Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertachtundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Pentagon zahlte schon vor Kongress-Entscheidung für
Irak-Planungen. Bush ernennt Negroponte zum US-Botschafter in Irak.
Deutschland und Frankreich unterstützen Irak-Zeitplan. Spanien
will nach Truppenabzug an Engagement für Irak festhalten. Nach
Spanien zieht auch Honduras seine Truppen aus dem Irak ab. Berlusconi
bekräftigt Verbleib italienischer Truppen in Irak. Dänemarks Ministerpräsident
Rasmussen weist Vorwürfe über aufgebauschte Irak-Berichte zurück.
Dänemark gibt Geheimdienstdokumente über irakische Waffen
frei. Nach der Gewaltwelle in Irak scheint sich die Lage etwas zu
entspannen. Einigung auf Beilegung der Krise in Falludscha. Vertreter
Falludschas und der USA rufen Widerstandskämpfer zur Abgabe ihrer
Waffen auf. Irakischer Fernsehjournalist von US-Soldaten erschossen.
Powells Kritik an Irak-Kurs sorgt für Unruhe im Weißen Haus
Di.20.04.04 - Das US-Verteidigungsministerium hat offenbar bereits vor der
Entscheidung des US-Kongresses für den Irak-Krieg eine dreistellige
Millionensumme zur Vorbereitung des Feldzugs bereit gestellt. Insgesamt
seien vor dem Oktober 2002 178 Millionen Dollar (148 Millionen Euro) an
das zuständige US-Zentralkommando der Armee geflossen, mit denen
die Planungen für den Irak-Krieg vorangetrieben worden seien,
sagten mehrere Beamte des US-Verteidigungsministeriums am Montag
(Ortszeit) in Washington.
US-Präsident George W. Bush hat unterdessen seinen Botschafter bei
der UNO, John Negroponte, zum Botschafter in Irak ernannt. Negroponte
verfüge über "enorme Erfahrung und Geschick", sagte.
Schon als UN-Botschafter habe Negroponte ausgezeichnete Arbeit
geleistet, sagte Bush über Negroponte weiter. Der 65-jährige
Diplomat war unter anderem maßgeblich an den Verhandlungen
über die UN-Resolutionen zu Irak beteiligt. Die Botschaft in
Bagdad wird mit etwa 3000 Beschäftigten, unter ihnen 700 bis 1000
aus den Vereinigten Staaten, die weltweit größte US-Mission
sein.
Frankreich und Deutschland unterstützen derweil den
amerikanisch-britischen Zeitplan für eine Machtübergabe in
Irak. Es komme entscheidend darauf an, «dass es zu einer echten
Souveränitätsübertragung innerhalb des Zeitplanes kommt,
der beschlossen wurde», sagte Bundesaußenminister Joschka
Fischer am Montag nach einem Gespräch mit seinem
französischen Kollegen Michel Barnier. Barnier erklärte, die
einzige Lösung für die Probleme in Irak sei eine politische.
Die Bundesregierung wollte zu dem geplanten spanischen
Truppenrückzug aus Irak keinen Kommentar abgeben. Dies sei Sache
der spanischen Regierung, sagte Regierungssprecher Thomas Steg.
Kommentare, mit dem Rückzug knicke die spanische Regierung ein,
wies Steg als unangemessen zurück. Die Bundesregierung wisse zu
würdigen, was die spanische Bevölkerung seit Jahrzehnten im
Kampf gegen den Terrorismus geleistet habe.
Barnier sagte, die Bedingungen für einen Transfer der
Souveränität müssten offen und ehrlich gestaltet werden,
dann trete eine Phase der Stabilisierung in Irak ein. Dies sei das Ziel
für die kommenden Monate. Darauf folge eine Zeit des Aufbaus.
«Dort wird die EU den Platz einnehmen, der ihr zusteht.»
Fischer sagte, man wolle mit den Vorschlägen, die der
UN-Sondergesandte für Irak, Lakhdar Brahimi, dem Sicherheitsrat
präsentiere, voranschreiten.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer äußerte sich
skeptisch, ob ein NATO-Einsatz in Irak helfen könnte, den Konflikt
zu schlichten. Er befürchte, dass die NATO als Hilfstruppe der USA
wahrgenommen würde. Dies würde nicht zur Stabilisierung des
Landes beitragen.
Spanien will trotz des angekündigten Rückzugs seiner Soldaten
an seinem Engagement in Irak festhalten. Der spanische
Außenminister Miguel Angel Moratinos betonte in der Zeitung
«El País», der Abzug bedeute nicht, dass Spanien
seine Verpflichtungen zur Stabilisierung und Demokratisierung des
Landes nicht erfüllen werde. Zu einem zunächst noch
planmäßigen Truppenaustausch sollten am Montag 190 spanische
Soldaten nach Irak fliegen, die dieselbe Anzahl Kameraden dort
ablösen sollen.
US-Präsident George W. Bush äußerte Bedauern über
die spanische Entscheidung, die er als «abrupt»
bezeichnete. In einem Telefonat mit Ministerpräsident José
Luis Rodriguez Zapatero rief Bush nach Angaben des Weißen Hauses
die neue Regierung in Madrid auf, alle Schritte zu vermeiden, die
«Feinden der Freiheit in Irak» falsche Signale der
Beruhigung senden könnten. Aus US-Regierungskreisen verlautete,
Bush habe in dem Telefonat mit Zapatero in "scharfer diplomatischer
Sprache" seine Enttäuschung geäußert. Auch Bushs
wahrscheinlicher Herausforderer bei der Präsidentenwahl im
November, Senator John Kerry, kritisierte Zapateros Schritt.
Die NATO betonte in Brüssel, sie habe keine Pläne, die
Lücke zu füllen, die die abgezogenen spanischen Soldaten
hinterlassen. Das polnische Außenministerium sprach von einer
«neuen Herausforderung», die Regierung plante jedoch keine
Aufstockung ihres Truppenkontingents. Albanien erklärte sich
dagegen bereit, seinen militärischen Einsatz in Irak auszuweiten.
Das Außenministerium habe US-Außenminister Colin Powell am
Freitag entsprechend informiert.
Nach Spanien ist inzwischen auch Honduras aus der US-geführten
Irak-Koalition ausgeschert und hat einen Truppenabzug angekündigt.
Präsident Ricardo Maduro sagte am Montag in Rundfunk, die 370
Soldaten sollten so schnell wie möglich in die Heimat
zurückkehren. Das mittelamerikanische Land verwies zur
Begründung auf die zunehmend schlechtere Sicherheitslage und
Spaniens Truppenabzug.
Die honduranischen Soldaten hatten ausschließlich humanitäre
Aufgaben wie medizinische Versorgung sowie das Räumen von Minen
übernommen. Wie andere Spanisch sprechende Staaten in der
Koalition - El Salvador, Nicaragua und die Dominikanische Republik -
waren sie Spaniens Kommando unterstellt. El Salvador teilte mit, es
werde seine 300 Soldaten bis zu dem geplanten Abzugstermin Anfang
August im Irak lassen. Nicaragua hat bereits keine Truppen mehr im
Irak. Die Regierung hatte ihren Verzicht auf eine weitere Stationierung
mit Geldmangel begründet.
Experten hatten nach der spanischen Ankündigung einen
Domino-Effekt vorhergesehen. So waren in Honduras Fragen laut geworden,
warum die eigenen Truppen nach einem spanischen Abzug noch im Irak
bleiben sollten. Zudem hatten Kongressabgeordnete Befürchtungen
über die Sicherheit der Soldaten geäußert.
Nach dem Beginn des Abzugs spanischer Truppen aus Irak hat der
italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Absicht zum
Verbleib italienischer Truppen in dem Land bekräftigt. Italienische
Soldaten und Hilfsorganisationen würden die Bevölkerung weiter
gesundheitlich und medizinisch unterstützen, erklärte
Berlusconi am Montagabend in Rom. Die Truppen würden bei der
Sicherung Iraks helfen, bis die Macht im Land an eine neue irakische
Regierung übergeben werde. Außerdem seien die Soldaten auf
einer "Friedensmission" im Einsatz.
Dänemarks Regierungschef Anders Fogh Rasmussen hat Vorwürfe
zurückgewiesen, er habe Geheimdienstberichte über Irak vor
dem Krieg aufgebauscht.
Die dänische Regierung hat am Montag zehn bisher als vertraulich
eingestufte Geheimdienstberichte über die angebliche Existenz
irakischer Massenvernichtungswaffen veröffentlicht. Rasmussen will
damit den Vorwurf entkräften, er habe das Parlament vor eineinhalb
Jahren bezüglich der irakischen Waffen belogen.
Laut den Dokumenten des Militärgeheimdienstes (DDIS) verfügte
Irak wahrscheinlich über chemische und bilogische Kampfstoffe. Wie
der Chef des Geheimdienstes, Konteradmiral Jörn Olesen, sagte,
basieren die Berichte auf Informationen der Vereinten Nationen und der
NATO. Olesen bezog sich speziell auf einen Bericht vom 22. Oktober 2002.
Fogh Rasmussen sagte auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen, die
Dokumente seien ein Beleg dafür, dass weder er noch die Regierung
das Parlament hinsichtlich der Existenz irakischer
Massenvernichtungswaffen getäuscht hätten. In der vergangenen
Woche hatte die Zeitung «Information» einen ehemaligen
Geheimdienstmitarbeiter mit den Worten zitiert, der
Ministerpräsident habe mehrfach Berichte erhalten, dass es keine
Beweise für solche Waffen in Irak gebe. Dennoch habe er vor den
Abgeordneten Wider besseres Wissen das Gegenteil behauptet.
Fogh Rasmussen hatte im Oktober 2002 vor dem Parlament erklärt, er
sei «überzeugt, dass das Regime in Irak heute
Massenvernichtungswaffen» habe. Seine Beteiligung am Irak-Krieg
stützte der Regierungschef aber darauf, dass Saddam Hussein eine
Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen verweigerte. Kopenhagen hat
410 Soldaten in Irak stationiert.
Der von «Information» zitierte Geheimdienstmitarbeiter war
entlassen worden, nachdem er im Februar einen geheimen Bericht an die
Medien weitergegeben hatte. In dem Bericht hieß es, es gebe keine
Beweise für Massenvernichtungswaffen in Irak.
Nach der Gewaltwelle in Irak scheint sich die Lage etwas zu entspannen:
Vertreter der US-Besatzung und Gesandte aus Falludscha riefen die
Widerstandskämpfer in der seit zwei Wochen umstellten Stadt am
Montag zur Abgabe ihrer Waffen auf. Die US-Truppen sagten zu,
während einer Entwaffnung auf weitere Militäraktionen zu
verzichten. Im Süden des Landes verkündeten die
Milizionäre des radikalen Schiitenführers Muktada El Sadr am
Sonntagabend einen zweitägigen Waffenstillstand zum Todestag des
Propheten Mohammed.
Der Aufforderung in Falludscha gingen Verhandlungen zwischen
Amerikanern und einer Delegation der Stadt am Wochenende voraus.
Sollten alle Waffen abgegeben werden, würden die US-Truppen ihre
Offensive nicht wieder aufnehmen, sagte Militärsprecher Dan Senor.
Zudem sollten möglicherweise die irakischen Sicherheitskräfte
schrittweise wieder die Kontrolle in der Stadt übernehmen.
Brigadegeneral Mark Kimmitt betonte jedoch, bei einem Scheitern der
Vereinbarung würden die US-Soldaten die Stadt in Kürze
einnehmen.
Zuvor hatten die Marineinfanteristen nach eigenen Angaben weiteren
Bewohnern Falludschas erlaubt, die Stadt zu verlassen. Rund ein Drittel
der Einwohner ist während der seit 15 Tagen anhaltenden Belagerung
bereits geflohen.
In der von Besatzungstruppen ebenfalls umstellten Stadt Nadschaf
südlich von Bagdad würden die Verhandlungen mit den
Aufständischen, die zum Großteil Kämpfer El Sadrs
seien, fortgesetzt, sagte US-Sprecher Dana Pittard. Bei Kämpfen in
den vergangenen Tagen waren in den Außenbezirken Nadschafs bis zu
40 irakische Widerstandskämpfer getötet worden, wie Pittard
weiter berichtete.
Nach dem von Spanien angeordneten Truppenabzug aus Irak rief
Schiitenführer El Sadr seine Anhänger auf, keine spanischen
Soldaten mehr anzugreifen. In einer von El Sadrs Büro
herausgegebenen Erklärung hieß es, die Iraker sollten
«die Sicherheit der spanischen Soldaten bis zu deren
Heimkehr» wahren.
US-Marineinfanteristen gingen an der syrischen Grenze und rund um
Falludscha gegen Einzelpersonen und Netzwerke vor, die den
Kämpfern in der Stadt "finanzielle und logistische" Hilfe
gewährten, sagte ein hochrangiger Beamter des
US-Verteidigungsministeriums in Washington.
US-Soldaten haben am Montag einen irakischen Fernsehjournalisten und
seinen Fahrer erschossen. Das teilte der von der US-Regierung
finanziell unterstützte Sender El Irakija mit. Korrespondent
Assaad Kadhim und sein Fahrer Hussein Saleh seien in ihrem Auto auf der
Straße nach Samarra tödlich getroffen, ein Kameramann sei
verwundet worden. Der Fernsehsender unterbrach für die Nachricht
sein Programm, zeigte Fotos von Kadhim und sendete danach nur noch
Koranverse. Ein US-Militärsprecher sagte, er habe keine
Informationen über den Zwischenfall.
Die Darstellung der Position von US-Außenminister Colin Powell im
jünsten Buch des Enthüllungsjournalisten Bob Woodward sorgen
unterdessen im Weißen Haus für Unruhe. Wie die "New York
Times" in ihrer Montagausgabe berichtete, riefen die in Woodwards neuem
Buch "Plan of Attack" (Angriffsplan) wiedergegebenen kritischen
Äußerungen Powells zum Irak-Krieg die internen Kritiker des
Außenministers auf den Plan. Zwar bestätige Powell nicht,
mit Woodward kooperiert zu haben, seine Haltung werde in dem Buch aber
so detailliert dargestellt, dass es kaum einen Zweifel an einer
Zusammenarbeit geben könne, berichtete die Zeitung. In ihrem
Bericht zitiert die "New York Times" Regierungsmitarbeiter aus den
Reihen der "Falken", die Powell vorwerfen, er wolle sich auf Kosten von
US-Präsident Georges W. Bush als weitsichtiger Analytiker
profilieren.
(Quellen: ap, rtr, afp, )
Bushs 'Initiative für den Weltfrieden'
Die so genannte "Global Peace Operations Initiative", so ein Bericht
der Washington Post, soll der "chronischen Knappheit" fremder Truppen
für friedenserhaltende Aufgaben entgegenwirken.
Vor allem afrikanische Truppen und private Firmen sollen das
US-Militär bei friedenssichernden Aufgaben entlasten....
Mehr bei telepolis vom 20.04.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/17235/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Vor einem Jahr:
Zweiunddreißigster Kriegstag in Irak
So.20.04.03 - USA nehmen irakischen Finanzminister gefangen +++ US-Eliteeinheiten
übergeben die Kontrolle Bagdads an reguläre Truppen +++ Weite
Teile der Fünf-Millionen-Stadt weiter ohne Strom +++
Generalsekretär der Arabischen Liga fordert Recht auf
Selbstbestimmung für Iraker +++ Jordanien lässt irakische
Flüchtlinge nicht ins Land +++ Washington lenkt im Streit um
Irak-Sanktionen ein - USA wollen offenbar kein Veto im Sicherheitsrat
riskieren, weil der Verkauf irakischen Öls dann als ungesetzlich
betrachtet werden könnte +++ Streit um Rolle der UN ist auch ein
Kampf um Macht und Öl +++ Nur geringe Beteiligung an
Ostermärschen +++ Enzensberger, Habermas und der Irak-Krieg: Zum
komplexen Geflecht von Macht, Moral und Recht - Jürgen Habermas und
Hans Magnus Enzensberger haben in der FAZ (Printausgabe vom 16. bzw.
17. April) den Irak-Krieg essayistisch nachbearbeitet. Die Ergebnisse
seien so "kontrovers wie paradigmatisch" bilanziert Goedart Palm in einem
Beitrag für "telepolis"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0304200.htm#news
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Mo.19.04.04 - Seit dem Beginn des US-Einmarsches im Irak sind in dem arabischen
Land 697 US-Soldaten getötet worden.
Über die Zahl der verwundeten Soldaten gibt es keine offiziellen Angaben.
Schätzungen gehen von 3.500 bis 11.000 aus. Aber man sieht sie nicht.
Auf der Dover Airforce Base, wo Tote und Verwundete eingeflogen
werden, herrscht Film- und Fotoverbot. US-Medien üben sich in
Selbstzensur.
(Quellen: ap, taz)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind ...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Sicherheit gegen Freiheit
Wie weit darf der Anti-Terrorkampf der US-Regierung gehen ? -
Diese Frage wird erstmals vom Obersten Gerichtshof in den USA geprüft
Di.20.04.04 - Oberster Gerichtshof der USA prüft erstmals die Frage, wie weit
die Regierung im Kampf gegen den Terrorismus gehen darf
Wenige Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nahm
Antonin Scalia vom Obersten Gericht der USA in einer Kapelle in Rom an
einer Gedenkfeier für die Opfer teil. Und Richterin Sandra Day
O'Connor stand in New York weinend an dem Ort, wo noch Tage zuvor die
Türme des World Trade Center in den Himmel ragten. Die
persönlichen Auswirkungen der Anschläge wurden rasch
spürbar. Aber erst jetzt, mehr als zweieinhalb Jahre später,
müssen sich die höchsten Richter der USA mit den juristischen
Folgen befassen.
Der Oberste Gerichtshof der USA prüft erstmals die Frage, wie weit
die Regierung im Kampf gegen den Terrorismus gehen darf. Die
Anhörungen beginnen am (heutigen) Dienstag in Washington. Den neun
Richtern liegen zunächst zwei Beschwerden von Insassen des
Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba vor. Die Richter müssen
klären, ob die Guantanamo-Gefangenen gegen ihre Inhaftierung und
die Haftbedingungen vor einem US-Gericht klagen können.
Vor niederen Gerichten konnte sich die Regierung von Präsident
George W. Bush mit dem Argument durchsetzen, es handele sich um
ausländische Gefangene, die auf ausländischem Boden
inhaftiert seien. Sie könnten deshalb nicht vor einem US-Gericht
auf Freilassung klagen. Die Regierung bezeichnet die rund 600
Gefangenen im Lager Guantanamo als «feindliche
Kämpfer» und bezichtigt einige des Terrorismus.
Kernpunkt des Streits ist der Status des Gefangenenlagers auf dem
US-Militärstützpunkt Guantanamo. Der Stützpunkt steht
auf kubanischem Boden, das Gelände wurde von den Amerikanern aber
für etwa hundert Jahre gepachtet.
Am 28. April geht es um zwei weitere Fälle. Dabei soll
geklärt werden, ob per Präsidentenerlass US-Bürger zu
«feindlichen Kämpfern» erklärt werden können
- und sie damit ohne Anklage auf unbestimmte Zeit in Militärlagern
festgehalten werden können. In allen Fällen wird eine
Entscheidung bis Juni erwartet.
Es werden die bedeutendsten Entscheidungen des höchsten
US-Gerichts seit Jahrzehnten zur Frage des Gleichgewichts zwischen
Sicherheit und Freiheit in Kriegszeiten sein. Die Regierung sieht sich
gegenwärtig im Krieg gegen den Terror. Nach Einschätzung von
Historikern neigen die Gerichte dazu, den Regierungen in Kriegszeiten
größere Freiheiten einzuräumen und in Friedenszeiten
den Freiheitsrechten mehr Gewicht zu verschaffen. Der Vorsitzende
Richter des Obersten Gerichtshofes, William Rehnquist schrieb einmal,
Richter wollten wie andere Bürger auch die Handlungsfreiheit des
Landes im Kriegsfall nicht einschränken.
Nach Ansicht des Verfassungsrechtlers Nathaniel Persily von der
Universität von Pennsylvania wird das Gericht einen Mittelweg
gehen. Wahrscheinlich würden die Richter im Fall der
Guantanamo-Gefangenen gegen die Regierung entscheiden, aber im Fall der
US-Bürger in der einen oder anderen Weise der Regierung Recht
geben.
(Quelle: ap)
Amnestie für Taliban-Kämpfer in Afghanistan geplant
Straferlass soll Rückkehr ins öffentliche Leben
ermöglichen. Kommandeur von afghanischem Kriegsherrn Hekmatjar
festgenommen. Bewaffnete Paschtunen in Pakistan suchen nach
El-Kaida-Kämpfern
Di.20.04.04 - Die afghanische Regierung arbeitet angeblich mit der US-Armee an einem
Gesetzentwurf für eine Amnestie für Taliban-Kämpfer. Wie
in Kabul aus Diplomatenkreisen verlautete, soll der Straferlass zudem
für Mitglieder der Organisation Hesb-i-Islami gelten. Die
Initiative ziele darauf, einfachen Mitgliedern eine Rückkehr ins
öffentliche Leben zu ermöglichen. Ein Sprecher der
afghanischen Präsidentschaft sagte dagegen, er wisse davon nichts.
Laut den diplomatischen Angaben sollen die Islamisten in dem
Amnestiegesetz in drei Kategorien eingeteilt werden: In einer ersten
Kategorie sind etwa 100 bis 150 Anführer der Gruppen aufgelistet,
welche nicht von dem Straferlass profitieren können. Zu ihnen
zählen die beiden gesuchten Führer der Organisation, Mullah
Omar von den Taliban und der frühere Ministerpräsident
Gulbuddin Hekmatjar von der Organisation Hesb-i-Islami.
Auf einer "grauen" Liste sollen als zweite Kategorie etwa 200 Menschen
stehen, die nach dem Absitzen einer Gefängnisstrafe unter
Bedingungen amnestiert werden können. Zu der dritten Kategorie
zählen schließlich einfache Kämpfer, die ohne weitere
Auflagen eine Amnestie erwarten können.
Die Maßnahme läuft den Angaben zufolge im Rahmen des
umfassenden Entwaffnungs- und Reintegrations-Programms, das vom
US-Verteidigungsministerium und der UNO umgesetzt wird. Die
amnestierten Ex-Taliban sollen allerdings weniger Geld für die
Abgabe ihrer Waffen bekommen, als regierungsfreundliche
Milizionäre. Der afghanische Präsident Hamid Karsai und die
US-Armee hatten bereits mehrfach die Mitglieder der Taliban und von
Hesb-i-Islami aufgerufen, im Gegenzug zu einer Amnestie ihre Waffen
abzugeben. Zahlreiche Islamisten sind seit dem Sturz der Taliban
bereits in die afghanischen Verwaltungsstrukturen integriert worden.
Die afghanische Polizei und ISAF-Truppen haben unterdessen einen
Kommandeur des Kriegsherrn Gulbuddin Hekmatjar festgenommen. Bei einer
Razzia am frühen Montagmorgen in der afghanischen Hauptstadt Kabul
seien insgesamt acht Verdächtige gefasst worden, teilte ein
Sprecher der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF)
am Montag mit. Die Festgenommenen hätten entweder Kontakte zur
Terrororganisation El Kaida oder zur radikalen Miliz von Hekmatjar, der
fundamentalistischen Hesb-i-Islami. Bei dem Militäreinsatz wurden
den Angaben zufolge selbst gebaute Bomben, Funkgeräte und Munition
gefunden.
Rund 2000 bewaffnete Kämpfer von Paschtunenstämmen haben im
pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan die Jagd nach
El-Kaida-Kämpfern aufgenommen. Mit Gewehren und Raketenwerfern
bewaffnet stürmten die Stammestrupps am Sonntag und Montag
Häuser auf der Suche nach Hunderten von El-Kaida-Anhängern.
Die Regierung hatte den Stammesführern eine Frist bis Dienstag
gesetzt, im Nordwesten des Landes versteckte ausländische
Kämpfer selbst zu finden. Ansonsten drohte sie mit einer erneuten
Offensive der Armee. Ein Sprecher des Zalikhel-Clans teilte mit, bisher
seien keine Mitglieder des Terrornetzwerks gefunden worden. Nach
Schätzungen von Präsident Pervez Musharraf halten sich bis zu
600 El-Kaida-Mitglieder in der Gegend auf.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Mitglieder des UN-Sicherheitsrats üben scharfe Kritik an Israel.
Araber dringen auf Israels Verurteilung durch UN-Sicherheitsrat.
Palästinenser: Untätigkeit der UN ermutigt Israel zu
Tötungen. Hamas-Politbürochef fordert arabisch-moslemische
Allianz. Jordaniens König Abdullah II. verschiebt Treffen mit Bush
und Powell. EU-Außenkommissar Prodi verurteilt Tötung von
Hamas-Chef durch israelische Armee. Deutschland und Frankreich sehen
keine Alternativen zur Road Map. Israel plant massive Investitionen in
Siedlungen im Westjordanland
Di.20.04.04 - Mehr als 40 Nationen haben auf einer Dringlichkeitssitzung des
UN-Sicherheitsrats die gezielte Tötung von Hamas-Führer Abdel
Asis Rantissi durch Israel scharf kritisiert. Die Palästinenser
machten die USA für den Tod Rantissis mitverantwortlich, weil sie
nach der Tötung von Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin -
ebenfalls durch Israel - eine Resolution gegen Israel Ende März
mit einem Veto verhindert hätten.
Dagegen erklärte der israelische UN-Vertreter Dan Gillerman, sein
Land sei zu Verteidigungsaktionen - darunter auch die Tötung
Rantissis - gezwungen worden, weil die Palästinenser sich
geweigert hätten, ihren internationalen Verpflichtung zur
Festsetzung von Terroristen und zur Beseitigung von Terrorgruppen wie
der Hamas nachzukommen.
Der UN-Sicherheitsrat habe in der Vergangenheit die Tötung
führender Hamas-Vertreter durch Israel nicht verurteilt und Israel
damit zur Fortsetzung seiner Strategie ermutigt, sagte der
palästinensische UN-Gesandte Nasser el Kidwa bei der Sondersitzung
des Gremiums am Montag in New York.
Kidwa warf Israel vor, nicht nur führende
Palästinenser-Vertreter umzubringen. Israel "tötet, verletzt,
und verstümmelt schutzlose palästinensische Zivilisten,
darunter Frauen und Kinder, in einem schweren Verstoß des
Völkerrechts", sagte er. Israels UN-Botschafter Gillerman hielt
dem entgegen, Rantissi sei ein "Händer des Todes" gewesen und
niemand solle sich wundern, dass er nun den Preis dafür bezahlt
habe.
Die arabischen Staaten verlangen eine Resolution vom UN-Sicherheitsrat,
in der die Tötung von Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi durch
Israel verurteilt wird. Dem Gremium liegt dazu ein ägyptischer
Entwurf vor. Darin wird die Exekution Rantisis als
«illegal» und «ungerechtfertigt» bezeichnet.
UN-Diplomaten nannten den Text des jüngsten Entwurfs ausgewogener
als frühere Textvorlagen der Araber. In der Vergangenheit waren
vergleichbare Vorstöße gegen Israel fast immer am Widerstand
der USA gescheitert.
Der Politbürochef der militanten Palästinenser-Organisation
Hamas hat Araber und Moslems aufgefordert, sich gegen die USA und
Israel zu verbünden.
"Wir kämpfen gegen zwei Seiten, eine von ihnen die stärkste
Macht der Welt, die Vereinigten Staaten, die zweite die stärkste
Macht der Region", sagte Chaled Meschaal vor Hunderten Zuhörern in
dem palästinensischen Flüchtlingslager El Jarmuk in Syrien.
Er rief Araber und Moslems auf, eine Allianz einzugehen, und sei es nur
eine befristete.
«Die arabischen Regierungen müssen den
zionistisch-amerikanischen Plan zur Kontrolle der arabischen Welt
stoppen. Die Palästinenser haben ihre Pflicht erfüllt und
Blutzoll in Palästina gezahlt, und jetzt müssen sich die
Araber mit den Palästinenser vereinigen», sagte Maschaal
weiter. Es gibt mehr als 50 überwiegend moslemische Länder,
die meisten außerhalb des arabischen Raums.
Meschaal kündigte Vergeltung für die Tötung des
Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin und des Hamas-Anführers
im Gaza-Streifen, Abdel-Asis el Rantissi, an. Israel hatte Jassin im
März und Rantissi am vergangenen Samstag gezielt getötet. Die
Palästinenser würden "die Erde auf den Kopf stellen, so Gott
will", sagte Meschaal.
Maschaal gilt ebenfalls als Ziel für die gezielten Liquidierungen
der israelischen Regierung.
Der jordanische König Abdullah II. hat seine für heute und
morgen geplanten Treffen mit US-Außenminister Colin Powell und
US-Präsident George W. Bush verschoben. Die Begegnungen sollten
nun in der ersten Maiwoche nachgeholt werden, sagte eine Sprecherin des
Weißen Hauses. Bushs Sprecher für nationale Sicherheit, Sean
McCormack, nannte "Entwicklungen" in der Nahost-Region als Grund
für die Verschiebung.
Abdullah II. befindet sich seit vergangener Woche in den USA. Der mit
dem Monarchen reisende Ministerpräsident Faisal el Fajes war am
Sonntag vorzeitig nach Jordanien zurückgekehrt, nachdem Israel den
amtierenden Hamas-Führer Abdelasis el Rantisi gezielt getötet
hatte. Abdullah II. hatte die Tötung als "hässliches
Verbrechen" bezeichnet, dass "Israels Arroganz" beweise.
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat die Tötung des
Hamas-Chefs Abdelasis el Rantisi durch Israel als "unverantwortlich"
bezeichnet. Solche gezielten Tötungen "sind illegale und
unverantwortliche Taten", sagte Prodi am Montag in Rom. Er verurteile
das Vorgehen der israelischen Regierung "ohne jede Einschränkung".
Der internationale Friedensplan, "das einzige Projekt, dass für
Israelis und Palästinenser Frieden und Sicherheit
gewährleisten könnte, droht endgültig zu verbrennen",
sagte Prodi, der zu einer Veranstaltung zur Europawahl nach Rom gereist
war.
Deutschland und Frankreich treten zur Beilegung des Nahost-Konflikts
weiter vehement für den internationalen Friedensplan des
Nahost-Quartetts ein. «Eine Alternative zur Road Map gibt es
nicht», sagte Außenminister Joschka Fischer am Montag nach
einem Gespräch mit seinem französischen Kollegen Michel
Barnier. Barnier bekräftigte, eine andere Lösung gebe es
nicht.
Fischer sagte, nur auf Grundlage der Road Map könne es zu
Gesprächen zwischen den Konfliktparteien kommen. Einseitige
Lösungsvorschläge jedoch führten zur Eskalation.
Barnier erklärte, der geplante Rückzug Israels aus dem
Gaza-Streifen sei nur ein Teil des Friedensplans. Geklärt werden
müsse, wie die Bedingungen aussähen, unter denen dieser
Rückzug stattfinde. Darüber hinaus müssten wieder
Gespräche mit den Palästinensern stattfinden. «Sie
müssen mit ins Boot genommen werden.»
Die Umsetzung der Road Map, des internationalen Friedensplans des
Nahost-Quartetts von EU, USA, Russland und Vereinten Nationen für
den Nahen Osten, liegt derzeit auf Eis. Der Plan verpflichtet Israel,
den Siedlungsbau einzufrieren.
Israel will Siedlungen im Westjordanland nicht nur dauerhaft halten,
sondern Dutzende Millionen Euro in sie investieren. Einen
entsprechenden Plan von Ministerpräsident Ariel Scharon
unterstützte nach Verteidigungsminister Benjamin Netanjahu am
Montag auch Aussenminister Silvan Schalom. Netanjahu nannte zur
Begründung für seine Unterstützung unter anderem die
Rückendeckung der USA für die Pläne Scharons, sich aus
dem Gazastreifen zurückzuziehen, aber Siedlungen im Westjordanland
zu behalten.
Das Vorhaben zu weiteren intensiven Investitionen widerspricht hingegen
der so genannten Road Map - dem internationalen Friedensplan für
den Nahen Osten, dessen Umsetzung derzeit auf Eis liegt. Dieser
verpflichtet Israel, den Siedlungsbau einzufrieren.
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sieht allerdings nach der
jüngsten Initiative Scharons die Palästinenser in der
Verantwortung, einen Beitrag zur Lösung des Konflikts zu leisten.
Der Vorschlag des israelischen Regierungschefs bringe den Nahen Osten
einem Frieden und der in der Road Map angestrebten
Zwei-Staaten-Lösung näher, sagte Rice am Sonntag in
US-Fernsehsendungen.
Im Sender ABC sagte sie, Scharon habe Bush vergangene Woche im Weissen
Haus erklärt, sein Plan werde auf längere Sicht einen Beitrag
zu der Zwei-Staaten-Lösung leisten. Die Nahost-Diplomatie habe in
Jahrzehnten den Palästinensern keinen Kilometer verlorenen Gebiets
zurück gebracht. Dann komme ein israelischer Führer und sage:
«Ich nehme einseitig Siedlungen weg.» Und dies sei
«nicht irgendeinen israelischer Ministerpräsident, sondern
Ariel Scharon, der Vater der Siedlungen», erklärte Rice.
Dies sei eine hervorragende Gelegenheit, «und es ist Zeit, sich
darauf zu konzentrieren, was die Palästinenser mit dieser Chance
tun können».
Zur gezielten Tötung von Hamas-Führer Abdel Asis Rantissi im
Gazastreifen sagte Rice, die USA seien von Israel weder vorab über
die Aktion informiert worden noch hätten sie ihr zugestimmt. Der
Zeitpunkt des Angriffs sei «nicht hilfreich». Andererseits
habe Israel aber von seinem Recht zur Selbstverteidigung Gebrauch
gemacht.
Am Montag wurde ein israelischer Soldat verletzt, als ein
Palästinenser eine brennende Autobatterie auf seinen Armeejeep
schleuderte. Mehrere jüdische Siedlungen im Gazastreifen wurden
nach Militärangaben in der Nacht zum Montag mit Raketen und
Mörsern angegriffen. In Nissanit sei ein Mann verletzt worden.
Am Kontrollpunkt Kissufim im Gazastreifen wurde ein Palästinenser
erschossen, wie palästinensische Sicherheitskräfte
berichteten. Im Norden Israels schossen am späten Sonntagabend
Polizisten auf zwei israelische Araber. Einer sei getötet, der
andere verletzt worden, erklärte die Polizei. Die beiden
hätten zuvor eine Grenzpatrouille angegriffen.
Ein israelisches Militärgericht klagte unterdessen einen
16-jährigen Palästinenser wegen versuchten Mordes an. Der
Jugendliche hatte einen Selbstmordanschlag im Westjordanland geplant
und war Ende März mit acht Kilogramm Sprengstoff am
Grenzübergang Hawara gestoppt worden. Er habe mit seiner Tat ins
Paradies gelangen wollen, sagte er der Zeitung «Jediot
Ahronot». Kurz vorher habe er es sich jedoch anders
überlegt: «Ich wollte nicht mehr sterben». Hätte
Hussam Abdo seine Tat ausgeführt, wäre er der bislang
jüngste palästinensisch
(Quellen: rtr, dpa, afp, ap)
Der "Fahrplan" zum Nahost-Frieden
(Nahost-Friedensplan / Road Map)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305120.htm#030512_d
Sharons Haut und Bushs Flecken - Fragen und Antworten zum Treffen von
Bush und Sharon
"... Henry Kissinger hat einmal gesagt, dass Israel keine Außen-
sondern nur Innenpolitik betreibe. Das trifft auch für die USA zu.
In dieser Angelegenheit handelt Bush nur mit dem Blick auf seine
Wiederwahl. Er benötigt die jüdischen Stimmen und die der
evangelikalen Christen, die den israelischen rechten Flügel
unterstützen. Er benötigt auch die jüdischen Spenden. Es
wird gesagt, dass Bush derjenige amerikanische Präsident sei, der
am meisten pro-Israel eingestellt sei. Ich denke, dass das Gegenteil
stimmt. Ich bin davon überzeugt, dass er derjenige ist, dessen
Einstellung am meisten anti-israelisch ist, weil der Sharon-Bush-Plan
den Weg zum israelisch-palästinensischen Frieden, der einzigen
Hoffnung für ein normales Leben, blockiert." Uri Avnery
Mehr bei ZNet vom 17.04.04:
http://www.zmag.de/artikel.php?
id=1086&PHPSESSID=a3f3642287335a6805817fb60a1292f3
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Nordkorea will Atomprogramm nicht aufgeben
Di.20.04.04 - Nordkorea will sein Atomwaffenprogramm nicht aufgeben. Zum Auftakt des
überraschenden Besuches des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong
Il am Montag in Peking demonstrierte das Außenministerium in
Pjöngjang eine harte Haltung.
Die USA hätten kein Recht, eine «unumkehrbare
Beseitigung» des Nuklearprogramms zu verlangen. Die Forderung sei
«lächerlich». Wenn Washington darauf beharre, gebe es
keinen Grund, sich noch länger mit den USA abzugeben, zitierte
Chinas Nachrichtenagentur Xinhua aus einem Bericht der nordkoreanischen
Staatsagentur KCNA.
Bei seinem dritten Besuch in China kommt Kim Jong Il erstmals mit der
vor gut einem Jahr eingesetzten neuen chinesischen Führung
zusammen. Zu Beginn seiner viertägigen Visite, die unter strenger
Geheimhaltung stattfindet, empfing ihn Staats- und Parteichef Hu
Jintao. Dabei sei es um das Nuklearprogramm und Pekings Hilfe für
das unter Hunger leidende Land gegangen, berichtete Südkoreas
Nachrichtenagentur Yonhap. Zuletzt war Kim Jong Il 2001 in China, das
traditionell freundschaftliche Beziehungen zu Nordkorea pflegt.
Ein Durchbruch für die Sechser-Gespräche unter Vermittlung
Chinas mit Nordkorea, den USA, Südkorea, Japan und Russland wurde
nicht erwartet. Nach zwei Runden ohne Fortschritte ist eine Fortsetzung
vor Ende Juni vereinbart. US-Vizepräsident Dick Cheney hatte
vergangene Woche in Peking zur Eile gedrängt. China bemüht
sich um eine baldige Wiederaufnahme der Gespräche, für die
zunächst eine ständige Arbeitsgruppe zusammenkommen soll.
Nordkorea hatte bei der Runde im Februar zumindest ein Einfrieren
seines Atomprogramms im Gegenzug für wirtschaftliche und
diplomatische Konzessionen angeboten.
Kim Jong Il, der Flugzeuge meidet, war am Sonntag mit einer etwa
40-köpfigen Delegation in einem Sonderzug nach China gereist.
(Quelle: dpa)
Acht Tote und 170 Geiseln bei Häftlingsrevolte in Brasilien
Di.20.04.04 - Mindestens acht Häftlinge sind bei einer Gefängnisrevolte in
Brasilien von Zellenkollegen getötet worden. Nach Medienberichten
halten die Insassen der Anstalt im Bundesland Rondonia außerdem
rund 170 Geiseln fest - die meisten von ihnen sind Verwandte der
Häftlinge. Die Sicherheitsbehörden bezeichnen die Situation
als «sehr Besorgnis erregend». Im Innern des
Gefängnisses sei alles außer Kontrolle. Die Polizei
könne wegen der chaotischen Situation nicht in das Gebäude
gelangen.
(Quelle: dpa)
UN-Tribunal: Srebrenica-Massaker war Völkermord
Di.20.04.04 - Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bewertet das Massaker von
Srebrenica weiterhin als Völkermord. In einem Berufungsprozess
wurde die Strafe des wegen Genozids verurteilten Generals Radislav
Krstic jedoch deutlich reduziert. Krstic könne nur der Beihilfe
zum Völkermord schuldig gesprochen werden, hieß es in dem am
Montag veröffentlichten Urteil. Der bosnisch-serbische Exgeneral
muss nun eine 35-jährige Strafe verbüßen, in erster
Instanz war er zu 46 Jahren Haft verurteilt worden.
Das Verbrechen in der muslimischen Enklave müsse «beim Namen
genannt» werden, erklärte das Tribunal. «Das ist ein
Verbrechen gegen die gesamte Menschheit», hieß es in dem
Urteil. Die Richter wiesen damit die Eingabe der Verteidigung Krstics
zurück, dass die Tötung von rund 7.500 Menschen in Srebrenica
nicht das Ausmaß eines Genozids angenommen habe.
Krstics Anwälte hatten zum einen die Zahl der Getöteten
angeführt. Diese sei im Vergleich zur gesamten muslimischen
Gemeinschaft in Bosnien gering gewesen. Weiter hatten sie das Gericht
aufgefordert, neu zu prüfen, ob die Vertreibung einer Volksgruppe
aus ihren Häusern, bei der viele, aber nicht alle getötet
wurden, als Vernichtung eines Volkes bezeichnet werden könne.
Vor drei Jahren war Krstic wegen Völkermordes verurteilt worden,
es ist der bislang einzige Genozid-Schuldspruch des Haager Tribunals.
Der Exgeneral war Befehlshaber der bosnisch-serbischen Truppen bei der
Einnahme der überwiegend von Muslimen bewohnten Stadt im Juli 1995.
Krstic habe nicht die Auslöschung der Muslime in Srebrenica und
damit auch nicht die Absicht des Völkermordes verfolgt, befanden
die Berufungsrichter. Eine Verurteilung wegen Genozids setze einen
«eindeutigen Vorsatz» voraus, hieß es in dem Urteil.
Krstic habe aber gewusst, dass tausende Muslime getötet worden
seien, zudem seien seine Truppen in das Blutbad verwickelt gewesen.
Beides mache ihn der Beihilfe zum Völkermord schuldig. Die Anklage
hatte im Berufungsverfahren gefordert, die Strafe auf lebenslange Haft
auszuweiten.
In seinem ersten Urteil gegen Krstic hatte das
UN-Kriegsverbrechertribunal das Vorgehen der bosnischen Serben mit der
Begründung als Völkermord gewertet, die Truppen hätten
wissen müssen, dass Massaker und Vertreibung zur Zerstörung
der muslimischen Bevölkerung der Region führen würden.
Srebrenica hatte den Status einer UN-Schutzzone, als bosnisch-serbische
Truppen die Stadt im Juli 1995 angriffen.
(Quelle: ap)
Weltgericht beschäftigt sich mit NATO-Angriffen im Kosovo-Konflikt
Di.20.04.04 - Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag haben am Montag
Anhörungen zu einer Klage Serbien-Montenegros wegen der
NATO-Luftangriffe im Kosovo-Konflikt begonnen. Die Nachfolgestaaten des
ehemaligen Jugoslawien werfen acht NATO-Mitgliedern, darunter
Deutschland, vor, mit den Angriffen 1999 gegen das Völkerrecht
verstoßen zu haben. Das Weltgericht muss nun entscheiden, ob ein
weitergehendes Verfahren eingeleitet wird.
Die Eingebung Serbien-Montenegros wirft den NATO-Ländern vor,
Gewalt gegen einen anderen Staat angewendet zu haben, und fordert eine
unspezifizierte Summe Schadensersatz. Die Infrastruktur, darunter
Schulen und Krankenhäuser, sei zerstört worden. Zahlreiche
Zivilisten seien getötet worden. Die NATO hatte im Frühjahr
1999 Ziele im damaligen Jugoslawien bombardiert, um die Gewalt
serbischer Truppen gegen Albaner im Kosovo zu stoppen.
Die Klage richtet sich gegen Deutschland, Belgien, Frankreich,
Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal und Kanada.
Ursprünglich standen auch die USA und Spanien auf der Liste der
Beklagten.
Mit der Aussage Belgiens begann am Montag die Anhörung aller
betroffenen Staaten. 1999 hatte der IGH, das oberste UN-Gericht
für Streitfälle zwischen Staaten, den Antrag von Serbien und
Montenegro abgewiesen, ein Ende der NATO-Angriffe anzuordnen.
(Quelle: ap)
EU-Außenbeauftragter Solana appelliert an Zyprioten
«Nein» zum UN-Friedensplan werde die Insel über Jahre
zurückwerfen. Solana vergleicht die Aussöhnung auf Zypern mit
der Überwindung der Feindschaft zwischen Deutschland und
Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Griechische Zyprer klagen gegen
UN-Friedensplan. Annan schlägt größere UN-Mission und
Waffenembargo für Zypern vor
Di.20.04.04 - Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat eindringlich an die
Bürger Zyperns appelliert, bei den Volksabstimmungen am Samstag
für eine Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel zu votieren. Falls
eine der beiden Volksgruppen am 24. April den UN-Friedensplan ablehne,
werde es «lange Zeit keine neuen Initiativen zur Lösung des
Zypern-Problems geben», schrieb der Hohe Repräsentant
für Europas Außenpolitik in einem Beitrag für die
«Süddeutsche Zeitung» (Dienstagsausgabe).
Er hoffe auf «eine weise und mutige Entscheidung», schrieb
Solana. Einer Vorabmeldung zufolge verglich Solana die Aussöhnung
auf Zypern mit der Überwindung der Feindschaft zwischen
Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg, ohne die es
Europa nicht gäbe. Indirekt warnte Solana der Vorabmitteilung
zufolge, ein «Nein» zum Friedensplan werde die Insel
über Jahre zurückwerfen. Weder würden Griechen, die 1974
aus ihren Häusern vertrieben wurden, früher zurückkehren
können, noch werde die wirtschaftliche Entwicklung der Insel
gefördert. Auch würden junge Menschen kaum ermutigt, sich auf
Zypern eine Zukunft aufzubauen, schrieb Solana.
Griechische Einwohner der geteilten Mittelmeerinsel haben unterdessen
Klage gegen den UN-Friedensplan erhoben. Neun Kläger forderten den
Obersten Gerichtshof am Montag auf, den Vorschlag von
UN-Generalsekretär Kofi Annan für verfassungswidrig zu
erklären. Er verweigere vielen vertriebenen griechischen Zyprern
die Rückkehr in ihre Heimatorte und sehe keine Entschädigung
für das Eigentum vor, das sie bei der türkischen Invasion vor
30 Jahren verloren haben, argumentierten die Kläger.
Am Samstag stimmen die türkischen und die griechischen Zyprer
über den Plan ab. Umfragen zufolge wollen bis zu 70 Prozent auf
der griechischen Seite den Vorschlag ablehnen. Im türkischen
Norden dagegen wird mit einer Zustimmung von rund 65 Prozent gerechnet.
Wenn nicht beide Volksgruppen für den Plan votieren, tritt am 1.
Mai nur der griechische Teil Zyperns der EU bei.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich beim Weltsicherheitsrat
für eine größere UN-Mission und ein Waffenembargo
für Zypern eingesetzt. Sechs Tage vor den Volksabstimmungen im
Norden und Süden der Insel bat er den Rat, dem
Gründungsvertrag für ein wiedervereintes Zypern zuzustimmen,
sollte es zu einem positiven Ausgang kommen. Damit würde das
Abkommen zwischen den türkischen und griechischen Zyprern
völkerrechtlich mehr Gewicht erhalten, so Annan.
(Quellen: ap, dpa)
London plant Volksentscheid über EU-Verfassung
Bislang hatte Blair eine Volksbefragung über die künftige
europäische Verfassung abgelehnt. Umfragen zufolge ist die
Mehrheit der britischen Bevölkerung gegen den vorliegenden
Verfassungsentwurf
Di.20.04.04 - Der britische Premierminister Tony Blair hat Medienberichten zufolge
zur größten Kehrtwende in seiner Außenpolitik
angesetzt: Blair werde sein Kabinett möglicherweise schon am
Donnerstag um die Zustimmung zu einem Volksentscheid über die
künftige Verfassung der Europäischen Union bitten, den er
bislang strikt abgelehnt hatte, berichteten britische Medien.
Ein Sprecher des Premiers kündigte an, Blair wolle am (heutigen)
Dienstag im Unterhaus eine Stellungnahme zur EU-Verfassung abgeben.
Oppositionsführer Michael Howard erklärte, er
begrüße es, "wenn die Regierung tatsächlich eine
Kehrtwende plant".
Die Tageszeitung "Times" berichtete, der Volksentscheid "wird fast
sicher in den ersten Monaten des neuen Parlaments" stattfinden, wenn
Blairs Labour-Partei die nächste Parlamentswahl wieder gewinnen
sollte. Der Rundfunksender BBC berichtete auf seiner Internetseite, die
Regierung werde am Donnerstag bekannt geben, dass sie ein Referendum
über die EU-Verfassung abhalten wolle.
Die Abhaltung eines Referendums über die künftige
europäische Verfassung wäre ein politisches Risiko für
Blair, weil Umfragen zufolge die Mehrheit der britischen
Bevölkerung gegen den vorliegenden Verfassungsentwurf ist. Eine
Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, dass 53 Prozent
der Wähler die Verfassung ablehnen würden, wenn es einen
Volksentscheid gebe. Bei einer Telefonumfrage des britischen Senders
Sky News gaben 86 Prozent der Befragten an, sie würden gegen die
Verfassung stimmen. Die euroskeptischen Zeitungen in
Großbritannien betreiben seit längerem eine Kampagne
für eine Volksbefragung.
Der britische Premierminister Tony Blair hat Medienberichten zufolge
zur größten Kehrtwende in seiner Außenpolitik
angesetzt: Blair werde sein Kabinett möglicherweise schon am
Donnerstag um die Zustimmung zu einem Volksentscheid über die
künftige Verfassung der Europäischen Union bitten, den er
bislang strikt abgelehnt hatte, berichteten britische Medien.
Ein Sprecher des Premiers kündigte an, Blair wolle am Dienstag im
Unterhaus eine Stellungnahme zur EU-Verfassung abgeben.
Oppositionsführer Michael Howard erklärte, er
begrüße es, "wenn die Regierung tatsächlich eine
Kehrtwende plant".
Die Tageszeitung "Times" berichtete, der Volksentscheid "wird fast
sicher in den ersten Monaten des neuen Parlaments" stattfinden, wenn
Blairs Labour-Partei die nächste Parlamentswahl wieder gewinnen
sollte. Der Rundfunksender BBC berichtete auf seiner Internetseite, die
Regierung werde am Donnerstag bekannt geben, dass sie ein Referendum
über die EU-Verfassung abhalten wolle.
Die Abhaltung eines Referendums über die künftige
europäische Verfassung wäre ein politisches Risiko für
Blair, weil Umfragen zufolge die Mehrheit der britischen
Bevölkerung gegen den vorliegenden Verfassungsentwurf ist. Eine
Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, dass 53 Prozent
der Wähler die Verfassung ablehnen würden, wenn es einen
Volksentscheid gebe. Bei einer Telefonumfrage des britischen Senders
Sky News gaben 86 Prozent der Befragten an, sie würden gegen die
Verfassung stimmen. Die euroskeptischen Zeitungen in
Großbritannien betreiben seit längerem eine Kampagne
für eine Volksbefragung.
Bislang hatte der Premierminister eine Volksbefragung stets
ausgeschlossen. "Es wird kein Referendum geben", hatte er noch im
Oktober gesagt. Dass er nun möglicherweise seine Meinung
geändert habe, könnte dem "Sunday Telegraph" zufolge daran
liegen, dass er befürchte, die konservative Opposition könnte
im Wahlkampf für die Europawahl Kapital aus dem Thema schlagen.
(Quelle: afp)
Vorschlag des EU-Konvents für eine europäische Verfassung:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
'Marsch der Lebenden' von Auschwitz nach Birkenau
Di.20.04.04 - Mit dem traditionellen Marsch der Lebenden von Auschwitz nach Birkenau
haben am Montag mehr als 5000 junge Juden aus aller Welt der Opfer des
Holocaust gedacht. Mit dem israelischen Vize-Regierungschef und
Justizminister Josef Lapid an der Spitze durchschritten sie gemeinsam
mit etwa 600 jungen Polen den Eingang des Konzentrationslagers mit der
Aufschrift "Arbeit macht frei".
Anschließend legten sie die drei Kilometer lange Strecke zwischen
dem Konzentrationslager Auschwitz und dem Todeslager Birkenau mit
seinen Gaskammern und Öfen zurück. Unter strengen
Sicherheitsmaßnahmen entfalteten die Teilnehmer der
Gedenkveranstaltung eine fünf mal zehn Meter große
israelische Fahne.
In Auschwitz legte Lapid einen Kranz an der so genannten Todesmauer
nieder. Allein hier wurden von den Nazis 25.000 Häftlinge
hingerichtet. Auch in Birkenau hielten die Teilnehmer eine
Gedenkzeremonie ab. Der "Marsch der Lebenden" wird seit 1988 von
Holocaust-Überlebenden angeführt. In Auschwitz und seinen
Nebenlagern wurden von 1940 bis 1945 zwischen 1,5 und zwei Millionen
Männer, Frauen und Kinder ermordet. Die meisten von ihnen waren
Juden.
(Quelle: afp)
Berufsverbot gegen NPD-Anwalt Mahler verhängt
Di.20.04.04 - Der frühere NPD-Anwalt Horst Mahler darf vorläufig nicht mehr
als Rechtsanwalt arbeiten. Das Amtsgericht Tiergarten in Berlin hat
bereits am 8. April ein vorläufiges Berufsverbot gegen den
68-Jährigen verhängt, wie ein Justizsprecher in Berlin
bestätigte. Mahler habe bereits Beschwerde gegen den Beschluss
eingelegt, über die aber noch nicht entschieden sei.
Anlass für den Antrag der Staatsanwaltschaft war nach einem
Bericht des "Berliner Tagesspiegel" Mahlers Verhalten in einem
Strafprozess, der im Februar am Berliner Landgericht begonnen hatte.
Die Staatsanwaltschaft habe deshalb Anfang März das
vorläufige Berufsverbot beantragt.
Mahler und zwei Mitangeklagte müssen sich dem Bericht zufolge
wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung verantworten. In dem Prozess
nutze Mahler seine Rechte als Angeklagter, um stundenlang gegen die
Juden zu hetzen und den Holocaust zu leugnen. Mahler hatte die
rechtsextreme NPD in dem inzwischen gescheiterten Verbotsverfahren vor
dem Bundesverfassungsgericht (BVG) gegen die Partei vertreten und ist
in der Vergangenheit mehrfach wegen Volksverhetzung angeklagt worden.
Mahler hatte in den 70er Jahren im Zuge seiner Verbindungen zur
terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) die Zulassung als
Rechtsanwalt verloren. Zuvor war er zu 14 Jahren Haft verurteilt
worden, unter anderem wegen Beihilfe zu versuchtem Mord. Im
Gefängnis löste sich Mahler von der linksgerichteten RAF,
1980 kam er frei. 1988 erhielt er mit Hilfe seines damaligen
Rechtsbeistands, dem heutigen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
die Anwaltszulassung zurück. Ende der neunziger Jahre driftete
Mahler in den Rechtsextremismus ab.
(Quelle: afp)
Gysi: Ost-Wirtschaft vom Westen zerstört
Di.20.04.04 - Der frühere PDS-Spitzenpolitiker Gregor Gysi hat dem Westen
vorgeworfen, die ostdeutsche Wirtschaft nach der Wende gezielt
zerstört zu haben. «Vieles im Osten war marode, aber ebenso
viel wurde nur für marode erklärt, weil es ein Interesse
daran gab, die ostdeutsche Wirtschaft kaputtzutreuhändern»,
sagte der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator der Zeitschrift
«Super Illu». Er fügte hinzu: «Von der DDR
sollte nichts bleiben, Ost-Konkurrenz sollte verhindert, und
westdeutsche Waren und Dienstleistungen sollten auch im Osten verkauft
werden. Letzteres setzt voraus, dass Ostdeutsches kaum noch angeboten
würde.»
Dadurch sei die Chance für einen «gemeinsamen
Aufschwung» in Ost und West vertan worden, unterstrich Gysi. Zwar
seien «gigantische Gelder» vom Westen in den Osten
geflossen, die Zahlungen seien jedoch «ohne dauerhafte
Wirkung» geblieben. Man dürfe nicht vergessen, «dass
fast die Hälfte der Gelder über Steuern an den Staat
zurückfließt und vom Verbleibenden direkt und indirekt mehr
als die Hälfte wieder im Westen landet».
(Quelle: ddp)
SPD und Grüne wollen Flugreisen langfristig teurer machen
Im Gegenzug sollen Bahnreisende entlastet werden
Di.20.04.04 - Vertreter von SPD und Grünen haben die Absicht bekräftigt,
auch Flugbenzin mit der Mineralölsteuer zu belegen. Außerdem
soll auf Flugreisen ins Ausland zukünftig Mehrwertsteuer
fällig werden. Im Gegenzug sollen Bahnreisende entlastet werden.
«Wir wollen mit diesen Maßnahmen gleiche
Wettbewerbsbedingungen für den Flug- und Schienenverkehr
schaffen», sagte Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt der
«Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe). Dies sei im
Koalitionsvertrag vereinbart worden. Auch SPD-Fraktionsvize Michael
Müller betonte, die Regierungskoalition wolle prinzipiell für
eine Gleichheit aller Verkehrsträger sorgen. Die steuerliche
Privilegierung des Flugverkehrs müsse daher langfristig ein Ende
haben.
Bislang wird zwar auf Bahnkarten Mehrwertsteuer erhoben, auf
Flugtickets aber nicht. Anders als beim Kraftstoff für Autos wird
beim Flugbenzin bislang auch keine Mineralölsteuer fällig. In
einem gemeinsamen Antrag fordern die Regierungsfraktionen die
Bundesregierung nun auf, diese Ungleichbehandlungen zu beseitigen.
Außerdem soll der Mehrwertsteuersatz auf Fernverkehrstickets der
Bahn reduziert werden. Der Antrag wurde im März von den Fraktionen
beschlossen und soll nach den Worten Schmidts spätestens im Herbst
abschließend im Bundestag behandelt werden.
Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) widersprach am
Montag allerdings der Einschätzung, dass es zu einer schnellen
Änderung bei der Besteuerung von Flug- und Bahnreisen komme.
Aktuell habe die Bundesregierung keine derartigen Pläne, sagte der
Sprecher.
(Quelle: ddp)
Programm-Tipp
DeutschlandRadio
Berlin - Dienstag 20. April * 0:05
Deep Listening
Die
amerikanische Komponistin Pauline Oliveros
Pauline
Oliveros gehört zu den international renommierten Komponistinninen
zeitgenössischer Musik. Die 1932 in Texas geborene Musikerin
prägte als Gründungsmitglied des legendären San
Francisco Tape Music Center die elektronische Musik Amerikas in den
60er Jahren wesentlich mit. Ihre Aktivitäten machten sie zur
Symbolfigur der internationalen Komponistenszene. Ihr Markenzeichen ist
das Akkordeon, das si in ihren ausgedehnten Soloimprovisationen mit
live-elektronischen Apparaturen erweitert. Ihre Solo- und
Gruppenimprovisationen entstehen auf der Grundlage des Deep Listening. Oliveros schuf
diesen Begriff für den Akt des intensiven Zuhörens als
Grundlage ihrer musikalischen Praxis.
http://www.deeplistening.org/pauline/
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