Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens 30 Tote bei Selbstmordanschlag auf Bus in Bagdad. Kidnapper
der vier Friedensaktivisten verlängern Ultimatum. Im
Entführungsfall der Deutschen Susanne Osthoff gibt es weiter keine
neue Entwicklung. Erdogan: USA machten Irak zu
Islamisten-Brutstätte. Irak unzufrieden mit Ausbildung von
Polizisten durch deutsche Experten
Fr.09.12.05 - Eine Woche vor der Parlamentswahl im Irak sind bei einem
Selbstmordanschlag in Bagdad mindestens 30 Menschen getötet und
etwa 40 verletzt worden. Der Täter zündete den Sprengsatz am
Donnerstag in einem Bus, der in den schiitischen Südirak fahren
wollte. Die Schiiten stellen die Bevölkerungsmehrheit im Irak und
sind nach dem Sturz des Sunniten Saddam Hussein erstmals in der
Geschichte des Landes maßgeblich an der Regierung beteiligt.
Der Selbstmordattentäter saß nach Polizeiangaben in einem
Auto und sprang in letzter Minute auf den schon anfahrenden Bus auf. Auf
diese Weise umging er die Sicherheitskontrollen. Dann zündete er
den Sprengsatz an seinem Körper. Der Bus ging sofort in Flammen
auf. Den Einsatzkräften bot sich ein schreckliches Bild. Die
verkohlten Leichen der Fahrgäste saßen auf ihren
Plätzen, die Gesichter den zerbrochenen Fensterscheiben zugewandt.
«Der Busfahrer wollte den Mann aufhalten, aber er beharrte darauf
mitzufahren», sagte der Polizeibeamte Wisam Hakim. «Er
setzte sich in die Mitte des Busses und dann kam es zur Explosion.»
Der Busbahnhof war bereits im August Schauplatz eines dreifachen
Autobombenanschlags, bei dem 43 Menschen getötet wurden. Erst am
Dienstag waren bei einem Anschlag auf eine Polzeischule in Bagdad 43
Beamte und Kadetten getötet worden.
Die Entführer der vier im Irak verschleppten Friedensaktivisten
aus Kanada, Großbritannien und den USA haben ihr Ultimatum zur
Tötung ihrer Geiseln verlängert. Wie der arabische
Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, gaben sie den Regierungen in
London, Washington und Ottawa bis kommenden Samstag Zeit, ihre
Forderungen zu erfüllen.
Ursprünglich hatten sie damit gedroht, die vier Friedensaktivisten
am heutigen Donnerstag zu töten, sollten die ausländischen
Soldaten nicht aus dem Irak abgezogen und alle irakischen Gefangenen
freigelassen werden.
Im Entführungsfall der Deutschen Susanne Osthoff und ihres Fahrers
im Irak gibt es weiter keine neue Entwicklung. Der Krisenstab des
Auswärtigen Amtes arbeite rund um die Uhr, sagte eine
Ministeriumssprecherin am Donnerstag in Berlin. Die Bemühungen
würden unvermindert und intensiv fortgesetzt. Die 43-jährige
Osthoff war vor 13 Tagen, am 25. November, bei einer Überlandfahrt
von Bagdad nach Arbil im Nordirak von Unbekannten verschleppt worden.
Die Entführer fordern von der Bundesregierung, die Zusammenarbeit
mit Irak einzustellen.
Am Mittwoch hatte sich auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) in einem vom arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira
ausgestrahlten Appell an die Entführer gewandt und die Freilassung
der beiden Geiseln gefordert. Dabei verwies er auf das engagierte
Eintreten Osthoffs für die Menschen im Irak. «Erkennen Sie
dies an und erweisen Sie Ihrerseits Menschlichkeit und Respekt vor ihrem
Leben.»
Der britische Außenminister Jack Straw zeigte sich in der Nacht
zum Donnerstag überrascht von der Verlängerung des Ultimatums
für die vier Friedensaktivisten. Allerdings stellte er klar, dass
die britischen Regierung nicht gewillt ist, auf die Forderungen der
Entführer einzugehen. «Unsere grundsätzliche Haltung
gegenüber Kidnappern wurde bereits sehr deutlich gemacht»,
sagte Straw.
Erneut forderte Straw die unverzügliche Freilassung der britischen
Geisel Norman Kember und seiner Mitgefangenen. Mit dem 74-jährigem
Kember waren vor eineinhalb Wochen - einen Tag nach der Entführung
der deutschen Archäologin Osthoff - auch die beiden Kanadier
Harmeet Singh Sooden (32) und James Loney (41) sowie der Amerikaner Tom
Fox (54) entführt worden.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den
USA vorgeworfen, durch ihren Einmarsch im Irak das Land zu einer
Ausbildungsstätte für militante Islamisten gemacht zu haben.
Ein Militäreinsatz sei kein effektiver Weg, Extremisten zu
bekämpfen, sagte Erdogan bei einem Besuch in Australien. Die USA
gäben im Rahmen des Verteidigungshaushaltes jedes Jahr riesige
Summen aus, jedoch nur einen Bruchteil, um die Wurzeln des Extremismus
wie Armut, Ignoranz und religiöse Intoleranz zu bekämpfen.
"Wir müssen sicherstellen, dass wir den Terrorismus-Sumpf
trockenlegen, und um das zu erreichen, müssen wir
Geheimdienstinformationen austauschen", sagte Erdogan. Der Besuch
Erdogans ist der erste eines türkischen Ministerpräsidenten in
Australien. Erdogan wird sich dort noch bis Sonntag aufhalten.
Der irakische Innenminister Bajan Baker Sulagh hat sich unzufrieden
über die Ausbildung irakischer Polizisten durch deutsche Experten
geäußert. Die Regierung sei "nicht überzeugt vom Niveau
der Ausbildung", auch wegen der "wenig seriösen Art" der Deutschen,
sagte Sulagh am Dienstag laut der amtlichen Nachrichtenagentur Wam in
Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Dort
bilden deutsche Experten irakische Sicherheitskräfte aus.
Der Minister fügte hinzu, er habe den deutschen Botschafter in den
Emiraten getroffen. Dieser habe sich beschwert, dass der Irak keine
Männer mehr zu den Ausbildungsprogrammen schicke. Er habe dem
Diplomaten geantwortet, dass sein Land "seriösere und effizientere"
Ausbildungsprogramme suche, sagte Sulagh.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 09.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertvierundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.09.12.04 - Irakischer Präsident Jawar und jordanischer König Abdullah II
werfen Iran Beeinflussung der Irak-Wahlen vor. Jawar bezichtigt
außerdem Syrien der Unterstützung von irakischen Rebellen.
US-Geheimdienst: Ehemalige Baath-Mitglieder lenken Aufständische
im Irak +++ Mindestens sechs Tote bei Gewalt in Samarra +++
Neuer NATO-Streit um Engagement der Allianz im Irak bahnt sich an. In
der Kritik stehen Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien und
Griechenland. Diese Länder weigern sich, auch bei der NATO
stationierte eigene Offiziere an der Irak-Mission teilnehmen zu
lassen +++ Britischer Premier Blair lehnt unabhängige
Untersuchung zu getöteten Zivilisten im Irak ab +++ Pentagon
verhängt Disziplinarstrafen wegen Gefangenenmisshandlung +++
Zurück von der Front, schildern zunehmend mehr US-Soldaten
Kriegsverbrechen im Irak. Erschießung verletzter Iraker bezeugt.
Zahl der Deserteure wächst...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412090.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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UN-Menschenrechtskommissarin warnt vor Aufweichung des Folterverbots
Fr.09.12.05 - UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour hat vor einer Aufweichung
des Folterverbots gewarnt. Arbour zeigte sich am Mittwoch besorgt, dass
das Folterverbot dem US-geführten Kampf gegen den Terrorismus
geopfert werden könnte. Das Streben nach Sicherheit um jeden Preis
führe in eine Welt, die weder sicherer noch freier sei. "Das ist
sicher dann der Fall, wenn es nur noch die Wahl zwischen Terroristen und
Folterern gibt", sagte Arbour in New York.
(Quelle: afp)
Islamische Welt beschließt Maßnahmen gegen Terror
Auf Gipfel in Mekka - 'Der Islam ist die Religion der Toleranz'
Fr.09.12.05 - Die Führer von mehr als 50 muslimischen Staaten haben sich auf
einem Anti-Terror-Gipfel in Mekka zum Kampf gegen extremistische
Ideologien bekannt. Könige, Staatsoberhäupter und Minister
versprachen in der Abschlusserklärung der zweitägigen
Konferenz, extremistische Passagen aus Schulbüchern zu tilgen, die
Terrorfinanzierung trocken zu legen und gegen menschenverachtende
religiöse Erlasse (Fatwas) vorzugehen.
«Die Nation des Islams ist in einer Krise. Die Krise betrifft
Gegenwart und Zukunft; die Zukunft der gesamten Menschheit»,
heißt es in dem als «Erklärung von Mekka»
bezeichneten Abschlussdokument der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC). «Wir müssen entschlossen gegen abweichende
Ideologien vorgehen, die den Terror rechtfertigen. Wir sind
entschlossen, den Terrorismus in all seinen Formen zu
bekämpfen.» Der Islam sei die Religion der Vielfalt und
Toleranz.
Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al Faisal nannte die
Entschließungen «unumkehrbar» und betonte, die
Unterzeichnerstaaten müssten diese nun umsetzen. «Nun ist es
Aufgabe jeder muslimischen Regierung, die Maßnahmen, so Gott
will, anzuwenden.» König Abdullah II. rief zu einer
religiösen Mäßigung auf: «Die Einheit des Islams
kann nicht durch Blutvergießen hergestellt werden, wie es
Abweichler in ihren dunklen Ideen verbreiten.»
Die Konferenz in der heiligsten Stadt der Muslime wurde
zusammengerufen, weil viele der Regierungen inzwischen selbst mit
Terrorismus konfrontiert sind. Überdies wird ihnen vor allem von
westlichen Regierungen immer wieder vorgeworfen, Extremisten und
Terroristen zu dulden.
(Quelle: ap)
Zwölf Tote bei Anschlag auf pakistanischem Markt
Fr.09.12.05 - Bei einem Bombenanschlag auf einem Markt in Pakistan sind zwölf
Menschen getötet worden. Mehr als 40 Menschen seien bei der
Explosion in der Stadt Jandola nahe der Grenze zu Afghanistan verletzt
worden, teilten die Behörden mit. Der Sprengsatz explodierte in
einem Restaurant auf dem Basar und zerstörte auch umliegende
Geschäfte. In der Region im Süden Pakistans wurden auch die
Leichen zweier pakistanischer Soldaten gefunden. In der vergangenen
Woche war dort ein ranghoher Führer der Terrororganisation El
Kaida, Hamsa Rabia, getötet worden.
In der Stadt Jandola in der Unruheregion Süd-Waziristan ist die
Präsenz der Sicherheitskräfte sehr hoch. Pakistan hatte nach
dem US-Einmarsch in Afghanistan 2001 dort tausende Soldaten stationiert,
um zu verhindern, dass fundamentalistische Kämpfer über die
Grenze ins Land kommen. Die Einrichtungen von Regierung und Armee
werden dennoch regelmäßig von Extremisten angegriffen.
Wie ein Militärvertreter mitteilte, wurden die enthaupteten
Leichen zweier pakistanischer Soldaten gefunden. Sie waren am Dienstag
gemeinsam mit zwei weiteren Soldaten in der Stadt Wana, der Hauptort
Süd-Waziristans, verschwunden. Augenzeugenberichten zufolge waren
sie von Unbekannten in einen Wagen gezerrt worden.
(Quelle: afp)
NATO beschließt Ausweitung ihres Einsatzes in Afghanistan
Engere Zusammenarbeit zwischen ISAF und den US-Truppen geplant
Fr.09.12.05 - Die NATO-Außenminister haben beschlossen, das Einsatzgebiet der
von der NATO geführten internationalen Schutztruppe ISAF auf den
Süden des Landes auszuweiten. Dazu soll das Truppenkontingent von
derzeit 9.000 um weitere 6.000 Soldaten aufgestockt werden.
Der Einsatz im Süden Afghanistans soll im Frühjahr 2006
beginnen. Großbritannien plant den Aufbau eines Hauptquartiers in
Kandahar. Weitere Truppen wollen die Niederlande, Kanada und die USA
stellen. Neben der Hauptstadt Kabul ist die NATO derzeit schon im
Norden, wo die Bundeswehr Truppen stellt, und im Westen des Landes
aktiv. Mit der Ausweitung auf den Süden soll die Offensive der
US-Streitkräfte zur Bekämpfung von Al-Kaida-Mitgliedern und
Taliban entlastet werden.
Geplant ist zudem eine engere Zusammenarbeit zwischen ISAF und den
US-Truppen mit einer Stärke von 19.000 Mann. Dazu soll ein Offizier
ernannt werden, der beiden Einheiten vorsteht. Vor allem Frankreich und
Deutschland hatten Bedenken gegen die geplante Zusammenlegung der
Truppen. Befürchtet wurde, dass NATO-Soldaten direkt in den Kampf
gegen die Taliban und El Kaida beteiligt werden werden könnten.
Weitere Themen der Minister sind die NATO-Einsätze im Irak, auf
dem Balkan, in Darfur und in Pakistan. Zudem sollen zwei Gipfeltreffen
im November 2006 und 2008 vorbereitet werden. Am Nachmittag wollten die
Minister zudem mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow und im
Anschluss mit dem ukrainischen Ressortchef Boris Tarasjuk zusammenkommen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Zwei Tote bei israelischem Luftangriff im Gazastreifen. Israel setzt
Gespräche über Einrichtung eines Korridors für
palästinensischen Pendelverkehr zwischen Gazastreifen und
Westjordanland aus
Fr.09.12.05 - Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind am Donnerstag
zwei Palästinenser getötet und sechs weitere verletzt worden.
Der Luftangriff richtete sich nach Augenzeugenberichten gegen drei
Mitglieder der militanten Al-Aksa-Brigaden, die nahe der Ortschaft
Dschebalija zusammenstanden. Unter den Verletzten ist auch ein elf
Jahre altes Kind, wie palästinensische Ärzte mitteilten. Erst
am Mittwoch war ein militanter Palästinenser bei einem Luftangriff
getötet worden.
Im Westjordanland wurde fast zur gleichen Zeit ein Israeli erstochen.
Der Angreifer, ein Palästinenser, sei in der Nähe der
Ortschaft Kalandija bei Ramallah festgenommen worden, berichtete der
israelische Rundfunk.
Israel setzte unterdessen die Gespräche über die Einrichtung
eines Korridors für einen palästinensischen Pendelverkehr
zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland aus. Damit scheint der
Termin für die Öffnung des Korridors am 15. Dezember
gefährdet. Nach dem Selbstmordanschlag in Netanja vom Montag sei
es zu riskant, Palästinensern einen Transitverkehr quer durch
Israel zu ermöglichen, erklärte ein Sprecher des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon.
Die Öffnung des Korridors am kommenden Donnerstag war Teil eines
Abkommens, das US-Außenministerin Condoleezza Rice im November
ausgehandelt hatte. Der palästinensische Chefunterhändler
Sajeb Erakat erklärte, die Aussetzung der Verhandlungen eine Woche
vor dem vereinbarten Termin sei ein «schamloser
Verstoß» gegen diese Vereinbarung.
Scharons Sprecher Raanan Gissin erklärte dagegen: «Sicherer
Korridor bedeutet, dass es für beide Seiten sicher sein
muss.» Israel befürchte, dass militante Palästinenser
die Verkehrsverbindung für Anschläge missbrauchen
könnten. Bedingung für eine Wiederaufnahme der Gespräche
sei daher, dass die palästinensische Autonomiebehörde
schärfer gegen militante Gruppen vorgehe, besonders den
Islamischen Dschihad. Dieser hatte sich zu dem Anschlag in Netanja
bekannt, bei dem neben dem Attentäter fünf Israelis ums Leben
kamen.
Israel hatte nach dem Anschlag Vergeltungsmaßnahmen
angekündigt. Im Westjordanland nahmen Soldaten in der Nacht zum
Donnerstag 23 gesuchte Palästinenser fest. Allein in Beit Lahija
bei Ramallah wurden nach Angaben eines Militärsprechers 20
mutmaßliche Hamas-Mitglieder verhaftet.
(Quelle: ap)
Neues Rot-Kreuz-Symbol macht Weg für Israels Aufnahme frei
Fr.09.12.05 - Mit der Anerkennung eines zusätzlichen Symbols haben die 192
Rot-Kreuz-Mitgliedstaaten in der Nacht zum Donnerstag in Genf
endgültig den Weg für die Aufnahme Israels in die
internationale Rot-Kreuz-Bewegung geebnet. Die Unterzeichnerstaaten der
Genfer Konventionen billigten mehrheitlich das Symbol «Roter
Kristall», unter dem künftig der israelische Rettungsdienst
Magen David Adom (Roter Schild Davids) international anerkannt ist.
Bislang war Israel nicht aufgenommen worden, weil es für sich das
Rote Kreuz der christlichen und den Roten Halbmond der muslimischen
Länder nicht akzeptieren wollte. Das neue Symbol sollte frei von
jeder religiösen, nationalen und kulturellen Assoziation sein. Auch
andere Staaten sollen künftig die Wahl unter den drei Emblemen
haben. Innerhalb Israels sind Krankenwagen und medizinisches Personal
mit einem roten Davidstern gekennzeichnet.
(Quelle: ap)
Irans Präsident für Juden-Staat auf deutschem Boden
Leugnet Ausmaß der Judenverfolgung während der Nazizeit
Fr.09.12.05 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich für
die Schaffung eines jüdischen Staates auf deutschem und
österreichischem Boden ausgesprochen. Zugleich leugnete er am
Donnerstag nach iranischen Medienberichten vor Journalisten in der
saudischen Pilgerstadt Mekka das Ausmaß der Judenverfolgung
während der Nazizeit.
Die US-Regierung kritisierte die Äußerungen als
«himmelschreiend und verwerflich», Israel nannte sie
«ungeheuerlich». Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und
Frankreichs Präsident Jacques Chirac wiesen sie in Berlin als
«vollkommen inakzeptabel» zurück.
Als Bundeskanzlerin weise sie die Äußerungen «mit
aller Schärfe» zurück, sagte Merkel. «Ich bin
sicher, dass die Mehrzahl der internationalen Staatengemeinschaft sehr
ähnlich denkt.» In Washington sagte Außenamtssprecher
Adam Ereli, die Äußerungen nährten «ganz gewiss
nicht die Hoffnung der internationalen Staatengemeinschaft, dass die
iranische Regierung sich als verantwortungsbewusstes Mitglied eben
dieser Gemeinschaft betätigen will».
Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte, es sei
«nicht das erste Mal, dass wir den iranischen Präsidenten
eine ungeheuerliche Sprache über Juden und Israel benutzen
hören». Mit Blick darauf, dass die UN-Vollversammlung erst
jüngst die Leugnung des Holocausts in jeder Form verurteilt habe,
habe Ahmadinedschad mit seinen Äußerungen demonstriert, dass
er «außerhalb der international anerkannten Normen und
Verhaltensweisen» stehe.
Ahmadinedschad sagte nach Angaben der amtlichen iranischen
Nachrichtenagentur IRNA: «Manche der europäischen Staaten
bestehen darauf, dass Hitler Millionen von unschuldigen Juden ermordet
hat. Jeder, der das sogar mit konkreten Beweisen bezweifelt, wird
entweder verurteilt oder landet im Gefängnis. Wir erkennen diese
Behauptungen (Holocaust) nicht an, aber auch falls es wahr sein sollte,
stellen wir den Europäern die folgende Frage: Ist die Ermordung
von unschuldigen Juden Grund genug, um Besatzer in Jerusalem zu
unterstützen? Falls die Europäer es ehrlich meinen, sollten
sie den Zionisten in einigen ihrer Länder, wie z. B. Deutschland
oder Österreich, einen Platz geben. Die Zionisten könnten
dann ihren eigenen Staat gründen. Ihr (Europäer) bietet
(Israel) einen Teil Europas an und wir würden (die Initiative)
unterstützen.»
Wenn sich die Europäer so sehr um Israel sorgten, sollten sie den
jüdischen Staat nach Europa transferieren. Eine solche Verlagerung
werde die Unterstützung der islamischen Welt finden, meinte
Ahmadinedschad, der sich zu einem Gipfeltreffen islamischer Länder
in Saudi-Arabien aufhielt. Auch wenn er nicht an das Ausmaß der
Judenverfolgung glaube, könne er die Tötung von Juden
während des Zweiten Weltkrieges niemals als Rechtfertigung der
israelischen Hegemonialpolitik durch die Europäer akzeptieren.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich in
Brüssel empört über Ahmadinedschads Bemerkungen.
«Ich glaube, das zeigt, mit wie wenig Ernsthaftigkeit oder mit
wie viel Zynismus die gegenwärtige Situation von der dortigen
Regierung (Irans) beurteilt wird.» Zugleich versicherte er, die
Gespräche der EU mit Iran über eine Garantie Teherans, wonach
Iran keine Atomwaffen bauen wolle, sollten fortgesetzt werden.
(Quelle: dpa)
Regierungspartei erzielt bei Wahlen in Ägypten klare Mehrheit
Fr.09.12.05 - Bei den Parlamentswahlen in Ägypten hat die regierende Partei von
Präsident Husni Mubarak eine klare Mehrheit erzielt.
Nach offiziellen Angaben vom Donnerstag gewann die
Nationaldemokratische Partei (NDP) in der Schlussrunde der Wahl am
Mittwoch 102 Mandate dazu und sicherte sich damit mehr als 70 Prozent
der Sitze. Eigenen Angaben zufolge errang die Moslembruderschaft am
Mittwoch elf weitere Mandate. Mit insgesamt 87 der 444 gewählten
Abgeordneten hat sie ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Wahl erzielt.
Da die Partei von der Wahl ausgeschlossen war, hatte sie ihre Vertreter
als unabhängige Kandidaten in das Rennen geschickt.
Die Wahlen, die am 09. November begonnen hatten, waren von Unruhen
begleitet worden, bei denen nach Angaben der Ägyptischen
Organisation für Menschenrechte (EOHR) acht Menschen starben. Sie
seien bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften ums
Leben gekommen, die in mehreren Wahllokale versucht hatten, Wähler
von ihrer Stimmabgabe abzuhalten, teilte die EOHR mit.
(Quelle: rtr)
UNO lehnt Abzug von Friedenstruppen aus Eritrea ab
Fr.09.12.05 - Der UN-Sicherheitsrat hat einen Abzug von Friedenstruppen aus Eritrea
abgelehnt. Die Forderung der Regierung in Asmara, alle kanadischen,
amerikanischen und europäischen Mitarbeiter der UN-Mission
müssten sich binnen zehn Tagen aus dem Grenzgebiet zu
Äthiopien zurückziehen, sei "inakzeptabel", erklärte der
Sicherheitsrat am Mittwoch in New York. Eritrea müsse seine
Forderung "ohne Vorbedingungen" zurücknehmen, fügte der
britische UN-Botschafter Emyr Jones Parry als amtierender
Ratspräsident hinzu. Nach Angaben von Diplomaten wären von der
Forderung Asmaras nach Ausweisung mindestens hundert Mitarbeiter der
UN-Mission UNMEE betroffen.
(Quelle: afp)
NGOs: Menschenrechtslage in Brasilien verschlechtert
Fr.09.12.05 - Die Lage der Menschenrechte in Brasilien hat sich im Jahr 2005 nach
Angaben regierungsunabhängiger Organisationen verschlechtert. Wie
María Luisa Mendonça vom Sozialen Netzwerk für
Gerechtigkeit und Menschenrechte der Nachrichtenagentur AFP aus Anlass
des am Mittwoch (Ortszeit) vorgestellten Netzwerkberichts sagte,
lässt insbesondere die Umsetzung der seit langem versprochenen
Agrarreform zu wünschen übrig. Zu beklagen seien ferner
Missgriffe gegenüber der indianischen Urbevölkerung sowie ein
Anstieg der Gewalt.
(Quelle: afp)
Kroatischer Ex-General Gotovina festgenommen
Fr.09.12.05 - Die spanische Polizei hat den als Kriegsverbrecher gesuchten
kroatischen Ex-General Ante Gotovina gefasst. Nach vier Jahren auf der
Flucht ließ sich der 50-Jährige am Mittwochabend auf der
Kanaren-Insel Teneriffa widerstandslos festnehmen.
Als Kommandeur der «Operation Sturm» gegen
aufständische Serben 1995 muss Gotovina sich vor dem UN-Tribunal
in Den Haag wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit
verantworten, auch für den Tod von 150 serbischen Zivilisten. Der
Nationale Gerichtshof in Madrid entschied am Donnerstagabend, dass
Gotovina in den kommenden Tagen an das UN-Kriegsverbrechertribunal in
Den Haag überstellt werden soll. Zunächst wurde er in ein
Gefängnis bei Madrid gebracht.
UN-Anklägerin Carla Del Ponte machte die Verhaftung Gotovinas am
Donnerstag in Belgrad bekannt. Der ehemalige Fremdenlegionär und
Karriere-Offizier traf am Abend an Bord einer Militärmaschine von
Teneriffa kommend in Madrid ein. In der spanischen Hauptstadt wurde er
vom zuständigen Richter vernommen und über die ihm zur Last
gelegten Verbrechen informiert, wie der Rundfunk berichtete. Bis zur
Überstellung an Den Haag könnten noch einige Tage vergehen,
hieß es. Del Ponte dankte den kroatischen und spanischen
Behörden für die Zusammenarbeit bei der Aktion. Sie hatte
noch im Oktober unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen
behauptet, Gotovina verstecke sich in einem Franziskanerkloster in
Kroatien oder in Bosnien-Herzegowina.
Gotovina zählte seit langem zu den vom Tribunal am dringendsten
gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrechern. Del Ponte ermahnte
erneut die Belgrader Behörden, die beiden meistgesuchten
Angeklagten, den früheren bosnischen Serbenführer Radovan
Karadzic und dessen Militärchef Ratko Mladic, zu verhaften. Es sei
ein «Skandal», dass sie immer noch frei seien, sagte Del
Ponte. Sie werde deshalb in der kommenden Woche dem UN-Sicherheitsrat
einen negativen Bericht über die Zusammenarbeit
Serbien-Montenegros mit dem UN-Tribunal vorlegen. Serbien bestreitet,
Informationen über die Verstecke der beiden zu haben.
Die EU-Kommission in Brüssel begrüßte ebenfalls die
Festnahme Gotovinas als wichtigen Schritt für den Frieden auf dem
Balkan. Auch für NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer
ist das «eine gute Nachricht». Der kroatische
Regierungschef Ivo Sanader sagte, dies sei der Beweis für die
Glaubwürdigkeit des kroatischen Staates, dessen Führung immer
wieder betonte hatte, Gotovina halte sich nicht in der Heimat
versteckt. Ähnlich äußerte sich auch Präsident
Stjepan Mesic.
Gotovina wurde am späten Mittwoch in einem Vier-Sterne-Hotel im
Touristenort Playa de las Américas im Süden Teneriffas
verhaftet. Er habe gefälschte Papiere bei sich gehabt, hieß
es. Die spanische Polizei habe ihn schon seit Tagen auf seinen Wegen
über mehrere Inseln verfolgt. Gegen Gotovina lag ein vom
UN-Gericht ausgestellter internationaler Haftbefehl vor.
In Den Haag wird er voraussichtlich in das UN-Gefängnis im
Ortsteil Scheveningen eingeliefert werden. Üblicherweise werden
die Angeklagten dann binnen kurzer Zeit erstmals einem Richter
vorgeführt und können erklären, ob sie auf schuldig
plädieren oder nicht. Sie können sich dafür aber auch
bis zu 30 Tage Zeit lassen. Bis zum Prozessbeginn dürfte nach
Erfahrungen mit anderen Fällen sicher mehr als ein Jahr
verstreichen.
(Quelle: dpa)
Rice um Schadensbegrenzung in CIA-Affäre bemüht
US-Außenministerin weist Foltervorwürfe zurück.
NATO-Ressortchefs mit Erklärungen zufrieden
Fr.09.12.05 - In der CIA-Affäre ist US-Außenministerin Condoleezza Rice
zunehmend um Schadensbegrenzung in Europa bemüht. Beim Treffen der
NATO-Außenminister am Donnerstag in Brüssel wies sie
Vorwürfe entschieden zurück, wonach der US-Geheimdienst
Terrorverdächtige gefoltert habe. «Wir haben weder
Flughäfen noch den Luftraum (in Europa) dazu genutzt, um Personen
an Orte zu bringen, wo sie gefoltert wurden.» Mehrere
europäische Minister äußerten sich zufrieden mit der
Darstellung von Rice.
Der deutsche Ressortchef Frank-Walter Steinmeier berichtete von einem
«offenen Gespräch» mit Rice. Europäische
Außenminister hätten bei einem gemeinsamen Essen mit ihr am
Mittwochabend in Brüssel «ihre Sorge vorbringen können,
dass wir uns bei der Interpretation des internationalen Rechts nicht
auseinander bewegen können». Rice ihrerseits habe
«zugesagt, dass in den USA internationale Vereinbarungen keine
andere Auslegung finden als in Europa».
Auf einer Pressekonferenz betonte Rice am Donnerstag, die USA
respektierten die Souveränität ihrer Verbündeten. Es sei
für die Regierung in Washington wichtig, auch im Kampf gegen den
Terror nationale Gesetze und internationale Verpflichtungen einzuhalten.
Andererseits befänden sich Demokratien im Kampf gegen den Terror
in einem Dilemma. Sie müssten ihre Bürger schützen, dies
aber nach Recht und Gesetz tun.
Politik der US-Regierung sei es, Folter nicht zuzulassen, sagte Rice.
Bei Verstößen wie im Fall der Misshandlungen im irakischen
Gefängnis Abu Ghraib, komme es zu Ermittlungen und zur Verurteilung
der Schuldigen. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte,
Rice habe bei der Diskussion «die Luft rein» gemacht. Das
Thema sei für die NATO damit abgeschlossen.
Der belgische Außenminister Karel de Gucht sagte im Radio RTBF,
Rice habe ein überzeugendes Bekenntnis zur Einhaltung der
Menschenrechte abgelegt. Laut De Gucht betonte Rice, «dass die USA
zu keiner Zeit inhumane Akte oder Folter zugestimmt, dass sie immer die
Souveränität der betroffenen Länder respektiert haben
und dass sogar Terroristen unter den Schutz der Genfer Konvention
(für Menschenrechte) fallen».
Der belgische Außenminister fügte hinzu: «Ich habe den
Eindruck, dass alle Minister dies grundsätzlich begrüßt
haben.» Auch der niederländische Außenminister Ben Bot
sagte, er habe das Abendessen «sehr zufrieden» verlassen. In
Brüssel trafen die EU- und NATO-Außenminister erst zum
zweiten Mal überhaupt in großer Runde zusammen.
Ins Leben gerufen war das Format auch auf deutsche Initiative hin, um
die transatlantischen Beziehungen nach dem Streit um den Irak-Krieg
wieder zu verbessern. Steinmeier betonte, es habe sich gezeigt, dass das
Format «richtig ist, weil nur so das politische Gespräch in
den transatlatischen Dialog zurückgeholt werden kann».
Der US-Geheimdienst CIA soll in geheimen Internierungslagern in Europa
Terrorverdächtige festgehalten und misshandelt haben. Der aus dem
Libanon stammende Deutsche Khaled el Masri wirft der CIA vor, ihn Ende
2003 in Mazedonien entführt und nach Afghanistan gebracht zu haben.
Dort sei er von CIA-Agenten gefoltert worden.
(Quelle: ap)
Amnesty fordert Aufklärung der Fälle El Masri und Zammar
Fr.09.12.05 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die deutsche
Regierung zur lückenlosen Aufklärung von Entführungen
mutmaßlich durch die CIA aufgefordert. Die Generalsekretärin
der deutschen AI-Sektion, Barbara Lochbihler, verwies am Donnerstag in
Berlin besonders auf die Fälle des aus dem Libanon stammenden
Deutschen Khaled el Masri, der von der CIA irrtümlich gefangen
gesetzt wurde, und des Deutsch-Syrers Mohammed Haydar Zammar, der in
Syrien festgehalten wird.
Wenn die Berichte über beide stimmten, dann habe die
Bundesregierung «einer Politik Vorschub geleistet, die Menschen
entführt, Folter billigt und auch anwendet». Öffentlich
aufgeklärt werden müssten daher auch alle Fälle, in denen
deutsche Behörden «von geheimen Flügen der CIA,
Verschleppungen in Geheimgefängnisse und Folter wussten, dies
unterstützen oder davon profitierten».
In den beiden genannten Fällen sei die Bundesregierung
untätig geblieben, erklärte Lochbihler. Dabei habe sie
vermuten müssen, dass die Menschenrechte dieser deutschen
Staatsbürger verletzt würden. El Masri sei 2003 in Mazedonien
entführt und fünf Monate in Afghanistan festgehalten worden.
Zammar gelte seit 2001 als verschwunden. Er sitze vermutlich seither in
einem berüchtigten syrischen Foltergefängnis. Unter Berufung
auf Medienberichte sagte Lochbihler, dass er dort 2002 von Beamten
deutscher Nachrichtendiensten sowie des Bundeskriminalamts vernommen
wurde. Statt gegen mögliche Misshandlungen und die Entführung
vorzugehen, blieben die Beamten «offenbar untätig»,
kritisierte sie.
Lochbihler forderte unter Hinweis auf den Internationalen Tag der
Menschenrechte am Samstag die Bundesregierung zu einer
«standhaften und aktiven deutschen Menschenrechtspolitik»
auf. Es müsse mehr getan werden, damit das US-Sondergefangenenlager
Guantanamo geschlossen, Informationen über Geheimgefängnisse
veröffentlicht und «das so genannten Outsourcing von
Folter» beendet würden. So forderte auch die seit
längerem anstehende Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zur
UN-Antifolterkonvention durch die Bundesregierung.
Nach Regierungsangaben verfügt Zammar, der Verbindungen zu Al
Kaida gehabt haben soll, sowohl über die deutsche als auch die
syrische Staatsangehörigkeit. Syrische Behörden ließen
unter Verweis auf die Tatsache, dass er Syrer sei, eine konsularische
Betreuung durch Deutschland auf syrischem Boden nicht zu.
El Masri befindet sich seit 2004 wieder auf freiem Fuß. Er war
mit einem Vertreter der Hamburger Al-Kaida-Szene fast gleich lautenden
Namens verwechselt worden. Der Fall El Masri beschäftigte auch
Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Außenministerin Condoleezza
Rice bei deren Treffen am Dienstag in Berlin. Merkel hatte erklärt,
die USA hätten akzeptiert, in dem Fall einen Fehler gemacht zu
haben. El Masri ließ in den USA inzwischen Klage gegen die CIA
einreichen.
(Quelle: ap)
Deutsche Sektion von Amnesty:
http://www.amnesty.de
FDP fordert wegen CIA-Affäre Steinmeiers Rücktritt
Fr.09.12.05 - FDP-Generalsekretär Dirk Niebel hat wegen der CIA-Affäre den
Rücktritt von Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD)
verlangt. Er warf Steinmeier vor, seit 2004 von der Verschleppung des
Deutschen Khaled el Masri durch US-Geheimdienstmitarbeiter gewusst, dazu
aber selbst bei seinem Antrittsbesuch in Washington vor wenigen Tagen
geschwiegen zu haben. "Normalerweise wäre es für einen
deutschen Außenminister ein Rücktritts- oder
Entlassungsgrund, wenn man die Öffentlichkeit so hinters Licht
führt, wie es Herr Steinmeier getan hat."
"Ein Minister, der die Öffentlichkeit bewusst täuscht, ist
nicht tragbar", sagte Niebel der "Passauer Neuen Presse". Unter den
Bedingungen der großen Koalition würden aber offenbar andere
Maßstäbe angelegt und Steinmeier werde sicherlich im Amt
bleiben, fügte der FDP-Politiker hinzu. Der Skandal von
Rot-Grün werde damit nun der Skandal von Schwarz-Rot. Steinmeier
war Chef des Kanzleramts gewesen, als El Masri Ende 2003 verschleppt
wurde.
Auch Bayerns Innenminister Günther Beckstein deutete mögliche
personelle Konsequenzen aus der CIA-Affäre an. Er forderte die
Mitglieder der früheren Bundesregierung auf, offenzulegen, was sie
in dieser Angelegenheit gewusst hätten. "Herr Schily muss sich dazu
erklären, und dann muss man sehen, welche Konsequenzen daraus zu
ziehen sind", sagte Beckstein im Bayerischen Rundfunk.
(Quelle: afp)
Deutsche Sicherheitsbehörden möglicherweise mitverantwortlich
für Verschleppung El Masris
Fr.09.12.05 - Im Fall des vom US-Geheimdienst CIA entführten Deutschen Khaled el
Masri gibt es neue Entwicklungen: Deutsche Sicherheitsbehörden
tragen laut Zeitungsbericht offenbar eine Mitverantwortung. Die
"Berliner Zeitung" zitiert einen deutschen Sicherheitsbeamten, dem zu
Folge die Amerikaner El Masri bei ihren Verhören auch nach
Erkenntnissen gefragt haben, die sie von Deutschland bekommen hatten.
Möglicherweise wurde die CIA durch einen Informationsaustausch mit
deutschen Behörden auch erst auf El Masri aufmerksam gemacht. Auch
der frühere Bundesinnenminister Schily steht in der Affäre
weiter unter Druck. So rügte der Koordinator für die
deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt, Voigt,
dass Schily keine Kabinettskollegen über den Fall unterrichtet
habe, nachdem er davon erfahren habe. Ähnlich äußerte
sich auch der CDU-Innenexperte Bosbach.
(Quellen: dpa, br-Radionachrichten)
Deutsche beklagen mehrheitlich korrupten Staat
Fr.09.12.05 - In Deutschland greift die Korruption nach Ansicht vieler Bürger
immer weiter um sich. Das zeigt eine Umfrage der Organisation
Transparency International aus Anlass des heutigen Internationalen
Antikorruptionstages. Danach glauben zwei Drittel, dass die Korruption
in den vergangenen drei Jahren zugenommen hat. Im westeuropäischen
Schnitt sieht das nur jeder zweite Bürger so negativ. Dem so
genannten Korruptionsbarometer zufolge stehen in Deutschland die
Parteien und das Parlament am stärksten unter dem Einfluss von
Korruption. Es folgen die Bereiche Medien und Wirtschaft. Ein hohes
Vertrauen genießt dagegen die Polizei. Transparency forderte die
Bundesregierung auf, die vor zwei Jahren verabschiedete UN-Konvention
gegen Korruption zu ratifizieren.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Wissenschaft
Grönlands Gletscher schmelzen beängstigend schnell
Fr.09.12.05 - Während auf der UN-Klimakonferenz in Montreal Umweltminister aus
der ganzen Welt über die Erderwärmung diskutieren, stellen
Experten in den USA alarmierende Fakten vor: Zwei der größten
Gletscher Grönlands schmelzen mit beunruhigender Geschwindigkeit,
zwei bis drei Mal so schnell wie noch vor vier Jahren. Grund dafür
sei höchstwahrscheinlich der globale Klimawandel, erklärten
Wissenschaftler auf der Jahrestagung der Amerikanischen Vereinigung
für Geophysik (AGU) am Mittwoch in San Francisco.
Die Fließgeschwindigkeit des Kangerdlugssuaq in Grönland hat
sich seit 2001 verdreifacht, wie Gordon Hamilton vom Institut für
Klimawandel an der University of Maine erklärte. Der
Kangerdlugssuaq bewegt sich demnach mit rund 15 Kilometern pro Jahr
vorwärts, vor vier Jahren waren es noch fünf Kilometer. Der
zweite Gletscher, Helheim, hat seine Geschwindigkeit im selben Zeitraum
von 6,5 Kilometern auf rund elf Kilometer fast verdoppelt.
Dass die Gletscher inzwischen derart schnell schmelzen, hat direkte
Auswirkungen auf den Meeresspiegel: Die zusätzlichen Wassermassen
aus Gletscher- und Polareis haben ihn im vergangenen Jahrhundert um
schätzungsweise zehn bis 20 Zentimeter steigen lassen. Das schnelle
Schmelzen der Gletscher in Grönland lasse den Schluss zu, dass der
weltweite Klimawandel eine der Ursachen sei, sagte Hamilton.
Auch in Nordamerika schmilzt ein Gletscher besonders rasch: Der
Columbia-Gletscher in Alaska, etwa so groß wie die Metropole Los
Angeles, ist seit den 1980er Jahren um 15 Kilometer geschrumpft.
Wissenschaftler erwarten, dass er in den kommenden 15 bis 20 Jahren
weitere 15 Kilometer einbüßt. Derzeit bewegt sich der
Golumbia-Gletscher täglich etwa 24 Meter vorwärts, aus seinen
Eismassen ergießen sich jedes Jahr 8,3 Kubikkilometer Wasser in
die Bucht des Prince William Sound an der Südküste Alaskas.
Mit dem Klimawandel allein sei das Abschmelzen des Columbia-Gletschers
und anderer Gletscher allerdings nicht zu erklären, betonte Tad
Pfeffer von der University of Colorado. Forscher gehen vielmehr davon
aus, dass dieser Vorgang mit einer Wärmeperiode zusammenhängt,
die bereits vor fünf Jahrhunderten langsam eingesetzt hat.
Entscheidend für das Abschmelzen des Columbia-Gletschers ist
Pfeffer zufolge vermutlich der Druck des Meerwassers, der riesige
Eisbrocken von dem Gletscher abbrechen lässt. An einigen Stellen
hat der Gletscher bereits einen Großteil seiner
ursprünglichen Mächtigkeit von 915 Metern
eingebüßt und misst nur noch 390 Meter.
(Quelle: ap)
Amerikanische Vereinigung für Geophysik:
http://www.agu.org/
WHO: Raubbau an der Natur macht Menschen krank
Fr.09.12.05 - Der Raubbau an der Natur macht nach Darstellung der
Weltgesundheitsorganisation immer mehr Menschen krank. Bereits 60
Prozent der Naturschätze wie Wasser und Luft würden
zerstörerisch und nicht nachhaltig genutzt, heißt es in
einer Studie. Der Verlust von Fischgründen und Ackerland sei ein
Grund für die Mangelernährung von 800 Millionen Menschen.
Mehr als eine Milliarde hat demnach keinen Zugang zu sauberem Wasser.
In der folge sterben jedes Jahr mehr als drei Millionen Menschen an
Infektionskrankheiten. Der überwiegende Teil der Menschheit nutze
zudem Brennstoffe wie Holz zum Heizen und Kochen. Das trägt der
Studie zufolge nicht nur zur weltweiten Abholzung der Wälder bei,
sondern führt wegen des gesundheitsschädlichen Rauchs auch zu
Atemwegserkrankungen.
(Quelle: br-Radionachrichten)