Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung
der formellen Souveränität
Sunniten und Schiiten zur Bildung einer Koalition bereit
So.18.12.05 - Nach der Parlamentswahl im Irak haben sunnitische und schiitische
Politiker Bereitschaft zur Bildung einer Regierungskoalition
geäußert. Der schiitische Abgeordnete Muwafak al Rubaje
erklärte am Samstag, seine Volksgruppe solle eine
Regierungskoalition bilden, auch wenn es nicht notwendig sei. Sein
Kollege Dschauad al Maliki rechnete mit einem starken Abschneiden der
Schiiten, die aber wohl dennoch einen Koalitionspartner benötigten.
In einer gemeinsamen Stellungnahme gratulierten US-Botschafter Zalmay
Khalilzad und der Befehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General
George Casey, den Irakern zu der erfolgreichen Wahl. Sie forderten die
Bürger auf, geduldig auf die Auszählung zu warten, damit die
Wahlkommission ihre Arbeit ohne Druck erledigen könne.
US-Präsident George W. Bush kündigte an, sich am Sonntagabend
mit einer Fernsehansprache zur Lage im Irak an die Nation zu wenden.
Regierungssprecher Scott McClellan erklärte am Freitagabend, nach
der «historischen Wahl» im Irak habe die dortige Mission
der USA ein kritisches Stadium erreicht. Bush wolle über die
große Bedeutung dieser Mission sprechen sowie über den
weiteren Weg im Jahre 2006.
Casey äußerte am Freitag die Erwartung, dass die
US-Truppenstärke im Irak bis Anfang Februar auf etwa 138.000
reduziert werden könnte. Derzeit sind rund 160.000 amerikanische
Soldaten im Irak stationiert. Auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld
hatte kürzlich angedeutet, die Zahl der Soldaten schon bald um
rund 20.000 Soldaten verringert werden könne. Casey, der vom Irak
aus mit Journalisten im US-Verteidigungsministerium in Washington
sprach, sagte, bis zum Herbst 2006 sollten die irakischen
Streitkräfte in der Lage sein, die Verteidigung des Landes
größtenteils selbst zu übernehmen.
UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich in einem
Telefongespräch mit Bush zufrieden über die Wahl im Irak.
Annan sagte, das irakische Volk habe eine weitere Hürde auf dem Weg
zur Demokratie genommen, wie der Sprecher des Nationalen
Sicherheitsrats der USA, Frederick Jones, am Freitagabend in Washington
mitteilte. Dabei habe der UN-Generalsekretär auf die geringe Gewalt
und die hohe Wahlbeteiligung bei der Abstimmung vom Donnerstag
verwiesen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 18.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.18.12.04 - Human Rights Watch kritisiert mangelnde Menschenrechte bei irakischem
Sondertribunal +++ Republikaner-Kritik an US-Verteidigungsminister Rumsfelds
militärischem Kurs im Irak wächst +++ USA erlassen dem Irak alle
Schulden - Entsprechendes Abkommen unterzeichnet +++
Wähler-Registrierung im Irak bis auf Unruheprovinzen angeblich
problemlos +++ Vier US-Bürger bei Anschlag im Nordirak verletzt +++
Türkische Botschaftswachleute nahe nordirakischem Mossul
getötet +++ Einwohner von Falludscha dürfen allmählich
zurückkehren +++ US-Soldat wegen Tötung eines Irakers angeklagt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412180.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Afghanistan: Zwei Tote bei Angriff auf Schulkinder
So.18.12.05 - Bewaffnete haben am Samstag in der afghanischen Stadt Laschker Gah von
einem Motorrad aus eine Gruppe von Schulkindern beschossen. Ein Kind
und ein Wachmann wurden dabei getötet, wie ein Sprecher der
Provinzregierung mitteilte. Die Angreifer konnten entkommen. Tags zuvor
war in einer Nachbarstadt ein Lehrer erschossen worden.
Südlich der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es zu Unruhen
gekommen, wie die Behörden am Samstag bestätigten. Mehrere
hundert Menschen hätten in der Stadt Scharkh randaliert, sagte der
stellvertretende Polizeichef der Provinz, Abdul Rasul. Bei
Auseinandersetzungen mit der Polizei seien zwei Demonstranten
erschossen und zwei verwundet worden. Hintergrund seien Ermittlungen
gegen einen örtlichen Prediger, erklärte Gouverneur Amanullah
Hamemi. Dieser werde hinter einem versuchten Anschlag auf einen
Polizeioffizier vermutet. Als zwei seiner Anhänger festgenommen
worden seien, habe er die Menschen beim Freitagsgebet aufgerufen, vor
der Polizeiwache zu demonstrieren. Aus dem Protest seien dann Unruhen
geworden.
(Quelle: ap)
Afghanen blicken skeptisch auf erste Sitzung des Parlaments
Warlords untergraben Legitimation
So.18.12.05 - In Afghanistan tritt zum ersten Mal seit 1973 ein Parlament zusammen.
Eigentlich ist das ein Grund zum Feiern, doch die Menschen blicken
skeptisch auf die 249 neuen Abgeordneten der Wolesi Dschirga und fragen
sich, ob sie die drängenden Probleme des Landes lösen
können: die wachsende Arbeitslosigkeit, Stromausfälle,
Verbrechen und Gewalt auf den Straßen. Die Vorbereitungen zur
konstituierenden Sitzung am Montag werden überschattet von diesen
Zweifeln.
«Ich bin überhaupt nicht optimistisch», sagt Mohammed
Tahir, der in Kabul Brot verkauft. «Wir haben unseren Teil
geleistet. Jetzt müssen die Politiker ihren leisten.» Die
Demokratie ist für ihn nur ein weit entfernter Traum.
«Scheinbar bewegt sich unser Land in diese Richtung»,
erklärt er. «Aber mir geht es immer schlechter.» Dabei
galt die Wahl vor drei Monaten als Erfolg und wichtiger Schritt nach dem
Sturz des Taliban-Regimes vor vier Jahren.
Doch die Abgeordneten stehen vor einer riesigen Herausforderung. Die
afghanische Wirtschaft liegt nach drei Jahrzehnten der Besatzung und des
Bürgerkriegs am Boden, die Sicherheit liegt in den Händen von
20.000 US-Soldaten und mehreren tausend Mitgliedern der internationalen
Schutztruppe (ISAF), Bomben und Selbstmordanschläge gehören
zum Alltag. Die Beobachter sind sich daher einig: Der Weg in die
Zukunft wird steinig sein.
Kritiker erklärten, die Legitimation des Parlaments werde von den
Warlords untergraben, die jetzt demokratisch gewählte Abgeordnete
seien. «Die Eröffnung des Parlaments wird von vielen Afghanen
nicht als positiver Schritt betrachtet», sagte der
Forschungsdirektor der Asienabteilung der Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch, Saman Zia-Zarifi. «Sie betrachten sie als
potenzielles Desaster.» Die Organisation wirft einigen der neuen
Abgeordneten Menschenrechtsverletzungen oder Verwicklungen in den
Drogenhandel vor. Dieser verschaffe ihnen Geld, Macht und
Unabhängigkeit von den Anweisungen der Zentralregierung.
Unter den beschuldigten Politikern sind der frühere
Verteidigungsminister Mohammed Fahim, ein ehemaliger Anführer der
Nordallianz, sowie der Ex-Taliban-Kommandeur Abdul Salaam Rocketi.
«Die Leute sehen das Parlament und denken 'All diese Männer
sind zurück'», sagte Zia-Zarifi. «Am Tag der
Parlamentseröffnung werden die Menschen auf die Warlords blicken,
um zu sehen, ob sie sich benehmen und was die Regierung dagegen
unternimmt.»
(Quelle: ap)
US-Senat blockiert Verlängerung von umstrittenem Patriot Act
So.18.12.05 - US-Präsident George W. Bush droht trotz republikanischer
Mehrheiten im Kongress eine herbe Niederlage bei der Verlängerung
von Anti-Terror-Gesetzen. Im Senat fand sich am Freitag keine Mehrheit
für die Beendigung einer Debatte über die Gesetze des
«Patriot Act», die nach den Terroranschlägen am 11.
September 2001 erlassen worden waren.
Damit droht die von Bush angestrebte Verlängerung des
Gesetzespakets über den 31. Dezember hinaus im letzten Augenblick
doch noch zu scheitern.
Am Freitag war durch einen Bericht der «New York Times»
erstmals bekannt geworden, dass Bush Lauschangriffe in den USA auch ohne
eine - üblicherweise vorgeschriebene - richterliche Anordnung
genehmigt hatte. Das Weiße Haus dementierte die Angaben des
Berichts nicht.
Zum «Patriot Act» gehören weit reichende Befugnisse
für die Behörden beim Abhören und bei der Beschlagnahme
persönlicher Akten und anderer Unterlagen in Firmen,
Krankenhäusern, Bibliotheken und anderen Einrichtungen. Der Senat
lehnte es nun aber ab, die Gültigkeit der - leicht veränderten
- Anti-Terror-Gesetze zu verlängern. Die Senatoren verweigerten
mit 52 zu 47 Stimmen ein Ende der Debatte über das modifizierte
Gesetz, das im Repräsentantenhaus am Mittwoch eine Mehrheit
bekommen hatte.
Das Weiße Haus betrachtet den «Patriot Act» als
unverzichtbar im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. «Wir
dürfen nicht vergessen, dass die Terroristen, nicht die
Ermittlungsbehörden unsere Feinde im Krieg gegen den Terrorismus
sind», sagte der republikanische Mehrheitsführer im Senat,
Bill Frist. Aber die meisten Demokraten sowie auch einige Republikaner
sehen in den Anti- Terror-Gesetzen eine Bedrohung der bürgerlichen
Freiheiten.
(Quelle: dpa)
Bush räumt Abhöraktion ein
So.18.12.05 - US-Präsident George W. Bush hat am Samstag eingeräumt, nach
den Anschlägen vom 11. September 2001 persönlich in mehr als
30 Fällen Lauschangriffe auf amerikanischem Boden angeordnet zu
haben. In seiner wöchentlichen Radioansprache, die diesmal live
aus dem Weißen Haus gesendet wurde, verteidigte er die geheime
Aktion, die am Vortag von der «New York Times»
enthüllt worden war.
«Es handelt sich um ein streng geheimes Programm, das für
unsere nationale Sicherheit äußerst wichtig ist»,
erklärte der Präsident. «Diese Maßnahme ist ein
wichtiges Werkzeug in unserem Kampf gegen den Terrorismus. Sie ist
notwendig, um das Leben von Amerikanern zu schützen», sagte
Bush weiter. Das amerikanische Volk erwarte von ihm, dem Gesetz und der
Verfassung entsprechend alles zu tun, um die Bürger und ihre
Freiheitsrechte zu schützen. Und das werde er auch weiterhin tun,
solange er Präsident sei.
Der Bericht der «New York Times» hatte bei vielen
Kongressabgeordneten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Die NSA darf normalerweise auf amerikanischem Boden niemanden
ausspionieren. Für die Überwachung ausländischer
diplomatischer Vertretungen benötigt der Geheimdienst einen
Gerichtsbeschluss.
Kritik kam nicht nur von den oppositionellen Demokraten. Der
Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, der Republikaner Arlen
Specter, kündigte am Freitag eine Anhörung zu dem Bericht an.
«Es gibt keinen Zweifel daran, dass dies unangemessen ist»,
sagte Specter. Senator John McCain nannte den Bericht beunruhigend. Der
demokratische Senator Edward Kennedy sagte: «Big Brother
läuft Amok.» Auch die Amerikanische Bürgerrechtsunion
äußerte sich bestürzt.
Laut der «New York Times» waren selbst einige
NSA-Mitarbeiter nicht überzeugt von der Legalität des
Abhörprogramms und verweigerten ihre Mitarbeit. Wegen Zweifeln an
der Gesetzesmäßigkeit habe die Regierung das Programm im
vergangenen Jahr vorübergehend ausgesetzt und neue
Einschränkungen erlassen.
Bush erklärte in seiner Radioansprache, das Programm stehe in
Einklang mit den amerikanischen Gesetzen und der Verfassung. Es sei nur
dazu bestimmt, Kommunikation auf internationaler Ebene von Personen in
den USA abzuhören, die «eine eindeutige Verbindung» zu
Al Kaida oder ihr nahe stehenden Terrororganisationen hätten. Das
Programm werde alle 45 Tage auf Grund aktueller Bedrohungsanalysen und
der Einschätzung von Experten des Justizministeriums und des
Weißen Hauses überprüft. Ohne Namen zu nennen sagte
Bush weiter, führende Mitglieder des Kongresses seien mehr als ein
Dutzend Mal über das Programm informiert worden. Die beteiligten
Geheimdienstmitarbeiter hätten eine ausführliche Unterweisung
erhalten, um sicherzustellen, dass die Bürgerrechte nicht verletzt
würden.
Das Abhörprogramm habe dazu beigetragen, mögliche
Terroranschläge in den USA und im Ausland zu vereiteln, sagte der
Präsident weiter. Er machte dazu jedoch keine näheren Angaben.
In einer Erwiderung auf die Ansprache Bushs kritisierte der
demokratische Senator Russell Feingold das Verhalten des
Präsidenten scharf. Es sei «absurd», dass Bush die
Abhörgenehmigungen mit seinen Vollmachten als Präsident
begründe. Wenn das stimmen würde, bräuchte man keine
Anti-Terror-Gesetze. Denn dann könnte der Präsident auch ohne
sie so weitermachen. Der Mann im Weißen Haus sei Präsident
Bush und nicht König Bush.
(Quelle: ap)
US-Repräsentantenhaus stimmt für schärferes
Einwanderungsgesetz
'Green Card'-Lotterie abgeschafft
So.18.12.05 - Die USA wollen mit einer Verschärfung des Einwanderungsgesetzes,
einem über 1100 Kilometer langen Grenzzaun zu Mexiko sowie der
Abschaffung der «Green Card»-Lotterie die Hürden
für Einwanderung drastisch erhöhen. Das
US-Repräsentantenhaus in Washington beschloss dies am Freitagabend
mit 239 zu 182 Stimmen.
Bei der «Green Card»-Lotterie waren jährlich weltweit
rund 55 000 Einwanderungsvisa für die USA ausgeschrieben worden.
Auch in Deutschland beteiligten sich jährlich viele Tausend
Menschen an dieser Lotterie. «In Zeiten des Terrorismus
können wir nicht mit der Sicherheit spielen», sagte der
republikanische Abgeordnete Robert Goodlatte. Über die Lotterie
seien auch Terroristen in die USA gelangt.
Das neue US-Gesetz stellt den illegalen Aufenthalt in den USA unter
Strafe. Bisher waren die - übewiegend mexikanischen - Einwanderer
ohne Aufenthaltsgenehmigung meist nur abgeschoben worden. Allein 2004
waren offiziellen US-Angaben zufolge 1,1 Million Menschen beim
illegalen Überschreiten der mexikanisch-amerikanischen Grenze
gefasst worden - mindestens ebenso vielen sei die Flucht aus dem
ärmeren Süden in den reichen Norden gelungen. Auf rund 11
Millionen wird die Zahl der illegalen Einwanderer in den USA
geschätzt.
Der Senat muss dem Gesetz noch zustimmen. US-Präsident George W.
Bush forderte die Senatoren auf, das Gesetz zu billigen. «Sichere
Grenzen sind entscheidend für die Sicherheit in unserem
Land», sagte er. Bush war von Demokraten wie Republikanern seit
langem kritisiert worden, zu wenig für eine strengere Kontrolle
der US-Grenzen und die Eindämmung der illegalen Einwanderung
kritisiert worden. An der mexikanischen Grenze hatten mehrere
US-Milizen die Grenzüberwachung selbst in die Hand genommen.
(Quelle: dpa)
WTO kommt Lösung der strittigen Fragen kaum näher
So.18.12.05 - Die Unterhändler auf Welthandelskonferenz in Hongkong sind der
Lösung der strittigsten Fragen bislang kaum näher gekommen.
Dies geht aus dem Entwurf der Abschlusserklärung hervor, der am
Samstag vorgelegt wurde. So gibt es allenfalls kleinere Fortschritte in
einzelnen Bereichen. Auch wird erwartet, dass der Entwurf bis zum Ende
der WTO-Ministerkonferenz, an der 149 Staaten teilnehmen, am Sonntag
noch überarbeitet wird.
In dem Entwurf werden zwar fast alle Themen von der Senkung der
Agrarsubventionen bis zur Öffnung des Dienstleistungssektors
angesprochen, dies wird aber von vielen Ausnahmregelungen begleitet.
Widerstand vor allem aus Europa dürfte es gegen den Vorschlag des
WTO-Generalsekretariats geben, wonach «alle Formen» von
Agrarexportsubventionen gestrichen werden. Als Datum wird das Jahr 2010
oder die Formulierung «fünf Jahre nach In-Kraft-Treten»
vorgeschlagen. Gegen eine solche Festlegung hat sich die EU schon
vehement gewehrt. Auch die europäischen Bauern lehnen dies weiter
ab. «Dies ist nicht akzeptabel», sagte COPA-Präsident
Rudolf Schwarzböck. Er forderte die EU-Kommission auf, «die
europäischen Agrarinteressen weiter zu verteidigen und das
Dokument ebenfalls zurückzuweisen».
Schwarzböck verlangte, dass in dem Entwurf ebenfalls ein Auslaufen
der verdeckten Exportsubventionen Kanadas, Neuseelands, der USA und
Australiens verankert werden müsse. Dazu gehören nach seinen
Worten Exportkredite und das «Food-Aid»-Programm der USA
sowie staatliche Export-Monopole etwa in Australien. Solange diese
«volle Parallelität» nicht gegeben sei, werde sich die
EU nicht auf ein genaues Datum festlegen können, betonte er.
Eduardo Baamonde von der COGEGA sagte, jeder Bauer in den USA bekomme
drei Mal mehr staatliche Unterstützung als ein EU-Bauer. Zudem
verwies er darauf, dass die milliardenschwere Unterstützung
für die EU-Landwirtschaft auch eine kulturelle und soziale Funktion
erfülle.
Die Industrieländer sollen nach dem Willen der WTO auch alle
Exportsubventionen für Baumwolle bis Ende 2006 streichen. Ein Datum
für das vollständige Auslaufen der internen Beihilfen
für US-Produzenten wird jedoch nicht genannt. Seit Jahren beklagen
westafrikanische Staaten, dass die mit rund 3,5 Milliarden Euro
jährlich subventionierte US-Baumwollproduktion die Weltmarktpreise
verdirbt und rund 15 Millionen Menschen in Not stürzt.
Weiter wird in dem Entwurf vorgeschlagen, dass alle
Industrieländer den am wenigsten entwickelten Staaten einen zoll-
und quotenfreien Marktzugang gewähren. Doch wird in dem Dokument
der Starttermin offen gelassen. Auch wird die Möglichkeit in
Aussicht gestellt, bestimmte Produkte auszunehmen.
Der Entwurf für die abschließende Ministererklärung,
die am Sonntag beschlossen werden soll, enthält keinen Vorschlag,
wann die genaue Höhe der Zollsenkungen im Industrie- und
Agrarbereich beschlossen werden soll. Die 50 ärmsten
Entwicklungsländer würden von Erleichterungen beim Export
ihrer Waren in den reichen Norden erheblich profitieren. Nach
Berechnungen der Vereinten Nationen würden ihre Ausfuhrerlöse
um rund 5,3 Milliarden Euro steigen, wenn ihnen die Industrieländer
einen zoll- und quotenfreien Marktzugang für alle Produkte
gewährten.
(Quelle: ap)
Heftige Zusammenstöße am Rande der WTO-Tagung in Hongkong
So.18.12.05 - Am Rande der Welthandelsgespräche in Hongkong ist es am Samstag zu
heftigen Zusammenstößen zwischen Globalisierungsgegnern und
Sicherheitskräften gekommen. Hunderte Demonstranten durchbrachen
Augenzeugen zufolge die Polizeireihen und gelangten bis auf 30 Meter vor
das Tagungszentrum der Welthandelsorganisation (WTO), in dem noch bis
Sonntag Minister aus mehr als 150 Staaten beraten. Zunächst
hinderten Spezial-Einsatzkräfte die Menge daran, in das
Gebäude einzudringen. Einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters
zufolge setzte die Polizei Tränengas und Pfefferspray ein. Medien
berichteten von mindestens 30 Verletzten.
"Am Tagungszentrum herrscht eine Patt-Situation. 50 Polizisten sind
gerade in das Gebäude gestürmt. Keiner darf mehr raus", sagte
der Reporter. Die Polizisten wehrten die Demonstranten mit
Knüppeln, Tränengas und mit Hilfe von Feuerwehrschläuchen
ab. Einige Demonstranten umwickelten ihre Augen mit Plastikband oder
trugen Brillen und Masken, um sich gegen das Pfefferspray zu
schützen. Bis zum Abend umrundeten die Protestierenden das Zentrum
nahezu. Die Polizei sperrte Straßen und eine nahe gelegene
U-Bahn-Station, um die Menge in Schach zu halten.
Viele der Demonstranten waren Bauern aus Südkorea. Sie gelten als
besonders militant und hatten für das Wochenende verstärkte
Proteste angekündigt. Die Landwirte wehren sich gegen eine
Öffnung des koreanischen Reismarktes für Importe. Beide Seiten
- Polizei und Demonstranten - zogen für die herannahende Nacht
Verstärkung heran.
Am Rande von WTO-Konferenzen war es wiederholt zu Ausschreitungen und
Zusammenstößen gekommen. Die Globalisierungsgegner
kritisieren, dass die von der WTO angestrebte Liberalisierung des
Welthandels zu Lasten der Schwächeren und Armen geht. In Hongkong
haben sich aus Anlass der sechsten WTO-Ministerkonferenz rund 10.000
Globalisierungsgegner versammelt.
(Quelle: rtr)
Serbiens Präsident: Flüchtige Kriegsverbrecher haben uns
isoliert
So.18.12.05 - Die immer noch flüchtigen sechs mutmaßlichen serbischen
Kriegsverbrecher haben das Land nach Ansicht seines Präsidenten
Boris Tadic international isoliert.
«Wir sind das einzige Land, das im UN-Sicherheitsrat als der
Staat abgestempelt wird, der nicht mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal
(in Den Haag) zusammenarbeitet», zitierten die Zeitungen am
Samstag in Belgrad das Staatsoberhaupt.
Die Sozialisten des früheren jugoslawischen Präsidenten
Slobodan Milosevic haben auf der anderen Seite der Minderheitsregierung
des nationalkonservativen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica
mit dem Entzug ihrer Unterstützung gedroht, sollte einer der
Gesuchten verhaftet werden. «Wir werden die Regierung
stürzen, sollte auch nur einer unserer Staatsbürger verhaftet
und nach Den Haag ausgeliefert werden», sagte der Sozialistenchef
Ivica Dacic am Samstag der Zeitung «Press» in Belgrad.
Unterdessen hat das Staatsoberhaupt die Kostunica-Regierung für
die Isolierung des Landes verantwortlich gemacht. Während die
Nachbarländer Kroatien und Mazedonien als Kandidaten für einen
EU- Beitritt Fortschritte machten, werde einzig Serbien von einer
Annäherung an Europa ausgeschlossen, sagte Tadic.
Hintergrund ist der für Serbien negative Bericht der
Chefanklägerin des UN-Tribunals, Carla Del Ponte. Sie hatte sich in
dieser Woche beim UN-Sicherheitsrat beschwert, Belgrad arbeite nur
ungenügend mit dem Tribunal zusammen. Seit April seien keine
serbischen Angeklagten mehr nach Den Haag ausgeliefert worden und auch
die Bereitstellung angeforderter Militärdokumente aus Belgrad sei
unvollständig.
Die Kostunica-Regierung reagierte auf die Kritik von Tadic mit
Vorwürfen an dessen Adresse. Tadic habe als früherer
Verteidigungsminister und heutiges Mitglied des Obersten
Verteidigungsrates nichts zur Auslieferung mutmaßlicher
Kriegsverbrecher beigetragen, hieß es in mehreren
Erklärungen. Die UN-Anklägerin hatte der serbischen Armee
vorgeworfen, die untergetauchten Angeklagten zu decken
(Quelle: dpa)
Erdogan wirft EU Einmischung in die türkische Justiz vor
So.18.12.05 - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat der
Europäischen Union vorgeworfen, wegen des Prozesses gegen den
Schriftsteller Orhan Pamuk Druck auf die Justiz in der Türkei
auszuüben. «Richtig oder falsch, der Fall liegt bei den
Gerichten», sagte Erdogan am Samstag vor Journalisten. Er
kündigte an, das Kabinett werde am Montag über eine
Fortsetzung des umstrittenen Prozesses beraten.
Der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels
ist wegen Verunglimpfung des Türkentums angeklagt, weil er in
einem Interview gesagt hatte, auf türkischem Boden seien 30.000
Kurden und eine Million Armenier getötet worden. «Meine
Ansichten zur Meinungsfreiheit sind bekannt», erklärte der
Regierungschef. «Ich war selbst ein Opfer eines solches
Prozesses.» Erdogan verbüßte 1999 vier Monate Haft,
weil er ein nach Ansicht des Gerichts aufrührerisches Gedicht
rezitiert hatte.
Der Richter hatte am Freitag den Prozess gegen Pamuk auf den 7. Februar
vertagt und erklärt, das Gericht benötige die Erlaubnis des
Justizministeriums, um das Verfahren fortsetzen zu können. Diese
sei am 2. Dezember beantragt worden, eine Antwort stehe aber noch aus.
(Quelle: ap)
Deutschland
Koalitionsstreit über Bundeswehreinsatz im Inneren
So.18.12.05 - Mit seinem Vorstoß für einen Bundeswehreinsatz im Inneren
während der Fußball-WM hat Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) den Koalitionspartner gegen sich aufgebracht.
Mehrere hochrangige SPD-Politiker lehnten eine dafür notwendige
Grundgesetzänderung am Samstag ab. «Ich sehe nicht, dass wir
das brauchen», sagte etwa Justizministerin Brigitte Zypries. Die
Union zeigte sich allerdings fest zu einer Gesetzesinitiative
entschlossen.
Schäuble hatte sich dafür ausgesprochen, die Bundeswehr
während der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr zum Schutz von
Stadien, Flughäfen und Mannschaftsquartieren einzusetzen.
Dafür müsste das Grundgesetz geändert werden. Vor einer
entsprechenden Initiative will Schäuble aber das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zum Luftsicherheitsgesetz abwarten, dass den
Einsatz der Bundeswehr bei Terrorangriffen aus der Luft regelt.
Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl sprach sich dafür aus, eine
Grundgesetzänderung notfalls noch vor der Karlsruher Entscheidung
auf den Weg zu bringen. Sollte sich zeigen, dass eine
Gerichtsentscheidung zu spät komme, müsse der Bundestag
früher tätig werden. «Zum Beginn der Fußball-WM
müssen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen sein», sagte
Uhl der «Berliner Zeitung».
Die Union setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, die
Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Inneren auszuweiten. Die
SPD lehnt eine entsprechende Grundgesetzänderung ab. Im
Koalitionsvertrag wurde keine klare Regelung zu dem Thema getroffen.
«Soweit für besondere Gefährdungen der Sicherheit
unseres Landes gesetzlicher oder verfassungsmäßiger
Regelungsbedarf besteht, wird die Bundesregierung Initiativen
vorlegen», heißt es im Koalitionsvertrag lediglich.
Zypries wies den Vorstoß Schäubles klar zurück. Beim
Confederations Cup in diesem Jahr habe sich gezeigt, dass die
Sicherheit auch ohne Bundeswehr gewährleistet werden könne,
sagte die SPD-Politikerin der «Süddeutschen Zeitung».
«Ich habe keinen Hinweis auf eine Sicherheitslage, die es
nötig macht, U-Bahnen oder Stadien durch Soldaten schützen zu
lassen.»
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte der «B.Z. am Sonntag»,
es werde im Bundestag keine Mehrheit für eine Regelung geben, die
einen Einsatz der Bundeswehr etwa zur Sicherung von Stadien
ermöglichen würde. Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende
Kurt Beck hält eine Grundgesetzänderung nicht für
notwendig. «Soldaten sind keine Polizisten», sagte er der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Ähnlich
äußerte sich FDP-Fraktionsgeschäftsführer
Jörg van Essen: «Die Bundeswehr ist nicht die Hilfspolizei
für die ständig reduzierten Polizeikräfte von Bund und
Ländern.»
Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm nannte die
Kritik an Schäubles Vorstoß «reflexhaft und
kurzsichtig». «Es geht darum, alle Vorkehrungen zu treffen,
um Bürger und Besucher im Fall erheblicher Gefährdung zu
schützen», sagte der CDU-Politiker. «Wer warten will,
bis die Sicherheitslage den Schutz von Stadien durch Soldaten
nötig macht, muss sich den Vorwurf der Fahrlässigkeit
gefallen lassen.»
(Quelle: ap)
Magazin: Verfassungsschützer gab Amerikanern Dossier über
Masri
So.18.12.05 - Ein bayerischer Verfassungsschützer hat dem US-Geheimdienst CIA
nach einem Magazinbericht im Frühjahr 2004 Informationen über
den Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri übergeben.
Das Treffen habe Ende April vorigen Jahres in der Münchner
Innenstadt gefunden, berichtete das Magazin "Focus" am Samstag vorab. Zu
diesem Zeitpunkt wurde El-Masri nach seinen Angaben bereits seit
mehreren Monaten in einem CIA-Gefängnis in Afghanisan inhaftiert
und gefoltert. Kurz vor dem Treffen in München habe die CIA dem
bayerischen Verfassungsschutz mitgeteilt, dass sie El-Masri festhalte,
berichtete "Focus" weiter. Ohne nähere Einzelheiten des Falles zu
nennen habe der CIA-Mitarbeiter um Informationen über den
42-Jährigen gebeten, den die bayerischen Verfassungsschützer
für eine Randfigur der Islamisten-Szene in Neu-Ulm hielten.
El Masris Anwalt Manfred Gnjidic widersprach Spekulationen, wonach die
CIA versucht haben könnte, seinen Mandaten als Informanten zu
gewinnen. El-Masri sei kein direktes Angebot unterbreitet worden. Sein
Mandat sei aber gefragt worden, ob er sich nach seiner Freilassung
Gespräche über seine Kontakte in Neu-Ulm vorstellen
könne. Er habe dies abgelehnt. Mitglieder des
Bundestags-Innenausschusses hatten laut "Focus" am Mittwoch in
nichtöffentlicher Sitzung darüber spekuliert, ob die CIA
El-Masri habe anwerben wollen. Da er dies abgelehnt habe, sei versucht
worden, ihn mit einer hohen Geldsumme zum Schweigen zu verpflichten. Die
500.000 Dollar seien möglicherweise auf ein Schweizer Nummernkonto
geflossen.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Mittwoch im
Bundestag gesagt, El-Masri habe als Entschädigung für seine
Haft Geld erhalten. Das habe der damalige US-Botschafter Daniel Coats
seinem Vorgänger Otto Schily im Sommer 2004 mitgeteilt. Die USA
hätten sich außerdem bei El-Masri entschuldigt und ihn zum
Stillschweigen verpflichtet. El-Masri bestritt diese Darstellung. "Ich
habe kein Geld von niemandem bekommen, und ich habe niemandem
versprochen, dass ich verschweige, was mit mir passiert ist", sagte
El-Masri am Freitag dem ZDF. Der 42-jährige war nach eigener
Darstellung Ende 2003 von der CIA verschleppt, in einem afghanischen
Gefängnis misshandelt und erst im Mai 2004 wieder freigelassen
worden. Er hat die USA verklagt und verlangt von ihnen eine
Entschädigung sowie eine Entschuldigung.
Im Fall des in Syrien inhaftierten Deutschen Mohammed Haidar Zammar
gerät jetzt auch das Auswärtige Amt in die Kritik. Zammars
Anwältin Gül Pinar beschuldigte das Ministerium der Lüge.
Es habe trotz der Bitten der Familie beteuert, keinen Kontakt zu ihm
herstellen zu können, sagte Pinar der "Süddeutschen Zeitung".
Dabei hatten deutsche Sicherheitsbeamte ihren Mandanten in Syrien
besucht. Ob der damalige Außenminister Fischer Bescheid wusste,
ist laut SZ unklar.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Klimaänderung - Im Süden der USA explosionsartige Vermehrung
der Weichtiere
So.18.12.05 - Die zunehmende Trockenheit hat Millionen von kleinen Schnecken zu den
Salzmärschen der südlichen USA gelockt. Die Schnecken der
Spezies Littoraria irrorata, die nur etwa 2,5 Zentimeter groß
sind, nehmen in den Feuchtgebieten überhand. Experten warnen davor,
dass die Trockenperioden durch die globale Erwärmung diese
Situation des ökologischen Breakdown noch verschlimmern
könnte, berichtet das Wissenschaftsjournal Nature
Die kleinen Schnecken haben eine sehr eigenwillige und erst vor wenigen
Jahren entdeckte Art der Nahrungsaufnahme: Sie fressen mit ihrer
Raspelzunge Streifen in die Halme des Grases Spartina alterniflora. Auf
ihrem Weg durch ihr Futter streifen sie Pilzsporen ab, die an ihrer Haut
haften. Die Pilze können in dem offen gelegten Blattinnern und mit
den Nährstoffen aus dem Schneckenkot besonders gut wachsen. Wenn
die Tiere dann später nochmals zu den Grashalmen kommen, finden
sie noch wertvollere Nahrung. Forscher hatten damals entdeckt, dass die
Schnecken diese Pilze für ihr Wachstum brauchen.
Normalerweise leben Schnecken und Gras in perfekter Harmonie.
Allerdings kam es in der Region 1999 bis 2001 zu Trockenperioden, die
auch die großen Mengen von Gräsern anfälliger für
Krankheiten machte. Dazu kam es zu einer explosionsartigen Vermehrung
der kleinen Schnecken, wie Brian Silliman von der University of Florida
in Gainesville herausgefunden hat. Und die Zukunft der
Küsten-Ökosysteme an der Atlantikküste der USA sieht
nicht gerade rosig aus, denn Klimaforscher sagen längere
Trockenperioden voraus.
Was Silliman in seiner Studie beschreibt, klingt jedenfalls bedrohlich:
in einem Teil Louisianas fand der Wissenschaftler bis zu 2.000 Schnecken
pro Quadratmeter. "Schnecken über Schnecken lagen am Boden und das
Gras, das hier bis 1,2 Meter hoch wächst, war unter der Last der
Schnecken nur 30 Zentimeter hoch", berichtet der Forscher. Wenn das
Gras dann völlig abgefressen ist, suchen die Schnecken mit 15
Metern pro Stunde nach neuen Nahrungsquellen. Mehr als 100.000 Hektar
Küstengebiet sind in den vergangenen sechs Jahren auf diese Art
vernichtet worden. "In Regionen wie Louisiana kommen natürlich
menschliche Aktivitäten hinzu, dennoch tragen auch die Schnecken
Mitschuld daran", meint der Wissenschaftler.
Silliman hat mit Forscherkollegen schneckenfreie Zonen im Marschland
geschaffen, um zu erforschen, wie sehr die Schnecken für diese
Zerstörung verantwortlich sind. Tatsächlich gedieh in dieser
Zone das Gras. Als die Forscher die Salzgehalte im Boden künstlich
anhoben und damit Trockenheit simulierten, stieg der ökologische
Stress an. Das Gras war anfälliger für Krankheiten und
Schnecken hatten ein leichtes Spiel. "Neu sind die Erkenntnisse, das
Pflanzenfresser in Feuchtgebieten unter ökologischem Stress ein
leichtes Spiel haben, nicht", meint Bill Mitsch, Feuchtbiotop-Fachmann
von der Ohio State University. Mitsch ist zwar nicht völlig
überzeugt davon, dass das Zerstörungspotenzial der Schnecken
derart groß ist, meint jedoch, dass die Arbeit darauf hinweise,
dass Küstenzonen wie etwa Mangroven auch besonders empfindliche
Ökogebiete sind. Sillimans Team untersucht derzeit andere
Pflanzenfresser in Küstengebieten. Er und sein Team wollen
herausfinden, ob Krabben in Argentinien einen ähnlichen Stress auf
die Umwelt ausüben wie die Schnecken in Louisiana.
(Quelle: pte)