Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zweites irakisches Ministerium in die Selbstständigkeit entlassen.
Angriffe auf US-Truppen und die mit ihnen zusammenarbeitende irakische
Polizei gehen weiter. Zwei Tote bei Demonstration für
Schiitenführer Sadr in Bagdad. US-Experten halten
Falludscha-Exzess für geplant. Die Bilder der verstümmelten Leichen
von US-Bürgern im Irak könnten Experten zufolge die Unterstützung
in der amerikanischen Bevölkerung für den Irak-Krieg schwächen und
damit auch die Wahl-Chancen von US-Präsident Bush
So.04.04.04 - Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat der Chef der
US-Zivilverwaltung in Irak, Paul Bremer, am Samstag ein irakisches
Ministerium in die Selbstständigkeit entlassen. Bei der
feierlichen Schlüsselübergabe an Erziehungsminister Alaa
Abdessahab el Alwan knapp ein Jahr nach dem Sturz des früheren
Machthabers Saddam Hussein betonte Bremer, im neuen Irak dürften
Bildung und Erziehung "nie mehr so leiden wie unter der Tyrannei Saddam
Husseins". Alwan versprach, Lehre und Ausbildung mindestens auf das
Niveau von 1980 zurückzubringen, als die Schulen und
Universitäten des Landes zu den besten im Nahen Osten zählten.
Die Angriffe auf die US-Truppen in Irak und die mit ihnen
zusammenarbeitende irakische Polizei halten derweil an. Der Polizeichef
der südlich von Bagdad gelegenen irakischen Stadt Mahmudija fiel
am Samstag einem Anschlag zum Opfer. ein Fahrer wurde bei dem Angriff
ebenfalls erschossen. Erst tags zuvor war der Polizeichef der
südirakischen Stadt Kufa getötet worden. Bei einem weiteren
Angriff auf eine Polizeipatrouille kamen am Samstag ein Beamter und ein
Passant ums Leben, drei Polizisten wurden verletzt.
Seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein fielen mehr als 350
irakische Polizisten Anschlägen zum Opfer. Ihre Zahl liegt damit
höher als die der von Aufständischen getöteten
US-Soldaten, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Bilanz
hervorgeht. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden seit
dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai vor einem Jahr
297 US-Soldaten bei Anschlägen getötet. 109
Militärangehörige kamen demnach während der offiziellen
Kampfhandlungen vom 20. März bis zum 1. Mai ums Leben. Insgesamt
starben seit dem US-Einmarsch bis Freitag 601 Soldaten in Irak, 190
davon allerdings an «nicht-feindlichen Ursachen», zum
Beispiel bei Unfällen.
Auch am Samstag wurde ein US-Konvoi Ziel eines Angriffs. Bei dem
Bombenanschlag in Chaldis 70 Kilometer nordöstlich von Bagdad
wurde ein irakischer Zivilist verletzt. Ein weiterer Anschlag kostete
zwei Zivilisten das Leben: Im Westen Bagdads schlug eine Rakete in ein
Wohnhaus ein.
Am Samstag wurden auch in zwei irakischen Schulen Bomben entdeckt.
Amerikanische und irakische Sicherheitskräfte in der Stadt Ramadi
konnten eine der Bomben entschärfen, die zweite wurde kontrolliert
zur Explosion gebracht.
Zum Schutz ihrer Soldaten will die US-Marineinfanterie im sunnitischen
Dreieck um Falludscha und Ramadi künftig keine Einzelheiten zu
tödlichen Anschlägen mehr bekannt geben. Üblicherweise
teilt die US-Armee den Anschlagsort und die Art eines Angriffs mit.
Spanische Soldaten nahmen in Nadschaf einen hochrangigen Mitarbeiter
des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada el Sadr fest.
Gründe für die Festnahme von Mustafa el Jakubi wurden nach
Angaben eines seiner Mitarbeiter nicht genannt. El Sadr ist ein
entschiedener Kritiker der US-Besatzungstruppen ist.
Bei einer Kundgebung von Anhängern Sadrs in Bagdad sind am
Samstagabend zwei Demonstranten getötet worden. Nach Angaben der
Polizei warfen sie sich im Zentrum der irakischen Hauptstadt vor
US-Panzer, die nicht mehr ausweichen konnten. Die Demonstration
richtete sich gegen die Festnahme des Sadr-Mitarbeiters sowie gegen die
Schließung von Sadrs Zeitung durch die US-geführte
Besatzungsmacht wegen Aufstachelung zur Gewalt.
Der Überfall und die Tötung und Verstümmelung von vier
US-Bürgern im irakischen Falludscha war nach Einschätzung
amerikanischer Antiterror- Experten vermutlich geplant und keine
Zufallstat.
Das US-Präsidialamt erklärte, die Täter im Irak
würden unnachsichtig verfolgt. Einzelheiten wurden dazu nicht
genannt.
"Die Leute, die das getan haben, - das waren nicht drei Jungen...bei
einem besonderen Abenteuer", erklärte Cofer Black,
Antiterror-Experte im US-Außenministerium bei einer Anhörung
in einem Kongress-Ausschuss zu dem Vorfall am Donnerstag. Fernsehbilder
von den Exzessen hatten weit über die USA hinaus Entsetzen und
Empörung ausgelöst.
Ein anderer US-Experte bekräftigte, vermutlich seien die
überfallenen Fahrzeuge auf ihrer Fahrt von den Tätern
beobachtet worden. Es könne sein, dass die Angreifer von
Hintermännern über Telefon auf die Autos aufmerksam gemacht
worden seien. "Es scheint definitiv so zu sein, dass der Überfall
gelenkt worden ist", erklärte der Experte, dessen Name ungenannt
blieb.
Nach dem Überfall waren in Falludscha Flugblätter
aufgetaucht, auf denen eine "Gruppe des Scheichs Ahmed Jassin" sich zu
der Tat bekannte. In Washington hieß es, man habe von dieser
Organisation im Irak noch niemals gehört. Scheich Jassin,
Mitbegründer und Mentor der Israel-feindlichen militanten
Palästinenser-Organisation Hamas, die sich zu zahlreichen
Selbstmordanschlägen bekannt hat, war kürzlich von Israel in
einer gezielten Militäraktion getötet worden.
Die Bilder der verstümmelten Leichen von US-Bürgern im Irak
könnten Experten zufolge die Unterstützung in der
amerikanischen Bevölkerung für den Irak-Krieg schwächen
und damit auch die Chancen von US-Präsident George W. Bush auf
eine Wiederwahl schmälern. "Diese Bilder sprechen Bände",
sagte der Meinungsforscher John Zogby. "Das ist genau das, was die
Regierung Bush nicht haben wollte. Amerikaner werden hier als reale
Opfer gezeigt, nicht nur als Statistiken."
Am Mittwoch hatten jubelnde Iraker in Falludscha die Leichen von vier
Zivilisten verbrannt und verstümmelt. Die US-Regierung hat dazu
erklärt, sie werde sich nicht einschüchtern lassen. Der
Sprecher im Präsidialamt, Scott McClellan, bekräftigte dies
am Donnerstag. "Ich will sagen, ich bin zuversichtlich, dass diese
Individuen wegen ihrer entsetzlichen und verachtenswerten Tat der
Justiz zugeführt werden." McClellan bezeichnete die Täter als
"Halunken". Der Irak-Krieg ist einer der wichtigsten Themen im
US-Präsidialwahlkampf.
(Quelle: afp, ap, rtr)
Die US-Firma Blackwater kauft Söldner und Hilfskräfte
weltweit auch zum Einsatz im Irak ein. Am Mittwoch wurden in
Falludscha vier ihrer Söldner getötet
Die wieder einmal besonders medienwirksamen Bilder lösten weltweit
Entsetzen aus: In Falludscha im Irak wurden vier zivile Amerikaner in
zwei Geländewagen beschossen, angezündet und bis zur
Unkenntlichkeit verbrannt. Danach zerstückelte die Menge unter
Gejohle von Kindern und Jugendlichen die verkohlten Leichen, hing Teile
an Stromleitungen und Brücken auf und schleifte andere an einem
Eselskarren in die Stadt. Die Ermordeten waren Angestellte der US-Firma
Blackwater Security Consulting. Was machten sie im Irak?
Mehr bei telepolis vom 03.04.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/17116/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Mehr in "Chronologie des Irak-Kriegs":
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Sechzehnter Kriegstag in Irak
Fr.04.04.03 - Bagdad wieder Ziel massiver Luftangriffe +++ US-Truppen melden
Einnahme von Bagdads Flughafen +++ Heftige Straßenkämpfe in Kut +++
Amnesty verurteilt Einsatz von Streubomben durch britisches Militär - Britische und US-Streitkräfte
geben zu, Streubomben im Irak eingesetzt zu haben +++ US-Senat billigt Kriegshaushalt von fast
80 Milliarden Dollar +++ Zusagen für Irak-Nothilfe weit unter Erwartungen der UN +++
Frankreichs Premier kritisiert Irak-Krieg als 'schweren politischen Fehler' -
Es habe eine Alternative zum Krieg gegeben +++ Spanische Künstlerinitiative 'Kultur gegen den Krieg'
verklagt Aznar wegen dessen Mitverantwortung für den Irak-Krieg +++ Powell sieht wichtige Rolle für
NATO im Nachkriegs-Irak +++ Wenn im Irak der letzte Schuss gefallen ist, beginnt für die
Handelsvertreter der Rüstungskonzerne die Hochsaison +++ Verfassungsrechtler fordert Stopp
von Rüstungsexport in die USA +++ Transatlantischer Streit um UN-Rolle in Irak +++
Literaturkritiker Karasek: Kanzler Schröder ist mit seinem Friedenskurs der UN in den Rücken gefallen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304040.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Bush und Blair angeblich kurz nach 11. September über Irak-Krieg einig
So.04.04.04 - US-Präsident George W. Bush soll einem Pressebericht zufolge
bereits wenige Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den
britischen Premierminister Tony Blair um Unterstützung für
einen Krieg gegen Irak gebeten haben. Bei einem privaten Essen im
Weißen Haus neun Tage nach den verheerenden Anschlägen habe
Bush einen entsprechenden Vorstoß gemacht, berichtete die
britische Zeitung "The Observer" unter Berufung auf den damaligen
britischen Botschafter in Washington, Christopher Meyer, der bei dem
Essen dabei gewesen sei.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israelische Armee zerstört palästinensische Häuser im
Gazastreifen - Mehr als 25 Palästinenser in Nablus
festgenommen. Arafat zeigt sich von Scharons Drohungen unbeeindruckt.
Palästinensische Befreiungsfront wählt Nachfolger für Abul Abbas
So.04.04.04 - Die israelische Armee hat am Samstag bei einem Einsatz in Rafah im
südlichen Gazastreifen zwei palästinensische Häuser
zerstört. Die Armee sprengte ein zweistöckiges Gebäude
im Salam-Viertel, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP
berichtete. Durch die Wucht der Detonation stürzte ein weiteres,
dreistöckiges Haus ein. Drei Gebäude wurden beschädigt.
Nach der Zerstörung der Häuser zog sich die Armee aus Rafah
zurück. Sie hatte den Einsatz in der Nacht zum Freitag begonnen.
Das israelische Militär dringt auf der Suche nach
palästinensischen Extremisten immer wieder nach Rafah und in das
benachbarte Flüchtlingslager ein, zuletzt am vergangenen Dienstag.
Bei einer Großrazzia in Nablus im Westjordanland hat die
israelische Armee am Samstag nach eigenen Angaben 26
Palästinenser festgenommen. Bei den meisten Festgenommenen handele
es sich um Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Organisation,
teilte ein Militärsprecher mit. Auf palästinensischer Seite
war von 30 Festnahmen die Rede. Die Armee war in der Nacht mit Panzern
und gepanzerten Fahrzeugen in Nablus eingerückt und hatte eine
Ausgangssperre verhängt.
Bei einem Überfall auf eine jüdische Siedlung tötete ein
Palästinenser am Samstag einen Israeli.
Nach Angaben der israelischen Streitkräfte brach der bewaffnete
Angreifer in ein Wohnhaus der Siedlung Avnei Hefez im Westjordanland ein
und eröffnete das Feuer. Dabei wurde die zwölfjährige
Tochter des Hauses verletzt. Als ihr Vater dem Einbrecher mit einer
Pistole entgegentrat, wurde er erschossen. Soldaten suchten die
Siedlung nach dem Palästinenser ab und töteten ihn, wie die
Streitkräfte weiter mitteilten. Zu dem Anschlag bekannte sich nach
Informationen eines libanesischen Fernsehsenders die
Untergrundorganisation Hamas.
Jüdische Siedlungen werden häufig am Sabbath angegriffen,
weil dann die meisten Bewohner zu Hause sind. Nach israelischen Angaben
sind seit Beginn der zweiten Intifada im September 2000 an
verschiedenen Feiertagen 25 Siedlungen angegriffen worden. Dabei seien
41 Israelis getötet worden.
Der palästinensische Präsident Jassir Arafat hat sich von den
jüngsten Todesdrohungen der israelischen Regierung unbeeindruckt
gezeigt. «Um mich mache ich mir keine Sorgen», sagte Arafat
am Samstag Journalisten vor seinem Amtssitz in Ramallah. «Ich
sorge mich nur um mein Volk, um unsere Schüler und Kinder.»
Die USA und Russland kritisierten die Drohungen des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon scharf.
Die US-Regierung warnte Israel vor einer gezielten Tötung oder
Deportation Arafats. «Wir lehnen dies ab und haben dies auch
gegenüber der israelischen Regierung sehr klar zum Ausdruck
gebracht», sagte der stellvertretende US-Außenminister
Richard Armitage am Freitag in Washington. Ein Sprecher des russischen
Außenministeriums erklärte, die Praxis der gezielten
Tötungen verletze das Völkerrecht und laufe den
Bemühungen zuwider, «den sinnlosen Zyklus der Gewalt zu
durchbrechen». Ähnlich äußerte sich die
jordanische Regierung.
Die Palästinensische Befreiungsfront (PLF) bestimmte unterdessen
einen Nachfolger für ihren in US-Haft verstorbenen Führer
Abul Abbas. Das Zentralkomitee habe Abbas' bisherigen Stellvertreter
Omar Schibli alias Abu Ahmed Halab an die Spitze gewählt, teilte
die Gruppe in einer schriftlichen Erklärung mit. Die PLF war 1985
für die Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffs
«Achille Lauro» verantwortlich. Abbas wurde vor einem Jahr
von amerikanischen Truppen in Irak festgenommen. Er starb am 10.
März in US-Gewahrsam.
(Quelle: ap, afp)
Albanische Führung ruft Kosovaren zur Versöhnung auf
So.04.04.04 - Drei Wochen nach den ethnischen Unruhen im Kosovo hat die albanische
Führung der Provinz die Bevölkerung zur Versöhnung
aufgerufen. «Wir alle müssen verstehen, dass Gewalt dem
Kosovo nicht weiterhilft», schrieben Präsident Ibrahim
Rugova, Ministerpräsident Bajram Rexhapi und zehn weitere
Politiker in einem offenen Brief, der am Samstag in mehreren
albanischen Zeitungen erschien. In den meisten serbischen Medien
tauchte das Schreiben allerdings nicht auf. Unter den Unruhen hatte vor
allem die serbische Minderheit zu leiden.
Nach einer Straßenschlacht in der Stadt Mitrovica am 17.
März war es in der gesamten Provinz zu schweren Ausschreitungen
gegen Serben gekommen, 28 Menschen wurden getötet, mehrere hundert
verletzt. Rund 4.000 Personen - die meisten von ihnen Serben - wurden
aus ihren Häusern vertrieben.
Aus den Unruhen sei niemand als Sieger hervorgegangen, heißt es
in dem Schreiben der albanischen Führung. «Niemand hat
gewonnen. Kosovo wurde beschädigt.» Die Politiker rufen dazu
auf, ein neues Kosovo aufzubauen, «in das alle Kosovaren gerne
zurückkehren und in dem alle gerne leben würden».
Der Führer der serbischen Minderheit erklärte, man könne
die Initiative erst nach ihren Ergebnissen beurteilen. Es liege an den
albanischen Politikern, «ihre Extremisten zu entmutigen»,
sagte Oliver Ivanovic. In der serbischen Hauptstadt Belgrad stieß
der Brief auf scharfe Kritik. Er sei «ein heuchlerischer Betrug
von denen, die ethnische Säuberungen begangen haben und jetzt auf
Zeit spielen», sagte der für das Kosovo zuständige
serbische Regierungsvertreter Nebojsa Covic.
Das Kosovo ist eine serbische Provinz, wird seit den NATO-Luftangriffen
1999 aber von dem Militärbündnis und den Vereinten Nationen
verwaltet. Die albanische Bevölkerungsmehrheit strebt eine Unabhängigkeit
von Serbien an.
(Quelle: ap)
Mehr Berichte zum Kosovo-Konflikt unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404030.htm#04040306
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404010.htm#04040106
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404010.htm#040401_c
Meciar gewinnt erste Runde der Präsidentenwahl in der Slowakei
So.04.04.04 - Bei der Präsidentenwahl in der Slowakei haben die Kandidaten des
rechtsliberalen Regierungslagers eine schwere Niederlage erlitten. Mit
32,7 Prozent erhielt der frühere Ministerpräsident Vladimir
Meciar nach Angaben der Wahlkommission vom Sonntag die meisten Stimmen.
In der Stichwahl tritt Meciar gegen seinen früheren Weggenosse
Ivan Gasparovic an, der auf 22,3 Prozent kam. Der in den Umfragen
favorisierte Außenminister Eduard Kukan landete mit 22,1 Prozent
nur auf dem dritten Platz.
Gescheitert ist jedoch das von der Opposition und den Gewerkschaften
initiierte Referendum über eine vorzeitige Parlamentswahl noch in
diesem Jahr, weil die Beteiligung unter dem erforderlichen Quorum von
50 Prozent blieb. Mit 47 Prozent lag auch die Beteiligung an der
Präsidentenwahl nach einer Meldung der amtlichen
Nachrichtenagentur TASR weit unter den Erwartungen.
Unter Meciars Regierung der zentristischen Bewegung für eine
Demokratische Slowakei (HZDS) war die Slowakei lange Zeit international
isoliert. Der ehemalige Boxer löste das Land 1993 aus dem
gemeinsamen Staat mit der Tschechischen Republik und regierte bis 1998.
Seine Gegner warfen ihm einen autoritären Regierungsstil und
Korruption vor. Erst nach Ablösung der HTDS wurden die Reformen
eingeleitet, die der Slowakei in diesem Jahr den Beitritt zur NATO und
in die Europäische Union geebnet hat. 1999 kandidierte Meciar bei
der ersten Direktwahl für das auf repräsentative Aufgaben
beschränkte Präsidentenamt, unterlag aber dem bisherigen
Amtsinhaber Rudolf Schuster in der Stichwahl. Schuster erhielt als
parteiloser Politiker bei der Wahl am Samstag nur 7,4 Prozent und wurde
damit vierter der elf Kandidaten.
Der überraschend für die Stichwahl qualifizierte Gasparovic
gehörte bis 2002 Meciars Partei HZDS an und gründete danach
seine eigene Partei, Smets. Diese war die treibende Kraft hinter den
Bemühungen um eine vorgezogene Neuwahl des Parlaments. Die
Opposition beschuldigt die Regierung von Ministerpräsident Mikulas
Dzurinda und seiner Slowakischen Demokratischen und Christlichen Union
(SDKU), dass ihre Wirtschafts- und Steuerreformen sozial unausgewogen
seien.
(Quelle: ap)
Vier Tote bei Razzia gegen Terror-Verdächtige in Spanien
So.04.04.04 - Bei einer Razzia gegen mutmaßliche Terroristen in Madrid haben
sich drei Männer in die Luft gesprengt und einen Polizisten mit in
den Tod gerissen. 15 Polizisten wurden bei der Fahndungsaktion am
Samstagabend verletzt, wie Innenminister Angel Acebes mitteilte. Es
werde vermutet, dass die drei Getöteten an den
Bombenanschlägen vom 11. März beteiligt gewesen seien, sagte
Acebes.
Die Angehörigen der Sondereinheit umstellten am Samstag gegen
17.00 Uhr ein Haus im südlichen Vorort Leganes, um die
Terrorverdächtigen festzunehmen. Nachdem die Bewohner die
Polizeikräfte entdeckt hatten, schossen sie nach Angaben des
Innenministers aus einem Fenster und riefen den Beamten etwas auf
Arabisch zu. «Die Polizeikräfte der Sondereinheit bereiteten
die Stürmung des Gebäudes vor, und als sie mit der
Ausführung dieses Plans begannen, lösten die Terroristen ein
mächtige Explosion aus», sagte Acebes.
Bisher hat die spanische Polizei 15 Personen im Zusammenhang mit den
Anschlägen auf Madrider Pendlerzüge verhaftet, bei denen 191
Menschen getötet und mehr als 1.800 verletzt wurden. Sechs von
ihnen wurden inzwischen des Massenmordes beschuldigt. Elf der 15
Verhafteten sind Marokkaner; es wird vermutet, dass die Attentäter
Verbindungen zur Terrororganisation El Kaida hatten.
(Quelle: ap)
Eine halbe Million protestiert gegen Sozialabbau
Neben Gewerkschaftern beteiligten sich auch Mitglieder von
Sozialverbänden und kirchlichen Gruppen sowie das
globalisierungskritische Netzwerk Attac. Auf scharfe Kritik
stießen die Massenproteste bei Opposition und
Wirtschaftsexperten. Arbeitgeber bezeichnen Gewerkschaftsproteste als
'Geschrei'. Müntefering fordert Lösungsvorschläge von
den Gewerkschaften. Auch im Ausland gab es am Aktionstag
«Für Arbeit und soziale Gerechtigkeit in Europa»
Demonstrationen
So.04.04.04 - Rund eine halbe Million Menschen haben in Deutschland gegen Einschnitte
ins soziale Netz protestiert. In Berlin, Stuttgart und Köln
folgten am Samstag Hunderttausende dem Aufruf «Aufstehn, damit es
endlich besser wird!» von Gewerkschaften und
Sozialverbänden. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer warf auf der
zentralen Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor Regierung und
Arbeitgebern Sozialabbau vor und sagte ihnen den Kampf an.
Sommer erklärte, nach mit der Polizei abgestimmten Zahlen seien in
Berlin mehr als 250.000 Menschen in drei Sternmärschen durch die
Innenstadt gezogen. In Köln demonstrierten rund 100.000 und in
Stuttgart «weit über 120.000». Berichte über
Ausschreitungen lagen zunächst nicht vor.
Der DGB-Chef betonte: «Auf der Basis der Agenda 2010 gibt es
keinen Schulterschluss.» Wer Löhne senken, Arbeitszeiten
verlängern und Mitbestimmung beseitigen wolle, müsse seine
Lektion lernen. «Wer den Großkonflikt will, der kann ihn
haben!», rief Sommer unter donnerndem Beifall der Demonstranten.
«Es ist für mich nicht hinnehmbar, dass eine Regierung, die
mit dem Slogan angetreten ist, sie wolle vieles besser machen, nun
vieles noch viel schlechter macht», kritisierte der
DGB-Vorsitzende. Wer von den Unternehmern mit der Verlagerung seines
Betriebs ins Ausland drohe, stoße ebenfalls auf Widerstand.
Eigentum verpflichte.
In Stuttgart kritisierte ver.di-Chef Frank Bsirske, was Schröder
mit der Agenda 2010 mache, sei Politik gegen die Interessen der eigenen
Stammwählerschaft. «Die Agenda-Politik bietet nicht nur
keine Lösung für die aktuellen wirtschaftspolitischen und
sozialen Probleme. Sie ist selbst ein Teil des Problems.»
Schröder schlage auf, die CDU lege nach, und die
Unternehmerverbände erklärten, dass das alles noch nicht weit
genug gehe. «Geht es nach diesen Truppen, dann ist die Agenda
2010 nur die Ouvertüre, die Ouvertüre zu einer Symphonie mit
dem Namen Systemwechsel.»
In Köln erklärte IG-Metall-Chef Jürgen Peters:
«Wir haben die Nase voll von angeblichen Reformen, die wir
bezahlen und die den anderen nutzen.» Die Ergebnisse der
Reformpolitik seien weniger Arbeitslosengeld, Eintrittsgeld beim Arzt,
steigende Zuzahlung bei Medikamenten und Einschnitte bei der Rente. Mit
Pfiffen begrüßt wurde Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm.
Der CDU-Politiker sagte, der Neoliberalismus sei eine Epidemie:
«Dieser Tag muss eine Gegenimpfung sein.»
Die Arbeitgeber haben die Massendemonstrationen gegen einen Sozialabbau
scharf verturteilt. Mit «lauthalsem Protestgeschrei»
könne die schwere wirtschaftliche Krise nicht bewältigt
werden, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Samstag in
Berlin. Statt destruktiver Verweigerung sein ein konstruktives
Gestalten das Gebot der Stunde, damit die erforderliche Modernisierung
Deutschlands geschafft werden könne.
«Mit dem permanentem Nein-Sagen der Gewerkschaften wird die
ökonomische Wende in Deutschland nicht gelingen»,
unterstrich Hundt. Die Gewerkschaften stünden für ein
«Politikmodell aus dem letzten Jahrhundert». Sie setzten
auf mehr Staat und mehr Steuern, auf mehr Staatsausgaben und mehr
Bürokratie. Der Arbeitgeberpräsident fügte hinzu:
«Der Mitgliederschwund sollte den Gewerkschaften Hinweis genug
sein, dass ein Politikmodell der Verweigerung und Blockade keine Zukunft
hat.»
Unionsfraktionsvize Friedrich Merz (CDU) kritisierte, einige
Gewerkschaften träumten von den siebziger Jahren und
vergäßen die Zukunft. Der "Wirtschaftsweise" Wolfgang
Wiegard bezeichnete die Vorwürfe der Gewerkschaften ebenfalls als
ökonomisch antiquiert und falsch.
SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter wertete die Proteste als
"deutliches Zeichen dafür, dass sich Menschen in ganz Europa
über die Zukunft der Tarif- und Sozialsysteme Sorgen machen".
"Diese Sorgen nehmen wir sehr ernst." Mit Blick auf die
Reformvorschläge der Opposition fügte Benneter jedoch hinzu,
die Gewerkschaften müssten erkennen, "wo der wahre Gegner steht".
SPD-Parteichef Franz Müntefering forderte die Gewerkschaften zu
konstruktiven Vorschlägen auf. «Die Situation, in der wir in
Deutschland sind, erfordert eigentlich, dass auch die Gewerkschaften,
auch die Gewerkschaftsführer, sagen, wie sie die Probleme
lösen wollen», sagte Müntefering in der ZDF-Sendung
«halb 12».
Die Proteste gegen die Politik der Bundesregierung hätten die
Schwäche, dass sie nur zeigten, wogegen sie seien, nicht aber die
Lösung der Probleme: «Dagegensein ist relativ leicht. Jetzt
geht es darum, zu sagen, wie man es denn machen will.» Die
Gewerkschaften müssten nach vorne. «Nur zu verteidigen,
reicht nicht.»
Auch im Ausland gab es am europäischen Aktionstag gegen
Sozialabbau Demonstrationen.
In Frankreich und Italien folgten hunderttausende Menschen dem Aufruf
des Europäischen Gewerkschaftsbunds zum europaweiten
Aktionstag gegen den Sozialabbau. In Paris demonstrierten laut
Gewerkschaft bis zu 15.000 Menschen gegen Einschnitte in das
Sozialsystem. Sie forderten Premierminister Jean-Pierre Raffarin auf,
nach der Regierungsumbildung in dieser Woche seine Reformpolitik zu
ändern. Demonstrationen mit hunderten bis tausenden Teilnehmern
fanden auch in den meisten anderen größeren Städten des
Landes statt, darunter Marseille und Lyon.
In Rom lief nach Gewerkschaftsangaben eine weitere halbe Million
vorwiegend älterer Menschen gegen die geplante Rentenreform Sturm.
Laut dem Vorsitzenden des italienischen Gewerkschaftsbunds, Silvano
Miniati, müssen derzeit mehr als vier Millionen Rentner mit knapp
500 Euro im Monat auskommen. Am Freitag vor einer Woche hatte bereits
ein Generalstreik gegen die Rentenreform und die wirtschaftliche
Stagnation das Land lahmgelegt.
Weitere Kundgebungen und Aktionen waren in Rumänien, Slowenien,
Großbritannien, Österreich und der Slowakei geplant.
(Quellen: afp, ap)
Längere Arbeitszeit im Öffentlichen Dienst in
Nordrhein-Westfalen
So.04.04.04 - Nach Bayern will auch Nordrhein-Westfalen die Arbeitszeiten für
Arbeiter und Angestellte des Öffentlichen Dienstes deutlich
verlängern. «Ab Mai bekommen alle Arbeitnehmer, die wir neu
einstellen, Arbeitsverträge mit der 41-Stunden-Woche»,
kündigte Finanzminister Jochen Dieckmann (SPD) im
«Handelsblatt» (Montagausgabe) an. «Ich kann es nicht
hinnehmen, wenn für Arbeitnehmer und Beamte zum Teil in ein und
demselben Büro völlig unterschiedliche Arbeitszeiten
gelten», sagte Dieckmann.
Für Beamte hatte Nordrhein-Westfalen die Wochenarbeitszeit bereits
im Januar auf 41 Stunden abgehoben. Für Arbeitnehmer galt bisher
bundesweit die 38,5-Stunden-Woche. Ende März hatte die
Tarifvereinigung deutscher Länder (TdL) jedoch die
Arbeitszeitvereinbarungen mit der Gewerkschaft ver.di gekündigt.
Wegen der gesetzlichen Nachwirkung gekündigter Tarifverträge
können die Länder die Arbeitszeit vorerst jedoch nur bei
Abschluss neuer Arbeitsverträge verlängern.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte am Mittwoch
angekündigt, die Arbeitszeit für Arbeitnehmer des Freistaats
ebenso wie bei den Beamten auf 42 Stunden anzuheben.
(Quelle: ap)
Bayerische Finanzbeamte protestieren gegen 42-Stunden-Woche
Mit Dienst nach Vorschrift gedroht - Bayern-SPD offenbar uneins
über Arbeitszeitverlängerung
So.04.04.04 - Der Protest gegen die geplante Einführung der 42-Stunden-Woche im
öffentlichen Dienst hält an. Die bayerischen Finanzbeamten
drohen als Reaktion mit «Dienst nach Vorschrift» ab 1.
September. Man wende sich damit «ganz entschieden» gegen
die von der Staatsregierung beschlossene Arbeitszeitverlängerung,
teilte der Landesvorstand der Bayerischen Finanzgewerkschaft (bfg) am
Samstag in München mit. Unterdessen ist man sich in der
bayerischen SPD-Spitze offenbar uneins über die Bewertung der
42-Stunden-Woche.
Die Finanzbeamten befürchten, dass die
Arbeitszeitverlängerung Planstellen kosten wird. In den
Finanzämtern bestehe jedoch kein Personalüberhang, sondern es
fehle bereits jetzt Personal. Durch die 42-Stunden-Woche gingen weitere
rund 800 Stellen verloren, schätzt die Finanzgewerkschaft. Damit
werde die Leistungsfähigkeit der Finanzverwaltung nicht
länger aufrecht erhalten werden können, weil die
Beschäftigten nicht mehr in der Lage und auch nicht mehr bereit
seien, neben einer 42-Stunden-Woche freiwillige Überstunden zu
leisten oder Arbeit mit nach Hause zu nehmen.
Ausgerechnet Bayern, das im Vergleich zu den übrigen
Bundesländern als das Land mit der besten Haushaltslage dastehe,
verordne seinen Beamten die schärfsten Maßnahmen,
kritisierte die bfg. Mit der Arbeitszeitverlängerung für
Beamte liege nicht nur ein mehrfacher Wortbruch des
Ministerpräsidenten und des Finanzministers vor, sondern es werde
auch missachtet, dass die bayerischen Beamten bereits seit 1994 in der
Woche 40 Stunden arbeiteten und damit einen bundesweit einmaligen
Einspareffekt gebracht hätten. In den nächsten Wochen werde
man deshalb unter Einbeziehung der Mitglieder festlegen, wie der
«Dienst nach Vorschrift» im Detail ausgestaltet werden soll.
In der bayerischen SPD-Führung gibt es derweil offenbar
Differenzen, wie die Einführung der 42-Stunde-Woche für
Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst zu werten ist.
Landeschef Ludwig Stiegler sagte, dass er die
Arbeitszeitverlängerung «sehr zurückhaltend»
beurteile. In der Wirtschaft könne es eine generelle Rückkehr
zu längeren Arbeitszeiten nicht geben - allenfalls um Sanierungen
zu ermöglichen oder Abwanderung ins Ausland zu verhindern, betonte
er. Beim öffentlichen Dienst wäre es hingegen
«inkonsequent, hier scharfe Kritik zu äußern».
«Es gibt auch SPD-Länder, die so etwas tun. Der
öffentliche Bereich ist in seinen
Rationalisierungsmöglichkeiten anders zu beurteilen als die
Privatwirtschaft», sagte Stiegler.
Landtagsfraktionschef Franz Maget hatte in der vergangenen Woche
dagegen die Entscheidung der Staatsregierung für die
42-Stunden-Woche als «die dümmste von allen»
bezeichnet und Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) des
Wahlbetrugs bezichtigt.
(Quelle: ddp)
Siemens-Vorstandschef Pierer: Arbeitszeitverlängerung reicht nicht
So.04.04.04 - Die Reduzierung der Arbeitskosten allein reicht nach Ansicht von
Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer nicht zum Erhalt der
gefährdeten Arbeitsplätze in seinem Konzern. Im Münchner
Nachrichtenmagazin «Focus» sagte der Siemens-Chef:
«Wir würden uns und den Betroffenen etwas vormachen, wenn
wir sagen würden, all diese Arbeitsplätze ließen sich
durch niedrigere Kosten aufrechterhalten.»
Gleichwohl sprach er sich für längere Arbeitszeiten aus. Mit
Blick auf die in der vergangenen Woche mit der Belegschaft im
Siemens-Werk Bocholt ausgehandelte Rückkehr zur 40-Stunden-Woche
meinte von Pierer: «Die Beschäftigten arbeiten dort etwas
länger, behalten ihre Arbeitsplätze und Siemens spart etwa 25
Prozent der Arbeitskosten.»
Der Manager sagte, die Pläne des Konzerns, aus dem
Arbeitgeberverband Gesamtmetall auszutreten, seien im Moment «auf
Eis gelegt». Er kritisierte dennoch die Höhe und die
mangelnde Flexibilität des Tarifabschlusses von
Baden-Württemberg: «Ich halte es nicht für
zweckmäßig, die Verhandlungen in einer Region zum Abschluss
zu bringen, in der sehr viele erfolgreiche und gut verdienende Konzerne
zu Hause sind. Andere Betriebe in ganz Deutschland tun sich häufig
schwer mit den Ergebnissen, die dort beschlossen werden.»
(Quelle: ap)
Stoiber mahnt Wirtschaftsbosse - Schröder kritisiert
Stellenverlagerung
So.04.04.04 - Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber hat von der deutschen Wirtschaft
«mehr Verantwortungsgefühl für eine gemeinsame
Kraftanstrengung» eingefordert. In der «Welt am
Sonntag» beklagte der bayerische Ministerpräsident:
«Es kann keine breite Zustimmung von Arbeitnehmern oder den so
genannten kleinen Leuten geben, wenn sich die Eliten in diesem Land
daran nicht selbst beteiligen.»
Es könne nicht sein, «dass die Managerbezüge und
Abfindungen immer weiter steigen, gleichgültig ob das Unternehmen
Erfolg hat oder nicht». Die Bezüge der Manager in
Deutschland müssten sich daher an der wirtschaftlichen Entwicklung
orientieren.
Stoiber appellierte, «unsere Tugenden Fleiß,
Erfindungsgeist, Leistung und Einsatz wieder viel stärker
einzusetzen». Deshalb müsse der Staat seine Kräfte viel
stärker auf Bildung, Forschung und Entwicklung konzentrieren.
«Das Hochlohnland Deutschland muss immer um das besser sein, was
wir teurer sind, denn wir können niemals so billig sein, wie die
Billiglohnländer.»
Stoiber rief zum Kampf gegen die Abwanderung von Arbeitsplätzen
ins Ausland auf, «denn ein Industriestaat wie Deutschland muss
auch ein großer Industrie- und Produktionsstandort
bleiben». Er erwarte deshalb von der Wirtschaft, so Stoiber
weiter, «dass sie nicht einfach klein beigibt und dann
möglichst geräuschlos immer mehr Arbeitsplätze ins
Ausland verlagert».
Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Stellenverlagerungen ins
Ausland kritisiert.
Schröder sagte am Freitag dem WDR, es gebe Notwendigkeiten
für Unternehmen, einen Markt zu erobern. "Es gibt auch Menschen,
die es sich allzu leicht machen und dann zu Lasten des Landes, in dem
sie Wohlstand erworben haben, Arbeitsplätze verlagern, nur weil es
ein paar Groschen zu sparen gibt an den Arbeitskosten."
(Quellen: rtr, ap)
Gewerkschaften üben heftige Kritik an
Köhler - Stoiber lobt Köhler
als 'richtigen Mann zur rechten Zeit'
So.04.04.04 - Der Kandidat von Union und FDP für das Bundespräsidentenamt,
Horst Köhler, stößt auf heftige Kritik der
Gewerkschaften. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte am Samstag in
Köln: «Wir brauchen keinen Bundespräsidenten, der
einseitig Partei ergreift, lauthals eine Arbeitszeitverlängerung
begrüßt und nicht einmal an die denkt, die Arbeit
suchen». Köhler müsse sich entscheiden, ob er
«die Macht des Geldes» oder die Bürger
repräsentieren wolle. Dagegen lobte CSU-Chef Stoiber Köhler
als «richtigen Mann zur rechten Zeit».
Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte in Stuttgart, Köhler tue so, als
sei es Aufgabe des Bundespräsidenten, unter der Woche den
Pressesprecher der CDU-Bundesgeschäftsstelle zu geben, und am
Wochenende als Sprachrohr der Arbeitgeberverbände Stimmung gegen
die Arbeitnehmer zu machen. Peters und Bsirske äußerten sich
während der Kundgebungen zu Aktionstag gegen Sozialabbau. Bereits
am Freitag hatte DGB-Chef Michael Sommer ungewöhnlich heftige
Kritik an Köhler geübt und ihn «Kandidat der
Neoliberalen und Neokonservativen» genannt.
Köhler selbst stellte sich unterdessen in München den
Wahlmännern und Wahlfrauen der CSU vor. Stoiber äußerte
sich im Anschluss zufrieden über den Kandidaten: «Die CSU
ist zutiefst beeindruckt von seiner Natürlichkeit und
Ehrlichkeit», sagte er. Spekulationen über Unstimmigkeiten
nach Köhlers Lob für eine Kanzlerkandidatur von CDU-Chefin
Angela Merkel wies Stoiber zurück. Köhler sei in München
nicht in der Höhle des Löwen gelandet, sondern bei Freunden.
Die Partei werde ihn mit 100 Prozent ihrer Stimmen unterstützten,
betonte der CSU-Chef.
Köhler sagte, der Kanzlerkandidat werde von den Parteien
nominiert, nicht vom Bundespräsidenten und schon gar nicht vom
Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Der bisherige
IWF-Chef warb erneut für Reformen. Deutschland stehe vor
großen Problemen, die aber lösbar seien. Reformen seien
nötig, nicht um den Menschen etwas wegzunehmen, sondern um ihnen
eine Zukunft zu geben.
(Quelle: ap)
Bundestag hat Gesetz zur weiteren Ökostrom-Förderung
beschlossen
Strom aus Wind, Wasser und Sonne wird weiter gefördert und soll
bis zum Jahr 2020 ein Fünftel des Stromverbrauchs in Deutschland
abdecken. Windräder werden nach einem Beschluss des Bundestags
künftig vor allem an der Küste und auf hoher See gebaut.
Stärkere finanzielle Kürzung bei Förderung von Windenergie.
Ökostrom wird durch Umlage auf alle Verbraucher
finanziert
So.04.04.04 - Mit der Mehrheit von SPD und Grünen beschloss der Bundestag am
Freitag in Berlin eine Neufassung des so genannten
Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Die Regierungsfraktionen hatten
die Förderung von Ökostrom gegenüber den
ursprünglichen Plänen von Bundesumweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) noch einmal ausgedehnt. Abgeordnete von SPD und
Grünen wiesen in der Parlamentsdebatte darauf hin, dass mit dem
EEG mehr für den Klimaschutz getan werde als mit dem EU-weit
geplanten Abgasrechte-Handel. Die finanzielle Förderung von
Windenergie - dem wichtigsten Ökostrom-Träger - wird aber nun
insgesamt im Vergleich zum bisherigen EEG über die Jahre
stärker gekürzt. Die Union unterstützte die Hilfen
für Ökostrom und das EEG im Grundsatz, verlangte aber eine
Befristung des Gesetzes bis 2007.
Der wichtigste Ökostrom-Träger Wind wird jetzt vor allem auf
hoher See gefördert, wo man mit so genannten Off-Shore-Anlagen
Strom erzeugen will. "Mehr erneurbare Energien mit weniger Masten
erreichen", nannte Trittin dies im Bundestag. Eine Klausel im
EEG-Entwurf, wonach Wind-Anlagen mit schwacher Wirkung wie etwa an
manchen Standorten im Binnenland nicht mehr gefördert werden
sollten, wurde aber von den Fraktionen wieder gestrichen. "Das EEG
spart uns bereits heute jährlich 50 Millionen Tonnen an
Kohlendioxid-Emissionen ein", sagte Trittin, der überraschend in
die Bundestagsdebatte eingriff. Zuvor hatte es in Kreisen der
Regierungsfraktionen geheißen, der Minister sei unzufrieden mit
dem selbstständigen Handeln der Fraktionen. Nun dankte der
Minister SPD- und Grünen-Fraktion ausdrücklich für die
Änderungen an seinem Entwurf.
So wird Strom aus Biomasse erheblich stärker gefördert als
bislang vorgesehen. "Der Landwirt wird zum Energiewirt", sagte die
Grünen-Energieexpertin Michaele Hustedt. Energie aus der Biomasse,
also vor allem die Nutzung von Holz und Abfällen aus der
Landwirtschaft, hat im Vergleich zum Windstrom den Vorteil, dass sie
verlässlich zur Verfügung steht. Großflächige
Sonnenkollektoren sollen ferner dem neuen EEG zufolge jetzt auf
Brachflächen zum Einsatz kommen können.
Vor allem auf Drängen der SPD wurde dagegen die so genannte
Härtefallregelung auch auf den Schienenverkehr ausgedehnt. Damit
werden besonders energieintensive Betriebe weitgehend von der Umlage
für die Förderung des Ökostroms befreit.
Nach dem EEG wird Strom aus Wind, Wasser oder Sonne durch garantierte
Preise für die Einspeisung ins Netz gefördert, die deutlich
höher als bei herkömmlich erzeugtem Strom liegen. Der
Ökostrom-Anteil der Stromerzeugung soll so bis 2010 auf etwa 12,5
Prozent verdoppelt werden. Bis 2020 soll er dann 20 Prozent betragen.
Bezahlt werden die höheren Preise durch eine Umlage auf alle
Verbraucher. Nach Angaben von SPD und Grünen beträgt diese in
den nächsten Jahren etwa einen Euro pro Monat für einen
durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt.
Die Union bekannte sich zur Förderung von Ökostrom, verlangte
aber eine Befristung des Gesetzes bis 2007, um dann die
Klimaschutz-Instrumente noch einmal zu überprüfen. Horst
Seehofer (CSU) kritisierte, dass 40 Prozent der Stromkosten für
den Verbraucher durch in den vergangenen Jahren beschlossene Abgaben
von Rot-Grün zu Stande gekommen seien.
(Quelle: rtr)
SPD-Bundestagsabgeordnete wollen Atommülltransporte
aus Sachsen verhindern -
Atomgegner planen Castor-Blockade
Atommüll-Transporte aus Rossendorf könnten in acht Wochen
rollen - Experte erwartet mindestens neun Fahrten
So.04.04.04 - SPD-Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen wollen die geplanten
Transporte von Atommüll aus Sachsen quer durch Deutschland
verhindern. In Briefen haben 14 Abgeordnete Bundesumweltminister
Jürgen Trittin (Grüne) und den sächsischen
Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) gebeten, auf den
Transport der über 900 bestrahlten Brennelemente zu verzichten,
wie die «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe) schreibt.
«Wir appellieren an Sie, diese überflüssigen, teuren
und gefährlichen Transporte nicht zuzulassen», heißt
es in dem Schreiben an Milbradt, das der Zeitung vorliegt. Die
Brennelemente aus dem einstigen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf nahe
Dresden könnten am Standort zwischengelagert werden. Nach der
bisherigen Planung Sachsens sollten sie auf Lastwagen zur
Zwischenlagerung ins 600 Kilometer entfernte westfälische Ahaus
gebracht werden.
In den Briefen schätzen der Sprecher der
nordrhein-westfälischen Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter
Kemper, und seine Kollegen, dass ihrem Bundesland durch die
Castor-Transporte über 50 Millionen Euro Kosten entstehen
könnten. «Die bewährte bundesdeutsche Solidarität
erfordert, dass Sie dem Land NRW und seinen Bürgern diese
völlig unnötige Ausgabe ersparen», schreiben die
Abgeordneten an Milbradt. Außerdem müssten für den
Schutz von bis zu 18 Einzeltransporten «viele zehntausend
Einsatztage von Polizeibeamten» veranschlagt werden. «In
Rossendorf sind die baulichen Voraussetzungen für ein
Zwischenlager bereits gegeben», heißt es in dem Schreiben.
Atomkraftgegner haben derweil für die ab Ende Mai erwarteten
Atommüll-Transporte umfangreiche Protestaktionen angekündigt.
In einer gemeinsamen Erklärung vom Donnerstag kündigten die
Anti-Atom-Initiativen aus der Stadt Ahaus und dem Münsterland an,
die Transporte «undurchführbar» zu machen. Auch auf
Autobahnen werde es Blockaden geben, hieß es. Der
nordrhein-westfälischen Landesregierung warfen die Atomkraftgegner
«völliges Versagen» in Bezug auf die Castor-Transporte
vor.
Obwohl die rot-grüne Koalition in Düsseldorf öffentlich
gegen die Transporte protestierte und sie
«überflüssig» nannte, habe sie keinerlei Schritte
unternommen, um die Transportgenehmigung der Bundesanstalt für
Strahlenschutz zu verhindern, hieß es in der Erklärung
weiter. Stattdessen habe Innenminister Fritz Behrens intern
polizeilichen Schutz für die 18 Castor-Behälter zugesichert.
Damit habe die Landesregierung «ein Doppelspiel betrieben»
und die Menschen im Münsterland hinters Licht geführt,
erklärten die Atomgegner.
Die Atomkraftgegner forderten die Landesregierung auf, das
Atommüll-Lager in Ahaus für sicherheitstechnisch nicht mehr
vertretbar und weitere Einlagerungen von Atommüll dort für
politisch nicht durchsetzbar zu erklären. Es gebe keinerlei
öffentliches Interesse an den teuren und gefährlichen
Transporten und zudem sei die Lagerhalle in Ahaus nicht gegen
Flugzeugabstürze und terroristische Angriffe gesichert, hieß
es in der Mitteilung weiter.
Außerdem erklärten die Atomgegner, sie würden gegen
alle Atommülltransporte Widerstand leisten. Es werde sowohl
Mahnwachen als auch Demonstrationen und Blockaden auf dem Hin- wie auf
dem Rückweg der Transport-Fahrzeuge geben. Ziel sei, die
Transporte undurchführbar zu machen. Auch auf Autobahnen werde es
Blockaden und andere Aktionen geben. Auch mehrere Camps entlang der
Autobahnen seien gegen den «unsinnigen
Atommüll-Tourismus» denkbar, betonte ein Sprecher.
Die umstrittenen Atommüll-Transporte können
möglicherweise bereits in acht Wochen ins westfälische Ahaus
rollen. Ende Mai bis Anfang Juni nannte das sächsische
Innenministerium als ein «realistisches Zeitfenster». Nach
der Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) legt
nun das Transportunternehmen Nuclear Cargo + Service (NCS) mit einer
Fachkommission von Bund und Ländern die Termine fest. Aus Sicht
des Unternehmens werden mindestens neun Fahrten notwenig.
«Wir müssen ziemlich schnell in die Pötte
kommen», sagte der Sprecher des sächsischen
Innenministeriums, Andreas Schumann. Die konkreten Pläne
müssten mindestens acht Wochen vorher mit den beteiligten
Landesregierungen abgestimmt werden. Unklar sei noch, wie viele
Einzelfuhren für die insgesamt 18 Castor-Behälter mit 951
bestrahlten Brennelementen aus dem 1991 stillgelegten Forschungsreaktor
nach Nordrhein-Westfalen benötigt würden. «Wir gehen
weiter von einem Transport auf der Straße aus», fügte
Schumann hinzu.
Nach Einschätzung der NCS sind mindestens neun Transporte
notwendig. «Unter neun läuft nichts», sagte der
Strahlenschutzbeauftragte des Unternehmens, Michael Kübel. Grund
sei, dass die technische Ausrüstung zur sicheren Verankerung der
20 Tonnen schweren Behälter auf den Lkw nur zwei Mal vorhanden sei.
Aus Sicht der SPD im Düsseldorfer Landtag sind zur Sicherung jedes
Transports in Nordrhein-Westfalen rund 3000 Polizisten notwendig. Beim
bisher letzten Castor-Transport nach Ahaus Anfang 1998 waren 16 000
Polizisten aus dem Land im Einsatz.
(Quellen: ddp, ap)
Keine Strafen bei Verstoß gegen Gen-Kennzeichnung - Bundesrat
verzögerte entsprechendes Gesetz
So.04.04.04 - Wer gegen die ab Mitte des Monats geltende Kennzeichungspflicht von
Gen-Lebensmitteln verstößt, muss vorerst nicht mit Strafen
rechnen. Der von der Union dominierte Bundesrat verzögerte das
entsprechende Gesetz, indem er es in den Vermittlungsausschuss verwies.
Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) kritisierte
dies als "unverantwortliche Blockade zu Lasten des Verbraucherschutzes".
Zwar trete die EU-Vorgabe einer europaweiten Kennzeichnung von
gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln weiter zum 18.
April in Kraft. Die für die Durchsetzung notwendigen Geldstrafen
von bis zu 50.000 Euro könnten nun voraussichtlich aber erst Mitte
Juni eingeführt werden. Letztlich verhindern kann die
Länderkammer das Gesetz nicht.
Die in einem eigenen Entwurf zusammengefassten Regeln zur Haftung von
Gen-Landwirten, die nur mit Einverständnis der Länderkammer
Gesetz werden können, schickte die Bundesratsmehrheit versehen mit
einer rund hundert Punkte umfassenden Stellungnahme an den Bundestag
zurück. Der Gesetzesentwurf zur Neuordnung des Gentechnikrechtes
soll Bauern, die gentechnikfrei anbauen wollen, vor einer
Verunreinigung ihrer Felder schützen. Die Länderkammer
fordert nun unter anderem, die Haftung von Gen-Bauern auf Fälle zu
beschränken, in denen "gute fachliche Praxis" nicht eingehalten
wurde. Bisher ist eine weitgehend verschuldensunabhängige Haftung
vorgesehen.
Zudem fordert die Länderkammer einen Ausgleichsfonds für
Risiken, die aus ungewollten Verunreinigungen resultieren. Einzahlungen
sollen alle leisten, die einen Nutzen aus dem Anbau gentechnisch
veränderter Organismen haben. Gleichzeitig fordert der Bundesrat
ein zentrales Register der Flächen, auf denen gentechnisch
veränderte Kulturen freigesetzt oder angebaut werden. Die
Bundesregierung wollte die Länder jeweils einzeln verpflichten,
diese Informationen zu sammeln. Auch eine besondere Sachkunde beim
Umgang mit Gen-Saaten will die Länderkammer nicht fordern.
(Quelle: afp)
Forscher züchten Maus mit menschlichem Immunsystem
So.04.04.04 - Schweizer Forscher haben eine Maus mit einem menschlichen Immunsystem
gezüchtet. Das Team vom Institut für Biomedizinische
Forschung (IRB) in Bellinzona transplantierte dazu menschliche
Stammzellen aus dem Nabelschnurblut in die Leber einer neugeborenen
Maus.
Das berichtet das Fachjournal «Science» (Bd. 304, S. 104).
Die Wissenschaftler hoffen, damit künftig die Reaktionen des
menschlichen Immunsystems auf Viruserkrankungen wie beispielsweise Aids
oder Hepatitis C effizienter erforschen zu können. Vor allem die
Wirkungen von Medikamenten und Impfstoffen könnten besser
beobachtet werden.
Durch diese Experimente sei die Maus zu einem perfekten Modell für
die Forschung geworden, sagte Projektleiter Markus Manz. Wurde das
Versuchstier bei Experimenten mit einer Krankheit infiziert, bildete
das Immunsystem Antikörper wie bei einem Menschen. Auch auf
Impfungen reagierte es wie der Mensch.
«Mit dieser Entdeckung ist ein antiker Traum in Erfüllung
gegangen», sagte IRB-Direktor Antonio Lanzavecchia. In der
antiken Mythologie seien Fantasiefiguren häufig als Kreuzungen
zwischen Mensch und Tier beschrieben worden. «Mit der Verlegung
des menschlichen Immunsystems in den Körper eines Tieres haben wir
einen ersten Schritt in diese Richtung getan.»
(Quelle: dpa)