Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertfünfundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Gewaltsame Auseinandersetzungen mit Aufständischen und
Besatzungtruppen fordern immer höheren Blutzoll - Mehr als 150
Tote seit Sonntag. In der Nacht zum Mittwoch mindestens 30 Tote und 25
Verletzte bei Kämpfen in Falludscha. Am Dienstag wurden mindestens
zwölf US-Soldaten im Irak getötet. Radikale Schiiten drohen
bei Festnahme des Predigers Sadr mit Blutbad. Schiitenführer
Sistani ruft Iraker erneut zur Ruhe auf. Berlusconi: Italienische
Truppen bleiben in Irak. Deutsche Politiker einig gegen deutschen
Kampfeinsatz in Irak. Blix hält Irak-Krieg für
größere Gefahr als irakische Ex-Regierung
Mi.07.04.04 - Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des
radikalen Schiitenführers Moktada Sadr und Soldaten der
US-geführten Koalition in Irak sind seit Sonntag mehr als 150
Menschen ums Leben gekommen. Sadr verließ unterdessen die Moschee
in der zentralirakischen Stadt Kufa, in der er sich zuvor verschanzt
hatte, um "ein Blutvergießen zu vermeiden". Er wolle auch
verhindern, dass die Moschee von Leuten geschändet werde, "die vor
nichts zurückschrecken". Sadr sagte, er sei in die heilige
Schiitenstadt Nadschaf zurückgekehrt. Angesichts der fortgesetzten
Aufstände radikaler Schiiten in mehreren Städten Iraks hatten
die USA Sadr zum "Gesetzlosen" erklärt und seine Verfolgung
angekündigt. Nach US-Angaben liegt gegen Sadr Haftbefehl wegen
Mordes vor.
Bei Kämpfen mit Aufständischen in der irakischen Stadt Ramadi
sind am Dienstag rund zwölf US-Marineinfanteristen getötet
worden. Zwei Dutzend weitere Soldaten seien verletzt worden, als etwa
60 bis 70 Aufständische den Gouverneurspalast in der westlich von
Bagdad gelegenen Stadt mit Panzerabwehrgranaten und Automatikwaffen
angegriffen hätten, sagte ein Pentagonvertreter in Washington.
Offensichtlich seien die Angreifer "gut trainiert" gewesen. "Wir sind
uns ziemlich sicher, dass sie sehr viel schwerere Verluste erlitten
haben als wir", fügte der Pentagon-Mitarbeiter hinzu, der anonym
bleiben wollte. Nach seinen Angaben könnte der Angriff von
Anhängern des radikalen Schiitenführers Moktada Sadr
geführt worden sein.
Allein in der Hauptstadt Bagdad meldenten am Dienstag Gesundheitsamt
und Krankenhäuser 58 Tote und 236 Verletzte. In der irakischen
Stadt Nassirijah wurden am dritten Tag der gewaltsamen
Auseinandersetzungen zwischen Koalitionstruppen und aufständischen
Schiiiten etwa 15 Iraker getötet und zwölf italienische
Soldaten leicht verletzt, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA
meldete.
In Amara, rund 370 Kilometer südöstlich von Bagdad, wurden
nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörden zwölf Iraker
getötet und 27 weitere verletzt. Bei einem Einsatz in der Provinz
El Anbar westlich der irakischen Hauptstadt wurden vier US-Soldaten
getötet. Drei weitere US-Soldaten kamen am Montag in einem
schiitischen Stadtviertel in Bagdad ums Leben. In Bakuba wurde ein
irakischer Übersetzer ermordet, der für die US-Armee
arbeitete.
In der sunnitischen Widerstandshochburg Falludscha sind bei
Kämpfen zwischen Aufständischen und US-Soldaten in der Nacht
zum Mittwoch mindestens 30 Iraker getötet und 25 weitere Iraker
verletzt worden. Das berichteten Krankenhausmitarbeiter in der westlich
von Bagdad gelegenen Stadt.
Hunderte US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte hatten
Falludscha im so genannten sunnitischen Dreieck abgeriegelt. In einem
Stadtteil lieferten sich US-Marineinfanteristen erbitterte Gefechte mit
Aufständischen. Truppen führten in mehreren Häusern und
einer Moschee Razzien durch.
Die US-Militäraktion ist eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod und
die Verstümmelung von vier Amerikanern vor einer Woche.
Ein Vertreter des einflussreichsten geistlichen Führers der
Schiiten in Irak, Großayatollah Ali Sistani, hat seine Landsleute
erneut zur Ruhe aufgerufen. "Wir haben einen Aufruf zu Ruhe und zur
Wahrung der öffentlichen Ordnung veröffentlicht",
erklärte Scheich Abdel Mehdi el Karbalai, der Vertreter Sistanis
in der zentralirakischen Stadt Kerbela, am Dienstagabend.
Die Lage in Irak hat sich unterdessen weiter verschärft. Ein
Sprecher des Schiitenführers Moktada Sadr drohte, falls Sadr
verhaftet werde, würden "Ströme aus Blut" fließen.
Der Vize-Chef in Sadrs Hauptquartier, Scheich Amdschad el Saadi, warnte
die USA vor einer Festnahme des jungen Schiitenführers. "Wenn die
Amerikaner Sadr verhaften, wird dies Ströme aus Blut zur Folge
haben." Sadrs Gefolgsleute "könnten Selbstmordattentäter auf
sie loslassen".
Der britische Premier Toni Blair sagte bei einem Treffen mit dem
irakischen Interims-Außenminister Hoschjar Sebari in London,
für Milizen wie die Sadr-Anhänger gebe es "absolut keinen
Platz" in Irak. Bremer versuchte unterdessen, die Unruhen
herunterzuspielen. Es gebe in Irak "keinen schiitischen Aufstand",
sagte er dem US-Fernsehsender NBC.
Der weltweit gesuchte militante Islamist Abu Musab al-Zarqawi drohte
der Koalition derweil auf einem Tonband mit neuen Anschlägen. In
Jordanien wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er wurde
für schuldig befunden, gemeinsam mit sieben weiteren Verurteilten
im Oktober 2002 einen US-Diplomaten ermordet zu haben.
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will seine
Truppen trotz der gefährlichen Lage in Irak stationiert lassen.
"Wir werden uns den bewaffneten Milizen nicht beugen", sagte der
Regierungschef am Dienstag in einer Sendung des Fersehsenders RAI. Die
aktuellen Ereignisse änderten nichts an Italiens
Militärpräsenz in Irak. Er halte auch eine neue UN-Resolution
nicht für erforderlich. Eine weitere Entschließung des
UN-Sicherheitsrates werde nichts an der Lage im Land ändern, sagte
Berlusconi.
Eine Beteiligung der Bundeswehr an Kampfeinsätzen in Irak steht
für deutsche Politiker auch für den Fall eines
NATO-Engagements nicht zur Debatte. Strittig ist jedoch eine deutsche
Mitarbeit in beteiligten NATO-Stäben. Der stellvertretende
Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Schäuble, sagte der
«Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe), angesichts der
Belastung der Bundeswehr durch die gegenwärtigen
Auslandseinsätze werde man sicher keine Truppenverbände nach
Irak schicken.
«Aber wir dürften keinesfalls unsere deutschen Offiziere aus
beteiligten NATO-Hauptquartieren zurückziehen», betonte
Schäuble. Er befürworte ein NATO-Engagement unter einem
Mandat der Vereinten Nationen. «Und ich würde dann
selbstverständlich nicht sagen: Wir selbst machen da aber nicht
mit.» Allerdings müsse man die begrenzten Kapazitäten
der Bundeswehr berücksichtigen.
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Gernot Erler hingegen sagte
demselben Blatt, im Extremfall müssten die deutschen Offiziere aus
den NATO-Stäben abgezogen werden. Aus Gründen der
Glaubwürdigkeit dürfe die Regierung nicht vom Kurs abweichen.
Allerdings zeichne sich in der NATO eine Lösung ab, die
Deutschland die unangenehme Entscheidung ersparen könne. Es gebe
Überlegungen, Offiziere der jetzt schon mit Truppen in Irak
vertretenen NATO-Staaten in einem speziellen Stab für den
gemeinsamen NATO-Einsatz zusammenzufassen, «dann müsste man
nicht auch noch deutsche Offiziere dazu holen».
Auch der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr,
Generalleutnant Hans-Heinrich Dieter, betonte am Dienstag im
Deutschlandradio Berlin, gegenwärtig sei ein Einsatz der
Bundeswehr in Irak kein Thema. Wenn aber eine künftige legitime
Regierung Iraks auf der Basis eines UN-Mandats um humanitäre Hilfe
bitten sollte, werde man neu entscheiden müssen. Man könne
dann beispielsweise über Hilfe durch Lufttransporte und ABC-Abwehr
nachdenken. Mit gegenwärtig sechs Einsätzen auf drei
Kontinenten unter Beteiligung von insgesamt 7.500 Soldaten sei die
Bundeswehr schon an eine Grenze gestoßen.
Der Irak-Krieg ist nach Ansicht des ehemaligen UN-Chefwaffeninspekteurs
Hans Blix eine größere Gefahr für die Welt als die
ehemalige irakische Regierung von Saddam Hussein. "Das Gute ist, dass
Saddam und sein blutiges Regime nicht länger an der Macht sind",
sagte Blix der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten"
(Dienstagausgabe). "Aber wenn man eine Rechnung aufmacht, wiegen die
negativen Auswirkungen schwerer." Bereits während des Krieges
seien viele Menschen gestorben; jetzt kämen viele Menschen "durch
den Terrorismus" ums Leben, "für den der Krieg den Nährboden
bereitet hat", sagte Blix. "Zudem sind die Glaubwürdigkeit der
westlichen Regierungen und die Autorität der Vereinten Nationen
beschädigt worden."
(Quellen: afp, ap, dpa)
Ostermärsche und -aktionen 2004
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
Befehlsverweigerung
Die deutsche Regierung war gegen den Irakkrieg. Trotzdem hat die Bundeswehr den
USA geholfen. Major Florian Pfaff konnte das nicht einsehen und verweigerte sich
Befehlen. Dafür wurde er degradiert und auf seinen Geisteszustand untersucht...
Mehr in der "tageszeitung" vom 07.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/07/a0102.nf/text
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Neunzehnter Kriegstag in Irak
Mo.07.04.03 - Bagdad wird zum Schlachtfeld +++ US-Truppen erreichen offenbar Stadtzentrum
der irakischen Hauptstadt +++ Heftige Kämpfe in der Innenstadt +++ Tausende
Tote und Verwundete +++ Krankenhäuser in Bagdad zählen die Verletzten
nicht mehr +++ Der zwölfjährige Ali Ismail Abbas schlief tief, als der Krieg
sein Leben zerstörte: Eine Raketeneinschlag machte das Haus seiner Familie dem
Erdboden gleich und tötete die meisten seiner Angehörigen. Er selbst blieb
als Waise mit schweren Verbrennungen zurück. Seine beiden Arme wurden durch die
Wucht der Explosion abgerissen +++ Britische Panzer offenbar in der Innenstadt von Basra +++
US-Militär: Kerbela nach Straßenkämpfen unter Kontrolle +++ Kurdische Kämpfer
rücken vor. Ethnische Säuberung in Kirkuk befürchtet +++ 18 Kurden durch 'Friendly Fire'
getötet +++ Türkei und Iran einig in Ablehnung eines Kurdenstaates im Nordirak +++
Sondersitzung des Sicherheitsrats zu Irak +++ Verteilung der Beute - US-Übergangsregierung für Irak
wartet in Kuwait auf Einsatz. Ölkonzernen Verträge zugesichert +++ Bundesregierung und Union
warnen USA vor weiteren Alleingängen +++ Zehntausende protestierten erneut gegen Irak-Krieg +++
Spanischer Untersuchungsrichter Garzon spricht bei Anti-Kriegs-Demonstration in Madrid +++ Im Internet findet
sich vor allem seit dem letzten Irakkrieg eine ernst zu nehmende Anzahl alternativer Nachrichtenquellen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304070.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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CIA gibt Bundesnachrichtendienst 'indirekt' Schuld am Waffengang gegen
Irak
Der BND soll unzuverlässige Informationen über irakische
Biowaffen als gesicherte Fakten dargestellt haben
Mi.07.04.04 - Der Bundesnachrichtendienst (BND), zuständig für die
Auslandsaufklärung, «is not amused»: Die
unerfreulichen Vorwürfe, die über den Atlantik gegen ihn von
den amerikanischen Geheimdiensten herüberkommen, «haben es
wirklich in sich und drohen zu einem handfesten Krach zwischen Berlin
und Washington zu führen», war am Dienstag aus deutschen
Sicherheitskreisen zu vernehmen.
Die US-Dienste werfen nach Darstellung von CIA-Angehörigen dem BND
vor, «unzuverlässige Informationen über irakische
Biowaffen als gesicherte Fakten dargestellt und dadurch, wenn auch nur
indirekt, zum Waffengang gegen den Irak beigetragen zu haben».
Berlin ist düpiert. Der BND schweigt, weil er «seine Quelle
absolut schützen muss», hieß es aus dem
Nachrichtendienst.
«Wir sind einem irakischen Überläufer aufgesessen, dem
wir zu großes Vertrauen geschenkt haben», erläuterte
ein BND-Experte der Nachrichtenagentur ddp. Der Agent mit dem Decknamen
«Curveball» kam seinerzeit aus irakischen INC-
Oppositionskreisen auf die Deutschen zu und berichtete über
rollende Biowaffenlabors des Diktators Saddam Hussein. Damit sollte die
Produktion von C-Waffen vor der Weltöffentlichkeit verborgen
werden.
«Curveball», ein Chemiker, schilderte Einzelheiten der
mobilen Giftküchen und ließ auch entsprechende Zeichnungen
anfertigen. Der BND war «stolz» auf die brisanten
Erkenntnisse. Sie wurden von BND-Präsident August Hanning auf
Sitzungen des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages in Berlin am
13. November 2002 und am 12. Februar 2003 den Abgeordneten
präsentiert.
Berlin unterrichtete Washington über sein Wissen über die
angeblich fahrenden Labors. Als sich die Absichten der Amerikaner zum
kriegerischen Vorgehen gegen das Land zwischen Euphrat und Tigris
verdichteten, bat die US-Administration die Deutschen, ihr die Angaben
von «Curveball» zu überlassen.
In seinem berühmt gewordenen Auftritt am 5. Februar 2003 vor dem
UN-Sicherheitsrat führte Außenminister Colin Powell die
gezeichneten «Satellitenfotos» - «Mobile Production
Facilities For Biolagical Agents» - der ganzen Welt vor. Jetzt
musste Powell aber vor einem Untersuchungsausschuss den Flop
eingestehen. Die Angaben seiner Rede von damals hätten sich
«als falsch erwiesen». Seinerzeit sprach er von
«stichhaltigen Beweisen». Powell will nun untersuchen
lassen, «wie es zu dem Falschspiel» gekommen ist.
Die für den Bundesnachrichtendienst «äußerst
unerfreuliche Angelegenheit» flog auf, nachdem die «Los
Angeles Times» offenbarte, der BND habe den Amerikanern
vorenthalten, dass es für seine Erkenntnisse nur eine einzige und
dazu noch dubiose Quelle gegeben habe.
Die Bundesregierung argumentiert, sie habe erst nach Kriegsende von den
engen Verbindungen des Agenten «Curveball» zur damaligen
irakischen Exil-Opposition erfahren. Berliner Regierungskreise sprechen
von einem «sehr merkwürdigen Versuch» Washingtons,
angesichts der augenblicklichen schlechten Lage, in die Präsident
George W. Bush in seinem gefährlichen Engagement im Irak geraten
ist, «irgendwie Schuld auf Deutschland zu wälzen und damit
von sich abzulenken».
Der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion,
Friedbert Pflüger (CDU), hat eine eingehende Untersuchung
verlangt. Als Konsequenz aus dem Dilemma nach dem Versagen bei der
Einschätzung des irakischen Massenvernichtungsprogramms begann
CIA-Direktor George Tenet «schnellstens» mit einer
Strukturreform. Unter den verschiedenen Abteilungen der CIA und auch
zwischen den anderen US-Geheimdiensten soll der Austausch über
Quellen und Herkunft von Informationen «höchstmöglich
verbessert werden».
(Quelle: ddp)
UN-Diplomat sieht neuen Wahltermin in Afghanistan gefährdet -
Karsai ruft zum Dschihad gegen Drogenanbau auf
Mi.07.04.04 - Der stellvertretende UN-Generalsekretär Jean-Marie Guehenno sieht
den neuen Termin für die Wahlen in Afghanistan im September
gefährdet. Die Durchführung hänge von einer Verbesserung
der Sicherheitslage ab, sagte Guehenno am Dienstag bei einer offenen
Sitzung des Weltsicherheitsrates zur Lage in Afghanistan. Zu diesem
Zweck müsse die Regierung von Präsident Hamid Karsai die
Entwaffnung der Milizen vorantreiben.
Alle schweren Waffen müssten bis Juni eingesammelt sein, forderte
Guehenno, der bei den UN für Friedensmissionen zuständig ist.
Der UN-Diplomat sprach sich ferner für eine Verstärkung der
internationalen Schutztruppe in Afghanistan aus, um einen
ordnungsgemäßen Verlauf der Wahlen zu gewährleisten. Er
schloss sich damit der Forderung von Karsai nach einer Ausweitung des
Mandats der von der NATO geführten Schutztruppe über die
Hauptstadt Kabul hinaus an.
Ursprünglich sollten die ersten Parlaments- und
Präsidentenwahlen in Afghanistan seit dem Sturz des
Taliban-Regimes Ende 2001 im Juni stattfinden. Der Termin wurde jedoch
vorigen Monat wegen logistischer Probleme und Sicherheitsbedenken auf
September verschoben worden. Die Wahlen werden von den Vereinten
Nationen vorbereitet.
Die Sitzung des Sicherheitsrates in New York, bei der es um die
Ergebnisse der Berliner Afghanistan-Konferenz ging, fand unter
deutscher Leitung statt. Deutschland übernahm den Vorsitz des
Gremiums im April für einen Monat. Die Bundesrepublik gehört
dem Sicherheitsrat noch bis zum Jahresende als nicht ständiges
Mitglied an.
Da es sich um eine offene Sitzung des Sicherheitsrates handelte,
konnten auch Vertreter von Staaten das Wort ergreifen, die dem
15-köpfigen Rat nicht angehören. Alle Redner
begrüßten die Finanzzusagen der Afghanistan-Konferenz in der
vergangenen Woche in Berlin in Höhe von 8,2 Milliarden Dollar
für den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes.
Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat unterdessen zum Dschihad
("Heiliger Krieg") gegen den Drogenanbau in seinem Land aufgerufen.
"Betäubungsmittel gehören zu den Dingen, die unsere
Würde, unsere Wirtschaft und unsere Landwirtschaft bedrohen",
sagte Karsai am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der afghanischen
Hauptstadt Kabul. "Sie bedrohen unsere Regierung und unsere Wurzeln,
und sie sind gegen unsere Religion." Er rufe die Stammesältesten
deshalb auf, "sehr stark und im Dschihad-Stil gegen
Betäubungsmittel zu kämpfen".
(Quellen: ap, afp)
US-Botschafter verärgert Pakistan
Pakistan geht nach Ansicht der USA nicht effektiv genug gegen
mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder an der Grenze zu Afghanistan vor
Mi.07.04.04 - «Wir haben der pakistanischen Regierung gesagt, dass sie dieses
Problem lösen muss oder wir werden das selbst tun», sagte
der US-Botschafter für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, in
Washington. Islamabad reagierte am Dienstag verärgert auf
Khalilzads Äußerungen. Ein Sprecher des
Außenministeriums nannte sie «ungerechtfertigt und
unerbeten».
Solange Terroristen in Pakistan Zuflucht fänden, sei es schwierig,
für Sicherheit im Süden und Osten von Afghanistan zu sorgen,
sagte Khalilzad am Montag in einer Rede im Zentrum für
Strategische und Internationale Studien. «Wir können nicht
zulassen, dass dieses Problem ewig schwelt.»
Der pakistanische Informationsminister Rashid Ahmed wies Khalilzads
Kritik zurück. «Der amerikanische Botschafter ist sich nicht
über die Gegebenheiten vor Ort im Klaren», sagte Ahmed.
«Unsere Truppen sind voll und ganz in der Lage, gegen Terroristen
vorzugehen. Unsere Truppen haben ihr Leben geopfert, um ihr Versprechen
zu erfüllen, die Terroristen zu bekämpfen.» Pakistan
brauche dabei keine fremde Unterstützung. «Derart
unverantwortliche Äußerungen können uns politisch in
Schwierigkeiten bringen», fügte Ahmed hinzu.
In Afghanistan bereiteten afghanische und amerikanische Soldaten
unterdessen einen Angriff auf etwa 150 mutmaßliche Extremisten in
den Bergen an der Grenze zu Pakistan vor. Der afghanische Kommandeur
Sakim Khan sagte am Dienstag, die Bewaffneten hätten sich in den
Regionen Sar Hawsa und Marsak in der Provinz Paktika verschanzt. Auf
der anderen Seite der Grenze hatte Pakistan im vergangenen Monat eine
groß angelegte Offensive gegen mutmaßliche
El-Kaida-Kämpfer gestartet. Khan sagte, seine Männer warteten
noch auf Befehle des Verteidigungsministeriums, die Gegend zu
durchsuchen. Er rechne mit Unterstützung durch Soldaten und
Flugzeuge der US-geführten Truppen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel und die USA verständigen sich über Rückzugsplan
für Gaza. PLO lädt Hamas in Entscheidungs-Gremium für
Gaza-Streifen ein. Washington warnen Autonomiebehörde vor
Eingliederung der Hamas. Israelische Armee sprengt Tunnel zwischen
Ägypten und Gazastreifen
Mi.07.04.04 - Israel und die USA haben sich grundsätzlich über den Plan
für einen einseitigen israelischen Rückzug aus dem
Gazastreifen verständigt. Das berichtet der israelische Rundfunk.
Demnach wird US-Präsident George W. Bush den Rückzugsplan als
einen «Zwischenschritt» auf dem Weg zur Verwirklichung des
internationalen Friedensplans unterstützen. Noch offene Fragen
würden bis zum geplanten Treffen zwischen Scharon und Bush in
einer Woche geklärt werden.
Die Palästinensische Befreiungs-Organisation (PLO) hat die
radikal-islamische Hamas eingeladen, sich im Falle eines israelischen
Abzugs an einem Entscheidungs-Gremium im Gaza-Streifen zu beteiligen.
Das Gremium wäre eine Übergangslösung und
Palästinenser-Präsident Jassir Arafat unterstellt, sagte ein
PLO-Sprecher am Dienstag. Die Hamas teilte mit, sie bereitete eine
Antwort vor. Die Hamas hat sich der Zerstörung Israels
verschrieben und zu zahlreichen Selbstmordanschlägen bekannt. Die
USA haben sie als Terror-Gruppe eingestuft und befürchten, sie
könne nach einem Abzug Israels die Macht im Gaza-Streifen
übernehmen.
Die PLO ist als Dachverband organisiert. Die Hamas wie auch der
radikale Islamische Dschihad gehören ihr nicht an. Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon hat für den Fall eines
Scheiterns der Friedensgespräche mit den Palästinensern einen
Plan vorgelegt, der unter anderem eine Auflösung aller
israelischen Siedlungen im Gaza-Streifen vorsieht.
Die USA haben derweil die palästinensische Autonomiebehörde
davor gewarnt, die radikalislamische Gruppe Hamas in ihre politischen
Strukturen einzubinden. Die Hamas sei eine "Terrororganisation" und
müsse als solche ausgeschaltet werden, sagte der stellvertretende
US-Außenamtssprecher Adam Ereli am Dienstag in Washington.
Anstatt in einer Partnerschaft oder Kooperation willkommen
geheißen zu werden, müsse die Hamas aller Macht als
Organisatiom beraubt werden.
Die israelischen Streitkräfte haben am Dienstag nach eigenen
Angaben einen zum Waffenschmuggel genutzten Tunnel zwischen
Ägypten und dem Gazastreifen gesprengt. Es sei der siebte
derartige Tunnel gewesen, der seit Jahresbeginn zerstört wurde,
teilte die Armee mit. Israelische Soldaten patrouillieren
regelmäßig entlang eines schmalen Streifens zwischen der
ägyptischen Grenze und der südlichen Spitze des
Gazastreifens. Die Tunnel führen unter dieser Straße
hindurch und enden im palästinensischen Flüchtlingslager
Rafah.
Wegen eines möglichen Anschlags wurde am Dienstag das
Industriegebiet Eres an der Grenze von Israel zum Gazastreifen
geräumt, tausende palästinensische Arbeiter mussten nach
Hause gehen. Es war bereits das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass
das Industriegebiet evakuiert wurde. Der nahe gelegene
Grenzübergang war in der vergangenen Zeit häufiger das Ziel
von Angriffen militanter Palästinenser.
Im Westjordanland verlor unterdessen ein 16-jähriger Junge einen
Arm, als ein Sprengsatz, den er auf israelische Soldaten warf,
vorzeitig explodierte. Wie Augenzeugen berichteten, ereignete sich der
Vorfall beim Einmarsch israelischer Truppen ins Flüchtlingslager
Balata bei Nablus. Die Streitkräfte teilten mit, insgesamt seien
vier Sprengsätze auf die Soldaten geworfen worden.
(Quellen: dpa, rtr, afp, ap)
IWF: Anschläge könnten weltweit Finanzmärkte
destabilisieren
Neben Anschlägen stellt auch ein möglicherweise steigendes
Zinsniveau sowie globale Ungleichgewichte wie das hohe Defizit in der
Leistungsbilanz der USA eine Bedrohung für die weltweiten
Finanzmärkte dar
Mi.07.04.04 - Weitere Anschläge wie am 11. März in Madrid könnten nach
Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die
internationalen Finanzmärkte destabilisieren und die erwartete
Erholung gefährden.
"Es ist klar, dass, wenn es weitere Vorkommnisse wie die in Madrid
geben sollte, die Realwirtschaft betroffen wäre und das Vertrauen
der Verbraucher Schaden nehmen würde", sagte Gerd Häusler,
Direktor der Abteilung Internationale Kapitalmärkte beim IWF, am
Dienstag in London. "Ich wäre etwas besorgt, dass eine
zusätzliche Risikoprämie in die Kurse mancher Wertpapiere
aufgebaut wird. Das wäre nicht willkommen."
Obwohl der konjunkturelle Ausblick überwiegend günstig sei,
blieben die Märkte verwundbar, ergänzte Häusler. Dem
jüngsten Bericht des IWF über die globale
Finanzstabilität zufolge hat die wirtschaftliche Aktivität
seit September weltweit zugenommen. Attentate wie die von Madrid, bei
denen rund 190 Menschen getöten wurden, könnten allerdings
Sand ins Getriebe streuen.
Neben Anschlägen stellt dem IWF zufolge auch ein
möglicherweise steigendes Zinsniveau eine Bedrohung für die
weltweiten Finanzmärkte dar. Da die Inflationsrate derzeit aber
niedrig sei und die Produktivität zunehme, dürften die Zinsen
nach Einschätzung des IWF noch einige Zeit niedrig bleiben.
Auch auf globale Ungleichgewichte wie das hohe Defizit in der
Leistungsbilanz der USA lenkte der Bericht des IWF die Aufmerksamkeit.
Angesichts der Möglichkeit, dass asiatische Investoren ihre
Dollar-Käufe verlangsamen könnten, herrsche an den
Finanzmärkten Unruhe. Dadurch würde der Markt mit Dollar
überflutet und die US-Notenbank Fed müsste ihre Leitzinsen
erhöhen, um eine Inflation abzuwehren. Zuletzt hatten unter
anderem asiatische Notenbanken Dollar gekauft, um eine Aufwertung ihrer
heimischen Währungen und damit drohende Nachteile auf dem
Weltmarkt abzufedern. Der IWF forderte eine gemeinsame Anstrengung, um
einen sanften Abbau der globalen Ungleichgewichte zu ermöglichen.
Dies sei nun eine Priorität der internationalen Gemeinschaft.
(Quelle: rtr)
2003 wurden weltweit mindestens 1.146 Menschen hingerichtet
Mi.07.04.04 - Im vergangenen Jahr sind nach Erkenntnissen von Amnesty International
(AI) mindestens 2.756 Menschen in 63 Ländern zum Tode verurteilt
worden. In 28 Ländern wurden 1.145 Verurteilte hingerichtet. Das
berichtete die deutsche AI-Sektion am Dienstag in Berlin. Die
Organisation wies darauf hin, dass die Zahlen auf den ihr
zugänglichen gesicherten Informationen beruhten. Die
tatsächlichen Zahlen lägen wesentlich höher.
84 Prozent der bekannten Hinrichtungen erfolgten laut AI in nur vier
Ländern: China, Iran, USA und Vietnam. Die chinesische Regierung
habe für 2003 insgesamt 726 vollstreckte Todesurteile angegeben.
In Iran seien 108, in den USA 65 und in Vietnam 64 Menschen
hingerichtet worden.
Dem AI-Bericht zufolge gilt die Todesstrafe uneingeschränkt noch
in 78 Staaten der Welt. Ebenso viele Staaten haben die Todesstrafe
für alle Vergehen abgeschafft. In 15 Ländern gilt sie nur
noch unter bestimmten Bedingungen wie Kriegsrecht. In 24 weiteren
Ländern gilt die Todesstrafe noch, wird aber seit über zehn
Jahren nicht mehr ausgeführt.
(Quelle: ap)
Amnesty:
http://www.amnesty.de
Blick ins Archiv:
Weltgerichtshof ordnet Überprüfung von US-Todesurteilen an
Do.01.04.04 - Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat am Mittwoch von US-Gerichten
verhängte Todesstrafen für 51 Mexikaner als
völkerrechtswidrig erklärt. Das höchste UN-Gericht
ordnete die Überprüfung der Urteile an und folgte damit einer
Petition der mexikanischen Regierung. Diese hatte den Gerichten
vorgeworfen, insgesamt 52 zum Tode verurteilten Mexikanern keinen
Zugang zu rechtlichem Beistand ihres Heimatlandes gewährt zu haben... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404010.htm#04040105
Weitere Berichte zum Thema "Todesstrafe" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403240.htm#040324_d
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403240.htm#04032404
Ruanda gedenkt des Völkermords vor zehn Jahren
Mi.07.04.04 - Mit einer Reihe von Veranstaltungen gedenkt Ruanda heute des
Völkermords vor zehn Jahren. An der Hauptgedenkfeier unter Leitung
von Präsident Paul Kagame im Stadion der Hauptstadt Kigali nehmen
Regierungsvertreter aus aller Welt teil. Der britische Premierminister
Tony Blair rief die internationale Gemeinschaft auf, das Massaker nicht
zu vergessen. "Wir dürfen solche tragischen Ereignisse nicht
wieder zulassen."
Das grausame Morden an Tutsis und moderaten Hutus begann am 7. April
1994 und endete hundert Tage später mit der Machtübernahme
der Tutsi-Rebellen unter Kagame. Mindestens 800.000 Menschen starben.
Die UNO, die 1994 mit der Friedensmission MINUAR in Ruanda aktiv war,
vermochte den Völkermord nicht zu verhindern. In Genf will
UN-Generalsekretär Kofi Annan einen neuen Plan vorstellen, um ein
ähnliches Versagen in Zukunft zu verhindern.
Blair erklärte in London, das Gedenken an die Ermordung
hunderttausender Tutsis und moderaten Hutus biete auch die Gelegenheit,
daraus zu lernen und wachsam gegenüber "Tendenzen und Taten zu
bleiben, die zum Genozid und zur ethnischen Säuberung
führen". Die Entscheidung der USA, Frankreichs und der UNO, zu den
Gedenkveranstaltungen keine ranghohen Vertreter zu entsenden, sorgte in
Ruanda für Unmut.
(Quelle: afp)
Offenbar Durchbruch bei Friedensverhandlungen in Sudan
Mi.07.04.04 - Bei den Marathonverhandlungen zur Beendigung des Bürgerkriegs in
Sudan ist offenbar ein Durchbruch erzielt worden. Vertreter der
islamischen Regierung in Khartum und der wichtigsten Rebellenbewegung
Südsudans hätten sich in den beiden noch offenen
Schlüsselfragen zur Machtaufteilung und dem Status von drei
umstrittenen Regionen geeinigt, teilte der kenianische Vermittler
Lazaro Sumbeiywo telefonisch vom Verhandlungsort im kenianischen
Naivasha mit.
Sumbeiywo sprach von "ausgezeichneten Fortschritten", wollte sich aber
über Details nicht äußern. Nach seinen Angaben haben
sich beide Delegationen vor Unterzeichnung der Verträge eine
Bedenkzeit von vier bis fünf Tage erbeten. Auch seien noch einige
Fragen zur Sicherheit und der Umsetzung des Abkommens offen.
Die Verhandlungen sollten ursprünglich bis 16. März dauern,
auf Antrag der beiden Chefunterhändler, dem sudanesischen
Vizepräsidenten Ali Osman Taha und dem Chef der
Volksbefreiungsarmee, John Garang, wurde der Termin zweimal
verlängert. Mit der Einigung wächst wieder die Hoffnung auf
ein Ende des Konflikts zwischen dem mehrheitlich moslemischen Norden
und dem vorwiegend christlichen Süden des Landes, dem seit 1983
mindestens 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.
(Quelle: afp)
China verstärkt Kontrolle über Hongkong
Mi.07.04.04 - China hat seine Kontrolle über Hongkong verstärkt. Ein
Parlamentsausschuss beschloss am Dienstag, das Wahlrecht in der
früheren britischen Kolonie dürfe nicht gegen den Willen
Chinas geändert werden.
In Hongkong wurde der Beschluss weithin als Rückschlag für
Bestrebungen nach freien Wahlen aufgefasst, die das Grundgesetz von
Hongkong prinzipiell ab 2007 erlaubt. Der politische Kolumnist Andy Ho
sagte, die Regierung in Peking wolle "die Bestrebungen nach Demokratie
abkühlen und Hongkong klar machen, dass sie die Kontrolle hat.
Aber sie sorgt nur dafür, die Lage anzuheizen."
Der Ständige Ausschuss des chinesischen Nationalen Volkskongresses
(NVK) hatte zuvor über die Auslegung des Grundgesetzes von
Hongkong beraten. Das Gremium beschloss Abgeordneten zufolge, dass das
Wahlrecht nicht ohne Einwilligung Chinas geändert werden kann.
Hongkong wurde weit reichende Autonomie zugesichert, als die Kolonie
1997 an China zurückgegeben wurde.
Der Abgeordnete Martin Lee sagte der Zeitung "Standard", mit dem
Beschluss mache China deutlich, dass es auch künftig nach eigenem
Gutdünken verfahren werde. "Wenn dem so ist, dann ist kein
Freiheitsrecht geschützt, weil jede Bestimmung im Grundgesetz ohne
Vorwarnung von dem Ständigen Ausschuss anders ausgelegt werden
kann."
Ein Vertreter Hongkongs in dem Ausschuss, Tsang Hin Chi, sagte, der
Beschluss sei gut für das Volk. "Er ist sehr zurückhaltend
und eindeutig. Man sollte nicht blind dagegen sein, sondern die
Interessen der Menschen in Hongkong in den Vordergrund stellen." Tsang
ist der einzige Delegierte aus Hongkong, der in dem Gremium ein
Stimmrecht hat.
Die Demokratische Partei kündigte an, sie werde weiter
kämpfen. Der Schritt Chinas sei ein Versuch, den unpopulären
Regierungschef (Chief Executive) Tung Chee Hwa zu schützen und bei
den im September anstehenden Wahlen Stimmverluste der China nahe
stehenden Parteien zu verhindern. "Diese Entscheidung steigert nur
unsere Entschlossenheit im Kampf für Demokratie", sagte Vizechef
Albert Ho.
(Quelle: rtr)
Litauischer Präsident Paksas abgesetzt
Mi.07.04.04 - Knapp einen Monat vor dem EU-Beitritt seines Landes ist der litauische
Präsident Rolandas Paksas am Dienstag vom Parlament seines Amtes
enthoben worden. Eine hauchdünne Mehrheit der Abgeordneten stimmte
für die Absetzung des Staatschefs, dem ein Verstoß gegen die
Verfassung des Landes vorgeworfen wurde. Die Amtsgeschäfte
übernimmt vorübergehend Parlamentspräsident Arturas
Paulauskas. Er gilt ebenso wie der frühere Präsident Valdas
Adamkus als möglicher Kandidat für das höchste
Staatsamt. Auch Paksas ist von einer erneuten Kandidatur nicht
ausgeschlossen.
Die Abgeordneten beschuldigten Paksas, einem russischen
Geschäftsmann mit möglichen Beziehungen zum organisierten
Verbrechen zur litauischen Staatsbürgerschaft verholfen zu haben.
Außerdem warf das Parlament dem Präsidenten vor,
Staatsgeheimnisse preisgegeben und sich im Amt bereichert zu haben.
Über die drei Vorwürfe wurde getrennt abgestimmt; nur 116 der
141 Parlamentsmitglieder nahmen teil. In allen drei Punkten stimmten
zwischen 86 und 89 Abgeordnete für die Amtsenthebung und
übersprangen so knapp die notwendige Hürde von 85 Stimmen.
Zwischen 14 und 18 Parlamentarier stimmten den offiziellen Ergebnissen
zufolge gegen die Absetzung.
Nur wenige Minuten vor der geheimen Abstimmung hatte Paksas noch einmal
in einer Rede an die Abgeordneten seine Unschuld beteuert. Das sei die
«Rache des Systems» an ihm, erklärte Paksas.
«Das ist die Rache für meine Bemühungen, in diesem Land
gegen die Korruption zu kämpfen.» Während der
Abstimmung hatten sich rund 600 Anhänger Paksas vor dem Parlament
versammelt.
Mit der Amtsenthebung verliert Paksas sämtliche Privilegien. Bei
einem freiwilligen Rücktritt wäre er wie ein Expräsident
behandelt worden, hatte eine Dienstwohnung auf Kosten des Staates und
eine Pension bekommen. Paksas weigerte sich aber bis zuletzt
zurückzutreten.
Es war das erste Amtsenthebungsverfahren in der Geschichte der
baltischen Republik. Viele Abgeordnete hatten auf eine Absetzung Paksas
noch vor dem Beitritt Litauens zur Europäischen Union am 1. Mai
gesetzt und erklärt, Paksas' Präsidentschaft gefährde
den Ruf des Landes. Binnen 60 Tagen muss nun ein neuer Präsident
gewählt werden.
(Quelle: ap)
Arbeitslosenzahl bleibt mit 4,547 Millionen unerwartet hoch
Die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt hat unerwartet schwach
eingesetzt. Ohne Änderung der Statistik hätte es den
höchsten März-Wert seit 1990 gegeben
Mi.07.04.04 - Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte, ging
die Arbeitslosenzahl von Februar auf März um 93.600 auf 4,547
Millionen zurück. Die Abnahme sei deutlich schwächer gewesen
als im Durchschnitt der vergangenen Jahre für den Monat
üblich. Die BA sprach von einer weiteren Verschlechterung auf
Grund der wirtschaftlichen Entwicklung. Die schwache Konjunktur schlug
sich im dritten saisonbereinigten Anstieg in Folge nieder. Auch der
Beschäftigungsabbau beschleunigte sich wieder.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, der
Arbeitsmarkt hänge "im Schlepptau der immer noch zu schwachen
Konjunktur". Die BA räumte ein, dass sie mit ihrer im vorigen Jahr
eingeführten Politik des verstärkten Förderns und
Forderns die konjunkturelle Schwäche nicht mehr kompensieren
könne. Behördenchef Frank-Jürgen Weise sagte: "Derzeit
wirkt sich die aktuelle wirtschaftliche Situation wieder deutlicher
aus."
Von Reuters befragte Analysten äußerten sich dennoch
zuversichtlich, dass sich der Arbeitsmarkt in der zweiten
Jahreshälfte besser entwickeln werde. Die CDU warf Rot-Grün
vor, mit beiden Füßen auf der Wachstumsbremse zu stehen.
"Die Zahl der Arbeitslosen hat im März alleine wegen der
Frühjahrsbelebung abgenommen", sagte Weise. Fragen, ob er wie
Clement im Herbst eine Zahl von weniger als vier Millionen Arbeitslosen
für möglich halte, wies Weise mit der Bemerkung zurück,
es sei nicht sinnvoll, jetzt über Prognosen im Gesamtjahr zu reden.
Eine konjunkturelle Besserung ist aus Sicht der BA weiter nicht in
Sicht. Die konjunkturellen Belastungen könnten durch
Arbeitsmarktpolitik allein nicht ausgeglichen werden. Dies zeige sich
daran, dass die Zahl der Arbeitslosmeldungen aus Erwerbstätigkeit
den schlechten Vorjahreswert noch übertroffen hätten.
Ohne eine Änderung der Statistik zum Jahresanfang wäre die
höchste März-Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung 1990
verzeichnet worden. Seit Jahresbeginn werden - anders als noch 2003 -
Arbeitslose in Trainingsmaßnahmen nicht mehr als arbeitslos
gezählt. Ohne diese Änderung hätte die Statistik rund
4,635 Millionen Arbeitslose ausgewiesen. Das wären knapp 30.000
mehr als im vorigen März und rund 12.000 mehr als beim bisherigen
März-Höchstwert 1998 gewesen. Die BA rechnet zum Vergleich
mit dem Vorjahr die Trainingsmaßnahmen auch aus den
März-Zahlen 2003 heraus. Dann ergibt sich ein Anstieg um nur
14.100.
Saisonbereinigt stieg die Erwerbslosenzahl um 44.000 auf 4,344
Millionen bei einer Quote von 10,4 (Vormonat: 10,3) Prozent. Von
Reuters befragte Experten hatten mit einem saisonbereinigten Anstieg um
nur 15.000 gerechnet. Auch die Zahl der Erwerbstätigen entwickelte
sich schlechter als angenommen. Nach neuesten Daten des Statistischen
Bundesamtes ging deren Zahl von Dezember auf Januar saisonbereinigt um
15.000 zurück. Der Beschäftigungsabbau hatte sich in den
vergangenen Monaten saisonbereinigt noch abgeschwächt. Im Dezember
war ein saisonbereinigter Rückgang um nur noch 2000 verzeichnet
worden.
Analysten sahen in den neuen Zahlen einen Beleg, dass von einer
konjunkturellen Belebung auf dem Arbeitsmarkt noch nichts zu sehen sei.
"Ich erwarte aber nicht, dass die Verschlechterung in diesem Tempo
weiter geht", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Er rechne mit
einem saisonbereinigten Rückgang im zweiten Halbjahr. Ulrich Kater
von der DekaBank warnte davor, die Zahlen überzubewerten: "Sie
bedeuten lediglich, dass die Erholung noch immer zu schwach für
den Arbeitsmarkt ist."
Die Opposition wies Rot-Grün die Verantwortung für die
Arbeitsmarktmisere zu. "Rot-Grün steht mit beiden Füßen
auf der Wachstumsbremse", erklärte CDU-Generalsekretär
Laurenz Meyer. Wer über Ausbildungsplatzabgabe, Erbschaft- und
Vermögensteuer fabuliere, brauche sich über die
Arbeitsmarkt-Entwicklung nicht zu wundern. Der FDP-Politiker Dirk
Niebel erklärte, von Rot-Grün werde "weiterer
arbeitsmarktpolitischer Unsinn verzapft".
Clement erklärte, die Regierung habe mit ihren Reformen die
Weichen für mehr Wachstum und höhere Investitionen gestellt.
Dabei müsse es bleiben. Alles andere führe zu Verunsicherung
und lähme die Konjunktur. Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte
die Regierung auf, Reformen auf den Weg zu bringen, die sozial
ausgewogen seien als und die Wirtschaft in Schwung brächten.
(Quelle: rtr)
Wirtschaft drosselt Lehrstellenangebot weiter
Bis Ende März gab es fast sechs Prozent weniger freie Jobs als im
Vorjahr. Zugleich stieg die Zahl der Lehrstellenbewerber um drei
Prozent auf 538 000. Die Wirtschaft gibt Rot-Grün und dem Streit
um die Ausbildungsplatzabgabe eine Mitschuld. Bildungsministerin
Edelgard Bulmahn nannte die Entwicklung Besorgnis erregend
Mi.07.04.04 - Auf dem Ausbildungsmarkt zeichnet sich nach Angaben der Bundesagentur
für Arbeit (BA) zum Herbst eine noch größere
Lehrstellenlücke ab als im Vorjahr.
Für Ende September sei mit einer rechnerischen Lücke zwischen
unbesetzten Ausbildungsstellen und nicht vermittelten Bewerbern zu
rechnen, "die größer sein dürfte als die des Vorjahres
mit damals 20.200 fehlenden Lehrstellen", teilte die Behörde am
Dienstag in einer Zwischenbilanz nach den ersten sechs Monaten des
neuen Berufsberatungsjahres mit. Vor allem die Zahl betrieblicher
Lehrstellen sei rückläufig.
Die Zahl der bisher gemeldeten Ausbildungsplätze sei kleiner als
im selben Vorjahreszeitraum, während die Zahl der Bewerber
gestiegen sei, teilte die BA mit. Der Rückgang beruhe vor allem
auf weniger betrieblichen Lehrstellen. Von Oktober bis März seien
insgesamt 368.300 Ausbildungsstellen gemeldet worden. Das seien 24.700
weniger als im Vorjahreszeitraum. Allein die Zahl betrieblicher
Ausbildungsplätze sei um 22.400 zurück gegangen.
Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt erklärte, die
rot-grüne Regierungskoalition trage als Initiatorin der
Ausbildungsabgabe "eine entscheidende Mitverantwortung". Der
Gesetzentwurf setze finanzielle Fehlanreize, mit dem Angebot von
Lehrstellen bis zum Herbst zu warten, statt die Ausbildungsplätze
sofort zu melden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
nannte die Halbjahrsdaten wenig aussagekräftig. In diesem Jahr
seien bis Ende März 65.000 neue Ausbildungsverträge bei den
Industrie- und Handelskammern eingetragen worden. Dies sei ein Zuwachs
im Vergleich zum Vorjahr von rund einem Prozent.
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) bezeichnete die
Entwicklung als Besorgnis erregend und warnte die Wirtschaft "vor den
Folgen eines schleichenden Verlusts qualifizierter Fachkräfte".
Die von der Bundesregierung vorbereitete gesetzliche Ausbildungsabgabe
erwähnte Bulmahn in der Pressemitteilung mit keinem Wort. Nach dem
Willen von Rot-Grün sollen Betriebe mit geringer Ausbildung ab
kommendem Herbst eine Ausbildungsabgabe zahlen, wenn Ende September die
Zahl der offenen Lehrstellen die Zahl der unversorgten Bewerber um
weniger als 15 Prozent übersteigt.
(Quelle: rtr)
Auslagerung von IT-Dienstleistungen bedroht 50 000 Jobs
IT-Outsourcing-Markt boomt - Länder wie Indien, Ungarn oder die
Slowakei. profitieren
Mi.07.04.04 - Die zunehmende Verlagerung von IT-Dienstleistungen ins Ausland bedroht
nach einer Studie der Deutschen Bank bis zum Jahr 2008 rund 50 000
Arbeitsplätze in Deutschland.
Dies seien etwa 3,5 Prozent der heute 1,4 Millionen Arbeitsplätze
im Bereich der Informationstechnologie, heißt es in der in
Frankfurt vorgestellten gemeinsamen Studie von Deutsche Bank, SAP und
der Fachhochschule Kaiserslautern. Allerdings würden hochwertige
Stellen mit strategischer Bedeutung im Land bleiben.
Der Studie zufolge wird der Trend zur Auslagerung der Computer-Technik
bei Unternehmen in den kommenden Jahren anhalten. 2003 seien in
Deutschland Leistungen im Wert von rund 10 Milliarden Euro ausgelagert
worden, im Jahr 2008 werde das Volumen auf 17 Milliarden Euro steigen,
sagte Jürgen Schaaf von Deutsche Bank Research.
«Der IT-Outsourcing-Markt boomt.» Vor allem Banken und
Versicherungen hätten hier einen Nachholbedarf und könnten
durch die Konzentration auf das Kerngeschäft ihre Erträge
steigern. Profitieren könnten Länder wie Indien, Ungarn oder
die Slowakei.
(Quelle: dpa)
Studie von Deutsche Bank Research (PDF-Datei):
http://www.dbresearch.de/PROD/
DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000073793.PDF
Ost-Förderung bleibt strittig
Regierungsberater Klaus von Dohnanyi: Aufbau Ost ist zu wenigstens zwei
Dritteln für die Wachstumsschwäche Deutschlands verantwortlich
Mi.07.04.04 - Beim wirtschaftlichen Aufbau der neuen Bundesländer lehnt die
Bundesregierung sowohl Sonderwirtschaftszonen als auch die Berufung
eines neuen Koordinators ab.
Die Ostförderung werde auf Schwerpunkte konzentriert, die die
Bundesländer selbst festlegen sollen, sagte ein Sprecher des
für den Aufbauprozess im Osten zuständigen
Verkehrsministeriums am Dienstag in Berlin.
Ein neuer Koordinator werde dafür nicht benötigt und sei auch
nicht geplant, sagte der Sprecher zu Berichten, wonach Leipzigs Ex-
Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) als
Staatssekretär für ostdeutsche Angelegenheiten im
Gespräch sei. Mit Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) gebe es
bereits einen Koordinator. Lehmann-Grube sagte der dpa: «Ich
weiß davon nichts. Mit mir hat keiner gesprochen.»
Regierungsberater Klaus von Dohnanyi (SPD) bezeichnete dagegen die
Zuständigkeit für den Aufbau Ost innerhalb der
Bundesregierung als falsch. «Wir brauchen einen kraftvollen
Koordinator, der nichts anderes macht, als sich um den Aufbau Ost zu
kümmern», sagte er der «Welt». Der
«Berliner Zeitung» sagte der SPD-Politiker, der zu einer
vom Verkehrsministerium einberufenen Expertengruppe gehört:
«Der Aufbau Ost ist zu wenigstens zwei Dritteln für die
Wachstumsschwäche Deutschlands verantwortlich.»
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) warnte
davor, die neuen Länder zum Sündenbock für die aktuellen
Wirtschaftsprobleme zu machen.
Dohnanyi meinte, die neuen Länder sollten künftig nicht mehr
allein bestimmen können, wo die Fördermittel
hinfließen. «Die Länder stehen untereinander in einem
unsinnigen Wettbewerb.» Die Expertengruppe plädiert für
die Konzentration der Förderung auf Wachstumskerne, für
Lohnkostenzuschüsse, Tariföffnungen und Deregulierung. Sie
setzt sich zudem für die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone
in den Grenzgebieten zu Polen und Tschechien ein.
Der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) Klaus Zimmermann wies unterdessen
Forderungen nach einer Sonderwirtschaftszone im Ostdeutschland
zurück. «Das ist eine geniale Idee, aber die hätte vor
zehn Jahren kommen müssen», sagte Zimmermann dem
Fernsehsender n-tv. Jetzt müsse es darum gehen, Stärken und
Wachstumsregionen zu fördern.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will noch in diesem Jahr
einen Gesetzentwurf vorlegen, mit dem in ausgewählten Regionen
Wirtschaftswachstum und Beschäftigung vor allem durch
Deregulierung stärker gefördert werden sollen. Geprüft
werde unter anderem, ob sich das Wachstum fördern lasse, wenn zum
Beispiel Genehmigungsverfahren vereinfacht oder andere
Verwaltungsregeln vorübergehend ausgesetzt würden.
Zunächst sollen jedoch die Ergebnisse in drei Test-Regionen
Ostwestfalen-Lippe, Mecklenburg und Bremen abgewartet werden. Mit
Sonderwirtschaftszonen habe dieses Vorhaben aber nichts zu tun, betonte
ein Ministeriumssprecher.
(Quelle: dpa)
Aufbau Ost durch Abbau West
Die Analyse einer geheimen Regierungskommission zum Aufbau Ost ist eine
Horror-Bilanz. 1,25 Billionen Euro pumpte die Regierung in den Osten -
zum Großteil ohne Wirkung. Die Ursachen für das Desaster
schuf Helmut Kohl, der als Kanzler den Niedergang Deutschlands
zusehends beschleunigte...
Mehr bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,294097,00.html
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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bundesbankpräsident Welteke
Mi.07.04.04 - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat wegen des von der Dresdner Bank
finanzierten Hotelaufenthalts Ermittlungen gegen
Bundesbank-Präsident Ernst Welteke und Verantwortliche der Bank
eingeleitet.
Gegen Welteke bestehe der Anfangsverdacht der Vorteilsnahme, sagte ein
Sprecher der Behörde am Dienstag in Frankfurt. Die
staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werden nach Angaben der
Bundesbank nichts am Vorgehen der Notenbank ändern, die der
Vorstand ebenfalls am Dienstag beschlossen hatte. Welteke selbst
schloss nach einer Krisensitzung des Vorstandes einen Rücktritt
nicht mehr aus. SPD und Grüne erneuerten ihre massive Kritik,
verzichteten aber auf direkte Rücktrittsforderungen. Die Union
forderte die Entlassung Weltekes. Als mögliche Nachfolger seien
Finanz-Staatssekretär Caio Koch-Weser und Weltekes Stellvertreter
Jürgen Stark im Gespräch, hieß es in Regierungs- und
Finanzkreisen.
In Regierungskreisen hieß es zu den Ermittlungen, es handele sich
um einen üblichen juristischen Vorgang: "Am Sachverhalt
ändert sich dadurch nichts. Es ist entscheidend, dass der
Bundesbank-Vorstand nun die Sachlage prüft." Staatsanwalt Rainer
Schilling sagte, auch gegen Verantwortliche der Bank seien Ermittlungen
eingeleitet worden. Diese gründeten sich auf einen Anfangsverdacht
der Vorteilsgewährung. Ein Sprecher der Dresdner Bank wollte sich
zu den Einzelheiten des Verfahrens nicht äußern und sagte
lediglich: "Die Dresdner Bank sieht in der Übernahme der
Hotelkosten für Herrn Welteke keinen Ansatz für einen
strafrechtlichen Vorwurf."
Ein Bundesbank-Sprecher lehnte einen Kommentar zu den Ermittlungen
gegen Welteke ab. "Das ändert nichts am Prozedere", sagte er und
ergänzte, der Bundesbank-Vorstand werde am(heutigen)
Mittwoch um 12.00 Uhr zusammentreten. Der Vorstand hatte nach einer
mehrstündigen Sitzung in einer nur einen Satz umfassenden
Erklärung mitgeteilt, er habe die Vorwürfe gegen Welteke
erörtert und werde sie prüfen. Ein Sprecher des
Finanzministeriums sagte lediglich: "Die Bundesregierung wartet das
Ergebnis der Prüfung ab."
Welteke erklärte, er bedauere, dass in der Diskussion der Eindruck
entstanden sei, er sei den hohen Maßstäben der Bundesbank
nicht verpflichtet: "Dies tut mir Leid." In der rot-grünen
Koalition wurde diese Aussage als nicht zufrieden stellend bewertet:
"Mit der Salami-Taktik der scheibchenweisen Eingeständnisse wird
die Lage nur noch schwieriger."
Die Dresdner Bank hatte aus Anlass einer Feier zur
Euro-Bargeldeinführung Silvester 2001/2002 einen viertägigen
Aufenthalt Weltekes und seiner Familie im Berliner Hotel Adlon mit
Kosten von 7661,20 Euro bezahlt. Welteke hatte den Vorgang
eingeräumt und den privaten Anteil der Rechnung beglichen,
während die Bundesbank den dienstlichen übernahm.
In Regierungs- und Finanzkreisen hieß es, falls Welteke
zurücktreten, seien sein Stellvertreter Stark und
Finanz-Staatsekretär Koch-Weser als mögliche Nachfolger im
Gespräch. Der finanzpolitisch erfahrene Koch-Weser habe mit seinem
Profil Chancen. Aber auch für Stark gebe es Argumente.
(Quelle: rtr)
Initiative für legale Sterbehilfe im Bundestag
Mi.07.04.04 - Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und FDP planen offenbar eine
Initiative für ein Sterbehilfe-Gesetz. Wie die «Berliner
Zeitung» (Mittwochausgabe) berichtet, wollen die Abgeordneten mit
ihrem Gesetzentwurf erreichen, dass todkranke Menschen selbst über
ihr Ende bestimmen können. Das Blatt zitiert den SPD-Abgeordneten
Rolf Stöckel als Initiator des Gruppenantrags mit dem Satz:
«Wir sind der Überzeugung, dass der Patientenwille bis zum
Schluss ausschlaggebend sein muss.»
Nach Stöckels Vorstellungen soll das Strafgesetzbuch so
geändert werden, dass Tötung auf Verlangen nicht mehr unter
allen Umständen rechtswidrig und strafbar ist. Bisher müssen
Sterbehelfer mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und
fünf Jahren rechnen.
Wichtigstes Instrument des «Gesetzes zur Autonomie am
Lebensende» soll dem Bericht zufolge die Patientenverfügung
sein, mit der die Betroffenen verbindliche Vorkehrungen für den
Fall treffen können, dass sie so schwer krank werden, dass sie
ihren Willen nicht mehr kundtun können. Mit Hilfe von
Vorsorge-Vollmachten sollen Angehörige oder Betreuer dann
über die Sterbehilfe entscheiden können. Gegen den
mutmaßlichen Willen des Kranken sollen Ärzte keine
lebensverlängernden Maßnahmen mehr durchführen
können.
Dem Bericht zufolge will Stöckel seinen Gesetzentwurf Ende April
vorlegen. Nach seinen Angaben wird er bisher von 15 bis 20
SPD-Abgeordneten, fünf bis zehn Liberalen und fünf
Grünen unterstützt. Ein Gruppenantrag benötigt
mindestens 31 Unterschriften.
(Quelle: ap)
Mach mich nicht tot, Doktor!
Holland ... besitzt das liberalste Euthanasiegesetz der Welt. Und Holland
hat ein kaputtes Gesundheitssystem - eine gefährliche Kombination.
Mitte Oktober stand im 'Spiegel': "... gibt es alte Menschen in Holland, die
vorsichtigerweise einen Zettel bei sich haben, auf dem steht: "Maak mij
niet dood, dokter!" ..."Weil das (Euthanasie-)Gesetz in der Praxis kaum
kontrolliert wird, können Ärzte... Leben beenden, wenn sie
meinen, dass die Verlängerung zu teuer wird." ('Süßes
Gift des Lohnverzichts', 'Der Spiegel' 43/2003)
Aus: Andrea Noll - "Triptichon des neoliberalen Verfalls Europas -
'Maak mij niet dood, dokter!' ",
ZNet 30.11.03
http://zmag.de/artikel.php?id=924
http://www.zmag.org/sustainers/content/2003-11/30noll.cfm
Lebenshilfe oder Sterbehilfe
Berichte zum Thema im boa-Nachrichten-Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310080.htm#03100809
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310080.htm#031008_d
|
Maxim Billers Roman «Esra» bleibt verboten
Mi.07.04.04 - Der stark autobiografisch gefärbte Liebesroman «Esra»
des Schriftstellers Maxim Biller darf auch in einer entschärften
Fassung nicht erscheinen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG)
München am Dienstag in zweiter Instanz entschieden.
Der Roman verletze die Persönlichkeitsrechte von Billers
Ex-Freundin und deren Mutter. Beide Frauen seien in den Romanfiguren
auch in der geänderten Fassung des Buches erkennbar, befand der
18. OLG-Zivilsenat und bestätigte damit ein Urteil des
Landgerichts München I vom Oktober 2003. Das OLG-Urteil kann beim
Bundesgerichtshof angefochten werden. Billers Verlag Kiepenheuer &
Witsch wollte am Dienstag jedoch noch keine inhaltliche Stellungnahme
abgeben.
Ob der Verlag das Urteil beim Bundesgerichtshof anfechten werde, sei
noch nicht entschieden, sagte eine Verlagssprecherin. «Wir
müssen uns erstmal die Begründung des Urteils angucken und
werden dann über das weitere Vorgehen beraten.»
Der Senat betonte, dass der Roman mit dem vorliegenden Urteil aber
nicht «unrettbar verloren» sei, denn der Autor könne
dem Buch ja noch eine ganz andere Fassung geben. Insofern sei das
Verbot, das Buch in der jetzt vorliegenden Änderung weiter zu
verbreiten, nicht unverhältnismäßig. Aus Rücksicht
auf die Persönlichkeitsrechte der beiden Klägerinnen werde
die schriftliche Begründung des OLG-Urteils nicht
veröffentlicht.
Die Änderungen, die der Verlag Kiepenheuer & Witsch in
Köln zuletzt noch am 9. Februar dieses Jahres angeboten habe,
stellten keine ausreichende Verfremdung dar. Auch in der jetzt
vorliegenden Fassung werde in die Privatsphäre der Frauen
eingegriffen und deren Recht am eigenen Lebensbild verletzt. Bei einer
Abwägung mit dem Recht auf Kunstfreiheit seien die Eingriffe in
die Schutzsphäre der Frauen nicht gerechtfertigt.
Der Münchner Rechtsanwalt der beiden Frauen, Wolfgang von Nostitz,
nannte das Urteil sehr erfreulich. «Es setzt dem Trend, Privates
in der Öffentlichkeit breitzutreten, eine Grenze», sagte
Nostitz der dpa. «Auch wenn der Verlag bis vor den
Bundesgerichtshof oder das Bundesverfassungsgericht ziehen sollte,
sehen wir dem sehr gelassen entgegen.» Bei den vom Verlag
stufenweise angebotenen Änderungen habe es sich nur um Kosmetik
gehandelt, die grundsätzliche Erkennbarkeit sei nicht beseitigt
worden. «Es müsste ein Minimum von künstlerischer
Verfremdung vorgenommen werden, die aus dem Buch überhaupt erst
ein Kunstwerk machen würde», erklärte der Anwalt.
Kritiker sehen durch die Entscheidungen der Justiz die Freiheit der
Kunst tangiert. Sie verweisen darauf, dass in literarische Werke in
unterschiedlicher Form immer auch prägende Erlebnisse der Autoren
einflössen. Der Anwalt der Frauen hatte dagegen wiederholt geltend
gemacht, dass die Menschenwürde über der Kunstfreiheit stehe.
Er hatte vor einer literarischen «Instrumentalisierung für
persönliche Hass-Attacken» und vor «wirtschaftlichem
Profitstreben aus der Schlüssellochperspektive» gewarnt.
Schon das Landgericht München I hatte gerügt, Biller habe in
seinem Roman Familienverhältnisse und Örtlichkeiten aus einer
früheren Beziehung «eins zu eins übernommen, bis hin
zur Siamkatze». Die Romanheldin ist Filmpreisträgerin wie
Billers Ex-Geliebte, die Mutter wie in der Wirklichkeit Trägerin
des alternativen Nobelpreises und in dritter Ehe verheiratet.
Biller, 1960 in Prag geboren, lebt seit 1970 in Deutschland. Von ihm
sind unter anderem die Erzählbände «Land der Väter
und Verräter» und «Harlem Holocaust» sowie der
Roman «Die Tochter» erschienen.
(Quelle: dpa)