Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Außenminister erwartet neue Irak-Resolution bis Juli. Powell:
Irak-Krieg ist sinnvoll - Die Welt sei sicherer geworden. Fortgesetzt
Angriffe im sunnitischen Dreieck. Nach gewaltsamen Tod von vier
Amerikanern in Falludscha: US-Zivilverwalter kündigt hartes
Durchgreifen in Irak an. Unbekannte Gruppe übernimmt Verantwortung
für Falludscha-Anschlag. Irakische Handelsmesse aus
Sicherheitsgründen abgesagt. Deutsche Unternehmen gründen
Firmenpool für Irak - Wirtschafts-Staatssekretär Tacke:
Einer der besten Investitionsstandorte. Südkorea plant Entsendung
von 3.600 Soldaten nach Irak
Fr.02.04.04 - US-Außenminister Colin Powell rechnet mit einer neuen
UN-Resolution zu Irak bis Juli. «Ich glaube, dass es eine neue
Resolution geben wird, wenn wir uns dem 1. Juli nähern»,
sagte Powell am Donnerstag im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Dann
werde sich zeigen, ob sich Spanien in Irak weiter engagiere. «Die
Spanier haben erklärt, sie würden ihre Truppen
zurückziehen, wenn es keine Resolution der Vereinten Nationen
gebe, die der UN die politische Kontrolle gibt.»
Man werde sehen müssen, wie die Resolution aussehe, sagte Powell.
Eine mögliche Rolle der NATO werde beim
Außenminister-Treffen am (heutign) Freitag besprochen werden.
Spanien sei ein souveränes Land und könne tun und lassen, was
es wolle.
Powell bekräftigte, dass die USA sich nicht von den
Terroranschlägen in Irak zum Rückzug bewegen ließen.
«Wir werden nicht aus Irak abziehen», sagte Powell. Amerika
sei in der Lage, «dort zu bleiben, gegen seine Feinde zu
kämpfen und zu gewinnen». Der Irak-Krieg sei sinnvoll. Die
Welt sei sicherer geworden.
Die Angriffsserie im sunnitischen Dreieck um Falludscha ist auch am Tag
nach der Ermordung und Schändung von vier Amerikanern fortgesetzt
worden. Unweit der zentralirakischen Stadt wurde am Donnerstag ein
Geländewagen von einer Granate getroffen und brannte aus, drei
US-Soldaten wurden verletzt. Wie erst am Donnerstag bekannt wurde,
waren bei einem Bombenanschlag in Ramadi westlich von Falludscha am
Mittwochabend sechs irakische Zivilpersonen getötet und vier
weitere verletzt worden.
Noch sei unklar, ob die Explosion auf einem belebten Markt von einem
Selbstmordattentäter verursacht oder der Sprengsatz
ferngezündet wurde, sagte Koalitionssprecher Steve Murray.
In Falludscha hatten Iraker am Mittwoch vier tote Amerikaner durch die
Straßen geschleift und geschändet. Der amerikanische
Zivilverwalter Paul Bremer erklärte am Donnerstag, die Täter
sollten nicht ungestraft davonkommen. «Die Taten sind
verabscheuungswürdig und unentschuldbar. Sie widersprechen den
Lehren aller Religionen, einschließlich des Islams.» Zwar
zeigten zahlreiche US-Zeitungen am Donnerstag Bilder der
Gräueltaten, etwa zwei Leichen, die an einer Brücke
aufgehängt worden waren. Die meisten Fernsehstationen verzichteten
jedoch auf die Ausstrahlung der entsprechenden Szenen.
Nach einem Bericht des deutschen Privatsenders Vox handelte es sich bei
den vier Amerikanern um Angestellte der Sicherheitsfirma Blackwater
USA. Polizeisprecher Salah Abdullah erklärte, Beamte hätten
die Leichen am Donnerstag geborgen und sie den Streitkräften
übergeben. Innenminister Nori el Badran kündigte die
Entsendung von Truppen nach Falludscha an, «um die Mörder
der gerechten Strafe zuzuführen».
Die irakische Polizei besetzte Kontrollpunkte entlang der
Hauptstraßen von Falludscha, amerikanische Truppen waren nicht zu
sehen. Die Lage in der Stadt war ruhig, Geschäfte und Schulen
öffneten wie gewohnt. Einige Bewohner warnten die
US-Streitkräfte vor militärischer Vergeltung. «Wir
werden keinen Ausländer Falludscha betreten lassen», sagte
der 40-jährige Samir Sami. «Der Angriff von gestern
(Mittwoch) zeigt, wie sehr wir die Amerikaner hassen.»
Das Weiße Haus hat die blutigen Anschläge im Irak
verurteilt. «Die Feinde des Friedens wollen unsere Willen
erschüttert, aber das schaffen sie nicht», sagte
Präsidentensprecher Scott McClellan in Washington.
«Die Demokratie fasst Fuß und es gibt keinen Weg
zurück. Die Iraker wollen, dass wir bleiben und die Arbeit zu Ende
führen, und das werden wir tun», sagte der Sprecher.
Eine bislang unbekannte Gruppe hat unterdessen die Verantwortung
für den Anschlag auf die vier Amerikaner in Falludscha
übernommen..In einem Flugblatt gab eine «Gruppe Scheich
Ahmed Jassin» an, sie habe die amerikanischen Aufbauhelfer
getötet, um die Tötung des Hamas-Gründers Scheich Jassin
durch die israelische Armee zu rächen. In der Mitteilung
kündigte die Gruppe weitere Gewalttaten an.
In Basra im Süden des Landes feuerten irakische
Sicherheitskräfte am Donnerstag auf Demonstranten, die eine
Aufnahme in die Polizeitruppe forderten. Ein Iraker wurde getötet,
zwei weitere erlitten schwere Verletzungen.
Eine für die kommende Woche geplante groß angelegte
Handelsmesse in Bagdad ist aus Sicherheitsgründen vorläufig
abgesagt worden. Die für den Zeitraum vom 5. bis 8. April
vorgesehene Messe "Destination Bagdad" werde vorerst nicht stattfinden,
teilte ein Vertreter der Irakisch-Amerikanischen Handelskammer am
Donnerstag in Bagdad mit. Ein neuer Termin werde zu einem späteren
Zeitpunkt bekannt gegeben. Die Kammer und die US-geführte
Zivilverwaltung seien zu dem Schluss gekommen, dass die aktuelle
Sicherheitslage die Veranstaltung nicht zulasse.
Ein knappes Jahr nach Beendigung der Hauptkampfhandlungen in Irak
steigt die deutsche Wirtschaft über einen Firmenpool wieder
verstärkt ins Geschäft mit Irak ein. Erste Schritte wurden
bei einer deutsch-irakischen Wirtschaftskonferenz am Donnerstag in
Berlin eingeleitet. Trotz anhaltender Terrorgefahr ist Irak aus Sicht
der Bundesregierung «einer der besten Investitionsstandorte
für Unternehmen», wie Wirtschafts-Staatssekretär Alfred
Tacke erklärte.
Der irakische Landwirtschaftsminister Abdul Amir Al-Abood rief deutsche
Unternehmen auf, ihr Engagement in Irak zu verstärken. Ein neues
Gesetz für Investitionen im landwirtschaftlichen Bereich sei in
Kraft getreten. Ausländische Unternehmen müssen nach
Neugründungen in Irak fünf Jahre keinen Zoll und keine
Steuern zahlen, sagte Al-Abood.
Nach Angaben des Geschäftsführers der deutsch-arabischen
Industrie- und Handelskammer, Peter Göpfrich, sollen zunächst
15 Firmen in den Pool aufgenommen werden. Auf Grund der langen
Handelsbeziehungen der Bundesrepublik zu Irak seien dort 80 Prozent der
Infrastruktur «mehr oder weniger deutsch geprägt».
Tacke erklärte, er habe deutlich gemacht, dass deutsche
Unternehmen «eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau des Irak
spielen werden». Die Bundesregierung werde bei der Entschuldung
des Landes einen «wesentlichen Beitrag» leisten und
für eine gemeinsame Haltung der Geberländer werben. Die
Hermes-Deckung solle so schnell wie möglich aufgenommen werden.
Der stellvertretende irakische Handelsminister Musab Alkateeb sagte,
derzeit gebe es gute Chancen für deutsche Unternehmen, das
«Vakuum in der irakische Wirtschaft zu füllen». Die
Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen sei
groß.
Zu der zweitägigen Konferenz im Haus der Deutschen Wirtschaft
hatte unter anderem der Deutsche Industrie- und Handelskammertag
eingeladen. Nach Veranstalterangaben nahmen 80 irakische und 320
deutsche Vertreter aus Politik und Wirtschaft teil.
Südkorea will derweil fast 3.600 Soldaten ins Kurdengebiet
im Norden Iraks entsenden. In einer Erklärung des
Verteidigungsministeriums in Seoul vom Freitag hieß es, die
südkoreanische und die US-Armee hätten sich darauf geeinigt,
als Stationierungsort zwischen Suleimanijah und Erbil zu wählen.
Beide Seiten seien übereingekommen, die endgültige
Entscheidung so bald wie möglich zu treffen. Über den
Zeitpunkt der geplanten Stationierung wurde nichts mitgeteilt.
Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf einen
Beamten des Verteidigungsministeriums, die ursprünglich für
April vorgesehene Entsendung finde Mitte Juni statt. Der Nationale
Sicherheitsrat sei am Donnerstag zu einer Sondersitzung
zusammengekommen. In der kommenden Woche werde die Regierung ein
Erkundungsteam in die beiden Städte entsenden, um die Lage zu
sondieren. Mit 3.600 Soldaten würde Südkorea nach den USA und
Großbritannien das drittgrößte Truppenkontingent der
Besatzungskoalition stellen.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
Achter Kriegstag in Irak
Do.27.03.03 - Alliierte greifen achte Nacht in Folge Ziele in Bagdad an +++ Mindestens 15 tote Zivilisten
bei Raketen-Explosion auf einem Marktplatz im Nordosten der Hauptstadt +++ USA weisen Berichte
über gezielten Angriff auf Wohngebiet zurück +++ Bagdad auch am Morgen von weiteren
Explosionen erschüttert +++ USA: Seit Kriegsbeginn mehr als 4300 Bomben auf Irak abgeworfen +++
Kämpfe zwischen amerikanisch- britischen und irakischen Truppen nehmen an Härte zu +++
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten +++ Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen +++
Friedensforscher: Die richtigen Probleme erwarten Amerika erst nach dem Krieg +++ Bush bereitet die USA
wiederholt auf einen langen Krieg vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303270.htm#news
Neunter Kriegstag in Irak
Fr.28.03.03 - Schlimmste Bombennacht in Bagdad seit Kriegsbeginn +++ Nächtliche Angriffe
auf die Stadt Mossul +++ Weiter unerwartet harter Widerstand der irakischen Truppen +++
US-Verteidigungsminister deutet im Kampf um Bagdad eine Belagerungstaktik an +++
Rumsfeld: Es gibt nahezu ununterbrochenen Nachschub an Menschen und Material in
das Kriegsgebiet +++ Irak rechnet mit Einkesselung Bagdads in fünf bis zehn Tagen -
Militärchef kündigt blutigen Straßenkampf um Bagdad an +++ Hoffnung auf
schnelles Kriegsende schwindet +++ USA wollen angeblich über 100 000 zusätzliche
Soldaten einsetzen +++ Weit mehr als 200 Festnahmen bei Protesten gegen Irak-Krieg in New York -
Kriegsgegner legten Verkehr auf der Fifth Avenue in New York lahm +++ Radio- und Fersehsender in den
USA streichen Antikriegs-Songs aus dem Programm +++ In Deutschland reißt Protestwelle gegen Irak-Krieg
nicht ab +++ 83 Prozent der Deutschen gegen Irak-Krieg - Merkel verteidigt Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303280.htm#news
Zehnter Kriegstag in Irak
US-Luftwaffe setzt Bombardierung Bagdads unvermindert fort +++ Wieder Raketenangriff
auf einen Marktplatz - Mindestens 55 Tote +++ USA bestätigten die Berichte über den Angriff nicht +++
Lage in Basra spitzt sich weiter zu +++ Schwere Kämpfe in der Stadt Nassirijah am Euphrat dauern an +++
Bush bereitet seine Landsleute auf weitere eigene Verluste vor +++ Kurden starten nach US-Landung in
Nordirak Offensive +++ Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus +++ Alterspräsident des britischen Unterhauses:
Blair ist ein Kriegsverbrecher +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++ So genannte Koalition der
Willigen gerät zunehmend unter Druck +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++
Italien verhängt wegen Irak-Krieg Ausnahmezustand+++ Von rund 2,5 Millionen Balkonen hängt in
Italien die "Pace"-Fahne herunter +++ Arzt lehnt wegen Golfkrieg Behandlung von Amerikanern ab +++ Der Irak-Krieg
ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303290.htm#news
Elfter Kriegstag in Irak
Offensive der Alliierten in nahezu allen Landesteilen +++ Bagdad wird weiter bombardiert +++
Irak meldet 425 Tote in der Zivilbevölkerung +++ Erster Selbstmordanschlag gegen US-Truppen in Irak +++
US-Magazin: Rumsfeld-Mitarbeiter kritisieren Irak-Strategie scharf - Er habe in jedem Stadium die Entscheidungen
alleine getroffen +++ Nach elf Tagen Krieg in Irak wachsen an der politischen Front die Probleme für die USA +++
Mehr als 290 000 alliierte Soldaten in Irak eingesetzt +++ Ex-Außenminister Cook ruft Blair zum Rückzug
aller Truppen auf - Irak-Krieg sei blutig und ungerecht +++ Laut Blix weiter keine Beweise für
Massenvernichtungswaffen in Irak +++ Papst warnt vor Spaltung der Weltreligionen in Folge des Kriegs +++
Hunderttausende protestieren gegen den Krieg - Kriegsgegner blockierten Auslandszentrale der Bundeswehr +++
Deutsche US-Stützpunkte spielen bei Irak-Krieg bedeutende Rolle... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303300.htm#news
Zwölfter Kriegstag in Irak
Mo.31.03.03 - Irakische Hauptstadt unter Dauerbeschuss +++
Kaum amerikanische Geländegewinne vor Bagdad +++
Bombardements auch in Basra +++ US-Truppen rücken nach Hindijah ein +++
Irak droht mit weiteren Selbstmordanschlägen gegen amerikanisch-britische Truppen +++
Exil-Iraker kehren zur Unterstützung der irakischen Streitkräfte in die Heimat zurück +++
IKRK beklagt 'zunehmendes Gefühl der Ohnmacht' in Irak +++ Amnesty ruft britische
Regierung zur Achtung des Völkerrechts auf +++ Schweiz veröffentlicht Liste ziviler Opfer
des Irak-Kriegs im Internet +++ Rot-Grün weitet Militärhilfe für US-Truppen aus +++
Hunderttausende demonstrieren weltweit gegen Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303310.htm#news
Dreizehnter Kriegstag in Irak
Di.01.04.03 -US-Soldaten erschießen sieben Frauen und Kinder +++ Krieg nimmt an Härte zu +++
Luftangriffe auf Bagdad in der Nacht und im Morgengrauen +++ Massive Kämpfe rund 80 Kilometer
südlich vor Bagdad +++ Die Alliierten sind offenbar bereit, hohe Opferzahlen in Kauf zu nehmen +++
Bush sieht Fortschritte der US-geführten Truppen +++ Giftiger Qualm über den Schlachtfeldern +++
Kein Strom, kein Wasser: Irakische Bevölkerung leidet +++ Bis dato gibt es keine genauen Berichte
über die zivilen Opfer des Irak-Krieges +++ Kriegssimulation 'Millennium Challenge 02' wird blutiger Ernst +++
Freiwillige wollen US-Invasionstruppen bekämpfen +++ General Garner soll Irak nach dem Sturz von Saddam regieren -
Ihm wird Verfilzung mit der US-Rüstungsindustrie vorgeworfen +++ Vorboten der nächsten Kriege: Washington
führt ein Sündenregister für Syrien und den Iran +++ Wieder gut 45.000 Anti-Kriegs-Demonstranten in Leipzig...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304010.htm#news
Vierzehnter Kriegstag in Irak
Mi.02.04.03 - DRK: Lage irakischer Zivilisten verschlechtert sich zunehmend -
Bisherige Hilfslieferungen nur 'Tropfen auf den heißen Stein' +++ UNICEF übt
schwere Kritik an den USA und Großbritannien bei der Verteilung humanitärer
Hilfe im Irak - Der Krieg werde vor allem für Kinder mit jedem Tag lebensbedrohlicher +++ Geringe
Spendenbereitschaft in der deutschen Bevölkerung +++ Die Illusion von den 'Präzisionswaffen' +++
US-Truppen umzingeln Kerbela und rücken auf Bagdad vor +++ Rumsfeld: Nur bedingungslose
Kapitulation Iraks beendet Krieg +++ Bush wendet sich an das irakische Volk: 'Wir kommen, um Ihnen
Essen und Medizin und ein besseres Leben zu bringen.' +++ UN-Generalsekretär bekräftigt Kritik an Irak-Krieg +++
Erneut Massenproteste gegen Golfkrieg in Spanien... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304020.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Staatengemeinschaft garantiert Afghanistan dauerhaften Frieden
'Berliner Erklärung' nennt als wichtigste anstehende Aufgabe die ersten freien Wahlen im
September und die Überwindung von Terrorismus und Drogenwirtschaft.
China erlässt Afghanistan Schulden. Hilfsorganisationen
enttäuscht von Afghanistan-Konferenz
Fr.02.04.04 - Die internationale Staatengemeinschaft hat Afghanistan eine Garantie
für dauerhaften Frieden gegeben. Die Afghanistan-Konferenz in
Berlin verabschiedete nach zweitägiger Dauer am Donnerstag eine
entsprechende Erklärung. Darin wird dem krisengeschüttelten
Land zugesichert, dass die NATO-geführte Stabilisierungstruppe
ISAF so lange in Afghanistan bleibt, bis das Land mit eigenen Polizei-
und Streitkräften für Sicherheit im Inneren sorgen kann.
In der «Berliner Erklärung» wird die Aufbauleistung
der Regierung von Präsident Hamid Karsai gewürdigt. Als
wichtigste anstehende Aufgabe werden die ersten freien Wahlen im
September und die Überwindung von Terrorismus und Drogenwirtschaft
genannt. 8,2 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre
sollen den Aufbau vorantreiben. Karsai und Bundesaußenminister
Joschka Fischer nannten die Konferenz einen großen Erfolg, zu dem
die 700 Delegierten aus 56 Staaten aktiv beigetragen hätten.
An erster Stelle nannten sie die Finanzzusagen zur Absicherung des
Wiederaufbauprozesses. Fischer sagte, die 8,2 Milliarden Dollar seien
ein «beeindruckendes Signal». Die Zusage unterstreiche die
«langfristige politische und moralische Verpflichtung» der
Staatengemeinschaft, das kriegszerstörte Land von den Lasten der
Vergangenheit zu befreien. Karsai hatte zuvor deutlich gemacht, dass
sein Land alleine die Aufgaben nicht bewältigen könne.
Fischer hob auch den Anti-Drogenpakt hervor, den Afghanistan erstmals
in seiner Geschichte in Berlin abschloss. Beteiligt sind sechs
Nachbarländer. Der Pakt sieht einen
«Sicherheitsgürtel» in den Grenzgebieten um
Afghanistan vor, in dem der Drogenschmuggel aus Afghanistan heraus
abgeschnitten werden soll. Dazu sollen unter anderem die
nachrichtendienstliche und die polizeiliche Zusammenarbeit
verstärkt und auf eine gemeinsame rechtliche Grundlage gestellt
werden. Aus Afghanistan stammte 2003 etwa 80 Prozent der
Opium-Produktion der Welt. Unterzeichner das Paktes sind neben
Afghanistan China, Iran, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenien und
Usbekistan.
Nach dem Willen der Staatengemeinschaft sollen auch die regionalen
Stabilitätsinseln wie das von der Bundeswehr in Kundus betriebene
Wiederaufbauteam gestärkt werden. Davon gibt es derzeit elf. Die
Einrichtung weiterer wird nach Angaben Fischers bei der NATO
diskutiert. Das Konzept habe sich als erfolgreich erwiesen.
Als Sicherheitsprobleme gelten die Absicherung der Wahlen und die alten
Streitkräfte, deren Demobilisierung vorangetrieben werden soll.
Von den 100.000 Mann, die noch unter Kabuler Kommando stehen, sollen
allein bis Juni 40.000 Mann entlassen und deren Einheiten
aufgelöst werden. Im Gegenzug sollen die neuen Streitkräfte
aufgebaut werden, die bisher rund 9.000 Mann stark sind. Die
Polizeikräfte, deren Aufbau in der Regie Deutschlands liegt,
sollen zunächst auf 20.000 Mann aufgebaut werden. Auch Frauen
sollen künftig der Polizei angehören.
Weitere Hilfen will die Staatengemeinschaft beim Aufbau
rechtsstaatlicher Institutionen, bei grundlegenden Verwaltungsreformen,
beim Wiederaufbau des Schulsystems und bei der Absicherung der
Chancengleichheit für Frauen leisten. Auch die Wirtschaft soll
reorganisiert werden. Karsai verwies auf die Erdölvorkommen,
dessen Volumen unklar sei.
Im Rahmen der Afghanistan-Konferenz hat China seinem Nachbarland
sämtliche Schulden erlassen. Der chinesische Außenminister
Li Zhaoxing und sein afghanischer Kollege Abdullah Abdullah
unterzeichneten in Berlin einen entsprechenden Erlass, wie die amtliche
chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag berichtete. Die
Schuldenhöhe wurde nicht genannt, früheren Berichten zufolge
soll Afghanistan China aber einen Dollarbetrag in zweistelliger
Millionenhöhe geschuldet haben.
«Afghanistan ist Chinas freundlicher Nachbar. Wir sind froh, dass
es sich nach dem Krieg wieder dem Wiederaufbau widmen kann»,
sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Die
Schulden sollen bereits Jahrzehnte alt sein.
In der Vergangenheit erließ China Entwicklungsländern
wiederholt Schulden. Dabei handelte es sich oft um symbolische Erlasse,
um das Ansehen der chinesischen Regierung in den Ländern zu
steigern.
China bemüht sich seit dem Fall des Taliban-Regimes um gute
Beziehungen mit Afghanistan, mit dem es einen kleinen Grenzsteifen im
Karakoram-Gebirge teilt. Nach eigenen Angaben will China verhindern,
dass Afghanistan zu einem Rückzugsgebiet für militante
Unabhängigkeitskämpfer der islamischen Region Xinjiang wird.
Die Regierung in Peking behauptet, dass
Unabhängigkeitskämpfer der Region Verbindungen zu
Taliban-Kämpfern hatten. Kritiker werfen China vor, friedliche
Aktivisten als Terroristen abzustempeln.
Hilfsorganisationen haben sich derweil enttäuscht über die
Ergebnisse der Afghanistan-Konferenz in Berlin gezeigt. "Die
angekündigten Maßnahmen werden die Lage nicht wesentlich
ändern", sagte Barbara Stapleton, die die Arbeit von
Nichtregierungsorganisationen in Afghanistan koordiniert, am Donnerstag
in Berlin. Die von der NATO angekündigte Entsendung von fünf
weiteren Wiederaufbauteams in die Provinzen bringe keine ausreichende
Sicherheit. Die Afghanen erwarteten von der Welt vor allem Sicherheit,
Gerechtigkeit und Hilfe beim Wiederaufbau.
(Quellen: afp, ap)
In Afghanistan von Normalität keine Spur
Nach dem schnellen Sieg gegen die Taliban schien eine
zufriedenstellende Antwort für Optimisten nur eine Frage der Zeit
zu sein, doch mittlerweile sieht die Sachlage - ähnlich wie im
Irak - völlig anders und sehr viel düsterer aus...
Mehr bei telepolis vom 30.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/17077/1.html
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Karsai verwirrt mit Aussagen über afghanisches Wahlsystem
Fr.02.04.04 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat zum Abschluss der
Berliner Afghanistan-Konferenz unfreiwillig Zweifel an der Sicherheit
des afghanischen Wahlsystems hervorgerufen. Auf die Frage eines
Journalisten, wie denn die Identität der Wähler bei der
Registrierung vor den für September geplanten Wahlen festgestellt
werde, versicherte Karsai am Donnerstag, eine solche
Überprüfung finde gar nicht statt. Auch er selbst habe in
seinen Unterlagen sein Geburtsdatum nicht mehr finden können. "Ich
bin also zur Registrierungsstelle gegangen und habe gesagt: Ich bin
Afghane, ich habe seit dann und dann in Kabul gelebt." Der
zuständige Beamte habe ihm daraufhin geantwortet: "Ok, Sie sind
Afghane, hier ist Ihre Wahlkarte.
(Quelle: afp)
Untersuchung der Anschläge des 11. Septembers
Übersetzerin: Washington wusste von Anschlagsplänen. Es hätten
allgemeine Informationen über den Zeitrahmen und über die Methoden vorgelegen
Fr.02.04.04 - Die verantwortlichen Politiker in Washington waren nach den Aussagen
einer ehemaligen FBI-Übersetzerin bereits Monate vor dem 11.
September darüber informiert, dass El-Kaida-Mitglieder mit
Flugzeugen Anschläge verüben wollten. Die Übersetzerin
Sibel Edmonds sagte der britischen Zeitung "Independent", die
Behauptung von US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, es habe solche
Warnungen nicht gegeben, seien eine "empörende Lüge".
Es hätten allgemeine Informationen über den Zeitrahmen und
über die Methoden vorgelegen sowie über die bereit stehenden
Leute und diejenigen, die diese Art Anschläge anordnen
würden, sagte Edmonds.
Die 33-jährige Übersetzerin für Türkisch war eine
von vielen, die in den Tagen nach den Anschlägen vom 11. September
von der US-Bundespolizei FBI eingestellt wurden. Sie sollte vom FBI
gesammelte Dokumente und Aufnahmen übersetzen. Anhand dieser
Dokumente sei klar gewesen, dass es im Frühjahr und Sommer 2001
genügend Informationen über einen geplanten Angriff gegeben
habe, sagte Edmonds. Es sei "unmöglich" gewesen, dass der
US-Geheimdienst nicht gewarnt war.
Dem Bericht des "Independent" zufolge drangen die US-Behörden
darauf, Edmonds an einer Aussage zu hindern und erzielten von einem
Gericht eine entsprechende Anweisung. Die US-Sicherheitsberaterin Rice
wird am Donnerstag kommender Woche unter Eid und in öffentlicher
Sitzung vor dem unabhängigen Untersuchungsausschuss zum 11.
September 2001 aussagen. Der Ausschuss untersucht mögliche
Versäumnisse der US-Regierung und der Geheimdienste.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israelische Panzer rücken in Rafah ein. UN stellen Hilfe für
Palästinenser im Gazastreifen ein. USA begrüssen Kritik des
palästinensischen Ministerpräsidenten Kureia an
Selbstmordattentätern. Scharon erwägt Massnahmen gegen
Arafat
Fr.02.04.04 - Israelische Panzer sind am frühen Freitagmorgen in das
Flüchtlingslager Rafah an der Grenze zu Ägypten eingedrungen.
Dies erklärten palästinensische Sicherheitsbeamte und
Anwohner. Sie berichteten von heftigen Schusswechseln zwischen Soldaten
und bewaffneten Palästinensern. Soldaten hätten die
Dächer von drei Häusern besetzt und dort Scharfschützen
postiert.
Krankenwagen wurden zum Schauplatz der Gefechte entsandt. Berichte
über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die israelische
Armee erklärte, es handele sich um eine begrenzte Aktion. Sie
richte sich gegen die Infrastruktur von Tunneln, die von den
Palästinensern zum Schmuggel von Waffen aus Ägypten genutzt
werde.
Die UN-Hilfsorganisation für palästinensische
Flüchtlinge (UNRWA) hat am Donnerstag ihre
Nahrungsmittellieferungen für mehrere hunderttausend
bedürftige Palästinenser in den Gazastreifen eingestellt. Als
Grund nannte die Organisation Restriktionen der israelischen
Behörden am einzigen Handelsgrenzübergang zwischen Israel und
dem Gazastreifen. Von der Einstellung der Lebensmittelhilfe sind nach
Angaben von UNWRA rund 600.000 der 1,3 Millionen im Gazastreifen
lebenden Palästinenser betroffen.
Nach zwei Selbstmordanschlägen am 14. März in der
israelischen Hafenstadt Aschdod hat Israel die Sicherheitsmassnahmen an
der Grenze zum Gazastreifen verstärkt. Die Attentäter kamen
aus dem Gazastreifen. Als eine der Massnahmen untersagten die
israelischen Behörden UNWRA, die leeren Transportcontainer aus dem
Gazastreifen herauszubringen. Für die Hilfsorganisation
erhöhten sich damit die Kosten auf unvertretbare Weise,
erklärte UNWRA.
Nach Erkenntnissen der israelischen Sicherheitskräfte waren die
zwei Attentäter von Aschdod in einem leeren Container versteckt
über die Grenze nach Israel gelangt.
Das US-Aussenministerium hat am Donnerstag Kritik des
palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia an
Selbstmordattentätern begrüsst. Zugleich mahnte
Aussenamtssprecher Adam Ereli an, dass den Worten Taten folgen
müssten. Kureia hatte am Mittwoch erklärt, dass die
Anschläge der palästinensischen Wirtschaft geschadet
hätten. Darüber hinaus hätten sie Israel einen Vorwand
gegeben, Siedlungen und eine Sperranlage durch palästinensisches
Gebiet zu bauen. Die Anschläge seien auch moralisch zu verurteilen.
Ereli nannte die Äusserungen bemerkenswert. Es sei wichtig, dem
Terrorismus öffentlich zu abzuschwören und zu sagen, dass er
dem Bestreben des palästinensischen Volkes zuwiderlaufe. Doch
seien auch konkrete Taten nötig, und dazu hätten die USA die
palästinensische Autonomiebehörde wiederholt aufgefordert.
Dies zähle weiterhin zu den obersten Prioritäten Washingtons.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon schliesst derweil
Schritte gegen den palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat nicht aus. Die Tageszeitung «Maariv» zitierte
Scharon am (heutigen) Freitag mit den Worten, Arafat habe keine
Versicherungspolice. Jeder wisse, dass Arafat das Hindernis sei, das
jeden Fortschritt blockiere.
Das israelische Fernsehen zitierte am Donnerstag Äusserungen
Scharons, wonach es möglich sei, dass Israel in der Zukunft gegen
Arafat vorgehe. Er könne nicht für immer an seinem
derzeitigen Ort bleiben. Seit mehr als zwei Jahren steht Arafat in
seinem Hauptquartier in Ramallah praktisch unter Hausarrest.
In dem Interview mit «Maariv» erklärte Scharon, er
plane einen einseitigen Abzug aus dem gesamten Gazastreifen und aus
vier Siedlungen im Westjordanland. «Wir müssen aus Gaza
abziehen, um nicht länger verantwortlich zu sein für das, was
dort passiert.» Laut Maariv will Israel die Grenze vom
Gazastreifen zu Ägypten aber weiterhin kontrollieren. Das
vollständige Interview will die Zeitung zum jüdischen
Passahfest am Montag abdrucken.
Vor mehreren Monaten hatte das israelische Kabinett Arafat für die
palästinensische Gewalt verantwortlich gemacht und erklärt,
er müsse «entfernt werden». Mehrere Kabinettsminister
sprachen sich seitdem für die Verbannung oder Tötung des
palästinensischen Präsidenten aus.
(Quelle: ap)
Haitianische Regierung will Auslieferung Aristides beantragen
Fr.02.04.04 - Die haitianische Übergangsregierung will eine unabhängige
Kommission zur Untersuchung von Korruptionsvorwürfen gegen den
gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide einrichten.
Justizminister Bernard Gousse sagte in einem Interview am Donnerstag,
das Gremium werde alle Verstöße auflisten, und dann werde
die Übergangsregierung formell die Auslieferung Aristides
beantragen. Einen Zeitrahmen nannte er nicht. Aristide hält sich
derzeit in Jamaika auf.
Zum Schicksal von zwei als Mördern verurteilten
Rebellenführern, deren Aufstand zum Sturz Aristides führte,
äußerte sich Gousse zurückhaltend. Sollten
Maßnahmen ergriffen werden, müsse dies in einer Weise
geschehen, die keine Unruhe aufkommen lasse. Louis-Jodel Chamblain, in
Abwesenheit zu zwei Mal lebenslanger Haft wegen Mordes an Aristides
Justizminister und dessen Finanzchef verurteilt, müsse ein neuer
Prozess gemacht werden.
Rebellenführer Jean Tatoune, wegen seiner Rolle bei einem Massaker
an Anhängern Aristides zu lebenslanger Haft verurteilt, könne
von der neuen Regierung möglicherweise begnadigt werden. Tatoune
wurde im vergangenen Jahr aus dem Gefängnis befreit. Minister
Gousse sagte, Tatoune habe immerhin dabei geholfen, zwei Diktatoren aus
Haiti zu vertreiben, Jean-Claude Duvalier und Aristide.
Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass die neue Führung in
Port-au-Prince den Rebellen zu unkritisch gegenüberstehe.
Ministerpräsident Gerard Latortue bezeichnete sie als
Freiheitskämpfer.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403310.htm#040331_d
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403260.htm#04032608
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403260.htm#040326_kq
Selbstmordrate bei indischen Mädchen alarmierend hoch
Ein Ärzteteam hat bei indischen Jugendlichen alarmierende
Selbstmordraten festgestellt, die zum Teil zehnfach höher liegen
als der weltweite Durchschnittswert
Fr.02.04.04 - Das Team um Anuradha Bose vom Christian Medical College in Vellore
untersuchte Selbsttötungen von Jugendlichen zwischen 10 und 19
Jahren im ländlichen südindischen Bundesstaat Tamil Nadu.
Demnach sterben dort 145 von 100 000 Mädchen und jungen Frauen
durch eigene Hand sowie 58 von 100 000 Jungen. «Wir halten die
von uns berichteten Raten für die bislang höchsten
überhaupt», schreibt Bose im Fachjournal «The
Lancet» (Bd. 363, S. 1117). Weltweit liege der Anteil der
Selbsttötungen bei 14 bis 15 von 100 000 Menschen.
In Tamil Nadu sind Selbsttötungen der Untersuchung zufolge
für die Hälfte bis drei Viertel aller Todesfälle bei
jungen Frauen und für ein Viertel der Todesfälle bei jungen
Männern verantwortlich. Als mögliche Risikofaktoren nennen
die Ärzte Familienkonflikte, häusliche Gewalt, schulische
Fehlschläge, unerfüllte Liebe und geistige Krankheiten. Die
wichtigsten Todesursachen waren Erhängen sowie Vergiften mit
Pflanzenschutzmitteln.
«Die von uns beobachteten Selbstmordraten sind um ein Vielfaches
höher als alle aus anderen Regionen der Welt gemeldeten»,
betont Bose. Die Beobachtung unterstreiche, dass Selbsttötungen
ein großes örtliches Gesundheitsproblem seien, gegen das
dringend Maßnahmen ergriffen werden müssten. Das Team
vermutet, dass die Selbstmordrate unter Jugendlichen in anderen Teilen
Indiens ebenfalls viel höher ist als bislang bekannt, weil viele
Selbsttötungen gar nicht bekannt würden. Dies sollte nach
Meinung der Forscher untersucht werden.
Als bekannte Todesursache für junge Frauen gelten in Indien
Mitgiftmorde nach der Hochzeit, wenn die Mitgift nach Ansicht der
Familie des Mannes nicht üppig genug ausgefallen ist.
(Quelle: dpa)
Frankreich
Chirac verspricht mehr Gerechtigkeit und Reform-Korrekturen
- Er habe «die Botschaft der Wähler» gehört
Fr.02.04.04 - Einen Tag nach der Bildung der neuen französischen Regierung hat
Staatspräsident Jacques Chirac am Donnerstag Korrekturen bei der
Reformpolitik und mehr soziale Gerechtigkeit angekündigt.
Er wehrte sich aber gegen den Vorwurf, eine «Politik für die
Reichen» gemacht zu haben, und verteidigte die Reform der
Gesundheits- und Sozialsysteme als schwierig, aber unumgänglich.
Die Reformen müssten in offener Diskussion und nicht «per
Dekret» gestaltet werden.
Er habe «die Botschaft der Wähler» gehört, die in
der Regionalwahl «ihre Beunruhigung und Unzufriedenheit
ausgedrückt» hätten, sagte Chirac in einem Interview in
den Abendnachrichten. Er habe die Regierung angewiesen, die
Kürzung der Arbeitslosenhilfe (ASS) zu suspendieren und in die
Frage im Zuge einer größeren Reform zu lösen. Die neue
Regierung werde die Hochschulforschung mehr fördern und die Frage
der Stellen für Wissenschaftler überdenken. Die Senkung der
Steuern müsse weitergehen.
Bei der Regionalwahl hatten Chiracs Bürgerliche fast alle ihrer
Hochburgen an die Linke verloren. Chirac verteidigte seine
Entscheidung, Premierminister Jean-Pierre Raffarin im Amt zu belassen.
Raffarin solle die Aufgabe weiter verfolgen, den Bürgern
Chancengleichheit und Sicherheit wiedergeben.
Das auf 43 Minister und Staatssekretäre erweiterte neue Kabinett
wird von Opposition und Medien als «Auslaufmodell» und
«Übergangsregierung» kritisiert. 41
Kabinettsmitglieder zählen zum Chirac-Flügel. Lediglich
Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy sowie ein Abweichler der
oppositionellen liberalen UDF im Kabinett werden nicht dazu
gezählt. Der bisherige Innenminister Sarkozy sagte bei der
Amtsübergabe am Donnerstag, er habe «keine andere
Wahl» als den Wechsel ins Wirtschaftsministerium gehabt,
«ohne eine politische Krise auszulösen».
(Quelle: dpa)
EU-Parlament stellt Türkei mangelhaftes Zeugnis aus
Fr.02.04.04 - Das EU-Parlament hat der in die EU strebenden Türkei am Donnerstag
ein mangelhaftes Zeugnis ausgestellt: «Die Türkei
erfüllt die politischen Kriterien für einen EU-Beitritt noch
nicht», heißt es in einem Bericht, den das Parlament mit
211 zu 84 Stimmen annahm. «Weitere Reformen müssen in die
Wege geleitet und umgesetzt werden.» So sei die Annahme einer
komplett neuen Verfassung notwendig, in der westliche demokratische
Werte fest verankert sind.
Die EU will Ankara im Dezember ein Datum für den Beginn von
Beitrittsverhandlungen nennen. Der kritische Bericht der
EU-Parlamentarier dürfte die Chancen der Türkei auf einen
baldigen Beitritt verschlechtert haben. Im Oktober muss
EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen in einem Brief an die
EU-Mitgliedsstaaten darüber befinden, ob Ankara die an andere
Beitrittskandidaten gestellten Anforderungen erfüllt.
Die Türkei müsse «alle unsere Gesetze und alle unsere
Werte» implementieren, sagte der konservative dänische
EU-Abgeordnete Arie Oostlander, Autor des Parlamentsberichts.
«Wir dürfen unsere Anforderungen nicht senken. Weitgehendere
Anstrengungen sind erforderlich als Reparaturen und
Verfassungszusätze.» Eine moderne Verfassung könne eine
Grundlage für die Modernisierung des türkischen Staates
bilden, heißt es in dem Bericht weiter.
Das EU-Parlament lehnte am Donnerstag einen Antrag der Konservativen
ab, der Türkei keinen Beitritt anzubieten, sondern nur eine
«privilegierte Partnerschaft.»
(Quelle: ap)
Bayern besteht auf Gottesbezug in EU-Verfassung
Fr.02.04.04 - Bayern verlangt deutliche Veränderungen an der geplanten
EU-Verfassung. Neben einem Gottesbezug müssten auch die
Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die
nationale Zuständigkeit für die Zuwanderungspolitik in die
künftige Verfassung der Gemeinschaft aufgenommen werden, forderte
Europaminister Eberhard Sinner (CSU) am Donnerstagabend auf einem
Leserforum der «Mittelbayerischen Zeitung» im
oberpfälzischen Furth im Wald an der deutsch-tschechischen Grenze.
Das Verfassungspaket, das Ende letzten Jahres beim EU-Gipfel
gescheitert war, müsse noch einmal aufgeschnürt werden.
Andernfalls werde der Freistaat dem Verfassungsvertrag nicht zustimmen.
Sinner sprach sich zugleich für ein eigenständiges
Wirtschafts-Förderprogramm für Ostbayern aus. Das
Fördergefälle zwischen dem EU-Beitrittsland Tschechien und
der Grenzregion müsse abgefedert werden, verlangte der Minister.
(Quelle: ddp)
Baden-Württemberg verabschiedet als erstes Land Kopftuch-Verbot
Gesetz verbietet Lehrerinnen und Lehrern politische, religiöse und
weltanschauliche Bekundungen, nimmt aber Symbole und Traditionen der
christlich-abendländischen Kultur explizit davon aus
Fr.02.04.04 - Baden-Württemberg hat als erstes deutsches Bundesland ein Gesetz
erlassen, das Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern verbietet,
die vielfach als Symbol für die Unterdrückung muslimischer
Frauen gewertet werden.
Der Landtag habe der Novelle des Schulgesetzes, in dem das Verbot
verankert werden soll, mit den Stimmen von CDU, FDP und SPD
verabschiedet, sagte ein Sprecher des Landesparlamentes am Donnerstag
in Stuttgart. Ein Gesetzesentwurf der Grünen, die die Entscheidung
über das Tragen von Kopftüchern einzelnen Schulen
überlassen wollte, fiel bei der Mehrheit
erwartungsgemäß durch.
Das Gesetz verbietet Lehrerinnen und Lehrern politische, religiöse
und weltanschauliche Bekundungen, nimmt aber Symbole und Traditionen
der christlich-abendländischen Kultur explizit davon aus. Bei der
Erlaubnis christlicher Symbole bezieht sich das Schulgesetz auf den in
der Landesverfassung verankerten Erziehungsauftrag. Damit soll das
Gesetz unangreifbar gemacht werden.
Das Bundesverfassungsgericht hatte im September gesetzliche Grundlagen
für ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen gefordert, nachdem
eine moslemische Lehrerin aus Baden-Württemberg gegen ihre mit dem
Tragen eines Kopftuchs begründete Suspendierung vom Dienst geklagt
hatte. Erst vor kurzem hatte Kultusministerin Annette Schavan (CDU)
erneut eine Lehrerin mit Kopftuch bis zum Erlass des Gesetzes verwehrt,
zu unterrichten.
Andere Länder wie Bayern und Hessen haben Kopftuchverbote
ebenfalls bereits auf den Weg gebracht. In Niedersachsen will der
Landtag im Laufe dieses Monats darüber abstimmen.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
SPD arbeitet an Kopftuchverbot für Staatsdiener auf Bundesebene
Sa.20.03.04 - Die SPD-Fraktion arbeitet an einer Initiative für ein erweitertes
Kopftuchverbot für Staatsdiener auf Bundesebene. «Ein
Kopftuch hat auf dem Kopf einer Lehrerin in staatlichen Schulen ebenso
wenig zu suchen wie auf dem einer Richterin, einer Polizistin oder
Staatsanwältin», sagte der SPD-Innenexperte Dieter
Wiefelspütz dem «Kölner Stadt-Anzeiger»... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403200.htm#04032011
Mehr zur Kopftuch-Debatte unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403020.htm#04030218
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403020.htm#040302_p
Kein Ende im Zuwanderungsstreit
Fr.02.04.04 - Trotz immer neuer Verhandlungsrunden kommen Regierung und Opposition im
Zuwanderungsstreit nicht voran. Auch am Donnertsag vertagte sich die
vom Vermittlungsausschuss eingesetzte Arbeitsgruppe. Erst Ende des
Monats will sie wieder zusammenkommen. Oppositionspolitiker zeigten
sich enttäuscht. Bayerns CSU- Innenminister Günther Beckstein
sprach sogar von einem Rückschritt.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte: "Wir sind in
Sicherheitsfragen nicht sehr viel weiter gekommen." Rot-Grün werde
nun schriftliche Vorschläge ausarbeiten. Einig seien sich alle
Seiten darin, die Entscheidungswege in Sicherheitsfragen - was unter
anderem die Frage der Abschiebung verdächtiger Ausländer
betreffen würde - zu verkürzen.
FDP-Innenexperte Max Stadler sprach von einer "völlig nutzlosen"
Verhandlungsrunde, da es von SPD und Grüne keine konkreten
Vorschläge gegeben habe. Bayerns Innenminister Günther
Beckstein (CSU) kritisierte, Differenzen zwischen Schily und den
Grünen verhinderten eine Einigung in Sicherheitsfragen.
Grünen-Verhandlungsführer Volker Beck hielt dagegen, die
Union blockiere eine Einigung in den Fragen des Kindernachzugs, des
Flüchtlingsschutzes und der Integration.
Die Union will im Zuwanderungsgesetz verschärfte
Abschieberegelungen fixieren. Danach soll es möglich sein,
Ausländer schon abzuschieben, wenn der Verdacht besteht, dass sie
sich an terroristischen Aktivitäten beteiligen. Die Grünen
bestehen jedoch darauf, dass eine Ausweisung ohne nachvollziehbare
Gründe nicht nicht in Frage kommt. "Man braucht eine
tatsachengestützte Gefahrenprognose und daran sollte man auch
nicht herumschrauben", bekräftigte Beck.
(Quellen: dpa, rtr)
Beckstein: Trennungsgebot der Nachrichtendienste aufheben
Fr.02.04.04 - Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) fordert eine
Zentraldatei zur Terrorbekämpfung, auf die das Bundeskriminalamt,
die Landeskriminalämter und die Verfassungsschutzbehörden
Zugriff haben sollen. In der ZDF-Sendung «Berlin Mitte»
bemängelte Beckstein am Donnerstagabend die völlig
«indiskutable Zusammenarbeit» der Behörden und Dienste
in Europa. Nicht einmal zwischen den deutschen Sicherheitsdiensten
bestünde derzeit ein vollständiger Datenaustausch,
kritisierte Beckstein. Das geltende strikte Trennungsgebot unterbinde
die Weitergabe von Informationen des Bundesnachrichtendienstes an die
Landesbehörden.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) habe jedoch zu seiner Freude
während der Vermittlungsgespräche zum Zuwanderungsgesetz
angekündigt, «dass er dort etwas verändern wird»,
sagte Beckstein. Schily räumte in der Sendung ein, dass das
geltende Ausländerrecht «in der Praxis nicht zu dem
führt, was wir wollen». Derzeit wäre es nicht
möglich, Menschen, die in einem Ausbildungslager der Al-Qaida in
Afghanistan waren, «aus dem Lande zu bringen». Deshalb
müsse an der Stelle das Gesetz «deutlich»
verschärft werden, betonte der SPD-Politiker.
(Quelle: ddp)
Die Debatte um Terrorabwehr produziert eine Flut von Forderungen...
Mehr Berichte zum Thema unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403300.htm#04033010
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403300.htm#040330_d
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403270.htm#04032714
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403190.htm#040319_i
Bundeswehrverband für präventive Anti-Terror-Einsätze
der Bundeswehr im Inland
Fr.02.04.04 - Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes (DBwV), Bernhard
Gertz, hat sich für präventive Einsätze der Bundeswehr
bei der Terrorabwehr im Inland ausgesprochen. Man müsse ein
Flugziel bekämpfen können, «bevor es, beispielsweise
wie am 11. September 2001, in ein Hochhaus crasht», sagte Gertz
der Netzeitung am Freitag. Er fügte hinzu: «Dieses
präventive Tätigwerden halte ich für legitim.»
Eine Grundgesetzänderung lehnte der Verbandschef in diesem
Zusammenhang aber ab. Dies sei «absolut fehl am Platze»,
wenn damit eine Aufgabenveränderung verbunden wäre. Gertz
hält indes eine Änderung des Luftverkehrssicherheits-Gesetzes
für ratsam, damit das Bekämpfen von Flugzeugen oder
Seezielen, «die Terroranschläge auslösen
können», auch rechtlich abgesichert sei. Es sei zu
prüfen, ob eine «klar stellende Änderung des Artikels
35, Absatz 2 notwendig ist». Es gehe bei den möglichen
Einsätzen der Bundeswehr im Innern «letztlich um ein
präventives Tätigwerden, bevor Terroristen einen Anschlag
verübt haben», begründete Gertz seinen Vorschlag.
Zugleich verwies der Verbandschef auf die bestehenden Regeln im
Grundgesetz. Die Bundeswehr könne demnach im Notfall
«überall dort, wo Polizei und Bundesgrenzschutz mit ihren
Kräften und ihren Möglichkeiten oder Fähigkeiten am Ende
sind, ergänzend hinzutreten». Die Bewachung von
Bahnhöfen und anderen weichen Zielen könne jedoch nicht von
den Streitkräften übernommen werden, «weil unsere
Soldaten nicht dafür ausgebildet sind». Bei der
Gefahrenabwehr im Inland «sind wir erst an dritter Stelle dran,
nach der Polizei und dem Bundesgrenzschutz», sagte Gertz.
(Quelle: ddp)
IG-Metall will um tausende Siemens-Jobs kämpfen
Fr.02.04.04 - Die IG Metall hat Widerstand gegen den drohenden Abbau tausender
inländischer Arbeitsplätze beim Münchener
Technologiekonzern Siemens angekündigt und schließt Streiks
nicht aus.
Unklar blieb am Mittwoch weiter das Ausmaß der möglichen
Stellenstreichungen: Während Siemens von theoretisch bis zu 5000
gefährdeten Jobs sprach, kam die Gewerkschaft auf mehr als 10.000.
"Wir werden auf jeden Fall - und so weit sind wir - um den Erhalt der
Arbeitsplätze kämpfen", sagte Konzern-Gesamtbetriebsratschef
Ralf Heckmann am Donnerstag in München. Die Arbeitnehmer seien
grundsätzlich zu Kompromissen bereit, Verhandlungsspielraum bei
der Einführung einer flächendeckenden 40-Stunden-Woche ohne
Lohnausgleich oder der Verringerung von Zuschlägen sehe er aber
nicht.
"Wir reden momentan nicht über Streik", sagte Bayerns IG
Metall-Bezirkschef Werner Neugebauer. "Ausgeschlossen ist aber gar
nichts." Sollte Siemens Tarifverträge brechen und - wie von
Konzernchef Heinrich von Pierer bereits öffentlich erwogen - aus
dem Arbeitgeberverband austreten, habe Siemens die rechtliche
Möglichkeit zum Arbeitskampf.
Siemens beschäftigt aktuell rund 170.000 Mitarbeiter in
Deutschland, weltweit sind es an die 420.000.
Am Mittwoch hatte das Management im Wirtschaftsausschuss den
Betriebsräten für mehrere Bereiche Pläne für die
Verlagerung, Restrukturierung oder Schließung von
Teil-Aktivitäten präsentiert. Der Konzern habe konkrete
Verlagerungsabsichten für den Mobilfunkbereich (ICM), die
Netzwerksparte (ICN) sowie den Bereich Energieübertragung (PTD),
teilte Siemens mit. Darüber hinaus sei in der Verkehrstechnik (TS)
sowie bei ICN und PTD wegen technologischer Veränderungen oder
sinkender Nachfrage und hohen Preisdrucks der Abbau von
Kapazitäten notwendig. Bereits vor gut einer Woche hatte die IG
Metall vom drohenden Abbau von mehr als 10.000 Stellen gesprochen.
Die aufgezeigten Verlagerungen, die Siemens durch Kompromisse mit der
Belegschaft verhindern wolle, umfassten rund 2500 Stellen, sagte ein
Sprecher. Das Volumen der auf Grund von Marktentwicklung und
technologischen Änderungen ins Auge gefassten
Kapazitätsverringerungen sei schwer zu bestimmen. Es könne
aber eine ähnliche Größenordnung erreichen. "Es geht
hier nicht um über 10.000 Stellen, die verlagert werden sollen",
fügte er hinzu.
Die IG Metall befürchtet hingegen zusätzliche Stellenverluste
in Sparten, die am Donnerstag nicht von Siemens genannt wurden. Alleine
beim Automobilzulieferer Siemens VDO seien über 4000 Stellen
gefährdet, weitere 3000 beim Gemeinschaftsunternehmen Bosch
Siemens Haushaltsgeräte, sagte Neugebauer. Hinzu kämen
nochmals 700 beim Siemens IT-Dienstleister SBS. "Wir stehen vor einem
Arbeitsplatzabbau innerhalb des Siemens-Konzerns von weit mehr als
10.000 Stellen, resümierte Neugebauer.
Der Konzernsprecher sagte mit Blick auf VDO, solche Absichten seien
momentan nicht bekannt. Bosch Siemens Hausgeräte hat hingegen
bereits bestätigt, dass bis zu 3000 Stellen im Inland bedroht
sind, falls die Belegschaft Plänen zur Kostensenkung nicht
zustimmt.
Siemens will nach eigenen Angaben durch "nachhaltige Kostensenkungen"
zumindest die Verlagerung von Stellen soweit wie möglich
verhindern. Dem Sprecher zufolge steht dabei die Einführung der
40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich sowie die Reduzierung von
Zuschlägen im Zentrum. Konzernchef Heinrich von Pierer
plädiert vehement für längere Arbeitszeiten und hat
zudem den jüngsten Tarifabschluss in der Branche als zu teuer und
zu unflexibel kritisiert.
"Wir lassen uns nicht erpressen", sagte IG Metall-Funktionär
Neugebauer. Die Forderungen von Siemens stellten nichts anderes als
Lohnkürzungen von 25 bis 30 Prozent da. Offensichtlich wolle von
Pierer in arbeitszeitpolitischen Fragen in Deutschland die Führung
übernehmen. Auch Heckmann sprach sich gegen die
flächendeckende Einführung der 40-Stunden-Woche aus. "Das
kostet erstmal Arbeitsplätze", sagte er.
Die Siemens-Aktie notierte am Abend mit 60,40 Euro um 0,6 Prozent im
Plus, der Gesamtmarkt verbuchte ähnlich hohe Gewinne.
(Quelle: rtr)
Proteststurm in Bayern gegen 42-Stunden-Woche
Die geplante Erhöhung der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst
in Bayern auf 42 Stunden stößt auf Widerstand bei den
Städten und Gemeinden
Fr.02.04.04 - Der Kommunale Arbeitgeberverband kündigte am Donnerstag an, dass
er dem Beispiel der Staatsregierung nicht folgen will. Auch vom
Bayerischen Städtetag kam harsche Kritik. Finanzminister Kurt
Faltlhauser (CSU) appellierte dagegen an die Kommunen, wie die
Bundesländer den Tarifvertrag zu kündigen.
Der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes
Bayern, Armin Augat, betonte, er wolle die Entscheidung der
Staatsregierung zwar «nicht verurteilen». Für die
Kommunen sei dies aber «der falsche Weg». Es bleibe hier
für die rund 370 000 Arbeiter und Angestellten bei 38,5
Wochenstunden. Die rund 25 000 kommunalen Beamten müssen jedoch ab
September 42 statt 40 Stunden arbeiten. Für sie gilt das
bayerische Beamtenrecht.
Städtetags-Sprecher Werner Natter sagte, die Entscheidung der
Staatsregierung habe zu erheblichem Unmut unter den bayerischen
Bürgermeistern geführt. Er fügte hinzu: «Wir sind
uns einig. Diese Entscheidung bringt nur Ärger.»
Die bundesdeutschen Kommunen verhandeln derzeit mit der Gewerkschaft
ver.di über einen komplett neuen Tarifvertrag, der unter anderem
moderne Elemente wie eine leistungsgerechte Bezahlung beinhalten soll
und auf die bisherige Unterscheidung zwischen Arbeitern und
Angestellten verzichtet. Augat betonte: «Wir stecken in
schwierigen und langwierigen Reformtarifverhandlungen, die wir
erfolgreich beenden wollen.» Der Geschäftsführer des
Bayerischen Gemeindetages, Jürgen Busse, forderte die Gewerkschaft
jedoch zu mehr Beweglichkeit auf. Sonst wachse der Druck auf die
Kommunen, den Tarifvertrag doch noch zu kündigen.
Faltlhauser betonte: «Den Optimismus der Kommunen zu den
Modernisierungsverhandlungen mit den Gewerkschaften teile ich
angesichts der erschreckend mageren Zwischenbilanz nicht.» Er
habe zudem «wenig Verständnis, wenn die Kommunen einerseits
jeden Tag neue Finanzforderungen stellen und andererseits die
Möglichkeit einer dauerhaften Einsparung durch eine zumutbare und
maßvolle Arbeitszeitverlängerung für ihre Mitarbeiter
nicht nutzen».
SPD-Fraktionschef Franz Maget nannte dagegen die Einführung der
42-Stunden-Woche für den öffentlichen Dienst «eine der
größten Wahllügen» von Ministerpräsident
Edmund Stoiber (CSU). Er legte den beim Freistaat beschäftigten
Beamten nahe, «jetzt umgehend die CSU zu verlassen».
Staatskanzleichef Erwin Huber (CSU) wies die Kritik zurück. Er
verwies darauf, dass auch SPD-geführte Länder den
Arbeitszeit-Tarifvertrag gekündigt haben. CSU-Fraktionschef
Joachim Herrmann monierte, die bayerische SPD und die Gewerkschaften
hätten «die Zeichen der Zeit nicht erkannt».
(Quelle: ddp)
Verdi will massiv gegen Mehrarbeit vorgehen
Fr.02.04.04 - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will sich nach eigenen Angaben
entschieden gegen eine Arbeitszeitverlängerung im
öffentlichen Dienst wehren und hat massive Auseinandersetzungen
angekündigt.
Verdi-Chef Frank Bsirske sprach in der "Frankfurter Rundschau"
(Freitagausgabe) nach Vorabbericht von einem "Konflikt in bisher nicht
gekanntem Ausmaß". Weiter sagte er: "Über die Dimension des
Konfliktes, den die Arbeitgeber offenbar suchen, sollten keine
Illusionen bestehen." Allein im öffentlichen Dienst drohe der
Verlust von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen, wenn die Arbeitszeit
verlängert werde. Er warf den Unionsministerpräsidenten vor,
die Tarifrunde "zu einer Durchbruchschlacht für eine
Arbeitszeitverlängerung in der gesamten Volkswirtschaft machen zu
wollen."
Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete aus seiner neuen Ausgabe, nach
Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft
könnte eine sofortige Ausweitung der effektiven Arbeitszeit aller
Beschäftigten für einen Wachstumsimpuls von 1,5
Prozentpunkten sorgen. Grund seien geringere Lohnstückkosten durch
die längere Arbeitszeit. Nach den Berechnungen des Instituts
könnten außerdem nach der Arbeitszeitverlängerung 2005
rund 80.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Die Bundestarifgemeinschaft der Länder hat beschlossen, den
Arbeitszeit-Tarifvertrag für die Angestellten und Arbeiter des
öffentlichen Dienstes in Westdeutschland zu kündigen. Damit
wollen sich die Arbeitgeber die Arbeitszeit für neu eingestellte
Angestellte an die der Beamten anzugleichen, die in den meisten
Bundesländern zwischen 40 und 42 Stunden liegt. Für die
Angestellten des öffentlichen Dienstes im Westen gilt derzeit
dagegen die 38,5-Stunden-Woche. Bayern hat angekündigt, noch im
laufenden Jahr die 42-Stunden-Woche für den gesamten
öffentlichen Dienst einzuführen und erhofft sich eine
Signalwirkung auf die Privatwirtschaft.
(Quelle: rtr)
Gewerkschaften weiter gegen Reformkurs der Regierung
Fr.02.04.04 - Verdi-Chef Frank BsirskeBsirske und auch der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, machten deutlich, auch nachdem
Franz Müntefering neuer SPD-Chef geworden sei, werde die
Reformpolitik der Bundesregierung weiter abgelehnt. "Eine
atmosphärische Verbesserung reicht nicht. Rot-Grün sollte
auch bereit sein, falsche Positionen zu revidieren", sagte Sommer dem
"Handelsblatt" vom Freitag. "Der Ärger und die Wut wachsen", sagte
Bsirske. Dies liege daran, dass die Menschen inzwischen die
Auswirkungen der Agenda 2010 am eigenen Leib spürten.
Beide Gewerkschaftschefs äußersten sich zuversichtlich, dass
der Aktionstag der Gewerkschaften gegen Sozialabbau am Samstag von
vielen Menschen mitgetragen werde. "Die Mobilisierung läuft gut",
sagte Sommer. Dagegen warnte der Präsident des
Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, die
Gewerkschaften vor einer politischen Radikalisierung. "Emotionen
dürfen nicht als Motor für die eigenen Ziele missbraucht
werden. Wir erwarten und wir appellieren an die Gewerkschaften, dass
sie sich vernünftig und mit Augenmaß verhalten", sagte er
der "Financial Times Deutschland" nach Vorabbericht. Mit Blick auf die
Proteste forderte er, es dürfe kein Klima entstehen, mit dem die
Fähigkeit zu Lösungen verbaut werde.
(Quelle: rtr)
Am 2. und 3. April finden die europäischen Aktionstage gegen
Sozialabbau statt:
Attac Demoseite:
http://www.attac.de/demo3.4/
Labournet Demoseite:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/europaimapril.html
Bündnis gegen Sozialabbau
http://www.buendnis-gegen-sozialabbau.de/
DGB-Chef Sommer greift Köhler an
Fr.02.04.04 - Vier Wochen nach seiner Nominierung stößt der Kandidat von
Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten, Horst
Köhler, bei den Gewerkschaften auf ungewöhnlich scharfe
Kritik. DGB-Chef Michael Sommer sagte der «Berliner
Zeitung» (Freitagausgabe), mit seinen bisherigen
Äußerungen habe sich Köhler als «Kandidat der
Neoliberalen und Neokonservativen» gezeigt.
Köhler sei von CDU-Chefin Angela Merkel und FDP-Chef Guido
Westerwelle als Kandidat des bürgerlichen Lagers präsentiert
worden. «Ganz offensichtlich ist Herr Köhler
tatsächlich ein Lagerkandidat - das legen zumindest seine
einseitigen Ratschläge zur Sozial- und Tarifpolitik nahe».
Sommer sagte, Ziel von Union und FDP bei der Nominierung Köhlers
sei gewesen, «den Primat des Ökonomischen und des Marktes
über die Politik zu verdeutlichen. Der DGB brauche aber
«keine Ratschläge von einem Kandidaten, der uns sagt, wie
die Armen in Deutschland noch ärmer werden». Sommer
fügte aber ausdrücklich hinzu: Jeder, der im Mai ins
Bundespräsidentenamt gewählt werde, habe
«selbstverständlich auch die Achtung des DGB und seines
Vorsitzenden verdient.»
(Quelle: ap)