Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertfünfundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Streitkräfte werfen 1.000-Kilogramm-Bombe über Falludscha
ab. US-Armee will Strafe für El Sadr. Iran lehnt Vermittlung
zwischen Besatzungsmächten und Irakern ab. In Irak entführte
Tschechen und ein Kanadier wieder frei. US-Soldat in der Hand
Aufständischer. Washington und London halten an
Irak-Zeitplan fest. Bush und Blair: Führen Aufgabe im Irak zu
Ende. USA wünschen neue UN-Mission in Irak. EU hält neue
UN-Entschließung zu Irak vor Ende Juni für nötig.
Negroponte: USA wollen UNO mit internationaler Spezialtruppe in Irak
schützen. Portugal schließt Abzug von Truppen aus Irak nicht
aus. US-Vizepräsident Wolfowitz warnt Australien vor Truppenabzug
aus Irak
Sa.17.04.04 - Ein US-Kampfflugzeug hat über der irakischen Stadt Falludscha eine
1.000 Kilogramm schwere Bombe abgeworfen. Der Luftangriff habe ein
Gebäude im Norden der Stadt zerstört, in das sich
Aufständische zurückgezogen hätten, teilten die
US-Streitkräfte am Freitagnachmittag mit. Nach der Explosion stieg
eine riesige Wolke aus Staub und Rauch auf, die ganze
Straßenzüge einhüllte. Zuvor hatten die
US-Streitkräfte und Vertreter der Stadt Falludscha erstmals
direkte Verhandlungen über ein Ende der Gewalt angekündigt.
Seit Beginn der Belagerung der Stadt vor zwölf Tagen hatten mit
den USA verbündete Iraker die Gespräche mit den
städtischen Vertretern geführt. Die US-Truppen seien für
Lösungen offen, sagte ein Militärsprecher.
In der sunnitischen Widerstandshochburg Falludscha lief am Freitag die
Waffenruhe aus. Ein irakischer Vermittler zeigte sich nach
Gesprächen zwischen US-Militärs und irakischen
Würdenträgern "optimistisch", dass ein weiterer
Waffenstillstand vereinbart werden könnte.
Der gemäßigte schiitische Großayatollah Ali Sistani
warnte die USA davor, in den heiligen Schiitenstädten Nadschaf und
Kerbela anzugreifen. Wenn sie diese "rote Linie" überschritten,
wären die Folgen "unkalkulierbar", erklärte ein Vertreter
Sistanis in Kerbela.
Nach Angaben von Ärzten starben bei einer Attacke auf einen
Stützpunkt der spanischen Truppen in Nadschaf in der Nacht drei
Iraker. Zehn Menschen seien verletzt worden, als die Soldaten das Feuer
erwidert hätten. Die US-Armee verteilte in der Pilgerstadt
Flugblätter auf denen sie erklärte, der radikale
Schiiten-Prediger Muktada el Sadr stehe außerhalb des Gesetzes
und müsse bestraft werden. Sie forderte die Milizionäre von
El Sadrs «Mahdi-Armee» auf, Nadschaf zu verlassen und ihre
Waffen niederzulegen. Der radikale Schiitenführer Moktada Sadr
zeigte sich weiter kampfbereit.
Iran hat derweil Vermittlungen zwischen den Besatzungmächten in
Irak und der Bevölkerung abgelehnt. Die iranische Delegation, die
sich derzeit in Irak befindet, solle ausschließlich
Gespräche mit dem Regierungsrat und schiitischen Geistlichen
führen, sagte der iranische Außenminister Kamal Charrasi am
Freitag laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Die Forderung der
Iraker nach einem Rückzug der US-geführten Streitkräfte
sei legitim und die Soldaten seien gut beraten, aus dem Land abzuziehen
und den Irakern schnellstmöglich die Macht zu übergeben. Iran
könne angesichts der "Unsicherheit und der Massaker an Irakern"
nicht gleichgültig bleiben, fügte der Minister hinzu.
Sechs Tage nach ihrer Entführung in Irak sind drei tschechische
Journalisten am Freitag wieder freigelassen worden. «Wir sind
alle bei guter Verfassung», sagte einer von ihnen, Vit Pohanka,
im tschechischen Rundfunk. Die drei Männer wurden am Sonntag
entführt, als sie von Bagdad mit einem Taxi nach Jordanien fahren
wollten. Der Reporter Michal Kubal sagte im Fernsehen, er sei mit seine
Kollegen in der Nähe von Falludscha verschleppt worden.
Pohanka erklärte, er und seine Kollegen seien von den
Entführern an einem unbekannten Ort nordwestlich von Bagdad
festgehalten worden. Am Freitag seien sie an den Stadtrand gebracht
worden und hätten von dort ein Taxi zur tschechischen Botschaft
genommen. Die Kidnapper hätten keinen Aufschluss über ihre
Identität gegeben. «Wir waren alle zusammen, hatten einen
Platz zum Schlafen, wir hatten zu essen und zu trinken», sagte
Pohanka. Sie seien von den Entführern befragt worden, die
Befragungen seien auf Video aufgezeichnet worden. Dass auch andere
Ausländer in Irak entführt wurden, sei den dreien
während dieser Zeit nicht bekannt gewesen.
Der tschechische Ministerpräsident Vladimir Spidla dankte im
Fernsehen allen, die zu der Freilassung beigetragen hätten. Der
stellvertretende Außenminister Petr Kolar sagte, ein Treffen des
tschechischen Botschafters in Bagdad, Martin Klepetko, mit einer Gruppe
sunnitischer Geistlicher habe eine wichtige Rolle gespielt. Die
Freilassung sei bedingungslos erfolgt, Lösegeld sei nicht gezahlt
worden. Die Entführer hätten einer Bewegung angehört,
die gegen eine Besetzung Iraks kämpfe. «Jeder Nicht-Iraker
ist ein potenzieller Feind für sie», sagte Kolar.
Auch ein in Irak entführter Kanadier ist wieder auf freiem
Fuß. Dies erklärte der kanadische Ministerpräsident
Paul Martin am Freitag in Toronto, ohne nähere Einzelheiten zu
nennen. Der 33-jährige Fadi Fadel, ein gebürtiger Syrer, war
am 7. April von Aufständischen in Nadschaf verschleppt worden. Die
Mutter des Freigelassenen erklärte im Rundfunksender CBC, ihr Sohn
habe sich am Morgen telefonisch bei der Familie in Montreal gemeldet
und erklärt, es gehe ihm gut. Fadel arbeitete
Die Entführungen im Irak durch Aufständische gehen
unterdessen weiter: Einer der beiden seit einer Woche im Irak
vermissten US- Soldaten ist offenbar in der Hand der Rebellen. Der
arabische Fernsehsender El Dschasira strahlte ein Video aus, das den 20
Jahre alten US-Soldaten aus dem US- Bundesstaat Ohio zeigen soll. Das
US- Zentralkommando teilte lediglich mit, es prüfe die
Authentizität des Videos. Im Irak werden auch sieben amerikanische
Zivilisten vermisst. Wie viele Ausländer außerdem noch
gekidnappt worden sind, ist unklar.
US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony
Blair wollen trotz der Aufstände in Irak an ihrem Zeitplan
für die Machtübergabe festhalten. Die Koalition werde nicht
zulassen, "dass Iraks Zukunft von wenigen Gewalttätern geraubt
wird", sagte Bush bei einem Treffen mit Blair in Washington. Der
britische Regierungschef betonte, die UNO solle eine zentrale Rolle im
Übergang zur Demokratie übernehmen.
Im Einklang mit Blair unterstrich Bush, dass am Stichtag 30. Juni
für die Einsetzung einer souveränen Übergangsregierung
festgehalten werde. Der US-Präsident begrüßte zugleich
die Vorschläge des UN-Beaufragten Lakhdar Brahimi für den
Machtwechsel in Irak. Brahimi hatte unter anderem freie Wahlen zur
Bildung einer legitimen Regierung im Januar 2005 empfohlen.
Blair sagte, die Koalition bleibe entschlossen, den Kampf gegen den
Terror in Irak zu gewinnen. "Wir werden angesichts der Angriffe auf uns
oder auf unschuldige Zivilisten nicht klein beigeben." Die UNO werde
eine "zentrale Rolle haben, um das Programm und die Organisation des
politischen Übergangs zu einer vollständigen irakischen
Demokratie zu entwickeln". Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
forderte nach einem Gespräch mit dem ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak in Hannover ebenfalls eine zentrale
Rolle der UNO.
Die Europäische Union hält eine erneute Entschließung
des UN-Sicherheitsrats zu Irak noch vor Ende Juni für nötig.
Alle EU-Mitglieder seien sich darüber einig, dass der
Sicherheitsrat "so schnell wie möglich und auf jeden Fall vor dem
30. Juni" eine Irak-Resolution verabschieden müsse, sagte der
EU-Außenbeauftragte am Freitag nach einer Sitzung der
EU-Außenminister im irischen Tullamore vor Journalisten. Die EU
warte "ungeduldig" darauf, dass die UNO bei diesem Übergabeprozess
"und darüber hinaus" eine stärkere Rolle spiele als bislang,
sagte der irische Außenminister Brian Cowen, dessen Land derzeit
den EU-Ratsvorsitz hat.
Die USA wollen nach Angaben ihres UN-Botschafters John Negroponte eine
internationale Truppe für den Schutz von UN-Mitarbeitern in Irak
einsetzen. Die Truppe solle sich ausschließlich um den Schutz der
UN-Mitarbeiter kümmern, sagte Negroponte am Freitag nach einer
Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York zur Lage in Irak. Negroponte
bestätigte damit einen Bericht der "Washington Post" aus der
vergangenen Woche. Dem UN-Botschafter zufolge soll die geplante Truppe
unter dem Kommando der Koalitionstruppen in Irak stehen. Ihre genauen
Aufgaben würden durch eine neue UN-Resolution definiert, deren
Entwurf in Kürze dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt werde. Allerdings
gebe es noch keinen konkreten Resolutionsentwurf.
Portugals Innenminister Antonio Figueiredo Lopes schließt einen
Abzug der portugiesischen Truppen aus Irak nicht aus. "Wenn der
Konflikt sich verschlimmern würde" und die Soldaten der
Nationalgarde in Irak "keine Bedingungen mehr" für ihren Einsatz
hätten, wäre ein Rückzug "die einzige Lösung",
sagte Figueiredo Lopes dem portugiesischen Rundfunk Antena 1 am
Freitag. Ein Sprecher des Ministeriums schränkte wenig später
ein, der Minister habe damit eine rein "akademische Annahme"
aufgestellt. Nur wenn die portugiesische Truppe "nicht mehr die Mittel
habe, um ihre Mission zu erfüllen", komme ein Abzug in Betracht.
US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz hat Australien
gedrängt, seine Truppen trotz der angespannten Sicherheitslage
nicht aus Irak abzuziehen. In einem Interview mit der Zeitung
«The Weekend» (Samstagsausgabe) sagte er, ein
plötzlicher Abzug würde das falsche Signale an das irakische
Volk, an Terroristen sowie an die Völkergemeinschaft senden.
«Es ist sehr wichtig, dass alle ihre Truppen in Irak lassen,
besonders nach Madrid», zitierte ihn das Blatt. Die neue
spanische Regierung hatte unter dem Eindruck der Anschläge in
Madrid am 11. März angekündigt, die spanischen Soldaten nach
Hause zu holen. Weiter sagte Wolfowitz, die jüngste Welle der
Gewalt in der irakischen Stadt Falludscha sei das Werk des radikalen
Schiitenführers Muktada el Sadr. Dessen Revolte nannte er eine
«hässliche und unbedeutende Bewegung».
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Neunundzwanzigster Kriegstag in Irak
Do.17.04.03 - Spannungen in Mosul dauern an +++ US-Soldaten erschießen
Zivilpersonen in Mossul +++ Irakische Oppositionsführer in Bagdad
eingetroffen +++ Befehlshaber der US-Truppen am Golf trifft
US-Generäle in der irakischen Hauptstadt +++ Immer noch massive
Plünderungen +++ Verwaltungschef für Bagdad gewählt +++
Dollar soll Dinar im Irak ersetzen +++ USA wollen neue Irak-Resolution
+++ Bush fordert Ende der UN-Sanktionen gegen Irak +++ Das Ende des
Irak-Krieges ist nicht der Beginn des Friedens +++ Bush spricht von
Neudefinition der US-Kriegsführung: USA könnten gezielt ein
Regime angreifen. Bisher mindestens 20 Milliarden Dollar an
Kriegskosten. US-Kongress bewilligt Bush zusätzliche Mittel in
Höhe von 62,6 Milliarden Dollar +++ Kriege kosten Geld und sichern
Profite +++ Kriege sollten künftig mit absoluter
Überlegenheit geführt werden. Dazu wurde schon in den
80er-Jahren ein gigantisches Aufrüstungsprogramm gestartet. In der
Folge gibt die US-Regierung heute mehr für ihr Militär aus
als alle anderen großen Militärmächte zusammen +++
Syrien erklärt sich zu Kooperation mit USA bereit - Im
UN-Sicherheitsrat einen Reolutionsentwurf für einen von
Massenvernichtungswaffen freien Nahen Osten vorgelegt. Powell
erwägt Vermittlungsreise nach Syrien +++ Spannungen zwischen
Kurden und Turkmenen +++ Plündern nach Plan? - Bagdads Bewohner
angeblich von US-Armee zu Zerstörungen angestiftet +++ UNESCO
berät über Rettung irakischer Kulturgüter +++ Neue
Proteste gegen Irak-Krieg am Rande von EU-Gipfel in Athen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304170.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Mi.14.04.04 - Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen
Land mindestens 670 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der verwundeten Soldaten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie nicht.
Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur.
(Quellen: rtr, taz)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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USA verstärken Truppen in Afghanistan und planen neue Offensive
US-Generalstabschef Myers äußert Zuversicht über eine
Gefangennahme Bin Ladens
Sa.17.04.04 - Die USA haben ihre Truppenstärke in Afghanistan erhöht und
bereiten eine neue Offensive gegen islamische Extremisten im Süden
des Landes vor. Die rund 11.500 Soldaten zählende Truppe werde um
2000 Soldaten aufgestockt, weil im Frühjahr stets verstärkt
terroristische Aktionen stattfänden und der Termin der Parlaments-
und Präsidentschaftswahlen näher rücke, sagte
US-Generalstabschef Richard Myers am Freitag während eines
Kurzbesuchs in Kabul. Angesichts der am 1. Mai anlaufenden
Wählerregistrierungen "wäre es nicht verwunderlich, wenn
diejenigen, die ein freies und demokratisches Afghanistan ablehnen,
diesen Prozess stören wollen", fügte Myers hinzu. Mit der
Truppenverstärkung reagiere Washington auf eine Anfrage des
Kommandeurs der US-Truppen in Afghanistan, David Barno.
Myers hat sich zuversichtlich über einen Erfolg im Kampf gegen El
Kaida gezeigt. «Ich werde aber keinen Zeitrahmen nennen, weil ich
das nicht kann», schränkte Myers am Freitag bei einer
Pressekonferenz auf dem Kabuler Flughafen ein. Er sei aber nicht
frustriert darüber, dass El-Kaida-Chef Osama bin Laden seit der
US-Invasion in Afghanistan vor zweieinhalb Jahren noch nicht gefasst
werden konnte.
Auch dass es Bin Laden offenbar gelang, ein am Donnerstag
veröffentlichtes Tonband an arabische Fernsehsender weiterzugeben,
wertete Myers nicht als Niederlage. «Die Tatsache, dass es
für sie schwierig ist, solche Informationen an die Außenwelt
zu bringen, ist eigentlich sehr zufrieden stellend», sagte der
Generalstabschef. Seit dem Angriff auf Afghanistan im November 2001
haben 109 US-Soldaten in dem Land ihr Leben gelassen, 39 davon wurden
bei Kampfhandlungen getötet.
(Quelle: ap, afp)
Nahost-Konflikt
US-Präsident Bush relativiert seinen Kurswechsel in Nahost. Israel
wirbt bei UN um Unterstützung für Scharon-Plan. EU
bemüht sich um Schadensbegrenzung in Nahost.
Schröder und Mubarak machen sich
für Palästinenser stark. Israel will Bau in großen
Siedlungen im Westjordanland verstärken. Israelische Soldaten
erschießen 15-jährigen Palästinenser
Sa.17.04.04 - US-Präsident George W. Bush hat seinen Kurswechsel in der
Nahostpolitik relativiert. Das Verhandlungsergebnis zum "Endstatus"
zwischen Israelis und Palästinensern werde dadurch nicht vorweg
genommen, sagte Bush bei einem Treffen mit dem britischen
Premierminister Tony Blair in Washington. Zwei Tage zuvor hatte Bush
jedoch Israel das Recht auf Teile des Westjordanlands zugebilligt.
"Alle Fragen, die mit dem Endstatus zusammenhängen, müssen
noch zwischen den Parteien verhandelt werden", sagte Bush auf einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit Blair im Rosengarten des Weißen
Hauses. Den Plan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon für einen vollständigen Rückzug aus dem
Gazastreifen bei gleichzeitigem Verbleib in Teilen des Westjordanlandes
bewertete er als "fantastische Chance". Die Palästinenser
könnten nun mit Unterstützung der internationalen
Gemeinschaft eine "reformierte, gerechte und freie Regierung" einsetzen
und so den Weg zu einem eigenen Staat ebnen.
Der US-Präsident hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit Scharon
einen radikalen Schwenk in der US-Nahostpolitik vollzogen, indem er es
"unrealistisch" nannte, von Israel den Rückzug auf die Grenzlinien
von 1949 zu erwarten. Erstmals akzeptierten die USA damit das Recht
Israels, dauerhaft Siedlungen in den besetzten Gebieten zu behalten.
Bush sprach zugleich auch allen palästinensischen
Flüchtlingen aus dem israelisch-arabischen Krieg von 1948 das
Recht auf die Rückkehr in das israelische Kerngebiet ab.
Auch Blair bezeichnete den Plan Scharons als Chance für den
Frieden. Die Weltgemeinschaft könne nun den Palästinensern
bei politischen und ökonomischen Reformen sowie ihren
Sicherheitsmaßnahmen unter die Arme greifen. Das Konzept eines
palästinensischen Staates werde so eine "reale, lebendige
Möglichkeit". Die vom so genannten Nahost-Quartett aus den USA,
Russland, der EU und den Vereinten Nationen ausgehandelte Roadmap werde
dadurch nicht ad acta gelegt, sondern vielmehr neu belebt, betonte der
britische Pemier.
Mit der Unterstützung von US-Präsident George W. Bush im
Rücken hat Israel unterdessen die Vereinten Nationen um Zustimmung
zum einseitigen Rückzugsplan aus dem Gazastreifen und Teilen des
Westjordanlandes gebeten. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman
unterrichtet UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag (Ortszeit)
über das Treffen zwischen Bush und dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Dies sei der Beginn,
internationale Unterstützung für den Rückzugsplan zu
bekommen, sagte Gillerman der Nachrichtenagentur AP. Israel wolle
deutlich machen, das der palästinensische Widerstand gegen die
Initiative sinnlos sei.
Die Palästinenser sind besonders über die Zusagen Bushs vom
Mittwoch erzürnt, wonach Israel einige Siedlungen im
Westjordanland behalten könne und nicht alle
palästinensischen Flüchtlinge aufnehmen müsse.
Die Europäische Union (EU) versucht nach dem Vorpreschen der USA
im Nahost-Konflikt einen Spagat zwischen der Rettung des
internationalen Friedensplans und dem Vermeiden offener Kritik an den
USA.
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana kündigte bei einem
Außenministertreffen am Freitag im irischen Tullamore für
Ende des Monats ein Treffen des Nahost-Quartetts aus USA, EU, Vereinten
Nationen (UN) und Russland in Berlin an. Der irische EU-Ratsvorsitzende
Brian Cowen kritisierte erneut, dass US-Präsident George W. Bush
in zentralen Fragen wie dem Grenzverlauf Israels Positionen vertreten
hatte. Bundesaußenminister Joschka Fischer bemühte sich
dagegen um Gemeinsamkeiten und nahm Bush vor scharfer Kritik in Schutz.
Allerdings forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder in Hannover
deutlich eine Beteiligung der Palästinenser ein.
Solana sagte, das Nahost-Quartett treffe sich wahrscheinlich am 28.
April in Berlin. In Kreisen des US-Außenministeriums hieß
es in Washington, der Termin sei noch nicht endgültig, sei aber
wegen eines dann ohnehin geplanten Aufenthaltes von Außenminister
Colin Powell in Berlin vernünftig.
Der Road Map genannte Friedensplan des Quartetts muss nach Auffassung
der EU die Basis für eine Einigung über den Grenzverlauf
zwischen Israel und einem geplanten Palästinenser- Staat sein. Die
Road Map sieht einen Palästinenser-Staat im kommenden Jahr und
Verhandlungen darüber zwischen Israel und Palästinensern vor.
Bush hatte israelische Ansprüche auf Teile des besetzten
Westjordanlands unterstützt und eine Rückkehr
palästinensischer Flüchtlinge nach Israel abgelehnt. Die
Palästinenser hatten dies als "Todesstoß für den
Nahost- Friedensfahrplan" bezeichnet.
Die EU-Außenminister bemühten sich um Schadensbegrenzung
für den Friedensplan. Doch während die USA politische Fakten
geschaffen hatten, musste die EU auch um eine gemeinsame Linie ringen.
Cowen kritisierte Bushs einseitige Unterstützung der israelischen
Pläne deutlich. "Um einen anhaltenden Frieden und Sicherheit zu
erreichen, muss Israel eine Einigung mit dem palästinensischen
Volk finden", sagte er. Israel müsse mit seinen Feinden, nicht mit
seinen Freunden wie den USA einigen.
Schwedens Außenministerin Laila Freivalds sagte, es sei Besorgnis
erregend, wenn eine Seite von der vereinbarten Linie abweiche. Die
Glaubwürdigkeit des Quartetts hänge nun von den nächsten
Schritten ab. "Die USA stehen in einer großen Verantwortung."
Über das Quartett ist die EU politisch im Nahen Osten
präsent, wenngleich die israelische Regierung sich meist nach der
Haltung der USA ausrichtet.
Doch Fischer bemühte sich, Streit mit den USA zu vermeiden. "Ein
Begriff wie Scherbenhaufen trifft nicht, worum es geht", sagte er. Er
mahnte, den Nahost-Brief Bushs genau zu lesen. "Entscheidend ist, dass
in dem Brief des Präsidenten anerkannt wurde, dass (eine
Lösung des Nahost-Konflikts) auf der Grundlage gemeinsamer,
vereinbarter Lösungen geschehen muss." Bush erkenne an, dass der
Endstatus von Israelis und Palästinensern verhandelt werden
müsse sagte Fischer und unterstützte dies: "Aus meiner Sicht
kommt es vor allem darauf an, dass Palästinenser ihren Platz am
Verhandlungstisch haben."
Deutlicher als Fischer forderte Schröder nach einem Treffen mit
Ägyptens Staatschef Husni Mubarak in Hannover eine Beteiligung der
Palästinenser ein. "Die Palästinenser haben einen Anspruch
darauf, dass nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden wird",
sagte Schröder. Mubarak forderte die USA auf, den Friedensplan zu
befolgen. "Die Road Map ist eine Initiative der USA, die von allen
getragen wird und die USA müssen sich auch daran halten", sagte er.
Israel will den Bau in großen Siedlungen im Westjordanland
verstärken. Das sagte ein Vertrauter des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon am Freitag nach der
Rückkehr Scharons aus Washington.
In isoliert gelegenen Siedlungen sollten die Bauaktivitäten
hingegen nicht weiter ausgeweitet werden. Die Siedlungen im
Gazastreifen will Israel nach der Räumung voraussichtlich
palästinensischen Flüchtlingen überlassen.
Der israelische Armeesender zitierte am Freitag nach der Rückkehr
Scharons ein Delegationsmitglied mit den Worten, Israel sei daran
interessiert, dass die Häuser in den geräumten Siedlungen im
Gazastreifen «an Flüchtlinge gehen und nicht als Villen
für die Reichen Gazas dienen». Gleichzeitig betonte er,
Israel werde nicht zögern, die zu räumenden Siedlungen
«innerhalb eines Tages abzureißen», sollte sich
herausstellen, dass es nicht in Israels Interesse wäre, sie intakt
zu lassen.
Nach Medienberichten soll der Abzug im Frühjahr kommenden Jahres
beginnen und bis Ende 2005 abgeschlossen werden. In seinem Brief an
Bush hat Scharon die Räumung von Militäreinrichtungen sowie
aller Siedlungen im Gazastreifen und einiger Siedlungen im
Westjordanland angekündigt.
Israelische Soldaten haben beim gewaltsamen Vorgehen gegen eine
Demonstration im Westjordanland einen palästinensischen
Jugendlichen erschossen. Der 15-Jährige sei in dem Ort Beitunia
durch einen Kopfschuss getötet worden, als er an einer Kundgebung
gegen die israelische Sperranlage teilgenommen habe, teilten
palästinensische Ärzte am Freitag in Ramallah mit. Die rund
hundert meist Jugendlichen Demonstranten hatten sich nach dem
Freitagsgebet zu der Demonstration versammelt, ehe sie Steine gegen
israelische Soldaten warfen, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur
AFP berichtete.
(Quellen: afp, ap, dpa, rtr)
Der "Fahrplan" zum Nahost-Frieden
(Nahost-Friedensplan / Road Map)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305120.htm#030512_d
Klarer Sieg für ANC in Südafrika
Sa.17.04.04 - Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) ist aus der Parlamentswahl in
Südafrika wie erwartet als klarer Sieger hervorgegangen. Nach
Auszählung fast aller Stimmen entfielen auf die ehemalige
Befreiungsbewegung bei der dritten demokratischen Wahl seit Ende der
Apartheid knapp 70 Prozent der abgegebenen Stimmen. Präsident
Thabo Mbeki, dem das Wahlergebnis eine zweite Amtszeit sichert,
kündigte am Freitag einen Kampf gegen Armut, Verbrechen und
Krankheit an.
Er werde die Erwartungen seiner Wähler nicht enttäuschen,
erklärte Mbeki. Er wolle Arbeitsplätze schaffen und noch
immer vorhandene Ungleichbehandlung reduzieren. Der Präsident wird
am 27. April vereidigt, dem zehnten Jahrestag des Endes der Apartheid.
Auf dem zweiten Platz lag nach Angaben der Wahlbehörde die
Demokratische Allianz (DA) mit rund zwölf Prozent. Für die
Neue Nationalpartei (NNP), deren Vorgängerin die Apartheid
begründete, hatten am Mittwoch nur knapp zwei Prozent der
Wähler gestimmt. Die Wahlbeteiligung wurde bislang mit 76 Prozent
angegeben, bei der vorangegangenen Wahl hatten noch 89 Prozent ihre
Stimme abgegeben.
Neben den 400 Sitzen in der Nationalversammlung standen am Mittwoch die
Abgeordneten der Regionalparlamente in den neun Provinzen des Landes
zur Wahl. Der ANC lag dabei in allen Provinzen in Führung, aus
KwaZulu Natal wurde jedoch von einem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen mit
der Zulu-Partei Inkatha Freedom Party (IFP) berichtet.
(Quelle: ap)
Das Elend der schwarzen Mehrheit in Südafrika hält an
Weiter keine Chancengleichheit. Wachsende Migration und Kriminalität.
Moyiga Nduru zieht zehn Jahre nach
der Apartheid Bilanz - in "junge Welt vom 13.04. und 14.04.04:
http://www.jungewelt.de/2004/04-13/006.php
http://www.jungewelt.de/2004/04-14/008.php
Spanisches Parlament wählt Zapatero zum neuen
Ministerpräsidenten
Sa.17.04.04 - Das spanische Parlament hat am Freitag José Luis Rodriguez
Zapatero zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. 183 der 350
Abgeordneten stimmten für Zapatero, der mit seiner Sozialistischen
Partei (PSOE) am 14. März überraschend die Parlamentswahl
gewonnen hatte. Die PSOE erzielte dabei 164 Sitze, zwölf weniger
als für die Mehrheit im Parlament nötig.
Für Zapatero stimmten am Freitag auch kleinere Regionalparteien,
die zusammen über 19 Stimmen verfügen. Die 148 Abgeordneten
der bislang regierenden konservativen Volkspartei (PP) stimmten gegen
ihn. Die baskischen und katalonischen Parteien enthielten sich.
Zapatero wird eine Minderheitsregierung anführen und keine
Koalition bilden.
«Lasst uns an die Arbeit gehen», sagte Zapatero nach der
eineinhalbtägigen Debatte im Parlament. Nach der Verkündung
der Abstimmungsergebnisse wurde Zapatero vom scheidenden
Ministerpräsidenten José Maria Aznar
beglückwünscht. Die Sozialisten waren unter der konservativen
Regierung acht Jahre lang in der Opposition. Zapatero ist seit dem Jahr
2000 Chef der Sozialisten. Der 43-jährige frühere
Juraprofessor sitzt seit 1986 im Parlament, hat aber bislang nie eine
leitende Funktion in einer Regierung gehabt.
In Wahlumfragen hatte die PP vor den Sozialisten klar geführt.
Für den Einbruch bei der Wahl wurde unter anderem die scharf
kritisierte Informationspolitik der Regierung nach den
Terroranschlägen von Madrid verantwortlich gemacht, bei denen drei
Tage vor der Wahl 191 Menschen getötet wurden. Zapatero
wiederholte am Freitag sein Wahlversprechen, die 1.300 spanischen
Soldaten aus Irak abzuziehen, falls sie bis zum 30. Juni nicht unter
ein internationales Mandat gestellt werden.
(Quelle: ap)
UN-Kommission verurteilt Glorifizierung von Waffen-SS
Sa.17.04.04 - Die UN-Menschenrechtskommission in Genf hat eine nachträgliche
Glorifizierung der Waffen-SS am Freitag verurteilt. Mit 36 zu 13
Stimmen verabschiedete die Kommission eine von Russland eingebrachte
Resolution, in der tiefe Besorgnis über den Bau von
Denkmälern für die berüchtigte NS-Organisation
ausgedrückt wird. Derartige Gedenkstätten fügten den
Opfern der Nazis Unrecht zu, vergifteten die Gedanken junger Menschen
und förderten Extremisten, hieß es.
In der Resolution wird kein Land namentlich aufgeführt. Nach
Angaben westlicher Diplomaten richtete sich die Entschließung
aber gegen Lettland, das im vergangenen Jahr wegen eines Denkmals
für die Lettische Legion, Teil der Waffen-SS, in der Kritik stand.
Die Resolution wurde vor allem von Entwicklungsländern
mitgetragen, die europäischen Staaten, die USA, Australien und
Japan stimmten dagegen.
Westliche Diplomaten verurteilten zwar die Verbrechen der Waffen-SS,
stellten aber die Motive Russlands in Frage. Die Initiative befasse
sich nicht in globaler und ausgewogener Form mit dem Neonazismus,
erklärte die irische Botschafterin Mary Whelan für die EU.
Wie verlautete, vermuteten Kritiker hinter der Resolution den Versuch
Russlands, von seinem Vorgehen in Tschetschenien abzulenken. Lettische
Politiker haben erklärt, die Mitglieder der Lettischen Legion
seien dieser nicht aus Sympathie für die Nazis beigetreten,
sondern um gegen die von ihnen noch mehr gefürchtete Sowjetunion
zu kämpfen.
(Quelle: ap)
Israelischer Botschafter wirft Europa Versagen vor
Sa.17.04.04 - Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, hat sich
kritisch zu der Ende April in Berlin geplanten Antisemitismuskonferenz
der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) geäußert. Es sei «nicht erfreulich» und
«ein Versagen von Europa», dass 60 Jahre nach der Shoah
eine Konferenz gegen Antisemitismus notwendig sei, sagte Stein am
Freitag in Mainz. Die OSZE-Konferenz findet auf Einladung der
Bundesregierung am 28. und 29. April im Auswärtigen Amt statt.
Erwartet werden 500 Teilnehmer aus allen 55 OSZE-Staaten.
Stein hatte sich in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt mit
dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl
Lehmann, zu einem Gespräch getroffen. Themen der Zusammenkunft
waren nach Angaben des Mainzer Bischofs die Beziehungen der
katholischen Kirche in Deutschland zu Israel sowie «wichtige
bevorstehende Ereignisse» wie die Anitisemitismuskonferenz. Der
israelische Botschafter, der mit Lehmann bereits zum zweiten Mal
zusammengetroffen war, hob hervor, dass der Kardinal eine
«ausgesprochen positive Rolle» beim Verhältnis
zwischen Israel und den Katholiken spiele.
(Quelle: ddp)
Blick ins Archiv:
EU-Institut: 'Beträchtlicher Anstieg' des
Antisemitismus
Do.01.04.04 - Besonders deutliche Zunahme in Belgien, den Niederlanden, Frankreich,
Großbritannien und Deutschland... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404010.htm#04040111
Europas Juden beklagen Rückkehr des Antisemitismus
Prodi kündigt Strategie gegen Antisemitismus an
Fr.20.02.04 - Europas Juden sehen sich zunehmend durch Antisemitismus und die
Gleichgültigkeit ihrer Mitbürger bedroht. "Der Antisemitismus
ist zurück. Das Ungeheuer ist wieder bei uns", sagte der
Vorsitzende des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJK), Cobi
Benatoff, auf dem Antisemitismus-Seminar der EU in Brüssel... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv3/k0402200.htm#04022013
Judenhass hat Konjunktur
Experten warnen vor einer neuen Dimension des Antisemitismus in der EU...
Jan Philip Reemtsma: Der Antisemitismus ist die längstdauernde Obsession Europas...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401310.htm#040131oa
Was ist Zionismus?
Ohne den Antisemitismus wäre der Zionismus nie entstanden...
Hintergrundinformationen zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311290.htm#031129_e
Zwei Bochumer Moscheen von der Polizei überprüft
'Vorbeugend' hunderte Muslime kontrolliert
Sa.17.04.04 - «Zur vorbeugenden Terrorabwehr» hat die Polizei in Bochum
hunderte Muslime kontrolliert. Die Polizei sperrte dafür zwei
Stadtviertel ab. Polizeipräsident Thomas Wenner sprach von ernst
zu nehmenden Hinweisen, dass sich im Bereich zweier Hinterhof-Moscheen
gewaltbereite islamistische Extremisten aufhalten.
Einen konkreten Anfangsverdacht gebe es jedoch nicht. Bei 476
Besuchern sei nach dem Freitagsgebet eine Ausweiskontrolle vorgenommen
worden. 127 davon hätten sich nicht ausweisen können und
wurden ins Polizeipräsidium gebracht, berichtete die Polizei am
Abend. Drei Männer wurden festgenommen, einer wegen des Besitzes
eines Springmessers, einer solle sich illegal in Deutschland aufhalten
und einer sei mit Haftbefehl wegen Beleidigung gesucht worden.
Die Aktion richte sich gegen Kreise, die die islamischen
Vereinsstrukturen ausnutzten, um unter diesem Deckmantel extremistische
und terroristische Aktivitäten zu entfalten, nicht gegen den
islamischen Glauben oder Muslime generell, betonte Polizeisprecher Frank
Plewka.
«Wir müssen alles daran setzen, dass wir bereits im Vorfeld
von Anschlägen gefährliche Entwicklungen frühzeitig
erkennen», begründete NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD)
die aufwendige Aktion. Durch die Überprüfung werde Stück
für Stück die Erkenntnislage über
islamistisch-extremistische Gruppierungen verbessert. Wenner
erklärte, der Einsatz habe sich gegen Kreise gerichtet, die
islamische Vereinsstrukturen ausnutzten, um unter diesem Deckmantel
extremistische und terroristische Aktivitäten vorzubereiten.
Der Sprecher der Moschee, Ahmad Aweimer, kritisierte die Aktion als
überzogen: «Das ist hundertprozentig schlecht für die
Nachbarschaft». Dadurch werde keine terroristische Handlung
verhindert, aber Muslime fühlten sich schikaniert. «Das
Problem ist unsere Jugend, die das nur von Diktaturen kennt»,
sagte Aweimer.
(Quelle: )
Bundesbankpräsident Welteke tritt nach neuen Vorwürfen
zurück
Sa.17.04.04 - Der wegen einer Hotel-Affäre und einer Einladung des Autobauers
BMW unter Druck stehende Bundesbank-Präsident Ernst Welteke ist
zurückgetreten.
Die Bundesbank teilte am Freitag mit, ihr Vorstand habe dem
Rücktrittswunsch Weltekes entsprochen. Welteke griff das
Finanzministerium massiv an und sprach von einem zerstörten
Vertrauensverhältnis zu Minister Hans Eichel (SPD). Der nannte den
Rücktritt seines langjährigen Weggefährten aus der
hessischen Landespolitik notwendig. Das Ministerium bezeichnete einen
Medienbericht als Spekulation, dem zufolge
Wirtschafts-Staatssekretär Alfred Tacke (SPD) neuer
Bundesbank-Chef werden soll. Der mitfavorisierte
Finanz-Staatssekretär Caio Koch-Weser kommt nach Einschätzung
hochrangiger Bundesbankkreise nicht in Frage, da ihm der Rückhalt
in der Finanzwelt und der Bundesbank fehlt. Analysten zufolge
beeinflusst der Rücktritt Weltekes nicht die Märkte und die
Zinspolitik.
Mit dem Rücktritt zog der frühere hessische Finanzminister
unter anderem die Konsequenz aus der Adlon-Affäre. Die Dresdner
Bank hatte Welteke und seiner Familie zum Jahreswechsel 2001/2002 zur
Einführung des Euro-Bargelds einen viertägigen Aufenthalt im
dem Berliner Luxus-Hotel für über 7600 Euro bezahlt. Welteke
hatte auf Bitten der Bundesbankspitze sein Amt zunächst ruhen
lassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts
der Vorteilsannahme.
"Der Spiegel" berichtet in seiner neuesten Ausgabe, Auslöser von
Weltekes Rücktritt sei das Bekanntwerden einer Einladung des
Autoherstellers BMW zum Besuch des Formel-1-Rennens 2003 in Monaco
gewesen. Zu dem Zeitpunkt habe der strenge Ehrenkodex der
Europäischen Zentralbank gegolten, der Mitgliedern des EZB-Rats
seit Mitte 2002 die Annahme von Geschenken verbietet. Welteke hatte dem
Rat angehört. Auf Grund der neuen Vorwürfe habe der
Bundesbank-Vorstand unter Einschaltung des Ministeriums am Freitag
mehrere Stunden lang beraten und Welteke zum Rücktritt
aufgefordert, so der "Spiegel".
Eichel sagte am Rande einer Geburtstagsfeier für Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) in Hannover, der Rücktritt Weltekes
sei angesichts alter und neuer Vorwürfe richtig und notwendig. Es
werde deutlich, dass Vorwürfe der Opposition verlogen seien, er
habe mit Welteke einen unbequemen Kritiker der rot-grünen
Bundesregierung aus dem Amt drängen wollen.
In seinem Rücktrittsschreiben an den Bundesbankvorstand erhob
Welteke schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung, die ihn
wiederholt zum Rücktritt gedrängt hatte: "Die Missachtung der
grundgesetzlich garantierten Unabhängigkeit der Deutschen
Bundesbank und ihrer Organe halten an." Seine eigene Integrität
und die der Bundesbank würden ständig mit verzerrenden und
falschen Darstellungen verletzt. Da keine vertrauensvolle
Zusammenarbeit mit der Bundesregierung mehr gegeben sei, bitte er den
Vorstand um seine Entlassung.
Die Bundesbank nannte den Schritt im Hinblick auf das Ansehen der
Institution und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben angemessen. "Der
politische Druck auf Welteke ist zum Schluss so groß geworden,
dass dem keiner mehr standhalten konnte", sagte ein hochrangiger
Bundesbanker Reuters. Die Europäische Zentralbank erklärte
nur, man habe Vertrauen in das Vorgehen des Bundesbank-Vorstandes.
Als Nachfolger Weltekes wurden in den vergangenen Wochen neben
Koch-Weser, Staatssekretär Tacke und KfW-Vorstandsmitglied Ingrid
Matthäus-Maier auch Bundesbank-Vizepräsident Jürgen
Stark gehandelt. Letzterer ist allerdings CDU-Mitglied.
Matthäus-Maier hatte unlängst erklärt, sie werde nicht
in die aktive Politik zurückkehren. Ein Sprecher des
Finanzministeriums nannte einen Bericht von "Focus Online", dem zufolge
der Schröder-Vertraute Tacke Bundesbank-Chef werden soll,
Spekulation. Daran werde man sich nicht beteiligen. Die Nachfolge solle
zeitnah geregelt werden. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und CSU-Chef
Edmund Stoiber forderten, einen Bundesbank-Präsidenten zu
benennen, der die Unabhängigkeit der Institution garantiere.
Der langjährige SPD-Politiker Welteke stand seit 1999 an der
Spitze der Bundesbank. Mit ihm verliert erstmals in der 1958
gegründeten Bundesbank ein Präsident wegen Kritik an seinem
Verhalten sein Amt. Der bisher einzige Rücktritt war der von Karl
Otto Pöhl. Er hatte sich Anfang der 90er Jahre mit Bundeskanzler
Helmut Kohl (CDU) überworfen, da er die deutsche-deutsche
Währungsunion abgelehnt hatte. Welteke war erst 1995 von der
Landespolitik in die Geldpolitik gewechselt und Präsident der
Landeszentralbank Hessen geworden. Zuvor hatte er rund 30 Jahre lang in
der hessische SPD Karriere gemacht.Die Distanz zu Eichel war schon vor
der Hotel-Affäre gewachsen.
(Quelle: rtr)
Stellenzahl im Umweltschutz laut Studie auf 1,5 Millionen gewachsen
Sa.17.04.04 - Die Zahl der Beschäftigten im Umweltschutz in Deutschland ist
einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren leicht auf rund 1,5
Millionen gestiegen.
Inzwischen seien 3,8 Prozent aller Arbeitnehmer hierzulande in dem
Bereich beschäftigt und damit mehr als etwa im Maschinen- oder
Fahrzeugbau, hieß es in der am Freitag verbreiteten Studie des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die das
Umwelt-Bundesamt in Auftrag gegeben hatte. "Umweltschutz bleibt auch in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein beschäftigungspolitisch
dynamischer Bereich", kommentierte Bundesumweltminister Jürgen
Trittin (Grüne) die Erhebung.
Die Zahl der im Umweltschutz Beschäftigten wuchs der Studie
zufolge seit 1998 um 46.700. Die positive Entwicklung wurde vor allem
durch mehr Arbeitsplätze bei umweltorientierten Dienstleistungen
und im Bereich erneuerbarer Energien getragen. Damit wurden
Rückgänge in klassischen Bereichen wie der Abfallbeseitigung
und der Luftreinhaltung mehr als ausgeglichen. Die Studie untersuchte
die Branchenlage im Jahr 2002.
Nach Einschätzung des Präsidenten des Umweltbundesamtes,
Andreas Troge, sind wahrscheinlich noch deutlich mehr Menschen in der
Branche beschäftigt. "Fast 1,5 Millionen Beschäftigte sind
nur die Untergrenze der tatsächlichen Beschäftigungswirkung
des Umweltschutzes." Viele Branchen, etwa der Ökotourismus oder
der integrierte Umweltschutz, seien wegen Abgrenzungsproblemen bewusst
nicht in die Datenerhebung einbezogen worden.
(Quelle: rtr)
Wirtschaft sieht das Jobwunder nicht
Die Industrie behauptet gern, Umweltschutz vernichte Arbeitsplätze.
Stimmt aber gar nicht, meint das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung... Mehr
in der "tageszeitung" vom 16.04.04:
http://www.taz.de/pt/2004/04/16/a0162.nf/text
Neue Gen-Food-Kennzeichung stößt auf geteiltes Echo
Führende Einzelhandelsketten wollen vorerst auf Gen-Food verzichten
Sa.17.04.04 - Die neue, ab Sonntag geltende Kennzeichnungspflicht für
gentechnisch veränderte Lebensmittel ist von Verbraucher- und
Agrarverbänden als unzureichend kritisiert worden.
Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) wertete die
Regelung dagegen als entscheidenden Schritt für die Wahlfreiheit
der Verbraucher.
"Damit haben wir wirkliche Wahlfreiheit und können selbst
entscheiden, ob wir gentechnisch veränderte Produkte verwenden
wollen oder nicht", erklärte Künast am Freitag in Berlin.
Bio-Bauern, Verbraucher- und Umweltschutzverbände kritisierten
dagegen, auch die neue Regel lasse den Verbrauchern nur bedingt eine
Wahl. Tierische Lebensmittel, wie Fleisch, Eier und Milch, blieben
weiter ungekennzeichnet, auch wenn die Tiere mit Gen-Pflanzen
gefüttert würden. Gleiches gelte für Enzyme und
Zusatzstoffe. Der Handel bekräftigte, Gen-Food wegen schlechter
Akzeptanz der Verbraucher möglichst aus dem Sortiment halten. Ein
endgültiger Verzicht sei aber nicht zu garantieren.
Ab dem 18. April müssen alle gentechnisch veränderten
Lebensmittel in einem Zulassungsverfahren geprüft und
gekennzeichnet werden. Entscheidende Neuerung zur alten Regel ist, dass
die Produkte nicht nur gekennzeichnet werden, wenn gentechnisch
veränderte Organismen (GVO) nachgewiesen werden, sondern generell
wenn sie mit GVO hergestellt wurden. Ausgenommen sind tierische
Lebensmittel wie Fleisch und Eier, auch wenn die Tiere mit Gen-Pflanzen
gefüttert wurden. Nicht gekennzeichnet werden müssen auch
Zusatzstoffe, Aromen und Enzyme, die mit GVO-Organismen hergestellt
wurden.
Künast schloss eine Ausweitung der Kennzeichnung bei Verwendung
von Gen-Futter nicht generell aus. Die EU-Kommission habe zwar einen
Vorschlag für eine entsprechende Kennzeichnung abgelehnt, da sie
keinen wissenschaftlichen Belege für eine Übertragung sehe.
"Wenn die Wissenschaft vielleicht später feststellt, man kann es
doch feststellen, muss man das nachbessern", sagte Künast im ZDF.
Nordrhein-Westfalens Verbraucherministerin Bärbel Höhn
(Grüne) kündigte verstärkte Kontrollen bei Herstellern
und Großhandel an. Sie forderte zugleich die Verbraucher auf,
beim Kauf von Lebensmitteln mehr auf Qualität zu achten.
Der Bioland-Verband kritisierte, bewusste Kaufentscheidungen für
oder gegen Gentechnik seien weiter nur eingeschränkt möglich.
Die Umweltorganisation Greenpeace erklärte: "Über 80 Prozent
der nach Europa importieren Gen-Pflanzen landen im Futtertrog und
werden dem Verbraucher wieder als Milchdrink, Joghurt, Ei oder
Wurstbrot untergeschoben."
Führende Einzelhandelsketten bekräftigten am Freitag, auf
Gen-Food vorerst verzichten zu wollen. "Wir wollen uns an die Spitze
derer setzen, die dafür eintreten, gentechnisch veränderte
Lebensmittel so lange wie irgend möglich aus dem Angebot
herauszuhalten," sagte eine Sprecherin der Edeka-Gruppe. "Wir
können aber keine ausdrückliche Garantie dafür geben,
dass auch in Zukunft keine kennzeichnungspflichtigen Produkte Eingang
in unser Sortiment finden", räumte sie ein.
Auch in den Märkten des Metro-Konzerns (Metro, Real, Extra,
Kaufhof) werden ab Montag zunächst keine GVO-Lebensmittel in den
Regalen zu finden sein. Damit sei aber keine Garantie für die
Zukunft gegeben, sagte ein Metro-Sprecher. "Wenn man die Entwicklung
der Weltmärkte anschaut, dann wird es in Zukunft nicht einfacher
werden, für eine Reihe von gentechnisch beeinflussten Produkten
nicht veränderte Ersatzstoffe zu finden." Der Kölner
Rewe-Konzern (HL, MiniMal, Penny) hat mit den Lieferanten seiner
Eigenmarken den Verzicht auf GVO-Inhaltsstoffe vereinbart.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
BUND ruft zum Boykott gentechnisch veränderter Lebensmittel auf
Mi.14.04.04 - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ruft wenige
Tage vor Inkrafttreten der Kennzeichnungspflicht für gentechnisch
veränderte Lebensmittel zum Boykott entsprechender Produkte auf.
«Das Kleingedruckte könnte den Albtraum der
Gentech-Industrie wahr machen und dafür sorgen, dass der Anbau von
Gentech-Pflanzen deutlich zurückgeht», sagte BUND-Vize Doris
Tropper am Dienstag in Berlin. Die Gesundheitsrisiken für den
Menschen seien noch nicht hinreichend erforscht, warnte der Verband... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0404140.htm#04041411
Mehr Berichte zum Thema "gentechnisch veränderte Planzen / Genfood" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0402260.htm#040226dk
Gentechnik hilft nicht bei Bekämpfung des Hungers
Sa.17.04.04 - Gentechnik in der Landwirtschaft trägt nach Ansicht der
evangelischen Hilfsaktion Brot für die Welt nicht zur
Bekämpfung des Hungers in der Welt bei. «Selbst in den
Industriestaaten verdienen die Bauern, die gentechnisch
verändertes Saatgut anbauen, nicht mehr als die, die konventionell
arbeiten», sagte Landwirtschaftsexperte Peter Rottach am Freitag
in Stuttgart. Es sei nicht zu erwarten, dass sich Gentechnologie
ausgerechnet in armen Regionen des Südens für die
bäuerliche Bevölkerung auszahle.
Die Zahl der Hungernden könne sich sogar erhöhen, sollten
Genpflanzen traditionelle Sorten ersetzen, befürchtete Rottach.
Das Überleben von etwa zwei Milliarden Bauern hänge davon ab,
dass sie auch weiterhin eigenes Saatgut verwenden dürften.
Gentechnisch verändertes Saatgut sei dagegen patentrechtlich
geschützt. Die Lizenzgebühren könnten sich die
Kleinbauern in den Entwicklungsländern nicht leisten.
In Lateinamerika werde vor allem gentechnisch verändertes Soja in
großem Stil für die Futtermittelindustrie angebaut,
berichtete die argentinische Molekularbiologin Lilian Joensen. Der
Spritzmitteleinsatz auf den Soja-Monokulturen habe stark zugenommen.
Viele einheimische Sorten seien ausgestorben, Brunnen verseucht worden.
Brot für die Welt setzt in der Projektarbeit auf standortgerechten
Landbau.
(Quelle: ap)
Ist Gentechnik ein Mittel gegen den Hunger in der Welt?
http://www.boa-muenchen.org/linde.peters/hunger_1.htm#top
Seehofer lehnt CDU-Pläne für Gesundheitsreform
kategorisch ab
Sa.17.04.04 - Der Streit zwischen CDU und CSU um die Reform des Gesundheitswesens
verschärft sich. «Wir haben uns festgelegt, dass wir im
bestehenden System der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben
wollen», sagte der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer dem
Nachrichtenmagazin «Focus». Erstmals nannte der
stellvertretende CSU-Chef und Unions-Fraktionsvize Einzelheiten der
bisher unter Verschluss gehaltenen Pläne seiner Partei. So sollen
die Krankenkassen künftig nicht mehr verpflichtet sein, mit jedem
Arzt einen Honorarvertrag abzuschließen. Die Patienten
müssten sich auf mehr Selbstbeteiligung einstellen: Teile der
Kassenleistungen wie die komplette Zahnbehandlung und die Nachsorge bei
Unfällen sollten heraus gelöst und gesondert privat
versichert werden, teilte Seehofer mit.
Den von der CDU geforderten Systemwechsel zu einer einheitlichen
Pro-Kopf-Gesundheitsprämie mit staatlichen Zuschüssen
für Bedürftige lehnt die CSU kategorisch ab. «Gewaltige
Theorieentwürfe haben keinen Sinn, wenn uns das Geld fehlt. Wer
Steuermittel ins Gesundheitswesen pumpen will, muss hieb- und stichfest
sagen, wo diese herkommen sollen», sagte Seehofer. Den
jüngsten Angriffen seines Amtskollegen in der Unions-Fraktion,
Friedrich Merz (CDU), entgegnete er: «Merz ist zuständig
für Wachstum und Arbeitsmarkt. Hier ist ein bezahlbares Konzept
wichtiger als ständige Sozialeinschnitte.»
(Quelle: ddp)
SPD-nahe Manager wollen Sozialhilfe regional senken
Sa.17.04.04 - Der Arbeitskreis der SPD-nahen Manager rät zu drastischen
Maßnahmen, um strukturschwache Gebiete zu fördern. Dazu
gehörten nicht nur niedrigere Lohnzahlungen sondern auch
Kürzungen staatlicher Leistungen wie der Sozialhilfe. Das sagte
der Sprecher des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung, Ulrich
Pfeiffer, der «Berliner Zeitung». Das Leben in
Mecklenburg-Vorpommern sei um vieles billiger als in München, so
sein Argument. Bundesweit einheitliche Sozialhilfesätze
hätten keinen Sinn, so Pfeiffer.
(Quelle: dpa)
München
Die
Früchte der Berliner Steuerreform: Finanzengpässe beim
Öffentlichen Nahverkehr
Stadtwerke kürzen Gehalt der
U-Bahn-Fahrer
Tarifvertrag
gekündigt: Angestellte verdienen bis zu 25 Prozent weniger - Verdi
verspricht heißen Sommer
Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung vom 15.04.04
Die
Stadtwerke-Mitarbeiter zahlen ihre eigene Steuerentlastung
Irgendwie
beißt sich die Katze in den Schwanz. Da tagt im Dezember ein
Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag bis tief in die
Nacht, um eine Steuerreform hinzubekommen. Nun, wenige Monate
später, erfahren Münchens U-Bahn-, Bus- und
Trambahnfahrer, wer ihnen die versprochene Entlastung bezahlt: si
selbst - über eine Senkung ihrer Bruttolöhne. So sieht, stark
verküzt, die Situation aus, in der sich die Stadtwerke-Mitarbeiter
derzeit befinden.
Denn die Finanznot der Verkehrsbetriebe, die die aktuelle Sparwelle
ausgelöst hat, ist keineswegs zufällig oder zwangsläufig
entstanden. Sie ist im Wesentlichen Folge des Subventionssabbaus nach
dem Rasenmäherprinzip, der in Berlin zur Finanzierung der
Steuerreform beschlossen wurde. Mit Einbußen von bis zu 13
Millionen Euro kalkuliert Verkehrs-Chef Herbert König pro Jahr -
weitere Kürzungen etwa des Freistaats schon eingerechnet. Dabei
geht esum Ausgleichszahlungen für Schüler-Rabatte ebenso wie
um allgemeine OPNV-Gelder oder Steuervergünstigungen. Dieses
Finazloch muss irgenwie gestopft werden - denn sollte das Unternehmen
in die roten Zahlen rutschen, droht der Verlust von Linienlizensen.
Diese würden in einem solchen Fall nicht mehr verlängert,
sondern müssten in einem Wettbewerb ausgeschrieben werden. Auf
dass der Billigere gewinne.
Um zu sparen, haben Verkehrsunternehmen drei Stellschrauben zur
Verfügung: Sie können, was die eigene Attraktivität
nicht eben erhöht, Linienwege und Taktfolgen reduzieren. Oder die
Tarife immer weiter hochschrauben und Fahrgast-Proteste riskieren. Oder
eben die internen Kosten senken. Wie man dies bewerkstelligt, ist
umstritten. "Es stecken noch viele Reserven in den Strukturen der
Stadtwerke", meint etwa ein Gewerkschaftsmann. Freiwillige Zulagen
beispielsweise, die man weit vor den Bruttolöhnen anknappern
müsste. Die "Aktion Münchner Fahrgäste" fordert
Einsparungen auf der "Regieebene", also in der Chef-Etage.
Die Chefetage setzt jedoch auf Lohn-Senkungen bei den Fahrern - weil
das interne Spar-Potenzial ansonsten ausgeschöpft sei. König
betont gerne, dass man in den vergangenen Jahren mit einer um ein
Viertel reduzierten Belegschaft das Angebot um 15 Prozent erhöht
habe. Nun soll diese erfolgreiche Belegschaft bluten. Und darf
dafür Steuern sparen.
Süddeutsche
Zeitung vom 15.04.04
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DGB redet 'Klartext' - Kampagne gegen Agenda 2010
Sa.17.04.04 - Der DGB in Sachsen-Anhalt startet unter dem Titel
«Klartext» eine Kampagne zu den «unsozialen
Folgen» der Agenda 2010. Außerdem sollen die
Reformvorschläge des DGB für Wachstum und Beschäftigung,
Bildung und Innovation verbreitet werden, wie der DGB am Freitag in
Magdeburg mitteilte. Der Gewerkschaftsbund reagiere damit auf die
Vorwürfe, Massenproteste initiiert zu haben, aber selbst keine
Alternativen aufzuzeigen. Am 3. April hatten deutschlandweit 500 000
Menschen gegen die Agenda 2010 demonstriert.
DGB-Landeschef Udo Gebhardt betonte, die Vorschläge des DGB zu den
notwendigen Reformen lägen längst vor. Sie müssten aber
offensiver in der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der
DGB wolle das ganz bewusst im Vorfeld der Europa- und Kommunalwahlen
tun. Es sei auch eine Aktion gegen Ratlosigkeit und Frustration in der
Bevölkerung. Die ganze politische Diskussion sei auf ein
«unverbindliches Sabine-Christiansen-Niveau» herabgesunken.
(Quelle: ddp)
Vernichtungsinvestitionen
Warum die Anleger auf die 'Agenda 2010' gewartet haben und warum beim
Wirtschaftsaufschwung keine neuen Jobs entstehen... Mehr bei "junge Welt" vom
17.04.04:
http://www.jungewelt.de/2004/04-17/003.php
Noam Chomsky erhält Carl-von-Ossietzky-Preis
Sa.17.04.04 - Der amerikanische Sprachwissenschaftler und Gesellschaftskritiker
Noam Chomsky erhält am 23. Mai den Carl-von- Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik.
Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert.
Die niedersächsische Stadt Oldenburg würdigt mit dem Preis
nach Angaben vom Freitag Chomskys Lebenswerk als politischer Analytiker
und Medienkritiker. Schwerpunktmäßig befasst er sich
insbesondere mit der US-Außenpolitik und den manipulativen
Methoden der medialen Berichterstattung.
Die Laudatio auf den Preisträger wird Michael Schiffmann
(Heidelberg), Übersetzer mehrerer Bücher von Chomsky, halten.
Am 24. Mai, dem Tag nach der Preisverleihung, ist in Oldenburg eine
Podiumsdiskussion mit Chomsky zum Thema «Markt und Medien -
Demokratie und soziale Gerechtigkeit im Zeitalter der
Globalisierung» vorgesehen.
(Quelle: dpa)
Carl-von- Ossietzky-Preis 2004:
http://www.oldenburg.de/cvo-preis/2004.html
Noam Chomsky ..
75, ist Professor am Massachusetts Institute of
Technology (MIT) in Boston. Der Linguist, den die New York Times den
"wohl wichtigsten lebenden Intellektuellen" nannte, gehört zu den
profiliertesten Kritikern der US-Außenpolitik.
«Noam Chomsky Archiv»
Das Archiv dokumentiert das politische Lebenswerk von Noam Chomsky,
Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technologie
(MIT). Chomsky hat in den 60er Jahren die Vorstellungen über
Sprache und Denken revolutioniert. Zugleich ist er einer der
prominentesten und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen
Weltordnung und des US-Imperialismus. Obwohl er von der New York Times
als der "einflußreichste westliche Intellektuelle" und als
"bekanntester Dissident der Welt" bezeichnet wird, wird er von den
Mainstreammedien und im politischen Diskurs weitgehend ignoriert. Er
hat über 57 Bücher über US Interventionismus in den
Entwicklungsländern, die politische Ökonomie der
Menschenrechte und die Propagandarolle der Medien in unserer
Gesellschaft geschrieben.
Mehr unter:
http://www.chomskyarchiv.de/
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Großinstallation von Nam June Paik in Berlin
Sa.17.04.04 - Das Deutsche Guggenheim in Berlin präsentiert ab (dem heutigen)
Samstag «Global Groove 2004» von Nam June Paik. Mit der
ersten großen Installation des Multimediakünstlers seit der
Retrospektive «The Worlds of Nam June Paik» im New Yorker
Guggenheim Museum im Jahr 2000 feiert Berlin nach Museumsangaben auch
Paiks künstlerische Rückkehr nach Deutschland. Hier hatte der
1932 in Korea geborene «Vater der Videokunst» in den 1950er
Jahren wesentliche Impulse erfahren.
Paik, der von Alter und Krankheit sichtlich gekennzeichnet ist und im
Rollstuhl sitzt, wiederholte bei der Vorbesichtigung der Ausstellung
mehrfach den Satz, «ich bin eine Berliner».
Die neue Installation, die bis 9. Juli zu sehen ist, geht auf das
Videoband «Global Groove» von 1973 zurück, das die
Vision eines weltweiten Künstlerfernsehens propagierte. Sie
besteht unter anderem aus den für Paik typischen «Video
Walls», in denen mehrere Monitore zusammengefasst sind. Auf den
Monitoren sind Ausschnitte aus Paiks Video- und Fernseharbeiten der
vergangenen Jahrzehnte zu sehen. Die Ausstellung ist täglich von
11.00 bis 20.00 Uhr, donnerstags bis 22.00 Uhr zu sehen.
(Quelle: ddp)
http:www.deutsche-guggenheim.de
http://www.namjunepaik.de
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
paik0.htm#oben