die nach Militärangaben von islamischen Extremisten
getötet wurden. Sie seien gefesselt und aus nächster
Nähe erschossen worden, sagte ein Militärsprecher am Samstag.
Die Getöteten gehörten zu einer Gruppe Soldaten, deren Konvoi
am Montag in der Nähe der Ortschaft Sarwakai in
Süd-Waziristan in einen Hinterhalt geraten war.
(Quelle: ap)
Untersuchung der Anschläge des 11. Septembers:
US-Terrorkommission beharrt auf öffentliche Aussage von Sicherheitsberaterin Rice
Mo.20.03.04 - Die US-Kommission zur Untersuchung der Anschläge des 11.
Septembers dringt weiter auf eine öffentliche Aussage der
Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Die Weigerung des
Weißen Hauses diesbezüglich bezeichnete Ausschussmitglied
John Lehman am Sonntag als «politischen Schnitzer ersten
Grades». Sie führe dazu, dass die Amerikaner den Eindruck
bekämen, Rice habe etwas zu verbergen, sagte der republikanische
Politiker im Fernsehsender ABC. Rice selbst sagte, sie wolle gerne die
Angehörigen der Anschlagsopfer treffen.
Sie wisse, dass die Hinterbliebenen enttäuscht seien, weil es ihr
nicht möglich sei, öffentlich auszusagen, erklärte Rice
im Sender CBS. «Nichts wäre besser, als aussagen zu
können», sagte die Sicherheitsberaterin von
US-Präsident George W. Bush. Aus dem Weißen Haus verlautete,
Bush werde seine Meinung nicht ändern, er werde einer
öffentlichen Anhörung von Rice nicht zustimmen.
Rice hat dem Untersuchungsausschuss bereits am 7. Februar Rede und
Antwort gestanden. Ihre Angaben mussten aber vertraulich behandelt
werden. Der republikanische Vorsitzende der Kommission, Gouverneur
Thomas Kean, sagte im Fernsehsender Fox, Rice sei bei ihrer ersten
Anhörung «sehr, sehr zuvorkommend» gewesen.
«Aber wir sind als Kommission einhellig der Meinung, dass sie
öffentlich aussagen sollte.»
Der ehemalige Anti-Terror-Koordinator der Regierung, Richard Clarke,
wiederholte am Sonntag seine Vorwürfe an die Adresse des
Weißen Hauses. Präsident George W. Bush sei dem
Terrornetzwerk El Kaida weniger entschlossen entgegengetreten als sein
Vorgänger Bill Clinton, sagte Clarke im Sender NBC.
«Präsident Bush hat vor dem 11. September nichts
getan», sagte Clarke. Bush sei der Terrorgefahr vor den
Anschlägen gleichgültig gegenüber gestanden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas-Chef Rantisi erklärt Bush und USA zum 'Feind der Moslems'.
Razzia israelischer Truppen in Nablus. Israelische Armee
erschießt gesuchten Palästinenser. Erneut mutmaßlicher
jugendlicher Selbstmordattentäter aufgegriffen. Israel fordert
Ägypten zum Ende der Boykottpolitik auf
Mo.20.03.04 - Der neue Führer der radikalislamischen Hamas-Bewegung in den
Palästinensergebieten, Abdelasis el Rantisi, hat US-Präsident
George W. Bush als "Feind der Moslems" bezeichnet. Bush sei "ein Feind
Gottes, ein Feind des Islam, ein Feind der Moslems", sagte Rantisi vor
Anhängern in Gaza. Die USA und Israels Regierunschef Ariel Scharon
hätten "Gott den Krieg erklärt", deshalb habe "Gott Amerika,
Bush und Scharon den Krieg erklärt". rief Rantisi vor rund 5000
Sympathisanten.
Nach der Tötung des Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin am
Montag hatte Rantisi indirekt mit Racheakten gegen die USA gedroht, da
Israel nach seinen Worten die Tötung nicht ohne Zustimmung
Washingtons gewagt hätte. Am Mittwoch hatte Rantisi beschwichtigt,
die Palästinenser würden sich "nur gegen unseren Feind, die
israelischen Besatzer" richten.
Die USA hatten ihre Bürger in aller Welt nach der Tötung
Jassins vor möglichen Anschlägen gewarnt.
Israelische Truppen haben am Sonntag in Nablus im Westjordanland ein
Haus umstellt. Nach Augenzeugenberichten kam es zu einem heftigen
Schusswechsel, Schüsse waren zu hören. Krankenhausmitarbeiter
erklärten, ein Mensch sei verletzt worden. Nach Armeeangaben
gerieten Soldaten während einer Festnahmeaktion unter Beschuss.
Vor dem Rückzug der Truppen seien zwei Männer festgenommen
worden. Nach Angaben von Nachbarn handelt es sich um Brüder, von
denen einer den Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden angehöre. Nach
Armeeangaben wurden am Sonntag in Nablus zwei weitere Männer
festgenommen, darunter ein Mitglied des Islamischen Dschihad, das einen
Israelische Soldaten haben in Dhahiriyeh nahe Hebron im Westjordanland
einen wegen mutmaßlicher Anschlagspläne gesuchten
Palästinenser erschossen. Nach Armeeangaben umstellten Soldaten am
Sonntagmorgen das Haus des Mannes, um ihn festzunehmen. Als sie auf dem
Dach des Hauses einen Verdächtigen sahen, schossen sie. Bei dem
Toten handelte es sich um den Gesuchten. Der Mann sei Mitglied einer
radikalen Splittergruppe der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat gewesen. In seinem Haus
wurden nach Armeeangaben gefälschte Ausweispapiere, eine
israelische Armeeuniform und Magazine für Maschinenpistolen
entdeckt. Nach Armeeangaben schossen die Soldaten auf den Mann, weil
sie einen Besenstiel in seinen Händen für ein Gewehr hielten.
Die israelische Armee hat im nördlichen Westjordanland erneut
einen palästinensischen Jugendlichen unter dem Verdacht
festgenommen, einen Selbstmordanschlag verübt haben zu wollen. Der
16-Jährige sei im Flüchtlingslager Rafidijeh bei Nablus
gefasst worden, sagte ein Sprecher der israelischen Armee am Sonntag
der Nachrichtenagentur AFP in Jerusalem. Der Jugendliche habe einen
Selbstmordanschlag verüben wollen. Bereits vor wenigen Tagen hatte
ein 16-jähriger Palästinenser weltweit für Schlagzeilen
gesorgt, der an einer Straßensperre der israelischen Armee mit
einem Sprengstoffgürtel aufgegriffen wurde. Der Vorfall hatte eine
Diskussion über den bewaffneten Einsatz von minderjährigen
Palästinensern im Nahost-Konflikt ausgelöst.
Israels Außenminister Silvan Schalom hat derweil Ägypten zum
Ende der Boykottpolitik gegen Israel aufgefordert. Kairo müsse
seine Rolle als Wegbereiter für eine Friedenslösung in Nahost
wieder aufnehmen, so Schalom. Ägypten hatte wegen der Tötung
des Hamas- Gründers Scheich Ahmed Jassin keine Delegation zu den
Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Friedensschlusses von Camp David
entsandt.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Mit Blut, Seele und Sozialhilfe
Was macht die Hamas im Gaza-Streifen? Mehr in der "tageszeitung" vom 29.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/29/a0164.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/03/29/a0167.nf/text
Differenzen in der Arabischen Lige über Friedensinitiative für Nahost - Auch
Reformen in der Region umstritten
Abgesagter Gipfel soll am 16. April in Kairo stattfinden
Mo.20.03.04 - Wegen scharfer Differenzen in zentralen politischen Fragen ist der
für Montag geplante Gipfel der Arabischen Liga in Tunis
verschoben worden. Die Mitglieder der Arabischen Liga sich sich nun am
16. April in Kairo treffen. Darauf hätten sich der ägyptische
Präsident Husni Mubarak und sein jemenitischer Kollege Ali
Abdullah Saleh am Sonntag verständigt, sagte ein jemenitischer
Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP in Sanaa.
Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Arabischen Liga
bezögen sich auf Themen «von grosser Wichtigkeit für
den Prozess der Entwicklung, Modernisierung und Reform in unseren
arabischen Staaten», hiess es in einer Erklärung des
tunesischen Aussenministeriums. So gab es keine Einigung über eine
saudische Nahost-Initiative und einen amerikanischen Vorschlag für
politische Reformen in der Region.
Das Scheitern des Gipfels liess in vielen arabischen Ländern
Ratlosigkeit aufkommen.
Die Differenzen waren bei einem Vorbereitungstreffen von
Aussenministern der Liga am Samstag offenkundig geworden. Die gezielte
Tötung von Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin seitens Israels
am vergangenen Montag hatte in der arabischen Welt grosse Empörung
hervorgerufen. Die von einigen Staaten angestrebte Wiederbelebung des
Friedensprozesses mit Israel schien vor diesem Hintergrund politisch zu
riskant, wie Beobachter es ausdrückten. Der saudische Kronprinz
Abdullah, der vor zwei Jahren einen konkreten Friedensplan vorgelegt
hatte, sagte seine Teilnahme am Gipfeltreffen ab.
Vor allem Syrien sprach sich gegen eine Fortsetzung der Initiative aus,
die vorsah, Israel im Gegenzug zu einem Rückzug aus den besetzten
palästinensischen Gebieten weitere Friedensverträge mit
arabischen Ländern anzubieten. Gleichwohl bedauerte der syrische
Aussenminister Faruk el Scharaa die Verschiebung des Gipfels ebenso wie
seine tunesischen Gastgeber. Syrien wandte sich nach Angaben arabischer
Diplomaten auch gegen Vorschläge, Libyen für seinen Verzicht
auf Massenvernichtungswaffen zu loben und politische Reformen
voranzutreiben.
Die Vereinigten Staaten hatten im Rahmen einer Nahost-Initiative
politische Veränderungen angeregt, die der Region nach
US-Auffassung mehr Freiheit bringen sollten. Die arabischen Staaten
wollten dem ihre eigenen Vorschläge für ein Reformpaket
entgegensetzen. Der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA zufolge
dürfte die Verschiebung des Gipfels nunmehr schwer wiegende Folgen
für die kollektive Handlungsfähigkeit der arabischen Welt
haben.
(Quellen: ap, afp)
Putschversuch in Kongo abgewehrt
Mo.20.03.04 - In Kongo ist am Sonntag von Regierungstruppen ein Putschversuch
niedergeschlagen worden. Bewaffnete Rebellen, bei denen es sich
offenbar um Anhänger des 1997 gestürzten und später
verstorbenen Diktators Mobutu Sese Seko handelte, hatten in der
Hauptstadt Kinshasa mehrere militärische Einrichtungen und einen
privaten Fernsehsender angegriffen. Der britische Botschafter Jim
Atkinson sprach von einem Putschversuch gegen Präsident Joseph
Kabila. Nach vierstündigen Gefechten konnten die Angriffe der
Rebellen offenbar abgewehrt werden.
Regierungssprecher Vital Kamerhe erklärte, die Gefechte
hätten einen Soldaten das Leben gekostet, zwei weitere seien
verletzt worden. «Wir haben die Situation unter Kontrolle»,
sagte er. Einige Angreifer seien festgenommen worden, außerdem
hätten Regierungssoldaten Waffen und Munition beschlagnahmt.
Botschafter Atkinson erklärte, nach seinen Informationen sei
Kabila in Sicherheit. Die Rebellen seien wahrscheinlich in den
vergangenen Tagen und Wochen in das Land eingedrungen.
Tausende Soldaten Mobutus waren nach dessen Sturz über den Fluss
Kongo nach Brazzaville geflüchtet, der Hauptstadt der benachbarten
Republik Kongo. Kabila steht einer Allparteienregierung vor, auf die
sich Regierung und Rebellen in einem Friedensabkommen geeinigt hatten.
Die jahrelangen Kämpfe in Kongo kosteten nach Schätzungen von
Hilfsorganisationen mehr als drei Millionen Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Kongo steht am Rand eines neuen Krieges
Mehr in der "tageszeitung" vom 26.02.04:
http://www.taz.de/pt/2004/02/26/a0118.nf/text
Nepal soll wieder ein gewähltes Parlament bekommen
Mo.20.03.04 - Im Königreich Nepal soll die Demokratie wieder eingeführt
werden: Zwei Jahre nach der Auflösung des Parlaments und der
Einsetzung einer handverlesenen Regierung kündigte König
Gyanendra am Sonntag Neuwahlen an. Sie sollen innerhalb des
nächsten nepalesischen Jahres stattfinden, das am 14. April
beginnt. Die Macht werde dann «an die gewählten
Repräsentanten übergeben», sagte der König in
einer Ansprache im Stadion von Pokhara, einem Urlaubsort 200 Kilometer
westlich der Hauptstadt Kathmandu.
«Die Wahlen sollen frei und fair sein», versicherte der
König den rund 20.000 Zuschauern im Stadion. In den vergangenen
zwei Jahren hatte es immer wieder Protestkundgebungen gegen die
Auflösung des Parlaments gegeben, die Gyanendra nach einem Streit
mit der Regierungspartei verfügt hatte. Wenig später
entließ er den Ministerpräsidenten und setzte eine
königstreue Regierung ein.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Die Guerilla der neuen Maoisten in Nepal
Seitdem am 4. Oktober 2002 König Gyanendra den Premierminister
Sher Bahadur Deuba entlassen und das Parlament aufgelöst hat,
versinkt das Königreich Nepal im Chaos. Während die
großen Parteien verlangen, man möge die politische Macht
wieder in die Hände der gewählten Volksvertreter legen,
fordern die maoistischen Rebellen die Abschaffung der Monarchie. Nepals
Maoisten profitieren von der wirtschaftlichen Misere und Korruption in
ihrem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört. Nachdem das
labile Waffenstillstandsabkommen am 27. August diesen Jahres
gescheitert ist, wurden die Kämpfe wieder aufgenommen.
Das Kerngebiet des Distrikts Rukum im armen Westen Nepals gehört
zu den Bastionen der maoistischen Guerilla. Eine von der Welt
abgeschnittene und dabei übervölkerte Gebirgsregion, in der
ein unbeschreibliches Elend herrscht. Man sieht viele abgemagerte
Kinder mit aufgeblähten Hungerbäuchen, die in nichts als
Lumpen gehüllt sind. Es gibt keinen elektrischen Strom, kein
fließendes Wasser, keine Straßen und keinen Arzt im Umkreis
von zwei Tagesmärschen. Kranken bleiben nur zwei
Möglichkeiten: entweder von selbst gesund werden oder sterben....
Mehr in dem Bericht "Die Guerilla der neuen Maoisten in Nepal" von
Cédric Gouverneur (Le Monde diplomatique Nr. 7208 vom
14.11.2003, Seite 20-21).
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0081.nf/text
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Türkei: Erdogans Partei klarer Sieger der Kommunalwahl
Mo.20.03.04 - Die Partei des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip
Erdogan hat sich zum Sieger der Kommunalwahl vom Sonntag erklärt.
Wie die Behörden zuvor nach Auszählung von rund 40 Prozent
der Stimmen erklärt hatten, gewann die Partei für
Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) auf das ganze Land bezogen rund 40
Prozent der Stimmen. Klare Mehrheiten gab es unter anderem in den
Großstädten Istanbul und Ankara. 43 Millionen Türken
waren aufgerufen, neue Bürgermeister und Kommunalparlamente zu
wählen.
«Die Türkei hat abermals für Stabilität und
Entwicklung gestimmt», erklärte Erdogan am Abend bei einer
Pressekonferenz. «Unsere Partei hat ihre Machtbasis
vergrößert.» In Anspielung auf Republikgründer
Mustafa Kemal Atatürk sagte Erdogan, seine Partei werde dessen Weg
folgen. «Der Sieg wird uns nicht den Kopf verdrehen.»
Als nächststärkste Partei kam den Angaben zufolge die
weltlich orientierte Republikanische Volkspartei auf 18 Prozent. Im
Vergleich zur Parlamentswahl 2002, als die aus einer islamischen
Bewegung hervorgegangene AKP mit 34 Prozent die absolute Mehrheit im
Parlament eroberte und Jahre der politischen Instabilität
beendete, konnte die Partei Erdogans damit ihren Vorsprung noch
ausbauen.
Kritiker des Regierungschefs befürchteten im Fall eines klaren
Siegs, dass die weltliche Ausrichtung der Türkei in Gefahr sein
könnte. Andererseits würde es eine gefestigte Machtbasis
Erdogan erlauben, mehr Zugeständnisse in der Zypernfrage zu
machen, was das Militär bislang ablehnt. Erdogan will der
Wiedervereinigung der Insel weniger Steine in den Weg legen, um seinem
Ziel des EU-Beitritts der Türkei näher zu kommen.
Erdogan sagte, er wolle nach der Wahl mit US-Präsident George W.
Bush, Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem französischen
Staatspräsidenten Jacques Chirac telefonieren und sie um
Unterstützung bitten, damit die Verhandlungen «positiver
fortgesetzt» werden können. Er fliegt am Montag zu den
Verhandlungen in die Schweiz.
Die Wahl war aber am Wochenende von einigen Gewalttaten
überschattet. Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern
verschiedener Parteien wurden am Sonntag vier Menschen getötet und
Dutzende verletzt. Am Samstag waren in Istanbul bei einem Streit um die
Platzierung von Plakaten ein Menschen getötet und fünf
verletzt worden.
Erdogan und seine Partei haben sich in ihrer Regierungszeit seit
November 2002 den Ruf erworben, gegen Korruption vorzugehen und
tatsächlich etwas für die Armen zu tun. Die AKP lässt in
den Armenvierteln der von ihr regierten Gemeinden Lebensmittel, Kohle
und Kleidung verteilen. Straßen werden repariert, die
Müllabfuhr funktioniert, in Istanbul und Ankara wird das
U-Bahnnetz ausgebaut.
Angesichts solch pragmatischer Taten schadet es Erdogan nicht, in
Abkehr der sonst üblichen Wahlkampftaktik Unannehmlichkeiten
anzukündigen. Die Steuer auf Zigaretten werde erhöht und
möglicherweise auch der Preis für Heizöl heraufgesetzt.
(Quelle: ap)
Frankreich: Triumphaler Sieg für Linke bei Regionalwahlen
Mo.20.03.04 - Erdrutschsieg für die Linksparteien, drastischer Denkzettel
für Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Premierminister
Jean-Pierre Raffarin: Bei den Stichwahlen in den 26 französischen
Regionen erhielten Sozialisten, Kommunisten und Grüne laut
Prognosen rund 50 Prozent der Stimmen und stellen künftig in fast
allen Teilen des Landes die Regierungen. UMP-Chef Alain Juppé
gestand die "schwere Niederlage" der Regierung ein. Der Pariser
Premierminister Jean-Pierre Raffarin kündigte einen Kurswechsel in
seiner Politik an.
Die Pariser Regierungsparteien UMP und UDF errangen nur gut 37 Prozent,
die rechtsextreme Front National um die 13 Prozent. In der Pariser
Zentralregierung steht nun eine weit gehende Umbildung des Kabinetts
an. Das Ergebnis spreche für eine starke Unzufriedenheit der
Bevölkerung, sagte Juppé. Die Regierung werde an ihrem
Reformkurs festhalten, dabei aber anders vorgehen und mehr auf die
Sorgen der Menschen Rücksicht nehmen.
Sozialminister François Fillon verglich den Wahlausgang mit der
schweren Niederlage der Linken bei der Präsidentschaftwahl 2002
und sprach von einem "21. April unter umgekehrten Vorzeichen". Der
Vizechef der Sozialisten, Laurent Fabius, nannte den Ausgang der
Stichwahlen "äußerst spektakulär". Chirac müsse
nun für Änderungen sorgen.
Die Grünen-Politikerin Dominique Voynet betonte, die Linksparteien
hätten die Hälfte der Wähler hinter sich und seien nicht
auf eine indirekte Wahlhilfe durch die FN angewiesen gewesen. Vertreter
aller Parteien werteten die Wahlbeteiligung als positiv; diese stieg
mit geschätzten 65,5 Prozent gegenüber der ersten Runde eine
Woche zuvor klar an.
Prognosen aus den Landesteilen zufolge dürften die Parteien des
rechtsbürgerlichen Lagers nur noch im Elsass an der Macht bleiben.
Bislang regieren sie in 14 Regionen.
Auch der frühere Staatschef Valéry Giscard d'Estaing wurde
laut Prognosen an der Spitze einer UMP/UDF-Liste in seiner Heimatregion
Auvergne geschlagen. Damit scheiterte der 78-jährige Giscard mit
seinem Versuch, zum vierten Mal als Regionalpräsident
bestätigt zu werden. In der südfranzösischen
Ferienregion Provence-Alpes-Côte d'Azur wurden die dort
regierenden Linksparteien an der Macht bestätigt, ebenso in der
Hauptstadtregion Ile de France und in Aquitanien.
(Quelle: afp)
Spanien: Fehler verriet Madrider Attentäter
Mo.20.03.04 - Offenbar hat ein Versäumnis der Attentäter vom 11. März
die spanischen Ermittler auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitung "El
País" berichtete, fanden die Ermittler in einem bei den
Anschlägen nicht explodierten Sprengsatz ein Mobiltelefon, das
über seine Weckfunktion als Zeitzünder dienen sollte. Die
Täter hätten jedoch vergessen, von dem unbenutzten Gerät
einen ersten Anruf zu tätigen, um es in Betrieb zu nehmen. Deshalb
habe das Telefon nicht funktioniert, der Sprengsatz sei nicht
explodiert und habe so die Polizei auf die Spur geführt.
Wie "El Pais" weiter berichtete, überwachte die spanische Polizei
das abgelegene Gebäude mehrere Tage lang in der Hoffnung auf
weitere Festnahmen. Insgesamt eine Woche warteten demnach die
Ermittler, ob Verdächtige das Gebäude rund 30 Kilometer
südöstlich von Madrid betreten würden. Am Freitagabend
wurde das Anwesen schließlich gestürmt. Mehrere
Beweisstücke, darunter Zünder sowie Sprengstoffreste, wurden
beschlagnahmt.
Noch vor den Anschlägen wurden drei oder vier der Attentäter
laut "El Pais" von der Polizei kontrolliert, als sie gestohlenen
Sprengstoff in einem Auto nach Madrid transportierten. Eine Streife der
Guardia Civil habe den Wagen bei der Fahrt durch die nördliche
Provinz Leon wegen einer nicht näher bezeichneten Rechtsverletzung
angehalten, berichtete die Zeitung. Die Sicherheitskräfte
hätten dabei aber nicht bemerkt, dass im Kofferraum 110 Kilogramm
Dynamit lagen. Das entwendete Auto sei von seinem Besitzer noch nicht
als gestohlen gemeldet worden, andernfalls hätten es die Ermittler
in ihrer Zentraldatei gefunden.
(Quelle: afp)
Mehr bei futurezone unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=223732&tmp=57034
Union will Nationalgarde nach amerikanischem Vorbild - Bundeswehr
müsse auch im Inland zur Kriegsprävention eingesetzt werden
Mo.20.03.04 - Führende Bundestagsabgeordnete von CDU und CSU fordern einen
"Nationalen Heimatschutz" zur Abwehr terroristischer Gefahren. Dabei
seien die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit
"aufgelöst", berichtete die "Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung" unter Berufung auf ein Sechs-Punkte-Konzept der
Fraktions-Arbeitsgruppe Verteidigungspolitik.
Die Bundeswehr müsse auch im Inland zur Kriegsprävention
eingesetzt werden, heiße es in dem Konzept weiter. Der Entwurf
sei in Abstimmung mit der Arbeitsgruppe Innenpolitik erarbeitet worden
und solle heute der Fraktionsführung vorgelegt werden, berichtete
die Sonntagszeitung. Zu den Autoren gehören demnach der
Verteidigungspolitiker Christian Schmidt (CSU), der
Außenpolitiker Wolfgang Schäuble (CDU) und der
Innenpolitiker Hartmut Koschyk (CSU).
Die Bundesregierung verkenne die Gefahren, "die auch in unserem eigenen
Land drohen", indem sie Deutschland allein auf die "Verteidigung am
Hindukusch" einrichte, heiße es in dem Konzept der Abgeordneten.
So verlange etwa die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006
militärischen Schutz.
Zudem sei vorgesehen, innere und äußere Sicherheit "enger
als bisher" zu verzahnen. Es müsse "eine bessere Vernetzung der
Bundeswehr mit den Polizeien des Bundes und der Länder sowie den
Katastrophenschutzorganisationen" geben, zitierte die Zeitung. Die
Bundeswehr sei stärker auf die Abwehr "terroristischer Gefahren
auch im Inland" auszurichten. Die Wehrpflicht müsse angepasst
werden und dürfe neun Monate nicht unterschreiten.
In der Bundeswehr müsse ein Organisationsbereich "Nationaler
Heimatschutz" aufgebaut werden, der "sowohl eine präventive als
auch eine reaktive Komponente" habe. Polizei, Katastrophenschutz- und
Hilfsorganisationen müssten militärisch unterstützt
werden, heiße es in dem Konzept weiter. Der Heimatschutz
müsse dabei auch auf nukleare, biologische oder chemische
Bedrohungen vorbereitet sein.
Insgesamt solle das Konzept den "teils militärischen, teils am
Katastrophenschutz orientierten Aufgaben der Nationalgarde in den USA"
entsprechen. Da die geltenden Gesetze für einen erweiterten
Einsatz der Bundeswehr im Inland nicht ausreichten, fordert die
Arbeitsgruppe der Zeitung zufolge eine Grundgesetzänderung.
(Quelle: afp)
Grüne für Schilys Vorschlag für Ausweisung
terrorverdächtiger Ausländer
Mo.20.03.04 - Die Grünen haben Vorschläge von Bundesinnenminister Otto
Schily (SPD) zur vereinfachten Abschiebung terrorverdächtiger
Ausländer begrüßt. Dass der Bundesinnenminister die
Zuständigkeit für die Ausweisungsentscheidung erhalten soll,
bezeichnete Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck
als «grundsätzlich richtig». Auch den Plan, die
gerichtliche Überprüfbarkeit auf eine Instanz beim
Bundesverwaltungsgericht zu konzentrieren, sei ein diskutabler
Vorschlag, sagte er der «Berliner Zeitung» (Montagausgabe).
«Wichtig ist, dass es bei einer tatsachengestützten
Gefahrenprognose durch das Gericht bleibt», hob Beck hervor. Auch
die von Schily angestrebte Sicherungshaft für Ausländer, die
nicht abgeschoben werden können, ist nach Einschätzung Becks
«grundsätzlich gerechtfertigt, weil in solchen Fällen
mit einer hohen Fluchtgefahr zu rechnen» sei.
Zum Widerstand in den Ländern gegen Bemühungen,
Geheimdienst-Informationen in der Terrorismus-Bekämpfung auf
Bundesebene zusammenzuführen, sagte Beck, er sei erstaunt, dass
«Helden der inneren Sicherheit» wie Bayern Widerstand
leisteten. Er fügte hinzu: «Es ist ein Skandal, dass die
Optimierung der Aufklärungsarbeit an föderaler Borniertheit
scheitern soll.»
(Quelle: ddp)
Schily entfacht Streit über EU-weite Rasterfahndung
Mo.20.03.04 - Bundesinnenminister Otto Schily hat eine neue Debatte über Sinn
und Zweck der Rasterfahndung ausgelöst. Dem SPD-Politiker nach ist
die deutsche Erfindung ein Erfolg. Die computergestützte, mit
großen Datenmengen hantierende Strafverfolgungsmethode soll daher
zum Exportschlager werden und nach den Anschlägen von Madrid
europaweit eingesetzt werden. Die Durchrasterung weiter Teile der
Bevölkerung auf der Suche nach zukünftigen Attentätern
ist aber an sich sehr umstritten, sodass Schilys Forderung nicht
unwidersprochen bleibt. "Es ist ein absoluter Unsinn, die
Rasterfahndung auf EU-Ebene durchführen zu wollen", erklärte
Thilo Weichert, stellvertretender Landesdatenschutzbeauftragter von
Schleswig Holstein, gegenüber heise online. Volker Beck,
parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, würde
eine ausgeweitete Neuauflage dagegen für angemessen erachten (....)
Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Landespolizeien hatten nach dem 11.
September eine groß angelegte Rasterfahnund nach "Schläfern"
durchgeführt. Dabei glichen die Ermittler personenbezogene Daten
der Bevölkerung im großen Stil mit einem weit gefassten,
wenig spezifischen Profil ab, um der Großeinheit "islamistischer
Extremisten" auf die Spur zu kommen. Konkrete Fahndungserfolge konnte
die Polizei nicht erzielen. Gerichte stoppten oder begrenzten die
Rasterfahndung zeitweise oder endgültig, obwohl sie die
Bundesregierung weiterhin für "verhältnismäßig"
hielt. Einzelne Landesdatenschutzbeauftragte stellten in
Untersuchungsberichten -- etwa für Berlin oder
Baden-Württemberg -- im Nachhinein zahlreiche Pannen und
ungerechtfertigte Eingriffe in die Grundrechte zu Unrecht
verdächtigter Bürger fest. Für das BKA sah der
Bundesdatenschutzbeauftragte sogar keine rechtliche Grundlage
für die massenhafte Erhebung persönlicher Daten gegeben.
Die Rasterfahndung habe sich als "kompletter Schlag ins Wasser"
erwiesen, fasst Weichert nun zusammen.. Der getriebene "riesige
finanzielle und personelle Aufwand" sei keineswegs angebracht gewesen.
Zumal die vehementen Verletzungen der informationellen Selbstbestimmung
vieler Betroffener bis hin zu beruflichen Problemen geführt
hätten, da auch Arbeitgeber zwangsweise von der persönlichen
Durchleuchtung einzelner Angestellter erfahren hätten. Bei einer
europaweiten Anwendung der "Durchführung besonderer Formen des
Datenabgleichs", die das geistige Kind des ehemaligen BKA-Chefs Horst
Herold sind, wäre nun nicht einmal eine durchgehende juristische
Kontrolle gewährleistet. Als durchführende Stelle käme
nur die in Den Haag angesiedelte Polizeibehörde Europol in Frage,
die keinen ausreichenden Rechtsschutz für die Bürger biete.
Quelle: heise-online vom 28.03.04. Mehr unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46065
Rasterfahndung, Nationalgarde, Sicherheitshaft, Ausbau der
Überwachung ...
Die Debatte um Terrorabwehr produziert eine Flut von Forderungen, die
auf eine Verschärfung der inneren Sicherheit abzielen. Auch
nationalistische Töne mehren sich
Mit den Anschlägen auf mehrere Personenzüge in der spanischen
Hauptstadt Madrid ist der Kampf gegen den Terrorismus endgültig in
Europa angekommen. Selbst Politiker, die nach dem Anschlägen von
11. September 2001 in den USA noch die Stirn in Falten legten, um
über einen politischen Rückstoßeffekt zu reden, sind
sich heute einig: Die innere Sicherheit muss verschärft,
Deutschland gegen den Terror gewappnet werden.
Die aktuellen Forderungen deutscher Politiker geben einen Ausblick auf
die wahrscheinlichen Konsequenzen einer solchen Debatte....
Beachtlich ist, wie rasch die Debatte um eine Terrorabwehr gegen
"gefährliche Ausländer" (Beckstein) in den fremdenfeindlichen
rechten Diskurs abgleitet, ohne dass sich Widerstand regt. So forderte
Innenminister Schily in einem Interview unlängst die
Schaffung eines "Abwehrbewusstseins in der deutschen Bevölkerung"
Mehr bei telepolis vom 28.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/17063/1.html
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Verfassungsschutz meldet starken Zulauf bei Rechtsextremisten
Mo.20.03.04 - Die rechtsextremistische Szene in Deutschland wird offenbar immer
größer und jünger. Nach Beobachtungen des
Verfassungsschutzes hat vor allem die Skinhead-Szene unvermindert
starken Zulauf von Jugendlichen. «Das Einstiegsalter in diesem
Bereich geht immer mehr zurück», sagte ein hochrangiger
Verfassungsschützer der «Berliner Zeitung»
(Montagausgabe). «Waren bis Anfang der neunziger Jahre die in
Deutschland aktiven Rechtsextremisten meist zwischen 20 und 30 Jahre
alt, haben wir heute schon 13-Jährige, die sich den Skinheads
anschließen. Diese Entwicklung erfüllt uns mit großer
Sorge.»
Hinzu komme, dass gewaltbereite Neonazigruppen aus dem Reservoir der
eher subkulturell geprägten und nicht organisierten Skinheads
zunehmend erfolgreich Mitglieder rekrutieren, schreibt das Blatt. Diese
Entwicklung habe laut Verfassungsschutz dazu geführt, dass die
Zahl der Neonazis im vergangenen Jahr wieder deutlich angestiegen ist.
Zuvor hatte es seit 1996 - mit Ausnahme 2001 - einen Rückgang der
Zahl der Neonazis gegeben.
Auch bei den Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gab es dem
Bericht zufolge 2003 wieder einen Anstieg. Insbesondere habe es mehr
Schändungen von Friedhöfen und Gedenkstätten sowie
antijüdische Schmierereien gegeben als im Vorjahr, stellt der
Verfassungsschutz fest. Vermutungen, dass es sich bei den Tätern
möglicherweise um in Deutschland lebende Palästinenser oder
Islamisten gehandelt habe, hätten sich nicht bestätigt.
Eine große Gefahr sieht der Verfassungsschutz in den Gewalt
verherrlichenden Strategiepapieren der rechtsorientierten Szene. Die
meist auf amerikanischen oder britischen Quellen basierenden Texte
rufen zum bewaffneten Kampf in kleinen, unabhängig voneinander
agierenden Zellen auf. Davon könnten sich Einzeltäter oder
kleine Gruppen inspiriert fühlen, fürchtet der Geheimdienst.
(Quelle: ddp)
DGB: Arbeitszeitverlängerung würde Hunderttausende Jobs kosten
Mo.20.03.04 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat Forderungen von Industrievertretern
und Politikern nach längeren Arbeitszeiten entschieden abgelehnt
und für den 3. April Demonstrationen angekündigt: «In
geradezu erpresserischer Art und Weise fordern die Herren Braun,
Stoiber und Köhler von den Beschäftigten längere
Wochenarbeitszeiten», sagte DGB-Sprecher Hilmar Höhn der
«Berliner Zeitung» (Montagausgabe). «Das würde
gerade in der jetzigen Krisenphase zum Verlust von Hunderttausenden
Arbeitsplätzen führen und Millionen Arbeitslosen die Chance
auf einen neuen Job verbauen», sagte der DGB-Sprecher.
Dahinter stecke nur der Versuch, Stellen abzubauen und Neueinstellungen
zu verhindern. «Doch vor dieser Selbst-Entlarvung schrecken die
Ministerpräsidenten zurück», betonte Höhn. Auf
Dauer könne keine Volkswirtschaft der Welt mit Lohndumping den
Wettbewerb bestehen.
Für den 3. April kündigte Höhn Demonstrationen in
Köln, Stuttgart und Berlin gegen die Forderungen an. «Davon
wird ein klares Signal ausgehen, dass die Bürgerinnen und
Bürger in Deutschland aber auch in anderen Ländern Europas
die Nase voll haben von neoliberalen Rezepten».
Die Gewerkschaften wollen notfalls mit Arbeitskampfmaßnahmen
gegen die geplante Verlängerung der Wochenarbeitszeit im
öffentlichen Dienst vorgehen. «Im Zweifelsfall werden wir
auch kämpfen dagegen», sagte DGB-Chef Michael Sommer am
Sonntagabend im ZDF-Fernsehen. Es könne nicht sein, dass immer
wieder öffentlich Bedienstete zur Sanierung der Staatskassen
herangezogen würden. Die Ministerpräsidenten der Länder
hatten am Donnerstag die Kündigung der Arbeitszeitverträge
für die westdeutschen Angestellten im öffentlichen Dienst
beschlossen. Ziel ist die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5
auf 40 Stunden pro Woche. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
(CSU) fordert sogar die 42-Stunden-Woche. Der öffentliche Dienst
könne damit Vorbild für die Wirtschaft sein.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat sich gestern
im ARD-Fernsehen gegen längere Arbeitszeiten, aber für mehr
Flexibilität ausgesprochen. Die Kandidatin für das Amt des
Bundespräsidenten, Gesine Schwan (SPD), forderte in der selben
Sendung mehr Kooperation auf beiden Seiten und sagte: «Wir
brauchen vor allem bezogen auf die Lebensarbeitszeit sehr viel mehr
Flexibilität.»
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) unterstützt
dagegen die Forderungen nach längerer Wochenarbeitszeit.
«Deutschland muss sich besser aufstellen für den
internationalen Wettbewerb. Spätestens mit der EU-Erweiterung
klopft die Globalisierung direkt an unsere Haustür», sagte
er der «Sächsischen Zeitung» (Montagausgabe) in
Dresden. Er fügte hinzu: «Wir brauchen deshalb nicht nur
dringend längere Arbeitszeiten, sondern vor allem mehr
Flexibilität in der Gestaltung der Arbeitszeit.»
(Quelle: ddp)
Keine Gegenwehr? - Arbeitszeitoffensive erreicht neue Qualität
Es verschlägt einem schier den Atem, wenn man derzeit beobachten
muß, mit welcher Dreistigkeit der letzte große Erfolg der
deutschen Gewerkschaftsbewegung, die Arbeitszeitverkürzung bei
vollem Lohnausgleich, quasi im Handstreich rückgängig gemacht
werden soll.
Der 1978 von der IG Metall begonnene Kampf um die 35-Stunden-Woche mit
vollem Lohnausgleich hatte nach mehreren Zwischenetappen 1995 zu einer
entsprechenden flächentarifvertraglichen Vereinbarung
geführt. Auch andere Einzelgewerkschaften wie die IG Druck und
Papier, die IG Chemie und die ÖTV haben den Unternehmern und
öffentlichen Dienstherren in den letzten beiden Jahrzehnten
Arbeitszeitverkürzungen abgetrotzt.
Doch nun soll das Rad der Geschichte in wesentlich kürzerer Zeit
zurückgedreht werden. Kaum ein Tarifabschluß kommt mehr ohne
Generalöffnungsklauseln aus, die eine Erhöhung der
Arbeitszeit ohne vollständigen oder gar komplett ohne
Lohnausgleich ermöglichen. Der jüngste Vorstoß der
staatlichen »Arbeitgeber«, die Arbeitszeit im
öffentlichen Dienst auf bis zu 42 Stunden erhöhen zu wollen,
soll und wird eine Signalwirkung haben. Das paßt hervorragend in
die Gesamtstrategie der Herrschenden und Besitzenden in Deutschland.
Das Allround-Totschlagsargument von der »mangelnden
Wettbewerbsfähigkeit« eignet sich eben nicht nur für
die stufenweise Zerschlagung der öffentlich finanzierten sozialen
Sicherungssysteme, sondern auch für die Manchesterisierung der
Arbeitsverhältnisse. Der jetzt angestrebte »Einstieg«
in die Arbeitszeitverlängerung bedeutet letztlich
flächendeckende Lohnkürzungen von zehn Prozent und mehr bei
gleichzeitiger Abdrängung von immer mehr Menschen in
Erwerbslosigkeit und prekäre Beschäftigung.
Die Gewerkschaften stehen derweil vor dem Scherbenhaufen ihrer
opportunistischen Politik. Mit immer neuen Öffnungsklauseln und
pflichtschuldigen Bekenntnissen zur »mehr
Flexibilität« haben sie dieser Generaloffensive den Boden
bereitet. Mit dem Abbruch des Streiks für
Arbeitszeitverkürzung in der ostdeutschen Metallindustrie im
letzten Sommer und der Zustimmung zu Lohnkürzungen in Berlins
öffentlichem Dienst im Januar 2004 unterschrieben sie faktisch
ihre Kapitulationserklärung.
Junge Welt vom 29.03.04
http://www.jungewelt.de/2004/03-29/002.php
Blick ins Archiv:
Debatte um Verlängerung der Wochenarbeitszeit neu entfacht...
So.28.03.04 - Die neue Debatte über eine generelle Verlängerung der
Wochenarbeitszeit wurde durch den Tarifstreit über längere
Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst entfacht.
"Auf diesen Zug sollten auch Unternehmen und Belegschaften
aufspringen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der "Welt
am Sonntag" einem Vorabbericht zufolge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403280.htm#04032811
Ruf nach längeren Arbeitszeiten hält an
CSU-Bundestagsabgeordneter Singhammer bringt sogar 48-Stunden-Woche ins
Gespräch +++ Gewerkschaften: Absurde Forderung +++ IG-Metall-Chef
Jürgen Peters spricht sich für Arbeitszeitkürzungen aus
Sa.01.11.03 - Immer mehr maßgebliche Politiker setzen sich für eine
Verlängerung der Arbeitszeit in Deutschland ein. Nachdem bereits
am Vortag zahlreiche Stimmen aus Politik und Wirtschaft dafür
eingetreten waren, zur Reduzierung der Arbeitskosten die
Wochenarbeitszeit zu erweitern, brachte der CSU-Bundestagsabgeordnete
Johannes Singhammer am Freitag sogar die Option der 48-Stunden-Woche
ins Gespräch. Die Gewerkschaften nannten solche Forderungen absurd
und kündigten Widerstand an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#03110118
Siemens-Chef für Samstagsarbeit ohne Zuschlag
Mi.17.09.03 - Der Chef des Elektronikkonzerns Siemens, Heinrich von Pierer, hat sich
für die Wiedereinführung des Samstages als zuschlagfreien
Werktag ausgesprochen. "Die Leute gehen doch eigentlich gern zur
Arbeit, das ist doch kein Frondienst", begründete von Pierer den
Vorstoß in einem Interview mit der «Bild»-Zeitung
(Mittwochausgabe). Er warf den Gewerkschaften vor, bei der
Arbeitszeitregelung eine zu starre Haltung einzunehmen. (Quelle: ap)
|
Präsidentschaftskandidaten Köhler und Schwan diskutieren
über Reformpolitik
Mo.20.03.04 - Die beiden Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten,
Horst Köhler und Gesine Schwan, vertreten in der Reformpolitik
unterschiedliche Ansätze. Der von Union und FDP nominierte
Köhler sagte am Wochenende, er sehe «die Notwendigkeit
umfassender Veränderungen», um Deutschland wieder dauerhaft
auf wirtschaftlichen Wachstumskurs zu bringen. Zurzeit lebe das Land
von der Substanz. Schwan warnte hingegen vor übertriebener
Deregulierung und dem Abbau von Arbeitnehmerrechten.
Die von SPD und Grünen nominierte Politikwissenschaftlerin sagte
dem Bonner «General-Anzeiger» (Montagausgabe), pauschale
Forderungen nach «mehr» oder «radikaleren»
Reformen seien aus ihrer Sicht eine Hohlformel. Häufig stehe der
Begriff Reform für Deregulierung. «Wenn es um die
Auflockerung von einengenden Bestimmungen geht, ist das in Ordnung.
Wenn es bedeutet, dass Arbeitnehmerrechte aufgehoben und eine
altliberal-kapitalistische Gesellschaft geschaffen werden soll, kann
man die Menschen nicht zusammenführen», sagte die
Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in
Frankfurt/Oder. Die Beteiligten in der Politik müssten sich
einigen, «wie weit sie den Weg der 'Entsicherung' gehen».
Köhler, früher Chef des Internationalen Währungsfonds,
forderte hingegen, alle Deutschen sollten mehr private Initiative und
mehr gesellschaftliches Engagement zeigen und nicht immer nur auf die
Behörden und den Staat warten. «Wir müssen eine neue
Balance finden zwischen dem, was der Einzelne mit seiner Freiheit
kreativ leisten kann, und dem, was der Staat mit den kollektiven
Solidarsystemen leisten kann», meinte er.
Die Solidarsysteme machen aus seiner Sicht zurzeit Versprechungen,
«die sie objektiv gar nicht einhalten können, weil die
wirtschaftliche Basis dafür nicht stark genug ist».
Köhler sagte, die Politik treffe hier eine Pflicht zur Wahrheit:
«Wir können doch nicht mit immer weniger Kindern und immer
mehr Schulden eine gleich bleibende soziale Absicherung versprechen.
Das kann niemand einlösen.»
Die aktuelle Diskussion, die mit der Agenda 2010 und dann mit den
Konzepten von Union und FDP begann, sei das notwendige und sehr
ermutigende demokratische Ringen um den richtigen Weg. Köhler
sagte, es gehe darum, neue produktive Spielräume zu schaffen, um
den modernen Sozialstaat am Anfang des 21. Jahrhunderts neu zu
definieren. «Ich bin überzeugt, dass viele zu dieser
Kreativität bereit sind, denn die Deutschen sind nicht weniger
innovativ, intelligent oder einsatzbereit als andere. Vielmehr sind es
die Rahmenbedingungen, die uns hier im Lande zu sehr fesseln.»
Den Gewerkschaften attestierte Köhler zwar einen wesentlichen
Anteil an der Aufbauleistung in Deutschland. Doch müssten sie nun
ihre Rolle neu finden: «In der modernen Arbeitswelt gibt es nicht
mehr den großen Gegensatz von Arbeit und Kapital wie zu Beginn
der Gewerkschaftsbewegung. Heute sind viele Arbeitnehmer zugleich
Vermögensbesitzer.»
Laut einem Bericht des «Spiegel» will die CDU ihrem
Kandidaten Köhler ein sozialeres Image verpassen. In den
nächsten Wochen soll, so ein Unionsstratege, «seine soziale
Kompetenz zum Ausdruck kommen». So soll Köhler, der bisher
vorwiegend mit Äußerungen zu Wirtschaftsthemen aufgefallen
ist, unter anderem eine Behinderteneinrichtung besuchen.
(Quelle: ap)
GfK: Konsumfrühling in Deutschland bleibt derzeit aus
Mo.20.03.04 - Die deutschen Verbraucher haben im März nach Einschätzung der
GfK-Marktforscher mit Sorge auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung
geblickt und daher auch größere Bedenken über ihre
eigene finanzielle Zukunft.
Der auf Basis der März-Umfrage berechnete und um kurzfristige
Schwankungen bereinigte Konsumklima-Indikator habe für April zwar
auf dem revidierten Niveau von 5,1 Punkten im März verharrt,
erklärte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag
in Nürnberg. GfK-Experte Rolf Bürkl kommentierte aber: "Damit
zeigt sich, dass der Konsum kurzfristig keine wesentlichen Impulse
für die konjunkturelle Entwicklung setzen kann." Er fügte
hinzu: "Der Konsumfrühling bleibt derzeit aus."
Neben dem schwindenden Vertrauen in die gesamtwirtschaftliche Erholung
machten sich die Bürger wieder deutlich mehr Sorgen über ihr
künftiges Einkommen als zuletzt.
Noch im Februar hatten die Konsumenten die wirtschaftliche Entwicklung
so optimistisch wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr bewertet. Im
März jedoch sank der entsprechende Indikator deutlich auf minus
zwölf von plus zwei Punkten und erreichte den tiefsten Stand seit
vergangenen Juli. "Die Stimmung hinsichtlich der zu erwartenden
wirtschaftlichen Lage in Deutschland hat einen spürbaren
Dämpfer bekommen", sagte Bürkl. Er verwies darauf, dass die
aktuelle Umfrage zum Zeitpunkt der Madrider Anschläge am 11.
März weitgehend abgeschlossen gewesen sei und die Auswirkungen
deshalb noch nicht erfasst seien. Bürkl rechnet jedoch nicht
damit, dass die Anschläge die Stimmung der Verbraucher deutlich
eingetrübt haben.
Anders als im vergangenen Monat gingen auch die Einkommenserwartungen
der Verbraucher wieder deutlich zurück. Der Indikator sank um gut
sieben Punkte auf minus 7,5 Zähler. "Es sind keine Fortschritte
erkennbar, die Einkommensstimmung tritt seit Mitte vergangenen Jahres
mehr oder weniger auf der Stelle", sagte Bürkl. Die Verunsicherung
der Menschen wegen der eigenen finanziellen Entwicklung sei vor allem
wegen Belastungen durch die Gesundheitsreform noch nicht verschwunden.
Minimal positiv entwickelte sich lediglich die Absicht der Verbraucher,
sich langlebige Produkte wie Sofas oder Fernseher zu kaufen. Der
entsprechende Indikator verbesserte sich um 0,7 Punkte auf minus 25
Punkte, lag nach GfK-Angaben aber insgesamt noch auf einem schwachen
Niveau. "Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit ist vermutlich in den
Augen der Konsumenten ein wesentliches Hemmnis für ein
Wiedererwachen der Kauflust", resümierte Bürkl.
Die GfK berechnet auf Basis einer monatlichen Umfrage unter 2000
Personen im Auftrag der EU-Kommission jeweils das Konsumklima für
den Folgemonat.
(Quelle: rtr)