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 last update: boa München, Sa.22.01.2005 - 14:00 
 
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Wissenschaft

Jahrhundertgenie Albert Einstein

Verehrt wie kein zweiter Forscher

Kein Forscher hat je solch eine öffentliche Verehrung erfahren wie Albert Einstein. Noch ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod ist Einstein (1879-1955) der mit Abstand populärste Wissenschaftler. Fast jeder kennt seine weltberühmte Formel E = mc².

Aber kaum ein Laie - und längst nicht jeder Fachmann - versteht die umwälzenden Erkenntnisse des Jahrhundertgenies, das 100 Jahre nach Einsteins wissenschaftlichem «Wunderjahr» 1905 in Deutschland jetzt mit einem «Einsteinjahr» gefeiert wird. Was macht Einstein so beliebt?

«Mir wird applaudiert, weil mich jeder versteht. Ihnen wird applaudiert, weil Sie niemand versteht», soll Charlie Chaplin einmal an Einstein gerichtet geäußert haben. «Es geht um große Fragen in Einsteins Arbeiten, das spürt jeder», erklärt der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), Knut Urban vom Forschungszentrum Jülich. «Und das Unverständliche ist zusätzlich geeignet, Ehrfurcht zu erzeugen.»

«Die Kosmologie, die Lehre vom Universum, hat in der Öffentlichkeit auch immer eine metaphysische, ja fast religiöse Komponente», ergänzt Urban. Einsteins Relativitätstheorie ermöglichte nicht nur gut überprüfbare Vorhersagen wie etwa die Krümmung des Raums durch große Massen, sie konnte auch etwa ein sich ausdehnendes Universum beschreiben, lange bevor die Idee vom Urknall überhaupt Fuß fasste. «Durch Albert Einsteins Werk hat sich der Horizont der Menschheit unendlich erweitert, und gleichzeitig hat unser Bild vom Universum eine Geschlossenheit und Harmonie erreicht, von der man bisher nur träumen konnte», bemerkte der dänische Physiknobelpreisträger Niels Bohr einmal.

Noch heute sind Einsteins Arbeiten in der Forschung aktuell, wie Urban betont. Astronomen rätseln etwa über eine «Dunkle Energie», die das All auseinander zu treiben scheint, und die sich mit der von Einstein eingeführten «kosmologischen Konstante» beschreiben lässt. Quantenphysiker versuchen, den «Einstein-Podolski-Rosen-Effekt» zu verstehen, der in der Welt der Quantenphysik die Eigenschaften von atomaren Teilchen spontan über beliebig große Entfernungen verknüpft und beim so genannten Beamen zum Tragen kommt.

Sicher trägt auch die Entstehungsgeschichte von Einsteins ersten bahnbrechenden Entdeckungen zum Mythos bei. In seinem «annus mirabilis» (Wunderjahr) veröffentlichte der erst 26-jährige Physiker in kurzer Folge mehrere revolutionäre Arbeiten, die er nicht etwa als angesehener Professor, sondern als «technischer Experte III. Klasse» am Berner Patentamt quasi im Feierabend ersonnen hatte. Eine der Veröffentlichungen von 1905 war seine Doktorarbeit, die noch heute zu den meistzitierten Aufsätzen der Physik zählt.

Auch die Spezielle Relativitätstheorie mit der Formel E = mc² stammt aus diesem Jahr. Außerdem erklärte Einstein das als Brownsche Molekularbewegung bezeichnete Hin- und Herzittern kleiner Teilchen in einer Lösung und wendete Max Plancks Quantenhypothese auf das Licht an. Damit sprach er dem Licht Teilcheneigenschaften zu. Die Lichtquantenhypothese machte Einstein zu einem der Mitbegründer der Quantenphysik, und dieser bahnbrechende Beitrag, nicht die Relativitätstheorie, brachte ihm den Physiknobelpreis für 1921 ein.

Der Weltöffentlichkeit schlagartig bekannt wurde Einstein, der seine Erkenntnisse stets durch bloße Gedankenkraft gewann, nachdem sich 1919 eine der wesentlichen Voraussagen der 1915 in Berlin vollendeten Allgemeinen Relativitätstheorie bestätigte. Der Theorie zufolge krümmen große Massen den Raum selbst, so dass auch das Licht abgelenkt wird. Genau diese Ablenkung wurde bei der Sonnenfinsternis vom Mai 1919 bei Sternen nahe der vom Mond verdeckten Sonne beobachtet.

Einen finsteren Schatten anderer Art warfen nach 1920 die zunehmenden antisemitischen Anfeindungen, die Einstein nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 schließlich aus dem Land trieben. Er emigrierte in die USA und betrat nie wieder deutschen Boden.

Einsteins Beliebtheit überstieg im Laufe der Jahre die großer Medienstars. Natürlich trug sein Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert zur Popularität bei. Die Frisur Einsteins, die sich nach seinen eigenen Worten «durch Vernachlässigung» ergab, und andere anscheinende Schlampigkeiten wie die stets fehlenden Socken ließen das Genie menschlich erscheinen. Bekannt war Einstein auch für seine politischen Äußerungen, mit denen der leidenschaftliche Pazifist nicht hinter dem Berg hielt.

Zusammen mit seiner wissenschaftlichen Besessenheit und seinem passionierten Bekenntnis zu Objektivität und Menschlichkeit ergab sich, unterstützt durch Einsteins offenen Umgang mit den Medien, das Bild eines «zutiefst menschlichen Idealisten», wie Urban es formuliert. «Er scheint hervorragend geeignet als Orientierungsfigur, mit der sich praktisch jeder identifizieren kann.»

Bücher über Einstein und seine wissenschaftlichen Leistungen:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0504180.htm#050418_i

Offizielle Website zum Einstein-Jahr 2005
http://www.einsteinjahr.de

Einstein Archives Online:
http://www.alberteinstein.info/

The Albert Einstein Archives, Jewish National & University Library
http://jnul.huji.ac.il/einstein/.index3.html


 

Über seine Herkunft hat Einstein einmal gesagt: „Wenn ich mit meiner Relativitätstheorie recht behalte, werden die Deutschen sagen, ich sei Deutscher, und die Franzosen, ich sei Weltbürger. Erweist sich meine Theorie als falsch, werden die Franzosen sagen, ich sei Deutscher, und die Deutschen, ich sei Jude.“
 


 

Einsteins Arbeiten aus dem 'Wunderjahr' 1905

Vor 100 Jahren veröffentlichte der erst 26- jährige Albert Einstein als «technischer Experte III. Klasse» am Berner Patentamt in kurzer Folge mehrere bahnbrechende Arbeiten, die die Physik auf ganz unterschiedlichen Gebieten revolutionierten

Den Auftakt macht eine Arbeit mit dem unscheinbaren Titel «Über einen die Erzeugung und Umwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Standpunkt», die Einstein am 17. März beim Fachblatt «Annalen der Physik» einreicht. «Sie handelt über die Strahlung und die energetischen Eigenschaften des Lichts und ist sehr revolutionär», schreibt Einstein an seinen Freund Conrad Habicht. Das Revolutionäre ist, dass Einstein dem Licht Eigenschaften von Teilchen zuschreibt (Lichtquantenhypothese) und damit den bis dahin unverstandenen lichtelektrischen Effekt erklären kann. Die am 9. Juni veröffentlichte Arbeit macht Einstein zu einem Mitbegründer der Quantenphysik und bringt ihm den Physiknobelpreis für 1921 ein.

Am 30. April legt Einstein dann seine 21-seitige Doktorarbeit über «eine neue Bestimmung der Moleküldimension» vor. Er gibt darin als Erster Antwort auf eine drängende Frage der damaligen Physik: Gibt es wirklich Atome, und wenn ja, wie kann man sie zählen und ihre Größe bestimmen? Die Arbeit, mit der Einstein am 15. Januar 1906 in Zürich promoviert wird, gehört noch heute zu den meistzitierten in der Physik.

Nur knapp zwei Wochen später, am 11. Mai, reicht Einstein die nächste Arbeit bei den «Annalen der Physik» ein. Darin liefert er erstmals die richtige Erklärung dafür, warum leblose Teilchen unter dem Mikroskop ganz feine, ungeordnete Bewegungen ausführen. Seine Erklärung dieser «Brownschen Molekularbewegung» führt zu Experimenten, mit denen die molekularkinetische Wärmetheorie bestätigt werden kann. Zusammen mit seiner Doktorarbeit macht dieser am 18. Juli erschienene Aufsatz Einstein zum Begründer der Statistischen Physik.

Am 30. Juni folgt schließlich die Spezielle Relativitätstheorie, die Einstein unter dem Titel «zur Elektrodynamik bewegter Körper» bei den «Annalen der Physik» einreicht. In dem am 26. September erschienen Aufsatz dehnt Einstein das Relativitätsprinzip der klassischen Mechanik, demzufolge die Naturgesetze in allen gleichmäßig bewegten Bezugssystemen gleich sind, auf die ganze Physik aus. Damit führt Einstein neue Begriffe von Raum und Zeit sowie Gleichzeitigkeit ein.

In einem Nachtrag zur «Elektrodynamik bewegter Körper», den Einstein am 27. September wiederum bei den «Annalen der Physik» einreicht, formuliert Einstein die berühmte Masse-Energie-Äquivalenz E = mc². Diese am 21. November veröffentlichte Formel wird später zum Grundstein des Atomzeitalters.
 


 

'Einstein für Einsteiger' - Internet-Portal zur Relativitätstheorie

Mi.19.01.05 - Anschaulich und humorvoll will das Potsdamer Albert-Einstein-Institut Laien im Internet den Zugang zu den Erkenntnissen des Jahrhundertgenies Albert Einstein eröffnen. Einstein-online [http://www.einstein-online.info] führe Schritt für Schritt in Einsteins Gedankenwelt ein, teilte das zur Max-Planck-Gesellschaft gehörende Institut mit.

Einsteins Theorien seien in ihren Grundzügen keineswegs so rätselhaft, wie sie gern dargestellt würden. Das Internet-Portal zum Einsteinjahr biete außerdem vertiefende Informationen über aktuelle Forschungsansätze.

(Quelle: dpa)

Mehr bei heise-online vom 18.01.05:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/55270
 


 

Stichwort: Relativitätstheorie

Die Relativitätstheorie beschäftigt sich mit relativ zueinander bewegten Gegenständen, daher der Name. Die Spezielle Relativitätstheorie, die Albert Einstein vor 100 Jahren (1905) veröffentlicht hat, betrachtet nur gleichförmig bewegte Körper, die also eine konstante Relativgeschwindigkeit zueinander haben.

1915 vollendete Einstein die Allgemeine Relativitätstheorie, die auch für beschleunigte Relativbewegungen anwendbar ist. Die Spezielle Relativitätstheorie erschien am 26. September 1905 unter der Überschrift «Zur Elektrodynamik bewegter Körper» in den «Annalen der Physik» (Bd. 17, S. 891). Sie führt über die Vereinigung von Raum und Zeit zu einer vierdimensionalen Raumzeit. Ihre heute übliche mathematische Gestalt schuf 1908 Einsteins ehemaliger Zürcher Mathematikprofessor Hermann Minkowski.

In einer Ergänzung seiner Arbeit formulierte Einstein noch 1905 die heute wohl berühmteste Formel der Welt, E = mc². «Die Masse eines Körpers ist ein Maß für dessen Energiegehalt», schrieb Einstein wiederum in den «Annalen der Physik» (Bd. 18, S. 639). Diese Masse-Energie-Äquivalenz sollte zur Grundlage aller friedlichen und militärischen Nutzung der Kernenergie werden, was jedoch 1905 noch nicht zu erahnen war.

Während die Spezielle Relativitätstheorie auf den Arbeiten anderer Forscher aufbaute, gilt die Allgemeine Relativitätstheorie als Einsteins weitgehend alleiniges Werk. Sie bezieht die Schwerkraft mit ein und beschreibt, wie Massen die Raumzeit verzerren. Dadurch wird der Theorie zufolge auch das Licht nahe großer Massen messbar abgelenkt, was während der Sonnenfinsternis vom Mai 1919 experimentell bestätigt wurde. Durch diese Bestätigung wurde Einstein mit einem Schlag weltberühmt.

(Quelle: dpa, 17.01.05)
 


 

18.April 2005 - 50. Todestag von Albert Einstein

Seine letzten Worte sind unbekannt, da die Nachtschwester im Hospital von Princeton kein Deutsch konnte. Albert Einstein, seit 1933 in der Universitätsstadt im US-Bundesstaat New Jersey ansässig, war am 15. April 1955 eingeliefert worden, nachdem die Hauptschlagader im Bauch geplatzt war. Der Physiker hatte schon länger von der Gefahr eines Durchbruchs der Aorta gewusst, doch eine vorbeugende Operation stets abgelehnt. Auch im Krankenhaus wehrte er sich gegen jeden chirurgischen Eingriff. Morphiumspritzen linderten die Schmerzen, doch in den frühen Morgenstunden des 18. April war Einsteins Leben zu Ende. Sein Leichnam wurde nach Entfernen des Gehirns am selben Tage verbrannt, die Asche an einem geheimen Ort verstreut. Überreste seines Denkorgans liegen nach einer absurden Odyssee heute wieder da, wo sie vor 50 Jahren entnommen wurden... Mehr bei heise-online vom 18.04.05:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/58659
 
 
 
 


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