Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertachtundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA wollen stärkere Rolle der NATO im Irak durchsetzen.
NATO- Generalsekretär unter Bedingungen für Einsatz in Irak.
Serie von Anschlägen in Irak reißt nicht ab.
Selbstmordanschlag auf irakischen Polizeichef. Zahl der Attacken auf
Besatzungstruppen wieder gestiegen. US-Soldat bei Sprengstoffanschlag
getötet
Mi.31.03.04 - Die USA wollen am heutigen Freitag in Brüssel einen neuen
Vorstoß für eine stärkere Rolle der NATO im Irak
unternehmen. Das sagte der stellvertretende Abteilungsleiter Robert
Bradtke in Washington. Mit der Ausweitung der Allianz sei auch eine
Ausweitung der Präsenz im Irak denkbar, so Bradtke. Nach seinen
Angaben sind 17 der jetzt 26 NATO-Mitglieder im Irak engagiert. Die
NATO könnte etwa das Kommando über eine der multinationalen
Divisionen im Irak übernehmen oder irakische Streitkräfte
trainieren.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat sich derweil
für einen NATO-Einsatz im Irak unter bestimmten Bedingungen
ausgesprochen. "Wenn eine legitime irakische Regierung unser
Bündnis um Hilfe bittet, und wenn auch die Vereinten Nationen eine
solche Rolle unterstützen, dann glaube ich nicht, dass sich die
NATO ihrer Verantwortung entziehen wird", sagte er der "Bild"-Zeitung
vom Mittwoch. Afghanistan habe für die NATO allerdings
Priorität, sagte de Hoop Scheffer mit Blick auf die internationale
Afghanistan-Konferenz in Berlin.
Die Serie von Anschlägen auf irakische Sicherheitskräfte
reißt nicht ab. Vor dem Haus des Polizeichefs von Hilla
südlich von Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter in
die Luft, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Der Angreifer
kam bei dem Anschlag am Montagabend ums Leben, sieben weitere Menschen
wurden verletzt. Brigadegeneral Keis Hamsa, das Ziel des Attentats,
blieb unversehrt.
Unterdessen ist die Zahl der Anschläge auf US-Truppen wieder
gestiegen, wie US-Brigadegeneral Mark Kimmit am Dienstag mitteilte.
Seinen Angaben zufolge werden die Besatzungstruppen durchschnittlich 26
Mal pro Tag attackiert, eine Zunahme von sechs Angriffen gegenüber
den Vorwochen. Dennoch bleibe die Sicherheitslage stabil, sagte Kimmit.
Bei einem der jüngsten Anschläge wurde am Dienstag ein
US-Soldat getötet und zwei weitere verletzt. Eine Bombe
explodierte, als ihr Wagen in der Stadt Ramadi westliche von Bagdad
vorüber fuhr. Nicht bestätigt wurden zunächst Berichte
von Augenzeugen, wonach ein weiteres Militärfahrzeug in Ramadi von
einer Rakete getroffen wurde und vier Soldaten verletzt abtransportiert
werden mussten.
400 Iraker protestierten derweil stundenlang vor einem
Regierungsgebäude in Nadschaf südlich von Bagdad für
ihre Einstellung in den Polizeidienst. Nach Augenzeugenberichten warfen
sie Steine auf irakische Polizisten, zerschlugen Fensterscheiben und
setzten ein Wachhaus in Brand. Spanische Truppen trieben die
Protestierenden schließlich auseinander. Mindestens drei
Polizisten und zwei Demonstranten sowie eine spanische Soldatin wurden
verletzt, 15 Menschen wurden festgenommen.
Ein UN-Team traf sich unterdessen in Bagdad mit Mitgliedern des
irakischen Verwaltungsrats zu Gesprächen über die
Zusammenstellung einer Interimsregierung. Delegationsleiterin Carina
Perelli betonte, die Sicherheit sei der Schlüssel zum Erfolg der
Machtübergabe am 30. Juni. Nur dann könnten die Iraker wie
geplant bis 31. Januar 2005 ein Parlament wählen. Perelli
erklärte, die UN, der Verwaltungsrat und die
Besatzungsbehörden müssten schnell handeln, um die Frist
einhalten zu können.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
Achter Kriegstag in Irak
Do.27.03.03 - Alliierte greifen achte Nacht in Folge Ziele in Bagdad an +++ Mindestens 15 tote Zivilisten
bei Raketen-Explosion auf einem Marktplatz im Nordosten der Hauptstadt +++ USA weisen Berichte
über gezielten Angriff auf Wohngebiet zurück +++ Bagdad auch am Morgen von weiteren
Explosionen erschüttert +++ USA: Seit Kriegsbeginn mehr als 4300 Bomben auf Irak abgeworfen +++
Kämpfe zwischen amerikanisch- britischen und irakischen Truppen nehmen an Härte zu +++
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten +++ Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen +++
Friedensforscher: Die richtigen Probleme erwarten Amerika erst nach dem Krieg +++ Bush bereitet die USA
wiederholt auf einen langen Krieg vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303270.htm#news
Neunter Kriegstag in Irak
Fr.28.03.03 - Schlimmste Bombennacht in Bagdad seit Kriegsbeginn +++ Nächtliche Angriffe
auf die Stadt Mossul +++ Weiter unerwartet harter Widerstand der irakischen Truppen +++
US-Verteidigungsminister deutet im Kampf um Bagdad eine Belagerungstaktik an +++
Rumsfeld: Es gibt nahezu ununterbrochenen Nachschub an Menschen und Material in
das Kriegsgebiet +++ Irak rechnet mit Einkesselung Bagdads in fünf bis zehn Tagen -
Militärchef kündigt blutigen Straßenkampf um Bagdad an +++ Hoffnung auf
schnelles Kriegsende schwindet +++ USA wollen angeblich über 100 000 zusätzliche
Soldaten einsetzen +++ Weit mehr als 200 Festnahmen bei Protesten gegen Irak-Krieg in New York -
Kriegsgegner legten Verkehr auf der Fifth Avenue in New York lahm +++ Radio- und Fersehsender in den
USA streichen Antikriegs-Songs aus dem Programm +++ In Deutschland reißt Protestwelle gegen Irak-Krieg
nicht ab +++ 83 Prozent der Deutschen gegen Irak-Krieg - Merkel verteidigt Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303280.htm#news
Zehnter Kriegstag in Irak
US-Luftwaffe setzt Bombardierung Bagdads unvermindert fort +++ Wieder Raketenangriff
auf einen Marktplatz - Mindestens 55 Tote +++ USA bestätigten die Berichte über den Angriff nicht +++
Lage in Basra spitzt sich weiter zu +++ Schwere Kämpfe in der Stadt Nassirijah am Euphrat dauern an +++
Bush bereitet seine Landsleute auf weitere eigene Verluste vor +++ Kurden starten nach US-Landung in
Nordirak Offensive +++ Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus +++ Alterspräsident des britischen Unterhauses:
Blair ist ein Kriegsverbrecher +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++ So genannte Koalition der
Willigen gerät zunehmend unter Druck +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++
Italien verhängt wegen Irak-Krieg Ausnahmezustand+++ Von rund 2,5 Millionen Balkonen hängt in
Italien die "Pace"-Fahne herunter +++ Arzt lehnt wegen Golfkrieg Behandlung von Amerikanern ab +++ Der Irak-Krieg
ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303290.htm#news
Elfter Kriegstag in Irak
Offensive der Alliierten in nahezu allen Landesteilen +++ Bagdad wird weiter bombardiert +++
Irak meldet 425 Tote in der Zivilbevölkerung +++ Erster Selbstmordanschlag gegen US-Truppen in Irak +++
US-Magazin: Rumsfeld-Mitarbeiter kritisieren Irak-Strategie scharf - Er habe in jedem Stadium die Entscheidungen
alleine getroffen +++ Nach elf Tagen Krieg in Irak wachsen an der politischen Front die Probleme für die USA +++
Mehr als 290 000 alliierte Soldaten in Irak eingesetzt +++ Ex-Außenminister Cook ruft Blair zum Rückzug
aller Truppen auf - Irak-Krieg sei blutig und ungerecht +++ Laut Blix weiter keine Beweise für
Massenvernichtungswaffen in Irak +++ Papst warnt vor Spaltung der Weltreligionen in Folge des Kriegs +++
Hunderttausende protestieren gegen den Krieg - Kriegsgegner blockierten Auslandszentrale der Bundeswehr +++
Deutsche US-Stützpunkte spielen bei Irak-Krieg bedeutende Rolle... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303300.htm#news
Zwölfter Kriegstag in Irak
Mo.31.03.03 - Irakische Hauptstadt unter Dauerbeschuss +++
Kaum amerikanische Geländegewinne vor Bagdad +++
Bombardements auch in Basra +++ US-Truppen rücken nach Hindijah ein +++
Irak droht mit weiteren Selbstmordanschlägen gegen amerikanisch-britische Truppen +++
Exil-Iraker kehren zur Unterstützung der irakischen Streitkräfte in die Heimat zurück +++
IKRK beklagt 'zunehmendes Gefühl der Ohnmacht' in Irak +++ Amnesty ruft britische
Regierung zur Achtung des Völkerrechts auf +++ Schweiz veröffentlicht Liste ziviler Opfer
des Irak-Kriegs im Internet +++ Rot-Grün weitet Militärhilfe für US-Truppen aus +++
Hunderttausende demonstrieren weltweit gegen Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303310.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Afghanistan-Geberkonferenz in Berlin
Karsai will Zehn-Jahres-Plan vorlegen - Wahlen kosten mehr als 200
Millionen Dollar - UNO fordert NATO zu breiterem Einsatz in Afghanistan auf
Mi.31.03.04 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai will sein Land binnen zehn
Jahren aus der Abhängigkeit der internationalen Gemeinschaft
lösen. Er werde bei der am (heutigen) Mittwoch beginnenden
Afghanistan-Geberkonferenz einen entsprechenden Plan vorstellen, sagte
Karsai nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
in Berlin. Schröder sicherte Karsai eine langfristige
Unterstützung Deutschlands zu.
Er werde auf der Konferenz einen Plan präsentieren, der
Afghanistan bis 2014 zu einem höheren Lebensstandard, mehr
Legitimität und direkter Demokratie sowie zu mehr Stabilität
und Frieden verhelfen solle, sagte Karsai. Afghanistan solle in Fragen
der Sicherheit und der Institutionen auf eigenen Füßen
stehen und nicht mehr der internationalen Gemeinschaft zur Last fallen.
Deutschland habe mit der Ausrichtung der beiden bisherigen
Afghanistan-Konferenzen die Grundlage geschaffen für die bisher
erreichte Stabilität in seinem Land, fügte Karsai hinzu.
Dadurch sei es möglich, die für September geplanten
Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abzuhalten. Der afghanische
Präsident lobte das deutsche Engagement im Rahmen der
Internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF und den
Bundeswehr-Einsatz in der Region Kundus.
Schröder sagte, die Bundesregierung sei überzeugt, dass ihre
Hilfe für Afghanistan ein sehr wertvoller Beitrag sei. Deutschland
werde sich "nachhaltig" in Afghanistan engagieren, versprach der
Kanzler. Schröder äußerte "Respekt vor der
ungewöhnlichen staatsmännischen Leistung" Karsais. Der
Präsident stehe für die Stabilisierung und den
ökonomischen Wiederaufbau des Landes und habe dabei "Erfolge
erzielt, die sich sehen lassen können".
Nach einer Einschätzung von Bundesentwicklungsmimisterin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) kann Afghanistan bei der
Geberkonferenz mit Hilfszusagen von neun Milliarden Dollar (7,4
Milliarden Euro) rechnen. Wieczorek-Zeul sagte im ZDF, ein Hilfspaket
in Höhe von neun Milliarden Dollar für die kommenden drei
Jahre sei realistisch.
Die Entwicklungsministerin betonte, das Engagement in Afghanistan sei
im Interesse Deutschlands. Wenn der "staatliche, wirtschaftliche und
soziale Wiederaufbau" gelinge, werde dem "Terrorismus dauerhaft die
Basis entzogen". Deutschland hat 320 Millionen Euro für die Jahre
2005 bis 2008 versprochen.
Die für September geplanten Wahlen in Afghanistan werden laut
einem Zeitungsbericht zu den teuersten gehören, die je von der
internationalen Gemeinschaft bezahlt worden sind. Wie die "Financial
Times Deutschland" (Mittwochausgabe) aus UN-Kreisen erfuhr, rechnet die
Weltorganisation mit Kosten von mehr als 225 Millionen Dollar (rund 184
Millionen Euro). Allein die Wählerregistrierung, deren
Finanzierung bereits gesichert ist, wird demnach 95 Millionen Dollar
kosten. Für die auf mindestens 130 Millionen Dollar veranschlagten
Wahlen fehlten hingegen noch Mittel.
Der Administrator des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Mark Malloch
Brown, hat derweil die NATO aufgefordert, so bald wie möglich ihr
Versprechen einzulösen und ihren Afghanistan-Einsatz über
Kabul hinaus auszuweiten. Die schlechte Sicherheitslage in Afghanistan
sei einer der Gründe, weshalb die Wahlen verschoben worden seien,
sagte Malloch Brown der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Berlin.
Es sei deshalb entscheidend, ausreichend Truppen zu stationieren, "um
Recht und Ordnung im ganzen Land zu gewährleisten". Dies sei auch
wichtig für den Erfolg der Afghanistan-Konferenz in Berlin.
(Quellen: )
In Afghanistan von Normalität keine Spur
Nach dem schnellen Sieg gegen die Taliban schien eine
zufriedenstellende Antwort für Optimisten nur eine Frage der Zeit
zu sein, doch mittlerweile sieht die Sachlage - ähnlich wie im
Irak - völlig anders und sehr viel düsterer aus...
Mehr bei telepolis vom 30.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/17077/1.html
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23 Tote bei neuen Unruhen in Usbekistan
Mi.31.03.04 - Nach der verheerenden Anschlagsserie mit 19 Toten in Usbekistan hat die
Verfolgung von Terrorverdächtigen weitere 23 Menschen das Leben
gekostet. Im Norden der Hauptstadt Taschkent sprengten sich am Dienstag
zwei Männer in die Luft, nachdem ihr Auto von der Polizei
angehalten worden war. Wie ein Sicherheitsbeamter mitteilte, rissen sie
drei Polizisten mit in den Tod, fünf weitere Beamte wurden
verletzt. 19 mutmaßliche Terroristen kamen darüber hinaus
bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben.
Das fünfstündige Feuergefecht ereignete sich nach Angaben des
Innenministeriums vor einem Wohnblock nahe der Residenz von
Präsident Islam Karimow. Einige der Terrorverdächtigen,
darunter mindestens fünf Frauen, seien von der Polizei
getötet worden, andere hätten sich mit Granaten selbst in die
Luft gesprengt. Die Schießerei und der neuerliche
Selbstmordanschlag ereigneten sich im nördlichen Stadtteil
Jalangatsch. Soldaten und Polizisten riegelten dort die Straße zu
Karimows Haus ab. In der gesamten Hauptstadt wurden die
Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
Die Unruhen begannen am Sonntagabend mit der Explosion in einem Haus in
der Provinz Buchara, das Terroristen vermutlich als Bombenwerkstatt
diente. Es seien dort Sprengstoff, Waffen und Munition gefunden worden,
erklärte die Staatsanwaltschaft. Zehn Menschen wurden bei der
Detonation getötet. Am frühen Montagmorgen kam es dann zu
zwei gegen die Polizei gerichteten Anschlägen von
Selbstmordattentäterinnen. Dabei wurde neben drei Polizisten auch
ein Kind getötet.
Insgesamt kamen bei den Übergriffen vom Sonntag und Montag 19
Menschen ums Leben, 26 wurden verletzt. Die Behörden machten
islamische Extremisten für die Taten verantwortlich. Der
überwiegend von Muslimen bewohnte säkulare Staat Usbekistan
ist ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terror.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sandte Karimow am Dienstag ein
Beileidsschreiben, in dem er sein Entsetzen über die Bluttaten zum
Ausdruck brachte. Es waren die schwersten Anschläge in der
ehemaligen Sowjetrepublik seit 1999. Damals kamen in Taschkent 16
Menschen bei Übergriffen ums Leben, für die die
Untergrundorganisation Islamische Bewegung Usbekistans verantwortlich
gemacht wurde. Die Gruppe wird mit El Kaida in Verbindung gebracht.
(Quelle: ap)
Untersuchung der Anschläge des 11. Septembers:
Rice wird vor US-Terrorkommission aussagen
Mi.31.03.04 - Unter starkem Druck der Öffentlichkeit hat sich das Weiße
Haus nun doch bereit erklärt, US-Sicherheitsberaterin Condoleezza
Rice vor der Kommission zur Untersuchung der Anschläge vom 11.
September 2001 öffentlich aussagen zu lassen. Präsident
George W. Bush und sein Stellvertreter Richard Cheney stimmten einer
vertraulichen Sitzung mit den zehn Ausschussmitgliedern zu. Bedingung
sei jedoch, dass die Kommission keine weiteren Regierungsmitglieder
befragen werde, teilte Präsidentensprecher Scott McClellan am
Dienstag mit.
Die Kommission zeigte sich zufrieden mit dem Angebot und erklärte,
sie werde umgehend Termine für die beiden Sitzungen anberaumen. In
der Stellungnahme der Regierung hieß es: «Der
Präsident erkennt die außergewöhnliche Verantwortung
der Kommission an, einen exakten Bericht über die Fakten (des 11.
Septembers) vorzulegen.» Damit dürfe jedoch kein
Präzedenzfall für die Vorladung von Regierungsmitarbeitern
bei etwaigen künftigen Kommissionen geschaffen werden. Vereinbart
wurde den Angaben zufolge, dass bei der Sitzung mit Bush und Cheney nur
ein Kommissionsmitglied Notizen machen darf.
Noch am Sonntag hatte Ausschussmitglied John Lehman die Weigerung der
Regierung zu einer Vorladung von Rice als «politischen Schnitzer
ersten Grades» bezeichnet. Es werde der Eindruck vermittelt, dass
die Sicherheitsberaterin etwas zu verbergen habe. Rice hat dem
Untersuchungsausschuss bereits am 7. Februar Rede und Antwort
gestanden. Ihre Angaben mussten aber vertraulich behandelt werden.
Die nunmehr erfolgte Kehrtwende wurde von den Ausschussmitgliedern
beider politischen Parteien begrüßt. Der frühere
republikanische Senator Slade Gorton erklärte, es wäre gut
gewesen, wenn sich das Weiße Haus schon früher zu dieser
Entscheidung durchgerungen hätte. Der demokratische Senator
Charles Schumer kritisierte, das Prinzip der Immunität von
Regierungsmitgliedern vor Befragungen sei bislang nur vorgeschoben
worden. Jetzt aber bestehe die Chance, der Wahrheit näher zu
kommen.
Der ehemalige Anti-Terror-Koordinator der Regierung, Richard Clarke,
hatte am Sonntag seine Vorwürfe an die Adresse des Weißen
Hauses wiederholt. Präsident George W. Bush sei dem Terrornetzwerk
El Kaida weniger entschlossen entgegengetreten als sein Vorgänger
Bill Clinton, sagte Clarke im Sender NBC. «Präsident Bush
hat vor dem 11. September nichts getan.» Bush habe der
Terrorgefahr vor den Anschlägen gleichgültig gegenüber
gestanden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Nahost-Quartett stimmt Positionen ab. Likud-Präsidium für
Referendum über Rückzug. Jüdische Siedler dringen in
Ostjerusalem ein. Israelische Armee zerstört Aussenposten
jüdischer Siedlung. "Israel verstärkt am 'Tag der Landnahme'
Sicherheitsvorkehrungen. 100 israelische Reservisten gegen Verlauf der
Sperranlage
Mi.31.03.04 - Die Vertreter des so genannten Nahost-Quartetts haben sich in
Brüssel zu Beratungen über eine Wiederbelebung des
Friedensprozesses getroffen. Das verlautete am Dienstagabend aus
diplomatischen Kreisen. Es seien keine formellen Entscheidungen
gefallen, hiess es weiter, doch das Treffen sei ein bedeutender Hinweis
auf ein erneutes Engagement der USA, der EU, Russlands und der
Vereinten Nationen nach Monaten der Passivität.
An dem Gespräch nahmen den Angaben zufolge unter anderen
EU-Chefdiplomat Javier Solana und der US-Sondergesandte für den
Nahen Osten, William Burns, teil. Die Mitglieder des Quartetts
hätten ihre Positionen im Hinblick auf die bevorstehende
Nahost-Mission amerikanischer Diplomaten abstimmen wollen. Ein
Vertreter der EU in Brüssel bestätigte, bei den Beratungen
sei es auch um den Plan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon für einen Rückzug aus dem Gazastreifen und Teilen des
Westjordanlands gegangen.
In Jerusalem verlautete, das Quartett habe sich positiv über
Scharons Vorhaben geäussert, zugleich aber betont, dass dies nur
ein erster Schritt hin zu einem Ende der israelischen Besatzung in den
palästinensischen Gebieten sein könne. Der
palästinensische Minister Sajeb Erakat nannte das Treffen ein
«positives Zeichen».
Die israelische Regierungspartei Likud hat sich derweil für ein
parteiinternes Referendum über den Rückzugsplan von
Ministerpräsident Ariel Scharon ausgesprochen. Bei dem Treffen in
Tel Aviv stimmten die Parteimitglieder über Scharons Vorschlag ab.
Der Parteientscheid wird vermutlich nach Scharons USA-Besuch am 14.
April stattfinden.
Scharons Plan zur Aufgabe aller jüdischen Siedlungen im
Gazastreifen sowie bestimmter Siedlungen im Westjordanland ist auch
innerhalb seiner eigenen Partei sehr umstritten. Zuletzt geriet der
Regierungschef am Sonntag mit seinem Außenminister Silvan Schalom
aneinander. Dieser ist der Meinung, dass ein Rückzug nicht ohne
palästinensische Verhandlungspartner umgesetzt werden kann.
Scharon will seinen Plan auch in Washington vorlegen und die Zustimmung
der US-Regierung einholen.
Israelische Soldaten haben am Mittwochmorgen einen kleinen Aussenposten
einer jüdischen Siedlung im Westjordanland zerstört. Wie der
israelische Rundfunk berichtete, bestand der illegal errichtete
Aussenposten in der Nähe von Hebron lediglich aus einem Zelt und
einem Schuppen, der als Synagoge genutzt wurde. «Mit grossem
Schmerz und Traurigkeit geben wir bekannt, dass die Armee auf Anordnung
von (Ministerpräsident Ariel) Scharon und (Verteidigungsminister
Schaul) Mofas eine Synagoge zerstört hat», sagte Zvi
Katsover, Bürgermeister der nahe gelegenen Siedlung Kirjat Arba.
Nach dem internationalen Friedensplan, der so genannten Road Map, muss
Israel Dutzende Siedlungen in den palästinensischen Gebieten
räumen.
Eine Gruppe von etwa 15 jüdischen Siedlern ist am Freitag in den
arabischen Ostteil von Jerusalem vorgedrungen und hat dort zwei
Häuser besetzt. Palästinensische Nachbarn warfen Steine auf
die Siedler. Israelische Polizisten und Soldaten gingen mit
Tränengas gegen die Palästinenser vor und nahmen sechs
Personen fest.
Die ultra-orthodoxen Juden rückten in der Nacht mit Sturmgewehren
über der Schulter sowie Stühlen, Tischen und anderem Mobiliar
in ein mehrgeschossiges Wohnhaus und ein kleineres Nachbargebäude
ein. Das Wohnhaus sei von Palästinensern bewohnt gewesen, sagte
ein Nachbar. In anderen Stadtteilen von Ostjerusalem haben
jüdische Siedler zuletzt mehrfach Häuser gekauft und sich
dort trotz Protesten der Anwohner eingerichtet.
Aus Angst vor Anschlägen am traditionellen Protesttag der
arabischen Bevölkerung, dem "Tag der Landnahme", hat Israel seine
Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Um die arabischen Ortschaften
des Landes sei am Dienstag das Sicherheitspersonal verstärkt
worden, sagten Sprecher der Polizei. Die mehreren tausend Polizisten
seien angewiesen worden, die Dörfer und Städte nicht zu
betreten, um gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Einwohnern zu
vermeiden. Am 30. März 1976 waren sechs arabische Israelis bei
Protesten gegen die Beschlagnahmung ihres Landes im Norden Israels von
der Armee getötet worden.
Hundert israelische Reserveoffiziere wollen einem Zeitungsbericht
zufolge mit einem Brief an die Regierung erreichen, dass der Verlauf
der israelischen Sperranlage zum Westjordanland geändert wird. Die
Reservisten hätten sich in ihrem Schreiben an die Regierung in
Jerusalem darüber beklagt, dass der Grenzwall an einigen Stellen
so dicht an palästinensischen Dörfern und Siedlungen
verlaufe, dass er die Armeestreifen in Gefahr bringe, berichtete die
israelische Tageszeitung "Haaretz" am Dienstag auf ihrer Internetseite.
Besondere "Reibungspunkte" könne es dort geben, wo die Sperranlage
durch Ortschaften verlaufe und diese teile, heiße es in dem Brief.
(Quellen: afp, ap)
UN verlängern Friedensmission in Sierra Leone
Mi.31.03.04 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat das Mandat der
UN-Friedensmission in Sierra Leone (UNAMSIL) bis Juni 2005
verlängert. Allerdings soll ein Teil der derzeit 11.000
Blauhelm-Soldaten ab Mitte dieses Jahres schrittweise abgezogen werden.
Das Gremium folgte damit einem Vorschlag von UN-Generalsekretär
Kofi Annan. Dieser hatte empfohlen, die Mission auf Grund der
Sicherheitslage zu verlängern, die Truppenstärke bis zum
Jahresende aber auf 5.000 Soldaten zu reduzieren. Ab Ende Februar
sollen nach dem Beschluss des Sicherheitsrates nur noch 3.250 Soldaten,
141 Militärbeobachter und 80 internationale Polizisten in dem
westafrikanischen Land stationiert sein. Dem Bürgerkrieg in Sierra
Leona fielen von 1991 bis 2002 mehrere zehntausend Menschen zum Opfer.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
UN-Tribunal in Sierra Leone nimmt Arbeit auf
Mi.10.03.04 - Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Sierra Leone beginnt heute mit der
Aufarbeitung des brutalen Bürgerkriegs in dem westafrikanischen
Land. Zunächst soll neun Angeklagten der Prozess gemacht werden.
Vier der wichtigsten Hauptakteure des Bürgerkriegs allerdings
fehlen auf der Anklagebank, so floh Liberias Ex-Präsident Charles
Taylor nach Nigeria ins Exil... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403100.htm#04031009"
Das 'Special Court for Sierra Leone' ist das dritte internationale
Gericht für Kriegsverbrecher. Doch die Hauptschuldigen werden
nicht angeklagt...
Mehr in der "tageszeitung" vom 10.03.04:
http://www.taz.de/pt/2004/03/10/a0163.nf/text
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Haitis Ministerpräsident will Vorgänger nicht verfolgen
Mi.31.03.04 - Der Ministerpräsident der Übergangsregierung in Haiti, Gerard
Latortue, hat versprochen, seinen Vorgänger nicht zu verfolgen.
Yvon Neptune habe von der neuen Regierung nichts zu befürchten,
sagte Latortue am Dienstag im Radio Metropole. Neptune ist nach
Morddrohungen abgetaucht und bezichtigt die Regierung einer Hexenjagd.
Diese hatte vergangene Woche ein Reiseverbot für Dutzende
Mitglieder der gestürzten Regierung unter Jean-Bertrand Aristide
beschlossen, von dem auch Neptune betroffen ist. Zur Begründung
hieß es, es müsse sichergestellt werden, dass die fraglichen
Personen für Untersuchungen zu Korruption und Unterschlagung zur
Verfügung stünden. Wenn Neptune sich eines Verbrechens
schuldig gemacht habe, werde das Justizsystem sich darum kümmern,
sagte Latortue.
(Quelle: ap)
Die USA und Haiti
Alle, die sich wirklich Sorgen um Haiti machen, werden natürlich
verstehen wollen, auf welche Weise es zu der jüngsten
Tragödie gekommen ist. Und für diejenigen, die das Privileg
hatten, in irgendeiner Weise mit den Menschen dieses gepeinigten Landes
in Berührung zu kommen, ist ein solcher Versuch nicht nur
natürlich, sondern unvermeidlich.
Nichtsdestoweniger begehen wir einen ernsten Irrtum, wenn wir uns zu
sehr auf die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, oder auch nur
auf Haiti allein, konzentrieren. Die entscheidende Frage für uns
ist, was wir im Hinblick auf diese Ereignisse tun sollten. Das
wäre selbst dann so, wenn wir nur begrenzte
Handlungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten hätten, um so
mehr aber im Fall von Haiti, wo wir beides in enormem und
entscheidendem Maß besitzen.
Noch stärker gilt dies, weil der schreckliche Lauf der Ereignisse
schon vor Jahren vorhersehbar war - wenn wir ihn nicht aufhalten
würden.
Und genau das taten wir nicht. Die Lehren daraus liegen auf der Hand,
und sie sind von so großer Bedeutung, dass sie, wenn wir eine
freie Presse hätten, täglich Thema etlicher Leitartikel
wären...
Aus: Noam Chomsky - "Die USA und Haiti", http://www.graswurzel.net
/ ZNet 09.03.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?
id=1063&PHPSESSID=fa3f54614bf5c2ba8346c6e0fe40e961
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=11&ItemID=5115
Weitere Ausführungen Chomskys zu Haiti finden sich in seinem Buch
"Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung",
Klampen, 1993, S. 286-318 (Kapitel VIII: "Haitis Tragödie").
Noam Chomsky, 75, ist Professor am Massachusetts Institute of
Technology (MIT) in Boston. Der Linguist, den die New York Times den
"wohl wichtigsten lebenden Intellektuellen" nannte, gehört zu den
profiliertesten Kritikern der US-Außenpolitik.
«Noam Chomsky Archiv»
Das Archiv dokumentiert das politische Lebenswerk von Noam Chomsky,
Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technologie
(MIT). Chomsky hat in den 60er Jahren die Vorstellungen über
Sprache und Denken revolutioniert. Zugleich ist er einer der
prominentesten und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen
Weltordnung und des US-Imperialismus. Obwohl er von der New York Times
als der "einflußreichste westliche Intellektuelle" und als
"bekanntester Dissident der Welt" bezeichnet wird, wird er von den
Mainstreammedien und im politischen Diskurs weitgehend ignoriert. Er
hat über 57 Bücher über US Interventionismus in den
Entwicklungsländern, die politische Ökonomie der
Menschenrechte und die Propagandarolle der Medien in unserer
Gesellschaft geschrieben.
Mehr unter:
http://www.chomskyarchiv.de/
|
Bolivien: Drei Tote bei Selbstmordanschlag in La Paz
Mi.31.03.04 - Bei einem Selbstmordanschlag im bolivianischen Parlament in La Paz sind
drei Menschen getötet worden. Der Attentäter riss zwei
Polizisten mit in den Tod, darunter den Sicherheitschef des Kongresses.
Zehn Menschen wurden verletzt. Bei dem 47-jährigen Täter
handelte es sich um einen Bergarbeiter, der Beiträge für die
Pensionskasse zurückfordern wollte. Nachdem dem Mann der Einlass
in das Gebäude verweigert wurde, zündete er eine Ladung
Dynamit.
Präsident Carlos Mesa zufolge trug der Attentäter den
Sprengstoff an seinem Körper sowie in einem Rucksack. Es habe sich
um einen "isolierten Vorfall" ohne politischen Hintergrund gehandelt.
Ein noch größeres Unglück wurde dadurch verhindert,
dass der Präsident des Abgeordnetenhauses, Oscar Arrien, das
Gebäude noch vor der Explosion räumen ließ. Das
Parlamentsgebäude liegt wenige Meter vom Regierungssitz entfernt.
Die Vize-Sprecherin des Kongresses, Elsa Guevara Aguirre, zeigte sich
entsetzt. "Wir haben seit einiger Zeit anonyme Drohungen erhalten, aber
das geht zu weit."
Bolivien ist das ärmste südamerikanische Land. Der Andenstaat
machte im vergangenen Jahr eine schwere politische Krise durch, die
durch den Streit um die Verwendung der Erdgasvorkommen ausgelöst
worden war. Der in einem Volksaufstand gestürzte frühere
Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada hatte vorgeschlagen,
das Erdgas des Andenlandes über eine Pipeline durch Chile in die
USA zu exportieren. Bei wochenlangen gewaltsamen Protesten wurden mehr
als 80 Menschen getötet.
(Quelle: afp)
UN: Zahl der Slumbewohner verdoppelt sich
Mi.31.03.04 - Die Zahl der in extremer Armut lebenden Slumbewohner weltweit wird sich
nach UN-Angaben in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. Derzeit lebe
rund eine Milliarde Menschen in verarmten und übervölkerten
Siedlungen am Rande der Metropolen, sagte die Armutsexpertin Anne-Marie
Lizin, die im Auftrag der UN-Menschenrechtskommission am Montag in Genf
einen Bericht über Menschenrechte und extreme Armut vorstellte.
Laut Lizin leben die meisten Slumbewohner in Asien. In Afrika fristeten
fast drei Viertel der Menschen ihr Dasein in Slums. In den entwickelten
Ländern hätten UN-Untersuchungen ergeben, dass dort 54
Millionen Frauen, Männer und Kinder in Elendsquartieren hausten.
Um den Teufelskreis von Armut und schlechten Lebens- und
Wohnbedingungen zu durchbrechen, müssten die Regierungen mehr in
die Bildung der Bevölkerung investieren, so Lizin.
Zudem sollten die Staaten mehr Mittel in ihre Gesundheitssysteme und in
die städtische Infrastruktur leiten, forderte die UN-Beauftragte.
Nach Lizins Angaben könnten mit den weltweiten
Militärausgaben 2003 das gesamte Schulwesen Afrikas für 15
Jahre finanziert werden.
(Quelle: epd)
Verfahrensregeln für EU-Asylsystem weiter offen
Mi.31.03.04 - Die Chancen für eine Verabschiedung des EU-Asylsystems zum 1. Mai
sind weiter gesunken. Deutschland machte im Brüsseler Rat der
EU-Innenminister zwar den Weg frei für die Annahme gemeinsamer
Bestimmungen über die Anerkennung von Flüchtlingen. Bei den
Mindeststandards für die Verfahren ging die Diskussion aber erneut
ergebnislos zu Ende. Der deutsche Innenminister Otto Schily (SPD)
zeigte sich skeptisch, ob das Zieldatum gehalten werden kann.
Zugleich verteidigte Schily seine Zustimmung zu den Regeln für die
Anerkennung von Flüchtlingen gegen die Kritik aus den Reihen von
CDU und CSU: Dafür müsse er sich "nicht irgendwo die
Erlaubnis abholen," sagte Schily.
Er habe sich dafür eingesetzt, dass die EU-Vorschriften für
die Anerkennung von Flüchtlingen deutschen Interessen entsprechen
würden, sagte Schily. Die grundsätzlich erzielte Vereinbarung
sehe vor, dass sich der Zugang zu den sozialen Sicherungssystemen und
dem Arbeitsmarkt "weitgehend weiter nach nationalen Regelungen richten"
werde. Das sei ein Erfolg für Deutschland. "Ich kann aber nicht
hier willkürlich eine politische Einigung aufhalten, weil ein Teil
einer größeren Oppositionsfraktion im Bundestag sich dazu
nicht in der Lage sieht."
CDU/CSU hatten zuvor Schily gewarnt, den Bestimmungen zuzustimmen. "Ein
Zuwanderungsgesetz ist für uns ohne Zuwanderungsbegrenzung nicht
vertretbar," so der innenpolitische Sprecher, Hartmut Koschyk, und der
Fraktionsobmann im Innenausschuss, Thomas Strobl.
Keine Fortschritte gab es bei den Brüsseler Beratungen über
einheitliche Verfahrensgrundsätze bei Asylanträgen. Strittig
blieb vor allem das Konzept "sicherer Drittstaaten". Die EU-Botschafter
sollen nun noch einmal versuchen, eine Einigung für den
Ministerrat Ende April vorzubereiten. Ohne diese Richtlinie ist das
Asylsystem nicht komplett, wie dies das EU-Vertragswerk bis zum 1. Mai
vorsieht.
Offen bleibt zunächst auch, wer ab 1. Juni die Leitung der
europäischen Polizeibehörde Europol übernehmen soll.
Darüber sei gesprochen worden, bestätigte Schily, ohne
Details nennen zu wollen. Deutschland sei dafür, dass der
bisherige Europol-Chef, der Deutsche Jürgen Storbeck, seine
erfolgreiche Arbeit fortsetzen werde, sagte Schily.
(Quelle: afp)
Forschung über Kinderarbeit entdeckt Sicht der Betroffenen
Mi.31.03.04 - Die weltweit verbreitete Kinderarbeit aus Sicht der Betroffenen will
eine Tagung in Berlin untersuchen. Rund 350 Millionen Kinder arbeiten
nach Angaben der Technischen Universität Berlin vom Dienstag. Wie
sie über ihre Arbeit denken, wollen Wissenschaftler aus 20
Ländern auf einem Symposium erörtern, das die Berliner
Hochschule Mitte April erstmals veranstaltet. Dieser im
englischsprachigen Raum verbreitete «kinderzentrierte»
Ansatz sei in Deutschland noch Neuland, erklärten die
Organisatoren.
In Deutschland jobbt diesen Angaben zufolge fast jedes zweite Kind.
Zwar lasse sich die ökonomische Situation der Kinder in
Deutschland nicht mit der in vielen Entwicklungsländern
vergleichen. Es gebe aber auch Parallelen: Im Norden wie im Süden
sähen Kinder in ihrer Erwerbstätigkeit die Möglichkeit,
unabhängiger zu sein und sich Statussymbole der Jugendkultur
leisten zu können.
Aber auch in Deutschland scheint das Motiv der Existenzsicherung
zunehmend eine Rolle zu spielen. Erst vor zwei Tagen hatte der Deutsche
Kinderschutzbund Zahlen veröffentlicht, wonach in Hamburg jeder
dritte Schüler einer illegalen Beschäftigung nachgeht. Rund
15 Prozent der Kinder im Alter bis zu 15 Jahren seien illegal auf
Baustellen, in gastronomischen Betrieben oder im Einzelhandel
tätig, um die schlechte finanzielle Situation ihrer Familie zu
verbessern.
(Quelle: ap)
Welttreffen der Bewegungen arbeitender Kinder
Kinderarbeit existiert, auch wenn die Erste Welt sie verbieten
möchte: Weltweit arbeiten 211 Millionen Kinder unter 15 Jahren -
Tendenz steigend. Mitte April treffen sich in Berlin internationale
Vertreter der Kinderarbeiter. Sie sind zwischen 13 und 17 Jahre alt und
wissen aus eigener Erfahrung, wovon sie reden. So wie Sandra
Avocé aus Benin in Westafrika. Ihr Anliegen ist nicht die
Abschaffung, sondern die Reform von Kinderarbeit...
Mehr in der tageszeitung vom 31.03.04 unter:
http://www.taz.de/pt/2004/03/31/a0163.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/03/31/a0166.nf/text
Der Kongress in Berlin wird von ProNats organisiert, einem
Initiativkreis, der sich für eine differenzierte Betrachtung des
Themas Kinderarbeit einsetzt. Die Erwachsenen verstehen sich dabei als
Auftragnehmer der Kinder. Während eines Großteils der
Veranstaltung sollen die Kinder und Jugendlichen unter sich bleiben;
nur Übersetzer sind dann zugelassen.
Mehr unter:
http://www.pronats.de
Blick ins Archiv:
Kinderarbeit
74 Kinder aus Steinbrüchen in Nigeria befreit
Fr.17.10.03 - Ihre Kleider hängen in Fetzen, sie sind abgemagert, ihre
Hände voller Schwielen: 74 Kinder werden derzeit in Benin
medizinisch versorgt, nachdem sie aus einem Granit-Steinbruch im
benachbarten Nigeria befreit wurden. Sie erzählen, mindestens 13
ihrer Kameraden seien in den vergangenen drei Monaten ums Leben
gekommen. In dem Steinbruch mussten die Kinder Steine zertrümmern
und wegschleppen und nachts unter freiem Himmel schlafen, wie
UN-Vertreter mitteilten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310170.htm#03101703
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SPD und Grüne bringen Ausbildungsabgabe in den Bundestag ein -
Bedenken in eigenen Reihen
Mi.31.03.04 - Die Fraktionen von SPD und Grünen haben den Gesetzentwurf für
eine Ausbildungsplatzabgabe trotz Vorbehalte in den eigenen Reihen auf
den parlamentarischen Weg gebracht. Beide Fraktionen stimmten am
Dienstagabend mehrheitlich dafür, den umstrittenen Entwurf in den
Bundestag einzubringen. Bereits am Donnerstag steht die erste Lesung
des so genannten Ausbildungsplatzsicherungsgesetzes an. Allerdings
zeichnen sich bereits Änderungen an dem Gesetzentwurf ab. So
verabschiedeten die Grünen nach Angaben eines Parteisprechers
parallel einen Antrag, in dem Korrekturen an dem Vorhaben aufgelistet
sind. Diese will der kleine Koalitionspartner nun in den weiteren
Verhandlungen durchsetzen.
Der SPD-Partei- und Fraktionschef Franz Müntefering zeigte sich
zuversichtlich, dass rechtzeitig zum 30. September ein «gutes
Ergebnis» zustande kommen wird. Man werde dafür sorgen, dass
das Gesetz «so schnell wie möglich» durch die
Instanzen gehe. In der Fraktionssitzung stimmten laut Müntefering
von den am Schluss noch anwesenden Abgeordneten 100 für die
Einbringung des Gesetzes; 25 votierten bei einer Enthaltung dagegen.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bis zum 30. September 15 Prozent mehr
freie Lehrstellen als ausbildungssuchende Jugendliche zur
Verfügung stehen müssen. Ist dies nicht der Fall, sollen
Betriebe mit einer Ausbildungsquote von unter sieben Prozent in einen
Lehrstellenfonds einzahlen. Gelten sollen die Regelungen für
Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. Jeder Ausbildungsplatz
oberhalb der Sieben-Prozent-Quote wird aus dem Fonds gefördert. Im
Beirat des Fonds sind Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Bund
und Länder vertreten.
Müntefering sagte, Ziel sei es, dass alle jungen Leute eine
Lehrstelle erhalten. Allerdings gingen freiwillige Lösungen vor.
Betriebe, die etwa über Tarifvereinbarungen zur Schaffung einer
ausreichenden Zahl von Ausbildungsplätzen beitrügen,
würden von der gesetzlich verhängten Abgabe ausgenommen. Der
SPD-Chef drohte den Unternehmen aber zugleich, wenn es nicht
genügend Lehrstellen gebe, werde die Abgabe ziehen. Auch die
SPD-Bildungspolitikerin Nicolette Kressl betonte, die gesetzliche
Umlage greife nur, wenn keine anderen freiwilligen und tariflichen
Lösungen vorhanden seien.
Die Grünen kritisierten dagegen, der Gesetzentwurf sei «noch
nicht differenziert genug, um auf effektive Weise positive Effekte
hervorrufen zu können». Ihre Änderungswünsche
machte die Fraktion in einem von Fraktionsvize Thea Dückert und
Bildungspolitikerin Grietje Bettin eingebrachten Zusatzantrag deutlich.
Unter anderem fordern sie, dass auch Ausbildungsverbünde aus
mehreren Unternehmen gefördert werden müssen. Außerdem
sollen durch die Errichtung einer Stiftung zusätzlich
Einzelpersonen, Unternehmen und Sozialpartner die Möglichkeit
erhalten, das Umlagevermögen zu erhöhen. Eine Förderung
«rein außerbetrieblicher Ausbildungsplätze» aus
dem Umlagefonds lehnen die Grünen ab. Zudem müssten
Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser sowie für eine
bestimmte Zeit Existenzgründer von der Umlage befreit sein.
Müntefering sieht bei der geplanten Ausbildungsplatzabgabe nicht
zuletzt noch «Überzeugungsarbeit» in den Ländern.
Man stehe aber «mitten in der Debatte», sagte er. Erste
Mitte des Jahres müsse ein Gesetz stehen.
(Quelle: ddp)
Gespräche über Betreuung Langzeitarbeitsloser gescheitert
Mi.31.03.04 - Die Betreuung von Langzeitarbeitslosen bleibt zwischen Koalition und
Opposition strittig. Ein neues Spitzengespräch unter Leitung von
Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) und dem hessischen
Regierungschef Roland Koch (CDU) ist am Dienstag in Berlin gescheitert.
Umstritten ist insbesondere das Verfahren bei einer Übernahme der
Verantwortung durch die Kommunen. CDU-Chefin Angela Merkel warf der
Koalition Wortbruch vor.
Clement kündigte an, dass die Regierung jetzt einen eigenen
Gesetzentwurf einbringen werde. Die Regierung löse damit ihre
Zusage aus dem Vermittlungsverfahren ein. Unabhängig davon werde
am 1. Januar 2005 aber die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II wirksam werden, sagte Clement. Das
sei bereits gesetzlich beschlossen. Für die gesetzliche Umsetzung
des Wahlrechts der Kommunen für die Betreuung der
erwerbsfähigen Hilfeempfänger sehe er hingegen nur
«zweitbeste Lösungen», weil das Grundgesetz direkte
Finanzbeziehungen zwischen Bund und Kommunen nicht vorsieht.
Koch sagte, die Union werde die Vorlage ablehnen. Die Kommunen sollten
zu Befehlsempfängern der Bundesagentur für Arbeit gemacht
werden. Merkel nannte das Scheitern der Gespräche sehr
enttäuschend. Im Vermittlungsverfahren sei ein Modell vereinbart
worden, das die Unabhängigkeit der Kommunen von der Bundesagentur
für Arbeit ermöglichen sollte.
Unions-Verhandlungsführer Karl-Josef Laumann befürchtet eine
massive Verschlechterung der Betreuung von Langzeitarbeitslosen.
«Die Kommunen haben nun keine Rechtsgrundlage mehr,
Langzeitarbeitslose in Qualifizierungsprojekten zu betreuen und wieder
in den Arbeitsmarkt einzugliedern», sagte er der dpa. Nach
Ansicht von Laumann wird die Bundesagentur für Arbeit mit dieser
Aufgabe überfordert sein. Die Bundesagentur werde Anfang Januar
2005 bestenfalls in der Lage sein, für die Auszahlung des
Arbeitslosengeldes II zu sorgen. «Die qualifizierte Betreuung der
Arbeitslosen wird aber nicht möglich sein.»
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte, die
Grünen würden sich auf die «Chaotisierer in der
Union» nicht einlassen. DGB- Vize Ursula Engelen-Kefer bedauerte,
dass die Union mit ihrer kompromisslosen Forderung nach einem
Optionsgesetz eine optimale Betreuung der Lanzeitarbeitslosen
boykottiere. SPD-Fraktionsvize Klaus Brandner verteidigte den Entwurf.
«Das ist ein faires Angebot.»
Kritik an dem rot-grünen Gesetzentwurf kam vom Deutschen
Landkreistag (DLT). Die Bundesregierung vernebele damit, dass sie
entgegen dem Vermittlungsergebnis den kommunalen Trägern in der
Arbeitsmarktpolitik keine Verantwortung einräumen wolle.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte «einen Neuanfang
bei der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe». Es
erweise sich nun, dass die geplante Vermischung von
Zuständigkeiten zwischen BA und Kommunen «von Anfang an ein
schwerer Fehler war».
(Quelle: dpa)
BfS genehmigt umstrittene Atomtransporte
aus Sachsen nach Ahaus
Mi.31.03.04 - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die umstrittenen
Transporte von abgebrannten Brennelementen aus Rossendorf in Sachsen in
das nordrhein-westfälische Zwischenlager Ahaus genehmigt. Auf
Grundlage der bis Jahresende geltenden Erlaubnis würden insgesamt
951 Brennelemente aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf
in 18 Castor-Behältern in das Zwischenlager gebracht, teilte das
Bundesamt in Salzgitter am Dienstag mit. Wann der Transport stattfinden
soll, muss noch entschieden werden. Die Genehmigung gilt bis 31.12.2004.
Wie die Behörde weiter mitteilte, wurde dem Transporteur eine
größtmögliche Bündelung der auf der Straße
vorgesehenen Transporte auferlegt. Mit dem Erteilung der Genehmigung
beendete das Bundesamt zugleich die Aussetzung des
Genehmigungsverfahrens, die das Bundesumweltministerium vor zwei Wochen
angeordnet hatte. Das Ministerium hatte das Verfahren für die auf
der Straße geplanten Transporte angehalten, nachdem AKW-Gegner
Proteste und Blockaden angekündigt hatten und Nordrhein-Westfalen
die Lieferungen als überflüssig kritisiert hatte.
Der Transporteur NCS habe nachweisen können, dass alle
Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt seien, begründete das
Bundesamt die erteilte Transporterlaubnis. Auch die Kommission
«Sicherheit und Schutz kerntechnischer Einrichtungen» der
Länder und des Bundes, die Atommülltransporte koordiniere,
habe in einem Schreiben dargelegt, unter welchen Umständen der
erforderliche Schutz der umstrittenen Lieferung gegen
Störmaßnahmen gewährleistet sei.
Die Gesamtradioaktivität des Inhalts der 18 Castor-Behälter
des Typs MTR 2 betrage etwa ein Zehntel des Wertes eines einzigen
Behälters mit abgebrannten Brennelementen aus Atomkraftwerken,
betonte das Bundesamt. Die Transportbereitstellungshalle Rossendorf, in
der sich die 951 Brennelemente gegenwärtig befänden, sei
für eine langfristige Zwischenlagerung weder konzipiert, noch
geprüft oder genehmigt. Insbesondere sei die Halle nicht in
Hinblick auf einen gezielt herbeigeführten Flugzeugabsturz
untersucht worden.
(Quelle: ap)
Aufenthaltsverbot bei Castor-Transport rechtswidrig
Mi.31.03.04 - Die Polizei darf nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts
Lüneburg Proteste gegen Castor-Transporte nach Gorleben nicht
durch willkürliche Aufenthaltsverbote unterbinden. Ein
Aufenthaltsverbot dürfe nicht dazu dienen, Demonstranten
weiträumig von ihrem Protest gegen die Atomwirtschaft abzuhalten,
gab das Gericht in Lüneburg am Donnerstag einen Atomkraftgegner
recht, der gegen ein im März 2001 verhängtes
großräumiges Aufenthaltsverbot geklagt hatte. Ein solches
Verbot sei nur zulässig, um einen potenziellen Täter von der
Begehung konkreter Straftaten abzuhalten.
Das Gericht verlangte für ein Aufenthaltsverbot konkrete
Anhaltspunkte dafür, dass der Betroffene eine Straftat begehen
wolle. Vermutungen oder Behauptungen reichten nicht aus. Die Polizei
hatte seinerzeit das zweitägige Aufenthaltsverbot damit
begründet, der 23-jährige AKW-Gegner wolle sich an einem so
genannten Widerstandscamp beteiligen. Bei einer Kontrolle hatte sie in
seinem Fahrzeug mehrere Schlafsäcke und Sporttaschen gefunden.
Die bloße Teilnahme an einem Camp von Kernkraftgegnern sei keine
Straftat, entschied demgegenüber das Verwaltungsgericht. Der Mann
sei vorher nicht als Straftäter aufgefallen, haben keine
Straftaten angekündigt und auch keine für Straftaten
geeigneten Werkzeuge dabei gehabt.
In einer zweiten Entscheidung gab das Verwaltungsgericht Lüneburg
am Donnerstag der Klage einer Atomkraftgegnerin gegen einen Bescheid
der Polizei statt, in dem 55,22 Euro an Gebühren und Auslagen
für eine Ingewahrsamnahme bei dem Castor-Transport im März
2001 verlangt worden. Das Amtsgericht Dannenberg habe seinerzeit die
Entlassung der Demonstrantin aus dem Polizeigewahrsam angeordnet.
«Für eine rechtswidrige Polizeimaßnahmen können
Gebühren nicht erhoben werden», entschied das
Verwaltungsgericht. (Az.: 3 A 80/02 und 3 A 148/02)
(Quelle: ap)
Mögliches Aus für ersten Versuchsanbau von Gen-Weizen
Greenpeace hat mehrere Tonnen Öko-Weizen auf Versuchsfeldern ausgesät
Mi.31.03.04 - Der bundesweit erste Freilandversuch mit gentechnisch verändertem
Weizen steht möglicherweise vor dem Aus. Nach einer
Greenpeace-Aktion gegen die Versuchsfelder in Sachsen-Anhalt prüft
der Schweizer Saatgut-Konzern Syngenta derzeit den Zustand des Bodens,
wie ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AP in Magdeburg auf
Anfrage mitteilte. Ein endgültiges Ergebnis werde für die
nächsten Tage erwartet.
Indes will Sachsen-Anhalt gegen die Umweltschutzorganisation Greenpeace
juristisch vorgehen. Umweltministerin Petra Wernicke (CDU)
kündigte eine Strafanzeige wegen Landfriedensbruchs an.
Rund 130 Greenpeace-Aktivisten hatten am Vortag bei Bernburg in dem
neuen Bundesland mehrere Tonnen Öko-Weizen auf zwei
Versuchsfeldern ausgesät, die für den Anbau von gegen
Pilzbefall resistenten Gen-Weizen vorgesehen waren. Die Flächen,
die damit für die Aussaat von Gen-Getreide unbrauchbar gemacht
werden sollten, gehören der örtlichen Agrargenossenschaft und
der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau.
Die landeseigene Anstalt werde den Strafantrag stellen, erklärte
Ministerin Wernicke. Greenpeace habe Faustrecht angewandt, sei auf
fremdes Eigentum eingedrungen und habe Schaden angerichtet, so auf rund
20 Hektar in der Nachbarschaft, die mit Raps bestellt waren.
Bereits im Vorjahr hatte das Schweizer Unternehmen nach einer
ähnlichen Greenpeace-Aktion auf einen geplanten Versuch in Gotha
bei Thüringen verzichtet. In Sachsen-Anhalt gebe es noch Hoffnung,
die Tests durchführen zu können, sagte Peter Hefner von
Syngenta.
Sachsen-Anhalt will als erstes Bundesland auch Gen-Mais in großem
Stil anbauen und startete dazu im vergangenen November eine
«Biotechnologie-Offensive». Wirtschaftsminister Horst
Rehberger kündigte an, dafür in den kommenden fünf
Jahren mehr als 100 Millionen Euro zur Unterstützung von Forschung
und Wirtschaft bereitzustellen. Gefragt seien praktische Erfahrungen.
Eine Technologie zu verteufeln, sei der falsche Weg, sagte der
FDP-Politiker.
Umweltschützer und Bio-Bauern hatten bereits vor Wochen ein
Aktionsbündnis «Keine Gentechnik auf Sachsen-Anhalts
Feldern» gegründet. Sie fordern einen Volksentscheid und
verweisen auf eine Emnid-Studie vom November 2003, in der sich 72
Prozent der Menschen in Deutschland gegen gentechnisch veränderte
Lebensmittel ausgesprochen hätten.
(Quelle: ap)
Mehr bei Greenpeace unter::
http://www.greenpeace.de/gentechnik/
Blick ins Archiv:
Umweltschützer warnen vor Folgen des Gentechnikgesetzes
Di.16.03.04 - Umweltschutzorganisationen fordern striktere Vorschriften für den
Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland. Der
Deutsche Naturschutzring (DNR) und der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) verlangten am Montag entsprechende
Änderungen am rot-grünen Entwurf zur Novellierung des
Gentechnikgesetzes. Der vorliegende Gesetzentwurf des
Verbraucherschutzministeriums verkenne das
«Sicherheitsbedürfnis von Verbrauchern, Landwirten und
Natur», kritisierte DNR-Präsident Hubert Weinzierl... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403160.htm#04031624
Erlaubnis für Aussaat von Gen-Mais
Do.26.02.04 - Deutsche Landwirte dürfen in diesem Jahr 25,5 Tonnen gentechnisch
veränderten Mais aussäen. Das Bundessortenamt hat nach
eigenen Angaben den Anbau von sechs verschiedenen Sorten genehmigt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#04022615
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226dk