Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bei Anschlägen und Angriffen fast 20 Tote. USA weisen Saddam
Husseins Foltervorwurf zurück. Auch Saddam Halbbruder erhebt
Misshandlungsvorwürfe. Staatsanwaltschaft in Rom nimmt im
Zusammenhang mit der Befreiung der entführten italienischen
Journalistin Giuliana Sgrena Ermittlungen gegen US-Soldaten auf
Fr.23.12.05 - Die anhaltende Gewalt im Irak hat erneut fast 20 Menschen das Leben
gekostet. Wie die US-Streitkräfte am Donnerstag mitteilten, wurden
in Bagdad sechs irakische Polizisten erschossen, drei weitere wurden in
Samarra nördlich der Hauptstadt getötet. In Samarra starben
nach Angaben der örtlichen Polizei außerdem vier Menschen,
als ein Sprengsatz ein Fahrzeug mit städtischen Angestellten
zerriss.
Bewaffnete erschossen in der Hauptstadt einen Politiker der
unabhängigen Irakischen Reformbewegung. Im südlich gelegenen
Basra wurde ein irakischer Dolmetscher getötet, der für das
britische Konsulat arbeitete. Der Mann war nach Angaben eines
Polizeisprechers am Mittwochabend entführt worden. In Chalis
eröffneten Bewaffnete das Feuer auf zwei Lastwagen und
töteten einen Fahrer, der zweite wurde laut Polizei verschleppt.
Bei einer Bombenexplosion wurde in Bagdad ein US-Soldat getötet,
wie die Streitkräfte erklärten. Seit Beginn des Irak-Krieges
im März 2003 sind nach einer Zählung der Nachrichtenagentur
AP mehr als 2.150 Angehörige der US-Truppen ums Leben gekommen.
Mit Empörung hat die US-Regierung den Vorwurf des früheren
irakischen Machthabers Saddam Hussein zurückgewiesen, er sei in
US-Gewahrsam misshandelt worden. Angesichts der Grausamkeit von Saddam
Husseins Regime sei es "hochgradig zynisch", dass der frühere
Staatschef nun derartige Beschuldigungen erfinde, sagte
Präsidentensprecher Scott McClellan. Unterdessen wurde der Prozess
gegen Saddam Hussein vor dem Sondergericht in Bagdad fortgesetzt.
Saddam Hussein hatte den USA während der Verhandlung am Mittwoch
vorgeworfen, er sei in US-Gewahrsam misshandelt worden. Die Zeichen
seien überall sichtbar. Der Sprecher des Weißen Hauses sagte
dazu: "Saddam Husseins Behandlung ist genau das Gegenteil dessen, was
sein Regime denjenigen angetan hat, die für die Äußerung
ihrer Meinung verhaftet und gefoltert wurden." US-Truppen hatten den
früheren irakischen Präsidenten Ende 2003 festgenommen.
Am Mittwoch hatten drei Zeugen gegen den früheren Machthaber und
seine sieben Mitangeklagten ausgesagt. Sie berichteten detailliert
über Repressalien in Folge eines Attentatsversuchs auf Saddam
Hussein 1982 in dem schiitischen Dorf Dudschail. Sie sagten aus, mit
Elektroschocks gefoltert worden zu sein.
Nach dem früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein hat
derweil auch dessen vor dem Sondertribunal in Bagdad angeklagte
Halbbruder Barsan Tikriti Misshandlungsvorwürfe erhoben.
Während seiner Verhöre in Handschellen sei er geschlagen
worden, sagte Tikriti am Donnerstag während des Verfahrens in
Bagdad. "Sie stellten mir Fragen und als ich bat, mich dazu
äußern zu können, verlangten sie als Antwort 'Ja' oder
'Nein' und ohrfeigten mich". Er sagte nicht, ob er Amerikaner oder
Iraker meinte.
Rund neun Monate nach der Befreiung der im Irak entführten
italienischen Journalistin Giuliana Sgrena hat die Staatsanwaltschaft in
Rom Ermittlungen gegen einen US-Soldaten aufgenommen. Wie die
italienische Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag meldete, wird gegen
den Marineinfanteristen Mario Lozano wegen vorsätzlicher
Tötung ermittelt. Der Soldat hatte Anfang März an einer
Straßensperre in der Nähe des Flughafens Bagdad auf das Auto
geschossen, in dem der italienische Geheimdienstagent Nicola Calipari
die freigelassene Geisel Sgrena zum Flughafen begleitete. Calipari wurde
getötet.
(Quelle: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 23.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.23.12.04 - Rumsfeld erteilt Hoffnungen auf Frieden im Irak eine Absage. US-Firma
verlässt Irak wegen zu hoher Sicherheitskosten. 73 Parteien bei
ersten freien Wahlen im Irak +++ Bagdad im Jahr Null:
Das Scheitern der neokonservativen Utopie. Bremers Reformen setzten
Kräfte des Widerstands frei – von bewaffneten Erhebungen in den
Fabriken bis zu Zehntausenden arbeitsloser junger Männer, die sich
selbst bewaffneten. Eine Reportage von Naomi Klein
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412230.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
|
Niederlage für Bush im Senat
Patriot Act nur kurzzeitig verlängert. Ölbohrungen in Alaska
blockiert. Verbot grausamer Verhörmethoden endgültig
Fr.23.12.05 - In seiner letzten Sitzung vor Weihnachten hat der US-Senat
Präsident George W. Bush eine Reihe von Niederlagen beschert. Die
Kammer verabschiedete am Mittwoch endgültig ein von Bush monatelang
bekämpftes Verbot grausamer Verhörmethoden im Kampf gegen den
Terrorismus. Zudem wurde der so genannte Patriot Act zunächst nur
um sechs Monate verlängert - und nicht dauerhaft, wie es das
Weiße Haus gewünscht hatte. Zu allem Überfluss
blockierte der Senat auch noch von Bush befürwortete
Ölbohrungen in einem Naturschutzgebiet in Alaska.
Die republikanische Senatsmehrheit brachte nicht die notwendigen
Stimmen auf, um die Gegner der seit Jahren umstrittenen Ölbohrungen
an einem Filibuster - einem Redemarathon zur Verhinderung einer
Abstimmung - zu hindern. Statt der erforderlichen 60 kamen nur 56
Stimmen zusammen.
Das Repräsentantenhaus hatte der Aufnahme der
Ölförderung in einem arktischen Naturschutzgebiet am Montag
zugestimmt, allerdings nur dank einem Kunstgriff der republikanischen
Fraktionsführung: Die Zulassung der Ölbohrungen wurde mit der
Bewilligung von Ausgaben des Verteidigungsministeriums verknüpft,
darunter Hilfsgelder für Hurrikan-Opfer und Mittel für die
Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak.
Im Senat wollten die Republikaner ebenso verfahren, das ließ sich
die Opposition jedoch nicht gefallen. Die demokratische Senatorin Maria
Cantwell aus Washington warf der Regierungsfraktion Erpressung vor.
Schließlich musste die Entscheidung über die Ölbohrungen
aus dem Gesetzespaket über die Verteidigungsausgaben
herausgenommen werden, damit letztere verabschiedet werden konnten.
Wegen dieser Änderung sollte sich das Repräsentantenhaus am
Donnerstag erneut mit dem Paket befassen.
Dagegen wurde das nun auch vom Senat beschlossene Verbot einer
grausamen, inhumanen und erniedrigenden Behandlung ausländischer
Terrorverdächtiger direkt an das Weiße Haus geschickt. Es
wurde erwartet, dass US-Präsident Bush das Gesetz unterzeichnet,
obwohl er monatelang mit seinem Veto gedroht hatte. In der vergangenen
Woche lenkte das Weiße Haus ein, weil sich abzeichnete, dass sogar
ein solches Veto im Kongress überstimmt werden könnte. Mit
dem ausdrücklichen Misshandlungsverbot will der Kongress den
Rufschaden beheben, den der Folterskandal in Abu Ghraib den USA
eingetragen hat.
Der Kongress forderte zudem, Bush müsse den Abgeordneten
künftig vierteljährlich über seine Irak-Politik und die
Militäraktionen in dem Golfstaat Bericht erstatten. In dem Gesetz
wird betont, im Jahr 2006 müsse es im Irak bedeutsame Fortschritte
geben. Insbesondere müssten die einheimischen
Sicherheitskräfte mehr Verantwortung übernehmen, damit die
US-Truppen allmählich reduziert werden könnten.
Zunächst um sechs Monate verlängert wurde das Patriot Act
genannte Anti-Terror-Gesetz. Damit setzte sich ein Vorschlag der
Demokraten durch, die sich gemeinsam mit einigen Republikanern dagegen
gewehrt hatten, den Gesetzesbestimmungen unbefristet Geltung zu
verschaffen. Die Befürworter einer unbefristeten Verlängerung
mussten dem Kompromiss schließlich zustimmen, weil mehrere
Bestimmungen des Patriot Acts sonst schon am 31. Dezember ausgelaufen
wären. Eine Entscheidung des Repräsentantenhauses wurde
für Donnerstagabend erwartet.
Der Patriot Act war als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11.
September 2001 beschlossenen worden. Er erweitert die Befugnisse der
Regierung und Justizbehörden gegenüber
Terrorverdächtigen. Besonders umstritten ist die Möglichkeit
umfassender Abhöraktionen sowie die Auswertung von Daten aus
Firmen, Krankenhäusern oder Büchereien.
(Quelle: ap)
Justizministerium verteidigt Lauschangriffe in den USA
Fr.23.12.05 - Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hat am Donnerstag
die heftig kritisierten Lauschangriffe in den USA nachdrücklich
verteidigt. In einem Brief des Justizministeriums an die Vorsitzenden
der Geheimdienstausschüsse von Repräsentantenhaus und Senat
hieß es, die Sicherheit des Landes sei wichtiger als die Rechte
des Einzelnen, der von einer solchen Abhöraktion betroffen sin
könnte. Bush habe die ohne richterliche Anordnung zu Stande
gekommenen Abhöraktionen gebilligt, um Terrorangriffe zu
verhindern.
Offenbar aus Protest gegen die Lauschangriffe war ein US-Bundesrichter
aus dem Sondergericht zur Überwachung der Geheimdienste, dass
derartige Abhöraktionen billigen müsste, zurückgetreten.
Vertreter der US-Regierung haben ihr Vorgehen in jüngster Zeit
immer wieder verteidigt und mit dem Krieg gegen den Terror
begründet.
(Quelle: ap)
Afghanischer Oppositionsführer zum Parlamentspräsidenten
gewählt
Fr.23.12.05 - Der selbst ernannte afghanische Oppositionsführer und frühere
Nordallianz-General Junus Kanooni ist am Mittwoch zum Präsidenten
des Abgeordnetenhauses gewählt worden. Kanooni, der 2004 bei der
Wahl zum Staatsoberhaupt weit abgeschlagen hinter Hamid Karsai gelandet
war, gewann mit einem hauchdünnem Vorsprung von fünf Stimmen
vor dem paschtunischen Kriegsherren Abdulrab Rasul Sajjaf. Der
48-jährige Tadschike Kanooni, ein Vertrauter des 2001 ermordeten
Nordallianz-Kommandeurs Ahmed Schah Massud, sagte nach seiner Wahl, die
Opposition müsse sich nun einen neuen Führer in der Wolesi
Dschirga, dem Unterhaus des Parlaments, suchen.
(Quelle: afp)
Drei militante Palästinenser in Nablus erschossen
Fr.23.12.05 - Bei einer israelischen Militäraktion sind am Donnerstag im
Westjordanland nach Armeeangaben drei militante Palästinenser
getötet worden. Soldaten hätten in Nablus nach Gesuchten
gefahndet und das Feuer auf ein Gebäude eröffnet, in dem sich
Extremisten verschanzten. Einer der Gesuchten und zwei weitere
Extremisten seien bei einem Fluchtversuch erschossen worden,
erklärten die Streitkräfte. Augenzeugen zufolge waren die
Opfer Mitglieder der Volksfront für die Befreiung Palästinas
(PFLP).
(Quelle: ap)
Anführer der Moslembrüder in Ägypten nennt Holocaust
'Mythos'
Fr.23.12.05 - Wenige Tage nach dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad
hat auch der geistliche Anführer der ägyptischen
Moslembrüder, Mohammed Mehdi Akef, den Holocaust als "Mythos"
bezeichnet. Als Kronzeugen nannte Akef in einer in Kairo
veröffentlichten Erklärung den britischen Holocaust-Leugner
David Irving und den französischen Schriftsteller Roger Garaudy,
der unter anderem wegen der Leugnung der NS-Gaskammern verurteilt wurde.
Akef griff die USA sowie Israel scharf an, da das Land "hinter den
Kulissen" Washington "manipuliere". Wer sich den beiden
Verbündeten anschließe, gelte als "Demokrat", wer deren
Methoden im Anti-Terror-Kampf ablehne, werde dagegen als "Terrorist"
abgestempelt, führte Akef weiter aus. Akef verurteilte auch die
UN-Ermittlungen zum Mord an dem früheren libanesischen
Ministerpräsidenten Rafik Hariri.
Die Moslembruderschaft ist in Ägypten offiziell verboten, wird
aber von der Regierung toleriert. Bei der Parlamentswahl im November
und Dezember erzielte die oppositionelle Kraft einen sensationellen
Durchbruch und errang 88 der 454 Mandate.
Ahmadinedschad hatte mit seinen israelfeindlichen Äußerungen
weltweit für Empörung gesorgt. Unter anderem hatte Irans
Präsident den Holocaust als "Mythos" bezeichnet und vorgeschlagen,
Israel nach Europa zu verlegen.
(Quelle: afp)
Japanischer Außenminister nennt China eine Bedrohung
Fr.23.12.05 - Der japanische Außenminister Taro Aso hat China als eine
Bedrohung für sein Land bezeichnet. Der wachsende chinesische
Militärhaushalt schüre den Argwohn bei den Nachbarn, sagte Aso
auf einer Pressekonferenz. «Es ist ein Nachbarstaat mit
Atombomben, und seine Militärausgaben steigen seit zwölf
Jahren. Er wird allmählich zu einer beträchtlichen
Bedrohung.» Später erklärte das Außenministerium,
die chinesischen Militärausgaben stiegen sogar schon seit 17
Jahren. Die Regierung in Peking nannte Asos Äußerungen
verantwortungslos.
«Es ist in höchstem Maße verantwortungslos vom
japanischen Außenminister, solche Äußerungen zu
tätigen», sagte ein Sprecher des chinesischen
Außenministeriums. «Wir würden wirklich gerne seine
wahren Motive dafür erfahren, zu dieser Zeit grundlos eine
'chinesische Bedrohung' zu beschwören.» In einem am
Donnerstag veröffentlichten Bericht des chinesischen Kabinetts
wurde betont, China stelle keinerlei Bedrohungen für seine Nachbarn
dar: «China hat in der Vergangenheit keine Hegemonialstellung
angestrebt, tut es jetzt nicht und wird es auch künftig nicht tun,
wenn es stärker wird.»
Asos Äußerungen waren die bislang deutlichsten von
japanischer Seite zur chinesischen Aufrüstung. Für
Außenstehende sei nur schwer festzustellen, wozu China das Geld
ausgebe, sagte der japanische Außenminister. Das schüre
Ängste. Ähnlich haben sich auch schon die USA
geäußert.
Die Beziehungen zwischen Japan und China haben sich in den vergangenen
Jahren ständig verschlechtert. Gestritten wird dabei über die
japanische Besatzung Chinas in den 30er Jahren und während des
Zweiten Weltkriegs, über die Nutzung des Meeres und auch
Gebietsansprüche.
Angeheizt wurde der Streit unter anderem durch wiederholte Besuche des
japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi am
Yasukuni-Schrein. Dort werden die japanischen Kriegstoten geehrt,
darunter mehrere wegen Kriegsverbrechen in China und anderen
Nachbarstaaten hingerichtete japanische Militärs. Die japanische
Regierung wies am Donnerstag Spekulationen zurück, sie plane, ein
alternatives Denkmal für die Kriegstoten zu errichten. Unter der
amtierenden Regierung werde kein Geld für solche Überlegungen
zur Verfügung gestellt werden, sagte Regierungssprecher Shinzo Abe.
(Quelle: ap)
Morales laut offiziellem Teilergebnis mit 54,1 Prozent direkt zum
Präsidenten gewählt
Fr.23.12.05 - In Bolivien ist der linksgerichtete Indio-Kandidat Evo Morales nach
amtlichen Ergebnissen direkt zum Präsidenten gewählt worden.
Auf den 46-jährigen Führer der Koka-Bauern entfielen laut
Wahlkommission 52,8 Prozent der Stimmen. Eine Stichwahl ist damit nicht
nötig.
Sein konservativer Gegenkandidat, der frühere Präsident Jorge
Quiroga, kam demnach auf 28,6 Prozent. Der Unternehmer Samuel Doria
Medina erlangte den Angaben zufolge 7,8 Prozent der Stimmen.
Hochrechnungen hatten den linksgerichteten Morales schon am Tag der Wahl
bei über 50 Prozent gesehen; der Sieger erklärte sich zum
ersten indianischen Staatschef des Andenlandes.
(Quelle: dpa)
Nach Rebellenangriff regionaler Ausnahmezustand in Peru verhängt
Fr.23.12.05 - Als Reaktion auf die Tötung von acht Polizisten in Peru hat
Staatspräsident Alejandro Toledo am Mittwochabend (Ortszeit)
über die Region Alto Huallaga den Ausnahmezustand verhängt. In
insgesamt sechs Provinzen der Region gilt demnach für 60 Tage der
Ausnahmezustand. Vier der Provinzen liegen im Departamento
Huánuco, wo mutmaßliche Mitglieder der maoistischen
Untergrundgruppe Leuchtender Pfad am Dienstag die Polizisten erschossen
hatten. Anfang Dezember hatten Rebellen in der Region der Polizei
zufolge fünf weitere Sicherheitskräfte getötet.
(Quelle: afp)
Deutsche Behörden haben laut Bericht Foltermethoden in Kauf
genommen
Generalbundesanwalt sieht keinen Anlass zu weiteren Folter-Ermittlungen
Fr.23.12.05 - Deutsche Behörden haben laut einem früheren Terrorfahnder von
Foltergeständnissen libanesischer Gefangener profitiert.
Wochenlang sollen deutsche Behörden gezielt mit dem libanesischen
Militärgeheimdienst zusammengearbeitet haben, berichtete das
ARD-Magazin «Kontraste» am Donnerstag unter Berufung auf
den ehemaligen BKA-Terrorfahnder Ralph Trede, der den Austausch von
Fragenkatalogen zwischen den Diensten der Länder organisiert habe.
Die Antwort auf die Fragen der deutschen Seite seien in einem
Militärgefängnis vom libanesischen Dienst unter Folter
eingetrieben worden, sagte Trede. Die Opfer seien auf Grund deutscher
Erkenntnisse festgesetzt worden. Auch der deutsche Staatsschutz sei vor
Ort gewesen, um die Gefangenen zu befragen; die Misshandlungen seien
den Beamten bekannt gewesen.
Generalbundesanwalt Kay Nehm sieht indes keinen Grund zu Ermittlungen.
Nehm bestätigte laut einem Bericht des «Kölner
Stadt-Anzeigers» (Freitagausgabe), dass Trede mehrmals einen
Folterverdacht geäußert habe und er vom Bundeskriminalamt
(BKA) im Oktober 2004 darüber informiert worden sei. BKA-Beamte
hätten bei einer Vernehmung am 11. Dezember 2002 im Libanon von
Foltervorwürfen erfahren. Zu weiteren Ermittlungsmaßnahmen
bestehe derzeit kein Anlass, da sich Trede nicht genauer
geäußert habe. In einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung
im August 2005 habe der Beamte die Foltervorwürfe «nicht
konkretisiert». Nach Ansicht Nehms beruhen die von Trede
«aufgestellten Folterindikatoren ausschließlich auf
Schlussfolgerungen».
Der Fahnder warf dem früheren Bundesinnenminister Otto Schily
(SPD) und der im Amt gebliebenen Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries (SPD) vor, von den Vorgängen seit November 2004 gewusst zu
haben, aber untätig geblieben zu sein. Auch seine Vorgesetzten im
BKA, die Bundesanwaltschaft sowie weitere Stellen seien untätig
geblieben, obwohl er sie selbst informiert habe, sagte der Fahnder.
Auch die Spitzen der damaligen Bundestagsfraktionen habe er
angeschrieben.
Führende Innenpolitiker wollen den Fall im Bundestag zur Sprache
bringen. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck
forderte von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
Aufklärung. Tredes Bericht «hätte beim BKA zu
Reaktionen führen müssen», sagte Beck der Zeitung.
«Stattdessen gibt es eine obskure Geschichte wegen der Abrechnung
von Tredes Handy-Kosten. Es deutet einiges darauf hin, dass hier
jemend, nur weil er das Richtige getan hat, aber irgendwie stört,
auf diese Art und Weise diszipliniert oder gemobbt werden soll.»
(Quellen: ap, dpa)
Kaufkraft 2005 um 1,5 Prozent gesunken
Fr.23.12.05 - Die Kaufkraft in Deutschland ist nach Berechnungen der Nürnberger
GfK in diesem Jahr um 1,5 Prozent gesunken. Für das kommende Jahr
rechnen die Konsumforscher mit einem minimalen Anstieg um 0,1 Prozent
auf 17 600 Euro.
Das berichtete das Wirtschaftsmagazin «Capital» in
Köln aus der Kaufkraftstudie 2006. Die kaufkräftigsten
Bürger Deutschlands sitzen im hessischen Hochtaunuskreis mit einem
verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen von 25 100 Euro. Auf den
Plätzen zwei und drei folgen der südbayerische Landkreis
Starnberg (24 950 Euro) und der ebenfalls vor den Toren Frankfurts
liegende Main-Taunus-Kreis (24 200 Euro).
Der Wohlstand in Deutschland ist den Angaben zufolge höchst
unterschiedlich verteilt. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung
verläuft zwischen Ost- und Westdeutschland nach wie vor ein tiefer
Graben. So müssen die Menschen im vorpommerschen Kreis
Uecker-Randow, dem Schlusslicht aller 439 deutschen Städte und
Landkreise, mit 12 050 Euro pro Person auskommen. Das ist nicht einmal
halb so viel wie in den reichen West-Regionen. Kein einziger Landkreis
in den neuen Ländern erreicht den Bundesdurchschnitt, die
schwächsten 20 Regionen auf der Rangliste liegen ausnahmslos im
Osten.
Selbst die so genannten Vorzeigestädte in Ostdeutschland belegen
hintere Ränge: Dresden landet auf Platz 302, Jena auf 309, Leipzig
sogar auf 350 und damit deutlich hinter München, Hamburg, Köln
oder Stuttgart. Auch bei der Betrachtung der Bundesländer zeigt
sich dieses West-Ost-Gefälle: Spitzenreiter ist Hamburg mit 19 000
Euro Pro-Kopf-Einkommen vor Hessen mit 18 950 Euro und Bayern mit 18
850 Euro. Auf den fünf letzten Plätzen liegen die fünf
neuen Länder. Das Schlusslicht bildet Mecklenburg-Vorpommern mit
14 050 Euro.
Das Einkommen der Bürger spiegelt laut GfK den Rückstand der
neuen Bundesländer nur bedingt wider. 25 Prozent der gesamten
Binnennachfrage des Ostens gehen auf das Konto der Milliardentransfers
aus den alten Ländern. «Es gibt eine große Lücke
zwischen Leistungskraft und Lebensstandard, die wir uns angesichts
klammer Staatsfinanzen nicht mehr lange leisten können»,
zitiert «Capital» Joachim Ragnitz, Strukturökonom beim
Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Seiner Meinung nach
wird der Osten bei der Kaufkraft im Vergleich zum Westen noch weiter
zurückfallen.
(Quelle: dpa)
Scharfe Kritik aus der CSU-Fraktion an Stoiber
Fr.23.12.05 - Trotz gegenteiliger Appelle gärt in der CSU weiter der Unmut
über Parteichef und Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der
unterfränkische CSU-Landtagsabgeordnete Sebastian von Rotenhan
macht in einem am Donnerstag in Rentweinsdorf veröffentlichten
Weihnachtsbrief an Parteifreunde seinem Ärger über den
Regierungschef und dessen Verhalten im zu Ende gehenden Jahr Luft.
Stoiber solle nicht zu sicher sein, dass er bei der Landtagswahl 2008
noch einmal als Spitzenkandidat aufgestellt werde. «Das bestimmt
immer noch die Partei», warnte der Abgeordnete. Und die werde sich
für denjenigen entscheiden, der ein Ergebnis von 50 Prozent plus X
sichern könne. Rotenhan warf Stoiber vor, die Chance zur
Selbsterneuerung verpasst zu haben. «Es glaubt doch kein Mensch,
dass in der Staatskanzlei nun ein neues Zeitalter beginnt»,
kritisiert er.
«Mit großer Sorge» betrachte er die Lage in Bayern.
«Auch wenn man in Staatsregierung, Partei und Fraktion so tut, als
sei nichts gewesen und zur Tagesordnung aufruft, so sprechen anhaltende
Missfallenskundgebungen aus der Bevölkerung und von der
Parteibasis eine andere Sprache», stellt der Abgeordnete fest.
Stoibers Hin und Her zwischen Berlin und München könne niemand
nachvollziehen.
(Quelle: ddp)
Bei Rückführung von Ausländern muss Kindeswohl beachtet
werden
Fr.23.12.05 - Bei einer geplanten Rückführung eines Ausländers in sein
Heimatland müssen die Bindungen zu seinem in Deutschland lebenden
Kind angemessen berücksichtigt werden. Mit dieser Entscheidung hat
das Bundesverfassungsgericht am Donnerstag die Rückführung
eines Mannes aus dem Kosovo vorläufig verhindert, dessen
fünfjährige Tochter in Deutschland lebt und zu der er
regelmäßig Kontakt hat.
Der aus dem Kosovo stammende Mann hat aus einer inzwischen geschiedenen
Ehe eine Tochter. Das Sorgerecht liegt bei der deutschen Mutter, aber er
hat alle zwei Wochen Umgang mit seinem Kind und telefoniert
regelmäßig mit ihm. Der serbisch-montenegrinische Vater lebt
und arbeitet in einer anderen Stadt. Die Verlängerung seiner
Aufenthaltsgenehmigung wurde abgelehnt. Da er geschieden sei und kein
Sorgerecht habe, bestehe keine familiäre Lebensgemeinschaft mit
seiner Tochter, entschieden die Verwaltungsgerichte. Bei einem nur alle
zwei Wochen stattfindenden Umgang und Telefongesprächen könne
von einer familiären Lebensgemeinschaft nicht gesprochen werden,
erklärte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof.
Eine Kammer des Zweiten Senats beanstandete die Gerichtsentscheidungen
als Verstoß gegen das Elternrecht. Bei aufenthaltsrechtlichen
Entscheidungen sei maßgeblich auch auf die Sicht des Kindes
abzustellen. Es müsse im Einzelfall geprüft werden, ob
tatsächlich eine persönliche Verbundenheit zwischen Vater und
Tochter bestehe.
Die Verwaltungsgerichte hätten dagegen nur anhand abstrakter
Kriterien entschieden. Zu berücksichtigen sei auch, dass bei einer
Rückkehr in den Kosovo ein Abbruch des persönlichen Kontakts
zu dem Kind drohe. Bei der Reform des Kindschaftsrechts im Jahr 1997 sei
aber die Beziehung jedes Elternteils zu seinem Kind als
grundsätzlich schutz- und förderungswürdig anerkannt
worden. Das müsse Auswirkungen auf die Auslegung
ausländerrechtlicher Bestimmungen haben.
Der Fall wurde zu neuer Entscheidung an den Verwaltungsgerichtshof
Regensburg zurückverwiesen.
(Aktenzeichen: Bundesverfassungsgericht 2 BvR 1001/04)
(Quelle: ap)
Nur Rauchverzicht schützt Kinder vor Passivrauchen
Fr.23.12.05 - Nur ein Rauchverzicht in Räumen, die von Kindern mitbewohnt
werden, kann diese vor den Gefahren des Passivrauchens schützen.
Darauf wies am Donnerstag in Köln die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung hin. Etwa zwei Drittel aller Sechs- bis
Dreizehnjährigen lebten in einem Haushalt, in dem mindestens eine
Person rauche. Mit einem neuen Fernseh-Spot will die BZgA deutlich
machen, dass die gesundheitlichen Schäden bei Kindern noch
schwerwiegender sind als bei Erwachsenen: Der Spot zeige ein
Mädchen, das zu Hause mitrauchen müsse. Der Vater inhaliere
den Rauch einer Zigarette, das Kind atme ihn aus.
«Der elterliche Raucherhaushalt ist die Hauptquelle für die
kindliche Tabakrauch-Belastung, und Tabakrauch ist der mit Abstand
gefährlichste und am weitesten verbreitete
Innenraum-Schadstoff», erklärte die BZgA. Passivrauchen kann
der Behörde zufolge zu den gleichen Gesundheitsschäden wie
Rauchen führen, nämlich Augenreizungen, Husten, Heiserkeit,
Halsschmerzen und Übelkeit. Zu den langfristigen Folgen
könnten Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
gehören.
(Quelle: ap)
BUND zieht wenig erfreuliche Umweltbilanz 2005
Fr.23.12.05 - Eine wenig erfreuliche Bilanz hat der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) für das ablaufende Jahr gezogen:
«In der Umweltpolitik wurde 2005 viel Zeit verloren»,
resümierte die Vorsitzende der Organisation, Angelika Zahrnt, am
Donnerstag in Berlin. «Klimaerwärmung,
Flächenversiegelung und Artensterben gingen ungebremst
weiter.» Kritisch bewertete die BUND-Vorsitzende auch, dass es bis
zu den Neuwahlen eine lange Zeit des politischen Stillstands gegeben
habe.
Bereits jetzt gelte 2005 als das heißeste, stürmischste und
trockenste Jahr seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen,
erklärte die BUND-Vorsitzende weiter. In den zurückliegenden
zwölf Monaten seien weltweit 13 Millionen Hektar Tropenwald
vernichtet und rund 20.000 seltene Tier- und Pflanzenarten
ausgelöscht worden.
Allein in Deutschland seien in diesem Zeitraum zudem rund 30.000 Hektar
Fläche neu versiegelt und über 800 Millionen Tonnen
Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen worden. Hinzu kämen
EU-weit 400.000 Tonnen Feinstaub aus dem Verkehr und rund eine Million
Tonnen gefährlicher Chemikalien, die die Gesundheit der Menschen
zusätzlich belastet hätten. Auch das für 2005 anvisierte
Ziel, die Kohlendioxidemissionen gegenüber 1990 um 25 Prozent zu
reduzieren, habe Deutschland um fast zehn Prozent verfehlt.
Als Lichtblicke bewertete Zahrnt hingegen das In-Kraft-Treten des
Kyoto-Klimaschutz-Abkommens und den Start der UN-Initiative zum Schutz
des Wassers Anfang 2005. Auch die Sicherung von 125.000 Hektar ehemals
militärisch oder von der Braunkohleindustrie genutzter Flächen
für den Naturschutz und neue Gesetze zur Hochwasservorsorge und
zur Sicherung gentechnikfreier Lebensmittel zählten nach
Auffassung der Umweltschützer zu den «wenigen Highlights des
Jahres».
Hoffnung setzen die Umweltschützer nun in das stärkere
globale Interesse am Klimaschutz, das durch die verheerenden Hurrikans
wie «Katrina» und die schweren Überschwemmungen in
Europa ausgelöst worden sei.
Die neue Bundesregierung signalisiert nach Ansicht der
BUND-Vorsitzenden umweltpolitisch bislang allerdings «leider
nichts Gutes». An die Politiker appellierte Zahrnt, die bereits
beschlossene Verbesserung der Haltungsbedingungen für Legehennen
nicht wieder abzuschaffen und sich für eine tiergerechte Haltung
aller landwirtschaftlicher Nutztiere einzusetzen. «Auf keinen Fall
dürfen Parteien und Bundesregierung die ökologischen
Innovationen vernachlässigen.»
Im kommenden Jahr will der BUND nach eigenen Angaben neben den Themen
Gentechnik und Tierhaltung sein Hauptaugenmerk auf die Durchsetzung
einer wirksamen Klimaschutzpolitik legen. Weitere Schwerpunkte für
2006 seien die Sicherung der Biotopkette «Grünes Band»
entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze und der 20. Jahrestag
der Atomkatastrophe von Tschernobyl.
(Quelle: ap)
CDU-Vize Wulff stellt Atomausstieg in Frage
Fr.23.12.05 - CDU-Vize Christian Wulff hat den in der Koalitionsvereinbarung von
Union und SPD fortgeschriebenen Atomausstieg in Frage gestellt.
«Wir werden an den bisherigen Zeitplänen zur Abschaltung von
Kernkraftwerken nicht festhalten können», sagte er der
«Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». Angesichts steigender
Energiekosten müsse neu über die Nutzung der Atomkraft
nachgedacht werden. Laut Wulff hätten Unternehmen mit
energieintensiver Produktion ernste Probleme wegen hoher Stromkosten.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Kleinstpartikel in Atmosphäre kühlen Erde ab
Fr.23.12.05 - Kleinste Partikel in der Atmosphäre wie Staub oder Ruß
kühlen die Erde nach Messungen amerikanischer Forscher stärker
ab als bislang angenommen.
Bei der Verbrennung von Öl und Kohle werde zwar das Treibhausgas
Kohlendioxid freigesetzt, das ein maßgeblicher Grund für die
Erderwärmung sei, schreibt ein Team um Nicolas Bellouin vom
britischen Hadley Centre in Exeter im Fachjournal «Nature»
(DOI: 10.1038/nature04348). Daneben entstünden aber auch feinste
Teilchen, die sich in der Luft verteilen. Sie zerstreuen und schlucken
das eingestrahlte Sonnenlicht.
Damit hätten diese so genannten Aerosole eine kühlende
Wirkung. Mit Hilfe von NASA-Satelliten habe dieser Effekt exakt gemessen
werden können.
(Quelle: dpa)
Chemische Vorstufen der Bausteine des Lebens in kosmischer Staubwolke
entdeckt
Fr.23.12.05 - Ein internationales Astronomenteam hat in einer Staubwolke um einen 375
Lichtjahre entfernten Stern Vorstufen der chemischen Grundbausteine des
Lebens entdeckt. Aus diesen Verbindungen - Acetylen und Cyanwasserstoff
- können unter bestimmten Bedingungen Bestandteile der DNA und
Aminosäuren entstehen, aus denen alle Eiweißverbindungen
aufgebaut sind. Die Verhältnisse in der Staubwolke ähnelten
denen in unserem Sonnensystem vor mehreren Milliarden Jahren, bevor auf
der Erde Leben entstand, erklären die Forscher um Fred Lahuis vom
Observatorium in Leiden (NL). Über die Forschungsergebnisse
berichtet das Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde
Nasa in Pasadena.
Die Wissenschaftler hatten mit Infrarot-Teleskop Spitzer, das seit 2003
nahe der Erde um die Sonne kreist, etwa hundert junge Sterne beobachtet
und die chemische Zusammensetzung der umgebenden Staubwolken untersucht.
Einen derartigen Cocktail großer Mengen organischer Verbindungen,
der neben Acetylen und Cyanwasserstoff auch Kohlendioxid enthielt,
fanden sie jedoch nur bei dem IRS 46 genannten Stern. Der Staub
umkreist den Stern als eine flache Scheibe und könnte künftig
einmal Planeten ähnlich wie in unserem Sonnensystem bilden.
Aus den Substanzen könnten die chemischen Grundbausteine des
Lebens entstehen, erklärt Geoffrey Blake, einer der beteiligten
Wissenschaftler: Gibt man Cyanwasserstoff, Acetylen und Wasser in ein
Reagenzglas und lässt sie reagieren, entstehen unter anderem
mehrere der 20 Aminosäuren, aus denen sich die
Eiweißverbindungen zusammensetzen. Auch könnte sich daraus
eine der vier Basen bilden, die das Erbgutmolekül DNA bilden.
Aus solchen im planetarischen Staub enthaltenen Substanzen ist
wahrscheinlich auch das Leben auf der Erde entstanden, vermuten
Wissenschaftler schon länger. Die organischen Verbindungen
könnten mit Kometen auf die Erde gelangt oder mit dem kosmischen
Staub in die Atmosphäre gerieselt sein.
(Quelle: ddp)
NASA-Sonde mit Kometenstaub kehrt heim
Fr.23.12.05 - Die US-Weltraumbehörde NASA wartet mit Spannung auf die
Rückkehr einer Weltraumsonde mit Kometenstaub an Bord.
«Stardust» soll nach einer 4,6 Milliarden Kilometer langen
Reise durch das Weltall am 15. Januar in der Wüste des
US-Bundesstaates Utah landen, teilte die NASA in Washington mit.
Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss über die Entstehung des
Sonnensystems. Die einen Meter breite Sonde war 1999 ins All geschossen
worden und flog im Abstand von 240 Kilometern an dem Kometen «Wild
2» in der Nähe des Planeten Pluto vorbei.
Die Sonde soll die Kapsel mit den Staubpartikeln in den frühen
Morgenstunden des 15. Januar in Erdnähe abstoßen. Nach den
Planungen dringt die Kapsel in 125 Kilometern Höhe über dem
Pazifik in die Erdatmosphäre ein und soll an Fallschirmen zur Erde
gleiten. Ein ähnliches Manöver war im September 2004
danebengegangen. Damals stürzte die «Genesis»-Kapsel
mit Sonnenstaub-Partikeln an Bord ungebremst zu Boden, weil der
Fallschirm sich nicht öffnete. Entgegen ersten Befürchtungen
wurden einige der Kollektoren bei dem Aufprall jedoch nicht
zerstört.
(Quelle: dpa)