Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Saddam Hussein will im Gefängnis geschlagen worden sein.
Wahlbeteiligung im Irak lag bei 70 Prozent. Irakische Parteien planen
Proteste gegen Parlamentswahl
Do.22.12.05 - Nach seinem Wutausbruch vor zwei Wochen hat der irakische
Expräsident Saddam Hussein vor Gericht erneut für Aufruhr
gesorgt. Bei der Fortsetzung seines Prozesses am Mittwoch erklärte
er, er sei im Gefängnis geprügelt worden. Er habe
Schläge am ganzen Körper erhalten, die Male seien noch zu
sehen, beklagte sich der gestürzte Machthaber. Zuvor hatte er das
Verfahren betont gelassen verfolgt, nachdem er am 6. Dezember
aufgebracht jede weitere Teilnahme abgelehnt hatte.
Von wem er angeblich geschlagen wurde, sagte Saddam Hussein nicht. Die
Staatsanwaltschaft erklärte, wenn der Expräsident von den
US-geführten Koalitionstruppen misshandelt werden sollte, werde er
in die Obhut irakischer Soldaten überstellt.
Zuvor hatte Saddam Hussein bereits die Aussage des ersten Zeugen
unterbrochen, um den Richter um eine Pause zum Beten zu bitten. Obwohl
der Zeuge sich einverstanden erklärte, lehnte das Gericht den
Antrag ab. Saddam Hussein lehnte sich daraufhin in seinem Stuhl
zurück und schloss die Augen, so als bete er still für sich.
Zuvor hatte er die Zeugenaussage äußerlich ruhig verfolgt
und sich Notizen gemacht.
Der Expräsident protestierte außerdem lautstark, als der
Zeuge, der das Massaker an 140 Schiiten in seinem Heimatort Dudschail
schilderte, ihn als «Saddam» bezeichnete. «Saddam
wer?», fragte Saddam Hussein laut. Der Zeuge erklärte
daraufhin: «Ich meine den früheren irakischen
Präsidenten.» Unterbrochen wurde die Aussage außerdem
von Saddam Husseins Halbbruder Barasan Ibrahim, der den Zeugen
beschimpfte.
Saddam Husseins Gefolgsleute hätten sieben seiner Brüder
erschossen, die Leichen seien bislang nicht gefunden worden, berichtete
Ali Hassan Mohammed al Haidari. Mit mehreren Familienmitgliedern sei er
in Bagdad 70 Tage lang inhaftiert gewesen. Die Gefangenen, darunter
Kinder und Greise, seien gefoltert worden. Das Gericht wollte am
Mittwoch noch vier weitere Zeugen hören, die aus
Sicherheitsgründen hinter einem Vorhang aussagen sollten.
Die Beteiligung an der Parlamentswahl im Irak hat bei etwa 70 Prozent
gelegen, wie die Wahlkommission am Mittwoch in Bagdad auf Grundlage
vorläufiger Zahlen mitteilte. 10,9 Millionen der 15,6 Millionen
eingeschriebenen Wähler hätten ihre Stimme abgegeben. An der
Wahl zum Übergangsparlament im Januar lag die Beteiligung bei 58
Prozent, beim Verfassungsreferendum im Oktober waren es 63 Prozent.
Die mit dem Ergebnis der Parlamentswahl im Irak unzufriedenen Parteien
wollen gemeinsam gegen die Abstimmung protestieren und sowohl bei der
Arabischen Liga als auch bei den Vereinten Nationen Beschwerde
einlegen. Nach einer Zusammenkunft am Mittwoch in Bagdad warfen
Funktionäre der Sunniten und der Wahlliste des laizistischen
Schiiten Ijad Allawi der Wahlkommission Betrug und eine verfrühte
Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses vor. Nach diesen
ersten Zahlen sind die konservativen Schiiten die Wahlsieger.
(Quellen: ap, afp)
Vorläufige Ergebnisse bei Parlamentswahlen im Irak
Ethnische und religiöse Teilung des US-besetzten Landes
bekräftigt... Mehr in 'junge Welt' vom 22.12.05:
http://www.jungewelt.de/2005/12-22/008.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 22.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.22.12.04 - Schwerer Angriff auf US-Militär in Mossul - 26 Tote. Annan
fürchtet nach Anschlägen um Wahlen im Irak +++ Blair
überraschend zu Gespräch mit Allawi in Bagdad +++
Französische Irak-Geiseln wieder frei +++ Neue US-Dokumente über
Misshandlungen im Irak +++ Bush-Gegner planen zu Inauguration größte Demo seit
Jahrzehnten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Rumsfeld: USA ziehen 2006 bis zu 3000 Soldaten aus Afghanistan ab
Do.22.12.05 - Die USA werden im kommenden Jahr nach Angaben von Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld 2000 bis 3000 Soldaten aus Afghanistan abziehen.
Rumsfeld sagte am Dienstag vor der Presse in Washington, der
Rückzug werde durch die Serie von Präsidentschafts-,
Parlaments-, und Provinzwahlen in Afghanistan möglich. Alle
"wichtigen politischen Etappen" hätten stattgefunden, das neue
Parlament funktioniere, und die NATO-Truppe ISAF habe beschlossen, mehr
Verantwortung zu übernehmen.
(Quelle: afp)
Fortsetzung der Atomgespräche mit Iran für Januar geplant
Do.22.12.05 - Die EU und der Iran wollen ihre Gespräche über weitere
Atomverhandlungen im Januar fortsetzen. Vertreter der EU-Troika
Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden mit ihren
Regierungen über eine neue Verhandlungsrunde beraten, sagte der
französische Delegierte Stanislas Laboulay am Mittwoch in Wien.
Die Gespräche waren im August abgebrochen worden, nachdem Teheran
die Urankonversion in Uranhexafluorid wieder aufgenommen hatte, den
Ausgangsstoff für die Anreicherung von Uran und damit für die
mögliche Herstellung von Atomwaffen.
Vor dem Sondierungstreffen zwischen Vertretern der EU-Troika und des
Irans in Wien hatten sich beide Seiten wenig zuversichtlich gezeigt.
Die Gespräche seien aber «offen und freimütig»
verlaufen, sagte Laboulay. Nach Angaben aus Wien ging es darum
auszuloten, ob weitere Verhandlungen überhaupt sinnvoll seien.
Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki betonte unterdessen
in Teheran, seine Regierung halte an ihrer Forderung nach einer
Uran-Anreicherung im eigenen Land fest. Deutschland, Frankreich und
Großbritannien wollen Teheran dazu bewegen, den
Produktionsprozess ins Ausland zu verlegen. Offiziell wurde ein solcher
Plan noch nicht vorgebracht, der Iran hat ihn aber schon wiederholt
abgelehnt. Es wird befürchtet, dass Teheran das angereicherte Uran
zur Produktion von Atomwaffen einsetzen könnte.
Überschattet wurde das Treffen von der Entscheidung des Irans, die
Uranumwandlung wieder aufzunehmen - eine Vorstufe der Anreicherung.
Zuletzt hatten die israel-feindlichen Äußerungen des
iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschads das Verhältnis
zur westlichen Welt weiter belastet.
Israelischen Angaben zufolge hat der Iran zwölf
Marschflugkörper erworben, die mit nuklearen Sprengköpfen
bestückt werden können. Sie stammten aus einer Schiffsladung
von der Ukraine nach Russland, erklärte Generalmajor Aharon
Seewi-Farkasch vor dem Ausschuss für Auswärtige
Angelegenheiten und Verteidigung, wie Parlamentssprecher Giora Pordes
am Mittwoch mitteilte. Die Raketen haben demnach eine Reichweite von
3.000 Kilometern.
(Quelle: ap)
USA: Neues Geheimdienstzentrum soll Bedrohung durch biologische Waffen
erfassen
Do.22.12.05 - Ein neues Geheimdienstzentrum der US-Regierung wird sich vor allem auch
mit der Bedrohung durch biologische Waffen befassen. Wie der Leiter des
Zentrums, Kenneth Brill, am Mittwoch bei der offiziellen Eröffnung
sagte, haben die USA wegen der Gefahr durch Atomwaffen seit rund 60
Jahren gute Verbindungen zu Physikern. Ähnliche Beziehungen zu
Biologen gebe es kaum. Sein Zentrum, das sich allgemein mit der
Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen beschäftigt, werde
darauf aber einen besonderen Schwerpunkt legen. Dabei gehe es nicht nur
um die Gefahr durch biologische Waffen, sondern auch durch Epidemien
oder andere biologische Bedrohungen. «Natürliche Krankheiten
können zerstörerischer als Waffen sein», sagte Brill.
Das Zentrum wurde im Dezember 2004 im Rahmen der Reform der
US-Geheimdienste eingerichtet. Es hat seinen Sitz im US-Staat Virginia
in der Nähe von Washington.
(Quelle: ap)
US-Richter tritt wegen Bushs Lauschangriffen zurück
Do.22.12.05 - Ein hochrangiger US-Bundesrichter ist wegen der Serie von
Lauschangriffen, die von Präsident George W. Bush ohne richterliche
Genehmigung angeordnet wurden, zurückgetreten. Wie die "Washington
Post" berichtete, legte der Bezirksrichter James Robertson sein Amt im
Gericht für die Überwachung der Ausländischen
Geheimdienste (FISA) nieder. Insgesamt gibt es elf FISA-Richter.
Unter Berufung auf zwei Vertraute Robertsons berichtete das Blatt, der
Richter habe sich zu dem Schritt entschlossen, weil er nach
elfjähriger Tätigkeit in der FISA-Behörde
befürchtete, Bushs Anordnungen würden die Arbeit dieses
Gerichts beeinträchtigen.
Bush hatte am Wochenende zugegeben, zahlreiche Lauschangriffe durch den
Geheimdienst NSA (National Security Agency) genehmigt zu haben. Die
Abhöraktionen fanden nach den Terroranschlägen vom 11.
September 2001 statt. Laut "New York Times" waren mehrere hundert
Menschen in den USA betroffen. Bush vertrat die Ansicht, eine
Genehmigung der Lauschangriffe durch die FISA-Richter sei nach der
Verabschiedung des Patriot Act, in dem der Kampf gegen den Terrorismus
nach den Anschlägen vom 11. September 2001 neu geregelt wurde,
überflüssig gewesen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
In Jerusalem lebende Palästinenser dürfen offenbar an
Parlamentswahl in palästinensischen Autonomiegebieten nicht
teilnehmen: Palästinenser drohen mit Absage der Abstimmung.
Leiter der US-Schule und Stellvertreter im Gazastreifen entführt.
Hamas-Führer im Westjordanland von Soldaten erschossen. Patriarch
von Jerusalem: Bethlehem wird ein 'großes Gefängnis'
Do.22.12.05 - Gut einen Monat vor der geplanten Parlamentswahl in den
palästinensischen Autonomiegebieten bahnt sich ein neuer Konflikt
an. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete am Mittwoch, die in
Jerusalem lebenden Palästinenser dürften an dieser Abstimmung
nicht teilnehmen - auch nicht per Briefwahl. Der palästinensische
Informationsminister Nabil Schaath erklärte daraufhin, in einem
solchen Fall werde die für den 25. Januar anberaumte Wahl abgesagt.
«Wenn die Israelis darauf bestehen, uns keine Wahl in Jerusalem
durchführen zu lassen, dann wird es überhaupt keine Wahl
geben», sagte Schaath. Zur Begründung für das
israelische Vorhaben hatte ein Regierungsbeamter in Jerusalem zuvor
erklärt, Israel wolle der radikalislamischen Hamas-Bewegung nicht
zum Wahlsieg verhelfen. Bei der Abstimmung wird mit einem guten
Abschneiden der Hamas gerechnet, während die Fatah des
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas an Boden verlieren
dürfte.
Abbas steht deshalb in den eigenen Reihen unter Druck, die Wahl nach
Möglichkeit zu verschieben. Der Präsident hat
diesbezüglich eine Einigung mit der Hamas gesucht, diese bestand
jedoch auf einer termingerechten Durchführung. Die in Jerusalem
lebenden Palästinenser konnten sich bislang immer per Briefwahl an
Abstimmungen in den Autonomiegebieten beteiligen, oder sie konnten zum
nächsten Wahllokal ins Westjordanland fahren. Beides galt nunmehr
jedoch als in Frage gestellt.
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat
erklärte, eine Absage der Wahl wäre eine Katastrophe für
das palästinensische Volk. Es bestünde dann die Gefahr von
gewaltsamen Straßenkämpfen wie in Somalia, warnte er. Der
ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman deutete bei einem Besuch
in Tel Aviv eine Vermittlungsmission seines Landes an. Dabei sei eine
Verschiebung der Wahl allerdings nicht ausgeschlossen.
Unterdessen wurden zwei Lehrer an einer amerikanischen Schule im
nördlichen Gazastreifen von bewaffneten Palästinensern
entführt. Augenzeugen zufolge wurden die beiden Männer am
Mittwoch auf dem Weg zur Arbeit in ihrem Auto angehalten und ins
Fahrzeug der Geiselnehmer gezerrt. Ihr eigener Wagen wurde abgeschlossen
am Straßenrand zurückgelassen.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den
Entführten um den niederländischen Studiendirektor der Schule
und seinen australischen Stellvertreter. Die private Eliteschule
nördlich der Stadt Gaza wird von rund 100 ausländischen
Schülern besucht. Die Schulleitung bestätigte, dass die beiden
Lehrkräfte vermisst würden. Die Kinder wurden nach Hause
geschickt, da ohnehin letzter Schultag vor den Weihnachtsferien war.
Entführungen von Ausländern sind im Gazastreifen keine
Seltenheit. Oft geht es den Tätern darum, inhaftierte Verwandte
freizupressen oder von der Palästinensischen Autonomiebehörde
Arbeitsplätze einzufordern. Am Dienstag besetzten zwei Dutzend
Mitglieder der militanten Al-Aksa-Brigaden vorübergehend das
Rathaus von Bethlehem und verlangten ihre Integration in die
Sicherheitskräfte mit entsprechender Bezahlung. Auch diese
Bewaffneten drohten mit der Entführung von Ausländern. Am
Mittwoch betonten sie allerdings, sie hätten mit der Verschleppung
der beiden Lehrer nichts zu tun.
Bei einer Schießerei zwischen israelischen Soldaten und
militanten Palästinensern ist der Regionalchef der Hamas-Bewegung
in Dschenin erschossen worden. Der 28-jährige Said Chalil Mussa sei
erklärtes Ziel der Militärrazzia im Westjordanland gewesen,
teilte die radikalislamische Organisation am Mittwoch mit. Augenzeugen
berichteten, dass es beim Versuch der Festnahme Mussas zu einem
äußerst heftigen Feuergefecht gekommen sei. Dabei sei auch
ein israelischer Polizist leicht verletzt worden. Die israelischen
Streitkräfte bestätigten lediglich, dass in Dschenin eine
Razzia stattgefunden habe.
Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hat derweil
Israel für den Bau des Sperrwalls im Westjordanland kritisiert.
Bethlehem, die Geburtstadt von Jesus Christus, werde so zu einem
"großen Gefängnis", sagte Sabbah am Mittwoch. Es sei
"unnormal", dass die Bewohner der Stadt so leben müssten. Der
Sperrwall habe Folgen für das wirtschaftliche und soziale Leben der
Stadt. "Es muss Schluss sein mit den Leiden, die auf diesem Boden schon
zu lange bekannt sind." Sabbah rief bei seiner traditionellen
Pressekonferenz zum bevorstehenden Weihnachtsfest Israel und die
Palästinenser auf, das Blutvergießen zu beenden. Beide
Völker brauchten endlich Frieden und Gerechtigkeit, um als
friedliche Nachbarn nebeneinander leben zu können.
(Quellen: ap, afp)
IWF will 19 der ärmsten Länder Schulden erlassen
Do.22.12.05 - Der Internationale Währungsfopnds (IWF) will 19 der ärmsten
Länder ihre Schulden erlassen. Die Verpflichtungen im Gesamtwert
von 3,3 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) würden in den
kommenden Wochen "zu 100 Prozent" erlassen, sagte ein IWF-Sprecher. 37
der 43 reichen Länder, von denen hierfür eine Zustimmung
nötig sei, hätten bereits grünes Licht gegeben. Die
sechs restlichen sollten in den kommenden Wochen den Weg für das
Vorhaben freimachen.
Mit ihrer Entscheidung kam die Organisation einer Bitte der
G-8-Länder nach, die neben dem IWF auch die Weltbank und die
Afrikanische Entwicklungsbank um eine Annullierung der Schulden
für 18 Länder angeregt hatte. Über die Bitte der G-8
hinaus will der IWF auch Kambodscha und Tadschikistan die Schulden
erlassen. Der Schuldenerlass für Mauretanien wird derzeit noch
geprüft.
(Quelle: afp)
Russland hält an Plänen zu NGO-Kontrolle fest
Do.22.12.05 - Trotz internationaler Proteste hält Russland weitgehend an seinen
Plänen zur stärkeren Kontrolle von
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) fest. Die Duma billigte in zweiter
Lesung ein Gesetzesvorhaben, das trotz zahlreicher Veränderungen
im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf weiterhin ein Verbot von
NGOs ermöglicht. Außerdem ist demnach der Zugang zu so
genannten verbotenen Gebieten untersagt, in denen oft militärische
oder nukleare Anlagen stehen.
Die Abgeordneten votierten mit deutlicher Mehrheit für den
Gesetzentwurf. Entgegen dem ersten Entwurf müssen sich
ausländische NGOs nun nicht als Organisation nach russischem Recht
registrieren lassen. Außerdem ist beim Verdacht auf
Geldwäsche für ein Verbot eine richterliche Entscheidung
notwendig.
Die Tätigkeit einer NGO kann aber unterbunden werden, wenn sie die
"Souveränität Russlands, die Unabhängigkeit, die
territoriale Integrität, die nationale Einheit und
Ursprünglichkeit, das kulturelle Erbe oder die nationalen
Interessen" verletzt. Außerdem müssen NGOs
regelmäßig detaillierte Berichte zu ihren Finanzquellen
vorlegen.
Moskau will mit dem Gesetz nach eigenen Angaben Geldwäsche oder
terroristische Aktivitäten unterbinden und ausländische
Gruppen oder Einrichtungen daran hindern, politische Aktivitäten
in Russland finanziell zu unterstützen. Als Beispiel geben die
Behörden die Ukraine und Georgien an, wo als NGOs "getarnte"
ausländische Geldgeber die friedlichen Umstürze
unterstützt hätten.
"Der Text hat sich nicht geändert", kritisierte Jewgeni Ichlow von
der Organisation Für die Menschenrechte. Auch in der
abgeänderten Form ermögliche das Gesetzesvorhaben, die Arbeit
"aller tatsächlich in Russland aktiven"
Nichtregierungsorganisationen zu unterbinden. Das Gesetzesvorhaben
ziele darauf ab, alle nicht regierungstreuen NGOs "zu zerstören",
sagte die Vorsitzende der Soldatenmütter, Valentina Melnikowa.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Änderungen an
dem geplanten Gesetz angeordnet, nachdem sich westliche Länder und
Nichtregierungsorganistionen beunruhigt über den ersten Entwurf
gezeigt hatten.
(Quelle: afp)
EU-Kommission will legale Einwanderung steuern
Do.22.12.05 - Gegen den Willen Deutschlands will die EU-Kommission die legale
Zuwanderung in die Mitgliedstaaten zentral steuern. Dies geht aus einer
Brüsseler Strategie hervor, die EU-Justizkommissar Franco Frattini
am Mittwoch vorstellte. Geplant sind dabei auch
«Zulassungsverfahren, die es ermöglichen, umgehend auf eine
sich ändernde Nachfrage nach Arbeitsmigranten auf dem Arbeitsmarkt
zu reagieren».
Mit der Strategie will die EU-Kommission auf die zunehmende
Überalterung der europäischen Gesellschaften und den
Migrationsdruck an den Außengrenzen reagieren. Ziel ist es, vor
allem gut ausgebildete Einwanderer nach Europa zu locken. Diese gingen
derzeit vorzugsweise in die USA, sagte Frattini.
Für Saisonarbeiter plant die EU-Kommission, befristete
Arbeitserlaubnisse etwa für fünf Monate gleich für
mehrere Jahre auszustellen. Damit soll verhindert werden, dass sich die
Arbeiter nach Beendigung ihrer Beschäftigung dann illegal weiter in
dem jeweiligen EU-Staat aufhalten.
Deutschen Bedenken hielt Frattini entgegen, dass die Kommission den
Maßstab der Subsidiarität wahren werde. Es bleibe die
Entscheidung der Mitgliedstaaten, «wie viele Einwanderer sie
aufnehmen wollen», betonte der italienische Kommissar. «Wir
werden dieses Prinzip respektieren.» Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble hatte bei seinem Antrittsbesuch Anfang des Monats betont,
dass die legale Zuwanderung den Arbeitsmarkt betreffe und damit Sache
der Mitgliedstaaten sei. Schäuble hält damit an der Linie
seines Vorgängers Otto Schily fest.
Die Kommission plant die Rechtsvorschriften für Einreise und
Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen in der EU zu regeln. Zudem
soll die Integration der Wirtschaftsmigranten und deren Familien in den
Arbeitsmarkt und die Gesellschaft generell gefördert werden.
Konkrete Vorschläge will Frattini 2007 vorlegen. Bis 2009 soll die
Strategie umgesetzt werden. Beschlossen werden wird dies von den
Mitgliedstaaten.
(Quelle: ap)
Annan: Zeit für neue Zypern-Gespräche noch nicht reif
Do.22.12.05 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat am Mittwoch eingeräumt,
dass die Verhandlungen zur Wiedervereinigung der geteilten Insel
festgefahren sind. Die Zeit für neue Verhandlungen sei noch nicht
reif, erklärte Annan auf seiner Pressekonferenz zum Jahresende.
Zypern ist seit dem Einmarsch türkischer Truppen 1974 geteilt.
40.000 Soldaten sind dort noch immer stationiert. Der
türkisch-zyprische Staat wird aber nur von der Türkei
anerkannt. Ein von den Vereinten Nationen vermittelter Plan zur
Wiedervereinigung der Insel wurde 2004 zwar von der türkischen
Seite angenommen, von drei Vierteln der griechischen Zyprer abgelehnt.
(Quelle: ap)
Deutschland: Eindeutigere Haltung der Regierung zu Terrorabwehr gefordert
Opposition verlangt strikte Trennung von BKA und BND
Do.22.12.05 - Grüne und FDP verlangen eine eindeutigere Haltung der
Bundesregierung zur Arbeit der Geheimdienste bei der Terrorabwehr. Der
stellvertretende Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte
eine strikte Trennung der Aufgaben von Bundeskriminalamt (BKA) und
Bundesnachrichtendienst (BND) im Ausland. FDP-Präsidiumsmitglied
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnte die Möglichkeit strikt
ab, auch nur indirekt Informationen aus Folter zu gewinnen.
«Das BKA soll sich aus Verhören im Ausland
heraushalten», sagte Trittin der «Berliner Zeitung».
Schäuble müsse schleunigst dafür sorgen, dass seine
Ankündigung, klar zwischen polizeilichen Aufgaben und denen der
Nachrichtendienste zu trennen, auch umgesetzt werde. Die Teilnahme eines
BKA-Beamten an der Vernehmung des Terrorverdächtigen Mohammed
Haydar Zammar in Syrien sei «schlicht und ergreifend
falsch» gewesen. Das BKA habe keine präventiven Aufgaben,
sondern sei eine Strafverfolgungsbehörde.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion
Volker Beck sprach sich für mehr Transparenz bei der
parlamentarischen Kontrolle der Geheimdienste aus. Die geheime Arbeit
des Parlamentarischen Kontrollgremium sei angemessen, wenn durch eine
Veröffentlichung der Informationen Geheimdienstoperationen oder
Quellen gefährdet würden. «Es ist aber eben auch
überflüssig, wenn diese Gefahr nicht besteht», sagte
Beck.
Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Innenminister Wolfgang Schäuble
habe seine selbst gesetzte rote Linie mit seinen Erwägungen bereits
klar überschritten. In der Debatte seien kaum noch echte Grenzen
festzustellen. «Es geht nicht nur darum, ob solche Informationen
vor Gericht verwendet werden dürfen. Unter Folter erpresste
Informationen dürfen überhaupt nicht verwendet werden. Sonst
ist das Folter-Verbot nicht mehr zu halten», sagte die
frühere Bundesjustizministerin der «Berliner Zeitung».
Gegenüber «Spiegel Online» kritisierte sie das
bisherige Verhalten Joschka Fischers: «Die Grünen haben ein
Problem mit ihrem Profil. Dass der frühere Außenminister so
völlig abtaucht, das lähmt sie ein Stück weit.»
Unter Rechtsexperten gibt es unterdessen Streit, ob der CIA mit seiner
Nutzung deutscher Flughäfen deutsches Recht gebrochen hat. Der
«Stern» berichtete, die privaten Airlines, mit denen die
US-Agenten geflogen seien, hätten keine Einflugerlaubnis beantragt
und auch nicht das Luftfahrtbundesamt über den Zweck ihrer
Flüge informiert, wozu sie aber im so genannten gewerblichen
Gelegenheitsverkehr verpflichtet gewesen seien. Verkehrsminister
Wolfgang Tiefensee wolle dennoch nicht gegen die CIA vorgehen.
«Die Flüge wurden offenkundig als nicht gewerblich
angemeldet. Damit waren sie auch nicht genehmigungspflichtig»,
sagte demnach Ministeriums-Sprecher Dirk Inger. Der Luftfahrtrechtler
Ronald Schmid bezeichnete dies als «schlechten Witz». Mit
dieser Interpretation sei jeder Einflug genehmigungsfrei.
Unterdessen zeigte sich das Komitee vom Internationalen Roten Kreuz
(IKRK) überrascht über die derzeitige Aufregung über die
CIA-Affäre. «Wir haben schon im Januar 2004 öffentlich
unsere Sorge darüber geäußert, dass es eine nicht
bekannte Zahl von Gefangenen an unbekannten Orten gibt, zu denen wir
keinen Zugang haben», sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger
der «Süddeutschen Zeitung».
(Quelle: ap)
Osthoff-Fahrer unter Verdacht der Komplizenschaft
Do.22.12.05 - Im Zusammenhang mit der Entführung von Susanne Osthoff gehen die
deutschen Sicherheitsbehörden nach Informationen des
ARD-Hauptstadtstudios dem Verdacht nach, dass ihr Fahrer, Chalid el
Schimani, ein Komplize der Entführer war. Wie der Sender
berichtete, vermuten die Behörden nach den bisherigen Ermittlungen
hinter der Geiselnahme Angehörige des Duleimi-Stammes, der
mehrheitlich dem sunnitischen Widerstand gegen die jetzige Regierung
angehört. Osthoff verließ unterdessen den Irak.
Ein Duleimi-Scheich soll der Archäologin auch den Fahrer zur
Verfügung gestellt haben. Dieser Scheich sei nun ins Fadenkreuz
der Ermittler gerückt. Für eine Verantwortung dieses Stammes
spreche auch, dass einer der Mittelsmänner ihm angehöre.
Durch ihn hätten die deutschen Unterhändler schon relativ
schnell nach der Geiselnahme Kontakt zu den Entführern gehabt.
Für eine Komplizenschaft spricht laut ARD-Hauptstadtstudios zudem,
dass der Fahrer sich bisher nicht bei der deutschen Botschaft gemeldet
hat und möglicherweise untergetaucht ist. Zu Osthoffs
vergleichsweise rascher Freilassung soll es nach Erkenntnissen der
deutschen Sicherheitsbehörden auch gekommen sein, weil der Stamm
der Schammar Druck auf die verfeindeten Duleimi ausgeübt hat. Den
Schammar gehört Susanne Osthoffs früherer Ehemann an. Deshalb
habe die Archäologin auch lange Zeit geglaubt, dass ihr nichts
passieren könne, weil sie unter dem Schutz dieses Stammes stehe.
Die 43-jährige Archäologin verließ das Land, um einige
Tage fernab der Öffentlichkeit mit ihrer Tochter zu verbringen,
wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte.
Über Osthoffs Ziel machte das Ministerium keine Angaben. Die
Sprecherin berichtete aber, dass Osthoff zuvor eine Rückreise nach
Deutschland abgelehnt habe
(Quelle: afp)
Steuervorteile und Eigenheimzulage fallen weg
Bundesrat stimmt Gesetzespaket der Regierung zu
Do.22.12.05 - Zu Jahresbeginn fallen etliche Steuervorteile weg und die
Eigenheimzulage wird gestrichen. Diesem Sofortprogramm der Regierung
stimmte am Mittwoch der Bundesrat zu. Auch das Paket der großen
Koalition zur Belebung des Arbeitsmarkts passierte die
Länderkammer. Kanzlerin Angela Merkel erinnerte in ihrer
Antrittsrede den Bundesrat an seine Verantwortung für das
«große Ganze» und äußerte die Hoffnung auf
konstruktive Zusammenarbeit.
Von der Abschaffung der Eigenheimzulage zum 1. Januar 2006 sind
Altfälle nicht betroffen. Die staatliche Förderung für
den Bau eines Hauses oder den Kauf einer selbst genutzten Wohnung betrug
bisher jährlich 1.250 Euro plus 800 Euro pro Kind und wurde acht
Jahre lang gezahlt. Dem Fiskus bringt die Streichung nach einer
Übergangszeit Einsparungen von rund sechs Milliarden Euro
jährlich.
Wegfallen werden auch die Steuerbefreiung für Abfindungen und
Übergangsgelder sowie für Sonderzahlungen bei Hochzeit oder
Nachwuchs. Zudem darf die Rechnung des Steuerberaters für die
private Steuererklärung nicht mehr geltend gemacht werden.
Darüber hinaus akzeptierte die Länderkammer, so genannte
Steuerstundungsmodelle wie Windkraft- oder Medienfonds
einzuschränken. Künftig dürfen Verluste aus solchen Fonds
nur noch mit späteren positiven Einkünften aus derselben
Quelle verrechnet werden. Das bringt Steuermehreinnahmen von 550
Millionen Euro.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, die
Maßnahmen seien unpopulär aber alternativlos. Es handele sich
nicht um den «großen Wurf einer Steuerreform»,
sondern ein erstes Maßnahmenbündel zur Konsolidierung der
Haushalte schon im Jahr 2006.
Laut dem Beschluss des Bundesrats können Ich-AGs nur noch bis zum
30. Juni 2006 weiter gefördert werden. Bis Ende 2007 wurde hingegen
die so genannte 58er-Regelung verlängert. Demnach können
Arbeitslose über 58 Jahre Arbeitslosengeld beziehen, ohne sich um
Vermittlung zu bemühen und ohne in der Arbeitslosenstatistik
aufzutauchen.
Arbeitgeber müssen laut dem Gesetzespaket für Arbeitnehmer
über 55 Jahre keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
zahlen. Künftig soll zudem schon drei Monate vor Ende eines
Arbeitsverhältnisses die Pflicht gelten, sich arbeitssuchend zu
melden. Andernfalls kann das Arbeitslosengeld vorübergehend
gesperrt werden.
Auch der Kompromiss zur Aufteilung der Unterkunftskosten für
Langzeitarbeitslose fand die Zustimmung der Länder. Der Bund will
dieses und nächstes Jahr 29,1 Prozent davon übernehmen, um den
Kommunen mehr Handlungsspielraum für Kinderbetreuung und
Investitionen zu lassen.
Der Bundesrat stimmte zudem grundsätzlich einer Verordnung zu, die
Autofahrer verpflichtet, die Ausrüstung ihres Fahrzeugs dem Wetter
anzupassen. Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es aber nach
Darstellung des Verkehrsministeriums auch künftig nicht.
Darüber hinaus soll es künftig härtere Strafen geben,
wenn im Straßenverkehr der Mindestabstand nicht eingehalten wird.
Ebenfalls stimmte der Bundesrat einer Verordnung zu, mit der
«mautflüchtigen» Lastwagen Schleichwege auf Landes-
oder Bundesstraßen zunehmend dicht gemacht werden sollen. Mit
einem neuen Verkehrszeichen «Durchgangsverkehr verboten»
soll es ab 1. Januar möglich sein, Strecken für Lastwagen
über zwölf Tonnen zu sperren.
Bundeskanzlerin Merkel legte ein Bekenntnis zur föderalen
Staatsordnung ab und sagte mit Blick auf die geplante Reform der
bundesstaatlichen Ordnung, der Föderalismus sei auch im 21.
Jahrhundert ein Vorteil «und keinesfalls ein Hemmschuh».
(Quelle: ap)
Bundesgerichtshof hebt Freisprüche im Mannesmann-Prozess auf
Do.22.12.05 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die fünf Mitangeklagten im
Mannesmann-Prozess müssen erneut auf die Anklagebank. Der
Bundesgerichtshof (BGH) hob am Mittwoch sämtliche Freisprüche
des Düsseldorfer Landgerichts in vollem Umfang auf und entsprach
damit dem Antrag der Bundesanwaltschaft.
Das spektakulärste Wirtschaftsstrafverfahren der Bundesrepublik um
millionenschwere Prämienzahlungen an frühere
Mannesmann-Manager muss nun neu aufgerollt werden, und zwar von einer
anderen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts. Dieses hatte am
22. Juli 2004 die sechs Angeklagten vom Vorwurf der Untreue
beziehungsweise der Beihilfe dazu freigesprochen.
Angeklagt sind auch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, der ehemalige
IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel, Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk,
der ehemalige Betriebsratschef Jürgen Ladberg und der frühere
Esser-Mitarbeiter Dietmar Droste. Ihnen wird vorgeworfen, nach der 180
Milliarden Euro teuren Übernahme von Mannesmann durch den
Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000 zu Unrecht Zahlungen in Höhe
von rund 57 Millionen Euro genehmigt oder erhalten zu haben. Die Summe
umfasst nachträgliche «Anerkennungsprämien» und
zusätzlich zur Festpension gezahlte
«Pensionsabfindungen». Allein Esser erhielt eine
«Anerkennungsprämie» von über 15 Millionen Euro.
Funk bekam drei Millionen Euro als Prämie.
Die Zahlungen hatte das Aufsichtsratspräsidium gebilligt, dem
Funk, Ackermann, Zwickel und Ladberg angehörten. Ihnen wird
schwere Untreue zur Last gelegt. Die Anklage gegen Esser und Droste war
vom Landgericht auf Beihilfe zur Untreue abgemildert worden.
Der Vorsitzende Richter des 3. Strafsenats des BGH, Klaus Tolksdorf,
bewertete die Genehmigung der Anerkennungsprämien für Esser
und vier weitere Führungskräfte als «treupflichtwidrige
Verschwendung anvertrauten Firmenvermögens». Die Angeklagten
seien «nicht Gutsherren, sondern Gutsverwalter« gewesen.
Ackermann, Zwickel und Funk hätten ihre
Vermögensbetreuungspflicht gegenüber der Mannesmann AG
verletzt und dieser einen »Vermögensschaden«
zugefügt. Ladberg war nur bei den Pensionsabfindungen beteiligt.
Entscheidend sei, dass die Anerkennungsprämien, die im
Dienstvertrag nicht vereinbart gewesen seien und
»ausschließlich belohnenden Charakter« gehabt
hätten, für die Mannesmann AG nicht mehr von Nutzen sein
konnten, sagte Tolksdorf.
Das Landgericht hatte die Angeklagten deshalb freigesprochen, weil sie
keine »gravierende Pflichtverletzung« begangen hätten.
Dem folgte der BGH nicht. Eine einfache Verletzung der
Vermögensbetreuungspflicht genüge für den Tatbestand der
Untreue. Die kompensationslosen Anerkennungsprämien hätten zu
einem »sicheren Vermögensverlust« geführt.
Außerdem sei die Feststellung, die Angeklagten hätten ihr
Verhalten für erlaubt gehalten und deshalb in einem
»unvermeidbaren Verbotsirrtum« gehandelt, nicht durch die
Beweiswürdigung belegt. Im neuen Prozess müsse geklärt
werden, welche Kenntnisse sie tatsächlich über die
Zulässigkeit ihres Verhaltens gehabt hätten.
Entgegen der Auffassung des Landgerichts könne der Freispruch
für Zwickel nicht damit begründet werden, dass er sich bei
der Genehmigung der Sonderzahlungen der Stimme enthalten habe.
»Die Stimmenthaltung entsprach objektiv und subjektiv einer
Ja-Stimme«, sagte Tolksdorf.
Für Esser und Droste könne der Freispruch vom Vorwurf der
Beihilfe zur Untreue deshalb nicht bestehen bleiben, weil die
Vorbereitung der entsprechenden Beschlüsse des Präsidiums
»keine Handlung mit Alltagscharakter« gewesen sei. Eine
Verurteilung wegen »täterschaftlicher Begehung»
scheide aber aus.
(AZ: 3 StR 470/04 - Urteil vom 21. Dezember 2005)
(Quelle: ddp)
Klagewelle wegen Hartz IV rollt auf Gerichte zu
Do.22.12.05 - Die deutschen Sozialgerichte kämpfen mit einer Klagewelle wegen
der Arbeitsmarktreform Hartz IV. Allein bei den acht Sozialgerichten in
Nordrhein-Westfalen seien seit Januar mehr als 14.000 Klagen
anhängig, 300 Prozent mehr als erwartet, sagte der Präsident
des Essener Landessozialgerichts, Jürgen Brand, der «Neuen
Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung» (Donnerstagausgabe). Für
2006 erwarte er nochmals einen deutlichen Anstieg. Meistens geht es
dabei demnach um die Anrechnung von Einkommen und Vermögen auf
Arbeitslosengeld II.
Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundes deutscher Sozialrichter,
Hans-Peter Jung, breitet sich die Klagewelle allerdings nicht
gleichmäßig über das ganze Land aus. In Hessen und
Niedersachsen sei die Zahl der erstinstanzlichen Gerichtsverfahren
gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent gestiegen, sagte Jung der
«Berliner Zeitung».
Das späte Eintreffen der Klagewelle ist dem Bericht zufolge vor
allem auf die Bearbeitungspraxis der örtlichen Arbeitsagenturen
zurückzuführen, die sich zu Beginn der Reform vor allem auf
die Auszahlung des neuen Arbeitslosengeldes II konzentrierten. Erst im
zweiten Halbjahr 2005 seien die ersten Widerspruchsbescheide erlassen
worden, sagte Jung. «Dieser Rückstau löst sich jetzt
langsam auf.» Nach Angaben des Richters blieben etwa
Baden-Württemberg und Bayern vom Anstieg der Verfahren weitgehend
verschont. «Hier ist kaum eine Veränderung zu
beobachten», sagte Jung. Eine mögliche Erklärung
hierfür sei die vergleichsweise gute Wirtschaftsentwicklung in den
beiden südlichen Ländern.
Brand sagte, er habe bei der nordrhein-westfälischen
Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter 23
zusätzliche Richterstellen beantragt, um der Klagewelle Herr zu
werden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Der nächste Tsunami ist nur eine Frage der Zeit
Do.22.12.05 - Der Blitz schlägt nie zweimal an derselben Stelle ein, heißt
es, doch diese Volksweisheit zu Naturgewalten gilt Experten zufolge
nicht für Tsunamis im Indischen Ozean. Es scheint kaum vorstellbar,
doch das massive Seebeben von 9,3 auf der Richter-Skala und die darauf
folgende Flutwelle, die am 26. Dezember 2004 an den Küsten des
Indischen Ozeans mehr als 220.000 Menschen tötete, könnten
sich wiederholen. Und das sogar schon bald, warnt Paul Tapponnier,
Forscher am Pariser Institut für Planetare Physik (IPGP). "Es ist
wie ein abgerissener Hemdknopf: Wenn er weg ist, geraten die anderen
Knöpfe unter noch größeren Druck."
Erdbebenforscher sind in der Regel eher vorsichtig mit Vorhersagen.
Ihre einhelligen Warnungen sind deshalb um so beunruhigender: Erdbeben
treten nämlich gehäuft und in enger Folge auf, sagt Kerry Sieh
vom Kalifornischen Technologie-Institut. So hätten sich sieben von
insgesamt zehn der schwersten Erdbeben des 20. Jahrhunderts alle
zwischen 1950 und 1965 ereignet, fünf davon sogar in der gleichen
Region am Nordrand des Pazifik. "Die Alarmglocken schrillen laut", sagt
Tapponnier.
Warum das so ist, steht für diese Experten außer Zweifel:
Eine schwere Erschütterung an der Erdkruste setzt die angrenzenden
tektonischen Platten unter derartigen Druck, dass eine weitere geringe
Erschütterung gewaltige Verwerfungen auslösen kann. Das
zerstörerische Beben vom 26. Dezember ereignete sich an einer
Stelle unter dem Indischen Ozean, wo die Indische Platte sich unter die
kleinere Birmanische Platte schiebt. "Ein winziger Auslöser reicht
schon, um hier ein gewaltiges Beben hervorzurufen", sagt John McCloskey,
Professor für Umweltwissenschaften an der Universität Ulster.
Eine nur geringe Druckschwankung war es McCloskey zufolge auch, die das
Erdbeben vom 26. Dezember auslöste. Der Meeresgrund wölbte
sich entlang einer 1200 Kilometer langen Linie und warf 15 Meter hohe
Wellen in Richtung Küsten. Es wurde so viel Energie freigesetzt,
dass sogar in Peru und Mexiko, 20.000 Kilometer vom Epizentrum entfernt,
außergewöhnliche Wellen an den Strand schlugen. Der ganze
Erdball bebte, noch Wochen später waren Vibrationen messbar.
Dass dies nur der Anfang einer Reihe von Erdstößen gewesen
sein könnte, wird durch ein weiteres Ereignis bekräftigt: Drei
Monate nach dem ersten Beben ereignete sich am 28. März ein
weiteres, nur 160 Kilometer südlich vom ersten, und mit einer
Stärke von 8,7 auf der Richter-Skala. Vor diesen beiden
Erschütterungen gab es das letzte Mal ein ernsthaftes Beben im Jahr
1861. Und schon haben Seismologen die nächste Stelle im Blick, an
der der Druck zu heftig werden und in ein Beben umschlagen könnte.
Sie liegt weitere 500 bis 600 Kilometer südlich, unter den
Mentawai Inseln. Dort ereignet sich etwa alle 230 Jahre ein Beben - und
das jüngste rief im Jahr 1833 zehn Meter hohe Tsunami-Wellen
hervor.
Dabei trauen die Forscher auch den Frühwarnsystemen keine
bedeutende Wirkung zu: Eine Flutwelle, die 200 Kilometer vor der
Küste entsteht, bewegt sich mit 750 Stundenkilometern
Geschwindigkeit voran - sie würde also innerhalb von 15 bis 20
Minuten die Strände erreichen. Da können Menschenleben nur mit
knapper Not und bei perfekt funktionierenden Warnsystemen gerettet
werden. "Ein Beben der Stärke neun oder mehr im Süden der
indonesischen Insel Sumatra wäre fürchterlich", sagt
Tapponnier. "Wenn das erste längere Beben zu spüren ist,
sollten die Menschen sich sofort in Sicherheit bringen."
(Quelle: afp)
Biologen: Heuschreckenschwärme können Atlantik überqueren
Do.22.12.05 - Heuschreckenschwärme können nach Erkenntnissen kanadischer
Forscher den Atlantik überqueren. Erbgut-Vergleiche verschiedener
Wanderheuschrecken-Arten zeigten, dass die Insekten wahrscheinlich vor
langer Zeit von Afrika nach Amerika geflogen sind und sich dann dort
ausgebreitet haben.
Das berichten Wissenschaftler der Universität Toronto in dem
Fachjournal «Proceedings of the Royal Society» (Biology
Letters, doi:10.1098/rspb.2005.3381). Auch 1988 seien
Heuschreckenschwärme bei einer Atlantik-Überquerung beobachtet
worden.
Die Wanderheuschrecke stammt nach Auffassung des Teams um Nathan
Lovejoy ursprünglich aus Nordafrika, wo Trockenheit und eine extrem
heterogene Umwelt die Bildung von Schwärmen begünstigen.
Diese mache die Atlantiküberquerung erst möglich: Mehr als
100 Millionen Heuschrecken formierten sich durch thermische Aufwinde in
einer Flughöhe von etwa 2000 Metern, wo starke Querwinde sie dann
mit hoher Geschwindigkeit transportierten. Zuerst hätten die
Insekten Zentral- und Südamerika besiedelt, später dann die
Galápagos-Inseln und Nordamerika. Daraus seien später
verschiedene andere Wanderheuschrecken-Arten entstanden.
Damit sei die Vermutung widerlegt, dass die Wanderheuschrecke
ursprünglich aus Amerika über den Atlantik nach Afrika
geflogen sei, berichten die Wissenschaftler. Die Insekten wurden schon
in der Bibel als gefürchtete Plage beschrieben, da ihre
Schwärme ganze Landstriche verwüsten können. Vor allem in
Nordafrika haben die Menschen immer wieder mit Heuschrecken-Invasionen
zu kämpfen.
(Quelle: dpa)