Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Ehemaliger irakischer Ministerpräsident Allawi erhebt schwere
Betrugsvorwürfe nach Parlamentswahl. Präsident Talabani
für Regierung der nationalen Einheit. Sechs Iraker und zwei
US-Soldaten bei Anschlägen getötet. Südkorea zieht 1.000
Soldaten aus dem Irak ab
Sa.31.12.05 - Bei der Parlamentswahl im Irak Mitte Dezember hat es nach Ansicht des
ehemaligen Ministerpräsidenten Ijad Allawi schwerwiegende
Manipulationen gegeben. Ganze Lastwagenladungen voller Wahlurnen seien
zugunsten der bisher regierenden Schiitenkoalition ausgetauscht worden,
sagte der Spitzenkandidat der Irakisch-Nationalen Liste der
"Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagsausgabe) in Amman. Auch im
kurdischen Norden sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen.
Stimmenanteile von mehr als 90 Prozent in manchen Wahllokalen für
eine Koalition oder Partei seien kein demokratisches Ergebnis. "Die
Sunniten drohen mit einem Boykott des Parlaments, sollten die
Betrugsvorwürfe nicht aufgeklärt werden", sagte Allawi.
Angesichts der anhaltenden Proteste gegen die Teilergebnisse der
irakischen Parlamentswahl hat sich Präsident Dschalal Talabani
für eine Regierung der nationalen Einheit ausgesprochen. "Die
kurdische Koalition und die schiitische Allianz sind für das
Prinzip einer Regierung der nationalen Einheit", sagte Talabani nach
einem Treffen mit dem Vorsitzenden der größten
Schiitenpartei SCIRI, Abdel Asis Hakim.
Die Einbeziehung anderer Parteien setze allerdings programmatische
Übereinstimmungen voraus, sagte Präsident Talabani.
Insbesondere müssten sich alle an der Regierung beteiligten
Parteien in der Ablehnung des Terrorismus einig sein. Hakim pries die
"strategische Allianz" zwischen seiner Schiiten-Partei und den Kurden.
Sie sei "gegen niemanden" gerichtet.
Mit dem Treffen wollte der Kurde Talabani zur Schlichtung des Streits
um die Ergebnisse der Parlamentswahl beitragen. Vor allem weltliche
Schiiten und Sunniten protestieren gegen die bislang bekannten
Ergebnisse der Wahl vom 15. Dezember und sprechen von Wahlbetrug
zugunsten der religiösen Schiiten. Demnach hat die
größte schiitische Partei, die religiöse Vereinigte
Irakische Allianz, die Wahl gewonnen. Die religiösen Schiiten
weisen die Vorwürfe zurück. Aus Protest gegen die Wahl gehen
fast täglich tausende Menschen im Irak auf die Straße. Das
Endergebnis der Wahl soll frühestens kommende Woche
veröffentlicht werden.
Bei zwei Anschlägen in Bagdad sind am Freitag sechs Iraker
getötet und 23 weitere verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte,
zündete ein Selbstmordattentäter in der Nähe einer
Polizeipatrouille eine Autobombe und riss drei Menschen in den Tod.
Drei weitere starben bei einer Mörserexplosion auf einem Markt in
der Innenstadt. Die Gewalt kostete außerdem zwei US-Soldaten das
Leben, wie die Streitkräfte mitteilten.
Einer der Soldaten wurde demnach während seiner Patrouille am
Freitag bei einer Bombenexplosion in Bagdad getötet. Der zweite
erlag am Donnerstag in Falludscha Schussverletzungen.
Vor den Tankstellen in Bagdad bildeten sich unterdessen lange
Schlangen, weil eine Benzinknappheit befürchtet wurde. Das
Ölministerium teilte am Freitag mit, die größte
Raffinerie des Landes sei bereits am 18. Dezember aus
Sicherheitsgründen geschlossen worden. Die Raffinerie in Beidschi
habe täglich sieben bis acht Millionen Liter Benzin geliefert,
sagte Ölminister Ibrahim Bahar el Ulom.
Das südkoreanische Parlament billigte unterdessen das Vorhaben der
Regierung, 1.000 der 3.200 Soldaten aus dem Irak abziehen. Ohne die
Abstimmung wäre das militärische Engagement Seouls zum
Jahresende ausgelaufen. Die ersten Truppen sollen im ersten Halbjahr
2006 abgezogen werden, sagte der Abgeordnete Ahn Young Keun von der
Regierungspartei Uri.
Südkorea stellte nach den USA und Großbritannien das
größte Truppenkontingent im Irak. Die Soldaten sind im
kurdischen Norden des Landes stationiert und werden zum Wiederaufbau
eingesetzt. Das Militärengagement wird von der südkoreanischen
Bevölkerung überwiegend abgelehnt.
(Quellen: afp, ap)
'Sie haben mich benutzt'
Entführungsfall Osthoff (I): Im ZDF-Interview äußerte
sich die Freigelassene nicht so wirr, wie manche Medien glauben
machten. Schwere Beschuldigungen an »die Deutschen«... Mehr
in 'junge Welt' vom 31.12.05:
http://www.jungewelt.de/2005/12-31/014.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. bis 31.12.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.31.12.04 - Wahlbeamte in Mossul offenbar komplett zurückgetreten +++
Rebellengruppen rufen zum Wahlboykott im Irak auf +++ Präsident der
irakischen Handelskammer entführt +++ Raffinerie in Bagdad nach
Rebellen-Angriff in Flammen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/k0412310.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
Di.30.11.04 - Im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl sind seit dem Angriff der
USA auf Afghanistan Ende 2001 fast 21.000 verwundete US-Soldaten behandelt
worden, wie die Klinik am Montag mitteilte. Das Landstuhl Regional
Medical Center ist das größte US-Militärhospital
außerhalb der USA. Dort werden zumeist Verwundete aus
Kampfhandlungen, aber auch sonstige Patienten versorgt. Bis Sonntag
seien insgesamt 17.878 US-Soldaten aus Irak und 3.085 aus Afghanistan
behandelt worden, sagte eine Krankenhaussprecherin auf Anfrage.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
Ein Jahr Bomben auf Bagdad: Sind die USA gescheitert?
Sa.20.03.04 - Längst beherrscht der Katzenjammer die Bush-Krieger, die sich
ihres Sieges nicht wirklich erfreuen können, weil die Probleme
größer denn je zuvor sind...
Analysen, Berichte und Interviews zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/k0403200.htm#040320_a
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Vier Polizisten bei Taliban-Anschlag in Südafghanistan getötet
Sa.31.12.05 - Taliban-Kämpfer haben bei einem Anschlag auf einen Kontrollposten
in der südafghanischen Provinz Helmand vier Polizisten
getötet. Sieben weitere Polizisten wurden nach Polizeiangaben
verletzt. Der Anschlag ereignete sich bereits am Donnerstagabend im
Bezirk Hasar Dschoft. Ein Sprecher der Taliban bekannte sich in einem
Anruf bei der Nachrichtenagentur AFP zu dem Attentat. Helmand ist eine
der Provinzen im Süden und Osten von Afghanistan, in die sich
besonders viele Aufständische zurückgezogen haben, nachdem die
US-geführte Koalition das Land Ende 2001 angegriffen und die
Taliban gestürzt hatte. Im Oktober waren dort neun Polizisten in
einem Hinterhalt getötet worden.
(Quelle: afp)
Hungerstreik im Gefangenenlager Guantánamo breitet sich aus
Sa.31.12.05 - Im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba haben
sich weitere 46 Häftlinge einem seit fünf Monaten dauernden
Hungerstreik angeschlossen. Die Männer verweigerten seit dem 1.
Weihnachtstag die Nahrungsaufnahme, berichteten US-Medien am Freitag
unter Berufung auf Militärsprecher.
Damit befänden sich jetzt 84 der rund 500 Insassen im
Hungerstreik. Seit dem Sommer verweigerten zeitweise bereits mehr als
120 Gefangene gleichzeitig die Nahrungsaufnahme.
Gut 30 seien auf die Krankenstation verlegt worden und würden
über Kanülen durch die Nase zwangsernährt, sagte
Oberstleutnant Jeremy Martin dem «Boston Globe». Die
Gefangenen verschiedener, überwiegend arabischer Nationalität
protestieren damit gegen ihre Haft. Menschenrechtsorganisationen
weltweit verurteilen die US- Praxis.
Die meisten der Männer wurden 2001 und 2002 in Afghanistan, im
Irak und in Pakistan aufgegriffen und werden seitdem ohne Anklage auf
dem Militärstützpunkt festgehalten. Einige Dutzend wurden in
ihre Heimatländer entlassen. Die Amerikaner verdächtigen die
Männer als Terroristen. Viele beteuern dagegen, sie seien
unschuldig und von Einheimischen, die dafür Kopfgeld erhielten, an
die Amerikaner ausgeliefert worden.
(Quelle: dpa)
US-Justizministerium ermittelt wegen Berichten über Lauschangriffe
Sa.31.12.05 - Das amerikanische Justizministerium hat Ermittlungen wegen der
Medienberichte über die umstrittene Abhöraktion des
Militärgeheimdienstes NSA aufgenommen. Aus Ministeriumskreisen in
Washington verlautete am Freitag, es solle herausgefunden werden, auf
welchem Weg die Informationen über die Lauschangriffe
weitergegeben wurden. Die Ermittlungen sollten sich auf die
Enthüllungen der «New York Times» konzentrieren, die
die Abhöraffäre am 16. Dezember aufgedeckt hatte.
Ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush begrüßte
die Aufnahme der Ermittlungen. «Die Weitergabe vertraulicher
Informationen ist eine ernste Angelegenheit», sagte Sprecher
Trent Duffy. Sie gefährde den Kampf gegen den Terrorismus.
Die «New York Times» hat ihren Artikel nach eigenen Angaben
ein Jahr lang zurückgehalten. Grund seien eine Bitte der Regierung
gewesen und der Wunsch, im Lauf der Zeit verschiedene Details der
Abhöraktion zu bestätigen.
Nach Angaben des Blattes hat die US-Regierung im großen Rahmen
Telefongespräche belauscht und E-Mails kontrolliert. Entgegen den
Beteuerungen von Präsident George W. Bush seien ohne richterliche
Genehmigung weite Kreise der Bevölkerung abgehört werden - in
der Hoffnung eine Spur zu Terroristen zu finden. Die Regierung sieht
die Lausangriffe durch Beschlüsse des Kongresses zum Kampf gegen
den Terrorismus gedeckt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinensische Polizisten stürmen Grenzübergang im
Gazastreifen. Islamischer Dschihad bekennt sich zu Anschlag im
Westjordanland. Jerusalemer Fatah-Bewerber ziehen Parlamentskandidatur
zurück
Sa.31.12.05 - Aus Wut über den Tod eines Kollegen haben am Freitag rund 100
palästinensische Polizisten den Grenzübergang zwischen dem
Gazastreifen und Ägypten gestürmt. Daraufhin flüchteten
Beobachter der EU, die den erst vor wenigen Wochen geöffneten
Kontrollpunkt beaufsichtigten, und der Grenzübergang wurde
vorübergehend geschlossen. Der Übergang sollte noch am
Freitagnachmittag wieder geöffnet werden, sagte ein Sprecher der
EU-Beobachter, Julio De La Guardia. Die Lage sei unter Kontrolle.
Anlass der Stürmung war ein Familienstreit, bei dem am Donnerstag
ein Polizist getötet wurde. Seine Kollegen wollten mit ihrer Aktion
verhindern, dass die Täter nach Ägypten flüchten. Sie
erklärten, sie hätten von ihren Vorgesetzten keine
Anweisungen zum Umgang mit dem Fall erhalten und müssten die Dinge
daher selbst in die Hand nehmen. Die Polizisten forderten die
Hinrichtung des Schützen, der ihren Kollegen tötete. Sie
sagten nach Angaben von Augenzeugen, kein Mitglied der
palästinensischen Regierung werde den Gazastreifen verlassen, bis
ihre Forderung erfüllt sei.
Der Grenzübergang wurde zunächst geschlossen, weil er nach
einer israelisch-palästinensischen Vereinbarung nur in Anwesenheit
der europäischen Beobachter arbeiten darf. Die Beobachter
flüchteten auf einen israelischen Stützpunkt in der Nähe
der Grenze, wie De La Guardia erklärte.
Der in Israel inhaftierte Fatah-Politiker Marwan Barghuti forderte die
Palästinenser auf, der Regierungspartei bei der Parlamentswahl im
Januar eine neue Chance zu geben. In einer Erklärung, die am
(heutigen) Samstag in palästinensischen Zeitungen
veröffentlicht werden sollt, entschuldigte sich Barghuti für
«die Fehler, die in den vergangenen Jahren begangen wurden».
Die Bevölkerung solle aber dennoch Vertrauen zur Fatah haben, die
allein die Schaffung eines demokratischen Staates garantieren
könne. Die radikalislamische Hamas, die bei den Kommunalwahlen gut
abgeschnitten hatte, solle ein «Partner» in einer neuen
Regierung sein, erklärte Barghuti.
Der palästinensische Polizeichef Alaa Husni drohte unterdessen,
gegen die Entführer von drei Briten im Gazastreifen Gewalt
einzusetzen. Die Männer seien Feinde des palästinensischen
Volkes und würden bald festgenommen, sagte Husni. Die Gruppe hatte
am Mittwoch in Rafah die 25-jährige Kate Burton und ihre Eltern
verschleppt. Forderungen gingen nach Angaben des Polizeichefs bisher
nicht ein.
Die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad hat
sich zu dem Selbstmordanschlag im Westjordanland mit vier Toten bekannt.
Der Anschlag sei von einem 19-jährigen Mitglied der
El-Kuds-Brigaden, verübt worden, verkündete die Organisation
am Freitag über Lautsprecher in dem Dorf Attil, aus dem der
Attentäter stammte. Ein Bekennerschreiben ging auch im Büro
der Nachrichtenagentur AFP in Gaza ein. Der Attentäter hatte sich
am Donnerstag an einem Kontrollpunkt nahe Tulkarem in die Luft gesprengt
und einen israelischen Soldaten und zwei Palästinenser mit in den
Tod gerissen. Der Islamische Dschihad hatte sich auch zu den anderen
Selbstmordanschlägen der vergangenen Wochen in Israel bekannt.
15 palästinensische Parlamentskandidaten aus Ostjerusalem haben
ihre Teilnahme an der Wahl am 25. Januar abgesagt. Die Bewerber der
regierenden Fatah-Partei begründeten den Rückzug ihrer
Kandidatur mit der Drohung Israels, die Bewohner Ostjerusalems an einer
Beteiligung an der Wahl in den Autonomiegebieten zu hindern. Die
israelische Regierung hatte dies damit begründet, dass sich die
radikalislamische Hamas an der Wahl beteiligen will. In den vergangenen
Tagen erklärten allerdings mehrere Regierungsbeamte,
möglicherweise werde den palästinensischen Bewohnern
Jerusalems eine Teilnahme an der Wahl doch gestattet. An früheren
Abstimmungen in den Autonomiegebieten konnten sich die
Palästinenser in Jerusalem per Briefwahl beteiligen oder in einem
der Wahllokale im Umland ihre Stimme abgeben.
(Quellen: ap, afp)
Israelische Passagiermaschinen erhalten Raketenabwehrsystem
Sa.31.12.05 - Die israelische Fluggesellschaft El Al wird sechs Passagiermaschinen in
den kommenden Tagen mit einem Raketenabwehrsystem ausrüsten. Dies
bestätigte ein Mitarbeiter des Verkehrsministeriums am Freitag. Das
System feuert Leuchtsignale ab, wenn sich Raketen nähern, um diese
vom Flugzeug abzulenken. Ausgestattet würden nur die Maschinen,
die in oder über Gebiete fliegen, in denen das Terrornetzwerk Al
Kaida aktiv war, sagte der Regierungsbeamte. Das System «Flight
Guard» wurde vor zehn Jahren für die israelische Luftwaffe
entwickelt. 2002 feuerten Rebellen in Kenia Raketen auf eine
israelische Passagiermaschine. Daraufhin beschloss die Regierung, auch
zivile Flugzeuge mit dem eine Million Dollar teuren System
auszurüsten.
(Quelle: ap)
Bis zu 26 Tote bei Räumung von Flüchtlingslager in Kairo
UN-Hochkommissar für Flüchtlinge entsetzt über den
Vorfall
Sa.31.12.05 - Ein brutaler Polizeieinsatz gegen ein Flüchtlingslager in Kairo
hat am Freitag bis zu 26 Menschen das Leben gekostet. Mehrere tausend
Sicherheitsbeamte stürmten im Morgengrauen das Behelfslager, das
vor drei Monaten vor einem Gebäude des Flüchtlingshilfswerks
UNHCR errichtet worden war. Unter den getöteten Flüchtlingen,
die aus dem Sudan stammten, waren auch mehrere Kinder. Der
UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres,
äußerte sich in Genf entsetzt über den Vorfall.
In einer offiziellen Erklärung des ägyptischen
Innenministeriums war von zwölf Toten die Rede, Mitarbeiter des
Ministeriums sprachen aber von 20 Todesopfern, darunter drei Kinder.
Ein Sprecher der Flüchtlingsgruppe, Boutrous Deng, gab die Zahl
der Toten sogar mit 26 an, darunter zwei Frauen und sieben Kinder. Die
Gruppe hatte zunächst von 15 Toten gesprochen. In dem Lager lebten
rund 2.000 sudanesische Flüchtlinge.
Das Innenministerium erklärte, die Räumung des Lagers sei
auch als Reaktion auf einen Hilferuf des UNHCR hin erfolgt. Das
Flüchtlingshilfswerk habe um Schutz gebeten, nachdem mit Angriffen
auf seine Büros und Mitarbeiter gedroht worden sei.
Die Flüchtlinge hatten das Lager Ende September errichtet, um
gegen eine Entscheidung des UNHCR zu protestieren. Die Organisation
hatte beschlossen, den Sudanesen wegen des Abschlusses eines
Friedensvertrages in ihrem Heimatland keinen Flüchtlingsstatus
mehr zu gewähren. Dieser ist für den Erfolg eines Antrags auf
politisches Asyl von entscheidender Bedeutung. Die Sudanesen forderten
eine Umsiedlung von Ägypten in ein Drittland.
Die Sicherheitskräfte setzten bei der Auflösung des Lagers
Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Reporter der Nachrichtenagentur
AP beobachteten, wie Beamte mit Gummiknüppeln auf die
Flüchtlinge einschlugen. In vielen Fällen schlugen die
Polizisten selbst dann noch zu, als die Lagerbewohner zu Bussen gezerrt
wurden, um sie abzutransportieren.
Das Ministerium wies den Flüchtlingen die Schuld zu.
«Versuche, die Flüchtlinge zum Verlassen des Geländes
aufzufordern, scheiterten», erklärte das Innenministerium.
Die Anführer hätten zu Angriffen gegen die
Sicherheitskräfte angestachelt. Als Folge der
Zusammenstöße sei es unter den Flüchtlingen zu einer
Massenpanik gekommen und sie seien davongerannt. Dabei seien 30 zumeist
ältere Leute und Kinder verletzt worden, von denen zehn
später in Krankenhäusern gestorben seien, berichtete das
Innenministerium.
Mitarbeiter der AP sahen dagegen nichts von einer Massenpanik. Die
Flüchtlinge konnten nicht davonrennen, weil das Lager von der
Polizei vollständig umzingelt war. Es war zu sehen, wie sich die
Flüchtlinge mit langen Stöcken, offenbar Stützen der
Lagerzelte, zur Wehr setzten. Astrid Van Genderen Stort, eine
Sprecherin des UNHCR in Kairo, sagte, es sei zu den
Zusammenstößen gekommen, nachdem die Polizisten mit
Schlagstöcken das Lager gestürmt hätten.
UN-Hochkommissar Guterres sprach von einer «schrecklichen
Tragödie». Für solche Gewalt gebe es keine
Rechtfertigung. Er drückte den Familien der Toten und Verletzten
sein Mitgefühl aus.
Das UNHCR hatte in der vorigen Woche eine Einigung mit einigen der
Flüchtlinge erzielt. Es erklärte sich bereit, einige der
Betroffenen noch einmal anzuhören und bot Einmalzahlungen für
eine Unterkunft an. Die meisten Flüchtlinge lehnten das Angebot
jedoch ab und beharrten auf einer Umsiedlung in ein anderes Land.
(Quelle: ap)
USA stellen Nahrungsmittelhilfen für Nordkorea ein
Sa.31.12.05 - Die USA haben die Lieferung von Nahrungsmitteln nach Nordkorea
eingestellt. Der Schritt sei eine Reaktion auf die Ankündigung
Nordkoreas, die Lebensmittelhilfen der Vereinten Nationen und anderer
Hilfsorganisationen künftig nicht mehr zu verteilen, sagte
US-Außenamtssprecher Adam Ereli am Donnerstag (Ortszeit). Ohne die
Garantie, dass die gelieferte Nahrung die Bedürftigen erreiche,
könne Washington die Hilfen nicht fortsetzen, sagte Ereli.
Nordkorea ignoriere die Bedürfnisse seiner Bürger und lasse
sie aus "unerklärlichen Gründen" verhungern. Von dem Schritt
seien hunderttausende unterernährte Menschen betroffen.
(Quelle: afp)
Fast 3000 Tote bei Gefechten auf Philippinen 2005
Sa.31.12.05 - Bei Zusammenstößen zwischen philippinischen Soldaten und
Mitgliedern verschiedener Rebellengruppen sind nach Armeeangaben in
diesem Jahr fast 3000 Menschen getötet worden. Das seien fast acht
Mal so viele wie noch 2004. Als Grund für den starken Anstieg
nannten die Streitkräfte die deutliche Zunahme von Gefechten mit
kommunistischen Aufständischen. Allein auf deren Seite habe es 2005
mehr als 1800 Tote gegeben.
(Quelle: dpa)
Sechs Tote bei Bombenanschlag in Indonesien
Sa.31.12.05 - Die Explosion einer Bombe hat am Samstag auf der indonesischen Insel
Sulawesi sechs Menschen in den Tod gerissen. Es gab 45 Verletzte in der
Stadt Palu, wie die Polizei mitteilte. Bei vielen Opfern soll es sich
um Christen handeln.
In Zentral-Sulawesi ist es in der Vergangenheit zu blutigen
Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen gekommen, die in
der Provinz jeweils rund die Hälfte der Bevölkerung stellen.
In den Jahren 2001 und 2002 eskalierte der Konflikt zu einem
Konfessionskrieg, der rund 1.000 Menschen das Leben kostete.
Der Polizeichef der Provinz, Oegroseno, erklärte, es sei noch zu
früh um etwa über den Hintergrund der Tat zu sagen. Die
Bombe, die auf einem belebten Markt hochging, habe Nägel und
Kugellager enthalten.
Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verurteilte den Anschlag und
wies die Polizei an, mögliche Zusammenhänge mit früheren
Gewalttaten gegen Christen auf der Insel zu untersuchen.
Im Oktober wurden in Zentral-Sulawesi drei Mädchen auf dem Weg zu
ihrer christlichen Schule überfallen und enthauptet, im Mai rissen
zwei Bomben in der Stadt Tentena 20 Menschen in den Tod.
(Quelle: ap)
Deutschland
Anleger machen Kasse - Dax legt 2005 rund 28 Prozent zu
Sa.31.12.05 - Zum Ausklang eines überaus erfolgreichen Börsenjahres haben
die Anleger am deutschen Aktienmarkt Kasse gemacht.
Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss am Freitag bei verkürztem
Handel 0,9 Prozent tiefer bei 5408,26 Punkten. Am Vortag war der
Leitindex mit knapp 5470 Zählern auf den höchsten Stand seit
viereinhalb Jahren geklettert. Börsianern zufolge bereinigten
Anleger zum Jahresende noch einmal ihre Portfolios und nahmen Gewinne
mit. "Die Kursbewegungen darf man auf keinen Fall überbewerten,
denn die Umsätze sind sehr, sehr dünn", sagte ein Händler.
Der Dax hat 2005 rund 28 Prozent an Wert gewonnen und entwickelte sich
damit besser als viele Aktienbörsen in Europa. Der Nebenwerteindex
MDax, der am Freitag den Handel 0,24 Prozent tiefer bei 7311
Zählern beendete, legte seit Jahresbeginn sogar um 35 Prozent zu.
Weniger gefragt waren bei den Anlegern Technologiewerte. Der
Technologieindex TecDaxstieg 2005 nur um knapp 15 Prozent.
Für 2006 sind die Anlageexperten zuversichtlich gestimmt. Im
Schnitt rechnen 29 von Reuters befragte Banken mit einem Anstieg des Dax
zum Ende des kommenden Jahres auf 5721 Punkte. Das wäre ein Plus
zum Schlussstand 2005 von sechs Prozent. Besonders die weiter
steigenden Unternehmensgewinne werden dem Leitindex nach
Einschätzung der Experten einen Schub geben.
Mit einem Abschlag von 2,5 Prozent auf 26 Euro setzten sich die Titel
der Commerzbank am Freitag an die Spitze der Dax-Verlierer. "Da
verkaufen einige Anleger offenbar noch einmal ein paar der Top-Werte des
Jahres, um Kasse zu machen", sagte ein Händler. Mit einem Kursplus
von 75 Prozent seit Jahresbeginn rangiert die Commerzbank nach der
Deutschen Börse auf Platz zwei der Dax-Gewinnerliste 2005. Die
Papiere des Frankfurter Börsenbetreibers gaben am letzten
Handelstag 0,2 Prozent auf 86,56 Euro nach. Auf Jahressicht verdoppelte
sich der Kurs der Deutsche-Börse-Aktie nahezu. Die Titel der
Deutschen Telekom, die mit einem Abschlag von rund 15 Prozent das
Schlusslicht im Dax 2005 sind, verloren am Freitag 0,2 Prozent auf 14,08
Euro.
Gefragt waren zum Wochenschluss die Aktien der Deutschen Lufthansa.
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber zeigte sich in einem Zeitungsinterview
optimistisch für 2006 und kündigte an, 2400 Mitarbeiter
einstellen zu wollen. Die Titel von Europas zweitgrößter
Fluggesellschaft verteuerten sich um 0,24 Prozent auf 12,51 Euro.
Größter Gewinner bei den Standardwerten waren die Titel des
Dax-Neulings Hypo Real Estate (HRE) mit einem Plus von 1,15 Prozent auf
knapp 44 Euro. Seit ihrer Aufnahme in den deutschen Leitindex am 19.
Dezember haben die Anteilsscheine des Immobilienfinanzierers unter
Verkaufsdruck gestanden. Allerdings waren die HRE-Aktien im Vorfeld der
Dax-Aufnahme gefragt.
Im MDax erholten sich die Aktien von Premiere weiter von ihrem
Kurseinbruch in der Vorwoche und stiegen um zwei Prozent auf 14,80 Euro.
Die Papiere waren um rund 40 Prozent gefallen, nachdem der
Bezahlfernseh-Sender bei der Vergabe der TV-Rechte für die
Fußball-Bundesliga leer ausgegangen war. Der Aktienkurs von
Premiere hat sich seit dem Börsengang Mitte März, als die
Titel zu 28,00 Euro zugeteilt worden waren, etwa halbiert.
Mit einem Plus von rund 2,4 Prozent auf 26,28 Euro ragten im MDax die
Titel von MTU Aero Engines heraus. Seit ihrem Börsendebüt im
Juni haben die Aktien des Triebwerksherstellers etwa 25 Prozent an Wert
zugelegt.
(Quelle: rtr)
Union geht bei Gesundheitsreform auf SPD zu
Sa.31.12.05 - In das Ringen der großen Koalition um eine Grundsatzreform der
Krankenversicherung kommt Bewegung. Die Union signalisierte am Freitag
erstmals, dass die Reform sowohl die gesetzliche als auch die private
Krankenversicherung einschließen könnte. Dies hatte die SPD
stets gefordert. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hält sich aber
weiter bedeckt. «Es gibt viele Vorschläge, die zu diskutieren
sind und über die politisch zu entscheiden ist», sagte eine
Ministeriumssprecherin.
Die Frage, wie die Krankenversicherung auf Dauer finanziert werden
kann, ist eines der großen Projekte für Schwarz-Rot im ersten
Halbjahr 2006. Bisher sind sich die Partner aber nur darin einig, dass
weder die von der Union gewünschte Gesundheitsprämie noch die
Bürgerversicherung der SPD konsensfähig sind. Wie der
«dritte Weg» aussehen könnte, ist offen.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der Union im Bundestag, Annette
Widmann-Mauz, ließ in der «Berliner Zeitung» Sympathie
für die «Bürgerpauschale» als Mischform beider
Modelle erkennen. Dies und ähnliche Modelle seien eine gute
Verhandlungsgrundlage, sagte die CDU-Politikerin. Das Modell sieht vor,
dass alle Bürger - ob nun in gesetzlichen oder privaten Kassen -
nach einheitlichen Kriterien versichert werden und eine vom Einkommen
unabhängige Pauschale zahlen.
Daraus ergibt sich die Einbeziehung der privaten Krankenversicherung,
die bisher in den Reformüberlegungen der Union stets ausgeklammert
war. «Ich halte eine systemübergreifende Reform für
denkbar, die nicht nur die gesetzlichen, sondern auch die privaten
Krankenkassen umfasst», sagte Widmann-Mauz. Sie betonte aber, dass
die Privatversicherung erhalten bleiben solle. Darüber hinaus
besteht die Union weiter darauf, dass die Beiträge
einkommensunabhängig werden. Die SPD hingegen will bei dem Prinzip
bleiben, dass sich die Höhe der Beiträge am Einkommen
ausrichtet.
Widmann-Mauz plädierte auch für eine Teilfinanzierung des
Gesundheitssystems aus Steuern, wie sie auch die Sozialpolitiker der SPD
wollen. «Es ist ein Illusion zu glauben, das Gesundheitswesen
könnte allein aus sich heraus reformiert werden», sagte sie
an die Adresse der Finanzpolitiker von Union und SPD, die dies ablehnen.
Das System benötige unter anderem wegen Alterung und medizinischem
Fortschritt mehr Geld. Die Eigenbeteiligung der Versicherten und
Patienten könne nicht mehr beliebig ausgeweitet werden.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung äußerte
unterdessen Kritik an der Gesundheitspolitik der großen Koalition.
KBV-Chef Andreas Köhler warnte vor einer «Zementierung der
chronischen Unterfinanzierung» des Gesundheitswesens. Zudem
kündigte er Widerstand gegen Pläne der Koalition für ein
neues Ärztevertragsrecht. «Wir als KBV werden auf der
politischen Ebene alles tun, um gegen die Knebelung der
niedergelassenen Ärzte anzugehen», sagte Köhler.
Er drohte damit, notfalls das gesamte Organisationssystem der
Kassenärzte aufzulösen, darunter die Pflichtmitgliedschaft in
den Kassenärztlichen Vereinigungen und die Sicherstellung der
flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung, die den KVen
obliegt.
Auch das geplante Arzneimittel-Sparpaket der Regierung lehnt die KBV
ab. Die Pläne, Ärzten bei zu teuren Verordnungen das Honorar
zu kürzen, verschlechterten die Versorgung.
(Quelle: ap)
Innenminister Schäuble beharrt auf Bundeswehreinsatz bei WM
Sa.31.12.05 - Ein Einsatz der Bundeswehr während der Fußball-WM ist weiter
heftig umstritten. Innenminister Wolfgang Schäuble appellierte am
Freitag erneut an die Kritiker in der Koalition, ihren Widerstand
aufzugeben. «In einer freiheitlichen Demokratie können wir es
nicht verantworten, den Bürgern möglichen Schutz zu
verweigern», sagte der CDU-Politiker. Die Grünen nannten
Schäubles Forderung abwegig und erklärten: «Die
Bundeswehr ist für Aufgaben der Inneren Sicherheit weder
ausgerüstet noch ausgebildet.»
Der Innenminister sagte der «Bild am Sonntag», bei
sportlichen Großereignissen müsse man Vorsorge treffen.
«Und dazu gehört für mich auch die Möglichkeit, die
Bundeswehr im Inland einzusetzen, wenn sich die Sicherheitslage
verschärft.» Ein Sprecher des CDU-geführten
Verteidigungsministeriums wies darauf hin, dass die Bundeswehr exekutive
und hoheitliche Aufgaben im Innern nur wahrnehmen dürfe, wenn
zuvor eine entsprechende gesetzliche Regelung geschaffen werde.
Schäuble erklärte, Deutschland befinde sich ähnlich wie
die USA oder Großbritannien im Visier des internationalen
Terrorismus. Daher mache er sich «schon Sorgen, ob wir mit den
Kapazitäten unserer Polizei an Grenzen stoßen». Die WM
stelle Deutschland vor eine neue Dimension der Herausforderung:
«In mehr als 20 Städten werden sich Zehntausende vor
Großleinwänden versammeln, um die Spiele anzuschauen. So
etwas hat es noch nicht gegeben.» Er wolle aber keine Panzer vor
Fußballstadien postieren, stellte der Innenminister klar. Die
Bundeswehr könne andere Objekte wie etwa Botschaften schützen.
In Richtung des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten
Kurt Beck (SPD) sagte Schäuble, dieser müsse sich
«wirklich nicht die Sorge machen, dass Deutschland sich zur WM als
Diktatur präsentieren könnte». Man werde alles daran
setzen, «dass die WM nicht unter dem Aspekt der Gefahrenabwehr
wahrgenommen wird, sondern in einer heiteren Grundstimmung
verläuft».
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im
Bundestag, Volker Beck, erklärte, seien Partei lehne den Einsatz
der Bundeswehr im Inneren über das in der Verfassung vorgesehene
Maß hinaus ab. Schäubles «gebetsmühlenartig
wiederholte Forderung» nach einer Ausweitung sei angesichts der
Ablehnung der Opposition, des Koalitionspartners und des
Verteidigungsministers aus seiner eigenen Partei «wohl auch nicht
besonders aussichtsreich».
Beck betonte, die verschiedenen Bereiche der Sicherheit seien strikt
voneinander zu trennen. «Das gilt gleichermaßen für die
Trennung von Geheimdiensten und Polizei wie für Beibehaltung der
klaren Unterscheidung der Aufgaben von Polizei und Militär.»
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte Mitte der Woche
betont, wenn bei der Fußball-WM eine Katastrophenlage eintrete,
werde die Bundeswehr «selbstverständlich» helfen, so
wie sie auch jüngst bei der Schneekatastrophe in NRW. Doch
könne die Bundeswehr stets nur dafür eingesetzt werden,
wofür ihre Soldaten ausgebildet seien und wo ein Auftrag
gemäß der Verfassung bestehe. Dazu gehöre neben der
Landesverteidigung die Hilfe bei Naturkatastrophen und schweren
Unglücksfällen sowie Auslandseinsätze.
Auch der Bundeswehrverband und die Gewerkschaft der Polizei (GdP)
hatten jüngst darauf hingewiesen, dass Soldaten für
Polizeiaufgaben gar nicht ausgebildet sind. Zudem bezweifelte der
Bundeswehrverband, dass ein solcher Schritt gesellschaftlich
vermittelbar wäre und die nötige politische Mehrheit erhielte.
Die GdP erklärte, die gestiegene Bedrohung durch den Terrorismus
erfordere polizeiliche Antworten.
(Quelle: ap)
Hohe Kinderlosigkeit in Deutschland weltweit einmalig
Sa.31.12.05 - In deutschen Haushalten leben laut einer Studie mittlerweile mehr
Ehepaare ohne Kinder als mit Kindern zusammen.
Im europäischen Vergleich gehöre Deutschland zu den
Ländern mit der geringsten Haushaltsgröße, dem
höchsten Anteil allein Lebender und dem geringsten Anteil an
Haushalten mit Kindern, heißt es in dem am Donnerstag
erschienenen «Familienreport 2005» der CDU-nahen Konrad-
Adenauer-Stiftung. Ein Drittel der Frauen und Männer eines
Jahrgangs blieben zeitlebens kinderlos. Damit sei Deutschland weltweit
einmalig.
Trotz des Rückgangs von Ehepaaren mit Kindern würden die
meisten Kinder bei ihren verheiratet zusammenlebenden Eltern
aufwachsen. 75 Prozent aller Eltern-Kind-Gemeinschaften sind nach
Angaben der Studie miteinander verheiratete Eltern mit Kindern. Immer
weniger Menschen entschieden sich jedoch zu einer Eheschließung.
Auch der Kinderwunsch der Deutschen sei deutlich zurückgegangen.
Jedes achte in Deutschland geborene Kind habe Eltern mit
ausländischer Staatsangehörigkeit. In einigen
Großstädten hätten bereits mehr als 40 Prozent der
Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund.
Auf Grund der niedrigen Geburtenrate schrumpfe und altere die
Bevölkerung. Im Jahr 2050 wird nach Angaben der Studie jeder
dritte Deutsche älter als 65 Jahre sein. Die Zahl der unter
20-Jährigen sinke von jetzt 21 auf 16 Prozent. Durchschnittlich
lebten Senioren in Deutschland bis zu ihrem 80. Lebensjahr in ihren
Privathaushalten.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Komplikationen bei Abtreibungspille?
Sa.31.12.05 - Ein Schwangerschaftsabbruch mit der so genannten Abtreibungspille RU
486 ist möglicherweise nicht so sanft und sicher wie häufig
angenommen: Das sagen zwei US-Medizinerinnen nach der Analyse einer
Datenbank der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, die eine ganze
Reihe Berichte über lebensbedrohliche und vereinzelt tödliche
Komplikationen bei der Behandlung mit der Pille enthält. Die
häufigsten Probleme waren schwere Blutungen und Infektionen.
Über ihre Ergebnisse berichten die Frauenärztinnen Margaret
Gary aus Virginia Beach und Donna Harrison aus Eau Claire in der
Fachzeitschrift «Annals of Pharmacotherapy»
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1345/aph.1G481).
Die Abtreibungspille RU 486 ist seit 1999 in Deutschland zugelassen und
wird unter dem Handelsnamen Mifegyne vertrieben. Sie enthält das
Antigestagen Mifepreston, das dem weiblichen Hormon Progesteron
entgegenwirkt: Es macht die Veränderungen der
Gebärmutterschleimhaut rückgängig, die es dem Embryo
ermöglicht haben, sich einzunisten und zu entwickeln. Die Folgen
sind eine Rückbildung und anschließende Abstoßung der
Schleimhaut, bei der das Ungeborene ebenfalls abgestoßen wird. Die
Pille gilt als sanfte Alternative zur chirurgischen Abtreibung, unter
anderem, weil bei der medikamentösen Methode Verletzungen der
Schleimhaut durch chirurgische Instrumente ausgeschlossen sind.
Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen seien jedoch bislang
unterschätzt worden, erklären Gary und Harrison nun. Bei ihrer
Analyse der FDA-Daten aus den vergangenen vier Jahren fanden die
Medizinerinnen Berichte über heftige Blutungen, Infektionen und in
einigen Fällen über lebensbedrohliche septische Schocks.
Gemeldet wurden auch gescheiterte Schwangerschaftsabbrüche, die zu
starken Fehlbildungen bei den überlebenden Kindern führten.
Außerdem gab es verschiedene Berichte über allergische
Reaktionen, die teilweise so schwer waren, dass die Patientinnen
stationär behandelt werden mussten - eine Nebenwirkung, die
bislang praktisch unbekannt gewesen sei, schreiben die Forscherinnen.
Bei der Entscheidung zwischen einem chirurgischen
Schwangerschaftsabbruch und einer Abtreibung durch RU-486 sollten daher
auch die möglichen Risiken durch die Abtreibungspille beachtet
werden, kommentieren die Forscherinnen. Einen direkten Vergleich der
Risiken beider Verfahren ziehen die Forscherinnen in ihrer Studie jedoch
nicht.
(Quelle: ddp)