Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertneunundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Streitkräfte in Falludscha sollen verdoppelt werden -
US-Militär verlangt Auslieferung der Leichenschänder von Falludscha
- Fast ein Drittel der 200.000 Einwohner sollen die Stadt
verlassen haben. Annan ruft Konfliktparteien zu
Mäßigung auf. Iran distanziert sich von Gewalt im Irak.
Australischer Verteidigungsminister von Eskalation in Irak
überrascht. Blair: US-geführte Koalition muss 'historischen
Kampf' gewinnen. Bush sieht 'Herausforderungen' im Irak und verspricht
Sieg. Zwei von drei US-Bürgern befürchten zweites Vietnam in
Irak. Japanische Geiseln in Irak offenbar frei. Zwei im
Irak vermisste Deutsche möglicherweise nicht mehr am Leben
So.11.04.04 - Die von den USA geführten Koalitionsstreitkräfte sehen sich
seit Tagen einem stetig wachsendem Widerstand von Aufständischen
konfrontiert. Im Süden des Iraks hat die sogenannte Mehdi-Armee
unter dem Schiiten-Geistlichen Moktada el Bakr gegen die
Besatzungstruppen mobil gemacht. In Falludscha waren in den vergangenen
Tagen mindestens 450 Menschen getötet worden, rund 1000 wurden
nach Angaben des örtlichen Krankenhauses verletzt.
Die Aufständischen in der Stadt Falludscha und die
US-Besatzungstruppen haben sich nach Angaben des irakischen
Verwaltungsrats auf eine Feuerpause verständigt. Die Waffenruhe
solle am (heutigen) Sonntagmorgen in Kraft treten, sagte
Verwaltungsratsmitglied Mahmud Othman am Samstagabend. Mahmud Othman
äußerte jedoch Zweifel, dass die Feuerpause tatsächlich
in Kraft treten werde, weil beide Seiten Bedingungen daran
geknüpft hätten. Nach Angaben der US-Streitkräfte sind
seit Freitag rund 60.000 Iraker aus Falludscha geflohen.
Othman zufolge boten die Aufständischen die Waffenruhe unter der
Bedingung an, dass sich die US-Truppen aus Falludscha
zurückziehen. Die US-Streitkräfte ihrerseits verlangten die
Auslieferung jener Iraker, die am 31. März vier amerikanische
Zivilisten getötet und deren Leichen geschändet hätten.
Außerdem verlangten die Amerikaner, dass die Polizei in der Stadt
wieder die Kontrolle übernehme.
Für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen drohte ein
US-Militärkommandeur mit weiteren schweren Angriffen. Die
Aufständischen hätten die Wahl, sich zu ergeben oder zu
sterben, sagte Oberstleutnant Brennan Byrne. Seit Freitag habe fast ein
Drittel der 200.000 Einwohner Falludschas die Stadt verlassen,
erklärte Byrne weiter.
Aus Falludscha wurden am Morgen weitere Gefechte zwischen US-Truppen
und Aufständischen gemeldet. Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe
feuerten US-Soldaten Granaten, während Explosionen und Gewehrfeuer
zu hören waren, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.
Die US-Streitkräfte haben unterdessen eine Verdoppelung ihrer
Einsatzkräfte bei den Kämpfen in der zentralirakischen Stadt
Falludscha angekündigt. Die bisher dort stationierten beiden
Bataillone von US-Marineinfanteristen würden um zwei weitere
Bataillone verstärkt, sagte US-Brigadegeneral Mark Kimmitt am
Samstag in Bagdad. Unter den zusätzlichen Soldaten seien auch
Einheiten des irakischen Zivilverteidigungskorps (ICDC).
In der irakischen Hauptstadt Bagdad ist es am Samstag nach Berichten
von Augenzeugen zu neuen Schießereien zwischen bewaffneten
Irakern und Einheiten der US-Streitkräfte gekommen.
Augenzeugen berichteten aus Bagdad, im Bezirk Adhimija im Nordwesten
der Stadt hätten jugendliche Bewaffnete Einheiten der
US-Streitkräfte mit Granatwerfern und aus automatischen Waffen
beschossen.
Für die Schiiten begann am Samstagabend das Arbain-Fest, wozu sich
in der Stadt Kerbela über eine Million Pilger einfanden. Die
US-Streitkräfte haben jegliche Verantwortung für eventuelle
Zwischenfälle in Kerbela im vornherein abgelehnt. Es gab die
Befürchtung, es könnte hier - wie vor 40 Tagen - zu neuen
Selbstmord-Anschlägen von Extremisten kommen. Damals waren in
Bagdad und Kerbela bei Anschlägen von Selbstmord-Attentätern
mit mutmaßlichen Verbindungen zur El Kaida über 170 Menschen
getötet worden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief unterdessen die in Kämpfe
verwickelten Koalitionssoldaten und Rebellen in Irak zur
Mäßigung auf. Annan appelliere "an alle Seiten,
Zurückhaltung zu üben, um die Gefährdung unschuldiger
Leben so gering wie möglich zu halten", sagte sein Sprecher
Stephane Dujarric in New York. Der Generalsekretär sei "beunruhigt
über die steigende Zahl ziviler Todesopfer".
Iran hat sich derweil von der Gewalt durch die Anhänger des
Schiiten-Führers Muktada el Sadr im Irak distanziert. Es bestehe
keine Verbindung zu den radikalen irakischen Schiiten, betonte
Präsident Mohammed Chatami. Die Welle der Gewalt und die
Entführungen im Irak schadeten in erster Linie dem Ansehen der
Moslems in der gesamten islamischen Welt. Die USA müssten wissen,
dass die Probleme im Irak nichts mit Iran oder den irakischen Schiiten
zu tun hätten, sagte Chatami.
Die drei japanischen Geiseln in Irak sind nahe Falludscha frei gelassen
worden. Das berichteten japanische Medien unter Berufung auf den
arabischen Fernsehsender El Dschasira. Der Nachrichtensender El
Dschasira strahlte indes ein Video aus, auf dem die Leichen von
angeblichen US-Bürgern umgeben von Irakern zu sehen sind.
Nach Angaben von El Dschasira heißt es im Video, bei den Toten in
Zivil handle es sich um "Offiziere der in Irak operierenden
amerikanischen Geheimdienste". Sie seien von irakischen
Aufständischen in Falludscha getötet worden. Die
blutverschmierten Leichen liegen umgeben von einer Gruppe Iraker am
Rand einer Straße. Auch ein ausgebranntes Auto ist auf dem Video
zu sehen, in dem die Männer unterwegs gewesen sein sollen.
El Dschasira macht keine Angaben zum Ort oder zum Zeitpunkt der
Aufnahme. Im Kommentar wird jedoch angegeben, die beiden Männer
seien während der Kämpfe zwischen Aufständischen und
Truppen der US-geführten Koalition in Irak getötet worden.
Die zwei seit mehreren Tagen im Irak vermissten Deutschen sind
möglicherweise nicht mehr am Leben. Wie die ARD berichtete,
sollten die 25 und 38 Jahre alten Angehörigen der
Anti-Terror-Einheit GSG-9 einen Konvoi begleiten und schützen, mit
dem noch andere Deutsche von Jordanien aus nach Bagdad fuhren. In der
Nähe der Stadt Falludscha wurde der Konvoi demnach beschossen.
Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios vom Samstagabend wurde in
einiger Entfernung vom Ort des Überfalls ein frisches Grab
entdeckt. Es soll an diesem Sonntag untersucht werden. Bisher
weiß man nicht, wer dort beerdigt wurde.
Der Überfall hatte sich schon am Mittwoch ereignet. Seither fehlt
von den beiden Männern jede Spur. Anhaltspunkte für eine
Entführung lägen nicht vor, hieß es gleichlautend aus
dem Innen- und Außenministerium in Berlin. Eine Sprecherin des
Auswärtigen Amtes sagte, mit Hilfe der Koalitionskräfte im
Irak und irakischer Behörden werde «sehr intensiv»
nach den beiden Deutschen gesucht. Sie wies darauf hin, dass sich der
Vorfall ereignet habe, bevor die Welle der Entführungen von
Ausländern im Irak einsetzte.
Der ARD-Korrespondent in der irakischen Hauptstadt berichtete, um in
Falludscha tobenden heftigen Kämpfen auszuweichen, habe der Konvoi
die Autobahn nach Bagdad verlassen und eine parallel verlaufende
Landstraße genommen. Dort seien die Wagen bei der Ortschaft Al
Garma in einen Hinterhalt geraten. Die beiden Sicherheitsbeamten seien
am Ende des Konvois gefahren und nicht in Bagdad angekommen.
Wie die ARD unter Berufung auf Schätzungen der deutschen Botschaft
in Bagdad weiter berichtete, halten sich derzeit rund 60 Deutsche im
Irak auf. Die meisten seien Frauen, die mit Irakern verheiratet sind.
Außerdem handele es sich um Botschaftsangehörige,
Geschäftsleute und Journalisten sowie private Aufbauhelfer.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Volker
Rühe (CDU), hat die Strategie der US-Regierung im Irak kritisiert.
«Die USA gehen militärisch ohne Abstimmung mit dem
irakischen Regierungsrat vor. Das ist erschreckend», sagte der
ehemalige Bundesverteidigungsminister der Zeitung «Bild am
Sonntag». Mit Blick auf die Eskalation der Gewalt in dem
arabischen Land betonte Rühe: «Man muss mit dem Schlimmsten
rechnen.» Die Situation drohe außer Kontrolle zu geraten.
Die jüngste Eskalation der Gewalt hat den australischen
Verteidigungsminister Robert Hill nach eigener Aussage überrascht.
«Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm kommen
würde», sagte Hill am Sonntag in einem Fernseh-Interview.
Australien werde seine Truppen aber nicht abziehen, ehe die Arbeit in
Irak getan sei, betonte der Verteidigungsminister. Australien hat am
Golf 850 Soldaten stationiert. Für Sonntagnachmittag hatten
Kirchenvertreter und die Opposition Demonstrationen angekündigt,
bei denen sie einen Truppenabzug fordern wollten.
In der japanischen Hauptstadt Tokio haben am Samstag knapp tausend
Menschen für den Abzug japanischer Soldaten aus Irak protestiert.
"Menschenleben sind wichtiger als die japanisch-amerikanische Allianz",
riefen die Teilnehmer der Kundgebung vor dem Amtssitz von Japans
Regierungschef Junichiro Koizumi. Die Organisatoren teilten mit, dass
sie rund 100.000 Unterschriften gegen das militärische Engagement
ihrer Regierung in Irak gesammelt hätten.
Der britische Premierminister Tony Blair hat die Auseinandersetzungen
in Irak als "historischen Kampf" bezeichnet, den die US-geführte
Koalition gewinnen müsse. "Es gibt eine Schlacht, die wir
kämpfen müssen, einen Kampf den wir gewinnen müssen und
es passiert jetzt in Irak", sagte Blair in einem Interview mit der
britischen Zeitung "Sunday Observer". Sollten die
Besatzungsstreitkräfte scheitern, würden Freiheit und
religiöse Toleranz "ausgelöscht". "Diktatoren würden
jubeln, Fanatiker und Terroristen würden triumphieren", sagte
Blair weiter.
US-Präsident George W. Bush hat eingeräumt, dass die Lage im
Irak die USA vor große «Herausforderungen» stellt. In
seiner wöchentlichen Rundfunkansprache zeigte er sich aber
zuversichtlich, dass Amerika und seine Verbündeten am Ende siegen.
Bush bekräftigte, dass die USA an ihrem Termin für die
Machtübergabe im Irak festhalten: «Iraks
Souveränität wird am 30. Juni beginnen», sagte der
Präsident. Eine Verschiebung des Termins für die
Machtübergabe würde den Feinden nur in die Hände spielen.
Zwei von drei US-Bürgern befürchten indes, dass der
Militäreinsatz in Irak für die USA zu einem ähnlichen
Desaster werden könnte wie der Vietnam-Krieg. Das geht aus einer
Umfrage hervor, die das Magazin «Newsweek» am Samstag
veröffentlichte. Dennoch befürworteten 63 Prozent der 1.005
Befragten die Entsendung weiterer Soldaten nach Irak. Eine Mehrheit
erklärte allerdings gleichzeitig, die US-Truppen sollten
höchstens ein bis zwei weitere Jahre in Irak bleiben. Nach Ansicht
von Militärexperten wird die Anwesenheit der Truppen aber weitaus
länger erforderlich bleiben. Die Entscheidung für den
Irak-Krieg war nach Ansicht von 57 Prozent der Befragten
grundsätzlich richtig.
(Quellen: ap, afp, dpa, rtr, ddp)
Ostermärsche und -aktionen 2004
http://www.ostermarsch.info/
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
http://www.friedensweg.de/
Während sich die militärischen Auseinandersetzungen zwischen
Besatzern und irakischen Widerstandsgruppen immer mehr einem offenen
Krieg annähern, halten Vertreter der führenden
Besatzungsmacht USA an ihrer zentralen These fest: Der Widerstand ist
gar keiner. Es handele sich um kriminelle Elemente, die eine
Demokratisierung von Irak vermeiden wollten...
Nach wie propagieren die USA, die Mehrheit der irakischen
Bevölkerung unterstütze die Besatzer und sei dankbar, von der
Herrschaft Saddam Husseins befreit worden zu sein. Die
Widerstandsaktionen werden wahlweise als "isolierte Aktionen" oder
"kriminelle Angriffe" verurteilt. Zugleich jedoch mehren sich die
Berichte von unabhängigen Reportern, die auf den zunehmenden Unmut
in der Bevölkerung hinweisen.
Auch der britische Anthropologe William Beeman sieht das Grundproblem
der US-Truppen und ihrer Alliierten in Irak in dem Umstand, dass sie es
nicht geschafft hätten, ein "soziales Abkommen" mit der
Bevölkerung zu schließen, "und daher jeder Autorität
entbehren". Robert Fisk, der für den Londoner "Independent" aus
der Region schreibt, hatte bereits Ende Januar im Telepolis-Interview
prophezeit, was seit vergangener Woche offensichtlich ist:
Der Unmut über die soziale Lage im Land und die Wut über die
leeren Versprechen der US-Regierung sind inzwischen so groß, dass
es im Land immer mehr brodelt. Das Gefährlichste, was nun
passieren kann, wäre eine Vereinigung der Schiiten und der
Sunniten...
Aus: Harald Neuber - "Fundamentalisten übernehmen das Ruder",
telepolis vom 10.04.04
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/17169/1.html
Befriedung mit Killerinstinkt?
Ein Vergleich des Verhaltens der US-Truppen im Irak heute mit den
Erfahrungen während des UN-Einsatzes in Somalia 1993 legt die
Vermutung nahe, dass sich Hightech-Krieger grundsätzlich nicht
für Befriedungsaktionen eignen
Innerhalb einer Woche sind laut Agenturmeldungen im Irak 47 Soldaten
der Koalitionstruppen und etwa zehn mal so viele Iraker getötet
worden. Unmittelbarer Ausgangspunkt für die gegenwärtigen
Wellen von Gewalt und Gegengewalt war die Ermordung amerikanischer
Zivilisten und die Zurschaustellung ihrer verbrannten Leichen. Der
Vorgang erinnert stark an die Ereignisse im Oktober 1993, als ein toter
US-Hubschrauberpilot in Mogadischu von lachenden Somalis durch die
Straßen geschleift wurde. Es gibt mehr Parallelen zwischen dem
Irak von heute und dem Somalia von damals.
Auf den ersten Blick scheinen die gegenwärtige Lage im Irak und in
Somalia vor zehn Jahren wenig vergleichbar zu sein: Auf der einen Seite
im Irak ein absichtlich von den USA herbeigeführter Krieg, mit dem
Ziel, angeblich haufenweise versteckte Massenvernichtungswaffen zu
finden und ein demokratisches System zu etablieren, das auf eine ganze
Region heilsam ausstrahlen soll. Auf der anderen Seite in Somalia der
Versuch der UN, einen mörderischen Bürgerkrieg und die
dadurch verursachte Hungersnot notgedrungen mit einem
militärischen Einsatz zu beenden, mit US-Truppen als
Rückgrat. In beiden Fällen sieht es jedoch so aus, als wenn
unsensibles und demütigendes Verhalten vor allem der US-Truppen
der Bevölkerung gegenüber zur Eskalation mit beigetragen
hätte. Rückblende ....
Mehr bei telepolis (Christian Gapp - "Befriedung mit Killerinstinkt?",
11.04.04):
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/17170/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Dreiundzwanzigster Kriegstag in Irak
Fr.11.04.03 - Irak-Krieg verlagert sich in den Norden +++ Kurden und US-Truppen nehmen
Ölstadt Kirkuk ein +++ Erste Einheiten rücken auch in Mosul ein +++
Kurdischer Vorstoß in Nordirak alarmiert die Türkei +++ In Bagdad herrschen
zunehmend chaotische Zustände +++ Rund 100 000 irakische Flüchtlinge
kampieren an iranischer Westgrenze +++ Bush und Blair wenden sich in TV-Ansprachen
an Iraker +++ Schiitenführer el Choei nach Rückkehr aus Exil ermordet +++
Pentagon: MOAB-Bombe wird in Golfregion verschifft +++ Ex-NATO-Oberbefehlshaber Clark
schließt Krieg gegen Syrien nicht aus +++ Konrad Ege: Der vierte Weltkrieg hat begonnen +++
Der schnelle Kollaps des irakischen Regimes erschüttert das arabische Weltbild und
schürt die Angst vor einer neuen US-Hegemonie +++ Blix bezweifelt erklärtes US-Motiv +++
Stellvertretender US-Verteidigungsminister stellt Pläne für Nachkriegsordnung in Irak
vor. Wolfowitz: UN kann nicht tonangebend sein und die Hauptverantwortung tragen. Der
Minister hat Deutschland, Frankreich und Russland vorgeschlagen, dem Irak die Schulden zu erlassen +++
FAO: Iraks Kornkammer steht vor dem Aus +++ Annan und Blix wollen Rückkehr der Waffeninspekteure +++
UN untersuchen Spätfolgen von Uran-Munition +++ Spanische Gewerkschaften protestieren mit Streik gegen Krieg +++
Attac will an Anti-Kriegs-Protesten festhalten +++ In Irak bleiben die Toten ungezählt +++
Wochenzeitung 'freitag": Wer jetzt zur Tagesordnung übergeht, kapituliert vor dem nächsten Krieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304110.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Seit Kriegsbeginn sind im Irak 645 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der Verwundeten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie
nicht. Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur. (taz vom 08.04.04)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Karsai: Afghanistan gerät gegenüber Irak ins Hintertreffen
So.11.04.04 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai fürchtet, dass seinem
Land wegen der Konzentration der Geberländer auf Irak zu wenig
internationale Unterstützung zuteil wird. In einem Interview mit
dem britischen Fernsehsender ITV entgegnete Karsai auf die Frage, ob
ihn die vergleichsweise hohen Hilfszahlungen an Irak frustrierten: "In
dieser Hinsicht ja. Aber wir dürfen nicht undankbar sein. Wir
danken der internationalen Gemeinschaft für ihre Hilfe." Er
wäre aber "glücklicher, wenn wir mehr Geld hätten",
sagte der Präsident in dem TV-Interview, das am (heutigen) Sonntag
ausgestrahlt werden soll. "Je mehr die Welt Afghanistan gibt, desto
besser für den Rest der Welt."
(Quelle: afp)
Bush wußte angeblich vor 11. September von Angriffplänen
So.11.04.04 - US-Präsident George W. Bush wurde angeblich fünf Wochen vor
den Anschlägen vom 11. September über Pläne der El Kaida
für Terrorattacken mit Sprengsätzen auf amerikanischem Boden
informiert.
Entsprechende Warnungen seien in einem Memorandum enthalten gewesen,
das dem Präsidenten am 6. August 2001 vorgelegt wurde, berichteten
US-Medien am Samstag unter Berufung auf Regierungsbeamte.
Danach enthielt das Informationspapier auch Hinweise, denen zufolge
Terroristen Flugzeuge zur Freipressung Ende der 90er Jahre gefangen
genommener El-Kaida-Mitglieder entführen wollten.
Erst am Donnerstag hatte Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice
vor dem unabhängigen Untersuchungsausschuss des Kongresses zum 11.
September ausgesagt, das Memorandum habe in erster Linie aus
«geschichtlichem» Hintergrund zur El-Kaida-Bedrohung
bestanden, das heißt, im Wesentlichen aus Angaben über
mögliche Strategien und Pläne in der Vergangenheit. Besondere
Warnungen vor etwaigen künftigen Anschlägen in den USA seien
nicht enthalten gewesen.
Der Ausschuss hatte nach der Aussage von Rice eine
Veröffentlichung des bisher als geheim klassifizierten Memorandums
gefordert und das Weiße Haus hatte mitgeteilt, dass eine Freigabe
vorbereitet werde. Am Freitag (Ortszeit) erklärte ein Sprecher
indessen, dass sich die Freigabe wegen der dafür erforderlichen
«komplexen Abstimmungen» mit verschiedenen Stellen wie etwa
den Geheimdiensten verzögern werde.
Den Medienberichten vom Samstag zufolge enthält das Papier mit dem
Titel «Bin Laden zu Anschlägen innerhalb der USA
entschlossen» unter anderem folgende Punkte:
- Im Mai 2001 erhielt ein US-Geheimdienst Informationen, «die auf
Versuche Bin Ladens hindeuteten, Terroristen zwecks
Sprengstoffanschlägen über Kanada in die USA zu
schicken». Diese Informationen seien an Geheimdienste und
Bundespolizei weitergegeben worden.
- Die El Kaida suchte nach Wegen, um amerikanische Flugzeuge zu
entführen. Ziel sei die Freipressung von Terroristen gewesen, die
1998 und 1999 festgenommen worden seien.
- Bin Laden wollte schon in den Jahren 1997 bis 2001 Anschläge in
den USA ausführen.
- Einige Gehimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass
mutmaßliche El-Kaida-Mitglieder in die und aus den USA gereist
seien und möglicherweise auf amerikanischem Boden ein Netzwerk zur
Unterstützung gehabt hätten.
- Im Jahr 2001 liefen mindestens 70 Ermittlungen des Bundeskriminalamts
FBI mit Blick auf mögliche Operationen von El-Kaida-Zellen in den
USA.
Der US-Sender CNN zitierte unterdessen «Kreise» mit
Kenntnis des Memorandums mit den Worten, viele der genannten
Geheimdienstinformationen beruhten auf Angaben lediglich aus einer
einzigen Quelle. Keiner dieser Hinweise habe einen Bezug zu den wenig
später erfolgten Anschlägen vom 11. September.
(Quelle: dpa)
Mehr bei New York Times unter:
http://www.nytimes.com/2004/04/10/politics/10PANE.html?
ex=1396929600&en=239aa44d64cce94b&ei=5007&partner=USERLAND
Nahost-Konflikt
Elfjähriges palästinensisches Mädchen erschossen. Hamas
sammelt Geld für den Kampf gegen Israel
So.11.04.04 - Eine verirrte israelische Kugel hat am Samstag ein elfjähriges
palästinensisches Mädchen tödlich getroffen, wie
Angehörige und Krankenhausmitarbeiter berichtete. Der Vorfall
ereignete sich in der Stadt Chan Junis im Gazastreifen. Nach Angaben
der israelischen Armee hatten militante Palästinenser aus dem
Gebiet eine Rakete abgefeuert, Soldaten hätten daraufhin das Feuer
eröffnet. Das Mädchen half gerade seiner Mutter in der
Küche, als es von der Kugel im Kopf getroffen wurde.
Die militante Organisation Hamas sammelte bis Freitagabend in der Stadt
Gaza Geld für den Kampf gegen Israel. Tausende Palästinenser
warteten in langen schlagen, um zu spenden. Wie es hiess, wurden meist
kleinere Summen abgegeben, aber auch Schmuck und einige Handgranaten.
Die Hamas versuchte offenbar mit der Aktion ihre Position im
Gazastreifen vor dem erwarteten Abzug der israelischen Truppen zu
stärken. Im Februar hatten israelische Truppen mehrere Banken im
Westjordanland gestürmt und dort fast sieben Millionen Dollar
beschlagnahmt, die für militante Gruppen bestimmt gewesen sein
sollen.
(Quelle: ap)
Ostafrika: Zehntausende flüchten vor Kämpfen in Burundi
So.11.04.04 - Im ostafrikanischen Bürgerkriegsland Burundi sind innerhalb von
vier Tagen bis zu 30.000 Zivilisten vor den anhaltenden Kämpfen
zwischen Regierung und Rebellen geflüchtet. Das berichtete der
Gouverneur der Gemeinde Kabezi in der Nähe der Hauptstadt
Bujumbura, Ignace Ntawembarira. Nach Militärangaben wurden bei
Kämpfen zwischen Armee und FLN-Rebellen mindestens 16 Rebellen und
ein Soldat getötet, seit die Auseinandersetzungen am Dienstag
begonnen hatten.
Die Hutu-Rebellen der FLN kämpfen seit 1993 gegen die von der
Volksgruppe der Tutsi dominierte Regierungsarmee. In dem
Bürgerkrieg kamen nach UN-Angaben bislang rund 300.000 Menschen
ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Hutu stellen zwar den
größten Teil der Bevölkerung, die
Schlüsselpositionen im Land werden jedoch von Tutsi besetzt.
(Quelle: afp)
120 Verletzte bei Demonstration in Taiwan
Experte kann Hintergründe des Attentats auf Präsident Chen
nicht aufklären
So.11.04.04 - Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und
Demonstranten in Taiwan sind über 120 Menschen verletzt worden. 20
Personen seien festgenommen worden, teilte die Polizei am Sonntag mit.
Die Kundgebung richtete sich gegen die umstrittene
Präsidentschaftswahl vom 20. März. Die Opposition wirft
Präsident Chen Shui-bian vor, die öffentliche Meinung kurz
vor der Wahl mit einem fingierten Attentat auf sich selbst manipuliert
zu haben. Eine am Sonntag abgeschlossene Untersuchung konnte diesen
Vorwurf weder entkräften noch bestätigen.
Die Demonstration mit rund 50.000 Teilnehmern begann am Samstagabend
friedlich. Nach der offiziellen Abschlusskundgebung versammelten sich
jedoch 1.000 Demonstranten vor dem Amtssitz des Präsidenten und
bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen. Einige
versuchten, mit einer für die Kundgebung aufgestellten Bühne
die Absperrungen rund um das Gebäude zu rammen. Nach
Polizeiangaben flog auch eine Brandbombe. Als die Polizisten mit
Wasserwerfern reagierte, kam es zu einer Prügelei. Erst spät
in der Nacht gelang es den Sicherheitskräften, die Menge zu
zerstreuen.
86 Polizisten seien von Demonstranten mit Eisenstangen,
Holzknüppeln oder Schleudern verletzt worden, sagte ein
Polizeisprecher. Auch 40 Demonstranten und einige Journalisten seien
verwundet.
Die Hintergründe des Attentats auf Chen bleiben auch nach einer
gerichtsmedizinischen Untersuchung unklar. Der taiwanisch-amerikanische
Experte Henry Lee erklärte sich am Sonntag außer Stande zu
beurteilen, ob der Anschlag von der Regierung inszeniert worden sei.
Chen war bei dem Attentat einen Tag vor der Wahl nur leicht verletzt
worden. Die Opposition wirft ihm vor, er habe sich damit in letzter
Minute die Sympathie des Volkes sichern wollen.
Lee war von der Regierung eingeladen worden, um den Fall zu
untersuchen. Der aus dem Prozess gegen den Football-Star O.J. Simpson
bekannte Experte warf der taiwanischen Polizei Versäumnisse bei
der Spurensicherung vor. Der Tatort sei nicht richtig abgeriegelt
worden. Wären die üblichen Standards eingehalten worden, so
«hätte der Fall geknackt werden können», sagte
Lee.
(Quelle: ap)
23 Tote bei Gefechten in Kolumbien
So.11.04.04 - Die kolumbianischen Streitkräfte haben bei Gefechten mit linken
Rebellen und rechten paramilitärischen Verbänden in den
vergangenen zwei Tagen 23 Gegner getötet. Darunter seien 15
Paramilitärs und acht Rebellen, teilte die Armee am Samstag mit.
Zahlen über eigene Opfer geben die kolumbianischen
Streitkräfte grundsätzlich nicht heraus. Wie es in der
Erklärung weiter hieß, entführten Rebellen und
paramilitärische Gruppen in verschiedenen Landesteilen seit
Donnerstag fünf Zivilisten.
In Kolumbien herrscht seit 40 Jahren Bürgerkrieg zwischen linken
Guerillas, Regierungstruppen und rechten paramilitärischen
Gruppen. Der Dauerkonflikt kostet jährlich im Schnitt 3.500
Menschen das Leben, hauptsächlich Zivilisten.
Die größte Rebellengruppe FARC wies unterdessen
Vorwürfe der Regierung zurück, wonach ein
FARC-Führungsmitglied schwunghaften Handel mit Drogen betrieb. Der
inhaftierten Rebellenführerin Nayibe Rojas droht eine Auslieferung
in die USA, die Rojas für den Schmuggel von über 600 Tonnen
Drogen nach Nordamerika und Europa verantwortlich machen.
(Quelle: ap)
Kolumbien heute - Die Zukunft Lateinamerikas wird entschieden
Mehr in einer Zustandsbeschreibung von Hector Mondragon, ZNet
05.03.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?
id=1061&PHPSESSID=130fb254d9f6d8f4c3f751680c6f8eea
Orginalartikel: "Colombia Today"
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=9&ItemID=5095
Leichen von neun festgenommenen Tschetschenen entdeckt
So.11.04.04 - Neun seit Ende vergangenen Monats vermisste Tschetschenen sind in einer
Schlucht tot aufgefunden worden, wie ein Sprecher der Verwaltung
Tschetscheniens am Samstag mitteilte. Einem Bericht der
Nachrichtenagentur Interfax zufolge waren die Leichen mit
Einschusslöchern übersät.
Acht der Getöteten stammten vermutlich aus dem Dorf Duba-Jurt.
Laut Interfax handelte es sich um eine Gruppe junger Menschen, die am
Morgen des 27. März von Bewaffneten verschleppt worden waren. Das
neunte Opfer stammte wohl aus der Ortschaft Stari Atagi in der
Nähe von Grosny. Die tschetschenischen Behörden waren nach
eigenen Angaben nicht in der Lage zu klären, wer für die
Verschleppung verantwortlich war. Bewohner von Duba-Jurt sagten der
Nachrichtenagentur AP, die Polizei habe ihnen erklärt, die
Vermissten würden in Chankala festgehalten, einem russischen
Militärstützpunkt in der Nähe von Grosny. Sie
würden in Kürze freigelassen.
In Tschetschenien werden häufig Menschen verschleppt. Als
Täter werden Rebellen, russische Truppen oder die
Sicherheitskräfte der tschetschenischen Behörden vermutet.
Die Europäische Union hat in einem vor der
UN-Menschenrechtskommission eingebrachten Entwurf zur Lage in
Tschetschenien die Entführungen sowie Folter und ungesetzliche
Tötungen scharf kritisiert. Russland wies diese Kritik zurück.
(Quelle: ap)
Demonstration gegen verschärftes Einwanderungsrecht in Amsterdam
So.11.04.04 - Mehrere tausend Niederländer haben am Samstag in Amsterdam gegen
die verschärfte Asyl- und Einwanderungspolitik ihrer Regierung
demonstriert. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf
7.000, die Veranstalter sprachen von 15.000 Teilnehmern. Der Protest
richtete sich gegen Maßnahmen der christlich-demokratischen
Regierung von Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, den Zuzug
von Ausländern weiter zu beschneiden und abgewiesene Asylbewerber
auszuweisen. Von der Ausweisung sind insgesamt 26.000 Ausländer
bedroht, die zum Teil schon viele Jahre in den Niederlanden wohnen,
denen aber keine Aufenthaltsgenehmigung erteilt wurde. Redner
linksgerichteter Oppositionsparteien warfen der Regierung eine
«inhumane und antisoziale Politik vor.
Zum harten Vorgehen der Regierung gehören die Erhöhung der
Preise für Meldebescheinigungen um 600 Prozent, Razzien gegen
illegale Beschäftigung, obligatorische Sprach- und
Einbürgerungskurse und erschwerter Zuzug von Ehegatten. Seit vier
Jahren verfolgen die Niederlande, die zuvor Ausländer mit offenen
Armen empfangen hatten, diesen Kurs. Die Zahlanträge ist seitdem
um 70 Prozent zurückgegangen.
(Quelle: ap)
Kriegsgegner setzen in mehr als 30 Städten Ostermärsche fort
So.11.04.04 -
Auch am Samstag hat die Friedensbewegung mit Ostermärschen und
Kundgebungen ihren Protest gegen Irak-Krieg, Sozialabbau und
Auslandseinsätze der Bundeswehr fortgesetzt. Wie das
Ostermarschbüro in Frankfurt am Main mitteilte, fanden in mehr als
30 Städten statt, darunter in Bremen, Düsseldorf, Hannover,
Karlsruhe, Kiel, München, Rostock, Saarbrücken und Wiesbaden.
Büro-Sprecher Jan van Ooyen sagte, mit «einigen tausend
Teilnehmern» hätten sich die Erwartungen der
Friedensbewegung erfüllt.
Die Ostermarsch-Aktionen hatten bereits am Karfreitag unter anderem in
Berlin und Chemnitz begonnen. Über das Osterwochenende seien
Veranstaltungen in insgesamt mehr als 60 Städten geplant,
erklärte van Ooyen. Im Vergleich zum Vorjahr, wo unter dem
Eindruck des Irak-Krieges mehrere zehntausend Kriegsgegner auf die
Straße gegangen waren, würden insgesamt jedoch weit weniger
Teilnehmer erwartet.
Der völkerrechtswidrige Krieg in Irak dürfe nicht zum
Präzedenzfall für weitere Kriege werden, hieß es in
einer Erklärung des Ostermarschbüros. «Einmal mehr hat
sich gezeigt, mit militärischer Gewalt kann weder Frieden,
Demokratie noch soziale Gerechtigkeit durchgesetzt werden.» Keine
Regierung habe das Recht, zur Durchsetzung wirtschaftlicher und
machtpolitischer Interessen überall dort vorbeugend Krieg zu
führen, wo es ihr angebracht erscheine. «Das gilt auch
für den Fall der Gewaltanwendung unter dem Deckmantel der
weltweiten Terrorbekämpfung.»
Von der Bundesregierung verlangt die Friedensbewegung, dass keine
deutschen Soldaten an Kampfeinsätzen im Ausland teilnehmen und
alle im Ausland stationierten Bundeswehreinheiten sofort nach
Deutschland zurückgeholt werden. Kritisiert wird auch die
Beschaffungspolitik des Verteidigungsministeriums: «Vor allem
muss der unsinnige und teure Eurofighterbau sofort gestoppt
werden.» Die Ostermarschierer hofften darauf, dass sich
möglichst viele Gewerkschafter an den Aktionen gegen Sozialabbau
beteiligen würden.
(Quelle: ap)
DGB: West-Firmen für Fehler bei Aufbau Ost mitverantwortlich
So.11.04.04 - Fehlentwicklungen beim Aufbau Ost beruhen nach Ansicht von Sachsens
DGB-Chef Hanjo Lucassen zu einem erheblichen Teil auf bewusst
kalkulierter Firmenpolitik. «Viele West-Betriebe sind nur deshalb
in den Osten gekommen, um hier die Fördermittel
abzugreifen», sagte Lucassen der Nachrichtenagentur ddp in
Dresden. Es sei in den vergangenen Jahren nicht selten der Fall
gewesen, dass Firmen nach Auslaufen bestimmter Zuschuss-Programme oder
Bestandsgarantien Beschäftigte sofort wieder entlassen haben oder
ganz verschwinden, «zum Teil nach einer gewissen Schamfrist,
manchmal auch ohne sie».
Dieser Umstand müsse bei der derzeitigen Diskussion um die
Förderung bestimmter Wachstumskerne in den neuen Ländern
stärker berücksichtigt werden, verlangte Lucassen. Gegen eine
zielgerichtere Förderpolitik, wie sie von dem Ost-Beauftragten und
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) und auch von Sachsens
Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) ins Gespräch gebracht
wurde, hätten die Gewerkschaften grundsätzlich nichts
einzuwenden. Dazu müsse man allerdings genau überlegen, ob
die unterstützten «Leuchttürme» tatsächlich
so in den umliegenden ländlichen Raum ausstrahlten, dass sich dort
Zuliefererbetriebe ansiedeln könnten.
Zudem sollten laut Lucassen nicht die Ministerpräsidenten allein
entscheiden, welche Branchen als Zukunftsbranchen anzusehen seien und
deswegen gefördert werden müssten. «Dies ist
sorgfältig abzuwägen und darf nicht festgeschrieben werden,
ohne die Sozialpartner zu fragen», sagte der DGB-Chef. Mit Hilfe
solcher «Branchendialoge» könne dafür gesorgt
werden, dass nicht nur die Branchen bedacht werden, die schon immer
stark gefördert worden seien. Die Gewerkschafter könnten
durch ihre genauere Kenntnis der Unternehmen manchmal auch besser als
Politiker abschätzen, ob sich die staatliche Unterstützung
für ein bestimmtes Unternehmen auch wirklich lohne.
Dabei müssten auch stärker «Branchen aus der zweiten
Reihe» ins Auge gefasst werden, die durch eine Förderung
erst groß werden könnten: «So wie sich im Westen der
Airbus entwickeln konnte, sollte auch etwas Vergleichbares im Osten
entstehen.»
Eindringlich warnte Lucassen davor, staatliche Lohnzuschüsse als
Allheilmittel anzusehen. Es könne nicht sein, dass Arbeitgeber
Jobs für «Sklavenlöhne von drei Euro pro Stunde»
anböten und der Staat dann vier Euro bis zum ortsüblichen
Lohn drauflege. Dies wäre eine «Wettbewerbsverzerrung»
gegenüber den Unternehmern, die ohne staatliche Hilfe auszukommen
versuchten. Wenn der Osten durch diese Billiglöhne erst einmal vom
Westen abgekoppelt wäre, werde es nie eine Angleichung der
Lebensverhältnisse geben.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
Aufbau Ost durch Abbau West
Die Analyse einer geheimen Regierungskommission zum Aufbau Ost ist eine
Horror-Bilanz. 1,25 Billionen Euro pumpte die Regierung in den Osten -
zum Großteil ohne Wirkung. Die Ursachen für das Desaster
schuf Helmut Kohl, der als Kanzler den Niedergang Deutschlands
zusehends beschleunigte...Mehr bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,294097,00.html
Regierungsberater fordern 'Sonderwirtschaftszone Ost'
Mo.05.04.04 - Aufbau Ost sei weitgehend gescheitert. Arbeitslosigkeit erreiche die
katastrophale Größe von nahezu 20 Prozent. Abwanderung vor
allem junger Menschen habe «dramatische Überalterung»
zur Folge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404050.htm#04040512
Ost-Förderung bleibt strittig
Mi.07.04.04 - ... Regierungsberater Klaus von Dohnanyi: Aufbau Ost ist zu wenigstens zwei
Dritteln für die Wachstumsschwäche Deutschlands verantwortlich ...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404070.htm#04040714
Breite Front gegen Steuer-Dumping in erweiterter EU
So.11.04.04 - Angesichts der bevorstehenden Ost-Erweiterung der Europäischen
Union haben der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und
IG-Metall-Vize Berthold Huber Maßnahmen gegen Steuer-Dumping in
den neuen EU-Ländern verlangt. In der «Bild am
Sonntag» kritisierte auch Bundesfinanzminister Hans Eichel die
niedrigen Steuersätze in einigen osteuropäischen
Beitrittsländern.
Stoiber und Huber forderten in der gesamten EU geltende
Mindestsätze bei der Unternehmensbesteuerung. Die Kombination von
Niedrigsteuerzonen und Höchstfördergebieten in den
Beitrittsländern könne für manche deutschen
Arbeitsplätze eine tödliche Mischung sein, sagte Stoiber dem
Blatt. «Mit deutschen Steuergeldern darf nicht mehr die
Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa finanziert
werden.»
Stoiber forderte, reinem Steuer-Dumping einen Riegel vorzuschieben.
Dabei könne man etwa an eine Untergrenze von 25 Prozent bei der
Einkommensteuer denken. Auch Huber forderte eine EU-weite Untergrenze
bei der Unternehmensbesteuerung, die auch in Osteuropa gelten
müsse.
Eichel erklärte, Steuer-Dumping innerhalb der EU sei für die
Bundesregierung «nicht akzeptabel». Ein Steuersatz von Null
Prozent sei eindeutig Dumping.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser verwies in der Chemnitzer
«Freien Presse» darauf, dass die Strukturen in Deutschland
auch Vorteile gegenüber den neuen EU-Mitgliedstaaten hätten,
die einen Unterschied bei den Lohnkosten weiterhin rechtfertigten. Um
den Abstand zu Ländern wie Polen und der Slowakei nicht zu
groß werden zu lassen, müsse in Deutschland aber mit einer
Kombination aus weniger Lohn und längerer Arbeitszeit
entgegengewirkt werden. Nur so könne eine Abwanderung deutscher
Unternehmen in die künftigen EU-Mitgliedstaaten verhindert oder
zumindest verzögert werden.
In der vergangenen Woche hatte EU-Erweiterungskommissar Günter
Verheugen den Vorwurf zurückgewiesen, osteuropäische
EU-Beitrittsländer betrieben Steuer-Dumping. Man müsse
Verständnis dafür haben, dass die neuen Mitgliedsländer
das Beispiel Irland als besonders attraktiv empfinden, sagte er der
«Passauer Neuen Presse». Denn Irland habe den Anschluss an
das europäische Wohlstandsniveau nicht nur wegen europäischer
Fördermittel geschafft, sondern auch auf Grund wirtschaftlicher
Anreize für Investitionen. Die neuen Mitglieder bräuchten
Investitionen. Dass dadurch der Wettbewerb insgesamt schärfer
werde, sei unvermeidlich.
(Quelle: ap)
Streit um Reformpolitik
Kritik am Kurs der Gewerkschaften. DGB-Vize Engelen-Kefer droht den
Sozialdemokraten. Verbraucherzentralen warnen vor Massenverarmung
durch die Agenda 2010
So.11.04.04 - Die Gewerkschaften stehen im Streit um die Reformpolitik zunehmend in
der Kritik. SPD-Vize Ute Vogt kritisierte am Samstag, die
Gewerkschaften arbeiteten zu wenig an eigenen Vorschlägen.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warf den
Arbeitnehmerorganisationen ein «gefährliches Spiel
vor». Zugleich mahnte er, die Reformen müssten fortgesetzt
und verstärkt werden.
DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer beschuldigte die Bundesregierung, mit
ihren Reformen die Menschen vor den Kopf zu stoßen. Die
Verbraucherzentralen warnten vor einer Massenverarmung durch die Agenda
2010. Es gebe hierzu bereits Anzeichen, sagte die Verbandsvorsitzende
Edda Müller.
Hundt warf den Gewerkschaften im Gegenzug vor, sie machten Stimmung
gegen die nötige Modernisierung des Landes. «Ihre Blockade-
und Verweigerungshaltung stellt einen gefährlichen Bremsklotz
dar», beklagte der Präsident der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).
Hundt ergänzte, ihm mache auch die Politik Sorge. «Die
letzten Wochen lassen befürchten, dass der Reformmotor bereits
wieder abgewürgt wird», bedauerte Hundt. So verrenne sich
die Bundesregierung in eine «unsinnige Ausbildungsabgabe»,
anstatt die Probleme ernsthaft anzugehen.
SPD-Vize Vogt forderte die Gewerkschaften zur konstruktiven Mitarbeit
am Reformprozess auf. Nach den Großdemonstrationen Anfang April
müsse jetzt eine Phase kommen, «in der man wieder an die
Gestaltung rangeht». Vogt, die selbst Mitglied der
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist, kritisierte, die Gewerkschaften
hielten «viele Dinge hoch, von denen auch jeder
Gewerkschaftsfunktionär im Prinzip weiß, dass sie heute so
nicht mehr zu leisten sind.»
Vogt bezeichnete es als «schmerzlich», dass die SPD
«heftigst» kritisiert werde, obwohl sich die
Regierungsparteien viel näher an den Vorstellungen der
Gewerkschaften befänden als jede andere Partei. Sie glaube aber
nicht, dass die SPD und die Gewerkschaften «auf ewig getrennte
Wege gehen».
Engelen-Kefer drohte der SPD, 2006 auf eine Wahlempfehlung des
Gewerkschaftsbundes zu verzichten. »Es ist uns ausgesprochen
übel genommen worden, dass wir uns zu sehr an die SPD
angenährt haben«, sagte die Gewerkschafterin, die auch
Mitglied des SPD-Vorstandes ist. Engelen-Kefer betonte, die Reformen
müssten sozial ausgewogen sein. Die Demonstrationen
Hunderttausender zeigten, »dass die Politik des Sozialabbaus in
der Bevölkerung keine Mehrheit hat.«
Verbraucherschützerin Müller machte aus der täglichen
Beratungsarbeit bereits eindeutige Anzeichen dafür aus, dass es
breiten Bevölkerungsschichten durch die Reformen schlechter gehe.
Da sich das künftige Arbeitslosengeld II nur auf dem Niveau der
Sozialhilfe bewege, drohten Hunderttausende Langzeitarbeitslose zu
verarmen.
(Quelle: ddp)
Nach Merz greift auch Saar-CDU-Chef Müller CSU an
So.11.04.04 - Der Streit in der Union um das Verhältnis der beiden
Schwesterparteien spitzt sich zu: Nach Unionsfraktionsvize Friedrich
Merz äußerte auch der saarländische CDU-Chef Peter
Müller Kritik an der CSU. Zwar könne diese ihre Position
selbst bestimmen, aber es werde ärgerlich, «wenn unsere
bayerische Schwesterpartei völlig zu Unrecht den
Alleinvertretungsanspruch in Fragen der sozialen Gerechtigkeit
erhebt», sagte Müller der «Bild am Sonntag».
«Die CSU ist nicht die einzige Schutzmacht des kleinen
Mannes», sagte Müller weiter. Trotz der Misstöne werde
es den großen Knall in der Union nicht geben, betonte der
saarländische Ministerpräsident. «Richtig ist
allerdings, dass CDU und CSU in einzelnen Fragen unterschiedliche
Positionen vertreten. Bei der Reform der Sozialsysteme und in der
Steuerpolitik ist die CSU viel zögerlicher», sagte
Müller der Zeitung zufolge.
CDU/CSU-Fraktionsvize Friedrich Merz hatte bereits zuvor die
Fraktionsgemeinschaft mit der CSU in Frage gestellt. «Wir haben
ein echtes Strukturproblem mit diesen beiden Parteien und der
ungelösten Machtfrage an der Spitze», sagte Merz in einem
Interview des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Die
Organisation von CDU und CSU in einer Bundestagsfraktion stoße
derzeit «an ihre Grenze». Wie Müller kritisierte auch
Merz die bayerische Schwesterpartei als Reformbremse auf Bundesebene.
Die harsche Kritik von Merz und Müller stieß innerhalb der
Union jedoch abermals auf scharfe Kritik. Der stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der «Welt am
Sonntag», er habe keinerlei Verständnis für Merz und
Müller und könne sich keinen Reim darauf machen, warum sie
die CSU derart massiv kritisierten.
«Merz hat uns ein echtes Ei ins Osternest gelegt», sagte
Bosbach. Als «alter Hase» sollte Merz wissen, dass die
Unionsparteien sich nicht gegeneinander profilieren sollten. «Ich
schlage vor, dass wir uns mehr mit Rot-Grün
beschäftigen». Zuvor hatte bereits der Chef der bayerischen
Staatskanzlei, Erwin Huber, Merz vorgeworfen, ein Imageproblem zu haben.
(Quelle: ap)
hans rudolf zeller
tesa-arbeiten + klammerausdrücke
aus den 60-er jahren
freitag 5. märz bis freitag 30. april 2004
b.o.a. - gabelsbergerstrasse 17 - 80333 münchen
öffnung nach vereinbarung: tel.+ fax 089-39 43 66
|
Hans Rudolf Zeller - Autor, Komponist, Bildender Künstler...
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/hrz07.htm#vita