Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertvierundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Lage in Irak droht nach Aufständen außer Kontrolle zu
geraten. Seit Sonntag mehr als 60 Opfer bei blutigen
Auseinandersetzungen zwischen radikalen Schiiten und US-Truppen.
Haftbefehl gegen Schiitenführer El Sadr. Weltweit gesuchter
militanter Islamist Zarqawi droht Koalition in Irak mit neuen
Anschlägen. US-Präsident Bush: Zeitplan für die
Übertragung der Souveränitat an eine irakische Regierung wird
beibehalten
Di.06.04.04 - Die Auseinandersetzungen zwischen radikalen Schiiten und den US-Truppen
im Irak gehen weiter. Der radikale Schiitenführer Muktada el Sadr
hat einen Aufstand des irakischen Volkes gegen die Besatzungstruppen
angekündigt. In einer von ihm unterschriebenen Erklärung an
den arabischen Fernsehsender El Dschasira sagte er am Montag:
«Wir fürchten den Tod nicht und Märtyrertum gibt uns
Würde von Gott.» Die US-Truppen haben inzwischen einen
Haftbefehl gegen Sadr wegen der Ermordung eines schiitischen
Geistlichen vor einem Jahr ausgestellt.
Sadr, der von den USA zum Gesetzlosen erklärt wurde, befindet sich
derzeit in einer Moschee im südirakischen Kufa bei Nadschaf in
einem «Sitzstreik». Die Stadt wird von hunderten seiner
bewaffneten Anhänger kontrolliert.
Der US-Militärsprecher im Irak, General Mark Kimmitt, wollte nicht
sagen, wann Sadr verhaftet wird. US-Brigadegeneral Mark Kimmitt sagte,
die Entscheidung über einen Kampf liege bei Sadr. «Es liegt
an ihm, zu entscheiden, ober er friedlich oder nicht friedlich
kommt», sagte er.
Am Montag kam es zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der
El-Mahdi-Armee, einer Miliz El Sadrs, und US-Soldaten im Bagdader
Viertel El Schoala. Ein amerikanisches Militärfahrzeug ging in
Flammen auf. Bei Gefechten zwischen britischen Soldaten und
El-Mahdi-Milizionären in Basra und Amarah wurden Augenzeugen
zufolge drei Iraker getötet. In Basra besetzten Anhänger von
El Sadr das Büro des örtlichen Gouverneurs. In der heiligen
Stadt Nadschaf zogen Bewaffnete durch die Straßen und vertrieben
Polizisten aus ihren Wachen, wie das spanische Außenministerium
mitteilte.
US-Truppen riegelten am Montag die Stadt Falludscha ab und
kündigten eine umfassende Militäraktion an. Rund 1.200
Marineinfanteristen sowie irakische Sicherheitskräfte bezogen
Stellung. Nach der Tötung und Verstümmelung von vier
Amerikanern am Mittwoch vorigen Woche planten die US-Streitkräfte
dort einen massiven Militäreinsatz. Erkundungsteams rückten
in die Außenbezirke ein und riefen die Bevölkerung auf, bis
Dienstag ihre Häuser nicht zu verlassen. Auf in Moscheen
verteilten Flugblättern wurde ein nächtliches Ausgehverbot
bekannt gegeben sowie Verhaltensregeln für die Bewohner
während der Razzien.
Aus der Innenstadt waren Explosionen und Schüsse zu hören,
die bis in den späten Abend hinein andauerten. Mindestens ein
Iraker soll bei den Feuergefechten getötet worden sein. Nahe
Falludscha wurde am Montag ein US-Soldat bei Gefechten getötet.
Nach der Verhaftung eines Gefolgsmannes von el Sadr war es am
Wochenende zu blutigen Kämpfen zwischen radikalen Schiiten und
Koalitionstruppen gekommen. Dabei starben seit Sonntag etwa 50 Iraker
und zwölf Soldaten.
Der weltweit gesuchte militante Islamist Abu Musab al-Zarqawi hat
derweil den Koalitionsstreitkräften in Irak mit neuen
Anschlägen gedroht. Die "heldenhaften Mudschaheddin" hätten
bereits 200 Soldaten der Koalition getötet, sagte Zarqawi in einem
am Montagabend auf einer islamistischen Website veröffentlichten
Tonband. Darin bekannte sich der Jordanier zu mehreren "Operationen".
Die "jüngste, aber nicht die letzte", sei die "gegen den
israelischen Geheimdienst Mossad" im Hotel "Dschabal Lubnan" gewesen.
Auf das Hotel in Bagdad war am 17. März ein Autobombenanschlag
verübt worden. Dabei wurden sieben Menschen getötet und
zwölf weitere verletzt.
Der US-Zivilverwalter in Irak, Paul Bremer, sagte unterdessen eine
für diese Woche geplante Reise nach Washington ab, wie aus Kreisen
des US-Senats verlautete. Ein Grund für die Absage wurde nicht
genannt. Bremer sollte im Senat zur aktuellen Lage in Irak befragt
werden.
Ungeachtet der jüngsten Unruhen wird der Zeitplan für die
Übertragung der Souveränitat an eine irakische Regierung bis
zum 30. Juni nach den Worten von US-Präsident George W. Bush
eingehalten. Die Koalition werde nicht zulassen, dass Sadr die
Einführung der Demokratie mit Gewalt zu verhindern versuche, sagte
Bush bei einem Wahlkampfauftritt in Charlotte im US-Bundesstaat North
Carolina. Die USA würden sich nicht "von Gangstern und
Terroristen" vom Kurs in Irak abbringen lassen. Washington halte nach
wie vor an dem 30. Juni als Termin für die Machtübergabe an
eine souveräne irakische Regierung fest.
Terroristen könnten Freiheit nicht ausstehen und würden freie
Gesellschaften hassen, sagte Bush weiter. «Aber wir werden den
Kurs halten. Wir werden dafür sorgen, dass ein freies Irak
entsteht». Dies werde den gesamten Nahen und Mittleren Osten
verändern, beteuerte der Präsident. Es werde die Welt
friedlicher und die USA sicherer machen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Beginnt der große Schiitenaufstand?
Mit den blutigen Straßenschlachten, die der radikale Prediger
Muktada el Sadr provoziert hat, ist der Irak noch tiefer ins Chaos
gestürzt.
Noch ist der Aufstand auf die Anhängerschaft des jungen
Aufwieglers El Sadr begrenzt und richtet sich allein gegen die
Besatzungsmacht. Doch ist nicht auszuschließen, dass sich der
Flächenbrand, der inzwischen auch El Kut sowie Basra im Süden
und Kirkuk im Norden des Landes erreicht hat, in den kommenden Tagen
weiter ausweitet. Autobomben, die in Kirkuk an Versammlungsplätzen
der El-Sadr-Anhänger explodierten, scheinen zudem den Pessimisten
Recht zu geben, die im Irak einen Bürgerkrieg vorausgesagt haben.
Auch dürfte die Nachricht vom Haftbefehl gegen ihren Führer
die Milizionäre von El-Sadrs «Mahdi-Armee» zu neuer
Gewalt treiben.
Vieles hängt nun davon ab, wie sich das religiöse
Establishment der Schiiten verhält, dem El Sadr nicht wirklich
angehört. Denn unter den Schiiten haben auch die im provisorischen
Regierungsrat vertretene Partei des Hohen Rates für die Islamische
Revolution im Irak (SCIRI) unter Abdelasis el Hakim und die
Gefolgsleute des gemäßigten Großajatollahs Ali el
Sistani eine große Machtbasis.
Um beide ist es in den vergangenen Tagen still geworden. Die
führenden Religionsgelehrten des Landes schweigen bisher. Dabei
hat der aus Iran stammende El Sistani bereits gezeigt, dass er enormen
Einfluss besitzt und dass er - wenn er den Zeitpunkt für richtig
hält - mehr Menschen mobilisieren kann als El Sadr. Als ihm vor
einigen Wochen die Zeitvorgaben der Amerikaner für die geplante
Machtübergabe und die Wahlen zu schwammig wurden, demonstrierten
landesweit Hunderttausende Schiiten. Erst als ein konkreter Zeitplan
vorgelegt wurde und sich die Vereinten Nationen einschalteten,
ließ der Großajatollah die Proteste verebben.
El Sadr hatte sich am Sonntag zu einem «Sitzstreik» in eine
Moschee in Nadschaf zurückgezogen. Dort soll er laut US-Armee aus
Respekt vor den religiösen Gefühlen der Iraker vorerst nicht
verhaftet werden.
Für den politischen Prozess im Irak, zu dessen Unterstützung
Kofi Annans «Feuerwehrmann» Lakhdar Brahimi am Montag in
Bagdad eingetroffen ist, verheißt all dies nichts Gutes. Zwar
schreiten die US-Besatzungsmacht und der provisorische Regierungsrat
trotzig voran. Sie lassen sich durch die neue Welle der Gewalt nicht
von ihren Plänen für eine formelle Machtübergabe Ende
Juni abbringen.
Doch könnte das derzeitige Chaos letztendlich als Rechtfertigung
dafür missbraucht werden, dass die nun zu ernennende neue
Übergangsregierung nichts weiter als der jetzige Regierungsrat mit
einigen neuen Mitgliedern sein wird. Das Gremium würde in den
Augen der Bevölkerung kaum mehr Legitimität haben als der
jetzige Rat und aus irakischer Sicht auch die Glaubwürdigkeit
Brahimis und der Vereinten Nationen in Frage stellen.
Quelle: dpa, 05.04.04
Muktada el Sadr: Gottesstreiter mit Ambitionen
Sie sind jung, motiviert, gut organisiert und absolut loyal. Sogar ihr
Leben würden die meisten Anhänger von Muktada el Sadr
für den schiitischen Geistlichen geben.
El Sajed, der Meister, wird der 30 Jahre alte El Sadr von seinen
Anhängern genannt, weil er nach eigenen Angaben von Prophet
Mohammed abstammt. Trotz seiner Jugend wird El Sadr hoch verehrt, nicht
zuletzt wegen seines Vaters Mohammed Sadik el Sadr. Der einst
führende Schiit des Landes war 1999 von mutmaßlichen
Gefolgsmännern Saddam Husseins erschossen worden. Nach dem Sturz
des Präsidenten und dem Ende der Unterdrückung der Schiiten
nutzte Muktada el Sadr das Machtvakuum und trat in die Fußstapfen
des Vaters.
Unterstützt wird Muktada el Sadr von hunderten junger, energischer
Schiiten voller Organisationstalent. Sie haben bereits mehrfach unter
Beweis gestellt, dass sie innerhalb kürzester Zeit die
Anhänger des Geistlichen mobilisieren können. Vor allem in
den ersten Monaten nach dem Ende der Herrschaft Saddam Husseins machte
die Bewegung El Sadrs von sich reden. Mit einer Mischung aus Religion,
Politik und sozialem Programm findet sie starken Anklang in den
ärmeren Bevölkerungsschichten.
Die gebildete Mittelklasse hat El Sadr indes noch nicht
rückhaltlos für sich gewinnen können. Dort herrscht
angesichts der Jugend und der politischen Unerfahrenheit des
Geistlichen noch Skepsis. Seine Predigten liest El Sadr mit monotoner
Stimme ab, nur selten schaut er sein Publikum an. In seinen Reden
greift er gerne auf Zitate seines Vaters zurück, dessen
Porträt weiterhin die Wände der Versammlungsstätten
ziert.
Die enge Bindung an den Kurs seines Vaters verschafft El Sadr aber den
Rückhalt der Masse. Auch seine kompromisslose Ablehnung der
US-Besatzung nimmt viele Iraker für ihn ein, die so manchem
anderen schiitischen Geistlichen ein Einknicken vor den Amerikanern
vorwerfen.
Auf die Zusammenarbeit mit den Schiiten sind die USA jedoch angewiesen.
Mit einem Anteil von rund 60 Prozent stellen die Schiiten die
größte Bevölkerungsgruppe in Irak. Nach Jahrzehnte
langer Unterdrückung unter dem Regime von Saddam Hussein machen
sie nun ihre Machtansprüche geltend und setzen Washington
zunehmend unter Druck.
Der Widerstand des Schiitenführers Großayatollah Ali el
Husseini el Sistani gegen die US-Pläne zur Machtübergabe in
Irak hat die Regierung in Washington bereits zwei Mal ausgebremst. Und
die Demonstrationen von El Sadrs Anhängern waren bislang die
stärksten seit dem Sturz Saddam Husseins vor einem Jahr.
Zahlreiche Protestierende demonstrierten in den vergangenen Tagen ihre
Entschlossenheit zum Äußersten. Mit vermummten Gesichtern
riefen sie zum Widerstand gegen die Amerikaner auf, einige trugen die
Aufschrift «Märtyrertod» auf ihren Mützen.
«Ich wäre glücklich, für El Sajed zu
sterben», erklärte der verletzte 21-jährige Ali Hussein
nach den blutigen Gefechten am Wochenende noch auf dem Weg ins
Krankenhaus.
Quelle: ap, 05.04.04
Hintergrund: Der schiitische Islam
Die Schiiten stellen weltweit etwa 16 Prozent der fast 1,3 Milliarden
Muslime. Der schiitische Islam beruft sich im Gegensatz zum
sunnitischen auf Ali ibn Abi Talib, den Schwiegersohn des Propheten
Mohammed und vierten Kalifen, als ersten legitimen Erben des Propheten.
Die Auseinandersetzung um die Nachfolge Alis führte im siebten
Jahrhundert zur Abspaltung von den Sunniten. Mit 89 Prozent Schiiten
liegt die Hochburg der «Schiat Ali», der Partei Alis, in
Iran und ist dort Staatsreligion. Darüber hinaus ist sie im Irak,
Libanon, in Pakistan und Afghanistan vertreten.
Rigorose Frömmigkeit sowie ein hierarisch gegliederter Klerus mit
einem Imam als weltlichem und geistlichem Führer bestimmen den
schiitischen Glauben. Zu den wichtigsten Gruppen gehören die
Imamiten, die Ismailiten und die Zaiditen. Erstere, auch als
«Zwölferschiiten» bekannt, haben die meisten
Anhänger.
Die Imamiten glauben an eine Folge von zwölf Imamen, denen
vererbbare übernatürliche Fähigkeiten zugesprochen
werden. Im Unterschied zu den Sunniten hält der imamitische Islam
an der unfehlbaren Autorität des Imams fest. Besonders dessen
Rechtsgelehrte erklärten sich in der Nachfolge zu Vertretern der
angeblich verborgenen Imame und übernahmen die geistliche Leitung.
Die obersten Würdenträger (Ajatollahs) besitzen eine weitaus
größere Autorität als die Rechtsgelehrten der Sunniten.
So gilt der jeweilige Religionsführer in Iran als höchste
staatliche Instanz.
Bei der Deutung des islamischen Gesetzeskodex, der Scharia, weichen
Sunniten und Schiiten kaum von einander ab. Allerdings akzeptieren die
Imamiten eine nicht auf Lebenszeit geschlossen Ehe.
Die schiitischen Riten unterscheiden sich in einigen Punkten von denen
der Sunniten. Imamiten beten nur drei Mal statt fünf Mal
täglich. Pilgerfahrten zu den Gräbern der zwölf Imame
können die «Hadsch», die große islamische
Pilgerfahrt, ersetzen. Neben der Trauer um die Ermordung Alis und
seines Sohnes ergehen sich die Imamiten in offiziellen Schmähungen
der von den Sunniten verehrten Rivalen Alis. Bei der jährlichen
Trauerfeier zu Ehren ihres dritten Imams Husain geißeln sich die
Männer öffentlich und ritzen sich die Stirn mit Rasierklingen
blutig.
Quelle: dpa, 05.04.04
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Mehr in "Chronologie des Irak-Kriegs":
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Achtzehnter Kriegstag in Irak
So.06.04.03 - US-Flugzeuge jetzt pausenlos über Bagdad +++ Lage in in der Hauptstadt
nach Panzervorstoß weiter unklar +++ Zahl der Verletzten in Bagdader Kliniken deutlich
gestiegen +++ US-Truppen vor Bagdad haben laut CNN Nachschubprobleme +++
Heftige Straßenkämpfe in Kerbala +++ Bush warnt Iraks Führung +++ US-Arzt kritisiert Berichterstattung
über Golfkrieg: Schrecken des Krieges in Irak würden nicht ausreichend dokumentiert +++
Bush nennt Irak-Krieg Kampf für gerechte Sache +++ Fast 80 Prozent der Amerikaner stehen hinter der
Kriegsentscheidung der US-Regierung +++ Wirtschaftliche Konsequenzen des Irak-Kriegs
beunruhigen EU +++ Berliner Grüne fordern Rücknahme der Überflugrechte f¨r die USA +++
Weniger Friedensdemonstranten in Deutschland... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304060.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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US-Präsident im Popularitätstief - Mehrheit der
US-Bürger missbilligt Bushs Irak-Politik
Di.06.04.04 - Die öffentliche Zustimmung in den USA zum Krisenmanagement von
Präsident George W. Bush in Irak ist auf einen Tiefststand
gefallen. Wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage
hervorgeht, sind nur noch 40 Prozent der Befragten mit Bushs
Irak-Politik zufrieden. 53 Prozent sind dagegen, wie das
Meinungsforschungsinstitut Pew in Washington mitteilte. Im Januar
hatten noch 60 Prozent der Befragten Bushs Irak-Politik
gutgeheißen.
Gute Noten für seine Gesamtarbeit bekam Bush in der Umfrage nur
noch von 43 Prozent, was auch einen Tiefstand in seiner Amtszeit
markiert. Im Januar waren noch 56 Prozent mit seiner Gesamtleistung
einverstanden gewesen. Die Unterstützung für den Einsatz von
Gewalt in Irak blieb dagegen mit 57 Prozent stabil. Pew-Direktor Andrew
Kohut sagte, neben den schlechten Nachrichten aus Irak machten Bush
auch die hohen Benzinpreise zu schaffen.
(Quelle: ap)
Tausende Opiumbauern protestieren gegen Kabuls Anti-Drogenpolitik
Di.06.04.04 - Im Osten Afghanistans haben sich am Montag tausende Opiumbauern zu
Protesten gegen die Drogenpolitik der Regierung versammelt. Die Bauern
seien im Bezirk Kama zusammengekommen, um für Dienstag eine
Demonstration gegen die Zerstörung ihrer Schlafmohnfelder
vorzubereiten, sagte ein Sprecher des Provinzgouverneurs der
Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung von Präsident Hamid Karsai
hatte vergangene Woche angekündigt, die Opium-Felder in den drei
Provinzen Nangarhar, Helmand und Kandahar zu zerstören und die
Aktion anschließend auf das ganze Land auszuweiten. In der
abgelegenen Bergregion Nangarhar, wo es besonders viele
Schlafmohnfelder gibt, zerstörten afghanische Soldaten bereits 40
Drogenlabore.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Scharon stellt Schaffung eines palästinensischen Staats in Frage
und verstärkt Drohungen gegen Arafat. Israelische Armee tötet
drei Palästinenser im Gazastreifen
Di.06.04.04 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will trotz des
angekündigten Abzugs aus dem Gazastreifen zunächst keinen
eigenen palästinensischen Staat zulassen. Bis es einen solchen
Staat gebe, könne es «viele Jahre» dauern, sagte
Scharon in einem am Montag veröffentlichten Interview. Der
Regierungschef stellt sich damit gegen die Vorgaben des internationalen
Nahost-Friedensplans, der so genannten Road Map. Außerdem
bekräftigte Scharon seine Todesdrohungen gegen den
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat.
«In dem unilateralen Plan ist kein palästinensischer Staat
vorgesehen. Diese Situation könnte viele Jahre lang bestehen
bleiben», sagte Scharon der Zeitung «Jediot Ahronot».
Er habe vor, alle 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und vier
im Westjordanland aufzugeben. Nach dem Rückzug solle der
Gazastreifen zumindest vorübergehend völlig abgeriegelt
werden. «Meiner Meinung nach wäre es das Beste, sich von dem
ganzen Gebiet abzukoppeln», sagte der Regierungschef. Israel
werde zwar weiter Wasser und Elektrizität in den Gazastreifen
liefern, könne die Versorgung aber im Falle eines
palästinensischen Anschlags unterbrechen.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat erklärte,
Scharons Weigerung, mit der palästinensischen Regierung zu
verhandeln, sei der absichtliche Versuch, die Ausrufung eines Staates
Palästina hinauszuzögern. Die Road Map sieht diesen Schritt
bereits für das kommende Jahr vor.
Arafat sagte am Montag vor Journalisten, er begrüße einen
israelischen Rückzug, weitere Schritt müssten aber folgen.
Israel sei auch verpflichtet, aus dem Westjordanland abzuziehen.
In einem Interview im Armeerundfunk sagte Scharon, er fühle sich
nicht mehr an das den USA vor drei Jahren gegebene Versprechen
gebunden, Arafat keinen körperlichen Schaden zuzufügen. Die
Umstände hätten sich mittlerweile geändert.
«Arafat wurde (damals) überall in der Welt der rote Teppich
ausgerollt. Heute ist es den Vereinigten Staaten und jedem anderen
klar, wer Arafat wirklich ist», sagte Scharon.
Israel und die USA boykottieren den palästinensischen
Präsidenten. Sie machen ihn für die andauernde Gewalt
verantwortlich. Eine gezielte Tötung Arafats lehnen die USA jedoch
ab. Auch den Führer der libanesischen Hisbollah-Miliz, Scheich
Hassan Nasrallah, nannte Scharon auf eine entsprechende Frage hin als
mögliches Ziel einer Tötungsaktion. Für einen Schlag
gegen Arafat oder Nasrallah werde er niemanden um Zustimmung bitten,
auch nicht die USA, sagte der Ministerpräsident in dem Interview.
Die israelischen Sicherheitskräfte waren am Montag aus Furcht vor
Anschlägen während des Passah-Festes in höchster
Alarmbereitschaft. Auf öffentlichen Plätzen, vor
Einkaufszentren und Synagogen wurden die Patrouillen verstärkt.
Palästinenser dürfen vorläufig nicht nach Israel
einreisen. Wie verlautete, sollen die Grenzen bis zum
Unabhängigkeitstag am 26. April geschlossen bleiben.
Israelische Soldaten haben am Montag im Gazastreifen drei
Palästinenser erschossen. Die drei jungen Männer hätten
sich einem Grenzübergang zu Israel genähert, hieß es
übereinstimmend von beiden Seiten. Nach palästinensischen
Krankenhausangaben wurden sie in der Nähe des Übergangs Karni
im Südosten von Gaza getötet. Von Seiten des israelischen
Militärs verlautete, die Soldaten hätten auf "drei
verdächtige Silhouetten" gezielt. Seit Beginn der Intifada im
September 2000 wurden damit 2930 Palästinenser und 898 Israelis
getötet.
(Quellen: ap, afp)
Gibt es das Recht eines Staates auf präventive Tötung, ...
auf "Eliminierung" ausländischer Feinde, beispielsweise unter dem
Vorwurf des Terrorismus? Dafür findet sich keinerlei
völkerrechtliche Handhabe. Kann sich Israels Premier Ariel Scharon
bei seiner erneuten indirekten Todesdrohung gegen den
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat wenigstens auf
ein übergeordnetes Prinzip berufen, das eine solche Tötung
rechtfertigen würde? Nein, ein solches Prinzip existiert nicht...
Mehr in der "tageszeitung" vom 06.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/06/a0108.nf/text
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Ruandas Präsident gibt internationaler Gemeinschaft
Mitverantwortung an Genozid
Di.06.04.04 - Zum zehnten Jahrestag des Völkermords in Ruanda hat Präsident
Paul Kagame die internationale Gemeinschaft für die Massaker mit
verantwortlich gemacht. Genozid, wo immer er sich abspiele, stehe stets
auch "für das Scheitern der internationalen Gemeinschaft", sagte
Kagame am Sonntag in Kigali anlässlich des Beginns der
mehrtägigen Gedenkveranstaltungen zu den Ereignissen im Jahr 1994,
als zwischen April und Juli bis zu eine Million Angehörige der
Tutsi-Minderheit und gemäßigte Hutu von Hutu-Milizen und
-Zivilisten systematisch niedergemetzelt worden waren. Es habe sich
nach seiner Einschätzung sogar um ein "absichtliches Scheitern"
gehandelt: "Wie können die Leben von einer Million Ruandern als so
unbedeutend angesehen werden?"
(Quelle: afp)
Stichwort Ruanda
Ruanda zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Das
zwischen Uganda, Kongo, Burundi und Tansania gelegene Binnenland ist
mit rund 26.000 Quadratkilometern kleiner als Belgien.
Mehr als vier Fünftel der schätzungsweise fast acht Millionen
Ruander gehören dem Bantuvolk der Hutu an, gut 15 Prozent sind
Tutsi. Die Ackerbau betreibenden Hutu wanderten etwa ab dem 7.
Jahrhundert im Gebiet des heutigen Ruandas ein. Im 15. Jahrhundert
folgte das nilotisch-hamitische Hirtenvolk der Tutsi, das eine
aristokratische Herrschaft über die Hutu errichtete und damit die
Grundlage für den ethnischen Konflikt legte, der Ende des 20.
Jahrhunderts im Genozid eskaliert.
1959 beendete ein Hutu-Aufstand die Vorherrschaft der Tutsi-Minderheit,
1961 übernahmen die Hutu die Führung. Ein Jahr später
erlangte Ruanda die Unabhängigkeit, die Spannungen zwischen den
Volksgruppen hielten an. 1990 begann mit dem Einmarsch der von Uganda
unterstützten Tutsi-Rebellen der Patriotischen Front Ruandas (FPR)
ein Bürgerkrieg. Nach dem Flugzeugabsturz der Staatschefs von
Ruanda und Burundi, Juvenal Habyarimana und Cyprien Ntaryamira, kam es
es 1994 zum Völkermord extremistischer Hutu an Tutsi und moderaten
Hutu.
Laut einem Regierungsbericht von 2002 verloren mehr als eine Million
Ruander ihr Leben, bevor die FPR des heutigen Präsidenten Paul
Kagame im Juli 1994 die Hutu-Regierung stürzt und den Massakern
ein Ende bereitete. Ein Gerichtshof in Arusha in Tansania bemüht
sich bis heute um die juristische Bewältigung der Verbrechen.
Quelle: ap, 04.04.04
Blick ins Archiv:
Annan räumt Versäumnisse der UN beim Völkermord in
Ruanda 1994 ein
Di.30.03.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat schwere Versäumnisse der
Vereinten Nationen und der Staatengemeinschaft beim Völkermord in
Ruanda im Jahr 1994 eingeräumt. "Die internationale Gemeinschaft
hat Ruanda im Stich gelassen, das muss uns immer ein Gefühl
bitterer Reue und anhaltenden Kummers hinterlassen", sagte Annan am
Freitag (Ortszeit) in New York auf einer Gedenkkonferenz kurz vor dem
zehnten Jahrestag des Beginns der Massaker in Ruanda.
Durch schnelles und entschiedenes Handeln hätte das Morden, dem
rund 800.000 Menschen zum Opfer fielen, großteils gestoppt werden
können, betonte der UN-Generalsekretär, der damals für
die Blauhelmeinsätze der Vereinten Nationen zuständig war....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403300.htm#04033004
Völkermord in Ruanda - Chronik unterlassener Hilfeleistungen
Eine Million Tote in hundert Tagen - und niemand will etwas geahnt
haben? Dabei wussten alle, die sich für die politischen
Verhältnisse in Ruanda seit der Unabhängigkeit 1962
interessierten, dass das Land ein brodelnder Kessel war. Schon 1959
hatten Hutu im Zuge des so genannten Bahutu-Aufstands mehr als 300.000
Tutsi vertrieben, und zwar mit Unterstützung der belgischen
Kolonialmacht, die sich auf die Seite der ethnischen Mehrheit
geschlagen hatte. Im Oktober 1990 begann die Patriotische Front Ruandas
(RPF) von Uganda aus ihren Kampf gegen das Regime in Kigali. Die RPF
war zwei Jahre zuvor von der zweiten - englisch alphabetisierten -
Generation der Exil-Tutsi gegründet worden. Jeder Angriff, den die
RPF über die Grenze hinweg unternahm, löste automatisch
Massaker an den in Ruanda verbliebenen Tutsi aus....
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 7307 vom 12.3.2004, Seite 22-23:
http://www.taz.de/pt/2004/03/12/a0078.nf/text
Mehr zum Völkermord in Ruanda unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403130.htm#040313_
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Powell sichert Haitis Übergangsregierung Unterstützung zu -
Parlamentswahlen sollen erst 2005 stattfinden
Di.06.04.04 - US-Außenminister Colin Powell hat am Montag in Port-au-Prince der
haitianischen Übergangsregierung die Unterstützung
Washingtons zugesichert. Auf eine Pressekonferenz in der Hauptstadt des
Karibikstaats mahnte er aber die Auflösung von Privatarmeen an.
«Ohne Entwaffnung ist Haitis Demokratie gefährdet»,
sagte Powell. Der haitianische Ministerpräsident Gerard Latortue
teilte mit, alle politischen Parteien seien überein gekommen,
Kommunal-, Parlaments- und Präsidentenwahl statt im kommenden
Monat erst im kommenden Jahr abzuhalten.
Nach Powells Worten stehen die Chancen gut, dass die derzeit von den
USA, Frankreich und Kanada gestellte 3.600 Mann starke Friedenstruppe
demnächst von einer internationalen Einheit unter UN-Führung
ersetzt wird. Über die Umstände der Flucht von Präsident
Jean-Bertrand Aristide wollte er nicht weiter sprechen. Karibische
Nachbarstaaten haben Zweifel an der US-Darstellung geäußert,
Aristide sei am 29. Februar freiwillig ins Exil gegangen. Eine
Untersuchung der Ereignisse lehnte Powell ab. «Ich weiß
nicht, was das bringen soll», sagte er. «Haiti war am Rande
eines völligen Sicherheitskollapses.» Am letzten
Februarwochenende sei nach seiner Ansicht ein Blutbad verhindert
worden. Powell besuchte als erster US-Außenminister seit 1998
Haiti.
(Quellen: ap)
Blick ins Archiv:
Haitianische Regierung will Auslieferung Aristides beantragen
Fr.02.04.04 - Die haitianische Übergangsregierung will eine unabhängige
Kommission zur Untersuchung von Korruptionsvorwürfen gegen den
gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide einrichten.
Justizminister Bernard Gousse sagte in einem Interview am Donnerstag,
das Gremium werde alle Verstöße auflisten, und dann werde
die Übergangsregierung formell die Auslieferung Aristides
beantragen. Einen Zeitrahmen nannte er nicht.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404020.htm#04040206
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403310.htm#040331_d
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403260.htm#04032608
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403260.htm#040326_kq
Anhörung festgenommener Linksextremisten in der Türkei
Di.06.04.04 - Nach einer europaweiten Razzia gegen türkische Linksextremisten
sind am Montag die ersten Verdächtigen von der Staatsanwaltschaft
verhört worden. 29 der am Donnerstag festgenommenen
mutmaßlichen Mitglieder der Revolutionären
Volksbefreiungsarmee/Front (DHKP-C) erschienen vor einem Gericht in
Istanbul. Darunter war der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge auch ein
führendes Mitglied der DHKP-C, Sadi Ozpolat.
Bei zeitgleichen Razzien in mehreren europäischen Ländern
waren am Donnerstag mehr als 60 Menschen inhaftiert worden, zehn wurden
inzwischen wieder freigelassen. Die DHKP-C vertritt eine marxistische
Ideologie und wird von den USA und der Europäischen Union als
terroristisch eingestuft.
(Quelle: ap)
El Kaida droht Spanien mit neuem Blutvergießen
Di.06.04.04 - Eine mit der El-Kaida-Organisation verbundene Gruppe hat Spanien
offenbar weitere Anschläge wegen der Präsenz spanischer
Soldaten in Irak und Afghanistan angedroht. Die Zeitung "ABC"
veröffentlichte ein Schreiben der Organisation "Abu Dudschana el
Afghani, Gruppe Ansar el Kaida Europa", das per Fax in der Redaktion
eingegangen war. Unter den mutmaßlichen Attentätern, die
sich am Wochenende bei einer Razzia in die Luft sprengten, war laut
Polizei ein weiterer Anführer der Madrider Anschläge.
Die Echtheit des Schreibens, das am Samstag bei "ABC" eingegangen war,
wurde zunächst nicht bestätigt. In der Erklärung nehmen
die Autoren ausdrücklich das vierwöchige Ultimatum für
den spanischen Truppenabzug aus Irak wieder zurück, das zuvor in
einem Drohbrief an die spanische Botschaft in Kairo enthalten war.
"Mit der Entsendung neuer Truppen nach Irak und seiner
Ankündigung, weitere Truppen nach Afghanistan zu schicken, hat der
spanische Staat seine Angriffe gegen die Moslems fortgesetzt",
heißt es darin. Die Gruppe droht der spanischen Regierung mit
einem Krieg, der "das Land in eine Hölle verwandeln (wird), in dem
das Blut in Strömen fließt". Die spanische Regierung
verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land.
Der Brief bezieht sich auf die Entscheidung Spaniens, mit dem
Routineaustausch seiner Truppen in Irak wie geplant fortzufahren,
ungeachtet der Ankündigung des designierten
Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero,
die Truppen zurückzuholen, sollten sie nach Auslaufen ihres
Mandats am 30. Juni nicht der UNO unterstellt werden.
Die Behörden nahmen zwei Verdächtige fest, die an den
Madrider Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Einer der
beiden sei in Ceuta, der spanischen Exklave an der nordafrikanischen
Küste, der andere in einem Vorort von Madrid gestellt worden.
Unter den fünf mutmaßlichen Attentätern, die sich am
Wochenende in einem Madrider Vorort der Festnahme entzogen, in dem sie
sich in die Luft sprengten, war laut Polizei auch der Kommandochef der
Zelle. Die Leiche von Jamal Ahmidan alias "der Chinese" oder "Mogli"
sei identifiziert worden, sagte ein Ermittler. Ahmidan soll das Team
angeführt haben, das am 11. März insgesamt 13 mit
Sprengsätzen versehene Rucksäcke in vier Pendlerzügen
platzierte.
(Quelle: afp)
EU will 2007 schnelle Eingreiftruppe haben
Di.06.04.04 - Die EU will bis zum Jahr 2007 über schnell mobilisierbare
Kampftruppen für Kriseneinsätze verfügen, an denen sich
auch die Bundeswehr beteiligen wird. Entsprechende Vorschläge
seien beim informellen Treffen der Verteidigungsminister aus den
Mitglieds- und Beitrittsstaaten in Brüssel auf eine positive
Reaktion getroffen, berichtete der irische Verteidigungsminister und
EU-Ratspräsident Michael Smith. Das Konzept solle bis Juni stehen.
Die EU soll nach Angaben von Smith im Rahmen des Krisenmanagements
innerhalb von 14 Tagen taktische Eingreiftruppen von jeweils rund 1500
Soldaten zu dringenden Einsätzen mobilisieren können. Diese
Verbände sollen bis zu ihrer Ablösung durch
größere Verbände mindestens 30 Tage lang im Einsatz
sein können. Mindestens drei Länder hätten bereits den
Aufbau der sehr schnell aufstellbaren Einheiten zugesagt, sagte der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana. Bei den drei Ländern
handelt es sich laut Diplomaten um Deutschland, Großbritannien
und Frankreich.
Nach Angaben aus Delegationskreisen sollen bis 2007 acht bis neun
Einheiten zur Verfügung stehen, um mehrere Kriseneinsätze
gleichzeitig führen zu können. Vorbild für die sehr
schnellen Eingreiftruppen ist der von Frankreich im Auftrag der EU
geführte Einsatz "Artemis" im Osten der Demokratischen Republik
Kongo im Juni 2003.
Eine schnellere Umsetzung der Planung als innerhalb von drei Jahren sei
nicht möglich, sagte Smith. So unterscheide sich das typische
Aufgabenprofil dieser Einheiten von Einsätzen, für die die EU
derzeit die im Dezember 1999 beschlossene "Schnelle Eingreiftruppe"
aufbaut. Dafür will die EU innerhalb von 60 Tagen insgesamt 60.000
Soldaten in Einsatz bringen können.
Im Mittelpunkt der Beratungen am (heutigen) Dienstag sollen die
Einrichtung einer gemeinsamen Rüstungsagentur noch in diesem Jahr
stehen sowie die Vorbereitungen für die Übernahme des von der
NATO geführten SFOR-Einsatzes in Bosnien-Herzegowina. Solana ging
in Brüssel davon aus, dass die EU den SFOR-Einsatz Anfang 2005
übernehmen kann.
(Quelle: afp)
Wirtschaftsexperten erwarten Kaum Job-Verluste durch EU-Erweiterung
Geringere Lohnkosten nicht allein entscheidend
Di.06.04.04 - Die EU-Osterweiterung im Mai wird nach Einschätzung von
Wirtschaftsexperten keine drastische Verlagerung deutscher
Arbeitsplätze ins Ausland auslösen.
"Dass es zu einem großen Exodus kommt, steht nicht zu erwarten",
sagt der Arbeitsmarktexperte Herbert Buscher vom Institut für
Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Zwar seien in Osteuropa die
Löhne wesentlich niedriger, dies allein mache die Region jedoch
nicht zum perfekten Standort. Auch der Experte für die
EU-Osterweiterung des Deutschen Institutes für
Wirtschaftsforschung (DIW), Herbert Brücker, erwartet nur
marginale Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Zu einem
ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie des Londoner Centre for
Economic Policy Research (CEPR), die einen "überraschend geringen
Arbeitsplatzverlust" für Deutschland prognostiziert.
Die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa habe Grenzen,
betont der IWH-Experte Buscher. Probleme mit Sprache, Infrastruktur
oder schlicht der geografischen Lage der osteuropäischen Staaten
würden voraussichtlich eine massive Abwanderung von
Arbeitsplätzen verhindern. "Über Feldwege können Sie
nicht Ihre Waren transportieren. Günstigere Löhne sind ein
wichtiger Faktor, aber mit Sicherheit nicht allein entscheidend",
betont Buscher. Wer beispielsweise seine Waren in Frankreich verkauft
und seine Produkte "just in time", also in engen Zeitfenstern liefern
müsse, für den sei schon die große Entfernung nach
Osteuropa ein Problem.
Außerdem würden die Löhne in Osteuropa wegen der
demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren zwangsläufig
steigen, prognostiziert Buscher. Wegen der sinkenden Geburtenrate, die
noch niedriger sei als im geburtenschwachen Deutschland, würden in
Osteuropa die Unternehmen bald um weniger Arbeitskräfte
konkurrieren. Damit büße die Region einige Vorteile
gegenüber dem Westen ein. Aus anderen Gründen kehrten schon
heute manche deutsche Betriebe aus Osteuropa zurück: Teils
fänden die Unternehmen keine Facharbeiter, teils hätten sie
ihre Absatzmöglichkeiten im Osten zu optimistisch
eingeschätzt.
Die CEPR-Studie geht unterdessen davon aus, dass die Arbeitsplätze
in Osteuropa und Deutschland ohnehin nicht miteinander konkurrieren.
Niedrigere Lohnkosten bei Tochterfirmen in Osteuropa würden
deutschen Unternehmen im Gegenteil helfen, in einem immer härteren
Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Zugleich könnten die
Unternehmen so dem Facharbeitermangel in Deutschland begegnen.
Die meisten Arbeitsplätze dürften nach Einschätzung der
Experten in Süd- und Südwestdeutschland verloren gehen, wo
besonders viele Industrieunternehmen ihren Sitz haben. Zusammen mit dem
Rhein-Main-Gebiet würden diese Regionen jedoch auch am
stärksten von der Erweiterung profitieren, sagt Brücker vom
DIW voraus. Er rechnet unter dem Strich mit einem geringen
Arbeitsplatzzuwachs in Deutschland, während Buscher von einem
leicht negativen Saldo ausgeht. Profitieren werden nach Ansicht
Brückers vor allem die Automobilindustrie, der Maschinenbau und in
gewissem Maß auch die pharmazeutische Industrie.
Ostdeutschland dagegen werde die Chancen der Osterweiterung wohl nicht
nutzen können, erwartet Brücker. Nach Einschätzung des
IWH-Experten Buscher dürften zwar kaum Unternehmen aus
Ostdeutschland abwandern, da sie noch am Fördertropf hingen.
Für westdeutsche Unternehmen werde es mit der Osterweiterung
jedoch durchaus eine Option sein, neue Betriebe nicht in
Ostdeutschland, sondern einige Kilometer weiter in Polen anzusiedeln.
Die Commerzbank-Volkswirtin Elisabeth Andreae verweist zudem darauf,
dass der Prozess der Arbeitsplatzverlagerung fließend sei. "Wir
haben die Auswirkungen wahrscheinlich in den vergangenen Jahren schon
gespürt und werden sie weiter spüren", sagt sie. Zugleich
könne die Osterweiterung auch positive Impulse für
Deutschland bedeuten. Dazu sei es allerdings nötig, dass die
"Verkrustung" des Arbeitsmarktes aufgelöst werde. "Da kommen wir
nicht drumherum, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen", betont
die Volkswirtin. Auch nach Einschätzung Buschers wird Deutschland
mittelfristig nur in einem globalisierten Markt bestehen können,
wenn die Lohnkosten sinken, die Arbeit flexibler gestaltet und eine
Steuerreform verwirklicht wird.
(Quelle: rtr)
SPD erwartet von Gewerkschaften Vorschläge zu sozialer Sicherung
Di.06.04.04 - Die SPD-Spitze erwartet von den Gewerkschaften konkretere
Vorschläge zur Sicherung der Sozialsysteme.
SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter sagte am Montag nach einer
Sitzung des SPD-Präsidiums in Berlin, was etwa im Hinblick auf die
demographische Entwicklung und die EU-Erweiterung von den Gewerkschafen
an Vorstellungen gekommen sei, sei «nicht ausreichend».
Benneter fügte hinzu, die SPD gehe «verantwortungsvoll mit
den Sorgen und Ängsten» um, die bei den Demonstrationen
gegen Sozialabbau am Samstag geäußert worden seien. Es sei
gerade die Politik der SPD, sich dieser «Sorgen und
Nöte» anzunehmen. Die Proteste hätten sich im
Übrigen nicht nur gegen die Regierung gerichtet, sondern auch
gegen die Opposition. Benneter räumte ein, er hätte sich
gewünscht, dass dies «noch etwas deutlicher» geworden
wäre.
Verhalten äußerte sich der Generalsekretär zu dem von
den Grünen vorgeschlagenen Mindestlohngesetz, das unter anderem
zur Abfederung der geplanten Zumutbarkeitsregeln für
Langzeitarbeitslose beitragen soll. Die SPD sei dafür, dass bei
der Annahme von Jobs «bestimmte Grenzen einzuhalten» sind.
Es sei notwendig, sich genau anzugucken, ob ein Mindestlohngesetz ein
«hilfreiches Instrument sein könnte», sagte Benneter.
(Quelle: ddp)
Beschleunigter Mitgliederschwund bei der SPD
Im ersten Quartal 2004 rund 22.000 Mitglieder verloren
Di.06.04.04 - Die SPD hat im ersten Quartal diesen Jahres rund 22.000 Mitglieder
verloren und damit bereits die Hälfte des Schwunds von 2003
erreicht.
Zum 31. März hätten 628.508 Bundesbürger das
SPD-Parteibuch besessen, erklärte die SPD am Montag. Zum
Jahresende 2003 hatte die SPD noch 22.290 Mitglieder mehr. Im
Gesamtjahr 2003 verlor die SPD nach eigenen Angaben 43.096 Mitglieder.
SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter sprach dennoch von einer
Trendwende, die sich an der zunehmenden Zahl der Eintritte ablesen
lasse. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres seien 4189
Personen in die SPD eingetreten, nach 2394 im vierten Quartal 2003 und
3500 im ersten Quartal 2003. "Das ist eine Steigerung, die uns hoffen
lässt, dass sich der Trend umgekehrt hat."
Die Austrittszahlen des jeweils ersten Quartals eines Jahres seien
wegen verzögerten In-Kraft-Tretens vieler Austritte des
vorangegangenen Jahres nicht aussagekräftig, sagte Benneter.
Grund für die Austritte ist nach Angaben aus der SPD häufig
Unzufriedenheit mit der Reformpolitik der Bundesregierung.
(Quelle: rtr)
Mitgliederzuwachs bei Sozialverbänden
Di.06.04.04 - Die Unsicherheit über die Renten und der Unmut über die
Sozialreformen treibt den Sozialverbänden neue Mitglieder zu. Der
Sozialverband Deutschland (SoVD) verzeichnet derzeit monatlich eine
Zunahme um 15 000 Mitglieder, wie Verbands-Vizepräsidentin
Marianne Saarholz der «Financial Times Deutschland»
(Dienstagausgabe) sagte. Der Verband hat derzeit rund 500 000
Mitglieder.
Auch beim Sozialverband VdK wächst die Anhängerschaft.
«Allein in den letzen zwei Jahren sind bei uns 200 000 neue
Mitglieder hinzugekommen - Todesfälle schon raus gerechnet»,
sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger der Zeitung. Der VdK hat
derzeit rund 1,3 Millionen Mitglieder. Insgesamt gibt es in Deutschland
rund 19,5 Millionen Rentner.
Als Grund für den Boom ihrer Organisationen gaben beide an, die
zahlreichen Einschnitte für Rentner mobilisierten die
Ruheständler. Der SoVD stellt Rentnern etwa Vorlagen zur
Verfügung, mit denen sie Widerspruch gegen ihre
Rentenkürzungen einlegen können. «Die gehen weg wie
warme Semmeln», sagte Saarholz.
(Quelle: ddp)
Ruf bei Grünen nach Überprüfung der Agenda 2010
Di.06.04.04 - Nach den Massendemonstrationen gegen den rot-grünen Reformkurs am
vergangenen Wochenende wird bei den Grünen der Ruf nach einer
Überprüfung der Agenda 2010 laut. «Die Bundesregierung
sollte die gesamte Agenda 2010 zusammen mit der Opposition nach einem
Jahr überprüfen», sagte der nordrhein-westfälische
Grünen-Landeschef Frithjof Schmidt der «Berliner
Zeitung» (Dienstagausgabe). Dabei müssten Wirksamkeit und
die soziale Ausgewogenheit der Reformen kritisch unter die Lupe
genommen werden. Die Proteste nannte Schmidt
«beeindruckend». Es sei die Pflicht der Politik, auf die
Sorgen der Demonstranten zu reagieren.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Werner
Schulz, bezeichnete die Überprüfung der Agenda 2010 als eine
vernünftige Idee. Die Agenda weise insgesamt in die falsche
Richtung. Er habe große Zweifel, ob die Reformen wie von der
Bundesregierung behauptet zu mehr Arbeitsplätzen führten.
«Die Demonstranten haben zu Recht demonstriert», betonte
Schulz. Er forderte die Einführung einer sozialen Grundsicherung,
der Vermögensteuer und Bürgerversicherung, die Reform der
Erbschaftsteuer und einen Vorstoß für ein Mindestlohngesetz.
(Quelle: ddp)
Druck auf Bundesbankpräsident nimmt zu
Welteke und Bundesbank zahlen Hotelrechnung zuräck
Di.06.04.04 - Der Druck auf Bundesbankpräsident Ernst Welteke wegen der
Hotelkostenaffäre wächst: Am Montag ging auch
Bundesfinanzminister Hans Eichel auf Distanz zu Deutschlands oberstem
Geldpolitiker. Eichel forderte, dass «alle Konsequenzen»
gezogen werden müssten. Welteke erstattete unterdessen einen Teil
der Spesen für einen von der Dresdner Bank gesponserten Aufenthalt
im Berliner Luxus-Hotel «Adlon» zurück. An einen
Rücktritt denke der Notenbankchef aber nicht, sagte sein Sprecher
Wolfgang Mörke.
«Was die Bundesregierung betrifft, so sind nach den
Verhaltensregeln, die wir haben, solche Vorgänge nicht
möglich», sagte Eichel. «Die Bundesbank hat den
Sachverhalt, um den es geht, schnell geklärt und Konsequenzen
gezogen. Ich betone, dass alle Konsequenzen im Bereich der Bundesbank
selber zu ziehen sind», sagte Eichel. Der SPD-Politiker wies
darauf hin, dass die Bundesbank eine unabhängige Institution ist.
Es gebe weder eine Rechts-, noch eine Dienst-, noch eine Fachaufsicht
des Finanzministeriums.
Auch SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter kritisierte Welteke
mit deutlichen Worten: «Ich habe kein Verständnis
dafür, ich kann das auch nicht billigen.» Benneter sagte
aber gleichzeitig, mit der Erklärung sei der Fall für ihn
abgeschlossen, «wenn es sich um einen einmaligen Vorgang
handelt». Der Fraktionsvize der Grünen, Hans-Christian
Ströbele, warf Welteke in der «Welt» vor, es sei
«einfach unanständig, sich in dieser
Größenordnung beschenken zu lassen, wenn man quasi der
höchste deutsche Finanzbeamte ist».
Schützenhilfe bekam der Bundesbank-Chef unterdessen von Seiten des
Personalrates. «Die Mitarbeiter stehen hinter ihrem
Präsidenten», zitierte die «Financial Times
Deutschland» (Dienstagausgabe) den Personalratsvorsitzenden der
Bank, Hans-Georg Hahn. «Er ist ein guter Präsident und soll
im Amt bleiben.» Allerdings sei er wohl etwas unbedarft an die
Sache rangegangen. «Er wird aber daraus seine Lehren
ziehen.»
Welteke teilte unterdessen mit, dass die Bundesbank und er selbst der
Dresdner Bank die Hotelkosten für die Silvesterfeier zur
Euro-Einführung 2001/2002 zurückerstattet hätten. Die
Bundesbank habe «den Sachverhalt eingehend geprüft und ist
angesichts der auch für die Bundesbank besonderen Bedeutung der
Euro-Bargeldeinführung zu dem Ergebnis gekommen, dass der
dienstliche Anteil der Veranstaltung im Umfang von zwei Tagen von der
Bundesbank bezahlt wird. Die verbleibenden zwei Übernachtungen
werden von mir persönlich übernommen.» Die
Überweisungen seien bereits erfolgt.
Von der Opposition kam die Forderung nach weiteren Konsequenzen.
Welteke solle sein Amt ruhen lassen, bis alle Vorwürfe restlos
aufgeklärt seien, sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder
der AP. Auch CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer verlangte von
Bundesbank und Finanzministerium eine kurzfristige Prüfung, ob das
Verhalten Weltekes beamten- und steuerrechtliche Konsequenzen haben
müsse. Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz
Däke, forderte im «Tagesspiegel» den Rücktritt
des Notenbankchefs.
Der Vorsitzende der Mittelstandsunion, Hans Michelbach, will Welteke
wegen der Hotelkostenaffäre vor den Finanzausschuss des
Bundestages zitieren lassen. Mit der Zahlung der Hotelrechnung sei die
Angelegenheit nicht behoben, erklärte der CSU-Politiker.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer äußerte sich
hingegen verwundert über die Rücktrittsforderungen und warf
der Union vor, die Affäre parteipolitisch zu instrumentalisieren.
Eichels Sprecher Müller berichtete, von den Übernachtungen
Weltekes im «Adlon» auf Kosten der Dresdner Bank habe das
Bundesfinanzministerium durch anonyme Briefe in der vergangenen Woche
Kenntnis erhalten.
(Quelle: ap)
Aktionärsschützer kritisieren Aufsichtsratsbezüge bei
Schering
Di.06.04.04 - Die Aktionärsvereinigung DSW hat die Höhe der
Aufsichtsratsbezüge bei Schering kritisiert und geplante
aktienkursabhängige Zahlungen des Pharmakonzerns an seine
Kontrolleure als Rechtsverstoß bezeichnet.
"Manche Unternehmen sind offensichtlich unbelehrbar", sagte Ulrich
Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung
für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag in Düsseldorf. Bei der
Schering-Hauptversammlung am 16. April werde die DSW gegen die geplante
Verknüpfung der Bezüge mit der Kursentwicklung der
Schering-Aktie stimmen. Die DSW bemängelte, dass Schering-Aufseher
deutlich mehr kassierten als ihre Kollegen bei anderen Dax-Unternehmen.
Ein Schering-Sprecher sagte, mit der geplanten Neuregelung sollten die
Bezüge der Aufsichtsräte etwa auf dem jetzigen Niveau bleiben.
Im Jahr 2003 bekam ein einfaches Aufsichtsratsmitglied bei Schering
nach DSW-Angaben etwa 195.000 Euro. Bei Altana seien es etwa 125.000
Euro gewesen, bei der Deutschen Bank als drittstärkstem Zahler im
Deutschen Aktienindex (Dax) etwas mehr als 100.000 Euro.
Die Bezahlung der Aufsichtsräte hatte sich bei Schering in der
Vergangenheit in erster Linie an der Höhe der Dividende bemessen.
Das Unternehmen will diese für 2003 trotz eines
Gewinnrückgangs bei 93 Cent konstant halten.
Künftig soll sich die Aufsichtsratsvergütung an Gewinn und
Aktienkurs orientieren: Für 2003 hätte demnach jeder Aufseher
neben einer Basisvergütung von 50.000 Euro etwas über 40.000
Euro auf Grund des Gewinns kassiert, dazu durchschnittlich 24.000 Euro
für die Arbeit in Ausschüssen. Sollte sich der Wert der
Schering-Aktie unter Einbeziehung der Dividenden in drei Jahren um 15
Prozent steigern, würde jedes Mitglied des Gremiums noch einmal
rund 70.000 Euro pro Jahr kassieren. Bei einer höheren
Wertsteigerung steigt dieser Anteil, bei weniger als 15 Prozent
fällt er weg.
Nach Angaben der DSW verstößt diese Regelung gegen ein
Urteil des Bundesgerichtshofes sowie gegen den so genannten Corporate
Governance Kodex, zu dem sich auch Schering bekenne. Demnach sei eine
kursbezogene Bezahlung zwar für Vorstände, nicht aber
für Aufsichtsräte akzeptabel. Schering erklärte, die
langfristige Orientierung an der Kursentwicklung trage dazu bei, dass
sich die Interessen von Aufsichtsrat und Aktionären deckten. Die
Einwände der DSW teile Schering nach eingehender Prüfung
nicht.
(Quelle: rtr)
Wachstum und Optimismus bei Dienstleistern abgeflaut
Di.06.04.04 - Das Wachstum der Dienstleistungsbranche in Deutschland und der
Euro-Zone hat sich im März überraschend deutlich
abgeschwächt. Da vor allem das Neugeschäft weniger stark
zulegte als zuletzt, schwand auch der Zukunftsoptimismus der Branche,
zu der Hotels, Banken und Transportfirmen gehören.
Zwar signalisierte der deutsche Reuters-Service-Index am Montag trotz
eines Rückgangs auf 53,2 von 54,1 Punkten im Vormonat weiterhin
eine Zunahme der Geschäfte. Die befragten Einkaufsmanager
berichteten jedoch vom geringsten Wachstum in Deutschland und der
Euro-Zone seit einem halben Jahr. "Somit sind die Daten zwar kein gutes
Zeichen, aber auch keine Alarmglocke", sagte Volkswirt Dirk Schumacher
von Goldman Sachs. Die meisten Analysten hatten mit einem stabilen
Wachstum gerechnet.
Im Gegensatz zu den Dienstleistern hatten die vom britischen
Forschungsinstitut NTC befragten Einkaufsmanager in der Industrie im
März eine Beschleunigung der Erholung festgestellt.
NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson erklärte die unterschiedliche
Entwicklung so: "Die Industrie profitiert viel mehr von der Erholung
der Weltwirtschaft. Dienstleister hängen mehr von der
Inlandsnachfrage ab und haben deshalb größere
Schwierigkeiten." Die Umfrage bedeute jedoch nicht ein Ende der
wirtschaftlichen Erholung, fügte Williamson hinzu.
Die rund 500 in Deutschland befragten Manager im Service-Sektor
berichteten, dass die Aufhellung der Konjunktur die
Ausgabenbereitschaft ihrer Kunden zwar insgesamt erhöht habe. Der
Auftragseingang sei dennoch insgesamt nur mäßig ausgefallen.
Auch in der gesamten Euro-Zone wuchsen die Geschäfte langsamer,
der Index für das Währungsgebiet fiel auf 54,4 von 56,2
Punkten. Die Bombenanschläge von Madrid führten in Spanien zu
einer kräftigen Abschwächung des Wachstums, außerhalb
des Landes beeinträchtigten die Anschläge die Geschäfte
dagegen kaum. Die deutschen Dienstleister erholten sich weiterhin
langsamer als ihre Branche in Frankreich, Italien und Spanien.
Sowohl in Deutschland als auch in der gesamten Euro-Zone rechnen weiter
mehr Einkaufsmanager in den nächsten zwölf Monaten mit einem
besseren als mit einem schlechteren Geschäft. Allerdings nahm die
Zahl der Optimisten deutlich ab. Die Firmen bezweifeln nach
Einschätzun von Williamson zunehmend, ob die Erholung kräftig
ausfällt und lange andauern wird. "In Deutschland machen sich die
Firmen außerdem Sorgen über die fehlende Nachfrage des
öffentlichen Sektors."
Eine vergleichsweise gute Nachricht lieferte die Umfrage für den
Arbeitsmarkt: Sowohl in Deutschland als auch in Europa entließen
die Firmen trotz des schwächeren Wachstums weniger Mitarbeiter.
Volkswirt Andreas Rees von der HypoVereinsbank wies allerdings darauf
hin, dass sich die Beschäftigungslage im Dienstleistungs-Sektor
dringend weiter verbessern muss, da die Branche mehr als 70 Prozent
aller Arbeitnehmer beschäftige. Ansonsten "wird der Aufschwung in
Deutschland mager bleiben, weil sich beim privaten Verbrauch nichts
tut", sagte Rees.
(Quelle: rtr)
Lockerung des Pressefusionsrechts: Monopolkommission warnt vor Schub
bei Pressekonzentration
Di.06.04.04 - Die Pläne der Bundesregierung für eine Lockerung der
Fusionskontrolle im Pressewesen sind von der Monopolkommission
kritisiert worden. Die Kommission, die die Bundesregierung in
Wettbewerbsfragen berät, hat ein Sondergutachten erstellt. In
einer am Montag in Bonn veröffentlichten Erklärung warnte
sie, die Neuerung könne zu erheblichen Konzentrationsprozessen im
Pressewesen, zu einer Ausdünnung der publizistischen Vielfalt und
zu einem deutlichen Rückgang von
Beschäftigungsmöglichkeiten für Journalisten führen.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement will Fusionen auf dem Pressemarkt
durch eine Änderung des Wettbewerbsrechts wesentlich erleichtern
und Zeitungsverlagen die Übernahme von Konkurrenten auch dann
erlauben, wenn dies ihre marktbeherrschende Stellung verstärkt.
Ohne diese Neuregelung wäre nach Einschätzung Clements der
Fortbestand vieler mittelständischer Verlage und die
publizistische Vielfalt gefährdet.
Die Monopolkommission befürchtet jedoch, dass der vom Ministerium
vorgelegte Referentenentwurf die Situation auf dem Medienmarkt eher
verschlimmern wird. Schon die Grundkonzeption des Entwurfs,
konzerninterne Vielfalt an die Stelle von Vielfalt durch
wirtschaftlichen Wettbewerb zu setzen, ist nach Auffassung der
Monopolkommission verfehlt. «Die Gesetzesänderung ist
geeignet, das Gegenteil von dem zu erreichen, was als Ziel angegeben
ist», warnten die Experten.
Der Entwurf lasse dem Erwerber einer Zeitung oder Zeitschrift
vielfältige Möglichkeiten, deren Eigenständigkeit
auszudünnen, hieß es. Die vorgesehene Verhaltenskontrolle
durch das Bundeskartellamt sei nicht praktikabel. Entweder
beschränke sie sich auf Formales und sei wenig effektiv, oder sie
beziehe sich auch auf die Inhalte, was verfassungsrechtlich nicht
zulässig sei. Unverständlich sei zudem, warum der Entwurf
keine Maßnahmen zum Schutz der publizistischen
Selbstständigkeit der bereits im Eigentum des Erwerbers
befindlichen Blätter vorsehe, und warum der Anwendungsbereich der
geplanten Regelung sich nicht auf Not leidende Presseobjekte
beschränke, sondern sogar den Zeitschriftenmarkt einbeziehe.
Die Experten warnten vor Überreaktionen. Es stelle sich generell
die Frage, ob die derzeitige Krise im deutschen Pressewesen
überhaupt langfristige Auswirkungen habe, oder ob es sich nur um
die Korrektur von Fehlentwicklungen während der «goldenen
Jahre» bis 2000 handle. Falls es tatsächlich einen
nachhaltigen Rückgang der Nachfrage auf Leser- und
Anzeigenmärkten gebe, könne auch staatliche Privilegierung
die bisherige Vielfalt an Zeitungen und Zeitschriften nicht bewahren.
(Quelle: ap)
Monopolkommission:
http://www.monopolkommission.de
Greenpeace sieht Weg zur Industrieproduktion
von Menschen frei
Aus Protest gegen ein Patent auf menschliche Embryonen hat die
Umweltschutzorganisation Greenpeace am Montag die Eingänge des
Europäischen Patentamts in München blockiert
Di.06.04.04 - Rund 100 Aktivisten mauerten die Zugänge symbolisch mit Steinen
und Eisblöcken zu, in denen Babypuppen eingefroren waren.
Das im November 2003 unter der Nummer EP 1121015 erteilte Patent
umfasst laut Greenpeace menschliche Eizellen, Sperma und Embryonen, die
nach einem bestimmten Verfahren tiefgekühlt und zur
künstlichen Befruchtung verwendet werden. Auch Embryonen, die in
die Gebärmutter eingepflanzt werden, seien geschützt. Damit
habe das Amt einen Präzedenzfall geschaffen. Das sei der
«Weg hin zur Industrieproduktion von Menschen», kritisierte
Greenpeace. Die Organisation kündigte ein Einspruchsverfahren an.
Das Europäische Patentamt wollte sich zu dem umstrittenen Patent
nicht äußern. «Auf Grund des zu erwartenden Einspruchs
handelt es sich um ein schwebendes Verfahren, das wir nicht
kommentieren», sagte Behördensprecher Godehard Nowak.
Laut Greenpeace-Experte Christoph Then ist das Patent von zwei
US-Wissenschaftlerinnen angemeldet worden. Dahinter stecke aber die
schwedische Firma «Vitrolife», die das Patent bereits in
weltweit über 100 Staaten angemeldet habe und sich mit
künstlicher Befruchtung, Stammzellenforschung und
Organtransplantationen befasse.
Then sagte, Greenpeace sei trotz des geplanten Einspruchs skeptisch,
weil das eigentliche Problem in vielen Gesetzeslücken liege, die
ähnliche Patente auch in Zukunft möglich machten.
Insbesondere die EU-Richtlinie 98/44, auf die sich das Patentamt bei
der Vergabe derartiger Schutzschriften berufe, müsse dringend
überarbeitet und Schlupflöcher geschlossen werden. Die
EU-Richtlinie enthalte zwar viele Verbote, die Patente auf Pflanzen und
Tiere sowie den Menschen betreffen. Die Patentskandale der letzten
Jahre zeigten aber, dass diese Verbote rechtlich nicht ausreichend
seien.
Ein deutliches Signal, dass sogar Patente auf menschliches Leben kein
Problem seien, habe das Patentamt von Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries bekommen, kritisierte Greenpeace. Die Ministerin habe bereits
mehrfach klar gestellt, dass sie gegen derartige Fälle nicht
vorgehen wolle. Statt auf eine Schließung der Schlupflöcher
zu dringen, handele das Bundesjustizministerium
«verantwortungslos», sagte Then. So sei ein Vorstoß
der französischen Regierung für eine klarere Regelung
derartiger Patente von Zypries nicht aufgegriffen worden.
Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums sagte, das Patent werde
derzeit geprüft. Im Übrigen seien weder ein Einspruch noch
eine Nichtigkeitsklage «originäre Aufgaben» des
Ministeriums.
Greenpeace bekräftigte seine Forderung, Patente auf Gene und
Lebewesen komplett zu verbieten. Unterstützung erhielt die
Organisation von CDU/CSU. Bundestagsfraktionsvize Maria Böhmer
sagte, die Blockade des Patentamts offenbare die Versäumnisse von
Zypries. Die Ministerin müsse die EU-Richtlinie
schnellstmöglich umsetzen, um anschließend die
Weiterentwicklung des Europäischen Patentrechts voranzutreiben.
(Quelle: ap)
Greenpeace:
http://www.greenpeace.de/
Blick ins Archiv:
Greenpeace fordert Stammzellforscher Brüstle zu Verzicht auf
Embryonen- Patent auf
Fr.19.12.03 - Das Patent unterhöhle die ethischen Grenzen und leiste 'der
Kommerzialisierung des menschlichen Körpers Vorschub'...
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat den Bonner Professor Oliver
Brüstle aufgefordert, auf ein ihm erteiltes Gentechnik-Patent zu
verzichten. Andernfalls will die Organisation vor Gericht ziehen. Die
von einer Münchner Anwaltskanzlei vorbereitete Klageschrift sei
Brüstle am Donnerstag zugeleitet worden, erklärte Greenpeace
in Hamburg. Brüstle wies in Bonn die Vorwürfe als haltlos
zurück.
Nach Darstellung von Greenpeace geht es bei dem 1999 vom Deutschen
Patentamt erteilten Patent für den Stammzellenforscher um die
kommerzielle Verwertung menschlicher Embryonen. Unter anderem sollten
menschliche Embryonen (ähnlich wie das Klon-Schaf Dolly)
produziert werden.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312190.htm#03121918
Patent auf Erzeugung zweigeschlechtlicher Embryonen angemeldet
Di.08.07.03 - Ein aus Österreich stammender Forscher hat ein Patent auf die
Erzeugung zweigeschlechtlicher Embryonen angemeldet. Dies berichtete am
Donnerstag das britische Magazin "New Scientist" in seiner
Online-Ausgabe. Der für das Zentrum für menschliche
Reproduktion in New York und Chicago arbeitende Genetiker Norbert
Gleicher hatte in dieser Woche mitgeteilt, dass er Zellen aus einem
drei Tage alten männlichen Embryo entnommen und weiblichen
Embryonen eingepflanzt habe. Damit wollte er nach eigenen Angaben kein
Kind entstehen lassen, sondern eine Theorie zu einer
Gentherapie-Alternative testen. Die Embryonen waren nach wenigen Tagen
vernichtet worden. Die Tests hatten eine neue Debatte über die
ethischen Grenzen der Gentechnik ausgelöst.
(Quelle: afp)
Ärzte und Greenpeace fordern Verbot von Patenten auf Leben
Sa.07.06.03 - Die Bundesärztekammer, Misereor und Greenpeace haben die Bundesregierung am Freitag gemeinsam aufgefordert,
Patente auf Leben zu verbieten. Die Regierung müsse sich endlich für die Neuordnung des Patentrechtes auf europäischer
Ebene einsetzen, forderten die drei Organisationen. Mit ihren Forderungen stützen sie sich nach eigenen Angaben auf die
Voten der Bundestags-Enquete-Kommissionen für Bio-Ethik und für Globalisierung... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0306070.htm#03060717
Europäisches Patentamt erteilt Patent auf Manipulation menschlicher Gene
Mi.23.02.2000 - Auf Antrag der Universität Edinburgh hat das Europäische Patentamt (EPA)
in München ein Patent vergeben, das die gentechnische Manipulation menschlicher
Embryonen mit einschliesst.... Mehr unter
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/divers19.htm
Patent auf Leben: Bricht Europäisches Patentamt geltendes Recht?
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/epaguta1.htm
Bio-Patente: Europäisches Patentamt fällt Entscheidung für die Industrie
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/epa01.htm