Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhunderteinunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Keine Nachricht von verschleppten Mitgliedern einer Hilfsorganisation.
Im Irak entführter Ägypter tot aufgefunden. US-Soldat bei
Autobombenanschlag getötet
So.11.12.05 - Für vier westliche Geiseln in der Hand irakischer Entführer
ist am Samstag die Frist abgelaufen. Das Innenministerium in Bagdad
erklärte, die Geiselnehmer hätten sich nicht gemeldet. Die
Gruppe hatte gedroht, die vier Mitarbeiter einer christlichen
Hilfsorganisation zu ermorden, wenn nicht bis Samstag sämtliche
Häftlinge aus Gefängnissen der US-Streitkräfte und der
Bagdader Regierung befreit würden. Zunächst hatte sie eine
Frist bis Donnerstag gesetzt, diese dann aber ohne Angabe von
Gründen verlängert.
Beim Freitagsgebet richteten sunnitische Geistliche Appelle an die
Geiselnehmer, die christlichen Helfer freizulassen. Die vier
Männer seien entschiedene Gegner des Irak-Kriegs gewesen,
hieß es. Auch über das Schicksal der verschleppten Deutschen
Susanne Osthoff, eines französischen Mitarbeiters einer
Hilfsorganisation und eines entführten Amerikaners lagen keine
Informationen vor.
Ein Ägypter, der am Freitag im Irak entführt worden war, ist
tot aufgefunden worden. Die Leiche, die mehrere Schussverletzungen
aufwies, sei nördlich von Tikrit entdeckt worden, teilte das
US-irakische Koordinationszentrum mit.
Der 46-jährige Ägypter war von Unbekannten vor seinem Haus in
Tikrit, 180 Kilometer nördlich von Bagdad, verschleppt worden. Zu
der Tat bekannte sich zunächst niemand. Tikrit war die Hochburg
von Ex-Präsident Saddam Hussein. Von der im Irak entführten
Deutschen Susanne Osthoff gibt es weiter kein Lebenszeichen. Aus
irakischen Behördenkreisen verlautete, die Aufständischen
wollten mit der Zunahme von Entführungen offenbar die
Parlamentswahl am 15. Dezember stören.
Die US-Streitkräfte nahmen nach eigenen Angaben ein ranghohes
Mitglied des Terrornetzwerks Al Kaida im Irak fest. Amir Chalaf Fanus,
in der Region Ramadi auch als «der Schlächter»
bekannt, sei von Einwohnern der westirakischen Stadt
US-Marineinfanteristen übergeben worden, teilte US-Hauptmann
Jeffrey Pool mit. Fanus sei das bisher ranghöchste Mitglied der Al
Kaida im Irak, das von Einheimischen an irakische Behörden oder
amerikanische Soldaten übergeben worden sei.
Bei einem Autobombenanschlag im Westen Bagdads wurde ein US-Soldat
getötet. Elf weitere wurden verletzt, wie die US-Streitkräfte
am Samstag erklärten. Auch ein irakischer Zivilist wurde bei dem
von einem Selbstmordattentäter verübten Anschlag verwundet.
Die Autobombe sei bereits am Freitag in der Nähe des
berüchtigten Gefängnisses Abu Ghraib explodiert.
In Mossul kamen bei der Explosion einer Bombe zwei irakische
Zivilpersonen ums Leben. Ziel des Anschlags war offenbar eine
amerikanischen Militärpatrouille. Im Stadtteil Sukar wurde Ali
Omeir, ein Mitglied einer Hilfsorganisation, getötet, als er auf
dem Weg zur Arbeit war.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 11.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.10.12.04 -198 Parteien können an Irak-Wahl teilnehmen. Bewegung des
radikalen Predigers Muktada al-Sadr wird sich nicht an Urnengang
beteiligen. Irakische Schiiten offenbar wegen Wahlbeteiligung
getötet +++ US-Soldat wegen Mord an Zivilisten im Irak verurteilt +++
US-Außenminister Powell erklärt Differenzen zwischen den
USA und mehreren europäischen Ländern wegen Irak-Politk
für beendet +++ US-Bürger sehen Zukunft des Iraks skeptisch,
jedoch wachsende Zustimmung zur Irak-Politik der US-Regierung +++
Spuren der Folter führen nach Washington: Regierungsdokumente
enthüllen neue Details über die
Misshandlung in Gefängnissen im Irak und im Lager von
Guantánamo. Doch in den USA ist die Empörung gering...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412110.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Nobelpreise in Oslo und Stockholm überreicht
El Baradei nimmt Friedenpreis entgegen. Literaturnobelpreisträger
Pinter wirft in Videobotschaft zur Verleihung des Literaturnobelpreises
Bush und Blair Staatsterrorismus vor
So.11.12.05 - In Oslo und Stockholm wurde am Samstag die Nobelpreise überreicht.
In der norwegischen Hauptstadt nahm Mohamed el Baradei den Friedenpreis
entgegen. Er ging je zur Hälfte an den ägyptischen IAEO-Chef
und seine Internationale Atomenergie-Organisation. In Stockholm
überreichte Schwedens König Carl XVI. Gustaf alle anderen
Nobelpreise. Der Brite Harold Pinter konnte wegen einer Krankheit den
Literaturpreis nicht selbst in Empfang nehmen. Den Nobelpreis
übernahm deshalb sein Verleger Stephen Page. Der deutsche Physiker
Theodor W. Hänsch gehört zu den drei Preisträgern seines
Faches.
Literaturnobelpreisträger Harold Pinter hat den USA und
Großbritannien wegen des Irak-Kriegs Staatsterrorismus
vorgeworfen. US-Präsident George W. Bush und der britische
Premierminister Tony Blair sollten vor den Internationalen
Strafgerichtshof in Den Haag gestellt werden, sagte Pinter in einer am
Mittwoch in Stockholm gezeigten Videobotschaft für die
Nobelpreisverleihung. Pinter konnte an der Zeremonie nicht
persönlich teilnehmen und hat deshalb seine Rede vorher
aufgenommen.
«Die Invasion im Irak war das Werk von Banditen, ein eklatanter
Akt von Staatsterrorismus, der absolute Verachtung für das Konzept
des Völkerrechts demonstriert hat», sagte der britische
Schriftsteller. Bush und Blair seien für den Tod von mehreren
zehntausend Menschen verantwortlich. «Wie viele Menschen muss man
umbringen, bevor man qualifiziert ist, als Massenmörder und
Kriegsverbrecher bezeichnet zu werden? Hunderttausend?» fragte
Pinter, der für provokative Äußerungen zum
Zeitgeschehen bekannt ist.
Den USA warf er darüber hinaus vor, seit dem Zweiten Weltkrieg
jede rechtsgerichtete Militärdiktatur in der Welt unterstützt
zu haben. Dies sei jedoch stets unter dem Vorwand geschehen, man wolle
das Wohl der Menschheit fördern. Dem irakischen Volk seien Folter,
Streubomben, Elend, Demütigung und Tod gebracht worden, wenngleich
behauptet werde, man bringe dem Nahen und Mittleren Osten Freiheit und
Demokratie. Pinter sprach von einem «brillanten, fast schon
geistreichen und höchst erfolgreichen Akt der Massenhypnose».
(Quellen: ap, dpa)
'Kunst, Wahrheit und Politik'
Rede des englischen Dramatikers und Dichters Harold Pinter
anläßlich der Verleihung des diesjährigen
Literaturnobelpreises in Stockholm
http://www.jungewelt.de/2005/12-09/004.php
http://www.jungewelt.de/2005/12-10/004.php
Nobel-Stiftung:
http://www.nobel.se/
Zwölf Tote bei Taliban-Angriff auf Regierungsgebäude in
Südafghanistan
So.11.12.05 - Bei einem Angriff von Taliban-Kämpfern auf Regierungsgebäude
im Süden Afghanistans sind mindestens sieben Polizisten
getötet und sechs weitere verletzt worden. Fünf
mutmaßliche Taliban kamen ums Leben, als rund 90 Kämpfer am
Freitagabend den Verwaltungssitz und eine Polizeistation im Distrikt
Garmser angriffen, wie der örtliche Polizeichef Hadschi Bahader
Dschan der Nachrichtenagentur AFP am Samstag sagte.
Sicherheitskräfte suchten nach den Angreifern. Ein
Taliban-Sprecher übernahm gegenüber AFP die Verantwortung
für den Überfall, bei dem zehn Polizisten und ein Taliban
getötet worden seien.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Diplomat: Palästinenser arbeiten bei Kontrollen in Rafah gut
So.11.12.05 - Entgegen israelischer Kritik erfüllen die Palästinenser nach
Einschätzung aus Diplomatenkreisen ihre Kontrollaufgaben am
Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen
voll. Die Kritik aus Israel an der Arbeit der Palästinenser sei
nicht gerechtfertigt, sagte ein Dilpomat, der nicht genannt werden
wollte, am Samstag. Die einseitige Entscheidung der israelischen
Regierung, Gespräche über die Verkehrsanbindung zwischen
Gazastreifen und Westjordanland aufzuschieben, sei "unberechtigt" und
solle nur die für kommende Woche in London geplante Geberkonferenz
für die Palästinensergebiete torpedieren.
(Quelle: afp)
Untersuchung der gewaltsamen Zwischenfälle in Ägypten
gefordert
So.11.12.05 - Amnesty International und Reporter ohne Grenzen fordern von der
ägyptischen Regierung eine unabhängige Untersuchung der
gewaltsamen Zwischenfälle bei der Parlamentswahl. Amnesty
erklärte am Freitagabend, Polizisten hätten vor den
Wahllokalen das Feuer eröffnet. Die genauen Umstände dieser
Taten müssten dringend aufgeklärt werden. Reporter ohne
Grenze verlangte eine Bestrafung derer, die Journalisten angegriffen
hätten.
Das ägyptische Innenministerium erklärte, die Polizisten
hätten die Wahllokale bewacht und den Wählern den Zugang zu
den Urnen ermöglicht. Die Wahl erstreckte sich über vier
Wochen und wurde von massiven Behinderungen und gewaltsamen
Zwischenfällen begleitet. Insgesamt wurden mindestens zehn
Menschen getötet und hunderte verletzt. Mehr als 1.000 Personen
wurden festgenommen, vor allem Anhänger der oppositionellen
Muslimbruderschaft. Diese verfügt in der neuen Volksvertretung
über 88 der 454 Sitze. Eine klare Mehrheit von 333 Sitzen haben
aber weiterhin die Nationaldemokratische Partei (NDP) von
Präsident Husni Mubarak und ihre Verbündeten.
(Quelle: ap)
Äthiopien zu Truppenabzug von Grenze zu Eritrea bereit
So.11.12.05 - Äthiopien hat sich zu einem Truppenabzug von der Grenze zu Eritrea
bereit erklärt. "Im Interesse des Friedens" wolle Äthiopien
den Forderungen des UN-Sicherheitsrats nachkommen, selbst wenn dies mit
"Risiken" für die eigene Sicherheit verbunden sei, erklärte
Außenminister Seyoum Mesfin am Samstag in Addis Abeba. Zugleich
warf Mesfin der Regierung in Asmara vor, für die jüngsten
Spannungen verantwortlich zu sein.
(Quelle: afp)
Erste Proteste gegen WTO-Konferenz in Hongkong
So.11.12.05 - Vor der Welthandelskonferenz in Hongkong in der kommenden Woche haben
Aktivisten am Samstag erste Proteste veranstaltet. Mitglieder der
Umweltschutzorganisation Greenpeace trugen zur Begrüßung von
Teilnehmern der Konferenz Modelle zerstörter Video-Monitoren auf
dem Kopf. Eine von der WTO angestrebte Liberalisierung des Welthandels
hätte nach Ansicht von Greenpeace zur Folge, dass mehr
Elektronikschrott in Entwicklungsländern landet.
Aktivisten der Organisation Oxfam demonstrierten im Einkaufsviertel
Causeway Bay gegen eine unfaire Subventionierung von Produkten wie Reis
und Baumwolle seitens der entwickelten Staaten. Oxfam sammelte nach
eigenen Angaben in mehr als 200 Ländern insgesamt 17,8 Millionen
Unterschriften, mit denen die WTO und die Industriestaaten aufgefordert
werden sollen, gegen unfaire Preispraktiken vorzugehen. Die
Unterschriften sollten WTO-Generalsekretär Pascal Lamy am Montag
übergeben werden, erklärte eine Oxfam-Sprecherin.
(Quelle: ap)
Internationale Arbeitsorganisation: Jeder zweite Beschäftigte arm
So.11.12.05 - Die Hälfte aller Beschäftigten weltweit lebt nach einer
Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Armut. Viele
Arbeitnehmer verdienten zu wenig Geld, um sich und ihre Familien aus
der Armut zu befreien, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia
gestern in Genf. Daran habe auch die Globalisierung nichts
geändert. Die Bereitstellung ausreichend vergüteter
Arbeitsplätze habe keine Priorität für die Politiker,
kritisierte Somavia. Er forderte die Regierungen auf, eine angemessene
Bezahlung in den Mittelpunkt ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik zu
rücken. Insgesamt verdienen den Angaben der ILO zufolge rund 1,4
Milliarden Arbeitnehmer weniger als zwei US-Dollar am Tag für sich
und ihre Familien. Zwei Dollar gelten international als die
Armutsgrenze.
(Quelle: epd)
Einigung bei Klimakonferenz - Neue Gespräche mit den USA
So.11.12.05 - Auf der Klimaschutzkonferenz in Montreal ist eine Einigung über
das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Erderwärmung erzielt
worden. Die Umweltminister beschlossen am Samstag, ergebnisoffene
Gespräche über weitere Schritte für den Klimaschutz zu
führen. Auch die USA kündigten dafür ihre Teilnahme an,
nachdem sie sich zunächst vehement dagegen gesperrt hatten. Zuvor
hatten bereits die Staaten des Kyoto-Abkommens beschlossen, über
eine Verlängerung des Protokolls über 2012 hinaus zu
sprechen. Darin haben rund 40 Industriestaaten zugesagt, ihre
Treibhausgas-Emission bis 2012 unter das Niveau von 1990 zu senken. Die
USA lehnen dieses Abkommen ab.
Nach der neuen Vereinbarung sollen Strategien für das langfristige
gemeinsame Vorgehen gegen den Klimawandel erörtert werden, wie die
Umweltminister mitteilten. Die Einigung sieht aber keinen Zeitplan oder
bestimmte Ziele vor. Die USA hatten sich noch bis Freitag gegen die
Vorschläge zur künftigen Bekämpfung der
Erderwärmung gesperrt. Der frühere US-Präsident Bill
Clinton übte in Montreal scharfe Kritik an der starren Haltung der
US-Regierung.
Gastgeber Kanada wollte einen nicht-bindenden Dialog in Gang setzen, um
Möglichkeiten auszuloten, wie dem Treibhauseffekt auch nach
Auslaufen des Kyoto-Protokolls entgegen gewirkt werden kann. Kanada
hatte dafür eine zweijährige Sondierungsphase angeregt, um
langfristige Strategien zur Bekämpfung des Treibhauseffekts auch
nach 2012 zu beraten. Umweltgruppen hatten den kanadischen Vorschlag
als zu vage kritisiert, um die globale Erwärmung wirksam
anzugehen. Den USA ging der Vorschlag indes zu weit. Bush hatte sich
zuvor von dem Kyoto-Prozess abgewandt, den er als zu enges Korsett
für die Wirtschaft ablehnt. Stattdessen will er etwa über
Investitionen in moderne Umwelt-Technologie gegen die Erderwärmung
vorgehen.
Der Vertrag von Kyoto ist im Februar in Kraft getreten und stellt einen
ersten Schritt dar, um die Erwärmung der Erde zu stoppen, die nach
Einschätzung einer Großzahl von Wissenschaftlern zu
dramatischen Klimaveränderungen führen wird. Demnach sind
mehr und heftigere Stürme zu erwarten, eine Ausbreitung von
Wüstengebieten und das Aussterben zahlreicher Tierarten. Aber auch
mit dem Anstieg des Meeresspiegels wird gerechnet, wodurch ganze
Inseln, aber auch Teile von tief liegenden Küstengebieten
unbewohnbar werden könnten.
(Quelle: rtr)
Frankreich: Kommission soll nach Kolonialstreit Umgang mit Geschichte
klären
So.11.12.05 - Nach dem Streit um die koloniale Vergangenheit in Frankreich soll eine
Kommission den künftigen Umgang des Parlaments mit der Geschichte
klären. Staatspräsident Jacques Chirac erklärte am
Freitag in Paris, wie alle Nationen habe Frankreich "Momente des Lichts
und tiefster Dunkelheit" erlebt. "Das ist ein Erbe, das wir als Ganzes
annehmen müssen." In dem Streit geht es um ein Gesetz über
Algerien-Rückkehrer, in dem Schulen aufgefordert werden, "die
positive Rolle der französischen Übersee-Präsenz,
insbesondere in Nordafrika" herauszustellen. Dies hatte in der
ehemaligen Kolonie Algerien und in französischen
Übersee-Gebieten heftige Proteste ausgelöst.
(Quelle: afp)
Polen ordnet Untersuchung zu möglichen CIA-Gefängnissen an
So.11.12.05 - Der polnische Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz hat am
Samstag eine eingehende Untersuchung zu Vorwürfen über
geheime Gefängnisse des US-Geheimdiensts CIA in Polen
angekündigt. Er ordne eine detaillierte Überprüfung
aller möglichen Orte an, um herauszufinden, ob es für
derartige Gefängnisse Belege gebe. «Es ist nötig, die
Angelegenheit endlich zu beenden, denn sie könnte gefährlich
für Polen sein», sagte Marcinkiewicz im polnischen Fernsehen.
Sein Sprecher Konrad Ciesiolkiewicz erklärte, Einzelheiten zu der
geplanten Untersuchung seien ihm nicht bekannt. Polnische
Regierungsvertreter haben Berichte über Geheimgefängnisse der
CIA in ihrem Land wiederholt zurückgewiesen. Die Organisation
Human Rights Watch bekräftigte dagegen erst am Freitag den
Vorwurf, dass Polen der Hauptstützpunkt des US-Geheimdienstes in
Europa sei. In Polen seien wiederholt Gefangene von CIA-Beamten
verhört worden, darunter rund 25 prominente
Terrorverdächtige, sagte Marc Garlasco, ein ranghohes Mitglieder
der Menschenrechtsorganisation, der Warschauer «Gazeta
Wyborcza». Er berief sich dabei auf vertrauliche Informationen
aus CIA-Kreisen selbst.
(Quelle: ap)
Hat die EU dem 'Transit' von Gefangenen zugestimmt?
Anfang 2003 hat der Europäische Rat der US-Regierung angeblich die
"Benutzung von Transiteinrichtungen" gestattet, weswegen womöglich
die EU-Regierungen von den CIA-Flügen lieber nicht wissen
(wollen)... Mehr bei telepolis vom 12.12.05:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21550/1.html
Deutsche Regierung bereitet Bericht zur El-Masri-Entführung vor
Laut Steinmeier waren deutsche Stellen nicht beteiligt. Aber
Sicherheitskreise kannten den Deutsch-Libanesen
So.11.12.05 - Die Bundesregierung bereitet einen umfassenden Bericht zu den
Flugbewegungen des US-Geheimdienstes CIA über Deutschland und der
Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri vor. Der Bericht
soll in der kommenden Woche Außenminister Frank-Walter Steinmeier
und Ex-Innenministers Otto Schily als Grundlage für ihre
Äußerungen im Parlamentarischen Kontrollgremium dienen. Die
Linkspartei forderte am Samstag in Dresden ein Machtwort von
Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Affäre.
Derzeit würden alle Akten geprüft, die Aufschluss über
die Abläufe geben könnten, erfuhr die «Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung» aus Regierungskreisen. Es solle
geklärt werden, welches Mitglied der Regierung von Bundeskanzler
Gerhard Schröder wann von welchen Vorgängen gewusst habe. Der
Deutsch-Libanese El Masri war nach eigenen Angaben Ende 2003
verschleppt und vom US-Geheimdienst CIA fünf Monate in einem
Gefängnis in Afghanistan festgehalten worden.
Steinmeier wies den Vorwurf zurück, deutsche Stellen seien an der
Verschleppung beteiligt gewesen. Diese Behauptung sei empörend und
unverantwortlich, sagte der SPD-Politiker der
«Bild»-Zeitung. «Das Handeln unserer Behörden
ist an Recht und Gesetz gebunden.»
Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte
laut «Leipziger Volkszeitung», er sehe «bei
Berücksichtigung aller mir vorliegenden Informationen» zum
Fall El Masri «derzeit keinerlei Anhaltspunkt für
irgendwelche Verstöße» durch «Mitglieder der
Bundesregierung und anderer Verantwortlicher in Deutschland». Er
habe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sein Vorgänger
Schily etwas falsch gemacht habe, ergänzte der CDU-Politiker im
«Tagesspiegel».
Allerdings stand El Masri schon vor seiner Entführung unter
Beobachtung deutscher Sicherheitsbehörden. Das erfuhr die
«Welt am Sonntag» aus Sicherheitskreisen. Die Beamten
hätten aber weit von sich gewiesen, bei der Entführung
geholfen zu haben.
Der FDP-Parteivorsitzende Guido Westerwelle nannte die Unterrichtung
des zur absoluten Geheimhaltung verpflichteten Kontrollgremiums in
keiner Weise ausreichend. «Wir wollen Aufklärung in den
regulären Ausschüssen. Wenn wir die nicht bekommen,
müssen wir einen Untersuchungsausschuss einsetzen», sagte
der FDP-Chef der «Berliner Zeitung».
Westerwelle bezweifelte auch, dass die deutschen Geheimdienste nichts
von der Entführung El Masris erfahren hätten. «Wenn der
deutsche Geheimdienst die CIA mit Materialien über einen Deutschen
versorgt, der daraufhin von der CIA entführt wird, kann ich mir
schwer vorstellen, dass der deutsche Nachrichtendienst von der
Verschleppung nichts weiß.»
Der Vize-Fraktionschef der Grünen, Christian Ströbele, fragte
im NDR, woher Westerwelle seine Erkenntnisse habe. Es gebe bisher
keinerlei Anhaltspunkte für gezielte oder auch nur beiläufige
Informationen des Bundesnachrichtendienstes an die Amerikaner.
El Masri sagte der «Süddeutschen Zeitung», er sei sich
sicher, im Mai 2004 in Afghanistan mit einem Deutschen gesprochen zu
haben. Er sei während seiner Gefangenschaft von ihm verhört
worden. «Er war hundertprozentig ein Deutscher. Er hatte einen
norddeutschen Akzent. Kein Hauch von amerikanischem Dialekt.»
Links-Fraktionschef Gregor Gysi forderte eine klare Stellungnahme der
Kanzlerin zu den CIA-Flügen über Deutschland und den
Verschleppungen. «Schluss, aus!», rief Gysi auf dem
Links-Parteitag in Dresden aus. Dies sei mit dem vereinten Europa nicht
zu machen: «Das erwarte ich jetzt auch von der Kanzlerin, dass
sie das sagt.»
(Quelle: ap)
Breite Kritik an Schröder wegen Jobs bei deutsch-russischem
Pipelineprojekt
So.11.12.05 - Die Kritik an Altkanzler Gerhard Schröder wegen seines
künftigen Postens im Aufsichtsrat des deutsch-russischen
Konsortiums zum Bau der Ostsee-Pipeline weitet sich aus.
Auch in der Union wurde das Vorgehen des früheren Regierungschefs
am Samstag abgelehnt. Der außenpolitische Sprecher der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckart von Klaeden, sprach in der
"Bild"-Zeitung von einem einmaligen Vorgang. Schröders Engagement
für die deutsch-russische Beziehungen werde in ein schiefes Licht
gerückt. Der Sprecher der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten,
Stephan Hilsberg, kritisierte im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Da
zieht jemand persönlichen Nutzen aus seinen eigenen politischen
Entscheidungen." FDP-Chef Guido Westerwelle und der Steuerzahlerbund
forderten einen Ehrenkodex für ausscheidende Regierungsmitglieder.
Rückendeckung erhielt Schröder allerdings von
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der einen Wechsel von der
Politik in die Wirtschaft als richtig bezeichnete.
Schröder soll Aufsichtsratschef der North European Gas Pipeline
(NEGP) werden. Die Gesellschaft für Entwicklung und Bau der
Pipeline von Russland nach Deutschland durch die Ostsee gehört dem
russischen Gasriesen Gazprom und den deutschen Konzernen E.ON und BASF.
Ab 2010 soll sibirisches Gas durch die Pipeline nach Europa gepumpt
werden.
Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff äußerte in der
"Bild"-Zeitung den Verdacht, hier werde Schröders jahrelange
Freundschaft zu Russlands Präsident Wladimir Putin belohnt. Der
Ex-Kanzler habe Gazprom den Weg geebnet. "So entsteht der Eindruck,
dass jemand durch sein politisches Handeln im Nachhinein Geld
verdient." Grünen-Chef Reinhard Bütikofer monierte, der
Altkanzler profitiere beruflich von einer Entscheidung, die er selbst
in seiner Amtszeit wesentlich vorangetrieben habe. "Der Vorgang
verschlägt mir ein bisschen die Sprache", sagte er dem
"Kölner Stadt-Anzeiger".
FDP-Chef Guido Westerwelle forderte in der "Bild am Sonntag" einen
Ehrenkodex für Regierungsmitglieder, die aus dem Amt ausscheiden.
Mit Schröders geplantem Engagement würden die schlimmsten
Vorurteile gegen Politik und Politiker genährt. Ähnlich
äußerte sich der Präsident des Steuerzahlerbundes,
Karl-Heinz Däke. "Hier stellt sich die Frage, ob es einen
Zusammenhang zwischen aktiver Politik und persönlichem Vorteil
gibt", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Ein Ehrenkodex müsse
festlegen, dass Regierungsmitglieder nach dem Ausscheiden aus dem Amt
mindestens ein Jahr lang nicht für Unternehmen tätig werden
dürften, die im direkten Zusammenhang mit ihrem politischen
Handeln gestanden hätten. Der Altkanzler stehe in einer besonderen
moralischen Verantwortung.
Glos wurde von Schröders Einstieg bei Gazprom nach eigenen Worten
überrascht. "Ich halte jedoch einen Wechsel von der Politik in die
Wirtschaft grundsätzlich für richtig", sagte er der "Bild am
Sonntag". Laut "Spiegel" hat die Personalie auch in den Vorstandsetagen
der Konzerne E.ON und BASF für Überraschung gesorgt. Der Fall
sei offenbar auf dem kurzen Dienstweg zwischen Putin, Gazprom-Chef
Alexej Miller und Schröder geklärt worden. Zuvor hatte es
bereits in russischen Energiewirtschaftskreisen geheißen, Putin
habe sich für die Berufung Schröders eingesetzt.
Schröder hat während seiner Kanzlerschaft die
Energiepartnerschaft mit Russland stark gefördert. Noch im Oktober
hatte der Sprecher der abgelösten rot-grünen Bundesregierung
Bela Anda jedoch Berichte über eine mögliche künftige
Beratertätigkeit von Schröder für Gazprom dementiert.
(Quelle: rtr)
Linkspartei: Bisky unterstreicht Willen zur Regierungsbeteiligung
So.11.12.05 - Die Linkspartei ist nach den Worten ihres Vorsitzenden Lothar Bisky
bereit, sich an einem Regierungsbündnis links von der großen
Koalition von Union und SPD zu beteiligen.
Auch wenn die Linkspartei derzeit für eine konsequente
Oppositionspolitik stehe, könne das nicht heißen, "die
Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse einer bisweilen
sozialdemokratisch gemäßigten CDU zu überlassen", sagte
Bisky am Samstag im Dresden auf dem Parteitag der Linkspartei. Auch die
Fraktionschefs Gregor Gysi und Oskar Lafontaine warben für den bis
Mitte 2007 geplanten Zusammenschluss der Linkspartei mit der
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit. "Wir wollen und
werden es schaffen, eine Partei zu gründen, die ganz Deutschland
braucht, von Bayern bis Mecklenburg-Vorpommern", sagte Gysi. Die
Delegierten des bis zum heutigen Sonntag dauernden Parteitags sollen
weitere Voraussetzungen für die Fusion schaffen.
Viele Wähler erwarteten, dass die Linkspartei ihren
Gestaltungsanspruch geltend mache, auch wenn Regierungsbeteiligung kein
Wert an sich sei. "Doch eine breite demokratische Linke kann auf den
Gestaltungsanspruch nicht verzichten", sagte Bisky vor den über
400 Delegierten. Die Zustimmung des Parteitags zu den von den
Parteispitzen vereinbarten Kooperationsabkommen würde den Weg zu
einer starken linken Partei erheblich voran bringen. Die Fusion mit der
WASG müsse auch deshalb Ende Juni 2007 abgeschlossen werden, weil
die Bundestagsfraktion auf Dauer nicht von zwei Parteien getragen
werden könne. "Wir brauchen rechtzeitig Klarheit, in welcher
Formation wir die nächste Bundestagswahl angehen, um den
politischen Richtungswechsel voranzutreiben", sagte der Parteichef, der
wie Gysi und Lafontaine die Politik der schwarz-roten Bundesregierung
als unsozial scharf kritisierte.
"Die 4,2 Millionen Wähler, die uns gewählt haben,
verpflichten uns, eine gemeinsame Partei zu bilden", sagte Lafontaine.
Das 8,7-Prozent-Ergebnis der Linkspartei bei der Bundestagswahl habe
die Politik in Deutschland verändert, "und deshalb werbe ich
dafür, dass wir diesen Weg weitergehen". Zugleich widersprach
Lafontaine der These Biskys, dass es in Deutschland strukturell eine
Mehrheit links von der Union gebe. Im Parlament gebe es nur
konkurrierende neoliberale Parteien, die für die Hartz-IV-Reformen
seien. "Es gibt nur eine Linke im Bundestag, und das sind wir", sagte
der frühere SPD-Chef.
Die Delegierten sollen über einen Leitantrag abstimmen, in dem die
geplante gemeinsame Partei als einflussreiche Oppositionskraft
beschrieben wir, die für soziale Gerechtigkeit, eine
"friedensfähige Außenpolitik", die weitere Demokratisierung
der Gesellschaft und einen sozial-ökologischen Umbau kämpfe.
"Unser Ziel ist und bleibt ein dem entsprechender Politikwechsel."
Außerdem soll Mitgliedern der WASG die Möglichkeit
eingeräumt werden, die Mitgliedschaft der Linkspartei zu erwerben.
Über den Zusammenschluss müssen Parteitage von Linkspartei
und WASG sowie die Mitglieder beider Parteien in einer Urabstimmung
entscheiden. Strittig ist die Fusion vor allem in Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern, wo die WASG die Beteiligung der Linkspartei an
den Landesregierungen ablehnt. Gysi verteidigte die
Regierungsbeteiligung in beiden Ländern. Er wolle der CDU nicht
die Regierung überlassen, sondere wolle, dass es den Menschen
besser gehen solle.
Am Samstagabend stand die Wahl eines neuen
Bundesgeschäftsführers auf dem Programm. Bisky hat für
dieses Amt den Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch vorgeschlagen,
der diese Funktion bereits von 1997 bis 2002 bekleidet hatte.
(Quelle: rtr)
Forschungsministerin Schavan will Debatte über Eliten vorantreiben
So.11.12.05 - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) will in der laufenden
Legislaturperiode die Debatte über Eliten in Deutschland in den
Vordergrund rücken. "Wir können uns nicht länger eine
Strategie des Mittelmaßes leisten", sagte Schavan der "Leipziger
Volkszeitung". "Ich möchte, dass nach vier Jahren gesagt wird:
Deutschland ist dabei, eine interessante Talentschmiede zu werden."
Eine Gesellschaft, die innovativ sein wolle, müsse "alle Wege
freimachen, damit hoch qualifizierte junge Leute bei uns ihre Chance
sehen."
Deutschland brauche "einen klaren Blick auf Eliten", aber auch auf die
Förderung von Benachteiligten, betonte Schawan. "Beides sind zwei
Seiten einer Medaille. Beides ist noch nicht genügend gelungen."
Die Ministerin forderte die Wirtschaft auf, ihre eigenen Anstrengungen
in den Bereichen Forschung und Innovation zu verstärken.
Künftig müssten auch von der Wirtschaft "Wachstumskerne"
gefördert werden. "Wir müssen in den nächsten Jahren in
einigen Regionen, ganz besonders in den neuen Ländern, alles tun,
um die rasante Abwanderung junger Leute zu verhindern", sagte Schavan.
(Quelle: afp)