Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zusammenstöße zwischen britischen Soldaten und Irakern in
Basra. US-Truppen erschießen vier Aufständische. US-Soldat
bei Angriff auf Konvoi getötet. Annan: Sicherheitsrat will keine
Friedenstruppen nach Irak entsenden. Polens Präsident Kwasniewski
warnt vor Abzug von Truppen aus Irak. US-Armee übernimmt
Verantwortung für Tod von irakischen Journalisten.
US-Zivilverwaltung im Irak verbietet schiitische Zeitung.
UN-Generalsekretär Annan feuert UN-Sicherheitschef
Di.30.03.04 - In Basra kam es am Montag zu Zusammenstößen zwischen
britischen Soldaten und dutzenden Irakern. Die Soldaten versuchten,
Besatzungsgegner aus einem Regierungsgebäude zu vertreiben. Dabei
warfen Iraker Steine auf die Soldaten und deren Fahrzeuge. Ein für
die Nachrichtenagentur AP arbeitender Fotograf wurde von einer
Gummikugel am Bein verletzt.
Mitglieder des irakischen Verwaltungsrats trafen am Montag mit einem am
Freitag eingetroffenen Wahlteam der UN zusammen. Das Team soll die
technischen Aspekte des Prozesses zur Auswahl der irakischen
Übergangsregierung vorbereiten. Das sunnitische Ratsmitglied Mohsen
Abdel Hamid sagte, bei dem Gespräch sei es unter anderem um
Sicherheitsaspekte gegangen. Am 30. Juni soll eine irakische
Übergangsregierung die US-Zivilverwaltung ablösen, die
militärische Besetzung Iraks aber weiter andauern.
Bei einem Bombenanschlag auf einen US-Konvoi in Irak ist am Montag ein
Soldat getötet worden, wie die US-Armee mitteilte. Der Sprengsatz
explodierte an einer Straße rund 18 Kilometer nordwestlich von
Falludscha, einer Hochburg des Widerstands gegen die Besatzungstruppen.
Nähere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.
Die US-Armee hat die Verantwortung für den Tod von zwei irakischen
Journalisten übernommen, die für den arabischen Fernsehsender
El Arabija gearbeitet hatten. Der 32-jährige Reporter Ali el
Chatib und der 35-jährige Kameramann Ali Abdelasis seien
"versehentlich" erschossen worden, sagte ein ranghoher
US-Armeevertreter am Montag in Bagdad. In einer Erklärung
drückte die US-geführte Koalition ihr Bedauern aus. Die
beiden Männer hatten am 18. März über einen Angriff auf
ein Hotel in der irakischen Hauptstadt berichten wollen, als sie in die
Schusslinie der US-Armee gerieten.
Der graue Kia der beiden sei versehentlich getroffen worden, als
US-Soldaten auf einen weißen Volvo gefeuert hätten, der sich
ihnen mit hoher Geschwindigkeit genähert habe, hieß es. Kein
Soldat habe absichtlich auf den Kia geschossen. «Wir bedauern die
versehentlichen Schüsse auf die El-Arabija-Mitarbeiter»,
erklärte die US-Armee. Wie verlautete, wollen die
Streitkräfte mit den Familien der beiden über eine
Ausgleichszahlung sprechen.
Die US-Zivilverwaltung im Irak hat am Sonntag eine schiitische Zeitung
wegen Aufhetzung zur Gewalt gegen die US-Truppen verboten. Die
Wochenzeitung "El Hausa" gilt als Sprachrohr des radikalen schiitischen
Geistlichen Moktada Sadr, der sich wiederholt öffentlich gegen die
US-Besatzung aufgelehnt hat.
Der Chefredakteur der Zeitung, Ali Jasseri, sagte in Bagdad, Dutzende
US-Soldaten hätten die Angestellten der Zeitung weggeschickt und
die Büros verschlossen. "Sie sagten uns, wir würden
festgenommen, wenn wir nicht gingen", sagte Jasseri Reuters. "Sie
sagten, unsere Artikel hetzten die Menschen gegen Amerika auf."
US-Soldaten überreichten Jasseri ein Schreiben des Chefs der
US-Zivilverwaltung, Paul Bremer, in dem dieser auf den Verstoß
gegen eine Anordnung aus dem vergangenen Jahr verwies, in der
Aufhetzung zur Gewalt untersagt wird. "Diese falschen Artikel
führen nicht nur die Leser in die Irre, sondern sie stellen eine
reale Bedrohung der Koalitionstruppen und der irakischen Bürger
dar, die mit der Koalition beim Wiederaufbau des Iraks
zusammenarbeiten", hieß es in dem Schreiben Bremers. In dem Brief
wurde unter anderem auf einen Kommentar mit der Überschrift
"Bremer tritt in die Fußstapfen von Saddam" verwiesen.
Hunderte Schiiten versammelten sich in Bagdad, um gegen das Verbot der
Zeitung zu protestieren. Die US-Zivilverwaltung hatte bereits im Juli
eine Zeitung wegen des Aufrufs zur Gewalt verboten.
Wenige Stunden nach dem versuchten Mord an einer irakischen Ministerin
haben US-Soldaten in der nördlichen Stadt Mossul vier
mutmaßliche Aufständische erschossen. Die Männer seien
bei einem Gefecht mit der Militärpolizei am Sonntagabend
getötet worden, teilten die Streitkräfte am Montag mit; ihre
Verwicklung in den Anschlag auf die kurdische Ministerin Nisreen
Berwari werde geprüft. Der Wagen der Verdächtigen sei
gestoppt worden, weil er einem bei früheren Anschlägen
benutztem Auto ähnelte, hieß es in der Erklärung.
Im Fahrzeuginneren fanden die Soldaten Sturmgewehre sowie einen
Raketenwerfer und andere Waffen. Bei dem Anschlag auf Berwari wurden
ihr Fahrer und ein Leibwächter getötet und zwei weitere
Personen verletzt. Unbekannte hatten das Feuer auf den Konvoi der
Ministerin für öffentliche Arbeit eröffnet, als diese
aus der Stadt Dohuk nach Mossul zurückkehrte. Ein Sprecher der
Kurdischen Demokratischen Partei, der Berwari angehört,
bezeichnete den Überfall als Mordversuch. Die Ministerin entkam
unverletzt. Sie ist eines von fünf kurdischen Mitgliedern im von
den USA installierten irakischen Verwaltungsrat.
Wegen schwerer Versäumnisse beim Schutz der UN-Mitarbeiter in Irak
hat UN-Generalsekretär Kofi Annan den Sicherheitschef der
Vereinten Nationen, Tun Myat, entlassen. Zuvor hatte ein interner
Bericht eine Reihe schwerwiegender Mängel bei den
Sicherheitsvorkehrungen für das UN-Hauptquartier in Bagdad
aufgelistet, das am 19. August vergangenen Jahres Ziel eines
verheerenden Anschlags wurde. Wie Annans Sprecher Fred Eckhard am
Montag mitteilte, soll ein weiterer hochrangiger UN-Vertreter, der
Portugiese Ramiro Lopes da Silva, versetzt werden. Zum Zeitpunkt des
Anschlags war er für die Sicherheit des UN-Hauptquartiers
zuständig. Dagegen wies Annan das Rücktrittsangebot seiner
Stellvertreterin Louise Fréchette zurück. Sie trage
persönlich keine Verantwortung, die Schuld läge bei allen,
sagte Annan laut seinem Sprecher.
Der UN-Sicherheitsrat denkt nach den Worten von UN-Generalsekretär
Kofi Annan nicht an eine Entsendung von Friedenstruppen nach Irak.
Vielmehr werde auf eine multinationale Truppe unter einem einheitlichen
Oberkommando hingearbeitet, zitierte die italienische Zeitung
«Corriere della Sera» Annan am Montag. Die Truppe solle mit
einer souveränen irakischen Regierung zusammenarbeiten und dazu
beitragen, die Sicherheit im Land zu gewährleisten, wurde Annan
weiter zitiert.
Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewksi hat vor einem Abzug
von Soldaten der Koalitionstruppen aus Irak gewarnt. "Ein Abzug
würde bedeuten, dass sich die Stabilisierungsmission in eine
Destabilisierungsmission verwandeln würde", sagte Kwasniewski am
Montag in Warschau. Dies würde zunächst zu Chaos führen,
dann zu Gewalt, Bürgerkrieg, der territorialen Teilung Iraks und
einem Konflikt im Nahen Osten, welcher noch nie dagewesene Konsequenzen
für die Welt haben könnte. Polen werde sich erst dann aus
Irak zurückziehen, wenn das Land dazu stabil genug sei.
Kwasniewski warnte zudem die polnischen Politiker davor, das Thema aus
der Debatte um die Bildung einer neuen Regierung herauszuhalten und es
nicht für politische Zwecke zu instrumentalisieren.
(Quellen: ap, afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
Achter Kriegstag in Irak
Do.27.03.03 - Alliierte greifen achte Nacht in Folge Ziele in Bagdad an +++ Mindestens 15 tote Zivilisten
bei Raketen-Explosion auf einem Marktplatz im Nordosten der Hauptstadt +++ USA weisen Berichte
über gezielten Angriff auf Wohngebiet zurück +++ Bagdad auch am Morgen von weiteren
Explosionen erschüttert +++ USA: Seit Kriegsbeginn mehr als 4300 Bomben auf Irak abgeworfen +++
Kämpfe zwischen amerikanisch- britischen und irakischen Truppen nehmen an Härte zu +++
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten +++ Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen +++
Friedensforscher: Die richtigen Probleme erwarten Amerika erst nach dem Krieg +++ Bush bereitet die USA
wiederholt auf einen langen Krieg vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303270.htm#news
Neunter Kriegstag in Irak
Fr.28.03.03 - Schlimmste Bombennacht in Bagdad seit Kriegsbeginn +++ Nächtliche Angriffe
auf die Stadt Mossul +++ Weiter unerwartet harter Widerstand der irakischen Truppen +++
US-Verteidigungsminister deutet im Kampf um Bagdad eine Belagerungstaktik an +++
Rumsfeld: Es gibt nahezu ununterbrochenen Nachschub an Menschen und Material in
das Kriegsgebiet +++ Irak rechnet mit Einkesselung Bagdads in fünf bis zehn Tagen -
Militärchef kündigt blutigen Straßenkampf um Bagdad an +++ Hoffnung auf
schnelles Kriegsende schwindet +++ USA wollen angeblich über 100 000 zusätzliche
Soldaten einsetzen +++ Weit mehr als 200 Festnahmen bei Protesten gegen Irak-Krieg in New York -
Kriegsgegner legten Verkehr auf der Fifth Avenue in New York lahm +++ Radio- und Fersehsender in den
USA streichen Antikriegs-Songs aus dem Programm +++ In Deutschland reißt Protestwelle gegen Irak-Krieg
nicht ab +++ 83 Prozent der Deutschen gegen Irak-Krieg - Merkel verteidigt Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303280.htm#news
Zehnter Kriegstag in Irak
US-Luftwaffe setzt Bombardierung Bagdads unvermindert fort +++ Wieder Raketenangriff
auf einen Marktplatz - Mindestens 55 Tote +++ USA bestätigten die Berichte über den Angriff nicht +++
Lage in Basra spitzt sich weiter zu +++ Schwere Kämpfe in der Stadt Nassirijah am Euphrat dauern an +++
Bush bereitet seine Landsleute auf weitere eigene Verluste vor +++ Kurden starten nach US-Landung in
Nordirak Offensive +++ Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus +++ Alterspräsident des britischen Unterhauses:
Blair ist ein Kriegsverbrecher +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++ So genannte Koalition der
Willigen gerät zunehmend unter Druck +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++
Italien verhängt wegen Irak-Krieg Ausnahmezustand+++ Von rund 2,5 Millionen Balkonen hängt in
Italien die "Pace"-Fahne herunter +++ Arzt lehnt wegen Golfkrieg Behandlung von Amerikanern ab +++ Der Irak-Krieg
ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303290.htm#news
Elfter Kriegstag in Irak
Offensive der Alliierten in nahezu allen Landesteilen +++ Bagdad wird weiter bombardiert +++
Irak meldet 425 Tote in der Zivilbevölkerung +++ Erster Selbstmordanschlag gegen US-Truppen in Irak +++
US-Magazin: Rumsfeld-Mitarbeiter kritisieren Irak-Strategie scharf - Er habe in jedem Stadium die Entscheidungen
alleine getroffen +++ Nach elf Tagen Krieg in Irak wachsen an der politischen Front die Probleme für die USA +++
Mehr als 290 000 alliierte Soldaten in Irak eingesetzt +++ Ex-Außenminister Cook ruft Blair zum Rückzug
aller Truppen auf - Irak-Krieg sei blutig und ungerecht +++ Laut Blix weiter keine Beweise für
Massenvernichtungswaffen in Irak +++ Papst warnt vor Spaltung der Weltreligionen in Folge des Kriegs +++
Hunderttausende protestieren gegen den Krieg - Kriegsgegner blockierten Auslandszentrale der Bundeswehr +++
Deutsche US-Stützpunkte spielen bei Irak-Krieg bedeutende Rolle... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303300.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
|
USA wollen offenbar Finanzhilfe für Afghanistan verdoppeln
Di.30.03.04 - Die USA werden auf der am Mittwoch beginnenden Afghanistan-Konferenz in
Berlin ihre Finanzzusage für den Wiederaufbau des Landes
voraussichtlich nahezu verdoppeln. Wie aus Regierungskreisen in
Washington verlautete, wird Außenminister Colin Powell
wahrscheinlich eine weitere Milliarde Dollar - zusätzlich zu den
bereits für dieses Jahr versprochenen 1,2 Milliarden Dollar - in
Aussicht stellen.
«Dies ist ein sehr wichtiges Jahr» für Afghanistan,
sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher. Nach Schätzung
von Weltbank-Experten benötigt Afghanistan für den
Wiederaufbau insgesamt 22,6 Milliarden Euro (27,5 Milliarden Dollar)
über sieben Jahre. Die Afghanistan-Konferenz in Berlin ist seit
Ende 2001 bereits die dritte auf deutschem Boden. An dem Treffen, nimmt
auch der afghanische Präsident Hamid Karsai teil, der am
(heutigen) Dienstag von Bundeskanzler Gerhard Schröder empfangen
wird.
Bereits am Montag begann in Berlin eine zweitägige Konferenz mit
43 Vertretern der afghanischen Zivilgesellschaft. Die Staatsministerin
im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller, verwies zum Auftakt auf
die beispiellose Unterdrückung von Frauen unter dem Taliban-Regime.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Afghanistans Frauen nach der 'Befreiung'
hhtp.//www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401040.htm#040104_c
Immer wieder versuchen sich Frauen in Afghanistan selbst zu verbrennen
.Über die Gründe wollen die Angehörigen nur selten
sprechen - meist aus Scham. Manch Überlebende endet später im
Gefängnis. Warum flüchten die Frauen in den Tod?
Mehr in einer Reportage von ARD-Korrespondent Armin-Paul Hampel:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID2812834_REF1,00.html
Großbritannien und Spanien entsenden weitere Soldaten nach
Afghanistan
Di.30.03.04 - Großbritannien wird im Rahmen der geplanten Ausweitung des
NATO-Engagements in Afghanistan hundert weitere Soldaten nach
Afghanistan entsenden. Dies berichtete die britische Tageszeitung "The
Guardian" in ihrer Dienstagausgabe. Nach Informationen des Blatt sollen
die britischen Truppen in einer weiteren Stadt im Norden des Landes
stationiert werden. Derzeit sind rund 400 britische Soldaten in
Afghanistan stationiert, die meisten von ihnen in Kabul.
Die künftige Regierung in Madrid hat derweil einer Verdopplung des
spanischen Kontingents in Afghanistan auf 250 Soldaten zugestimmt. Der
scheidende Verteidigungsminister Federico Trillo habe die Entscheidung
in der vergangenen Woche nach Konsultationen mit seinem sozialistischen
Nachfolger José Bono getroffen, erklärte dessen Sprecher
José Luis Fernandez am Montag. Die Soldaten sollen im August in
Afghanistan eintreffen. Im Gegensatz zu Irak ist die Stationierung
ausländischer Truppen in Afghanistan von den UN sanktioniert.
US-Truppen durchsuchten am Sonntag und Montag in der Region Chost an
der Grenze zu Pakistan mehrere Dörfer. Ein Heeressprecher
erklärte, die Soldaten suchten nach Waffen und befragten die
Einwohner nach durchreisenden El-Kaida- oder Talibankämpfern. Die
Gegend ist nicht weit von der pakistanischen Region Waziristan
entfernt, wo Truppen des Nachbarlandes in den vergangenen Tagen eine
Offensive gegen mutmaßliche El-Kaida-Kämpfer führten.
Es wurde gemutmaßt, dass ranghohe Mitglieder der
Terrororganisation ins Grenzgebiet zu Afghanistan entkamen. Der
US-Sprecher sagte, die Suchaktion bei Chost könne bis zu zwei
Wochen dauern.
(Quelle: afp)
Mindestens 19 Tote bei Selbstmordanschlag in Usbekistan
Di.30.03.04 - In der an Afghanistan grenzenden Republik Usbekistan sind bei mehreren
Terroranschlägen am Montag mindestens 19 Menschen getötet
worden. Das teilte der Generalstaatsanwalt Raschid Kadyrow in der
Hauptstadt Taschkent mit.
Unter den Toten seien sechs Polizisten sowie ein Kind. Mindestens 26
weitere Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Bomben
explodierten in Taschkent sowie in der Provinzstadt Buchara. Die
islamisch geprägte Ex-Sowjetrepublik bekämpft seit Jahren
militante Extremisten, die über enge Kontakte zu El Kaida und den
Taliban verfügen sollen.
Am Morgen hatte sich in Taschkent eine Frau auf einem Markt in die Luft
gesprengt, als sich ihr Polizisten näherten. Insgesamt kamen in
der Hauptstadt zehn Menschen ums Leben. In Usbekistan sind neben
US-Truppen auch 200 Soldaten der Bundeswehr stationiert. Die Deutschen
nutzen den Stützpunkt Termes, 500 Kilometer südlich von
Taschkent, zur Versorgung der Internationalen Schutztruppe in
Afghanistan (ISAF).
Nach ersten Meldungen über Anschläge in Taschkent und Buchara
am Montagmorgen hatte die autoritäre Staatsführung über
Stunden eine Nachrichtensperre verhängt. Nach ersten Berichten
soll mindestens ein Polizist bei einem Schusswechsel am Stadtrand von
Taschkent getötet worden sein, nachdem in einem Auto mehrere
Gürtel mit Sprengstoff entdeckt worden waren. Wie viele
Anschläge in den beiden Städten insgesamt verübt wurden,
blieb zunächst unklar.
Die Explosionen vom Montag waren die ersten Selbstmordanschläge in
Usbekistan. Vor fünf Jahren starben bei einem mutmaßlich von
politischen Extremisten verübten Bombenattentat in Taschkent 20
Menschen. Die von den USA als internationale Terrororganisation
eingestufte Islamische Bewegung Usbekistans will mit militärischer
Gewalt einen islamischen Gottesstaat in Zentralasien errichten.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
USA lehnen israelischen Rückzugsplan aus Gazastreifen vorerst ab.
US-Unterhändler wollen Nahost-Friedensprozess wieder
anstoßen. Scharon hält an Plan eines Rückzugs aus Gaza
fest. Stellvertretender Ministerpräsident Olmert: Israel 'so
schnell wie möglich' von Palästinensern trennen
Di.30.03.04 - Die USA halten vorerst an ihrer Ablehnung gegenüber den
israelischen Plänen für einen Rückzug aus dem
Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands fest. Allerdings hält
sich die US-Regierung auch weiter die Möglichkeit offen, den
Vorhaben nach intensiven Gesprächen mit der israelischen Regierung
und arabischen Politikern doch noch zuzustimmen. Wie das
US-Aussenministerium am Montag mitteilte, reisen drei US-Gesandte in
die Region, um offene Frage und Probleme zu besprechen. Sie sollen
dabei sowohl mit der israelischen Regierung als auch mit
palästinensischen Vertretern zusammen kommen. Am 14. April wird
dann der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon im Weissen
Haus erwartet.
Ungeachtet der drohenden Anklage in einer Korruptionsaffäre
hält der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon an
seinem Plan eines einseitigen Rückzugs aus dem Gazastreifen fest.
Er werde nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Washington
Mitte April von Parlament und Kabinett die Zustimmung zu dem Plan
einholen, erklärte Scharon am Montag laut seinem Sprecher Assaf
Schariv vor dem Parlamentsausschuss für Verteidigung und
auswärtige Beziehungen.
Teilnehmer der Sitzung erklärten, Scharon habe rechtsgerichteten
Kritikern des Plans zugleich angedroht, im Fall einer Ablehnung
umgehend eine neue Regierung mit anderen Partnern zu bilden.
«Wenn die Parteien die Koalition verlassen, werde ich am selben
Tag eine neue Regierung bilden. Auf keinen Fall wird es eine Wahl
geben», zitierte Sprecher Schariv den Ministerpräsidenten.
Angesichts der Korruptionsaffäre mehren sich indes die Stimmen,
die einen Rücktritt Scharons fordern. Der Oppositionsabgeordnete
Jossi Sarid erklärte, er habe den Regierungschef gebeten, sein Amt
während der laufenden Ermittlungen ruhen zu lassen. Darauf habe
Scharon geantwortet: «Ich übe mein Amt aus, wie ich das tun
sollte.» Der stellvertretende Ministerpräsident Ehud Olmert,
ein enger Vertrauter Scharons, erklärte am Montag im israelischen
Rundfunk, der Regierungschef lasse sich nicht beirren. «Ich bin
überzeugt davon, dass der Rückzugsplan vorankommt und
letztlich ausgeführt werden wird. Der Ministerpräsident ist
dazu entschlossen.»
"Wir müssen uns so schnell wie möglich von den
Palästinensern trennen, nicht, weil wir dazu gezwungen werden,
sondern weil die jetzige Situation uns einen enormen Schaden
zufügt", sagte Olmert am Montag im israelischen Fernsehen. Mit
seinem Vorschlag, Teile der Palästinensergebiete zu räumen,
habe Ministerpräsident Ariel Scharon einen Prozess von
"großer strategischer Bedeutung" angestoßen. "Es handelt
sich um eine historische Wende", sagte Olmert.
In der so genannten Inselaffäre soll der Bauunternehmer David
Appel der Familie Scharon 1999 hunderttausende Dollar für die
Unterstützung eines Tourismusprojekts auf einer griechischen Insel
gezahlt haben. Das Oberste Gericht forderte Scharons Sohn Gilad am
Montag in letzter Instanz auf, Dokumente und Telefonaufzeichnungen
über das Projekt herauszugeben. Erst am Sonntag hatte die
Staatsanwaltschaft eine Anklage Scharons in dieser Sache empfohlen. Die
endgültige Entscheidung über eine Anklage gegen Scharon liegt
bei Generalstaatsanwalt Meni Masus und wird innerhalb eines Monats
erwartet.
Sollte es zu einer Anklage gegen Scharon kommen, könnte dies nach
Ansicht von Beobachtern unmittelbare politische Konsequenzen haben.
Entweder der Plan eines Abzugs aus Gaza läge damit auf Eis, oder
Scharon könnte sich genötigt sehen, den Abzug umso schneller
voranzutreiben. Umstritten ist, ob Scharon im Fall einer Anklage
zurücktreten müsste. Angeklagte Minister müssen dies
tun, wie aus Präzedenzfällen hervorgeht. Laut Scharons
Beratern gilt dies aber nicht für Ministerpräsidenten.
Einer der Koalitionspartner, die Schinui-Partei, hat aber für
diesen Fall bereits ihren Rückzug aus der Regierung
angekündigt. Scharons potenzieller Nachfolger, der frühere
Regierungschef Benjamin Netanjahu, hat bislang wenig Neigung gezeigt,
die israelischen Truppen ohne Friedensabkommen aus dem Gazastreifen
oder dem Westjordanland zurückzuziehen.
Scharons Plan sieht dem Vernehmen nach einen Truppenabzug aus dem
Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands sowie die Auflösung
mehrerer Siedlungen in den Autonomiegebieten vor, aber auch eine
einseitige Grenzziehung seitens Israels. Dies gilt für den Fall,
dass es in den kommenden Monaten keine Fortschritte im Friedensprozess
gibt. Der Plan ist in Israel und auch innerhalb der Regierung
umstritten.
(Quelle: afp, ap)
Annan räumt Versäumnisse der UN beim Völkermord in
Ruanda 1994 ein
Di.30.03.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat schwere Versäumnisse der
Vereinten Nationen und der Staatengemeinschaft beim Völkermord in
Ruanda im Jahr 1994 eingeräumt. "Die internationale Gemeinschaft
hat Ruanda im Stich gelassen, das muss uns immer ein Gefühl
bitterer Reue und anhaltenden Kummers hinterlassen", sagte Annan am
Freitag (Ortszeit) in New York auf einer Gedenkkonferenz kurz vor dem
zehnten Jahrestag des Beginns der Massaker in Ruanda.
Durch schnelles und entschiedenes Handeln hätte das Morden, dem
rund 800.000 Menschen zum Opfer fielen, großteils gestoppt werden
können, betonte der UN-Generalsekretär, der damals für
die Blauhelmeinsätze der Vereinten Nationen zuständig war.
Dabei habe es deutliche Warnungen und mutige Tun von Einzelpersonen
gegeben. Es dürfe nie vergessen werden, dass der Völkermord
"hoch organisiert und bei vollem Tageslicht" verübt worden sei.
Annan appellierte an alle Menschen rund um den Globus, am Mittag des 7.
April zur jeweiligen Ortszeit eine Schweigeminute für die Opfer
des Völkermords in Ruanda abzuhalten. Die UN-Vollversammlung hat
diesen Tag zum Gedenktag erklärt. Die Massaker an der Volksgruppe
der Tutsi und an gemäßigten Hutu hatten in der Nacht zum 7.
April 1994 begonnen nach dem Abschuss des Flugzeugs von Präsident
Juvénal Habyarimana am 6. April.
Annan erklärte weiter, die schmerzlichen Erinnerungen an Ruanda
und an Bosnien-Herzegowina prägten einen großen Teil seines
Denkens und Handelns als UN-Generalsekretär. 1994 habe er Dutzende
Regierungen gedrängt, Friedenstruppen für das
zentralafrikanische Ruanda bereitzustellen. "Aber es gab weder den
politischen Willen noch Truppen", sagte Annan. Dennoch hätte er
selbst mehr Alarm schlagen und mehr Unterstützung einfordern
müssen.
Auch der pensionierte kanadische General Romeo Dallaire, der 1994 eine
kleine UN-Truppe in Ruanda kommandiert und dringend um Verstärkung
gebeten hatte, erinnerte an die Vorgänge von damals. Die
Regierungen hätten Ruanda die "letzte Priorität"
eingeräumt. Er wundere sich oft, warum in Ruanda von
"Stammeskonflikten" die Rede gewesen sei, in Ex-Jugoslawien dagegen von
"ethnischer Säuberung".
Der ruandische Außenminister Charles Murigande sagte, die
internationale Gemeinschaft habe es 1994 vermieden, den Völkermord
beim Namen zu nennen. Denn sonst wäre sie zum Eingreifen gezwungen
gewesen. Er sprach sich nachhaltig dafür aus, in Zukunft
früher zu intervenieren, wenn einer Bevölkerung schweres Leid
zugefügt wird.
(Quelle: epd)
Völkermord in Ruanda - Chronik unterlassener Hilfeleistungen
Eine Million Tote in hundert Tagen - und niemand will etwas geahnt
haben? Dabei wussten alle, die sich für die politischen
Verhältnisse in Ruanda seit der Unabhängigkeit 1962
interessierten, dass das Land ein brodelnder Kessel war. Schon 1959
hatten Hutu im Zuge des so genannten Bahutu-Aufstands mehr als 300.000
Tutsi vertrieben, und zwar mit Unterstützung der belgischen
Kolonialmacht, die sich auf die Seite der ethnischen Mehrheit
geschlagen hatte. Im Oktober 1990 begann die Patriotische Front Ruandas
(RPF) von Uganda aus ihren Kampf gegen das Regime in Kigali. Die RPF
war zwei Jahre zuvor von der zweiten - englisch alphabetisierten -
Generation der Exil-Tutsi gegründet worden. Jeder Angriff, den die
RPF über die Grenze hinweg unternahm, löste automatisch
Massaker an den in Ruanda verbliebenen Tutsi aus....
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite 22-23:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0078.nf/text
Mehr zum Völkermord in Ruanda unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403130.htm#040313_
|
Gericht in Seoul verurteilt deutsch-koreanischen Wissenschaftler
Di.30.03.04 - Ein südkoreanisches Gericht hat den deutsch-koreanischen
Wissenschaftler Song Doo Yul wegen Verstoßes gegen die
Sicherheitsgesetze zu sieben Jahre Haft verurteilt. Das Bezirksgericht
von Seoul befand den früheren Philosophie-Professor an der
Universität von Münster am Dienstag für schuldig,
unerlaubt Kontakte mit der Führung in Nordkorea unterhalten zu
haben. Es sah es gleichzeitig für erwiesen an, dass Song
zusätzliches Mitglied in Nordkoreas Politbüro gewesen war.
Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre Haft, die Verteidigung Freispruch
gefordert. Diese kündigte Berufung gegen das Urteil an.
(Quelle: afp)
Sieben ehemalige Ostblock-Staaten treten Nato bei
Di.30.03.04 - Mit einem Festakt in Washington sind am Montag sieben frühere
Ostblock-Staaten der Nato beigetreten, die damit bis an die Grenzen
Russlands reicht.
"Willkommen in der größten und erfolgreichsten Allianz der
Geschichte", sagte US-Außenminister Colin Powell vor den
Ministerpräsidenten von Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien,
Rumänien, der Slowakei und Slowenien, die formal ihre
Beitrittsdokumente einreichten. US-Präsident George W. Bush
begrüßte die neuen Mitglieder als gleichberechtigte Partner
und rief die Allianz zu Einigkeit im Irak und beim Kampf gegen den
Terror nach den Anschlägen von Madrid auf. Mit den neuen
Mitgliedern wächst die Zahl des von den USA dominierten
Militärbündnisses auf 26.
Powell fügte hinzu, er unterstützte auch die Ambitionen
Albaniens, Mazedoniens und Kroatiens, eines Tages der Nato beizutreten.
Das Bündnis war vor 55 Jahren gegründet worden. Mit den neuen
Mitgliedern sind 40 Prozent der Nato-Länder frühere
kommunistische Staaten.
"Heute sieht sich unsere Allianz mit einem neuen Feind konfrontiert,
der unschuldigen Menschen von New York bis Madrid den Tod gebracht
hat", sagte Bush. "Terroristen hassen alles, wofür diese Allianz
steht. Sie verachten unsere Freiheit, sie fürchten unsere Einheit,
sie versuchen, uns auseinanderzubringen. Sie werden scheitern. Wir
werden nicht getrennt", sagte Bush. Die sieben neuen Mitglieder seien
bereits Verbündete, da sie die USA im Krieg im Irak und in
Afghanistan unterstützt hätten. Nun seien sie vollwertige und
gleichberechtigte Partner in der Allianz, sagte Bush.
"Heute ist ein wirklich fantastischer Tag für die Slowakei", sagte
der slowakische Außenminister Eduard Kukan der Nachrichtenagentur
Reuters. "Ich betrachte dies als sehr großen Erfolg.
Die Nato-Osterweiterung war insbesondere in Russland auf Ablehnung
gestoßen, zumal mit den drei baltischen Staaten ehemalige
Republiken der von Russland dominierten früheren Sowjetunion Teil
der Allianz werden. Der Parlamentsabgeordnete Konstantin Kosatschew
bezeichnete den Festakt in Washington als Show. Insbesondere der
Nato-Plan zur Luftpatrouille an den Grenzen der drei baltischen Staaten
seien ein "unfreundlicher Akt", fügte Kosatschew hinzu. "Es kann
nicht ausgeschlossen werden, dass Russland die Möglichkeit
prüft, angemessen zu reagieren." Andere Kritiker hatten
bemängelt, dass die Erweiterung die Entscheidungsfindung in der
Allianz erschweren könnte. Wegen des Einstimmigkeitsprinzip bei
Nato-Entscheidungen befürchten Kritiker der Osterweiterung, dass
die Allianz nicht mehr schnell genug auf Bedrohungen reagieren
könnte.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Nato-Generalsekretär: Schließe Nato-Beitritt
Russlands nicht aus
Mo.27.10.03 - Der scheidende Nato-Generalsekretär Lord George Roberston hat die
Aufnahme Russlands in die Allianz nicht ausgeschlossen: Die Allianz und Russland
hätten den internationalen Terrorismus als gemeinsamen Feind... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#03102707
Russland will engere Zusammenarbeit mit EU und Nato
Do.11.12.03 - Russland will nach Angaben von Außenminister Igor Iwanow seine
Beziehungen zur Europäischen Union wie zur Nato weiter vertiefen,
strebt aber keinen Beitritt an. Ihm schwebe die Vision eines
gemeinsamen Sicherheits-, Rechts- und Wirtschaftsraumes vor,
erklärte Iwanow am Mittwochabend in München. In der
Sicherheits- und Verteidigungspolitik entwickle sich die Zusammenarbeit
jedoch viel zu langsam... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312110.htm#03121107
Mehr zum Thema "Nato" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_v
Georgien: Saakaschwilis Parteienbündnis dominiert georgisches
Parlament
Di.30.03.04 - Das Parteienbündnis von Präsidenten Michail Saakaschwili hat
bei der Parlamentswahl in Georgien nach vorläufigen Ergebnissen
etwa drei Viertel der Stimmen erhalten. Nach Auszählung von 20
Prozent der Stimmen lagen die Nationale Union und die Demokratische
Partei gemeinsam bei 74,9 Prozent, wie die zentrale Wahlkommission am
Montag mitteilte. Keine andere Partei schaffte demnach den Sprung
über die Sieben-Prozent-Hürde. Saakaschwili kann sich damit
für die Durchsetzung seines Regierungsprogramms, zu dem vor allem
die Korruptionsbekämpfung zählt, auf eine Mehrheit
stützen.
In der Volksvertretung sitzen allerdings noch direkt gewählte
Abgeordnete verschiedener Parteien, die ihr Mandat bei der umstrittenen
Wahl im November errungen hatten. Diese 75 Direktmandate behalten ihre
Gültigkeit, die 150 per Liste vergebenen Plätze wurden am
Sonntag neu besetzt. Zehn weitere Plätze sind Abgeordneten der
autonomen Region Adscharien vorbehalten.
«Wir haben alles versucht, um faire Wahlen
durchzuführen», sagte Wahlsieger Saakaschwili nach
Veröffentlichung der ersten Ergebnisse. Erstmals in der
jüngeren Geschichte Georgiens habe es - außer in Adscharien
- keine Berichte über die Einschüchterung von
Oppositionsparteien gegeben. Das schlechte Abschneiden der anderen
Parteien führte Saakaschwili auf deren Diskreditierung im Rahmen
der so genannten samtenen Revolution zurück, die nach der
gefälschten Novemberwahl zum Sturz des damaligen Präsidenten
Eduard Schewardnadse geführt hatte. Schewardnadses Partei Für
ein Neues Georgien war nicht mehr angetreten, ist aber noch mit 19
Direktmandaten im Parlament vertreten.
Ausländische Beobachter, darunter Mitglieder der Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der
Parlamentarischen Versammlung des Europarats, bescheinigten einen
besseren und demokratischeren Verlauf der Wahl als in früheren
Jahren. Sie sprachen von «lobenswertem Fortschritt».
Spannungen zwischen Saakaschwili und dem Gouverneur der autonomen
Region Adscharien, Aslan Abaschidse, hatten den Wahlkampf
überschattet. Nach Angaben der Wahlkommission kam es in zwei
Wahllokalen in Adscharien zu chaotischen Zuständen. Aus anderen
Teilen Adschariens meldete die russische Nachrichtenagentur ITAR-Tass
ungültige Stimmen, Gewalt und Einschüchterungen von
Mitgliedern der Wahlkommission. Gleichwohl gebe es keinen Anlass, die
Ergebnisse zu annullieren, hieß es. Abaschidses Partei Aufschwung
erreichte nach Angaben der unabhängigen Stiftung für Freie
Wahlen in der Provinz eine knappe Mehrheit mit 47,6 Prozent
gegenüber 44,31 Prozent für Saakaschwilis Bündnis.
Nach der Präsidentenwahl vom Januar war die Wiederholung des
ungültigen Teils der Parlamentswahl vom 2. November für die
Bürger der dritte Urnengang binnen fünf Monaten.
(Quelle: ap)
Empörung und Genugtuung über Annans neuen Zypern-Plan
Di.30.03.04 - Bei den Zypern-Gesprächen in der Schweiz ist der Plan von
UN-Generalsekretär Kofi Annan zur Wiedervereinigung der seit 1974
geteilten Mittelmeerinsel bei der griechischen Seite auf Empörung
gestoßen. Die türkische Seite reagierte hingegen wohlwollend
auf den am Montag im schweizerischen Bürgenstock vorgelegten Plan.
Annan erklärte bei der Übergabe: «Ich glaube, es ist
ein Vorschlag, mit dem beide Seiten gewinnen können.» Er
rief alle Parteien dazu auf, das Problem ein für alle Mal zu
lösen.
Der 220 Seiten umfassende Vorschlag mit weiteren 9.000 Seiten im Anhang
soll den Weg Zyperns als wiedervereinigter Staat in die EU am 1. Mai
ebnen. Besonders umstritten ist bislang die Rückkehr griechischer
Zyprer in den türkisch kontrollierten Norden, in dem zudem noch
tausende türkische Soldaten stationiert sind.
Aus der griechisch-zyprischen Delegation verlautete: «Er hat uns
ein Sandwich und eine Tasse Kaffee gegeben. Ihnen (der türkischen
Seite) hat er ein Fünf-Gänge-Mahl mit Champagner
gegeben.» Ein Vertreter der Türkei sagte, mit dem Plan sei
der von der Welt anerkannte griechisch-zyprische Staat an seinem Ende
angelangt, während der nicht anerkannte türkisch-zyprische
Staat eine internationale Identität als Teil eines neuen,
vereinigten Staats gewinne.
Aus Verhandlungskreisen sickerten Details des Plans durch. Demnach
stellt er Bedingungen, die sicherstellen, dass der türkische Teil
auch dann von türkischen Zyprern regiert wird, wenn griechische
Zyprer in die Region zurückgekehrt sind. Die Zahl der
griechisch-zyprischen Flüchtlinge, die in den Norden
zurückkehren dürfen, wird gegenüber dem vorherigen
Entwurf von 21 auf 18 Prozent der türkisch-zyprischen
Bevölkerung verringert. Türkische Soldaten dürfen, der
Forderung Ankaras entsprechend, unbegrenzt auf der Insel bleiben. Ihre
Zahl wird nach dem EU-Beitritt der Türkei auf 650 begrenzt. Zuvor
hatte Annan darauf bestanden, dass bis zu diesem Zeitpunkt alle
türkischen Truppen abgezogen sein sollen.
Der Plan geht auch auf die griechische Forderung einer effizienteren
Bundesregierung ein. Ferner sollen 600 Klagen griechischer Zyprer, die
am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig
sind, vor zyprischen Gerichten verhandelt werden. Sie sollen aber
wieder nach Straßburg zurückverwiesen werden können,
was in einem ersten Entwurf nicht vorgesehen war. Annan ging aber nicht
auf die griechisch-zyprische Forderung ein, wonach türkische
Siedler, die nach 1974 auf die Insel kamen, diese verlassen
müssen. Seinem Plan zufolge bekämen 45.000 von Ihnen die
zyprische Staatsbürgerschaft, die anderen dürften weiter auf
Zypern leben. Darüber hinaus soll das Gebiet, das den griechischen
Zyprern übergeben wird, bis zum Ende einer sechsjährigen
Übergangsperiode unter türkisch-zyprischer und nicht unter
UN-Kontrolle bleiben, wie von der griechischen Seite gefordert.
Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
traf am Montag am Verhandlungsort ein. Er reiste mit dem
Rückenwind eines klaren Siegs bei den Kommunalwahlen an, der
seinen Handlungsspielraum gegenüber der Militärführung
erweitern dürfte. «Wir wollen das Problem lösen»,
sagte er vor seiner Abreise. «Wir gehen guten Willens in die
Schweiz.» Erdogan will einem EU-Beitritt seines Landes näher
kommen.
Sollte bis Mittwoch keine Einigung zu Stande kommen, so würde
Annan über die verbliebenen Streitpunkte entscheiden. Sein
endgültiger Vorschlag würde dann griechischen und
türkischen Zyprern zur Volksabstimmung vorgelegt. Falls eine Seite
ablehnt, tritt am 1. Mai nur der griechische Teil Zyperns der EU bei.
(Quelle: ap)
Kritik an Schilys Vorstoß zur Sicherungshaft für
terrorverdächige Ausländer
Di.30.03.04 - Mit seinem Vorschlag einer Sicherungshaft für
terrorverdächtige Ausländer ist Bundesinnenminister Otto
Schily (SPD) auf deutliche Kritik in den Reihen der rot-grünen
Koalition gestoßen. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz
sagte der "tageszeitung", dies würde einen "Paradigmenwechsel"
bedeuten. Dabei zweifelte er an der Rechtmäßigkeit einer
solchen Maßnahme.
"Wenn Menschen in Haft genommen werden, ohne dass strafbares Handeln
vorliegt, ist das eine Maßnahme, die wir in dieser Tragweite im
deutschen Recht bisher nicht kennen", sagte Wiefelspütz. Das liefe
auf eine Internierung hinaus, was "nur unter ganz, ganz scharfen
Voraussetzungen" denkbar sei - wenn überhaupt.
Der Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker
Beck, sagte der "taz": "Man kann niemanden dauerhaft in Haft nehmen,
der keine Straftat begangen hat." Er halte zwar
Bewegungseinschränkungen und Meldepflichten für
Terrorverdächtigte für möglich. Doch Beck betonte:
"Schutzhaft gibt es in Deutschland nicht und wird es auch nicht geben."
Wiefelspütz kritisierte zudem mit Blick auf Schilys Vorstoß:
"Es ist wenig hilfreich, wenn man so etwas über die
Öffentlichkeit erfährt."
Schily hatte sich am Wochenende dafür ausgesprochen,
Terrorverdächtige, die wegen Folter oder drohender Todesstrafe
nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können,
schärfer zu überwachen. "Dann müssen wir Meldeauflagen,
Aufenthaltsbeschränkungen und auch Sicherungshaft anordnen
können", sagte Schily.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Koalition einigt sich auf schnelle Ausweisung terrorverdächtiger
Sa.27.03.04 - SPD und Grüne haben sich auf eine Verkürzung des Verfahrens
bei der Ausweisung terrorverdächtiger Ausländer geeinigt....
Schily legt Vorschläge zur Abschiebung vor. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer
Beck: Sicherheitsaspekte gehören nicht ins Zuwanderungsgesetz...
Schily kündigte auch härtere Regelungen für
Terrorverdächtige an, die aufgrund internationaler Verträge
nicht in ihre Heimat abgeschoben werden können, etwa wenn ihnen
dort Folter droht. «Dann müssen wir Meldeauflagen,
Aufenthaltsbeschränkungen und auch Sicherungshaft anordnen
können», betonte der Minister. «Für diese
Fälle müssen wir Regelungen schaffen, damit wir die
Verdächtigen im Visier behalten können»,
begründete Schily seine Vorschläge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403270.htm#04032713
Grüne für Schilys Vorschlag für Ausweisung
Terrorverdächtiger Ausländer
Mo.20.03.04 - Die Grünen haben Vorschläge von Bundesinnenminister Otto
Schily (SPD) zur vereinfachten Abschiebung terrorverdächtiger
Ausländer begrüßt. Dass der Bundesinnenminister die
Zuständigkeit für die Ausweisungsentscheidung erhalten soll,
bezeichnete Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck
als «grundsätzlich richtig». ... Auch
die von Schily angestrebte Sicherungshaft für Ausländer, die
nicht abgeschoben werden können, ist nach Einschätzung Becks
«grundsätzlich gerechtfertigt, weil in solchen Fällen
mit einer hohen Fluchtgefahr zu rechnen» sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403290.htm#04032912
Schily entfacht Streit über EU-weite Rasterfahndung
Mo.20.03.04 - Bundesinnenminister Otto Schily hat eine neue Debatte über Sinn
und Zweck der Rasterfahndung ausgelöst. Dem SPD-Politiker nach ist
die deutsche Erfindung ein Erfolg. Die computergestützte, mit
großen Datenmengen hantierende Strafverfolgungsmethode soll daher
zum Exportschlager werden und nach den Anschlägen von Madrid
europaweit eingesetzt werden. Die Durchrasterung weiter Teile der
Bevölkerung auf der Suche nach zukünftigen Attentätern
ist aber an sich sehr umstritten, sodass Schilys Forderung nicht
unwidersprochen bleibt... Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46065
Rasterfahndung, Nationalgarde, Sicherheitshaft, Ausbau der
Überwachung ...
Die Debatte um Terrorabwehr produziert eine Flut von Forderungen, die
auf eine Verschärfung der inneren Sicherheit abzielen. Auch
nationalistische Töne mehren sich... Mehr bei telepolis vom 28.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/17063/1.html
SPD und Gewerkschaft lehnen generelle 40-Stunden-Woche ab
Di.30.03.04 - SPD und Gewerkschaften sind sich in der Ablehnung einer generellen
40-Stunden-Woche einig. Nach einem zweistündigen
SPD-Gewerkschaftsrat sagte der Parteivorsitzende Franz Müntefering
am Montagabend in Berlin: «Das simple Modell, das bei Stoiber und
anderen durchschimmert, ist nicht unseres.» DGB-Chef Michael
Sommer sagte, die Gewerkschaften würden den Vorstoß für
Mehrarbeit gemeinsam abwehren.
Müntefering erklärte, längere Arbeitszeiten seien
«keine Lösung im Sinne sozialdemokratischer Politik».
Sommer nannte es ein «Unding», dass erst die Arbeitszeit
der Beamten erhöht werden solle und dann nach Gleichbehandlung der
Arbeitnehmer gerufen werde. «Das werden wir mit uns nicht machen
lassen.»
Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder betonte, die Forderung von
Union und Wirtschaft nach Mehrarbeit sei unzeitgemäß und
wirklichkeitsfremd. Stattdessen brauche man ein Mehr an
Flexibilität, betonte der Kanzler.
IG-Metall-Chef Jürgen Peters hielt dem Kanzler entgegen, es gebe
wesentlich mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit als
öffentlich bekannt sei. Zum Vorstoß für längere
Arbeitszeiten meinte Peters: «Das sind ja die Rezepte von
gestern.» Bei Arbeitszeitverlängerung drohe der Verlust von
Hunderttausenden von Arbeitsplätzen.
CSU-Chef Edmund Stoiber hatte Arbeitszeitverlängerungen im
öffentlichen Dienst und bei Beamten bis 42 Stunden sowie die
40-Stunden-Woche ohne Lohnzuwachs verlangt. Damit solle die
Produktivität der deutschen Betriebe gesteigert werden. CDU-Chefin
Angela Merkel und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHT)
stimmten dem zu.
Merkel sagte allerdings, die beste Lösung seien betriebliche
Vereinbarungen. Beschäftigte würden die Debatte längst
nicht so emotional führen, wenn es konkret um den Erhalt ihrer
Arbeitsplätze gehe, sagte Merkel. Als Beispiel nannte sie die
Weigerung ostdeutscher Arbeitnehmer, die 35-Stunden-Woche
einzuführen.
Müntefering sagte, SPD und Gewerkschaften wollten die Diskussion
über spezielle Fragen wie die EU-Osterweiterung und über
grundsätzlichen Fragen «intensivieren». Sommer sagte:
«Ich freue mich auf die Fortsetzung, denn ich denke, sie kann
zielführend sein.» In dem ersten Gespräch mit dem neuen
Parteichef seien nicht alle Differenzen ausgeräumt worden. Bei den
Zumutbarkeitsregeln für Langzeitarbeitslose habe es keine Einigung
gegeben. Trotzdem sei es «klimatisch ein gutes
Gespräch» gewesen.
Dem Gewerkschaftsrat gehören das SPD-Präsidium und die sieben
Gewerkschaftschefs an, die auch SPD-Mitglieder sind. Für
ver.di-Chef Frank Bsirske, der ein Parteibuch der Grünen hat, kam
dessen Stellvertreterin, die SPD-Mitglied ist.
(Quelle: ap)
Die Arbeitszeit im Staatsdienst soll verlängert werden - arbeiten
wir tatsächlich zu wenig? ...
18 Minuten länger pro Tag. So würde rein rechnerisch die
Arbeitszeitverlängerung aussehen, wenn neu eingestellte
Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Westländer
demnächst ganze 40 Wochenstunden ackern müssten statt 38,5
wie bisher. Achtzehn Minuten länger - das erscheint wenig. Doch
hinter der harmlos wirkenden Aufstockung verbirgt sich ein Sparprogramm
mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Beschäftigten.
"Letztlich geht es darum, Geld zu sparen und noch schneller Stellen
abzubauen", sagt Ver.di-Gewerkschaftssekretär Wolfgang Pieper.
Dazu ist die Arbeitszeitverlängerung schlichtweg das billigste
Instrument. Die vielen Überstunden, die in Behörden und
Universitätskliniken geleistet werden, können mit einer
tariflichen Aufstockung nämlich statistisch in Normalarbeitszeit
umgewandelt und müssen dann nicht mehr mit Geld oder Freizeit
abgegolten werden. Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst,
gerade an Klinken, schieben in der Praxis Überstundenberge vor
sich her.
PolitikerInnen, die sich von der Arbeitszeitverlängerung daher
auch eine Art moralische "Vorreiterrolle" für die Wirtschaft
erwarten, sollten sich daher erst mal die Statistiken der
tatsächlich geleisteten Wochenstunden anschauen. Laut dem
Mikrozensus arbeiten beispielsweise rund 18 Prozent der
Vollzeitbeschäftigten in Deutschland faktisch schon länger
als 45 Stunden in der Woche - auch wenn in den Tarifen etwas ganz
anderes steht. Selbstständige ackern sogar noch viel länger:
Bei den Unternehmern im Handel und Gastgewerbe liegt die
durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei 52 Stunden, den Rekord halten
die Bauern mit 60 Stunden in der Woche.
Heute schon wird dabei längst nicht alle Mehrarbeit der
Angestellten in Geld oder Freizeit abgegolten. Etwa ein Drittel der
Überstunden werden nicht bezahlt, schätzte das
nordrhein-westfälische Arbeitsministerium aufgrund einer Umfrage.
Das Problem der flexiblen Arbeitszeitgestaltung sei immer auch "die
Kontrolle", betont Hermann Groß, Arbeitszeitexperte beim
Kölner ISO-Institut....
Aus der "tageszeitung" vom 30.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/30/a0143.nf/text
Lehrerarbeitszeit: Statt 23 Stunden tatsächlich 55
Di.02.12.03 - Lehrer sind faul, überbezahlt und arbeiten nur halbtags - so
lautet ein gängiges Klischee. Deputate von durchschnittlich 27
Stunden pro Woche stärken viele in ihrer Meinung, dass Lehrer zu
wenig arbeiten. Doch sagt diese Zahl wenig über die
tatsächliche Arbeitszeit, die oft weit über 40 Stunden pro
Woche liegt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120221
|
'Rente ist kein Gnadenbrot': 25 000 Rentner demonstrieren gegen
Kürzungen - Protest gegen Agenda 2010
Di.30.03.04 - Erstmals sind in Bayern Tausende Rentner zu einem Protestmarsch auf die
Straße gegangen. Rund 25 000 Rentner aus dem ganzen Freistaat
demonstrierten am Montag in München gegen «Sozialabbau und
Rentenklau». «Das hat es in Bayern noch nie gegeben»,
sagte der Sprecher des Sozialverbandes VdK, Michael Pausder. Daran sehe
man die Wut und die Betroffenheit der älteren Menschen, die
teilweise am Rande des Existenzminimums leben müssten. Pausder
fügte hinzu: «Wir sind das Märchen vom reichen Rentner
Leid.» Es sei die erste Demonstration, zu der der VdK seit
über 20 Jahren aufgerufen habe.
Auf Transparenten forderten die Teilnehmer die rot-grüne
Bundesregierung zum Rücktritt auf. Der Sozialverband betonte, die
Demonstration richte sich aber nicht nur gegen die Bundesregierung,
sondern auch gegen die Politik der Unionsparteien, die die
Gesundheitsreform mit ausgearbeitet und mit zu verantworten
hätten. Ferner hieß es unter anderem «Rente ist kein
Gnadenbrot» und «Wir sind nicht die Melkkühe der
Nation». Neben den Rentnern beteiligten sich auch chronisch
Kranke und Menschen mit Behinderung an der Demonstration. Die
stellvertretende Landesvorsitzende des VdK, Anneliese Fischer, sagte,
die Rentner nähmen die «sozial unausgewogene
Gesundheitsreform und die Rentenkürzungen nicht mehr tatenlos
hin». Sie fügte hinzu: «Wir wehren uns lautstark und
sichtbar.»
Der Verband kritisierte, die Rentner seien von der Agenda 2010
«gleich mehrfach betroffen» und könnten dies kaum
verkraften. VdK-Landeschef Gerhard Bernkopf betonte, er sei
überwältigt von der großen Demonstrantenzahl:
«Das zeigt, wie sehr die Agenda 2010 die Menschen
verärgert.» Die Sozialreformen führen seinen Worten
nach alle zu dem gleichen Ergebnis: »Sie ziehen dem kleinen Mann
das Geld aus der Tasche.«
Als eine »Liste der Grausamkeiten" bezeichnete Bernkopf unter
anderem die Praxisgebühr, die höheren Zuzahlungen für
Medikamente und Krankenhausaufenthalte sowie die Verdoppelung der
Beiträge zur Pflegeversicherung für Rentner ab April. Hinzu
komme das Aussetzen der Rentenanpassung zum 1. Juli. Der Verband
forderte mehr Sozialstaat, mehr Rentensicherheit durch die Einbeziehung
aller Erwerbstätigen in die Gesetzliche Rentenversicherung und das
Solidaritätsprinzip in der Krankenversicherung.
Zu den Protesten hatte der Sozialverband VdK Bayern seine 2200
Ortsverbände und die 69 Kreisverbände aufgerufen. Den Angaben
zufolge gibt es im Freistaat derzeit drei Millionen Rentner, bundesweit
sind es 20 Millionen. Der Bundesverband des VdK veranstaltete am Montag
zeitgleich weitere Kundgebungen unter anderem in Stuttgart, Hamburg,
Bremen und Saarbrücken.
(Quelle: ddp)
Gegen Sozialabbau: Über 100 000 Teilnehmer zu Europäischem
Aktionstag erwartet
Di.30.03.04 - Mit einer Kundgebung soll am Samstag in Berlin gegen Sozialabbau in
Deutschland und Europa demonstriert werden. Zu dem Europäischen
Aktionstag haben der Europäische und der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen. Unter dem Motto «Aufstehen!
Für Arbeit und soziale Gerechtigkeit» werden in der
deutschen Hauptstadt «100 000 plus x» Teilnehmer erwartet,
wie der DGB-Vorsitzende des Bezirks Berlin-Brandenburg, Dieter Scholz,
am Montag in Berlin. Neben Berlin sind auch in Stuttgart und Köln
sowie in vielen europäischen Hauptstädten Protestaktionen
geplant.
Mit dem Aktionstag solle ein «deutliches Zeichen an die Politik
gerichtet werden, dass viele den Kurs in Deutschland und Europa nicht
teilen», sagte Scholz. Ziel sei, die politische
Auseinandersetzung zuzuspitzen und den Druck auf die Parteien zu
erhöhen.
Laut Scholz haben Demonstranten aus den DGB-Bezirken Niedersachsen,
Bremen, Schleswig-Holstein und allen Teilen Ostdeutschlands ihre
Teilnahme an den Protesten in Berlin zugesagt. Unterstützung kommt
nach Angaben der Veranstalter unter anderem auch vom Berliner
Sozialbündnis, von Attac, vom Deutschen Frauenrat, der
Volkssolidarität und verschiedenen Sozialverbänden.
Von Alexanderplatz, Breitscheidplatz und Gendarmenmarkt aus wollen die
Demonstranten ab 10.00 Uhr zum Brandenburger Tor ziehen. Dort soll um
12.00 Uhr die Abschlusskundgebung mit Reden von Gewerkschaftern sowie
Vertretern von Sozialverbänden, Kirchen, Politik, Erwerbslosen-
und Studierenden-Organiationen beginnen. Kulturell umrahmt wird die
Veranstaltung durch Auftritte von den Prinzen, Heinz Rudolf Kunze &
Band sowie The Transsylvanians.
(Quelle: ddp)
Die für den 3. April 2004
geplante Großdemonstrationen gegen Sozialabbau in Europa sind
Teil der Kampagne "Das soziale Europa ist in
Gefahr", zu welcher der Europäische Gewerkschaftsbund
(EGB) die Bürgerinnen und Bürger Europas für den 2. und
3. April aufruft. Aufruf als PDF-Datei unter:
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/
abisz_doks/e/egb_europ_aktionstag.pdf
Bund und Länder einig über Elite-Förderung bei Unis
Di.30.03.04 - Bund und Länder haben im Streit um die Eliteförderung bei den
deutschen Hochschulen eine Einigung erzielt: Die
Bund-Länder-Kommission zur Bildungsplanung und
Forschungsförderung (BLK) verständigte sich in Berlin darauf,
neben den Spitzenuniversitäten auch ein so genanntes Netzwerk der
Exzellenz zu unterstützen, wie Bundesbildungsministerin Edelgard
Bulmahn (SPD) sagte.
Im Rahmen der Exzellenz-Netzwerke sollen auch einzelne
Universitäts-Fachbereiche sowie Kooperationen mit
außeruniversitären Einrichtungen gefördert werden. Die
Länder, die Bulmahns bisherige Pläne kritisiert hatten,
zeigten sich zufrieden mit der Einigung.
Bulmahn betonte, Bund und Länder hätten sich in ihren
"kontroversen Positionen" angenähert. Details der künftigen
Hochschulförderung sollen auf Staatssekretärsebene bis Juni
ausgearbeitet werden. Das gelte auch für die Finanzierung. "Dieser
gemeinsame Beschluss heißt, das Bund und Länder gemeinsam
finanzieren", sagte Bulmahn, die auch Vorsitzende der Kommission ist.
Bislang hat die Bundesregierung vorgesehen, im Rahmen eines Wettbewerbs
eine Reihe von Spitzenuniversitäten mit insgesamt 250 Millionen
Euro zu fördern. Wie hoch der zusätzliche Beitrag der
Länder ausfallen wird, ist noch unklar.
Der BLK-Beschluss sieht vor, Universitäten zu fördern, "die
qualitativ und strukturell in ihren verschiedenen
Wissenschaftsbereichen den Anforderungen an Exzellenz in besonderer
Weise entsprechen". Außerdem sollen universitäre und
außeruniversitäre Forschung besser miteinander
verknüpft werden. Unterstützt werden sollen zudem die Bildung
von so genannten Exzellzentren zur Förderung der Spitzenforschung
sowie Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Es
bleibt jedoch dabei, dass Antragsteller und Mittelempfänger im
Rahmen des Wettbewerbs die Universitäten als Ganzes sind, nicht
Einzelpersonen oder Fachbereiche.
Der BLK-Vize und sächsische Wissenschaftsminister Matthias
Rößler (CDU) erklärte: "Bund und Länder wollen die
Exzellenz an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen orten,
gezielt gemeinsam fördern und ein Elite-Netzwerk knüpfen."
Zur Förderung des Wettbewerbs unter den Hochschulen gehörten
eine Reihe von Rahmenbedingungen, wie die Selbstauswahl der Hochschulen
bei den Studenten, ein neues Finanzierungssystem sowie der Abbau von
Gremien und Bürokratie.
(Quelle: afp)
Wehrmachtsausstellung zog 1,2 Millionen Besucher an
Di.30.03.04 - Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben die beiden
Wehrmachtsausstellungen des Hamburger Instituts für
Sozialforschung gesehen. Nachdem bereits die umstrittene erste Version
der Schau 800 000 Besucher in 33 Städten angezogen hatte,
strömten weitere 420 000 Menschen in 13 Städten in die zweite
Ausstellung, wie das Institut am Montag mitteilte.
Am späten Sonntagabend schloss die Ausstellung «Verbrechen
der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944» in
Hamburg definitiv seine Pforten. Sie wird nun im Depot des Historischen
Museums in Berlin eingelagert.
Ausstellungsinitiator Jan Philipp Reemtsma betonte, die Expositionen
hätten dafür gesorgt, «dass über das Thema der
Wehrmacht im Nationalsozialismus nicht mehr so gesprochen werden wird,
wie dies lange Zeit getan worden ist». Die Ausstellung belegte
anhand von Texten, Fotos und anderen Dokumenten die Verstöße
der Hitler-Armee gegen das Kriegs- und Völkerrecht.
Das Hamburger Institut für Sozialforschung hatte die seit 1995
gezeigte erste Version aufgrund zunehmender Kritik 1999
zurückgezogen. Nach einer Überarbeitung durch ein externes
Wissenschaftlergremium wurde die zweite Ausstellung im November 2001 in
Berlin eröffnet.
(Quelle: ddp)
Mehr unter:
http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de
Blick ins Archiv:
Wehrmachtsausstellung änderte Blick auf die deutsche Geschichte
Sa.31.01.04 - Es ist nur eine Wanderausstellung: Ein paar Tafeln mit Fotos und
Texten, ein Raum mit Sitzen und Lautsprechern, alles sehr hell und
nüchtern. Name: «Verbrechen der Wehrmacht», im
Sprachgebrauch Wehrmachtsausstellung. Seit der Eröffnung am 5.
März 1995 hat die Schau wie keine andere die deutsche
Öffentlichkeit beschäftigt. «Über das Thema
Verbrechen der Wehrmacht wird man nicht mehr so reden wie vor
1995», sagte der Leiter des Hamburger Instituts für
Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, an der letzten Station der
Exponate in Hamburg... Mehr unter:
http:www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#04013118
Koalitionsstreit um Emissionshandel beendet
Clement, Trittin und deutsche Industrie mit Kompromiss zufrieden.
Greenpeace: Rot-Grün verabschiedet sich vom Klimaschutz
Di.30.03.04 - Der Koalitionsstreit um den Emissionshandel ist beendet.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Umweltminister
Jürgen Trittin (Grüne) haben sich am Dienstagmorgen auf einen
Kompromiss geeinigt. Wie beide Minister nach dem mehr als
fünfstündigen Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) und Vizekanzler Joschka Fischer (Grüne) mitteilten, sollen
nun in der ersten Periode des Emissionshandels von 2005 bis 2007
insgesamt 503 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr von der deutschen Industrie
emittiert werden dürfen. In der zweiten Handelsperiode von 2008
bis 2012 sollen die Emissionen dann weiter auf 495 Millionen Tonnen
reduziert werden. Bislang hatte Trittin auf 505 Millionen Tonnen
bestanden.
Clement, Trittin und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
zeigten sich mit der Lösung zufrieden. Clement sagte: «Ich
denke, das ist ein vernünftiger Weg, den wir gefunden
haben.» Die Lösung, die dem Kabinett vorgelegt werde,
«bedeutet, dass wir sowohl die Klimaschutzziele erreichen als
auch der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft Rechnung
tragen». Trittin fügte hinzu: «Wir haben einen
ordentlichen Kompromiss gefunden.»
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat den Kompromiss der
Bundesregierung zur Regelung des EU-weit geplanten Emissionshandels
begrüßt.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) habe sich weitgehend
gegen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
durchgesetzt, sagte BDI-Präsident Michael Rogowski am Dienstag im
Deutschlandfunk. "Wir können alle Herrn Clement sehr dankbar sein.
Er hat sich wirklich für die Wirtschaft und für die
Arbeitsplätze in Deutschland eingesetzt." Er hoffe, dass die
betroffenen Unternehmen mit dem Kompromiss leben könnten. "Es ist
auf jeden Fall verhindert, dass kurzfristig neue Belastungen auf uns
zukommen", sagte Rogowski. "Was Trittin wollte, war völlig unfair
und zum Schaden von Deutschland." Die Industrie habe hier zu Lande
bereits jetzt die höchsten Energiekosten in Europa zu tragen und
könne weitere Belastungen nicht verkraften.
Rogowski bekräftigte seine generelle Kritik am EU-weit geplanten
Emissionshandel. "Zum Jubeln besteht überhaupt kein Anlass, der
Emissionshandel ist eigentlich überflüssig wie ein Kropf. Wir
brauchen das alles nicht."
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte den zwischen
Clement und Trittiin ausgehandelten Kompromiss zur Regelung des
Emissionshandels heftig.
Mit dem Kompromiss habe sich «Rot-Grün vom Klimaschutz
verabschiedet», sagte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske in
Hamburg. Die Industrie bekomme so viele Verschmutzungsrechte,
«dass sie ihren immens hohen Ausstoß an Treibhausgasen fast
nicht reduzieren muss». Zu viele Verschmutzungsrechte
drückten die Preise. Damit gebe es keinen Anreiz mehr, in
effiziente Kraftwerke zu investieren, die weniger Kohlendioxid
ausstoßen.
Dass Clement durch seine «starre Haltung» die Position der
Industrie durchgesetzt habe, «wirft einen schwarzen Fleck»
auf die Glaubwürdigkeit der deutschen Klimapolitik und auf die
Grünen. Denn mit grüner Politik habe dieser Kompromiss nichts
mehr zu tun, sagte Teske.
Die Zeit für die Einführung des Emissionsrechtehandels in
Deutschland wird knapp: Am Mittwoch müssen die Nationalen
Allokationspläne (NAP) der Europäischen Kommission in
Brüssel gemeldet werden. Bei Verstreichen der Frist droht
Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren. Eingeführt werden
soll der Emissionshandel zum 1. Januar 2005. Bis dahin müssen
Unternehmen ihre Daten über den CO2-Ausstoß der Jahre 2000
bis 2002 an das Bundesumweltministerium gemeldet haben. Vom 16. Juli
2005 bis 15. August 2006 können die betroffenen Unternehmen dann
die erforderlichen Emissionszertifikate beantragen.
(Quellen: ddp, rtr)
Blick ins Archiv:
Clement will im Streit mit Trittin hart bleiben
So.28.03.04 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat bekräftigt,
dass er im Streit mit Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
um den Emissionshandel hart bleiben wolle. Laut «Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung» sagte Clement: «Wir sind heute
schon weltweit Vorreiter im Klimaschutz; wir dürfen nicht
Alleingänger werden.»... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403280.htm#04032818
Kontroverse um Emissionshandel
Mi.24.03.04 - Schröder will notfalls selbst CO2-Streit entscheiden. Trittin:
'Ökologische Innovationen und Beschäftigung passen zusammen'.
DIW kritisiert Clements Bedenken beim Emissionshandel. Stromkonzern
EnBW droht mit Atomstromimport aus Frankreich... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403240.htm#04032412
Klimaforscher bekräftigen: Minderung der Treibhausgase dringend
So.28.03.04 - In die Auseinandersetzung über den Emissionshandel haben sich
führende Klimaforscher eingeschaltet und eine deutliche
Verringerung der klimaschädlichen Treibhausgase gefordert... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403280.htm#04032819
Mehr zum Thema "Emissionshandel, Klimaschutz etc." unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403240.htm#040324_m
UNEP-Experten warnen vor 'toten Zonen' in den Weltmeeren
Lebensgrundlage hunderter Millionen Menschen gefährdet
Di.30.03.04 - Mindestens 150 Gebiete auf offener See zählen zu den so genannten
"toten Zonen". In diesen Regionen haben Nährstoffe die
Sauerstoffzufuhr quasi unmöglich gemacht.
Sauerstoffarme tote Zonen in den Weltmeeren drohen nach
Einschätzung der Vereinten Nationen zu einer größeren
Gefahr zu werden als die Überfischung. Die wachsende
Überdüngung der meist küstennahen Gebiete gefährde
zahlreiche Fischbestände und damit die Lebensgrundlage von
Millionen Menschen.
Davor warnte das UN-Umweltprogramm UNEP zum Auftakt des Globalen
Umweltministerforums auf der südkoreanischen Insel Jeju.
«Wenn die dringend nötigen Maßnahmen zur Behandlung
der Wurzeln des Problems nicht ergriffen werden, wird dieses
wahrscheinlich schnell eskalieren», sagte UNEP-Direktor Klaus
Töpfer bei der Vorstellung des Weltumweltbuches 2003.
Nach Schätzungen der UNEP sind mehrere hundert Millionen Menschen
davon betroffen.
Die "toten Meereszonen" entstehen vor allem durch große Mengen an
eingebrachtem Stickstoff, der durch Überdüngung ins Meer
gelangt. In küstennahen Gebieten können sich die erhöhten
Stickstoffwerte rasch zu einer ökologischen Katastrophe
entwickeln, da viele Lebewesen unter diesen Umständen sterben.
Betroffen sind davon Fische, aber vor allem zahlreiche Wirbellose, die
Fischen als Nahrung dienen.
Seit den 70-er Jahren, in denen solche Gebiete erstmals entdeckt
wurden, hat es kaum wirksamen Maßnahmen gegen diese Art der
Bedrohung gegeben. Zwar sind manche dieser toten Gebiete nur wenige
Quadratkilometer groß, andere haben aber bereits Größen
von mehreren 10.000 Quadratkilometern erreicht - wie etwa jenes im Golf
von Mexiko. Auch an der Adria, in der Ostsee und im Schwarzen Meer sind
solche Zonen bekannt.
(Quellen: pte, dpa)
UN-Umweltprogramm UNEP:
http://www.unep.org