Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertzweiundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Truppen bereiten Militärschlag gegen El Sadr vor.
Schiiten-Führer El Sadr zeigt sich unnachgiebig: Er werde den
Aufstand gegen die Besetzung des Landes fortsetzen. Koalition in
Irak nach Geiselnahmen in Bedrängnis. Rund 40 Geiseln aus
zwölf Staaten in Irak verschleppt. UN-Generalsekretär fordert
Freilassung der entführten Ausländer - Annan stellt zugleich
stärkeres Engagement der UNO in Irak in Frage. Deutsche Regierung
lehnt Bundeswehreinsatz in Irak auch mit UN-Mandat ab. Bush hält
am Zeitpunkt für Irak-Machtübergabe fest. Washington und
London in Irak-Politik angeblich uneins
Mi.14.04.04 - Die US-Truppen im Irak haben sich am Dienstag offensichtlich auf einen
massiven Schlag gegen den radikalen Schiiten-Führer Moktada El Sadr
und dessen Milizen vorbereitet. Nach Angaben eines US-Generals
konzentrierte die Besatzungmacht starke Verbände vor den Toren der
südlich von Bagdad gelegenen Stadt Nadschaf.
"Wir sehen gegenwärtig in der Gegend von Nadschaf eine bedeutende
Gefahr, namentlich durch Moktada El Sadr und seine Milizen", sagte
US-General Mark Kimmitt am Dienstag in Bagdad zu den Truppenbewegungen
vor der von Schiiten dominierten Stadt. "Wir werden unsere Kräfte
zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz haben, um ihn zu fassen und
die Gewalt zu beenden - so einfach ist das."
El Sadrs Sprecher Kajs El Chasali warnte, ein Einmarsch von US-Soldaten
in Nadschaf würde die Gewalt im Land weiter eskalieren lassen. "Im
Moment haben sie es mit einem Aufstand zu tun, aber wenn sie El Sadr
verletzen, werden sie eine Massenrevolution in ganz Irak erleben. Wir
werden eine Zeitbombe sein." Mit ihrem Aufstand hatten
Anhänger El Sadrs vor rund einer Woche eine zweite Front gegen die
Besatzungstruppen in Nadschaf eröffnet, die auch mit
Aufständischen in der mehrheitlich sunnitischen Falludscha
kämpfen.
Der radikale Schiiten-Führer Muktada el Sadr hat sich im Kampf
gegen die von den USA geführten Besatzungstruppen in Irak
unnachgiebig gezeigt. Er sei bereit, für das irakische Volk zu
sterben und werde den Aufstand gegen die Besetzung des Landes
fortsetzen, sagte er in einem am Dienstag vom libanesischen
Fernsehsender El Manar ausgestrahlten Interview.
Das Gespräch wurde in seinem Haus in der südirakischen Stadt
Nadschaf geführt. Die heilige Stadt, in der sich El Sadr
verschanzt hat, ist von rund 2.500 US-Soldaten umstellt. El Sadr solle
gefangen genommen oder getötet werden, sagte der amerikanische
General Ricardo Sanchez.
Der Schiiten-Führer erklärte in dem Interview: «Ich
fürchte nur Gott. Ich bin bereit, mein Leben für dieses Land
zu opfern. Aber ich rufe das irakische Volk auf, mit meinem Tod nicht
seinen Widerstand gegen die (US-)Besatzung zu beenden.»
Nach Verhandlungen mit einer Delegation schiitischer Abgesandter
hieß es indes, El Sadr habe Bereitschaft zu einem Kompromiss
über ein Ende der von ihm angeführten Rebellion erkennen
lassen.
Ein Berater El Sadrs wurde am Dienstag von US-Soldaten festgenommen,
rund fünf Stunden später aber wieder auf freien Fuß
gesetzt.
Mit immer neuen Entführungen von Ausländern versuchen
irakische Widerstandskämpfer die Besatzungstruppen zum Abzug zu
zwingen. In Irak werden derzeit rund 40 Geiseln aus zwölf Staaten
festgehalten. Das sagte Dan Senor, Sprecher der US-geführten
Koalition, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Bagdad. Die
Besatzungstruppen würden aber nicht mit den Entführern
verhandeln, die einen Abzug der Besatzungstruppen aus Irak verlangen.
Unter den von Rebellen Verschleppten sind unter anderem Bürger aus
den an der Kriegskoalition beteiligten Staaten USA, Italien und Japan.
Der Fernsehsender El Dschasira zeigte Bilder von vier offenbar am
Montag entführten Italienern. Acht Mitarbeiter eines russischen
Unternehmens sowie sieben Chinesen kamen derweil wieder frei. Russland
und China waren gegen den von den USA geführten Irak-Krieg.
Das Außenministerium in Rom bestätigte, vier italienische
Mitarbeiter einer US-Sicherheitsfirma würden seit Montag vermisst.
El Dschasira zeigte eine Videobotschaft mit den vier Italienern, die
von bewaffneten, maskierten Mitgliedern des "Irakischen Widerstands"
umstellt waren, die den Abzug der italienischen Truppen aus Irak
forderten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi erklärte,
seine Regierung werde alles tun, um so bald wie möglich die
Freilassung der vier Italiener zu erreichen. Italiens
Militäreinsatz im Irak stehe aber "absolut nicht zur Debatte".
Italien hat den Irak-Krieg unterstützt und in dem Land knapp 3000
Soldaten stationiert.
Nach der vorübergehenden Entführung von fünf Ukrainern
und drei Russen kündigte das russische Unternehmen Technoprom an,
alle 370 Mitarbeiter aus Irak abzuziehen. Technoprom ist am Bau eines
Kraftwerks in der Nähe von Bagdad beteiligt.
Über das Schicksal der Mitte vergangener Woche entführten
drei Japaner herrscht derweil weiter Ungewissheit.
Kabinettssekretär Yasuo Fukuda räumte ein, die japanische
Regierung tappe in dem Geiseldrama im Dunkeln. Seit Ablauf eines
Ultimatums am Montag gab es keine Nachricht von den Entführten.
Drei tschechische Journalisten werden seit Sonntag vermisst. Acht
Chinesen wurden am Montagabend wieder freigelassen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat angesichts der Eskalation der
Gewalt in Irak die Entsendung eines großen UN-Teams
«für die absehbare Zukunft» ausgeschlossen. Annan
forderte am Dienstag vor Journalisten in New York zugleich die
sofortige Freilassung der von Aufständischen entführten
Ausländer.
Ferner verlangte der UN-Generalsekretär größere
Anstrengungen zur Eindämmung der Gewalt, um die zum 30. Juni
geplante Übergabe der Macht an eine irakische
Übergangsregierung in einer politisch positiven Atmosphäre zu
gewährleisten. Annan wandte sich gegen eine Verschiebung dieses
Termins. Annan verwies darauf, dass auch die Iraker selbst an einem
möglichst raschen Ende der Besatzung interessiert seien.
Ein kleines UN-Team unter Leitung des Irak-Beauftragten Lakhdar Brahimi
ist derzeit in Irak und unterstützt die Vorbereitungen zur Bildung
einer Übergangsregierung, die freie Wahlen vorbereiten soll. Die
jüngste Eskalation der Gewalt mache die Arbeit des UN-Teams nicht
gerade leichter, sagte Annan.
US-Präsident George W. Bush hat unterdessen eine Verschiebung des
Zeitpunkts für die Übergaben der Souveränität an
eine zivile irakische Regierung ausgeschlossen. Er hat sich
gleichzeitig bereit erklärt, die Forderungen des US-Militärs
für mehr Truppen im Irak zu erfüllen.
"Wir haben die Frist von 30. Juni gesetzt. Es ist wichtig, dass wir
diese Frist einhalten", sagte Bush am Dienstagabend auf einer
Pressekonferenz zur Lage in dem besetzten Irak in Washington. "Als
stolze und unabhängige Menschen unterstützen die Irakis eine
unbefristete Besetzung nicht, und Amerika macht dies auch nicht",
fügte er hinzu.
Bush wird nach eigenen Angaben die Forderung des US-Militärs
für die Verstärkung der Truppen in dem arabischen Land
erfüllen. Der Chef des für den Irak zuständigen Central
Command, General John Abizaid, hatte das Verteidigungsministerium in
Washington um zwei weitere "starke und bewegliche" Brigaden für
den Irak gebeten. Bush sagte: "Wenn er das will, dann wird er das
bekommen". Der US-Präsident fügte hinzu, die US-Truppen
würden so lange wie nötig im Irak bleiben. Derzeit sind
130.000 US-Soldaten im Irak. Die Gesamtstärke der
Koalitionstruppen liegt bei 145.000 Soldaten.
Die meisten Iraker unterstützten die Ziele der USA in ihrem Land,
trotz der jüngsten Gewalttätigkeiten, sagte Bush. Er forderte
den radikalen Schiiten-Führer Moktada El Sadr auf, seine Milizen,
mit denen die US-Streitkräfte in Nadschaf in den vergangenen Tagen
schwere Kämpfe geführt hatten, aufzulösen.
Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen Land
nach Agenturangaben mindestens 670 US-Soldaten und etwa 4000 bis 6000
irakische Aufständischen getötet worden. Die Zahl der zivilen
Opfer soll bei etwa 8000 bis 10.000 liegen.
Vergleiche zwischen der amerikanischen Besatzung in Irak und dem
Vietnamkrieg wies der US-Präsident als falsch zurück. Er
erklärte: Derartige Vergleiche «senden die falsche Botschaft
an unsere Truppen und unsere Feinde». Er räumte aber ein,
dass die USA in Irak eine Reihe «harter Wochen» erlebt
hätten.
Bei der jüngsten Welle der Gewalt handele es sich weder um einen
Bürgerkrieg noch um einen Volksaufstand, sagte Bush. Vielmehr
versuchten einige «extremistische und rücksichtslose
Elemente», die Macht an sich zu reißen. Er habe den Truppen
befohlen, mit aller Stärke vorzugehen, um den Aufstand
niederzuschlagen.
Es war erst die dritte derartige Pressekonferenz zur Hauptsendezeit des
US-Fernsehens seit Bushs Amtsantritt. Die anderen beiden fanden am 11.
Oktober 2001 - vier Wochen nach den Terroranschlägen von New York
und Washington - und am 6. März 2003 kurz vor dem Beginn des
Irak-Kriegs statt.
In einer ersten Reaktion auf die Pressekonferenz hat Bushs
Herausforderer, der demokratische Senator John Kerry, erklärt, der
Präsident habe es versäumt zu erklären, wie er die Lage
in Irak stabilisieren wolle. «Wir müssen einen neuen Kurs in
Irak verfolgen», erklärte Kerry. Die Bemühungen
müssten internationalisiert und die amerikanische Besatzung
beendet werden. Kerry sprach sich dafür aus, andere Länder in
den Wiederaufbau Iraks einzubeziehen und die politische Macht den
Vereinten Nation zu übergeben.
Unter dem Eindruck der jüngsten Übergriffe auf Ausländer
in Irak hat die deutsche Regierung die Entsendung von Soldaten der
Bundeswehr auch unter UN-Mandat ausgeschlossen. Ein solcher Einsatz
komme nicht in Frage, erklärten SPD und Grüne am Dienstag.
Unionsfraktionsvize Wolfgang Schäuble warf der Regierung vor, sie
mache die internationale Gemeinschaft handlungsunfähig.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz betonte, auch ein Mandat
der Vereinten Nationen werde nichts am Nein zur Entsendung deutscher
Soldaten nach Irak ändern. «Das ist nicht zuletzt eine Sache
der eigenen Glaubwürdigkeit», sagte Wiefelspütz dem
«Kölner Stadtanzeiger». Der SPD-Außenpolitiker
Gernot Erler erklärte im MDR, die USA seien in Irak in einer
«Art Falle». Sie trügen das Risiko, dass ihre
Autorität in der ganzen Region abnehme. Die wichtigste Aufgabe sei
jetzt, das Chaos zu beseitigen und eine «Mindestordnung
wiederherzustellen». Dem «Handelsblatt»
(Mittwochausgabe) sagte Erler, auch ein Einsatz arabischer Soldaten
oder der NATO würde keinen Fortschritt bringen.
Der Vorsitzende des Bundestags-Außenausschusses, Volker
Rühe, gab in der gleichen Zeitung den USA eine Mitschuld an der
Eskalation. «Das militärische Vorgehen der Amerikaner war
mit dem irakischen Übergangsrat offensichtlich nicht
abgestimmt», kritisierte der CDU-Politiker. Die US-Regierung
müsse aber die irakische Autorität stärken, wenn sie
Mitte des Jahres die politische Macht übergeben möchten.
Der Grünen-Sicherheitsexperte Winfried Nachtwei lehnte ein
Engagement der NATO in Irak ab. Nachtwei sagte im Südwestrundfunk,
nur die US-Verwaltung könne durch einen «radikalen
Kurswechsel» bei Zielen und Methoden zu einer Entschärfung
der Lage beitragen. Die «Dominanz eines militärisch harten
Vorgehens» sei nach aller Erfahrung nur geeignet, Radikalisierung
zu schüren.
Unionsfraktionsvize Schäuble betonte im Deutschlandfunk, es gehe
jetzt nicht darum, deutsche Truppen nach Irak zu schicken. Entscheidend
sei, dass die Iraker den Eindruck gewännen, dass alle Regierungen
an einem Strang ziehen. An die Adresse der Bundesregierung sagte er im
NDR: Wenn sich Länder nicht an der Umsetzung internationaler
Beschlüsse beteiligten, mache das die internationale Gemeinschaft
handlungsunfähig.
Der frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Klaus
Naumann, rechnet dagegen bei einem UN-Mandat fest mit einem
Bundeswehreinsatz in Irak. In dem Fall entstehe für die
Bundesregierung eine neue Lage, sagte Naumann den «Stuttgarter
Nachrichten» (Mittwochausgabe): Berlin bewerbe sich um einen
ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, daher könne man nicht
sagen, man beteilige sich nicht.
Keine neuen Erkenntnisse gab es unterdessen über das Schicksal der
beiden in Irak vermissten Bundesgrenzschutzbeamten. Ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes sagte, noch immer gelte, dass sie «mit
hoher Wahrscheinlichkeit» nicht mehr am Leben seien. Bei den
beiden handelt es sich um einen 25 und einen 38 Jahre alten
Angehörigen der Sondereinheit GSG-9. Der ältere stammte laut
der Münchner «Abendzeitung» aus Bayern und lebte in
Bonn. Der jüngere stammte einem SWR-Bericht zufolge aus
Rheinland-Pfalz. Die beiden waren auf der Fahrt zu einem
Personalaustausch zur deutschen Botschaft nach Bagdad unterwegs. Nach
Augenzeugenberichten wurde ihr aus Jordanien kommender Konvoi bei
Falludscha überfallen.
Die USA und Großbritannien sind sich nach einem britischen
Pressebericht in weiten Teilen der Irak-Politik uneins. So hätten
Washington und London in der Frage der Demokratisierung unterschiedliche
Auffassungen, zitierte der "Daily Telegraph" am Mittwoch Michael Rubin,
einen ehemaligen Berater der US-geführten Zivilverwaltung. Auf
Ablehnung in den USA seien insbesondere die britischen Versuche
gestoßen, vom Süden Iraks aus die Verbindungen nach Iran zu
stärken. Dies sei eine "größere politische Entscheidung
für das Weiße Haus", die nicht in der von den Briten
kontrollierten südirakischen Stadt Basra getroffen werden
dürfe. Der britische Premierminister Tony Blair reist am
Donnerstag in die USA.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blühende demokratische Landschaften in despotischen arabischen
Wüsten, so hat es die US-Regierung versprochen
Eine Insel der Stabilität und des Friedens sollte entstehen, so
lautete das Kriegsmarketing. Der Irak sollte als demokratisches
Musterland nach außen erscheinen und alle umliegenden Länder
in einer Art Dominoeffekt mit sich reißen. Dankbar sollten die
Araber sich gen Washington verneigen. Den verbliebenen heiligen
Kriegern wäre der Teppich unter den Füßen weggezogen.
Die präsentierte Rechnung war einfach.
Doch ein Jahr nach dem offiziellen Ende des Krieges ist Washington mit
seinem gesamtregionalen Projekt bereits im Irak in einem
Zweifrontenkrieg stecken geblieben. Eine überforderte US-Armee
kämpft gegen sunnitische Guerilla und schiitische
Aufständische zugleich. "Herzen und Köpfe" werden dabei schon
lange nicht mehr gewonnen. "Zeigen, wer der Stärkere ist",
hieß das schlichte Motto in der letzten Operation in der
Guerilla-Hochburg Falludscha. Eine angeblich "präzise Operation",
der bis zum Wochenende 600 Iraker zum Opfer fielen. Über die
schiitischen Armenvierteln Bagdads, in denen die Anhänger des
radikalen Schiitenführers Muktada al-Sadr es nun militärisch
mit den US-Soldaten aufnehmen, wurden erstmals seit dem Krieg wieder
Kampfhubschrauber geschickt, um Wohngebiete zu beschießen. Die
Entführung von Ausländern ist zur neuen Kommunikationsmethode
zwischen Guerilla und Besatzungsmächten geworden.
Statt zum leuchtenden Beispiel, ist Irak zur No-go-Area geworden, und
das nicht nur für US-Soldaten....
Aus der tageszeitung vom 14.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/14/a0153.nf/text
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Sechsundzwanzigster Kriegstag in Irak
Mo.14.04.03 - Amerikanische Soldaten laut CNN in Tikrit - Heimatstadt Saddams offenbar vor dem Fall +++
Plünderer stecken Nationalbibliothek in Bagdad in Brand +++ US-Militär will jetzt entschieden
gegen die anhaltenden Plünderungen vorgehen +++ In Irak mangelt es an Wasser, Medikamenten
und Lebensmitteln +++ Schicksal des irakischen Präsidenten weiter unklar +++ US-Truppen haben
angeblich DNS von Saddam Hussein +++ Etwas mehr als sechzig Prozent der Amerikaner glauben, dass
der Sieg über den Irak das Unrecht vom 11. September gesühnt habe +++ US-Präsident
Bush bekräftigt Warnung an Syrien +++ Plünderer im Irakischen Nationalmuseum - Stellvertretende
Museumsdirektorin: US-Besatzungstruppen schützen das Erdölministerium, aber das kulturelle Erbe nicht +++
US-Kongress bewilligt Bush 80 Milliarden Dollar +++ IWF und Weltbank entsenden Vertreter nach Irak +++
Der Irak ist gegenüber dem Ausland so hoch verschuldet, dass er trotz riesiger Ölreserven ohne
einen Schuldenerlass in Teilen nie wieder kreditwürdig werden könnte +++ Deutschland in intensiven
Gesprächen zu Hilfseinsätzen im Irak +++ Antikriegsproteste in den USA gehen weiter +++ Viele Medien
hadern im Krieg mit der eigenen Rolle +++ Bislang zeigt sich die amerikanische Bevölkerung nach Umfragen
zufrieden mit dem Krieg und der Berichterstattung...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304140.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Mi.14.04.04 - Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen
Land mindestens 670 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der verwundeten Soldaten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie nicht.
Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur.
(Quellen: rtr, taz)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
|
Nahost-Konflikt
Scharon wirbt in USA für Teil-Rückzug von Siedlern.
Palästinenser zornig über Äußerungen Scharons zu
Siedlungs-Annexion. US-Regierung hat sich unterdessen hinter den von
Israel geplanten einseitigen Rückzug aus dem
palästinensischen Gazastreifen gestellt. Israelische Armee
rückt in Flüchtlingslager Rafah ein
Mi.14.04.04 - Israels Ministerpräsident Ariel Scharon will am (heutigen)
Mittwoch in Washington um Unterstützung der US-Regierung für
einen weitgehenden Fortbestand jüdischer Siedlungen im
Westjordanland werben.
Israelische Regierungsvertreter gingen davon aus, dass
US-Präsident George W. Bush den Plan des Ministerpräsidenten
zur Aufgabe aller jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen, aber von
nur vier Siedlungen im Westjordanland befürworten wird. Im
Gegenzug wolle Scharon seine Unterstützung für den
internationalen Nahost-Friedensplan bekräftigen. Scharon selbst
hatte erklärt, zumindest an allen größeren Siedlungen
im Westjordanland auf Dauer festhalten zu wollen.
Die Palästinenser haben mit Zorn auf die Ankündigung des
israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon reagiert, Israel
wolle sechs Siedlungen im Westjordanland dauerhaft kontrollieren. Der
palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia sagte,
Scharons Entschlossenheit zerstöre «jegliche Hoffnung auf
Frieden». Scharon hatte vor seiner Abreise zum Besuch bei
US-Präsident George W. Bush die größte israelische
Siedlung im Westjordanland besucht. Diese und fünf weitere
würden immer Teil Israels sein, sagte Scharon.
Im Westjordanland leben rund 230.000 jüdische Siedler unter 2,3
Millionen Palästinensern. Im Gaza-Streifen sind es 7500 Siedler
unter 1,3 Millionen Palästinensern.
Die US-Regierung hat sich unterdessen hinter den von Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon geplanten einseitigen Rückzug
aus dem palästinensischen Gazastreifen gestellt. Der Plan
eröffne eine "historische Möglichkeit", sagte
US-Außenamtssprecher Richard Boucher. US-Außenminister
Colin Powell stimmte sich dazu auch mit seinem deutschen Amtskollegen
Joschka Fischer telefonisch ab.
"Die Aussicht auf einen israelischen Rückzug von wichtigem
Territorium bietet wirklich eine Gelegenheit voranzuschreiten, und wir
wollen uns diese Gelegenheit zunutze machen", sagte Boucher. Die
US-Regierung wolle aber noch mit Israel über einige Punkte des
Plans diskutieren.
US-Außenminister Colin Powell habe Scharons Plan in Telefonaten
mit Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne),
UN-Generalsekretär Kofi Annan und den Außenministern von
Russland und Jordanien erörtert. Er unterstrich, dass Scharons
Vorhaben den internationalen Friedensplan des Nahost-Quartetts nicht
ersetzen, sondern allenfalls ergänzen könne.
Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath bedachte
Scharons Plan mit vorsichtigem Lob. "Wenn sich der israelische
Rückzug aus Gaza auf dem Weg der Versöhnung bewegt, dann wird
er zum Frieden führen", sagte Schaath bei einem Besuch in der
slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Ein israelischer Rückzug
würde zu "einem freien Gaza mit einem freien Flughafen und einem
freien Hafen" führen. Schaath forderte zugleich, den
internationalen Plan des Nahost-Quartetts umzusetzen.
Die israelische Armee ist am Dienstagabend mit Panzern in das
palästinensische Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen
eingerückt. Aus Militärkreisen verlautete, es handle sich um
eine Routineoperation zum Aufspüren von Tunneln, die zum
Waffenschmuggel genutzt würden. Nach Augenzeugenberichten feuerten
israelische Soldaten Maschinengewehrsalven ab. Rafah liegt an der
Grenze zu Ägypten. Israel geht davon aus, dass aus dem Nachbarland
durch die unterirdischen Tunnel Waffen in den Gazastreifen gebracht
werden.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Irans Präsident Chatami zieht Reformgesetze zurück
Mi.14.04.04 - Irans Präsident Mohammad Chatami hat endgültig zwei
Reformvorhaben zur Begrenzung der Macht des konservativen Klerus
zurückgezogen.
Er ziehe die Gesetzesvorhaben zum Wahlrecht eher ganz zurück, als
dass ihr Geist zur Unkenntlichkeit verändert werde, hieß es
in einem am Dienstag vor den Abgeordneten verlesenen Brief Chatamis.
Durch die Gesetze hätte der Präsident seine Stellung zum
konservativen Wächterrat in Fragen des Wahlrechts gestärkt.
Chatami hatte sich mit all seinem Ansehen hinter die Reformvorhaben
gestellt. Der Verzicht darauf wird als Enttäuschung des
Präsidenten mit der politischen Struktur des Landes gewertet.
Bereits im März hatte Chatami nach Widerstand des
Wächterrates den Verzicht auf die Gesetzesvorhaben
angekündigt.
Nach ihrem Wahlsieg im Februar werden die konservativen Abgeordneten ab
Mai die Mehrheit im Parlament stellen. Vor den Wahlen hatte Chatami die
Entscheidung des aus sechs Geistlichen und sechs islamischen
Rechtsgelehrten bestehenden Wächterrates kritisiert, der mehr als
2000 überwiegend dem Reformlager zugerechnete Kandidaten abgelehnt
hatte. Am 7. Mai steht zwar die zweite Wahlrunde an, doch kann die
konservative Mehrheit nicht mehr in Gefahr geraten.
Chatami hatte 1997 überraschend die Wahlen gewonnen. Die meisten
Reformvorhaben sind jedoch seither am Widerstand der überwiegend
konservativ eingestellten Geistlichkeit gescheitert.
(Quelle: rtr)
Atombombenbauer Khan berichtet von Nuklearwaffen in Nordkorea
Mi.14.04.04 - Der pakistanische Atomwissenschaftler Abdul Qadeer Khan hat nach
Informationen der "New York Times" in Vernehmungen berichtet, er habe
vor fünf Jahren in Nordkorea in einer geheimen Nuklearanlage drei
Atombomben gesehen. Wie die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf US-
und asiatische Regierungskreise berichtete, soll Khan damals erlaubt
worden sein, die Waffen kurz zu inspizieren.
(Quelle: afp)
LTTE-Rebellen haben Osten Sri Lankas wieder unter Kontrolle
Mi.14.04.04 - Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hat den Osten
Sri Lankas am Mittwoch wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Dies
berichteten Militärbeobachter. Die Gruppe startete eine neue
Suchaktion nach einem abtrünnigen Kommandeur. Vinayagamoorthy
Muralitharan hatte sich im vergangenen Monaten von der LTTE losgesagt
und seine eigene Gruppe, die Ost-Tiger, gegründet. Zunächst
folgten ihm 6.000 der insgesamt 15.000 LTTE-Kämpfer.
Die LTTE kämpft für eine weitgehende Autonomie einer
überwiegend von Tamilen bewohnten Region im Norden und Osten Sri
Lankas. Nach 19 Jahren Bürgerkrieg, dem rund 65.000 Menschen zum
Opfer fielen, schlossen die LTTE-Rebellen im Februar 2002 einen
Waffenstillstand mit der Regierung.
(Quelle: ap)
Brot für die Welt befürchtet Militarisierung der
Entwicklungshilfe
Mi.14.04.04 - Die kirchliche Hilfsorganisation Brot für die Welt hat sich gegen
eine Vermischung von Entwicklungs- und Sicherheitspolitik
ausgesprochen. Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel sagte am
Dienstag in Stuttgart: «Entwicklungszusammenarbeit darf nicht in
den Dienst militärischer, polizeilicher oder geheimdienstlicher
Aktionen gestellt werden.»
Hintergrund ist die Diskussion innerhalb der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die neue
Kriterien für die Vergabe öffentlicher Mittel für die
Entwicklungszusammenarbeit festlegen will. Die OECD plant laut der
Hilfsorganisation im Zuge des Kampfes gegen den Terrorismus, den
Kriterienkatalog zu erweitern. Künftig sollen auch Maßnahmen
aus dem Bereich militärischer Sicherheit einbezogen werden.
Aus Sicht von Brot für die Welt würde das bedeuten, dass
Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit im Zusammenhang mit
Militäraktionen verwendet werden könnten, sagte
Füllkrug-Weitzel. Es sei erschreckend, dass diese Diskussion an
den Parlamenten der europäischen Staaten vorbei und unter
Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werde, erklärte
die Direktorin der Hilfsorganisation in einem Schreiben an die
zuständige Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Dabei
handele es sich faktisch um einen Paradigmenwechsel in der
Entwicklungspolitik der OECD hin zu einer Militarisierung der
Entwicklungszusammenarbeit. «Die für das Militär
zweckentfremdeten Mittel werden aber bei der Armutsbekämpfung im
Süden fehlen.»
(Quelle: ap)
Annan schließt Verschiebung des Zypern-Referendums nicht aus
UN-Generalsekretär: Beide Volksgruppen müssten neuen Termin
beantragen
Mi.14.04.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat eine Verschiebung des
Referendums über eine Wiedervereinigung Zyperns nicht
ausgeschlossen. Wenn sowohl die griechischen als auch die
türkischen Zyprer eine Verlegung beantragen würden,
könnte er dies in Erwägung ziehen, sagte Annan am Dienstag.
«Aber es hat keine derartige Anfrage gegeben», fügte
er hinzu. Am Wochenende hatte sich die größte Partei im
griechischen Teil der Mittelmeerinsel, die kommunistische AKEL,
für einen Aufschub der Volksabstimmung ausgesprochen.
Die politischen Führer in beiden Landesteilen haben zur Ablehnung
des UN-Plans aufgerufen, über den die Bevölkerung am 24.
April abstimmen soll. Meinungsumfragen zufolge wollen 70 Prozent der
griechischen Zyprer Annans Plan für eine Wiedervereinigung der
geteilten Insel ablehnen. Im türkischen Norden dagegen wird mit
einer Zustimmung von 60 Prozent gerechnet. Wenn nicht beide
Volksgruppen für den Plan votieren, tritt am 1. Mai nur der
griechische Teil Zyperns der EU bei.
Aus Protest gegen die Haltung des griechisch-zyprischen
Präsidenten Tassos Papadopoulos trat am Dienstag
Kommunikationsminister Kikis Kazamias zurück. Papadopoulos
ignoriere die Meinungen all jener, die für Annans
Wiedervereinigungsplan seien, sagte Kazamias.
(Quelle: ap)
Straßenschlachten in Kopenhagener Christiania
Mi.14.04.04 - Nach stundenlangen gewaltsamen Auseinandersetzungen in dem Kopenhagener
Freistaat Christiania hat die Polizei zwölf Menschen festgenommen.
Medienberichten zufolge lieferten sich etwa hundert Jugendliche mit
ebenso vielen Polizisten mehr als vier Stunden lang
Straßenschlachten in dem Hippie-Viertel der dänischen
Hauptstadt.
Ein Polizeisprecher sagte, die Zusammenstöße hätten
sich an einer Festnahme entzündet. Zunächst habe jemand einem
Beamten einen Ball ins Gesicht geworfen. Dann seien die Polizisten mit
Steinen beworfen und Feuerwerkskörpern beschossen worden. Als sich
die Nachricht von der Straßenschlacht verbreitet habe, seien
Jugendliche aus allen Stadtteilen hinzugestoßen. Die Polizei habe
die Lage mittlerweile aber im Griff und versuche sich
zurückzuziehen.
Die Behörden hatten in den vergangenen Wochen ihre Kontrollen in
Christiania verstärkt, nachdem die Regierung Mitte März
angekündigt hatte, dass die selbstverwaltete Siedlung ihre
Sonderstellung vom 1. Januar 2006 an verlieren soll.
Das alternative Wohnprojekt war 1971 auf einem verlassenen
Kasernengelände der dänischen Armee errichtet worden. Die
quasi staatliche Unabhängigkeit Christianias ermöglichte
unter anderem den ungestörten Handel mit Drogen wie Haschisch, der
Christiania zu einer Attraktion vor allem für jüngere
Kopenhagen-Besucher machte. In den vergangenen zwei Jahren hatte die
dänische Regierung jedoch ihren Druck auf die Bewohner erhöht
und ein Ende des Drogenhandels verlangt.
(Quelle: afp)
Deutschland
Seehofer kritisiert Merz und CDU-Reformkonzept
Mi.14.04.04 - Nach der Kritik des CDU-Finanzexperten Friedrich Merz, die CSU bremse
bundesweit Reformen, hat der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer das
Konzept der CDU zur Finanzierung der Sozialreformen in Frage gestellt.
"Es reicht ja nicht, wenn man neu denkt, sondern man muss auch sagen,
ob das Neue finanzierbar ist", sagte Seehofer der Zeitung "Die Welt"
(Mittwochausgabe). Nach seiner Aussage würde das gesamte
Reformkonzept der CDU insgesamt 100 Milliarden Euro kosten. Im
"Handelsblatt" sagte Seehofer, die Kritik von Merz sei nicht
nachvollziehbar. "Ich habe mehr Reformen in der Praxis umgesetzt, auch
unangenehme, als all die Reformkritiker zusammen." Seehofer und Merz
sind zugleich auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union.
Merz hatte jüngst CSU-Chef Edmund Stoiber vorgeworfen, in der
Bundespolitik auf der Reformbremse zu stehen. Zudem hatte er
erklärt, die Rivalität zwischen Stoiber und CDU-Chefin Angela
Merkel lähme zunehmend die Handlungsfähigkeit der Union. Mit
seinen Aussagen hatte Merz auch eine Debatte über die Zukunft der
Unions-Fraktion im Bundestag ausgelöst. Merkel und Stoiber sind
mögliche Kanzler-Kandidaten der Union für die Bundestagswahl
2006. Differenzen zwischen CDU und CSU gibt es vor allem in der
Gesundheits- und Rentenpolitik.
Zum Reformkonzept der CDU sagte Seehofer der "Welt", dies koste
insgesamt 100 Milliarden Euro. Zu den rund zehn Milliarden Euro
für die Steuerreform kämen 40 Milliarden Euro für die
von der CDU geplanten Gesundheitsprämie hinzu, ferner 18,6
Milliarden für die geforderte Kindergelderhöhung, 22
Milliarden für veränderte Kindererziehungszeiten bei der
Rentenberechnung und zwölf Milliarden für eine Mindestrente.
Im "Handelsblatt" warf Seehofer Merz mangelnden Reformwillen in der
Arbeitsmarktpolitik vor. Anfang vergangenen Monats habe Merz bei einer
gemeinsamen Präsidiumssitzung von CDU und CSU geschwiegen. Die CSU
habe damals wesentlich radikalere Vorschläge als die CDU gemacht.
Seehofer sagte, Merz habe schweigend dabei gesessen, als die
CDU-Ministerpräsidenten ihre Einwände formulierten. "Er war
anwesend und hat die CSU in ihren weitergehenden Vorstellungen nicht
unterstützt."
(Quelle: rtr)
Aufbau-Ost-Debatte: Unmut bei ostdeutschen Politikern nimmt zu
Mi.14.04.04 - Bei ostdeutschen Politikern nimmt der Unmut über die von
Regierungsberater Klaus von Dohnanyi angestoßene Debatte
über den Aufbau Ost zu. Der Arbeitsminister von
Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, warnte davor, den Solidarpakt II
sowie den Finanzausgleich wieder in Frage zu stellen. Mit der
Behauptung, der Aufbau Ost sei der Abbau West, gehe die Diskussion
eindeutig in diese Richtung, sagte der PDS-Politiker der Chemnitzer
«Freien Presse» (Mittwochausgabe). Tatsächlich sei die
Einheit ein wirtschaftlicher Zugewinn für die alten Länder
gewesen und habe über Jahre zur ökonomischen Stabilität
des Westens beigetragen, wurde Holter zitiert. Der Osten sei nie ein
Mühlstein am Hals des Westens gewesen.
Der Ostberliner CDU-Abgeordnete Günter Nooke, nannte die
Diskussion in der gleichen Zeitung «schwachsinnig».
Dohnanyi habe eine völlig falsche Sicht auf die Realität in
den neuen Ländern, wenn er behaupte, der Osten ziehe den Westen
runter. Mit einer solchen These werde die Spaltung zwischen Ost und
West vertieft, kritisierte Nooke.
(Quelle: afp)
Kontroverse Debatte um Niedriglohnsektoren im Osten
Mi.14.04.04 - In der Debatte über eine effizientere Ost-Förderung
befürwortet nun auch der Deutschen Gewerkschaftsbund staatlich
bezuschusste Niedriglöhne. Die DGB-Vizevorsitzende Ursula
Engelen-Kefer begrüßte am Mittwoch den Vorstoß von
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe. Im DGB-Vorstand war dies
zunächst als überflüssig abgelehnt worden.
Engelen-Kefer, sagte der «»Financial Times
Deutschland» (Mittwochausgabe), Stolpe habe Recht, wenn er Wege
suche, wie Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit kämen. In diesem
Zusammenhang müsse auch über gezielte
Lohnkostenzuschüsse und Eingliederungshilfen geredet werden,
fügte sie hinzu. Zur Kritik der Gewerkschaften, staatliche
Zuschüsse förderten Lohndumping und einen Niedriglohnsektor,
sagte Engelen-Kefer demnach, die Gefahr bestehe zwar immer. «Aber
wir dürfen Langzeitarbeitslosen nicht mit Prinzipienreiterei den
Weg in die Arbeit verbauen», fügte sie hinzu. Als
Voraussetzung nannte sie, dass die Zuschüsse zeitlich befristet
werden.
Zuvor hatte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer vor einer
«ideologisch gefärbten Niedriglohndebatte» gewarnt und
darauf verwiesen, dass es «gezielte
Lohnkostenzuschüsse» für ältere und
Langzeitarbeitslose längst gebe. Gegen Niedriglohnsektoren im
Osten hatte sich auch IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt ausgesprochen.
Stolpe begründete seinen Vorstoß mit den Folgen der
bevorstehenden EU-Osterweiterung. Die Erweiterung verstärke den
Trend, gering entlohnte Jobs in den neuen Ländern ganz
überwiegend von Arbeitsnehmern aus den östlichen
Nachbarstaaten zu besetzen. Beschäftigte im Niedriglohnbereich
müssten deshalb stärker als bisher die Möglichkeit eines
Zuverdienstes zur Sozialhilfe beziehungsweise dem Arbeitslosengeld II
erhalten.
Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU)
kritisierte den Vorschlag eines Niedriglohnsektors. "Als Allheilmittel
taugt das nicht.". Es sei zu befürchten, dass die Abwanderung
damit noch weiter beschleunigt wird". Grünen-Fraktionschefin
Katrin Göring-Eckardt plädierte für eine gezielte
Förderung der ostdeutschen Wachstumsregionen. Es müsse nicht
mehr in jedem Dorf ein Gewerbegebiet geben, sagte sie im
Deutschlandradio Berlin.
Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG
BCE), Hubertus Schmoldt, wies den Vorschlag nach Sonderwirtschaftszonen
zurück. Er sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", einige
Politiker wollten die neue Debatte um den Aufbau Ost "als Chance
nutzen, die soziale Marktwirtschaft und die Beteiligungsrechte der
Arbeitnehmer stückweise zu demontieren".
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Deutschland: Debatte über Aufbau Ost geht weiter
Di.13.04.04 - Der Streit um Sonderwirtschaftszonen zur Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit vor allem in Ostdeutschland sorgt weiter
für Zündstoff: Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE,
Hubertus Schmoldt (SPD), hält überhaupt nichts von solchen
Plänen, wie er der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung»
(Dienstagausgabe) sagte. Dagegen sprach sich der für den Aufbau
Ost zuständige Bundesminister Manfred Stolpe (SPD) für
staatlich geförderte Niedriglohnsektoren in den neuen Ländern
aus... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404130.htm#04041309
DGB: West-Firmen für Fehler bei Aufbau Ost mitverantwortlich
So.11.04.04 - Fehlentwicklungen beim Aufbau Ost beruhen nach Ansicht von Sachsens
DGB-Chef Hanjo Lucassen zu einem erheblichen Teil auf bewusst
kalkulierter Firmenpolitik. «Viele West-Betriebe sind nur deshalb
in den Osten gekommen, um hier die Fördermittel
abzugreifen», sagte Lucassen der Nachrichtenagentur ddp in
Dresden. Es sei in den vergangenen Jahren nicht selten der Fall
gewesen, dass Firmen nach Auslaufen bestimmter Zuschuss-Programme oder
Bestandsgarantien Beschäftigte sofort wieder entlassen haben oder
ganz verschwinden, «zum Teil nach einer gewissen Schamfrist,
manchmal auch ohne sie».... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404110.htm#04041110
Aufbau Ost durch Abbau West
Die Analyse einer geheimen Regierungskommission zum Aufbau Ost ist eine
Horror-Bilanz. 1,25 Billionen Euro pumpte die Regierung in den Osten -
zum Großteil ohne Wirkung. Die Ursachen für das Desaster
schuf Helmut Kohl, der als Kanzler den Niedergang Deutschlands
zusehends beschleunigte...Mehr bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,294097,00.html
Regierungsberater fordern 'Sonderwirtschaftszone Ost'
Mo.05.04.04 - Aufbau Ost sei weitgehend gescheitert. Arbeitslosigkeit erreiche die
katastrophale Größe von nahezu 20 Prozent. Abwanderung vor
allem junger Menschen habe «dramatische Überalterung»
zur Folge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404050.htm#04040512
Hintergrund: Sonderwirtschaftszonen
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404130.htm#040413sw
Ost-Förderung bleibt strittig
Mi.07.04.04 - ... Regierungsberater Klaus von Dohnanyi: Aufbau Ost ist zu wenigstens zwei
Dritteln für die Wachstumsschwäche Deutschlands verantwortlich ...Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404070.htm#04040714
BUND ruft zum Boykott gentechnisch veränderter Lebensmittel auf
Mi.14.04.04 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ruft wenige
Tage vor Inkrafttreten der Kennzeichnungspflicht für gentechnisch
veränderte Lebensmittel zum Boykott entsprechender Produkte auf.
«Das Kleingedruckte könnte den Albtraum der
Gentech-Industrie wahr machen und dafür sorgen, dass der Anbau von
Gentech-Pflanzen deutlich zurückgeht», sagte BUND-Vize Doris
Tropper am Dienstag in Berlin. Die Gesundheitsrisiken für den
Menschen seien noch nicht hinreichend erforscht, warnte der Verband.
Ab dem 18. April treten zwei EU-Vorschriften in Kraft, nach denen
Hersteller Lebensmittel und Futtermittel kennzeichnen müssen, in
denen gentechnisch veränderte Zutaten verarbeitet werden. In den
kleingedruckten Zutatenlisten werden Verbraucher dann öfter den
Zusatz «gentechnisch verändert» finden. Auch
Speisekarten müssen entsprechende Hinweise enthalten.
Die Umweltschützer kritisierten an der neuen Verordnung die
fehlenden Sanktionsmöglichkeiten. Eine weitere Lücke in der
Gesetzgebung sei außerdem der Einsatz von Futtermitteln und
Saatgut. So müssten Produkte von Tieren, die mit Futter, in dem
gentechnisch veränderte Pflanzen verarbeitet würden,
weiterhin nicht gekennzeichnet werden. Der BUND forderte daher die
Landwirte auf, ihre Marktmacht zu nutzen, um den Saatgut- und
Futtermittelhändlern zu zeigen, dass sie weiterhin ohne Gentechnik
produzieren wollen.
(Quelle: ddp)
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen / Genfood" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226dk
Datenschutzbeauftragter will Gentests einschränken
Mi.14.04.04 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat die rot-grüne
Koalition aufgefordert, für Rechtssicherheit bei Gentests zu
sorgen. Arbeitgeber dürften von einem Bewerber oder einem
Arbeitnehmer nicht verlangen, dass sich dieser einem Gentest
unterzieht, sagte Schaar der "Saarbrücker Zeitung". Auch
müsse verboten werden, Genom-Analysen zur Voraussetzung eines
Vertragsabschlusses bei privaten Kranken-, Berufsunfähigkeits-
oder Lebensversicherungen zu machen.
Schaar forderte zudem, ein Verbot der heimlichen Genom-Analyse in ein
neues Gentest-Gesetz aufzunehmen. Rein technisch sei es heutzutage kein
Problem mehr, Gentests auch ohne Kenntnis des Betroffenen
durchzuführen, betonte der Datenschützer. Ein Haar auch ohne
Wurzel reiche dazu schon aus. Im Bundesgesundheitsministerium begannen
kürzlich die Arbeiten an einem Gendiagnose-Gesetz. Darin sollen
nach Angaben einer Sprecherin "versicherungs- und arbeitsrechtliche
Gesichtspunkte in Bezug auf Gentests geregelt werden".
(Quelle: afp)
Experte erwart weiter dramatische Klima-Entwicklung
Mi.14.04.04 - Der Wissenschaftler Mojib Latif vom Kieler Institut für
Meereskunde befürchtet eine weitere dramatische Entwicklung des
Weltklimas. Die aus dem Treibhausgashandel (Emissionshandel) zu erwartende Senkung des
deutschen CO2-Ausstoßes bezeichnete er in einem Interview mit der
Nachrichtenagentur AP als irrelevant. «Es handelt sich hier um
ein globales Problem, dass auch nur global gelöst werden
kann». Selbst wenn Deutschland den Ausstoß um 100 Prozent
senken würde, «wäre es für das Weltklima
irrelevant, weil wir nur insgesamt einen kleinen Teil der weltweiten
Emission zu verantworten haben». Aber es komme auf die
Vorbildfunktion an.
Jeder Bürger könne aber selbst etwas gegen den
Treibhauseffekt tun, sagte Latif: «Man muss ja nicht unbedingt
riesige Karossen fahren, die 15 bis 20 Liter verbrauchen.» Es
gebe auch vernünftige Autos, die mit deutlich weniger
auskämen. Wenn man zudem in der Bundesrepublik alle
Stand-By-Einrichtungen ausschalten würde, könnte ein
Riesenkraftwerk gespart werden.
Der Klimaexperte erwartet, dass sich der Meeresspiegel innerhalb der
nächsten 100 Jahre um einen halben Meter erhöhen wird. In ein
paar hundert Jahren seien es dann mehrere Meter. Die extremen
tropischen Niederschläge würden zunehmend eine Gefahr etwa
für Schleswig-Holstein. Zur Debatte um Windenergie erklärte
Latif, der Energiebedarf der Bundesrepublik könne nicht über
Windkraft abgedeckt werden: «Langfristig müssen wir die
Sonne anzapfen». In den Wüstenregionen im Süden der
Erde müssten Dritte und Erste Welt gemeinsam einen
Ressourcen-Handel treiben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Koalitionsstreit um Emissionshandel beendet
Clement, Trittin und deutsche Industrie mit Kompromiss zufrieden.
Greenpeace: Rot-Grün verabschiedet sich vom Klimaschutz...Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403300.htm#04033014
Mehr zur Kontroverse um Emissionshandel und Klimaschutz unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0403300.htm#040330ys
Menschenversuch mit Computer-Gehirn-Schnittstelle
Mi.14.04.04 - Die US-Firma Ciberkinetics hat laut New York Times die
Genehmigung erhalten, klinische Test mit ihrem
Computer-Gehirn-Interface durchführen zu dürfen. Nach dem
Bericht will die Firma das Interface an fünf gelähmten
Freiwilligen testen. Dabei wird eine Sonde in das Gehirn implantiert.
Die von dieser Sonde aufgezeichneten neuronalen Impulse sollen
beispielsweise zur Steuerung eines Computers verwendet werden.
Mittelfristig will Ciberkinetics mit dem BrainGate genannten Interface
gelähmten Menschen ermöglichen, beispielsweise Roboterarme zu
steuern.
Ähnliche Experimente an Tieren finden bereits seit Jahren statt,
so beispielsweise mit ferngesteuerten Ratten oder Versuche, bei denen
Affen lernten, per Vorstellungskraft einen Roboterarm zu steuern.
Quelle: heise-Online
http://www.heise.de/newsticker/meldung/46456
Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine
Steht die Wissenschaft am Beginn einer neuen Ära?
Mehr bei telepolis vom 28.03.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/17057/1.html