Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertdreiundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Italienische Geisel in Irak hingerichtet. Russland beginnt mit
Evakuierungen aus Irak. Nach viertägiger Waffenruhe Kämpfe in
Falludscha neu entfacht. Iran schaltet sich auf US-Bitte in den
Konflikt um den radikalen Schiitenführer El Sadr ein. Sadr
lenkt in Konfrontation mit den US-Truppen ein. Sicherheitslage in Irak
laut UN für Wahlen nicht ausreichend. UN-Sondergesandter
Brahimi für Auflösung des irakischen Regierungsrats.
Dienstzeit für 20.000 US-Soldaten in Irak verlängert
Do.15.04.04 - Irakische Entführer haben einen der vier seit Montag vermissten
Italiener grausam hingerichtet. Italiens Innenminister Franco Frattini
bestätigte den Tod des Mannes. Nach Angaben des katarischen
Fernsehsenders El Dschasira erschossen die Kidnapper einer Gruppe namens
"Grüne Brigaden" den 35-Jährigen vor den Augen seiner
Mitgefangenen wegen der Weigerung Italiens, seine Truppen aus Irak
abzuziehen.
El Dschasira berichtete von einem Videoband und Fotos, auf denen "die
Ermordung der Geisel" zu sehen sei. Die Bilder sollten jedoch wegen
ihrer Grausamkeit nicht gesendet werden. Das Videoband zeige die vier
italienischen Geiseln, während neben ihnen ein Grab ausgehoben
wird, sagte ein El-Dschasira-Vertreter dem italienischen Fernsehsender
La 7. Einer von ihnen sei ausgewählt und mit einem Genickschuss
hingerichtet worden. Die Kidnapper drohten damit, auch ihre drei
anderen Geiseln zu töten, sollten ihre Forderungen nicht
erfüllt werden.
Der Italiener ist der erste der insgesamt rund 40 in Irak verschleppten
Ausländer, der von seinen Entführern getötet wurde.
Frattini sagte in einer Sondersendung des Senders Rai, bei der
getöteten Geisel handle es sich um Fabrizio Quattrocchi, einen
35-jährigen ehemaligen Bäcker aus Genua.
Die Entführer hatten in einem von El Dschasira ausgestrahlten
Video den Abzug der rund 3000 italienischen Soldaten aus Irak
gefordert. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, einer der
engsten Verbündeten der USA in Irak, schloss einen Abzug des
italienischen Kontingents jedoch aus.
Unterdessen wurde nach Angaben eines japanischen Oppositionspolitikers
die Entführung von zwei weiteren Japanern in Irak bekannt. Bereits
seit 8. April sind drei Japaner in der Gewalt von Geiselnehmern, die
den Abzug der japanischen Truppen erzwingen wollen und mit der
Ermordung ihrer Geiseln gedroht haben.
Nach der Entführung von Mitarbeitern eines russischen Unternehmens
beginnt Moskau am (heutigen) Donnerstag mit der Evakuierung von rund
800 Bürgern aus Russland und anderen GUS-Staaten, wie die
Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Insgesamt befinden sich derzeit
noch 22 ausländische Geiseln in der Hand von Aufständischen,
wie die Nachrichtenagentur AP ermittelte. Mindestens 35 Entführte
wurden wieder freigelassen. Neun Amerikaner, darunter zwei Soldaten,
gelten als vermisst. Ein am Sonntag verschleppter französischer
Journalist befindet sich wieder auf freiem Fuß.
Die Kämpfe um die von US-Truppen belagerte irakische Stadt
Falludscha sind nach viertägiger Waffenruhe am Mittwochabend neu
entfacht. Mehr als hundert Aufständische attackierten ein
gepanzertes Fahrzeug mit Panzerfäusten und Handgranaten. Die rund
20 angegriffenen Marineinfanteristen konnten in ein nahe stehendes
Gebäude flüchten und wurden erst nach Stunden von einem
Rettungsteam mit vier Panzern in Sicherheit gebracht.
Marineinfanteristen besetzten zahlreiche Häuser an der Front
während die Aufständischen Tunnel unter den noch von ihnen
gehaltenen Gebäuden gruben. US-Kampfflugzeuge vom Typ AC-130
beschossen vermutete Aufständische in den Straßen von
Falludscha.
US-Generalmajor Jemes Mattis erklärte, eine neue Offensive stehe
kurz bevor. «Ich kann nicht vorhersagen, dass wir noch lange
warten. Es ist schwer, eine Waffenruhe einzuhalten, wenn sie (die
Aufständischen) gegen uns vorgehen und uns
beschießen.» Mit der Belagerung Falludschas reagierten die
US-Streitkräfte auf die Tötung und Schändung von vier
Mitarbeitern einer amerikanischen Sicherheitsfirma vor zwei Wochen.
Angesichts der Kämpfe in Irak hat sich Iran auf Bitten der USA in
den Konflikt um den radikalen Schiitenführer Moktada Sadr
eingeschaltet. Eine Delegation des Teheraner Außenministeriums
traf in Bagdad ein.
Washington habe Teheran um Hilfe bei der Suche nach einer Lösung
gebeten, teilte der iranische Außenminister Kamal Charrasi mit.
Der Kontakt mit den USA laufe über die Schweizer Botschaft in
Teheran. Zugleich warnte Charrasi die US-Regierung vor
Militärangriffen auf die heiligen Schiiten-Städte Nadschaf
und Kerbela. Ein solcher Vorstoß wäre eine "Katastrophe" und
würde "die islamische Welt" gegen die USA aufbringen. Die US-Armee
ist in den vergangenen Tagen vor Nadschaf aufmarschiert, wo sich Sadr
verschanzt halten soll.
Der italienische Außenminister Franco Frattini erklärte,
sein iranischer Kollege habe ihm zugesagt, dass die Delegation sich
auch für die Freilassung der ausländischen Geiseln einsetzen
wolle.
Der radikale Schiiten-Führer Muktada el Sadr hat sich derweil auf
Druck des höchsten schiitischen Geistlichen in Irak zu
bedingungslosen Verhandlungen bereit erklärt. Wie einer seiner
Vertrauten am Mittwoch sagte, besteht El Sadr nicht mehr auf einem
Abzug der Besatzungstruppen oder einer Einstellung aller
militärischen Aktivitäten. Ein Sadr-Vertrauter warnte
Washington zugleich vor der Tötung Sadrs. Ein solcher Schritt
würde Irak in eine "tiefe Krise" stürzen. Die
US-Streitkräfte hatten zuvor mit einem Angriff auf El Sadr
gedroht. Rund 2.500 Soldaten belagern die Stadt Nadschaf, wo er sich
aufhält.
Großayatollah Ali el Husseini el Sistani habe El Sadr
überzeugt, seine Forderungen fallen zu lassen, sagte Amer el
Husseini. El Sadr sei «jetzt bereit, ohne Vorbedingungen zu
verhandeln». Ziel der Vermittlungsgespräche war es, einen
amerikanischen Angriff auf Nadschaf zu verhindern.
Noch am Dienstag hatte El Sadr erklärt, er sei bereit zu sterben.
«Aber ich rufe das irakische Volk auf, mit meinem Tod nicht den
Widerstand gegen die Besatzung zu beenden», sagte der Geistliche
in einem Interview des libanesischen Fernsehsenders El Manar. Die USA
haben angekündigt, El Sadr gefangenzunehmen oder zu töten.
«Das Ziel ist nicht Nadschaf. Das Ziel ist Muktada el Sadr und
seine Miliz», sagte Brigadegeneral Mark Kimmitt. «Wir
werden ihn zur Strecke bringen.»
Die Sicherheitslage in Irak muss sich nach Worten des
UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi «erheblich» verbessern,
damit wie geplant im Januar Wahlen abgehalten werden können. Er
sei zuversichtlich, dass die irakische Übergangsregierung am 30.
Juni die Macht von den USA übernehmen könne, sagte Brahimi am
Mittwoch in Bagdad auf einer Pressekonferenz. Die Wahlen seien jedoch
der wichtigste Meilenstein.
Brami sprach sich zugleich für die Bildung einer provisorischen
Regierung aus, die nach der Machtübergabe der USA am 30. Juni das
Land bis zu den Wahlen am 31. Januar führen soll. Der von den USA
eingesetzte Regierungsrat solle aufgelöst werden, schlug Brahimi
vor. Die USA und der Regierungsrat hatten die UN um Vermittlung
gebeten, nachdem sie in dieser Frage zu keiner gemeinsamen Haltung
gekommen waren.
Brahimi schlug vor, in die provisorische Regierung allseits
respektierte Persönlichkeiten zu berufen. Sie solle aus einem
Ministerpräsidenten, Staatspräsidenten und zwei
Vizepräsidenten bestehen und von einer «beratenden
Versammlung» unterstützt werden. Brahimis Vorschläge
stellen erhebliche Vereinfachungen zu den Institutionen dar, die von
den USA und dem Regierungsrat diskutiert worden waren. Brahimi
kündigte an, er werde UN-Generalsekretär Kofi Annan
Vorschläge unterbreiten, wie die provisorische Regierung gebildet
werden könnte. Details wollte er nicht nennen. Vor Brahimi war
eine Ausweitung, nicht die Auflösung des Regierungsrats erwogen
worden.
«Ich bin mir absolut sicher, dass die Iraker eine einfache
Lösung für die Übergangsphase haben wollen»,
erklärte er. «Man braucht keine legislative Einrichtung
für diese kurze Zeit.» Er schlug die Einberufung einer
«Konferenz des nationalen Dialogs» vor, die nach dem 30.
Juni die beratende Versammlung berufen solle.
Rund 21.000 US-Soldaten werden wegen der angespannten Lage in Irak
nicht wie geplant in diesem Monat aus dem Land abgezogen, wie das
Verteidigungsministerium in Washington bekannt gab. Die Truppen
müssten weitere drei Monate in Irak bleiben. Mit der Entscheidung
bricht das Verteidigungsministerium sein Versprechen an die Soldaten
und ihre Familien, dass der Einsatz in Irak höchstens zwölf
Monate dauern soll. Auch der Dienst für 1.000 in Kuwait
stationierte Soldaten wird über die zwölf Monate hinaus
verlängert. Die meisten Soldaten sollten auf ihre Stützpunkte
in Fort Polk im US-Staat Louisiana sowie in die deutsche Garnisonsstadt
Baumholder zurückkehren. Die Vorbereitungen für die
Willkommensfeiern wurden eingestellt.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Siebenundzwanzigster Kriegstag in Irak
Di.15.04.03 - US-Truppen erstürmten Saddams letzte Hochburg Tikrit
+++ Mit der Einnahme der letzten nicht besetzten irakischen
Großstadt zeichnet sich Ende der heißen Kriegsphase ab +++
Pentagon rechnet nicht mehr mit größeren Kämpfen in Irak
- Militärisches Hauptziel einer Entmachtung des Saddam-Regimes sei
erreicht +++ US-Luftstreitmacht in der Region wird schrittweise
verringert +++ In der südirakischen Stadt Nasirija beraten
irakische Regimekritiker über Zukunft des Landes +++ Hälfte
der Krankenhäuser in Basra geplündert +++ In Bagdad
demonstrierten hunderte Menschen für mehr Sicherheit und riefen
Parolen gegen die USA +++ In Bagdad herrscht das Chaos: Nachts sind
Banden unterwegs und saufen, stehlen und plündern - Die
Bevölkerung gibt den USA die Schuld +++ Zahllose personelle und
institutionelle Verflechtungen werfen ein trübes Licht auf die
amerikanischen Pläne zur Nachkriegsordnung im Irak +++ Schiitische
Opposition will Irak-Treffen boykottieren +++ Machtkämpfe zwischen
Schiiten im Süden - Wer in der Stadt Nadschaf das Sagen hat,
bestimmt auch im künftigen Irak mit. Und der Einfluss aus dem
benachbarten Iran ist stark +++ USA bezeichnen Syrien als
'Schurkenstaat'- Annan besorgt über wachsende US-Kritik an Syrien
+++ Euro steigt - Markt fürchtet Syrien-Konflikt +++ Rolle der
Vereinten Nationen nach dem Irak-Krieg noch offen - EU bewegt sich im
Streit um UN auf USA zu +++ Erste irakische Ölverkäufe binnen
drei Monaten erwartet +++ Ehemalige Waffeninspekteure bezeichnen
zahlreiche dem Sicherheitsrat vor dem Krieg vorgelegte US-Beweise als
'irreführend' und 'hochgradig falsch' +++ Anwälte wollen
Untersuchung etwaiger Kriegsverbrechen der Alliierten +++ Amnesty
fordert Menschenrechtskommission für Irak +++ UNESCO fordert
Polizeitruppe für irakische Kulturgüter +++ 15.000
demonstrieren in Leipzig für Frieden +++ Jugendkonferenz der
'Schüler gegen Krieg' in Berlin: Heftige Kritik an Politik von SPD
und Grünen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304150.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Mi.14.04.04 - Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen
Land mindestens 670 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der verwundeten Soldaten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie nicht.
Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur.
(Quellen: rtr, taz)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Nahost-Konflikt
US-Präsident leitet Kurswechsel in Nahostpolitik ein - Bush gibt
Scharon Rückendeckung für Siedlungen im Westjordanland.
Israel habe Anspruch auf Teile vom Westjordanland.
Palästinenser sehen Bushs Unterstützung für Scharons
Siedlungspläne als Ende des Friedensprozesses.
Annan kritisiert amerikanischen Präsidenten - Bush
habe die Belange der Palästinenser ignoriert.
Scharon will Bau von Sperranlage beschleunigen. Kampagne der Siedler
gegen Scharons Rückzugspläne
Do.15.04.04 - In einem historischen Kurswechsel seiner Nahost-Politik hat
US-Präsident George W. Bush Israel am Mittwoch Teile des
Westjordanlandes zugesprochen.
Die Palästinenser verurteilten umgehend Bushs Unterstützung
für den Plan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon, alle Siedlungen im Gaza-Streifen aufzugeben und im Gegenzug
größere Siedlungen im Westjordanland zu behalten. "Bush ist
der erste US-Präsident, der jüdischen Siedlungen auf
palästinensischem Land Legitimität verleiht", sagte der
palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei. "Wir weisen
das zurück. Wir werden es nicht akzeptieren."
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Scharon sagte Bush:
"Angesichts der neuen Fakten in der Region, darunter die Existenz
größerer jüdischer Ansiedlungen, ist es unrealistisch
zu erwarten, dass das Ergebnis abschließender Verhandlungen ein
vollständiger Rückzug auf die Waffenstillstandslinien von
1949 sein wird." Über Jahrzehnte hinweg hatten US-Regierungen die
jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten als Hindernis
für eine Lösung des Nahost-Konflikts bezeichnet.
Zu Scharons Plan eines vollständigen israelischen Abzugs aus dem
Gaza-Streifen sagte Bush: "Dies sind historische und mutige Schritte."
Er drängte alle Parteien, den Zeitpunkt zu nutzen, um "einen der
langwierigsten Konflikte der Welt zu beenden". Die umstrittene Frage
der Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge müsse im
Rahmen der Gründung eines Palästinenser-Staates gelöst
werden, sagte der US-Präsident. Die Flüchtlinge sollten dort
und nicht in Israel angesiedelt werden.
Der britische Premierminister Tony Blair erklärte, er
begrüße den geplanten israelischen Rückzug aus dem
Gaza-Streifen und die Aufgabe einiger Siedlungen im Westjordanland. Die
internationale Gemeinschaft müsse nun zusammenarbeiten, "um diese
Gelegenheit zu nutzen, um dem Friedensprozess im Einklang mit dem
internationalen Friedensplan neues Leben einzuhauchen", sagte Blair.
Im Westjordanland leben rund 230.000 jüdische Siedler unter 2,3
Millionen Palästinensern. Im Gaza-Streifen sind es 7500 Siedler
unter 1,3 Millionen Palästinensern. Die Palästinenser fordern
einen eigenen Staat und damit die Räumung aller jüdischen
Siedlungen in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten.
Korei sagte, die USA hätten nicht das Recht, Ansprüche der
Palästinenser für verwirkt zu erklären. Er forderte eine
internationale Konferenz, auf der die Missachtung
palästinensischer Rechte diskutiert werden solle. Der
palästinensische Politiker Jassir Abed Rabbo sagte der
Nachrichtenagentur Reuters, die Haltung Bushs stelle eine Gefahr
für den Nahen Osten dar. "Bush und Scharon versuchen gegenseitig,
ihre politische Zukunft zu sichern, bedrohen dabei aber die Zukunft
Israels, der Palästinenser und der gesamten Region." Ein Vertreter
der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad
sagte, Bushs Aussagen entsprächen einer Kriegserklärung an
die Palästinenser. "Bush und Scharon werden die Verantwortung
für den neuen Kreislauf des Krieges tragen müssen."
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat unterdessen US-Präsident
George W. Bush wegen dessen Wende in der Nahostpolitik offen
kritisiert. Mit der Unterstützung von Israels einseitigem
Abtrennungsplan habe Bush die Belange der Palästinenser ignoriert,
so Annans Sprecher.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat derweil die
Beschleunigung des Baus der umstrittenen Sperranlage zum Westjordanland
angekündigt. Die Fertigstellung der Sperranlage sei "grundlegend"
für die Sicherheit der israelischen Bevölkerung, schrieb
Scharon in einem Brief an US-Präsident George W. Bush, der am
Mittwoch nach dem Treffen der beiden Politiker im Weißen Haus
veröffentlicht wurde.
Jüdische Siedler haben unterdessen eine groß angelegte
Kampagne gegen den Plan des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon
zum Abzug aus dem Gazastreifen gestartet. Hunderte Siedler würden
persönlich bei Mitgliedern von Scharons Likud-Partei vorsprechen,
berichtete der Militärrundfunk. In den Gesprächen sollten die
Parteimitglieder dazu gebracht werden, sich Scharons Vorhaben zu
widersetzen.
Am 2. Mai will Scharon seine Vorschläge den rund 200.000
Mitgliedern seiner Likud-Partei zur Abstimmung vorlegen. In der
rechtskonservativen Partei gibt es starke Vorbehalte gegen das
Vorhaben, das die Räumung von 21 jüdischen Siedlungen im
Gazastreifen und einigen Siedlungen im Westjordanland vorsieht.
(Quellen: rtr, afp)
ANC liegt bei Wahl in Südafrika vorn
Do.15.04.04 - Aus der dritten Wahl in Südafrika seit dem Ende der Apartheid vor
zehn Jahren geht der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC)
offenbar als klarer Sieger hervor. Nach Auszählung von gut zehn
Prozent der Wahllokale stimmten 61 Prozent für die Partei von
Nelson Mandela. Die von Weißen geführte Demokratische
Allianz lag nach Angaben der Wahlkommission abgeschlagen bei 21
Prozent. Die vorläufigen Ergebnisse legten damit die Wiederwahl
von Präsident Thabo Mbeki nahe.
Es zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Vor den Wahllokalen
hatten sich schon vor deren Öffnung am Mittwoch lange Schlangen
gebildet. Auch die Wahlkommission sprach am Mittag von einer hohen
Beteiligung - Befürchtungen, viele Stimmberechtigte könnten
diesmal den Urnen fern bleiben, schienen sich nicht zu bestätigen.
Offen blieb zunächst, ob der ANC, die ehemalige Befreiungsbewegung
der Schwarzen, die zu einer Verfassungsänderung notwendige
Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht. Bei der letzten Wahl vor fünf
Jahren hatte er diese Hürde denkbar knapp verfehlt.
(Quelle: ap)
Das Elend der schwarzen Mehrheit in Südafrika hält an
Weiter keine Chancengleichheit. Wachsende Migration und Kriminalität.
Moyiga Nduru zieht zehn Jahre nach
der Apartheid Bilanz - in "junge Welt vom 13.04. und 14.04.04:
http://www.jungewelt.de/2004/04-13/006.php
http://www.jungewelt.de/2004/04-14/008.php
Türkei lehnt Verschiebung von Zypern-Referendum ab - Zehntausende
türkische Zyprer demonstrieren für Annahme des UN-Plans
Do.15.04.04 - Das Angebot von UN-Generalsekretär Kofi Annan, die für den
24. April geplanten Referenden über eine Wiedervereinigung Zyperns
möglicherweise zu verschieben, ist in Ankara und Athen auf ein
geteiltes Echo gestoßen. Das türkische
Außenministerium erklärte, die Volksabstimmungen in beiden
Teilen der Insel über Annans Zypern-Plan sollten zum festgelegten
Datum stattfinden. Die Regierung in Athen zeigte sich dagegen
grundsätzlich mit einer Verschiebung einverstanden.
Auf das Datum hätten sich die drei offiziellen
Garantiemächte, die Türkei, Griechenland und
Großbritannien, geeinigt, hieß es aus Ankara. Von diesem
Kompromiss könne nicht mehr abgewichen werden.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Athen sagte dagegen, wenn
alle Parteien dem zustimmten, werde auch Griechenland einen Aufschub
akzeptieren. Zuvor hatte Annan erklärt, wenn alle Beteiligten
einschließlich der Regierungen in Athen und Ankara eine
Terminverlegung wünschten, sei darüber nachzudenken. Bislang
liege eine solche Anfrage aber nicht vor.
Im nördlichen Teil der Stadt Nicosia demonstrierten am Mittwoch
rund 40.000 türkische Zyprer für die Annahme des Plans und
die Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel. Dabei
schwenkten sie die Fahne, die im Fall einer Wiedervereinigung zur
Nationalflagge werden würde. Den Meinungsumfragen zufolge
befürwortet eine Mehrheit der türkischen Zyprer die
Wiedervereinigung, während sie beim griechischen
Bevölkerungsteil mehrheitlich auf Ablehnung stößt.
Sollte einer der beiden Bevölkerungsteile den
Wiedervereinigungsplan Annans ablehnen, wird nur der international
anerkannte griechische Teil Zyperns am 1. Mai der EU beitreten. Der
UN-Vorschlag sieht die Bildung eines eigenständigen und
föderalen Staates vor, der aus zwei gleichberechtigten Teilstaaten
beider Volksgruppen besteht. Besonders umstritten sind die Bedingungen
für die Rückkehr griechischer Zyprer in den türkischen
Nordteil der Insel sowie die Forderungen nach dauerhaften
Ausnahmeregelungen von EU-Bestimmungen, unter anderem in der Frage der
Bewegungs- und Investitionsfreiheit.
(Quelle: ap, afp)
Deutschland profitiert laut Verheugen enorm von Osterweiterung
Do.15.04.04 - Deutschland wird nach Einschätzung des EU-Erweiterungskommissars
Günter Verheugen von der Osterweiterung am 1. Mai wirtschaftlich
enorm profitieren. Zwar werde die Aufnahme der neuen Mitglieder die
deutsche Staatskasse mit rund 2,5 Milliarden Euro Netto-Kosten
belasten. Dem stehe aber der zu erwartende größere
Außenhandelsüberschuss gegenüber, sagte der
SPD-Politiker am Mittwoch dem Nachrichtenportal
«tagesschau.de».
Die Erweiterung sei deshalb wirtschaftlich gesehen eine
«Win-Win-Situation». Nach Ansicht Verheugens sind die zehn
neuen EU-Mitglieder besser auf die anstehende Erweiterung vorbereitet
als viele frühere Beitrittsländer. Am 1. Mai treten der EU
Polen, Ungarn, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, die Slowakei,
Slowenien, Malta und Zypern bei. Es ist die bislang größte
Erweiterungsrunde in der Geschichte der Europäischen Union.
(Quelle: ap)
Union und SPD sehen Minijobs als Erfolg
Do.15.04.04 - Ein Jahr nach Einführung der 400-Euro-Minijobs haben Union und SPD
die Neuregelung als Erfolgsgeschichte gelobt. So seien 1,3 Millionen
Minijobs entstanden, erklärten die bayerische Sozialministerin
Christa Stewens (CSU) und CDU-Arbeitsmarktpolitiker Karl-Josef Laumann
am Mittwoch in Berlin. SPD-Experte Klaus Brander sprach von einem
«Musterbeispiel, Flexibilität und soziale Sicherheit zu
verbinden». Die Gewerkschaft ver.di äußerte sich
hingegen kritisch.
Stewens sagte, das von der Union mit ausgehandelte Mini-Job-Gesetz sei
die einzige erfolgreiche Maßnahme aus den bisherigen
Hartz-Reformen. Sie und Laumann räumten allerdings ein, dass die
Neuregelung kaum Arbeitslosigkeit beseitigt. Denn 50 Prozent der Jobs
werden von Schülern und Studenten ausgeübt, weitere 20
Prozent von Rentnern, wie Laumann sagte. Immerhin hätten die
Minijobs aber die Konjunktur gestärkt, da die Einkünfte meist
direkt in den Konsum flössen.
Die Neuregelungen waren am 1. April 2003 in Kraft getreten. Sie sehen
vor, dass Arbeitnehmer bis zu 400 Euro im Monat «brutto für
netto» verdienen können und auch Arbeitgeber dafür nur
geringe Pauschalen für Steuer und Sozialabgaben entrichten
müssen. Insgesamt gibt es nach Stewens Worten nun 7,5 Millionen
Minijobs in Deutschland.
Laumann sagte, es sei klar, dass sie nur eine Ergänzung des
Arbeitsmarkts sein könnten. «Sie können die
Arbeitsmarktprobleme Deutschlands nicht über Minijobs
lösen», sagte Laumann. Dennoch sieht Stewens einen
«wichtigen Schritt auf dem Weg zur dringend erforderlichen
Aktivierung des Niedriglohnbereichs».
Brandner erklärte seinerseits die Neuregelung zur
«Erfolgsstory». Denn die Arbeitgeber zahlten für die
kleinen Beschäftigungsverhältnisse vier Milliarden Euro in
die Sozialversicherungen ein, davon allein 1,8 Milliarden Euro in die
Krankenversicherung. Auch dem Ziel, die Schwarzarbeit in
Privathaushalten einzudämmen, sei man näher gekommen. Die
Zahl der Anmeldungen sei hier sprunghaft auf rund 100.000 gestiegen.
Ver.di zog hingegen eine weitaus kritischere Bilanz. Es sei
ungeheuerlich, dass bei der Union gefeiert werde, wenn durch Minijobs
massenhaft Arbeitsplätze abgebaut würden, sagte ein
Gewerkschaftssprecher. Er verwies auf Untersuchungen der
Dienstleistungsgewerkschaft im Einzelhandel, nach denen im vergangenen
Jahr dort 227.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze
abgebaut und durch 176.000 Minijobs ersetzt worden seien. Insgesamt
gibt es im Einzelhandel nach Gewerkschaftsangaben 835.000 Minijobs.
Über die übrigen von der Regierung in Kraft gesetzten
Hartz-Reformen fällte Stewens ein vernichtendes Urteil. So seien
durch in Personal-Service-Agenturen nur etwa 31.700 statt der
angepeilten 50.000 Arbeitslosen beschäftigt. Auch
Bildungsgutscheine und Job-Floater hätten sich mit 11.000 statt
50.000 neuen Stellen als Flop erwiesen. In Ich-AGs hätten sich
zwar 80.000 bis 100.000 Menschen selbstständig gemacht; doch sei
eine Pleitewelle absehbar, sobald die Förderung vom Arbeitsamt
reduziert werde, sagte Laumann voraus.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Ver.di-Studie: Minijobs vernichten Vollzeitstellen
Di.23.03.04 - Geringfügig bezahlte Minijobs haben nach Angaben der
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hunderttausende vollwertige
Arbeitsplätze im Einzelhandel ersetzt. Das belege ein von der
Gewerkschaft in Auftrag gegebener Branchenreport. Demnach sank die Zahl
der Vollzeitstellen und der sozialversicherten Teilzeitjobs im
Einzelhandel binnen eines Jahres um 227.000, während die Zahl der
Minijobs bis 2003 um 176.000 auf 835.000 stieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403230.htm#04032321
Teilzeitbeschäftigte
Verkäuferinnen bekommen laut ver.di zunehmend Stunden gestrichen.
Die Einkommensverluste müßten die Betroffenen mit
zusätzlichen Jobs ausgleichen. Registrierte Arbeitslose haben von
den seit einem Jahr geltenden 400-Euro-Job-Regelungen nichts. Das
Einkommen daraus reicht nicht, um ihre Existenz zu sichern. Zudem
dürfen sie nicht den vollen Betrag dazuverdienen. Dagegen ist es
für Unternehmen attraktiver geworden, aus Vollzeitstellen Minijobs
zu machen, heißt es auch beim DGB. Neben dem Handel sei das im
Dienstleistungsbereich und in der Gastronomie zu beobachten.
Minijobs sind Jobkiller, betonte kürzlich auch der
»Wirtschaftsweise« Peter Bofinger in einem Interview des
DGB-Magazins Einblick. Er ist Mitglied des Sachverständigenrates
zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, eines
Gremiums, das nicht bekannt ist für deutliche Kritik an der
Bundesregierung. Laut Bofinger ist im vergangenen Jahr die Zahl der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse um
eine halbe Million gesunken. Die Minijobs müßten in ihrer
jetzigen Form überprüft werden, fordert der
Wirtschaftswissenschaftler. Statistisches Bundesamt und Bundesagentur
für Arbeit hatten zuvor darauf aufmerksam gemacht, daß es
viele dieser Jobs schon vor den Hartz-Gesetzen gab.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom März hat die
Zunahme der 400-Euro-Jobs dazu geführt, daß die
tatsächlichen Durchschnittsverdienste aller Arbeitnehmer langsamer
stiegen. Damit stärken die Minijobs nicht die Kaufkraft und
kurbeln auch nicht die Binnenkonjunktur an, wie von der CDU behauptet.
Die infolge des Sozialabbaus sinkenden Einkommen dürften
Hauptursache für die nicht nachlassende Nachfrage nach den
Billigjobs sein. »Die Menschen brauchen das Geld«, ist
selbst CDU-Politiker Laumann klar. So müßten die betroffenen
Rentner sich etwas dazuverdienen, um ihren Lebensstandard halten zu
können.
Hinzu kommt, daß die Sozialkassen nicht wie versprochen entlastet
werden. Sie müssen dagegen mit fehlenden Einnahmen in
Millionenhöhe rechnen. Bei den sogenannten Minijobs werden die
Sozialabgaben nur von den Unternehmern pauschal mit 25 Prozent
getragen. Für Jobber ohne Hauptverdienst – immerhin drei Viertel
von ihnen – bedeutet das im ersten Moment »brutto gleich
netto«, doch später eine Rente weit unter der Armutsgrenze.
Die 400-Euro-Jobs erschweren außerdem die infolge des
Sozialabbaus geforderte Eigenvorsorge bei Gesundheit und Alter, warnen
Wirtschaftsforscher.
Aus "junge Welt" vom 15.04.04:
http://www.jungewelt.de/2004/04-15/001.php
Minijobs drücken Verdienstanstieg von Arbeitnehmern - Zahl
der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse auf
7,5 Millionen gestiegen
Sa.06.03.04 - Der Anstieg von Arbeitnehmer-Verdiensten in Deutschland ist im
vergangenen Jahr deutlich hinter den tariflichen Gehaltssteigerungen
zurück geblieben. Der effektive Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer stieg lediglich
um 1,3 Prozent auf 26.700 Euro, wie das Statistische Bundesamt am
Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die Tarifverdienste dagegen legten um
2,5 Prozent zu. Die Statistiker führten die hohe Differenz vor
allem auf die deutlich gestiegene Zahl geringfügig
Beschäftigter nach den Minijob-Gesetzesänderungen
zurück... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403060.htm#04030618
60 Prozent mehr Gehalt für Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Mi.10.03.04 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat im vergangenen Jahr fast 60
Prozent mehr verdient als 2002... Seine Bezüge stiegen 2003 auf 11 Millionen Euro... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403100.htm#040310_h
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Ich-AGs vor dem Scheitern - Ausfallquote verdreifacht
Do.15.04.04 - Den staatlich geförderten Ich-AGs droht angeblich das Scheitern.
Die Ausfallquote der Kleinunternehmen habe sich seit Ende 2003 auf neun
Prozent verdreifacht, schreibt die in Düsseldorf erscheinende
«Rheinische Post» (Donnerstagausgabe) unter Bezug auf
Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. 12 000 von insgesamt 127 000
Gründer hätten sich aus der Förderung, die im Januar
2003 eingeführt wurde, bereits wieder verabschiedet.
Es scheine sich «unsere große Sorge zu bewahrheiten»,
dass durch eine «politisch gewollte, planlose
Gründung» von Mini-Existenzen der subventionsfreie
Mittelstand Aufträge und Arbeitsplätze verliere, sagte der
Mittelstandspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hartmut
Schauerte (CDU), dem Blatt. Am Ende bleibe nur ein «neues
Dienstleistungs-Proletariat» übrig.
(Quelle: ddp)
200 Millionen Euro Steuervorteile für Luxus-Geländewagen
Do.15.04.04 - Die Steuervergünstigungen für Luxus-Geländewagen kosten
den Staat nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe jährlich
rund 200 Millionen Euro. So würden für einen
begünstigten VW Touareg Diesel statt 741,50 Euro nur 185 Euro
Kfz-Steuer fällig, berichtete die Umweltorganisation am Mittwoch
in Berlin. Hintergrund sei die Möglichkeit, die Wagen statt als
Pkw als «leichtes Nutzfahrzeug» zuzulassen. Das Schlupfloch
müsse umgehend geschlossen werden, forderte
DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.
Bisher stemme sich Verkehrsminister Manfred Stolpe auf Druck der
Autoindustrie dagegen, die Kraftfahrzeugzulassungsverordnung
entsprechend zu ändern. Umweltminister Jürgen Trittin habe
sich für eine Neuregelung eingesetzt, und Verkehrs- und
Umweltministerium hätten sich auf Arbeitsebene bereits darauf
geeinigt. Die Novelle sei aber von der Leitungsebene des
Verkehrsministeriums gestoppt worden, erklärte Resch.
Es geht um schwere, hochmotorisierte, allradgetriebene Limousinen,
darunter neben dem Touareg auch der BMW X5 oder die Mercedes M-Klasse.
Als «leichte Nutzfahrzeuge» zugelassen, werden sie nicht
nur bei der Kfz-Steuer begünstigt, sondern müssen auch meist
weniger scharfe Abgaswerte einhalten. Dies gilt vor allem für
«leichte Nutzfahrzeuge» zwischen 2,8 und 3,5 Tonnen. Einige
Luxus-Geländewagen werden deshalb nach Angaben der Bundesverbands
der Verbraucherzentralen besonders schwer konstruiert, damit sie die
2,8-Tonnen-Grenze überschreiten.
Nach Darstellung der Deutschen Umwelthilfe halten einige der
Geländewagen nur die Abgasnorm Euro-2 ein, die für
Personenwagen bereits 1999 abgelaufen ist. Resch sagte, die von ihm
angenommenen 200 Millionen Euro Ausfälle bei der Kfz-Steuer, die
in die Kassen der Bundesländer fließt, seien eine
Hochrechnung auf Grundlage der Zulassungszahlen. Laut
Kraftfahrtbundesamt sind inzwischen 830.000 schwere Geländewagen
zugelassen.
(Quelle: ap)
Deutsche Umwelthilfe:
http://www.duh.de/