Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsechsundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
EU-Außenkommissar Patten: Scheitern in Irak hätte ernstere
Folgen als Vietnam. Deutscher Außenminister Fischer
unterstützt Bush und Blair in Irak-Politik. Oppositionschefin
Angela Merkel erwartet wie die Bundesregierung keinen Einsatz deutscher
Soldaten in Irak. Prozess gegen Saddam Hussein voraussichtlich nach
Juli. Sunnitische Geistlichen- Vereinigung unterstützt
radikalen Schiiten El Sadr - Aufruf an alle Iraker, die
Besatzungstruppen zu vertreiben. US-Soldat in Irak durch
Panzerabwehrmine getötet. Angehörige der italienischen
Geiseln appellieren an Entführer. Aufständische in Irak
lassen zwei weitere Japaner frei. In Irak sind Tausende
ausländische Angestellte privater Sicherheitsfirmen im Einsatz-
Sie sind bewaffnet. Viele Aufgaben, die früher Soldaten wahrnehmen
mussten, sind von den Streitkräften privatisiert worden
So.18.04.04 - Die Folgen eines Scheiterns in Irak wären nach Auffassung von
EU-Außenkommissar Chris Patten weit gravierender als die
Niederlage der USA in Vietnam. Er halte den Vergleich zwischen beiden
Konflikten daher für unzulässig, sagte Patten am Samstag im
irischen Tullamore nach dem informellen EU-Treffen der
Außenminister. Im Rückblick habe der Krieg in Vietnam zur
Öffnung der Märkte, dem Ende des Kommunismus und zur
Globalisierung beigetragen.
Deutschlands Außenminister Joschka Fischer hat US-Präsident
George W.Bush und den britischen Premierminister Tony Blair in der
Frage der Machtübergabe im Irak unterstützt. In einem
Interview der «Welt am Sonntag» begründete Fischer
dies damit, die «Souveränitätsübertragung zum 30.
Juni diene der Vorbereitung von Wahlen». Wenn man diese
Perspektive in Frage stelle, werde das ernste Konsequenzen nach sich
ziehen. Trotz der Aufstände in Irak wollen Bush und Blair an ihrem
Zeitplan für die Machtübergabe festhalten.
Oppositionschefin Angela Merkel sagte, sie erwarte wie die
Bundesregierung keinen Einsatz deutscher Soldaten in Irak. Diese Frage
werde sich nicht stellen, selbst wenn es ein UN-Mandat oder einen
NATO-Einsatz geben werde, sagte die CDU-Vorsitzende dem ZDF für
die Sendung «Halb Zwölf». Die Bundeswehr sei bereits
in Afghanistan stark engagiert. Merkel plädierte aber dafür,
einen etwaigen NATO-Einsatz im Bündnis aktiv zu unterstützen.
Die Bundesregierung habe lediglich angekündigt, ihn nicht zu
verhindern.
Merkel ließ leise Kritik an den Vereinigten Staaten erkennen, die
nach dem militärischen Einsatz in Irak noch keine politische
Lösung des Konflikts gefunden hätten. Militärische
Maßnahmen allein reichten nicht aus, wie sich auch im Kosovo
gezeigt habe. Die Situation in Irak sei nun «alles andere als
einfach» und «sehr gefährlich». Ihre
Unterstützung für die amerikanische Position vor Ausbruch des
Krieges verteidigte Merkel aber auch im Nachhinein. Die einseitige
Festlegung der Bundesregierung gegen einen militärischen Einsatz
in Irak sei falsch gewesen.
Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein wird
voraussichtlich nach Juli dieses Jahres vor Gericht gestellt. Das
sagte das Mitglied des Provisorischen Regierungsrates, Achmed el Barak,
laut Medienberichten. Nach seinen Angaben haben Vertreter der
Besatzungsmächte die Befragung Saddams abgeschlossen. Dabei sei es
insbesondere um die Frage von Massenvernichtungswaffen, terroristischen
Netzwerken und irakischem Auslandsvermögen gegangen. Saddam
Hussein ist seit Dezember 2003 in Haft.
Die sunnitische Moslemische Geistlichen-Vereinigung unterstützt
nach eigenen Angaben den von den US-Truppen gesuchten radikalen
Schiiten-Führer Moktada el Sadr. Die Organisation rief am Samstag
alle Iraker auf, die Besatzungstruppen zu vertreiben. Zwischen den
beiden Bevölkerungsgruppen bestehen Spannungen; die schiitische
Mehrheit war unter der Regierung des Sunniten Saddam Hussein
unterdrückt worden.
Mohamed Ajasch el Kubaisi, der Vertreter der Geistlichen-Vereinigung im
Ausland, sagte im Fernsehsender El Dschasira, alle Iraker, die
Widerstand gegen die US-geführten Besatzungstruppen leisteten,
verfolgten das selbe Ziel, auch El Sadr. Dieser führt in der
Region Nadschaf den Aufstand von Schiiten gegen die Besatzungstruppen
an.
"Wir unterstützen ihn, und er unterstützt uns in diesem
Widerstand", sagte Kubaisi über El Sadr. "Wir sitzen in einem Boot
und sind dafür verantwortlich, dieses Boot zu schützen."
Seine Organisation habe religiöse Erlasse, so genannte Fatwas,
ausgesprochen, die Besatzung zu beenden. Die Iraker seien sich
darüber im Klaren, dass eine Konkurrenz nicht in ihrem Interesse
sei. "Der schiitische Widerstand ... stärkt unseren Willen, denn
wir kämpfen beide gegen den selben Feind", sagte Kubaisi.
Sunnitische und schiitische Rebellen liefern sich seit Anfang des
Monats mit den US-geführten Besatzungstruppen heftige Gefechte.
Zudem haben Aufständische rund 40 ausländische Geiseln
genommen, um den Abzug der Besatzungsungstruppen zu erzwingen. Die
Moslemische Geistlichen-Vereinigung hat bei der Freilassung einiger
Geiseln vermittelt. Eine direkte Verbindung zu den Entführern hat
die Vereinigung aber bestritten.
Kubaisi sagte, seine Organisation sei keine bewaffnete Macht, teile
aber ihre Informationen und Erfahrung mit irakischen Kämpfern.
"Wir unterstützen die Entführungen nicht", sagte er. "Aber es
sind die Besatzungstruppen, die für diese Taten verantwortlich
sind, denn das ist die Frucht ihres absonderlichen Verhaltens."
Ein US-Soldat ist in Irak durch die Explosion einer Panzerabwehrmine
getötet worden. Zwei seiner Kameraden seien durch den
Sprengkörper verletzt worden, als sie bei Tirkit, nördlich
von Bagdad, auf Patrouille waren, teilte die Armee am Samstag mit. Der
Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge bereits am Freitag. Seit
Beginn der US-geführten Invasion im März vergangenen Jahres
wurden in Irak rund 690 US-Soldaten getötet.
US-Kommandeure setzten am Samstag in der seit fast zwei Wochen
umstellten Stadt Falludscha ihre am Vortag aufgenommen direkten
Gespräche mit örtlichen Vertretern fort. Bislang hatten beide
Seiten nur über irakische Mittelsmänner miteinander
verhandelt. US-Truppen zogen sich am Samstag wie angekündigt von
einer Brücke zurück, um den Bürgern Falludschas den
freien Zugang zum größten Krankenhaus der Stadt zu
ermöglichen. Der Schritt gilt als eine vertrauensbildende
Maßnahme..
In der Hauptstadt Bagdad kam es am Samstag zu mehreren
Zwischenfällen, bei denen mindestens ein Mensch getötet
wurde. Bei einem Granateneinschlag in einem Gebäude im Stadtteil
Karrada kam nach Angaben von Augenzeugen ein Sudanese ums Leben.
Außerdem detonierten zwei an Straßen versteckte Bomben. Die
eine explodierte, als ein US-Konvoi vorbeifuhr. Augenzeugen
berichteten, die Soldaten hätten eine offenbar tote Person
abtransportiert. Bei der zweiten Explosion wurde nach Angaben der
Polizei ein Wachmann einer privaten Sicherheitsfirma verletzt.
Am Samstag sind in Irak zwei weitere ausländische Geiseln
freigelassen worden. Es handelte sich um zwei Japaner, die am
Donnerstag vermisst gemeldet wurden. Wie ein Sprecher des japanischen
Außenministeriums mitteilte, wurden die beiden Männer in
einer Moschee in Bagdad islamischen Geistlichen und japanischen
Diplomaten übergeben. Erst an Donnerstag waren drei von
Aufständischen verschleppte Japaner freigelassen worden.
Unter den rund zwei Dutzend entführten Ausländern befinden
sich jetzt offenbar keine Japaner mehr. Der erste in Irak
entführte US-Soldat wurde unterdessen von Angehörigen auf
Aufnahmen des arabischen Fernsehsenders El Dschasira erkannt. Der
Sender hatte am Freitagabend die Aufnahmen des Soldaten in der Gewalt
von irakischen Aufständischen gezeigt. Mit den Geiselnahmen wollen
die Aufständischen den Abzug der Besatzungstruppen aus Irak
erzwingen.
Die Angehörigen der drei im Irak noch festgehaltenen italienischen
Geiseln haben unterdessen einen dramatischen Appell an die
Entführer gerichtet. «Wir sind einfache Leute wie ihr und
richten uns an euer religiöses Gewissen», heißt es in
dem Aufruf, der von El Dschasira ausgestrahlt werden soll.
«Schenkt unseren Jungs, die nichts mit der Politik zu tun haben,
das Leben. Wir flehen euch an, lasst sie möglichst bald nach Hause
zurückkehren», zitierten italienische Medien am Samstag aus
dem Appell.
Die Entführer hatten am Mittwoch eine italienische Geisel, den
36-jährigen Fabrizio Quattrocchi, vor laufender Kamera erschossen.
Außerdem haben sie damit gedroht, auch die anderen drei
Italiener, die im Irak für einen privaten Sicherheitsdienst
arbeiteten, zu ermorden. Die Angehörigen der Geiseln hatten
zuletzt massive Kritik an der Regierung von Ministerpräsident
Silvio Berlusconi geübt und ihr vorgeworfen, nicht alles zu
unternehmen, um die Freilassung der Geiseln zu erreichen.
Quattrocchi war erschossen worden, nachdem Italien Verhandlungen mit
den Entführern kategorisch ausgeschlossen hatte. Danach hat die
Regierung in Rom jedoch ihre Haltung geändert und einen
Emissär in die Konfliktregion entsandt.
Die Serie von Entführungen in Irak hat den Blick auf die
große Anzahl ausländischer Zivilisten gelenkt, die in dem
Land arbeiten. Zwar wurden auch US-Soldaten von Aufständischen
verschleppt, die meisten der über 40 im Laufe der vergangenen zwei
Wochen entführten Ausländer gehörten aber nicht den
Besatzungstruppen an. Neben Journalisten und Mitarbeitern von
Hilfsorganisationen waren vor allem Angestellte von Firmen betroffen,
die für die Koalitionstruppen arbeiten oder Wiederaufbauleistungen
erbringen.
Viele Aufgaben, die früher Soldaten wahrnehmen mussten - von der
Reinigung der Kasernentoiletten bis hin zu Waffentransporten - sind von
den Streitkräften privatisiert worden. Experten schätzen,
dass in Irak rund 21.000 Mitarbeiter ausländischer Unternehmen im
Einsatz sind. 6.000 davon seien aber keine Zivilisten im klassischen
Sinne, sondern Angestellte privater Sicherheitsfirmen, also Bewaffnete.
Auch der am Donnerstag von seinen Entführern ermordete Italiener
Fabrizio Quattrocchi arbeitete für eine Sicherheitsfirma.
Die Sicherheitsleute sind für den Schutz von Mitarbeitern anderer
Unternehmen zuständig, die beispielsweise mit dem Wiederaufbau der
Infrastruktur beschäftigt sind. Einige Sicherheitsfirmen seien
dieser Aufgabe allerdings nicht gewachsen, meint Alan Chvotkin, der
Vizepräsident des Professional Service Council. Der Verband
vertritt viele Unternehmen, die in Irak tätig sind, auch den
US-Konzern Halliburton. «Wir haben der US-Regierung empfohlen,
die Sicherheitsfirmen zu überprüfen, damit ein einheitlicher
Mindeststandard garantiert ist», sagt Chvotkin.
Trotz der hohen Risiken sind Aufträge in Irak offenbar begehrt -
anders lässt sich die große Zahl der dort tätigen
Zivilisten kaum erklären. Alles eine Frage der Bezahlung, meint
Sicherheitsexperte Charles Heyman von der renommierten Beraterfirma
Jane's Consultancy: «Der Anreiz ist immer Geld. Sicherheit in
Irak ist kein Job, den man aus Spaß macht.»
Halliburton-Sprecherin Wendy Hall versichert, dass alle Mitarbeiter vor
einem Einsatz am Golf ausführlich über die Risiken informiert
werden: «Tatsächlich verwenden wir während des
Trainings die meiste Zeit darauf, den Bewerbern alle Gründe zu
nennen, warum sie diese Stelle nicht annehmen sollten.»
Die portugiesische Außenministerin Teresa Gouveia erklärte
unterdessen, Portugal habe nicht die Absicht, seine Polizisten aus Irak
abzuziehen. «Es gibt keine Änderung unserer Politik»,
sagte sie am Samstag am Rande eines EU-Außenministertreffens im
irischen Tullamore laut der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa.
Noch am Vortag hatte Innenminister Antonio Figueiredo Lopes für
den Fall einer Verschärfung der Sicherheitslage in Irak einen
Abzug der Polizisten nicht ausgeschlossen. Portugal hat in Nassirijah
im Süden Iraks 128 Polizisten stationiert.
(Quellen: rtr, afp, ap. dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Dreißigster Kriegstag in Irak
Fr.18.04.03 - Krankenhäuser im Irak weiterhin schlecht versorgt +++ Rotes Kreuz
berichtet über Vergewaltigungen in Bagdader Krankenhaus +++ Streit
über Interimsverwaltung in Bagdad entbrannt +++ Chef der
US-Verwaltung zuversichtlich über Demokratie im Irak +++ Gefechte
zwischen US-Einheiten und irakischen Soldaten nördlich von Bagdad
+++ Rumsfeld gratuliert US-Truppen zum Sieg im Irak. Generalstabschef
Richard Myers: 'Humanste Kämpfe in der Geschichte'+++ Bagdad: Eine
Stadt erwacht im Schmerz - Die Krankenhäuser sind
überfüllt, Bürgerwehren patrouillieren auf den
Straßen –und niemand weiß, wie lange die Angst noch die
Menschen im Griff hat +++ Rätselraten über Zahl der irakischen
Todesopfer - Seit dem Vietnam-Krieg zählt das Pentagon die Opfer
der gegnerischen Seite nicht mehr +++ Die USA erklärten den Krieg
im Irak als offiziell beendet, Akteure in der Region behaupten, er
beginne erst +++ US-Notenbank lässt Millionen von Dollar in den
Irak fliegen +++ Embedded Business: Öl, Rüstung, Wiederaufbau
im Irak - Seit dem Marshall-Plan für Europa dürfte es kein
solches Projekt mehr gegeben haben - Bushs Freunde sind dabei.US-Konzern
Bechtel erhält millionenschweren Irak-Auftrag +++ Neue Kontroverse
zwischen USA und Vereinten Nationen - Russland: Beschluss zu
Irak-Sanktionen erst nach Kontrollen +++ EU beharrt auf zentraler
UN-Rolle in Irak +++ 1000 US-Experten sollen Massenvernichtungswaffen
im Irak suchen +++ US-Experte: Plünderungen in Nationalmuseum in
Bagdad 'organisiert' - Bushs Kulturberater wegen Plünderungen in
Bagdad zurückgetreten. FBI-Ermittler sollen Plünderungen
irakischer Museen aufklären. UNESCO fordert 'Kultur-Polizei' in
Irak +++ Vieler Menschen Leben hat der Krieg zerstört oder
gänzlich in Unordnung gebracht, manche berufliche Laufbahn ist an
ihr Ende gelangt +++ Aus dem Aufruf des Münchner
Friedensbündnisses zum Ostermarsch 2003: "Momentan zeigt sich
gerade, wie realitätsfern jene 'Utopie' ist, die davon ausgeht,
man könne auf dem Balkan, in Afghanistan, im Nahen Osten und
sonstwo auf der Welt durch Krieg Konflikte lösen. Nach dem Krieg
sind diese Gebiete erst recht gekennzeichnet durch Armut,
Ungerechtigkeit und kriegsbedingte Verseuchung, - nur sind diese
elenden und trostlosen Zustände jetzt keine Schlagzeile mehr
wert."...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304180.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
So.18.04.04 - Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen
Land rund 690 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der verwundeten Soldaten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie nicht.
Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur.
(Quellen: afp, taz)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
|
Nahost-Konflikt
Israelischer Soldat bei Anschlag in Eres getötet. Israelische
Armee tötet gezielt Hamas-Führer Rantisi. USA: Israel hat
Recht zur Selbstverteidigung. Arafat verurteilt Tötung
Rantisis. UN fordert Israel zu Stopp der gezielten
Tötungen auf. Israelischer Oppositionspolitiker Beilin: Israel
ertränkt Gazastreifen in Blut - Liquidierungspolitik zerfresse die
israelische Demokratie. Weiter Kritik an Scharons Nahost-Plan. EU
hält an Verhandlungslösung für Nahost fest. Patten: EU
muss Schaden durch Bushs Nahost-Kurswechsel beheben
So.18.04.04 - Knapp vier Wochen nach der Liquidierung von Hamas-Gründer Scheich
Ahmed Jassin hat Israel erneut gegen die Führung der militanten
palästinensischen Organisation zugeschlagen: Jassins Nachfolger
als Hamas-Führer im Gazastreifen, Abdel Asis Rantissi, ist am
Samstag bei einem Raketenangriff in Gaza getötet worden. Die
Geschosse zerfetzten das Auto des radikalen und militanten Politikers,
in dem nach Angaben palästinensischer Krankenhausmitarbeiter auch
zwei Leibwächter umkamen. Nach der Explosion kreisten israelische
Hubschrauber über dem Viertel.
Die Raketen schlugen knapp 100 Meter von dem Grab Jassins ein und
verletzten auch fünf Passanten. Rantissi wurde schwer verwundet in
ein Krankenhaus eingeliefert, wo er während einer Notoperation
starb. Tausende Palästinenser marschierten durch die Strassen und
riefen nach Rache. Rantissi hatte als einer der radikalsten
Hamas-Führer jegliche Kompromisse mit Israel abgelehnt.
Die USA haben zurückhaltend auf die Liquidierung Rantissis durch
Israel reagiert. Israel habe "das Recht, sich selbst zu verteidigen",
erklärte US-Präsidentensprecher Scott McClellan am (heutigen)
Sonntag. Die Hamas bezeichnete er als "Terrororganisation". Israel
müsse jedoch die "Konsequenzen seiner Handlungen bedenken".
Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat indes die gezielte
Tötung Rantissis verurteilt. Arafat "verurteilt scharf das
Verbrechen der Ermordung von Doktor Abdelasis el Rantisis und zweier
Mitglieder seiner Gefolgschaft", hieß es in einer am Samstag
veröffentlichten Erklärung des
Palästinenserpräsidenten. Angesichts der "Barbarei der
Besatzung" werde der Widerstand nur stärker werden. "Der
Widerstand ist unser einziger Weg", hieß es weiter in dem Papier.
Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat warf derweil
Israel Staatsterrorismus vor. «Wir verurteilen in den
schärfsten möglichen Worten die Ermordung von Dr.
Rantissi», sagte Erakat. «Das ist Staatsterrorismus, und
die israelische Regierung ist voll für die Folgen aus dieser Tat
verantwortlich.» Auch von der Arabischen Liga wurde der Vorwurf
des Staatsterrorismus gegen Israel erhoben. Ihr Sprecher Hossam Saki
sagte in Kairo, der Angriff wenige Tage nach dem USA-Besuch des
israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon nähre zudem
den Verdacht, dass Israel die Zustimmung von US-Präsident George
W. Bush dafür erhalten habe.
Der israelische Oppositionspolitiker Jossi Beilin warf der Regierung
vor, den Gazastreifen «im Blut zu ertränken». Die
Online-Ausgabe der israelischen Zeitung «Jediot Achronot»
zitierte Beilin mit den Worten, die Liquidierungspolitik zerfresse die
israelische Demokratie.
«Israel muss um unserer selbst Willen mit dieser Politik
aufhören, die vor allem uns schadet, ungeachtet der
verachtenswürdigen Taten Rantisis», sagte Beilin. Israel
wecke auf der palästinensischen Seite einen «Rachedurst, der
die Abtrennung des Gazastreifens in einen Albtraum verwandeln»
werde.
Der jordanische Regierungspräsident Asma Chader bezeichnete die
Tötung Rantissis als «hässliches Verbrechen», das
die Hoffnungen auf Frieden in der Region mindere. Bush trifft am
kommenden Mittwoch mit König Abdullah zusammen. Der
palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia sagte, Israel
habe mit der Tötung Rantissis «alle roten Linien
überschritten». Den USA warf er vor, sie ermutigten
israelische Aktionen gegen die Palästinenser.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Ermordung des neuen
Hamas-Führers durch Israel verurteilt. Die Tat verletzte
internationales Recht, erklärte Annan. Er forderte Israel auf, die
gezielten Tötungsaktionen sofort einzustellen. Die US-Regierung
mahnte die Konfliktparteien zur Zurückhaltung.
Auch der britische Aussenminister Jack Straw verurteilte das
israelische Vorgehen als rechtswidrig. «Die britische Regierung
hat es wiederholt klar gemacht, dass so genannte gezielte Tötungen
rechtswidrig, ungerechtfertigt und kontraproduktiv sind», sagte
er.
Rantissis Vorgänger, Hamasgründer Jassin, war am 22.
März bei einem israelischen Raketenangriff getötet worden.
Israel erklärte damals, auch alle anderen Führer der Hamas
könnten zum Ziel von Angriffen werden. Zuletzt hatte Israel am 10.
Juni vergangenen Jahres versucht, Rantissi zu töten. Rantissi
entkam verletzt; einen Tag später wurden bei einem
Hamas-Selbstmordanschlag in Jerusalem 16 Israelis getötet.
Der israelische Kabinettsminister Gideon Esra rechtfertigte den
tödlichen Angriff auf Rantissi als Teil eines Kampfes gegen
militante Palästinenser, denen in den vergangenen dreieinhalb
Jahren 900 Israelis zum Opfer gefallen seien. «Wir müssen
diesen Krieg fortsetzen, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Und die
Geschichte mit Rantissi zeigt, dass das Heer überall zuschlagen
kann. Wir müssen weiter machen, wir haben keine andere
Wahl», sagte Esra im israelischen Rundfunk. Minister Usi Landau
sagte, die Tötung Rantissis sei ohne Zweifel ein grosser Erfolg.
Zuvor war bei einem Selbstmordanschlag am Grenzübergang Eres
zwischen Israel und dem Gazastreifen ein israelischer Soldat
getötet worden. Der Soldat erlag seinen schweren Verletzungen, wie
die Armee mitteilte. Zwei weitere Soldaten und ein Wachmann wurden
verletzt, als ein palästinensischer Selbstmordattentäter
einen Sprengsatz an einem Zufahrtsweg zu einem Industriegebiet
zündete, in dem tausende Palästinenser arbeiten.
Das Industriegebiet wurde nach der Explosion geräumt und
abgeriegelt. An derselben Stelle hatte sich am 14. Januar eine
palästinensische Selbstmordattentäterin in die Luft gesprengt
und vier Israelis mit in den Tod gerissen. Zu dem Anschlag bekannte
sich die radikalislamische Palästinenserbewegung Hamas. Am 6.
März war ein Anschlagsversuch von drei Palästinensern nahe
eines israelischen Armeepostens in Eres vereitelt worden. Die drei
Palästinenser wurden getötet.
Der von den USA unterstützte neue Nahost-Plan Israels gerät
derweil weiter in Kritik. Die EU-Aussenminister erklärten am
Samstag die internationale Road Map zum «einzigen Weg»
für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Nur Verhandlungen
könnten zu einer im Friedensplan vorgesehenen
Zwei-Staaten-Lösung führen. Nach Ansicht des britischen
Premierministers Tony Blair ist ein einseitiger Abzug Israels aus dem
Gazastreifen bei gleichzeitigem Behalten grosser Gebiete des
Westjordanlandes dagegen eine Chance, den Friedensprozess neu zu
beleben.
Die EU werde Änderungen der Grenzen von 1967 nur akzeptieren, wenn
dem auch die Palästinenser zustimmten, erklärten die
EU-Aussenminister bei informellen Beratungen im irischen Tullamore.
«Die Palästinenser müssen ihren Platz am
Verhandlungstisch haben», betonte der deutsche Aussenminister
Joschka Fischer. Zum Auftakt des Treffens am Freitag hatten die
Minister irritiert darauf reagiert, dass US-Präsident George W.
Bush den jüngsten Vorstoss des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon unterstützt.
Scharon will zwar den Gazastreifen komplett räumen, aber an
mehreren grossen Siedlungen im Westjordanland festhalten. Zudem lehnt
er eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in das
israelische Kernland ab. Die Road Map sieht dagegen die Errichtung
eines palästinensischen Staates bis Ende kommenden Jahres vor.
Kritik am amerikanischen Schulterschluss mit Scharon kam auch aus
Jordanien. Wenige Tage vor einem geplanten USA-Besuch von König
Abdullah II. erklärte Aussenminister Marwan Muascher, man erwarte
Garantien, dass Washington noch immer der Zwei-Staaten-Lösung
verpflichtet sei. Das jordanische Parlament wies Bushs
Rückendeckung für Scharons Pläne als
«ungerechtfertigt» zurück, die Opposition forderte
einen Abbruch jeglicher Zusammenarbeit mit den USA.
«Niemand auf dieser Welt hat das Recht, unser Land und unsere
Rechte wegzugeben», erklärte der palästinensische
Präsident Jassir Arafat in Ramallah. «Unser Volk und unsere
Führung sind die einzigen, die legitimiert sind, im Namen der
Palästinenser zu sprechen.» Aus Protest gegen die
amerikanische Unterstützung Scharons sagte der
palästinensische Aussenminister Nabil Schaath einen für
kommende Woche geplanten Besuch in Washington ab.
Die Europäische Union (EU) muss nach Einschätzung ihres
Außenkommissars Chris Patten nun helfen, den Schaden durch den
einseitigen Schulterschluss der USA mit Israel zu begrenzen.
"Ich denke, es gibt schrecklich viel Schaden zu reparieren", sagte
Patten am Samstag vor abschließenden Beratungen der
EU-Außenminister im irischen Tullamore. Europa müsse dabei
helfen, weil eine Friedenslösung im Nahen Osten in seinem
Interesse liege.
Belgiens Außenminister Louis Michel warnte davor, die Differenzen
mit den USA zu verschweigen. Es gebe Widersprüche zwischen der
gemeinsamen Haltung von US-Präsident George W. Bush und Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon. "Wir müssen diese
Unterschiede klar benennen und nicht so tun, als gäbe es sie
nicht."
Doch Patten warnte die Europäer vor einem offenen Streit mit den
USA über die Nahost-Politik. "Wir wollen keine Konfrontation mit
irgend jemandem, das hilft nicht weiter", sagte er. Die EU müsse
entschieden an der Road Map festhalten, die bis zum kommenden Jahr
einen unabhängigen Palästinenserstaat auf Grundlage einer
Einigung zwischen beiden Seiten vorsieht. Patten begrüßte,
dass Bush sich am Freitag nach einem Treffen mit dem britischen
Premierminister Tony Blair erneut zur Road Map und zu Verhandlungen
zwischen Israel und den Palästinensern bekannt hatte. Dies seien
andere Töne als bei der Pressekonferenz mit Scharon, in der Bush
israelische Ansprüche auf Teile des besetzten Westjordanlandes
unterstützt hatte.
Dennoch bestehe die Gefahr, dass viele Palästinenser einen
Rückschlag für ihre Hoffnungen auf einen eigenen Staat
sähen, sagte Patten. Dies sei nicht hilfreich. Zudem werteten
viele Menschen in der arabischen Welt Bushs Äußerungen beim
Scharon-Besuch als Abkehr von der bisherigen Nahost-Politik der USA,
die eine Grenzfestlegung Verhandlungen beider Konfliktparteien
überließ.
Tausende Menschen demonstrierten am Samstag im Gazastreifen und
Westjordanland für eine Freilassung palästinensischer
Häftlinge in israelischen Gefängnissen. Führer der
Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad drohten mit der
Entführung israelischer Soldaten, um diese gegen inhaftierte
Palästinenser auszutauschen. In israelischen Gefängnissen
sitzen derzeit rund 7.000 Palästinenser, denen eine mögliche
Verwicklung in Gewalt gegen Israelis vorgeworfen wird.
(Quellen: ap, rtr, afp, ap)
Israel setzt die angedrohten 'gezielten Tötungen' fort
Das israelische Militär hat mit einer "gezielten Tötung" den
erst kürzlich zum Chef des militanten Hamas-Flügels ernannten
Abdel Aziz Rantisi ermordet. Schon nach der Ermordung des
Hamas-Führers Jassin hatte die israelische Regierung
angekündigt, weitere Anschläge gegen palästinensische
"Terroristen" durchzuführen. Auch Arafat solle sich keineswegs
sicher wähnen, wurde gedroht....
Von einer "gezielten" Tötung im Sinne präzis lässt sich
auch dieses Mal nicht wirklich sprechen, denn neben Rantisi starben an
dem Anschlag, der mit einer Rakete von einer Hubschrauber
ausgeführt wurde, auch ein Leibwächter und sein Sohn
Mohammed. Überdies sollen 5 Passanten verletzt worden sein. Zudem
soll Rantisis Frau im Auto gewesen sein, das von der Rakete getroffen
wurde. Wie es ihr geht und wo sie sich aufhält, ist bislang
unbekannt....
Seit Beginn der Intifada soll Israel 150 Palästinenser in
"gezielten Tötungen" ermordet haben.
Aus "telepolis" vom 18.04.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/17218/1.html
Dass Bush den unilateralen Plan des israelischen Premiers Ariel
Scharon, sechs große (jüdische) Siedlungsblöcke in der
Westbank zu annektieren sowie Scharons Zurückweisung des
international anerkannten Rückkehrrechts der Palästinenser
billigt... ist eine herbe Niederlage für das internationale
Recht, eine herbe Niederlage für die Menschenrechte der
Palästinenser; die amerikanisch-israelische Allianz jedoch wird
massiv gestärkt
Seit 1967 war es Politik der USA, die illegalen israelischen Siedlungen
stillschweigend zu akzeptieren und nichts zu unternehmen, was ein Ende
der Besatzung auch nur ermutigen könnte. Dennoch stellt Bushs
Position eine scharfe Zäsur dar – bricht sie doch mit dem lange
gültigen Prinzip, eine Verhandlungslösung zu
unterstützen. Noch schärfer die Kehrtwende in Hinblick auf
Bushs eigene Behauptung (wie unglaubwürdig auch immer), man trete
für eine Zwei-Staaten-Lösung ein. Indem Bush jetzt ein
Rückkehrrecht (für palästinensische Flüchtlinge)
zurückweist und die Permanenz der israelischen Besatzung
akzeptiert, erteilt er jeder Möglichkeit einer ernsthaften und
umfassenden Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts
eine Absage. Der „neue Status quo" – permanente israelische Besatzung,
anerkannt durch die USA, kein Rückkehrrecht, kein
lebensfähiger Palästinenserstaat – wird auf unbestimmte Zeit
Maßstab sein. Ob es Chancen auf Veränderung gibt, ist
nunmehr abhängig davon, ob Israel irgendwann entscheidet, es gibt
wieder einen „akzeptablen" palästinensischen Verhandlungspartner.
Diese US-Position hat die Nahost-Diplomatie auf den Stand von vor 1991
zurückgeworfen – als die Palästinenser noch von allen
Verhandlungen ausgeschlossen waren. Verhandlungen zwischen Israel und
den USA als Substitut für Gespräche zwischen Israel und den
Palästinensern, wobei die Amerikaner Land und Rechte der
Palästinenser nach Gutdünken veräußern. Ein
Rechtsberater der PLO zur New York Times: „Stellen Sie sich vor, die
Palästinenser sagen: „Okay, wir geben Kalifornien an Kanada." Die
Amerikaner sollten aufhören, sich darüber zu wundern, dass
sie im Nahen Osten so wenig Glaubwürdigkeit besitzen"....
Aus: Phyllis Bennis - "Schurkenstaaten begrüßen
Bush- Scharon- Pressekonferenz – Talking Points" , Institute For Policy
Studies / ZNet 15.04.2004
http://www.zmag.de/artikel.php?
id=1085&PHPSESSID=278c31563977ad202733c24a535c1d84
Orginalartikel: "Rogue States Embrace the Bush-Sharon Press
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=22&ItemID=5333
|
Kosovo: Jordanischer UN-Polizist erschießt zwei Kolleginnen aus
USA
Tödliche Schießerei hängt mit Irak zusammen
So.18.04.04 - Polizisten der internationalen Truppe der Vereinten Nationen haben nach
UN-Angaben am Samstag in Kosovska Mitrovica das Feuer aufeinander
eröffnet. Drei Beamte, zwei Amerikanerinnen und ein Jordanier,
wurden in dem zehnminütigen Schusswechsel getötet und elf
verwundet, hieß es weiter.
Die US-geführte Besatzung Iraks war offenbar der Grund für
die tödliche Schießerei zwischen UN-Polizisten Nach Angaben
eines UN-Polizisten aus den Vereinigten Staaten stritten sich am
Samstag mehrere seiner US-Kollegen mit UN-Polizisten aus dem Nahen
Osten über die Lage in Irak. Die aus dem Nahen Osten stammenden
Polizisten hätten ihren US-Kollegen vorgehalten, die USA
würden Irak besetzen "wie alle anderen Staaten auch", sagte der
US-Polizist der Nachrichtenagentur AFP in Kosovska Mitrovica.
Plötzlich habe ein Jordanier das Feuer eröffnet.
Das Feuergefecht fand in einem Gefängnis der zwischen Serben und
Albanern geteilten Stadt statt. Aus NATO-Kreisen verlautete, dass vier
jordanische UN-Polizisten verhaftet worden seien.
Der Leiter der UN-Verwaltung im Kosovo, Harri Holkeri, zeigte sich
schockiert über den» unglücklichen Tod engagierter
Profis, die von so weit her gekommen waren, um dem Kosovo auf seinen
Weg in die Zukunft zu helfen».
(Quellen: ap, afp)
Außenminister von Serbien-Montenegro ruft vom Haager Tribunal
gesuchte Serben zur Aufgabe auf
So.18.04.04 - Der neue Außenminister von Serbien-Montenegro, Vuk Draskovic, hat
vier vom Haager Tribunal gesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher
zur Aufgabe aufgerufen. Wenn die im Zusammenhang mit Gräueltaten
im Kosovo angeklagten ehemaligen Generäle «Helden sind,
sollten sie sich stellen», sagte Draskovic am Samstag dem
Rundfunksender B-92. Die Zusammenarbeit mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bezeichnete er als
internationale Verpflichtung. Draskovic von der Serbischen
Erneuerungsbewegung übernahm das Amt des Außenministers am
Freitag, nachdem sein Vorgänger Goran Svilanovic am Donnerstag
zurückgetreten war.
(Quelle: ap)
Gasparovic gewinnt Präsidentenwahl in der Slowakei
So.18.04.04 - Ivan Gasparovic hat die Präsidentenwahl in der Slowakei gewonnen.
Der 63-Jährige setzte sich in der Stichwahl gegen den ehemaligen
Ministerpräsidenten Vladimir Meciar durch. Wie die Wahlkommission
am Sonntag mitteilte, erhielt Gasparovic dem vorläufigen Ergebnis
zufolge knapp 60 Prozent der Stimmen. Sein früherer Parteikollege
Meciar, der im ersten Durchgang noch in Führung lag, kam dagegen
nur auf rund 40 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,5 Prozent.
Der Ausgang der Stichwahl am Samstag galt bis zum Schluss als offen. Zu
Meciars Regierungszeit war Gasparovic Parlamentspräsident, bis vor
zwei Jahren gehörte er Meciars Bewegung für eine
Demokratische Slowakei (HZDS)an. Bei der Wahl vor zwei Wochen schlug er
knapp den zuvor als Favoriten gehandelten Kandidaten der jetzigen
Regierung, Außenminister Eduard Kukan, aus dem Feld.
Die Slowakei ist eines von zehn Ländern, die am 1. Mai der EU
beitreten.
(Quelle: ap)
Vierzehn Einwanderer vor Fuerteventura ertrunken
So.18.04.04 - Mindestens 14 Einwanderer sind vor der kanarischen Insel Fuerteventura
ertrunken, nachdem ihre kleinen Boote am Samstag miteinander
kollidierten. Nach Angaben der Polizei in Las Palmas de Gran Canaria
wurden 46 Personen verhaftet, die nach dem Zusammenstoß an Land
geschwommen waren. Ein neun Monate altes Baby und eine ältere
Person wurden vermisst.
Jedes Jahr versuchen tausende von Afrikanern, der Armut auf ihrem
Kontinent mit riskanten Fluchten über das Meer nach Spanien oder
den Kanarischen Inseln vor Westafrika zu entkommen. Erst im Januar
waren 16 Einwanderer vor Fuerteventura ertrunken, nachdem ihr Boot
kenterte.
(Quelle: ap)
IWF hebt Erwartungen an Wachstum der Weltwirtschaft an
Rechnet mit Zunahme der Welt-Wirtschaftsleistung um 4,6 Prozent.
Globale Ungleichgewichte bleiben bestehen
So.18.04.04 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Erwartungen an
das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich angehoben.
In dem der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag in London in Teilen
vorliegenden endgültigen Entwurf für den
Weltwirtschaftsausblick rechnet der Fonds im laufenden Jahr mit einer
Zunahme der Welt-Wirtschaftsleistung um 4,6 Prozent. In seiner
Schätzung vom September des vergangenen Jahres war er noch von 4,1
Prozent 2005 solle sich das Expansionstempo mit einem Wachstum von 4,4
Prozent fortsetzen. Der Aufschwung werde an Breite gewinnen,
heißt es im Ausblick, den der IWF am Mittwoch in Washington
offiziell veröffentlichen will.
Der Fonds sieht nach dem Entwurf zudem Chancen für ein noch
stärkeres Wachstum. Dies könne möglich sein, da der
Welthandel kräftig expandiere, die Finanzmärkte optimistisch
seien und der Aufschwung in den USA an Stärke gewinne. Allerdings
bestünden globale Ungleichgewichte fort. In seinem Ausblick
erwartet der IWF, dass das Leistungsbilanzdefizit der USA in den
kommenden Jahren nur geringfügig auf vier Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken wird.
Für die Eurozone rechnet der IWF im laufendenden Jahr mit einem
Wachstum von 1,7 Prozent. Im September 2003 hatten die Experten noch
1,9 Prozent erwartet. Das Wachstum werde sich allerdings 2005 deutlich
beschleunigen und dann bei 2,3 Prozent liegen.
Für Deutschland gehen die IWF-Experten im laufenden Jahr von einem
leicht verbesserten Wachstum von 1,6 Prozent aus. Zuvor hatten sie 1,5
Prozent prognostiziert. Im kommenden Jahr werde der Aufschwung an
Dynamik gewinnen und die Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent zunehmen.
Deutschland werde vor allem von der starken Exportnachfrage
profitieren, die schwache Binnennachfrage bleibe aber problematisch.
Besonders erfreulich sind nach Einschätzung des IWF das unerwartet
starke Wachstum und die erfolgreiche Bekämpfung der Deflation in
Japan. Mit 3,4 Prozent werde die Wachstumsrate 2004 mehr als doppelt so
hoch sein als noch vor einem halben Jahr angenommen wurde (1,4 Prozent).
(Quelle: rtr)
Stimmen gegen Niedriglohnzonen in Ostdeutschland mehren sich
So.18.04.04 - In der Debatte um die Ostförderung mehren sich Stimmen gegen die
Einrichtung von Niedriglohnzonen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
plädierte nach Informationen der «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe) stattdessen für «echten
Bürokratieabbau in ganz Deutschland». Dies bringe mehr als
ein spezielles Arbeitsrecht Ost mit weniger Kündigungsschutz,
Niedriglohnzonen oder Sonderwirtschaftszonen mit Niedrigsteuern, sagte
Clement dem Bericht zufolge auf einer Expertenklausur in Bonn.
Regionale Eingriffe des Gesetzgebers in die Tarifautonomie
gehörten nicht zu seinem Politikangebot, sagte Clement demnach.
Stattdessen sprach sich der SPD-Politiker für Deregulierung und
Entbürokratisierung im Osten wie im Westen aus. Dem
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zufolge will er dem
Kabinett in dieser Woche ein Paket von 35 Einzelmaßnahmen zum
Abbau bürokratischer Hindernisse vorlegen. Zudem sollten
zahlreiche Auflagen für Berufsgruppen oder Branchen gestrichen
werden. So solle etwa die Vergabe öffentlicher Aufträge
vereinfacht und die Auflagen für Firmenräume oder Fabriken
reduziert werden. Friseure oder Bäcker dürften ihren Kunden
künftig in größerem Umfang Getränke oder Speisen
anbieten. Die Länder erhielten mehr Spielraum, den Ladenschluss an
Sonn- und Feiertagen zu regeln.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger erklärte die Einrichtung eines
Niedriglohnsektors in Ostdeutschland für überflüssig. Er
sagte laut Deutschlandradio und «Berliner Zeitung»,
Ostdeutschland sei bereits eine Sonderwirtschaftszone mit niedrigeren
Löhnen als in Westdeutschland, längeren Arbeitszeiten und
Investitionszulagen. Dies habe den Aufbau Ost aber nicht wesentlich
verbessert. Er forderte unter anderem eine Exportunterstützung
für Ostdeutschland und eine stärkere Förderung der
Wissenschaft.
CDU-Chefin Angela Merkel sagte bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung
«Halb Zwölf», die besonderen Wirtschaftsprobleme in
Ostdeutschland seien in zehn Jahren bewältigt. Dann werde es
zwischen Ost und West keine größeren Unterschiede mehr geben
als heute zwischen einzelnen Regionen der alten Bundesrepublik. Bis
dahin werde es «Bevölkerungswanderungen» geben.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte im Hessischen Rundfunk,
es habe keinen Sinn, Ostdeutschland zum Niedriglohnland zu machen,
«weil unsere Nachbarn diese Löhne immer unterbieten
können». In der «Berliner Zeitung» zeigte er
sich empört über den Vorschlag, die Sozialhilfe in
ärmeren Regionen wie Ostdeutschland zu kürzen. Dies hatte der
Arbeitskreis der SPD-nahen Manager gefordert.
Für die Subventionierung von Niedriglöhnen sprach sich der
sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt aus. «Der
Unternehmer könnte einen Arbeitslosen zu dem Lohn einstellen, den
dieser durch seine Arbeitsleistung erwirtschaftet, der Arbeitslose
erhält mit Lohneinkommen plus Lohnsubvention ein Einkommen
oberhalb des Sozialhilfeniveaus, und der Staat zahlt eine
Lohnsubvention unterhalb des Sozialhilfeniveaus», schlug er in
der «Welt am Sonntag» vor. Er würde Sachsen als
Modellregion zur Verfügung stellen.
Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Gillo kündigte im
«Spiegel» an, er werde in den nächsten Wochen ein
eigenes durchgerechnetes Niedriglohnkonzept für Regionen mit hoher
Arbeitslosigkeit vorlegen.
(Quelle: ap)
BDI-Präsident Rogowski greift Thierse scharf an
So.18.04.04 - Industrie-Präsident Michael Rogowski wirft einem Zeitungsbericht
zufolge Parlamentspräsident Wolfgang Thierse vor, die Wirtschaft
zu diffamieren. Die «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung» zitierte aus einem Brief Rogowskis, worin
Rogowski dem SPD-Politiker vorwirft, deutsche Unternehmer als
«rücksichtslose Profitmacher» darzustellen.
«Wenn Sie Unternehmen mit Ihren pauschalen Äußerungen
diffamieren, weise ich das auch im Namen meiner Unternehmerkollegen
entschieden zurück», schreibt der der BDI-Chef demnach.
Laut der Zeitung wirft Rogowski Thierse vor, nichts als
«Klischees» über einen vermeintliche
«entfesselten Kapitalismus» zu kultivieren. Falsch sei auch
Thierses Unterstellung, die Wirtschaftsführer stellten nur
Forderungen an die Arbeitnehmer und die Politik, leiste aber selbst
keinen Beitrag zur Reform: «Das Bild von den wirtschaftlich
Verantwortlichen ist mit derart groben Strichen gemalt, dass Angst und
Unsicherheit in Deutschland eher noch geschürt werden»,
schreibt Rogowski. Der BDI-Präsident forderte Thierse demnach auf,
die an diesem Sonntag beginnende Hannover Messe zu besuchen, um sich
ein Bild von der wahren Leistungsfähigkeit deutscher Unternehmer
zu machen.
(Quelle: ap)
54 Prozent der Männer arbeiten mehr als 40 Stunden
So.18.04.04 - Während die allgemeine Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche
diskutiert wird, sind lange Arbeitszeiten bei vielen Deutschen laut
einer Umfrage bereits Realität. Wie das Nachrichtenmagazin
«Focus» am Sonntag vorab berichtete, sagten 54 Prozent der
Männer, dass sie mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. 40
Prozent der Frauen arbeiten bis zu 35 Stunden pro Woche. Das
Meinungsforschungsinstitut polis/USUMA hatte für das Magazin 475
repräsentativ ausgewählte Berufstätige befragt.
Insgesamt sagten 21 Prozent der Befragten, dass sie weniger als 35
Stunden arbeiten, schreibt das Blatt. 37 Prozent hatten eine 35- bis
40-Stunden-Woche. 22 Prozent arbeiteten zwischen 41 und 45 Stunden und
10 Prozent zwischen 46 und 50 Stunden. Ebenfalls 10 Prozent der
Befragten sagten, dass sie mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiteten.
(Quelle: ddp)
Müntefering: Millionen Deutsche bald ohne Ausbildung
So.18.04.04 - SPD-Chef Franz Müntefering befürchtet ohne staatliche
Gegenmaßnahmen eine weitere Verschärfung der Lage auf dem
Ausbildungsmarkt. Betroffen seien dann bald einige Millionen Menschen.
"Für die stoische Gelassenheit, mit der weite Teile der
Gesellschaft das hinnehmen, habe ich kein Verständnis", sagte
Müntefering der Tageszeitung "Die Welt".
Vor einem geplanten Treffen mit SPD-Ministerpräsidenten am Sonntag
bekräftigte Müntefering zugleich die Pläne seiner Partei
für eine Ausbildungsplatzabgabe. Er forderte die Unternehmer auf,
ihrer Pflicht zur Ausbildung nachzukommen - sonst müsse die
Bundesregierung notfalls mit gesetzlichen Mitteln nachhelfen. Der
Anteil der jungen Leute ohne Berufsausbildung dürfe nicht noch
größer werden.
Bei dem Treffen mit den SPD-Ministerpräsidenten soll laut
Müntefering ausgelotet werden, "wie man den Ausbildungsmarkt so
organisieren kann, dass in diesem Jahr vier bis fünf Prozent mehr
Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen". Dies sei "bei gutem
Willen" machbar, sagte der SPD-Chef. Mehrere
SPD-Ministerpräsidenten lehnen die Koalitionspläne für
eine gesetzliche Umlage in der vorliegenden Form ab.
Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagte dazu der "Bild am
Sonntag": "Ich fordere die SPD-Ministerpräsidenten auf, in ihrer
Ablehnung der Ausbildungsplatzabgabe gegenüber Franz
Müntefering hart zu bleiben und diesem Unsinn nicht zuzustimmen."
Er verwies darauf, dass im vergangenen Jahr "dank des enormen
Engagements von Unternehmen und Verbänden" über eine halbe
Million neuer Ausbildungsverträge abgeschlossen" worden seien.
"Das Angebot hat die Nachfrage zu 97 Prozent gedeckt", betonte Hundt.
"Eine Zwangsabgabe würde aber dazu führen, dass das
Lehrstellenangebot zurückgeht."
Um alle Jugendlichen mit Ausbildungsplätzen zu versorgen, will die
Regierung eine Umlage einführen. In Jahren mit einem Mangel an
Lehrstellen insgesamt sollen demnach Betriebe, die nicht eine
Ausbildungsquote von sieben Prozent der Beschäftigten erreichen,
eine Abgabe zahlen, die ausbildenden Betrieben zugute kommt. Dieses
Vorhaben wurde am Samstag auch von Seiten der SPD-Fraktion noch einmal
bekräftigt. Kritik äußerte dagegen erneut der
Vorsitzende der NRW-SPD, Harald Schartau. "Die Umlage wird kein
einziges der Probleme lösen, die wir auf dem Ausbildungsmarkt
haben", sagte Schartau dem Magazin "Focus".
(Quelle: afp)
Zypries für soziales Pflichtjahr
So.18.04.04 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) befürwortet ein
soziales Pflichtjahr für Männer und Frauen, sollten Wehr- und
Zivildienst abgeschafft werden. Ein solcher Schritt sei
völkerrechtlich zulässig und mit der Europäischen
Menschenrechtskonvention vereinbar, heißt es nach Angaben eines
Ministeriumssprechers in einem Schreiben von Zypries an mehrere
SPD-Kabinettskollegen. Er bestätigte damit einen entsprechenden
Vorabbericht des «Spiegels».
Adressaten sind Innenminister Otto Schily, Verteidigungsminister Peter
Struck und Familienministerin Renate Schmidt. Struck und Schmidt hatten
sich gegen ein soziales Pflichtjahr ausgesprochen. Schily hatte dagegen
angeregt, angesichts der Terrorbedrohung ein soziales Pflichtjahr
einzuführen, sollte die Wehrpflicht abgeschafft werden. Der
Verteidigungsminister hatte dies mit dem Hinweis auf rechtliche
Bedenken zurückgewiesen.
Zypries' wies die Minister nun darauf hin, dass Ausnahmen von dem in
der Europäischen Menschenrechtskonvention festgeschriebenen Verbot
für Zwangs- und Pflichtarbeit geltend gemacht werden könnten.
Allerdings müssten das Arbeitsmaß und die damit verbundene
Belastung verhältnismäßig sein. Zypries empfiehlt
demnach, zu den strittigen Fragen ein externes Rechtsgutachten
einzuholen. Zypries' Sprecher betonte, es sei klar, dass für die
Einführung eines sozialen Pflichtjahrs die Verfassung
geändert werden müsste.
(Quelle: ap)
Krankenkassen bedienten sich angeblich aus Pflegeversicherung
So.18.04.04 - Mehrere Krankenkassen haben sich offenbar jahrelang illegal aus der
gesetzlichen Pflegeversicherung bedient, um Rechnungen für ihre
Mitglieder zu bezahlen. Dies geht nach einem Bericht des
Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» aus einem Schreiben des
Bundesversicherungsamts (BVA) vom 5. April an die Kassenvorstände
hervor. Demnach ist der Pflegekasse dabei ein Schaden von etwa 400
Millionen Euro entstanden. Vor allem Rechnungen für Spezialbetten,
Rollstühle oder Badewannen-Lifter seien in vielen Fällen der
Pflegeversicherung aufgebürdet worden, obwohl sie eigentlich von
den Krankenkassen hätten bezahlt werden müssen.
Das BVA will die Kassen dem Bericht zufolge nun zwingen, das Geld aus
den Fehlbuchungen vollständig zurückzuzahlen. Betroffen seien
auch Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), hieß es. Wegen der
finanziellen Notlage einzelner Krankenkassen sollen aber Ratenzahlungen
möglich sein.
(Quelle: ddp)
Immer heftigerer Streit in jüdischer Gemeinde um Fördergeld
So.18.04.04 - Der Streit in der jüdischen Gemeinde um staatliches
Fördergeld gewinnt kurz vor dem geplanten Treffen mit der
Bundesregierung an Heftigkeit. Der Präsident des Zentralrats der
Juden, Paul Spiegel, warf der liberalen Union progressiver Juden in
einem Interview der «Süddeutschen Zeitung»
(Samstagausgabe) «Verleumdungen und unwahre Behauptungen im
Rahmen einer öffentlichen Kampagne» vor. Für
(kommenden) Mittwoch ist ein Gespräch zwischen Kanzler Gerhard
Schröder und Spiegel geplant.
Präsidium und Direktorium des Zentralrats wollen laut
«Netzeitung» bereits am (heutigen) Sonntag in
Düsseldorf zu einem Krisengespräch zusammen kommen. Wie die
«Netzeitung» unter Berufung auf ein Direktionsmitglied
berichtete, will Spiegel die jüdische Gemeinschaft «auf
Linie bringen» und erreichen, dass das Direktorium seinen Kurs
gegen die Union progressiver Juden mittrage.
Die Bundesregierung hatte vergangenes Jahr einen Staatsvertrag mit dem
Zentralrat abgeschlossen, der eine staatliche Förderung von drei
Millionen Euro im Jahr vorsieht. Ende März war Kritik aufgekommen,
dass dieses Geld bisher vor allem orthodoxen Gemeinden zu Gute komme.
Spiegel sagte der «Süddeutschen Zeitung», er halte das
Anliegen der Union progressiver Juden nach einem Teil der
Unterstützung für nachvollziehbar. «Den Wünschen
sind aber Grenzen gesetzt.» Es gehe im Kern nur um die
Förderung einer Minderheit von weniger als zwei Prozent der in
Deutschland lebenden Juden.
«Wenn die Union progressiver Juden eine eigene
Bundesförderung erlangen will, muss sie einen eigenen
Staatsvertrag anstreben», sagte Spiegel dem Blatt. Er gehe davon
aus, dass in dem Gespräch mit Schröder und Innenminister Otto
Schily am Mittwoch «vor allem die unwahren Behauptungen in der
öffentlichen Diskussion» erörtert würden. Ob es
eine Einigung geben werde, hänge von der Union progressiver Juden
ab.
Das Londoner Leo-Baeck-College übte einem Bericht der
«Netzeitung» zufolge heftige Kritik am Zentralrat der
Juden. Der Rabbiner Albert Friedlander, Dekan des Colleges, zeigte sich
in einem von ihm mit unterzeichneten Schreiben an das Kanzleramt
empört über die Äußerungen Spiegels und warf ihm
vor, «die Geschichte der Juden in Deutschland»
hinunterzureißen. Dies sei «ein Beispiel einer
Geschichtslüge, die man angreifen muss», zitierte die
«Netzeitung» aus dem Schreiben.
Unterdessen wurde bekannt, dass der amerikanische Außenminister
Colin Powell am 28. und 29. April an der OSZE-Antisemitismuskonferenz
in Berlin teilnehmen wird. Die Konferenz soll unter anderem dazu
dienen, für mehr Toleranz zu sorgen.
(Quelle: ap)