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Diese Seite wurde aktualisiert am: 21/09/1999
 
 
 
 
      D I E    E R S C H Ö P F U N G   D E R   W E L T  1

  Als ich gestern einschlief, dachte ich: Nicht mehr aufwachen 
wäre eigentlich schön. Und ich bin guter Dinge aufgewacht. Wurde 
von meiner Tochter geweckt, habe sie gewickelt... 2
 
 

  Im Anfang war das Vergessen, so heißt es in vielen abend- und 
morgenländischen Schöpfungsmythen über die Menschwerdung. In der 
jüdischen Überlieferung schlägt der Engel des Vergessens dem 
neugeborenen auf den Mund, damit er sein ursprüngliches Wissen 
über die Dinge vergesse.
 

a,A das 

1)   Vokal, der erste Buchstabe im Alphabet.
      A und O, Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe im 
      griech. Alphabet, daher Anfang und Ende (offb. 1,8).

2)   A, erster Buchstabe der 4-Buchstabensprache der DNA:  A,T,G und C

3)   der 6.Ton der C-Dur Tonleiter. Das eingstrichene a (a1) ist 
      der Stimmton (-> Kammerton).

9)   Das Buchstaben-Zeichen a (kleines a)
      ist eines von 256 Zeichen in der ASCII-Tabelle.
      Ihm wird in der ASCII-Tabelle folgender ASCII-Code 
      zugewiesen: Dezimal   97 , Hexadezimal  61

10) Das Buchstaben-Zeichen A (goßes A)
       ist eines von 256 Zeichen in der ASCII-Tabelle.
       Ihm wird in der ASCII-Tabelle folgender ASCII-Code 
       zugewiesen: Dezimal 65, Hexadezimal 41

ASCII ist die Abkürzung für "American Standard Code of 
Information Interchance".
ASCII-Tabelle: In der ASCII-Tabelle sind sämtliche Buchstaben des 
Alphabets, internationale Sonderzeichen und Grafikzeichen 
enthalten. Den insgesamt 256 Zeichen werden in der Tabelle 
Zahlencodes zugewiesen, die für den internationalen 
Datenaustausch Gültigkeit haben und eine problemlose und 
fehlerfreie Datenübertragung zwischen Programmen und Computern 
sowie ihren Peripherie-Geräten (Computer-Tastatur, Monitore, 
Drucker...) gewährleisten.
 
 

          ³   was uns die zeichen bedeuten   ³
          ³   bedeuten uns was die zeichen   ³
          ³   uns bedeuten die zeichen was   ³
          ³   die zeichen bedeuten uns was   ³
          ³   di  ze chen bedeuten uns was   ³
          ³    i  ze chen be euten uns was   ³
          ³    i  z  ch   b   ut   us  was   ³
          ³    i  z  ch   b    t    s  was   ³
          ³    i  z  ch   b    t    s  w s   ³
          ³    i     c    b    t    s  w s   ³
          ³    i          b    t    s  w s   ³
          ³    i               t    s  w s   ³
          ³    i                    s  w s   ³
          ³    i                    s    s   ³
          ³    i                             ³
          ³                                  ³
          ³                                  ³
          ³                                  ³
          À                                  Ù  3

  Der Mensch nimmt sechzig bis siebzig Prozent seiner Information 
über das Auge auf. Bereits ein einziges Lichtquant erzeugt auf 
der Netzhaut elektrische Impulse; sie sind jedoch von so geringer 
Energie, daß es zur Erregung der Nervenfasern molekularer 
Verstärkung bedarf. Dies geschieht durch die Aufnahme des 
Lichtquanten in den "Sehfarbstoff" Rhodopsin. Dieses Protein wird 
dabei so verändert, daß es eine enzymatysche Funktion erfüllt. 
Auf diese Weise aktiviert jeweils ein Rhodopsin-Molekül einige 
hundert sogenannte G-Proteine, was einen ebenso vielfachen 
Verstärker-Mechanismus bedeutet. Ähnliche Prozesse laufen beim 
Zusammentreffen des G-Eiweißstoffes mit Phosphodiesterase, nun 
aber eine Verstärkung um bis zum Zehtausendfachen auslösend, ab. 
Leztere baut eine vierte Substanz, Cyclo-GMP ab. Die Verringerung 
der Cyclo-GMP vermindert den Ionenfluß in der Sehzelle, wodurch 
elektrisches Potential erzeugt wird. Am Ende der "Enzymkaskade" 
steht somit eine relevante Spannung, die von den Photorezeptoren 
schließlich in die "Nerven-Sprache" umgewandelt wird. 4
 
 
 
 
 

  "Rot physikalisch zu definieren, ist relativ einfach. Aber 
erklären sie mal einem Blinden, wie es ist, Rot zu sehen", 
schildert der Bremer Hirnforscher Hans Flohr das Dilemma von 
scheinbarer Objektivität und subjektiver Wahrnehmung. "Da stößt 
unsere Intuition sehr rasch an seine Grenzen." 5
 
 
 
 

  Getrieben von einem "großen Verlangen, wahres von Falschem 
unterscheiden zu lernen" sucht er nach einer Methode, die eine 
systematische Gewinnung neuer Erkenntnisse ermöglicht.
  Diese neue Methode, die Descartes im "Discours de la méthode" 
vorstellt, besteht darin, daß nur als wahr behauptet  werden 
darf, was man so klar und deutlich erkennt, daß man überhaupt 
nicht daran zweifeln kann.
  Die cartesische Methode des radikalen Zweifels: Nur die Sätze 
sollen als wahr genommen werden, deren Evidenz jeden Zweifel 
ausschließt. Daher beginnt Descartes Suche nach ihnen dadurch, 
daß er Ausnahmen auf ihre Bezweifelbarkeit untersucht. Bei diesen 
Verfahren des methodischen Zweifels erwiesen sich alle durch die 
Sinne vermittelten Informationen als bezweifelbar, da die Sinne 
häufig täuschen. Sogar Aussagen über die Existenz des Körpers, 
auch des eigenen, müssen als ungewiß gelten.
  Die cartesische Methode bedeutet Reduktion von Komplexität auf 
Einfachheit. Cogito, ergo sum ist die erste Gewißheit dieser 
Metaphysik, auf ihr beruhen alle anderen Gewißheiten.

  "Ich denke", "ich bin".  6
 
 
 
 

  Die Landkarte des menschlichen Gehirns hat viele weiße Flecken.
  Angela Friederici (Psycholinguistin, FU Berlin) möchte einige 
erkunden. Sie vermutet, daß Sprache im Gehirn mehrfach 
repräsentiert ist, einerseits als Prozeß der Satzbildung, wobei 
Wörter nach komplizierten grammatikalischen Regeln aneinander 
gereiht werden, andererseits unter dem Aspekt des Wissens, also 
des durch Wörter vermittelten Inhalts. In den verschiedenen 
Windungen und Furchen des Gehirns hofft sie, irgendwann einmal 
Regionen für Sprachmelodie, Grammatik und Bedeutung der Wörter 
lokalisieren zu können. Es ist seit längerem bekannt, daß diese 
drei Sprachelemente getrennt verarbeitet werden können. 7
 
 
 
 

  Die Aufgabe "hinter den Zeilen zu lesen", um die Situation des 
(Schreibenden) zu erschließen, ist eine Aufgabe, die regelmäßig 
bei der Interpretation von geschriebenen Äußerungen sich stellt. 
Aber selbst dann, wenn diese vorläufige Aufgabe zufrieden 
stellend gelöst worden ist und es klar ist, was der Schreibende 
versucht zu tun und inwieweit er dafür qualifiziert ist, bleibt 
normalerweise noch eine weitere Aufgabe übrig, nämlich das 
"zwischen den zeilen lesen", was er schreibt (und sagen will). Es 
wäre sicher kurzsichtig, das, "was gesagt wird", als vollständig 
durch die vom Schreibenden verwendeten Wörter ausgedrückt zu 
betrachten... 
 

  Und doch muß jeder, der sich ernsthaft auf dieses Leseabenteuer 
einlassen will, hindurch nicht nur durch fertige autorisierte 
Texte -, sondern muß über Vorentwürfe und Entwürfe, Vorstufen, 
Zwischenstufen, Vorendstufen aufsteigen, um dann immer wieder - 
ja, abzustürzen ins Nichts. Weil alles Angefangene, Probierte, 
Korrigierte immer wieder unfortgesetzt und unvollendet Fragment 
bleibt...

  "Es war Mord", sagt der umkämpfte, umrätselte letzte Satz  (...)
  "O Gott...wie hängt das alles zusammen? Denken. Wollen. Sein." 8
 

 


 
 

1 Titel einer Komposition von Mauricio Kagel
2 Achternbusch, Herbert: 57, Autor, Filmemacher, München, Quelle: SZ-Magazin, 22.3.1996
3 H.R.G.
4 Quelle: SZ, 17.1.1985
5 Quelle: Die Zeit, 31.5.1996
6 Quelle: SZ, 30.3.1996
7 Quelle: Die Zeit, 19.4.1991
8 Reinhardt Baumgart über Ingeborg Bachmanns legendäres Todes-Arten-Projekt, Quelle: Die Zeit, 24.11.1995
 
 
 

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