Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Deutsche Archäologin entführt. Kandidat für
Parlamentswahl erschossen. US-Botschafter im Irak erhält Mandat
für Gespräche mit dem Iran. Saddam-Prozess wird bis 5.
Dezember vertagt
Di.29.11.05 - Im Irak ist erstmals seit dem Krieg ein deutscher Staatsbürger
entführt worden. Wie die ARD berichtet, wurde eine deutsche Frau
am vergangenen Freitag zusammen mit ihrem Fahrer verschleppt. Ein Video
der Entführer sei dem Büro in Bagdad übergeben worden.
Darin forderten die Geiselnehmer die Bundesregierung auf, die
Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Ansonsten
würde die Geisel getötet. Nach ARD-Angaben handelt es sich
bei der Entführten um eine Archäologin im Alter von etwa 40
Jahren.
Unterdessen hat Großbritannien nach der Entführung von vier
westlichen Helfern im Irak gemeinsam mit den örtlichen
Behörden sowie den USA und Kanada eine Untersuchung eingeleitet.
Das bestätigte das britische Außenministerium nach Angaben
des Senders BBC vom Montag.
Bei einer der Geiseln handelt es sich um einen über
70-jährigen britischen Professor, der für mehrere
Hilfsorganisationen im Irak tätig ist, teilte die Regierung in
London mit. Zuvor hatte Kanada bestätigt, dass zwei seiner
Bürger im Irak entführt wurden. Bei der vierten Geisel soll es
sich um einen Amerikaner handeln. BBC sprach von einer der
größten Gruppen westlicher Bürger, die seit Beginn des
Irak-Konflikts entführt wurden.
Bislang wurden nur wenige Einzelheiten über die Geiselnahme
bekannt. Als relativ sicher gilt, dass sich die vier Helfer am Samstag
in einer als gefährlich geltenden Gegend von Bagdad aufhielten und
dort von Entführern überwältigt wurden, berichtete eine
BBC-Korrespondentin aus der irakischen Hauptstadt.
Die meisten westlichen Hilfsorganisationen haben sich aus dem Irak
zurückgezogen, nachdem dort im Oktober 2004 die britisch-irische
Nothelferin Margaret Hassan entführt und einen Monat danach
ermordet wurde. Nur noch einige wenige Helfer arbeiten von der
«Grünen Zone» aus, die von einem massiven
US-Truppenaufgebot geschützt wird.
Bewaffnete haben am Montag im Irak einen sunnitischen Kandidaten
für die Parlamentswahl in zweieinhalb Wochen erschossen. Ajad Al
Issi von der Irakischen Islamischen Partei sei zusammen mit zwei
Leibwächtern auf einer Straße zwischen Falludscha und Bagdad
getötet worden, teilte ein Parteisprecher mit. Die Irakische
Islamische Partei tritt bei der Wahl am 15. Dezember in einer Allianz
mit zwei weiteren sunnitischen Parteien an.
Die US-Regierung hat ihren Botschafter im Irak zu begrenzten
Verhandlungen mit dem Iran ermächtigt. Das Mandat beschränke
sich auf Fragen, die direkt mit dem Irak zusammenhingen, teilte das
Außenministerium in Washington am Montag mit. Zwischen den USA
und dem Iran bestehen seit der Geiselnahme in der Teheraner
US-Botschaft 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Vereinzelte
Kontakte habe es aber schon mehrfach gegeben, etwa Gespräche
über den Wiederaufbau in Afghanistan, sagte
Außenamtssprecher Sean McCormack.
Der Prozess gegen den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein und sieben
Mitangeklagte ist am Montag nach nur wenigen Verhandlungsstunden auf den
5. Dezember vertagt worden. Damit wolle der Vorsitzende Richter Risgar
Mohammed Amin den Angeklagten Gelegenheit gegeben werden, neue
Anwälte zu finden, berichtete der Nachrichtensender CNN. Zwei
Anwälte waren erschossen worden, mehrere andere am Montag nicht zum
Prozess erschienen.
Der Prozess war erst am Vormittag nach sechswöchiger Pause mit
ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt worden. In dem Verfahren geht es
um ein Massaker in dem schiitischen Ort Dedscheel 1982 nach einem
gescheiterten Anschlagversuch auf Saddam.
Das Gericht ließ am Montag als Verteidiger Saddams auch den
früheren US- Justizminister Ramsey Clark zu. Er soll den irakischen
Chefanwalt Saddams unterstützen. Der 77-jährige Clarke war
von 1967 bis 1969 unter Präsident Lyndon B. Johnson amerikanischer
Justizminister.
Im Gericht war am Montag ein erstes Video als Beweis vorgeführt
worden. Es zeigt Saddam Hussein 1982 direkt nach einem Anschlagversuch
in dem Ort Dedscheel. Saddam ist in dem gelbstichigen Video, das aus
einer alten Dokumentation des britischen Senders BBC stammt, bei der
Befragung von Dorfbewohnern zu sehen und zu hören. Nach einer
CNN-Übersetzung ins Englische befahl Saddam nach der Befragung
seinen Sicherheitsleuten: «Sondert sie aus und verhört
sie.» Saddams Sicherheitsleute hatten nach dem gescheiterten
Anschlag ein Massaker in dem Dorf verübt.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 29.11.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.29.11.04 - Bei neuer Gewalt kommen sieben US-Soldaten ums Leben. Sarkawi-Gruppe
will 17 irakische und einen US-Soldaten getötet haben.
Entführte französische Reporter offenbar wohlauf +++
Die grüne Kriegsfront: USA verordnen dem von ihrem Militär besetzten Irak den Anbau von
genmanipuliertem Getreide. Millionen Kleinbauern droht der Ruin...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0411290.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Israel und Palästinenser schließen Abkommen über
Hilfsorganisationen
Di.29.11.05 - Das palästinensische Rote Kreuz und die israelische
Partnerorganisation Roter Davidstern (Magen David Atom) haben ihre
Zusammenarbeit erstmals offiziell besiegelt. Das am Montag in Genf von
den beiden Präsidenten der Regionalorganisationen unterzeichnete
Abkommen regelt die gegenseitige Anerkennung. Beide Hilfsorganisationen
kooperieren allerdings bereits seit langem. Das Abkommen dürfte der
israelischen Organisation den Weg in die internationale Gemeinschaft
der Rot-Kreuz-Gesellschaften ebnen.
(Quelle: afp)
Fatah plant Abstimmung in Ost-Jerusalem über Wahllisten
Di.29.11.05 - Knapp zwei Monate vor der palästinensischen Parlamentswahl will
die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
erstmals im arabisch dominierten Ost-Jerusalem über die Wahllisten
abstimmen lassen. Rund 23.000 Fatah-Mitglieder sollten am Dienstag
zwölf Fatah-Kandidaten für die Wahl am 25. Januar bestimmen,
sagte ein Sprecher der Bewegung am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
Die Fatah rechne mit Widerstand Israels, das gegen jede politische
Aktivität der Autonomiebehörde in Ost-Jerusalem sei.
(Quelle: afp)
Algerien lässt sich bei Reformen von EU nicht hereinreden
Di.29.11.05 - Algerien will seinen Reformweg ohne Einmischung der Europäischen
Union gehen und ist dafür auch bereit auf die Unterstützung
aus der EU-Kasse zu verzichten. "Wir finden es demütigend, dass die
Europäer von uns im Gegenzug für ein paar Euro Reformen
verlangen," sagte Staatsminister Abdelaziz Belkhadem am späten
Sonntagabend in Barcelona am Rande des EU-Mittelmeergipfels. Es stehe
der EU nicht zu, von den Mittelmeerstaaten Anstrengungen einzufordern,
da Reformen vom Willen deren Bevölkerung ausgingen. Der
euromediterrane Raum solle nicht auf einen bloßen Marktplatz
für europäische Produkte reduziert werden, er solle vielmehr
ein Raum für Partnerschaft sein, in dem sich die Menschen frei
bewegen könnten, sagte Belkhadem.
(Quelle: afp)
Sri Lankas Präsident lädt Tamilen-Rebellen zu
Friedensgesprächen ein
Di.29.11.05 - Der neue Präsident von Sri Lanka, Mahinda Rajapakse, hat die
Rebellenorganisation LTTE zu Friedensgesprächen eingeladen. Vor
Diplomaten sagte er am Montag in der Hauptstadt Colombo, die
Überprüfung der Waffenruhe könne sofort wieder
aufgenommen werden. Zugleich könnten substanzielle Verhandlungen
vorbereitet werden. Die Rebellen sollten die Waffenruhe respektieren und
gleichzeitig Menschenrechtsverletzungen, politische Morde sowie die
Rekrutierung von Kindern unterlassen, forderte der Präsident. Auf
ein am Vortag vorgebrachtes Ultimatum der Befreiungstiger von Tamil
Eelam (LTTE) ging er nicht ein.
(Quelle: afp)
Verurteilter Mörder in Arkansas hingerichtet
Di.29.11.05 - Trotz seines Widerspruchs vor dem Obersten Gerichtshof der USA ist in
der Nacht zum Dienstag im US-Staat Arkansas ein verurteilter
Mörder hingerichtet worden. Eric Nance soll 1993 versucht haben,
eine 18-Jährige zu vergewaltigen, und ihr anschließend die
Kehle durchschnitten haben. In letzter Minute vor der Hinrichtung nahm
der Oberste Gerichtshof den Antrag an, zu prüfen, ob Nance geistig
zurückgeblieben sei. Die Richter gaben der Hinrichtung jedoch
statt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Hinrichtungen in den USA - 'Ein Strafsystem, das Fehler macht'... Mehr
unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv7/k0511250.htm#05112507
Internationale Klimakonferenz in Montreal
Di.29.11.05 - Im kanadischen Montreal sind am Montag mehrere tausend Delegierte und
Experten zum internationalen Klimagipfel zusammen gekommen. Im
Mittelpunkt des Treffens sollten weitere Verpflichtungen zur
Verringerung der Treibhausgase stehen. Der Klimagipfel gilt als der
wichtigste seit Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls 1997. Dieses konnte
im Februar endlich in Kraft treten, nachdem Russland das Dokument
ratifiziert hatte.
Im Kyoto-Protokoll verpflichteten sich die 38 führenden
Industrieländer auf eine Verringerung der Emissionen von sechs
klimaschädigenden Gasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau
von 1990. Zieldatum hierfür ist 2012. Auf dem Gipfel sollte
diskutiert werden, wie die Treibhausgase nach 2012 weiter reduziert
werden könnten. Allerdings kommen die meisten Unterzeichner-Staaten
ihren Verpflichtungen schon jetzt nicht nach. So versprach die
Europäische Union eine Reduzierung um acht Prozent, schaffte nach
den jüngsten Daten aber erst 1,4 Prozent.
(Quelle: ap)
Hintergrund: Das Kyoto-Protokoll
Die Industriestaaten haben sich 1997 auf der UN-Klimakonferenz im
japanischen Kyoto in einem Protokoll zur Reduzierung von sechs
Treibhausgasen verpflichtet. Danach soll ihr Ausstoß bis 2012 um
mindestens 5 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Das
Kyoto-Protokoll gilt als erster Schritt, um den menschengemachten
Treibhauseffekt zu bremsen.
Da Russland am 18. November 2004 dem Kyoto-Protokoll offiziell beitrat,
konnte dieses verbindlich werden. Um das Vertragswerk in Kraft zu
setzen, mussten ihm 55 Staaten beigetreten sein, auf die mindestens 55
Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes der Industrieländer von
1990 entfallen.
Nach dem formellen Beitritt Russlands trat das Protokoll laut
Vertragstext 90 Tagen später in Kraft. Mitte Februar 2005 hatten es
141 Staaten ratifiziert. Auf sie entfallen 61,6 Prozent des
Kohlendioxidausstoßes der Industriestaaten von 1990.
Grundlage des Kyoto-Protokolls ist die Klimaschutzkonvention des
Erdgipfels von Rio de Janeiro von 1992. Darin hatte die
Staatengemeinschaft unter anderem vereinbart, den Ausstoß der
Treibhausgase so zu begrenzen, dass «sich die Ökosysteme auf
natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen
können» und «die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht
wird».
Das Gas Kohlendioxid verursacht rund die Hälfte des
menschengemachten Treibhauseffekts. Zu den im Kyoto-Protokoll
aufgeführten Treibhausgasen zählen zudem Methan, Lachgas,
perfluorierte und teilhalogenisierte Kohlenwasserstoffe sowie
Schwefelhexafluorid. Daneben gibt es einen natürlichen
Treibhauseffekt, der für eine Durchschnittstemperatur auf der Erde
von etwa 15 Grad sorgt.
Ein konkretes Regelwerk zum Kyoto-Protokoll wurde 2001 in Bonn und
Marrakesch (Marokko) vereinbart, nachdem die USA den Verhandlungen den
Rücken gekehrt hatten. Zur Erfüllung ihrer Klimaschutzziele
dürfen die Industrieländer auch mit Emissionsrechten handeln,
Projekte zur umweltfreundlichen Entwicklung in ärmeren Ländern
finanzieren oder Projekte in anderen Industrieländern fördern
- etwa energieeffizientere Kraftwerke in Osteuropa. Zudem dürfen
Wälder und Böden in bestimmten Grenzen als Klimaschutzbeitrag
einberechnet werden, da sie Kohlenstoff speichern.
Quelle: dpa, 28.11.05
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EU-Kommission droht mit scharfen Sanktionen in CIA-Affäre
Di.29.11.05 - Die EU-Kommission hat mit drastischen Sanktionen für den Fall
gedroht, dass ein Mitgliedstaat Geheimgefängnisse der CIA
betrieben hat. Die Strafen könnten bis zum Entzug des Stimmrechts
im Europäischen Rat reichen, sagte Justizkommissar Franco Frattini
am Montag in Berlin. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier wird die CIA-Affäre voraussichtlich am heutigen)
Dienstag bei seinem Antrittsbesuch in Washington thematisieren.
Politiker von FDP und Grünen forderten ihn ausdrücklich dazu
auf.
Frattini sagte auf einer Sicherheitskonferenz, die EU-Verträge
sähen vor, dass ein nachhaltiger Verstoß gegen die
Prinzipien der Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und
Rechtsstaatlichkeit bestraft werden könne. Der Betrieb von
CIA-Gefängnissen für Terrorverdächtige würde die
Europäische Menschenrechtskonvention verletzen.
Die EU-Kommission hatte die Regierungen aller 25
EU-Mitgliedsländer und der Beitrittskandidaten Bulgarien,
Rumänien, Kroatien und Türkei aufgefordert, eine
Erklärung abzugeben, ob es solche Gefängnisse in ihren
Ländern gab. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
hatte Anfang November berichtet, es gebe Hinweise, dass der
US-Geheimdienst CIA Gefangene aus Afghanistan nach Polen und
Rumänien transportiert habe.
Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski wies den Verdacht
erneut entschieden zurück. «Derartige Gefängnisse gibt
es in Polen nicht», sagte er dem Sender TVN24 und fügte
hinzu: «Und es gab sie auch nicht.»
Steinmeier brach am Montag zu seiner zweitägigen USA-Reise auf.
Erste Station war New York. Am Dienstag wollte der SPD-Politiker in
Washington US-Außenministerin Condoleeza Rice, ihren
Stellvertreter Robert Zoellick und Sicherheitsberater Stephen Hadley
treffen. Sein Parlamentarischer Staatssekretär Günter Gloser
sagte im Bayerischen Rundfunk, er denke, dass Steinmeier die
CIA-Affäre ansprechen werde.
Ähnlich äußerte sich der Koordinator für die
deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt, im Deutschlandradio
Kultur. «Die Amerikaner wissen selbst, dass dies ein Thema ist,
was ihr Image in der Welt belastet und die Anziehungskraft des
amerikanischen Systems schwächt», sagte der SPD-Politiker.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag,
Wolfgang Bosbach, forderte in der «Passauer Neuen Presse»
eine rückhaltlose Aufklärung, die doch auch im Interesse der
USA liege. Die große Koalition wolle zwar eine Verbesserung der
Beziehungen mit Washington. «Aber das kann nicht bedeuten, dass
heikle Themen ausgeklammert werden.»
Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger forderte Steinmeier auf, «seinen
amerikanischen Gesprächspartnern mit Nachdruck deutlich zu machen,
dass es nicht um ausweichende Antworten gehen kann». Der
Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer sagte: «Auch die
Amerikaner selbst haben ein Interesse daran, dass aufgeklärt
wird.»
(Quelle: ap)
Deutschland
Linkspartei will Fusion mit WASG vorantreiben
Di.29.11.05 - Angesichts nachhaltiger Streitereien an der Basis will die Linkspartei
die Fusion mit der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit
(WASG) vorantreiben. Der Vorstand beschloss am Montag, schon im
Frühjahr auf einem vorgezogenen Parteitag eine Zwischenbilanz zu
ziehen und die nächsten Schritte festzulegen. Trotz aller
Schwierigkeiten gebe es «keine sinnvolle Alternative» zu
dem Parteibildungsprozess, betonte der Vorsitzende Lothar Bisky, der
sich im April zur Wiederwahl stellen will.
Das Vorziehen des ursprünglich erst für Oktober vorgesehenen
Bundesparteitags bezeichnete er als «Weg der Beschleunigung ohne
zwanghafte Termine». Der dann zu wählende Vorstand werde bis
zur der für Sommer 2007 geplanten Fusion mit der WASG im Amt
bleiben und dann einer neuen Parteiführung Platz machen.
Nachdrücklich verteidigte Bisky den geplanten Zusammenschluss mit
der WASG, räumte aber auch Schwierigkeiten ein. So habe gerade am
Wochenende die Berliner WASG einen «großen neuen
Stolperstein» in den Weg gelegt.
Deren Landesparteitag hatte das angepeilte Kooperationsabkommen
für eine Verschmelzung auf Bundesebene als «von oben
gesteuert» abgelehnt und beschlossen, schon im Februar in einer
Urabstimmung über ein gemeinsames Antreten mit der Linkspartei bei
den Berliner Abgeordnetenhauswahlen im September zu entscheiden.
Der WASG-Bundesvorstand kritisierte das Vorgehen scharf, erklärte
aber, er sehe dadurch den Parteibildungsprozess nicht gefährdet.
Die bevorstehenden Landtagswahlkämpfe würden erschwert und
die Zeit für die notwendigen Diskussionen ohne Not verkürzt.
So solle die Bundespartei vor vollendete Tatsachen gestellt werden:
«Dies halten wir angesichts der Tragweite einer solchen
Entscheidung für nicht akzeptabel.» Der Bundesvorstand werde
in den nächsten Wochen über Konsequenzen beraten und mit dem
Landesvorstand Gespräche führen.
Das Problem der WASG sei «bedrohlich», sagte Bisky.
«Es könnte eine selbstständige, vom Bundesprozess
losgelöste Situation in Berlin geben.» Gleichzeitig betonte
er die gute Zusammenarbeit mit dem WASG-Bundesvorstand und den Willen,
über eine Kooperation ins Gespräch zu kommen, «damit
das Projekt nicht vorzeitig in Berlin endet». Er zeigte sich
zuversichtlich, dass das Problem gelöst werden könne.
Das Vorziehen des für Oktober 2006 geplanten Parteitags wollen
Linkspartei-Vorstand und Landesvorsitzende gemeinsam auf dem
bevorstehenden Bundesparteitag am 10. und 11. Dezember in Dresden
vorschlagen. Das nächste Treffen soll demnach am 28. und 29. April
in Halle an der Saale stattfinden.
Dabei will sich auch Bisky nach eigenen Worten selbst in die Pflicht
nehmen und Parteivorsitzender bleiben, bis die Fusion geschafft sei.
Der 64-Jährige, der schon 2003 für das Parteiamt
überredet werden musste, machte kein Hehl daraus, dass er sich
auch ein Leben ohne Parteivorsitz vorstellen könne. «Aber:
Man schmeißt nicht hin», sagte er.
Gewissermaßen habe er ja auch im Bundestag den Auftrag bekommen,
sich mit ganzer Kraft der Partei zu widmen, sagte Bisky ironisch. Bei
der Wahl zum Vizepräsidenten des Parlaments hatten die
Abgeordneten ihn vier Mal durchfallen lassen, unter anderem mit der
Begründung, der Parteivorsitz vertrage sich nicht mit dem
Spitzenamt im Bundestag.
(Quelle: ap)
Linkspartei:
http://www.sozialisten.de/
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG):
http://www.w-asg.de/
Regierungspläne verderben Konsumenten im Westen Stimmung
Di.29.11.05 - Die von der großen Koalition beschlossene
Mehrwertsteuererhöhung hat den Verbrauchern im Westen Deutschlands
die Stimmung verdorben.
Das von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) monatlich
ermittelte Verbrauchervertrauen sank auf 3,1 von 3,3 Punkten, wie die
GfK am Montag mitteilte. Während sich die Erwartungen der rund 2000
Befragten an ihre Einkommen und die Konjunktur eintrübten,
vergrößerte sich ihre Neigung zur Anschaffung langlebiger
Güter etwas. Anders als im Westen hellten sich die Konjunktur- und
Einkommenserwartungen im Osten etwas auf, wenn auch auf sehr niedrigem
Niveau. Das Weihnachtsgeschäft sollte der GfK zufolge etwas besser
laufen als im vergangenen Jahr.
Die Mehrwertsteuererhöhung zum Januar 2007 um drei auf 19 Punkte,
die Kürzung der Pendlerpauschale und die Streichung der
Eigenheimzulage hätten den Konsumenten auf den Magen geschlagen,
sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst im Interview mit "Reuters-TV". Bei
den Ostdeutschen habe dagegen die Erleichterung überwogen, dass
nicht so viele Einschnitte gekommen seien wie befürchtet. Die
Menschen mit tendenziell höherem Einkommen im Westen hätten
enttäuschter auf die Koalitionsverhandlungen reagiert: "Die sehen,
dass weniger im Geldsäckel übrig bleiben wird."
Der GfK zufolge gab der Teilindikator Konjunkturerwartung auf minus 8,6
von plus 1,4 Zählern nach, der zu den persönlichen
Einkommenserwartungen auf minus 12,9 von minus 5,1 Punkten. Die
Anschaffungsneigung stieg auf minus 8,1 von minus 10,2 Punkten.
Der Anstieg des wichtigsten Indikators Anschaffungsneigung lässt
auch nach Meinung von Bankenvolkswirten Hoffnung auf ein vergleichbares
Weihnachtsgeschäft wie 2004 aufkommen. Die GfK warnte aber, die
Lage der Branche werde angespannt bleiben. Wirklich mehr konsumieren
würden die Bürger erst, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt
merklich bessere. Gerd Haßel von der BHF-Bank sagte, das
Konsumklima breche zwar nicht ein: "Wegen der Belastungen durch die
Politik, den hohen Ölpreis und den Arbeitsmarkt ist aber nicht zu
erwarten, dass die Konsumenten in die Geschäfte stürmen und
Geld ausgeben, das sie nicht haben."
Wübbenhorst wertete positiv, dass die Unsicherheit über die
Regierungsbildung nun abgeschlossen sei - die Angst weiche der Klarheit.
Wichtig sei jetzt, dass die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages
schrittweise umgesetzt würden und es keine neuen Grausamkeiten
gebe. Carsten Klude von MM Warburg sagte, wegen der
Mehrwertsteuererhöhung würden die Konsumenten wohl im
kommenden Jahr größere Anschaffungen vorziehen: "Das sind
aber nur Strohfeuer." Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim mahnte: "Der
Konsum bleibt in den nächsten Monaten das Sorgenkind."
Besonders pessimistisch sind der GfK zufolge weiter Menschen mit
niedrigem Einkommen und Ruheständler, die sich auf weitere
Renten-Nullrunden einstellen müssen. Die Anschaffungsneigung
verbesserte sich am stärksten in den gehobenen sozialen Schichten,
allerdings trübten sich dort die Einkommenerwartungen sehr deutlich
zum Vormonat ein.
(Quelle: rtr)
IG Metall: Kein Mehrwertsteuer-Aufschlag bei Lohnforderung 2006
Di.29.11.05 - Die Gewerkschaft IG Metall will in ihrer Lohnforderung für die
Tarifrunde 2006 keinen Aufschlag für die geplante Anhebung der
Mehrwertsteuer erheben.
"Die Steuererhöhung kommt erst 2007, unsere Forderungen beziehen
sich aber auf die nächsten zwölf Monate", sagte der
stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber dem "Handelsblatt"
(Montagausgabe). Eine Mehrwertsteuererhöhung werde Lohnforderungen
erst dann beeinflussen, wenn die Inflationsrate steige - "aber nicht
vorauseilend, sondern nur wenn sich die Daten tatsächlich
verändern", sagte Huber.
Die Bundesregierung will die Mehrwertsteuer ab 2007 von derzeit 16 auf
dann 19 Prozent anheben.
Huber hatte vor einigen Tagen eine spürbare Erhöhung der
Löhne in der kommenden Tarifrunde gefordert, ohne eine konkrete
Zahl zu nennen. IG Metall-Chef Jürgen Peters hatte gesagt, eine
Erhöhung der Mehrwertsteuer werde den Druck erhöhen, einen
Teil der Preissteigerungen über die Löhne wieder herein zu
holen. Der Tarifvertrag in der Metallindustrie läuft Anfang 2006
aus. Die IG Metall wird ihre Lohnforderung für die kommende
Tarifrunde voraussichtlich im Dezember aufstellen. Einzelne Bezirkschefs
hatten zuvor eine Tarifforderung von vier Prozent genannt.
Die Arbeitgeber warnten unterdessen vor zu hohen Lohnforderungen in der
kommenden Tarifrunde. Die Gewerkschaftsvertreter müssten bei ihren
Einkommensvorstellungen die Kirche im Dorf lassen, sagte
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegießer der Chemnitzer "Freien
Presse". "Sonst finden die Messen künftig woanders statt." Zahlen
über etwaige Lohnanhebungen habe Kannegießer nicht nennen
wollen, berichtete das Blatt. Er sprach sich aber gegen einen
Lohnausgleich für die geplante Anhebung der Mehrwertsteuer aus. Es
sei von jeher Konsens der Arbeitgeber und Gewerkschaften gewesen,
politisch bedingte Senkungen und Erhöhungen von Steuern und Abgaben
nicht durch Tarifpolitik auszugleichen.
(Quelle: rtr)
Ärzte der Berliner Charité streiken eine Woche lang
Di.29.11.05 - Hunderte Ärzte der Berliner Charité sind in einen
mehrtägigen Streik getreten. Sie folgten damit einem Aufruf der
Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Die Mediziner fordern den
zügigen Abschluss eines Haustarifvertrages, 30 Prozent mehr Gehalt
und die Vergütung aller Arbeitsleistungen einschließlich der
Überstunden. Nach Angaben der Ärzteinitiative der
Charité werden an Europas größter
Universitätsklinik monatlich rund 85.000 unbezahlte
Überstunden geleistet.
Am ersten Streiktag waren eine Demonstration zum Roten Rathaus, eine
Lichterkette um das Klinikgelände und weitere zentrale Aktionen
geplant. Der Streik soll bis Freitag andauern. Laut Marburger Bund
werden sich rund 70 Prozent aller Charité-Ärzte an dem
Ausstand beteiligen. Die Notfallversorgung für Patienten soll in
dieser Zeit gesichert werden. Geplante Aufnahmen sollten jedoch, sofern
sie vertretbar sind, verschoben werden.
Auslöser für die Ärztestreiks ist das Scheitern der
Tarifverhandlungen für die rund 2200 Mediziner und Wissenschaftler
der Charité. Der Marburger Bund hatte die Verhandlungen
abgebrochen, weil das Arbeitgeberangebot aus Sicht der Gewerkschaft zu
einer deutlichen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt
hätte.
(Quelle: afp)
Protest gegen 'Kahlschlag' im Nahverkehr
Di.29.11.05 - Eine Unterschriftensammlung bei den Fahrgästen und politischer
Druck sollen die geplanten Kürzungen der Bundeszuschüsse
für den Nahverkehr verhindern. Die Gewerkschaft Transnet
kündigte am Montag den Start ihrer Unterschriftenaktion noch
für diese Woche an. Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte, die
Bundesregierung gefährde den Bestand des Schienennetzes. Die
Allianz pro Schiene forderte von Kanzlerin Angela Merkel «ein
klärendes Machtwort» bei der Kabinettssitzung am (morgigen)
Dienstag.
Transnet-Vorstandsmitglied Karl-Heinz Zimmermann erklärte, die
Gewerkschaft werde die angedachten Kürzungen der so genannten
Regionalisierungsmittel bis 2009 um über 3,1 Milliarden Euro nicht
hinnehmen. Sie werde die Länder auffordern, das Vorhaben im
Bundesrat zu blockieren, und auch auf Bundesebene Verhandlungen
führen. Transnet-Vorsitzender Norbert Hansen treffe am Dienstag den
neuen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Es gelte zu verhindern,
«dass mit diesem Kahlschlag ganze Zugverbindungen und viele
Arbeitsplätze gestrichen werden». Nach Einschätzung von
Transnet wären rund 8.500 Arbeitsplätze akut gefährdet,
besonders in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.
Dagegen würden bei der Kampagne «Zug um Zug»
bundesweit bei den Fahrgästen und auf der Internet-Seite der
Gewerkschaft Unterschriften gesammelt. Geplant seien auch
Betriebsversammlungen, möglicherweise bundesweit an einem Tag, oder
eine Vollversammlung von Betriebsräten an einem zentralen Ort.
Zimmermann schloss nicht aus, dass dann auch einzelne Züge
ausfallen. Das Vorhaben der großen Koalition sei verkehrspolitisch
kontraproduktiv, ökologisch unsinnig und
beschäftigungspolitisch fatal, kritisierte der Gewerkschafter.
Scharfe Kritik kam auch von der Allianz pro Schiene.
Geschäftsführer Dirk Flege forderte, Bundeskanzlerin Merkel
müsse im Kabinett «Farbe bekennen». Bisher habe es von
den verantwortlichen Ministern und den Parteichefs nur indirekte
Beschwichtigungen gegeben. Millionen Pendler und Hunderte von
Verkehrsunternehmen seien aber zutiefst verunsichert. «Das
Schreckgespenst der Nahverkehrskürzungen und Angebotsreduzierungen
im Jahr der Fußballweltmeisterschaft muss vom Tisch»,
forderte Flege.
Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte den Widerstand aus der
SPD gegen die Kürzungsüberlegungen. Der verkehrspolitische
Fraktionssprecher Uwe Beckmeyer hatte die Pläne als abwegig
bezeichnet. Der Rechtsreferent des Verbandes, Rainer Engel, warf der
Bundesregierung vor, sie gefährde Bestand und Qualität des
Schienennetzes. Dorthin fließe die Hälfte der Bundesmittel:
«Und beim Schienennetz kann keine Schwelle, keine Weiche und kein
Stellwerk allein dadurch eingespart werden, dass weniger Züge
darüber fahren.» Schon jetzt werde das Schienennetz aus
Geldmangel nur noch unzureichend unterhalten.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.transnet.org/
http://www.pro-bahn.de/
http://www.allianz-pro-schiene.de/
Greenpeace: Obst bei Lidl und Real stark belastet
Di.29.11.05 - Obst und Gemüse beim Discounter Lidl sowie bei der Metro-Kette
Real sind einer Greenpeace-Studie zufolge bundesweit am stärksten
mit giftigen Pestiziden belastet. Hingegen habe die Frischware des
Discounters Aldi in Deutschland am besten abgeschnitten, teilte die
Umweltschutzorganisation in Hamburg mit. Im Rahmen einer bislang
einzigartigen Großstudie hatten Tester im September 658 Obst- und
Gemüseproben der führenden Supermarktketten in Deutschland,
Österreich und der Schweiz gekauft und auf 300 Giftstoffe
untersucht.
Mit keinem einzigen der untersuchten Produkte war Greenpeace richtig
zufrieden: "Befriedigend war keines der Angebote im Test", bilanzierte
ein Greenpeace-Experte. Obst und Gemüse seien immer stärker
mit Pestiziden belastet.
Testsieger noch vor Aldi ist laut Greenpeace der österreichische
Marktführer Billa (Rewe Österreich), dessen Obst und
Gemüse am wenigsten belastet sei. Im Mittelfeld landeten
Edeka/Spar, Tengelmann, Rewe und der Regionalanbieter tegut.
Nach Angaben von Greenpeace wurden in 100 Fällen, also bei 15
Prozent der Proben, die gesetzlichen Höchstmengen an Pestiziden
erreicht oder gar überschritten. 16 Proben hätten
Extrembelastungen aufgewiesen, die für Kleinkinder akut
gesundheitsgefährdend seien - vor allem Tafeltrauben seien
betroffen gewesen. Bei 27 von 112 untersuchten deutschen
Gemüseproben bestehe der Verdacht, dass illegale Pestizide
eingesetzt wurden. In all diesen Fällen erstattete Greenpeace
Anzeige bei Behörden und Staatsanwaltschaften.
Pestizide können nach Angaben von Umweltmedizinern den
Hormonhaushalt und das Immunsystem beeinträchtigen, Krebs
auslösen und das Nervensystem schädigen. Vor allem Kinder
sind gefährdet. Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter empfahl
den Verbrauchern daher, unbedingt darauf zu achten, wo sie einkaufen.
"Die Qualitätsunterschiede sind sehr groß." Überrascht
seien die Tester über das vergleichsweise gute Abschneiden des
Discounters Aldi gewesen, sagte Krautter. Uneingeschränkt
empfehlenswert sei aber nur Bio-Ware.
Bei dem Test wurden bei allen Handelsketten deutschlandweit acht
identische Produktgruppen aus konventionellem Anbau untersucht: Birnen,
Tafeltrauben, Pfirsiche/Nektarinen, Tomaten, Gurken, Paprika, Karotten
und Kopfsalat. Die getesteten Supermarktketten decken laut Greenpeace
über drei Viertel des deutschen Lebensmittelmarktes ab.
(Quelle: afp)