Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertvierundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
15 Iraker bei heftigen Gefechten mit US-Truppen in Falludscha
getötet. US-Kampfflugzeuge griffen Ziele in der sunnitischen
Widerstandshochburg an. Iranischer Diplomat in Irak ermordet. Annan
verurteilt Tötung des Iraners und einer italienischen Geisel.
USA zu gewaltsamer Befreiung von Geiseln bereit. Britischer Premier
demonstriert bei UNO-Besuch Geschlossenheit mit USA. Blair fordert neue
Irak-Resolution des Weltsicherheitsrates. Chirac: Frankreich wird keine
Truppen nach Irak schicken. Künftiger spanischer
Ministerpräsident Zapatero kündigt Abzug spanischer
Truppen aus Irak vor Parlament an. USA begrüßen UN-Plan,
irakischen Regierungsrat durch eine Übergangsregierung zu
ersetzten
Fr.16.04.04 - Bei heftigen Gefechten zwischen Aufständischen und US-Truppen im
westirakischen Falludscha sind Ärzten zufolge in der Nacht 15
Iraker getötet worden.
US-Kampfflugzeuge hätten Ziele in der sunnitischen
Widerstandshochburg angegriffen, berichteten Augenzeugen am Freitag.
Zuvor hätten irakische Rebellen mit Mörsergranaten einen
Krankenhauskomplex beschossen, sagte US-Oberstleutnant Brennan Byrne. In
einem am Mittwoch ausgehobenen Waffenversteck hätten US-Soldaten
200 Panzerabwehrraketen und etliche selbstgebaute Sprengsätze
entdeckt.
Nach Byrnes Angaben versuchten die Soldaten, die Rebellen durch
höhnische Lautsprecherdurchsagen und laute Heavy-Metal-Musik aus
ihren Verstecken zu locken. Mindestens zwei bewaffnete Iraker
hätten sich am Mittwochabend dadurch herausfordern lassen und
seien von den US-Soldaten getötet worden. US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld hatte zuvor gesagt, die US-Truppen hätte die Lage
in Falludscha mittlerweile im Griff, nachdem bei tagelangen
Kämpfen mehr als 600 Iraker und über 80 US-Soldaten ums Leben
gekommen waren. Die USA haben nicht mit einer so hohen Zahl an Opfern
durch irakische Aufständische gerechnet. Das räumte US-
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf Anfrage ein.
US-Marine-Infanteristen hatten Anfang April eine Offensive in
Falludscha eingeleitet, nachdem dort Aufständische vier
US-Bürger getötet und ihre Leichen geschändet hatten.
Der grausame Tod der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma hatte
international für Entsetzen gesorgt.
Vor einer Woche hatten die USA angekündigt, ihre Offensive in
Falludscha auszusetzen, solange US-Soldaten nicht angegriffen
würden. Seitdem wurde wiederholt eine Waffenruhe vereinbart, die
sich jedoch stets als brüchig erwies.
Unbekannte Angreifer haben in Irak einen iranischen Diplomaten
getötet. Der Iraner sei am Donnerstag in Bagdad niedergeschossen
worden und seinen Verletzungen erlegen, sagte Hossein Sadeghi, Chef
einer Delegation des Teheraner Außenministeriums, in Bagdad der
Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens
handelt es sich bei dem Opfer um den Ersten Sekretär der
iranischen Mission in Irak, Chalil Naimi.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat am Donnerstag die Tötung
des iranischen Diplomaten und einer italienischen Geisel als sinnlose
Taten verurteilt. Zugleich rief er in New York zu einem Ende der
jüngsten Welle von Entführungen auf. Annan äußerte
sich erleichtert, dass einige der Verschleppten wieder freigekommen
seien. Entsetzt zeigte er sich über die «grausame
Tötung» von Fabrizio Quattrocchi und Chalil Naimi. Er sei
überrascht, dass die Lage so weit eskaliert sei, dass derart viele
Menschen als Geiseln genommen worden seien. Dies sei nicht der richtige
Weg, etwas zu erreichen. Die stellvertretende UN-Sprecherin Marie Okabe
erklärte, Annan habe betont, dass Geiselnahmen gegen die
Menschenrechte verstießen.
Die Vereinigten Staaten sind derweil zu einer gewaltsamen Befreiung
ausländischer Geiseln in Irak bereit. Die Geiselnehmer drohten
nach Angaben des italienisches Informationsdienstes "Il Velino" damit,
bis zum (heutigen) Abend eine zweite Geisel zu töten, wenn Italien
seine Truppen nicht abziehe.
Sofern die USA wüssten, "wo die Leute sind, sind wir willens, eine
Militäroperation zu ihrer Befreiung auszuführen", sagte der
stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage der
tschechischen Nachrichtenagentur CTK. "Wir müssen uns aber bewusst
sein, dass diese Militäreinsätze manchmal gefährlich
für die Geiseln sind." Deshalb wollten die USA mit den jeweiligen
Regierungen besprechen, "ob sie wirklich wollen, dass wir tätig
werden".
Unterdessen sind drei Japaner nach einer Woche in der Gewalt irakischer
Entführer freigelassen worden. Die Freigelassenen seien wohlauf
und befänden sich in der Obhut sunnitischer Religionsgelehrter in
Bagdad, berichtete der Fernsehsender El Dschasira. Die japanische
Regierung habe die Freilassung bestätigt, meldete der japanische
Fernsehsender NHK.
Die drei Japaner waren am Donnerstag vergangener Woche von einer Gruppe
entführt worden, die sich "Mudschahedin-Brigaden" nennt. Die
Gruppe drohte damit, die Verschleppten zu töten, sollte Japan
nicht seine Soldaten aus Irak abziehen.
Der britische Premierminister Tony Blair hat bei einem Besuch der
Vereinten Nationen Geschlossenheit mit den Vereinigten Staaten
demonstriert. "Wesentlich sind das gemeinsame Ziel und der gemeinsame
Zweck", sagte Blair nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi
Annan am Donnerstag (Ortszeit) in New York. Das Ziel sei nach wie vor
eine demokratische Regierung in Irak. "Unsere Entschlossenheit, dorthin
zu gelangen, ist ungebrochen."
Der künftige spanische Ministerpräsident José Luis
Rodríguez Zapatero hat vor dem Parlament in Madrid
ausdrücklich angekündigt, dass er die spanischen Truppen aus
Irak abziehen werde, wenn bis zum 30. Juni kein UN-Mandat für den
Einsatz vorliege. Er habe eine "Datumsgrenze" bis Ende Juni gesetzt und
werde die Soldaten dann aus Irak zurückholen, "wenn die Vereinten
Nationen nicht die politische Kontrolle und die militärische
Führung in diesem Land übernehmen", sagte Zapatero am
Donnerstagabend vor dem Parlament in der spanischen Hauptstadt.
Zapatero sollte am Freitag vom Parlament vereidigt und
anschließend von König Juan Carlos offiziell eingesetzt
werden. Spanien hat derzeit rund 1300 Soldaten in Irak stationiert.
Frankreich wird nach Angaben von Präsident Jacques Chirac
keinerlei Truppen nach Irak schicken. Es komme "nicht in Frage, dass
Frankreich positiv auf die Bitte nach einer militärischen
Präsenz in Irak antwortet", sagte Chirac am Donnerstag bei einer
Pressekonferenz mit seinem algerischen Kollegen Abdelaziz Bouteflika in
Algier. "Die Frage steht nicht auf der Tagesordnung", fügte Chirac
auf die Frage nach einer möglichen französischen Beteiligung
an einer UN-Schutztruppe in Irak hinzu.
Die US-Regierung hat den Plan des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi
begrüßt, den irakischen Regierungsrat durch eine
Übergangsregierung zu ersetzten und dieser bis zum 1. Juli die
Verantwortung zu übergeben. Außenminister Colin Powell
sprach von einem «einwandfreien» Vorschlag. Gleichwohl
seien noch weitere Beratungen mit den Vereinten Nationen und anderen
Parteien erforderlich, sagte er am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.
Auch Außenamtssprecher Richard Boucher nannte den Brahimi-Plan
einen wichtigen Beitrag bei der Suche nach einer Lösung für
die geplante Machtübergabe. Wie die Zeitung «New York
Times» am Freitag berichtete, hat die US-Regierung sogar die im
Brahimi-Plan festgelegten Einzelheiten für den Machttransfer
akzeptiert.
Der britische Premierminister Tony Blair sprach sich derweil für
eine Schlüsselrolle der Vereinten Nationen bei der
Demokratisierung und Befriedung Iraks aus. Zudem forderte er eine neue
Irak-Resolution des Weltsicherheitsrates: «Die Umstände
machen es erforderlich, dass wir in der nahe Zukunft eine neue
Resolution haben», sagte er nach einem Treffen mit
UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Am (heutigen) Freitag
wollte Blair mit US-Präsident George W. Bush über die
jüngsten Entwicklungen in Irak sprechen.
(Quellen: rtr, afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Achtundzwanzigster Kriegstag in Irak
Mi.16.04.03 - Kämpfe weitgehend beendet +++ US-Truppen festigen Kontrolle
über das Land +++ Weg zum politischen Neuanfang in Irak gestaltet
sich schwierig +++ Zehntausende demonstrieren gegen befürchtete
Bevormundung durch die USA +++ Iraks Opposition will Regierung selbst
bestimmen +++ Saddam Hussein und nahezu alle seiner
Führungskräfte bleiben verschwunden +++ UN-Vertreter bereiten
ihre Rückkehr in den Irak vor +++ Welt ist laut Bush heute sicherer
+++ Druck auf Syrien weiter verstärkt +++ Laut einer Umfrage unter
US-Amerikanern war der Krieg ein Erfolg auf der ganzen Linie +++ 'Das
Recht', sagt Immanuel Kant, 'muss nie der Politik, wohl aber die
Politik jederzeit dem Recht angepasst werden' - Die Sieger von Bagdad
sehen das anders +++ Gespräche über Nachkriegsordnung im Irak
vertagt - Saddam-Gegner gehen auf Distanz zur US-Armee +++ Bagdad: Der
brutale Alltag der vergangenen Wochen scheint bereits hier und da einer
Normalität zu weichen. Und in Teilen der irakischen Volksseele
brodelt es gewaltig +++ Die Hardliner aus dem Pentagon, angeführt
von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und seinem Stellvertreter
Wolfowitz, lassen keinen Zweifel daran, dass die Macht vorerst der
US-Armee gehört +++ Im Irak-Krieg, der am 20. März begann,
sind Tausende Menschen ums Leben gekommen +++ Amnesty kritisiert
Kriegsziele der Alliierten in Irak +++ 200.000 Dollar Belohnung
für Hinweis auf Saddam Husseins Versteck +++ USA legen Pipeline
zwischen Irak und Syrien still +++ Die 'Schurkisierung' Syriens
ähnelt fatal der bushistischen Irak-Rhetorik +++ Schweigen
über Massenvernichtungswaffen der Verbündeten +++ Der
Rumsfeld-Saddam-Deal - Geheimakten nach 20 Jahren veröffentlicht:
Pipeline-Geschäft trotz Chemiewaffenkrieg verhandelt +++ Annan
beklagt «katastrophale Verluste» bei
Museums-Plünderung - Rumsfeld vergleicht Plünderung des
irakischen Nationalmuseums mit Fußball-Randale...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304160.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Mi.14.04.04 - Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen
Land mindestens 670 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der verwundeten Soldaten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie nicht.
Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur.
(Quellen: rtr, taz)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
|
Atommaterial aus Irak verschwunden
IAEA will atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten<
Fr.16.04.04 - Aus den irakischen Atomanlagen ist nach Erkenntnissen der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) radioaktives Material
verschwunden und außer Landes gebracht worden.
Satellitenaufnahmen ließen darauf schließen, dass in
großem Umfang Ausrüstung, in einigen Fällen sogar ganze
Gebäude abtransportiert worden seien, schrieb IAEA-Generaldirektor
Mohamed ElBaradei in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat, der am
Donnerstag in Umlauf kam. Bereits vor drei Wochen informierte die IAEA
die US-Regierung, bekam aber noch keine Antwort. Im Januar
bestätigte die Atomaufsichtsbehörde, dass im Hafen von
Rotterdam radioaktives Uran, so genanntes Yellowcake, gefunden wurde,
das vermutlich aus Irak stammte. Auch eine kleine Anzahl von
Raketenteilen tauchte in Europa auf.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will unterdessen den
Nahen und Mittleren Osten zu einer atomwaffenfreien Zone machen.
IAEA-Chef Mohammed ElBaradei sagte nach einem Treffen mit dem
Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, ein strategischer
Dialog müssen in Gang gesetzt werden. Ziel solle ein
Sicherheitssystem sein, dass auf der Vernichtung von
Massenvernichtungswaffen sowie vertrauensbildenden Massnahmen in der
Region basiere. Auch Israel dürfe nicht über Atomwaffen
verfügen.
Auf einer Pressekonferenz in Kairo lobte ElBaradei am Donnerstagabend
die libyschen Schritte zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms. Zudem
bestätigte er, dass Iran mit der IAEA zusammenarbeite. Weiter
kündigte er an, die Inspektoren würden ihre Suche nach
Massenvernichtungswaffen in Irak fortsetzen, sobald es die
Sicherheitslage dort zulasse.
(Quelle: ap)
Europa weist Bin Ladens 'Waffenstillstandsangebot' empört
zurück
CIA: Bin-Laden-Tonband wahrscheinlich echt. Powell hofft auf engere
Zusammenarbeit zwischen Europa und USA.
Fr.16.04.04 - Mit Empörung haben die EU und europäische Regierungen ein im
Namen von El-Kaida-Chef Osama bin Laden ausgesprochenes
"Waffenstillstandsangebot" zurückgewiesen."Mit Terroristen und
Schwerverbrechern wie Osama bin Laden kann es keine Verhandlungen
geben", sagte ein Regierungssprecher in Berlin.
"Die Idee eines Waffenstillstands mit einer Gruppe, die sich durch
Gewalt definiert, ist absurd", sagte ein Sprecher des britischen
Außenministeriums am Donnerstag in London. Das auf einem vom
Fernsehsender El Arabija ausgestrahlten Tonbandbotschaft enthaltene
Angebot verfolge die "zynische Strategie, Europa und die Vereinigten
Staaten auseinander zu dividieren".
Der designierte spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos
empfahl, die Botschaft nicht weiter zu beachten. Der Sprecher auf dem
Band hatte die Attentate von Madrid gerechtfertigt, bei denen am 11.
März 191 Menschen getötet worden waren.
US-Außenminister Colin Powell hofft nach der Ausstrahlung des
Osama bin Laden zugeschriebenen Tonbands auf eine stärkere
Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Er hoffe,
dass die Nachricht des mutmaßlichen Terroristenführers ein
Zeichen für ganz Europa sei, "das noch einmal zeigt, gegen welche
Art von Person wir kämpfen müssen", sagte Powell in einem
Interview mit dem italienischen Fernsehsender RAI, dessen Inhalt das
US-Außenamt am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichte. Die
Aufnahme des El-Kaida-Chefs verstärke die Entschlossenheit der USA
in diesem Kampf, "und ich hoffe, sie stärkt auch die
Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa". Die einzige Art, mit Bin
Laden umzugehen, sei "ihn zu zerstören".
Der US-Geheimdienst CIA hält das am Mittwoch ausgestrahlte und
El-Kaida-Chef Osama bin Laden zugeschriebene Tonband aller
Wahrscheinlichkeit nach für echt.
Die Stimme auf dem vom katarischen Fernsehsender El Dschasira
veröffentlichten Band sei vermutlich die Bin Ladens, sagte ein
CIA-Vertreter nach einer Untersuchung der Aufnahme.
In dem vom arabischen Fernsehsender El Arabija ausgestrahlten Band
verspricht eine Stimme den europäischen Staaten ein Ende der
islamistischen "Operationen" auf ihrem Gebiet, wenn sie jegliche
Aggression gegen Moslems einstellten. "Für diejenigen, die Frieden
wollen - wir bieten ihn an. Hört auf, unser Blut zu
vergießen, um euer eigenes zu schützen. Die Lösung
liegt in eurer Hand."
Für alle europäischen Staaten, die dieses Angebot
annähmen, "wird der Frieden in Kraft treten, sobald sie ihren
letzten Soldaten aus unseren Staaten abziehen", verspricht die Stimme,
deren Authentizität zunächst nicht überprüft werden
konnte. Das Friedensangebot gelte für die Dauer von drei Monaten
nach Ausstrahlung des Tonbands.
Der Sprecher auf dem Band drohte mit Vergeltung für die gezielte
Tötung des Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin durch die
israelische Armee am 22 März. Sollte es sich bei der Stimme
tatsächlich um die Bin Ladens handeln, würde dies bedeuten,
dass der El-Kaida-Chef vor gut drei Wochen am Leben war.
(Quelle: afp)
Afghanischer Polizeichef und acht Soldaten erschossen
Fr.16.04.04 - Kämpfer der Taliban haben in Südafghanistan einen Polizeichef
und acht afghanische Soldaten erschossen. Die Angreifer feuerten mit
Maschinengewehren auf den Konvoi von Polizeichef Jar Mohammed im Bezirk
Misan. Es gab keine Überlebenden.
Der Gouverneur der Provinz Sabul, Chijal Mohammed, machte die Taliban
für den Überfall verantwortlich. Ein Soldat habe einen
Angreifer töten können. Seine Leiche sei bereits geborgen
worden. Der Überfall ereignete sich nach Angaben des Gouverneurs,
als der Polizeichef auf dem Weg von Misan in seine Heimatstadt Schawali
Kot war. In einem Telefongespräch mit einem Reporter der
Nachrichtenagentur AP in Pakistan bekannte sich ein angeblicher
Sprecher der Taliban zu der Tat. Er gab an, neben dem Polizeichef seien
18 Soldaten getötet worden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
EU kritisiert Bushs Kehrtwende in der Nahost-Politik. Powell verteidigt
Kurswechsel des US-Präsidenten. Russland
begrüsst israelischen Abzugsplan - Aussenministerium hält
aber an Road Map fest. Arafat: Kein Frieden ohne völliges Ende
israelischer Besatzung. Frangi: US-Politik bringt Unheil für
gesamten Nahen Osten. Palästinenser starten internationale
Kampagne. Berlin sieht neue Nahost-Dynamik. UN-Menschenrechtskommission
verurteilt Israel wegen seines Vorgehens gegen Palästinenser und
der Besetzung der Golan-Höhen. Israelische Soldaten nehmen Frau
mit Bombe fest
Fr.16.04.04 - Nach dem Kurswechsel in der Nahostpolitik Washingtons haben die UNO und
die EU auf eine Einbeziehung der Palästinenser bei allen
strittigen Fragen gedrungen. Die EU-Kommission kritisierte das
gemeinsame Vorgehen von US-Präsident George W. Bush und Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon als Abkehr vom internationalen
Friedensplan. Die Palästinenser forderten die übrigen
Mitglieder des Nahost-Quartetts auf, Bush zum Umdenken zu bewegen.
Bush hatte sich zuvor bei einem Treffen mit Scharon in Washington
erstmals hinter dessen Plan zu einem einseitigen Rückzug aus dem
Gazastreifen und einigen Siedlungen im Westjordanland gestellt. Dabei
akzeptierte der US-Präsident, dass Israel Gebiete im
Westjordanland behalten könne, indem er eine Rückkehr zu den
Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 als "unrealistisch"
bezeichnete. Auch gab er Scharon seine Unterstützung in der Frage
palästinensischer Flüchtlinge; diese müssten sich in
einem künftigen Palästinenserstaat niederlassen und auf das
Rückkehrrecht auf israelisches Territorium verzichten.
Die Europäische Union werde keinerlei Änderung der Grenzen
aus der Zeit vor dem Sechs-Tage-Krieg anerkennen, die nicht das
Ergebnis von Verhandlungen zwischen Israel und Palästinensern
seien, sagte der Sprecher von Kommissionspräsident Romano Prodi in
Brüssel.
Die EU begrüße jeden Plan, der das Ziel unterstütze,
Frieden für zwei souveräne und unabhängige Staaten zu
schaffen. Dies müsse aber im Rahmen des vom Nahost-Quartett
ausgearbeiteten Friedensplans (Road Map) geschehen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte in New York, niemand solle
den Ergebnissen beiderseitiger Verhandlungen vorgreifen.
Das russische Aussenministerium hat den geplanten israelischen Abzug
aus dem Gazastreifen am Donnerstag begrüsst. Zugleich wies
Aussenamtssprecher Alexander Jakowenko jedoch darauf hin, dass alle
Elemente des als Road Map bezeichneten internationalen Friedensplans
umgesetzt werden müssten. Jakowenko erklärte, Washingtons
Bezugnahme auf die Road Map und der Verweis auf ein Festhalten an der
Idee einer Koexistenz Israels mit einem palästinensischen Staat,
auf die Wichtigkeit des Kampfes gegen den Terror sowie die Absicht, den
Gazastreifen zu verlassen und einige Siedlungen aufzugeben,
müssten positiv aufgenommen werden.
Doch müsse der gesamte Friedensplan umgesetzt werden, hiess es in
der Erklärung weiter. Fragen wie der endgültige Status der
palästinensischen Gebiete, der Grenzen, das Schicksal der
Flüchtlinge, das Problem der israelischen Siedlungen und
Ostjerusalems müssten in Verhandlungen zwischen beiden Seiten
gelöst werden.
Jassir Arafat bekräftigte in einer Radioansprache, es werde ohne
ein vollständiges Ende der Besatzung und der Siedlungspolitik
keinen Frieden geben.
«Israel wird mit Besatzung, Arroganz und der gezielten
Tötung unserer Führer keine Sicherheit erzielen», sagte
Arafat. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia
kritisierte, Bush verstoße mit seiner Anerkennung jüdischer
Siedlungen gegen internationale Resolutionen. Er bekräftigte, die
Konfliktfragen könnten nur durch Vehandlungen über eine
endgültige Friedensregelung gelöst werden.
Die jüngste Kehrtwende der US-Regierung in der Nahostpolitik wird
aus Sicht des palästinensischen Generaldelegierten in Deutschland,
Abdallah Frangi, «für Unheil in der gesamten Region»
sorgen. Präsident George W. Bush dokumentiere mit seiner
Unterstützung für den israelischen Anspruch auf Teile des
Westjordanlands, «dass er sehr schwach geworden ist» und
den Standpunkt des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon
übernehme, sagte Frangi am Donnerstag im WDR.
Mit seiner Äußerung, es sei unrealistisch zu erwarten, dass
sich Israel aus allen besetzten Gebieten zurückziehe, ignoriere
Bush das Völkerrecht, sagte Frangi. Zudem gefährde ein
Verbleib großer jüdischer Siedlungen im Westjordanland auch
die Lebensfähigkeit eines zukünftigen palästinensischen
Staats. «Geographisch werden die Palästinenser voneinander
getrennt, und das Land wird dadurch zersiedelt, zerstückelt, und
die Lebensfähigkeit wird dadurch nicht garantiert.»
Die Palästinenserführung hat unterdessen eine internationale
Protestkampagne angekündigt.
Der palästinensische Verhandlungsminister Sajeb Erekat sagte am
Donnerstag in Ramallah, man werde dringliche Schreiben an das
«Nahost-Quartett» (EU, UN, Russland und USA) sowie andere
Länder senden.
Nach einem Bericht des israelischen Armeesenders hat Bushs Parteinahme
für den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon
bereits zu einer klaren Mehrheit innerhalb seiner Likud-Partei für
den Abtrennungsplan verholfen. 58 Prozent der etwa 200 000
Likud-Mitglieder wollen laut einer aktuellen Umfrage am 2. Mai für
den Plan stimmen. Bislang waren Befürworter und Gegner des Plans
innerhalb von Scharons Partei etwa gleich stark gewesen. Der Plan sieht
die Räumung fast aller Siedlungen im Gazastreifen sowie einiger
Siedlungen im Westjordanland vor.
Der israelische Generalstaatsanwalt Menachem Masus stoppte unterdessen
überraschend alle Gelder für die israelischen Siedlungen in
den Palästinensergebieten. Hintergrund der Entscheidung sei die
Sorge, dass ein Teil der Gelder für Siedlungs-Außenposten
benutzt werde, die ohne Genehmigung der Regierung errichtet wurden. Die
Überweisung der Gelder soll dem Bericht zufolge erst dann wieder
aufgenommen werden, wenn alle Ministerien gewährleisten
können, dass sie für «legale Ziele» eingesetzt
werden.
US-Außenminister Colin Powell hat die amerikanische
Unterstützung für Israels Siedlungspläne verteidigt. Die
endgültige Entscheidung bleibe nach wie vor Gesprächen
zwischen Israelis und Palästinensern vorbehalten, sagte Powell am
Donnerstag in Washington. Einer endgültigen Friedenslösung
sei «nichts vorweg genommen».
Die islamischen Staaten planen derweil eine Krisensitzung. Eine bislang
für den 4. Mai angesetzte Konferenz zur Nahost-Frage solle nach
dem Kurswechsel Washingtons vorgezogen werden, erklärte Malaysia,
das derzeit der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) vorsitzt.
US-Aussenminister Colin Powell ist nach der weltweiten Kritik am
Kurswechsel in der amerikanischen Nahost-Politik in die diplomatische
Offensive gegangen. Das Treffen von Präsident George W. Bush und
dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon habe positive
Resultate für die Palästinenser und ihr Streben nach einem
unabhängigen Staat gebracht, sagte er auf einer Pressekonferenz in
Washington.
Zum ersten Mal seit 37 Jahren würden israelische Siedlungen (im
Gazastreifen) entfernt und die Infrastruktur den Palästinensern
zur Verfügung gestellt. Zudem habe Bush keinesfalls den Bestand
von Siedlungen im Westjordanland gebilligt. «Der Präsident
hat keine speziellen Ergebnisse (des Scharon-Plans)
bekräftigt», sagte Powell.
Anders als viele Kritiker sieht die Bundesregierung in der
Unterstützung der USA für die israelischen
Rückzugspläne aus Palästinenser-Gebieten eine Chance
für den Nahost-Friedensprozess.
Durch die Gespräche des israelischen Premierministers Ariel
Scharon mit US-Präsident George W. Bush sei «wieder
Bewegung» in den festgefahrenen Prozess gekommen, sagte
Regierungssprecher Béla Anda am Donnerstag in Berlin.
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) begrüßte
die Pläne Scharons, alle israelischen Siedlungen im Gaza-Streifen
sowie weitere im Westjordanland zu räumen, äußerte sich
aber nicht zu der Parteinahme Bushs für Scharon. Aufgabe des
Nahost- Quartetts der USA, EU, Russlands und der Vereinten Nationen sei
es nun, die «neue Dynamik» zu nutzen, erklärte Fischer.
Anda sagte, Berlin halte die Ankündigungen Israels zur
Räumung der Siedlungen für einen «wichtigen
Schritt» auf dem Weg zu einer Zwei- Staaten-Lösung, wie ihn
der internationale Friedensplan (Road map) vorsehe. Zugleich betonten
Anda und Fischer aber: «Nur eine zwischen beiden Seiten
vereinbarte und die Interessen beider Seiten berücksichtigende
Lösung» werde dauerhaft Frieden im Nahen Osten garantieren
können. Das gelte besonders für Territorialfragen sowie das
Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge.
Fischer rief Israelis und Palästinenser auf, bei der Umsetzung des
Rückzugs intensiv mitzuarbeiten.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will nach Regierungsangaben
sein für (den heutigen) Freitag in Hannover geplantes Treffen mit
dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sowie weitere
Gespräche mit Nahost- Politikern in den nächsten Tagen
dafür nutzen, um auf Fortschritte im Friedensprozess hinzuwirken.
Während die Bundesregierung sich nicht zu den Vorwürfen der
Palästinenser äußerte, die USA hätten über
ihren Rücken hinweg entschieden, kritisierten kritisierten die
Grünen sowie Bundestagspolitiker von SPD und FDP das Vorgehen
Bushs scharf. SPD- Fraktionsvize Gernot Erler erklärte, Bush mache
mit seiner Parteinahme eine künftige Vermittlerrolle der USA im
Nahost- Friedensprozess unmöglich. Bush untergrabe die Road map
und verbinde dies mit einem Affront gegen die Quartett-Partner. Der
Präsident, der im Irak schon in einer prekären Lage sei, habe
damit den Graben zwischen den USA und den arabischen Staaten weiter
vertieft.
Die Grünen äußerten sich «äußerst
kritisch». Sie hielten an ihrer Position fest, «dass von
der Grenzziehung von 1967 nur in beiderseitigem Einverständnis
abgewichen werden darf», sagte die Vorsitzende Angelika Beer. Der
außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Ludger Volmer,
erklärte, Bush und Scharon legten die Grundlage für eine
Fortsetzung des Nahost-Konflikts, so lange sie die
palästinensische Seite als Verhandlungspartner ignorierten.
Nach Meinung des FDP-Außenpolitikers Werner Hoyer könnte
Bushs Wende den Verhandlungsprozess zwischen Israelis und
Palästinensern völlig zum Scheitern bringen.
Nach Ansicht des Nahost-Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik
in Berlin, Volker Perthes, hat Bush mit seiner Unterstützung
für Scharons Siedlungspläne keine historische Wende in der
Nahost- Politik der USA vollzogen. Der Leiter des Deutschen
Orient-Instituts, Professor Udo Steinbach, bezeichnete die
US-Entscheidung, den israelischen Plan zu unterstützen, als einen
«Schlag in das Gesicht der UN». «Die UN haben immer
erklärt, dass am Ende des Friedensprozesses eine
Zwei-Staaten-Lösung stehen muss. Die Amerikaner respektieren die
UN im Grunde nicht», sagte er dem «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Freitag).
Die UN-Menschenrechtskommission hat Israel am Donnerstag mehrfach wegen
seines Vorgehens gegen Palästinenser und der Besetzung der
Golan-Höhen verurteilt. Die Resolution zum Vorgehen in den
palästinensischen Gebieten wurde am Donnerstag mit 31 zu 7 Stimmen
angenommen. Sie verwies auf gezielte Tötungen mutmasslicher
Extremisten, Bombardierungen ziviler Ziele, Abriegelungen,
Zerstörungen von Häusern und Agrarland sowie die neue
Sperranlage zum Westjordanland.
Die Resolution wurde von der Organisation der Islamischen Konferenz,
einem Zusammenschluss islamischer Länder, sowie Kuba und Simbabwe
eingebracht. Deutschland, die Niederlande, Grossbritannien, Italien,
Ungarn, Australien und die USA stimmten gegen den Antrag.
Israel kritisierte die Resolution scharf. Sie sei «von der
Realität losgelöst», sagte der israelische Botschafter
Jaakov Levi. Es gebe in der Resolution keinen Appell an
palästinensische Behörden, gegen Terroristen vorzugehen.
«Diejenigen, die am Frieden wirklich interessiert sind, sollten
ihre Forderungen an beide Seiten richten», sagte Levi.
Die Europäische Union brachte ihre eigene Resolution mit 27 zu 2
Stimmen durch die Kommission. Darin wurden jüdische Siedlungen im
Westjordanland kritisiert. Eine weitere Resolution islamischer Staaten
zur Besetzung der syrischen Golan-Höhen wurde mit einer Mehrheit
von 31 Stimmen angenommen. Dabei enthielten sich vor allem die
europäischen Länder.
Staaten, die von der UN-Menschenrechtsorganisation gerügt werden,
haben keine Konsequenzen zu befürchten. Die meisten Länder
versuchen jedoch, eine Verurteilung zu verhindern. Die meisten der 53
Mitglieder der Kommission sind Entwicklungsländer.
In der Nähe der jüdischen Siedlung Ariel im Westjordanland
haben israelische Soldaten am Donnerstag eine Palästinenserin
festgenommen, die eine Bombe in einer Tasche bei sich trug. Der
Kommandeur der Region erklärte, der Sprengsatz habe etwa zehn
Kilogramm gewogen. Extremisten benutzten häufiger Frau
(Quelle: ap, afp, dpa)
Mit seiner Billigung der Absicht Scharons, den Bestand der
Großsiedlungen im Westjordanland zu garantieren, hat sich George
Bush vom internationalen Recht verabschiedet. Das Bündnis zwischen
Israel und den USA ist konsolidiert, die Palästinenser haben eine
Niederlage erlitten...
Mehr in der "tageszeitung" vom 16.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/16/a0189.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/04/16/a0192.nf/text
Der "Fahrplan" zum Nahost-Frieden
(Nahost-Friedensplan / Road Map)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305120.htm#030512_d
Hintergrund: Die israelische Siedlungspolitik
Die jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten sind
ein wichtiger Streitpunkt im Nahostkonflikt. Im Westjordanland und
Gazastreifen hat Israel seit der Besetzung im Juni 1967 für
mittlerweile 236 000 Menschen 145 Siedlungen errichtet.
Alle Regierungen förderten die Besiedlung. Israel argumentiert,
dass die Palästinensergebiete nicht im eigentlichen Sinne
«besetztes Gebiet» seien, weil es vor der Eroberung nicht
Teil eines modernen staatlichen Gebildes war. Die jüdischen
Siedlungen verstoßen jedoch nach Einschätzung von
Völkerrechtlern gegen internationales Recht. So ist die Besiedlung
von Gebieten, die in kriegerischen Konflikten besetzt wurden, mit der
Bevölkerung der Besatzungsmacht illegal. Auch die USA haben dieses
Prinzip anerkannt, das in der 4. Genfer Konvention (Artikel 49)
festgehalten ist.
Im Weltsicherheitsrat haben die USA mehrfach mit einem Veto
Verurteilungen der israelischen Siedlungspolitik verhindert. Zahlreiche
Resolutionen des Weltsicherheitsrates fordern jedoch einen Rückzug
Israels. Während des so genannten Jom-Kippur-Krieges zwischen
Israel, Syrien und Ägypten verlangte der Sicherheitsrat 1973 in
der Resolution 338 die sofortige Feuereinstellung und die
unverzügliche Erfüllung der entscheidenden Resolution 242 vom
November 1967. Eine bis heute umstrittene Formulierung fordert darin
den Rückzug Israels aus (den) besetzten Gebieten. Die offizielle
englische Version fordert Israel zum Rückzug «aus
Gebieten» (from territories) auf, während die
französische Version von einem Rückzug «aus den
Gebieten» (des territoires) spricht.
Quelle: dpa, 16.04.04
|
Südafrika: ANC scheint Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht zu haben
Fr.16.04.04 - Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) hat bei der Parlamentswahl in
Südafrika offenbar eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht. Nach
ersten Ergebnissen vom Donnerstag kam die ehemalige Befreiungsbewegung
bei der dritten demokratischen Wahl seit Ende der Apartheid auf rund 69
Prozent der Stimmen, gefolgt von der Demokratischen Allianz (DA) mit
etwa 14 Prozent. Für die Neue Nationalpartei (NNP), deren
Vorgängerin die Apartheid begründete, stimmten am Mittwoch
nur rund zwei Prozent der Wähler.
ANC-Sprecher Steyn Speed bezeichnete das Wahlergebnis als «sehr
ermutigend». Es sei ein Zeichen für das Vertrauen der
Südafrikaner in die ANC-Führung. Das amtliche Endergebnis
wird erst am Montag erwartet.
Die Wahlbeteiligung lag bei rund 70 Prozent - bei der zweiten
demokratischen Parlamentwahl vor fünf Jahren gingen noch 89
Prozent der registrierten Wähler an die Urnen. Beobachter hatten
mit einem deutlichen Rückgang der Wahlbeteiligung gerechnet, da
ein überwältigender Sieg des ANC und damit die Wiederwahl von
Präsident Thabo Mbeki außer Frage stand. Offen war
lediglich, ob die Regierungspartei die für
Verfassungsänderungen notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht.
1999 hatte der ANC diese Hürde denkbar knapp verfehlt.
Neben den 400 Sitzen in der Nationalversammlung standen am Mittwoch die
Abgeordneten der Regionalparlamente in den neun Provinzen des Landes
zur Wahl. Mit Spannung erwartet wurde insbesondere der Ausgang in den
beiden Provinzen, in denen der ANC die Macht bislang teilen musste: im
Westkap und in KwaZulu Natal. Nach Auszählung der ersten Stimmen
kam der ANC im Westkap auf rund 39 Prozent und lag damit nur etwa
sieben Prozentpunkte vor der DA, für die rund 32 Prozent stimmten.
Die NNP erzielte hier etwa zwölf Prozent. Auch in KwaZulu Natal,
der Hochburg der Inkatha Freedom Party (IFP) von Mangosuthu Buthelezi,
schien der ANC mit 43 Prozent stärkste Kraft zu werden - die IFP
kam dem vorläufigen Ergebnis zufolge auf etwa 39 Prozent.
Landesweit lag die Zulu-Partei bei rund fünf Prozent.
Der Präsident wird am 23. April vom Parlament gewählt und am
27. April vereidigt - an diesem Tag jährt sich das offizielle Ende
der Apartheid zum zehnten Mal.
(Quelle: ap)
Amnesty kritisiert Massenfestnahmen in Nepal
Rund 1.000 Demonstranten in Kathmandu festgenommen
Fr.16.04.04 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die
Behörden in Nepal am (heutigen) Freitag aufgefordert, die
Massenfestnahmen von prodemokratischen Demonstranten einzustellen. Die
Organisation zeigte sich besorgt, dass die Sicherheitsmaßnahmen
missbraucht würden, um legitime Proteste zu unterdrücken.
Alle Festgenommenen müssten human behandelt werden und Zugang zu
einem Anwalt erhalten, hieß es in einer Stellungnahme. Sie
müssten entweder angeklagt oder sofort freigelassen werden.
Bei Protesten für Demokratie in Nepal waren am Donnerstag mehr als
1.000 Demonstranten festgenommen worden. Die Polizei führte die
Protestierenden ab, die in der Hauptstadt Kathmandu eine
Wiedererrichtung der Demokratie forderten und «Nieder mit dem
König» riefen. Unter den Festgenommenen war auch der
frühere Ministerpräsident Girija Prasad Koirala. Der Druck
der Straße auf König Gyanendra wächst, seit dieser vor
zwei Jahren die gewählte Regierung durch ein ihm loyales Kabinett
ersetzte.
Der König versprach Wahlen für den April nächsten
Jahres. Derzeit kommt es fast täglich zu Demonstrationen, bei
denen die Teilnehmer die sofortige Wiedereinsetzung des Parlaments
fordern.
(Quelle: ap)
Erdrutschsieg für regierungsnahe Uri-Partei in Südkorea
Fr.16.04.04 - Die regierungsnahe Uri-Partei ist der große Sieger der
Parlamentswahl in Südkorea. Nach Auszählung von 99 Prozent
der Stimmen kann die liberale Gruppierung mit 152 der insgesamt 299
Mandate rechnen. Bislang hatte die Uri-Partei lediglich 49 Sitze. Ihr
gutes Abschneiden bei der Wahl am Donnerstag galt auch als Protest der
Südkoreaner gegen die Amtsenthebung von Präsident Roh Moo
Hyun durch das Parlament.
Die konservative Große Nationalpartei (GNP), die bislang 137
Abgeordnete stellte, verlor einem Bericht des Senders KBS zufolge 16
Mandate und kommt noch auf 121 Sitze. Die (MDP) fiel von 61 auf neun
Sitze zurück. Die beiden Parteien waren in der Wählergunst
abgestürzt, nachdem sie das Amtsenthebungsverfahren gegen Roh
betrieben hatten. Erstmals seit rund vier Jahrzehnten werden in der
Nationalversammlung die liberalen Kräfte die Oberhand haben.
Das Parlament enthob Roh im März vorläufig seines Amtes; ihm
wurden Verstöße gegen die Wahlgesetze und Unfähigkeit
vorgeworfen. Weite Teile der Bevölkerung waren Umfragen zufolge
jedoch gegen das Amtsenthebungsverfahren. Eine Uri-Mehrheit im
Parlament stärkt die Position Rohs, der sich für eine
Versöhnung mit dem kommunistischen Norden der Halbinsel und
größere Unabhängigkeit von Washington einsetzt.
Die Wahlbeteiligung lab bei 60,6 Prozent und damit gut drei Prozent
höher als bei der letzten Wahl.
(Quelle: ap)
Crvenkovski gewinnt Präsidentenwahl in Mazedonien
Fr.16.04.04 - In Mazedonien hat Regierungschef Branko Crvenkovski die erste Runde der
Präsidentschaftswahl klar gewonnen, aber wie erwartet die absolute
Mehrheit verfehlt. Der Chef der Partei Sozialdemokratischer Bund (SDSM)
konnte knapp 42,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, wie die
Wahlkommission nach Auszählung von 99,75 Prozent der Stimmen in
Skopje mitteilte.
Crvenkovski tritt in der zweiten Runde am 28. April gegen den
Oppositionskandidaten Sasko Kedev an, der auf knapp 34,1 Prozent der
Stimmen kam. Die Wahl war notwendig geworden, nachdem Präsident
Boris Trajkovski bei einem Flugzeugabsturz Ende Februar ums Leben
gekommen war.
Da keiner der Kandidaten in der ersten Runde mehr als die Hälfte
der Stimmen auf sich vereinen konnte, treten die beiden bestplatzierten
Kandidaten in zwei Wochen gegeneinander an. Die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) registrierte keine
größeren Zwischenfälle bei dem Urnengang. Nach Angaben
der Wahlkommission haben 55,14 Prozent der insgesamt 1,7 Millionen
Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das endgültige Ergebnis
soll den Angaben nach am Samstag vorliegen.
Sowohl Crvenkovski als auch der Oppositionskandidat Sasko Kedev
gehören der mazedonischen Bevölkerungsmehrheit an. Die beiden
Vertreter der albanischen Minderheit, Gezim Ostreni und Zidi Xhelili,
schieden mit 14,8 beziehungsweise 8,8 Prozent aus dem Rennen um die
Präsidentschaft aus. Albaner stellen gut ein Viertel der rund zwei
Millionen Mazedonier. Der Bürgerkrieg in der ehemaligen
jugoslawischen Teilrepublik wurde vor drei Jahren beendet.
Alle vier Bewerber stehen in der pro-europäischen Tradition von
Trajkovski, der im Februar neun Monate vor Ablauf seiner Amtszeit bei
einem Flugzeugabsturz in Bosnien tödlich verunglückt war. Am
22. März hatte Mazedonien formell seine Mitgliedschaft in der
Europäischen Union beantragt.
"Diesen Abend feiern wir unseren Sieg", jubelte Crvenkovski bereits
nach Auszählung von drei Vierteln der Stimmen. Er forderte seine
Anhänger zu einer regen Beteiligung in der zweiten Runde auf. Der
41-Jährige hatte das kleine Balkanland bereits von 1992 bis 1998
regiert. Trotz magerer Erfolge in der Wirtschafts- und
Arbeitsmarktpolitik geht er nach Angaben von Beobachtern als Favorit in
die zweite Runde. Die Arbeitslosigkeit liegt in Mazedonien bei rund 35
Prozent.
(Quelle: afp)
Aufbauhilfen sollen Annahme von Zypern-Plan erleichtern
Fr.16.04.04 - Mit großzügigen Hilfszusagen haben die USA und
Großbritannien am Donnerstag versucht, den Zyprern die Annahme
eines UN-Plans zur Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel zu erleichtern.
Auch die griechische Regierung signalisierte eine gute Woche vor den
Volksabstimmungen auf Zypern ihre Unterstützung. Mit Blick auf den
EU-Beitritt Zyperns überwögen die positiven Aspekte die
negativen, sagte der griechische Ministerpräsident Kostas
Karamanlis. In Umfragen sieht es bisher so aus, dass die griechischen
Zyprer den UN-Vorschlag beim Referendum am 24. April ablehnen, die
türkischen Zyprer aber zustimmen.
Beide Landesteile müssen den Plan akzeptieren, wenn die seit 30
Jahren geteilte Insel am 1. Mai als Ganzes der Europäischen Union
(EU) beitreten soll. Ansonsten bleibt das türkische Nordzypern
ausgeschlossen.
Auf einer Geberkonferenz in Brüssel stellten die USA für den
Fall einer Wiedervereinigung Aufbauhilfen in Höhe von 400
Millionen Dollar in Aussicht. Großbritannien, die frühere
Kolonialmacht, versprach 31 Millionen Euro über vier Jahre.
"Wenn es keine Lösung bis Ende des Monats gibt, dann wird es
für eine lange Zeit keine Lösung geben", warnte
EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen. "Niemand sollte sich
der Illusion hingeben, dass Verzögerungstaktiken etwas bewirken."
Sollten die griechischen Zyprer mit Nein stimmen, dann werde sich die
EU bemühen, die Isolation der türkischen Zyprer zu beenden.
Bisher wird der türkische Teil Zyperns nur von der Türkei als
Staat anerkannt. Vertreter Aserbaidschans machten aber die politischen
Konsequenzen eines Neins der griechischen Zyprer deutlich: In diesem
Fall werde das Land Nordzypern anerkennen.
Zahlreiche griechische Zyprer kritisieren an dem UN-Plan, dass er ihr
Recht auf eine Rückübertragung von Besitz im Norden
einschränke. Zudem sind sie gegenüber einem Einfluss der
Türkei auf die Geschicke ihres Landes skeptisch. Die Insel ist
seit 1974 geteilt, als die Türkei in den Norden einmarschierte und
damit einen griechisch-zyprischen Putsch mit dem Ziel einer Vereinigung
der Insel mit Griechenland beendete. Der Teilung gingen Jahre der
Gewalt zwischen den beiden Völkern voraus.
(Quelle: rtr)
Polen will Widerstand gegen EU-Verfassung aufgeben
Fr.16.04.04 - Polen will seinen Widerstand gegen eine EU-Verfassung aufgeben.
Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz sagte am Donnerstagabend
nach einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Jack Straw in London,
sein Land strebe eine rasche Einigung über die Charta an.
«Es wäre sehr gut, wenn wir die Bürger Europas noch vor
der Europawahl im Juni über einen Kompromiss informieren
könnten. Wir brauchen einen Verfassungsvertrag und Polen ist zu
Gesprächen bereit.»
Die Verhandlungen über die Verfassung, mit der die
Entscheidungsprozesse in der erweiterten EU vereinfacht und
beschleunigt werden sollen, waren wegen des Widerstandes von Spanien
und Polen zunächst auf Eis gelegt worden. Beide Länder
blockierten den Entwurf, weil er ihren Einfluss schmälern
würde. Auch die neue spanische Regierung signalisierte inzwischen
ihre Bereitschaft zu einer Einigung.
(Quelle: ap)
Erfolg für französische Arbeitslose vor Gericht
Fr.16.04.04 - Im Kampf gegen Kürzungen beim Arbeitslosengeld haben Erwerbslose
in Frankreich einen ersten juristischen Sieg errungen. Ein Gericht in
Marseille gab am Donnerstag 35 Klagen gegen die
Arbeitslosenversicherung UNEDIC statt, die seit Januar nur noch 23
statt 30 Monate lang Arbeitslosenhilfe zahlt. Davon betroffen sind
landesweit 256.000 Erwerbslose, von denen bislang etwa 2.000 den
Rechtsweg beschritten haben. Das Gericht in Marseille entschied, die
UNEDIC dürfe nicht im Nachhinein die Zahlungsdauer verkürzen,
sondern müsse ihre ursprünglichen Zusagen einhalten. Die
nächsten Entscheidungen werden im nächsten Monat in Paris und
Creteil gefällt.
(Quelle: ap)
Einnahmen der Rentenkassen angeblich deutlich unter Vorjahresniveau
Der alternierende Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für
Angestellte fordert weitere Einschnitte im Rentensystem
Fr.16.04.04 - Die Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung haben sich seit
Jahresbeginn offenbar deutlich schlechter entwickelt als geplant. Im
März lagen die Beitragseingänge nach Informationen der in
Berlin erscheinenden Tageszeitung «Die Welt»
(Freitagsausgabe) im dritten Monat in Folge unter dem Vorjahresniveau.
Weil im Haushaltsplan der Rentenversicherer noch mit einem Zuwachs
kalkuliert worden sei, könnte nun im Herbst eine Geldspritze des
Bundesfinanzministers nötig werden. Wenn der Bund erstmals
Liquiditätshilfe leisten müsse, werde dies das Vertrauen der
Bevölkerung in das Rentensystem «empfindlich
erschüttern», sagte der alternierende Vorstandsvorsitzende
der Bundesanstalt für Angestellte (BfA), Hartmann Kleiner, der
«Welt».
Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) habe bisher mit einer
Steigerung der Beitragseinnahmen von 0,8 Prozent gerechnet. In den
ersten beiden Monaten hätten die Einnahmen jedoch laut BfA um 0,8
Prozent und im März um 0,67 Prozent unter dem Vorjahreswert
gelegen. Um die Ausfälle auszugleichen, müssten die Einnahmen
in den nächsten Monaten jeweils sogar um 1,22 Prozent
gegenüber dem Vorjahr zulegen. «Das wird sehr
schwierig», sagte Kleiner. Die Situation der Sozialversicherungen
werde sich erst dann entspannen, wenn die Zahl der
sozialversicherungspflichtigen Jobs wieder zunehme. Bisher sei dies
aber nicht geschehen, sagte Kleiner, der die Arbeitgeber in der BfA
vertritt.
Kleiner forderte weitere Einschnitte im Rentensystem, um den
Beitragssatz dauerhaft unter 20 Prozent zu halten. «Bei der
nächsten Reform müssen der Einstieg in die Rente mit 67 sowie
Einsparungen bei den Witwenrenten beschlossen werden», betonte
der BfA-Vorstand. Er rechne damit, dass es schon in der nächsten
Legislaturperiode, die 2006 beginnt, erneut eine Reform der staatlichen
Alterssicherung geben werde.
(Quelle: ddp)
Studie stützt Forderung nach höherer Erbschaftsteuer
Fr.16.04.04 - Eine von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) in Auftrag gegebene
Studie über die Belastung durch Erbschaftsteuern liefert
Befürwortern einer höheren Steuer neue Argumente. Geringe
Privatvermögen, etwa im Umfang eines Einfamilienhauses,
würden hier zu Lande im internationalen Vergleich nur wenig
besteuert, erklärte das Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.
Im Ländervergleich sei die Situation in Deutschland durch
günstige Bewertungsvorschriften insbesondere beim Unternehmens-
und Grundvermögen, vorteilhafte Steuerbegünstigungen und hohe
Freibeträge gekennzeichnet, heißt es in der Studie.
Wird ein durchschnittliches Privatvermögen an ein Kind vererbt,
fallen laut ZEW nur 0,3 Prozent Steuern an; beim Ehegatten ist die
Übertragung sogar steuerfrei. Bei der Schenkung oder Vererbung
großer Vermögen im zweistelligen Millionenbereich
verschlechtere sich dagegen die Position der deutschen Erben; auch bei
der Übertragung von Unternehmensvermögen rangiere Deutschland
eher im Mittelfeld.
In der SPD wird seit Jahren um eine Erhöhung der Erbschaftssteuer
gestritten. Wegen der unterschiedlichen Bewertung verschiedener
Vermögensarten wurden auch Zweifel an der
Verfassungsmäßigkeit der geltenden Regeln laut. Kommendes
Jahr wird dazu ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts erwartet.
Die Union warnte die rot-grüne Bundesregierung nach Bekanntwerden
der Studie vor einer Erhöhung der Erschaftsteuer. Stattdessen
müsse der Reformprozess auch bei den Steuern vorangetrieben
werden, forderte der finanzpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im
Bundestag, Bertholomäus Kalb. Der Mittelstand werde durch die
Steuer bereits jetzt bedroht, erklärte der Präsident des
Bundesverbands der Selbständigen (BDS), Rolf Kurz. Der
Steuerfreibetrag von 225.000 Euro sei meist schon durch den Wert der
Firmenimmobilie überschritten. Laut einer Umfrage unter den
Verbandsmitgliedern sähen 87 Prozent der Chefs, die ihre Firma in
den nächsten zehn Jahren an einen Nachfolger übergeben
wollten, die Zukunft des Betriebs durch die Erbschaftssteuer
gefährdet.
(Quelle: afp)
Stromverbrauch kann bis 2010 um zwölf Prozent sinken
Fr.16.04.04 - Der Stromverbrauch in Deutschland kann nach Berechnungen des
Umweltbundesamts bis 2010 um zwölf Prozent gesenkt werden. Dies
sagte UBA-Präsident Andreas Troge dem «Handelsblatt»
vom Donnerstag. Er appellierte an die Wirtschaft, den Stromverbrauch
von Elektrogeräten exakt auszuweisen und so das Sparen für
Verbraucher leichter zu machen.
Privathaushalte könnten ohne Verzicht 15 Prozent weniger Strom
verbrauchen, meinte Troge. Energiefresser seien vor allem
Stand-by-Schaltungen sowie Kühl- und Gefriergeräte,
Geschirrspüler und Warmwasserbereiter. Mit dem genauen Hinweis auf
den Stromverbrauch sollten Kunden einen Anhaltspunkt für den Kauf
neuer Geräte bekommen.
In der Industrie seien die größten Einsparungen bei der
Drucklufterzeugung sowie bei Pumpen und Ventilatoren möglich.
Handel und Dienstleister könnten vor allem bei Beleuchtung und
Datenverarbeitung Einsparpotenziale von bis zu fünf Prozent
ausschöpfen, sagte Troge weiter.
(Quelle: ap)