Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertneunundfünfzigsten Tag nach Erlangung
der formellen Souveränität
Präsident Talabani erwartet Regierung der nationalen Einheit. USA
führen Gespräche mit Aufständischen. Amerikanische
Journalistin im Irak entführt. US-Regierung sieht Demokratisierung
im Irak nicht gefährdet. Großbritanniens Außenminister
Straw: Beginn von Truppenabzug aus Irak 'eine Frage von Monaten'
So.08.01.06 - Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat sich zuversichtlich
über das Zustandekommen einer Regierung der nationalen Einheit
geäußert. Die wichtigsten politischen Gruppen im Irak
hätten sich im Grundsatz schon darauf verständigt, und in
einigen Wochen werde sich dieses Ziel realisieren lassen, erklärte
der kurdische Politiker am Samstag. Der britische Außenminister
Jack Straw zeigte sich bei einem Besuch in Bagdad berührt vom
Optimismus der meisten irakischen Politiker. Gleichwohl hielt die
Gewalt im Lande an.
Straw sagte der BBC, die meisten Iraker wüssten «im Kopf,
wenn auch noch nicht in ihrem Herzen», dass die Zukunft ihres
Landes in einer Regierung der nationalen Einheit liege. Die Politiker
hätten ihm ferner ihre Überzeugung bekundet, dass die
irakischen Sicherheitskräfte verstärkt würden, damit sie
den Terrorismus selbst bekämpfen könnten.
US-Vertreter haben im Irak ernsthafte Gespräche mit Führern
von Aufständischen aufgenommen, berichtete die «New York
Times» am Samstag. Die USA wollten dabei die wachsenden
Spannungen im sunnitischen Dreieck zwischen irakischen
Aufständischen sowie radikal-islamischen Gruppen um das
Terrornetzwerk El Kaida ausnutzen.
Ziel sei es, die lokalen Sunniten-Führer in den politischen
Prozess einzubinden. Schwierigstes Hindernis auf dem Weg zu einem
Waffenstillstand sei bislang die Forderung der Rebellen-Führer
nach einem Fahrplan für den Abzug der US-Truppen.
Aus Sicht von US-Vertretern haben sich die Spannungen zwischen den
Aufständischen und Mitgliedern von Terrorgruppen wegen der hohen
Zahl von irakischen Zivilopfern bei Anschlägen verschärft.
Der bewaffnete Widerstand von lokalen Sunniten-Gruppen ziele vor allem
darauf ab, die US-Truppen aus dem Irak zu vertreiben, schreibt das
Blatt. Dagegen wollten radikale Gruppen um El Kaida einen Gottesstaat
im Irak errichten.
Der angekündigte Abzug eines Teils der US-Truppen im Irak ist nach
den Worten von El-Kaida-Vize Eiman al-Sawahiri ein Beweis für den
Sieg der Muslime. «Heute gratuliere ich (der islamischen Nation)
und segne sie für den Sieg des Islams im Irak», sagte der
Stellvertreter von Osama bin Laden in einer Videobotschaft, die der
arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Freitagabend ausstrahlte.
Der amerikanische Außenamtssprecher Sean McCormack sagte
lediglich, das Band werde auf seine Echtheit geprüft.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte im Dezember nach der
Parlamentswahl im Irak eine Reduzierung der Truppenstärke auf 138
000 angekündigt. Bush schloss in dieser Woche eine weitere
Verringerung der Truppen nicht aus. Der Londoner Außenminister
Jack Straw hält einen baldigen Abzug der britischen Truppen aus
einigen Teilen des Iraks für möglich. Großbritannien
hoffe auf einen schrittweisen Abzug seiner rund 8000 Soldaten, sobald
die Iraker überzeugt seien, dass sie selbst für Sicherheit
sorgen könnten, sagte Straw bei seinem Besuch in Bagdad am
Samstag. "Das wird eine Sache von Monaten sein." Der Abzug solle nicht
im südirakischen Basra beginnen, wo der Führungsstab der
britischen Soldaten stationiert ist, sondern in einer oder zwei der drei
übrigen Provinzen, die zum britischen Einsatzgebiet gehören.
"Wir sind hier, um den Irak zu befreien", sagte Straw. "Wir sind nicht
gekommen, um ihn zu kolonialisieren."
Am Samstag kam es in Falludscha zu einem Feuergefecht zwischen
Aufständischen und US-Truppen. Dabei wurde ein US-Soldat
getötet. In der selben Stadt kam ein irakischer Soldat ums Leben,
als eine Handgranate auf sein Fahrzeug geworfen wurde.
Bei einem Bombenanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am
Samstag vier Soldaten und zwei Zivilisten verletzt worden.
Ein mit einer Bombe präpariertes Fahrzeug sei in dem Moment
explodiert, als eine irakische Militärpatrouille an dem Wagen
vorbeigefahren sei, teilte die Polizei mit. Weitere Einzelheiten wurden
zunächst nicht bekannt.
Ungeachtet der Serie schwerer Anschläge im Irak sieht die
US-Regierung den Demokratisierungsprozess nicht in Gefahr. Die
Anschläge seien klar darauf ausgerichtet, das irakische Volk zu
teilen, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack am Freitag in
Washington mit Blick auf die blutigen Gewalttaten am Vortag. Bei
mehreren Anschlägen unter anderem in Kerbela und Ramadi waren am
Donnerstag 115 Iraker und elf US-Soldaten ums Leben gekommen. Die
Reaktion der Iraker sei "Trotz" gewesen, sagte McCormack weiter. Sie
würden den Attentätern nicht erlauben, "alles zu
zerstören, was sie aufzubauen versuchen".
In Bagdad ist eine amerikanische Journalistin entführt worden.
Major Falah Mohamadawi vom irakischen Innenministerium teilte am Samstag
mit, Bewaffnete hätten die Frau im Westen der Hauptstadt
verschleppt und ihren irakischen Übersetzer getötet.
Der Sterbende habe der Polizei noch berichten können, dass die
Journalistin entführt worden sei und dass sie auf dem Weg zu einem
Treffen mit dem sunnitischen Politiker Adnan al Dulaimi gewesen seien.
Der Vorsitzende der politischen Gruppierung Irakische Eintracht lebt im
vorwiegend von sunnitischen Arabern bewohnten Stadtteil Adel, der als
einer der gefährlichsten Bagdads gilt.
Der Überfall ereignete sich nur 100 Meter vom Büro Dulaimis
entfernt. Ein Wachmann, Samir Nadschim, berichtete, drei Männer in
einem roten Opel hätten den Wagen der Journalistin abgefangen, den
Übersetzer erschossen und seien mit der Frau davongefahren.
Aufständische haben in den vergangenen beiden Jahren mehr als 250
Ausländer im Irak entführt. Einige von ihnen wurden
getötet, andere nach Zahlung von Lösegeld oder Aufrufen
islamischer Geistlicher freigelassen. Die Deutsche Susanne Osthoff kam
nach 23 Tagen Geiselhaft kurz vor Weihnachten frei. Am 8. Dezember
erklärte die Islamische Armee im Irak, sie habe den US-Amerikaner
Ronald Schulz umgebracht.
Andere Gruppen haben sich zur Verschleppung eines französischen
Ingenieurs und vier christliche Friedensaktivisten aus
Großbritannien, den USA und Kanada bekannt. Von ihnen gibt es seit
Wochen kein Lebenszeichen mehr.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 08.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertvierundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.08.01.05 - Sunnitische Prediger in Irak rufen zu Wahl-Boykott auf +++ Bei Kämpfen
im Norden Iraks sterben acht Menschen +++ US-General
erwartet extremen Terroranschlag vor der Wahl im Irak +++ Prozesse gegen Soldaten
der Besatzungstruppen wegen Misshandlungen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501080.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Deutsche Kanzlerin fordert Schließung von US-Gefangenenlager
Guantanamo
So.08.01.06 - Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel hat die Schließung des
umstrittenen US-Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba gefordert und will
dieses Thema auch Ende kommender Woche bei ihrem Besuch bei
US-Präsident George Bush ansprechen.
"Eine Institution wie Guantanamo kann und darf auf Dauer so nicht
existieren", sagte die Kanzlerin in einem am Samstag
veröffentlichen "Spiegel"-Interview. Es müssten Mittel und
Wege für einen anderen Umgang mit Gefangenen gefunden werden. Das
Gefangenenlager ist umstritten, weil die USA dort Terrorverdächtige
ohne Rechtsgrundlage festhalten. Sie werde auch den Streit um
angebliche Folterung von Gefangenen durch die USA ansprechen. Auf eine
entsprechende Frage sagte die CDU-Politikern: "Partner wir USA und
Deutschland müssen immer über alle Fragen reden, auch
über solche Fragen." Zugleich betonte Merkel, man dürfe die
deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht auf solche Fragen und nicht
auf den gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus reduzieren.
Einem "Spiegel"-Bericht zufolge bemüht sich die Bundesregierung
darum, in einer gemeinsamen Initiative mit der Türkei den in
Guantanamo einsitzenden Türken Murat Kurnaz frei zu bekommen. Der
in Bremen geborene und aufgewachsene Türke wird seit Anfang 2002 in
Guantanamo festgehalten. Deutsche Diplomaten seien bei der
türkischen Regierung vorstellig, geworden, um über einen
gemeinsamen Vorstoß zu beraten, berichtete das Magazin. Die
türkische Regierung habe es für möglich bezeichnet, dass
Kurnaz schon im März freikommen könnte. Auch dann dürfe
er aber nicht nach Deutschland einreisen, weil das Innenmininisterium im
Mai 2004 eine Einreisesperre für den gesamten europäischen
Schengen-Raum verhängt habe. Die Behörden befürchteten,
dass Kurnaz nach dem jahrelangen Aufenthalt in Guantanamo radikalisiert
worden sei, berichtete der "Spiegel".
Die USA verdächtigen Kurnaz, die radikal-islamischen Taliban in
Afghanistan und möglicherweise auch Al-Kaida unterstützt zu
haben. In Guantanamo wurde er auch von Mitarbeitern der deutschen
Geheimdienste befragt. Diese Erkenntnis hatte Ende Dezember angesichts
der deutschen Kritik an Guantanamo für heftigen innenpolitischen
Streit gesorgt. Kurnaz, der in Medienberichten "Bremer Taliban" genannt
wurde, hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Er war Ende
2001 in Pakistan festgenommen worden. Während seiner Gefangenschaft
wurde Kurnaz während Verhören nach eigenen Worten
misshandelt, sexuell erniedrigt und gequält, indem sein Kopf bis
kurz vor dem Ersticken unter Wasser gedrückt wurde.
(Quelle: rtr)
Mehrheit der Amerikaner gegen Abhören ohne richterliche Genehmigung
So.08.01.06 - Eine Mehrheit der Amerikaner hält die von Präsident George W.
Bush angeordnete Abhöraktion des Militärgeheimdienstes NSA im
Inland ohne richterliche Genehmigung für falsch. Das geht aus
einer am Samstag veröffentlichen Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur AP
hervor.
Demnach sprachen sich 56 Prozent der Befragten dafür aus, dass die
Regierung zuerst eine richterliche Genehmigung einholen solle. Dies
gelte auch für den Fall, dass es sich um Personen mit Verbindungen
zu mutmaßlichen Terroristen handele. 42 Prozent billigten dagegen
die Vorgehensweise der Regierung. Die Erhebung beruht auf einer
telefonischen Befragung von 1.001 Erwachsenen in allen US-Staaten mit
Ausnahme von Alaska und Hawaii.
Rechtsberater des US-Kongresses äußerten unterdessen Zweifel
an der Rechtmäßigkeit Lauschangriffe. In einem 44-seitigen
Memorandum stellen Elizabeth Bazan und Jennifer Elsea fest, dass die
vom Justizministerium am 22. Dezember zwei Kongressausschüssen
übermittelte Begründung für das Vorgehen nicht
stichhaltig erscheine.
Die Anwältinnen arbeiten für den Wissenschaftlichen Dienst
des Kongresses, der die Parlamentarier in den verschiedensten
Sachthemen berät. Nach Ansicht des Wissenschaftlichen Dienstes ist
eine endgültige Beurteilung der Lauschangriffe aber
unmöglich, solange zu vieles über die Hintergründe
geheim gehalten wird.
Die «New York Times» hatte die Abhöraktion am 16.
Dezember enthüllt. Nach Angaben des Blattes hat die US-Regierung
im großen Rahmen Telefongespräche belauscht und E-Mails
kontrolliert. Entgegen den Beteuerungen von Präsident Bush seien
ohne richterliche Genehmigung weite Kreise der Bevölkerung
abgehört werden - in der Hoffnung eine Spur zu Terroristen zu
finden. Die Regierung sieht die Lausangriffe durch Beschlüsse des
Kongresses zum Kampf gegen den Terrorismus gedeckt.
(Quelle: ap)
Acht Sicherheitskräfte bei Überfall in Pakistan getötet
So.08.01.06 - Bei einem Angriff auf einen neu eingerichteten pakistanischen
Kontrollposten an der Grenze zu Afghanistan sind acht
Sicherheitskräfte getötet worden. Die Angreifer
überfielen den Posten in der Nähe des Dorfs Miran Shah in der
Provinz Nord-Waziristan am frühen Samstagmorgen, wie die
pakistanischen Streitkräfte mitteilten. In der Region sind tausende
Soldaten stationiert, um die Anhänger der Al Kaida und der Taliban
zu bekämpfen.
Wenige Stunden später wurden bei einem Luftangriff auf das Haus
eines Geistlichen ebenfalls acht Menschen getötet, wie Anwohner
mitteilten. Neun weitere Menschen, darunter mehrere Frauen und Kinder,
seien verletzt worden. Die Dorfbewohner erklärten, vermutlich
stünden die US-Streitkräfte hinter dem Anschlag, der sich etwa
50 Kilometer westlich des Kontrollpostens ereignete. Ein
Militärsprecher wollte die Angaben über den zweiten Angriff
zunächst nicht bestätigen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Scharons Gesundheitszustand weiter unverändert.
Hamas äußert sich erstmals zu Möglichkeit der Regierungsbildung.
Zusammenstöße zwischen Palästinensern und Soldaten in
Dschenin. Israelische Luftwaffe bombardiert nördlichen Gazastreifen
So.08.01.06 - Der Gesundheitszustand von Israels Regierungschef Ariel Scharon ist am
Sonntagmorgen unverändert gewesen. In der Nacht seien keinerlei
Veränderungen beobachtet worden, Scharons Zustand sei nach wie vor
"ernst, aber stabil", sagte ein Sprecher der Jerusalemer
Hadassah-Klinik. Eine für 06.00 Uhr MEZ geplante ausführliche
Presseunterrichtung wurde auf "später am Tag" verschoben. Die
Ärzte wollten am Sonntag entscheiden, wann Scharon aus dem
künstlichen Koma geholt werden sollte. Der 77-Jährige hatte
am Mittwoch einen schweren Schlaganfall erlitten und war mehrfach
notoperiert worden.
Die militante Hamas-Organisation hat sich erstmals offen über die
Möglichkeit geäußert, die nächste
palästinensische Regierung zu bilden. Hamas-Führer Mahmud
Sahar bejahte die Frage, ob nach der anstehenden Parlamentswahl die
Zeit reif sein könne für eine Regierung unter Führung
der Hamas, wie die radikalislamische Organisation am Samstag auf ihrer
Web-Seite erklärte. «Wir kandidieren für die
Volksversammlung, um den Überresten von Oslo ein Ende zu
bereiten», sagte er mit Blick auf die Friedensverträge
zwischen Israel und den Palästinensern von 1993 bis 1995.
Sahar wandte sich gegen die Möglichkeit, die für den 25.
Januar angesetzte Wahl erneut zu verschieben. «Präsident
(Mahmud) Abbas wird seine Glaubwürdigkeit verlieren, wenn er die
Wahlen verschiebt», sagte der Hamas-Führer während
eines Besuchs bei Familien, die im Nahost-Konflikt Angehörige
verloren. «Jeder, der die Wahlen blockiert, wird verlieren. Die
Wahlen werden stattfinden.» Die Kandidatur der Hamas könnte
Abbas' regierender Fatah-Partei Umfragen zufolge hohe Verluste
einbringen. Innerhalb der Fatah steigt deswegen der Druck auf Abbas,
die Abstimmung zum zweiten Mal zu verschieben.
In Dschenin im nördlichen Westjordanland sind am Samstag
bewaffnete Palästinenser mit der israelischen Armee
aneinandergeraten. Den kurzen Zusammenstößen sei ein
Militäreinsatz vorausgegangen, verlautete von palastinensischen
Sicherheitskräften. Die Armee habe mit knapp zwanzig Panzern und
einer Planierraupe ein fünfstöckiges Gebäude in Dschenin
umstellt und die Bewohner aufgefordert, sofort aus dem Haus zu kommen.
Die Soldaten hätten bewaffnete Anhänger der
Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad gesucht. Ein
Armeesprecher sagte, niemand sei festgenommen worden.
Die israelische Luftwaffe hat am Samstagmorgen den nördlichen
Gazastreifen bombardiert. In dem Gebiet befänden sich Stellungen,
"von denen Terroristen Kassam-Raketen auf unser Land feuern
können", sagte ein Militärsprecher. Allerdings seien weder im
Morgen noch in der Nacht Raketenschüsse bemerkt worden. Ende
Dezember hatte Israel einen Landstrich im nördlichen Gazastreifen
zum Sperrgebiet erklärt, um palästinensische Raketenangriffe
auf israelisches Gebiet zu verhindern.
(Quellen: afp, ap)
Syrien: Assad weist Vorwurf von Drohungen gegen Hariri zurück
So.08.01.06 - Der syrische Präsident Baschar Assad hat in einem am Samstag
veröffentlichten Interview Vorwürfe zurückgewiesen, er
habe den ermordeten früheren libanesischen Ministerpräsidenten
Rafik Hariri vor dessen Tod bedroht. Er wisse nicht, was damit gemeint
sei, sagte Assad der ägyptischen Wochenzeitung «Al
Osboa». «Das Spiel ist klar. Niemand hat dem letzten
Treffen zwischen mir und Hariri beigewohnt, wie können sie also
solche Beschuldigungen erheben?»
Der im Exil in Frankreich lebende frühere syrische
Vizepräsident Abdul Halim Chaddam hatte in einem Fernsehinterview
angedeutet, Assad habe Hariri vor dessen Ermordung am 14. Februar
vergangenen Jahres bedroht. Die mit der Aufklärung des Mordfalls
beauftragte UN-Ermittlungskommission kam zu dem Schluss, dass an dem
Anschlag auf Hariri ranghohe syrische und libanesische
Geheimdienstbeamte beteiligt waren. Mehrere Personen, mit denen Hariri
nach seinem Besuch bei Assad im August 2004 gesprochen habe, haben der
Kommission zufolge von Drohungen des syrischen Präsidenten
gegenüber dem libanesischen Politiker berichtet.
In dem Interview beschuldigte Assad Chaddam, schon während dessen
Amtszeit an antisyrischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein.
Er, Assad, habe dies aber nie beweisen können. «Bis jetzt
haben wir gewisse Details nicht.»
(Quelle: ap)
Nuklearmächte planen mehr Druck auf Iran im Atomstreit
So.08.01.06 - Im Atomstreit mit dem Iran wollen sich die fünf großen
Nuklearmächte Diplomaten zufolge erstmals gemeinsam einschalten und
so den Druck auf das Land erhöhen.
Die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China wollen
den Iran in einer gemeinsamen Erklärung davon abbringen, am Montag
wie angekündigt seine Nuklear-Forschungsarbeiten wieder
aufzunehmen, wie Diplomaten am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters
sagten. Zudem solle das Land aufgefordert werden, an den
Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Erklärung werde
voraussichtlich keine explizite Drohung enthalten, wie etwa die
Einschaltung des UN-Sicherheitsrates. Der diplomatische Druck werde aber
erhöht, da es die erste gegen den Iran gerichtete koordinierte
Initiative der fünf Staaten sei, die auch die ständigen
Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sind. Die
Erklärung werde die Einheit und den Zusammenhalt der Länder
demonstrieren, was so nicht immer der Fall gewesen sei, sagte ein
Vertreter der USA. Das Schriftstück solle in den kommenden Stunden
veröffentlicht werden, sagten Diplomaten.
Sollte der Iran tatsächlich am Montag wieder mit seinen
Nuklear-Arbeiten beginnen, könnte dies zu einer Eskalation des seit
Monaten andauernden Streits um das Atomprogramm des islamischen Staats
führen. Die USA und die Europäische Union (EU)
befürchten, dass das Land heimlich Atomwaffen herstellen will. Der
Iran weist dies zurück, er braucht die Nukleartechnologie nach
eigener Darstellung zur Elektrizitätsgewinnung.
In Teheran wollen derweil am Wochenende Vertreter Russlands und des
Iran zusammenkommen, um über einen Kompromissvorschlag Russlands zu
beraten. Im Wesentlichen hat die Regierung in Moskau angeboten, die
Uran-Anreicherung für den Iran in Russland zu übernehmen. Dies
bezeichnete ein Sprecher des iranischen Außenministeriums aber
bereits als inakzeptabel. Der Iran bestehe auf seinem Recht, im Rahmen
eines zivilen Atomprogramms selbst Uran anzureichern. Eine Anreicherung
in Russland könne nur zusätzlich in Betracht gezogen werden.
Russland setzt dennoch weiter auf eine diplomatische Lösung. "Wir
müssen diese Angelegenheit um der internationalen Sicherheit willen
beilegen, und der einzige Weg dahin führt über den Dialog",
sagte der russische UN-Gesandte Konstantin Dolgow am Freitag in New
York vor Journalisten. Den optimalen Rahmen dazu biete die
Internationale Atomenergiebehörde IAEA. Ein Diplomat der EU-Gruppe
um Deutschland, Frankreich und Großbritannien, die die
Europäische Union in dem Konflikt vertreten, äußerte
sich jedoch skeptisch. Der Iran erwecke nicht den Eindruck, als ob er
von seiner jüngsten Position doch noch abrücken werde.
Diplomaten erwarteten, dass die Rufe nach Einschaltung des
UN-Sicherheitsrates in den Atomstreit daher wieder lauter werden. Das
Entscheidungsgremium der Vereinten Nationen könnte letztlich
Sanktionen gegen den Iran verhängen.
(Quelle: rtr)
Fujimori erklärt Kandidatur für peruanische
Präsidentschaftswahl
So.08.01.06 - Der frühere peruanische Präsident Alberto Fujimori hat am
Freitag offiziell seine Kandidatur für die
Präsidentschaftswahl Anfang April angemeldet. Begleitet von einigen
Dutzend Anhängern übergab seine Tochter Keiko Sofía
Fujimori am Freitag in Lima das Schreiben an die peruanischen
Behörden. Das Wahlgericht der peruanischen Hauptstadt muss Anfang
nächster Woche über die Zulässigkeit des Antrags
entscheiden. Das peruanische Parlament hatte zuvor erklärt,
Fujimori könne in den nächsten Jahren nicht an einer Wahl
teilnehmen.
(Quelle: afp)
Kommandeur der UN-Friedenstruppe in Haiti erschießt sich
So.08.01.06 - Der brasilianische Kommandeur der UN-Friedenstruppe in Haiti hat sich
erschossen, wie ein UN-Beamter am Samstag mitteilte. Generalleutnant
Urano Teixeira da Matta Bacellar wurde nach Angaben der Behörden
am Morgen auf dem Balkon seines Hotelzimmers in Port-au-Prince tot
aufgefunden. Bacallar habe sich in den Kopf geschossen, sagte der
UN-Beamte, der anonym bleiben wollte.
Über die Hintergründe lagen zunächst keine Informationen
vor. UN-Vertreter in Haiti hätten Ermittlungen aufgenommen,
teilten die brasilianischen Streitkräfte mit.
UN-Generalsekretär Kofi Annan reagiert mit Bestürzung auf den
Tod des Generals. In Haiti sind seit Juni 2004 insgesamt 7.600 Soldaten
einer UN-Friedenstruppe stationiert. Bacellar hatte das Kommando Ende
August übernommen. Zu seinem Interimsnachfolger wurde der
chilenische General Eduardo Aldunate Herman ernannt.
(Quelle: ap)
Vogelgrippe in Türkei breitet sich nach Westen aus
So.08.01.06 - Die Vogelgrippe in der Türkei breitet sich nach den ersten
Todesfällen im Osten des Landes weiter nach Westen aus. In der
Provinz Ankara wurde der Handel mit Geflügel verboten, nachdem bei
zwei toten Wildgänsen an einem Stausee westlich der türkischen
Hauptstadt die Tierseuche nachgewiesen worden war, wie türkische
Medien am Samstag berichteten.
Ob dabei das für Menschen gefährliche Virus H5N1 festgestellt
wurde, ging aus den Berichten nicht hervor. Das Umweltministerium
verfügte ein landesweites Verbot der Jagd auf Wildvögel.
Neue Todesfälle wurden am Samstag zunächst nicht gemeldet.
Allerdings erhöhte sich die Zahl derer, die mit Verdacht auf
Vogelgrippe in Kliniken gebracht wurden. In Istanbul kam eine
siebenköpfige Familie ins Krankenhaus, die aus einem Vogelgrippe-
Gebiet im Osten stammt. In der Uni-Klinik der osttürkischen Stadt
Van, wo in den vergangenen Tagen drei Geschwister gestorben waren,
werden den Berichten zufolge noch mehr als 20 Patienten mit
Vogelgrippe-Symptomen behandelt.
Nach Angaben des Agrarministeriums wurden bislang zehn Infektionsherde
in insgesamt sechs der 81 Provinzen des Landes festgestellt. In den von
der Vogelgrippe betroffenen Gegenden im Osten der Türkei wurden
bislang rund 14 000 Tiere vernichtet.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat türkischen Angaben
zufolge unterdessen bestätigt, dass zwei der in der Türkei an
der Vogelgrippe gestorbenen Kinder mit dem gefährlichen Virus H1N5
infiziert waren.
Die Ergebnisse des WHO-Speziallabors in Großbritannien stimmten
mit den türkischen Laborbefunden überein, sagte der
türkische Gesundheitsminister Recep Akdag am Samstag in Ankara.
Allerdings gebe es zurzeit «keinerlei Besorgnis», was die
Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch anbetrifft.
Keiner der Patienten, die derzeit in der Universitätsklinik der
osttürkischen Stadt Van mit Verdacht auf Vogelgrippe behandelt
werden, sei in einem kritischen Zustand. Bislang gebe es keine
Bestätigung, dass sich Menschen auch in anderen Städten des
Landes mit der Tierseuche infiziert hätten, sagte Akdag. Der
Minister wollte im Laufe des Tages zusammen mit einer angereisten
WHO-Delegation in das osttürkische Vogelgrippegebiet fliegen.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Ankara starben zwei der
drei Geschwister aus Dogubeyazit an der Grenze zu Iran nachweislich am
gefährlichen Erreger H1N5. Bei der zuletzt gestorbenen
elfjährigen Schwester sei der Befund negativ ausgefallen. Dagegen
sei im Fall eines anderen der mehr als 20 Patienten in der Klinik in Van
der H1N5-Virus nachgewiesen worden.
(Quelle: dpa)
Deutschland hat EU-weit vierthöchste Arbeitslosigkeit
So.08.01.06 - Europas größte Volkswirtschaft Deutschland liegt bei der
Arbeitslosigkeit weiter hinter den meisten EU-Staaten zurück. Nach
Zahlen des Europäischen Statistikamtes verzeichnete die
Bundesrepublik im November EU-weit die vierthöchste
Arbeitslosenquote.
Nur in Polen, der Slowakei und Griechenland war die Lage auf dem
Arbeitsmarkt noch schwieriger. Zwar sank die Arbeitslosenquote nach den
Eurostat-Angaben von 9,5 Prozent im November 2004 leicht um 0,2 Punkte
auf 9,3 Prozent im vergangenen November. Aber in anderen Ländern
besserte sich die Lage viel deutlicher. Spanien, Lettland und Litauen
hatten vor Jahresfrist noch mit höheren Arbeitslosenzahlen zu
kämpfen als Deutschland. Seither drückten sie ihre Quoten
unter deutsches Niveau.
Deutschland liegt nun bei der Arbeitslosigkeit auf Platz 22 der 25
EU-Staaten. Auch von der durchschnittlichen EU-Quote von zuletzt 8,5
Prozent war die Bundesrepublik damit im November 2005 weiter entfernt
als ein Jahr zuvor. Damals war die deutsche Quote 0,5 Prozentpunkte
schlechter als der EU-Durchschnitt von 9,0 Prozent. Zuletzt waren es
laut Eurostat 0,8 Punkte.
Insgesamt 16 EU-Staaten konnten über ein Jahr betrachtet ihre
Arbeitslosigkeit abbauen. Den stärksten relativen Anstieg hingegen
verzeichneten Länder mit eher niedriger Quote: Luxemburg von 4,9
auf 5,6 Prozent, Ungarn von 6,5 auf 7,3 Prozent, Portugal von 7,0 auf
7,5 Prozent, Zypern von 5,9 auf 6,3 Prozent sowie Großbritannien -
nach Angaben für September - von 4,6 auf 4,8 Prozent.
Die niedrigsten Quoten wiesen Irland mit 4,3 Prozent und Dänemark
mit 4,5 Prozent auf. Die Niederlande lagen mit 4,7 Prozent auf Platz 3.
Am Ende der Tabelle fanden sich Polen mit 17,4 Prozent und die Slowakei
mit 16,0 Prozent. Die Zahlen können wegen unterschiedlicher
Berechnungsgrundlagen von nationalen Angaben abweichen. Für
Deutschland verwendete Eurostat vorläufige Daten.
(Quelle: dpa)
Hartz-IV-Empfänger sollen Bedürftigkeit beweisen
So.08.01.06 - Hartz-IV-Empfänger sollen nach Ansicht der Bundesagentur für
Arbeit künftig beweisen, dass sie bedürftig sind. Vor allem im
Falle der "eheähnlichen Gemeinschaften" müsse künftig
eine Umkehr der Beweispflicht gelten, sagte der Vize-Vorsitzende des
Verwaltungsrats, Peter Clever, dem "Focus". Bei Paaren, die in einer
eheähnlichen Gemeinschaft wohnen, wird das Einkommen des Partners
bei der Berechnung des Arbeitslosengeld II herangezogen.
Künftig müsse es genügen, wenn "zwei zusammenleben und
sich Bett und Schrank teilen", sagte Clever. Bislang müssen die
Ämter diesen Nachweis führen und scheitern damit
regelmäßig vor den Sozialgerichten.
Der Staatssekretär im bayerischen Sozialministerium, Jürgen
Heike, unterstützte Clevers Vorstoß. "Wer Leistungen vom
Staat will, soll beweisen, dass er Anspruch darauf hat", sagte Heike im
"Focus". Dies hätte den Nebeneffekt, dass das Erschleichen von
Zahlungen durch Fehlangaben den Tatbestand des Betrugs erfülle.
"Diese Menschen können dann zu einer Rückzahlung und einer
Geldstrafe verurteilt werden", sagte er. Wer kein Geld habe, müsse
"mit einer Haftstrafe rechnen".
(Quelle: afp)
Export und Investitionen haben Wachstum 2005 getrieben
Privater Konsum von Quartal zu Quartal geschrumpft
So.08.01.06 - Das starke Exportgeschäft und die anziehenden Investitionen haben
Deutschland 2005 vermutlich zu knapp einem Prozent Wirtschaftswachstum
verholfen.
"Vor allem die Exporte haben sich ab der Jahresmitte beschleunigt, und
dann gab es noch eine leicht positive Überraschung seitens der
Ausrüstungsinvestitionen", sagte Postbank-Analyst Heinrich Bayer
mit Blick auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das vom
Statistischen Bundesamt am Donnerstag für 2005 nach ersten
Berechnungen veröffentlicht wird. Auch die Außenhandelsdaten
für November, die am Montag anstehen, und das
ZEW-Konjunkturbarometer am Dienstag dürften das Bild stützen,
dass sich der Aufschwung aus der zweiten Hälfte 2005 kräftig
ins neue Jahr fortsetzt.
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten erwarten, dass
die Wirtschaft im vergangenen Jahr um ein Prozent gewachsen ist. "Im
zweiten Halbjahr hatten wir eine höhere Dynamik als im ersten",
sagte Lutz Karpowitz von der Bayerischen Landesbank. Das Wachstum sei
vor allem vom Außenhandel getragen. "Im Prinzip kommt aus der
Inlandsnachfrage nichts." Einen Hoffnungsschimmer lieferten nur die
Ausrüstungsinvestition der Unternehmen, die vermutlich um knapp
fünf Prozent zugelegt hätten. Der private Konsum, der etwa 60
Prozent des BIP ausmacht, sei dagegen von Quartal zu Quartal
geschrumpft. "Solange wir da nicht einen vernünftigen Zuwachs
hinkriegen, ist der Ausschwung alles andere als selbsttragend", sagte
der Analyst. Auch sein Kollege Bayer befand, dass der Konsum "mal wieder
die große Enttäuschung ist". Es gebe aber Anzeichen, dass es
im laufenden Jahr besser werde.
Der Export dürfte 2006 eine starke Säule der deutschen
Wirtschaft bleiben: "Wir sehen an den Auftragsdaten das wir vor einem
weiteren Exportschub stehen, der auch die Wachstumsimpulse bis weit in
dieses Jahr hinein tragen sollte", sagte Bayer. Im Schnitt erwarten die
Analysten, dass die Exporte die Importe im November deutlicher
übertreffen als im Vormonat. Damit sollte der Außenhandel
nach Ansicht Bayers einen Wachstumsbeitrag im vierten Quartal 2005
geleistet haben, trotz des Oktobers, als die Importe stärker
zulegten als die Exporte und damit den Außenhandelsbeitrag
verringerten.
Wegen der zuletzt sehr guten Wirtschaftsdaten sollte auch die Stimmung
der vom ZEW befragten Finanzmarktanalysten steigen. "Die letzten Daten
zeigen tatsächlich, dass wir nicht vor einem Aufschwung stehen,
sondern uns mitten in einem Aufschwung befinden", sagte Bayer. Dies
sollte vor allem die Einschätzung der aktuellen Lage verbessern,
während die Konjunkturerwartung bereits ausgesprochen gut gewesen
sei. Auch der starke Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas im Dezember
dürfte die Analysten optimistischer gestimmt haben.
Stimmungsdämpfend wirken nach Ansicht Bayers dagegen die
durchwachsenen Konjunktursignale aus den USA, der zuletzt wieder etwas
höhere Ölpreis und die leichte Aufwertung des Euro. Bereits
der ZEW-Anstieg im vergangenen Monat auf 61,6 von 38,7 Punkte sei ein
gewaltiger Sprung gewesen, sagte Karpowitz. Trotzdem werde der Index im
Januar steigen, "wobei die Luft nach oben irgendwann ausgeht". Im
Schnitt erwarten die Volkswirte, dass das Barometer im Januar auf 65
Punkte zulegt.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung will Zuwanderungsrecht verschärfen
Türkische Gemeinde hat verfassungsrechtliche Bedenken.
Baden- württembergischer Fragebogen für
einbürgerungswillige Muslime stößt beim Zentralrat der
Juden und bei Verfassungsrechtlern auf Kritik
So.08.01.06 - Die Bundesregierung will das Ausländerrecht in wichtigen Punkten
verschärfen, um Zwangsehen, Prostitution und Schleusung erheblich
zu erschweren. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde den anderen
Ressorts zur Abstimmung zugeleitet, wie eine Sprecherin des
Bundesinnenministeriums am Samstag auf AP-Anfrage sagte und damit eine
«Spiegel»-Vorabmeldung bestätigte.
Der 260-seitige Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum
Ausländerrecht sieht nach Angaben der Sprecherin unter anderem
vor, dass Ehepartner beim Familiennachzug erst ab dem 21. Lebensjahr
eine Aufenthaltserlaubnis erhalten sollen, um so «junge
Ausländer vor Zwangsehen zu schützen».
Ausdrücklich untersagt wird eine Aufenthaltserlaubnis bei
Scheinehen.
Künftig soll zudem jeder Ausländer «auf
Verlangen» ein digitales Foto vorlegen, das grundsätzlich im
Ausländerzentralregister gespeichert werden darf. Langfristig will
das Innenministerium so bis zu 30 Millionen Lichtbilder erfassen. In
dem Register können die Ausländerbehörden künftig
bei Zweifeln an der Identität eines Antragstellers mittels
biometrischer Merkmale recherchieren.
Mit dem Gesetz will die Bundesregierung unter anderem elf
EU-Richtlinien umsetzen, mit denen die «zentralen Elemente»
des Ausländer- und Asylrechts in der Gemeinschaft angeglichen
werden. Die Fristen für die Umsetzung einiger dieser Richtlinien
laufen schon im Herbst ab, wie die Ministeriumssprecherin sagte. Vorher
solle das Gesetzespaket verabschiedet werden. Einige der geplanten
Änderungen seien zudem schon in der Koalitionsvereinbarung
angekündigt worden.
Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat verfassungsrechtliche
Bedenken gegen die geplante Verschärfung des Zuwanderungsrechts.
Mit einer Erhöhung des Zuzugsalters auf 21 Jahre würden keine
Zwangsheiraten verhindert, «sondern das Verfassungsrecht auf die
Einheit der Familie», erklärte der Bundesvorsitzende der
Gemeinde, Kenan Kolat. Auch Pläne, nach denen nachziehende
Ehegatten bereits vor der Einreise Deutschkenntnisse nachweisen
sollten, würden keinen Bestand vor den Gerichten haben.
Der baden-württembergische Fragebogen für
einbürgerungswillige Muslime stieß unterdessen auch beim
Zentralrat der Juden und bei Verfassungsrechtlern auf Kritik. Der
Zentralrat der Muslime will sogar dagegen klagen. Die Grünen
kündigten derweil eine Offensive für mehr
Ausländer-Rechte an.
Die von Baden-Württemberg seit Anfang des Jahres angeordnete
Gesinnungsprüfung für Einbürgerungsanwärter aus
islamischen Staaten ist nach Einschätzung des Präsidenten des
Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, «kontraproduktiv». Es
handele sich um einen «unbedachten Schnellschuss, der schleunigst
ernsthaft überprüft werden muss», sagte er dem
«Spiegel» laut einer Vorabmeldung.
Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Ernst Gottfried
Mahrenholz, sagte dem Magazin, der Fragenkatalog «dürfte der
europäischen Antidiskriminierungsrichtlinie widersprechen».
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem
Elyas, kündigte im Deutschlandradio Kultur eine Klage gegen den
Frageborgen an. Dieser sei «nicht verfassungskonform und nicht
integrationsfördernd».
Zur Förderung der Integration hat die Fraktionschefin der
Grünen im Bundestag, Renate Künast, in der «Welt am
Sonntag» unter anderem eine proportionale Besetzung
öffentlicher Ämter mit Ausländern gefordert. Die
Initiative ihrer Partei sei eine Reaktion auf Fehlentwicklungen in der
Gesellschaft, wie der Abschottung von Zuwanderergruppen und der hohen
Zahl junger Männer ohne Bildungsabschluss. Auch der Umgang mit
Frauen und Mädchen sei vielfach nicht akzeptabel.
(Quellen: ap, dpa)
Wissenschaft
Wichtige Entdeckung zur Behandlung von Depressionen
So.08.01.06 - Ein internationales Forscherteam hat möglicherweise eine wichtige
Entdeckung zur Behandlung von Depressionen gemacht. Im Mittelpunkt der
Forschungsergebnisse steht ein als p11 bezeichnetes Protein, das bei der
Übermittlung des schlaf- und stimmungsregulierenden Botenstoffs
Serotonin eine Rolle spielt, wie aus dem Wissenschaftsmagazin "Science"
hervorging. "Wir haben bewiesen, dass ein Gen namens p11 an den
komplizierten Veränderungen beteiligt ist, die Depressionen
zugrunde liegen", erklärte der Wissenschaftler Per Svenningsson.
Bei Versuchsmäusen, aber auch bei Patienten, die unter der
Krankheit litten, wurde demnach eine verminderte Zahl an p11-Proteinen
festgestellt. Medikamente, die den p11-Wert steigerten, könnten
also anti-depressive Wirkung haben.
Schon in der Vergangenheit sahen Wissenschaftler einen Zusammenhang
zwischen Depressionen und der Serotoninproduktion im Hirn. Nun konnte
das internationale Wissenschaftlerteam an zwei genetisch manipulierten
Mäusestämmen nachweisen, dass der Serotoninregulator p11 eine
wichtige Rolle bei der psychischen Krankheit spielt. Mäuse, die gar
kein p11 produzieren konnten, verhielten sich depressiv und sprachen
auch nicht auf Antidepressiva an. Mäuse mit einer
p11-Überproduktion waren hingegen hyperaktiv und verhielten sich,
als seien sie mit Antidepressiva behandelt worden.
An dem Forschungsprojekt waren Wissenschaftler der Rockefeller
University in den USA, des schwedischen Karolinska-Instituts und der
französischen Universität von Rouen sowie der US-Pharmakonzern
Eli Lilly beteiligt.
(Quelle: afp)
Charité-Forscher weist Kritik an Lärm-Studie zurück
So.08.01.06 - Um die Aufsehen erregende Lärmstudie der Berliner Charité
ist Streit zwischen Auftraggebern und Forschern entbrannt. Der Leiter
der Studie, Stefan Willich, wies die Kritik des Umweltbundesamtes (UBA)
an seiner Interpretation zurück.
«Diese Studie ist nach höchsten internationalen
Wissenschaftsstandards durchgeführt worden.» Er verwies auf
Veröffentlichungen in Fachjournalen wie dem «European Heart
Journal» (DOI: 10.1093/eurheartj/ehi658).
Laut der Charité-Studie erhöht chronischer Lärm das
Herzinfarkt-Risiko bei Männern um 50 Prozent und bei Frauen sogar
um 200 Prozent. Das Umweltbundesamt, das zu den Auftraggebern der Studie
zählt, hatte diese Interpretation am Donnerstag in mehreren
Details angezweifelt. Die Aussagen beruhten auf einer unzulässigen
Interpretation der statistischen Ergebnisse, hatte das UBA betont.
Für Frauen habe die Lärmstudie kein erhöhtes
Herzinfarkt-Risiko durch Verkehrslärm ergeben. Für Männer
liege das Risiko leicht - um rund 30 Prozent - höher.
An der Charité-Lärm-Studie nahmen zwischen 1998 und 2001
mehr als 4000 Patienten aus 32 Berliner Krankenhäusern teil. Die
Untersuchung ist nach Charité-Angaben die weltweit
größte Querschnittsstudie zu diesem Thema.
(Quelle: dpa)