Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsechsundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Widerstand der Sunniten und Schiiten gegen die Besatzungstruppen in
Irak wird zum Flächenbrand. Kämpfe erfassen fast das gesamte
Land. Über 100 Tote bei US-Offensive im sunnitischen Westirak.
US-Armee bombardiert Moschee in Falludscha. Großayatollah Sistani
kritisiert Vorgehen der US-Truppen in Irak ruft alle Beteiligten zur
Ruhe auf. Rumsfeld räumt 'ernsthaftes Problem' ein und will Truppen in Irak
verstärken. 'Militärisch robustes Vorgehen' im Irak
angekündigt. Soldaten aus Südkorea und Japan suspendieren
Arbeit in Irak. Ukrainische Soldaten ziehen sich aus irakischer Stadt
Kut zurück. Deutsche Regierung weist Kritik an
Irak-Informationen zurück. Erstmals Zweifel an Gründen
für Irak-Krieg bei CDU/CSU
Do.08.04.04 - Der gewaltsame Widerstand in Irak weitet sich zu einem
Flächenbrand aus. Von Kirkuk im Norden bis weit in den Süden
kämpften am Mittwoch Aufständische gegen die
Besatzungstruppen. Allein in Falludscha wurden bei Gefechten in der
Nacht 60 Iraker getötet, wie Krankenhäuser mitteilten. Bei
einem Hubschrauber-Angriff auf das Gelände einer Moschee in der
Stadt kamen nach Berichten von Augenzeugen rund 40 Menschen ums Leben.
Bei Kämpfen im nahe gelegenen Ramadi wurden zwölf US-Soldaten
getötet.
Im Kampf gegen aufständische Sunniten und Schiiten hat die
US-Armee in Irak eine Moschee in der Widerstandshochburg Falludscha
bombardiert. Bei dem Luftangriff seien möglicherweise bis zu 40
Rebellen getötet worden, sagte ein US-Offizier. US-Marines
hätten nach dem Einrücken in das Gebäude jedoch keine
Toten gefunden, sagte der Offizier.
Bei Gefechten um die Abdulasis-el-Samarai-Moschee kam nach Angaben von
US-Militärs mindestens ein US-Soldat ums Leben, fünf
US-Marineinfanteristen seien verletzt worden. Nach mehrstündigen
Kämpfen feuerte die US-Armee eine Hell-Fire-Rakete und eine
lasergesteuerte Bombe auf das Gebäude ab. "Als wir das Gebäude
trafen, dachte ich, wir hätten alle getötet, aber drinnen
fanden sie niemanden", sagte US-Oberstleutnant Brennan Byrne.
Möglicherweise seien die Kämpfer nach der ersten
Angriffswelle geflüchtet.
Eine Möglichkeit sei auch, dass aufständische Iraker die
Leichen ihrer Mitkämpfer weggebracht hätten. Es habe keine
"Alternative" zu dem Bombardement gegeben, verteidigte US-Armeesprecher
Mark Kimmitt das Bombardement im US-Sender CNN.
Oberstleutnant Brennan Byrne erklärte, er habe den Angriff
angeordnet, nachdem seine Soldaten von Aufständischen aus der
Moschee heraus beschossen worden seien.
Kimmit sagte dem Nachrichtensender CNN, die US-Armee werde auch
weiterhin Moscheen bombardieren, falls sie als Waffenlager oder
für Angriffe genutzt würden.
US-Marineinfanteristen drangen wieder in das Zentrum von Falludscha
vor, der Hochburg des sunnitischen Widerstands. In der Stadt waren
Marineinfanteristen am Dienstag in Straßenkämpfe verwickelt,
in denen schwere Waffen wie das für die Bekämpfung von
Bodenzielen konzipierte Kampfflugzeug AC-130 und Panzer eingesetzt
wurden. In der Nacht zum Mittwoch wurden bei US-Luftangriffen auf vier
Häuser laut Krankenhausangaben 26 Iraker getötet, darunter
offenbar 16 Kinder und acht Frauen.
Wie ein Gewährsmann in Washington unter Berufung auf Berichte aus
Ramadi mitteilte, griffen Dutzende Iraker eine Stellung der
Marineinfanteristen nahe des Gouverneurspalastes an. US-Generalmajor
James Mattis erklärte, zwölf US-Soldaten seien bei den
Kämpfen getötet worden.
Angesichts der erbitterten Kämpfe in Falludscha hat das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die US-Truppen und die
sunnitischen Aufständischen aufgerufen, die Zugänge zu den
Krankenhäusern der Stadt freizuhalten. Der Zugang für
Verletzte und Kranke zum Krankenhaus von Falludscha müsse
garantiert sein, forderte eine IKRK-Sprecherin am Mittwoch. Seit Beginn
der US-Offensive "Vigilant Resolve" (Wachsame Entschlossenheit) in
Falludscha am Montag habe das IKRK 1,5 Tonnen Medikamente an drei
Feld-Krankenhäuser in der Stadt geliefert. Eine weitere Lieferung
solle am Donnerstag folgen.
Schiitische Milizionäre übernahmen unterdessen die Kontrolle
über einige Ortschaften im Süden des Landes. Die
El-Mahdi-Armee, eine Miliz des radikalen Predigers Muktada el Sadr,
besetzte in Kut und Kufa Regierungsgebäude und patrouillierte in
den Straßen. Die ukrainische Armee gab Kut auf.. In Kerbela
lieferten sich Anhänger Sadrs Gefechte mit polnischen Soldaten.
Dabei wurde Sadrs Berater Muntadhir el Mussawi getötet, wie dessen
Büro mitteilte. Nahe Kirkuk kam es zu Kämpfen, bei denen laut
Polizei acht Iraker getötet wurden.
In Bakuba lieferten sich US-Truppen und Milizionäre El Sadrs am
Mittwoch erstmals heftige Kämpfe. Ein Militärhubschrauber
musste nach einem Beschuss notlanden.
US-Brigadegeneral Mark Kimmitt versicherte, die Truppen würden die
Miliz Sadrs vernichten und die Offensive in Falludscha und Ramadi
fortsetzen. El Sadr warnte die USA am Mittwoch vor einem «neuen
Vietnam», wenn sie die Macht nicht an «ehrliche
Iraker» übergäben. Mitglieder des Regierungsrats in
Bagdad bezeichnete er als Kollaborateure.
Der Rat der sunnitischen Geistlichen verkündete in Bagdad die
Aussetzung aller Kontakte mit der UNO, solange diese nicht den
Militäreinsatz in Falludscha und anderen Städten des Landes
verurteile.
Der führende schiitische Geistliche Ajatollah Ali el Sistani hat
die Methoden der USA im Umgang mit den schiitischen Aufständischen
im Irak verurteilt.
El Sistani rief am Mittwoch alle Beteiligten zur Ruhe auf. "Wir
verurteilen die Art, wie die Besatzungstruppen mit den aktuellen
Entwicklungen umgehen, genauso wie wir die Gewalt gegen
öffentlichen und privaten Besitz verurteilen, die zu Unruhen
führt und irakische Behörden daran hindert, ihren
Verpflichtungen im Dienst des Volkes nachzukommen", hieß es in
einer Erklärung von El Sistanis Büro in Nadschaf. El Sadr
wurde darin nicht namentlich erwähnt. Dieser hatte jüngst
erklärt, die Unterstützung Sistanis zu haben.
El Sistani lebt zurückgezogen in Nadschaf und hat einen
großen Einfluss auf die schiitische Bevölkerungsmehrheit im
Irak. In den vergangenen Monaten sind seine Botschaften zunehmend
politisch gefärbt.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat unterdessen ein
"ernsthaftes Problem" in Irak eingeräumt und ein entschlossenes
Vorgehen der US-Truppen angekündigt. Die US-geführten
Koalitionstruppen würden es nicht zulassen, dass die Rebellen den
Prozess des Wiederaufbaus "zum Entgleisen" bringen, sagte Rumsfeld am
Mittwoch vor Journalisten in Washington. Zugleich versuchte er, den
bewaffneten Widerstand gegen die US-geführte Besatzungsmacht
herunterzuspielen: Die Zahl der Aufständischen sei "relativ
klein". Eine "kleine Anzahl von Terroristen" erhebe sich gegen die
US-Truppen und ihre Verbündeten. Die US-geführte Koalition
behalte die Kontrolle in Irak.
Rumsfeld sagte, da die US-Armee sich derzeit in einem Truppenaustausch
befinde, seien mehr Soldaten in Irak als vorgesehen. "Wir werden diesen
Zuwachs nutzen." Das Militär werde den Truppenwechsel
voraussichtlich so weit hinauszögern, dass "die fronterfahrenen
Soldaten die aktuelle Situation durchfechten" könnten. Nach
Angaben von Pentagon-Mitarbeitern sind derzeit 135.000 US-Soldaten in
Irak, normalerweise sind dort 115.000 US-Soldaten stationiert.
Angesichts der jüngsten Eskalation in Irak setzen die
südkoreanischen und japanischen Truppen alle ihre Aktivitäten
in dem Golfstaat aus. Die 460 in Nassirijah stationierten Soldaten aus
Südkorea dürften ihren Stützpunkt nicht mehr verlassen,
teilte ein Sprecher des Generalstabs in Seoul am Donnerstag mit. Die
japanischen Truppen unterbrachen ihre Wiederaufbauarbeiten in
Südirak bereits zu Beginn der Woche, wie die Regierung in Tokio
erklärte. «Die Truppen dort achten sehr auf die
Sicherheitslage», sagte Präsident Junichiro Koizumi.
Nächtliche Explosionen in der Nähe des japanischen
Stützpunkts bei Samauah wertete Koizumi als
Einschüchterungsversuch irakischer Aufständischer. «Die
Terroristen wollen Verwirrung stiften», sagte Koizumi. Soldaten
hatten in der Nacht zu Donnerstag drei Detonationen vernommen, offenbar
gingen in der Nähe ihres Lagers Raketen oder andere Geschosse
nieder. Verletzt wurde aber niemand. Bei Samauah sind 530 Mann
stationiert, insgesamt leisten 1.100 japanische Soldaten
Wiederaufbauhilfe in Irak.
Der Rückzug der südkoreanischen Truppen auf ihr Lager hat
auch zur Folge, dass Iraker medizinische Einrichtungen in dem
Stützpunkt vorerst nicht mehr besuchen können. Die
südkoreanische Truppe in Irak besteht aus Ingenieuren und
Medizinern und hilft beim Wiederaufbau des Landes mit. Die Einheit soll
in einigen Monaten von einem 3.600 Mann starken Kontingent
abgelöst werden, das allerdings in Nordirak stationiert werden
soll. Am Mittwoch hatte die Regierung in Seoul versichert, sie werde
ungeachtet der unsicheren Lage an der Truppenentsendung festhalten.
Die bulgarischen Truppen sollen nach Regierungsangaben trotz des
Aufstands in Irak bleiben. Auch das Verteidigungsministerium in Rom wies
Forderung nach einem Rückzug der italienischen Soldaten
zurück. Georgien entsandte am Mittwoch 159 Soldaten.
Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, John Kerry, erhob
unterdessen schwere Vorwürfe gegen die Regierung von
US-Präsident George W. Bush. Die US-Führung gehe
"ungeschickt" in Irak vor, sagte Kerry dem Fernsehsender CNN. Es sei an
der Zeit, dass Bush die Weltgemeinschaft einbeziehe und eine andere
Politik einschlage.
Die deutsche Regierung hat unterdessen Vorwürfe
zurückgewiesen, den USA fragwürdige Geheimdienstinformationen
über Biowaffenlabore im Irak geliefert und damit zu der
Entscheidung für den Krieg beigetragen zu haben.
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Mittwoch in Berlin, er
glaube, die US-Regierung habe sich nicht allein auf deutsche Quellen
gestützt. In der CDU-Spitze wurden angesichts der Debatte
über die mobilen Giftlabore erstmals Zweifel an der Haltung der
Partei zum Irak-Krieg laut. Der außenpolitische Sprecher der
Bundestagsfraktion, Friedbert Pflüger (CDU), sagte, er habe sich
auf damalige Informationen des Bundesnachrichtendienstes (BND)
verlassen, wonach der Irak solche Biowaffenlabore habe.
Steg sagte, ihm sei nicht bekannt, dass sich die US-Regierung auf eine
ausschließlich deutsche Information glaubte verlassen zu
müssen «und deswegen auf Grund einer fehlerhaften
Information Entscheidungen getroffen hat, möglicherweise auch noch
falsche Entscheidungen». Vor wenigen Tagen hatte
US-Außenminister Colin Powell seine Angaben vor dem
UN-Sicherheitsrat in einer spektakulären Sitzung Anfang Februar
2003 zur angeblichen Existenz mobiler irakischer Chemiewaffenlabore in
Zweifel gezogen. Die angesehene US- Zeitung «Los Angeles
Times» hatte berichtet, dass die Berichte über die
Lkw-Labore im wesentlichen auf BND-Berichten beruht hätten, die
sich wiederum auf nur eine zweifelhafte Quelle stützten.
Pflüger, der auch Mitglied des CDU-Bundesvorstands ist, forderte,
dass sich der Auswärtige Ausschuss des Bundestags mit den BND-
Informationen befasst. Auf die Frage, ob sich die Haltung der Union zum
Irak-Krieg nun nachträglich ändern werde, sagte Pflüger,
es gebe ernste Punkte, «die es notwendig machen, darüber zu
sprechen, ob wir - auf der Grundlage der BND-Informationen - mit allen
Einschätzungen richtig gelegen haben». Die Union hatte in
der Irak-Krise immer eine militärische Drohkulisse
befürwortet und sich an die Seite der USA gestellt. Den Krieg
hatte die Parteispitze bedauert, aber die USA dafür nicht
kritisiert.
Pflüger richtete schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung
und den BND. «Ich muss mich als Abgeordneter darauf verlassen
können, was die Bundesregierung und der BND sagen.» Zu
seiner Meinungsbildung hätten wesentlich die BND-Information und
der Bericht von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) beigetragen,
dass der Irak über Pockenvirenstämme verfüge. Die
Bundesregierung trage die volle politische Verantwortung.
Pflüger forderte eine Veröffentlichung der entsprechenden
Protokolle der Sitzungen des Auswärtigen Ausschusses Ende 2002 und
im Februar 2003, in denen BND-Präsident August Hanning berichtet
hatte. In den Tonbandaufzeichnungen, die von der Geheimschutzstelle des
Bundestags verwaltet werden, fehlen laut Pflüger aber einige
Teile. Steg nannte Pflügers Vorgehen einen «offenkundig
jämmerlichen Versuch, eine bislang eingenommene und jetzt für
falsch gehaltene Position aufzugeben».
(Quellen: ap, afp, ddp, rtr)
Ostermärsche und -aktionen 2004
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
Ein Jahr nach Saddams Sturz
treffen noch immer Särge in den USA ein
Die US-Regierung spricht nicht gern über im Irak getötete
oder verletzte Soldaten. Zahlen gibt sie nur zögerlich bekannt,
Fotos gibt es nicht. Das verbittert viele Angehörige. Sie haben
sich organisiert. Einer von ihnen ist Larry Syverson. Dreimal
wöchentlich protestiert er gegen den Krieg...
Mehr in der "tageszeitung" vom 08.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/08/a0231.nf/text
Seit Kriegsbeginn sind im Irak 645 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der Verwundeten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie
nicht. Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur. (taz vom 08.04.04)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Zweiunddreißigster Kriegstag in Irak
So.20.04.03 - USA nehmen irakischen Finanzminister gefangen +++ US-Eliteeinheiten übergeben
die Kontrolle Bagdads an reguläre Truppen +++ Weite Teile der Fünf-Millionen-Stadt
weiter ohne Strom +++ Generalsekretär der Arabischen Liga fordert Recht auf Selbstbestimmung
für Iraker +++ Jordanien lässt irakische Flüchtlinge nicht ins Land +++
Während Amerikaner und Briten über ihre Toten Buch führen, gibt es über irakische
Opfer - Soldaten wie Zivilisten - nur Schätzungen +++ US-Marinereservist weigert sich zu töten -
Der Marine Reservist Stephen Eagle Funk, 20, ist der erste US-Kriegsdienstverweigerer des Irakkrieges +++
US-Militär: Kontrollieren meiste Ölquellen im Südirak
Hoffnung auf baldiges Kriegsende beflügelt Wall Street - US-Siegesmeldungen entfachen Strohfeuer
und lassen Kurse explodieren +++ Arabische Staaten wollen Waffenstillstand in Irak +++
Wer kommt nach Saddam? US-Pläne stäßen auf Widerspruch
bei irakischer Opposition +++ USA wollen irakische Führung wegen Kriegsverbrechen vor US-Gerichte stellen +++
Noam Chomsky: Der Irak ist ein Probelauf +++ 30.000 demonstrieren in Leipzig für Frieden +++ Deutsche
US-Stützpunkte spielen bei Irak-Krieg bedeutende Rolle. B-52-Bomber fliegen
über Deutschland nach Irak - Friedensaktivisten rufen in offenem Brief die Bundesregierung zum Handeln
gegen den Krieg auf...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304080.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Kämpfe im Norden Afghanistans
Do.08.04.04 - In der nordafghanischen Provinz Farjab ist es zu schweren Kämpfen
zwischen rivalisierenden Milizen gekommen, wie das
Verteidigungsministerium in Kabul am Mittwoch mitteilte. Einheiten von
Abdul Raschid Dostum seien am Dienstag von drei Seiten in die Provinz
eingerückt, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Rahim
Wardak der Nachrichtenagentur AP. «Farjak wird angegriffen. Es
gibt auch Opfer, aber ich nicht sagen wie viele.» Die Regierung
entsandte 750 Soldaten in die Region.
Die Kämpfe nährten wieder die Befürchtung, dass die
Sicherheitslage auch Wahlen im September noch nicht zulässt.
Ursprünglich sollten die ersten Parlaments- und
Präsidentenwahlen in Afghanistan seit dem Sturz des
Taliban-Regimes Ende 2001 im Juni stattfinden. Der Termin wurde jedoch
wegen logistischer Probleme und Sicherheitsbedenken auf September
verschoben worden.
Wie es aus Farjab hieß, drangen 2.000 bis 3.000 Kämpfer
Dostums mit etwa 200 Fahrzeugen und 400 Pferden in die Provinz ein. Die
Ortschaft Dschuma Basaar fiel in ihre Hände, weil der
örtliche Kommandeur einfach die Seiten wechselte.
Provinzgouverneur Enajatullah Enajat verschanzte sich mit rund 2.000
Kämpfer in seiner Hauptstadt Majmana.
Ein Sprecher des Verteidigungsministerium in Kabul erklärte, eine
Delegation sei auf dem Weg zu Dostum, um mit ihm zu sprechen.
(Quelle: ap)
Pakistan fordert mehr Unterstützung im Kampf gegen El Kaida
Do.08.04.04 - Der massive Einsatz der USA in Irak entzieht nach Ansicht des
pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf dem Kampf gegen El
Kaida und Taliban wichtige Ressourcen. Pakistan benötige für
den Kampf gegen diese Gruppen mehr Unterstützung, sagte Musharraf
in einem Interview mit dem australischen Fernsehsender SBS. Es wird
vermutet, dass sich El-Kaida- und Taliban-Kämpfer im
pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet aufhalten.
Der US-Botschafter für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, hatte
Pakistan am Montag vorgeworfen, nicht energisch genug gegen die
Extremisten vorzugehen. Musharraf sagte in dem Fernseh-Interview,
für ein wirksames vorgehen müsse in dem von traditionellen
Stammesverbänden kontrollierten Grenzgebiet viel Geld ausgegeben
werden. «Die Unterstützung, die wir erhalten, ist
minimal», klagte der pakistanische Präsident.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Nach israelischen Angaben unterstützt Großbritannien
Scharons Abzugsplan. Palästinensischer Außenminister Schaath
will Position seines Landes in Washington erörtern. 15 Verletzte
bei palästinensischer Demonstration gegen Sperranlage
Do.08.04.04 - Großbritannien unterstützt nach israelischen Angaben den
Plan von Ministerpräsident Ariel Scharon, einseitig Soldaten und
Siedler aus Palästinenser-Gebieten abzuziehen.
Premierminister Tony Blair habe Israel erklärt, er
unterstütze den Trennungsplan, teilte das Amt Scharons am Mittwoch
mit. Der britische Regierungschef wolle auch um internationale
Unterstützung für den Plan werben.
Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath will bei
Gesprächen in Washington die Position der Autonomiebehörde zu
den israelischen Abzugsplänen darlegen. Er werde am 21. April mit
seinem amerikanischen Kollegen Colin Powell und Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice zusammentreffen, erklärte Schaath am Mittwoch.
Die USA hätten ihm zugesichert, vor einer Anhörung der
Palästinenser und weiterer Staats- und Regierungschefs der Region
keine Entscheidungen über die israelischen Pläne zu treffen.
Nach dem Scharon-Plan sollen alle 21 jüdischen Siedlungen im
Gaza-Streifen aber nur vier von 120 Siedlungen im Westjordanland
aufgelöst werden. Die Palästinenser begrüßen den
Abzug zwar grundsätzlich, befürchten aber, dass Scharon im
Gegenzug große Siedlungsgebiete im Westjordanland annektieren
will. Dort errichtet Israel eine Sperranlage, die zum Teil weit in
palästinensisches Gebiet hineinreicht und begründet dies mit
dem Schutz vor palästinensischen Selbstmord-Attentätern.
Die Palästinenser fordern einen umfassenden israelischen
Rückzug aus dem Westjordanland. Scharon wird am 14. April zu
Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush in Washington
erwartet. Auch der ägyptische Präsident Husni Mubarak und der
jordanische König Abdullah II. sollen noch in diesem Monat mit
Bush zusammentreffen. Gespräche mit dem palästinensischen
Präsidenten Jassir Arafat lehnt die US-Regierung ab.
Bei einer Demonstration von Palästinensern gegen die umstrittene
israelische Sperranlage sind am Mittwoch in Biddu im Westjordanland 15
Palästinenser verletzt worden. Mindestens einer von ihnen erlitt
bei Zusammenstößen mit der israelischen Armee in der
nordwestlich von Jerusalem gelegenen Ortschaft Verletzungen durch ein
Gummi-ummanteltes Geschoss, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP
beobachtete. Die Armee setzte zudem Tränengas und Schockgranaten
ein, um die Demonstranten auseinder zu treiben. Nach einem Bericht des
öffentlichen israelischen Rundfunks wurden zwei israelische
Grenzschützer durch Steinewerfer verletzt und drei Demonstranten
festgenommen.
(Quellen: afp, ap)
Unruhen vor Präsidentschaftswahl in Algerien
Do.08.04.04 - Wenige Stunden vor Beginn der Präsidentschaftswahl in Algerien ist
es in der Kabylei im Osten des Landes zu Unruhen gekommen. In der
Ortschaft Timizart rund 20 Kilometer nordöstlich von Tizi Ouzou
plünderten am Mittwochabend Jugendliche das Bürgermeisteramt
und zerstörten Wahlunterlagen, wie die algerische
Nachrichtenagentur APS meldete. In Algerien wird heute ein neuer
Präsident gewählt.
Auch in Akbil versuchten Demonstranten demnach das Büro des
Bürgermeisters zu besetzen. In Akbou in der Kleinen Kabylei sei es
zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei
gekommen, nachdem mehrere Menschen versucht hätten, den Hauptsitz
eines Energieunternehmens in Brand zu stecken.
Die Kabylei ist seit rund drei Jahren unter der Führung der
dortigen Volksstämme in Aufruhr. In der Frage der
Präsidentschaftswahl ist die Bewegung der Volksstämme wegen
der Kandidatur des Chefs der laizistischen Sammlungsbewegung für
Kultur und Demokratie (RCD), Saïd Sadi, gespalten: Eine
Strömung befürwortet die Abstimmung, andere Vertreter lehnen
sie vehement ab und kündigten Sabotageakte an. Für die
Präsidentschaftswahl sind rund 18 Millionen Algerier aufgerufen,
sich für einen der sechs Kandidaten zu entscheiden. Als
aussichtsreichste Bewerber gelten Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika und
der frühere Regierungschef Ali Benflis.
(Quelle: afp)
UNO bittet um Lebensmittel-Spenden für Nordkorea
Do.08.04.04 - Angesichts der Hunger-Katastrophe in Nordkorea hat das
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) die
internationale Öffentlichkeit dringend zu Spenden und
Lebensmittel-Lieferungen aufgefordert. Nach einem Anfang des Jahres
veröffentlichten Spendenaufruf seien bislang erst 17,3 Millionen
Dollar eingegangen, sagte eine WFP-Sprecherin in Genf. Benötigt
würden jedoch 154 Millionen Dollar.
Die UN-Helfer hätten im Januar und Februar nur 750.000 von 6,5
Millionen der am meisten bedürftigen Menschen in Nordkorea mit
Lebensmitteln versorgen können. In dem kommunistisch regierten
Land spiele sich seit zehn Jahren eine "fürchterliche
Tragödie" ab, sagte der UN-Sonderberichterstatter für das
Recht auf Nahrung, Jean Ziegler. Schätzungen zufolge seien
fünf bis sieben Prozent der mehr als 21 Millionen Nordkoreaner dem
Hunger und damit verbundenen Krankheiten zum Opfer gefallen.
(Quelle: afp)
Amnesty kritisiert neue haitianische Regierung
Do.08.04.04 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die neue
haitianische Regierung scharf kritisiert. Die Übergangsregierung
müsse den gewaltsamen Übergriffen auf Anhänger des
gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide Einhalt
gebieten, forderte eine Amnesty-Vertreterin am Mittwoch (Ortszeit) in
der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Seit Aristides Flucht am
29. Februar seien mindestens vier seiner Gefolgsleute entführt
worden, andere seien angegriffen oder belästigt worden.
Nach Zählung der Nachrichtenagentur AP sind in den vergangenen
Wochen mindestens zwölf Anhänger des Expräsidenten
getötet worden. Die meisten wurden erschossen aufgefunden, ihre
Hände auf dem Rücken gefesselt.
Amnesty-Vertreterin Yvonne Terlingen forderte die Regierung auf, sich
von den Rebellen zu distanzieren, die Aristides Sturz
herbeiführten. Einige von ihnen hätten
Menschenrechtsverletzungen zu verantworten und müssten zur
Rechenschaft gezogen werden. Es reiche nicht, nur Anhänger von
Aristides Lavalas-Partei zu verhaften, sagte Terlingen.
Der Chef der Übergangsregierung, Ministerpräsident Gerard
Latortue, hatte die Rebellen kurz nach seinem Amtsantritt als
Freiheitskämpfer bezeichnet. Am Dienstag wurde der frühere
haitische Innenminister Jocelerme Privert festgenommen, der für
die Ermordung mehrerer Aristide-Gegner verantwortlich gemacht wird.
Terlingen ist Leiterin einer Amnesty-Delegation, die zwei Wochen in
Haiti verbrachte. In dieser Zeit habe die Gruppe Interviews mit
über 100 Zeugen geführt, sagte Terlingen. Der Zugang zu
Gefängnisinsassen sei der Delegation zum Teil verweigert worden,
kritisierte sie weiter.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Haitianische Regierung will Auslieferung Aristides beantragen
Fr.02.04.04 - Die haitianische Übergangsregierung will eine unabhängige
Kommission zur Untersuchung von Korruptionsvorwürfen gegen den
gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide einrichten.
Justizminister Bernard Gousse sagte in einem Interview am Donnerstag,
das Gremium werde alle Verstöße auflisten, und dann werde
die Übergangsregierung formell die Auslieferung Aristides
beantragen. Einen Zeitrahmen nannte er nicht.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404020.htm#04040206
Mehr zum Thema "Haiti" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403310.htm#040331_d
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403260.htm#04032608
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403260.htm#040326_kq
1.500 Jugendliche im Südwesten Nepals entführt
Do.08.04.04 - Maoistische Rebellen haben im Südwesten Nepals 1.500 Jugendliche
entführt. Die Jungen und Mädchen seien am Dienstagabend aus
drei Dörfern in der entlegenen Provinz Kanchanpur verschleppt
worden, sagte ein örtlicher Abgeordneter, Rajendra Singh Rawal,
der Nachrichtenagentur AFP. "Die Rebellen brachten sie mit 27 Lastwagen
an einen unbekannten Ort", sagte er. Die Regierung wirft den Rebellen
vor, angesichts ihrer wachsenden Verluste junge Männer dazu zu
zwingen, für sie zu kämpfen.
Unter den am Dienstag Entführten waren nach Angaben Rawals auch
minderjährige Mädchen. Vor ihrer Abfahrt hätten die
Entführer angekündigt, bald zurückzukehren und weitere
junge Männer zu holen. Aus Angst vor Entführungen
flüchteten viele Einwohner über die Grenze ins benachbarte
Indien. Erst zu Beginn dieser Woche waren laut Polizei in der Region
Dadheldhura in West-Nepal 150 Lehrer verschleppt worden.
Die maoistischen Aufständischen versuchen seit 1996, die
konstitutionelle Monarchie in dem 23-Millionen-Einwohner-Staat zu
stürzen und eine kommunistische Republik zu errichten. Nach
Angaben von Menschenrechtsorganisationen kamen in dem Bürgerkrieg
bislang 9.500 Menschen ums Leben.
(Quelle: afp)
Annan und Bush fordern Ende der Gräuel in Sudan
UN-Generalsekretär: Eventuell militärisches Eingreifen
nötig
Do.08.04.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die internationale
Staatengemeinschaft zu einem notfalls mit militärischer Gewalt
unterstützten "schnellen Handeln" im Darfur-Konflikt in Sudan
aufgerufen. "Die internationale Gemeinschaft darf nicht untätig
zusehen", sagte Annan vor der UN-Menschenrechtskommission in Genf in
einer Rede zum zehnten Jahrestag des Völkermords in Ruanda.
US-Präsident George W. Bush appellierte unterdesen direkt an den
sudanesischen Staatschef Omar el Beschir, die von örtlichen
Milizen begangenen "Gräueltaten" in der Darfur-Region zu beenden.
Diese Milizen werden von der Regierung in Khartum unterstützt.
Annan und Bush forderten die sudanesische Regierung auf,
internationalen Helfern Zugang zu der umkämpften Region Darfur im
Westen des Landes zu gewähren. "Sollte dieser Zugang verweigert
werden, muss die internationale Gemeinschaft bereit sein, angemessen zu
handeln", sagte Annan. Er meine damit eine Reihe von Schritten, die
militärische Aktionen einschließen könnten. Der Einsatz
von Soldaten sei allerdings nur der letzte Ausweg.
Bush äußerte sich nicht zu einer möglichen
internationalen Militärintervention. Er warnte jedoch in einem an
seiner Ranch in Texas veröffentlichten Statement die sudanesische
Regierung, sich nicht zum "Komplizen" der brutalen Gewalt in Darfur zu
machen.
Der UN-Koordinator für Notfallhilfe, Jan Egeland, hatte vor
wenigen Tagen angeprangert, dass in der zwischen Regierungstruppen und
Rebellen umkämpften Provinz die schwarze, nicht-arabische
Bevölkerung zum Opfer einer grausamen, von der Regierung in
Khartum unterstützten Verfolgungskampagne werde. Er sprach von
"ethnischer Säuberung".
Laut Annan will die UNO auf Einladung der sudanesischen Regierung eine
Expertengruppe in die Krisenregion schicken, welche die Lage vor Ort
bewerten soll. In dem Konflikt in Darfur sind nach Angaben von
Hilfsorganisationen bislang rund 10.000 Menschen getötet worden.
Rund 770.000 Menschen wurden den Angaben zufolge in die Flucht
getrieben.
Bush betonte, dass die USA seit mehr als zweieinhalb Jahren zwischen
der islamischen Regierung in Khartum und den Rebellen der christlichen
Volksbefreiungsarmee (SPLA) zu vermitteln versuche.
(Quelle: afp)
Zahl der Aids-Waisen droht auf 25 Millionen zu steigen - Drastisch
verbilligte Aids-Medikamente für arme Länder
Do.08.04.04 - Die Zahl der Aids-Waisen weltweit droht bis 2010 auf 25 Millionen zu
steigen. Bereits heute haben 13,4 Millionen Kinder ihre Mutter, ihren
Vater oder beide Elternteile durch die Krankheit verloren, wie aus
einem am Mittwoch (Ortszeit) in Washington veröffentlichten
Bericht hervorgeht. In den kommenden sechs Jahren drohe sich diese Zahl
zu verdoppeln, heißt es in dem unter anderem von der
Internationalen Aids-Stiftung finanzierten Papier. Zudem seien 2,5
Millionen Kinder unter 15 Jahren selbst mit dem HI-Virus infiziert. In
der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen gebe es sogar 11,8
Millionen Infizierte, sie stellen damit über ein Viertel der
HIV-positiven Menschen weltweit.
Entwicklungsländer in aller Welt können Aids-Medikamente und
-Tests künftig zu drastisch reduzierten Preisen einkaufen. Die
Vereinbarung mit den Herstellern handelte die Clinton- Stiftung aus,
teilte die Weltbank am Dienstag in Washington mit.
Damit rückt das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis
nächstes Jahr drei Millionen Aids-Patienten in armen Ländern
versorgen zu können, nach Ansicht von Experten in greifbare
Nähe.
Die Stiftung von Ex-Präsident Bill Clinton, die den Kampf gegen
Aids zu einer ihrer Hauptaufgaben gemacht hat, hat die
Preisnachlässe mit einem südafrikanischen und vier indischen
Herstellern ausgehandelt. Nach Angaben der Weltbank kostet die
Behandlung eines Patienten damit noch 140 Dollar (117 Euro) im Jahr,
ein Drittel der sonst üblichen Preise. Die Aids-Tests werden unter
anderem von Bayer Diagnostics billiger als üblich angeboten.
Die reduzierten Preise galten bereits für 16 Länder in der
Karibik und Afrika. Jetzt können insgesamt 122 Länder die
günstigen Konditionen in Anspruch nehmen. Interessierte
Regierungen müssen allerdings zunächst Zahlungsgarantien
abgeben, langfristige Verträge abschließen und die sichere
Verteilung der Medikamente gewährleisten. Dabei helfen die
Weltbank, das Kinderhilfswerk UNICEF und der Global Fund, eine
Initiative von Unternehmern, Regierungen und Organisationen zur
Vorbeugung und Behandlung von Aids, Tuberkulose und Malaria.
Ira Magaziner, Leiter der Aids-Initiative der Clinton-Stiftung,
räumte im Interview mit der «Washington Post»
allerdings ein, dass es in einigen Ländern noch Jahre dauern
könnte, bis Patienten dort mit korrekt gekühlten Medikamenten
versorgt werden können. In den Entwicklungsländern leben nach
Schätzungen sechs Millionen Menschen mit Aids. Nur 200.000 nehmen
zur Zeit Medikamente, die die Todesraten in den Industrieländern
in den vergangenen Jahren drastisch reduziert haben.
(Quelle: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Südafrika bewilligt sofortige Beschaffung von Aids-Medikamenten
Sa.27.03.04 - Die südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang
hat die sofortige Beschaffung von Aids-Medikamenten bewilligt. Wie die
südafrikanische Zeitung "This Day" am Donnerstag berichtete, kann
nun mit der Abgabe von antiretroviralen Medikamenten an Aids-Kranke
begonnen werden, noch bevor langfristige Lieferverträge mit den
großen internationalen Pharmaunternehmen abgeschlossen sind. Die
südafrikanische Regierung hatte im Herbst die kostenlose Abgabe
von Aids-Medikamenten beschlossen... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403270.htm#04032705
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema "Aids" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403050.htm#04030511
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402200.htm#04022011
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#03120904
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312090.htm#031209ex
Präsident Zyperns lehnt UN-Plan zur Wiedervereinigung ab
Do.08.04.04 - Der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos hat den UN-Plan zur
Wiedervereinigung der Insel am Mittwoch zurückgewiesen. Der
Staatschef des griechischen Teils der Mittelmeerinsel, der am 1. Mai
der Europäischen Union beitritt, rief seine Landsleute in einer im
Fernsehen übertragenen Rede auf, bei der Volksabstimmung am 24.
April gegen den UN-Plan zu votieren. An diesem Tag wird sowohl im
griechischen als auch türkischen Teil der Insel über den
Vorschlag von UN-Generalsekretär Kofi Annan abgestimmt.
Angenommen ist der Vorschlag nur, wenn er auf Zustimmung in beiden
Landesteilen trifft. Von der türkischen Seite wird erwartet, dass
sie in akzeptiert. Besonders groß sind die Vorbehalte bislang im
griechischen Teil. Grund ist vor allem, dass das Recht vieler
griechischer Zyprer auf Rückkehr in ihre frühere Heimat stark
eingeschränkt wird. Die 60.00 Siedler vom türkischen
Festland, die von der Türkei in dem seit 1974 besetzten Inselteil
angesiedelt wurden, um ihre Macht zu festigen, dürfen hingegen
alle bleiben.
EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen appellierte an die
beiden Volksgruppen auf Zypern, dem UN-Plan zuzustimmen. Er hoffe,
«dass nach vielen Jahrzehnten des Konflikts beide Seiten die
Chance der Versöhnung ergreifen», sagte Verheugen am
Mittwoch in Brüssel. «Ich glaube nicht, dass die Chance
sobald wiederkommt.» Die EU-Kommission stellte in diesem
Zusammenhang die rechtlichen Weichen, dass das gesamte Zypern der
Gemeinschaft am 1. Mai beitreten kann.
Der von den Vereinten Nationen vorgelegte Plan beschränkt für
mehrere Jahre die Rechte griechischer Zyprer, in ihre Häuser im
türkischen Norden der Insel zurückzukehren. Dies steht
grundsätzlich im Widerspruch zum EU-Recht, das allen Bürgern
Freizügigkeit garantiert. Die EU setzte allerdings durch, dass es
keine dauerhaften Ausnahmeregelungen zum Gemeinschaftsrecht gibt,
sondern lediglich Übergangsfristen zugelassen sind. Dies spiegelt
sich in dem am Mittwoch von der Kommission vorgeschlagenen Verordnung
wider, die jetzt von den Mitgliedstaaten verabschiedet werden muss.
Verheugen betonte, es müsse vermieden werden, von Brüssel aus
Druck auf die Bevölkerung auszuüben. «Das ist ihr
Land», sagte Verheugen. «Lasst sie in Ruhe, lasst sie
selbst entscheiden.» Die Annahme des Planes wäre aber im
Interesse aller. Zudem wäre es ein «politisches Signal, dass
die europäische Integration nicht nur in der Lage ist, Konflikte
zu verhindern, sondern sie auch zu lösen.» Scheitert das
Referendum, tritt nur der griechische Teil Zyperns der EU bei.
Die oppositionellen Sozialisten in Griechenland riefen beide
Volksgruppen auf, dem UN-Plan zuzustimmen. «Wir sagen Ja zu einer
gemeinsamen Zukunft für die beiden Volksgruppen. Wir sagen Ja zur
Koexistenz», erklärte Parteichef Georgios Papandreou in
einer live im griechischen Fernsehen übertragenen Rede.
Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis will erst nach einer
Sitzung seiner konservativen Partei in der kommenden Woche Stellung
nehmen.
(Quelle: ap)
Frankreich gegen EU-Beitritt der Türkei
Do.08.04.04 - Das rechtsbürgerliche Regierungslager in Paris hat sich gegen die
Aufnahme der Türkei in die Europäische Union ausgesprochen
und einen solchen Schritt zumindest "auf mittlere Sicht"
ausgeschlossen. Ein Beitritt der Türkei würde die EU
"entstellen", sagte der Chef der Mehrheitspartei UMP von Präsident
Jacques Chirac, Alain Juppé, in Paris. Die UMP-Spitze sei
dagegen, zum Jahresende Diskussionen mit der Türkei aufzunehmen.
Der neue französische Außenminister Michel Barnier, der
ebenfalls zur UMP-Führung zählt, sagte, ein Beitritt der
Türkei komme selbst in einem solchen Falle "nicht auf mittlere
oder kurze Sicht in Frage".
Juppé sagte, der Türkei solle statt einer Mitgliedschaft
eine "privilegierte Partnerschaft" mit der EU vorgeschlagen werden,
ebenso wie den Maghreb-Staaten "und den Ländern im Süden des
alten Sowjet-Blocks". Unter Verweis vor allem auf die Türkei sagte
er, die der EU "nahen Länder" sollten dieser nicht beitreten, "um
sie nicht zu entstellen". Der bisherige EU-Kommissar Barnier sagte in
der Fragestunde der Pariser Nationalversammlung, die Türkei
müsse vor einem Beitritt Vorgaben unter anderem zu den
Menschenrechten einhalten, die sie bislang nicht erfülle.
Ankara ist seit dem EU-Gipfel von Helsinki 1999 offiziell
Anwärterin auf einen Beitritt. Chirac hatte sich dazu zuletzt
zurückhaltend geäußert. Nach einem Treffen mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Paris sagte er lediglich,
es solle der bis Jahresende erwartete Bericht der EU-Kommission
berücksichtigt werden. EU-Erweiterungskommissar Günter
Verheugen hatte zuvor gesagt, wenn dieser Bericht positiv ausfalle,
würden die Verhandlungen unverzüglich, "das heißt, im
Frühjahr 2005", beginnen. Ankara müsse jedoch an der
Verbesserung der Menschenrechtslage arbeiten.
Der Chef der nationalistischen Partei Mouvement pour la France (MPF),
Philippe de Villiers, wies die Erklärungen der UMP-Politiker als
"unglaubwürdig" zurück. Es handele sich um eine Kehrtwende
vom bisherigen Kurs der Partei und Chiracs, sagte de Villiers der
Nachrichtenagentur AFP. Er forderte, über einen EU-Beitritt der
Türkei müsse per Referendum entschieden werden.
(Quelle: afp)
IG Metall wirft EU-Beitrittsländern ausbeuterische
Verhältnisse vor - Huber warnt vor längeren Arbeitszeiten
Do.08.04.04 - Die IG Metall wirft den osteuropäischen Beitrittsländern
«ausbeuterische Verhältnisse» vor und fordert die EU
auf, «diesen Dumpingwettbewerb zu unterbinden, indem sie
verbindliche Standards vorgibt». Es sei ein «kapitaler
politischer Fehler», dass es «diese unfaire
Konkurrenz» demnächst innerhalb der EU gebe, sagte der
Zweite IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Donnerstagausgabe). Er forderte
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, in Brüssel Druck
auszuüben, um in den Beitrittsländer höhere Standards
durchzusetzen.
«Wir können doch nicht mit unseren Steuergeldern unser
eigenes wirtschaftliches Grab schaufeln», sagte Huber unter
Hinweis auf Arbeitszeiten von 48 Stunden, Löhnen von 13 Prozent
des deutschen Niveaus und einem Steuersatz von 19 Prozent in Slowenien.
Das werde durch deutsche EU-Beiträge subventioniert. Es sei auch
«völlig illusorisch», diese Vorteile durch
längere Arbeitszeiten in Deutschland zu kompensieren. Die
Beitrittsländer würden dann ebenfalls die Arbeitszeiten
hochfahren.
Huber fügte hinzu, die IG Metall werde die Gewerkschaft ver.di mit
eigenen Aktionen im Kampf gegen die von einigen Bundesländern
geplante Arbeitszeitverlängerung unterstützen. Ver.di
könne sicher sein, dass der Widerstand gegen
Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich im Interesse aller
DGB-Gewerkschaften liege. Da lasse man sich nicht spalten in
Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes und der Wirtschaft.
Für die IG Metall selber gelte, dass sie keine allgemeine
Arbeitszeitverlängerung hinnehmen werde, versicherte Huber.
«Dann könnten wir unsere Mitglieder ja gleich aufs
Arbeitsamt schicken.» Denn in der Produktion bedeuteten
längere Arbeitszeiten massenweise Entlassungen.
(Quelle: ddp)
Mit 65 Wochenstunden auf Sozialhilfeniveau
Gesetzlicher Mindestlohn umstritten - DGB fordert Betroffene zum
Eintritt in Gewerkschaft auf
Do.08.04.04 - Von der aktuellen Debatte um einen gesetzlichen Mindestlohn hat Frank
Sägebarth noch nichts mitbekommen. Dabei betrifft das Thema den
«Wachmann Sägebarth», wie er sich am Telefon meldet,
persönlich. Etwa 850 Euro brutto im Monat verdient der
Familienvater, der für eine große europäische
Institution im Wach- und Telefondienst arbeitet - in Vollzeit, manchmal
bis zu 65 Stunden pro Woche. Bezöge seine Frau nicht Sozialhilfe,
hätten sie mit ihren drei Kindern überhaupt kein Auskommen.
Sägebarth gehört in seinem Metier keineswegs zu den schlecht
Bezahlten. In den neuen Ländern werben Sicherheitsunternehmen in
Stellenangeboten mit Bruttolöhnen von 3,80 Euro pro Stunde. Auch
im Einzelhandel sind reale Stundenentgelte von unter fünf Euro
keine Seltenheit. Erst kürzlich geriet etwa die Lebensmittelkette
Norma in die Schusslinie, weil sie ihre Mitarbeiter zu unbezahlter
Mehrarbeit anhalten soll. Billigarbeit ist in Deutschland
offensichtlich auf dem Vormarsch.
Nun machte Grünen-Chef Reinhard Bütiköfer einen
altbekannten Vorschlag: die Einführung eines gesetzlichen
Mindestlohns. Der große Koalitionspartner zeigt sich
aufgeschlossen, möchte sich aber noch nicht festlegen.
SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter gibt sich bedächtig:
Erst sei zu prüfen, ob das ein sinnvolles Instrument sei. Genau
das bezweifeln jedoch neben Wirtschaftsfachleuten auch
Gewerkschaftsführer.
Gerade im Niedriglohnbereich könnten tausende neue Jobs entstehen,
glaubt Klaus Zimmermann vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW). Mindestlöhne würden das
verhindern und so den gering Qualifizierten am meisten schaden. Diese
Sorgen werden in Großbritannien offenbar nicht geteilt: Die
Regierung Blair hat 1999 einen gesetzlichen Mindestlohn
eingeführt, der zurzeit 7,15 Euro pro Stunde beträgt - zwei
Euro über dem, was Sägebarth bekommt. Die Arbeitslosenquote
liegt auf der Insel bei - für deutsche Verhältnisse -
traumhaften fünf Prozent.
Auch die deutschen Gewerkschaften wollen von einem gesetzlichen
Mindestlohn nichts wissen. DGB-Chef Michael Sommer hält die von
den Grünen angestoßene Debatte für «ein
klassisches Manöver, um das schlechte Gewissen zu
beruhigen». Das eigentliche Problem seien die Zumutbarkeitsregeln
für Arbeitslose, auf die sich Regierung und Opposition im Dezember
im Vermittlungsausschuss geeinigt hatten. Danach sollen ab 2005
Bezieher des neuen Arbeitslosengeldes II jede angebotene Arbeit
annehmen müssen - selbst wenn sie nicht nach Tarif oder
ortsüblichem Niveau bezahlt wird.
Dass der die Staat die Lohnhöhe reguliert, wollen die
Arbeitnehmerorganisationen auf keinen Fall. Sie fürchten um ihr
Heiligstes: die Tarifautonomie. «Mindestlöhne gibt es den
Ländern, in denen es schwache Gewerkschaften gibt», findet
IG-BCE-Boss Hubertus Schmoldt. Und dies sei in Deutschland nicht der
Fall. Die Gewerkschaften fühlen sich mit ihren gut sieben
Millionen Mitgliedern offenbar immer noch stark genug, Arbeitnehmer in
Deutschland vor Armutslöhnen zu bewahren.
Tatsächlich haben sie mit den Arbeitgebern für einige
Branchen Mindestentgelte ausgehandelt, die per Gesetz für
allgemein verbindlich erklärt wurden. So darf auf westdeutschen
Baustellen kein Facharbeiter weniger als 12,47 Euro pro Stunde
verdienen, in den neuen Bundesländern ist weniger als 9,65 Euro
illegal. Was die Arbeiter allerdings tatsächlich mit nach Hause
nehmen, dürfte oft erheblich darunter liegen, denn immer wieder
gibt es Beschwerden über illegales Lohndumping in der Baubranche.
Die Mini-Löhne im Bewachungsgewerbe sind indes rechtlich nicht zu
beanstanden: Sie stehen im Tarifvertrag. In Thüringen beträgt
das allgemein verbindliche Grundentgelt für Wachpersonal 4,32 Euro
pro Stunde. Ver.di fordert mehr, doch die Arbeitgeber beharren auf
einer Nullrunde. Im Lohn-Poker hat ver.di nicht viel in die Waagschale
zu werfen: Nur 25 Prozent der Wachleute sind gewerkschaftlich
organisiert. Wäre hier nicht eine gesetzliche Regelung sinnvoll?
DGB-Sprecher Hilmar Höhn verneint: «Wenn die Leute nicht in
der Gewerkschaft sind, kann man ihnen nicht helfen.»
Von den Gewerkschaftschefs wagt einzig Frank Bsirske gelegentlich einen
Vorstoß in Sachen Mindestlohn. Der Vorsitzende der
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kennt die Nöte der
Billig-Jobber. Im Februar forderte das Grünen-Mitglied, für
die Regelarbeitszeit ein Entgelt von wenigstens 1.500 Euro brutto im
Monat gesetzlich festzuschreiben. Sein Vorschlag fand in der Politik
nicht viel Gehör. Wachmann Sägebarth könnte sich mit der
Idee allerdings anfreunden. Für ihn würde sich der Lohn damit
fast verdoppeln.
(Quelle: ap)
Vorstoß zur Sterbehilfe stößt parteiübergreifend
auf Unmut
Bundesärztekammer gegen Änderung der
Sterbehilfe-Regelung
Do.08.04.04 - Ein Vorstoß aus der SPD-Bundestagsfraktion zur Legalisierung von
Sterbehilfe ist am Mittwoch parteiübergreifend auf heftige Kritik
gestoßen. Der SPD-Abgeordnete Rolf Stöckel will mit einem
«Gesetz zur Autonomie am Lebensende» die bestehende
rechtliche Grauzone bei der passiven und aktiven indirekten Sterbehilfe
beseitigen, wie sein Büro am Mittwoch auf Anfrage der
Nachrichtenagentur AP erklärte. Dem Vorstoß wurde auch in
der SPD wenig Aussicht auf Erfolg bescheinigt.
Stöckel, der auch Bundesvorsitzender des Humanistischen Verbands
Deutschlands ist, will erreichen, dass todkranke Menschen mittels einer
Patientenverfügung selbst über ihr Ende bestimmen
können. Laut dem Antragsentwurf, der der AP vorliegt, soll unter
anderem das Strafgesetzbuch geändert werden, so dass ein Abbruch
lebensverlängernder Maßnahmen nicht mehr rechtswidrig ist.
Voraussetzung sei aber, dass der Verzicht durch eine gültige
Patientenverfügung erklärt werde. Die
Vormundschaftsregelungen dazu sollten gelockert werden.
Eine direkte Tötung auf Verlangen, wie etwa in den Niederlanden
zulässig, solle es aber nicht geben, wie Stöckels Referentin
Sabine Schermele erklärte. Bisher müssen Sterbehelfer mit
einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren
rechnen.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will am Verbot aktiver
Sterbehilfe festgehalten. «Das soll so bleiben», sagte eine
Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin. Im übrigen erwarte
Zypries die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zum Thema
Patientenverfügung. Sie sollten im Mai vorliegen.
Stöckel will seinen Entwurf nach der Osterpause einbringen. Der
SPD-Politiker sagte der «Berliner Zeitung», er werde dabei
bisher von 15 bis 20 SPD-Abgeordneten, fünf bis zehn Liberalen und
fünf Grünen unterstützt. Ein Gruppenantrag benötigt
mindestens 31 Unterschriften.
In der Grünen-Fraktion wurden Stöckels Zahlen bezweifelt. In
Fraktionskreisen hieß es, weder sei die Aktion bekannt noch wisse
man von grünen Unterstützern. Die Grünen-Obfrau in der
Enquete-Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin, Christa
Nickels, kritisierte den Vorstoß als verantwortungslos.
Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Wodarg, der ebenfalls in der
Enquete-Kommission sitzt, sagte der AP, der Antrag habe keinerlei
Aussicht auf Erfolg. Der Vorsitzende der Kommission, der
SPD-Abgeordnete René Röspel, sagte, eine Diskussion um
aktive Sterbehilfe sei zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht.
Röspel und die Grünen-Politikerin Nickels sowie die Union
forderten die Stärkung der Hospizbewegung und der
Palliativmedizin. Der Kirchenbeauftragte der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hermann Kues, erklärte, die Initiative
widerspreche dem christlichen Menschenbild, weil Menschenwürde
damit zur Auslegungssache werde. Statt über Sterbehilfe
nachzudenken, müsse das Sterben als Teil des Lebens in die
Gesellschaft zurückgeholt werden.
Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe,
Peter Ramsauer, sprach von einem «Angriff gegen die
Menschenwürde» und einer «Bankrotterklärung der
Menschlichkeit». Der FDP-Kommissions-Obmann Michael Kauch
kritisierte, dass in der Debatte aktive und passive Sterbehilfe
«in einen Topf geworfen» werde.
Der Präsident der Bundesärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe
lehnt eine Änderung der Sterbehilfe-Regelung strikt ab. Das Verbot
der Tötung auf Verlangen dürfe nicht angetastet werden, sagte
Hoppe der «Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe). Er
befürchte, dass Komapatienten sonst leichtfertig der Wunsch zu
sterben unterstellt werde. «Die Gefahr des Missbrauchs ist zu
groß», betonte Hoppe.
Dem Willen todkranker Patienten wird nach Ansicht Hoppes von
Ärzten schon heute hinreichend Folge geleistet. Wenn ein
einwilligungsfähiger Patient die weitere Behandlung verweigere,
dann müsse der behandelnde Arzt dies respektieren. «Das gilt
auch dann, wenn der Patient nicht mehr künstlich ernährt
werden will», sagte Hoppe. Für den Fall einer möglichen
Bewusstlosigkeit könnten Patienten vorab eine
Willenserklärung unterschreiben. Je konkreter und zeitnäher
eine solche Verfügung formuliert werde, desto verbindlicher sei
sie.
(Quellen: ap, ddp)
Blick ins Archiv:
Initiative für legale Sterbehilfe im Bundestag
Mi.07.04.04 - Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und FDP planen offenbar eine
Initiative für ein Sterbehilfe-Gesetz. Wie die «Berliner
Zeitung» (Mittwochausgabe) berichtet, wollen die Abgeordneten mit
ihrem Gesetzentwurf erreichen, dass todkranke Menschen selbst über
ihr Ende bestimmen können. Das Blatt zitiert den SPD-Abgeordneten
Rolf Stöckel als Initiator des Gruppenantrags mit dem Satz:
«Wir sind der Überzeugung, dass der Patientenwille bis zum
Schluss ausschlaggebend sein muss.»... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404070.htm#04040716
Mach mich nicht tot, Doktor!
Holland ... besitzt das liberalste Euthanasiegesetz der Welt. Und Holland
hat ein kaputtes Gesundheitssystem - eine gefährliche Kombination.
Mitte Oktober stand im 'Spiegel': "... gibt es alte Menschen in Holland, die
vorsichtigerweise einen Zettel bei sich haben, auf dem steht: "Maak mij
niet dood, dokter!" ..."Weil das (Euthanasie-)Gesetz in der Praxis kaum
kontrolliert wird, können Ärzte... Leben beenden, wenn sie
meinen, dass die Verlängerung zu teuer wird." ('Süßes
Gift des Lohnverzichts', 'Der Spiegel' 43/2003)
Aus: Andrea Noll - "Triptichon des neoliberalen Verfalls Europas -
'Maak mij niet dood, dokter!' ", ZNet 30.11.03
http://zmag.de/artikel.php?id=924
http://www.zmag.org/sustainers/content/2003-11/30noll.cfm
Lebenshilfe oder Sterbehilfe
Berichte zum Thema im boa-Nachrichten-Archiv:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310080.htm#03100809
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310080.htm#031008_d
NRW prüft Klage gegen Castor-Transporte nach Ahaus
Do.08.04.04 - Die nordrhein-westfälische Landesregierung bereitet sich auf eine
Klage gegen die geplanten Atommüll-Transporte aus dem
sächsischen Rossendorf ins westfälische Zwischenlager Ahaus
vor. Mit einer entsprechenden juristischen Prüfung habe die
NRW-Regierung nun einen "renommierten Anwalt" beauftragt, teilte
Landesinnenminister Fritz Behrens (SPD) in Düsseldorf mit.
"Wir wollen alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten
ausschöpfen, um die Castor-Transporte doch noch zu verhindern",
kündigte Behrens an. "Der innerdeutsche Atommüll-Tourismus
muss endlich aufhören."
Die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf reagiert damit
auf die Genehmigung der geplanten Transporte durch das Bundesamt
für Strahlenschutz Ende März. Die insgesamt 951 verbrauchten
Brennelemente aus dem früheren Forschungsreaktor Rossendorf bei
Dresden sollen demnächst in 18 Castor-Behältern über die
Straße in das münsterländische Zwischenlager rollen.
NRW hatte die Transportpläne bereits im Vorfeld der Genehmigung
scharf kritisiert.
Behrens betonte erneut, der zur Sicherung der Transporte erforderliche
Polizeieinsatz sei "unverantwortlich". Nach den Terroranschlägen
von Madrid habe die Polizei "wichtigere Aufgaben". Zudem könne
niemand der Öffentlichkeit vermitteln, warum NRW für den
sächsischen Atommüll rund 50 Millionen Euro zahlen solle.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
BfS genehmigt umstrittene Atomtransporte
aus Sachsen nach Ahaus
Mi.31.03.04 - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die umstrittenen
Transporte von abgebrannten Brennelementen aus Rossendorf in Sachsen in
das nordrhein-westfälische Zwischenlager Ahaus genehmigt. Auf
Grundlage der bis Jahresende geltenden Erlaubnis würden insgesamt
951 Brennelemente aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf
in 18 Castor-Behältern in das Zwischenlager gebracht, teilte das
Bundesamt in Salzgitter am Dienstag mit. Wann der Transport stattfinden
soll, muss noch entschieden werden.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403310.htm#04033114
SPD-Bundestagsabgeordnete wollen Atommülltransporte
aus Sachsen verhindern. Atomgegner planen Castor-Blockade
So.04.04.04 - Atommüll-Transporte aus Rossendorf könnten in acht Wochen
rollen - Experte erwartet mindestens neun Fahrten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404040.htm#04040413
Einkesselung von Castor-Gegnern war rechtswidrig
Do.08.04.04 - Acht Jahre nach der stundenlangen Einkesselung von 150 AKW-Gegnern bei
einem Castor-Transport nach Gorleben hat das Amtsgericht Dannenberg das
Vorgehen der Polizei für rechtswidrig erklärt. Bei der
Einschließung von 150 Personen in Karwitz bei Dannenberg sei
«die Freiheitsbeschränkung von Anfang an, also bereits dem
Grunde nach rechtswidrig» gewesen, heißt es in einem am
Dienstag in Dannenberg veröffentlichten Beschluss des Gerichtes.
Der Beschluss wurde von drei seinerzeit eingekesselten Demonstranten
erwirkt, die mit Unterstützung der Bürgerinitiative
Lüchow-Dannenberg nacheinander bei mehreren Gerichten gegen ihre
rund achtstündige Ingewahrsamnahme klagten. Nach Angaben der
Initiative erklärte sich das Amtsgericht zuerst für
unzuständig. Erst das danach angerufen Verwaltungsgericht
Lüneburg und das Oberverwaltungsgericht hätten die
Zuständigkeit des Gerichts in Dannenberg festgestellt.
Dem Gerichtsbeschluss zufolge ist der Unterbindungsgewahrsam, in den
die Polizei die 150 AKW-Gegner am 4. Mai 1996 nahm, nur zulässig,
wenn von den Betroffenen die unmittelbare Gefahr einer Straftat oder
Ordnungswidrigkeit von erheblichen Gewicht ausgeht. Bei den Kläger
habe man jedoch keine individuellen Umstände feststellen
können, aus denen eine solche Gefahr hätte abgeleitet werden
können. Sie hätten sich zu keinem Zeitpunkt auf den Schienen
aufgehalten und seien Aufforderungen der Polizei, sich zu entfernen,
gefolgt. Es gebe keine Anhaltpunkte dafür, dass sie sich am
Abschrauben von Schienenmuttern beteiligt hätten. (AZ.: 39 XIV
1,2,3/01 L)
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Aufenthaltsverbot bei Castor-Transport rechtswidrig
Mi.31.03.04 - Die Polizei darf nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts
Lüneburg Proteste gegen Castor-Transporte nach Gorleben nicht
durch willkürliche Aufenthaltsverbote unterbinden. Ein
Aufenthaltsverbot dürfe nicht dazu dienen, Demonstranten
weiträumig von ihrem Protest gegen die Atomwirtschaft abzuhalten,
gab das Gericht in Lüneburg am Donnerstag einen Atomkraftgegner
recht, der gegen ein im März 2001 verhängtes
großräumiges Aufenthaltsverbot geklagt hatte. Ein solches
Verbot sei nur zulässig, um einen potenziellen Täter von der
Begehung konkreter Straftaten abzuhalten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403310.htm#04033115
Erstmals Gen-Weizen in Deutschland ausgesät
Von dem Projekt gehen angeblich keine Risiken für Mensch und Tier
aus
Do.08.04.04 - Unter Polizeischutz ist der bundesweit erste Freilandversuch mit
gentechnisch verändertem Weizen am Dienstag auf einem Versuchsfeld
in Sachsen-Anhalt gestartet. Der Schweizer Konzern Syngenta begann mit
der Aussaat des Getreides, das einen verstärkten Schutz gegen
Pilzbefall aufweist, wie ein Firmensprecher der Nachrichtenagentur AP
in Magdeburg sagte. Von dem Projekt gehen nach seiner Darstellung keine
Risiken für Mensch und Tier aus. Zu Monatsbeginn hatte das
zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit den Versuch genehmigt.
Die Aussaat bei Bernburg wurde von rund 30 Polizisten bewacht,
«um mögliche Störungen zu vermeiden», wie ein
Polizeisprecher sagte. Vor zwei Wochen hatten 130 Aktivisten der
Umweltorganisation Greenpeace mehrere Tonnen Öko-Weizen auf die
zwei Versuchsfelder gesät, um den Boden für die Tests
unbrauchbar zu machen. Bei einer Fläche, die der örtliche
Agrargenossenschaft gehöre, sei das gelungen, teilte
Syngenta-Sprecher Rainer Linneweber mit: «Die Schäden hier
sind massiv.» Der Acker der Landesanstalt für Landwirtschaft
und Gartenbau dagegen sei zu retten gewesen. Er sei rund 450
Quadratmeter groß. Mit der ersten Ernte des gegen Pilzbefall
resistenten Weizens werde Ende September gerechnet.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
teilte mit, dass der Weizen nicht für Verzehr oder Fütterung
vorgesehen sei, per Hand geerntet und die Fläche
anschließend mit einem Herbicid behandelt werden müsse. Das
verbleibende Pflanzenmaterial werde dann zerkleinert und in den Boden
eingearbeitet. Nicht für weitere Versuche benötigter Weizen
müsse verbrannt werden. Mit vorgeschriebenen Nachkontrollen
müsse gesichert werden, «dass nach Beendigung des Vorhabens
kein gentechnisch veränderter Weizen auf der Fläche mehr
auftritt».
Theo Jachmann, Geschäftsführer von Syngenta in Deutschland,
erklärte, die Aussaat sei mit zwei Signalen verbunden: «Zum
einen bekennen wir uns damit generell zum Forschungsstandort
Deutschland und zum anderen zur Biotechnologieoffensive des Landes
Sachsen-Anhalt.» Syngenta prüfe inzwischen rechtliche
Möglichkeiten gegen Greenpeace. Das Unternehmen sei «nicht
länger gewillt, sich rechtswidrigen Zerstörungen, die von
außen in das Land getragen werden, zu beugen». Bereits im
Vorjahr hatte das Unternehmen nach einer ähnlichen
Greenpeace-Aktion auf einen geplanten Versuch im thüringischen
Gotha verzichtet.
Sachsen-Anhalt will als erstes Bundesland auch Gen-Mais in großem
Stil anbauen und startete dazu im vergangenen November eine
«Biotechnologie-Offensive». Wirtschaftsminister Horst
Rehberger (FDP) kündigte an, dafür in den kommenden fünf
Jahren mehr als 100 Millionen Euro zur Unterstützung von Forschung
und Wirtschaft bereitzustellen. Gefragt seien praktische Erfahrungen.
Eine Technologie zu verteufeln, sei der falsche Weg.
Der Landesvorsitzende der Grünen, Ralf-Peter Weber, sagte, durch
die Aussaat sei «die Büchse der Pandora nun
geöffnet». Die Gen-Aussaat gefährde die Existenz
umliegender Landwirte, deren Produkte verunreinigt und
unverkäuflich werden könnten.
Umweltschützer und Bio-Bauern hatten zuvor ein Aktionsbündnis
«Keine Gentechnik auf Sachsen-Anhalts Feldern»
gegründet. Sie fordern einen Volksentscheid und verweisen auf eine
Emnid-Studie vom November 2003, in der sich 72 Prozent der Menschen in
Deutschland gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel
ausgesprochen hätten.
(Quellen: ap, ddp)
Mehr bei Greenpeace unter:
http://www.greenpeace.de/gentechnik/
Blick ins Archiv:
Mögliches Aus für ersten Versuchsanbau von Gen-Weizen
Greenpeace hat mehrere Tonnen Öko-Weizen auf Versuchsfeldern ausgesät
Mi.31.03.04 - Der bundesweit erste Freilandversuch mit gentechnisch verändertem
Weizen steht möglicherweise vor dem Aus. Nach der
Greenpeace-Aktion gegen die Versuchsfelder in Sachsen-Anhalt prüft
der Schweizer Saatgut-Konzern Syngenta derzeit den Zustand des Bodens,
wie ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AP in Magdeburg auf
Anfrage mitteilte. Ein endgültiges Ergebnis werde für die
nächsten Tage erwartet.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403310.htm#04033116
Umweltschützer warnen vor Folgen des Gentechnikgesetzes
Di.16.03.04 - Umweltschutzorganisationen fordern striktere Vorschriften für den
Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland. Der
Deutsche Naturschutzring (DNR) und der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) verlangten am Montag entsprechende
Änderungen am rot-grünen Entwurf zur Novellierung des
Gentechnikgesetzes. Der vorliegende Gesetzentwurf des
Verbraucherschutzministeriums verkenne das
«Sicherheitsbedürfnis von Verbrauchern, Landwirten und
Natur», kritisierte DNR-Präsident Hubert Weinzierl... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403160.htm#04031624
Erlaubnis für Aussaat von Gen-Mais
Do.26.02.04 - Deutsche Landwirte dürfen in diesem Jahr 25,5 Tonnen gentechnisch
veränderten Mais aussäen. Das Bundessortenamt hat nach
eigenen Angaben den Anbau von sechs verschiedenen Sorten genehmigt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#04022615
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226dk
Forscher: Handys verstärken Anziehung zwischen Körperzellen
Do.08.04.04 - Handystrahlung könnte menschliches Gewebe auf eine bisher
unbekannte Weise schädigen: Die elektromagnetischen Felder von
Mobiltelefonen führen möglicherweise zum Zusammenklumpen der
Zellen im Gewebe. Diese Theorie vertritt der schwedische
Wissenschaftler Bo Sernelius von der Universität in
Linköping. Bislang konnte er den Effekt jedoch nur an einem stark
vereinfachten mathematischen Modell nachweisen. Sernelius beschreibt
sein Modell in der Fachzeitschrift «Physical Chemistry Chemical
Physics» (Bd. 6, S. 1363).
Die Kernidee von Sernelius Theorie ist der hohe Wassergehalt in den
Zellen. Jedes Wassermolekül hat eine positiv und eine negativ
geladene Seite. Diese beiden unterschiedlich geladenen Pole ziehen sich
gegenseitig an, wenn auch nur sehr schwach. In einer Zelle spielt diese
Anziehungskraft unter normalen Umständen keine Rolle, denn die
Wassermoleküle liegen so durcheinander, dass ihre positiven Pole
mal hierhin, mal dorthin gerichtet sind. Das ändert sich jedoch
beim Anlegen eines wechselnden elektromagnetischen Feldes, wie es beim
Betrieb eines Mobiltelefons entsteht: Die Wassermoleküle richten
sich in einem solchen Feld aneinander aus, ergaben die Berechnungen des
Wissenschaftlers.
Mit einem vereinfachten Modell von zwei roten Blutkörperchen
konnte Sernelius nun berechnen, wie stark eine solche Ausrichtung die
Anziehungskraft zwischen zwei simulierten Zellen verändert: Bei
einem Feld mit 850 Megahertz, einer Frequenz im Bereich typischer
Mobilfunkfrequenzen, stieg die anziehende Kraft in der Simulation um
das 100-Milliardenfache an. Durch eine solch starke Anziehung
könnten beispielsweise Blutgefäße kollabieren. Die
Zahlenwerte seien wegen der starken Vereinfachung zwar nicht auf
lebendes Gewebe übertragbar, schreibt Sernelius. Der Anstieg sei
jedoch so deutlich, dass ein ähnlicher Effekt auch in echtem
Gewebe vorstellbar sei.
Bislang vermuten viele Wissenschaftler, dass Handystrahlung eine
schädigende Wirkung auf menschliches Gewebe besitzen kann. Es
konnte jedoch noch kein definitiver Mechanismus dafür gefunden
werden. Sicher bekannt ist lediglich der Effekt, dass die Strahlung zu
einer Erwärmung des Gewebes führt.
(Quelle: ddp)
Weitere Meldungen zum Thema unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46376
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402220.htm#04022227