Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsiebenundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Aufstand weitet sich bedrohlich aus. Seit Wochenbeginn fielen den
Gefechten zwischen Widerstandskämpfern und Besatzungstruppen 40
US-Soldaten und mehr als 460 Iraker zum Opfer. US-Truppen kündigen
noch härteres Vorgehen an. Aufständische im Irak nehmen
Geiseln und erobern mehrere Städte. Deutsche Hilfsorganisationen
erwägen Abzug der Helfer. Rotes Kreuz extrem beunruhigt über
Gewalteskalation. Auch Annan äußert sich besorgt über
'Verschlimmerung der Lage' in Irak. Powell zeigt sich derweil trotz
Eskalation zuversichtlich. US-Präsidentschaftskandidat Kerry:
Bush soll die Welt wegen Irak um Hilfe bitten. Deutsche bestürzt über
Situation im Irak.Umfragemehrheit für Ende des westlichen
Militärengagements. Ex-Bundeswehr-General Klaus Reinhardt:
Situation in Irak «weit dramatischer als erwartet»
Fr.09.04.04 - Die schwierige Lage im Irak spitzt sich weiter zu. Aufständische
wollen mit der Geiselnahme mehrerer Ausländer den Abzug von
Besatzungstruppen erzwingen. Wie am (heutigen) Freitag bekannt wurde,
nahmen sie neben drei Japanern, acht Südkoreanern und zwei
israelischen Arabern auch einen Kanadier zur Geisel. Der Mitarbeiter
einer Hilfsorganisation sei bereits am Mittwochmorgen in Nadschaf
entführt worden, teilte das kanadische Außenministerium am
Donnerstagabend (Ortszeit) mit. Nachdem die südkoreanischen Geiseln
am Donnerstag freikamen, befinden sich nun insgesamt sechs
Ausländer in der Hand von Aufständischen.
Die Miliz des radikalen Schiiten-Führers Muktada el Sadr brachte
unterdessen drei Städte im Süden des Landes teilweise unter
ihre Kontrolle.
Der arabische Fernsehsender El Dschasira zeigte ein Video der bislang
unbekannten Mudschahedin-Schwadronen, in dem zwei japanische
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ein japanischer Journalist mit
vier bewaffneten Entführern zu sehen waren. Darin wird der
Regierung in Tokio eine Frist von drei Tagen gesetzt, um ihre Truppen
aus Irak abzuziehen. Andernfalls würden die zwei Männer und
die Frau lebend verbrannt.
In einer ersten Reaktion lehnte die japanische Regierung einen
Truppenabzug ab. Dafür gebe es keinen Grund, die Soldaten seien zu
humanitären Zwecken in Irak. Ein Regierungssprecher forderte die
sofortige Freilassung der drei Geiseln.
Die Familien der entführten Japaner haben die Regierung in Tokio
eindringlich um einen Truppenabzug gebeten. "Die Zeit ist begrenzt",
sagte Ayako Takato, die Schwester der 34-jährigen Nahoko Takato,
am späten Donnerstagabend. "Ich will, dass die Soldaten wenigstens
zeitweise abziehen; wenn sie das nicht tun, wird meine Schwester wohl
nicht unversehrt zu uns zurückkommen können." Die Mutter des
18 Jahre alten Noriaki Imai, Naoko Imai, reiste am Freitag nach Tokio,
um das Regierungsbüro und das Außenministerium
persönlich darum zu bitten, "das Leben meines Sohnes zu retten".
Die acht entführten Südkoreaner wurden nach Angaben des
Außenministeriums in Seoul später wieder frei gelassen, ihr
Zustand sei gut. Die christlichen Prediger waren etwa 250 Kilometer
westlich von Bagdad in der Nacht zum Donnerstag von Bewaffneten
verschleppt worden. Der Nationale Sicherheitsrat wurde zu einer
Dringlichkeitssitzung einberufen, um über die geplante Entsendung
von 3.600 südkoreanischen Soldaten zu beraten.
Die beiden verschleppten Araber aus Jerusalem bezeichneten sich in
Aufnahmen des iranischen Fernsehens als Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen. Der Onkel eines der beiden sagte, sein Neffe sei
Israeli und arbeite für die US-Behörde für
Internationale Entwicklung (USAID).
Bei der kanadischen Geisel handelt es sich nach Auskunft der Regierung
in Ottawa um einen gebürtigen Syrer. Er arbeitete in Irak für
ein Kinderhilfsprogramm der in New York ansässige Organisation
Internationales Rettungskomitee (International Rescue Committee, IRC).
Das IRC teilte mit, der 33-Jährige sei aus dem Büro der
Organisation in Nadschaf entführt worden. Das Zentrum der Stadt
wird von der El-Mahdi-Armee des radikalen schiitischen Geistlichen
Muktada el Sadr kontrolliert.
Der Befehlshaber der US-Truppen in Irak, Ricardo Sanchez, sagte,
offensichtlich gebe es Verbindungen zwischen den schiitischen
Milizionären und den Aufständischen im so genannten
sunnitischen Dreieck. Die El-Mahdi-Armee des radikalen Predigers El
Sadr kontrolliere die Stadt Kut und teilweise auch Nadschaf. «Wir
werden Kut unverzüglich zurückerobern», sagte Sanchez,
der eine neue Militäraktion unter dem Namen «Resolutes
Schwert» ankündigte. Bewohnern zufolge kontrollieren El
Sadrs Milizionäre auch die südirakische Stadt Kufa. Nach
polnischen Angaben schlugen polnische und bulgarische Soldaten in der
Nacht in Kerbela einen Angriff von Schiiten zurück.
In Falludscha setzten Marineinfanteristen am Donnerstag ihre Offensive
gegen sunnitische Widerstandskämpfer fort, die sich nach
US-Angaben in einer Moschee verschanzt haben. Augenzeugenberichte,
wonach bei einem Luftangriff auf eine Moschee 40 Gläubige ums
Leben kamen, wiesen die US-Streitkräfte zurück. Das der
Moschee benachbarte Islamische Geistliche Komitee bekräftigte
indes, ganze Familien seien dabei getötet worden. Die US-Truppen
begannen ihre Offensive in der Stadt am Montag, nachdem zuvor vier
amerikanische Zivilpersonen getötet und ihre Leichen
geschändet worden waren. Seit Wochenbeginn fielen den Gefechten 40
US-Soldaten und mehr als 460 Iraker zum Opfer.
Die Zahl der irakischen Opfer könnte sogar noch höher sein,
da viele Familien ihre Angehörigen beerdigten, ohne sie vorher
registrieren zu lassen.
Aus dem 60 Kilometer entfernten Bagdad kamen am Donnerstag Tausende, um
den eingeschlossenen Bewohnern in Falludscha Lebensmittel und
Hilfsgüter zu bringen. Der von sunnitischen Geistlichen
organisierte Marsch wurde in die Stadt eingelassen.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickte eineinhalb Tonnen Medikamente in
die Stadt Falludscha und will auch Blutkonserven dorthin liefern.
Das DRK berichtete in Berlin, in Falludscha, dem Schauplatz heftiger
Gefechte, hätten Zivilisten auf den Straßen drei
provisorische Lazarette aufgebaut, weil kein Zugang zum
Hauptkrankenhaus möglich sei. Die internationalen Rotkreuz-Helfer
seien sicherheitshalber in Nachbarländern stationiert und
würden bei Bedarf nach Irak geflogen. DRK-Präsident Rudolf
Seiters erklärte, man leiste Hilfe so gut es gehe. «Wir
liefern Medikamente und Blutkonserven in die Krankenhäuser,
reparieren Wasser- und Stromstationen, aber immer unter
äußerst schwierigen Bedingungen.»
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist extrem beunruhigt
über die Gewalteskalation in Irak und befürchtet eine weitere
Verschlechterung der schon jetzt prekären humanitären Lage,
wie es in einer Erklärung vom Donnerstag heißt. Besonders
beklagt das Rote Kreuz die hohe Zahl der Getöteten und Verletzten
sowie die Schwierigkeit, die Opfer zu versorgen. Alle Kriegsparteien
werden in der Erklärung aufgerufen, die Zivilbevölkerung zu
schützen, keine exzessive Gewalt anzuwenden sowie den Zugang zu
Krankenhäusern zu gewährleisten.
Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich beunruhigt über
die heikle Lage in Irak geäußert. Annan beobachte "mit
großer Sorge die Verschlimmerung der Lage" und die Zahl der
Toten, erklärte ein UN-Sprecher am Donnerstag in New York. Der
UN-Generalsekretär appelliere an alle Seiten, das internationale
Recht einzuhalten, "insbesondere mit Blick auf den Schutz von
Zivilisten in bewaffneten Konflikten". Zur Zivilbevölkerung
müsse es freien Zugang geben für den Fall, dass dort
ärztliche Hilfe benötigt werde. Annan baue auf den Dialog und
auf den "geduldig verfolgten politischen Prozess", um Irak zu
Souveränität, Stabilität und Rechtmäßigkeit
zu führen, hieß es in der Erklärung weiter.
Deutsche Hilfsorganisationen erwägen unterdessen den Abzug ihrer
Helfer. Einige deutsche Hilfsorganisationen haben ihre Tätigkeit in
Irak bereits stark eingeschränkt oder beendet, wie der Sprecher der
Aktion Deutschland Hilft (AHD), Hartmut Wilfert, am Donnerstag in
Köln erklärte. Laut AHD sind einige hundert Helfer an
humanitären Projekten beteiligt, es seien aber nur noch weniger
als zehn deutsche Helfer vor Ort. Die Situation sei nicht mehr
berechenbar und könne sich stündlich ändern, sagte
Wilfert.
Die Helfer in einigen Regionen hätten momentan Ausgehverbot,
hieß es. Wilfert schloss nicht aus, dass sich das Gros der
deutschen Hilfsorganisationen zurückzieht. Die
Evakuierungspläne lägen bereits vor. Der AHD gehören die
Organisationen action medeor, ADRA, Arbeiter-Samariter-Bund,
Arbeiterwohlfahrt, CARE, HELP, Johanniter, Malteser, Paritätischer
Wohlfahrtsverband und World Vision an.
US-Außenminister Colin Powell hat sich derweil zuversichtlich
geäußert, dass die US-Truppen den Aufstand in Irak
niederschlagen werden. «Wir werden gewinnen», sagte Powell
am Donnerstagabend (Ortszeit) vor einem Senatsausschuss in Washington.
Vergleiche der Lage in Irak mit dem Vietnam-Krieg wies der
US-Außenminister zurück: «Irak ist kein Sumpf, der uns
verschlingen wird.» Der von dem schiitischen Geistlichen Muktada
el Sadr angeführte Aufstand werde nur von einer Minderheit der
Schiiten unterstützt.
Die Unterstützung dieser Minderheit sei allerdings «stark
und beständig, und wir wollen nicht, dass sie anschwillt»
sagte Powell. Die US-Kommandeure wollten el Sadrs El-Mahdi-Miliz
deshalb so rasch wie möglich zerschlagen.
Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, nur eine
«relativ kleine» Anzahl von Aufständischen sei in die
Kämpfe verwickelt. Zugleich stellte Rumsfeld eine Verstärkung
der Truppen in Irak in Aussicht. Laut US-Angaben sind derzeit 145 000
alliierte Soldaten im Irak stationiert, davon 125 000 aus den
Vereinigten Staaten.
Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat
US-Präsident George W. Bush angesichts der Eskalation in Irak
aufgefordert, die internationale Gemeinschaft um Hilfe zu bitten.
«Warum müssen die USA die Last und das Risiko alleine
tragen?» Die Welt habe ein Interesse an einer Befriedung Iraks.
«Wir sollten die Welt offen und dringend aufrufen, ihr Interesse
zu zeigen», sagte Kerry am Donnerstag in Milwaukee. Es sei die
Aufgabe des US-Präsidenten, die Erfolgsaussichten in Irak zu
maximieren und die Kosten für das amerikanische Volk zu minimieren
- sowohl finanziell als auch was Menschenleben betreffe.
Die Eskalation der Gewalt in Irak beunruhigt die Deutschen. Bei einer
Umfrage plädierte eine Mehrheit für einen Rückzug der
US-Truppen und ihrer Verbündeten, wie der Fernsehsender N24 am
Donnerstag berichtete.
Bei der am Dienstag vorgenommenen Umfrage des Instituts Forsa unter
1.005 Personen sprachen sich 53 Prozent für einen Abzug der
Amerikaner und der anderen westlichen Truppen aus Irak aus, 40 Prozent
waren für einen Verbleib. Insbesondere die Ostdeutschen und die
über 45-Jährigen waren für ein Ende des westlichen
Militärengagements.
Der frühere Bundeswehr-General Klaus Reinhardt nannte die
Situation «weit dramatischer als erwartet». Reinhardt sagte
im ARD-Morgenmagazin, die Amerikaner in Irak seien in einer
äußerst schwierigen Lage. «Wenn die USA dort nicht das
Odium der Besatzer abgeben, kommen sie aus der Falle nicht mehr
heraus», sagte der ehemalige Kommandeur der KFOR-Truppen im
Kosovo. Die USA müssten in Irak und im Ausland neue
Bündnispartner suchen, um die explosive Lage in den Griff zu
bekommen. «Mehr Gewalt, die ständig Gegengewalt provoziert,
und neue Soldaten helfen nicht weiter.» Die Zusammenarbeit mit
weniger radikalen Kräften in Irak und auch eine stärkere
Beteiligung der Vereinten Nationen kämen aber nicht voran.
(Quellen: ap, afp, rtr, ddp)
Ostermärsche und -aktionen 2004
http://www.ostermarsch.info/
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
Die Aufstände im Irak entwickeln sich zum 'worst case-Szenario'
für die Koalitionstruppen
Ein Jahr und 121 Milliarden Dollar nach dem Fall von Bagdad stecken die
Koalitionstruppen im Irak unter der Führung der Amerikaner in
einer verzweifelten Lage. In mehreren Städten, vom Norden des
Landes bis zum Süden, stehen die Alliierten zwei Lagern
gegenüber: sunnitischen wie schiitischen Aufständischen.
Washington und London leugnen bislang den Ernst der Lage, die
"kleineren Verbündeten", ebenfalls von Verlusten heimgesucht,
denken über den Rückzug nach. Ähnliche Stimmen sind aus
dem amerikanischen Senat zu hören. Die amerikanische
Bevölkerung deckt nach neuesten Umfragen die Bush-Politik im Irak
weniger denn je. Im Generalstab dürfte größte
Nervosität herrschen, da man sich jetzt in einer
Auseinandersetzung befindet, die vor einem Jahr noch als
"worst-case-Szenario" galt: dem Städtekrieg. Entgegen den
öffentlichen Verlautbarungen scheint nichts unter Kontrolle.
Stattdessen neigt sich die Situation zugunsten des Kalküls der
Gegenseite: größtmögliches Chaos, Blutvergießen,
Verluste, demütigende Bilder, alles, was die Besatzer und deren
Öffentlichkeiten davon überzeugt, dass dieser Krieg nicht zu
gewinnen ist....
Aus: Thomas Pany - "Krieg in den Städten", telepolis vom 08.04.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/17159/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Einundzwanzigster Kriegstag in Irak
Mi.09.04.03 - USA verstärken Truppenpräsenz in Bagdad +++ Irakische Hauptstadt unter
schwerem Beschuss +++ Häuserkämpfe +++ Irakische Truppen leisten den amerikanischen
Einheiten offenbar noch intensiven Widerstand +++ Lage in Bagdader Kliniken spitzt sich zu +++
Trinkwasserproblem deutlich verschärft +++ Jetzt geraten auch Journalisten zwischen die Fronten:
Beim Beschuss eines Journalisten-Hotels und des arabischen Senders El Dschasira in Bagdad kommen
drei Medienvertreter ums Leben. Organisation "Reporter ohne Grenzen" einen vorsätzlichen Angriff
von US-Soldaten auf Journalisten für möglich +++ US-Präsident gegen Uno-Führungsrolle im Irak +++
Chirac: UN müssen zentrale Rolle beim Wiederaufbau Iraks spielen +++ Experten: Wiederaufbau des Irak
überfordert auch USA +++ Briten beauftragen Scheich mit Verwaltungsaufbau in Basra +++
US-Kreise: CIA sieht wenig Rückhalt für Iraks Exil-Opposition +++ Britischer Außenminister: Künftig
mehr Präventivkriege +++ Wegen Irak-Krieg Rezession in der Euro-Zone nicht ausgeschlossen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304090.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Seit Kriegsbeginn sind im Irak 645 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der Verwundeten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie
nicht. Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur. (taz vom 08.04.04)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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US-Regierung will Schadenersatz für Golfkriegsveteranen verhindern
Fr.09.04.04 - Die US-Regierung hat ein Berufungsgericht aufgefordert, die Zahlung von
fast einer Milliarde Dollar Schadensersatz an 17 frühere
Kriegsgefangene des ersten Golfkrieges zu stoppen. Die
Entschädigung beeinträchtige außenpolitische Interessen
der USA, sagte ein Anwalt des Justizministeriums am Mittwoch. Die 17
Veteranen hatten die Summe vor einem anderen Gericht erstritten, weil
sie in irakischer Gefangenschaft 1991 gefoltert wurden. Das Geld sollte
aus eingefrorenen irakischen Guthaben in den USA bezahlt werden.
Die US-Regierung argumentierte, dass viele Menschen unter dem
Saddam-Regime gelitten hätten und die Schadenersatzzahlung weitere
Forderungen nach sich ziehen könne. Damit werde die brüchige
Existenz Iraks gefährdet. Das irakische Gesamtguthaben von 1,7
Milliarden Dollar in den USA werde für den Wiederaufbau des Landes
benötigt. Erst wenn sich die irakische Regierung stabilisiert
habe, könne man über Wiedergutmachungen verhandeln.
Veteranen-Anwalt Stewart Baker sagte dem Berufungsgericht in Washington
dagegen, es solle vor allem die Leiden der Ex-Kriegsgefangenen
anerkennen. Die Wiedergutmachung könne auch später ausgezahlt
werden.
Im vergangenen Sommer hatte ein Bezirksgericht den früheren
Kriegsgefangenen 653 Millionen Dollar Schadenersatz und einen
Strafzuschlag von 306 Millionen Dollar zugesprochen. Das
Justizministerium erhob daraufhin Einspruch.
(Quelle: ap)
Afghanistan: Kommandeur Dostum nimmt
Provinzhauptstadt ein
Seit Jahresbeginn sind bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mehr als
200 Menschen getötet worden
Fr.09.04.04 - Soldaten des nordafghanischen Kommandeurs Raschid Dostum haben am
Donnerstag die Provinzhauptstadt Maymana eingenommen. «Sie haben
die Stadt unter Kontrolle», sagte Innenminister Ali Achmed
Dschalali. Er habe keine Informationen über Tote und Verletzte,
jedoch berichteten Dostum-Anhänger, dass Wachen auf eine
Menschenmenge gefeuert und dabei vier Menschen getötet
hätten. Der Provinzgouverneur sei zu einem nahe gelegenen
Flughafen gebracht werden.
Maymana ist die Hauptstadt der Provinz Farjab und liegt etwa 420
Kilometer nordwestlich von Kabul. In der Provinz war es bereits in den
vergangenen Tagen zu Gefechten zwischen Soldaten Raschids und eines
Rivalen gekommen. Die afghanische Zentralregierung bereitete noch vor
der Stürmung der Stadt die Verlegung von etwa 750 Soldaten in die
Region vor. Regierungsmitglieder der Provinz Farjab sagten, Dostum
wolle sie stürzen, weil sie zu eng mit der Kabuler
Zentralregierung zusammenarbeiteten.
Unterdessen wurden im Süden des Landes bei neuerlichen Unruhen
mindestens sieben Menschen getötet. Eine dreistündige
Schießerei in der Provinz Helmand kostete am Mittwoch einen
Rebellen und einen Soldaten das Leben. Nach US-Militärangaben
wurden ein afghanischer und ein amerikanischer Soldat verletzt. Vier
Milizionäre wurden festgenommen.
Ebenfalls in Helmand seien zwei Polizisten bei einem Angriff
mutmaßlicher Taliban-Kämpfer getötet worden, teilten
die Behörden mit. Drei weitere wurden bei dem Überfall
verletzt. Zwei mutmaßliche Taliban-Kämpfer kamen ums Leben,
als sie einen Kontrollpunkt stürmen wollten. In der Nachbarprovinz
Urusgan wurde bei einer Minenexplosion ein Soldat getötet, ein
weiterer erlitt Verletzungen. Die Opfer waren Mitglieder der neuen
afghanischen Streitkräfte.
Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in Afghanistan sind seit
Jahresbeginn mehr als 200 Menschen getötet worden. Es wird
befürchtet, dass die für September geplanten Parlaments- und
Präsidentenwahlen erneut verschoben werden müssen. Die
Zentralregierung will bis zu den Wahlen Zehntausende Milizionäre
entwaffnen.
(Quelle: ap)
Afghanistan beginnt mit Zerstörung von Opiummohnfeldern
Fr.09.04.04 - Auf Anweisung von Präsident Hamid Karsai hat unterdessen in
Afghanistan die Zerstörung von Opiummohnfeldern begonnen. Die
Vernichtung der für die Heroinherstellung benötigten Pflanzen
sei in vier Distrikten der Ostprovinz Nangarhar angelaufen und verlaufe
glatt, sagte Provinzgouverneur Hadschi Din Mohammed am Donnerstag der
Nachrichtenagentur AFP in Dschalalabad. Ziel sei es, acht bis zehn
Prozent der Opiummohnernte der Provinz zu vernichten. Die Felder
würden mit Traktoren eingeebnet. In Regionen, wo die Bauern
zwischen den Mohnpflanzen Wassermelonen anbauten, würden die
Mohnkapseln mit Stöcken abgeschlagen. Auch in anderen afghanischen
Provinzen begann nach Behördenangaben die Vernichtung.
(Quelle: afp)
Anwalt von Guantanamo-Häftling verklagt US-Regierung
Fr.09.04.04 - Der Pflichtverteidiger eines Guantanamo-Häftlings hat die
US-Regierung wegen Verstoßes gegen amerikanisches und
internationales Recht verklagt. Die dauerhafte Inhaftierung ohne
Anklage verletze die Rechte seines Mandanten, schreibt der von den
Streitkräften eingesetzte Verteidiger Marineleutnant Charles Swift
in der Klageschrift. Sein Mandant, der für El-Kaida-Chef Osama bin
Laden als Chauffeur gearbeitet haben soll, wird seit über zwei
Jahren im Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba festgehalten.
Salim Ahmad Hamdan ist einer von sechs Häftlingen, die die
Regierung vor ein Militärtribunal stellen will. Dies
verstoße gegen die Verfassung, heißt es in der
Klageschrift, die in dieser Woche bei einem Bundesgericht eingereicht
wurde. Swift beantragt darin die Freilassung seines Mandanten sowie ein
Verbot der von der Regierung geplanten Militärprozesse. Das
Verteidigungsministerium wollte sich zu der Klage nicht
äußern.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema "Guantanamo" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403250.htm#04032503
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403250.htm#040325_e
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403110.htm#040311_a
El Kaida droht US-Bürgern in aller Welt mit dem Tod
Fr.09.04.04 - In einem der Extremisten-Organisation El Kaida zugeschriebenen Video
hat die Gruppe US-Bürgern in aller Welt mit dem Tod gedroht.
Zugleich wurden Anschläge gegen arabische Regierungen
angekündigt, die mit den USA zusammenarbeiteten.
Die Videobotschaft, die von dem saudiarabischen El-Kaida-Anführer
Abdulasis el Mukrin stammen soll, wurde am Donnerstag im Internet
veröffentlicht. "O Mudschahedin, bekämpft die Amerikaner
überall, bekämpft die Amerikaner mit all eurer Kraft", sagte
der maskierte Sprecher auf Arabisch. "Terrorisiert sie, wie sie eure
Brüder terrorisiert haben." Es gab keine unabhängige
Bestätigung seiner Identität. Unter der braunen Stoffmaske
waren nur die Augen des Mannes zu sehen.
Mukrin wird von Saudi-Arabien im Zusammenhang mit
Selbstmordanschlägen in Riad gesucht, bei denen im vergangenen
Jahr mindestens 50 Menschen ums Leben kamen. Angeblich hat er im
vergangenen Monat die Führung El Kaidas in Saudi-Arabien
übernommen.
Der Sprecher drohte auch arabischen Regierungen und ihren
Sicherheitskräften, sollten diese gegen Extremisten vorgehen. "Die
Mudschahedin werden zuerst die Kreuzritter angreifen. Was die
abtrünnigen Marionetten angeht, ihr Tag kommt bald, so Gott will,
nachdem wir mit ihren Herren fertig sind und sich der Zug der
Märtyrer fortsetzt."
Auf der Internet-Seite wurde in der Vergangenheit auch eine angebliche
Botschaft von El-Kaida-Chef Osama bin Laden und anderen
Führungsfiguren der Organisation verbreitet.
(Quelle: rtr)
Untersuchung der Anschläge des 11. Septembers
US-Sicherheitsberaterin Rice: Anti-Terror-Politik der USA war
ungenügend
Fr.09.04.04 - Bereits lange vor dem Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush
haben die USA nach Ansicht von Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice
die Weichen in der Sicherheitspolitik falsch gestellt. "Die Terroristen
führten Krieg gegen uns, aber wir nicht gegen sie", sagte Rice
unter Eid in einer Erklärung vor dem Untersuchungsausschuss zu den
Anschlägen vom 11. September 2001. Bush habe die Gefährung
allerdings von Beginn an ernst genommen.
Die "allererste größere Richtlinie in der nationalen
Sicherheitspolitik" nach Bushs Amtsantritt im Januar 2001 habe der
Bekämpfung von El Kaida gegolten, sagte Rice. "Nicht Russland,
nicht Raketen, nicht Irak" sei damals das oberste Anliegen der
Regierung gewesen. Sie widersprach damit Behauptungen ihres
früheren Anti-Terror-Beauftragten Richard Clarke. Dieser hatte der
Regierung Bush vorgehalten, die Bedrohung durch das El-Kaida-Netzwerk
Osama bin Ladens vor dem 11. September leichtfertig unterschätzt
zu haben.
Die Terroranschläge vom 11. September seien nicht durch ein
Versagen der Regierung möglich geworden, sagte Rice in der im
Fernsehen übertragenen knapp dreistündigen Anhörung. Es
habe keine konkreten Hinweise auf die Flugzeugattacken gegeben. Die
Geheimdienste hätten zwar im Vorfeld aus abgehörten
Gesprächen Informationen über einen bevorstehenden
"großen Aufruhr" erhalten, daraus aber keine spezifischen
Schlussfolgerungen ableiten können.
Bei ihrer Aussage verlas Rice einige Gespräche mutmaßlicher
Terroristen vor den Anschlägen: "Unglaubliche Nachrichten in den
kommenden Wochen", habe es in einem Mitschnitt geheißen.
"Großes Ereignis, es wird sehr, sehr, sehr, sehr großen
Aufruhr geben", zitierte Rice aus einer anderen Botschaft. Dies sei
"Besorgnis erregend" gewesen. Hinweise auf Anschläge mit
gekaperten Flugzeugen habe es aber keinesfalls gegeben.
Rice hielt der Regierung Bush zugute, schon vor den Anschlägen auf
die Gefahr durch die El Kaida reagiert und eine neue
Sicherheitsstrategie entworfen zu haben.
Nach der Anhörung wollte Rice zu Bushs Ranch nach Texas reisen, um
dort mit dem Präsidenten und seiner Familie das Osterwochenende zu
verbringen. Rice und Bush hatten erst nach massivem Druck in die
öffentliche Befragung der Sicherheitsberaterin eingewilligt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
UNO beruft internationale Konferenz zu Israels Sperranlage ein.
Palästinensischer Außenminister Schaath für Wahl in
Autonomiegebieten unter Einschluss der Hamas
Fr.09.04.04 - Die Vereinten Nationen wollen auf einer internationalen Konferenz
über die Auswirkungen der israelischen Sperranlage entlang des
Westjordanlands beraten. Zu dem zweitägigen Treffen ab kommendem
Donnerstag in Genf werde der palästinensische
Ministerpräsident Achmed Kureia sowie Wissenschaftler und
Menschenrechtsaktivisten aus Israel und den Palästinensergebieten
erwartet, wie die UNO am Donnerstag in einer Erklärung mitteilte.
Nach einem Abzug der israelischen Streitkräfte aus dem
Gazastreifen sollen in den palästinensischen Autonomiegebieten
Wahlen abgehalten werden. Dabei könnte auch die militante
Organisation Hamas als Partei antreten, sagte der palästinensische
Außenminister Nabil Schaath der Nachrichtenagentur AP. Er hoffe,
dass der vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon
angekündigte Truppenabzug «den Weg für eine allgemeine
palästinensische Wahl unter Beteiligung der Hamas ebnen
wird», erklärte Schaath.
Der Hamas-Führer im Gazastreifen, Abdel Asis Rantisi, schloss eine
Beteiligung seiner Organisation an Wahlen nicht aus. Die bislang
einzige allgemeine Wahl in den Autonomiegebieten im Jahr 1996 hatte die
Hamas boykottiert, weil sie die in einem Friedensabkommen mit Israel
geschaffene Palästinensische Autonomiebehörde nicht
anerkennen wollte. Am Donnerstagabend erklärte Rantisi jedoch, die
Hamas sei zu einer Zusammenarbeit mit der Autonomiebehörde bereit.
Die Hamas hat sich zu zahlreichen Selbstmordanschlägen in Israel
bekannt. Allein in den vergangenen dreieinhalb Jahren kamen bei solchen
Anschlägen über 450 Israelis ums Leben
(Quellen: ap, afp)
Untersuchungskommission zu blutigen Unruhen in Elfenbeinküste
ernannt
Fr.09.04.04 - Knapp zwei Wochen nach den jüngsten Unruhen in Elfenbeinküste
haben die Vereinten Nationen eine Kommission zur Untersuchung der
blutigen Zusammenstöße mit mindestens 37 Toten eingesetzt.
Der amtierende UN-Menschenrechtskommissar Bertrand Ramcharan gab am
Donnerstag die Ernennung von drei Experten bekannt, die in der
kommenden Woche nach Abidjan reisen sollen. Bei Protestmärschen
der Opposition war es Ende März zu heftigen Auseinandersetzungen
zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen, die nach
offiziellen Angaben 37 Menschen das Leben kosteten. Die Opposition
sprach von 300 Toten und warf den Sicherheitskräfte vor, in die
Menge geschossen zu haben.
(Quelle: ap)
Sudanesische Rebellen schließen Waffenruhe mit Regierung
Fr.09.04.04 - Sudanesische Rebellen haben mit der Regierung in Khartum einen
vorläufigen Waffenstillstand geschlossen. Die am Donnerstag im
Nachbarstaat Tschad unterzeichnete Vereinbarung ist zunächst auf
45 Tage befristet, in dieser Zeit soll aber ein dauerhaftes
Friedensabkommen ausgehandelt werden. Die vom tschadischen
Präsidenten Idriss Deby vermittelte Waffenruhe soll die Verteilung
von Hilfslieferungen in der seit einem Jahr umkämpften Region
Darfur in Westsudan ermöglichen. Sie soll am Sonntag in Kraft
treten.
Die Gefechte zwischen Rebellen und Regierungstruppen in Darfur haben
seit Februar vergangenen Jahres Tausende von Menschen das Leben
gekostet und rund 860.000 in die Flucht getrieben. Der Großteil
der Flüchtlinge hält sich weiter in Sudan auf, 110.000 flohen
über die Grenze nach Tschad. Nach Angaben von Vertretern der
Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen verüben
arabischstämmige Milizen in Darfur Verbrechen gegen die
afrikanischen Bevölkerungsgruppen. Dabei sollen sie von der
sudanesischen Regierung unterstützt werden. Die Rebellen
beschuldigen Khartum, Zivilisten bombardiert zu haben.
UN-Generalsekretär Kofi Annan begrüßte die Einigung vom
Donnerstag. Annan hoffe, dass sie zu «einer sofortigen
Einstellung aller Kampfhandlungen und Angriffe auf Zivilisten»
führen werde, teilte sein Sprecher in New York mit. In Tschad traf
am Donnerstag eine UN-Delegation ein, um die Situation der
Flüchtlinge aus Sudan zu untersuchen.
(Quelle: ap)
Kämpfe zwischen rivalisierenden Rebellengruppen
in Sri Lanka
Fr.09.04.04 - In Sri Lanka sind innerhalb der tamilischen Rebellenbewegung
schwere Kämpfe ausgebrochen. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam
(LTTE) lieferten sich am Fluss Verugal heftige Gefechte mit einer im
März abgespaltenen Splittergruppe, wie Rebellen und Mitglieder der
srilankischen Streitkräfte am Freitag berichteten. Es waren die
ersten größeren Gefechte in dem Inselstaat, seit Regierung
und LTTE vor zwei Jahren einen Waffenstillstand vereinbarten.
Die LTTE ist seit Anfang März in zwei Fraktionen gespalten. Der
für den Osten Sri Lankas zuständige Rebellen-Kommandeur
Vinayagamoorthy Muralitharan hatte sich Anfang März von der
LTTE-Führung losgesagt, 6.000 der insgesamt 15.000
LTTE-Kämpfer folgten ihm. Ein Sprecher Muralitharans machte am
Freitag die Gegenseite für den Ausbruch der Kämpfe
verantwortlich. Ihre Kämpfer hätten den Fluss Verugal
überquert, der bislang die Grenze zwischen den beiden Fraktionen
bildete.
Die LTTE kämpft seit 1983 für eine weitgehende Autonomie
einer überwiegend von Tamilen bewohnten Region im Nordosten Sri
Lankas. Nach 19 Jahren Bürgerkrieg schlossen die Rebellen im
Februar 2002 einen Waffenstillstand mit der Regierung. Seit einem Jahr
ist der Friedensprozess jedoch festgefahren.
(Quelle: ap)
13 Menschen in Kaschmir getötet
Fr.09.04.04 - Eine neue Welle der Gewalt hat in Kaschmir am Donnerstag 13 Menschen
das Leben gekostet. Bei einer Wahlveranstaltung der regierenden
Demokratischen Volkspartei (PDP) explodierte eine Granate, neun
Menschen wurden getötet. Unter den 56 Verletzten waren auch
Finanzminister Muzaffar Beg und Tourismusminister Ghulam Hasan Mir. Die
Behörden schrieben den Anschlag in der Grenzstadt Uri, 100
Kilometer nördlich von Srinagar, islamischen Rebellen zu. Die
Parteivorsitzende Mehbooba Mufti vermutete indes Gegner eines
Straßenbauprojektes hinter der Tat.
Vier Soldaten wurden getötet, als die mit Sprengstoff versehene
Leiche eines Rebellenkommandeurs explodierte. Weitere 16 Soldaten
wurden verletzt. Zuvor hatten sich die Truppen nahe der
indisch-pakistanischen Grenze ein Feuergefecht geliefert und dabei den
Kommandeur Abu Kasim getötet, wie die Streitkräfte mitteilten.
In einem Wald nördlich der Stadt Srinagar töteten indische
Soldaten fünf Rebellen der Gruppe Jaish-e-Mohammed. Unter den
Opfern war nach Militärangaben auch Rebellenchef Sehrai Baba. Die
indischen Truppen sprachen von einem schweren Schlag für die
Organisation. Ein Sprecher von Jaish-e-Mohammed wies die Angaben
zurück und sagte der Nachrichtenagentur AP telefonisch, Baba sei
am Leben. Die indischen Streitkräfte wollten mit ihren Aussagen
die Kämpfer demoralisieren. In der Ortschaft Ajas wurden zwei
Rebellen bei Gefechten mit Soldaten getötet. Im nahe gelegenen
Ganderbal wurde ein Zivilist erschossen.
In Kaschmir kämpfen zahlreiche Gruppen für die
Unabhängigkeit Kaschmirs oder den Anschluss der Provinz an
Pakistan. Die Gefechte zwischen Rebellen und indischen Soldaten
kosteten in den vergangenen 14 Jahren mehr als 65.0000 Menschen das
Leben.
(Quelle: ap)
Dutzende Verletzte bei Generalstreik in Bangladesch
Fr.09.04.04 - Bei Ausschreitungen während eines Generalstreiks in Bangladesch
sind am Donnerstag etwa 35 Menschen verletzt worden. In drei
Städten kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden
und Polizisten beziehungsweise Regierungsanhängern, wie
Augenzeugen berichteten. In Sylhet, knapp 200 Kilometer
nordöstlich der Hauptstadt Dhaka, setzte die Polizei
Tränengas gegen die Protestierenden ein, wobei 20 Menschen
verletzt wurden. In Narayanganj und Manikganj unweit von Dhaka griffen
Mitglieder der Regierungspartei laut Augenzeugen Unterstützer des
Streiks an; 15 Personen erlitten Verletzungen. Mit der Protestaktion
soll die Regierung zum Rücktritt bewegt werden.
(Quelle: ap)
Proteste gegen geplante Verfassungsänderung in der Ukraine
Fr.09.04.04 - Mehrere hundert Menschen haben am Donnerstag gegen eine geplante
Verfassungsänderung in der Ukraine demonstriert. Mit der Reform
soll die Direktwahl des Präsidenten abgeschafft werden, das
Staatsoberhaupt soll stattdessen vom Parlament bestimmt werden. Die 800
Demonstranten, vor allem Rentner, versammelten sich mit
Spruchbändern und Flaggen vor dem Parlamentsgebäude in Kiew,
wo am Donnerstag über die Umsetzung der Reform entschieden werden
sollte.
Die Zahlung höherer Löhne und Pensionen sei wichtiger als
eine Verfassungsänderung, kritisierten die Teilnehmer. Die
prominente Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko sagte, mit der
Änderung werde die Macht des Volkes beschnitten.
Für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im Herbst
rechnet sich die Opposition gute Chancen aus, Amtsinhaber Leonid
Kutschma zu schlagen. Sie befürchtet jedoch, dass
Kutschma-Anhänger nach der Umsetzung der Reform 2006 wieder den
Präsidenten stellen könnten. Regierungen westlicher Staaten
haben die geplante Änderung kritisiert, weil sie kurz vor der Wahl
beschlossen werden sollte.
(Quelle: ap)
NATO-Chef zeigt Verständnis für Russlands Vorbehalte
hinsichtlich der Ost-Erweiterung des Militärbündnisses
Fr.09.04.04 - NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat Verständnis
für die russischen Vorbehalte hinsichtlich der Ost-Erweiterung des
Militärbündnisses geäußert. Nach einem Treffen mit
dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau sagte De Hoop
Scheffer, die neuen NATO-Mitglieder würden keine militärische
Infrastruktur aufbauen, die den Interessen Russlands zuwider laufe.
Putin erklärte am Donnerstag, es sei notwendig, das gegenseitige
Vertrauen zu stärken.
In der vergangenen Woche waren Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien,
Rumänien, die Slowakei und Slowenien der NATO beigetreten. Mit den
drei baltischen Staaten gehören nun erstmals auch ehemalige
Sowjetrepubliken der Allianz an. «Diese Erweiterung kann
Terrorakte wie beispielsweise in Madrid nicht verhindern, sie kann
nicht helfen, die Situation in Afghanistan zu verbessern», sagte
Putin. Dennoch hoffe er, die NATO-Erweiterung werde «das
Vertrauen in Europa und in der Welt» stärken und damit zu
mehr internationaler Sicherheit beitragen.
De Hoop Scheffer erklärte, mit seinem Besuch habe er Russland vor
allem davon überzeugen wollen, dass die NATO keine Bedrohung
darstelle. Sein persönliches Ziel sei es, in seiner Amtszeit die
Beziehungen zwischen Russland und der NATO zu stärken. Die
anstehenden Aufgaben seien zu umfangreich, als dass sie alleine von der
NATO gelöst werden könnten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Sieben ehemalige Ostblock-Staaten treten Nato bei
Di.30.03.04 - Mit einem Festakt in Washington sind am Montag sieben frühere
Ostblock-Staaten der Nato beigetreten, die damit bis an die Grenzen
Russlands reicht.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403300.htm#04033007
Nato-Generalsekretär: Schließe Nato-Beitritt
Russlands nicht aus
Mo.27.10.03 - Der scheidende Nato-Generalsekretär Lord George Roberston hat die
Aufnahme Russlands in die Allianz nicht ausgeschlossen: Die Allianz und Russland
hätten den internationalen Terrorismus als gemeinsamen Feind... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#03102707
Russland will engere Zusammenarbeit mit EU und Nato
Do.11.12.03 - Russland will nach Angaben von Außenminister Igor Iwanow seine
Beziehungen zur Europäischen Union wie zur Nato weiter vertiefen,
strebt aber keinen Beitritt an. Ihm schwebe die Vision eines
gemeinsamen Sicherheits-, Rechts- und Wirtschaftsraumes vor,
erklärte Iwanow am Mittwochabend in München. In der
Sicherheits- und Verteidigungspolitik entwickle sich die Zusammenarbeit
jedoch viel zu langsam... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312110.htm#03121107
Mehr zum Thema "Nato" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_v
Verteidigungsminister Iwanow droht mit Umschwenken
auf Präventivkriegs-Prinzip
NATO-Einsätze ohne UN-Mandat sollten als illegal gelten - auch
Präventivkriege wie der in Irak
Fr.09.04.04 - Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hat unterdessen mit
einem Umschwenken seines Landes auf das Prinzip von
Präventivkriegen gedroht. "NATO-Einsätze ohne UN-Mandat
sollten als illegal gelten - auch Präventivkriege wie der in
Irak", heißt es in einem Beitrag Iwanows für die in Paris
erscheinende "International Herald Tribune" (Donnerstagausgabe). "Wenn
das neue Prinzip des präventiven Gebrauchs von Gewalt jedoch als
legitim betrachtet werden sollte, wird Russland keine andere Wahl
haben, als sich anzupassen und zur Sicherung seiner nationalen
Interessen zu handeln", führt Iwanow weiter aus. Die NATO habe
bereits bei ihrem Gipfel in Prag im Jahr 2002 Einsätze
außerhalb des Bündnisgebietes ins Auge gefasst, ohne
dafür ein UN-Mandat als notwendige Voraussetzung zu
beschließen.
(Quelle: afp)
Rebellierende Kleinaktionäre stürzen Eurotunnel-Management
Fr.09.04.04 - In Frankreich haben rebellierende Kleinaktionäre erstmals das
Management eines börsennotierten Unternehmens gestürzt. Zehn
Jahre nach Eröffnung des Eurotunnels muss die Führung unter
Leitung des Briten Richard Shirrefs ihren Hut nehmen. Die Rebellen
hievten stattdessen Jacques Maillot auf den Chefsessel. Eurotunnel
weist bei 873 Millionen Euro Umsatz ein Minus von 1,89 Milliarden Euro
aus. Wenn Ende 2006 Kredite fällig werden, droht die Insolvenz.
Frankreich und Großbritannien lehnen eine Finanzspritze ab.
Auf einer gerichtlich erzwungenen außerordentlichen
Aktionärsversammlung hatten am Mittwochabend 63,4 Prozent der
anwesenden Anteilseigner für die Entmachtung der Konzernspitze
gestimmt. Die Kleinaktionäre warfen der bisherigen
Unternehmensleitung vor, für den Schuldenstand von rund neun
Milliarden Euro verantwortlich zu sein und keine Erfolg versprechenden
Konzepte zur Sanierung der Bilanzen vorgelegt zu haben.
Maillot kündigte an, in spätestens drei Monaten werde die
Gesellschaft eine "aggressive Preispolitik" einleiten. Der Tunnel unter
dem Ärmelkanal wurde mit dem Geld hunderttausender
Kleinaktionäre errichtet. Die Auslastung liegt seit Jahren weit
unter den ursprünglichen Erwartungen.
(Quellen: afp, dpa)
Globalisierungsgegner rufen zu Protesten gegen IWF
und Weltbank auf
Fr.09.04.04 - Globalisierungsgegner haben anlässlich des 60. Geburtstags von
Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu Protesten
aufgerufen. Vom 21. bis 25. April wolle man die Frühjahrstagungen
der beiden Institutionen in Washington mit Kundgebungen und kritischen
Vorträgen begleiten, teilte die Bewegung für globale
Gerechtigkeit (Mobilization for Global Justice) am Donnerstag mit. Im
Jahr 2000 waren bei vergleichbaren Protesten rund 1.300 Demonstranten
festgenommen worden.
(Quelle: ap)
Spring 2004 Mobilization for Global Justice:
http://www.globalizethis.org
Ostermärsche starten mit Forderung
nach sozialer Gerechtigkeit
Friedensbewegung kritisiert Bundeswehr-Auslandseinsätze -
Militärbischof Mixa nennt Motto verfehlt
Fr.09.04.04 - Mit Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit sowie Kritik am
Irak-Krieg startet die Friedensbewegung in die diesjährige
Ostermarsch-Saison. «Wir wollen Abrüstung statt
Sozialabbau», erklärte der Sprecher der Infostelle
Ostermarsch, Willi van Ooyen, am Donnerstag. Bei Demonstrationen,
Kundgebungen und Gottesdiensten in mehr als 60 Städten wollen die
Kriegsgegner auch den Ausbau der Bundeswehr zur Einsatzarmee
verurteilen. Allerdings erwarteten die Organisatoren weniger Teilnehmer
als letztes Jahr.
2003 hatten sich unter dem Eindruck des Krieges in Irak bundesweit
Zehntausende Menschen an den Aktionen beteiligt. Van Ooyen sagte, auch
dieses Jahr werde die Ächtung des Angriffkrieges im Mittelpunkt
der Forderungen stehen. Er hoffe auf eine stärkere Beteiligung der
Gewerkschaften, um den Zusammenhang von Sozialabbau und
Rüstungspolitik deutlich zu machen.
Van Ooyen widersprach der Aussage von Verteidigungsminister Peter
Struck, wonach die ganze Welt mögliches Einsatzgebiet der
Bundeswehr ist. Die von Struck angekündigten
Beschaffungskürzungen in Höhe von 26 Milliarden Euro
bezeichnete er als «Augenwischerei». Tatsächlich
würden ab 2007 jährlich 800 Millionen Euro zusätzlich
für Rüstung aufgewendet.
Der katholische Militärbischof Walter Mixa kritisierte dagegen das
Motto der Ostermärsche als «verfehlt». Im
Südwestrundfunk sagte Mixa, wer gegen Auslandseinsätze der
Bundeswehr sei, verkenne die Aufgaben und Leistungen der Soldaten. Die
Bundeswehr helfe an ihren Einsatzorten, etwa auf dem Balkan oder in
Afghanistan, den Menschen und arbeite für den Frieden. Der Einsatz
von Waffengewalt als letzte Möglichkeit sei dann angemessen, wenn
es darum gehe, Schlimmeres zu verhindern, sagte Mixa, der dem
bayerischen Bistum Eichstätt vorsteht. Mixa sagte auch, dass er
sich Bundeswehreinsätze im Inland vorstellen könne, etwa zur
Verstärkung der Polizei bei der Abwehr von Terror.
Die größte Ostermarsch-Veranstaltung wird nach
Einschätzung des Netzwerks Friedenskooperative diejenige gegen das
Bombodrom genannte Militärübungsgelände in
Nordbrandenburg am Sonntag. Der Geschäftsführer der
Friedenskooperative, Manfred Stenner, betonte, dass nach
Einschätzung aller Organisatoren dieses Jahr nicht die
Teilnehmerzahl des Vorjahres erreicht werde. Man fühle sich aber
«nicht als randständige Minderheit, sondern als Teil einer
weltweiten Bewegung, die Alternativen zur herrschenden
zerstörerischen Politik einfordert», erklärte Stenner.
(Quelle: ap)
Informationen zum Ostermarsch 2004 unter:
http://www.ostermarsch.info/
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
Stichwort: Ostermarsch
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304200.htm#030420_c
DGB beklagt mehr Langzeitarbeitslose
durch Reform-Agenda 2010
Fr.09.04.04 - Der Reformkurs der Bundesregierung sorgt nach Ansicht des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) für einen dramatischen Anstieg der
Langzeitarbeitslosigkeit. Gegenüber dem Vorjahresmonat sei die
Zahl der Langzeitarbeitslosen im März um über 13 Prozent auf
1,54 Millionen angestiegen, teilte der DGB am Donnerstag in Berlin mit.
Damit habe das Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit den
Rekordstand des Jahres 1998 übertroffen.
Der DGB bemängelt, die Agenda 2010 habe «auf dem
Arbeitsmarkt und konkret für Langzeitarbeitslose keinerlei
positive Wirkung gezeigt.» Im Gegenteil hätten
Langzeitarbeitslose durch Verschärfungen bei den Einkommens- und
Vermögensanrechnungen in vielen Fällen ihren
Leistungsanspruch verloren. So seien im vergangenen Jahr 183 614
Anträge auf Arbeitslosenhilfe abgelehnt worden. Dies sei im
Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 107 Prozent.
Der DGB merkte weiter an, dass Langzeitarbeitslosen durch die
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum Jahresbeginn 2005
weitere Leistungskürzungen und ein Zwang zur Annahme auch
niedrigst entlohnter Arbeit bevorstehe. Betroffen von
Langzeitarbeitslosigkeit seien vor allem Frauen. Im Februar 2004 seien
bundesweit 35,9 Prozent der arbeitslosen Frauen langzeitarbeitslos
gewesen, im Osten sogar 45,7 Prozent. Bei den Männern seien es
30,6 Prozent gewesen (Ost: 33 Prozent).
(Quelle: ddp)
Arbeitgeber fordern weitere Einschnitte für Rentner,
Kranke und Pflegebedürftige
Fr.09.04.04 - Arbeitgeberpräsident Hundt fordert eine neue Runde von
Sozialreformen mit weiteren Einschnitten für Rentner, Kranke und
Pflegebedürftige. So solle die Regierung noch dieses Jahr die
Anhebung des Rentenalters auf 67 in die Wege leiten und die
Hinterbliebenenversorgung kappen, sagte Arbeitgeberpräsident
Dieter Hundt der «Berliner Zeitung» vom Donnerstag. Auch
die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung sollten verringert
werden. Das Sozialministerium und der DGB wiesen die Forderungen
zurück.
Hundt sagte unter Hinweis auf eine «dramatische Schieflage»
der Versicherungssysteme, die Sozialabgaben müssten insgesamt
unter 40 Prozent sinken. Andernfalls würden noch mehr
Arbeitsplätze verloren gehen. Für die Rente bedeute dies:
«Wir werden nicht umhin kommen, die Hinterbliebenenversorgung
anders zu regeln.» Eigene Einkommen der Angehörigen
müssten stärker angerechnet werden. Außerdem müsse
das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben werden.
«Diese Gesetze müssen möglichst noch 2004 auf den Weg
gebracht werden», sagte Hundt. Andernfalls drohe der Beitragssatz
für die Rentenversicherung auf über 22 Prozent zu steigen.
Rot-Grün hat allerdings erst vor knapp einem Monat eine umfassende
Reform beschlossen, mit der das Rentenniveau über die
nächsten 25 Jahre stark abgeschmolzen wird. Die Entscheidung
über die Erhöhung des Rentenalters auf 67 wurde auf 2008
vertagt.
Dementsprechend erklärte das Sozialministerium: «Es ist
ausgesprochen kontraproduktiv, die Menschen mit Diskussionen über
die Anhebung des Rentenalters zu verunsichern, nachdem eine weit
reichende Rentenreform verabschiedet wurde.» Statt nach neuen
Gesetzen zu rufen, solle Hundt für mehr Beschäftigung
Älterer sorgen. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland
beschäftige niemanden über 50 Jahre.
Ähnlich argumentierte der Deutsche Gewerkschaftsbund. «Die
Forderung nach Anhebung des gesetzlichen Rentenalters ist
zynisch», erklärte DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer. Angesichts
der geringen Zahl von über 55-Jährigen in Lohn und Brot,
würde dies nur eine Rentenkürzung bedeuten. Die PDS meinte,
eine Rentenreform - nämlich der Umbau zu einer
«solidarischen Gemeinkasse» und eine
«Wertschöpfungsabgabe» der Arbeitgeber - sei durchaus
sinnvoll. Hundts Vorschläge seien jedoch «Rentenklau».
Der Arbeitgeberpräsident nannte auch die zum 1. Januar in Kraft
gesetzte Gesundheitsreform unzureichend. Die Maßnahmen reichten
nicht aus, den durchschnittlichen Beitragssatz wirklich wie versprochen
auf 13,6 Prozent zu senken. Gefordert seien zusätzliche Schnitte:
«Wir brauchen einen Ausbau der Eigenbeteiligung.»
Nötig sei zudem mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen.
Der Chef der AOK Rheinland, Wilfried Jacobs, verteidigte die
Gesundheitsreform hingegen in der ARD. Sie sei «besser als ihr
Ruf» und werde funktionieren. Die Beiträge würden in
absehbarer Zeit deutlich sinken.
Hundt forderte auch Einschnitte bei der gesetzlichen
Pflegeversicherung: «Der Leistungsumfang muss zurückgefahren
werden.» Er schlug vor, ambulante und stationäre
Pflegeleistungen auf einem niedrigen Niveau gleichzustellen. Hundt
forderte darüber hinaus die Umstellung der Pflegeversicherung auf
einkommensunabhängige Kopfpauschalen.
(Quelle: ap)
Neue Vorwürfe gegen Ackermann im Mannesmann-Prozess
Staatsanwaltschaft: Deutsche-Bank-Chef verstieß bewusst gegen
Aktienrecht
Fr.09.04.04 - Neue Vorwürfe gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im
Mannesmann-Prozess: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat den
mächtigsten deutschen Banker beschuldigt, vorsätzlich gegen
das Aktienrecht verstoßen zu haben. Ackermanns sei sich von
Anfang an bewusst gewesen, dass das
Mannesmann-Aufsichtsratspräsidium keine Millionenprämie
für den Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk habe
beschließen dürfen, sagte Staatsanwalt Johannes Puls am
Donnerstag.
Bisherige Äußerungen Ackermanns, er habe geglaubt, in
Deutschland entscheide der Aufsichtsrat wie in Großbritannien
oder der Schweiz selbst über seine Bezahlung, seien schlicht
«wahrheitswidrig», erklärte die Staatsanwaltschaft.
Schließlich habe Ackermann als Deutsche-Bank-Vorstand selbst an
den Hauptversammlungen des Geldinstitutes in den Jahren 1998 und 1999
teilgenommen und erlebt, dass in Deutschland die Hauptversammlungen
über die Vergütung der Aufsichtsräte entschieden.
Mit den neuen Vorwürfen reagierte die Staatsanwaltschaft auf ein
vorläufiges Resümee des Gerichts, wonach sich Ackermann im
Falle der Funk-Prämien zwar eines Verstoßes gegen das
Aktienrecht und einer gravierenden Pflichtverletzung schuldig gemacht
habe. Dies aber nicht zu einer Verurteilung führen könne, da
er sich in einem unvermeidbaren Verbotsirrtum befunden habe. Genau
diese Bewertung werde durch den Vorstoß der Staatsanwaltschaft in
Frage gestellt, erläuterte eine Justizsprecherin.
Ackermann-Anwalt Eberhard Kempf wies die Vorwürfe umgehend
zurück. Bei der von Ackermann gebilligten
4,5-Millionen-Euro-Prämie für Funk sei es nicht um eine
Belohnung für den Aufsichtsratsvorsitzenden gegangen, sondern um
eine nachträgliche Anerkennung der Verdienste des früheren
Vorstandsvorsitzenden Funk in den 90er Jahren. Dafür aber seien
das Aufsichtsratspräsidium und damit auch Ackermann sehr wohl
zuständig gewesen. Kempf legte dem Gericht außerdem ein
Gutachten des Kölner Rechtswissenschaftlers Ulrich Preis vor, nach
dem die Millionenprämien aktienrechtlich zulässig seien.
Eine Woche nach dem überraschenden Resümee der
Düsseldorfer Wirtschaftsstrafkammer zog die Staatsanwaltschaft
aber auch in anderen Punkten Konsequenzen aus dem sich abzeichnenden
Freispruch der Angeklagten. So beantragte Staatsanwalt Puls,
nachträglich auch einige weniger schwerwiegende Tatvorwürfe
in das Verfahren einzubeziehen. Sie waren von der Staatsanwaltschaft
selbst zunächst fallen gelassen worden, da sie mit erheblichen
Strafen für die Angeklagten rechnete.
Dazu gehören etwa die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft
unzulässig Vergabe von Prämien in Höhe von 11,5
Millionen Euro an Nicht-Vorstandsmitglieder, mit der Mannesmann-Chef
Klaus Esser nur seine eigene Rekordprämie habe absichern wollen.
Dem früheren Aufsichtsratschef Joachim Funk legt die
Staatsanwaltschaft einen weiteren Fall von Selbstbegünstigung zur
Last.
Trotz der neuen Vorwürfe rechnet Ackermanns Verteidiger Eberhard
Kempf nach den jüngsten Stellungnahmen des Gerichts damit, dass
das spektakulärste deutsche Wirtschaftsstrafverfahren bereits
Mitte Mai und damit einen Monat früher als erwartet enden
könne. Die Vorsitzende Richterin habe die weitere Terminplanung
deutlich gestrafft, sagte der Verteidiger.
(Quelle: ap)
Mehr zum Mannesmann-Prozess unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#040207sq
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402070.htm#04020719
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030621
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404010.htm#04040113
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404050.htm#04040513
Rasterfahndung offenbar erfolglos
Fr.09.04.04 - Die von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) angeordnete
Rasterfahndung im Kampf gegen den Terror ist nach Recherchen des
ARD-Fernsehmagazins «Panorama» erfolglos geblieben. Sie
habe keinen einzigen verborgenen Terroristen enttarnt, heißt es
in dem Bericht vom Donnerstag (Sendezeit 21.45 Uhr). Die Gewerkschaft
der Polizei habe die Rastefahndung daraufhin als nutzlose
«Beruhigungspille» bezeichnet. Auch der Bund deutscher
Kriminalbeamter sah darin nur einen «blinden Aktionismus».
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte Schily die
umstrittene Rasterfahndung für Deutschland durchgesetzt. In das
Raster fielen auch alle in Deutschland lebenden Moslems, die
jünger als 40 Jahre sind und studieren. Laut
«Panorama» kamen insgesamt 8,3 Millionen Datensätze
zusammen, aus denen bundesweit fast 19 000
«Prüffälle» wurden.
Nur in Hamburg wollten die Behörden den
«Panorama»-Angaben zufolge in einem Fall etwas Handfestes
gefunden haben und leiteten ein Ermittlungsverfahren ein. Dies sei aber
wieder eingestellt worden. Alle anderen Bundesländer hätten
am Ende der groß angelegten Rasterfahndung Ergebnis Null gemeldet.
(Quelle: ddp)
Mehr unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46416
http://www.ndrtv.de/panorama/archiv/2004/0408/schily.html
Blick ins Archiv:
Schily entfacht Streit über EU-weite Rasterfahndung
Mo.20.03.04 - Bundesinnenminister Otto Schily hat eine neue Debatte über Sinn
und Zweck der Rasterfahndung ausgelöst. Dem SPD-Politiker nach ist
die deutsche Erfindung ein Erfolg. Die computergestützte, mit
großen Datenmengen hantierende Strafverfolgungsmethode soll daher
zum Exportschlager werden und nach den Anschlägen von Madrid
europaweit eingesetzt werden. Die Durchrasterung weiter Teile der
Bevölkerung auf der Suche nach zukünftigen Attentätern
ist aber an sich sehr umstritten, sodass Schilys Forderung nicht
unwidersprochen bleibt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#04032913
Rasterfahndung, Nationalgarde, Sicherheitshaft, Ausbau der
Überwachung ...
Die Debatte um Terrorabwehr produziert eine Flut von Forderungen, die
auf eine Verschärfung der inneren Sicherheit abzielen. Auch
nationalistische Töne mehren sich...
Mehr bei telepolis vom 28.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/17063/1.html