Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Zufriedenheit über hohe Beteiligung bei Parlamentswahl im Irak.
Urnengang weitgehend gewaltfrei verlaufen. US-Regierung sieht sich in
ihrer Irak-Politik bestätigt. Italien zieht 300 Soldaten aus dem
Irak ab. Republikanische Abgeordnete im amerikanischen
Repräsentantenhaus wollen mit Gesetz baldigen Abzug der US-Truppen
aus dem Irak unmöglich machen
Fr.16.12.05 - Unter reger Beteiligung auch der sunnitischen Bevölkerung haben
die Iraker am Donnerstag ein neues Parlament gewählt. Die
Wahllokale schlossen eine Stunde später als vorgesehen, um allen
Wartenden die Stimmabgabe zu ermöglichen. Präsident Dschalal
Talabani lobte den Wahltag, der weitgehend friedlich verlief, als
"Festtag für alle Iraker". Die Regierungen der USA und
Großbritanniens sprachen von einem "historischen Tag". Bei
Anschlägen am Rande des Urnengangs wurden zwei Menschen
getötet und neun weitere verletzt.
Die mehr als 15,5 Millionen Stimmberechtigte waren aufgerufen,
über die Verteilung von 275 Parlamentssitzen abzustimmen. Rund
7650 Kandidaten standen zur Wahl. Anders als beim
Übergangsparlament wurden die Abgeordneten für eine volle
Legislaturperiode von vier Jahren gewählt. Mit dem Endergebnis
wird frühestens Anfang kommenden Jahres gerechnet. Die
Wahlbeteiligung lag ersten Schätzungen der Wahlkommission zufolge
zwischen 60 und 80 Prozent.
Auch die sunnitische Minderheit nahm rege an den Wahlen teil. In der
mehrheitlich von Sunniten bewohnten Stadt Falludscha bildeten sich
lange Schlangen vor den Wahllokalen. Die Wahl zum
Übergangsparlament im Januar hatten dort noch fast alle Einwohner
boykottiert.
Wenngleich es keine verlässlichen Meinungsumfragen gibt, gehen
Beobachter davon aus, dass die Vereinigte Irakische Allianz (UIA) die
meisten Stimmen erhalten wird. Sie ist auch Bestandteil der noch
amtierenden Regierungskoalition.
Der Präsident wird dann die größte Gruppierung im
Parlament mit der Nominierung eines Ministerpräsidenten
beauftragen. Bis eine arbeitsfähige Regierung steht, dürften
Monate vergehen. Anders als bei der Wahl des Übergangsparlaments im
Januar beteiligen sich diesmal auch Gruppen der sunnitischen
Bevölkerungsminderheit. Von ihrer Beteiligung am politischen
Prozess erhoffen sich vor allem die USA und Großbritannien ein
Abflauen des Aufstandes, der den Wiederaufbau und die wirtschaftliche
Erholung des ölreichen Landes behindert.
Präsident Talabani äußerte bei der Stimmabgabe in der
kurdischen Stadt Suleimanijah die Hoffnung, dass die Wahl dazu
beitragen werde, "den Terrorismus zu beenden". Der scheidende
Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari sagte, es sei wichtig, dass
die Iraker "über die Wahlurnen und nicht durch Bomben" ihren
politischen Willen bekundeten.
Im Vergleich zum Januar, als am Tag der Wahl des
Übergangsparlaments 35 Menschen getötet wurden, hielt sich
die Gewalt in Grenzen. Ein Wachmann starb bei einem Granatenangriff auf
ein Wahllokal in Mossul. In Tall Afar wurde bei einem Angriff auf ein
Wahllokal ein Zivilist getötet. In Bagdad wurden vier Iraker und
ein US-Soldat durch Granatenbeschuss verletzt; eine Granate ging in der
besonders gesicherten Grünen Zone nieder. Zu dem Angriff bekannte
sich eine Gruppe aus dem Umfeld des Terrornetzwerks El Kaida.
Die US-Regierung sah sich angesichts des weitgehend gewaltfrei
verlaufenen Urnenganges in ihrer Irak-Politik bestätigt. "Dies ist
ein historischer Tag für das irakische Volk, den Nahen Osten und
die ganze Welt, ein historischer Tag für den Fortschritt der
Freiheit", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer würdigte die hohe
Beteiligung der Iraker an der Parlamentswahl. «Ich hoffe, diese
Wahl wird zum Wendepunkt für den Irak», hieß es in
einer in Brüssel verbreiteten Erklärung De Hoop Scheffers.
Die NATO selbst hat keine Soldaten im Irak stationiert, mehrere
Mitgliedstaaten beteiligen sich jedoch an den von den USA
geführten Koalitionstruppen.
Republikanische Abgeordnete im amerikanischen Repräsentantenhaus
planten unterdessen eine Gesetzesinitiative, die einen baldigen Abzug
der US-Truppen aus dem Irak unmöglich machen würde. Sie
wollten dazu noch am (heutigen) Freitag eine Abstimmung erzwingen. Die
oppositionellen Demokraten haben dagegen wiederholt einen Zeitplan
für den Abzug gefordert.
Italien will im Januar weitere 300 Soldaten aus dem Irak abziehen.
Danach verbleiben noch 2.600 italienische Soldaten vor allem im
Süden des Landes, wie Verteidigungsminister Antonio Martino am
Donnerstag nach Meldungen der Nachrichtenagenturen Apcom und ANSA
mitteilte. Bereits im September waren etwa 300 Soldaten des
italinenischen Kontingents abgezogen worden.
(Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 16.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hunderteinundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.16.12.04 - Wahlkampfstart von neuer Gewalt überschattet: Bei Bombenanschlag
vor Moschee in Kerbela mindestens sieben Menschen getötet.
Irakischer Verteidigungsminister macht Teheran für
Terroranschläge im Irak verantwortlich - Iran sei
gefährlichster Feind. Bush warnt Iran und Syrien vor 'Einmischung'
im Irak +++ Erster Prozess findet gegen 'Chemie-Ali' statt +++ UN wollen
Präsenz im Irak ausweiten +++ Menschenrechtler macht US-Regierung
für Folter mitverantwortlich...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Bush willigt in Anti-Folter-Gesetz ein
Fr.16.12.05 - Nach monatelangem Widerstand hat US-Präsident George W. Bush in
einen Gesetzesvorschlag aus dem Kongress für ein generelles Verbot
der Folter und Misshandlung terrorverdächtiger Häftlinge
eingewilligt. Bush einigte sich mit dem republikanischen Senator John
McCain, von dem die Gesetzesinitiative ausgegangen war, auf ein
gemeinsames Vorgehen bei der Umsetzung des Verbots.
Damit werde "der Welt klargemacht", dass die USA sich sowohl auf ihrem
eigenen Staatsgebiet als auch im Ausland an die internationale
Anti-Terror-Konvention hielten, sagte Bush. Ursprünglich hatte der
Präsident sein Veto gegen den Gesetzespassus angedroht.
McCain zeigte sich bei einem gemeinsamen Kamera-Auftritt mit Bush im
Weißen Haus "sehr erfreut" über die Einigung. Aus den
Äußerungen des Senators wie des Präsidenten ging
hervor, dass die zwischen McCain und Bushs Sicherheitsberater Stephen
Hadley ausgehandelte Vereinbarung die Kernelemente des
ursprünglichen Entwurfs beibehält. Demnach sollen neben der
Folter auch andere Formen der "grausamen, unmenschlichen und
erniedrigenden" Behandlung untersagt werden.
Diese Formulierung übernimmt den Wortlaut der
Anti-Folter-Konvention, der die USA 1994 beigetreten waren. Bedeutsam
ist ebenso, dass das Folter- und Misshandlungsverbot auch für
Häftlinge gelten soll, die im Ausland in US-Gewahrsam sind. Zuvor
hatte die Bush-Regierung noch argumentiert, die USA seien nur auf
eigenem Territorium an die Konvention gebunden.
McCain teilte auch mit, dass gemäß seines Vorschlags die
strikten Regeln des Feldhandbuchs des US-Heeres für den Umgang mit
Gefangenen allgemein verbindlich werden sollen - sie sollen demnach
künftig also auch für Vernehmungen durch den Geheimdienst CIA
gelten. Allerdings seien Rechtsberatung und "gewisse
Schutzvorkehrungen" für das Verhörpersonal vorgesehen, teilte
der Senator ohne zunächst präzisere Angaben mit. Das
Weiße Haus hatte darauf gedrungen, dass die Geheimdienstler
zumindest bis zu einem gewissen Grad vor strafrechtlicher Verfolgung
geschützt werden, wenn sie zu harsche Verhörtechniken
anwenden.
Seine ursprüngliche Veto-Drohung hatte Bush damit begründet,
dass durch das generelle Folter- und Misshandlungsverbot die
Handlungsfähigkeit der USA im Kampf gegen den Terrorismus
eingeschränkt würde.
Der einflussreiche Senator McCain war selbst in vietnamesischer
Kriegsgefangenschaft gefoltert worden und gilt als Anwärter auf
die Präsidentschaftkandidatur der Republikaner im Jahr 2008.
(Quelle: afp)
Hamas lobt iranischen Präsidenten für antiisraelische Position
Fr.16.12.05 - Lob für Teherans antiisraelische Parolen von den
Palästinensern: Der Führer der Hamas, Chaled Meschaal, hat dem
iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad für seine
Position gedankt. Was er gesagt habe, sei «wahr und
rechtmäßig», sagte Meschaal in Teheran. Zugleich lobte
er Ahmadinedschad für den Mut, mit dem er die
«Realitäten» angesprochen habe. Der iranische
Staatschef hatte gestern seine Verbalattacken gegen den jüdischen
Staat verschärft und zugleich den Holocaust geleugnet.
(Quelle: dpa)
Hamas gewinnt Kommunalwahl in Nablus mit 73 Prozent
Fatah von Abbas weit abgeschlagen
Fr.16.12.05 - Bei der Kommunalwahl in Nablus im Westjordanland hat die
radikalislamische Hamas-Bewegung einen überwältigenden Sieg
errungen. Sie kam auf 73 Prozent der Stimmen und gewann damit 11 der 13
Sitze im Stadtparlament, wie der Vorsitzende der örtlichen
Wahlkommission, Asmi al Tandschir, am frühen Freitagmorgen
mitteilte. Demnach kam die Fatah des palästinensischen
Präsidenten Mahmud Abbas lediglich auf 13 Prozent und gewann damit
die beiden übrigen Mandate.
Bislang hat die Fatah Nablus kontrolliert, allerdings wurde dort seit
1976 nicht mehr gewählt. Beobachter werteten den Erfolg der Hamas
als Zeichen, dass die radikalislamische Bewegung auch bei der
Parlamentswahl in den Autonomiegebieten am 25. Januar gut abschneiden
dürfte. Offensichtlich profitierte sie nicht zuletzt von dem
Umstand, dass der Fatah wegen interner Auseinandersetzungen die
Spaltung droht.
Die Fatah steht zurzeit vor einer wahren Zerreißprobe: Für
die Parlamentswahl am 25. Januar gibt es zwei getrennte
Kandidatenlisten der so genannten alten und der jungen Garde.
Präsident Abbas drohte bei einem Treffen mit den Abweichlern dem
Vernehmen nach mit seinem Rücktritt und vorgezogenen
Präsidentenwahlen, sollte es zur Spaltung kommen. Öffentlich
sagte er am Donnerstagabend lediglich, jedes Wahlergebnis werde
akzeptiert.
(Quelle: ap)
Soldat erschießt elf Dorfbewohner in Nepal
Fr.16.12.05 - Ein Soldat hat in Nepal mindestens elf Dorfbewohner erschossen. 19
Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als der Täter wahllos
in eine Menschenmenge schoss. Aus Protest gegen die tödlichen
Schüsse in Nagarkot, 24 Kilometer nordöstlich von Kathmandu,
riefen die Oppositionsparteien für Freitag zu einem Generalstreik
auf. In der Hauptstadt versammelten sich rund 15.000 Demonstranten und
forderten demokratische Reformen.
Nach Angaben der Polizei war der Soldat am Mittwoch mit einigen
Dorfbewohnern in einen Streit geraten. Später kehrte er bewaffnet
nach Nagarkot zurück, wo er das Feuer auf die Bewohner
eröffnete. Die Menge sei von den Schüssen durchsiebt worden,
sagte ein Polizeibeamter. Nach Angaben der Streitkräfte wurde auch
der Soldat bei den Auseinandersetzungen getötet.
In ersten Berichten hieß es, Soldaten hätten die
Dorfbewohner irrtümlich für maoistische Rebellen gehalten.
Diese kämpfen seit 1996 in Nepal für den Sturz der Monarchie.
Der fast zehn Jahre anhaltende Konflikt hat schon etwa 12.000 Menschen
das Leben gekostet. Seit der völligen Machtübernahme durch
König Gyanendra zu Beginn des Jahres haben Menschenrechtsgruppen
ihre Kritik am Verhalten der Streitkräfte verschärft. Mehrfach
wurde Offizieren und Soldaten übermäßiger Einsatz von
Gewalt vorgeworfen.
(Quelle: ap)
Istanbuler Prügel-Polizisten sollen hinter Gitter
Fr.16.12.05 - Mehr als 50 Polizisten, die im März am Knüppeleinsatz gegen
eine Frauendemonstration in der türkischen Metropole Istanbul
beteiligt waren, müssen mit langen Haftstrafen rechnen. Die
Staatsanwaltschaft werfe den Beamten übertriebene Gewaltanwendung
vor, berichtete die türkische Presse. Die sieben Hauptbeschuldigten
sollen bis zu 33 Jahre ins Gefängnis, die restlichen 47 Polizisten
bis zu viereinhalb Jahre. Das Gerichtsverfahren werde in den kommenden
Tagen beginnen.
Einige Opfer der Polizisten hätten Knochenbrüche erlitten,
zitierte die Zeitung "Milliyet" aus der Anklageschrift. Die Polizei war
am 6. März in der Istanbuler Innenstadt gegen eine friedliche
Demonstration zum Weltfrauentag vorgegangen. Bilder von dem
Gewalteinsatz gegen die unbewaffneten Kundgebungsteilnehmer hatten
scharfe Kritik der EU an der Türkei ausgelöst; die
türkische Regierung nahm die Beamten zuerst in Schutz,
kündigte dann aber eine Bestrafung der Verantwortlichen an.
Die Polizei hatte den Schlagstockeinsatz damit begründet, dass die
Demonstration nicht angemeldet gewesen sei. Gerichtsverfahren gegen
Polizisten, denen Misshandlungen vorgeworfen werden, sind in der
Türkei nach wie vor selten.
(Quelle: afp)
EU-Gipfel vertagt sich ohne Einigung im Finanzstreit
Fr.16.12.05 - Ohne Einigung im Streit um die mittelfristige Finanzplanung haben sich
die EU-Staats- und Regierungschefs am Abend des ersten Gipfeltages
vertagt. Der britische Premierminister und amtierende
EU-Ratspräsident Tony Blair berichtete am Donnerstagabend, der
Spielraum für eine Einigung sei begrenzt. Er erwarte weiterhin
harte Verhandlungen. Großbritannien will nach Auskunft des
Luxemburger Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker am (heutigen)
Freitag einen neuen Kompromissvorschlag vorlegen.
Blair betonte zugleich, die Basis für eine Einigung sei gegeben.
Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende
sagte weiterhin schwierige Verhandlungen voraus. Sein schwedischer
Kollege Göran Persson bezifferte die Chancen für eine
Einigung auf 50:50.
Der letzte Kompromissvorschlag Blairs wurde Juncker zufolge von einer
großen Mehrheit abgelehnt. «Der Britenrabatt muss weiter
reduziert werden, damit wir die Erweiterung bezahlen
können», betonte Juncker. Auch Persson sprach von
«großen Differenzen». Jedem EU-Mitglied sei
allerdings bewusst, dass eine Einigung im nächsten Jahr nicht
einfacher werde, falls sie beim jetzigen Gipfel in Brüssel jetzt
nicht zu Stande komme. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel
äußerte sich nach Ende der ersten Sitzung nicht zum Verlauf
der Debatte.
Großbritannien will die EU-Ausgaben für die nächste
Finanzperiode auf 1,03 Prozent des Bruttonationalprodukts begrenzen.
Den britischen Rabatt auf seine Mitgliedszahlungen will es allerdings
nur um acht Milliarden Euro verringern. Die Ausgabenreduzierung
gegenüber früheren Vorschlägen soll dadurch erreicht
werden, dass die Strukturhilfen für die neuen Mitgliedsländer
geringer ausfallen als geplant.
Für einen Durchbruch im Finanzstreit dürfte vor allem eine
Verständigung zwischen Blair und dem französischen
Präsidenten Jacques Chirac erforderlich sein. Umstritten sind
neben dem Britenrabatt die Agrarausgaben der Union, von denen vor allem
Frankreich profitiert. Sie sind allerdings bereits bis 2013
festgeschrieben.
Deshalb wollen die Briten durchsetzen, dass die Struktur des Haushalts
schon 2008/2009 grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt
wird. Frankreich könnte dies akzeptieren, aber nur unter den
Bedingung, dass Änderungen erst von 2014 an in Kraft treten. Blair
will indes zumindest die Möglichkeit einer früheren Reform
offen halten.
(Quelle: ap)
Diskussion in Deutschland über Grenzen im Anti-Terrorkampf
Fr.16.12.05 - Nach den Aufklärungsversuchen der Bundesregierung im
Entführungsfall Khaled el Masri hat sich am Donnerstag Streit
über die Rolle deutscher Sicherheitsbehörden im
Anti-Terrorkampf entzündet.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Politiker von
Union und SPD verteidigten die Verhöre von Gefangenen in Syrien
und dem US-Stützpunkt Guantánamo durch deutsche Beamte. In
der Opposition stieß das BKA-Verhalten auf Kritik. Die
Grünen warnten, man wolle keine «Geheimpolizei». Im
Entführungsfall El Masri wächst die Kritik an den USA.
Der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Norman Paech,
berichtete von einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses, in der
Steinmeier die Vernehmung des Terrorverdächtigen Sammar in einem
syrischen Gefängnis durch das BKA bestätigt und als
gerechtfertigt bezeichnet habe. Der Minister habe darauf hingewiesen,
dass Sammar zum «allerengsten Umkreis» der Hamburger
Attentäter vom 11. September 2001 gehörte. Zum damaligen
Zeitpunkt habe es viele Aktivitäten gegeben, um eventuell geplante
Anschläge zu verhindern.
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Mittwoch
bestätigt, dass unter anderem BKA-Beamte Sammar in Syrien
verhörten. Auch im Fall des im US-Gefangenenlager
Guantánamo festgehaltenen türkischen Staatsbürgers aus
Bremen, Murat Kurnaz, waren deutsche Sicherheitsbehörden aktiv.
Schäuble ließ am Donnerstag im Innenausschuss durchblicken,
dass er die Verhörrechte des BKA im Ausland einschränken
will. Danach sollen BKA-Beamte Verdächtige in einem anderen Land
nur noch vernehmen dürfen, wenn es eine direkte Anschuldigung gibt.
Schäuble hat unterdessen die Nutzung von Verhörergebnissen
gerechtfertigt, bei deren Zustandekommen Folterungen nicht
ausgeschlossen werden können. «Wenn wir sagen würden,
Informationen, bei denen wir nicht sicher sein können, dass sie
unter vollkommen rechtsstaatlichen Bedingungen zu erlangen waren,
nutzen wir unter keinen Umständen - das wäre völlig
unverantwortlich», sagte der CDU-POlitiker laut
«Stuttgarter Zeitung». «Wir müssen solche
Informationen nutzen.»
Es gebe aber auch für deutsche Sicherheitsbehörden klare
rechtsstaatliche Grenzen, betonte Schäuble: Sie dürften nicht
an Folter beteiligt sein «und auch nicht sozusagen augenzwinkernd
erwarten, dass gefoltert wird», um an Aussagen von
Terrorverdächtigen zu gelangen. Schäuble rechtfertigte die
Befragung des seit 2001 in Damaskus inhaftierten Deutsch-Syrers Mohamed
Haydar Zammar in einem Gefängnis, in dem unter Umständen auch
gefoltert wird. «Ein paar Monate Haft haben schon manchen bewegt
auszupacken», sagte er. «Damit arbeitet die deutsche
Strafverfolgung doch auch.» Es gebe keine Anzeichen dafür,
dass Zammar gefoltert worden sei.
Der Grünen-Innenexperte Wolfgang Wieland schloss nicht aus, dass
es noch weitere Verhöre durch Deutsche im Ausland gab. Gemeinsam
mit der FDP forderten die Grünen weitere Ausschussitzungen zu dem
Thema im kommenden Jahr. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses,
Ruprecht Polenz (CDU), verteidigte das Vorgehen des BKA: «Wenn es
Hinweise gibt - und die gab es wohl -, dass dort wichtige Informationen
durch Befragung deutscher Dienste erreichbar wären, dann
hätte ich es persönlich für fahrlässig und auch
für einen Fehler gehalten, wenn man gesagt hätte: Das machen
wir nicht», sagte er.
Nach Worten des SPD-Außenpolitikers Gert Weisskirchen müssen
sich die EU und die USA aber dringend verständigen, wie man mit
Gefangenen umgeht. «Dass dies nötig ist, liegt auf der
Hand.» Dabei müsse sich Amerika der
«unumstößlichen Position» Europas annähern.
Die laute: «Jeder Mensch muss ein Recht auf Rechte haben.»
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), schloss
im Entführungsfall El Masri nicht aus, dass deutsche Behörden
die Daten El Masris als Terrorverdächtiger an die USA weitergaben.
Das könne lediglich für Bundesbehörden ausgeschlossen
werden, bedeute aber nicht, dass auf keiner Ebene eine Information
vielleicht weitergegeben worden sei, sagte er dem TV-Sender Phoenix.
SPD-Fraktionschef Peter Struck (SPD) bezeichnete das Verhalten der
US-Regierung und der amerikanischen Geheimdienste als
«unerhört». Man könne nicht einen deutschen
Staatsbürger entführen, ihn fünf Monate in Haft lassen
und dann sagen «Tut uns Leid, da ist er wieder», sagte er
im dem selben Sender. «Das geht nicht, das ist ein klarer
Verstoß gegen das Völkerrecht.»
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sieht keine Notwendigkeit
für einen Untersuchungsausschuss und riet dazu, weitere
Aufklärung abzuwarten. «Ich bin überzeugt, dass die
frühere Bundesregierung im Vorfeld nichts davon wusste»,
sagte er der «Passauer Neuen Presse». Auch der
Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion,
Volker Beck, sagte im Sender N24 auf die Frage, ob er einen
Untersuchungsausschuss für notwendig hält: «Ich habe
das Gefühl, in der Sache El Masri wissen wir das
Allermeiste.»
Der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer forderte unterdessen die neue
Bundesregierung auf, sich massiv für den aus Bremen stammenden
Türken Murat Kurnaz einzusetzen, der seit fast vier Jahren im
US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wird. Die Regierung
dürfe hier «keine Doppelmoral» walten lassen, sagte
Hoyer der «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung».
«Auf der einen Seite kritisieren wir Guantanamo und die
rechtsstaatlich zweifelhafte Behandlung der Gefangenen dort. Auf der
anderen Seite haben deutsche Sicherheitsbehörden in Guantanamo
offensichtlich selbst Herrn Kurnaz verhört - unter dann
natürlich genauso rechtsstaatlich zweifelhaften
Bedingungen.» Die Bundesregierung solle Washington drängen,
«dass die USA Herrn Kurnaz für ein ordentliches
rechtsstaatliches Verfahren in ein reguläres Gefängnis nach
Amerika verlegen», forderte Hoyer.
(Quellen: dpa, ap)
Koalition verteidigt Speicherung von Telefon- und Internetdaten
Opposition kritisiert Abbau von Bürgerrechten
Fr.16.12.05 - Die große Koalition hat die vom EU-Ministerrat beschlossene und
vom EU-Parlament gebilligte Speicherung von Telefon- und Internetdaten
verteidigt. Die drei Oppositionsparteien kritisierten am
Donnerstagabend in einer von der FDP beantragten Debatte des
Bundestages hingegen einen Abbau von Bürgerrechten.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium,
Alfred Hartenbach (SPD), wies die Vorwürfe zurück. Die
Regierung habe in Brüssel einen Kompromiss erreicht, mit dem man
zufrieden sein könne. Es werde nur gespeichert, was für die
Bekämpfung von Terrorismus und der Kriminalität erforderlich
sei. Bei einer Blockadehaltung wäre Deutschland überstimmt
worden.
Die EU-Justizminister hatten sich Anfang Dezember geeinigt, dass
künftig europaweit sämtliche Verbindungsdaten zwischen 6 und
24 Monate lang gespeichert werden dürfen. Deutschland will sich
für die kürzeste Frist von sechs Monaten entscheiden.
Gespeichert werden sollen nur Verbindungsdaten, keine Inhalte.
Umstritten blieb, ob der Staat die Telekom-Unternehmen für ihre
Speicherpflicht entschädigen soll.
Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz,
befürchtete bei Umsetzung des EU-Beschlusses schwer wiegende
Eingriffe in Grundrechte. Die Regierung widerspreche mit ihrer
Zustimmung eindeutig anders lautenden Beschlüssen des Bundestages.
Der Abgeordnete der Linkspartei, Frank Korte, sprach von einem Angriff
auf das Fernmeldegeheimnis und die Privatsphäre. Die Innenexpertin
der Grünen, Silke Stokar, nannte die Entscheidung bürger- und
wirtschaftsfeindlich. Die CDU-Abgeordnete Martina Krogmann sagte
hingegen, es komme auf die Verhältnismäßigkeit an.
«Niemand will jeden Mausklick aufzeichnen.»
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Großbritannien früher besiedelt als bisher angenommen
Fr.16.12.05 - Schon vor 700.000 Jahren haben sich einer jüngsten Studie zufolge
Urmenschen in England angesiedelt. Ein Team um Anthony J. Stuart hatte
im Südosten des Landes Feuersteine und damit den Beweis entdeckt,
dass die Urmenschen weit früher in den kalten Norden Europas
gewandert sind als bislang angenommen.
Stuart vom University College London und seine Kollegen
präsentieren den Fund im britischen Fachmagazin
«Nature» von diesem Donnerstag. Die jetzt entdeckten
Feuersteine seien rund 200.000 Jahre älter als alle anderen
Werkzeuge, die bisher in Nordeuropa entdeckt wurden, schreibt Stuart.
Die Besiedelung Südeuropas hatte rund 80 000 Jahre früher
begonnen.
(Quelle: dpa)
Deutsche Wissenschaftler entwickeln verbesserte Hurrikan-Vorhersage
Fr.16.12.05 - Wissenschaftler aus dem schleswig-holsteinischen Geesthacht haben ein
neues Satellitenradarsystem zur verbesserten Vorhersage von Hurrikans
entwickelt. Dadurch werde die Vorhersage über die Richtung und die
Stärke von Hurrikanen verbessert, wie das Magazin «National
Geographic Deutschland» in seiner Januar-Ausgabe berichtet. Die
Technik des Systems «WiSAR» durchdringt Wolken mit
Radarstrahlen und misst das Wellenmuster auf der Meeresoberfläche.
Ein Computerprogramm bestimmt daraus die Windrichtung eines
Wirbelsturms auf 16 Grad und die Geschwindigkeit auf 5 Kilometer pro
Stunde genau. Wissenschaftler der Universität in Miami wollen diese
Daten nutzen, um schneller und besser vor den immer zahlreicher aus der
Karibik heranrasenden Hurrikans warnen zu können, berichtet das
Magazin weiter. Als Grund für die Zunahme der Hurrikans wird die
weltweite Erwärmung und die Aufheizung des Wassers an der
Meeresoberfläche vermutet.
Entwickelt wurde das System von den beiden Forschern Jochen Horstmann
und Wolfgang Koch des Instituts für Küstenforschung am
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht. Nach Angaben der GKSS ermöglicht
das neue Verfahren die flächendeckende Messung von Stürmen.
Das Verfahren wurde unter anderem auf den Hurrikan
«Katrina» angewandt.
Nach Angaben von Horstmann erlaubt «WiSAR» die Ermittlung
der Windgeschwindigkeit in einem sehr hoch aufgelösten Raster von
200 Metern über ein 500 Kilometer breites Gebiet. Dadurch lassen
sich unter anderem Aussagen über die Größe des
Hurrikanzentrums, des so genannten Auges, sowie dessen Form und genaue
Position treffen. Für den Hurrikan «Katrina»
ermittelten die GKSS-Forscher auf diese Weise mittlere
Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde. Die
Geesthachter Forscher hoffen, in Zukunft in der Lage zu sein,
vernichtende Stürme im Detail vorherzusagen.
(Quelle: ddp)
Adulte Stammzellen flexibler als bisher angenommen
Fr.16.12.05 - Wissenschafter der Oregon Health and Science University haben
nachgewiesen, dass adulte Stammzellen flexibler sein können als
bisher angenommen. Embryonale Stammzellen können zu jeder Art von
Gewebe werden. Die Entwicklung adulter Stammzellen war bisher auf ihren
Bereich des Körpers beschränkt. Jetzt ist es laut New
Scientist gelungen, adulte Zellen erfolgreich mit anderen Zellen zu
verschmelzen, damit sie auch in anderen Teilen des Körpers
funktionieren. Die Wissenschafter gehen daher davon aus, dass aus diesem
Grund adulte Stammzellen auch in der Behandlung von Krankheiten
eingesetzt werden könnten. Britische Experten wie Stephen Minger
vom Stem Cell Biology Laboratory bewerteten das Potenzial dieses
Ansatzes eher kritisch.
Frühere Studien hatten gezeigt, dass adulte Zellen mit Zellen aus
anderen Teilen des Körpers verschmolzen werden können. Da die
so entstandenen Zellen die doppelte Anzahl von Chromosomen enthalten,
haben sie Schwierigkeiten bei der Zellteilung und kämpfen mit der
Regeneration von beschädigtem Gewebe. Der leitende Wissenschafter
Markus Grompe erklärte gegenüber der American Society for Cell
Biology, dass es Hinweise darauf gäbe, dass verschmolzene Zellen
die Anzahl ihrer Chromosome auf den normalen Wert reduzieren
könnten. Bei diesem Verfahren handle es sich um die so genannten
Reduktionsteilungen, die routinemäßig stattfänden. Die
Theorie geht davon aus, dass Zellen vorprogrammiert sind zu wissen,
über wie viele Chromosome sie verfügen und diese Anzahl
reduzieren können, wenn zu viele Chromosome vorhanden sind.
Die Forscher wiesen nach, dass Mäuse mit einer hereditären
Tyrosinämie durch die Infundierung ihrer Leber mit Stammzellen aus
dem Knochenmark geheilt werden können. Bei der hereditären
Tyrosinämie handelt es sich um eine Erkrankung die eine Gelbsucht
und eine Zirrhose hervorruft. Die Analyse ergab, dass die Zellen wieder
zur normalen Anzahl von Chromosomen zurückkehrten. Dieses
Phänomen wurde erstmals nicht nur bei Insekten beobachtet. Warum es
dazu gekommen ist, ist derzeit nicht bekannt. Grompe erforscht derzeit,
ob es möglich ist, das signalgebende Molekül, den
insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor-1 (IGF-1), einzusetzen um diesen
Vorgang zu beschleunigen. Derzeit ist dieser Prozess für viele
Anwendungsgebiete beim Menschen noch zu langsam.
(Quelle: pte)
78 neue Salzwasser-Fischarten entdeckt
Fr.16.12.05 - Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler hat nach eigenen Angaben in
diesem Jahr 78 neue Fischarten sowie eine Reihe weiterer bislang
unbekannter Meerestiere entdeckt. Wie die rund 1700 Wissenschaftler aus
73 Ländern mitteilten, ist unter den neu entdeckten Tieren auch
eine drei Meter große raketenförmige Riesenqualle aus der
Arktis.
"Die Untersuchungen zeigen, dass die Ozeane viel komplexer sind als wir
dachten", sagte der Vorsitzende der Gruppe "Zählung der
Meerestiere" (COML), Fred Grassle. Die Experten widmen sich bereits seit
2000 der systematischen Auflistung von Meerestieren. Bis 2010 soll im
Rahmen der internationalen Tierschutzbemühungen eine umfassende
Zählung der Meerestiere ermöglicht werden, sagte Grassle.
Unter den 40.000 bislang bekannten Meerestieren sind nach
Expertenangaben 15.717 verschiedene Fischarten. 2005 brachten die
Wissenschaftler an knapp über 1800 Meeresbewohnern Sender an, um
die Tiere per Satellit verfolgen zu können. Unter anderem sei es
dadurch möglich gewesen, einen roten Tunfisch auf seiner Reise zu
beobachten, der innerhalb von 600 Tagen rund 40.000 Kilometer
zurücklegte.
In einem weiteren Projekt wollen die Wissenschaftler mit Hilfe einer
separaten elektronischen Kennzeichnung untersuchen, weshalb der
Lachsbestand in nordwestamerikanischen Gewässern in den letzten 25
Jahren stark zurückgegangen ist. Der amerikanische Experte David
Welsh geht davon aus, dass ein wichtiger Faktor der Klimawandel sein
könnte, der zu einem Anstieg der Wassertemperatur in den Ozeanen
geführt hat.
(Quelle: afp)
Wikipedia kaum schlechter als Encyclopaedia Britannica
Fr.16.12.05 - Das Online-Lexikon Wikipedia ist nach einer Untersuchung des britischen
Fachjournals «Nature» kaum schlechter als die Encyclopaedia
Britannica. Die Zeitschrift hatte 42 Artikel der beiden Werke durch
Experten vergleichen lassen, ohne dass diese wussten, aus welcher
Enzyklopädie der Artikel stammt.
Bei Wikipedia gibt es im Gegensatz zur Encyclopaedia Britannica keine
Redaktion. Jeder darf neue Artikel veröffentlichen und bestehende
verändern.
Bei Wikipedia fanden die Experten durchschnittlich vier Fehler pro
Artikel, bei der Encyclopaedia Britannica waren es drei. Insgesamt
entdeckten die Prüfer 162 Fehler bei dem Internetprojekt und 123
bei der Encyclopaedia Britannica. Nicht weniger als 19 Fehler fanden die
Experten beispielsweise in einem Wikipedia-Artikel über den
russischen Chemiker Dimitri Mendelejew. Die Enzyclopaedia Britannica
erlaubte sich 8 Fehler. 10 Fehler entdeckten die Prüfer in einem
Britannica-Text über den britischen Physiker Paul Dirac. Bei
Wikipedia waren es 9.
Wikipedia erscheint in mehr als 100 Sprachen. Die englische Version ist
mit derzeit mehr als 850 000 Artikeln die größte, gefolgt von
der deutschen Ausgabe mit rund 324 000 Beiträgen. Die
Online-Enzyklopädie war in den vergangenen Wochen wegen eines
fehlerhaften Artikel über den US-Journalisten John Seigenthaler in
die Kritik geraten. Die Artikel bei Wikipedia können mehr oder
weniger anonym verfasst und verändert werden, während sich bei
der Enzyclpaedia Britannica eine Redaktion für die Texte
verantwortlich zeigt.
(Quelle: dpa)
Wikipedia:
http://de.wikipedia.org