Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Schiiten-Allianz belegt bei Parlamentswahl im Irak ersten Platz. Paris
hofft nach Osthoff auf Freilassung eigener Geisel. Video zeigt
Tötung einer US-Geisel im Irak. US-Armee entlässt im Irak acht
frühere Regierungsverantwortliche aus Haft
Di.20.12.05 - Nach der Parlamentswahl im Irak gibt es anscheinend ein erstes
Ergebnis. Al-Arabija meldet: Die von religiösen Schiiten- Parteien
dominierte Vereinigte Irakische Allianz hat die meisten Stimmen
erhalten. Das berichtet der TV-Sender unter Berufung auf die
Wahlkommission, die bereits 90 Prozent der Stimmen ausgezählt haben
soll. Die Iraker hatten am Donnerstag zum ersten Mal seit dem Sturz des
Saddam-Regimes ein Parlament gewählt. Dessen Abgeordnete sollen
vier Jahre im Amt bleiben.
Die französische Regierung hat die Freilassung von Susanne Osthoff
aus irakischer Geiselhaft begrüßt. "Wir freuen uns über
die gestrige Freilassung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff
und ihres Fahrers nach 24 Tagen", sagte ein Sprecher des
französischen Außenministeriums am Montag. Frankreich werde
weiter alles versuchen, um den Franzosen Bernard Planche aus der
Geiselhaft freizubekommen. Planche war am 5. Dezember vor seinem Haus in
Bagdad von Bewaffneten entführt worden. Der 52-jährige
Ingenieur war im Irak als Wasserversorgungs-Experte für eine
Hilfsorganisation tätig. Seit 2004 waren drei französische
Journalisten Opfer von Geiselnahmen im Irak gewesen. Sie wurden jeweils
erst nach Monaten wieder freigelassen.
Die Extremistengruppe Islamische Armee im Irak hat am Montag ein Video
ins Internet gestellt, das die Ermordung eines Amerikaners zeigen soll.
Auf dem Video ist ein kniender Mann mit verbundenen Augen zu sehen, dem
von hinten in den Kopf geschossen wird. Bei ihm soll es sich um den
US-Berater Ronald Allen Schulz handeln. Das Gesicht des Mannes ist nicht
zu sehen. Außerdem wurde der Ausweis von Schulz gezeigt.
In einem am 8. Dezember veröffentlichten Video hatte die
Islamische Armee im Irak bereits erklärt, Schulz getötet zu
haben und angekündigt, Bilder von der Tat zu zeigen. Der
40-Jährige arbeitete nach Darstellung der Extremisten als
Sicherheitsberater für das irakische Wohnungsbauministerium. Nach
Angaben seiner Angehörigen in Alaska ist Schulz Industrieelektriker
und war weltweit tätig. Von 1984 bis 1991 war er bei der
US-Marineinfanterie.
Die US-Armee hat acht ranghohe Verantwortliche der früheren
Regierung unter Saddam Hussein aus der Haft entlassen, darunter zwei
ehemalige Minister. Die Freigelassenen würden nicht länger als
Gefahr für die Sicherheit angesehen, sagte US-Armeesprecher Barry
Johnson am Montag. Die meisten von ihnen seien zuvor als
Verdächtige wegen Kriegsverbrechen oder als wichtige Zeugen
festgehalten worden. Jetzt werde davon ausgegangen, dass sie keine
wichtigen Informationen liefern könnten. Die Freilassung am Samstag
sei das Ergebnis einer mehrmonatigen Überprüfung und in enger
Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung erfolgt, fügte Johnson
hinzu.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 20.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.20.12.04 - Mindestens 62 Tote bei Anschlägen in Schiiten-Städten
Nadschaf und Kerbela. Sechs Wochen vor den Wahlen im Irak geraten die
heiligen Städte der Schiiten im Irak wieder verstärkt ins
Visier von Terroristen +++ Aufständische töten in Bagdad drei
Mitarbeiter eines Wahlbüros +++ Parteiinterne Kritik an
US-Verteidigungsminister Rumsfeld kommt nicht zur Ruhe...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
|
Bush kündigt weitere Lauschangriffe ohne richterliche Genehmigung
an
Di.20.12.05 - Ungeachtet der Kritik an der Abhörpraxis des US-Geheimdienstes NSA
hält Präsident George W. Bush am Lauschangriff ohne
richterliche Genehmigung fest. Er werde das Abhören von
US-Bürgern solange erlauben, wie die Vereinigten Staaten "der
andauernden Bedrohung" durch Terroristen ausgesetzt seien, sagte der
US-Präsident. Er rückte die Weitergabe der Informationen
über das Abhörprogramm in die Nähe des Landesverrats.
"Es war von den Verantwortlichen ein schändlicher Akt, dieses sehr
wichtige Programm in Kriegszeiten zu enthüllen."
Auf seiner Pressekonferenz zum Jahresende verlangte Bush eine
"vollständige Untersuchung" über die Umstände der
Enthüllung. Die Verantwortlichen hätten "dem Feind geholfen".
Mit seiner Anweisung zum Abhören von US-Bürgern ohne
Einschalten von Gerichten habe er seiner "verfassungsrechtlichen
Verantwortung Folge geleistet, unser Land zu schützen". Er habe
das Abhörprogramm "in mehr als 30 Fällen" gebilligt und werde
es wieder tun, sofern es notwendig sei.
Bush betonte, dass der US-Kongress ihm nach den Anschlägen vom 11.
September 2001 erweiterte Vollmachten zur Terrorbekämpfung
eingeräumt habe. Die zuständigen Kongressausschüsse
seien mehr als ein Dutzend Mal über die Abhöraktionen
unterrichtet worden. Zudem würden die Lauschangriffe "etwa alle 45
Tage einer eingehenden Überprüfung" unterzogen.
Der Chef des Geheimdiensts NSA, Michael Hayden, gab auf einer
Pressekonferenz zu, dass sich die Lauschangriffe auch gegen Unschuldige
gerichtet hätten. Dies sei im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes aber
nicht zu vermeiden. "Freie Völker müssen stets abwägen,
wo sie sich auf dem Spektrum zwischen Sicherheit und Freiheit einordnen
wollen", sagte Hayden. Es sei die Aufgabe seines Dienstes, "Amerika
sicherer zu machen", und dies sei durch die Abhörmaßnahmen
auch "mit Erfolg" geschehen.
Bush appellierte an den Kongress, das zum Jahreswechsel auslaufende
Anti-Terror-Gesetzespaket "Patriot Act" zu erneuern. Dem Senat, wo die
Verlängerung in der vergangenen Woche nicht die nötige
Stimmenzahl erhielt, warf Bush "Verzögerungstaktik" vor.
Bush hatte am Wochenende zugegeben, zahlreiche Lauschangriffe durch den
Geheimdienst NSA (National Security Agency) genehmigt zu haben. Nach
einem Bericht der "New York Times" waren mehrere hundert,
möglicherweise sogar mehrere tausend Menschen betroffen.
(Quelle: afp)
US-Abgeordnetenhaus macht Weg für umstrittene Ölbohrungen in
Alaska frei
Di.20.12.05 - Unmittelbar vor der Weihnachtspause hat das US-Abgeordnetenhaus den Weg
für seit Jahren umstrittene Ölbohrungen in einem
Naturschutzgebiet in Alaska freigemacht. Die Fraktionsführung der
regierenden Republikaner erreichte die Zustimmung von parteiinternen
Kritikern und einigen Demokraten am Montag durch ein besonderes
Verfahren: Die Zulassung der Ölbohrungen wurde mit der Bewilligung
von Ausgaben des Verteidigungsministeriums verknüpft, darunter
Hilfsgelder für Hurrikan-Opfer und Mittel für die
Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak.
Viele Gegner der auch innerhalb der Republikanischen Partei
umstrittenen Ölbohrungen sahen sich daraufhin gezwungen, für
das Gesamtpaket zu stimmen. Die Entscheidung mit 308 Ja- zu 106
Nein-Stimmen fiel im frühen Morgengrauen, nachdem das
Abgeordnetenhaus die ganze Nacht getagt hatte, um wichtige Gesetze noch
vor Jahresende zu verabschieden. Die Demokraten im Senat könnten
allerdings noch versuchen, die Ölbohrungen per Filibuster - einem
Redemarathon zur Verhinderung einer Abstimmung - hinauszuzögern.
Das insgesamt 453 Milliarden Dollar schwere Gesetzespaket, das am
Montag verabschiedet wurde, umfasst auch das Verbot von grausamer,
inhumaner und erniedrigender Behandlung ausländischer
Verdächtiger im Kampf gegen den Terrorismus. US-Präsident
George W. Bush hatte monatelang ein Veto gegen ein entsprechendes Verbot
angedroht, erst am vergangenen Donnerstag lenkte das Weiße Haus
ein.
(Quelle: ap)
Armut in amerikanischen Städten nimmt zu
Di.20.12.05 - Die Armut nimmt in vielen amerikanischen Städten immer
stärker zu. Laut einer neuen Untersuchung stieg die Zahl der
Anträge auf dringende Lebensmittelunterstützung 2004 um
zwölf Prozent und die der Bitten um Wohnasyl um sechs Prozent.
Mehr als die Hälfte der Lebensmittelanträge wurden von
Familien mit Kindern gestellt. Der Bürgermeister von San
Francisco, Newsom, sagte, trotz aller Anstrengungen werde die Situation
immer schlimmer und schlimmer. Durchschnittlich blieben 18 Prozent der
Lebensmittelanträge und 14 Prozent der Wohnasylanträge
unerfüllt.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Kabul: Erste Parlamentssitzung seit mehr als 30 Jahren
Di.20.12.05 - Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen ist in Kabul am Montag
das erste Mal seit mehr als drei Jahrzehnten wieder das afghanische
Parlament zusammengekommen. Präsident Hamid Karsai sagte bei der
Eröffnungssitzung in der afghanischen Hauptstadt dem Terrorismus
und dem Drogenhandel im Land den Kampf an.
Der 91 Jahre alte frühere König Sahir Schah, der laut
Verfassung den Titel «Vater der Nation» trägt, betonte:
«Ich bin Allah dankbar, dass ich heute an der Zeremonie
teilnehme, die nach Jahrzehnten des Kampfes einen Schritt in Richtung
des Wiederaufbaus Afghanistans markiert.»
Mit dem neuen Parlament endete der bei Bonn Ende 2001 vereinbarte
Demokratisierungsprozess Afghanistans. Der feierlichen
Eröffnungssitzung wohnte auch US-Vizepräsident Dick Cheney
bei. Vor der Vereidigung der neuen Parlamentarier wurde aus dem Koran
rezitiert und die Nationalhymne gespielt. Für das Unterhaus (Wolesi
Dschirga) mit 249 Abgeordneten und das Oberhaus (Meschrano Dschirga)
mit 102 Sitzen wurden Übergangssprecher bestimmt, die ihr Amt bis
zu einer Vorsitzendenwahl ausüben sollen.
Vor den Abgeordneten rief Karsai nach Angaben der afghanischen
Nachrichtenagentur Pajhwok seine Landsleute dazu auf, gegen den Anbau
von Schlafmohn vorzugehen. «Wir haben der Internationalen
Gemeinschaft eine klare Zusage gegeben, den Drogenhandel aus Afghanistan
zu verbannen», sagte er. Afghanistan ist der weltweit
größte Produzent von Rohopium, dem Grundstoff für Heroin.
Die Parlamentswahl am 18. September war die erste in Afghanistan seit
1969. Parteien waren nicht zur Wahl zugelassen. Die Bewerber traten als
unabhängige Kandidaten an. Im Unterhaus sind gemäß den
für sie reservierten Sitzen 68 Frauen vertreten. Wahlbeobachter
hatten die Abstimmung als überwiegend frei und fair bewertet. Unter
den Abgeordneten sind auch Mudschaheddin, die gegen die russischen
Besatzer kämpften, Funktionäre des damals von Moskau
gestützten Kabuler Regimes und Kriegsherren. Frühere
Anhänger der radikalislamischen Taliban wurden ebenfalls
gewählt.
Zuletzt hatte das afghanische Parlament 1973 getagt. Danach versank
Afghanistan immer weiter im Chaos. Vor dem Sturz der Taliban Ende 2001
litten die Afghanen mehr als zwei Jahrzehnte lang unter Krieg und
Bürgerkrieg. Radikalislamische Rebellen wie die Taliban
kämpfen weiterhin gegen die Regierung in Kabul. Das pakistanische
Außenministerium teilte mit, die Regierung in Islamabad sei
zuversichtlich, dass für Afghanistan mit der Eröffnung des
Parlaments eine neue Ära der Stabilität anbreche.
(Quelle: dpa)
Drei Polizisten bei Anschlag im Osten Afghanistans getötet
Di.20.12.05 - Wenige Stunden vor der ersten Sitzung des neuen afghanischen Parlaments
sind im Osten des Landes bei einem Anschlag drei Polizisten getötet
worden. Der Gouverneur der Provinz Kunar an der Grenze zu Pakistan,
Asaddullah Wafa, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Montag, der
Anschlag auf einen Polizeiposten sei von Untergrundkämpfern aus
den Reihen der fundamentalistischen Taliban verübt worden. Ein
vierter Polizist wurde nach dem Anschlag vermisst. In Afghanistan kamen
in diesem Jahr durch Anschläge von Aufständischen,
Einsätze der afghanischen Sicherheitskräfte und
ausländischer Einheiten sowie Gewalttaten von mafiösen
Organisationen bereits mehr als 1500 Menschen ums Leben.
(Quelle: afp)
Israel: Netanjahu zum neuen Vorsitzenden des Likud-Blocks gewählt
Di.20.12.05 - Der frühere israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu
ist am Montag in einer Urwahl zum neuen Vorsitzenden des
rechtsgerichteten Likud-Blocks gewählt worden. Das teilte
Likud-Direktor Arik Barami mit. Zuvor gestand bereits
Außenminister Silvan Schalom seine Niederlage ein.
Schalom sagte vor seinen Anhängern, er habe Netanjahu angerufen
und ihn aufgefordert, «ein gemeinsames Programm auszuarbeiten,
damit wir in einem vereinigten Likud bleiben können».
Barimi nannte im Likud-Hauptsitz im Beisein von Netanjahu nicht das
genaue Ergebnis der Abstimmung, bei der alle Likud-Mitglieder
stimmberechtigt waren. Drei Fernsehsender berichteten, Netanjahu habe
rund 47 Prozent der Stimmen erhalten. Außenminister Schalom kam
danach auf 32 Prozent, Mosche Feiglin auf 15 Prozent und
Landwirtschaftsminister Jisrael Katz auf sechs Prozent. Netanjahu wird
damit Nachfolger von Ministerpräsident Ariel Scharon, der den
Likud-Block im vergangenen Monat verlassen hatte.
Der frühere Regierungschef will bei der Parlamentswahl Ende
März gegen Scharon antreten. Netanjahu war von 1996 bis 1999
israelischer Ministerpräsident. Er trat als Finanzminister aus
Protest gegen den Abzug aus dem Gazastreifen im August aus Scharons
Kabinett aus. Scharon hatte den Likud-Block in den 70er Jahren mit
gegründet. Nach seinem Austritt legte er den Grundstein für
die Partei Vorwärts, die stärker um Wähler der Mitte
werben will. Vorwärts liegt in den Umfragen klar vorn,
während der Likud nach derzeitigem Stand viele Sitze
einbüßen würde.
(Quelle: ap)
Irans Präsident verbietet staatlichem Rundfunk westliche Musik
Di.20.12.05 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem staatlichen
Rundfunk die Ausstrahlung westlicher Musik untersagt. Ab sofort
dürften Fernsehen und Radio keine westliche, "dekadente" Musik
mehr spielen, ordnete Ahmadinedschad laut iranischen Medienberichten
an. Vielmehr solle der Akzent auf nationale, traditionelle sowie
entspannende Musik gelegt werden. Auch Lieder, die an die Zeit der
islamischen Revolution von 1979 erinnere, seien willkommen, hieß
es.
Als entspannend gilt im Staatsrundfunk unter anderem die Klaviermusik
von Richard Clayderman. In letzter Zeit hatten jedoch auch Hip-Hop und
Techno in zahlreichen Musikprogrammen Einzug gehalten.
"Gewalt und Dekadenz" sollen dem Dekret zufolge künftig auch von
den Bildschirmen verbannt werden. Kulturminister Mohammed Hussein
Saffar-Harandi führte aus, "dekadente und dumme" Filme würden
ebenso verboten wie solche, die die Religion und die Kultur des Volkes
beleidigten, zitierte die studentische Nachrichtenagentur Isna den
Minister. Die Restriktionen können viele Iraner aber weiter
umgehen: Sie schauen trotz eines Verbots Mitte der 90er Jahre
"unbotmäßige" Sendungen im Satellitenfernsehen.
(Quelle: afp)
Minimalkompromiss zum Abschluss der WTO-Konferenz
Di.20.12.05 - Die sechstägige Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in
Hongkong ist mit einem Minimalkompromiss zu Ende gegangen: Die
Handelsminister der 149 Mitgliedstaaten stimmten für eine
Abschaffung der umstrittenen Agrarexporthilfen bis Ende des Jahres
2013. Zudem sollen die Industriestaaten ihre Märkte weitgehend
für die ärmsten Länder öffnen. In vielen Punkten
blieb der Abschlusstext aber unklar. Kritik an dem Papier übten
Entwicklungshilfeorganisationen.
Keine konkreten Ergebnisse gab es bei der Liberalisierung des Handels
von Industrieprodukten und Dienstleistungen, auf die besonders
Deutschland gedrungen hatte. EU-Handelskommissar Peter Mandelson sprach
von einem "akzeptablen" Kompromiss. Mit dem Entgegenkommen zum Abbau
vom Exportsubventionen für Agrarprodukte habe Europa die Konferenz
vor einem Scheitern bewahrt. Das Ergebniss von Hongkong sei aber "kein
großer Erfolg".
"Wir haben das Gleichgewicht in der WTO zu Gunsten der
Entwicklungsländer verschoben", sagte der WTO-Vorsitzende Pascal
Lamy. Die 2001 in Doha begonnene Welthandelsrunde, die bis Ende
kommenden Jahres abgeschlossen sein muss, sei wieder auf Kurs. Auch die
USA begrüßten den Abschlusstext als einen wichtigen Schritt
zu einer größeren Liberalisierung des Welthandels.
Die EU setzte sich mit ihrer Forderung durch, die Exporthilfen für
Agrarprodukte erst bis Ende 2013 abzuschaffen. An der Frage des Datums
hatten die Verhandlungen zuletzt vor allem gehangen.
Agrarexportsubventionen gelten als besonders schädlich für
den Handel, weil sie Produkte künstlich verbilligt auf den
Weltmarkt drücken.
Die 32 ärmsten Entwicklungsländer der Welthandelsorganisation
sollen nach dem jüngsten WTO-Kompromissvorschlag
mengenmäßig unbegrenzten Zugang für die meisten ihrer
Produkte zu den Märkten der Industrieländer erhalten. In
Kraft treten soll die Regelung mit Beginn der nächsten
Welthandelsrunde, die für 2008 vorgesehen ist. Die
Entwicklungsländer hatten eigentlich darauf gedrungen, den
unbeschränkten Zugang für alle Produkte zu bekommen.
Der Handelsexperte der Nichtregierungsorganisation Oxfam, Phil Bloomer,
warf den Industrieländern vor, ihre Agrarmärkte nur minimal
geöffnet zu haben und auf der anderen Seite eine weitgehende
Öffnung für ihre Produkte erreicht zu haben. "Der Text ist
eine große Enttäuschung und ein Verrat an den
Entwicklungsversprechen", sagte Bloomer.
(Quelle: afp)
WTO-Gipfel in Hongkong - Herbe Niederlage für nachhaltige
Entwicklung
Nicht-Regierungsorganisationen enttäuscht
Di.20.12.05 - Globalisierungskritiker bezeichnen das Ergebnis der 6.
WTO-Ministerkonferenz in Hongkong als "herbe Niederlange für
nachhaltige Entwicklung". Große Entscheidungen sind zwar nicht
gefallen, aber die Zeichen stünden deutlich auf Liberalisierung.
"Für schwache Zugeständnisse bei Exportsubventionen und
Baumwolle erhielten die Entwicklungsländer drei schlechte Deals
bei anderen Landwirtschaftsthemen, Industriegütern und
Dienstleistungen", erklärte Christian Felber von ATTAC-Austria in
einem Interviiew mit pressetext (pte). Das sei ein klarer Punktesieg
für die Industrieländer und keine Spur von Entwicklungsrunde.
Als 150. WTO-Mitgliedsland ist das Südsee-Königreich Tonga
aufgenommen worden. Das Land mit knapp 100.000 Einwohnern leidet an
chronischer Staatsverschuldung. "Die Bedingungen unter denen Tonga
aufgenommen wurde, sind die schlechtesten die es je für ein
WTO-Mitgliedsland gab und das obwohl das Land eine der kleinsten und
empfindlichsten Volkswirtschaften der Welt hat", attestiert Phil
Bloomer von der Oxfam International. Für das Inselreich bedeutet
der WTO-Beitritt eine deutliche Senkung aller Zölle auf maximal 20
Prozent. "Tongas Zölle werden die niedrigsten sämtlicher
WTO-Staaten mit Ausnahme von Armenien sein", urteilt Bloomer. Im
Vergleich dazu heben die USA 350 Prozent Zölle auf Rindfleisch,
die EU 300 Prozent Zölle auf Zucker ein. Diese Zölle werden
die Bauern und Produzenten in Tonga ruinieren, meinen die Experten. "Es
ist unklar wie dieses Land in Zukunft Geld für Erziehung,
Gesundheitswesen und Straßenbau kriegen soll", meint Felber, der
darauf hinweist, dass Zölle in Entwicklungsstaaten ohnehin schon
14 Prozent der Staatseinnahmen, bei den am wenigsten entwickelten
Ländern sogar 32 Prozent, ausmachen.
Bei den Industriezöllen (NAMA) bedeutet die Festlegung auf die
"Schweizer Formel" - die armen Länder müssen de facto die
Zölle radikaler senken als die reichen - einen klaren Sieg
für die Konzernagenda in der WTO. Damit wurden die Weichen
für die Deindustrialisierung vieler Entwicklungsländer
gestellt. "Egal, wie die Schweizer Formel im Endeffekt aussehen wird,
sie heißt in jedem Fall: Liberalisierung statt Entwicklung", so
Attac-Experte Franziskus Forster. "Eine Handelsliberalisierung hat
deutlich gezeigt, dass die Exporte zwar gestiegen sind, aber die
Importe aufgrund fehlender Konkurrenz noch wesentlich mehr", meint
Felber. "Mit der Primärsektorkonkurrenz ist noch kein einziges
Entwicklungsland zu einer Industrienation geworden." Offensichtlich sei
auch, dass der Hunger in den Entwicklungsländern deutlich zunehme,
weil die besten Böden für Exportgüter herhalten und die
Nahrungsmittelabhängigkeit steige. "Die Liberalisierung am
Agrarsektor wirkt sich negativ aus", so Felber.
Doch sind nicht nur Entwicklungsländer unter Druck: Im
GATS-Abkommen wurde der Vorschlag der EU beschlossen, der eine
Beschleunigung der bisherigen Verhandlungsweise vorsieht. Damit
können auch Schwellenländer stark unter Druck gesetzt werden,
ihre Märkte für die Dienstleistungskonzerne zu öffnen.
"Die viel gepriesene Flexibilität für die armen Länder
bei der Marktöffnung wird eingeschränkt, was eine
Entdemokratisierung des Verhandlungsprozesses bedeutet", so Forster.
Das Versprechen "Handel fördert Wachstum, und Wachstum reduziert
Armut" habe sich als leere Worthülse erwiesen. Lag das globale
Wirtschaftswachstum in den 60er Jahren pro Kopf bei 3,6 Prozent, waren
es in den 70-ern nur noch 2,1 Prozent, in den 80er Jahren bei 1,3
Prozent und weitere zehn Jahre später nur noch bei 1,1 Prozent.
"Je liberalisierter die Weltwirtschaft, desto geringer das Wachstum",
schließt Felber. Hingegen ist der Anteil der absolut Armen - mit
Einkommen von weniger als einem Dollar pro Tag - in den neunziger
Jahren in Zentralasien, Nordafrika, Afrika südlich der Sahara,
Lateinamerika, der Karibik, im Nahen Osten und in Osteuropa
angestiegen. Nach Angaben der FAO ist auch der globale Hunger von
1997/99 um 37 Mio. Menschen auf 852 Mio. 2000/2002 angestiegen.
Zahlreiche Länder wurden durch Marktöffnung und Teilnahme am
Welthandel ärmer. In Kenia ging die Baumwollproduktion von 70.000
Ballen auf 20.000 Ballen zurück. Die Arbeitsplätze in der
Textilindustrie schrumpften von 120.000 auf 85.000. In Sambia ging die
Beschäftigung in den Handwerksbetrieben um 40 Prozent zurück,
in Ghana um fast zwei Drittel. Laut UNDP wurden 52 Länder in den
90er Jahren ärmer.
"Was in Hongkong beschlossen wurde, war die Fortsetzung der
Liberalisierungsrunde von Doha, die eigentlich Entwicklungsrunde
hätte heißen müssen", meint Felber abschließend.
Allerdings sehen Attac-Experten nicht mehr sehr viel Zukunft in der
WTO, da die Verlangsamung der Verhandlungstempos dies verrät.
Gemessen an den Zielen Entwicklung, Umweltschutz, soziale Sicherheit
und Menschenrechte sei die Doha-Runde ohnehin schon gescheitert, meint
Forster. Attac fordere daher eine grundlegende Neuorientierung des
Welthandelssystems.
(Quelle: pte)
Sechs Massengräber in Honduras entdeckt
Di.20.12.05 - Aus der Zeit der Militärherrschaft in den 80er Jahren sind in
Honduras mindestens sechs Massengräber entdeckt worden. Das teilte
eine honduranische Staatsanwältin für Menschenrechte, Aida
Romero, am Montag in Tegucigalpa mit. Die Ausgrabungen sollten im
kommenden Jahr beginnen.
Mehr als 1.000 Honduraner wurden im so genannten schmutzigen Krieg von
Soldaten getötet, weil sie linke Dissidenten waren oder für
solche gehalten wurden. Eine Sprecherin des Komitee der Familien der
Verschwundenen, Bertha Oliva, sagte, ihre Organisation kämpfe nach
wie vor dafür, dass die Verantwortlichen für Massenmorde vor
Gericht gebracht werden. Das Militär herrschte in dem
mittelamerikanischen Land von 1979 bis 1990.
(Quelle: ap)
Kwasniewski schließt Landung von CIA-Flugzeugen in Polen nicht aus
Di.20.12.05 - Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski hat indirekt zu
verstehen gegeben, dass CIA-Maschinen mit Gefangenen auf polnischen
Flughäfen zwischengelandet sind. "Gab es Flüge?
Möglicherweise gab es welche", sagte Kwasniewski am Sonntag im
polnischen Fernsehen. Dagegen habe es weder geheime Gefängnisse
noch Gefangene des US-Auslandsgeheimdienstes auf polnischem Boden
gegeben. Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz will in dieser
Woche Ergebnisse einer Untersuchungskommssion über angebliche
CIA-Geheimgefängnisse für hochrangige Terrorverdächtige
in Polen vorlegen. Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
(HRW) hatte Polen als einen Standort für CIA-Gefängnisse in
Osteuropa genannt. Polen hatte dies dementiert.
(Quelle: afp)
Deutschland
Freispruch im Münchner NS-Kriegsverbrecherprozess
Di.20.12.05 - In einem der voraussichtlich letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse in
Deutschland ist der Angeklagte Ladislav N. vor dem Landgericht
München I freigesprochen worden. Nach über 15-monatiger
Verhandlungsdauer sah das Gericht keine ausreichenden Beweise für
den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass N. verantwortlich für drei
Massaker mit 164 Toten im Januar 1945 in der Slowakei war.
Der mittlerweile 88 Jahre alte ehemalige Journalist des US-Radiosenders
Free Europe kann nun auch einen Antrag auf Entschädigung für
die neunmonatige Untersuchungshaft stellen, die er im vergangenen Jahr
wegen der Vorwürfe absitzen musste.
Die Anklage hatte N. vorgeworfen, als Hauptmann in der von den
Deutschen zur Partisanenbekämpfung eingesetzten Spezialeinheit
"Edelweiß" die Ermordung der Slowaken befohlen zu haben und 20
Morde selbst verübt zu haben. Die Anklage forderte deshalb wegen
Mordes in 20 Fällen, gemeinschaftlichem Mord in 126 Fällen und
Mord durch andere in 18 Fällen eine lebenslange Haft.
Nachdem sich im Prozess der Hauptbelastungszeuge widersprochen hatte,
musste sich die Staatsanwaltschaft zuletzt aber vor allem auf auf ein
Urteil aus der früheren Tschechoslowakei stützen. Dort war N.
1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Die Verteidigung hatte
dieses Verfahren, aus dem Akten im Prozess genutzt wurden, jedoch als
reinen Schauprozess bezeichnet.
(Quelle: afp)
Stärkster Preisanstieg bei deutschen Erzeugern seit 23 Jahren
Di.20.12.05 - Der Anstieg der Erzeugerpreise war im November so stark wie seit
über 23 Jahren nicht mehr.
Die an die Hersteller gewerblicher Produkte gezahlten Preise stiegen um
5,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Grund
für den stärksten Zuwachs seit August 1982 seien hohe
Energiepreise und statistische Effekte gewesen. Im Oktober hatten die
Preise 4,6 Prozent über dem Vorjahr gelegen. Im Vergleich zum
Vormonat jedoch sanken die Erzeugerpreise im November um 0,1 Prozent.
Energie verteuerte sich zum November 2004 durchschnittlich um 17,5
Prozent: Kraftstoffe kosteten knapp zehn Prozent mehr, leichtes
Heizöl fast 30 Prozent, schweres Heizöl fast 73 Prozent mehr.
Strompreise legten um gut 13 Prozent zu, Preise für Erdgas um
nahezu 30 Prozent zum Vorjahr. Ohne Energie hätten die
Erzeugerpreise lediglich um 1,5 Prozent über dem Vorjahr gelegen.
Zum Vormonat verbilligten sich Mineralölerzeugnisse um 6,5 Prozent.
Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Preisrückgang im
Monatsvergleich um 0,3 Prozent und einer Jahresrate von 4,9 Prozent
gerechnet.
(Quelle: rtr)
Nach Hessen wollen andere Länder Strompreise prüfen
Di.20.12.05 - Im Gegensatz zu Hessen werden andere Bundesländer die von
Stromversorgern beantragten Preiserhöhungen für Privatkunden
nicht kategorisch ablehnen.
Nach intensiver Prüfung habe Sachsen-Anhalt 23 Versorgern
höhere Preise zum 1. Januar genehmigt, sagte ein Sprecher des
Wirtschaftsministeriums am Montag in Magdeburg. Allerdings habe man in
neun Fällen geringere Preiserhöhungen als beantragt erlaubt.
Die Strompreise dürften sich für die Haushaltskunden in dem
Land zwischen 0,2 und 1,3 Cent je Kilowattstunde erhöhen.
In Niedersachsen prüft die Landesregierung die Zulässigkeit
einiger Preiserhöhungspläne. Umweltminister Hans Heinrich
Sander (FDP) bezeichnete ein generelles Verbot solcher
Preiserhöhungen, wie es im Bundesland Hessen ausgesprochen wurde,
als Populismus. Von 57 Anträgen habe man 34 genehmigt, aber in
geringerer Höhe als beantragt. Im Schnitt müssten sich die
Haushaltskunden in Niedersachsen auf Strompreiserhöhungen von 5,5
Prozent einstellen. Beantragt wurden Aufschläge bis zu acht
Prozent. Auch Bayern und Schleswig-Holstein kündigten an, die
Preisanträge ihrer Versorger zu prüfen.
Als erstes Bundesland hatte Hessen die für Januar beantragten
Strompreiserhöhungen von bis über sieben Prozent komplett
abgelehnt. 50 Stromunternehmen im Land hatten Ende September um
durchschnittlich sechs Prozent höhere Preise verlangt.
Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) bezeichnete den Schritt als Teil
des Kampfes gegen überhöhte Energiepreise. Der Bundesverband
Verbraucherzentralen lobte Hessen und empfahl anderen Ländern
ähnliche Schritte.
Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin wollte die
Initiative Hessens nicht kommentieren. Er wies darauf hin, dass die
Länder über die Tarife entscheiden müssten.
Die Länder müssen derzeit noch die Preiserhöhungen
billigen. Nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz wird diese
Genehmigungspflicht der Länder aber durch die Netzagentur
abgelöst. Sie wird künftig alle Netz-Durchleitungspreise
für Strom und Gas kontrollieren, die gut ein Drittel des
Strompreises ausmachen.
(Quelle: rtr)
AEG-Belegschaft demonstriert gegen Werksschließung
Di.20.12.05 - Mit einem Fackelzug wollen Mitarbeiter und Bürger heute in
Nürnberg gegen die für Ende 2007 geplante Schließung
des AEG-Hausgerätewerks demonstrieren. Durch den Beschluss des
schwedischen Electrolux-Konzern stehe mit einem Schlag die Existenz von
tausenden Familien auf dem Spiel, heißt es in einem Aufruf von
Stadt, Gewerkschaften und Kirchen. Vor der Kundgebung am Nachmittag
wollen die 1750 AEG-Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung
beraten. Besprochen werde die momentane Situation und wie man weiter
für den Erhalt des Standortes kämpfen wolle.
(Quellen: ddp, dpa)
Müntefering will Arbeitslose verstärkt als Erntehelfer
einsetzen
Di.20.12.05 - Deutsche Arbeitslose sollen nach Plänen von Bundesarbeitsminister
Franz Müntefering verstärkt anstelle von ausländischen
Saisonkräften als Erntehelfer eingesetzt werden. Das berichten die
«Ruhr Nachrichten». Ein entsprechender Plan werde morgen im
Kabinett beraten. Ziel sei es, zehn Prozent der im vergangenen Jahr
beschäftigten ausländischen Saisonarbeiter durch
inländische Arbeitssuchende zu ersetzen. In den kommenden zwei
Jahren soll so bis zu 32 500 Erwerbslosen ein Job vermittelt werden.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Frauen trotz besserer Bildung mit niedrigerem Einkommen
Di.20.12.05 - Frauen in Deutschland haben trotz besserer Bildung immer noch geringere
Einkommen und niedrigere berufliche Positionen als ihre männlichen
Kollegen. Das ist das Ergebnis des FrauenDatenReports 2005 des
Wirtschafs- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der
gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, der am Montag in Berlin
vorgestellt wurde. Ursache dafür seien zum einen die Studien- und
Berufswahl, zum anderen die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit
durch Kinder. Zudem seien Frauen überdurchschnittlich oft in
Teilzeitbeschäftigungen zu finden.
"Wir können keine Entwarnung geben", sagte die
WSI-Wissenschaftlerin Silke Bothfeld. Die Frauenerwerbstätigkeit in
Westdeutschland sei zwar in den letzten Jahren weiter gestiegen, habe
jedoch auch 2004 wieder die europäische Zielmarke von 60 Prozent
sowohl in Ost- wie auch in Westdeutschland mit durchschnittlich 59,2
Prozent leicht verfehlt. Die Vollzeitäquivalenz, die die geringere
Wochenarbeitszeit bei Teilzeitstellen berücksichtigt, liege sogar
nur bei 45,5 Prozent. Zwischen 1991 und 2004 sank die Zahl der
vollzeitbeschäftigten Frauen um 1,6 Millionen, während die
Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen um 1,8 Millionen anstieg.
Vor allem Kinder stellen der Studie zufolge weiterhin einen
Hinderungsgrund für eine Erwerbstätigkeit von Frauen dar. Nur
60 Prozent der Frauen mit Kindern unter zwölf Jahren waren 2003 in
Deutschland erwerbstätig, bei den kinderlosen Frauen waren es 79,5
Prozent. Im EU-Durchschnitt waren 64,5 Prozent der Mütter
erwerbstätig. Bei Männern lag die Erwerbstätigkeit
hingegen höher, wenn Kinder mit im Haushalt lebten. Die
Erwerbstätigkeit bei jungen Frauen liegt insgesamt deutlich
über der gesamten Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland.
Das durchschnittliche Einkommen von Frauen mit Vollzeittätigkeit
liegt weiterhin unter dem der Männer. In Westdeutschland verdienten
Frauen 2004 rund 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen,
in Ostdeutschland waren es rund 10 Prozent. Nach Ergebnissen der Studie
ist das geringere Einkommen zum Teil auf die meist niedrigeren
beruflichen Positionen von Frauen zurückzuführen. Auch die
niedrigere Wochenarbeitszeit, die vor allem durch den hohen Anteil an
Teilzeitarbeit von Frauen zustande kommt, führte zu geringeren
Einkommen. Ein erheblicher Teil des Einkommensunterschieds müsse
jedoch der Diskriminierung zugeschrieben werden. In Westdeutschland
lassen sich ein Drittel der geschlechtsspezifischen
Einkommensunterschiede nicht durch strukturelle Differenzen
erklären, in Ostdeutschland ist es ein Viertel. Am geringsten fiel
der Unterschied bei niedrigen Einkommen aus.
(Quelle: afp)
Schrittmacher der Zuckersynthese entdeckt
Hoffnung auf neuen Behandlungsansatz von Diabetes
Di.20.12.05 - Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums sind der Ursache von
Diabetes-Typ-2 weiter auf die Spur gekommen. Das Forscherteam um Anja
Krones-Herzig hat das Molekül CARM1 als Transkriptionsfaktor
identifiziert, das unter bestimmten Bedingungen Schlüsselenzyme der
Zuckerneusynthese aktiviert und damit zu einem höheren
Blutzuckerspiegel führt. Über die Forschungsergebnisse wurden
kürzlich im Journal of Biological Chemistry berichtet.
Typisch bei Stoffwechselstörungen wie Diabetes-Typ-2 - die so
genannten "Altersdiabetes"- ist, dass wichtige Gewebe wie Leber, Muskeln
und Fettgewebe nicht mehr auf das Hormon der Bauchspeicheldrüse
Insulin ansprechen, während Gegenspieler wie das Hormon Glukagon
oder Glukokortikoide ihre Wirkung weiterhin entfalten. Die Folge ist,
dass Zucker aus dem Blut nicht mehr in Muskelgewebe oder in die Leber
transportiert und dort gespeichert wird. Es passiert sogar das
Gegenteil: Das Hungersignal Glukagon löst eine Signalkette in
Leberzellen aus, die dazu führt, dass die Gene für bestimmte
Enzyme des Zuckerhaushalts abgelesen werden. Dabei handelt es sich um
Biokatalysatoren, die dafür sorgen, dass Zucker in der Leber neu
synthetisiert und anschließend ins Blut freigesetzt wird.
Das Forscherteam um die Biologin Krones-Herzig aus der Arbeitsgruppe
Molekulare Stoffwechselkontrolle hat mit Kollegen des Instituts für
Genetik und Zentrum für Molekulare Medizin der Universität
Köln hat entdeckt, dass der Transkriptionsfaktor CARM1 eine
entscheidende Rolle bei der Aktivierung von Schlüsselenzymen der
Glukoneogenese spielt. Die Forscher haben auch entdeckt, dass bei der
Kachexie, dem Abbau von Fett- und Muskelproteinen bei fortgeschrittenen
Krebserkrankungen, der Insulin-abhängige Stoffwechsel gestört
ist. Die Patienten leiden unter Abmagerung, Kräfteverfall und
zunehmendem Versagen der Organfunktionen. Die Wissenschaftler wollen
nun prüfen, ob die gleichen Transkriptionsfaktoren, die bei
Diabetes den Insulin-abhängigen Stoffwechsel beeinflussen, auch
bei der Kachexie eine Rolle spielen. Während bei Diabetes die
Leber im Mittelpunkt steht, konzentrieren sich die Forscher bei der
Kachexie auf den Stoffwechsel des Muskelgewebes.
In weiterer Folge wollen die Forscher nun prüfen, ob sich diese
fehlregulierten Komponenten der Insulin-Signalkaskade als Angriffspunkte
für Wirkstoffe eignen. "Sobald wir genügend Hinweise
dafür haben, dass ein Transkriptionsfaktor ursächlich an
einer der Stoffwechselkrankheiten beteiligt ist, werden wir nach
geeigneten Substanzen suchen, die die Wirkung aufheben oder
verstärken", so Stephan Herzig, der die Arbeitsgruppe leitet.
Herzig untersucht bereits seit mehreren Jahren Störungen des
insulinabhängigen Stoffwechsels.
(Quelle: pte)
Deutsches Krebsforschungszentrum:
http://www.dkfz-heidelberg.de
Alteingeführte Antibiotika wie Penicillin versagen häufig
Volle Wirksamkeit bei einem Viertel der Patienten nicht gegeben
Di.20.12.05 - Seit langer Zeit eingesetzte Antibiotika wie Penicillin oder
Amoxicillin erzielen bei vielen Patienten nicht die erwünschte
Wirkung. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Rochester
gekommen. Die Wissenschafter analysierten die Daten von fast 11.500
Kindern, die an einer verbreiteten Halsentzündung litten. Ein
Viertel der Patienten, die Penicillin und 18 Prozent jener die
Amoxicillin erhalten hatten, benötigten innerhalb von einigen
Wochen eine weitere Behandlung gegen ihre Streptokokkeninfektion. Die
Forscher forderten auf der Interscience Conference on Antimicrobial
Agents and Chemotherapy in Washington, dass neuere Antibiotika
häufiger eingesetzt werden sollen. Der britische Experte Robert
George, Direktor des Respiratory and Systemic Infection Laboratory,
erklärte, dass die WHO weiterhin den Einsatz von Penicillin gegen
Halsentzündungen empfehle. Der Einsatz stärkerer Antibiotika
wie der Cephalosporine sei bei Halsentzündungen sorgfältig
abzuwägen, da dadurch die Wirksamkeit bei einer Reihe von anderen
Krankheiten herabgesetzt werden könnte.
Die analysierten Daten stammten aus der Analyse von 47 Studien aus den
vergangenen 35 Jahren. Untersucht wurde die Effektivität
verschiedener Medikamente bei der Behandlung von Halsentzündungen
bei Kindern. Es zeigte sich, dass auch bei älteren Cephalosporinen
14 Prozent der Betroffenen erneut behandelt werden mussten. Bei neueren
Medikamenten wie Cefpodoxim oder Cefdinir, die vier oder fünf Tage
lang verabreicht wurden, war nur bei sieben Prozent der Kinder ein
erneuter Arztbesuch erforderlich. Die aktuellen Studienergebnisse
bestätigen frühere Forschungsergebnisse des Forschungsteams,
die ebenfalls von der schwindenden Wirkung von Penicillin und
Amoxicillin ausgingen.
Das Team um Michael Pichichero geht davon aus, dass Bakterien, die
ebenfalls im Rachen vorhanden sein können, die Wirksamkeit der
Antibiotika behindern können. Verantwortlich dafür ist, dass
viele Bakterien mit beta-Laktamase Enzyme produzieren, die Penicillin
und amoxicillin deaktivieren können. Es ist laut BBC denkbar, dass
diese Bakterien die Medikamente deaktivieren, bevor sie eine
entsprechende Wirkung entfalten können. Laut Pichichero reagierten
die meisten Ärzte schockiert auf die hohe Ausfallsrate der
älteren Medikamente. "Das Behandlungsmodell für
Halsentzündungen hat sich langsam verändert. Die
Unterstützung des Einsatzes von Cephalosporinen als erster Wahl bei
der Behandlung sollte ernsthaft in Erwägung gezogen werden."
Pichichero ergänzte, dass die meisten Medikamente fallweise nicht
entsprechend wirkten. Ärzte würden Medikamente, die in einem
von vier Fällen nicht wirkten, jedoch als nicht sinnvoll einstufen.
(Quelle: pte)
University of Rochester:
http://www.rochester.edu
Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy:
http://www.icaac.org