Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihunderteinundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
NATO bewegt sich offenbar auf Einsatz in Irak zu. Deutschland will
Einsatz des Militärbündnisses nicht blockieren, lehnt aber eigenen
militärischen Beitrag ab. Thailand denkt über
Truppenabzug aus Irak nach. Bei Angriffen im Irak sind erneut fünf
Menschen getötet worden. Drei der vier in Falludscha am
Mittwoch getöteten US-Bürger waren Ex-Soldaten. Irakische
Geistliche verurteilen Schändung von Leichen in Falludscha. Zum
Schutz ihrer Soldaten ändert Marineinfanterie Informationspolitik
im sunnitischen Dreieck. Laut Pentagon kamen seit Kriegsbeginn 601
US-Soldaten in Irak ums Leben. Powell gibt zu: Angaben zu mobilen
Labors in Irak waren nicht 'solide'
Sa.03.04.04 - Nach ihrer Erweiterung um sieben neue Mitglieder bewegt sich die NATO
offenbar auf einen Einsatz in Irak ohne Beteiligung Deutschlands zu.
Die neuen Mitgliedsstaaten aus Osteuropa befürworteten in
Brüssel einhellig eine Beteiligung an der Operation des
Militärbündnisses. US-Außenminister Colin Powell
forderte einen Beschluss für die Zeit nach der "Wiederkehr der
Souveränität Iraks". Die Außenminister der 26
NATO-Staaten brachten neue Anti-Terror-Maßnahmen auf den Weg.
Powell sprach sich am Rande des Treffens für eine "neue,
kollektive Rolle" der NATO aus. "Wir haben noch nicht festgelegt, worin
die Rolle der NATO bestehen sollte", sagte der US-Außenminister
am Rande des Brüsseler Treffens, bei dem der Beitritt der sieben
neuen Mitglieder mit Flaggenhissen und Abspielen der Nationalhymnen
gefeiert wurde.
Im Gegensatz zu Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne)
sieht NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer durch den
möglichen Einsatz "kein Risiko der Überforderung" für
die Militärallianz. Unter den Staaten des Transatlantischen
Bündnisses gebe es "eine Menge Unterstützung" für eine
neue UN-Resolution zu Irak, sagte de Hoop Scheffer. Fischer hatte
gesagt, die Bundesregierung sei der Meinung, dass die NATO sich auf die
bereits "übernommenen Herausforderungen konzentrieren" sollte. Er
sehe die Gefahr einer "Überforderung" des Bündnisses.
Einen möglichen Beschluss über einen Irak-Einsatz der NATO
beim Gipfeltreffen des Bündnisses in Istanbul Ende Juni wolle die
Bundesregierung "nicht blockieren". Sie werde aber keinen
militärischen Beitrag leisten, betonte Fischer.
Thailand erwägt nach einem Zeitungsbericht einen Abzug seiner
Truppen aus Irak unmittelbar nach der Übergabe der Macht an eine
irakische Übergangsregierung am 30. Juni. Es werde
überprüft, ob die 443 thailändischen Soldaten wie
geplant im September oder bereits früher heimkehren sollten,
zitierte die «Bangkok Post» am Samstag
Verteidigungsminister Chetta Thanajaro. Gründe nannte er nicht.
Die thailändischen Soldaten sind in Kerbela stationiert, rund 100
Kilometer südlich von Bagdad. Sie haben humanitäre Aufgaben
übernommen und werden im Straßen- und Häuserbau
eingesetzt.
Bei neuen Anschlägen wurden am Freitag fünf Menschen
getötet. In Rijad, 25 Kilometer westlich der nordirakischen Stadt
Kirkuk, verloren drei Angreifer ihr Leben, als sie eine Bombe
deponieren wollten und diese frühzeitig explodierte. Der Anschlag
sollte nach Polizeiangaben das Rathaus der Gemeinde zerstören. In
Bagdad wurde ein US-Soldat bei der Explosion einer am Straßenrand
versteckten Bombe getötet; ein zweiter wurde nach
Militärangaben verletzt.
Zudem erschossen Unbekannte in der südlichen Stadt Kufa einen
Polizeikommandeur und verletzten seinen Fahrer schwer, wie die
örtliche Polizei mitteilte. Am Vortag feuerten Rebellen in Bakuba
50 Kilometer nordöstlich von Bagdad auf zwei Autos der irakischen
Polizei. Dabei wurden nach Angaben von Ärzten drei Beamte
getötet und zwei verletzt.
Drei der vier in der irakischen Widerstandshochburg Falludscha
getöteten US-Bürger waren früher Soldaten. Wie
US-Zeitungen am Freitag berichteten, gehörte einer von ihnen einer
Eliteeinheit an, ein zweiter war Überersetzer bei der Armee und
der dritte war für seinen Einsatz in Afghanistan ausgezeichnet
worden. Die drei Männer im Alter von 32 bis 38 Jahren sowie ein
vierter US-Bürger waren Angestellte der Firma Blackwater Security
Consulting, die in Irak die Lebensmittelkonvois sichern,
Sprengsätze entschärfen und Leibwächter zum Schutz von
US-Zivilverwalter Paul Bremer abstellen soll.
Die vier Amerikaner waren am Mittwoch bei einem Überfall auf ihre
Fahrzeuge in Falludscha getötet worden und in den Autos verbrannt.
Wütende Iraker schleiften anschließend die verkohlten
Leichen durch die Straßen, verstümmelten sie und
hängten sie an einer Brücke auf.
In Erwartung eines möglichen Vergeltungsschlags der
US-Streitkräfte hat der Rat der irakischen Stadt Falludscha den
Mord an den vier Amerikanern und die Schändung ihrer Leichen am
Freitag verurteilt. Die Bluttat vom Mittwoch widerspreche der
islamischen Lehre, sagte ein Mitglied des Stadtrats. In den
Freitagsgebeten verdammten die Geistlichen der Stadt die Schändung
der Leichen als Verstoß gegen islamische Grundsätze.
Nach der Ankündigung von US-Zivilverwalter Paul Bremer, dass die
Täter «nicht ungestraft» davonkommen sollten,
äußerte sich US-General Mark Kimmitt am Freitag ausweichend
über einen bevorstehenden Einsatz in Falludscha. «Das
sollten Sie die Aufständischen fragen. Und Sie sollten den
Gouverneur und den Bürgermeister von Falludscha fragen»,
sagte er auf entsprechende Fragen von Journalisten. «Wenn sie
diese Leute der Strafjustiz ausliefern, werden wir zurückkommen
und mit dem Wiederaufbau von Falludscha beginnen.»
Am Freitag waren weiterhin keine US-Truppen in der Stadt zu sehen.
Zum Schutz ihrer Soldaten will die US-Marineinfanterie im sunnitischen
Dreieck in Irak künftig keine Einzelheiten zu tödlichen
Anschlägen mehr bekanntgeben. Zur Begründung hieß es in
einer Erklärung vom Freitag, es dürften keine Informationen
veröffentlicht werden, die dem Feind eine Einschätzung der
Effektivität seiner Taktik und Vorgehensweise erlaube.
Üblicherweise teilt die US-Armee den Anschlagsort und die Art
eines Angriffs mit.
Das sunnitische Dreieck um die Städte Falludscha und Ramadi ist
eines der Zentren des militanten Widerstands gegen die US-Besatzung in
Irak. Seit ihrer Stationierung dort im März hat die
Marineinfanterie mindestens zwölf ihrer Soldaten bei
Anschlägen verloren. Seit Kriegsbeginn im März 2001 kamen
nach Angaben des Pentagons 601 US-Soldaten in Irak ums Leben.
US-Außenminister Colin Powell gesteht unterdessen Fehler bei seinen
Angaben zu Iraks Waffen ein. 14 Monate nach seinem Aufsehen erregenden
Auftritt im UN-Sicherheitsrat hat US-Außenminister Colin Powell seine
damaligen Behauptungen über irakische Massenvernichtungswaffen wieder
zurückgenommen. Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass die
Informationen über den Einsatz mobiler Labors zur Herstellung
biologischer und chemischer Waffen nicht "zuverlässig" waren,
sagte Powell. Der Minister forderte nun eine Untersuchung, wie es zu
der Panne kommen konnte.
Powell hatte in seiner von der Weltöffentlichkeit live verfolgten
Rede vor dem Sicherheitsrat schwere Vorwürfe gegen die
Führung in Bagdad erhoben und die internationale Gemeinschaft zum
Handeln aufgerufen. Mit seiner Darstellung in der entscheidenden
Sitzung des höchsten UN-Gremiums wollte er beweisen, dass Irak
Massenvernichtungswaffen besaß, und somit den späteren
Angriff auf das Land rechtfertigen.
Zur Untermauerung seiner Ausführungen verwies er unter anderem auf
Augenzeugenberichte "aus erster Hand", wonach Irak über mobile
Labors zur Herstellung von Biowaffen verfüge. Auch
präsentierte Powell Computerbilder von vermeintlichen
Labor-Lastwagen.
Die Existenz dieser Labors, mit denen Irak die internationalen
Kontrollen hätte umgehen können, sei das "dramatischste"
Element seiner Darstellung gewesen, sagte Powell. Daher habe er sich
vergewissert, dass diese Informationen durch mehrere Quellen
abgesichert gewesen seien. Damals sei ihm vom Geheimdienst versichert
worden, es handle sich um "zuverlässige" Informationen. Nun
scheine es jedoch, als sei dies nicht der Fall gewesen.
Der Minister sagte weiter, er hoffe, auch die von US-Präsident
George W. Bush eingesetzte unabhängige Untersuchungskommission
werde sich mit dem Fall der mobilen Labors befassen. Die Kommission zur
Untersuchung der Geheimdienstberichte im Vorfeld des Irak-Kriegs soll
in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. Bush und sein britischer
Verbündeter Tony Blair stehen unter starkem Druck, weil die von
ihnen als Hauptgrund für den Krieg angeführten angeblichen
irakischen Massenvernichtungswaffen nicht gefunden wurden.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Krieg gegen Irak hat begonnen
Do.20.03.03 - US-Präsident: Erste Phase der Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden +++
Knapp zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums an Saddam Hussein: Luftangriffe auf Bagdad +++
USA und Großbritannien haben 280.000 Mann in der Golfregion zusammengezogen +++
Bush: Krieg könne länger dauern und schwieriger werden als manche vorhersagten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303200.htm#news
Zweiter Kriegstag in Irak
Fr.21.03.03 - US-Streitkräfte starten Bodenoffensive +++ Mit ihrem Militärschlag
gegen Irak setzen die USA erstmals ihre neue Strategie des Präventivschlages um +++
Der Krieg hatte am Donnerstag um 3.33 Uhr MEZ begonnen und löste in aller Welt
Betroffenheit, Wut und Entsetzen aus +++ Weltweit demonstrierten schätzungsweise 1 Million
Menschen gegen den Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303210.htm#news
Dritter Kriegstag in Irak
Sa.22.03.03 - 20:00 Uhr - Massive Luftoffensive gegen Irak hat begonnen -
Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Die US-Streitkräfte haben die Angriffe
auf die irakische Hauptstadt mit unverminderter Härte fortgesetzt. Nachdem bereits
den ganzen Tag über geschossen wurde, begann nach kurzer Pause am Abend
eine neue Angriffswelle. Es waren wieder zahlreiche Einschläge und Explosionen zu
hören. Angaben über Opfer, Schäden und Ziele liegen noch nicht vor. ..
Die alliierten Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bisher keine
Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt... Erneut weltweit Proteste gegen Irak-Krieg ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303220.htm#news
Vierter Kriegstag in Irak
Luftangriffe auf Bagdad gehen weiter +++ 500 Marschflugkörper,
Raketen und Bomben an einem Tag +++ Verlässliche Angaben über Opfer liegen nicht
vor +++ Suche nach Massenvernichtungswaffen bisher erfolglos +++
US-Bodentruppen haben angeblich den halben Weg nach Bagdad geschafft +++
Massive multimediale Propagandakampagne, um das irakische Militär zur
Aufgabe zu bewegen... US-Präsident berät mit Kriegskabinett - Amerikaner werden
auf einen längeren Krieg eingestimmt... Max-Planck-Direktor Rüdiger Wolfrum
sieht im Vorgehen der USA einen Bruch des Völkerrechts... Weltweit protestieren wieder
Hunderttausende gegen Irak-Krieg ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303230.htm#news
Fünfter Kriegstag in Irak
Mo.24.03.03 - Weiter schwere Luftangriffe auf Bagdad +++ Ein Bombenhagel aus
Tieffliegern hat die Einwohner von Bagdad die ganze Nacht zum Montag über in Angst
und Schrecken versetzt +++ Wohngebäude in Trümmern +++ Alliierte setzen Vormarsch auf Bagdad fort +++
Unerwartet heftiger Widerstand der irakischen Armee +++ Erste US-Soldaten in irakischer Gefangenschaft +++
Bush verlangt humane Behandlung von Kriegsgefangenen +++ Durchhalterede von Saddam Hussein +++
Millionen Menschen protestieren gegen Irak-Krieg +++ US-Veteranen bei Anti-Kriegs-Kundegebung in Washington +++
Australische Kriegsgegner wollten Parlament stürmen +++ Immer mehr Kritik an Kriegsberichterstattung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303240.htm#news
Sechster Kriegstag in Irak
Di.25.03.03 - Alliierte bombardieren Bagdad die sechste Nacht in Folge +++
Amerikanische und britische Truppen nähern sich Bagdad +++
Iraks Führung bestreitet Vorrücken der Alliierten +++
Widerstand der Iraker zäher als erwartet +++ TV-Bilder gefangener GIs schocken USA +++
Hilfsorganisationen warnen vor humanit¨rer Katastrophe +++ Britische
Bevölkerung wird auf langen Krieg eingestimmt +++ Irak-Krieg wird für
London weit teurer als geplant +++ Arabische Liga fordert Ende des Irak-Krieges +++
Deutschland : Wieder Zehntausende gegen Krieg auf der Straße... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303250.htm#news
Siebter Kriegstag in Irak
Mi.26.03.03 - Bagdad unter Dauerbeschuss +++ Schwere Sandstürme behindern Vormarsch der Alliierten +++
Viele Opfer bei Kampfhandlungen +++ Irak meldet mehr als 200 Tote in der Zivilbevölkerung +++
USA melden mehr als 500 gefallene irakische Soldaten +++ US-Generalstabschef Myers :
Härteste Kämpfe stehen noch bevor +++ US-Streitkräfte räumen Fehler bei Luftangriffen ein +++
Deutsche Militärhistoriker prophezeien den Briten und Amerikanern im Irak eine Niederlage +++
Human Rights Watch warnt vor Katastrophe in Kurdengebieten +++ Kaum Spenden für Nothilfe in Irak +++
Annan mahnt USA zu rascher humanitärer Hilfe für Irak +++ UNO-Kreise: Beweise gegen Irak plump gefälscht +++
Kriegsgegner fordern Entzug der Überflugrechte - Täglich dutzende Militärmaschinen über Deutschland ... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303260.htm#news
Achter Kriegstag in Irak
Do.27.03.03 - Alliierte greifen achte Nacht in Folge Ziele in Bagdad an +++ Mindestens 15 tote Zivilisten
bei Raketen-Explosion auf einem Marktplatz im Nordosten der Hauptstadt +++ USA weisen Berichte
über gezielten Angriff auf Wohngebiet zurück +++ Bagdad auch am Morgen von weiteren
Explosionen erschüttert +++ USA: Seit Kriegsbeginn mehr als 4300 Bomben auf Irak abgeworfen +++
Kämpfe zwischen amerikanisch- britischen und irakischen Truppen nehmen an Härte zu +++
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten +++ Menschenrechtsorganisationen beklagen Kriegsverbrechen +++
Friedensforscher: Die richtigen Probleme erwarten Amerika erst nach dem Krieg +++ Bush bereitet die USA
wiederholt auf einen langen Krieg vor... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303270.htm#news
Neunter Kriegstag in Irak
Fr.28.03.03 - Schlimmste Bombennacht in Bagdad seit Kriegsbeginn +++ Nächtliche Angriffe
auf die Stadt Mossul +++ Weiter unerwartet harter Widerstand der irakischen Truppen +++
US-Verteidigungsminister deutet im Kampf um Bagdad eine Belagerungstaktik an +++
Rumsfeld: Es gibt nahezu ununterbrochenen Nachschub an Menschen und Material in
das Kriegsgebiet +++ Irak rechnet mit Einkesselung Bagdads in fünf bis zehn Tagen -
Militärchef kündigt blutigen Straßenkampf um Bagdad an +++ Hoffnung auf
schnelles Kriegsende schwindet +++ USA wollen angeblich über 100 000 zusätzliche
Soldaten einsetzen +++ Weit mehr als 200 Festnahmen bei Protesten gegen Irak-Krieg in New York -
Kriegsgegner legten Verkehr auf der Fifth Avenue in New York lahm +++ Radio- und Fersehsender in den
USA streichen Antikriegs-Songs aus dem Programm +++ In Deutschland reißt Protestwelle gegen Irak-Krieg
nicht ab +++ 83 Prozent der Deutschen gegen Irak-Krieg - Merkel verteidigt Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303280.htm#news
Zehnter Kriegstag in Irak
US-Luftwaffe setzt Bombardierung Bagdads unvermindert fort +++ Wieder Raketenangriff
auf einen Marktplatz - Mindestens 55 Tote +++ USA bestätigten die Berichte über den Angriff nicht +++
Lage in Basra spitzt sich weiter zu +++ Schwere Kämpfe in der Stadt Nassirijah am Euphrat dauern an +++
Bush bereitet seine Landsleute auf weitere eigene Verluste vor +++ Kurden starten nach US-Landung in
Nordirak Offensive +++ Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus +++ Alterspräsident des britischen Unterhauses:
Blair ist ein Kriegsverbrecher +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++ So genannte Koalition der
Willigen gerät zunehmend unter Druck +++ EU und Lateinamerika für Führungsrolle der UN in Irak +++
Italien verhängt wegen Irak-Krieg Ausnahmezustand+++ Von rund 2,5 Millionen Balkonen hängt in
Italien die "Pace"-Fahne herunter +++ Arzt lehnt wegen Golfkrieg Behandlung von Amerikanern ab +++ Der Irak-Krieg
ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Weltherrschaft.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303290.htm#news
Elfter Kriegstag in Irak
Offensive der Alliierten in nahezu allen Landesteilen +++ Bagdad wird weiter bombardiert +++
Irak meldet 425 Tote in der Zivilbevölkerung +++ Erster Selbstmordanschlag gegen US-Truppen in Irak +++
US-Magazin: Rumsfeld-Mitarbeiter kritisieren Irak-Strategie scharf - Er habe in jedem Stadium die Entscheidungen
alleine getroffen +++ Nach elf Tagen Krieg in Irak wachsen an der politischen Front die Probleme für die USA +++
Mehr als 290 000 alliierte Soldaten in Irak eingesetzt +++ Ex-Außenminister Cook ruft Blair zum Rückzug
aller Truppen auf - Irak-Krieg sei blutig und ungerecht +++ Laut Blix weiter keine Beweise für
Massenvernichtungswaffen in Irak +++ Papst warnt vor Spaltung der Weltreligionen in Folge des Kriegs +++
Hunderttausende protestieren gegen den Krieg - Kriegsgegner blockierten Auslandszentrale der Bundeswehr +++
Deutsche US-Stützpunkte spielen bei Irak-Krieg bedeutende Rolle... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303300.htm#news
Zwölfter Kriegstag in Irak
Mo.31.03.03 - Irakische Hauptstadt unter Dauerbeschuss +++
Kaum amerikanische Geländegewinne vor Bagdad +++
Bombardements auch in Basra +++ US-Truppen rücken nach Hindijah ein +++
Irak droht mit weiteren Selbstmordanschlägen gegen amerikanisch-britische Truppen +++
Exil-Iraker kehren zur Unterstützung der irakischen Streitkräfte in die Heimat zurück +++
IKRK beklagt 'zunehmendes Gefühl der Ohnmacht' in Irak +++ Amnesty ruft britische
Regierung zur Achtung des Völkerrechts auf +++ Schweiz veröffentlicht Liste ziviler Opfer
des Irak-Kriegs im Internet +++ Rot-Grün weitet Militärhilfe für US-Truppen aus +++
Hunderttausende demonstrieren weltweit gegen Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0303310.htm#news
Dreizehnter Kriegstag in Irak
Di.01.04.03 -US-Soldaten erschießen sieben Frauen und Kinder +++ Krieg nimmt an Härte zu +++
Luftangriffe auf Bagdad in der Nacht und im Morgengrauen +++ Massive Kämpfe rund 80 Kilometer
südlich vor Bagdad +++ Die Alliierten sind offenbar bereit, hohe Opferzahlen in Kauf zu nehmen +++
Bush sieht Fortschritte der US-geführten Truppen +++ Giftiger Qualm über den Schlachtfeldern +++
Kein Strom, kein Wasser: Irakische Bevölkerung leidet +++ Bis dato gibt es keine genauen Berichte
über die zivilen Opfer des Irak-Krieges +++ Kriegssimulation 'Millennium Challenge 02' wird blutiger Ernst +++
Freiwillige wollen US-Invasionstruppen bekämpfen +++ General Garner soll Irak nach dem Sturz von Saddam regieren -
Ihm wird Verfilzung mit der US-Rüstungsindustrie vorgeworfen +++ Vorboten der nächsten Kriege: Washington
führt ein Sündenregister für Syrien und den Iran +++ Wieder gut 45.000 Anti-Kriegs-Demonstranten in Leipzig...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304010.htm#news
Vierzehnter Kriegstag in Irak
Mi.02.04.03 - DRK: Lage irakischer Zivilisten verschlechtert sich zunehmend -
Bisherige Hilfslieferungen nur 'Tropfen auf den heißen Stein' +++ UNICEF übt
schwere Kritik an den USA und Großbritannien bei der Verteilung humanitärer
Hilfe im Irak - Der Krieg werde vor allem für Kinder mit jedem Tag lebensbedrohlicher +++ Geringe
Spendenbereitschaft in der deutschen Bevölkerung +++ Die Illusion von den 'Präzisionswaffen' +++
US-Truppen umzingeln Kerbela und rücken auf Bagdad vor +++ Rumsfeld: Nur bedingungslose
Kapitulation Iraks beendet Krieg +++ Bush wendet sich an das irakische Volk: 'Wir kommen, um Ihnen
Essen und Medizin und ein besseres Leben zu bringen.' +++ UN-Generalsekretär bekräftigt Kritik an Irak-Krieg +++
Erneut Massenproteste gegen Golfkrieg in Spanien... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304020.htm#news
Fünfzehnter Kriegstag in Irak
Do.03.04.03 - Geburtsklinik bei US-Angriff auf Bagdad getroffen +++ Irakische Hauptstadt weiter
Ziel massiver Luftangriffe +++ US-Truppen nach eigenen Angaben dicht vor Bagdad +++
Erstmals neue Streubombe eingesetzt +++ Amerikanisches Kampfflugzeug und ein
Hubschrauber über Irak abgeschossen +++ Friedensaktivistin: USA verlieren Kampf um die
Herzen der Iraker +++ UNICEF fühlt sich für Krise in Irak nicht gerüstet +++ Moslemische Welt
demonstriert gegen Irak-Krieg +++ Umfrage: Zustimmung zu Krieg sinkt in Großbritannien +++
Immer mehr Franzosen sehen Alliierte bei Irak-Krieg im Unrecht +++ Irak-Krieg schadet Ansehen der
USA bei den Deutschen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304030.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Neue Hinweise auf Gefährdung durch Uran-Munition
Sa.03.04.04 - Nach Studien der Universität Frankfurt gibt es neue Hinweise auf
die Gefährdung von Menschen durch Uran- Munition. Die
Untersuchungen legten nahe, dass uranhaltiger Staub auch über die
Atemwege in den Körper gelange, sagte der Geologe Axel Gerdes vom
Mineralogischen Institut.
Bislang sei von offizieller Seite erklärt worden, dass das so
genannte abgereicherte Uran nur über Wunden oder Nahrung
aufgenommen und schnell wieder ausgeschieden werde. Der Uranstaub
entsteht beim Aufprall der Geschosse.
Im Auftrag eines kanadischen Forschungszentrums hat der Geologe Gerdes
Urin amerikanischer Soldaten untersucht, die im zweiten Irak- Krieg
eingesetzt waren. Mit einer neuen Methode konnte er darin geringe
Mengen abgereicherten Urans nachweisen. Zwar sei nicht klar, wie
groß die Gefährdung sei, erklärte Gerdes. Doch
könnten die Uranpartikel möglicherweise über Jahrzehnte
in der Lunge bleiben und dort Schäden anrichten. Die Strahlung des
Urans könnte Gerdes zufolge im Inneren des Körpers direkt auf
das Gewebe einwirken. Das müsse aber weiter untersucht werden.
Der Uranstaub steht im Verdacht, Krebs erregend zu sein, das
Immunsystem zu schwächen und das Erbgut zu schädigen. Im Irak
und im Kosovo-Krieg wurde Munition mit abgereichertem Uran
abgeschossen. Aus Sicht der Militärs ist eine solche Munition eine
sehr wirksame Waffe, weil sie wegen ihrer hohen Dichte gepanzerte
Fahrzeuge zerschlagen kann.
(Quelle:dpa )
Blick ins Archiv:
Langsames Sterben nach dem Krieg
Sa.18.10.03 - Zehnfach höhere Krebsrate im Irak als Folge von Uran-Munion +++
US-Anwältin Karen Parker: Langzeitwirkung der Waffe macht sie zum
Massenvernichtungsmittel +++ Internationale Konferenz in Hamburg
präsentiert erschreckende Zahlen und will sich für die
internationale Ächtung von uranhaltiger Munition einsetzen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#031018_a
Uranmunition: Irakische Wissenschaftlerin
befürchtet »verheerende« Auswirkungen
Di.11.11.03 - Die irakische Wissenschaftlerin Dr. Souad Naji Al-Azzawi
befürchtet »verheerende« Auswirkungen infolge des Einsatzes
von Uranmunition. Im Gegensatz zum Golfkrieg 1991 habe die US-Armee abgereichertes Uran
(Depleted Uranium – DU) im Frühjahr nicht nur auf
militärisches Gerät außerhalb der Städte
verschossen, sondern auch in dichtbevölkerten Wohngebieten
eingesetzt, selbst in Bagdad. Im Verlauf der Irak-Invasion soll die
US-Armee in diesem Jahr drei- bis sechsmal soviel Uranmunition
verschossen haben wie vor zwölf Jahren, Schätzungen zufolge
landesweit bis zu 2000 Tonnen. Al-Azzawi zufolge kämen die
massiven Konsequenzen erst in drei bis vier Jahren zum Tragen.
Es ist ein Massensterben auf Raten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311110.htm#031111_a
http://www.jungewelt.de/2003/12-17/001.php
DU-Munition
Fr. 02.02.01 - Der ehemalige Leiter des Planungsstabes auf der Bonner
Hardthöhe, Hans Rühle, gibt zu, Anfang der 80er Jahre alles getan zu haben,
um Meldungen über in Deutschland stationierte US-Uran-Panzer zu unterdrücken +++
Schon in den 70er Jahren gab es in Deutschland Tests mit Uran-Munition +++ Das ARD-Fernsehmagazins "Monitor"
berichtete am 16. Januar 2001, dass die während des Krieges gegen Jugoslawien von
NATO- Kampfjets benutzten Geschosse geringe Mengen hochgiftigen Plutoniums enthalten +++
Die Britische Armee hat offenbar schon vor fast vier Jahren auf Gesundheitsrisiken durch uranhaltige
Munition hingewiesen +++ Im Golfkrieg I eingesetzte Uranmunition führt weltweit
zu einer Zunahme von Krebs und Mißbildungen.. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0102020.htm#0102020
US-General: Bis Sommer 21 Wiederaufbauteams in Afghanistan
Ergebnisse der Afghanistan-Konferenz beschäftigen Sicherheitsrat
Sa.03.04.04 - Die US-geführten Streitkräfte sowie die NATO-Schutztruppen
ISAF werden die Zahl ihrer Regionalen Wiederaufbauteams für
Afghanistan (PRT) bis zum Sommer von bislang 13 auf insgesamt 21
aufstocken. Wie der Kommandeur des US-geführten Einsatzes
"Enduring Freedom", General David Barno, am Freitag in Berlin
mitteilte, werden seine Koalitionstruppen bis Mitte des Sommers drei
und die NATO fünf weitere PRTs stellen. Für "Enduring
Freedom" sind zurzeit zwölf der Teams in den Regionen im Einsatz;
Deutschland leitet im nordafghanischen Kundus das bisher einzige
Wiederaufbauteam der ISAF.
Die Ergebnisse der Internationalen Afghanistan-Konferenz von Berlin
beschäftigten den Weltsicherheitsrat. Das Gremium, dessen Vorsitz
Deutschland für den Monat April übernahm, befasst sich mit
dem Thema voraussichtlich am Dienstag kommender Woche, wie aus
Regierungskreisen bekannt wurde. Im Februar vergangenen Jahres hatte
Deutschland schon einmal den Vorsitz inne. Damals war der bevorstehende
Irak-Krieg zentrales Thema.
Auf der Afghanistan-Konferenz am Mittwoch und Donnerstag in Berlin mit
mehr als 700 Delegierten aus 56 Ländern waren Finanzzusagen von
8,2 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des
kriegszerstörten Landes und für den Kampf gegen Terrorismus
und Drogenanbau zusammen gekommen. Die Staatengemeinschaft gab den Land
am Hindukusch Sicherheitsgarantien, damit auch die auf September
verschobenen ersten freien Wahlen ohne größere
Störungen vorgenommen werden können.
Deutschland übernahm die Präsidentschaft des 15-köpfigen
UN-Sicherheitsrates, der in New York tagt, von Frankreich. Im Mai wird
die Staffel an Pakistan weiter gereicht. Die Reihenfolge richtet sich
alphabetisch nach den Landesnamen in englischer Sprache. Diese
ändert sich im jährlichen Rhythmus, weil jeweils die
Hälfte der zehn nicht-ständigen Mitglieder durch neu
gewählte Mitglieder ersetzt wird. Nicht-ständige Mitglieder
werden jeweils für zwei Jahre in das Gremium gewählt.
Die ständigen Mitglieder sind USA, Russland, China,
Großbritannien und Frankreich. Die geplante UN-Reform könnte
eine Erweiterung des Sicherheitsrats ergeben. Für den Fall hat
Bundeskanzler wiederholt die Forderung nach einem ständigen Sitz
für Deutschland erhoben.
(Quellen: ap)
Der Aufbau in Afghanistan kommt nicht voran...
sagt Katja Maurer. Die Afghanistankonferenz gilt als Erfolg - zu
Unrecht. Denn die Macht der Kriegsökonomie ist ungebrochen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/03/a0187.nf/text
Katja Maurer wohnt in Frankfurt und ist dort Pressesprecherin der
Hilfsorganisation medico international. Medico arbeitet seit langem mit
afghanischen Minenräumorganisationen in der "Kampagne gegen
Landminen" zusammen.
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Neues El-Kaida-Strategiepapier mit Rangliste von Zielen
Sa.03.04.04 - In einem neuen Strategiepapier kündigt El Kaida nach Informationen
des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) Terroranschläge in
westlichen Ländern an und stellt zudem eine Rangliste
möglicher Ziele auf. Die rund 50-seitige Erklärung kursiere
zurzeit im Internet auf einschlägigen Dschihad-Seiten und werde
von deutschen und auch amerikanischen Sicherheitsbehörden als
authentisch eingestuft, berichtete das ZDF am Freitag. Unterzeichner
sei Abdulasis el Mukrin, der neue El-Kaida-Anführer im arabischen
Raum.
Eine Sprecherin des Bundesnachrichtendienstes in Pullach sagte am
Freitag, sie könne die Existenz des Papiers nicht bestätigen,
weil man davon «gerade selbst erst durch Anfragen der
Journalisten erfahren habe».
Das Terrornetzwerk fordert laut dem ZDF-Bericht seine Anhänger
auf, unter «Vernachlässigung aller geographischen
Grenzen» die Länder der «Gotteslästerer in
Kriegszonen zu verwandeln». Unter der Überschrift
«Ziele in Städten» werden an erster Position Juden
genannt, gefolgt von Christen. Unter dieser Kategorie listet das Papier
an oberster Stelle Amerikaner, dann Briten, Spanier, Australier,
Kanadier, Italiener und weitere Nationalitäten auf.
In der Drohung nimmt der Autor laut ZDF Bezug auf die
Terroranschläge von Madrid und fordert ähnliche Attacken
gegen wirtschaftliche Ziele im Westen. «Als Ergebnis der
gesegneten Schläge von Madrid hat die gesamte europäische
Wirtschaft gelitten. Das war ein Doppelschlag gegen die Wirtschaft und
die Regierungen der Kreuzfahrer, Juden und Gottlosen.» Als
weitere Ziele werden in dem Papier laut ZDF auch
«Geschäftsleute, Diplomaten, Politiker, Intellektuelle,
Wissenschaftler, Rabbiner, Missionare und Touristen» genannt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Vier Palästinenser und ein Siedler getötet. Schwere
Ausschreitungen am Jerusalemer Tempelberg. Israelische Armee dringt mit
mindestens hundert Panzern nach Nablus ein. US-Regierung warnt Israel vor
Tötung Arafats
Sa.03.04.04 - Bei mehreren Zwischenfällen im Westjordanland und im Gazastreifen
sind vier Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen
worden. Wie Radio Israel berichtete, wurde ein Palästinenser
getötet, als er sich dem Grenzzaun im nördlichen Gazastreifen
näherte. In der Nähe der Grenze zwischen dem Gazastreifen und
Ägypten wurde ein 19 Jahre alter Palästinenser bei einem
Feuergefecht getötet.
Beim Angriff eines bewaffneten Palästinensers auf eine
jüdische Siedlung im Westjordanland sind in der Nacht zum Samstag
zwei Menschen getötet worden. Wie ein israelischer
Militärsprecher mitteilte, erschossen israelische Soldaten den
Palästinenser, nachdem er in die Siedlung nahe Tulkarem
eingedrungen und einen Siedler getötet hatte. Nach dem
Überfall rückte die israelische Armee in Tulkarem sowie in
die umliegenden palästinensischen Flüchtlingslager ein.
Israels Armee ist am Freitagabend mit mindestens 100 Panzern und
gepanzerten Fahrzeugen in Nablus im Westjordanland eingerückt.
Nach palästinensischen Angaben waren Schüsse und Explosionen
in der Stadt zu hören. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre
Häuser zu verlassen. Zunächst lagen keine Angaben über
mögliche Opfer vor. Ziel der Militäroperation sei die Suche
nach militanten Palästinensern.
Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen israelischen Polizisten und
Palästinensern auf dem Jerusalemer Tempelberg sind am Freitag
mehrere Menschen verletzt worden. Polizisten stürmten den Platz
vor der El-Aksa-Moschee, nachdem hunderte palästinensische
Jugendliche von dort aus jüdische Pilger an der Klagemauer mit
Steinen beworfen hatten. Ministerpräsident Ariel Scharon hatte
zuvor mit der Tötung von Palästinenserpräsident Jassir
Arafat gedroht. Die USA warnten Israel vor einer Tötung oder
Ausweisung Arafats.
Korrespondenten berichteten von heftigen Szenen auf dem Tempelberg, der
für Juden und Moslems gleichermaßen zu den heiligsten
Stätten zählt. Polizisten und Soldaten riegelten die
Eingänge der El-Aksa-Moschee ab und schossen durch die Fenster
weiter mit Tränengas und Schockgranaten auf die verschanzten
Palästinenser.
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat warnte vor
einer "gefährlichen Eskalation". Es war der zweite Freitag - der
traditionelle Feiertag der Moslems - seit der gezielten Tötung des
Gründers der radikalen Hamas-Bewegung, Scheich Achmed Jassin. Im
Gegensatz zur vergangenen Woche hatte die Palästinenserverwaltung
dieses Mal darauf verzichtet, aus Angst vor Ausschreitungen nur
ältere Pilger zum Freitagsgebet in die Moschee zu lassen.
In einem Interview mit der Zeitung "Haaretz" sagte Scharon, weder der
Führer der libanesischen Hisbollahmiliz, Hassan Nasrallah, noch
Arafat sollten sich sicher fühlen: "Jeder, der Juden tötet
oder Israelis verletzt oder Leute aussendet, um Juden zu töten,
trägt eine Markierung, Punktum", drohte Scharon.
"Unsere Meinung zu diesen Fragen - Exil oder Tötung von Jassir
Arafat - ist bekannt", sagte US-Vizeaußenminister Richard
Armitage in Washington. "Wir sind dagegen und wir haben das der
israelischen Regierung sehr deutlich gesagt."
Als Vergeltung für die gezielte Tötung von Jassin drohte ein
militanter Aktivist der Palästinenserorganisation mit einem
Angriff auf das israelische Parlament. Während einer Kundgebung in
Dschabalija im Gazastreifen schwor der Vermummte vor tausenden
Demonstranten, die Knesset in Brand zu setzen. Er sprach im Namen der
Essedin-el-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas.
(Quellen: afp, dpa)
Hungerhilfe für Angola wird halbiert
Sa.03.04.04 - Wegen fehlender Mittel sieht sich das Welternährungsprogramm (WFP)
der Vereinten Nationen gezwungen, seine Hungerhilfe für Angola zu
halbieren. Ohne neue Zuwendungen der UN-Mitglieder könne im Juni
und Juli kein Mais mehr an die Bedürftigen in dem
südwestafrikanischen Land verteilt werden, teilte WFP-Sprecher
Richard Lee am Freitag in Johannesburg mit. Auf die Hilfen der
Organisation sind zurzeit 1,9 Millionen Angolaner angewiesen.
Auch das Programm zur Ernährung von Schulkindern muss den Angaben
zufolge zusammengestrichen werden. Künftig können nur noch
45.000 statt 200.000 Kinder wie bisher versorgt werden.
Für das am Donnerstag begonnene Finanzjahr seines Angola-Programms
hat das WFP bislang nur 24 Prozent der für erforderlich gehaltenen
Mittel von 143 Millionen Dollar erhalten.
(Quelle: ap)
Derzeit habe die US-Armee Ausgaben von rund 3,7 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro)
monatlich in Irak sowie weiteren 800 bis 900 Millionen Dollar in
Afghanistan, sagte General Peter Schoomaker am Dienstag (10.02.04 Ortszeit) vor
dem Streitkräfte-Ausschuss des Senats in Washington... (Quelle: afp)
Sicherheitsrat soll über Rolle der UN im Kosovo neu beraten
Serbiens Regierung kündigt Kosovo-Vorschlag an. Bosnischer
Priester und Sohn nach SFOR-Einsatz zur Ergreifung des bosnischen
Serbenführers Radovan Karadzic im Koma
Sa.03.04.04 - Nach den jüngsten Unruhen im Kosovo hat der amtierende
Präsident des Weltsicherheitsrats, der deutsche Diplomat Gunter
Pleuger, eine Prüfung des internationalen Engagements in der
serbischen Provinz gefordert. Die Unruhen hätten gezeigt, dass das
Kosovo nicht wie von den UN angestrebt zur multiethnischen,
demokratischen Gesellschaft geworden sei, sagte Pleuger am Freitag in
New York. Dies bedeute, dass sich die internationale Gemeinschaft
darauf vorbereiten müsse, lange Zeit im Kosovo zu bleiben.
Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, ob dieses
Engagement allein von den UN und der NATO geleistet werden könne
oder ob sich beispielsweise die EU intensiver einschalten solle. Der
Sicherheitsrat werde sich am 13. April mit dem Kosovo befassen,
erklärte Pleuger.
Nach Ansicht von Bischof Artemije, dem obersten Geistlichen der
serbisch-orthodoxen Kirche im Kosovo, zeigt die jüngste Gewalt,
dass die internationale Politik in der Provinz völlig versagt
habe. Entweder die Zahl der internationalen Soldaten müsse
erhöht werden, oder das Mandat der UN-Mission müsse
möglicherweise neu interpretiert werden. Der Bischof sprach von
einem Pogrom albanischer Terroristen gegen die serbische
Bevölkerung. «Das war eine gewaltsame ethnische
Säuberung», die gut vorbereitet gewesen sei, sagte er.
Internationale Beobachter machten albanische Extremisten für die
Ausschreitungen verantwortlich, die Mitte März 28 Menschen das
Leben kosteten. Die albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo
strebt die Unabhängigkeit von Serbien an, nach dem Willen der
Serben soll die Provinz dagegen Teil von Serbien-Montenegro bleiben.
Die Provinz steht seit 1999 unter UN-Verwaltung, die Zahl der Soldaten
der Friedenstruppe KFOR wurde seit den Unruhen von 18.000 auf 21.000
erhöht. Über den endgültigen Status des Kosovos haben
die Vereinten Nationen noch nicht entschieden.
Derweil will die serbische Regierung in Kürze Vorschläge zur
Verbesserung der Lage der serbischen Minderheit im Kosovo unterbreiten.
Das kündigte Ministerpräsident Vojislav Kostunica am Freitag
nach einer Unterredung mit dem UN-Verwalter für das Kosovo, Harri
Holkeri, in Belgrad an. In einer knappen Erklärung des Büros
von Kostunica hieß es, die Regierung werde eine
«demokratische Lösung» vorschlagen, die die
europäischen Normen und Menschenrechtsstandards respektiere.
Bei dem fehlgeschlagenen Einsatz NATO-geführter Truppen zur
Ergreifung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan
Karadzic sind ein orthodoxer Priester und sein Sohn derart schwer
verletzt worden, dass sie ins Koma fielen. Die beiden Verletzten
würden künstlich beatmet und hätten ihr Bewusstsein noch
nicht wiedererlangt, sagte ein behandelnder Arzt im Krankenhaus von
Tuzla am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Der Priester und sein Sohn
seien am Donnerstag schwer verletzt eingeliefert worden, nachdem die
SFOR-Soldaten ihr Haus auf der Suche nach Karadzic gestürmt
hatten. Sie hätten Kopfverletzungen erlitten, als die Soldaten die
Tür zu ihrem Haus in Pale aufsprengten.
(Quellen: ap, afp)
Mehr Berichte zum Kosovo-Konflikt unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0404010.htm#04040106
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0404010.htm#040401_c
Verheerende Zustände in rumänischen Kinderheimen
- Rumänien gehört zu den Beitrittskandidaten der EU
Sa.03.04.04 - Behinderte Kinder in verdreckten Betten, chronisch überfüllte
Gefängniszellen und geistig Kranke in Käfigen: Der Europarat
hat verheerende und menschenunwürdige Zustände in
rumänischen Kinderheimen, psychiatrischen Krankenhäusern und
Haftanstalten angeprangert.
Bei mehreren Inspektionsreisen zwischen Oktober 2001 und Februar 2002
hätten Mitarbeiter des Anti-Folter-Komitees zahlreiche
Missstände festgestellt, teilte der Staatenbund in Straßburg
mit. Die Berichte konnten erst jetzt veröffentlicht werden - nach
Zustimmung der Regierung in Bukarest.
Besonders grauenvolle Zustände fanden die Experten in dem Heim
Negru-Voda nahe der bulgarischen Grenze vor. Dort waren rund 90 geistig
und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche in kalten und
bestialisch stinkenden Räumen untergebracht. Einige hätten
auf Matratzen voller Kot und Urin gelegen, ihre Körper seien von
Fliegen bedeckt gewesen; wegen mangelnder Hygiene hätten sie
Hautkrankheiten wie Krätze gehabt, heißt es in einem der
Berichte.
Den Angaben zufolge waren die sanitären Anlagen verdreckt und
funktionierten teilweise nicht. Die Bewohner wurden demnach sehr
schlecht und unzureichend ernährt, viele der Kinder hatten
Mangelerscheinungen. Außerdem wurden ihnen kaum Aktivitäten
angeboten, manche kamen praktisch nie ins Freie. Auch die
ärztliche Betreuung sei völlig unzureichend gewesen.
Im psychiatrischen Krankenhaus von Voila in den südlichen Karpaten
waren Patienten in Eisenkäfigen eingesperrt, manchmal noch
zusätzlich angeschnallt. Manche von ihnen mussten tagelang in
solchen Käfigen ausharren, vor den Augen anderer Patienten. In den
Gefängnissen verhindere vor allem eine chronische
Überbelegung einen annehmbaren Strafvollzug, kritisierten die
Delegierten des Europarats. Sie fanden in einem Gefängnis in einem
55 Quadratmeter großen Schlafsaal 60 Häftlinge vor, in einem
anderen waren 18 Insassen auf 20 Quadratmetern zusammengepfercht.
Dem Europarat zufolge hat Bukarest unterdessen einige Verbesserungen
gemeldet. Am Montag sollte ein Mitglied der Parlamentarischen
Versammlung des Staatenbundes für drei Tage nach Rumänien
fahren, um die Entwicklung zu begutachten. Rumänien gehört zu
den Beitrittskandidaten der EU.
(Quelle: afp)
Türkei und Ukraine vereinbaren Zusammenarbeit für EU-Beitritt
Sa.03.04.04 - Die Türkei und die Ukraine wollen sich in ihren Bemühungen um
einen EU-Beitritt gegenseitig unterstützen. Einen entsprechenden
Aktionsplan unterzeichneten am Freitag in Kiew die Regierungschefs
beider Staaten, Recep Tayyip Erdogan und Viktor Janukowitsch.
Die EU hat im vergangenen Jahr einen möglichen Beitritt der
Ukraine in Aussicht gestellt, dafür aber kein konkretes Datum. Die
Türkei wartet auf den Beginn der Beitrittsverhandlungen. Beide
Staaten werden von der EU zu weiteren politischen und wirtschaftlichen
Reformen gedrängt.
Erdogan und Janukowitsch vereinbarten auch, beim Wiederaufbau Iraks
zusammenzuarbeiten. «Wir hoffen, dass wir gemeinsame Projekte in
Irak starten können», sagte Erdogan. Die Ukraine war zwar
gegen den Irak-Krieg, hat aber Soldaten dort stationiert. Die
Türkei ist militärisch nicht in Irak präsent.
Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma sagte, der Besuch
Erdogans stärke Frieden, Sicherheit und Stabilität in der
Schwarzmeerregion. Am Samstag wollte Erdogan auf der Halbinsel Krim mit
Vertretern der muslimischen Tartaren zusammenkommen.
(Quelle: ap)
Russischer Bildungsminister: Religionsunterricht soll Pflicht werden
Sa.03.04.04 - Der neue russische Bildungsminister Andrej Fursenko hat sich am Freitag
dafür ausgesprochen, Religionsunterricht zum Pflichtfach an
russischen Schulen zu machen. Es gehe jedoch nicht darum, nur das
Christentum zu behandeln, sagte der Minister nach Angaben des
Internetportals
http://www.religio.ru/. Vielmehr solle an russischen Schulen die
Geschichte aller Religionen gelehrt werden. Die Bedeutung, die die
orthodoxe Kirche in der Geschichte Russlands gespielt habe, solle sich
jedoch im Lehrplan niederschlagen, forderte Fursenko.
Die russisch-orthodoxe Kirche fordert seit Jahren die Einführung
eines Schulfaches "Grundlagen der orthodoxen Kultur". In mehreren
russischen Teilgebieten steht das Fach im Rahmen von Experimenten
bereits auf dem Stundenplan. Orthodoxe Kreise wehren sich jedoch
dagegen, im Religionsunterricht anderen Konfessionen einen
ähnlichen Stellenwert einzuräumen wie der Orthodoxie. Dies
wäre nach Ansicht der Kirche allenfalls in den mehrheitlich
muslimischen oder buddhistischen Teilen Russlands gerechtfertigt.
(Quelle: epd)
Kritik von Glaubensgenossen am Zentralrat der Muslime
Wegen seiner entschiedenen Verurteilung des Terrorismus gerät der
Zentralrat der Muslime in Deutschland verstärkt unter Druck von
islamischen Gläubigen
Sa.03.04.04 - «Uns erreichen zunehmend Anrufe und E-Mails, in denen wir
beschimpft und bedroht werden», sagte der Vorsitzende des
Zentralrats, Nadeem Elyas, der Stuttgarter Zeitung«
(Samstagausgabe). Er fügte hinzu: »Ich muss zugeben, dass
die Absender zum Teil auch Glaubensgenossen sind. Ihnen passt es nicht,
dass wir den Terror so deutlich verurteilen.«
Der von manchem Deutschen erhobene Vorwurf, dass sich islamische
Institutionen nicht deutlich genug vom Terrorismus distanzierten, sei
vor diesem Hintergrund besonders ungerecht, sagte Elyas. »Solche
Vorwürfe und Anschuldigungen ständig zu wiederholen, ist
beleidigend für alle Muslime«. Der Zentralrat habe in mehr
als 30 Erklärungen die Gewalttaten verurteilt. »Die Moscheen
waren nie Ausgangspunkt für Terrorismus", betonte Elyas. Zugleich
forderte der Zentralratsvorsitzende die Prediger in den Moscheen zur
erhöhten Wachsamkeit gegenüber Terrorverdächtigen auf.
Mögliche Hinweise auf Gewalttaten sollten den Sicherheitsorganen
gemeldet werden.
(Quelle: ddp)
Das letzte Wort in Sachen Kopftuch ist wohl noch nicht gesprochen
Regelungen in einzelnen Bundesländern nehmen konkrete Form an -
Juristen bezweifeln Verfassungsmäßigkeit
Sa.03.04.04 - Ein halbes Jahr nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nehmen
Kopftuch-Verbote in immer mehr Ländern konkrete Form an. In
Baden-Württemberg sollen muslimische Lehrkräfte schon ab
Mitte April die Kopfbedeckung nicht mehr während des Unterrichts
tragen dürfen. Ein entsprechendes Gesetz beschloss der Landtag am
Donnerstag. Und auch in Hessen, Bayern, Niedersachsen und Berlin sind
Gesetzentwürfe bereits auf dem Weg. Dass sie lange Bestand haben
werden, bezweifeln Verfassungsrechtler allerdings.
Die Regelungen in den einzelnen Ländern sind denkbar
unterschiedlich: Während Rheinland-Pfalz das Tragen eines
Kopftuches nicht als Hinderungsgrund für eine Einstellung sieht,
soll in Baden-Württemberg das Tragen von Kopftüchern
verboten, christliche Symbole wie die Tracht der Nonnen an den Schulen
aber weiterhin erlaubt sein.
Der Berliner Senat legte einen Gesetzentwurf vor, der alle Religionen
gleich behandeln will. Der Gesetzentwurf, der für alle Beamte und
Angestellte in Bereichen gelten soll, in denen der Bürger
staatlichem Einfluss ausgesetzt ist, «macht hier keinen
Unterschied zwischen Kopftuch, Kreuz oder anderen
Religionssymbolen», heißt es in einer gemeinsamen
Erklärung von SPD und PDS.
Demnach könnten schon bald nicht nur bei Beschäftigten an
öffentlichen Schulen, sondern auch bei Polizei, im Gerichtswesen,
der Rechtspflege oder im Justizvollzug der Hauptstadt Kreuze oder
auffallende religiöse oder weltanschaulich geprägte
Kleidungsstücke verboten sein - allerdings mit Ausnahmen.
Hessen wiederum will als erstes Bundesland ein Kopftuchverbot für
alle Beamten durchsetzen, das den Staatsdienern verbietet,
«Kleidungsstücke, Symbole oder andere Merkmale» zu
tragen, die das Vertrauen in die Neutralität ihrer
Amtsführung beeinträchtigen könnten. Unauffällige
religiöse Symbole wie Anhänger in Form von Kreuz oder
Halbmond bleiben von der Regelung, die frühestens Mitte Juni
verabschiedet werden soll, jedoch ausdrücklich ausgenommen.
Auch in Lehrerinnen in Bayern soll das Tragen der muslimischen
Kopfbedeckung verboten werden, das von jüdischen Kippas und
christlichen Hauben jedoch erlaubt bleiben. Ob das Gesetz noch vor der
Sommerpause in Kraft tritt, ist nach den Worten eines Landtagssprechers
jedoch fraglich.
In Niedersachsen ist nur noch eine abgeschwächte Verbots-Regelung
geplant und auch im Saarland haben sich Regierung und Opposition
bereits auf Grundzüge einer Regelung geeinigt. In Hamburg,
Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und
Schleswig-Holstein gibt es derzeit dagegen keine konkreten Pläne.
Und auch in Nordrhein-Westfalen und in Bremen ist die
Entscheidungsfindung noch in Gang.
Verfassungsrechtler, Grünen-Politiker und Bürgerrechtler
geben Gesetzen wie in Baden-Württemberg allerdings wenig Zukunft.
«Die Regelung ist ganz klar verfassungswidrig», sagt der
Geschäftsführer der Bürgerrechtsorganisation
Humanistische Union, Nils Leopold. Sie widerspreche dem
Gleichbehandlungsgrundsatz der Religionen und sei diskriminierend, da
sie eine ganze Gruppe ausnahmslos «stigmatisiere und ihr
vorwirft, gegen den Staat zu sein».
Auch der Verfassungsrechtler Matthias Jestaedt aus Erlangen ist
überzeugt: «Das letzte Wort in Sachen Kopftuch ist noch
nicht gesprochen.» Das Kopftuch «prinzipiell zum
Fetisch» zu machen, sei verfassungsrechtlich nicht haltbar. Zwar
seien abstrakte Verbote prinzipiell möglich, wenn der Gesetzgeber
eine generelle Gefährdung sehe, betont der Jurist. «Es
müssen aber Ausnahmeregelungen möglich sein.»
Probleme sieht Jestaedt auch bei der Gleichbehandlung, wenn wie in
Baden-Württemberg Kopftücher verboten, die Tracht der Nonnen
an den Schulen aber weiterhin erlaubt sein soll. Zwar genieße das
Christentum als prägende Kultur ein gewisses Privileg, betonte er.
Auch eine Nonnentracht sei jedoch ein religiöses Symbol.
Nach den Worten Jestaedts kann eine neue Etappe im Kopftuch-Streit
schon im Juni beginnen. Dann beschäftigt sich das
Bundesverwaltungsgericht nämlich erneut mit dem Fall der Lehrerin
Fereshta Ludin, die die Klage in Karlsruhe in eingereicht hatte.
«Die Sache wird schnell wieder vors Verfassungsgericht
kommen», ist Jestaedt überzeugt. «Eine endgültige
Regelung vor Ende 2005 würde ich nicht ansetzen.»
(Quelle: ap)
Mehr zur Kopftuch-Debatte unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0404020.htm#04040211
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403200.htm#04032011
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403020.htm#04030218
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403020.htm#040302_p
DGB-Chef fordert Rücknahme von Teilen der Agenda 2010 - Chef der
Wirtschaftsweisen ermahnt Gewerkschaften
Sa.03.04.04 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) die Rücknahme wesentlicher Teile seiner Agenda
2010. Die Gewerkschaften würden ihren Druck solange fortsetzen,
bis die Zumutbarkeitsregeln für Langzeitsarbeitslose dahingehend
geändert seien, «dass nicht mehr jeder legale Job bis zur
Grenze sittenwidriger Verträge angenommen werden muss»,
sagte Sommer der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe).
Außerdem müsse sichergestellt sein, dass das neue
Arbeitslosengeld II nicht zu einer Massenverarmung führe. Bleibe
es bei der von der Bundesregierung geplanten Regelung, würden 70
Prozent der derzeitigen Arbeitlosenhilfebezieher in Westdeutschland vom
kommenden Jahr an deutlich weniger oder gar kein Geld mehr erhalten. In
Ostdeutschland seien es sogar 80 Prozent.
Sommer warnte Kanzler Schröder, die letzten Regionalwahlen
müssten ihm ein abschreckendes Beispiel sein. In Deutschland
müsse Rot-Grün schon jetzt bei jeder Landtagswahl für
den Kurs der Bundesebene büßen. «Wir wollen eine
andere, sozial gerechtere Politik», verlangte der DGB-Chef. So
dürfe das Rentenniveau in Deutschland nicht weiter in Richtung
Sozialhilfeniveau abgesenkt werden. Außerdem müssten Schulen
und Hochschulen mehr Geld vom Staat bekommen. Notwendig sei aber vor
allem eine aktivere Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Wiegard, hat die
Gewerkschaften derweil aufgefordert, ihren Widerstand gegen die Agenda
2010 aufzugeben. Wer die Reformen verhindern wolle, müsse auch die
Verantwortung für noch höhere Arbeitslosigkeit und noch
längere wirtschaftliche Stagnation übernehmen, sagte Wiegard
der Chemnitzer «Freien Presse» (Samstagausgabe).
Die Vorwürfe der Gewerkschaften, das Reformkonzept bedeute
Sozialabbau oder würde die Wirtschaft kaputt sparen, dienten
höchstens der Mobilisierung der Mitgliedschaft, seien aber
ökonomisch antiquiert und falsch, fügte der Chef der
fünf so genannten Wirtschaftsweisen hinzu. Man müsse klar
sagen, dass der Weg zur Vollbeschäftigung und mehr Wachstum
Abstriche am Wohlfahrtsstaat erfordere. Wer nicht bereit sei, dies in
Kauf zu nehmen, müsse weiterhin mit hoher Arbeitslosigkeit leben,
zitierte die «Freie Presse» Wiegard.
(Quellen: ap, ddp)
"Das Sozialsystem ist so nicht mehr zu finanzieren, die Globalisierung
sitzt uns im Nacken." Gebetsmühlenartig wiederholen die
Verteidiger des Schröderschen Sparkurses diese Argumente. Bei
näherer Betrachtung aber entpuppen sich diese Thesen als ziemlich
windige Luftnummern
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/03/a0161.nf/text
|
Zwei Drittel der Wähler halten Reformen für falsch
Sa.03.04.04 - Inzwischen halten fast zwei Drittel der Wähler die Reformpolitik
der Bundesregierung für falsch. 64 Prozent sind laut
ZDF-Politbarometer gegen den laufenden Umbau der Sozialsysteme und des
Arbeitsmarkts, im Februar waren dies nur 55 und im März 58
Prozent. Wie die am Freitag veröffentlichte Befragung von 1.315
Wähler weiter ergab, halten nur noch 30 Prozent die
Änderungen für richtig. Laut Politbarometer bleibt die SPD im
Tief, während der ARD-Deutschlandtrend Zuwächse für die
Partei verzeichnet.
Laut den Politbarometer-Ergebnissen der Mannheimer Forschungsgruppe
Wahlen erhielte die Union 48 Prozent, die SPD 29 Prozent und die
Grünen 10 Prozent. FDP und PDS kämen auf 5 beziehungsweise 4
Prozent, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre.
Nach der Umfrage räumen jedoch 95 Prozent ein, dass die
Sozialsysteme zumindest größere Probleme haben oder sogar
vor dem Kollaps stehen. Allerdings sind 66 Prozent der Meinung, dass
mit den deshalb in Angriff genommenen Reformen die Rentner stärker
belastet werden als andere. Nur 5 Prozent sagten, die Rentner
kämen besser weg, 26 Prozent sehen die Belastung als gleich an.
Noch wesentlich schärfer sehen die Rentner selbst ihre
Belastungen: 81 Prozent der Ruheständler empfinden sie als
stärker als bei den anderen Bevölkerungsgruppen, nur 1
Prozent geringer und 16 Prozent gleich.
Einen positiven Effekt der Wahl Franz Münteferings zum neuen
SPD-Parteichef hat es laut Umfrage es bislang nicht gegeben. Dass die
SPD in wichtigen politischen Fragen eher zerstritten ist, sagte fast
eine Dreiviertelmehrheit der Befragten: 74 Prozent antworteten auf eine
entsprechende Frage mit Ja, nur 21 Prozent mit Nein. Vor einem Jahr
hatte das Verhältnis mit 72 zu 20 noch etwas niedriger gelegen.
Und vor der Bundestagswahl 2002 waren nur 31 Prozent der Meinung, die
SPD sei zerstritten, während dies 60 Prozent verneint hatten.
Die aktuell diskutierte Verlängerung der Arbeitszeit finden nur 38
Prozent aller Befragten gut, 59 Prozent sind dagegen. Unterschiedlich
ist die Beurteilung unter dem Aspekt der Parteipräferenz:
Anhänger von Rot-Grün sprechen sich zu einem Drittel für
längere Wochenarbeitszeiten aus, bei den Unionsanhängern sind
es hingegen 50 Prozent und bei denen der FDP 59 Prozent.
Im Deutschlandtrend der ARD kommt die SPD besser weg. Wie das Erste am
Freitag mitteilte, legten den Sozialdemokraten seit dem
Führungswechsel drei Prozentpunkte zu und würden auf 27
Prozent kommen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Nach der vom
Institut Infratest dimap vorgenommenen Befragung von 1.200 Bürgern
verlor die CDU/CSU drei Prozentpunkte und käme auf 46 Prozent. Die
FDP legte einen Punkt auf sieben Prozent zu, während die
Grünen weiterhin bei elf Prozent lägen und die PDS mit 5
Prozent wieder in den Bundestags einziehen würde.
Angesichts der Terroranschläge von Madrid sind laut Politbarometer
55 Prozent der Deutschen dafür, Ausländer bereits dann
abzuschieben, wenn nur der Verdacht einer Verbindung zu Terrorgruppen
besteht. Für 42 Prozent sollte aber einer Abschiebung von
Ausländern der Nachweis terroristischer Verbindungen vorausgehen.
45 Prozent der Deutschen vertreten die Ansicht, dass vom Islam eine
Gefahr für die Demokratie ausgeht, das sind neun Prozent mehr als
nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
(Quelle: ap)
Europaweiter Protest gegen Sozialabbau
Sa.03.04.04 - Zu einem europaweiten Aktionstag gegen Sozialabbau haben
Gewerkschaften, Sozialverbände und Attac für den heutigen
Samstag aufgerufen. Die Organisatoren erwarten hunderttausende
Teilnehmer zu den Demonstrationen in Berlin, Köln und Stuttgart.
In der Hauptstadt spricht am Mittag DGB-Chef Michael Sommer auf einer
Großkundgebung am Brandenburger Tor.
«Deutschland steht vor der Zerreißprobe: Arbeitnehmerrechte
kommen unter die Räder, die Tarifautonomie wird zum Spielball,
Reformen im Sozialsystem gehen auf Kosten der sozial Schwachen»,
heißt es in dem Aufruf zur Berliner Demonstration.
Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth erklärte, die
rot-grüne Koalition sehe keine Alternative zu dem Kurs, der mit
der Reformagenda 2010 eingeschlagen worden sei.
Neben den Aktionen in Deutschland finden Kundgebungen und
Protestmärsche unter anderem auch in Rom, Paris, Brüssel,
Bratislava und Lubljana statt.
(Quelle: ap)
Attac Demoseite:
http://www.attac.de/demo3.4/
Labournet Demoseite:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/europaimapril.html
Bündnis gegen Sozialabbau
http://www.buendnis-gegen-sozialabbau.de/
Wenn ... Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), Bayerns
Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und große Unternehmen
wie Siemens gemeinsam dafür sorgen, dass die Arbeitszeit
flächendeckend erhöht wird, handelt es sich um
wirtschaftlichen Irrsinn. Die Arbeitslosigkeit wird dadurch steigen und
nicht abnehmen
Deshalb wird das Thema heute noch mehr Leute zu den Demonstrationen
gegen die rot-grüne Stagnationspolitik treiben. Verlängerung
der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich gehört in dieselbe Schublade
wie Steuersenkung für Spitzengehälter, Teilprivatisierung der
Kranken- und Rentenversicherung und öffentliche Sparpolitik
à la Maastricht. "Unsozial, ungerecht!", heißt es zu Recht
auf großen Transparenten. An anderen Tagen hätte Ver.di-Chef
Frank Bsirske sich vielleicht nicht hinreißen lassen, wegen der
Arbeitszeit einen "Konflikt in bisher nicht bekanntem Ausmaß"
anzudrohen. Warten wir ab, ob er Recht behält. Klar aber ist: Die
deutsche Politik verliert zunehmend die Orientierung.
Wie heißt das große Ziel? Die Zahl der Jobs zu
erhöhen, damit nicht auf Dauer zehn Prozent der Erwerbswilligen
ausgeschlossen bleiben. Was passiert tatsächlich? Das Rentenalter
wird hinaufgesetzt und die Wochenarbeitszeit verlängert.
Diejenigen, die einen Job haben, produzieren mehr - und verringern
damit die Chance von Arbeitslosen, eingestellt zu werden...
Aus der "tageszeitung" vom 03.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/03/a0067.nf/text
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Gewerkschaften drohen mit Streiks gegen längere Arbeitszeit
Sa.03.04.04 - Die Gewerkschaften wollen sich mit ganzer Kraft gegen längere
Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst wehren und drohen mit Streiks
schon im kommenden Monat. Bundeskanzler Gerhard Schröder
bekräftigte seine Ablehnung einer pauschalen Verlängerung der
Arbeitszeit und rief die Tarifparteien erneut zu mehr Flexibilität
auf.
Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske,
kündigte am Freitag nach Beratungen der Tarifkommission von Verdi
an, die Gewerkschaft werde ab Mai möglicherweise zu Urabstimmungen
über Streiks aufrufen. Der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL)
setzte Bsirske eine Frist, die gekündigten Arbeitszeitbestimmungen
bis Ende April wieder in Kraft zu setzen. Auch DGB-Chef Michael Sommer
kritisierte das Vorgehen der Arbeitgeber: "Jetzt wird der Bogen
wirklich überspannt."
Die TdL hatte den Arbeitszeit-Tarifvertrag für Angestellte und
Arbeiter im öffentlichen Dienst im Westen gekündigt, um deren
Wochenarbeitszeiten an die 40 bis 42 Stunden von Beamten anzugleichen.
Bundeskanzler Schröder (SPD) sagte dem WDR: "Bei der Arbeitszeit
rate ich dringend dazu, sich nicht auf Daten zu fixieren: 42 die einen,
35 die anderen. Was wir brauchen ist doch was ganz Anderes. Wir
brauchen Flexibilität in einem bestimmten Korridor für die
Unternehmen."
SPD-Fraktions- und Parteichef Franz Müntefering sagte bei einer
Gewerkschaftsveranstaltung in Berlin: "Die, die das (längere
Arbeitszeit) wollen, die wollen eigentlich eine Reduzierung der
Stundenlöhne." Wer das wolle, müsse sehen, ob er das mit den
Gewerkschaften aushandeln könne.
Die Arbeitszeiten der Beamten liegen in den meisten Ländern
zwischen 40 und 42 Stunden, während für den öffentlichen
Dienst im Westen derzeit die 38,5-Stunden-Woche gilt. Bayern will noch
2004 die 42-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst einführen
und erwartet eine Signalwirkung für die Wirtschaft.
"Ich glaube, dass sich die Auseinandersetzung noch zuspitzen wird",
sagte Bsirske. Verdi werde die Verhandlungen über die
Neugestaltung des Tarifrechts für gescheitert erklären, wenn
die TdL die gekündigten Bestimmungen nicht bis 30. April wieder in
einem Tarifvertrag in Kraft setze. Dann könne Verdi von Mai an zu
Urabstimmungen über Streiks aufrufen. Mit dem Bund und den
Kommunen will Verdi aber weiter verhandeln.
Bayerns Bundesratsminister Erwin Huber (CSU) bekräftigte die
Vorreiterrolle der öffentlichen Dienstes: "Wir sehen darin auch
eine Leitfunktion des öffentlichen Dienstes für eine
generelle Erhöhung der Arbeitszeit in Deutschland." Der Standort
werde nur attraktiver, wenn die Arbeitskosten sänken. Die
Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn sei ein wichtiger
Beitrag dazu. Ähnlich äußerte sich
Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU). Der
Unions-Finanzexperte Friedrich Merz sagte, längere Arbeitszeiten
seien ein wichtiges Instrument, um die Wirtschafts- und
Beschäftigungskrise zu überwinden,
DGB-Chef Sommer sagte mit Blick auf die für den heutigen Samstag
geplanten Proteste gegen Sozialabbau: "Wir werden morgen richtig Druck
machen, nicht nur in Sachen Arbeitszeitverlängerung." Die
Gewerkschaften stünden geschlossen hinter Verdi, sagte der Chef
des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). "Denn wir wissen, im dem
Moment, wo es gelingen sollte, im öffentlichen Dienst 42 Stunden
ohne Lohnausgleich einzuführen oder auch nur eine
Arbeitsverlängerung zu machen, schlägt das durch auf die
ganze Wirtschaft."
(Quelle: rtr)
Bürger sollen freien Zugang zu Informationen bekommen
Journalistenverbände stellen Entwurf eines
Informationsfreiheitsgesetzes vor - Informationspflicht
staatlicher Stellen soll zur Regel werden
Sa.03.04.04 - Journalisten- und Bürgerrechtsorganisationen dringen auf freien
Zugang zu staatlichen Informationen. Am Freitag legten sie
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse einen entsprechenden
Gesetzentwurf vor. Damit wollen sie nach eigener Auskunft den
Fraktionen des Bundestages Dampf machen, die seit sechs Jahren einen
eigenen Entwurf verschleppten. Ein Informationsgesetz sei
«Sauerstoff für die Demokratie», sagte Thomas Leif vom
netzwerk recherche. Damit sei der Bürger nicht länger
Bittsteller.
Thierse habe die Initiative positiv aufgenommen, berichtete Leif. Zu
den Initiatoren des Gesetzes gehören neben dem netzwerk recherche
der Deutsche Journalistenverband, die Deutsche Journalistinnen- und
Journalisten-Union, die Humanistische Union und Transparency
International.
Grünen-Chefin Angelika Beer erklärte: «Die
Informationsfreiheit ... wird noch in dieser Legislaturperiode
Gesetz.» Den gemeinsamen Entwurf würden die
Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen noch vor der Sommerpause
vorlegen. Die Initiative der Organisationen begrüßte sie als
guten Vorschlag, «um der Geheimniskrämerei in deutschen
Amtsstuben ein Ende zu bereiten». Er habe aber den Haken, dass er
wegen der Mehrheit der Opposition im Bundesrat zum Scheitern verurteilt
sei. Rot-Grün werde das Gesetz so konzipieren, dass es nicht von
der Zustimmung der Unionsländer abhängig sei.
Der Entwurf der Initiative sieht eine Informationspflicht staatlicher
Stellen vor. Der Nachweis eines Interesses oder eine sonstige
Begründung für den Anspruch auf Informationen sei damit nicht
mehr erforderlich. Vielmehr müssten staatliche Stellen
begründen, warum sie den Zugang zu Dokumenten verweigern.
«Das Amtsgeheimnis kann nur die Ausnahme sein», sagte
DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Er zeigte sich auch sicher, dass
ein Informationsgesetz dazu beitrage, «Politikverdrossenheit
abzubauen». Alle Organisationen zeigten sich zuversichtlich, dass
mit dem Gesetz Korruption eingedämmt und die Kosten der
Bürokratie gesenkt werden könnten. Leif berichtete aus
Nordrhein-Westfalen, wo es bereits seit zwei Jahren ein
Informationsfreiheitsgesetz gibt, dass Bürger vor allem
Informationen aus ihrem direkten Lebensumfeld nachfragten, etwa
über Bauanträge, zu Industrievorhaben oder zum Umweltschutz.
«Die Leute gehen sehr besonnen mit dem Recht um», sagte
Leif.
(Quelle: ap)
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