Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertdreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Deutscher Auslandsgeheimdienst hat angeblich US-Truppen im Irak-Krieg
unterstützt. US-Soldaten töten in Bagdad sechs
Aufständische. Britischer Offizier kritisiert Vorgehen der
US-Streitkräfte im Irak. Bush drängt zu 'ehrlicher'
Irak-Debatte im Kongress-Wahlkampf. Deutschland verstärkt
Wiederaufbauhilfen für Irak
Do.12.01.06 - Der Bundesnachrichtendienst soll die US-Truppen im Frühjahr 2003
während des Irak-Kriegs aktiv unterstützt haben. Das berichten
übereinstimmend das ARD-Magazin "Panorama" und die
"Süddeutsche Zeitung". Dabei sollen BND-Mitarbeiter angeblich sogar
bei der Identifizierung von Bombenzielen geholfen haben. Die
Zusammenarbeit sei vom damaligen Geheimdienst-Koordinator im Kanzleramt,
Ernst Uhrlau, und dem damaligen BND-Präsidenten August Hanning
gebilligt worden, berichtet die "SZ".
Der deutsche Auslandsgeheimdienst bestätigte den Berichten zufolge
die Anwesenheit der Agenten, bestritt jedoch eine Unterstützung bei
der Auswahl von Bombenzielen. Die Regierung von Bundeskanzler
Schröder hatte stets beteuert, sie lehne den Irak-Krieg ab und
beteilige sich daher auch nicht an diesem Krieg.
Amerikanische Soldaten haben am Mittwoch bei einem Feuergefecht in der
irakischen Hauptstadt Bagdad sechs Aufständische getötet. Zwei
der Getöteten trugen einen Sprengstoffgürtel am Körper,
wie ein Militärsprecher mitteilte. Die Soldaten nahmen
außerdem einen Mann gefangen und hoben ein umfangreiches
Waffenversteck aus. Den Angaben zufolge wurden die Soldaten zuerst
angegriffen und erwiderten dann das Feuer.
Ein britischer Offizier hat den US-Streitkräften im Irak eine
«kulturelle Unsensibilität» vorgeworfen, die an
Rassismus grenze. Überdies habe er bei den US-Truppen eine
«Prädisposition für offensive Operationen»
festgestellt, schreibt der britische Brigadegeneral Nigel Aylwin-Foster
in einem Artikel, der in der jüngsten Ausgabe der von den
US-Streitkräften herausgegebenen Zeitschrift «Military
Review» veröffentlicht worden ist. [http://usacac.leavenworth.army.mil/CAC/milreview]
Aylwin-Foster leitete im Jahr 2004 gemeinsam mit US-Offizieren ein
Ausbildungsprogramm für irakische Soldaten in Bagdad. In seinem
Artikel betont er, die US-Soldaten hätten auf ihn sehr patriotisch,
pflichtbewusst und engagiert gewirkt. Gelegentlich aber sei «ihre
kulturelle Unsensibilität, die sicher nicht beabsichtigt war,
durchaus auf institutionellen Rassismus hinausgelaufen».
Insgesamt seien die US-Streitkräfte auf die Bekämpfung der
Aufständischen im Irak schlecht vorbereitet gewesen, schreibt
Aylwin-Foster weiter. Ihre Fehler hätten zu der anhaltenden
Instabilität des Landes beigetragen. Der britische Offizier betont,
mit seinem Artikel wolle er den US-Streitkräften helfen,
«einer Institution, vor der ich großen Respekt habe».
US-Präsident George W. Bush hat eine ehrliche Debatte über
den Irak-Krieg im anstehenden Kongress-Wahlkampf verlangt. "Ich erwarte
eine ehrliche Debatte über den Irak und ich begrüße
dies", sagte Bush am Mittwoch (Ortszeit) vor Bewohnern von Louisville im
US-Bundesstaat Kentucky. Die Teilnehmer an der Debatte sollten sich aber
daran erinnern, dass ihre "Rhetorik" die US-Truppen im Irak auch
schwächen und den Feind stärken könne. Bush unterstrich,
dass ihm die Entscheidung für den Irak-Krieg schwer gefallen sei,
jetzt aber "da wir dort sind, müssen wir Erfolg haben." Die
Kongresswahlen finden im November 2006 statt. Die Demokraten hoffen
darauf, den Republikanern zumindest in einer der beiden
Parlamentskammern die Mehrheit abzuringen.
Deutschland tritt dem Internationalen Wiederaufbaufonds für Irak
bei und stellt dafür zehn Millionen US-Dollar (8,2 Millionen Euro)
zur Verfügung. Das teilte die deutsche Entwicklungshilfeministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul am Mittwoch in Berlin mit. Mit diesen Mitteln
soll nach ihren Angaben die UN-Organisation für Entwicklung (UNDP)
beim Auf- und Ausbau von Berufsschulen im Irak unterstützt werden.
«Dieses Berufsschulprogramm im Irak verbindet sich optimal mit
unseren weiteren Unterstützungsmaßnahmen», sagte
Wieczorek-Zeul. So habe die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bisher
200 irakische Wasser- und Elektrotechniker in Ägypten ausgebildet,
weitere 350 Menschen sollen in diesem Jahr in dieses Ausbildungsprogramm
aufgenommen werden. Nun könnten diese irakischen Fachleute ihr
Wissen an den neu eingerichteten Berufsschulen weitergeben.
(Quellen: ap, afp, rtr, br-Radionachrichten, dpa, ddp)
Besatzer sperren Städte ab
Irak: Ortschaften mit großem Widerstandspotential
eingezäunt. Marionettentruppen sollen Bewachung übernehmen.
US-Präsident attackierte Gegner des Kriegs... Mehr in 'junge Welt'
vom 12.01.06:
http://www.jungewelt.de/2006/01-12/006.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 12.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.12.01.05 - Zunehmende Sorge um Sicherheitslage vor Wahlen im Irak. Irakische Armee
soll verstärkt werden. Iraks Übergangspräsident Allawi
schließt Verschiebung der Wahl in einigen Landesteilen nicht aus.
Kommandeur der polnischen Truppen im Irak glaubt nicht, dass die Wahlen
zur Stabilisierung des Landes beitragen werden +++ Mindestens 15
Tote bei Anschlägen. Die Angriffe der Aufständischen im Irak
verursachten Schaden von zehn Milliarden Dollar +++ UNHCR: Falludscha
immer noch weitgehend von ihren Bewohnern verlassen +++ Folter-Prozess: Graner-Anwalt
verharmlost Praktiken in Abu Ghraib +++ Briten vor Militärgericht:
Soldaten sollen Iraker misshandelt haben +++ Zustimmung zu Irak-Krieg
sinkt in Großbritannien auf Rekordtief...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Amnesty: Menschenrechtsverletzungen in Guantánamo
Do.12.01.06 - Zum vierten Jahrestag der ersten Überstellung von
Terrorverdächtigen ins Militärlager Guantánamo hat
Amnesty International der US-Regierung am Mittwoch schwere
Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. "In Guantánamo wurden gut
500 Männer mit einer derart groben Verachtungen behandelt, wie sie
eigentlich kein Mensch erleiden sollte", heißt es in einer in
London veröffentlichten Erklärung der
Menschenrechtsorganisation. "Es überrascht nicht, dass einige der
Männer nach Jahren der Ungewissheit erklären, sie würden
lieber sterben als unbegrenzt in Guantánamo zu bleiben."
Amnesty International veröffentlichte zu dem Jahrestag die
Aussagen mehrerer Guantánamo-Häftlinge, die die USA schwerer
Misshandlungen bezichtigen. Der 34 Jahre alte Jemenit Abdulsalam el Hela
sei im Jahr 2002 während einer Geschäftsreise in Ägypten
vom US-Geheimdienst CIA entführt und in ein Lager nach Afghanistan
verschleppt worden. Dort sei er zwei Jahre festgehalten und psychisch
gefoltert worden, bevor er dann 2004 nach Guantánamo auf Kuba
gebracht wurde, wie Amnesty berichtet.
Der bahrainische Staatsbürger Dschumah el Dossari sei Ende 2001 in
Afghanistan gefangengenommen und nach Guantánamo gebracht worden.
Er berichtete von Schlägen, sexuellen Übergriffen und langen
Perioden in Einzelhaft. Amnesty International forderte die
Internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf die USA zu erhöhen,
damit die Häftlinge ein rechtsstaatliches Verfahren bekommen. Die
US-Armee gab unterdessen bekannt, dass mehrere neue
Militärtribunale gegen Terrorverdächtige in Guantánamo
eröffnet würden.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Hamas-Aktivist nach Anschlägen zu 35 Mal Lebenslänglich
verurteilt. Scharons Partei legt in Umfragen noch weiter zu. Deutscher
Ex-Außenminister Fischer: Scharon war nie ein Mann des Friedens
Do.12.01.06 - Weil er zwei Selbstmordattentate mit dutzenden Toten planen und
vorbereiten half ist ein ehemaliger Aktivist der radikalen
Palästinenserorganisation Hamas zu einer 35-fachen
lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. Abbas el Sajad, der
ehemalige Anführer des bewaffneten Hamas-Arms in Tulkarem, wurde am
Dienstag von einem Gericht in Tel Aviv für schuldig befunden, zwei
Anschläge auf ein Einkaufszentrum und ein Hotel in der Stadt
Netanja geplant und vorbereitet zu haben, bei denen in den Jahren 2001
und 2002 insgesamt 35 Menschen ums Leben kamen. Der Palästinenser
wurde zudem wegen versuchten Mordes und der Zugehörigkeit zu einer
terroristischen Organisation zu weiteren 50 Jahren Gefängnis
verurteilt.
Die neue Partei des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon
hat in Umfragen weiter zugelegt.
Am Mittwoch veröffentlichten Ergebnissen zufolge käme sie
derzeit auf einen Anteil von bis zu 45 Sitzen im neuen Parlament aus 120
Abgeordneten. Es war das bislang stärkste Abschneiden der Partei,
die Scharon im November unter dem Namen Kadima gegründet hat.
Eine Woche nach dem schweren Schlaganfall des Regierungschefs wurde bei
den Befragungen davon ausgegangen, dass der derzeit amtierende
Ministerpräsident Ehud Olmert die Partei in die Wahl am 28.
März führt. Der 60-Jährige ist ein enger Vertrauter
Scharons, gilt jedoch als weniger durchsetzungsfähig als der
77-jährige Ex-General, dem viele Israelis zutrauen, den Konflikt
mit den Palästinensern zu beenden. Scharon rückte mit der
Kadima in die politische Mitte und löste offenbar einen
entsprechenden Umschwung in Israel aus. Es ist derzeit offen, ob diese
Entwicklung von Dauer ist.
In den Umfragen für die Zeitungen "Haaretz" und "Maariw" kommt
Scharons ehemalige Partei, der rechts-konservative Likud auf lediglich
13 bis 15 Sitze und würde damit nur drittstärkste Fraktion im
neuen Parlament. Die sozialdemokratische Arbeitspartei unter Amir Perez,
die ebenfalls Mitglieder an die Kadima verloren hat, erhielte 16 bis 18
Sitze. Deren Generalsekretär Eitan Cabel wertete die steigende
Zustimmung zur Kadima als Folge des Mitleids und der Sympathie für
den schwer kranken Regierungschef. Bis zum Wahltag werde sich dieser
Effekt verlieren, sagte er. Bei der Wahl 2003 hatte der Likud unter
Scharon 38 Sitze erobert und die Arbeitspartei 19.
Scharon liegt in einer Jerusalemer Klinik. Seine Ärzte waren am
Mittwoch dabei, die Betäubungsmittel weiter zu reduzieren, die ihn
in einem künstlichen Koma hielten. Erst nach einer Rückkehr
des Bewusstseins kann beurteilt werden, welche Schäden der
77-Jährige durch den schweren Schlaganfall und die massiven
Hirnblutungen erlitten hat. Experten gehen nicht davon aus, dass er
seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen kann.
Der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer hat eine kritische
Bilanz der Amtszeit des israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon gezogen. "Er war weder als Politiker noch gar als Militär
ein Mann des Friedens", schrieb Fischer in einem Beitrag für die
Wochenzeitung "Die Zeit". Einerseits sei es Scharons bleibendes
Verdienst, mit dem israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen zum
ersten Mal besetztes palästinensisches Gebiet ohne Gegenleistung
aufgegeben zu haben. Hinter diese strategische Wende Israels werde kaum
ein Weg zurückführen, egal, wie die bevorstehenden Wahlen auf
beiden Seiten ausgehen würden. Andererseits sei Scharon jedoch "der
politische Ziehvater der territorialen Expansion und damit der
israelischen Siedlungsbewegung", schrieb Fischer weiter.
(Quellen: afp, rtr)
UN-Einschaltung wegen Iran warscheinlicher denn je
Blair schließt militärisches Vorgehen nicht aus. Iran
verteidigt Wiederaufnahme des Atomprogramms
Do.12.01.06 - Nach der Wiederaufnahme des iranischen Atomforschungsprogramms
erwägt die internationale Gemeinschaft die Anrufung des
UN-Sicherheitsrats. Dieser Schritt sei "wahrscheinlicher denn je",
sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Sean McCormack, in
Washington. US-Außenministerin Condoleezza Rice habe bereits mit
ihrem britischen Kollegen Jack Straw und dem Chef der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, telefoniert. Der
britische Premierminister Tony Blair schloss ein militärisches
Vorgehen nicht aus.
McCormack sagte, Washington stehe in intensiven Beratungen mit seinen
Verbündeten. Es sei möglich, dass der Gouverneursrat der IAEA
zu einer Sondersitzung einberufen werde.
"Wir schließen offensichtlich keinerlei Maßnahme aus",
sagte Blair im Parlament in London. Mit Blick auf das Treffen des so
genannten EU-Trios am Donnerstag in Berlin sagte er, eine Anrufung des
UN-Sicherheitsrates in dem Streit sei "wahrscheinlich". Die
Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und Spaniens,
die im Namen der Europäischen Union mit Teheran verhandeln, wollen
bei dem Krisentreffen zusammen mit dem EU-Außenbeauftragten
Javier Solana über die weiteren Schritte beraten.
Solana erklärte, die EU werde dem Iran "eine klare Botschaft"
übermitteln. Der EU-Außenbeauftragte sei "sehr besorgt
angesichts des Ernsts der Lage", sagte seine Sprecherin Christina
Gallach.
Auch der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow zeigte sich
"persönlich enttäuscht und alarmiert" über die
Entwicklung im Iran. Als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats
behalte Russland sich das Recht vor, "der Lage angemessen zu
reagieren", zitierten ihn Nachrichtenagenturen.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich
gelassen. Das iranische Volk werde sich "nicht einschüchtern
lassen und entschieden auf dem Weg des Fortschritts und der Entwicklung
voranschreiten". Der frühere iranische Präsident Akbar
Haschemi Rafsandschani verteidigte ebenfalls die Wiederaufnahme des
Forschungsprogramms. Iran strebe nicht nach Atomwaffen. "Wir
können nicht auf unser Recht verzichten", sagte Rafsandschani, der
Vorsitzender des Schlichterrats ist, des höchsten
Vermittlungsorgans im iranischen politischen System. "Wir werden mit
Weisheit unsere Rechte verteidigen und wenn man uns Schwierigkeiten
bereitet, werden sie es bereuen und der Iran wird als Sieger
hervorgehen."
Der Iran hatte am Dienstag die Siegel an der Atomforschungsanlage
Natans entfernt, um dort wieder Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in
Betrieb zu nehmen. Die USA und die EU kritisierten den Schritt scharf.
Sie fürchten, der Iran könnte in seinen Anlagen am Bau von
Atomwaffen arbeiten.
(Quellen: afp, rtr)
USA und Australien bekräftigen Ablehnung von Kyoto-Protokoll
Do.12.01.06 - Vertreter der weltweit größten Treibhausgas-Verursacher
haben am Mittwoch in Sydney über umweltfreundlichere Wege der
Energiegewinnung beraten und zugleich ihre Ablehnung des
Kyoto-Protokolls bekräftigt. Die Delegationen aus den USA und
Australien betonten ihren Ansatz, wonach die Industrie freiwillig zu
einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes bewegt werden könne.
Umweltschützer kritisierten die Konferenz als Farce, mit der die
Regierungen von ihrer Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel
ablenken wollten.
An dem zweitägigen Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Partnerschaft
für Saubere Entwicklung und Klima nehmen Regierungs- und
Wirtschaftsvertreter aus den USA, Australien, Japan, China,
Südkorea und Indien teil. In den Staaten leben 45 Prozent der
Weltbevölkerung, und sie stoßen fast die Hälfte des
Treibhausgases aus.
«Ich glaube, dass die Wirtschaftsführer auch Kinder und
Enkelkinder haben, dass sie in dieser Welt leben und atmen», sagte
US-Energieminister Samuel Bodman. Man müsse mit den Firmenchefs
zusammenarbeiten, um sie für die notwendigen Anpassungen zu
gewinnen. Der australische Außenminister Alexander Downer
appellierte ebenfalls an die Industrie. «Die Unternehmen
müssen individuelle Strategien entwickeln. Wir versuchen auf dem
Gipfel nicht, Gesetze zu machen.»
Greenpeace-Sprecher Ben Pearson kritisierte die Veranstaltung.
Australien und die USA müssten so tun, als unternähmen sie
auch ohne Kyoto etwas gegen den Klimawandel. «Deswegen haben sie
diese Fassade errichtet.» Er rief die Konferenzteilnehmer auf, die
erneuerbaren Energien stärker zu fördern, umso den
CO2-Ausstoß zu reduzieren.
Die meiste Aufmerksamkeit wurde am Mittwoch jedoch der Kohle zuteil.
Während Umweltschützer den fossilen Brennstoff als eines der
Hauptübel betrachten, wiesen Industrievertreter darauf hin, dass
wegen der rasch steigenden Energienachfrage Kohle über Jahrzehnte
eine der wichtigsten Quellen bleiben werde. Anstatt die Kohle zu
verteufeln solle man sich auf umweltschonende Verfahren zum Abbau und
zur Verfeuerung von Kohle konzentrieren, sagte Mark O'Neil, Direktor des
australischen Kohleverbandes. Als Schlüsseltechniken wurden in
Sydney zwei Verfahren diskutiert: Gasifizierung, ein chemischer Prozess
zur Umwandlung von Kohle in Gas, und «oxy fuel», ein
Verfahren, bei dem reiner Sauerstoff anstelle von Luft zur Verbrennung
von Kohle verwendet wird.
(Quelle: ap)
US-Regierung gibt Marschland in Alaska für Ölbohrungen frei
Do.12.01.06 - Das US-Innenministerium hat am Mittwoch grünes Licht für
Öl- und Gasbohrungen in einem Biotop für Rentiere und
Wildgänse in Alaska gegeben. Die Freigabe des Marschlands um den
Teshekpuk-See wurde von Umweltschützern scharf kritisiert. Es
liegt in der Nähe eines Naturschutzgebietes, das nach dem Willen
der Regierung ebenfalls den Ölkonzernen geöffnet werden soll
- der Senat lehnte dies im Dezember jedoch ab.
Bei der am Mittwoch freigegebenen, über 200.000 Hektar
großen Fläche handelt es sich nicht um ein
Naturschutzgebiet. Das Marschland ist aber ein wichtiger Lebensraum
für Wildgänse und Rentiere und wurde deshalb jahrzehntelang
von einer wirtschaftlichen Erschließung verschont. Das Büro
für Landmanagement (BLM) in Alaska veröffentlichte jedoch
bereits vor einem Jahr ein Gutachten, wonach eine Erschließung
des Gebiets mit «minimalen Auswirkungen» für die dort
lebenden Tiere möglich sei.
Das Gebiet soll in sieben Teilstücken von 18.000 bis 24.000 Hektar
Größe an Öl- und Gaskonzerne vermietet werden. Dabei
gelte die Auflage, dass Bohrplattformen, Straßen und andere
Installationen maximal eine Fläche von jeweils 120 Hektar
einnehmen dürften, sagte BLM-Direktor Henri Bisson der
Nachrichtenagentur AP.
Die Regierung vermutet im Gebiet um den Teshekpuk-See rund zwei
Milliarden Barrel Öl und 105 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das
Gelände ist Teil der so genannten Nationalen Ölreserve
Alaska, eines riesigen Gebiets mit einer Gesamtfläche von neun
Millionen Hektar, das sich in Bundesbesitz befindet. Ein Großteil
davon wurde bereits in den 90er Jahren für die Öl- und
Gasförderung geöffnet. «Anscheinend haben 87 Prozent
(der Region) für die Ölkonzerne nicht ausgereicht»,
stellte Eleanor Huffines von der Tierschutzorganisation Wilderness
Society am Mittwoch verärgert fest.
(Quelle: ap)
Tausende europäische Hafenarbeiter protestieren gegen EU-Richtlinie
Do.12.01.06 - Europäische Hafenarbeiter haben aus Protest gegen eine geplante
EU-Richtline die Arbeit niedergelegt und damit zahlreiche Häfen
lahm gelegt. Allein in neun norddeutschen Häfen beteiligten sich
4500 Beschäftigte an Aktionen. Der Protest richtet sich gegen die
EU-Richtlinie für Hafendienstleistungen, über die in der
nächsten Woche das europäische Parlament berät. Sie
sieht unter anderem vor, dass Hafendienstleistungen neu ausgeschrieben
werden sollen. Gewerkschaften fürchten dadurch den Abbau von
Arbeitsplätzen und Lohndumping.
Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kritisierte die
Pläne der EU-Kommission. Die "Port Package II" genannte
Neuregelung führe nicht zu mehr Wettbewerb und höherer
Qualität der Seehäfen, erklärte Tiefensee. "Wir
befürchten, dass es in den Häfen zu Entlassungen in
größerem Umfang käme." Durch die in dem Entwurf
vorgesehenen zeitlich begrenzten Laufzeiten von Hafenlizenzen
befürchtet der Minister weniger Investitionen der Hafenunternehmen
und eine sinkende Arbeitsplatzzahl.
Die EU-Kommission erhofft sich von der Neuregelung mehr Wettbewerb. Sie
schlägt etwa vor, dass Reedereien zum Abfertigen der Schiffe in
den Häfen eigenes Bordpersonal einsetzen können. Derzeit sind
sie dazu auf die regulären Hafenarbeiter angewiesen.
Außerdem sollen die Hafenverwaltungen zu EU-weiten
öffentlichen Ausschreibungen für Hafendienste verpflichtet
werden.
Gegen die Pläne protestierten Beschäftigte in Hamburg,
Bremerhaven, Rostock, Kiel, Lübeck, Nordenham, Brake, Cuxhaven und
Emden. Den Auftakt machte der größte deutsche Hafen Hamburg.
Zu einer Kundgebung in der Hansestadt mit Verdi-Chef Frank Bsirske
kamen später nach Verdi-Schätzungen 2000 Hafenarbeiter.
Bsirske forderte die EU-Parlamentarier auf, gegen den Entwurf zu
stimmen. Die Gewerkschaft kündigte weitere Proteste für den
Beginn der kommenden Woche an.
Insgesamt sollen sich laut Verdi europaweit rund 35.000 Arbeiter an den
Aktionen beteiligen. In Griechenland legten Arbeiter für drei
Stunden die Arbeit nieder. In Spanien, Dänemark und Frankreich
standen Informationsveranstaltungen auf dem Programm. Auch in Belgien
und Italien legten Hafenarbeiter Häfen vorübergehend lahm.
(Quelle: afp)
Deutschland
FDP und Sozialverbände kritisieren Finanzminister Steinbrück
Do.12.01.06 - Kritik an der Grundsatzrede von Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) haben am Mittwoch die Freien Demokraten und
Sozialverbände geübt. Der Vorsitzende des
Bundestagshaushaltsausschusses, der FDP-Abgeordnete Otto Fricke, nannte
es im Bayerischen Rundfunk gefährlich, dass bei Steinbrück
«das Wort sparen wirklich nicht vorkommt». Vertreter von
Arbeitslosen und Sozialhilfebeziehern sprachen ihrerseits von einer
Abkehr vom Sozialstaat.
Steinbrück hatte am Dienstag vor der Industrie- und Handelskammer
Frankfurt am Main einen Kurswechsel in der Finanzpolitik der Regierung
angekündigt und eine Beschränkung des Staates auf seine
Kernaufgaben gefordert. Das bedeute keinen Rückzug aus der
sozialen Verantwortung, doch müssten alle Vorhaben künftig
daran gemessen werden, ob sie zukunftsgerecht seien und
Chancengerechtigkeit schafften. Zugleich lehnte der SPD-Politiker
überzogene Erwartungen an staatliche Leistungen strikt ab und
sagte Lobbygruppen entschieden den Kampf an: «Die Lage unseres
Gemeinwesens gibt zwingenden Anlass, sich auf unverzichtbare Aufgaben
zu konzentrieren.»
Fricke sagte im Bayerischen Rundfunk, er vermisse in Steinbrücks
Rede konkrete Vorgaben an einzelne Ministerien, einen bestimmten
Milliardenbetrag zu erwirtschaften. «Das halte ich für das
Gefährlichste überhaupt, weil es allen anderen Ministern im
Kabinett signalisiert, sie müssen sich nicht überlegen. Wo
sie ihren Leuten, ihren Empfängern von Finanzleistungen des
Staates sagen, ihr müsst aber mal gucken, dass ihr weniger
ausgebt», sagte der FDP-Politiker.
Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hermann Otto
Solms, erklärte in Berlin, Steinbrück verkünde für
die große Koalition «ein enttäuschendes Weiter
so». Die Politik von Rot-Grün mit einem in alle Bereiche von
Gesellschaft und Wirtschaft hineinregulierenden Staat und einer hohen
Steuer- und Abgabenbelastung solle offenbar fortgesetzt werden.
In einer gemeinsamen Erklärung des Erwerbslosen Forum Deutschland
und des Aktionsbündnisses Sozialproteste hieß es am
Mittwoch, Steinbrück verabschiede sich von staatlicher
Verantwortung und betreibe eine Spaltung zwischen guten und schlechten
Bedürftigen. Nur wer krank und behindert sei, solle Anrecht auf
Minimalversorgung des Staates haben, und wer arbeitsfähig sei,
habe selbst Schuld an seiner Lage und solle dies selbst verantworten.
Beide Initiativen kündigten Proteste und zivilen Ungehorsam gegen
die geplanten weiteren Einschnitte in den Sozialstaat an.
(Quelle: ap)
Kritik in Koalition an Kabinettsbeschluss zur Kinderbetreuung
Do.12.01.06 - Die Beschlüsse des Bundeskabinetts zur Entlastung von Familien bei
den Kosten zur Kinderbetreuung stoßen bei Fachpolitikern der
Koalition auf deutliche Kritik.
"Gerade für allein Erziehende wäre es wichtig gewesen, dass
Betreuungskosten auch bei kleineren Kindern ab dem ersten Euro absetzbar
sind", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolette
Kressl der "Berliner Zeitung" von Mittwoch. Auch die
CSU-Familienpolitikerin Maria Eichhorn sagte: "Der große Wurf ist
das nicht." Sie hätte sich gewünscht, dass mehr Geld für
die Kinderbetreuung zur Verfügung stehe.
Nach wochenlangem Streit zwischen Finanzminister Peer Steinbrück
und Familienministerin Ursula von der Leyen hatte sich das Kabinett auf
seiner Klausurtagung in Genshagen darauf verständigt, dass
Kinderbetreuungskosten bis zu einer Höhe von 4000 Euro von der
Steuer absetzbar werden sollen. Bei Kindern zwischen sieben und 14
Jahren gilt die Absetzbarkeit ab dem ersten Euro, bei kleineren Kindern
allerdings erst ab 1000 Euro.
Kritik am Kabinettsbeschluss kam auch von Elternverbänden. "Arme
Familien, die gar keine Steuern zahlen, werden benachteiligt, wenn die
einzige Förderung der Kinderbetreuung in der Möglichkeit
besteht, die Kosten von der Steuer abzusetzen", sagte der Vorsitzende
des Bundeselternrates Wilfried Steinert dem Blatt.
Auch der Steuerzahlerbund zeigte sich mit dem Beschluss unzufrieden.
Das gewählte Verfahren sei sowohl für die betroffenen Eltern
wie auch für die Finanzämter zu kompliziert, sagte Experte
Hans-Joachim Vanscheidt der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".
(Quelle: rtr)
Grüne wollen sich als Wirtschafts- und Europapartei profilieren
Do.12.01.06 - Die Grünen wollen sich in der Opposition auch als Wirtschaft- und
Europapartei profilieren. Bei der Fraktionsklausur in Wörlitz
sagte Fraktionschef Fritz Kuhn am Mittwoch, die Grünen sähen
sich als «konzeptionelle Opposition» mit alternativen
Entwürfen zur Politik der großen Koalition und nicht als
«großmäulige Opposition». Die Grünen setzen
in Anbetracht der Landtagswahlen in Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt auch auf eine Stärkung ihrer
Position in den Ländern.
«Wir müssen unsere oppositionellen Werkzeuge
schärfen», sagte Fraktionschefin Renate Künast nach
Auskunft von Teilnehmern. «Wir wollen zeigen, dass es
Alternativen zur großen Koalition gibt, die nicht
linkspopulistisch oder neoliberal sind», betonte Kuhn. Mit der
Wirtschafts- und Europapolitik wollen die Grünen, die bislang vor
allem als Umwelt- und Verbraucherpartei wahrgenommen werden, ihr
Themenspektrum sichtbar erweitern.
In der Europapolitik sprachen sich die Grünen-Abgeordneten unter
anderem für die Öffnung des Dienstleistungsmarktes in der EU
aus, forderten aber eine Absicherung gegen Lohndumping. Künast
sagte, Europa müsse Vorbild auf dem Gebiet der Sozial- und
Umweltpolitik sowie dem Verbraucherschutz werden. «Europa ist die
Antwort auf die Globalisierung.» Für den Abend war
EU-Industriekommissar und Vizekommissionspräsident Günter
Verheugen zu einer Diskussion über die Zukunft Europas eingeladen.
Die Debatte über die Neuausrichtung der Grünen
Wirtschaftspolitik sowie über die Integrationspolitik steht am
(morgigen) Donnerstag auf der Tagesordnung.
An der Europa-Debatte nahm auch der ehemalige Außenminister
Joschka Fischer teil, der nicht mehr aktiv in der Parteipolitik
mitmischt, aber noch über ein Bundestagsmandat verfügt.
Meldungen über seine Berufung an die amerikanische
Eliteuniversität Harvard dementierte Fischer heftig. Er habe auch
nicht vor auszuwandern, betonte er. Allerdings bestätigte Fischer,
dass er über das Angebot einer anderen US-Universität
nachdenke.
Bei den im März anstehenden drei Landtagswahlen bemühen sich
die Grünen um Stimmenzuwachs. Der Spitzenkandidat in
Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, sagte, die Grünen in
seinem Land strebten ein zweistelliges Ergebnis an und wollten dritte
Kraft vor der FDP werden. Zu der Möglichkeit einer Koalition mit
der CDU äußerte er sich nicht. Die Spitzenkandidatin der
Grünen in Rheinland-Pfalz, Ise Thomas, setzte als Ziel, die
Position ihrer Partei im Landtag zu stärken. In Sachsen-Anhalt
streben die Grünen den Einzug in den Landtag an.
Grünen-Chefin Claudia Roth wiederholte ihre Kritik an den
Beschlüssen der Bundesregierung zur Kinder- und Familienpolitik.
Die Vereinbarung zur Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten
«verschärft die soziale Schieflage», betonte Roth.
«Es wird denen gegeben, die schon haben.» Benötigt
würde in erster Linie eine bessere Infrastruktur an
Kinderbetreuungseinrichtungen.
Kuhn zeigte sich enttäuscht über die Ankündigungen von
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Steinbrück habe nicht
gesagt, wo er konkret sparen wolle.
(Quelle: ap)
Arbeitnehmer in Deutschland gehen immer später in Rente
Do.12.01.06 - Die Arbeitnehmer in Deutschland gehen einem Bericht zufolge immer
später in den Ruhestand und nähern sich damit dem
gewünschten Renteneintrittsalter immer mehr an. Wie die
«Bild»-Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Deutschen
Rentenversicherung berichtet, waren die Männer, die im zuletzt
komplett erfassten Jahr 2004 in Altersrente gingen im Schnitt 63,3
Jahre alt, Frauen im Durchschnitt 63,4 Jahre.
Im Jahr 2000 lag der Altersdurchschnitt dem Bericht zufolge noch
deutlich niedriger: nämlich bei männlichen Neuzugängen
der Altersrente bei 62,4 Jahren und bei Frauen bei 62,8 Jahren.
(Quelle: ap)
Staatsanwalt will Mannesmann-Verfahren nicht einstellen
Do.12.01.06 - Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will Deutsche-Bank-Chef Josef
Ackermann und andere Manager im Mannesmann-Verfahren vor Gericht sehen
und lehnt eine Einstellung gegen Geldbußen ab.
"Die Meldung der 'Rheinischen Post' ist falsch. Es gibt keine solchen
Erwägungen, das Verfahren gegen Geldbußen einzustellen",
sagte Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg am Mittwoch der
Nachrichtenagentur Reuters. Die Ankläger hätten die Revision
vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gewonnen und sähen keine
Veranlassung, nun von einem weiteren Verfahren abzusehen, hieß es
aus Kreisen der Staatsanwaltschaft. Die Justizbehörde kündigte
an, sich im Tagesverlauf noch ausführlicher dazu zu
äußern. Die Deutsche Bank hatte am Vorabend einen Kommentar
in der Angelegenheit abgelehnt.
Der BGH hatte kurz vor Weihnachten entschieden, dass das Verfahren um
die Millionenzahlungen bei der Übernahme von Mannesmann durch
Vodafone neu aufgerollt werden muss. Damit müssten Ackermann und
fünf weitere Angeklagte sich erneut wegen des Vorwurfs der Untreue
oder der Beihilfe dazu vor Gericht verantworten - es sei denn, Gericht,
Anklage und Verteidigung würden sich auf einen Kompromiss einigen.
Der BGH war allerdings in seiner Urteilsbegründung zu der
Einschätzung gelangt, dass Ackermann Vermögen von Mannesmann
veruntreut habe. Bei der Übernahme im Jahr 2000 flossen
nachträglich insgesamt rund 57 Millionen Euro an Prämien und
Abfindungen. Ackermann selbst hat sich dabei nach Ansicht des Gerichtes
aber nicht bereichert. Politiker von SPD, CDU und Grünen haben den
Rücktritt des Bankers gefordert.
Ackermann selbst hatte noch am Tag der BGH-Entscheidung
Rücktrittsspekulationen zurückgewiesen. Sollte er allerdings
in einem erneuten Prozess verurteilt werden, wäre er als Chef von
Deutschlands größtem Geldhaus kaum noch zu halten.
Ackermanns zum Jahresende auslaufender Vertrag ist bislang nicht
verlängert worden. Eine Entscheidung dürfte aber im Vorfeld
der Veröffentlichung der Geschäftszahlen 2005 am 2. Februar
fallen.
Der Deutsche-Bank-Aufsichtsrat hat Ackermann zwar mehrfach das
Vertrauen ausgesprochen und seine Unterstützung zugesichert, sich
aber noch nicht explizit zur Frage der Vertragsverlängerung
geäußert. Aufsichtsratschef Rolf Breuer hatte kurz vor der
Urteilsverkündung des BGH in einem Interview Überlegungen
für eine Nachfolge Ackermanns geäußert und damit die
Spekulationen um einen Rücktritt angeheizt.
(Quelle: rtr)
Bildung
Versäumnisse im Schulsystem kosten Milliarden
Do.12.01.06 - Die mangelnde Schulbildung vieler Jugendlicher kommt Staat und
Gesellschaft einer neuen Studie zufolge teuer zu stehen: Nach
veröffentlichten Berechnungen des Instituts der deutschen
Wirtschaft (IW) in Köln zielten im Jahr 2004 knapp 3,7 Milliarden
Euro oder sieben Prozent des Schul- und Berufsschulbudgets ins Leere,
weil die Schüler keinen Schulabschluss gemacht hatten oder nicht
fit für die Berufsausbildung waren.
Eine Menge Geld kostet es demnach auch, diese Defizite wieder zu
beheben: Im Jahr 2004 wurden laut IW schätzungsweise 3,4 Milliarden
Euro dafür ausgegeben, jungen Menschen über nachschulische
Qualifizierungsmaßnahmen überhaupt ansatzweise eine Chance am
Arbeitsmarkt zu verschaffen.
Allein die 82.000 Schüler, die ohne Hauptschulabschluss die Schule
verließen, sowie die 246.000 Berufsschulabgänger ohne
Abschluss kosteten den Staat der Studie zufolge fast 1,5 Milliarden
Euro. Weitere gut 1,2 Milliarden Euro entfielen demnach darauf, dass
mehr als 250.000 Schüler eine Klasse wiederholen mussten. Weitere
815 Millionen Euro hätten nicht ihren Zweck erfüllt, weil
154.000 Schüler am Ende der Sekundarstufe I nicht die
erforderlichen Grundfähigkeiten gehabt hätten, um eine
Ausbildung erfolgreich absolvieren zu können.
(Quelle: afp)
Wissenschaft und Technik
Gehirn steuert Cyberhand
Do.12.01.06 - Europäische Forscher haben in einem Gemeinschaftsprojekt eine
neuartige Handprothese entwickelt, die mittels Elektroden mit dem
menschlichen Nervensystem verbunden wird. Damit kann die Cyberhand
ähnlich einer normalen Hand direkt vom Gehirn gesteuert werden.
Sensoren in der Prothese ermöglichen sogar Empfindungen wie Druck
und Temperatur.
Erste klinische Versuche mit der Cyberhand sollen Mitte des Jahres
abgeschlossen werden. "Bis Patienten die Hand als Produkt
tatsächlich benutzen können, werden jedoch noch mindestens
fünf Jahre vergehen", so Klaus Peter Koch, Leiter der Arbeitsgruppe
Neuroprothetik am Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik
(IBMT), im Gespräch mit pressetext (pte).
Die Entwicklung der Cyberhand wird von der EU mit fast 1 Mio. Euro
gefördert. An dem Projekt arbeiten seit 2002 sechs Forscherteams
aus Italien, Spanien, Dänemark und Deutschland. Die deutschen
Wissenschaftler haben sich auf die Verbindung zwischen Nervensystem und
technischem System spezialisiert. Winzige, 400 Nanometer dicke und von
Polyimid umschlossene Platinleiterbahnen verbinden die Cyberhand mit den
noch intakten Nerven im Armstumpf des Patienten. Dabei werden die
Elektroden direkt mit den Nervenfasern verknüpft.
Was die Cyberhand kosten wird und ob die Krankenkassen bereit sein
werden, sie zu finanzieren, ist noch unklar. "Die Vermarktung der
Cyberhand ist ein reines Marketing-Problem", betont Klaus Peter Koch.
"Ob sich die Hand am Markt durchsetzen kann, wird letztendlich davon
abhängen, wie lukrativ das Geschäft ist." Es habe schon
Beispiele gegeben, bei denen Produkte vom Markt genommen wurden, obwohl
Forscher und Patienten begeistert waren. Daher sei es schwierig zu
sagen, ob und wann die Cyberhand in Europa erhältlich sein werde.
Bis dahin müsse die Prothese aber ohnehin noch weiter optimiert
werden.
(Quelle: pte)
Kultur
Berlin wird UNESCO-Stadt des Designs
Do.12.01.06 - Die UNESCO ehrt Berlin als «Stadt des Designs». Der Titel
wird der Bundeshauptstadt am 19. Januar im Roten Rathaus verliehen, wie
ein Sprecher der Deutschen UNESCO-Kommission am Mittwoch sagte. Berlin
war im November als erste deutsche Stadt in das globale Netzwerk
kreativer Städte («Creative Cities Network»)
aufgenommen worden, das Pluralismus und Kreativität als Elemente
wirtschaftlicher Entwicklung fördern will. Neben den Städten
des Designs, zu denen auch Buenos Aires gehört, gibt es Städte
der Literatur, der Volkskunst und der Gastronomie.
Nach Einschätzung der UNESCO verschmelzen in Berlin Design, Mode,
Kunst, Architektur und Musik miteinander. Günstige Mieten und
Lebenshaltungskosten, die sich zur Metropole wandelnde Stadt, die
zunehmende Vernetzung der Unternehmen sowie die politische
Unterstützung seien der «ideale Nährboden für einen
Design-Standort mit internationaler Strahlkraft». Nach Darstellung
des Generalsekretärs der Deutschen UNESCO-Kommission, Roland
Bernecker, unterstreicht die Anerkennung den weltoffenen Charakter der
Stadt. Sie werde Berlins Ansehen als pulsierendes Zentrum kultureller
Vielfalt weltweit fördern.
(Quelle: ddp)
Prix Ars Electronica 2006 in sechs Kategorien ausgeschrieben
Do.12.01.06 - Das Ars Electronica Center in Linz schreibt zum 20. Mal den
internationalen Preis für Medienkunst Prix Ars Electronica aus. Bis
17. März können Arbeiten in den Kategorien Digital Musics, Net
Vision, Computer Animation und Interaktive Kunst sowie Digital
Communities eingereicht werden.
An den Nachwuchs in Kunst, Wissenschaft und Forschung richten sich die
Kategorie «U 19 - freestyle computing» und das Stipendium
«the next idea».
Die Preisträger werden von einer internationalen Jury
ausgewählt und Ende April bekannt gegeben. Die Auszeichnungen mit
der «Goldenen Nica» als Trophäe und mit einem Preisgeld
von insgesamt 117 500 Euro werden beim Ars Electronica Festival vom 31.
August bis 5. September in Linz überreicht.
(Quelle: dpa)
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