Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Mehr als 600 Iraker in Falludscha getötet. Schiitenführer
Sadr ruft Iraker zu Unterstützung seiner Miliz auf. Irakisches
Bataillon verweigert Kampf in Falludscha. Britischer
Verteidigungsminister Hoon bekräftigt harten Kurs gegen
Aufständische in Irak. Waffenruhe in Falludscha weitgehend
eingehalten. Schiitische Feier in Kerbela ohne Zwischenfälle
beendet. Sieben Chinesen im Irak entführt. Schicksal japanischer
Geiseln weiter ungewiss. Entführer kündigen Freilassung von
acht Geiseln in Irak an. US-Streitkräfte in Irak melden Tod von
zwölf Soldaten - Damit ist die Zahl der seit Kriegsbeginn
getöteten Amerikaner auf mindestens 661 gestiegen.
Bush räumt Schwierigkeiten in Irak ein und betet
Mo.12.04.04 - Bei den Kämpfen um Falludscha sind nach Angaben des Leiters des
städtischen Krankenhauses in der vergangenen Woche mehr als 600
Iraker getötet worden. Dies gehe aus den gesammelten Statistiken
der vier größten Klinken hervor, erklärte Rafie el
Issaui. Zudem gebe es Berichte, dass viele Tote von den
Angehörigen beigesetzt worden seien, ohne dass dies den Kliniken
mitgeteilt worden sei. Die Leichen würden auf zwei
Fußballplätzen beigesetzt. Der eine, auf dem es dichte
Reihen von Gräbern gebe, werde inzwischen Friedhof der
Märtyrer genannt. Ein freiwilliger Helfer vom Friedhof der
Märtyrer, Chalaf el Dschumaili, sagte, dort seien mehr als 300
Menschen beigesetzt worden. Wie viele es auf dem anderen
Fußballplatz seien, wisse er nicht.
Der radikale Schiitenführer Moktada Sadr hat unterdessen die
Iraker aufgerufen, sich hinter seiner bewaffneten Miliz, der
"Mehdi-Armee", zu sammeln. Die Armee kämpfe für die Rechte
unterdrückter Menschen und für heilige Institutionen und
werde das Land von der Besatzung befreien, erklärte Sadr in einer
an ein Schwarzes Brett gehefteten Botschaft am Schrein des Imam Hussein
in Kerbela. "Meine Brüder, vereint euch und unterstützt euch
gegenseitig, und lasst uns die Befreiung beginnen", hieß es in
der Nachricht. Die "Armee Mehdis" sei die "Armee des Volkes" und er sei
"nur ein Mitglied des irakischen Volkes", fügte Sadr hinzu.
Ein 620 Mann starkes Bataillon der neu geschaffenen irakischen Armee
hat einen Einsatz in der umkämpften Widerstandshochburg Falludscha
verweigert. Angehörige des 2. Bataillons der irakischen Armee
hätten dies damit begründet, dass sie nicht zum Militär
gegangen seien, "um gegen Iraker zu kämpfen", sagte der in Bagdad
stationierte US-Generalmajor Paul Eaton der US-Tageszeitung "Washington
Post" (Sonntagausgabe). Der irakische Konvoi habe deshalb am
vergangenen Montag auf dem Weg nach Falludscha kehrtgemacht und sei zum
Stützpunkt der Einheit in Tadschi, nördlich von Bagdad,
zurückgekehrt.
In der seit fast einer Woche von US-Truppen belagerten Stadt Falludscha
ist am Sonntag eine vereinbarte Waffenruhe weitgehend eingehalten
worden. Bei einem Feuergefecht verletzte ein Heckenschütze zwei
Marineinfanteristen, die US-Truppen erwiderten das Feuer und
töteten einen Rebellen. Im Westen von Bagdad kam es hingegen zu
heftigen Gefechten. Ein US-Hubschrauber wurde abgeschossen, die beiden
Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
In Falludscha blieb es bis auf den einen Zwischenfall weitgehend ruhig.
Mitglieder des irakischen Regierungsrats verhandelten weiter über
eine Herausgabe der Iraker, die am 31. März in Falludscha vier
US-Zivilisten töteten und verstümmelten. Die US-Truppen
verstärkten aber ihren Belagerungsring. Hunderte Soldaten bezogen
um die Stadt Stellung. Dort sind schon 1.200 Marineinfanteristen und
900 irakische Sicherheitskräfte im Einsatz. Während der
Feuerpause verteilten die US-Truppen Lebensmittel an die
Bevölkerung. Rund ein Drittel der ehemals 200.000 Einwohner sind
am Freitag und Samstag aus der Stadt geflohen. Die US-Soldaten
ließen aber keine Männer im wehrfähigen Alter aus
Falludscha heraus.
Ein Rebellenkommandeur in Falludscha sagte dem Fernsehsender El
Dschasira, seine Kämpfer wollten die Waffenruhe einhalten. Falls
der Feind sich nicht daran halten wolle, würden seine Männer
jedoch reagieren. Insgesamt kamen in der vergangenen Woche in Irak 47
amerikanische Soldaten und mehr als 550 Iraker ums Leben.
Im Westen von Bagdad beim Vorort Abu Ghraib waren am Sonntag nach dem
Abschuss des Apache-Kampfhubschraubers US-Panzer im Einsatz.
US-Soldaten riegelten das Gebiet ab und sperrten die Autobahn, die eine
der wichtigsten Versorgungsrouten nach Bagdad ist. Weitere
Kampfhubschrauber kreisten in der Luft. In dem Gebiet war es in den
vergangenen Tagen zu zahlreichen Angriffen auf Nachschubkonvois
gekommen, Tanklaster wurden in Brand geschossen. Dort hatten
Aufständische am Freitag einen US-Soldaten getötet und einen
amerikanischen Zivilisten verschleppt. Sie drohten, den Mann zu
töten, wenn die US-Truppen nicht bis Sonntagmorgen aus Falludscha
abziehen sollten. Die Frist verstrich ohne Informationen über den
Entführten.
Im arabischen Fernsehen gezeigte Aufnahmen zeigten zwei tote westliche
Staatsbürger. Um wen es sich handelte, war nicht klar. Es
könnte sich um zwei US-Bürger handeln, die am Freitag auf der
Straße in Abu Ghraib verschleppt worden waren.
Ohne größere Zwischenfälle ist das traditionelle
Arbain-Fest der Schiiten im irakischen Kerbela am Sonntag zu Ende
gegangen.
Nach den Selbstmord-Bombenanschlägen bei religiösen
Feierlichkeiten in Bagdad und Kerbela zum Auftakt der Pilgersaison mit
171 Toten im März waren vor dem Abschlussfest vielfach die Sorge
vor neuer Gewalt in Kerbela laut geworden.
In den Tagen vor dem Fest hatte es zudem in Kerbela wiederholt Gefechte
zwischen Anhängern des radikalen Geistlichen Moktada el Sadr und
polnischen und bulgarischen Soldaten der US-geführten
Koalitionstruppen gegeben. Nach Angaben der Behörden von Kerbela
starben dabei mindestens 69 Personen, über 100 seien verletzt
worden. Die Aufständischen hatten erklärt, während der
Festlichkeit die Waffen in Kerbela ruhen zu lassen.
In zahlreichen Autos und Bussen begannen die Pilger am Nachmittag die
Rückfahrt in ihre Heimatorte im Irak und im Iran. Die Zahl der
Teilnehmer des Arbain-Festes zur Erinnerung an den Märtyrertod des
von den Schiiten verehrten Imams Hussein, des Enkels des Propheten
Mohammed, lag deutlich unter der zunächst erwarteten Zahl von rund
vier Millionen.
Für die Sicherheit während der Feiertage in Kerbela hatten
hunderte schiitische Milizionäre gesorgt, irakische Polizisten
waren nicht zu sehen. Kerbela wird kontrolliert von einer Miliz des
schiitischen Predigers Muktada el Sadr.
Unter der früheren Regierung Präsident Saddam Husseins wurden
die Schiiten in ihrer freien Religionsausübung von den
sunnitischen Machthabern unterdrückt. Wer an den religiösen
Feierlichkeiten in den Heiligen Stätten Kerbelas teilnahm, musste
damals noch mit Folter oder sogar mit dem Tod rechnen.
Kaum Rückhalt fanden die radikalen Kämpfer der so genannten
Mehdi-Armee Sadrs bei den Pilgern. "Geht weg von hier, wir haben Frauen
und Kinder. Wenn ihr kämpfen wollt, dann kämpft in euren
Vierteln, aber nicht in unserer Stadt", rief ein Bewohner den rund 150
Sadr-Anhängern zu, die am Rande des Pilger-Fests in Kerbela gegen
die Koalitionsstreitkräfte demonstrierten.
US-Kommandeure deuteten an, sie wollten nach dem Ende des Arbain-Festes
gegen El Sadr vorgehen.
Auch der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon bekräftigte am
Sonntag, die Koalitionstruppen müssten den Aufstand in Irak
niederschlagen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Die
Niederwerfung der Rebellen sei für die Zukunft Iraks entscheidend,
sagte Hoon. Großbritannien und die USA würden sich auch von
den jüngsten Entführungen ausländischer Zivilpersonen in
Irak nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. Hoon bekräftige auch
das Festhalten an der geplanten Machtübergabe an eine irakische
Übergangsregierung zum 30. Juni.
Unterdessen gibt es kein Ende der Geiselnahmen im Irak: In Falludscha
sind sieben Chinesen entführt worden. Nach Angaben der amtlichen
chinesischen Medien waren die 18 bis 49 Jahre alten Männer am
Morgen mit dem Auto aus Jordanien in den Irak eingereist.
US-Vize-Präsident Dick Cheney und der japanische
Ministerpräsident Junichiro Koizumi sind in Tokio zu
Gesprächen zusammengekommen. Im Mittelpunkt dürfte die Lage
im Irak und dabei insbesondere das Geiseldrama um drei dort
festgehaltene Japaner stehen.
Deren Schicksal bleibt entgegen früheren Meldungen weiter
ungewiss. Ihre Freilassung war für Sonntag erwartet worden. Ein
Regierungssprecher am (heutigen) Montag in Tokio, frühere
Einschätzungen, dass die Entführten in Sicherheit seien,
seien «nun unbestätigt». Die japanische
Nachrichtenagentur Kyodo hatte zuvor unter Berufung auf eine Person,
die mit den Verhandlungen über die Freilassung der Japaner befasst
ist, berichtet, die drei Geiseln seien unversehrt und befänden
sich in der Nähe der Stadt Falludscha.
Aufständische in Irak haben nach einem Bericht des arabischen
Fernsehsenders El Dschasira am Sonntag die Freilassung von acht als
Geiseln genommenen Ausländern angekündigt. Den Angaben
zufolge handelt es sich um drei Pakistaner, zwei Türken und
jeweils eine Person aus Nepal, Indien und den Philippinen.
Auf einem Video waren die müde wirkenden Geiseln in einem Raum
zusammen mit den Kidnappern zu sehen. Einer der Entführer verlas
eine Erklärung, in der er den acht vorwarf, sie hätten als
Lkw-Fahrer für die Besatzungstruppen gearbeitet. Man habe sich auf
Bitten des Komitees Islamischer Geistlicher zu der Freilassung aller
ziviler Gefangener entschlossen, erklärte der Mann. Außerdem
hätten sich die Geiseln verpflichtet, nicht mehr für die
Besatzer zu arbeiten. Es wurden keine Angaben darüber gemacht, wo
und von wem die acht verschleppt wurden.
Ebenfalls am Sonntag wurde ein in Irak verschleppter Brite von seinen
Entführern freigelassen. Das teilte das britische
Außenministerium in London mit. Der 37-jährige Gary Teeley
befinde sich wohlbehalten in der Obhut der Koalitionstruppen. Über
die näheren Umstände seiner Freilassung wurden keine Angaben
gemacht. Teeley war am 5. April in Nassirijah im Süden Iraks von
irakischen Milizionären entführt worden. Er ist bei einer
Firma aus Katar auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in
Nassirijah beschäftigt. Der arabische Fernsehsender El Dschasira
meldete, die Freilassung Teeleys sei von örtlichen
Stammesführern erreicht worden.
Bei einer Serie von Angriffen in Irak sind am Freitag und Samstag
insgesamt zwölf US-Soldaten getötet worden. Diese Zahl
nannten die amerikanischen Streitkräfte am Sonntagabend in Bagdad.
Damit ist die Zahl der getöteten Amerikaner seit Kriegsbeginn im
März 2003 auf mindestens 661 gestiegen. Allein seit dem 4. April,
dem Beginn des jüngsten Aufstands schiitischer Milizen im
Süden und radikaler Sunniten in der Stadt Falludscha, starben 69
US-Soldaten.
In einer am Abend verbreiteten Mitteilung hieß es, vier der
Soldaten seien am Freitag bei zwei Angriffen in Bagdad ums Leben
gekommen. Drei Soldaten seien bei einem Überfall in der Stadt
Baidschi, 200 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, getötet und
zwei verletzt worden. Ein achter Soldat wurde der Mitteilung zufolge am
Samstag in der Provinz Anbar getötet. Vier weitere Tote habe es in
der Region Tikrit gegeben.
US-Präsident George W. Bush hat derweil zunehmende Schwierigkeiten
der US-Armee in Irak eingeräumt. "Letzte Woche war eine harte
Woche", sagte Bush bei einem Besuch des Militärstützpunktes
Fort Hood in Texas.
"Unsere Truppen sind hart. Unsere Truppen kümmern sich um die
Sache", versicherte Bush. Jeden Tag bete er für einen
Rückgang der Opferzahlen, aber was die USA in Irak täten, sei
"richtig".
(Quellen: ap, afp, rtr, dpa)
Ostermärsche und -aktionen 2004
http://www.ostermarsch.info/
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
http://www.friedensweg.de/
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Vierundzwanzigster Kriegstag in Irak
Sa.12.04.03 - Öffentliche Ordnung in Irak bricht zusammen +++ IKRK ruft Alliierte
zur Wiederherstellung der Ordnung in Irak auf +++ Plünderer machen sich über
archäologisches Museum in Bagdad her +++ Rumsfeld äußert Verständnis
fär chaotische Zustände im Irak +++ Irakischer Oppositionsführer für starke
Rolle der UN in Irak +++ Alliierte kontrollieren Iraks Ölfelder +++ Nur Tikrit noch nicht
in alliierter Hand +++ USA: 107 US-Soldaten in Irak-Krieg getötet +++ Bush: Irak-Krieg
noch nicht vorbei - Saddam aber entmachtet +++ Falken in US-Administration planen offenbar
schon neue Kriege in Golfregion ... die Friedensbewegung wird noch gebraucht +++ Laut el
Baradei im Irak kein Beweise für Massenvernichtungswaffen +++ Irakische Oppositionelle
reagierten irritiert, als US-Präsident George W. Bush bei seinem letzten Ultimatum an Saddam
Hussein Tagen das Wort "Demokratie" überhaupt nicht in den Mund nahm +++
Putin, Schröder und Chirac wollen 'zentrale Rolle' für UN +++ Russland warnt die
USA, auch in anderen Ländern Regimewechsel militärisch herbeizuführen +++
G-7-Minister und -Notenbankchefs beraten über Wiederaufbau in Irak +++ EU-Kommission
drängt Außenminister zu gemeinsamer Irak-Position +++ Zentrales Streitthema für
die EU dürfte nun werden, welche Rolle die UNO wirklich wahrnehmen soll und wie
sehr die EU ihr Engagement im Irak nach Kriegsende davon abhängig machen soll +++
Bundesbankpräsident Welteke: Ende des Irak-Kriegs entlastet Weltwirtschaft +++
US-Veteranen wollen deutsche Firmen verklagen, weil sie in den 80-er Jahren beim Aufbau
des irakischen Chemiewaffenprogramms geholfen haben sollen. Sie trügen die
Mitschuld am so genannten Golfkriegssyndrom...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304120.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Seit Kriegsbeginn sind im Irak 645 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der Verwundeten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie
nicht. Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur. (taz vom 08.04.04)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Weiter Unruhen im Norden Afghanistans
Hekmatjar fordert Aufstand gegen die US-geführten Truppen im Land
Mo.12.04.04 - Die Unruhen im Norden Afghanistans halten an. Ein UN-Sprecher
erklärte am Sonntag, während einer Demonstration in der
Provinzhauptstadt Maymana sei es zu gewaltsamen Ausschreitungen
gekommen. Dabei sei am Donnerstag ein Mensch ums Leben gekommen. Vier
weitere Menschen seien am Samstag bei Zusammenstößen
zwischen Anhängern und Gegnern des nordafghanischen Kommandeurs
Raschid Dostum verletzt worden. Kämpfer Dostums hatten Maymana in
der vergangenen Woche vorübergehend erobert.
Vertraute Dostums sprachen von zwei Todesopfern während der
Demonstration. Sie warfen britischen Soldaten vor, in die Menge
geschossen zu haben. Die britischen Truppen wiesen die Anschuldigungen
zurück. Die Soldaten hatten dem Gouverneur der Provinz Farjab zur
Flucht verholfen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai
kündigte an, den Gouverneur wieder einzusetzen. Die
Zentralregierung beorderte 750 Soldaten und 300 Polizisten nach Farjab,
um die Ordnung in der Provinz wiederherzustellen. UN-Sprecher Manoel de
Almeida e Silva beschrieb die Lage am Sonntag insgesamt als ruhig.
Mit Blick auf die heftigen Kämpfe in Irak hat der afghanische
Rebellenführer Gulbuddin Hekmatjar die Afghanen zum Aufstand gegen
die von den USA geführten Truppen aufgerufen. In einer
Erklärung, die der Nachrichtenagentur AP am Sonntag zuging, ruft
Hekmatjar die Afghanen dazu auf, zu versuchen noch «vor den
Irakern die Souveränität» zu erlangen. Die Lage in
Afghanistan zeige, dass die Zeit für einen Volksaufstand bald
gekommen sei. Wann diese Erklärung entstand, ist nicht klar. Die
war unterzeichnet mit «Hekmatjar, Afghanistan».
Der frühere afghanische Ministerpräsident und Führer der
Rebellenorganisation Hesb-i-Islami, die in den 80er Jahren gegen die
sowjetischen Truppen kämpfte, gehört inzwischen zu den von
den USA meistgesuchten Männern.
(Quelle: ap)
Konferenz zu Guantanamo-Häftlingen
endet mit Appell an die USA
Mo.12.04.04 - Anwälte und Familienangehörige von Guantanamo-Häftlingen
haben die Inhaftierung von Terrorverdächtigen durch die USA auf
dem Stützpunkt auf Kuba als beispiellosen Menschenrechtsskandal
kritisiert. Zum Abschluss einer von Amnesty International organisierten
Konferenz in Sanaa in Jemen riefen die Teilnehmer die USA am Sonntag
auf, die Gefangenen entweder sofort freizulassen oder ihnen einen
fairen Prozess zu gewähren.
In dem Appell von Sanaa heißt es, dass die USA den
Häftlingen jeden Zugang zum Rechtssystem und ihnen selbst die
grundlegendsten Menschenrechte verweigerten, sei ein beispielloser
Menschenrechtsskandal. Eine solche Politik fördere eine Welt, in
der willkürliche Verhaftungen akzeptiert würden. Die Staaten
am Persischen Golf wurden aufgerufen, sich um die Rechte ihrer
inhaftierten Staatsbürger zu kümmern.
An der Konferenz nahmen Anwälte aus den USA, Europa, Australien
und den Golfstaaten und die Familien von inhaftierten Jemeniten teil.
109 der 595 in Guantanamo Inhaftierten sind Jemeniten.
(Quelle: ap)
US-Untersuchungskommissar: 11. September war zu verhindern
Mo.12.04.04 - Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington
hätten nach Meinung eines Mitglieds der damit befassten
unabhängigen US-Untersuchungskommission verhindert werden
können. Dazu hätten die zuständigen
Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienstbeamten vorhandene
Ermittlungsansätze im Vorfeld der Anschläge vernetzen
müssen, die auf in den USA befindliche Terroristen hingewiesen
hätten, schrieb der frühere demokratische Senator für
den Bundesstaat Nebraska, Bob Kerrey, in einem Beitrag für die
"New York Times" (Sonntagausgabe). So habe die nationale
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice es im Juli 2001 versäumt,
nach einem konkreten Hinweis ihres damaligen Anti-Terror-Beraters
Richard Clarke die Vernetzung der US-Bundesbehörden voranzutreiben.
(Quelle: afp)
Mehr zum Thema bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,294942,00.html
Nahost-Konflikt
Israelische Armee rückt in Dschenin und Tulkarem ein. Scharon will
sich zu Rückzug aus Gaza verpflichten
Mo.12.04.04 - Die israelische Armee ist in der Nacht zum Montag in die
palästinensischen Städte Dschenin und Tulkarem im Norden des
Westjordanlands eingerückt. Wie palästinensische
Sicherheitskräfte mitteilten, drang eine Kolonne aus 30
Fahrzeugen, darunter Panzer, in Dschenin ein. Daraufhin sei es zu einem
Schusswechsel zwischen Soldaten und Palästinensern gekommen.
Angaben über mögliche Opfer wurden zunächst nicht
gemacht. In Tulkarem rückte die Armee den Angaben zufolge mit zehn
Fahrzeugen ein. Die Soldaten nahmen mehrere palästinensische
Polizisten fest.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will sich nach
Angaben eines Vertrauten in der kommenden Woche in einem Brief an
US-Präsident George W. Bush zu einem Rückzug aus dem
Gazastreifen verpflichten.
Bei einem Treffen mit Bush im Weißen Haus am Mittwoch wolle
Scharon die Grundsätze seines Teilungsplans vorstellen, der einen
Rückzug aus dem Gazastreifen mit der Räumung von 21
jüdischen Siedlungen dort sowie die Räumung von vier
Siedlungen im Norden des Westjordanlandes vorsehe, sagte der
Scharon-Vertraute, der anonym bleiben wollte, am Sonntag in Jerusalem.
Der Mitarbeiter Scharons gab an, das Dokument enthalte allerdings
keinen Zeitplan für den Rückzug. Auch die israelische
Sperranlage im Westjordanland werde in dem Brief nicht erwähnt.
Bush werde Scharon seinerseits ein Dokument unterbreiten, in dem er
Israel unter anderem die Unterstützung der USA in
Sicherheitsfragen sowie das Festhalten am Friedensplan des
Nahost-Quartetts zusichere.
Die Mitglieder der israelischen Likud-Partei sollen am 29. April
über den Rückzugsplan von Ministerpräsident Ariel
Scharon aus dem Gazastreifen abstimmen. Das gab ein Parteisprecher am
Sonntag bekannt. Sollte die Mehrheit der 200.000 Likud-Mitglieder dem
Plan zur Räumung von 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen
sowie die Räumung von vier Siedlungen im Norden des
Westjordanlandes zustimmen, will Scharon ihn am 2. Mai seinem
Regierungskabinett und einen Tag später dem Parlament zur
Abstimmung vorlegen.
Israelische Soldaten erschossen bei Nablus im Westjordanland einen
Palästinenser.
Nach palästinensischen Krankenhausangaben übergab die
israelische Armee den Toten palästinensischen Medizinern. Der
israelische Rundfunk berichtete unter Berufung auf das Militär,
der Mann sei getötet worden, als das Militär auf der Suche
nach Aktivisten der Fatah-Organisation von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat ein Haus gestürmt
habe. Zwei bewaffnete Aktivisten seien festgenommen worden.
(Quelle: afp)
Nach Rückzug Israels aus dem Gazastreifen sollen alle
palästinensischen Organisationen an der Verwaltung beteiligt werden
Am 29. April wird die israelische Regierungspartei Likud über den
Plan ihres Ministerpräsidenten Ariel Scharon zum Rückzug aus
dem Gazastreifen abstimmen. Die Palästinenser bereiten sich
unterdessen auf die Verwaltung des seit 1967 besetzten Gebiets vor. Ein
"Nationaler Plan" soll den Rahmen für die Zusammenarbeit der
derzeitigen Autonomiebehörde unter Jassir Arafat und den
Oppositionsgruppen definieren. Der palästinensische Präsident
stellt aber Bedingungen. "Die Beteiligung der Hamas an der Verwaltung
des Gazastreifens nach einem israelischen Rückzug oder jede andere
Form der Zusammenarbeit hängt völlig von der Entscheidung der
Hamas-Führung ab, Selbstmordanschläge komplett zu stoppen",
so Arafat am Karfreitag gegenüber einer Delegation israelischer
Friedenskräfte in Ramallah.
Der Mitte letzter Woche veröffentlichte Entwurf des Nationalplans
betont "das Recht zur Gewalt gegen die (israelische) Besatzung und die
Siedlungen (in den besetzten Gebieten), während ein Angriff auf
die Zivilisten beider Seiten vermieden werden soll". Im Klartext: Die
Selbstmordanschläge innerhalb Israels, für die meist die
Hamas verantwortlich zeichnete, werden ein Ende haben. Das Papier ist
das Ergebnis von Gesprächen aller Organisationen, die unter
ägyptischer Vermittlung bereits vor zwei Jahren begannen. Aber
noch ist der Plan nicht verabschiedet und damit nicht bindend...
Mehr bei telepolis (12.04.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/17172/1.html
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Tausende demonstrieren für mehr Demokratie in Hongkong
Mo.12.04.04 - Für volle Demokratie und gegen politische Einflussnahme aus Peking
sind am Sonntag in Hongkong tausende Menschen auf die Straße
gegangen. Sie riefen Verwaltungschef Tung Chee Hwa zum Rücktritt
auf und forderten eine Ausweitung der Wahlbefugnisse der Hongkonger
Bürger, um künftig die politische Führung der
Sonderverwaltungszone direkt zu bestimmen.
Rund 15.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren an
dem Protest. Die Demonstration richtete sich auch gegen eine
Entscheidung des Nationalen Volkskongresses in Peking vom Dienstag,
dass künftig alle Reformpläne vorab der chinesischen
Regierung vorgelegt und von ihr abgesegnet werden müssen.
Die 1997 anlässlich der Rückgabe Hongkongs von
Großbritannien an China verabschiedete Verfassung garantiert dem
Territorium einen Sonderstatus. Laut dem Gesetz müssen Reformen
von der Hongkonger Verwaltung und von China gebilligt werden, eine
Vorlage vorab in Peking ist jedoch nicht vorgesehen. Die Verfassung
sieht zudem die Errichtung eines demokratischen Systems vor, einen
Zeitplan dafür gibt es aber nicht.
(Quelle: ap)
Massengrab mit NS-Opfern in Ukraine entdeckt
Mo.12.04.04 - In der Ukraine ist ein Massengrab mit den Überresten tausender
Menschen gefunden worden, die wahrscheinlich von deutschen Besatzern im
Zweiten Weltkrieg umgebracht worden waren. Etwa zweitausend Leichen
seien in einer Schlucht nahe Bachtschissarai auf der Halbinsel Krim
verscharrt worden, sagte Wassil Ribka von der
regierungsunabhängigen Gruppe "Poisk" (deutsch: "Suche").
Bei den Toten handle es sich wahrscheinlich nicht um Soldaten, sondern
um "alte Menschen und Kinder, denen in den Hinterkopf geschossen
wurde". Die Opfer hätten sich vermutlich nackt am Rande der
Schlucht aufstellen müssen und seien dort erschossen worden. Es
seien keine Ausweispapiere gefunden worden.
"Es ist das erste Mal, das wir eine derartige Gräueltat aufgedeckt
haben", sagte Ribka, dessen Gruppe sich die Suche nach anonym
verscharrten Opfern der deutschen Besatzung in der Ukraine zur Aufgabe
gemacht hat. Nach seinen Angaben wurden bislang 50 Opfer exhumiert,
unter ihnen seien zehn Kinder. Bis Ende des Sommers sollten alle
Leichen geborgen sein. "Leider haben wir keine Möglichkeit, sie zu
identifizieren", sagte Ribka.
Der Vizeministerpräsident der Krim, Hennadi Babenko, sagte, bei
den Opfern handle es sich wahrscheinlich um Zivilisten, "unter ihnen
Mitglieder kommunistischer Familien, sowjetische Beamte, vielleicht
auch Sinti und Roma, Krimtartaren und Kriegsgefangene". Die Halbinsel
Krim im Schwarzen Meer wurde 1941 von der Wehrmacht besetzt. 1944 zogen
die deutschen Soldaten unter dem Druck der vorrückenden Roten
Armee wieder ab.
(Quelle: afp)
Gedenkstunde in Buchenwald - Ehemalige KZ-Häftlinge verurteilen Neonazismus
Mo.12.04.04 - Mit Kranzniederlegungen ist am Sonntag der Befreiung des
Konzentrationslagers Buchenwald vor 59 Jahren gedacht worden. Rund 300
Personen nahmen an den Feierlichkeiten teil, wie die Polizei mitteilte.
Der ehemalige Häftling Walter Sonntag wurde als «Gerechter
unter den Völkern» geehrt.
Ehemalige Häftlinge haben am Sonntag gegen zunehmende
Aktivitäten von Neonazis in Weimar protestiert. In einer
gemeinsamen Erklärung verurteilten der Beirat ehemaliger
Häftlinge und das Internationale Komitee Buchenwald-Dora, dass
«Rechtsradikale für 2004 über 20 Demonstrationen in
Weimar angekündigt haben und Stadtführungen anbieten, in
denen der Nationalsozialismus verherrlicht wird».
In der Erklärung wird aber auch das Engagement der Bürger und
das breite Bündnis für Demokratie und gegen Fremdenhass und
Rechtsradikalismus begrüßt. An den Veranstaltungen zum
Jahrestag der Befreiung nahmen mehr als 1.000 Menschen teil, darunter
ehemalige Häftlinge aus Estland, Frankreich, Israel, Kanada,
Polen, Rumänien, Russland, Tschechien, Ungarn, der Ukraine und
Deutschland. Im KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar starben
zwischen 1938 bis 1945 mehr als 56.000 Häftlinge.
Eine besondere Ehrung wurde dem ehemaligen Häftling Walter Sonntag
postum zuteil, der von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad
Vashem als «Gerechter unter den Völkern»
gewürdigt wurde. Walter Sonntag (1902-1968) war als Kommunist 1933
verhaftet und 1938 in das KZ Buchenwald eingeliefert worden, wo er als
Blockältester Juden seines Blockes half. Als im April 1945 das
Lager geräumt werden sollte, verriet er der SS die Juden in seinem
Block nicht, obwohl er mit vorgehaltener Pistole bedroht wurde. Einer
der Juden, die er damals vor dem sicheren Tode bewahrte, ist der heute
82-jährige John Ranz, Professor für Europäische
Geschichte in den USA, der das mutige Handeln von Sonntag bezeugte.
Als «Gerechter unter den Völkern» wird in Yad Vashem
mit der Pflanzung eines Baumes geehrt, wer Juden unter Lebensgefahr
rettete. Diese Ehrung wurde bisher 400 Deutschen zuteil.
(Quellen: ddp, ap)
KZ Buchenwald - Eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden
http://www.shoa.de/kz_buchenwald.html
Mehrere tausend Ostermarschierer
Allein 8000 Menschen bei Osterwanderung gegen «Bombodrom» im Nordwesten
Brandenburgs
Mo.12.04.04 - An den traditionellen Ostermärschen der Friedensbewegung haben
sich am Sonntag mehrere tausend Menschen beteiligt. Allein in
Brandenburg protestierten nach Angaben der Polizei in Potsdam rund
8.000 Demonstranten gegen die erneute Nutzung des Bombenabwurfplatzes
Wittstocker Heide durch die Bundeswehr. Die Demonstranten zogen von
Fretzdorf bis an die Grenze des Truppenübungsplatzes. Viele trugen
Plakate sowie Luftballons mit der Aufschrift «Der Friede braucht
kein Bombodrom». Dutzende Tauben flogen als Zeichen einer zivilen
Nutzung des Areals in die Luft.
Unter den Demonstranten befanden sich Brandenburgs
Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Berlins
Wirtschaftssenator Harald Wolf, der Umweltminister von
Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling (beide PDS) sowie der
Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei (Grüne). Initiatoren des
Marsches unter dem Motto «Frieden kommt nicht mit Gewalt»
waren die Bürgerinitiativen «Freie Heide, »Freier
Himmel« und »Pro Heide« sowie der evangelische
Kirchenkreis Wittstock-Ruppin.
Platzeck kündigte an, er werde sich in den nächsten Tagen mit
den Bürgerinitiativen über das weitere Vorgehen abstimmen.
Brandenburg werde rechtliche Schritte gegen das «Bombodrom»
in Erwägung ziehen. Besser wäre es jedoch, die ganze Kraft in
eine politische Lösung zu investieren. Der Brandenburger
Regierungschef betonte, die bisherige Nutzung des Platzes sei eine
«Geschichte des Unrechts» gewesen, die nicht fortgesetzt
werden dürfe.
Seit Karfreitag gab es Ostermarsch-Aktionen in über 50 deutschen
Städten. Die Beteiligung entsprach den Erwartungen der
Veranstalter, wie das Ostermarschbüro in Frankfurt mitteilte.
Am Montag sollten zum Abschluss noch einmal größere
Ostermärsche folgen, unter anderem in Berlin, Dortmund, Hamburg,
Kassel, Frankfurt sowie Müllheim, Penzberg, Nürnberg und Ulm.
Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach einem Ende der Besatzung
in Irak, einem baldigen Frieden dort und nach freien Wahlen zu
demokratisch legitimierten Selbstverwaltungsorganen unter Aufsicht der
Vereinten Nationen.
Auch in der Colbitz-Letzinger Heide forderten die Friedensinitiativen,
dass die Heide durch ökologische und sinnvolle Arbeitsplätze
friedlich und zivil umgestaltet wird.
Im Ruhrgebiet machten die Ostermarschierer auf ihrem Weg von Esen nach
Bochum am Sonntag unter dem Motto «Ja zu einem sozialen Europa -
Nein zur EU-Militärverfassung» Zwischenstation in
Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne und hielten dort Kundgebungen ab.
In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald in Thüringen gedachten die
Demonstranten der Opfer des Nazi-Regimes und erinnerten an den Schwur
von Buchenwald aus dem Jahr 1945: «...der Aufbau einer neuen Welt
des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel».
Bereits seit Karfreitag hatten nach Angaben der Veranstalter mehrere
tausend Kriegsgegner vor einer Militarisierung Europas gewarnt, die
sich im Entwurf einer Europäischen Verfassung ausdrücke, und
stattdessen mehr soziale Gerechtigkeit gefordert. Am Beispiel Iraks, wo
sich die Warnungen der Friedensbewegung als zutreffend herausgestellt
hätten, zeige sich einmal mehr, dass sich mit militärischer
Gewalt weder Frieden noch Demokratie oder soziale Gerechtigkeit
durchsetzen ließen.
(Quellen: ap, ddp)
Ostermärsche und -aktionen 2004
http://www.ostermarsch.info/
http://www.friedenskooperative.de/
http://www.jungewelt.de/2004/04-07/014.php
http://www.friedensweg.de/
Sozialer Protest und Ostermarsch gehören zusammen!
"Die Völker Europas stehen heute an einem Wendepunkt ihrer
Geschichte, denn die Errungenschaften aus mehreren Jahrhunderten
sozialer Auseinandersetzungen (...) sind unmittelbar bedroht".
Pierre Bourdieu
Zuerst die gute Nachricht: Am ersten Jahrestag der Irak-Invasion - 20.
März - kam es in vielen europäischen Hauptstädten zu
großen Friedendemonstrationen. Kaum verwunderlich, dass die
Mobilisierung in Staaten der "Koalition der Willigen" (Rumsfelds "neues
Europa") besonders eindrucksvoll war. Die gewaltigste europäische
Demonstration für den Frieden fand in Rom statt, wo mehr als eine
halbe Million Italiener gegen Berlusconis militärisches Irak-
Engagement protestierten. In Spanien - wo der Schock der Anschläge
vom 11. März noch tief saß -, gingen in Barcelona und Madrid
200 000 Menschen auf die Straße und verlangten von ihrer neuen
sozialistischen Regierung den Abzug aller spanischen Truppen aus dem
Irak. Hoffentlich hält die neue Regierung, was sie verspricht. In
London gingen rund 75 000 Menschen auf die Straße. In Berlin,
Paris und anderen Hauptstädten der "Koalition der Unwilligen"
waren die Proteste wesentlich kleindimensionierter - ein Zeichen, wie
zufrieden die Menschen mit dem Anti-Irakkriegs-Kurs ihrer Regierungen
sind. Unzufriedenheit wäre allerdings im Hinblick auf die Rolle
dieser Länder in Amerikas "Krieg gegen den Terror" angebracht
(siehe Afghanistan). Insofern war die mangelnde Demobeteiligung sehr
kurzsichtig.
Hier die zweite gute Nachricht: Die Sozialproteste am 3. April -
europaweit in vielen Städten/Hauptstädten (geplant u.a. auf
dem ESF 2003 in Paris) - waren in Deutschland ein grandioser Erfolg.
Mehr als 500 000 Leute gingen auf die Straße - in Berlin,
Köln, Stuttgart - das sind eine halbe Million der rund 80
Millionen Deutschen. Vereint demonstrierte man gegen die Demontage des
deutschen Sozialstaats (siehe Victor Grossmans ZNet-Artikel vom 6.
April: 'Aufstehen - Stand up'). In Italien gingen mehrere Hundertausend
auf die Straße, in Frankreich 65 000. Europaweit waren über
1 Million Menschen auf den Beinen! Allein in Ljubljana, der Hauptstadt
des kleinen Slowenien (2 Millionen Einwohner), machten 13 000 Menschen
ihrem Protest Luft!...
Aus: Andrea Noll - "Sozialer Protest und Ostermarsch gehören
zusammen!", ZNet Kommentar vom 11.04.2004
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?
id=1074&PHPSESSID=5dca8f662452b59a0996425a2b7302f1
Orginalartikel: "From Welfare to Warfare"
http://www.zmag.de/artikel.php?
PHPSESSID=5dca8f662452b59a0996425a2b7302f1
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Wohlfahrtsverband beklagt schlechtere Versorgung armer Menschen
Mo.12.04.04 - Die Gesundheitsreform hat nach Angaben des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes die medizinische Versorgung von Behinderten,
Suchtkranken, Obdachlosen und Heimbewohnern drastisch verschlechtert.
Da diese Menschen nur wenig Geld besäßen, könnten viele
sich schon jetzt selbst bei Notfällen nicht mehr den Gang zum Arzt
leisten oder müssten auf notwendige Medikamente, Zahnersatz oder
Brille verzichten, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des
Verbandes, Ulrich Schneider. Betroffen seien rund 414.000 Menschen.
«Dieser Missstand darf nicht länger hingenommen
werden», betonte Schneider. Armut sei ohnehin ein
Gesundheitsrisiko, die Gesundheitsreform verschärfe dies noch.
Nach Angaben des Verbandes haben die Zuzahlungen bei alten,
behinderten, obdachlosen und suchtkranken Menschen eine
Größenordnung von rund 19,2 Millionen Euro. Dies sei eine
enorme Summe, wenn man bedenke, dass die Krankenkassen sie ausgerechnet
von jenen Menschen kassierten, die nur über ein kleines
Taschengeld von etwa 80 Euro im Monat oder Sozialhilfe verfügten.
Für die gesetzliche Krankenversicherung würde eine Befreiung
dieser Personengruppe von den Zuzahlungen hingegen lediglich
Mindereinnahmen von 0,014 Prozentpunkten bedeuten. «Diese lassen
sich leicht durch Einsparungen von Verwaltungskosten hereinholen, die
mit der regelmäßigen jährlichen Prüfung von
Belastungsgrenzen bei den Betroffenen verbunden sind», sagte
Schneider. Er forderte die Bundesregierung auf, das Sozialgesetzbuch
entsprechend zu ändern.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.paritaet.org
'Kruzifixe statt Kopftücher' - CSU fordert 'geistigen Aufbruch'
Mo.12.04.04 - CSU-Generalsekretär Markus Söder fordert einen
«geistigen Aufbruch» in Deutschland. Im einem Interview mit
der Nachrichtenagentur ddp beklagte er mangelnden Patriotismus und eine
Abkehr von religiösen Wertvorstellungen. Notwendig sei auch eine
«gewisse Orientierung in der Erziehung und in den Schulen».
Söder forderte daher «Benimmunterricht statt Erlebnis- und
Kuschelpädagogik». Außerdem sei es sinnvoll, über
die nationale Identität und deren Symbole zu reden. Es sei
wichtig, «die Nationalhymne aber auch die Bayernhymne zu lernen
und zu singen». Ferner forderte Söder ein stärkeres
Bekenntnis zur christlichen Werteordnung: «Für die CSU steht
fest: In Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine
Kopftücher.»
Die CSU wolle eine breite Werte-Diskussion mit den jüngeren
Leistungsträgern der Partei beginnen. Verantwortlich für die
Krise in Deutschland seien die Alt-68er. Mit deren Jammerei wolle die
heutige Generation nichts mehr zu tun haben. «Typisch deutsche
Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Pünktlichkeit und
Disziplin» seien verloren gegangen, beklagte Söder. Aus
«Made in Germany» sei «Murks in Germany»
geworden.
Grundsätzlich geht Söder von einer breiten Unterstützung
in der Bevölkerung für die Reformen aus. Für die
Demonstrationen habe er «ein Stück weit
Verständnis». Denn die Reformen der Bundesregierung seien
handwerklich schlecht gemacht und gingen in die falsche Richtung.
«Ein Chaos jagt das nächste, wobei die Menschen das
Gefühl haben, dass es nicht gerecht zugeht», sagte er.
(Quelle: ddp)