Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertdreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Amerika zog offenbar Zwangsaussage für Irak-Krieg heran. USA
verschieben Entsendung von Armeeeinheiten nach Irak. Weißes Haus
kann Tötung von US-Geisel nicht bestätigen. Sunnitische
Gläubige fordern Freilassung westlicher Helfer. Weiter
Ungewissheit im Fall Osthoff
Sa.10.12.05 - Ein ranghohes El-Kaida-Mitglied, dessen Aussage von den USA zur
Rechtfertigung des Irak-Kriegs herangezogen wurde, hat seine Aussagen
nach eigenen Angaben unter Zwang gemacht und später
zurückgezogen. Ibn el Schaich el Libi habe angegeben, bei seinen
Vernehmungen in Ägypten über eine Verbindung zwischen dem Irak
und der Terrororganisation El Kaida gelogen zu haben, um weiteren
Misshandlungen zu entgehen, berichtete die "New York Times" unter
Berufung auf heutige und frühere US-Beamte.
Der Fall sei der erste öffentliche Hinweis darauf, dass
fehlerhafte Geheimdienstinformationen über den Irak auch eine Folge
der US-Praxis der "rendition" sein könnten, bei der
Verdächtige ins Ausland geschickt wurden, um die US-Anweisungen
über den Umgang mit Gefangenen zu umgehen, schrieb das Blatt.
Der gebürtige Libyer Libi wurde Ende 2001 in Pakistan gefasst.
Zunächst wurde er in Afghanistan gefangen gehalten, im Januar 2002
sei er in ein Gefängnis nach Ägypten verlegt worden,
berichtete die "New York Times". Erst dort habe er plötzlich
konkrete Angaben zu angeblichen Verbindungen zwischen dem Irak und El
Kaida gemacht. Nachdem Libi wieder in US-Haft zurückgekehrt sei,
habe er seine Aussage im Januar 2004 wieder zurückgezogen.
Bereits vor einem Monat war bekannt geworden, dass die US-Regierung
trotz Warnungen des Militärgeheimdienstes bei ihrer Rechtfertigung
des Irak-Kriegs auf Libis Aussagen gesetzt hatte. Im November
freigegebene Regierungsdokumente belegen, dass der Geheimdienst Libis
Hinweise zur Verbindung zwischen El Kaida und dem Irak bereits im
Februar 2002 als "vorsätzlich irreführend" bewertet hatte.
Dennoch war US-Präsident George W. Bush acht Monate später mit
den Anschuldigungen an die Öffentlichkeit getreten,
El-Kaida-Kämpfer seien im Irak in der Herstellung von Giften und
Gasen ausgebildet worden. Die fragwürdigen Informationen fanden
auch Eingang in die Rede des damaligen US-Außenministers Colin
Powell vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Die US-Armee hat nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium die
Entsendung von zwei Militäreinheiten in den Irak bis auf weiteres
verschoben. Die für Anfang Januar geplante Stationierung einer
Infanterie-Division aus Fort Riley seien verschoben worden, sagte ein
Pentagon-Vertreter am Donnerstag. Auch eine in Kuwait auf ihren Einsatz
im Irak wartende Panzerdivision solle vorerst auf ihrem Stützpunkt
verbleiben. Jede der Einheiten umfasse rund 5000 Soldaten. Angesichts
der "gesteigerten Fähigkeiten" der irakischen Truppen untersuche
das Oberkommando der US-Truppen im Irak derzeit Möglichkeiten zur
Reduzierung der Militärpräsenz.
Der amerikanische Senator John Kerry hat sich für einen Abzug von
mindestens 100.000 US-Soldaten aus dem Irak bis Ende nächsten
Jahres ausgesprochen. Die USA sollten damit eine Botschaft an die
Staaten im Nahen Osten senden, dass die Amerikaner nicht beabsichtigen,
dauerhaft im Irak zu bleiben, sagte der letztjährige
Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten am
Donnerstag in einer Rede vor dem Rat für Auswärtige
Beziehungen (Council on Foreign Relations). Ende 2006 sollten nicht
mehr als 30.000 bis 40.000 US-Soldaten im Irak stationiert sein,
erklärte er weiter.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte ebenfalls am
Donnerstag die Erwartung, dass nach der Parlamentswahl im Irak am 15.
Dezember rund 20.000 US-Soldaten abgezogen werden könnten. Er
schloss auch nicht aus, dass unter bestimmten Bedingungen im
nächsten Jahr einige der restlichen 137.000 amerikanischen
Soldaten nach Hause geholt werden könnten.
Die US-Regierung kann Berichte über die Tötung einer
US-Geisel im Irak nicht bestätigen. Das sagte der Sprecher des
Weißes Hauses, Scott McClellan, am Donnerstag in Washington. Er
könne auch keine Informationen darüber geben, was die USA
getan hätten, um eine Freilassung der Geisel zu erreichen,
fügte der Sprecher hinzu.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die Kidnapper im Irak auf, alle
Entführten umgehend frei zu lassen. In einer am Donnerstag in New
York veröffentlichten Erklärung betonte Annans Sprecher, der
UN- Generalsekretär sei «äußerst besorgt»
über das Schicksal aller im Irak Verschleppten.
Der arabische Fernsehsender Al-Arabija hatte zuvor gemeldet, dass auf
einer Islamistenseite im Internet eine Botschaft über die
Tötung des Amerikaners veröffentlicht worden sei. Dabei soll
es sich um den 40 Jahre alten Amerikaner Ronald Schulz handeln, der im
Irak als Sicherheitsberater arbeitete.
In einem Video, das der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am 6.
Dezember ausstrahlte, hatte eine Gruppe mit dem Namen «Islamische
Armee im Irak» mit der Ermordung des Amerikaners gedroht, falls
die US-Armee nicht binnen 72 Stunden alle irakischen Gefangenen
freilassen sollte.
Eine entsprechende Botschaft sei am Donnerstag auf einer
Islamistenseite im Internet veröffentlicht worden, berichtete der
arabische Fernsehsender Al-Arabija. Danach soll es sich um den 40 Jahre
alten Amerikaner Ronald Schulz handeln, der im Irak als
Sicherheitsberater arbeitete.
Wann und wo Ronald Schulz verschleppt wurde, war zunächst unklar.
Eine unabhängige Bestätigung für den Mord gab es nicht.
In einem Video, das der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am 6.
Dezember ausstrahlte, hatte eine Gruppe mit dem Namen «Islamische
Armee im Irak» mit der Ermordung des Amerikaners gedroht, falls
die US-Armee nicht binnen 72 Stunden alle irakischen Gefangenen
freilassen sollte. Zugleich hatte die Gruppe von den USA verlangt, die
Einwohner der Provinz Anbar für Zerstörungen durch
Militäroperationen zu entschädigen. In dem Video war ein
blonder Mann mittleren Alters mit auf dem Rücken gefesselten
Händen zu sehen.
In einer Bagdader Moschee haben sunnitische Araber am Freitag die
Freilassung von vier westlichen Geiseln gefordert. Die Mitarbeiter
einer christlichen Hilfsorganisation hatten bis zu ihrer
Entführung Anfang Dezember den Menschen im überwiegend von
Sunniten bewohnten Stadtteil Asamija geholfen, zu dem die Moschee
gehört. Die Geiselnehmer haben gedroht, die vier Männer zu
ermorden, wenn bis zum (morgigen) Samstag nicht sämtliche
Häftlinge aus Gefängnissen der US-Streitkräfte und der
Bagdader Regierung befreit würden.
Beim Freitagsgebet richtete der Geistliche Ahmed Hassan Tara einen
Appell an die Geiselnehmer, die christlichen Helfer freizulassen. Die
vier Männer seien entschiedene Gegner des Irak-Kriegs, sagte Tara.
Vor der Moschee versammelten sich Anwohner zu einer Kundgebung. Sie
trugen Banner mit Sympathiebekundungen für die Geiseln. «Die
Menschen in Asamija werden die ehrliche Haltung der Friedensaktivisten
nicht vergessen», stand auf einem.
Auch zwei Wochen nach der Entführung der Deutschen Susanne Osthoff
im Irak gibt es noch kein Lebenszeichen von der Archäologin. Die
Bundesregierung setze ihre Bemühungen um eine Freilassung der
43-jährigen Frau aus Bayern «unverändert
intensiv» fort, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes
am Freitag in Berlin. Man bemühe sich weiter, Kontakt zu den
Geiselnehmern zu bekommen. Unterdessen organisieren Freunde und
Bekannte der Frau in Deutschland drei Solidaritätskundgebungen.
Am Mittwoch soll eine zentrale Veranstaltung in Berlin stattfinden.
Geplant ist, sich um 18.00 Uhr am Brandenburger Tor zu versammeln.
Organisator ist der Türkische Bund Berlin-Brandenburg. Die
Schwester der Entführten, Anja Osthoff, sagte, sie werde
versuchen, selbst nach Berlin zu kommen, um daran teilzunehmen.
Bereits heute Abend findet in München eine Mahnwache für die
entführte Frau aus Oberbayern statt. Die Organisation Direkthilfe
Irak, für die Osthoff früher die Verteilung von
Hilfsgütern vor Ort organisierte, will damit ihre Solidarität
zeigen. Treffpunkt ist um 18.00 Uhr auf dem Odeonsplatz in der
Innenstadt, wie Organisator Michael Osang sagte.
Am Sonntagabend wollen dann Bürger, Kirchenvertreter und Politiker
im oberbayerischen Ebersberg ein Zeichen gegen die Geiselnahme im Irak
setzen. Ein Lichtermeer soll ein Appell an die Entführer sein,
Osthoff und ihren Fahrer freizulassen, wie Bayerns Sozialministerin
Christa Stewens (CSU) im Vorfeld sagte.
Die Demonstration beginnt um 18.00 Uhr mit einem Glockenläuten
möglichst aller Kirchen im Landkreis. Nach einer Rede von Stewens
auf dem Ebersberger Marienplatz werden der katholische Dekan Michael
Holzner, der evangelische Pfarrer Wolfgang Ludwig sowie der Imam der
Kirchseeoner Moschee, Halil Sener, Gebete sprechen. Die Mutter und die
Geschwister der Entführten wollen ebenfalls anwesend sein.
Osthoff war am 25. November gemeinsam mit ihrem irakischen Fahrer auf
dem Weg von Mossul nach Erbil verschleppt worden. Die Geiselnehmer
haben damit gedroht, Osthoff zu töten, falls die Bundesregierung
ihre Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung nicht abbrechen sollte.
Die Mutter von Susanne Osthoff appellierte erneut an die
Entführer. «Meine Tochter und ihr Fahrer sind unten, um zu
helfen», sagte Ingrid Hala dem Nachrichtensender n-tv. Sie bat
darum, «allen zu helfen», damit die Entführten bald
freikämen. Osthoff war am 25. November im Nordirak zusammen mit
ihrem Fahrer von Unbekannten verschleppt worden. Die Entführer
fordern von der Bundesregierung, die Zusammenarbeit mit dem Irak
einzustellen.
Frankreichs Präsident Jacques Chirac bot Bundeskanzlerin Angela
Merkel Hilfe in dem Fall an. Solidarisch stehe Frankreich an der Seite
Deutschlands, wenn es darum gehe, eine Lösung zu erreichen, sagte
Chirac am Donnerstagabend bei einem Spitzentreffen mit der Kanzlerin in
Berlin.
Der britische Außenminister Jack Straw forderte die
Entführer der vier im Irak verschleppten Mitglieder einer
christlichen Hilfsorganisation auf, sich mit der Regierung in London in
Verbindung zu setzen. «Wenn Sie in Kontakt mit uns treten wollen,
sind wir gespannt, was Sie zu sagen haben», sagte Straw am
Donnerstag im Rundfunksender BBC. Den 74-jährigen Briten Norman
Kember und seine Mitgefangenen bezeichnete Straw als «Kämpfer
für den Frieden» und forderte die Entführer auf, die
Männer unverzüglich freizulassen.
Straw hatte zuvor klargestellt, dass seine Regierung nicht gewillt sei,
auf die Forderung der Entführer einzugehen und die
unverzügliche Freilassung der Entführten gefordert. Die
Entführer hatten ihr Ultimatum zur Ermordung der Geiseln in der
Nacht zum Donnerstag verlängert. Wie der Sender Al-Dschasira
berichtete, gaben sie den Regierungen in London, Washington und Ottawa
bis Samstag Zeit, ihre Forderungen zu erfüllen. Ursprünglich
hatten sie gedroht, die vier Geiseln am Donnerstag zu töten,
sollten die ausländischen Soldaten nicht aus dem Irak abgezogen und
alle irakischen Gefangenen freigelassen werden.
(Quelle: afp, dpa, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 10.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.10.12.04 -UN-Generalsekretär Annan ruft alle Seiten im Irak zum Dialog auf:
Nationale Aussöhnung und friedlichen politischen Wettbewerb an der
Wahlurne gefordert. Über andauernde Gewalt im Irak besorgt +++
Anschläge und Kämpfe halten vor allem in den überwiegend
von Sunniten bewohnten Gebieten an +++ Die wichtigsten schiitischen Parteien im
Irak haben sich zu enem Wahlbündnis zusammengeschlossen +++
NATO bekräftigt Hilfe für Irak +++ EU will 2005 im Irak Aufbau
statt Nothilfe finanzieren +++ Fischer weist Kritik an deutscher
Irak-Politik zurück +++ Japan verlängert Truppeneinsatz im Irak
um ein Jahr +++ US-Armee setzt Biometrie-Technik gegen Rebellen in
Falludscha ein +++ Gefeuerter CIA-Beamter: US-Geheimdienst fälschte
Berichte zu Irak. 'No Body Counts': Es
wird keine von der britischen Regierung initiierte unabhängige
Untersuchung geben, die der Zahl von getöteten Zivilisten im
Irakkrieg genauer auf die Spur kommen soll...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412100.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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IKRK fordert Zugang zu allen 'Terror-'Gefangenen der USA
Sa.10.12.05 - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat Zugang zu allen
Gefangenen der USA gefordert, die im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes
festgenommen wurden. "Wir hätten gerne Informationen über
diese Personen und Zugang zu ihnen", sagte IKRK-Sprecher Florian
Westphal am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Genf. Am Tag zuvor
hatte der Rechtsberater von US-Außenministerin Condoleezza Rice,
John Bellinger, eingeräumt, dass das IKRK nicht alle US-Gefangenen
besuchen könne. Es statte aber den Häftlingen im US-Lager
Guantánamo in Kuba regelmäßig Besuche ab.
(Quelle: afp)
Vertreter des Nahost-Quartetts tagen in Jerusalem
Sa.10.12.05 - Die Vertreter des Nahost-Quartetts aus UNO, USA, EU und Russland haben
am Freitag in Jerusalem über Möglichkeiten zur Wiederbelebung
der israelisch-palästinensischen Beziehungen beraten. Die
Teilnehmer des Treffens erörterten nach UN-Angaben auch die
Umsetzung des am 15. November geschlossenen Abkommens zur Öffnung
des Grenzübergangs Rafah zwischen Ägypten und dem
Gazastreifen. Israel hatte die ursprünglich für kommende Woche
vorgesehenen Verhandlungen über den Busverkehr an dem
Grenzübergang abgebrochen und dies mit dem Selbstmotrdanschlag des
Islamischen Dschihad begründet, bei dem am Montag in Netanja
nördlich von Tel Aviv fünf Menschen getötet worden waren.
(Quelle: afp)
Irans Präsident Ahmadinedschad im Kreuzfeuer seiner
Verbündeten
Saudi-Arabien wütend über Äußerungen beim Gipfel
in Mekka. Iranische Politiker wenden sich zunehmend von ihm ab
Sa.10.12.05 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad löst mit seinen
provokativen Äußerungen auch in der arabischen Welt sowie im
eigenen Lande zunehmende Empörung aus. Saudiarabische
Kommentatoren zeigten sich am Freitag geradezu wütend
darüber, dass Ahmadinedschad mit seinem Vorschlag zur Verlegung
Israels nach Europa vom friedlichen Charakter des muslimischen Gipfels
in Mekka abgelenkt habe. Iranische Politiker appellierten derweil an
die geistliche Führung in Teheran, das weltliche Staatsoberhaupt
in die Schranken zu weisen.
«Der Präsident muss seine Worte mit Bedacht wählen. Er
könnte der Welt seine Botschaft auf eine bessere Art
mitteilen», erklärte Hamid Resa, Vorsitzender der
Islamischen Koalitionsgesellschaft. Dabei handelt es sich um eine
Partei von iranischen Hardlinern, was in der gegenwärtigen
Situation praktisch für sich selbst spricht. Reaktionen aus aller
Welt fielen bekanntlich noch weitaus kritischer aus. Auch
Verbündete Teherans wie Russland distanzierten sich von den
jüngsten Äußerungen Ahmadinedschads.
Besondere Verärgerung herrschte jedoch in Saudi-Arabien, nach
dessen Plänen vom Gipfel in Mekka eine Botschaft der Toleranz
ausgehen sollte. Die Gastgeber wollten erklärtermaßen die
gemäßigte Seite des Islams unter Beweis stellen und eine
einige Front der Muslime gegen den Terrorismus demonstrieren. Hier hat
ihnen Ahmadinedschad einen Strich durch die Rechnung gemacht.
«Der iranische Präsident scheint seine Orientierung verloren
zu haben», schrieb der prominente saudiarabische Kommentator
Gilan al Ghamidi. «Der Iran sollte logisch handeln, wenn er sich
die Unterstützung der Welt sichern will. Der Präsident hat
hier nichts gewonnen, sondern viel verloren.»
Selbst ranghohe saudiarabische Regierungsbeamte machten gegenüber
der Nachrichtenagentur AP ihrem Unmut Luft. Einer von ihnen verglich
den iranischen Präsidenten mit dem gestürzten irakischen
Staatschef Saddam Hussein und dem libyschen Revolutionsführer
Muammar al Gaddafi. Beide hätten in der Vergangenheit wiederholt
provokative Bemerkungen von sich gegeben, die dann der gesamten
islamischen Welt angelastet worden seien.
Zunehmende Verärgerung mit dem Iran äußerte auch der
Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA),
Mohamed ElBaradei. Er verliere langsam die Geduld mit der Regierung in
Teheran, die die Verhandlungen über ihr umstrittenes Atomprogramm
unnötig lange hinausziehe. «Sie bewegen sich zentimeterweise
vorwärts, während ich von ihnen verlange, dass sie einen
Sprung nach vorn tun», kritisierte der Gewinner des
diesjährigen Friedensnobelpreises vor Journalisten in Oslo.
Viele iranische Politiker sehen auf Grund des Auftretens von
Ahmadinedschad die Gefahr einer weiteren internationalen Isolierung
ihres Landes. Selbst Hardliner wenden sich deshalb zunehmend von dem
Ultrakonservativen ab. Auch werfen sie ihm einsame Beschlüsse vor.
Aus diesem Grund hat das von Konservativen dominierte Parlament bereits
drei Personalvorschläge des Präsidenten für das wichtige
Amt des Ölministers abgelehnt.
Beobachter werteten es als Ironie des Schicksals, dass sich am Freitag
sogar gemäßigte Kräfte an die geistliche Führung
um Ayatollah Ali Chamenei wandten. «Das herrschende Establishment
muss etwas gegen diesen Mann unternehmen», erklärte der als
Reformer bekannte Analyst Davud Hermidas Bawand. «Ahmadinedschad
redet wie der Sprecher einer ultrakonservativen Splittergruppe. Seine
Worte passen nicht zu einem verantwortungsbewussten
Präsidenten.»
(Quelle: ap)
Zentralrat der Juden in Deutschland: Beziehungen zu Iran abbrechen
Sa.10.12.05 - Führende Vertreter der deutschen Juden haben als Reaktion auf die
antisraelischen Äußerungen des iranischen Präsidenten
Mahmud Ahmadinedschad einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen
gefordert. "Es müssen Schritte erfolgen, die dem Führungsstab
im Iran klar machen, dass die Äußerungen gegen das
Völkerrecht verstoßen", sagte der Präsident des
Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, der "Netzeitung". Auf die Frage, ob
dazu auch zähle, dass die deutsche Regierung die diplomatischen
Beziehungen zum Iran abbrechen solle, sagte er: "Das meine ich auch
damit."
Spiegel begrüßte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die
neuen Aussagen Ahmadinedschads umgehend zurückgewiesen hatte,
fügte aber hinzu: "Empörung allein reicht nicht."
Auch der Publizist und frühere Zentralrats-Vize Michel Friedman
sagte, die Äußerungen Ahmadinedschads seien "diplomatisch
nicht mehr hinzunehmen". Worte allein reichten als Reaktion nicht aus.
"Ich fordere von der Bundesregierung nicht nur Empörung, sondern
den Abbruch der diplomatischen Beziehungen", verlangte Friedman im
Sender N24.
Ahmadinedschad hatte den Holocaust geleugnet und vorgeschlagen, den
Staat Israel an seinem jetzigen Ort zu beseitigen und ihn auf Teilen des
Gebiets von Deutschland und Österreich neu einzurichten. Auch
nannte er Israel ein "Krebsgeschwür".Bereits im Oktober hatte der
iranische Präsident weltweit Empörung mit seiner Forderung
ausgelöst, den Staat Israel von der Landkarte zu tilgen.
(Quellen: afp, rtr)
Erste direkte Telefonverbindung zwischen Süd- und Nordkorea
Sa.10.12.05 - Erstmals seit der Teilung der koreanischen Halbinsel vor mehr als
fünf Jahrzehnten soll Ende Dezember eine direkte Telefonverbindung
zwischen Süd- und Nordkorea geschaltet werden. Wie das
südkoreanische Telekommunikationsunternehmen KT am Freitag in Seoul
mitteilte, wird die Gesellschaft eine Verbindung in die gemeinsame
Wirtschaftszone Kaesong einrichten. Der Industriekomplex Kaesong liegt
in Nordkorea dicht hinter der Grenze zu Südkorea, rund 80 Kilometer
nördlich von Seoul. Der Industriepark zählt zu den
innerkoreanischen Vorzeigeprojekten, die nach dem historischen
Gipfeltreffen der Präsidenten beider verfeindeter Staaten im Jahr
2000 begonnen wurden. Südkoreanische Firmen nahmen im vergangenen
Jahr die Produktion in Kaesong auf. Der südkoreanische
Vereinigungsminister Chung Dong Young begab sich am Freitag zu einem
Besuch des Industrieparks nach Kaesong
(Quelle: ap)
Chaos in süd-chinesischem Dorf nach schweren Ausschreitungen
Sa.10.12.05 - Die chinesische Polizei hat ein Dorf im Süden des Landes nach
gewaltsamen Auseinandersetzungen mit protestierenden Bewohnern
abgeriegelt.
Anwohnern zufolge blockierten am Freitag Tausende Polizisten die
Zufahrtstraßen nach Dongzhou in der Provinz Guangdong. Niemand
dürfe das Dorf betreten oder verlassen. Zahlreiche Menschen seien
festgenommen worden. Bewohner sprachen von chaotischen Zuständen.
In den vergangenen Tagen war es zu schweren Zusammenstößen
gekommen: Polizisten hätten auf Demonstranten geschossen, die in
Dongzhou gegen die Enteignung von Land im Zuge eines
Windkraftwerk-Projekts protestierten. Anwohner und Menschenrechtsgruppen
sprachen von bislang zwei bis 20 Toten. Amnesty International
erklärte, erstmals seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen
Friedens 1989 hätten Polizisten wieder das Feuer auf Demonstranten
eröffnet.
"Sie kommen in unser Dorf und nehmen Leute fest", sagte ein Anwohner
der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Er ergänzte, sein
Bruder sei bei den Kämpfen mit der Polizei erschossen worden.
"Meine Eltern und meine Schwester knien vor dem Haus und flehen die
Regierungsvertreter an, ihnen die Tötung zu erklären." Es
herrsche das pure Chaos. "Bitte schicken Sie Hilfe", rief er. Dabei war
der Lärm im Hintergrund so stark, dass man ihn kaum verstehen
konnte. Ein anderer Anwohner sagte, viele Menschen seien aus Panik aus
dem Dorf geflohen. "Nachts traut sich niemand mehr auf die
Straße", erklärte er. Ein Regierungsvertreter sagte dagegen,
die Polizisten in der Region hätten auf Rohrbomben-Angriffe der
Demonstranten reagiert.
Seit einiger Zeit haben die Proteste in China wieder zugenommen. Immer
mehr Chinesen kämpfen für mehr Eigentumsrechte und gegen die
wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Die kommunistische Partei hat
das Machtmonopol im Land und duldet keinen Widerspruch. Amnesty zufolge
ist die Gewalt-Eskalation in Dongzhou als dramatisch zu bewerten. "Die
Polizei hat das letzte Mal 1989 Waffen gegen Demonstranten eingesetzt",
sagte ein Sprecher der Menschenrechtsgruppe. "Wir fordern die
Zentralregierung auf, die Vorgänge dort zu untersuchen." Nach
Amnesty-Angaben kommt es bereits seit September immer wieder zu
Protesten wegen des geplanten Baus einer Windkraft-Anlage in der Region.
Die Bauern und Fischer in der Region fürchteten um ihr Land und
ihre Lebensgrundlage.
(Quelle: rtr)
ASEAN fordert von Birma Reformen und Freilassung von Suu Kyi
Sa.10.12.05 - Die Außenminister der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten
(ASEAN) haben die Militärdiktatur in Birma zu demokratischen
Reformen und zur Freilassung von Oppositionsführerin Aung San Suu
Kyi aufgefordert. Die Minister bereiteten am Freitag in der malaysischen
Hauptstadt Kuala Lumpur das Gipfeltreffen der Staatengruppe vor und
berieten dabei auch über die Vogelgrippe sowie über Pläne
für eine ASEAN-Verfassung.
Der thailändische Außenminister Kantathi Suphamongkhon
forderte am Freitag eine «schnelle Bewegung» Birmas in
Richtung Demokratie. Sein malaiischer Kollege Syed Hamid Albar sagte,
das Land müsse «den Wünschen der internationalen
Gemeinschaft nachkommen». Bisher hat Birma seine Zusagen, Reformen
einzuleiten, nicht eingehalten. Der Hausarrest der
Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi wurde erst vor einer Woche
verlängert. Deswegen stößt das Regime in Birma auch in
der ASEAN zunehmend auf Kritik, obwohl sich diese sonst dem Prinzip der
Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten
verpflichtet fühlt.
Nach dem Zusammentreffen der Regierungschefs der 10
ASEAN-Mitgliedstaaten am Montag und Dienstag ist am Mittwoch die
Erweiterung zu einem Ostasiengipfel geplant, zu dem auch
Regierungsvertreter aus Japan, China, Indien, Südkorea, Australien
und Neuseeland erwartet werden. Dort stehen Pläne für eine
übergreifende regionale Wirtschaftsgemeinschaft auf der
Tagesordnung.
(Quelle: ap)
Karibikstaaten verurteilen US-Blockade gegen Kuba
Sa.10.12.05 - Die Gemeinschaft Karibischer Staaten (Caricom) hat die US-Blockade
gegen Kuba scharf verurteilt. Die Sanktionen seien "grausam und
ungerecht" und sollten aufgehoben werden, erklärten die Teilnehmer
des zweiten Caricom-Gipfeltreffens am Donnerstag (Ortszeit) in
Bridgetown, der Hauptstadt von Barbados. Zugleich forderten die
Führer der Caricom-Mitgliedstaaten die Auslieferung des in den USA
inhaftierten Exilkubaners Luis Posada Carriles nach Venezuela. Der
77-Jährige steht im Verdacht, an einem Bombenanschlag auf eine in
der venezolanischen Hauptstadt Caracas gestartete kubanische
Passagiermaschine 1976 beteiligt gewesen zu sein, bei dem 73 Menschen
getötet wurden. Bislang lehnte die US-Justiz eine Auslieferung ab.
(Quelle: afp)
Kuba und Weißrussland wollen Zusammenarbeit verstärken
Sa.10.12.05 - Kuba und Weißrussland wollen ihre Zusammenarbeit verstärken.
Vertreter beider Länder unterzeichneten am Donnerstag ein
entsprechendes Abkommen für die Bereiche Gesundheit und
"mechanische Industrie", wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa
Latina meldete. Einzelheiten des Vertrages wurden nicht bekannt. Es gebe
"zahlreiche gemeinsame Positionen" zwischen beiden Ländern, sagte
der stellvertretende weißrussische Minister für
Auswärtige Beziehungen, Victor Gaisjonok, in der kubanischen
Hauptstadt. Kuba unterhält freundschaftliche Beziehungen zu dem
wegen seines autoritäten Regierungsstils umstrittenen
weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko.
(Quelle: afp)
Fujimori-Koalition darf nicht bei Wahlen in Peru antreten
Sa.10.12.05 - Ein vom früheren peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori
geführtes Parteienbündnis darf nicht an den Wahlen im
kommenden April teilnehmen. Das peruanische Wahlgericht setzte am
Donnerstag die Registrierung der Koalition aus. Zugleich räumte es
den Parteien die Möglichkeit ein, sich mit einem anderen Kandidaten
für die Präsidentschaftswahl anzumelden. Fujimori, gegen den
in Peru 21 Klagen anhängig sind, sei nicht befugt, in seiner Heimat
eine amtliche Funktion auszuüben, erklärte das Gericht in
Lima. Bis 2011 seien seine politischen Rechte eingeschränkt; das
beziehe sich auch auf die "Leitung von Wahlbündnissen". Die
Richter müssen noch abschließend entscheiden, ob Fujimori bei
der Wahl kandidieren darf oder nicht.
(Quelle: afp)
Nachfolgeabkommen für Kyoto notfalls auch ohne USA angestrebt
Sa.10.12.05 - Die internationale Staatengemeinschaft will notfalls auch ohne die USA
bis 2008 ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zum
Klimaschutz erreichen. Das zeichnete sich am Freitagabend zum Abschluss
der zweiwöchigen Weltklimakonferenz in Montreal ab. Der
frühere US-Präsident Bill Clinton bezeichnete vor den
Delegierten die ablehnende Haltung seines Nachfolgers George W. Bush
zum Kyoto-Protokoll als «schlicht falsch».
Es stimme nicht, dass die Reduzierung von Treibhausgasen der
amerikanischen Wirtschaft schaden würde, sagte Clinton zum
Hauptargument Bushs gegen das Kyoto-Protokoll. Mit einer
disziplinierten Anstrengung könnten die USA die Kyoto-Ziele
vielmehr auf eine Art erfüllen, «die unsere Wirtschaft
stärkt und nicht schwächt». Es könne nicht mehr
ernsthaft bezweifelt werden, dass es einen von Menschen verursachten
und beschleunigten Klimawandel gebe, sagte Clinton weiter. «Wir
sind uns nicht über Ausmaß und Zeitpunkt im Klaren, aber wir
wissen, dass es nichts Gutes sein wird.» Clintons Regierung
stimmte 1997 dem internationalen Kyoto-Protokoll für den
Klimaschutz zu, dessen Ratifizierung von Bush dann aber abgelehnt wurde.
Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel kündigte vor den
Teilnehmern aus mehr als 182 Staaten an, dass Deutschland die
Maßnahmen zum Klimaschutz in den Entwicklungsländern mit
einer Million Dollar unterstützen werde. Die deutsche Regierung
wolle auf diese Weise die Politik einer nachhaltigen Entwicklung
fördern, sagte Gabriel und wies darauf hin, dass elf Prozent der
Stromerzeugung in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen stammten.
Der indonesische Umweltminister rief die USA am Freitag eindringlich
auf, das Kyoto-Protokoll doch noch zu unterzeichnen. «Der
Klimawandel wird harte Konsequenzen haben, besonders für
uns», sagte Rachmat Witoelar der Nachrichtenagentur AP.
Indonesien besteht aus 13.000 Inseln, die beim Abschmelzen von
Gletschern und Eisbergen von einem Anstieg des Meeresspiegels bedroht
sind.
Unter Wissenschaftlern gilt es inzwischen als Konsens, dass die von
Autos, Kraftwerken und Industrie verursachte Emission von Kohlendioxid
und anderen Gasen entscheidend dazu beigetragen hat, dass die globale
Temperatur im vergangenen Jahrhundert um 0,7 Grad gestiegen ist und
weiter steigt - mit unabsehbaren Folgen für die Menschen in
Küstenregionen oder in der Arktis. Der Anteil der USA am
weltweiten Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase liegt bei
über 25 Prozent.
Die Konferenz von nahezu 10.000 Delegierten war die erste
Klimakonferenz der Vereinten Nationen seit dem In-Kraft-Treten des
Kyoto-Abkommens im Februar.
(Quelle: ap)
UN: US-Militär unterhält Geheimgefängnis im Kosovo
Sa.10.12.05 - Nach Angaben eines UN-Mitarbeiters unterhalten die USA
Geheimgefängnisse in Osteuropa. "Es kann keinen Zweifel daran
geben, dass im KFOR-Stützpunkt Camp Bondsteel seit Jahren ein
Gefängnis existiere, das keiner externen zivilen oder juristischen
Kontrolle unterliegt", sagte der UN-Ombudsmann im Kosovo, Marek Nowicki,
der "Berliner Zeitung". In dem Gefängnis sehe es aus wie auf den
Bildern, die man von Guantánamo kenne. Der polnische Jurist
leitet seit sechs Jahren die UN-Beschwerdestelle im Kosovo. Nach eigenen
Angaben besuchte er Camp Bondsteel Ende 2000 und Anfang 2001.
In Camp Bondsteel sind rund 6.000 US-Soldaten stationiert. Eine
"normale, externe" Kontrolle sei dort nicht möglich, kritisierte
Nowicki. "In Wahrheit haben wir keine Ahnung, was dort vor sich geht."
Auch der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Alvaro Gil-Robles,
hatte im vergangenen Monat über die Existenz eines geheimen
Gefängnisses in Camp Bondsteel berichtet. Das US-Militär hatte
daraufhin betont, dass es sich um ein Gefängnis der KFOR handele.
(Quelle: afp)
Europäische Regierungen wegen CIA-Affäre weiter im Kreuzfeuer
Sa.10.12.05 - In der Affäre um geheime CIA-Flüge über Europa gibt es
neue Vorwürfe gegen die USA sowie gegen europäische
Regierungen. Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zufolge
hat ein ranghoher Beamter des US-Außenministeriums inzwischen
zugegeben, dass der Organisation noch kein Zugang zu allen inhaftierten
Terrorverdächtigen gewährt worden sei.
In Genf berichtete IKRK-Chef Jakob Kellenberger über einen Besuch
des Rechtsberaters im US-Außenministeriums, John Bellinger, beim
Roten Kreuz. Bellinger habe die Frage klar verneint, ob die
Hilfsorganisation bereits Zugang zu allen Terrorverdächtigen habe,
die von den USA irgendwo auf der Welt festgehalten würden. Das
IKRK werde sich jedoch weiterhin um einen solchen Zugang bemühen,
betonte Kellenberger.
Human Rights Watch bekräftigte am Freitag den Vorwurf, dass Polen
der Hauptstützpunkt des US-Geheimdienstes in Europa sei,
während Rumänien lediglich als Transitort für
Gefangenenflüge diene. In Polen seien wiederholt Gefangene von
CIA-Beamten verhört worden, darunter rund 25 prominente
Terrorverdächtige, sagte Marc Garlasco, ein ranghohes Mitglieder
der Menschenrechtsorganisation, der Warschauer «Gazeta
Wyborcza». Er berief sich dabei auf vertrauliche Informationen
aus CIA-Kreisen selbst. Das Beweismaterial habe man dem Sonderermittler
des Europarats, dem Schweizer Abgeordneten Dick Marty, übergeben,
sagte Garlasco.
Die polnische Regierung hat Vorwürfe dieser Art vehement
zurückgewiesen und ihrerseits eine enge Zusammenarbeit mit Marty
angekündigt. Das Europäische Parlament beriet unterdessen
über die Möglichkeit, zusätzlich zur Mission des
Europarats einen weiteren Untersuchungsausschuss einzusetzen. Eine
Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen. Der Vorsitzende der
sozialistischen Fraktion, der SPD-Politiker Martin Schulz, betonte,
dass zahlreiche EU-Staaten von den CIA-Flügen gewusst haben
müssten. Dies gelte es herauszufinden.
(Quelle: ap)
Geheime EU-Militäreinsätze?
EU-Soldaten in Kambodscha werden als Entwicklungshelfer getarnt - das
erspart in den Parlamenten und der Öffentlichkeit lästige
Debatten über Militäreinsätze.. Mehr bei telepolis vom
09.12.05:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21535/1.html
Ermittler warten auf Antwort aus den USA im Fall El-Masri
Sa.10.12.05 - Die USA, Mazedonien und Albanien haben dem Rechtshilfeersuchen
Deutschlands im Fall El-Masri nach Angaben der Staatsanwaltschaft
München noch nicht entsprochen.
Die drei Länder hätten bisher nicht geantwortet, sagte
Staatsanwalt August Stern am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.
"Das ist nicht außergewöhnlich, dass noch nichts vorliegt."
Er verwies zugleich darauf: "Nur Offizielles ist später auch
gerichtsverwertbar." Die Aussagen von US-Außenministerin
Condoleezza Rice hätten das Verfahren nach derzeitiger Lage nicht
vorangebracht. "Wir warten auf irgendetwas Offizielles aus Amerika." Der
Deutsch-Libanese Khaled el-Masri wirft den USA vor, ihn durch den
Geheimdienst CIA in Mazedonien entführt und nach fünf Monaten
in einem afghanischen Gefängnis in Albanien entlassen zu haben.
Die Prüfung, ob der Wissensstand der alten und neuen
Bundesregierung im Fall El-Masri abgefragt werde, dauere an, sagte
Stern. "Ich weiß nicht, ob uns das weiterbringt. Ich vermute auch
gar nicht, dass die so viel wissen." Zu erfahren, was der damalige
US-Botschafter Dan Coats 2004 Innenminister Otto Schily zu dem Komplex
berichtet habe, wäre sicher interessant. Sollte die
Staatsanwaltschaft zu der Meinung kommen, dass Politiker zur
Aufklärung des Falls beitragen könnten, werde sie an die
jeweiligen Ministerien herantreten.
Zu einem Bericht der "Berliner Zeitung", wonach deutsche
Sicherheitsbehörden mit der Weitergabe von Informationen an die
Amerikaner zur Entführung El-Masris beigetragen haben könnten,
sagte Stern: "Davon weiß ich nichts, keine Ahnung. Das ist ganz
was Neues." Bislang hatte es geheißen, El-Masri sei
ausschließlich auf Grund einer Namensverwechslung von der CIA
verschleppt worden. Dem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge hatten
US-Vernehmer in Afghanistan El-Masri detailliert über die
Islamistenszene in dessen Wohnort Neu-Ulm gefragt.
(Quelle: rtr)
Umstände der Entführung El Masris bleiben im Dunkeln
Steinmeier: Keine deutsche Beteiligung an Entführung. Opposition
fordert Aufklärung
Sa.10.12.05 - Die Umstände der Verschleppung des deutschen Staatsbürgers
Khaled el Masri Ende 2003 bleiben völlig unklar. Die
Bundesregierung verweigert weiterhin die Bekanntgabe konkreter Details
und verweist zur Begründung auf die geltende Rechtslage.
Über Vorgänge, die die Arbeit der Nachrichtendienste
betreffen, dürfe die Bundesregierung nur dem dafür
zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium berichten, sagte
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin. Dieses Gremium
unterliegt der Geheimhaltung.
Das Auswärtige Amt trat dem Eindruck entgegen, man habe El Masri
im Stich gelassen und nach Bekanntwerden des Falls nichts unternommen.
Der damalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sei Anfang
Juni 2004 informiert gewesen. Nach dem Eingang eines Schreibens des
Rechtsanwaltes El Masris habe man sofort reagiert und die betroffenen
Ministerien und «relevanten Stellen» informiert.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) werde kommenden
Mittwoch in der aktuellen Stunde des Bundestags zu dem Thema Stellung
nehmen.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat derweil den
Vorwurf zurückgewiesen, deutsche Stellen seien an der
Verschleppung des Deutschen Khaled el Masri durch die CIA
zurückgewiesen. Diese Behauptung sei empörend und
unverantwortlich, sagte der SPD-Politiker der
«Bild»-Zeitung. «Das Handeln unserer Behörden
ist an Recht und Gesetz gebunden.» Der FDP-Parteivorsitzende
Guido Westerwelle forderte eine konsequente Verfolgung der
Entführer El Masris. «Eine Entführung ist eine
Straftat, und gegen Straftäter müssen die
Ermittlungsbehörden vorgehen», wird er in der
«Berliner Zeitung» zitiert.
Der rechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Jerzy
Montag, sagte der «Rheinischen Post», die Behauptung, der
Bundesnachrichtendienst habe bei der Verschleppung El Masris eine Rolle
gespielt, sei «nach heutigem Stand Unsinn». Es habe wohl
Informationen über den Mann gegeben, die die Geheimdienste
ausgetauscht hätten, aber keine, die die Verschleppung
gerechtfertigt oder erleichtert hätten.
El Masri sagte der «Süddeutschen Zeitung», er sei sich
sicher, im Mai 2004 in Afghanistan mit einem Deutschen gesprochen zu
haben. Er sei während seiner Gefangenschaft von ihm verhört
worden. «Er war hundertprozentig ein Deutscher. Er hatte einen
norddeutschen Akzent. Kein Hauch von amerikanischem Dialekt»,
sagte Masri den Angaben zufolge. Der Mann habe den Namen
«Sam» benutzt. Auf die Frage, ob er von einer deutschen
Behörde sei, habe «Sam» gesagt, das wolle er nicht
beantworten. «Seine Armbanduhr war die gleiche wie die der
Amerikaner. Vielleicht arbeitete er für die USA»,
erklärte El Masri.
Westerwelle bezweifelte der «Berliner Zeitung» zufolge,
dass die deutschen Geheimdienste nichts von der Entführung El
Masris erfahren hätten. «Wenn der deutsche Geheimdienst die
CIA mit Materialien über einen Deutschen versorgt, der daraufhin
von der CIA entführt wird, kann ich mir schwer vorstellen, dass
der deutsche Nachrichtendienst von der Verschleppung nichts
weiß», sagte er.
Er bekräftigte seine Forderung, dass die Bundesregierung den
Vorfall lückenlos aufklären müsse. Dabei sei auch die
Vernehmung des früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder in
einem Untersuchungsausschuss möglich. Auch Exaußenminister
Joschka Fischer (Grüne) muss nach Ansicht des FDP-Chefs dem
Parlament Rede und Antwort stehen.
Mehr Aufklärung forderte auch der Vorsitzende des Innenausschusses
im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD). «Das Parlament muss sich
Klarheit darüber verschaffen, ob die Bundesregierung zu einem
Zeitpunkt über die Verschleppung eines deutschen
Staatsbürgers Kenntnis hatte, an dem sie noch hätte
intervenieren können», sagte Edathy der Tageszeitung
«Die Welt».
Der Grünen-Politiker Christian Ströbele verlangte
Aufklärung darüber, ob und wann welche Informationen
über El Masri aus Deutschland an die US-Geheimdienste geflossen
seien. «Sollte sich herausstellen, dass die deutschen
Geheimdienste während der Entführung von El Masri
Informationen an die CIA weitergegeben haben, bekommt die Affäre
eine völlig neue Dimension», sagte er der «Berliner
Zeitung». Zudem müsse der Fall dazu führen, «dass
man die Kooperation im Antiterrorkampf mit den USA und anderen Staaten
ernsthaft überprüft. Es muss gesichert sein, dass die
Informationen, die an Partnerdienste weitergegeben werden, dort
rechtsstaatlich verwandt werden und nicht Grundlage für illegale
Aktionen sind».
Steinmeier lehnte in der «Bild»-Zeitung persönliche
Konsequenzen ab. «Ich habe mich bei meinen Entscheidungen an
Recht und Gesetz gehalten», sagte er. Unterstützung erhielt
er von SPD-Chef Matthias Platzeck. «Steinmeier hat sich integer
verhalten», sagte er der «Westdeutschen Allgemeinen
Zeitung».
(Quellen: dpa, ap)
Innenminister wollen schnellstmöglich Anti-Terror-Datei
Sa.10.12.05 - Die Innenminister der Länder haben sich für den
schnellstmöglichen Aufbau einer Anti-Terror-Datei ausgesprochen.
Diese Datei soll unter Federführung Baden-Württembergs
geschaffen werden, sagte der Stuttgarter Innenminister Heribert Rech
(CDU) am Freitag in Karlsruhe.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) solle so rasch wie
möglich einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Außerdem
unterstützen die Minister präventive Befugnisse für das
Bundeskriminalamt.
«Bis heute gibt es keine Anzeichen einer konkreten
Gefährdung», sagte Rech, der derzeit Vorsitzender der
Innenministerkonferenz ist. Aber auch Deutschland müsse sich
vorbereiten und dürfe die Terrorgefahr nicht unterschätzen.
Dies hätten die Beispiele Madrid und London gezeigt, wo der
öffentliche Personennahverkehr Ziel von Anschlägen war.
Die Ministerkonferenz empfiehlt, gegen diese Bedrohung verstärkt
Haltestellen und Fahrzeuge mit Videokameras zu überwachen. Zudem
sollen Nahverkehrsbetriebe und Fahrgäste durch eine
Aufklärungskampagne für die Gefahr sensibilisiert werden. Mit
Plakaten wie «Aufmerksam unterwegs» oder «Wölfe
im Schafspelz», Anzeigen, Videospots auf elektronischen
Werbeflächen bis hin zu Lautsprecherdurchsagen will man die
Wachsamkeit erhöhen. Zudem soll verstärkt auf
«herrenlose» Gepäckstücke geachtet werden und
Verdächtiges dem Aufsichtspersonal sofort mitgeteilt werden.
Die geplante Kompetenzausweitung für das BKA scheint nicht mehr
auf den Widerstand der Länder zu stoßen. Die Minister wollen
nach eigenen Aussagen mit Schäuble für einen Gesetzentwurf
zusammenarbeiten. Sie forderten aber den Bund auf, ihre Kompetenzen
nicht zu beschneiden.
Angesichts des Terrorismus und der organisierten Kriminalität sind
auch die Länder für eine Änderung des
Autobahnmaut-Gesetzes. Die Innenministerkonferenz begrüßte
Schäubles Vorhaben, der diese Daten auch zur Verfolgung schwerer
Straftaten und zur Gefahrenabwehr nutzen möchte. Rech verwies auf
den Fall eines Parkplatzwächters, der im November von einem
Lastwagen-Fahrer überrollt und getötet worden war.
(Quellen: dpa, ap)
Keine Einigung über Bleiberecht für Flüchtlinge
Sa.10.12.05 - Tausende geduldete Flüchtlinge in Deutschland müssen vorerst
weiter auf eine Aufenthaltsgenehmigung warten. Die Innenminister der
Länder konnten sich auf ihrer Konferenz in Karlsruhe nicht auf ein
Bleiberecht für Ausländer einigen, die schon seit Jahren in
Deutschland leben. Zunächst müssten die Auswirkungen des
Zuwanderungsgesetzes geprüft werden, erklärten die
Ressortchefs am Freitag. Hessen hatte keinen Erfolg mit seinem
Kompromissvorschlag, nach dem gut integrierte Flüchtlinge auf
Arbeitssuche gehen dürften.
Der Berliner Innensenator Erhart Körting (SPD) sagte, dass das
Thema Bleiberecht auf der Tagesordnung der Ressortchefs bleibe. Sein
bayerischer Amtskollege Günther Beckstein (CSU) betonte, dass es
mit ihm keine pauschale Regelung für Flüchtlinge geben werde
und stellte sich gegen die Vorstellungen von Ländern wie Hessen
und Berlin. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble betonte, dass
der Bund ein Bleiberecht für Flüchtlinge nicht regeln wolle
und könne. Er habe zwar Verständnis für die menschlichen
Schicksale. Andererseits kämen aber 80 Prozent der Menschen ohne
Aufenthaltsgenehmigung mit Schleusern nach Deutschland. «Man muss
schon Acht geben, dass man nicht zum Sponsor der Schleuserbanden
wird», sagte der CDU-Politiker. Die Innenministerkonferenz will
eine Arbeitsgruppe zum Thema Bleiberecht einsetzen. In Deutschland
leben knapp 200.000 geduldete Ausländer, die Mehrheit von bereits
seit Jahren.
Die Bundestagsfraktion der Grünen und die Organisation Pro Asyl
kritisierten die Verschiebung des Themas. «Das Damoklesschwert
der Abschiebung schwebt nun weiter über weit mehr als 100.000
längst integrierten Menschen», erklärte
Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt.
(Quelle: ap)
BA-Institut: Erst ab 2010 deutlicher Abbau der Arbeitslosigkeit
Sa.10.12.05 - Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung des
Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit (BA) ohne
zusätzliche beschäftigungspolitische Impulse vorerst keine
durchgreifende Besserung zu erwarten.
Erst ab dem Jahr 2010 werde in Deutschland die Arbeitslosigkeit stark
zurückgehen, schreibt das Nürnberger Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner am Freitag
veröffentlichten Langfristprojektion. Bis 2020 könne sich die
Unterbeschäftigung von heute knapp sechs Millionen nahezu
halbieren. Ausschlaggebend sei ein deutlicher Rückgang des
Arbeitskräfteangebots auf Grund der demographischen Entwicklung bei
gleichzeitig steigendem Arbeitskräftebedarf in Westdeutschland. Im
Osten setze sich der Beschäftigungsabbau dagegen unvermindert fort.
Das Institut warnte zugleich vor einem Fachkräftemangel bei
andauernd hoher Arbeitslosigkeit, wenn die Bildungsanstrengungen nicht
verstärkt würden.
Für Ostdeutschland zeichnen die Arbeitsmarktforscher ein
düsteres Bild. Die Projektion liefere dort "keinerlei Hinweise auf
einen positiven Arbeitsmarkttrend". Dort sei vielmehr mit einem weiteren
Rückgang des Arbeitskräftebedarfs um eine Million Personen bis
2020 zu rechnen. Dennoch gehe auch dort die Unterbeschäftigung
zurück, weil das Angebot an Arbeitskräften noch stärker
sinke. "Dadurch gerät Ostdeutschland in einen Teufelskreis aus
geringeren Einnahmen, geringeren Infrastrukturinvestitionen, sinkender
Attraktivität und ständig abnehmender Einwohnerzahl",
schreiben die Forscher.
Für Westdeutschland rechnen die Wissenschaftler dagegen bis 2020
mit kräftigen Beschäftigungsgewinnen von annähernd 2,3
Millionen mehr Beschäftigten. Die Unterbeschäftigung sinke im
Westen bis etwa 2015 nur wegen steigenden Arbeitskräftebedarfs.
Erst danach trage auch ein abnehmendes Arbeitskräfteangebot zum
Abbau der Arbeitslosigkeit bei.
Die Arbeitsmarktforscher betonen, dass ihre Vorausberechnung nicht
zwangsläufig eintreten müsse. Vielmehr wolle sie
frühzeitig auf negative Entwicklungen aufmerksam machen, damit
diese in politischen Entscheidungen berücksichtigt würden.
Nach ihrer Einschätzung bleibt das Arbeitskräfteangebot in
Deutschland insgesamt bis 2010 etwa gleich, sinkt danach aber
langfristig. Dabei sei die Annahme zu Grunde gelegt, dass es
jährlich eine Nettozuwanderung von 200.000 Ausländern in den
Arbeitsmarkt gebe, die zusammen mit einer stärkeren
Erwerbsbeteiligung der westdeutschen Frauen und der Älteren bis
etwa 2010 den demographischen Effekt ausgleiche. Danach wirke der
Geburtenmangel aber immer stärker, so dass das
Arbeitskräfteangebot im Jahr 2020 voraussichtlich um 1,5 Millionen
niedriger liege als derzeit.
Es bestehe die "Gefahr, dass es langfristig zu einem
Fachkräftemangel bei gleichzeitig immer noch hoher
Unterbeschäftigung kommen könnte", warnen die Forscher. Der
erwartete Rückgang der Unterbeschäftigung setze die Annahme
voraus, dass für den künftigen Bedarf an Arbeitskräften
auch entsprechend qualifizierte Arbeitnehmer bereit stünden. "Diese
Annahme könnte in Zukunft nicht mehr erfüllt sein und damit
die Wirtschaft vor ernsthafte Probleme stellen", warnt das IAB. Der seit
Jahren anhaltende Stillstand der Bildungsentwicklung könne in
Verbindung mit der abnehmenden Zahl jüngerer Arbeitskräfte
schon bald zu einem Fachkräftemangel führen. Dies gelte umso
mehr, je geringer die Bereitschaft der Wirtschaft sei, ältere
Arbeitnehmer zu beschäftigen.
(Quelle: rtr)
Vor WTO-Konferenz in Hongkong: Welthandelskampagne kritisiert
Industriestaaten
Abbau schädlicher Agrarbeihilfen verlangt. Kühe vor dem
Kanzleramt
Sa.10.12.05 - Die Welthandelskampagne «Gerechtigkeit jetzt» hat
eindringlich an die reichen Industrieländer appelliert, bei der
WTO-Ministerkonferenz kommende Woche in Hongkong die Interessen der
Entwicklungsländer in den Mittelpunkt zu stellen. Ohne mehr
Fairness im globalen Handel könne das Ziel, die weltweite Armut bis
2015 zu halbieren, nicht erreicht werden, sagte Reinhard Hermle vom
Entwicklungsverband VENRO am Freitag in Berlin vor Journalisten.
Anschließend führten die Initiatoren sechs lebende Kühe
vor das Kanzleramt und präsentierten dazu ein Plakat mit der
Aufschrift: «Die Welthandelsorganisation (WTO) melkt
Entwicklungsländer».
Hermle verlangte von der Europäischen Union und den USA, ihre
Agrarbeihilfen abzubauen, damit nicht länger ihre Billigexporte die
lokalen Märkte im Süden überschwemmen und die dortigen
Bauern in die Armut treiben. «Mit den über 250 Milliarden
Euro, die die Industrieländer zum Beispiel jährlich für
die Stützung ihrer Landwirtschaft ausgeben, schaden sie den
Entwicklungsländern mehr, als sie mit den 60 bis 70 Milliarden Euro
Entwicklungshilfe pro Jahr wett machen können», kritisierte
er.
Aus Sicht des Handelsexperten Arndt von Massenbach von
«Gerechtigkeit Jetzt» verfolgen die Industrieländer in
den laufenden Verhandlungen in erster Linie Eigeninteressen. So habe die
EU zwar angeboten, die schädlichen Agrarbeihilfen um 70 Prozent zu
kürzen, doch beziehe sich dies nicht auf tatsächliche
Zahlungen, sondern die theoretisch möglichen Obergrenzen.
Tatsächlich bleibe der EU auch künftig noch Spielraum nach
oben.
«Solchen völlig unzureichenden Angeboten beim Abbau von
Agrarbeihilfen stehen überzogene Forderungen an die
Entwicklungsländer gegenüber, zum Beispiel beim Marktzugang
für Industriegüter und Dienstleistungen», klagte er. Bei
der WTO dürfe es nicht länger um Handelsliberalisierung um
jeden Preis gehen. «Vielmehr müssen die Ergebnisse danach
beurteilt werden, ob sie Entwicklung und Armutsbekämpfung
fördern.»
Laut von Massenbach glaubt angesichts der weit auseinander liegenden
Positionen «kaum jemand mehr» an einen Erfolg der
Ministerkonferenz in Hongkong. Sollte es wider Erwarten doch einen
Durchbruch geben, käme auf die Entwicklungsländer ohnehin
nichts Gutes zu. «Kein Deal in Hongkong ist daher allemal besser
als ein aus entwicklungspolitischer Sicht schlechter Deal, bei dem die
armen Länder wieder einmal die Zeche zahlen.»
Zum Marktzugang für Industriegüter sagte Hermle, auch
größeren Entwicklungsländern müsse es erlaubt
bleiben, ihre aufkeimenden Industrien durch Zölle zu schützen
und Märkte nur selektiv und schrittweise zu öffnen. Bei den
Agrarverhandlungen komme es darauf an, sich auf einen verbindlichen
Zeitplan zum Abbau der Exportsubventionen zu verständigen. Zudem
müssten einzelne Produkte von weiterer Marktöffnung
vollständig ausgenommen werden, wenn sie für Einkommen und
Lebensunterhalt von Kleinbauern und anderen benachteiligten Gruppen
besonders wichtig sind.
Greenpeace warnte, der von der WTO geplante erleichterte Marktzugang
für Industriegüter fördere die Zerstörung der
Urwälder. So sei es unverständlich, dass notwendige
Urwaldschutzmaßnahmen wie Einfuhrverbote von Holz aus
Urwaldzerstörung oder die Kennzeichnung von Öko-Holz aus
WTO-Sicht dem Freihandel widersprächen. «Urwälder, Holz
und Holzprodukte gehören nicht auf den Verhandlungstisch der
WTO», forderte Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Vorwürfe gegen Autoren einer Vioxx-Studie
Sa.10.12.05 - Im Skandal um das vom Markt genommene Schmerzmittel Vioxx sind die
Autoren einer vom US-Pharmariesen Merck finanzierten Studie der
Datenunterschlagung beschuldigt worden. In einer bereits im Jahr 2000
veröffentlichten Studie seien drei Herzinfarkte von Vioxx-Patienten
nicht erwähnt worden, berichtet das "New England Journal of
Medicine". Durch eine Zeugenaussage in einem Schadenersatzprozess sei
jetzt bekannt geworden, dass die Autoren die Daten bewusst unterschlagen
haben.
Das Magazin forderte die Autoren auf, eine korrigierte Version ihres
Artikels zu liefern, da die "Ungenauigkeiten und Auslassungen" die
Resultate der Studie zu den Nebenwirkungen von Vioxx in Frage stelle.
Merck hatte Vioxx im September vergangenen Jahres wegen des
erhöhten Risikos von Schlaganfällen und Herzinfarkten
zurückgezogen. Weltweit nahmen mehr als 20 Millionen Menschen das
Mittel gegen Schmerzen bei Gelenkentzündungen ein.
Die Aktie von Merck fiel nach Bekanntwerden der Vorwürfe im
nachbörslichen Handel in New York um mehr als drei Prozent. Wegen
des Vioxx-Skandals sind gegen den Konzern mehr als 6000
Schadenersatzklagen anhängig. Allein die Prozesskosten könnten
sich Experten zufolge auf mehrere Milliarden Dollar belaufen. Die
Kläger wollen nachweisen, dass Merck das fehlerhafte Medikament
fahrlässig und vorsätzlich auf den Markt brachte.
(Quelle: afp)
Kalzium erzählt Klimageschichte
Forscher suchen nach Entschlüsselung der Biomineralisation
Sa.10.12.05 - Wissenschaftler am Kieler Leibniz-Institut für
Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) untersuchen im neuen
europäischen Forschungsprojekt CASIOPEA die biochemischen Prozesse
der Kalziumaufnahme in Verbindung mit früheren
Temperaturbedingungen im Ozean. Über das Schlüsselelement
Kalzium, ein Hauptbestandteil von Kalk, können die Forscher
wichtige Erkenntnisse über zahlreiche biologische Vorgänge
gewinnen. Die Forschungsergebnisse sollen aber nicht nur Aufschluss
über die Klimageschichte geben, sondern auch in der Humanmedizin
helfen.
Die Forscher vom IFM-GEOMAR haben ein neues Verfahren entwickelt, mit
dem die verschiedenen Formen des Kalziums, dessen so genannte Isotopen,
erstmalig präzise gemessen werden können. Aus dem
Verhältnis der verschiedenen Kalzium-Isotope können die
Meeresforscher Informationen über die Meereswassertemperatur der
Vergangenheit gewinnen. Besonders interessieren sich die Wissenschaftler
für die Entwicklung der Ozean-Temperaturen im Lauf der vergangenen
Jahrmillionen. Gemessen werden die Isotopen in so genannten
Foraminiferen - das sind die kleinsten kalkbildenden Lebewesen im Meer.
Das Verhältnis, mit dem bestimmte Foraminiferen die verschiedenen
Kalzium-Isotope aufnehmen, hängt stark von der Temperatur ab. Das
Hauptziel der Untersuchung ist die Beziehung zwischen den beiden
Faktoren Isotopenwert und Temperatur, die so genannte Kalibrierung,
herzustellen. Diese Kalibrierung bildet sozusagen das Thermometer
für vergangene Umweltbedingungen.
Zusätzlich zur Rekonstruktion der Meerestemperatur kann die
Messung der Isotopenverhältnisse auch Aufschluss über die
Biomineralisation geben. Unter Biomineralisation versteht man das
biochemische Verfahren, mit dem kalzifizierende Lebewesen wie die
Foraminiferen im Meer und auch der Mensch, ihr Skelett bilden. Dieser
Prozess konnte bis heute nicht entschlüsselt werden. Ein
Rätsel bleibt zum Beispiel die Frage, wie der Mechanismus
funktioniert, mit dem Foraminiferen die notwendigen Materialien für
ihr Kalkgerüst aus dem Meerwasser ziehen. Die präzisen
Isotopenmessungen liefern wertvolle Einblicke, die auch einen Beitrag
zum Verständnis von Vorgängen im menschlichen Körper
leisten können, unter anderem von Krankheiten wie Kalziummangel bei
Kleinkindern und Osteoporose.
Das Forschungsprojekt Casiopeia bringt Forscher aus verschiedenen
Europäischen Ländern zusammen. Die Koordination liegt bei
Anton Eisenhauer vom IFM-Geomar. "Casiopeia ist ein schönes
Beispiel dafür, wie Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung
Anwendung in vielen Bereichen des täglichen Lebens finden", meint
Projektleiter Eisenhauer.
(Quelle: pte)
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR):
http://www.ifm-geomar.de
- München -
Samstag, 10.12.2005 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2005
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit:
Paul Panhuysen, Eindhoven
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Aleksander Kolkowski, London
Esther Roth, Gontenschwil
Helmut Berninger und Das PHREN-Ensemble München
Hans Rudolf Zeller
Jörg Burkhard, Heidelberg
Louise Ingebos / Edith Rom / Ferdinand Dörfler / Stephan Wunderlich
Albert Dambeck, Passau
Boris Hegenbart, Berlin
Sebastian Preller, Berlin
OR-TON-FILM-CORPORATION, Heidelberg
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
http://www.experimentelle-musik.info
http://www.experimentellemusik.de
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