Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertzweiunddreißigten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Regierung schließt Landesgrenzen vor der Parlamentswahl. Erneut
Anschläge im Irak. Zahl der seit Kriegsbeginn ums Leben gekommenen
US-Soldaten steigt auf mindestens 2.141. Keine neuen Erkenntnisse im
Fall Osthoff. Arabische Botschafter fordern Freilassung der im Irak
entführten deutschen Archäologin
Mo.12.12.05 - Wenige Tage vor der Parlamentswahl im Irak hat die Regierung in Bagdad
am Sonntag eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen
angekündigt. So sollen Grenzen und Flughäfen geschlossen, das
Ausgehverbot in der Nacht ausgedehnt und Reisen über Provinzgrenzen
hinweg verboten werden. Das Innenministerium erklärte, alle
Anordnungen sollten am Dienstag in Kraft treten - zwei Tage vor der
Wahl. Das Ausgehverbot beginnt dann schon um 22.00 Uhr statt bisher um
Mitternacht und dauert bis 06.00 Uhr.
Der irakische Präsident Dschalal Talabani bezeichnete die
Parlamentswahl als entscheidend für die Geschichte des Landes.
Talabani sagte am Sonntag in Suleimanija, er rechne damit, dass keine
Partei eine klare Mehrheit erlangen werde. Daher werde es zu einer
Koalitionsregierung kommen, die zu einer größeren Einheit im
Irak führen werde. «Die Sunniten werden wählen»,
sagte der Präsident weiter. Damit entfalle für die
sunnitischen Aufständischen der Vorwand, eine nicht legitimierte
Regierung zu bekämpfen.
Der einflussreiche schiitische Geistliche Großayatollah Ali al
Sistani forderte seine Anhänger auf, sich an der Wahl zu
beteiligen. Die Wahlberechtigten sollten ihre Stimme den Kandidaten
geben, die ihre Prinzipien und ihre Interessen schützen
könnten, erklärte Al Sistani in einer so genannten Fatwa.
Im Ausland lebende Iraker können ihre Stimme bereits von Dienstag
an abgeben, wie die Wahlkommission am Samstag bekannt gab. Nach
Schätzung der UN leben rund 1,5 Millionen Iraker im Ausland. Die
USA erwarten insgesamt eine Wahlbeteiligung zwischen 65 und 80 Prozent,
wie der US-Kommandeur im Irak, General George Casey, der
Nachrichtenagentur AP sagte. Ausnahme sei die sunnitische Unruheprovinz
Anbar, das Zentrum des Aufstandes.
Im Westen Bagdads wurde am Sonntag ein US-Soldat bei der Explosion
einer Bombe getötet, wie die amerikanischen Streitkräfte
erklärten. Bereits am Samstag waren bei Anschlägen vier
US-Soldaten ums Leben gekommen. Zwei von ihnen wurden bei einem Angriff
südwestlich von Bagdad erschossen, wie die Streitkräfte
mitteilten. Zwei weitere wurden in der Hauptstadt getötet. Damit
stieg die Zahl der seit Kriegsbeginn im März 2003 ums Leben
gekommenen US-Soldaten auf mindestens 2.141. Weitere Anschläge
kosteten am Samstag mindestens drei irakische Zivilpersonen das Leben.
Insgesamt 52 Iraker, darunter mutmaßliche Bombenleger, wurden
nach US-Militärangaben von Donnerstag bis Samstag im Raum Tikrit
festgenommen. Nahe der südirakischen Stadt Kut fassten US-Soldaten
zehn Anhänger des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadr.
Unterdessen entließen die amerikanischen und britischen Truppen
241 Häftlinge aus den beiden wichtigsten Gefangenenlagern des
Landes, Abu Ghoreib bei Bagdad und Camp Bucca südlich von Basra.
Das irakische Justizministerium teilte mit, die Freigelassenen
zählten zu denen, die für nicht schuldig befunden wurden.
Über einen möglichen Zusammenhang mit Forderungen von
Geiselnehmern wurde nichts bekannt.
Nach Angaben eines früheren Kommandeurs der Sondertruppen des
Innenministeriums wird in irakischen Geheimgefängnissen gefoltert.
Er habe gesehen, wie der mutmaßliche Partisanenführer
Nadschim el-Tachi in einem solchen Gefängnis elektrische
Schläge bekam, sagte der vor wenigen Tagen desertierte General
Muntadhar al-Samarai dem französischen Sender France Inter
(Samstag).
Die in Berlin akkreditierten arabischen Diplomaten haben die
Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff und ihres
irakischen Fahrers verurteilt. In der vom Zentralrat der Muslime
verbreiteten Erklärung heißt es: «Die Botschafter der
arabischen Länder in Deutschland nehmen ausdrücklich Abstand
von derartigen Menschen entwürdigenden Handlungen.»
Mit ihrer Arbeit habe Osthoff den Menschen im Irak gedient. «Sie
war in keinster Weise politisch geprägt», heißt es in
der Erklärung. Bereits 1991 habe Osthoff während des
Golfkrieges den Menschen im Irak geholfen, indem sie medizinische
Einrichtungen mit Medikamenten versorgt und unermüdlich in
Krankenhäusern vor Ort gearbeitet habe. «Nur Aktionen wie
die von Frau Osthoff durchgeführten ermöglichen es dem
irakischen Volk, einen weniger leidvollen Alltag zu erleben»,
erklären die Botschafter.
Daher forderten die Botschafter, Geiselnahmen dürften den Einsatz
von Entwicklungshelfern nicht stoppen.
Von Susanne Osthoff gibt es immer noch kein Lebenszeichen. Unter
Leitung von Minister Frank-Walter Steinmeier kam am Sonntag im
Auswärtigen Amt erneut der Krisenstab zu einer Sitzung zusammen.
Über Details wurde nichts bekannt. Die Bundesregierung
versicherte, dass sie sich weiter intensiv um die Freilassung der
43-Jährigen bemühe.
Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble würdigte das
Angebot des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland,
Nadeem Elias, sich den Entführern im Austausch für Osthoff zur
Verfügung zu stellen. Dies sei "hoch anerkennenswert", sagte der
CDU-Politiker dem "Tagesspiegel am Sonntag". Viele Deutsche hätten
dadurch möglicher Weise zum ersten Mal gemerkt, "dass die
islamischen Mitbürger vielleicht noch mehr unter dieser
Entführung leiden als sie selbst".
Rund 400 Bürger aus Susanne Osthoffs Heimat-Landkreis Ebersberg
haben am Sonntagabend mit einem Lichtermeer für ihre Freilassung
demonstriert. Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens sagte bei
der Kundgebung in der oberbayerischen Stadt, die Geiselnahme schmerze
besonders, weil Osthoff als engagierte Helferin im Irak in vollem
Bewusstsein der Gefahr ihr Leben riskiert habe, um Bedürftigen,
Kranken und Kindern zu helfen. Die CSU-Politikerin rief die deutschen
Bürger auf, Solidarität mit der Archäologin zu
demonstrieren. In Frankreich und Italien hätten Demonstrationen
der Bürger für verschleppte Landsleute einen hohen
moralischen Druck auf die Entführer erzeugt und zu einem Erfolg
mit beigetragen.
Bei dem Kerzenmeer auf dem Ebersberger Marktplatz beteten neben dem
katholischen und dem evangelischen Ebersberger Stadtpfarrer auch ein
Imam für die Entführte. Zuvor läuteten im ganzen
Landkreis Kirchenglocken als Zeichen der Solidarität.
Die aus Bayern stammende Archäologin war am 25. November im
Nordirak verschleppt worden. Von ihr fehlt seitdem jede Spur. In
eindringlichen Fernsehappellen hatten Mutter und Schwester von Susanne
Osthoff und auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder die
Entführer um die Freilassung der Geisel gebeten.
(Quellen: ap, afp, rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 12.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.11.12.04 -Kommunistische Partei legt Kandidatenliste für Irak-Wahl vor.
Sunnitische Partei stellt 275 Kandidaten für Wahlen auf +++
US-Soldat bei Kampfeinsatz in Provinz Anbar getötet +++ Rebellen
töten mehrere Polizisten im Irak +++ Rund 2000 Menschen bei
Gedenkfeier für die im Irak ermordete CARE-Leiterin Margaret
Hassan +++ Modell Falludscha: Überwachung, Rassismus und Bomben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Nahost-Konflikt
Abbas fordert radikale Palästinenser-Organisationen zu
Verlängerung der Waffenruhe mit Israel auf. Mitglied der radikalen
palästinensischen El-Aksa-Brigaden bei Explosion getötet
Mo.12.12.05 - Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat die radikalen
Palästinenser-Organisationen am Samstag aufgefordert, ihre
Waffenruhe mit Israel zu verlängern. Die Waffenruhe solle andauern,
bis die Sicherheit in der Region gewährleistet sei, sagte Abbas in
Gaza-Stadt. Die Hamas-Bewegung hatte zuvor angekündigt, sich
prinzipiell zwar noch an die Waffenruhe halten zu wollen.
Anschläge als Form des Widerstands gegen Israel seien aber nicht
ausgeschlossen.
Abbas hatte die Waffenruhe im Februar mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon vereinbart und anschließend
der Hamas und anderen extremistischen Palästinenser-Gruppen die
Zusage abgerungen, sich bis Ende 2005 daran zu halten. Doch nach der
jüngsten Eskalation der Gewalt im Nahen Osten hatte die Hamas
bereits am Freitag angekündigt, keine neue Waffenruhe mehr
akzeptieren zu wollen. "Unsere Leute bereiten sich auf eine weitere
Welle der Gewalt vor", sagte der im Exil lebende politische Hamas-Chef
Chaled Mischaal.
Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern hatten in
dieser Woche nach einem Selbstmordanschlag der Extremistengruppe
Islamischer Dschihad in Netanja wieder deutlich zugenommen. Israel flog
nach dem Anschlag, bei dem fünf Israelis getötet wurden,
Luftangriffe im Gaza-Streifen und tötete gezielt
palästinensische Extremisten. Hamas und Islamischer Dschihad
kämpfen für eine Zerstörung Israels.
Nur mit einer verlängerten Waffenruhe könnten die
Palästinenser ohne Angst vor israelischen Flugzeugen und Panzern
leben, sagte Abbas am Samstag weiter. Abbas wurde zudem vom US-Gesandten
David Welch aufgefordert, die militanten Gruppen zu entwaffnen. "In
jedem verantwortungsbewussten Land der Erde hat allein die Regierung
die Gewalt-Autorität", sagte Welch. Israel will erst wieder mit
den Palästinensern über einen dauerhaften Frieden verhandeln,
wenn die Gruppen entwaffnet sind.
Bei der Explosion eines Sprengsatzes wurde bei Nablus im Westjordanland
ein Mitglied der radikalen palästinensischen El-Aksa-Brigaden
getötet. Der Sprengsatz ging vorzeitig hoch, als der
19-Jährige ihn auf israelische Soldaten werfen wollte, wie aus
palästinensischen Krankenhauskreisen verlautete. Der Mann wurde
schwer verletzt und starb kurz darauf im Krankenhaus. Der Vorfall
ereignete sich während eines Gefechtes zwischen israelischen
Soldaten und palästinensischen Aktivisten im Flüchtlingslager
Balata bei Nablus.
Die israelische Armee war nach Angaben palästinensischer
Sicherheitskräfte zuvor mit Lastwagen und dutzenden
Geländewagen in das Flüchtlingslager eingedrungen. In der
Nähe des Lagers hätten drei Panzer Stellung bezogen. Die
Soldaten hätten nach Verdächtigen gesucht. Wie eine
Armeesprecherin bestätigte, wurden drei Palästinenser in
Balata festgenommen. In Dschenin und bei Ramallah im Westjordanland nahm
die Armee insgesamt 13 Aktivisten der Volksfront für die Befreiung
Palästinas (PFLP) fest. In Hebron wurde ein Hamas-Aktivist gefasst.
(Quellen: rtr, afp)
Israels Verteidigungsminister tritt Scharon-Partei bei
Mo.12.12.05 - Mit Verteidigungsminister Schaul Mofas hat sich ein weiterer
prominenter israelischer Politiker der neugegründeten Partei Kadima
(Vorwärts) von Ministerpräsident Ariel Scharon angeschlossen.
Mofas ist bereits der siebte Minister, der die Seiten wechselt, wie der
israelische Armeerundfunk berichtete. Damit sind außer
Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu und Außenminister Silvan
Schalom alle prominenten Vertreter des Likud von Bord gegangen.
Vor seinem Übertritt zur Kadima-Partei hatte der
Verteidigungsminister seinen Bruch mit der von Scharon einstmals
mitgegründeten Likud-Partei bekannt gegeben. Dem Bericht zufolge
bot Scharon Mofas an, nach einem möglichen Wahlsieg der Kadima bei
den Parlamentswahlen am 28. März seinen Posten zu behalten.
Umfragen zufolge ist Scharon klarer Favorit bei den Wahlen. Zu den
Unterstützern der Kadima gehört auch
Friedensnobelpreisträger Schimon Peres, der nach dem
Koalitionsbruch Ende November aus der Arbeitspartei ausgetreten war.
(Quelle: afp)
Nur 26 Prozent Wahlbeteiligung in Ägypten
Mo.12.12.05 - Bei der Parlamentswahl in Ägypten haben nach Angaben des Kairoer
Justizministeriums vom Samstag nur 26 Prozent der registrierten
Wähler ihre Stimme abgegeben. Die niedrige Beteiligung in der in
drei Phasen durchgeführten Wahl brachte nach Einschätzung von
Beobachtern sowohl Politikverdrossenheit als auch Angst vor Gewalt zum
Ausdruck. Amnesty International und Reporter ohne Grenzen forderten von
der ägyptischen Regierung eine unabhängige Untersuchung
gewaltsamer Zwischenfälle bei der vierwöchigen Parlamentswahl.
Justizminister Mahmud Abu el Leil teilte mit, die regierende Nationale
Partei von Präsident Husni Mubarak habe mit 71,9 Prozent der
Stimmen 311 der 432 Sitze gewonnen. Bisher stellte sie 398 Abgeordnete.
Nur neun Mandate gingen an zugelassene Oppositionsparteien. Die
verbliebenen 112 Sitze gewannen nach Abu el Leils Worten
«Unabhängige», darunter 88 Politiker, deren
Verbindungen zur verbotenen Muslim-Bruderschaft bekannt sind. Die
inzwischen geduldete Gruppe stellt so ein Fünftel der Abgeordneten
im neuen Parlament. 24 Abgeordnete gehören keiner Gruppe an, stehen
aber eher der Regierungspartei nahe. Die drei Wahlrunden fanden vom 9.
November bis vergangenen Mittwoch statt.
Amnesty berichtete am Freitagabend von Zwischenfällen, bei denen
Polizisten vor Wahllokalen das Feuer eröffnet hätten. Die
genauen Umstände dieser Taten müssten dringend aufgeklärt
werden. Reporter ohne Grenze verlangte eine Bestrafung derer, die
Journalisten angegriffen hätten.
Das ägyptische Innenministerium erklärte, die Polizisten
hätten die Wahllokale bewacht und den Wählern den Zugang zu
den Urnen ermöglicht. Die Wahl erstreckte sich über vier
Wochen und wurde von massiven Behinderungen und gewaltsamen
Zwischenfällen begleitet. Insgesamt wurden mindestens zehn Menschen
getötet und hunderte verletzt. Mehr als 1.000 Personen wurden
festgenommen, vor allem Anhänger der oppositionellen
Muslim-Bruderschaft.
(Quelle: ap)
Irans geistlicher Führer Chamenei gibt Präsident
Ahmadinedschad Rückendeckung
Mo.12.12.05 - Der geistliche Führer Irans, Ali Chamenei, hat dem wegen erneuter
israelfeindlicher Äußerungen ins Kreuzfeuer internationaler
Kritik geratenen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad
Rückendeckung gegeben. Die empörten Reaktionen auf
«Irans Haltung gegenüber dem zionistischen Staat»
(Israel) beweise nur, dass «die Zionisten und ihre amerikanischen
Verbündeten» Angst hätten, wurde Chamenei vom
staatlichen Rundfunk zitiert. Sie seien besorgt, weil die
Unterstützung der Palästinenser gegen Israel in den
islamischen Staaten so stark sei.
Im Fernsehen wurde Chamenei später mit dem Vorschlag zitiert, es
sollte ein weltweites Referendum über Israel und die
palästinensischen Gebiete durchgeführt werden. Der geistliche
Führer ging zwar nicht direkt auf Ahmadinedschads
Äußerungen vom Donnerstag ein, Israel nach Europa zu
verlegen. Seine Wortwahl ließen aber Forderungen mehrerer
iranischer Politiker sowohl aus dem liberalen als aus dem konservativen
Lager ins Leere laufen, das geistliche Oberhaupt sollte den
Präsidenten zur Ordnung rufen. Ahmadinedschad hatte zuvor schon mit
seiner Forderung internationale Entrüstung ausgelöst, Israel
sollte von der Landkarte getilgt werden. Auch dagegen hatte Chamenei
nicht interveniert.
Am Freitag hatten iranische Politiker an die geistliche Führung
appelliert, das weltliche Staatsoberhaupt in die Schranken zu weisen.
Selbst die konservative Partei Islamische Koalitionsgesellschaft
forderte, Ahmadinedschad müsse «seine Worte mit Bedacht
wählen». Der Präsident «könnte der Welt seine
Botschaft auf eine bessere Art mitteilen», sagte der
Parteivorsitzende Hamid Resa.
Viele iranische Politiker sehen auf Grund des Auftretens von
Ahmadinedschad die Gefahr einer weiteren internationalen Isolierung
ihres Landes. Selbst Hardliner wenden sich deshalb zunehmend von dem
Ultrakonservativen ab.
Ausgesprochen verärgert über die Äußerungen
Ahmadinedschads bei dem Gipfeltreffen muslimischer Staatschefs in Mekka
zeigte sich Gastgeber Saudi-Arabien. Riad wollte bei dem Gipfeltreffen
eine gemäßigte Seite des Islams unter Beweis stellen und eine
einige Front der Muslime gegen den Terrorismus demonstrieren.
Ahmadinedschad machte dieses Vorhaben zunichte. Seine Zweifel am
Holocaust und seine Forderung, Israel nach Deutschland oder
Österreich zu verlegen, überlagerten die eigentliche Botschaft
des Gipfels.
Selbst ranghohe saudiarabische Regierungsbeamte machten gegenüber
der Nachrichtenagentur AP ihrem Unmut Luft. Einer von ihnen verglich den
iranischen Präsidenten mit dem gestürzten irakischen
Staatschef Saddam Hussein und dem libyschen Revolutionsführer
Muammar al Gaddafi. Beide hätten in der Vergangenheit wiederholt
provokative Bemerkungen von sich gegeben, die dann der gesamten
islamischen Welt angelastet worden seien.
(Quelle: ap)
Israel schließt erneut Angriff auf Irans Atomanlagen nicht aus
Mo.12.12.05 - Israel hat Angriffe auf Irans Atomlagen nicht ausgeschlossen, um die
Islamische Republik am Bau einer Atombombe zu hindern. Der Chefstratege
des Verteidigungsministeriums, Amos Gilad, sagte am Sonntag im
israelischen Hörfunk, es gebe zwar entgegen britischen
Zeitungsangaben keine konkreten Pläne für derartige
Einsätze. Prinzipiell könnten Angriffe jedoch nicht
ausgeschlossen werden. Die "Sunday Times" hatte berichtet,
Ministerpräsident Ariel Scharon habe das Militär angewiesen,
sich für einen Schlag im März bereit zu halten. "Ich kann
sagen, dass das nicht richtig ist", sagte Gilad.
Israel hatte 1981 den irakischen Reaktor in Osirak bombardiert und
damit das Atomprogramm des damaligen Präsidenten Saddam Hussein
zurückgeworfen. Zwar unterstützt Israels Regierung die
Bemühungen der Europäischen Union und anderer Staaten, Iran zu
einem Verzicht auf die Urananreicherung zu bewegen. Sie hat jedoch auch
gewarnt, dass der Iran bis März über das nötige Wissen
verfügen könnte, um ohne Hilfe von außen eine Atombombe
zu bauen. Experten zufolge sind Irans Atomeinrichtungen dezentralisiert
und gut verteidigt, was einen israelischen Angriff erschweren
könnte. Der Iran hat wiederholt beteuert, sein Programm diene nur
friedlichen Zwecken.
Irans Regierung hat in den vergangenen Tagen den Holocaust geleugnet
und dazu aufgerufen, Israel nach Europa zu verlegen. Im März
dürften in Israel Wahlen anstehen.
(Quelle: rtr)
Nordkorea erklärt Atom-Gespräche für unbestimmte Zeit
für ausgesetzt
Mo.12.12.05 - Die nordkoreanische Führung hat die
Sechs-Länder-Gespräche über den Ausstieg aus seinem
Atomprogramm wegen der US-Sanktionen für "unbestimmte Zeit"
für ausgesetzt erklärte. Dies meldete die staatliche
Nachrichtenagentur am Sonntag unter Berufung auf das
Außenministerium in Pjöngjang. Zur Begründung gab ein
Sprecher an, die USA "setzten Lügen in die Welt, um die
Gespräche zu stören". Im Oktober hatten die USA acht
nordkoreanische Firmen, denen sie Geldwäsche und
Devisenfälschung vorwerfen, auf eine schwarze Liste gesetzt.
(Quelle: afp)
Chilenische Regierungskandidatin gewinnt ersten Wahlgang
Mo.12.12.05 - Bei der Präsidentenwahl in Chile hat Regierungskandidatin Michelle
Bachelet die meisten Stimmen erhalten. Im ersten Wahlgang am Sonntag
verfehlte sie nach Auszählung von gut der Hälfte aller
Stimmen jedoch die erforderliche absolute Mehrheit, um erste
Präsidentin des Landes zu werden. In der Stichwahl, die für
Januar geplant ist, muss sie gegen den Kandidaten des rechten Lagers,
Sebastian Pinera, antreten, einen der reichsten Männer des Landes.
Bei der gleichzeitigen Parlaments- und Senatswahl zeichnete sich
ebenfalls ein Sieg der Mitte-Links-Koalition ab, dessen Kandidatin
Bachelet ist. Nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen lag
Bachelet bei 45,8 Prozent - deutlich vor den beiden Bewerbern des
rechten Flügels, Pinera und Joaquin Lavin mit 25,4 und 23,2
Prozent. Der kommunistische Kandidat Tomas Hirsch erhielt 5,1 Prozent.
«Unser Ergebnis hätte heute besser sein können»,
sagte Bachelet in einer ersten Stellungnahme. «Aber das ist ein
guter Grund für uns, härter zu arbeiten.»
Der Rechtskandidat Lavin kündigte seine Unterstützung
für Pinera an. «Zusammen hatten wir mehr Stimmen als
Bachelet, und wir haben eine gute Chance, die Präsidentschaft zu
erringen», sagte er. Auch Pinera bezeichnete den Wahlausgang als
einen Schritt in Richtung Sieg der Opposition.
Der Nachfolger des sozialistischen Präsidenten Ricardo Lagos wird
am 11. März vereidigt. Bei der Parlamentswahl wurden die 120
Mandate in der Abgeordnetenkammer neu vergeben. Zugleich wurde
über 19 der 38 Sitze im Senat abgestimmt. Bislang verfügte in
beiden Kammern das Mitte-links-Bündnis Abstimmung für die
Demokratie über eine knappe Mehrheit, die es nach ersten
Ergebnissen auch verteidigen konnte.
(Quelle: ap)
Rechtsgerichtete Milizen töten 22 Menschen in Kolumbien
Mo.12.12.05 - Rechtsgerichtete Milizen haben in der vergangenen Woche im Norden
Kolumbiens 22 Menschen getötet. Wie eine Menschenrechtsgruppe am
Samstag (Ortszeit) mitteilte, nahmen rund 200 Paramilitärs eine
unbekannte Zahl von Menschen in der Ortschaft Currumani fest und
folterten sie. 22 Menschen seien getötet worden. Den
kolumbianischen Milizen werden zahlreiche Massaker an Zivilisten in den
vergangenen 20 Jahren vorgeworfen. Regierung und Paramilitärs
verhandeln seit zwei Jahren über die Demobilisierung der fast
11.000 Mitglieder der Milizen.
(Quelle: afp)
Montréal: Umweltschützer werten UN-Klimakonferenz als Erfolg
Mo.12.12.05 - Mit großer Erleichterung haben Politiker und Umweltschützer
die Einigung der UN-Klimakonferenz auf ein Fortschreiben des
Kyoto-Protokolls begrüßt. Es sei noch viel Arbeit nötig,
doch nach dem Verhandlungsmarathon von Montréal werde sich "die
Menschheit mit ihrem Planeten versöhnen", sagte der kanadische
Umweltminister Stephane Dion am Samstag nach Abschluss der
13-tägigen Konferenz. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD)
sprach von einer "historischen Übereinkunft".
"Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es eine
zweite Kyoto-Phase gibt, die nahtlos an die erste anschließt mit
noch stärkeren Zielen für die Industrieländer", sagte
Gabriel der "Welt am Sonntag". Damit erhalte die Wirtschaft die
notwendige Sicherheit, langfristig in Klimaschutzprojekte zu
investieren. Deutschland müsse die Vereinbarung von Montréal
nun "engagiert umsetzen und offensiv zur Modernisierung der
Volkswirtschaft nutzen".
Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem "wichtigen
Schritt im Kampf gegen den Klimawandel". Sein kanadischer Kollege Paul
Martin sagte, Montréal markiere "einen entscheidenden und
wichtigen Punkt". Die dort erzielte Einigung gebe "neuen Schwung" im
Kampf gegen die globale Erwärmung.
Auch die Umweltorganisationen werteten die Konferenz
übereinstimmend als Erfolg, nicht zuletzt, weil die internationale
Gemeinschaft die USA und Russland zu einer Einigung gezwungen
hätten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
erklärte, die Ergebnisse zeigten, "dass das Kyoto-Protokoll lebt
und wir darauf aufbauen können". Eine Sprecherin des World Wide
Fund for Nature (WWF) sagte: "Trotz des Drucks zuerst der USA und
später Russlands, die den Kampf gegen die globale Erwärmung
verlangsamen wollten, steht der Planet als Sieger da." Greenpeace
erklärte, es sei gut, dass die USA gezwungen worden seien, an den
Verhandlungstisch zurückzukehren.
Die Konferenz in Montréal hätte eigentlich bereits am
Freitag enden sollen, zog sich dann jedoch in den Samstag hinein,
nachdem Russland in der Nacht mehrere Stunden lang die
Abschlusserklärung blockiert hatte. Zuvor hatten die USA sich
geweigert, Grenzwerte für die Emissionen festzulegen. Am Ende
einigte sich die Konferenz auf einen von Kanada vorgeschlagene
Kompromiss: Ab Mai 2006 soll nun darüber beraten werden, wie nach
Auslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 die Treibhausgasemissionen
weiter reduziert werden können. Auf die Benennung fester Ziele und
konkreter Maßnahmen wurde verzichtet.
(Quelle: afp)
Deutschland
Wirtschaftsminister Glos setzt bei Atomenergie auf Umdenken bei der SPD
Mo.12.12.05 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos setzt bei der umstrittenen
Nutzung der Atomenergie auf ein Umdenken beim Koalitionspartner SPD.
"Ich hoffe sehr, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist", sagte
der CSU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit
Blick auf den von der SPD angestrebten Ausstieg aus der Atomenergie.
Niemand sei vor besseren Einsichten geschützt.
Man dürfe sich aus einer Zukunftstechnologie nicht
zurückziehen, sagte Glos. Bei der Versorgung mit Strom werde auch
in Zukunft die Atomkraft eine wichtige Rolle spielen. Nur mit einem
breiten Energiemix ließen sich günstige Preise
gewährleisten. Er hob auch hervor, eine langfristige Zusammenarbeit
mit Russland sei wichtig, da Russland eines der Länder mit den
größten Erdgasvorkommen sei. Am Freitag war mit einem
symbolischen Spatenstich der Bau einer Erdgas-Pipeline von Russland
nach Deutschland begonnen worden.
(Quelle: rtr)
Linkspartei öffnet sich für WASG-Mitglieder
Verschmelzung zu einer gesamtdeutschen linken Partei gebilligt.
Liebäugeln mit Rot-Rot-Grün im Bund
Mo.12.12.05 - Die Linkspartei.PDS hat sich für Mitglieder der Wahlalternative
Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) geöffnet und damit einen
entscheidenden Schritt für eine Fusion beider Parteien getan. Der
entsprechende Antrag erhielt auf dem Bundesparteitag in Dresden am
Sonntag allerdings erst im zweiten Anlauf die notwendige
Zwei-Drittel-Mehrheit. Bereits am Tag zuvor hatten die Delegierten eine
Rahmenvereinbarung für die geplante Verschmelzung zu einer
gesamtdeutschen linken Partei bis spätestens 30. Juni 2007
gebilligt.
Die Rahmenvereinbarung sieht eine Fusion bis spätestens 30. Juni
2007 vor und steckt das Vorgehen dafür ab. So sollen bis dahin
Doppelmitgliedschaften möglich sein und konkurrierende
Kandidaturen bei Wahlen vermieden werden. Der Parteitag billigte dazu
auch den Leitantrag des Vorstands mit dem Titel «Für eine
neue soziale Idee: Gemeinsam!»
Um das Vorhaben voranzutreiben, wurde der für den Herbst 2006
geplante nächste Parteitag auf den 29. und 30. April vorgezogen.
Dabei soll eine Zwischenbilanz gezogen und ein neuer Vorstand
gewählt werden, der den Fusionsprozess bis zum Abschluss
begleitet.
Parteichef Lothar Bisky warb in seinem Schlusswort noch einmal
nachdrücklich für das Fusionsvorhaben. «Wir haben uns
für einen politischen Weg entschieden», rief er den
Delegierten zu: «Handeln wir danach!» Schon am Samstag
warnte Bisky vor einem Scheitern der Fusion und drohte Blockierern mit
einem Eingreifen der Parteispitzen. Gleichzeitig rief er dazu auf, in
Zukunft auch eine rot-rot-grüne Koalition auf Bundesebene ins Auge
zu fassen.
Für die Eröffnung von Doppelmitgliedschaften gab es zwar auf
Anhieb eine Mehrheit, jedoch wurde das für eine
Statutenänderung notwendige Zwei-Drittel-Quorum zunächst
verfehlt. Nach Mahnungen, die Fusionsvereinbarung nicht zu
gefährden, wurde die Abstimmung wiederholt und die Änderung
dann doch mit großer Mehrheit gebilligt.
Ins Stolpern geriet der Parteitag auch bei der Wahl des neuen
Schatzmeisters am Samstagabend. Der 47-jährige Bernhard Walther
wurde zwar gewählt, will sein Amt bis zur Klärung von
Stasi-Vorwürfen aber zunächst nicht antreten. Er hatte
eingeräumt, während seiner Tätigkeit im
DDR-Außenhandel in den 80er Jahren eine
Verpflichtungserklärung als IM unterschrieben zu haben. Bisky
versprach eine gründliche Prüfung der angeforderten
Stasi-Akte. Zum Bundesgeschäftsführer wurde Dietmar Bartsch
gewählt, der das Amt schon bis 2002 innehatte.
Zentrale Themen des Parteitages waren jedoch die Parteifusion und die
Frage der Regierungsbeteiligung. Eine breite Mehrheit fand die
Rahmenvereinbarung, die das Vorgehen bis zu einer Fusion absteckt und
unter anderem ausschließt, bis dahin bei Wahlen gegeneinander
anzutreten. Der nächste Parteitag Ende April soll eine
Zwischenbilanz ziehen und einen neuen Vorstand wählen, der den
Fusionsprozess bis zum Abschluss begleitet.
Die Bundestagsfraktion könne nicht auf Dauer von zwei Parteien
getragen sein, mahnte Bisky. Wenn die Parteineubildung ins Stocken
gerate und wie in Berlin kaum ein Weg zur Zusammenarbeit sichtbar sei,
würden die Bundesvorstände «Mitverantwortung für
die Problemlösung übernehmen». Auch WASG-Chef Klaus
Ernst forderte, die Zerstrittenheit zu beenden. In Berlin, aber auch in
Mecklenburg-Vorpommern verübeln Teile der WASG der Linkspartei das
Mitregieren mit der SPD.
Bisky rief dazu auf, «jetzt auf die Entwicklung der SPD und der
Grünen zu schauen». Die Bundestagswahl habe gezeigt, dass es
strukturell eine Mehrheit links der Konservativen gebe. Dass jetzt
konsequente Oppositionspolitik betrieben werde, könne nicht
heißen, «dass wir zu allen Zeiten und unter allen
Bedingungen gewillt sind, die Gestaltung der gesellschaftlichen
Verhältnisse einer bisweilen sozialdemokratisch
gemäßigten CDU zu überlassen».
Der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine betonte, im Bundestag
gebe es «nur eine Linke, und das sind wir». Fraktionschef
Gregor Gysi verteidigte die rot-roten Koalitionen. Ein Bündnis mit
den Sozialdemokraten im Bund 2009 schloss er nicht aus, «wenn die
SPD wieder sozialdemokratisch wird».
(Quelle: ap)
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