Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Acht Verletzte bei fünf Anschlägen in Bagdad. Zyprische
Geisel im Irak freigelassen
Mo.02.01.06 - Bei fünf Anschlägen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind
am Sonntagmorgen acht Menschen verletzt worden. Fünf Menschen
wurden nach Krankenhausangaben verletzt, als sich ein
Selbstmordattentäter in seinem Wagen im Stadtteil Karrada im
Zentrum von Bagdad in die Luft sprengte. Zwei Polizisten wurden demnach
im Osten der Hautpstadt verletzt, als ein Sprengsatz beim
Vorüberfahren ihrer Patrouille explodierte. Ebenfalls im Osten
Bagdads wurde ein Mensch durch eine Bombe verletzt. Keine Verletzte gab
es bei zwei weiteren Autobombenanschlägen im Südosten und im
Norden der Stadt.
Nach Erfüllung der Geiselnehmer-Forderungen sind fünf im Irak
entführte Sudanesen frei. Die Männer seien bei guter
Gesundheit, meldete die sudanesische Nachrichtenagentur Suna unter
Berufung auf einen Sprecher des Außenministeriums in Khartum.
Über das Schicksal eines sechsten entführten Sudanesen wurde
bisher nichts bekannt. Das El-Kaida-Netzewerk von Osama bin Laden hatte
sich am Donnerstag im Internet zu der Geiselnahme bekannt und die
Regierung in Khartum aufgefordert, binnen 48 Stunden die diplomatischen
Beziehungen zu Bagdad abzubrechen, die Botschaft zu schließen und
alle Repräsentanten aus dem Irak abzuziehen.
Einen Tag später kam die sudanesische Regierung den Forderungen
der Entführer nach. Nach Angaben der sudanesischen Regierung
befanden sich unter den Geiseln ein Diplomat, vier Angestellte der
sudanesischen Botschaft im Irak sowie ein "Freund" eines Angestellten.
Sie wurden beim Verlassen einer Moschee entführt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 02.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertachtundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.02.01.05 - Auch 2005 begann mit Bombenanschlägen +++ Nach US-Angaben wurden seit
Kriegsbeginn im März 2003 insgesamt 1326 US-Soldaten im Irak
getötet +++ Iraks Ministerpräsident Allawi ruft in scharfer Form
die Nachbarstaaten dazu auf, den Zustrom von Aufständischen in den
Irak zu stoppen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501020.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Daten aus US-Abhöraffäre gingen auch an andere Behörden
Mo.02.01.06 - Die im Zuge der Abhöraffäre ermittelten Daten von
US-Bürgern sind einem Zeitungsbericht zufolge an mehrere andere
Bundesbehörden weitergeleitet worden.
Nach einem Bericht der "Washington Post" vom Sonntag gab der
vornehmlich für das Ausland zuständige Geheimdienst NSA seine
Abhördaten auch an die Bundespolizei FBI, den Geheimdienst CIA, das
Heimatschutzministerium sowie an den Militär-Geheimdienst DIA
weiter. Bei den Informationen habe es sich um solche gehandelt, die aus
Telefongesprächen und E-Mail-Kontakten gefiltert worden seien,
berichtete das Blatt unter Berufung auf derzeitige und frühere
Behörden- und Regierungsvertreter. Im Grunde sei es darum gegangen,
einzelne Datenbanken miteinander abzugleichen. Von der NSA war
zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Zeitung zufolge
wollten sich FBI, CIA sowie der nationale Geheimdienstchef John
Negroponte zu der Sache nicht äußern.
US-Präsident George W. Bush hatte kürzlich eingestanden, der
NSA ohne vorherige richterliche Erlaubnis das Abhören von
Auslandsgesprächen und das Lesen von E-Mails von US-Bürgern
mit mutmaßlichen Verbindungen zu Extremisten gestattet zu haben.
Er bezeichnete das heftig kritisierte Vorgehen als wesentliches Mittel
zur Vorbeugung weiterer Anschläge. Medien zufolge hatte Bush den
Lauschangriff nach den Anschlägen vom 11. September 2001
angeordnet. Das US-Justizministerium will nun herausfinden, wer die
Informationen über das Abhörprogramm an die Presse lanciert
hat.
(Quelle: rtr)
Lage im Nahen Osten zu Jahresbeginn stark angespannt
Bei israelischen Raketenangriffen zwei Palästinenser getötet.
Militante Gruppen bekräftigten Ende der im Februar ausgehandelten
Waffenruhe. Palästinenser sprengen UN-Einrichtung in Gaza.
Italienischer Friedensaktivist im Gazastreifen entführt
Mo.02.01.06 - Im Nahen Osten stehen die Zeichen zum Jahresbeginn wieder auf
Konfrontation. Beim ersten Luftangriff auf die von Israel beanspruchte
neue Pufferzone im nördlichen Gazastreifen wurden in der Nacht zum
Sonntag zwei Palästinenser getötet.
Nach israelischen Militärangaben sollten mit dem Luftangriff
Extremisten daran gehindert werden, vom nördlichen Gazastreifen
aus eine Rakete auf israelisches Territorium abzuschießen. Am
Sonntagnachmittag gingen dennoch drei Kassam-Raketen in Israel nieder,
die jedoch niemanden verletzten. Diese wurden allerdings nicht von dem
Grenzstreifen abgefeuert, den Israel in der vergangenen Woche zur
Sicherheitszone erklärt hat. Palästinensern ist dort der
Zutritt verboten, was von Seiten der Autonomiebehörde als
einseitiger Schritt scharf verurteilt wurde.
Die Hamas schwor Rache für den jüngsten Luftangriff. Die
radikalislamische Organisation hatte ebenso wie die
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden den Waffenstillstand mit Israel um
Mitternacht aufgekündigt. Der Islamische Dschihad ließ
zumindest offen, ob er sich an Verhandlungen über eine
Verlängerung der Feuerpause beteiligen wolle, wie dies vom
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und dem
ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak angestrebt wird.
In der Stadt Gaza stürmten fünf Bewaffnete am frühen
Sonntagmorgen das Kasino der Vereinten Nationen und brachten zwei
Sprengsätze zur Explosion. Ein Wachmann wurde verletzt. Es
entstand hoher Sachschaden, vor allem an der Bar. Der nur für
Ausländer zugängliche UN-Club ist der einzige Ort in Gaza, wo
Alkohol ausgeschenkt wird, was Islamisten ein Dorn im Auge ist.
Ein italienischer Friedensaktivist wurde nach Augenzeugenberichten bei
einer Fahrt durch Chan Junis von Bewaffneten aus dem Minibus seiner
Delegation gezerrt und verschleppt. Palästinensische Polizisten
stürmten später das Gebäude, wo Alessandro Bernardini
festgehalten wurde und befreiten ihn, wie aus Sicherheitskreisen
verlautete. Dabei sei es zu einem Feuergefecht gekommen. Über
etwaige Opfer wurde nichts mitgeteilt. Der ausländischen
Delegation gehörten auch Abgeordnete des Europäischen
Parlaments an.
Drei am Mittwoch in Rafah verschleppte Briten wurden nach
zweitägiger Geiselhaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Die
für die Menschenrechtsgruppe Al Mesan tätige Kate Burton
erklärte am Samstag in Jerusalem, sie und ihre Eltern seien von
ihren Entführern «extrem gut» gut behandelt worden.
Sie wolle schon bald in den Gazastreifen zurückkehren, um den
Palästinensern bei der Bewältigung des Alltags zu helfen.
Eine bislang unbekannte Gruppe namens Mudschahedin-Brigaden Jerusalem
erklärte, sie habe die Briten entführt und als Zeichen des
guten Willens wieder freigelassen. Großbritannien und die
Europäische Union hätten im Gegenzug versprochen, sie wollten
Israel zum Verzicht auf die Pufferzone im nördlichen Gazastreifen
bewegen. Britische Diplomaten dementierten dies allerdings.
Im Gazastreifen werden immer wieder Ausländer verschleppt, alle
kamen bislang unversehrt frei. In den meisten Fällen forderten die
Entführer Arbeitsplätze oder die Freilassung inhaftierter
Verwandter.
(Quelle: ap)
Wegen Hungersnot Katastrophenzustand in Kenia
Mo.02.01.06 - Wegen der anhaltenden Dürre und Hungersnot in Teilen Kenias hat
Staatspräsident Mwai Kibaki den Katastrophenzustand ausgerufen. In
seiner Neujahrsrede bekräftigte der Staatschef zugleich seinen
Appell an örtliche und internationale Partner, den notleidenden
Menschen in seinem Land zu Hilfe zu kommen. Die Zahl der
Hilfebedürftigen im Nordosten und Osten Kenias schätzt die
Regierung auf etwa 2,5 Millionen Menschen, für die benötigte
Nahrungsmittelhilfe setzt sie eine Summe von umgerechnet 128 Millionen
Euro an.
Der Koordinator der Katastrophenhilfe des kenianischen Roten Kreuzes,
Farid Abdulkadir, begrüßte die Ausrufung des nationalen
Katastrophenzustands. Dadurch könnten alle verfügbaren
Ressourcen genutzt werden. Laut Abdulkadir konnten die nördlichen
Gebiete um Wajir, Mandera und Marsabit mit Nahrungsmitteln und anderer
Hilfe von Gebern versorgt werden. Armeelaster sollten weitere
Lebensmittel, Trinkwasser und Brunnenbohrmaschinen in abgelegene
Dürregebiete bringen.
In den vergangenen Tagen starben mindesten 20 Menschen an Hunger.
Ärzte befürchten, dass die Zahl der Toten noch steigen
würde. Auch hunderte Rinder verendeten. Von der Hungersnot sind
auch Teile des Nachbarlands Tansania sowie Somalias und Äthiopiens
bedroht.
(Quelle: afp)
Russland stellt Gaslieferungen an die Ukraine ein
Österreich und Ungarn erhalten weniger russisches Gas über
Ukraine
Mo.02.01.06 - Der vom russischen Kreml kontrollierte Konzern Gasprom hat am Sonntag
seine Drohung wahr gemacht und die Lieferungen an die Ukraine
eingestellt. Unternehmenssprecher Sergej Kuprijanow erklärte, seit
dem Morgen werde der Druck in den Leitungen reduziert. Zuvor hatte die
Ukraine den Vorschlag Moskaus zur Beilegung des Gasstreits abgelehnt.
Der Export nach Europa sei von dem Streit nicht betroffen, sagte
Kuprijanow im russischen Fernsehen. Gasprom liefert rund die Hälfte
des in der Europäischen Union verbrauchten Erdgases. Etwa 80
Prozent der Menge fließt in Pipelines durch die Ukraine nach
Europa. Das russische Außenministerium erklärte in einer
Stellungnahme, Russland werde all seine Verpflichtungen gegenüber
Europa erfüllen. Sollte es doch zu Problemen kommen, so sei die
Ukraine dafür verantwortlich.
In einigen ukrainischen Regionen entlang der Grenze fiel der Druck in
den Leitungen am Sonntag bereits ab. Die Ukraine hat jedoch
erklärt, sie habe ausreichende Gasreserven für mehrere Wochen.
Kuprijanow sagte, die Weigerung der Regierung in Kiew werde
«katastrophale Konsequenzen» für die Wirtschaft des
Landes und leider auch «für das brüderliche ukrainische
Volk» haben.
Nach dem Vorschlag von Gasprom sollte die Ukraine noch drei weitere
Monate billiges Erdgas beziehen und bis zum zweiten Quartal 2006
marktgerechte Preise aushandeln. Der russische Präsident Wladimir
Putin hatte deutlich gemacht, dass der Vorschlag noch im alten Jahr
anzunehmen sei. Sollte die Ukraine dem am Samstag nicht zustimmen, werde
dies als Ablehnung gewertet.
Russland will den Preis für je 1.000 Kubikmeter Erdgas von derzeit
50 Dollar (42 Euro) auf 220 bis 230 Dollar (186 bis 194 Euro) anheben.
Das entspricht in etwa dem Weltmarktniveau. Die Ukraine befürchtet
davon Nachteile für ihre energiehungrige Schwerindustrie und hat
darum gebeten, die Erhöhung über fünf Jahre zu strecken.
Juschtschenko erklärte am Freitag, sein Land könne
höchsten 80 Dollar (68 Euro) für 1.000 Kubikmeter Erdgas
zahlen.
Der Stopp der russischen Gaslieferungen an die Ukraine hat sich am
Sonntag auch in Österreich und Ungarn bemerkbar gemacht. Das
ungarische Energieunternehmen MOL teilte in Budapest mit, die
Lieferungen über die durch die Ukraine laufenden Pipelines seien
um 25 Prozent zurückgegangen. Der österreichische
Energieversorger OMV meldete einen Rückgang von 18 Prozent.
Ein MOL-Sprecher teilte mit, Großkunden wie Kraftwerke seien
gebeten worden, ab Montag 06.00 Uhr auf Öl oder andere Brennstoffe
umzustellen. Privathaushalte seien von der Verknappung nicht betroffen.
Eine Sprecherin des österreichischen Energieversorgers OMV sagte
am Sonntagabend der Nachrichtenagentur APA, man habe aber genug
Vorräte, um den Lieferausfall «für längere
Zeit» auszugleichen.
Auch Polen und die Slowakei meldeten einen Rückgang der russischen
Gaslieferungen über die Ukraine. Polen, über dessen
Staatsgebiet die Pipelines nach Deutschland führen, berichtete von
einem Druckabfall in den Leitungen. Das Wirtschaftsministerium
versicherte aber, Polen verfüge über ausreichende
Vorräte. Die Verbraucher würden von dem Ausfall nichts merken.
(Quelle: ap)
In Frankreich gehen 425 Autos in Flammen auf
Mo.02.01.06 - Auch ein Großaufgebot der Polizei und der geltende
Ausnahmezustand haben nicht verhindern können, dass in Frankreich
in der Silvesternacht mehrere hundert Autos in Flammen aufgingen. Wie
die Polizei mitteilte, wurden in der Nacht zum Sonntag landesweit 425 in
Brand gesetzte Autos registriert. Die Polizei habe 266 Menschen
vorläufig festgenommen. Damit ist die Zahl der Brandanschläge
im Vergleich zum Vorjahr, als nach der Silvesternacht 333 abgebrannte
Autos gemeldet wurden, deutlich gestiegen. Insgesamt verlief die Nacht
jedoch glimpflicher, als viele befürchtet hatten.
Um ein Wiederaufflammen der Krawalle zu verhindern, hatte die Pariser
Regierung ein Großaufgebot an Ordnungskräften mobilisiert.
Insgesamt waren rund 25.000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz,
darunter 70 mobile Einheiten der Spezialtruppe zur Bekämpfung von
Unruhen (CRS). Allein in Paris patroullierten laut Behördenangaben
rund 4500 Polizisten und Gendarme durch die Straßen; sie nahmen
mehr als 160 Menschen vorläufig fest.
Im Großen und Ganzen war die Silvesternacht in der
französischen Hauptstadt jedoch friedlich. Mehr als 500.000
ausgelassene Menschen feierten den Jahreswechsel auf den Champs
Elysées. Rund 60.000 andere versammelten sich zu einer
Silvesterparty unter dem Eiffelturm, wo um Mitternacht die
Champagnerkorken knallten. Weniger friedlich ging es in den
Trabantenstädten rund um die Hauptstadt zu. Insgesamt wurden im
Großraum Paris einer ersten Bilanz zufolge 137 abgebrannte Autos
gezählt.
Nach Auskunft des französischen Polizeichefs wurden
Brandanschläge aus dem ganzen Land gemeldet. An der Spitze stand
nach dem Großraum Paris das elsässische Departement Bas-Rhin,
wo die Polizei allein in Straßburg 19 abgebrannte Autos
registrierte. Dies sei ein "Rekord" für eine einzige Kommune. Im
Elsass, wo Brandanschläge in der Silvesternacht seit Jahren zu
einer Art Ritual geworden sind, sprach ein Polizeisprecher dennoch von
einer relativ "ruhigen" Nacht. In der Silvesternacht 2004/2005 waren
allein in Straßburg 29 Autos in Flammen aufgegangen.
Während der dreiwöchigen Jugendrevolte vom Oktober und
November in zahlreichen Sozialwohnungsvierteln hatten jugendliche
Randalierer einer amtlichen Bilanz zufolge 9071 Autos und rund 300
Gebäude in Brand gesteckt. Obwohl die französische Regierung
die Revolte für beendet erklärte, gehören brennende Autos
nicht nur in der Silvesternacht in Frankreich praktisch zum Alltag.
Täglich werden landesweit 40 bis 60 Brandanschläge auf Autos
gemeldet.
(Quelle: afp)
Bund Deutscher Juristen fordert Aussagen unter 'leichter Folter'
Mo.02.01.06 - Der Bund Deutscher Juristen hat eine Abkehr vom bisherigen Folterverbot
gefordert. «Die Gewinnung von Aussagen mittels leichter
Foltermaßnahmen und die Verwertung solcher Aussagen sind
zukünftig möglich zu machen», sagte der Vorsitzende des
BDJ, Claus Grötz, der auch Strafrichter am Bundesgerichtshof ist,
in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung.
«Das Leben unschuldiger Opfer besitzt einen höheren Wert als
die körperliche Integrität von Verbrechern. Wir müssen
jetzt Tabus brechen», fügte er hinzu. Zur
Terroristenverfolgung sagte Grötz: «Wir müssen auch
nachrichtendienstliche Erkenntnisse aus Ländern nutzen, die
foltern. Denn wer gegen die Interessen des deutschen Volkes kämpft,
verspielt seine staatsbürgerlichen Rechte. Es ist nicht zumutbar,
dass jede Aussage auf die Goldwaage gelegt wird. Hier wird auch ein
Umdenken des derzeitigen Verfassungsrichters Papier sowie eine
Änderung des Grundgesetzes notwendig sein.»
Grötz forderte eine offene Diskussion des Themas Folter:
«Die Zeit der weihnachtlichen Sentimentalitäten ist
vorbei.» Der Bund Deutscher Juristen werde sich zukünftig,
unter Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze, für dieses Thema
einsetzen. «Die rote Linie muss neu gezogen werden.»
«Unsere Behörden stehen unter ungerechtfertigtem moralischen
Druck, wie der Fall Gäfgen und die Terroristenverfolgung
zeigen», sagte Grötz. Im Fall des wegen Mordes an einem
Frankfurter Bankierssohn verurteilten Magnus Gäfgen hatte die
Folter-Anordnung des damaligen Frankfurter Polizei-Vizepräsidenten
Wolfgang Daschner für große Aufregung gesorgt. Dem
Entführer war mit nie gekannten Schmerzen gedroht worden, um das
Versteck des entführten Jungen herauszubekommen und damit
möglicherweise dessen Leben zu retten. Gäfgen hatte daraufhin
das Versteck genannt, der Junge war aber schon tot.
Nach derzeitiger Gesetzeslage ist die Androhung und Anwendung von
leichter Folter untersagt. Unter leichter Folter werden laut BDJ
Maßnahmen verstanden, die nicht zu einer dauerhaften
Schädigung führen und zumeist nicht unter die Folterdefinition
von Artikel 1 der UN-Anti-Folter-Konvention fallen. Möglich
wären die Androhung von Folter sowie die Anwendung von Schlaf- und
Nahrungsentzug, Elektroschocks, pharmakologische Behandlung und
ähnlicher Maßnahmen unter ärztlicher Aufsicht,
hieß in der Erklärung.
Zuletzt hatte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts,
Hans-Jürgen Papier, davor gewarnt, im Kampf gegen den Terrorismus
rechtsstaatliche Prinzipien aufzugeben. Insbesondere lehnte er die
Verwendung von Geständnissen ab, die unter Folter gemacht wurden.
(Quelle: ap)
Bund Deutscher Juristen:
http://www.bunddeutscherjuristen.org
Folter-'Ente'
Die Meldung klang vielversprechend: Der "Bund Deutscher Juristen" (BDJ)
fordere eine Abkehr vom Folterverbot, die "Gewinnung von Aussagen
mittels leichter Foltemaßnahmen und die Verwertung solcher
Aussagen" seien künftig zu ermöglichen. Das hatten die
angeblichen Bündler an die Nachrichtenagentur AP gemailt. Und die
griff dankbar zu. Um 10:43 am Neujahrstag lief die Nachricht
tatsächlich über den Ticker. Dabei wurde als BJD-Vorsitzender
ein gewisser Claus Grötz, Strafrichter am Bundesgerichtshof,
zitiert.
Dumm war nur, dass es Richter Grötz ebenso wenig gibt wie einen
Bund Deutscher Juristen. Das fiel auch AP auf, allerdings erst
anderthalb Stunden, nachdem die Folternachricht verbreitet war. Um
12:37 zog die Agentur den Bericht eilig zurück. Die Journalisten
waren auf die eigene "Ente" gestoßen, als sie für ein
Porträt des angeblichen Vorsitzenden Grötz zu recherchieren
begannen.
Dem AP-Chefredakteur Peter M. Gehrig dürfte der Urlaub in Irland
verdorben sein: "Das ist ärgerlich erklärt er. Die
AP-Kollegen hätten die Homepage www.bundedeutscherjuristen.org
zunächst für seriös gehalten. Wer die Internetadresse
besitzt, ist nicht herauszufinden; der Domainbetreiber in Arizona gibt
die Daten nicht heraus. Wenn der Falschmelder ermittelt wird, will AP
rechtliche Schritte einleiten.
Quelle: SZ vom 03.01.2006
|
Innenminister Schäuble beharrt auf Nutzung von
Foltergeständnissen
Mo.02.01.06 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat erneut die Nutzung
möglicher Foltergeständnisse zur Terrorismus-Abwehr
gerechtfertigt und damit heftige Kritik ausgelöst. "Wir werden auch
in Zukunft jeden Hinweis nutzen, den wir bekommen können", sagte
Schäuble der "Bild am Sonntag". Die FDP forderte, dass der
Bundestag im neuen Jahr eine Grundsatzdebatte darüber führt,
mit welchen Mitteln ein Rechtsstaat Verbrachen und Terrorismus
bekämpft. Die Linkspartei warf Schäuble vor, sich immer weiter
vom Grundgesetz zu entfernen.
Schäuble sagte der BamS: "Wenn wir für Informationen anderer
Nachrichtendienste eine Garantie übernehmen müssen, dass sie
unter Wahrung rechtsstaatlicher Prinzipien zustande gekommen sind,
können wir den Betrieb einstellen." Wer dafür plädiere,
solche Informationen nicht zu nutzen, nehme "die Verantwortung für
unsere Sicherheit nicht hinreichend wahr", fügte Schäuble
hinzu.
Der FDP-Innenexperte Max Stadler wandte sich gegen den Vorstoß
des Innenministers. "Das Folterverbot muss uneingeschränkt gelten",
erklärte er in Berlin. "Nicht alles, was Sicherheitsbehörden
wollen, kann auch rechtlich erlaubt werden." Jede Relativierung des
Folterverbotes sei gefährlich "und würde auf eine
abschüssige Bahn führen". Die Grenze des Zulässigen sei
auch dann überschritten, wenn sich Bundesnachrichtendienst oder
Bundeskriminalamt folterähnliche Situationen wie im
US-Gefangenenlager Guantánamo zu eigen machten.
Die Linksfraktion-Vizechefin Petra Pau erklärte, Schäuble
habe als außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion "als erster
im Bundestag für den Präventiv-Krieg plädiert". Jetzt
rechtfertige er als Innenminister die Nutzung von
Foltergeständnissen. "Schäubles Distanz zum Grundgesetz wird
immer größer."
(Quelle: afp)
Sind wir die neuen Barbaren?
Dass ein rechtsstaatliches Land niemals foltern darf, scheint kein
Konsens mehr. Jan Philipp Reemtsma sagt: Das markiert einen
zivilisatorischen Bruch.
Der Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma wendet sich im
taz-Interview (23.12.05) scharf gegen jede weitere Diskussion über
die Aufweichung des Foltertabus - das untergrabe unsere
zivilisatorischen Errung-enschaften. Im Kampf gegen den Terrorismus
dürfe man sich nicht auf das Niveau seiner Gegner begeben, fordert
Reemtsma:
http://www.taz.de/pt/2005/12/23/a0152.nf/text
Jan Philipp Reemtsma, Jahrgang 1952, ist
Geschäftsführender Vorstand des Hamburger Instituts für
Sozialforschung. Er lebt in Hamburg. Jüngste Veröffentlichung:
"Folter im Rechtsstaat?", Hamburger Edition, Hamburg 2005, 154 Seiten,
12 EUR.
Arbeitgeberpräsident Hundt fordert Verlängerung der
Arbeitszeiten
Mo.02.01.06 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat eine Verlängerung der
Arbeitszeiten gefordert, um die Wirtschaft in Deutschland wieder in
Schwung zu bringen.
"Wir arbeiten in Deutschland insgesamt zu wenig, deutlich weniger als
alle Länder, mit denen wir auf den Weltmärkten im Wettbewerb
liegen", sagte Hundt in einem Interview des Deutschlandfunks, das am
Sonntag ausgestrahlt werden sollte. Konsequenz müssten längere
Arbeitszeiten entsprechend der jeweiligen Auftragslage der Unternehmen
sein. Mit Blick auf die bevorstehende Tarifrunde in der Metall- und
Elektroindustrie forderte Hundt die Gewerkschaftsseite zu
betriebsbezogenen Lösungen auf. Es gebe tatsächlich viele
große und international tätige Unternehmen mit sehr guten
Ergebnissen. Besonders im Mittelstand erwirtschafte aber der
überwiegende Teil der Firmen keine ausreichenden Gewinne.
Nun müsse eine dieser differenzierten Situation angemessene
Tarifregelung gefunden werden, die auf die individuellen Betriebe
zugeschnittene Komponenten umfasse, sagte Hundt. Setze sich die IG
Metall allerdings mit der Forderung nach Lohnerhöhungen um bis zu
fünf Prozent durch, werde ein deutlicher weiterer Stellenabbau
nicht zu verhindern sein.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos präzisierte unterdessen
seine Forderung nach einer Stärkung der Kaufkraft in Deutschland
auch durch höhere Löhne. "Wo Lohnzurückhaltung nötig
ist, um Arbeitsplätze zu sichern und im Wettbewerb zu bestehen,
ist dies richtig und wichtig", schrieb der CSU-Politiker in einem
Beitrag für das "Handelsblatt" (Montagausgabe). Niemand sei damit
gedient, wenn Unternehmen gesamtwirtschaftlich unvertretbare Lohnkosten
aufgebürdet würden. Zugleich forderte Glos die Tarifparteien
auf, bei den Tarifabschlüssen stärker zu differenzieren und
die Produktivitätsentwicklung der einzelnen Branchen zu
berücksichtigen.
(Quelle: rtr)
Marx reloaded. Die Wiederkehr des ordinären Kapitalismus
Teil I: Die Globalisierung der Ungleichheit... Mehr in 'junge Welt' vom
27.12.05:
http://www.jungewelt.de/2005/12-27/003.php
Teil II: Der kapitalistische Krisenzyklus – entzaubertes
BRD-Wirtschaftswunder... Mehr in 'junge Welt' vom 28.12.05:
http://www.jungewelt.de/2005/12-28/004.php
Teil III: Die politische Ökonomie von Reich und Arm... Mehr in
'junge Welt' vom 29.12.05:
http://www.jungewelt.de/2005/12-29/003.php
Teil IV: Innerkapitalistische Ansätze zur Krisenlösung...
Mehr in 'junge Welt' vom 30.12.05:
http://www.jungewelt.de/2005/12-30/004.php
DGB-Chef Sommer nennt Forderung nach weniger Geld für Ältere
geschmacklos
Mo.02.01.06 - Als unanständig und geschmacklos hat der DGB-Vorsitzende Michael
Sommer Forderungen nach weniger Lohn für ältere Arbeitnehmer
zurückgewiesen. Viel wichtiger sei die Entwicklung intelligenter
und flexibler Arbeitszeitkonzepte, damit ältere Arbeitnehmer ihr
Wissen und Können im Betrieb einbringen könnten, sagte Sommer
in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.
«Es ist ausgesprochen geschmacklos, wenn gerade diejenigen, die
sich die Taschen vollhauen, den kleinen Leuten erzählen wollen, wie
sie denn noch besser sparen sollen», betonte der DGB-Chef. Solche
Doppelmoral würden die Gewerkschaften nicht hinnehmen und anklagen.
Als Beispiel nannte Sommer die Telekom, wo 30.000 Menschen entlassen
werden sollen, aber die Dividende für die Aktionäre nicht
gesenkt werde. «Wir werden die gesellschaftliche
Auseinandersetzung über die moralischen Werte von Unternehmen
verstärken», kündigte der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes an.
Als positiv bewertete Sommer es, dass auch bei der Bundesregierung eine
deutliche Hinwendung zu beobachten sei, solche «Formen
gesellschaftlicher Verlogenheit» nicht mehr zu tolerieren. Das sei
auch eine Frage, welches gesellschaftliche Klima in diesem Land
ausgestrahlt werde: «Ob man das ächtet und als
unanständig brandmarkt oder ob man das zur Prämisse von
Wirtschaftspolitik erhebt.»
(Quelle: ap)