Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertvierundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Deutscher Auslandsgeheimdienst dementiert Zusammenarbeit mit USA zu
Bombenzielen im Irak. Irakische Sunniten dringen auf
Verfassungsänderung. Konflikte zwischen Aufständischen und El
Kaida im Irak. Dänische Offiziere wegen Misshandlungen im Irak
verurteilt
Fr.13.01.06 - Der deutsche Auslandsgeheimdienst (BND)
hat Berichte über eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
über Bombenziele im Irak 2003 dementiert. BND-Sprecher Philip
Lechtape bestätigte am Donnerstag in Berlin jedoch die Anwesenheit
zweier BND-Mitarbeiter im Irak vor und während des Krieges.
Zuvor hatten das NDR-Fernsehmagazin «Panorama» und die
«Süddeutsche Zeitung» berichtet, zwei BND-Mitarbeiter
im Irak hätten 2003 den US-Militärgeheimdienst
unterstützt und möglicherweise bei der Identifizierung von
Bombenzielen geholfen.
Lechtape nannte die Darstellungen «falsch und verzerrt».
Richtig sei, dass die beiden Mitarbeiter «im Rahmen des
gesetzlichen Auftrags des Bundesnachrichtendienstes Informationen
gesammelt, ausgewertet und der Bundesregierung berichtet»
hätten. Ihr sei es nur auf diese Weise möglich gewesen,
unabhängige Informationen über Kriegsverlauf, Auswirkungen und
Folgen zu erhalten.
«Entgegen anders lautenden Unterstellungen» sei
festzuhalten, sagte Lechtape, «dass den Krieg führenden
Parteien keinerlei Zielunterlagen oder Koordinaten für Bombenziele
zur Verfügung gestellt» worden und dass auch keine
Bombenziele verifiziert worden seien. Es habe «keine derartige
Kooperation» mit den Vereinigten Staaten gegeben. Die
Bundesregierung sei über alle Aktivitäten «komplett
informiert» gewesen.
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe)
und des ARD-Magazins "Panorama" soll der deutsche Geheimdienst die
US-Truppen im Irak unterstützt haben, trotz der offiziellen
Ablehnung des Irak-Kriegs durch die Bundesregierung. Mindestens zwei
Mitarbeiter des BND seien während des gesamten Krieges in Bagdad
geblieben und hätten das US-Militär mit Informationen
versorgt. Die Zusammenarbeit sei vom damaligen Geheimdienst-Koordinator
im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, und dem damaligen BND-Präsidenten
August Hanning gebilligt worden, berichtet die "SZ".
Ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter, der ungenannt bleiben
wollte, sagte dem Blatt, zwei Agenten des Bundesnachrichtendienstes
(BND) hätten in der französischen Vertretung Unterschlupf
gefunden, nachdem die deutsche Botschaft am 17. März 2003 - drei
Tage vor Beginn des Krieges - geräumt worden sei. Die
BND-Mitarbeiter hätten ihre Arbeit während des Krieges
fortgesetzt. Dazu habe auch die Zusammenarbeit mit dem
US-Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency (DIA)
gehört.
Diese Kooperation sei eine "politische Entscheidung" der
rot-grünen Bundesregierung gewesen, zitierte die "SZ" aus
Sicherheitskreisen. "Das war keine Entscheidung eines
Abteilungsleiters", sagte demnach der hochrangige Sicherheitsbeamte. Zu
den Aufgaben des BND habe es gehört, den US-Streitkräften
Ziele wie Krankenhäuser oder Botschaften zu melden, die nicht
bombardiert werden sollten. Die USA hätten um diese Hilfe gebeten.
Ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums stellte die
deutsche Hilfeleistung jedoch anders dar. Er sagte dem ARD-Magazin
"Panorama", die Hilfe der Deutschen sei für die offensive
amerikanische Kriegsführung "sehr wichtig" gewesen. Der BND habe
"direkte Unterstützung" bei der "Zielerfassung" geliefert.
Nach Angaben des früheren Pentagon-Mitarbeiters sei den
US-Diensten am 7. April 2003 gemeldet worden, dass möglicherweise
der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein im Bagdader Stadtteil
Mansur in einer Autokolonne vorgefahren sei. Ein BND-Mitarbeiter in
Bagdad habe den Konvoi bestätigt. Daraufhin seien zwei
Gebäudekomplexe aus der Luft bombardiert worden, berichtet
"Panorama". Saddam Hussein habe sich nicht in dem Gebäude befunden.
Mindestens zwölf Menschen seien bei dem Angriff gestorben.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat
unterdessen die Anwesenheit des BND zu Beginn des Krieges im Irak 2003
bestätigt, eine aktive Unterstützung der US-Offensive durch
den Geheimdienst aber ausgeschlossen. Der SPD-Politiker sagte am
Donnerstag in Berlin, die rot-grüne Bundesregierung habe den
Irak-Krieg aus guten Gründen abgelehnt. Aufgabe der auf
Entscheidung der Bundesregierung 2003 im Irak verbliebenen
BND-Mitarbeiter sei es gewesen, ein Mindestmaß an eigenen
Erkenntnissen zu erlangen.
Die eigenen Erkenntnisse sollten laut Steinmeier Aufschluss über
die Entwicklung der Lage im Irak und des Kriegsverlaufs geben. Dies sei
auch deshalb notwendig gewesen, weil seinerzeit in Kuwait
ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr stationiert gewesen seien, deren
Gefährdungslage «möglichst verlässlich
eingeschätzt werden musste». Außerdem hätten
eigene nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu der Einschätzung und
festen Überzeugung der rot-grünen Bundesregierung
geführt, dass die diplomatischen Möglichkeiten zur Lösung
der Krise nicht ausgeschöpft gewesen seien. Zudem habe das
irakische Potenzial an Massenvernichtungswaffen einen Krieg nicht
gerechtfertigt.
Die Entscheidung gegen den Kriegseintritt Deutschlands sei nicht gegen
die USA oder andere Krieg führende Staaten gerichtet gewesen,
erklärte Steinmeier. Deutschland habe vor, während und nach
dem Krieg in vollem Umfang zu seinen Bündnisverpflichtungen
gestanden. Unter anderem seien den Alliierten Überflugrechte und
die Nutzung ihrer in Deutschland gelegenen Stützpunkte
ermöglicht worden.
Der Minister fuhr fort: «Dabei war der BND und jeder seiner
Mitarbeiter selbstverständlich an die politische Grundentscheidung
der Bundesregierung gebunden und eine aktive Unterstützung von
Kampfhandlungen ausgeschlossen.» Dies habe der BND in seiner
Erklärung vom Vortag auch deutlich gemacht.
In der US-Presse waren zuvor Darstellungen aufgetaucht, wonach der
Schockangriff der US-Luftwaffe am 7. April 2003 auf ein Restaurant in
Bagdad auf Tipps deutscher Geheimdienstler zurückzuführen sein
soll. In dem Restaurant hätten sich zur Zeit des Angriffes der
Diktator Saddam Hussein und seine Söhne befunden, hieß es.
Die Berichte erschienen einen Tag vor der Antrittsreise von
Bundeskanzlerin Angela Merkel in den USA, die einem Neuanfang in den
transatlantischen Beziehungen dienen sollen.
Beim Neujahrsempfang des deutschen Bundespräsidenten für das
diplomatische Korps am Donnnerstagvormittag in Berlin war Steinmeier
gefragt worden, ob die Vorgängerregierung von der Anwesenheit des
BND gewusst habe. Seine Antwort war als «Nein» verstanden
worden, was aber offiziell als Missverständnis bewertet wurde.
Steinmeier war unter der Vorgängerregierung Kanzleramtsminister und
zuständig für die Koordinierung der Geheimdienste.
Die Medienberichte über eine angebliche Unterstützung der
US-Truppen im Irak-Krieg durch den Bundesnachrichtendienst werden auch
das deutsche Parlament beschäftigen: Grüne und Linkspartei
beantragen eine aktuelle Stunde zu den Vorwürfen, wie die
Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck (Grüne) und Ulrich
Maurer (Linkspartei) am Donnerstag in Berlin mitteilten. "Wir fordern
eine umfassende Aufklärung", betonte Beck. Maurer forderte
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf, im
Bundestag zu den Berichten Stellung zu nehmen.
Die irakischen Sunniten dringen auf eine Änderung der gerade erst
beschlossenen Verfassung. Die Ablehnung einer Verfassungsreform durch
die Schiiten könnte zu einer Teilung des Landes führen, sagte
am Donnerstag der führende sunnitische Politiker Saleh al Mutlak.
Am Vortag hatte der Vorsitzende der schiitischen Partei SCIRI, Abdul
Asis al Hakim, erklärt, dass Änderungen der
Verfassungssubstanz nicht in Frage kämen. Der Oberste Rat für
die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) bemüht sich zurzeit um
die Bildung einer Regierungskoalition mit Kurden und sunnitischen
Arabern.
Zwischen irakischen Aufständischen und den im Land agierenden
Mitgliedern des Terrornetzwerks El Kaida gibt es einem Pressebericht
zufolge schwer wiegende Konflikte. Wie die "New York Times" am
Donnerstag unter Berufung auf vier irakische Rebellenvertreter
berichtete, liefern sich beide Gruppen mitunter sogar blutige
Kämpfe. El Kaida werde im Irak vornehmlich als "ausländische
Kraft" wahrgenommen, obwohl die Gruppe inzwischen auch zahlreiche
irakische Mitglieder habe. Zudem gebe es zunehmend Streit um die
Strategie im Kampf gegen die irakische Regierung und die US-Truppen. Die
Rebellenvertreter begannen nach eigenen Angaben bereits mit der
Rekrutierung von Irakern, die zum Kampf gegen El Kaida bereit sind.
Fünf Offiziere des dänischen Kontingents im Irak sind wegen
Menschenrechtsverletzungen schuldig gesprochen worden. Das Stadtgericht
von Kopenhagen befand am Donnerstag, dass die Armeeoffizierin Annemette
Hommel im Rang eines Hauptmanns und vier Offiziere der
Militärpolizei bei Verhören die Rechte von Gefangenen
missachtet hätten. Das Gericht verhängte jedoch keine Strafe
und begründete dies damit, dass es für solche Situationen
keine klaren Verhaltensregeln der dänischen Streitkräfte
gegeben habe.
Das Gericht bezeichnete es als erwiesen, dass die Angeklagten Gefangene
bei Verhören im März 2004 gezwungen hätten, in unbequemen
Positionen zu knien. Dies sei ein Verstoß gegen die Genfer
Konvention zur humanen Behandlung von Gefangenen. Aus Mangel an
Beweisen wurden die Offiziere in anderen Anklagepunkten freigesprochen.
Dabei ging es um Vorwürfe, dass den Gefangenen Wasser vorenthalten
worden sei und dass sie beschimpft worden seien.
Die fünf Angeklagten erklärten sich für unschuldig und
legten Berufung gegen das Urteil ein. Dänemark hat in der
südirakischen Hafenstadt Basra 530 Soldaten stationiert.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 13.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am hundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.13.01.05 - Suche nach Saddams Massenvernichtungswaffen in aller Stille beendet.
Trotz erfolgloser Suche verteidigt Bush Irak-Invasion +++ Seit
Amtsantritt der Übergangsregierung im Irak Ende Juni mehr als 180
Anschläge mit Autobombem - Mehr als 1.000 Todesopfer.
Täglich neue Detonationen +++ Irakischer Wahlkommission laufen immer
mehr Mitarbeiter davon +++ US-Regierung: Wahlen im Irak werden 'nicht
perfekt'. 'New York Times' fordert Verschiebung der Wahlen im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501130.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Bush verteidigt erneut Lauschangriff auf US-Bürger
Fr.13.01.06 - US-Präsident George W. Bush hat den von ihm genehmigten
umstrittenen Lauschangriff auf US-Bürger erneut verteidigt. "Als
Oberbefehlshaber im Kriegszustand habe ich das Recht, notwendige
Maßnahmen zum Schutz des amerikanischen Volkes zu ergreifen",
sagte Bush in Louisville (US-Bundesstaat Kentucky). "Wenn jemand mit El
Kaida spricht, wollen wir wissen, warum", fügte er hinzu.
Bush räumte ein, Bedenken wegen der Aktion gehabt zu haben. Er
habe eine schwierige Entscheidung treffen müssen, um
Bürgerrechte und die Suche nach den "Absichten des Feindes" im
Gleichgewicht zu halten. Vor Beginn des Programmes habe er daher
geprüft, dass er dafür auch die rechtliche Befugnis
besaß. Das Programm werde zudem regelmäßig
überprüft, um sicherzustellen, dass es nicht Bürgerrechte
verletze.
Bush hatte Mitte Dezember 2005 zugegeben, nach den Anschlägen vom
11. September zahlreiche Lauschangriffe auf US-Bürger durch den
Geheimdienst NSA ohne Einschaltung von Gerichten eigenständig
genehmigt zu haben. So wurden Telefongespräche abgehört und
Emails angezapft. In den USA löste dies Empörung aus.
Rechtsexperten des Kongresses kamen zu dem Ergebnis, dass der
Lauschangriff gegen geltendes Recht verstieß. Nun planen die
Abgeordneten Anhörungen.
(Quelle: afp)
Annan gegen Einschaltung des Sicherheitsrats in Atomstreit
UN-Generalsekretär warnt vor Eskalation. Stellt sich gegen
Forderungen der EU und der USA
Fr.13.01.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan befürchtet eine Eskalation im
Streit über das iranische Atomprogramm, falls der
Weltsicherheitsrat eingeschaltet wird. Annan forderte am Donnerstagabend
in New York, der Konflikt sollte in den Gremien der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) gelöst werden. Er habe wiederholt
mit deren Direktor Mohamed ElBaradei und allen anderen Parteien
gesprochen, «um eine Verhandlungslösung zu ermutigen und zu
versuchen, eine Eskalation zu vermeiden», sagte der
UN-Generalsekretär.
Annan hatte vorab ausführlich mit dem iranischen
Chefunterhändler Ali Laridschani telefoniert. Dieser habe
erklärt, Teheran sei zu «ernsthaften und konstruktiven
Verhandlungen» mit Deutschland, Frankreich und
Großbritannien bereit, sagte Annan. Zuvor hatten sich die
Außenminister der EU-Drei in Berlin darauf verständigt, einen
Verweis des Atomstreits an den UN-Sicherheitsrat zu empfehlen. Dies
entspricht der Haltung der USA. Auch Japan sprach sich am Freitag
für eine Anrufung des Sicherheitsrats aus.
Der iranische Chefunterhändler Laridschani erklärte in einem
Interview mit dem Sender CNN, sein Land sei für eine Fortsetzung
der Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Eine gute Basis für weitere
Gespräche wäre das Angebot Russlands, Uran für das
iranische Atomprogramm auf russischem Boden anreichern zu lassen, sagte
Laridschani. Er bekräftigte jedoch die Position Teherans, das
russische Angebot habe einige Mängel. Darüber solle im Februar
in Moskau verhandelt werden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Drei Tote bei israelischer Razzia im Westjordanland. Likud-Minister
verlassen israelische Regierung. Scharons Zustand weiter ernst
Fr.13.01.06 - Bei einer israelischen Razzia im Westjordanland sind am Donnerstag drei
Palästinenser ums Leben gekommen. Die Soldaten suchten in der Stadt
Dschenin nach Mitgliedern der Organisation Islamischer Dschihad. Dabei
sprengte sich nach israelischer Darstellung ein Palästinenser in
einem von den Truppen umstellten Haus in die Luft. Zwei weitere
Männer wurden nach Angaben palästinensischer Polizisten in
einer Schießerei mit den Soldaten getötet.
In Israel haben am Donnerstag drei Likud-Minister das Kabinett des
amtierenden Regierungschefs Ehud Olmert verlassen, wie Rundfunksender
meldeten. Der neue Likud-Vorsitzende Benjamin Netanjahu hatte den
Rückzug aus der Regierung vergangene Woche angekündigt, nach
der schweren Krankheit von Ministerpräsident Ariel Scharon aber
verschoben. Der 77-Jährige befand sich nach Auskunft seiner
Ärzte weiter in einem kritischen, aber stabilen Zustand.
Außenminister Silvan Schalom, der ebenfalls dem Likud-Block
angehört, blieb zunächst im Amt, wird aber vermutlich bei der
nächsten Kabinettssitzung am Sonntag zurücktreten. Es wurde
erwartet, dass Olmert in den nächsten Tagen Nachfolger aus der von
Scharon gegründeten Kadima-Partei ernennt. Bis zur Wahl am 28.
März solle Friedensnobelpreisträger Schimon Peres das
Außenministerium übernehmen, berichteten israelische Medien.
Aus Regierungskreisen in Jerusalem verlautete, Olmert werde eine
Einladung nach Washington erhalten. Die US-Botschaft in Tel Aviv
erklärte, sie habe keine Informationen darüber. Olmert hat mit
seinen Bemühungen um Stabilität und Kontinuität nach der
Erkrankung Scharons politisches Gewicht gewonnen und gilt derzeit als
Favorit für die Parlamentswahl Ende März.
Das Likud-Zentralkomitee wollte am Donnerstag die Kandidatenliste
für die Parlamentswahl aufstellen. Umfragen zufolge könnte die
Partei nach dem Austritt Scharons mehr als die Hälfte ihrer Mandate
verlieren.
Scharon befand sich unterdessen den achten Tag in Folge im Koma. Der
Herzschlag des 77-Jährigen sei regelmäßig, teilte das
Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem mit. Am Donnertsgaabend sollte der
Ministerpräsident routinemäßig einer weiteren
Computertomographie unterzogen werden. Das Krankenhaus wollte einen
Bericht der Zeitung «Maariv» nicht kommentieren, demzufolge
Scharons Herz unregelmäßig geschlagen habe, als die
Ärzte die Narkosemittel reduzierten. Kliniksprecher Rom Krumer
sagte, es sei unklar, wann die Mittel vollständig abgesetzt
würden.
(Quelle: ap)
Scharons Vermächtnis
Am Ende seines politischen Lebens wird Ariel Scharon zum
'Friedenshelden' verklärt. Dabei hat er Israel erst in jene
vertrackte Lage geführt, unter der das Land heute leidet... Mehr in
der taz vom 12.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/12/a0243.1/text
Gideon Levy war Mitarbeiter von Schimon Peres und arbeitet heute
für die Tageszeitung "Ha'aretz". Er gehört zu den wenigen
israelischen Journalisten, die über das Leben der
Palästinenser unter der israelischen Besatzung berichten. (taz)
Bürger des Kongo stimmen mit großer Mehrheit für neue
Verfassung
Fr.13.01.06 - Die Bürger der Demokratischen Republik Kongo haben bei dem
Referendum im Dezember mit großer Mehrheit für die neue
Verfassung gestimmt. Wie die unabhängige Wahlkommission am
späten Mittwochabend mitteilte, stimmten mehr als 84 Prozent der
Wähler für das Dokument. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei
rund 62 Prozent. Wenn gegen das Ergebnis kein Widerspruch eingelegt
wird, soll es innerhalb von zwei Tagen dem Obersten Gericht des Landes
zur Bestätigung vorgelegt werden. Durch die Annahme der Verfassung
würde der Weg frei für die Organisation von Wahlen bis
spätestens zum Juni 2006.
(Quelle: afp)
Shell verliert 230.000 Barrel Öl pro Tag in Nigeria
Fr.13.01.06 - Der Ölkonzern Shell verliert in Nigeria nach Angriffen Unbekannter
auf eine Ölpipeline und der Entführung von vier Mitarbeitern
täglich fast 230.000 Barrel Öl. Unbekannte hätten am
Mittwoch eine Pipeline in Brass Creek im Süden des Landes durch
eine Explosion beschädigt, sagte ein Sprecher. Am selben Tag wurden
vier ausländische Shell-Mitarbeiter von einer Bohrinsel in der
Region entführt.
Nach der Explosion in Brass Creek im ölreichen Niger-Delta sei
kein Feuer ausgebrochen, sagte der Shell-Sprecher. Das Unternehmen
bemühe sich, die Schäden zu beheben. Vor der Küste
Südnigerias stürmten zudem bewaffnete Männer die
Bohrinsel E.A Field und verschleppten vier Mitarbeiter. Dabei handelte
es sich um einen Briten, einen US-Bürger, einen Bulgaren und einen
Honduraner. In Presseberichten hieß es, die Entführer seien
zunächst an Bord des Shell-Schiffes Sea Eagle gekommen und
hätten sich dann den Weg auf die Bohrinsel des
britisch-niederländischen Ölmultis frei geschossen. Die
Sicherheitsmänner der Sea Eagle hätten zwar Widerstand
geleistet, seien aber von den Angreifern überwältigt worden.
Bislang hat sich niemand zu der Tat bekannt.
Militante Gruppen und Jugendbanden nehmen in der Region um das
Niger-Delta häufig Ölarbeiter als Geiseln oder greifen
Einrichtungen der Ölindustrie an - zumeist, um soziale Forderungen
wie die Schaffung von Arbeitsplätzen durchzusetzen. Nigeria,
Afrikas größter Ölexporteur, bezieht mehr als 95 Prozent
seiner Devisen aus dem Ölverkauf - rund die Hälfe der
täglich produzierten 2,6 Millionen Barrel gehen auf das Konto von
Shell. Zugleich lebt der Großteil der Menschen in Nigeria in
großer Armut.
An der Börse stiegen die Ölpreise infolge der
Überfälle in Nigeria und des Streits um das iranische
Atomprogramm auf ihr höchstes Niveau seit mehr als drei Monaten.
Die in New York gehandelte Sorte Light Sweet Crude kostete
zwischenzeitlich 64,95 Dollar, soviel wie nicht mehr seit dem 3.
Oktober. In London stieg der Preis der Nordseesorte Brent auf 63,27
Dollar, ebenfalls der höchste Preis seit Anfang Oktober.
(Quelle: afp)
Studie State of the World 2006: China und Indien entscheidend
Steigender Ressourcenbedarf hat weltweite Auswirkungen
Fr.13.01.06 - Der dramatische Aufstieg von China und Indien bedeutet eine der
stärksten Bedrohungen und eine der größten Chancen
für die Welt. Zu diesem Ergebnis kommt das Worldwatch Institute in
der aktuellen Studie State of the World 2006. Die Entscheidungen, die
diese beiden Nationen in den nächsten Jahren treffen, werden die
Welt entweder in eine Zukunft mit einer steigenden ökologischen und
politischen Instabilität oder aber mit einer Entwicklung
führen, die auf leistungsfähigen Technologien und einer
verantwortlicheren Nutzung der vorhandenen Ressourcen beruht.
Christopher Flavin, der Präsident von Worldwatch, erklärte,
dass der steigende Bedarf an Energie, Nahrung und Rohmaterialien von
rund 2,5 Milliarden Chinesen und Indern bereits heute weltweit zu
Auswirkungen führe. "Gleichzeitig lässt der Rekordkonsum in
Amerika und Europa nur wenig Raum für das im asiatischen Raum
anstehende Wachstum." Der daraus resultierende Ressourcenengpass werde
bereits bei Streitigkeiten über steigende Ölpreise in
Indonesien, die steigende Belastung der Wälder und Fischgründe
Brasiliens sowie durch den Verlust von Arbeitsplätzen in
Mittelamerika sichtbar.
Die Vereinigten Staaten konsumieren pro Person noch immer drei Mal so
viel Getreide wie in China und fünf Mal soviel wie in Indien. Der
Kohlendioxidausstoß pro Kopf erreicht sechs Mal den Wert Chinas
und 20 Mal jenen von Indien. Konsumierten China und Indien Ressourcen in
diesem Ausmaß und verursachten die dementsprechende
Umweltverschmutzung wären zwei Planeten Erde erforderlich, nur um
diese beiden Wirtschaftssysteme aufrechtzuerhalten. Es habe die
Wissenschafter ermutigt, dass in China und Indien eine steigende Anzahl
der Meinungsbildner bereits erkannt hat, dass das ressourcenintensive
Modell des wirtschaftlichen Wachstums im 21. Jahrhundert nicht mehr
funktionieren kann. In China liefert die Nutzung der Sonnenenergie
bereits das Warmwasser für 35 Millionen Gebäude. In Indien
ermöglichen die Pionierleistungen bei der Nutzung von Regenwasser
bereits sauberes Wasser für Zehntausende Haushalte. China und
Indien könnten sich laut Flavin innerhalb von zehn Jahren zu den
führenden Nationen in den Bereichen erneuerbare Energien und
Landwirtschaft werden.
Im Jahr 2005 verbrauchte China laut Worldwatch Institute allein 26
Prozent des weltweit produzierten Stahls, 32 Prozent des Reises und 47
Prozent des Zements. Obwohl der Ressourcenverbrauch pro Kopf noch immer
gering ist, schließen sich China und Indien mit ihrer großen
Bevölkerung Amerika und Europa als ökologische
Supermächte an und werden mit ihren Anforderungen an das
Ökosystem des Planeten jene anderer Nationen bei weitem
übertreffen.
Die Details der Studie finden sich im Internet unter:
http://www.worldwatch.org/pubs/sow/2006
(Quelle: pte)
Schwere Proteste nach Regierungskrise in Mongolei
Fr.13.01.06 - Nach der Regierungskrise in der Mongolei ist es zu schweren Protesten
gekommen. Hunderte wütende Demonstranten stürmten das
Büro der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) in der
Hauptstadt Ulan Bator. Der Sitz der Partei sei schwer beschädigt
worden, sagte ein Sprecher der MRVP. Zu möglichen Verletzten gab es
keine Angaben. Hunderte Polizisten und Soldaten rückten zum Schutz
des Parteibüros und des nahegelegenen Sitzes von Parlament und
Staatspräsident an.
Die MRVP hatte am Mittwoch die schwere Regierungskrise ausgelöst,
als sie ihre zehn Minister aus der 18-köpfigen Regierungsmannschaft
abzog. Die Demokratische Koalition von Ministerpräsident Zachia
Elbegdorij hatte mit der MRVP nach den Parlamentswahlen im Juni 2004
eine Regierung gebildet. Damals wurde vereinbart, dass die MRVP ab 2006
den Ministerpräsidenten stellt.
Die Mongolei ist fünf Mal so groß wie Deutschland und hat
nur 2,6 Millionen Einwohner. Nach dem Ende der 70 Jahre währenden
kommunistischen Herrschaft 1992 wurde eine parlamentarische Demokratie
in dem Land eingeführt.
(Quelle: afp)
Pinochet muss sich wegen 'Todeskarawane' verantworten
Fr.13.01.06 - Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet muss sich wegen
weiterer Menschenrechtsverletzungen während seiner 17-jährigen
Herrschaft vor Gericht verantworten. Ein Berufungsgericht in Santiago de
Chile entschied am Mittwoch, Pinochets Immunität im Fall der
Tötung von zwei politischen Gefangenen durch die so genannte
Todeskarawane im Jahr 1973 aufzuheben. Dabei handelt es sich um ein
Militärkommando, das wenige Monate nach Pinochets
Militärputsch vom 11. September 1973 gegen die Regierung des
Sozialisten Salvador Allende laut Anklage Dutzende von Pinochet-Gegnern
ermordete.
(Quelle: afp)
OSZE will sich auf ungelöste Konflikte konzentrieren
Fr.13.01.06 - Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) will sich in diesem Jahr vorrangig der Lösung offener
Konflikte sowie dem Kampf gegen das organisierte Verbrechens widmen.
Ferner soll die Energieversorgung hohe Priorität haben, wie der
neue Vorsitzende, der belgische Außenminister Karel de Gucht, am
Donnerstag in Wien mitteilte. Demnach soll eine Expertendelegation in
Kürze Russland und die Ukraine sowie andere Länder besuchen,
in denen energiepolitische Konflikte auftreten könnten.
In der zweiten Jahreshälfte werde die OSZE dann eine Konferenz zur
Verlässlichkeit von Energiequellen organisieren, sagte De Gucht in
seiner ersten Rede als OSZE-Chef vor dem Ständigen Rat der 55
Mitgliedsländer. Die Angst vor etwaigen Engpässen wurde zu
Jahresbeginn vom Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine
geschürt. Dabei waren auch die russischen Gaslieferungen in den
Westen zeitweise unterbrochen.
Mit Blick auf ungelöste Konflikte verwies De Gucht unter anderem
auf die Lage in Berg-Karabach, einem überwiegend von Armeniern
bewohnten Gebiet in Aserbaidschan. Hier wolle er bereits am 24. Januar
die beiden betroffenen Länder besuchen. Auch in der
abtrünnigen georgischen Region Südossetien werde eine
Lösung angestrebt, wobei es hier besonders positive Ansätze
gebe. Schließlich werde die OSZE aktiv an den Verhandlungen
über den künftigen Status der serbischen Provinz Kosovo
beteiligt sein. Deren mehrheitlich albanische Bevölkerung strebt
nach Unabhängigkeit, was Serbien strikt ablehnt.
De Gucht verlieh ferner seiner Hoffnung auf eine faire
Präsidentschaftswahl in Weißrussland Ausdruck. Allerdings
habe die OSZE noch keine Einladung erhalten, Wahlbeobachter zu
entsenden. Bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens
schließlich geht es laut dem belgischen Außenminister
vordringlich um Menschen-, Drogen- und Waffenschmuggel sowie um
Geldwäsche und Korruption.
(Quelle: ap)
Deutschland
Warnung vor 'Rolle rückwärts' in der Agrarpolitik
Fr.13.01.06 - Ökobauern und Verbraucherschützer haben die große
Koalition vor einer «Rolle rückwärts» in der
Agrarpolitik gewarnt. Der neue Landwirtschaftsminister Horst Seehofer
(CSU) verfolge eine Politik nach dem Motto «Bio raus, Gentechnik
rein», kritisierte der Bund Ökologische
Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) am Donnerstag auf der Grünen
Woche in Berlin. Der Babynahrungsproduzent Hipp drohte mit einer
Verlagerung seiner Produktion ins Ausland, wenn in Deutschland mehr
gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden sollten.
Auch die Verbraucherzentralen schlugen Alarm. Verbandschefin Edda
Müller warnte Seehofer davor, die bisherige Wahlfreiheit zwischen
gentechnisch veränderten und unveränderten Produkten zu
beschneiden, nur um multinationaler Saatgutkonzerne zu begünstigen.
Seehofer wies die Kritik zurück und erklärte, über die
Zukunft der Gentechnik in der Nahrung solle der Verbraucher mit seinen
Einkäufen entscheiden. Er befürworte daher eine
Kennzeichnungspflicht, was Wahlfreiheit garantiere.
Der CSU-Politiker versicherte zudem, er plane keine Wende weg vom
Ökolandbau. Doch wolle er das bisherige «Gegeneinander»
von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft beenden.
«Beide Produktionsprofile stellen hochwertige und sichere
Lebensmittel her», meinte Seehofer.
Der Minister kündigte an, in seinem Ressort im nächsten
Haushalt 200 Millionen Euro einsparen zu wollen. Dabei werde es keine
Tabus geben: Wenn gespart werde, dann überall, also auch in der
Öko-Landwirtschaft. «Es wird keine Strafaktion gegen einzelne
oder gar einen Feldzug gegen den Ökolandbau geben», betonte
er.
Der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein beklagte
indes, die neue Bundesregierung plane offenbar, den Anbau von
gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland zu erleichtern.
Dies vergrößere aber für Bauern, die weiter
gentechnikfrei produzieren wollten, das Risiko von unerwünschten
Einkreuzungen und Verunreinigungen.
Der Experte von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Benedikt Haerlin,
sagte, eine störungsfreie Koexistenz zwischen veränderten und
nicht-veränderten Pflanzen könne es auf Dauer ebenso wenig
geben «wie eine Koexistenz zwischen Lärm und Stille».
Echte Wahlfreiheit für den Verbraucher bedeute also, auf den Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU ganz zu verzichten,
meinte er.
Müller vom Verbraucherzentrale-Bundesverband kritisierte
Überlegungen, einen allgemeinen Haftungsfonds für Landwirte
einzuführen, mit dem mögliche Schäden aus der Freisetzung
gentechnisch veränderter Pflanzen beglichen werden sollen.
«Dies würde dazu führen, dass sich Gentechnik anbauende
Landwirte nicht mehr verantwortlich fühlen für das, was auf
ihren Feldern geschieht.»
Babynahrungshersteller Claus Hipp sagte, sein Haus biete seit Jahren
nur gentechnikfreie Bioprodukte an. Bei Babynahrung könne es in
punkto Gentechnik keine Kompromisse geben, betonte er. «Die
Verbraucher und erst recht die Mütter wollen das nicht.»
Mit Blick auf die von Seehofer ins Auge gefassten Änderungen am
Gentechnikgesetz erklärte er: «Wenn das Gentechnikgesetz
nicht mehr sicherstellt, dass die deutschen Bauern uns weiterhin
gentechnikfreie Rohstoffe zu angemessenen Preisen anbieten können,
müssen wir verstärkt im Ausland einkaufen, um Risiken und
Kosten gering zu halten.» Auf Dauer stelle sich dann die Frage
nach dem Standort der Produktion.
(Quelle: ap)
Online gegen Seehofers Gentechnik-Pläne
Das Online-Netzwerk Campact [http://www.campact.de] ruft dazu auf, gegen eine
Verwässerung des Gentechnikgesetzes durch Landwirtschaftsminister
Seehofer aktiv zu werden. Mehr unter:
http://www.stoppt-seehofer.de
http://www.campact.de/campact/infos/newsletter
Kinderärzte nennen Vorsorgeuntersuchungen Alibi-Aktionismus
Fr.13.01.06 - Als eine Art Alibi-Aktionismus haben Kinderärzte Pläne
bezeichnet, Kindesmisshandlungen in Deutschland mit medizinischen
Vorsorgeuntersuchungen vorzubeugen. In einer am Donnerstag
veröffentlichten Erklärung des Berliner Verbandes der Kinder-
und Jugendärzte heißt es, mit einer Pflichtvorsorge
könne man «keine Abhilfe schaffen für das, was
tagtäglich an den Kindern versäumt wird». Entsprechende
Vorschläge aus der Politik seien Bestandteil einer heuchlerischen
Diskussion.
Scharfe Kritik übte der Berufsverband in diesem Zusammenhang an
den rigiden Sparmaßnahmen des Staates, die auch
außerfamiliäre Kompensationen für Kinder wie etwa
Kindertagesstätten oder Förderprogramme dezimiert hätten.
«Unsere führende politische Klasse hat offenbar nicht
begriffen, welch gigantische Säge sie damit an den Ast unseres
künftigen gesellschaftlichen Fortbestehens gelegt hat, welches nur
auf eine gut ausgebildete heranwachsende Generation gegründet sein
kann», heißt es in der Stellungnahme.
Auf diesem Hintergrund erscheine die Debatte um Pflichtvorsorge zur
Abwehr von Misshandlungen geheuchelt, erklärten die
Kinderärzte und fügten hinzu: «Man zeigt auf die
Ausnahmen, suggeriert Hilfsmöglichkeiten und täuscht
politische Handlungsbereitschaft vor, in Wirklichkeit tut man aber
nichts dort, wo es dringend erforderlich ist.»
Auch der Münchner Kindermediziner Hubertus von Voss sprach sich
strikt gegen jeden Vorsorgezwang aus. Pflichtuntersuchungen nur wegen
des möglichen Anstiegs der Misshandlungen zu fordern,
«scheint mir eher absurd als lebensnah zu sein», sagte Voss
dem «Rheinischen Merkur». Er gab zu bedenken, «dass
Eltern, die ihre Kinder misshandeln, das nicht gerade vor dem
vorgesehenen Termin tun und solche Untersuchungen grundsätzlich
eher meiden». Das Dilemma sei nur zu lösen, wenn der Staat
die Prävention neu definiere. Dabei sieht Voss in der
«aufsuchenden Fürsorge ein probates Mittel». Der
Münchner Professor kritisierte ebenso wie der Berliner Verband,
dass der moderne Sozialstaat fast alles abgeschafft habe, was Kindern,
Familien und alten Menschen eine Hilfe geboten habe.
Voss, der als Ärztlicher Direktor im Kinderzentrum München
tätig ist, schlug zur Abhilfe konkret vor, die Erzieherinnen in
Krippen und Kindergärten stärker in Warnsysteme einzubeziehen
und sie besser zu qualifizieren, doch müssten diese «bisher
zu einem lausigen Lohn arbeiten». Dies sei eine Schande und neben
anderen Defiziten ein Zeichen für die in Deutschland herrschende
Kinderfeindlichkeit.
In einem Interview des «Kölner Stadt-Anzeigers»
schloss sich indessen auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der
Anregung von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) an,
eine Vorsorgepflicht für Kinder einzuführen. Er stellte eine
entsprechende Initiative seiner Partei in Aussicht. «Es geht nicht
um eine Beeinträchtigung von Elternrechten, sondern darum, dass die
Gesellschaft frühzeitig gesundheitliche Probleme bei Kindern
entdeckt, um gegensteuern zu können», begründete Heil
seinen Vorstoß.
Von der Leyen hatte Ende Dezember angekündigt, ein
Frühwarnsystem gegen Misshandlung und Verwahrlosung aufzubauen. Sie
werde die frühkindliche Förderung zu einem der Schwerpunkte
ihrer Politik machen, erklärte die CDU-Politikerin. In ihrem Etat
seien rund zehn Millionen Euro für den Aufbau des Warnsystems
vorgesehen. Damit solle das Risiko, dass Kinder der Verwahrlosung oder
Misshandlung anheimfallen, zumindest verringert werden.
(Quelle: ap)
Nach brutalem Überfall auf Zwölfjährigen in
Pömmelte Haftbefehl erlassen
Mutmaßliche Täter stammen aus der rechtsextremen Szene
Fr.13.01.06 - Nach dem brutalen Überfall auf einen zwölfjährigen
Jungen in Pömmelte bei Schönebeck fordern Parteien klare
Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass und
Rechtsextremismus. Gegen einen der mutmaßlichen Täter aus der
rechtsextremen Szene ist inzwischen Haftbefehl ergangen. Dem
19-Jährigen werden gefährliche Körperverletzung,
Nötigung und versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen,
wie Staatsanwalt Uwe Hornburg am Donnerstag sagte.
Das Gericht habe die von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehle
gegen zwei 16-jährige mutmaßliche Täter abgelehnt. Die
Gründe, die das Amtsgericht zu dieser Entscheidung veranlasst
haben, konnte Hornburg zunächst nicht nennen. Die
Staatsanwaltschaft prüfe jedoch eine Beschwerde gegen diese
Entscheidung.
Fünf rechtsextreme Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren
hatten am Montagabend den 12-jährigen Jungen äthiopischer
Abstammung überfallen und misshandelt. Das Opfer liegt in
Schönebeck im Krankenhaus. Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU)
wollte den Jungen am Donnerstag besuchen. Die Täter hatten dem
Jungen unter anderem eine glühende Zigarette ins Gesicht
gedrückt und ihn mit einer Waffe bedroht. Sie nötigten ihn
außerdem, ihre Stiefel abzulecken. Dabei hielten sie ihre Taten
mit einem Fotohandy fest. Die Täter wurden anhand von Fotos
ermittelt. Die Ermittler stellten umfangreiches Beweismaterial sicher.
SPD-Fraktionschef Jens Bullerjahn kündigte eine aktuelle Debatte
zur nächsten Landtagssitzung an, die seine Partei beantragen werde.
«Gerade im Vorfeld der Landtagswahl, bei der der Einzug einer
rechtsextremistischen Partei verhindert werden muss, sollten die
Demokraten zusammenstehen» sagte Bullerjahn. Er fordert
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) auf, kurzfristig eine
Sitzung des «Netzwerkes für Demokratie und Toleranz»
anzuberaumen.
Die Linke.PDS fordert eine öffentliche Ächtung rechten
Gedankengutes und rechter Gewalt. Fraktionschef Wulf Gallert sagte,
Rechtsextremismus beginne in den Köpfen und arte in brutaler Gewalt
aus. «Rechtes Gedankengut darf ebenso wenig hingenommen werden wie
die ihr entspringende Gewalt.» Die Partei sprach sich für ein
wirksames Landesprogramm gegen Rechts aus.
(Quelle: ddp)
Gedenken an Liebknecht und Luxemburg
Fr.13.01.06 - Mit mehreren Demonstrationen wird am Sonntag in Berlin der vor 87.
Jahren ermordeten Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
gedacht. Die Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands
(KPD) waren am 15. Januar 1919 von Freikorpsoffizieren umgebracht
worden. Zu der von der Berliner Linkspartei.PDS angemeldeten
Kranzniederlegung an der kürzlich sanierten
«Gedenkstätte der Sozialisten» auf dem Zentralfriedhof
Friedrichsfelde werden von 9.00 bis 13.00 Uhr rund 80 000 Menschen
erwartet, wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag sagte.
Zahlreiche linke Gruppierungen haben für Sonntag ebenfalls zu
einer Gedenkdemonstration aufgerufen. Laut Polizei sind 10 000
Teilnehmer angemeldet worden. Der Marsch soll um 10.00 Uhr am
Frankfurter Tor im Stadtteil Friedrichshain beginnen und über
Frankfurter Allee und Gudrunstraße zum Zentralfriedhof
führen. Zudem sind eine Demonstration am Olof-Palme-Platz in
Berlin-Tiergarten mit rund 1000 Teilnehmern sowie drei weitere kleinere
Gedenkveranstaltungen geplant.
Im Vorfeld der Demonstration am Frankfurter Tor übte die
Antifaschistische Linke Berlin (ALB) am Donnerstag Kritik an den ihrer
Ansicht nach rigiden Auflagen durch die Polizei. Bündnissprecher
kündigten juristische Schritte gegen die Auflagen an.
(Quelle: ddp)
Arbeitgeber für Gesundheitsprämie und Leistungseinschnitte
Fr.13.01.06 - Die Arbeitgeber haben noch einmal eindringlich für eine
Einheitsprämie und Leistungskürzungen in der
Krankenversicherung geworben. «Ein beschäftigungsfreundliches
Gesundheitssystem setzt zwingend die Abkopplung der Krankheitskosten vom
Arbeitsverhältnis voraus», erklärte
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Donnerstag in Berlin.
Nach Vorstellung der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA) soll jeder Erwachsene künftig 180
Euro im Monat in die Krankenversicherung einzahlen. Kinder wären
weiter beitragsfrei mitversichert. Wenn die 180 Euro mehr als 12,5
Prozent des Einkommens bedeuten, könnte sich der Betroffene die
Differenz vom Staat zurückholen.
Von anderen Prämienmodellen unterscheiden sich die
BDA-Vorstellungen vor allem darin, dass der notwendige soziale Ausgleich
für Geringverdiener kleiner ausfällt und nicht über
zusätzliche Steuern finanziert werden soll. Er soll nur 22
Milliarden Euro betragen - im Gegensatz zu rund 35 Milliarden bei
anderen Modellen.
Dies soll zum ganz überwiegenden Teil (bis zu 17 Milliarden Euro)
von den Arbeitnehmern dadurch finanziert werden, dass der bisherige
Arbeitgeberanteil als Bruttolohn ausgezahlt und dann mit Steuern und
Abgaben belegt wird. Die Rentner, die ihren
«Arbeitgeberanteil» von den Rentenkassen ausgezahlt
bekommen, sollen darauf ebenfalls Steuern entrichten (0,7 Milliarden
Euro). Der Rest (4,7 Milliarden Euro) soll von Bund und Kommunen
über Beiträge für Arbeitslose und
Sozialhilfeempfänger aufgebracht werden.
Die Summe von durchschnittlich 180 Euro pro Kopf reicht aber nach dem
BDA-Modell nur dann, wenn rund 20 Milliarden Euro an Leistungen aus der
gesetzlichen Krankenversicherung herausgespart werden. Dabei fiele das
Krankengeld (sechs Milliarden Euro) weg, das extra versichert werden
müsste. Die rund fünf Prozent an Leistungen, die der
Gesetzgeber nicht einheitlich allen Krankenkassen vorgibt, sollen
ebenfalls gestrichen werden (sechs Milliarden Euro).
Versicherungsfremde Leistungen sollen gestrichen oder über Steuern
finanziert werden (4,5 Milliarden Euro). Darüber hinaus sollen
Patienten bei jedem Arztbesuch fünf Euro Praxisgebühr zahlen
und Zuzahlungen bis zu drei Prozent ihres Jahreseinkommens leisten (drei
Milliarden Euro).
Profitieren könnten laut der BDA-Modellrechnung Arbeitnehmer mit
2.500 Euro und mehr. Deutlich mehr zahlen als bisher würden
Geringverdiener - die dann den Sozialausgleich bräuchten - und
Rentner. «Die Arbeitnehmer sind eindeutig die Gewinner des
Gesundheitsprämienmodells», meinte Hundt. Die
zusätzliche Eigenbeteiligung fördere im übrigen das
Kostenbewusstsein.
Das Modell stimmt in wesentlichen Punkten mit den ursprünglichen
Vorstellungen der CDU überein, die die CSU bereits vor dem
Wahlkampf ausgebremst hatte. Die SPD hat sich stets gegen einen
einkommensunabhängigen Einheitsbeitrag gewandt.
(Quelle: ap)
Löhne sinken erstmals seit Wiedervereinigung in Deutschland
Unternehmens- und Vermögenseinkommen legen kräftig zu.
Arbeitsproduktivität erhöhte sich im vergangenen Jahr um 1,2
Prozent
Fr.13.01.06 - Während die Unternehmensgewinne 2005 kräftig gestiegen sind,
haben die deutschen Arbeitnehmer erstmals seit der Wiedervereinigung
weniger verdient als im Vorjahr.
Die Arbeitnehmerentgelte fielen gegenüber 2004 um 0,5 Prozent auf
1129 Milliarden Euro, sagte der Präsident des Statistischen
Bundesamtes Johann Hahlen am Donnerstag. Die Unternehmens- und
Vermögenseinkommen hingegen legten um 6,1 Prozent zu, und
erreichten 556 Milliarden Euro, nachdem sie im vergangenen Jahr bereits
um knapp zwölf Prozent gewachsen waren. Insgesamt stieg das
Volkseinkommen um 1,6 Prozent auf 20.400 Euro pro Kopf. "Die Lohnquote,
der Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen, lag im Jahr 2005
mit 67 Prozent nochmals deutlich unter der des Vorjahres und ist damit
seit dem Jahr 2000 rückläufig", sagte Hahlen.
Ausschlaggebend für den Rückgang der Arbeitnehmerentgelte ist
nach Ansicht von Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank die Reform des
Arbeitsmarkts, denn auch Ein-Euro-Jobs und Minijobs gingen in die
Statistik ein. Des weiteren werde reguläre Beschäftigung
abgebaut. Die Entwicklung beim Volkseinkommen sei ein Spiegelbild des
Bruttoinlandsprodukts (BIP): "Die Unternehmenseinkommen sind von der
ausländischen Nachfrage getrieben, während die
Binnenwirtschaft schwach ist." Das BIP ist nach vorläufigen
Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2005 um 0,9 Prozent
gewachsen, der stärkste Wachstumsbeitrag kam vom Außenhandel.
Die Arbeitsproduktivität erhöhte sich im vergangenen Jahr um
1,2 Prozent. Wegen der gesunkenen Arbeitskosten gingen auch die
Lohnstückkosten zurück, und zwar um 0,9 Prozent. "Die hohen
Exporte resultieren aus dieser Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit", sagte Bielmeier. Auf Dauer solle die gute
Wettbewerbsposition im Weltmarkt jedoch nicht nur über moderate
Lohnzuwächse gehalten werden, sondern auch durch Innovationen, also
über Ausgaben für Entwicklung und Forschung. Allerdings warnte
Bielmeier vor starken Lohnsteigerungen. Diese könnten nur sehr
kurzfristige Erfolge haben, die Wettbewerbsfähigkeit würde
jedoch leiden und Deutschlands starke Weltmarktstellung schwächen:
"Wir würden den Ast ansägen, auf dem wir sitzen."
Das verfügbare Einkommen der Haushalte nahm 2005 mit 1,5 Prozent
etwas weniger zu als 2004. Wegen der Einkommensteuerreform blieben die
Nettolöhne stabil obwohl die Bruttolöhne um 0,3 Prozent
gesunken sind. Die Entlastung um 2,7 Prozent bei der Lohnsteuer
übertraf die zusätzlichen Kosten durch den Anstieg der
Sozialbeiträge um 0,7 Prozent. Die Sparquote erreichte den
höchsten Stand seit 1995, sie kletterte um 0,1 Prozentpunkte auf
10,6 Prozent.
(Quelle: rtr)
Kultur
'Hartz IV - Das Musical' in Dresden
Fr.13.01.06 - Mit seinem Stück «Hartz IV - Das Musical» will der
Autor und Regisseur Erik Gedeon die Ängste Arbeitsloser auf die
Bühne bringen. Er möchte zeigen, dass jeder davon betroffen
werden könne, sagte Gedeon am Mittwoch in Dresden nach der
Generalprobe.
Das Werk hat am Freitag im Staatsschauspiel Dresden Uraufführung.
Das Theater hatte bereits 2004 mit seiner umstrittenen Inszenierung von
Gerhart Hauptmanns «Die Weber» Schlagzeilen gemacht. Darin
traten Hartz IV- Empfänger in einem «Chor der
Arbeitslosen» auf.
Bedenken, sich über Betroffene lustig zu machen, wies Gedeon
zurück. «Musik gehört nicht nur in die Tempel der
schönen Künste, sondern auch an den Abgrund.» In dem
Stück sitzen sieben Arbeislose irgendwo in einem Arbeitsamt in
Deutschland. Sie warten, ohne dass etwas passiert. Das Amt scheint
verlassen, einzig durch die Musik beginnen die Wartenden miteinander zu
kommunizieren und zu singen. Melodien aus Musicals wie «West Side
Story», «Hair», «Cats» oder «Jesus
Christ Superstar» illustrieren die Szenarie.
«Musicals in Deutschland sind bislang nur von Katzen, Löwen
und Rollschuhfahrern auf Luxuslinern bevölkert», sagt Gedeon.
Jetzt sei es an der Zeit, auch Arbeitslose auf die Bühne zu
bringen. Dabei sei er mit Respekt vorgegangen. «Über
Arbeitslosigkeit zu lachen, erscheint mir als Tabubruch.» Er war
musikalischer Leiter am Hamburger Thalia Theater und schrieb
musikalische Revuen. Für die Dramaturgie zeichnet wie in der
«Weber»-Inszenierung Stefan Schnabel verantwortlich.
(Quelle: dpa)
US-Regisseur Robert Altman erhält diesjährigen Ehren-Oscar
Fr.13.01.06 - Der US-Regisseur Robert Altman erhält für sein Lebenswerk den
diesjährigen Ehren-Oscar. Mit der Auszeichnung werde ein
«meisterhafter Filmemacher» gewürdigt, der wiederholt
die Kunstform neu erfunden sowie Kollegen und Zuschauer
gleichermaßen inspiriert habe, teilte die Academy of Motion
Picture Arts and Sciences am Mittwoch in Los Angeles mit. Der
80-Jährige («M.A.S.H», «Short Cuts») war
bereits fünf Mal als bester Regisseur sowie zwei Mal als Produzent
für den besten Film («Nashville», "Gosford Park)
für den Oscar nominiert, durfte den wichtigsten Preis der
Filmindustrie bislang aber nie mit nach Hause nehmen.
In seiner über 50-jährigen Karriere hat Altman insgesamt 37
Filme gedreht. Für 16 von ihnen schrieb er auch das Drehbuch. Die
Ehrung wird im Rahmen der 78. Oscar-Verleihung am 5. März in
Hollywood überreicht. Die Nominierungen für die übrigen
Kategorien werden am 31. Januar bekannt gegeben.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Drei grün leuchtende Schweine gezüchtet
Fr.13.01.06 - Taiwanische Forscher haben nach eigenen Angaben drei fluoreszierende
Schweine gezüchtet, die im Dunkeln grün leuchten. Dafür
sei in den Zellkern eines Schweineembryos ein fluoreszierendes Protein
injiziert worden, das aus Quallen gewonnen worden sei, erklärte Wu
Shinn Chih von der Nationalen Universität Taiwans, der das
Forscherteam leitete.
Den Wissenschaftlern sei ein "wichtiger Fortschritt" bei der
Stammzellforschung gelungen, weil Schweine gemeinhin zu den Tieren
zählten, die dem Menschen besonders nahe seien, sagte Wu. Anlass
zur Sorge bestehe nicht: Die grünen Schweine könnten nicht mit
wilden Artgenossen gekreuzt werden, um möglicherweise
"Frankenstein-Schweine" zu züchten.
(Quelle: afp)
Pflanzen produzieren Treibhausgas Methan
Fr.13.01.06 - Pflanzen produzieren einen erheblichen Anteil des Treibhausgases
Methan. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine aktuelle
Studie des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik.
Pflanzen setzten jährlich etwa 60 bis 240 Millionen Tonnen
Methangas frei, wie die Forscher um Frank Keppler im britischen
Fachjournal «Nature» (DOI: 10.1038/nature04420) berichten.
Das sind 10 bis 40 Prozent der weltweiten Methanemissionen. Methan ist
nach Kohlendioxid (CO2) das wichtigste Treibhausgas. Die
Methankonzentration in der Atmosphäre hat sich in den vergangenen
150 Jahren nahezu verdreifacht. Am bekanntesten ist Methan als Erdgas.
Entgegen aller bisherigen Annahmen entsteht Methan nach Erkenntnis der
Forscher aus Pflanzenmaterial auch in Gegenwart von Sauerstoff.
«Methan darf so eigentlich nicht entstehen», erläuterte
Keppler. «Es ist eine bisher anerkannte Lehrbuchweisheit, dass
biogenes Methan nur unter Ausschluss von Sauerstoff gebildet werden
kann. Deshalb hat bislang einfach niemand genau hingesehen.»
Lebende Pflanzen setzten sogar 10 bis 100 Mal mehr Methangas frei als
abgestorbene Pflanzen.
Diese Erkenntnis trage dazu bei, die Wechselwirkungen zu verstehen, die
zwischen der globalen Erwärmung und der Produktion von
Treibhausgasen bestehen, heißt es in dem Artikel. Denn das
Ansteigen der Temperatur und der CO2-Werte könnte in Zukunft auch
zu einem größeren Pflanzenwachstum führen, betonte
Keppler. «Das könnte einen Rückkoppelungsprozess
bewirken, denn dadurch könnte deutlich mehr Methan produziert
werden, was zur Klimaerwärmung beitragen könnte.»
Ungeklärt ist bislang, welcher Prozess der Bildung von Methan in
Pflanzen zu Grunde liegt. Die Forscher, deren Daten auf Laborversuchen
fußen, planen nun umfangreiche Feldstudien.
Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des
niederländischen Instituts für Meeres- und
Atmosphärenforschung in Utrecht und des nordirischen
Landwirtschaftsministeriums in Belfast.
(Quelle: dpa)
Klimaerwärmung rottet viele tropische Frösche aus
Fr.13.01.06 - Die Klimaerwärmung schafft günstige Wachstumsbedingungen
für einen krank machenden Pilz, der daraufhin bereits rund 70
Froscharten in Zentral- und Südamerika ausgerottet hat. Das
berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachjournal
«Nature» (DOI: 10.1038/nature04246).
«Die Krankheit ist das Geschoss, das die Frösche tötet,
aber der Klimawandel drückt den Abzug», erklärt der
Hauptautor der Studie, Alan Ponds vom Tropical Science Center in Costa
Rica.
Die Gruppe hatte Berichte über das Verschwinden der farbenfrohen
Harlekinfrösche in Mittel- und Südamerika gesammelt,
zahlreiche Klimadaten ausgewertet und eine Verbindung hergestellt. Zwei
Drittel der Arten starben zwischen den 80er und 90er Jahren aus,
heißt es bei den Forschern. Die Amphibien
(Stummelfußfrösche, Familie Atelopoidae) verschwanden selbst
aus abgelegenen, vergleichsweise unberührten Schutzgebieten.
Alan Ponds sieht es als bewiesen an, dass der Klimawandel zu mehr
Wolken über den tropischen Bergen Amerikas führt. Diese
sorgten für kühlere Tage und wärmere Nächte, und
diese wiederum begünstigten den Pilz (Batrachochytrium
dendrobatidis), der am besten zwischen 17 und 25 Grad gedeihe. Der
Parasit wächst in der oberen Hautschicht der infizierten Amphibien.
Damit wird diese wichtige Barriere gegen Infektionen in Mitleidenschaft
gezogen und die Frösche sind anfälliger für weitere
Erreger.
«Es gibt eindeutig den dringenden Bedarf, auf saubere
Energiequellen umzustellen», erklärte Ponds mit Blick auf den
durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursachten Treibhauseffekt.
Dafür müssten ähnlich große Anstrengungen wie
für den Bau der ersten Atombombe oder die erste Mondlandung
unternommen werden.
Auch für den Menschen ließen diese Ergebnisse die
Alarmglocken läuten, schreibt Andrew Blaustein von der Oregon State
University (Corvallis/USA) in einem begleitenden
«Nature»-Kommentar. Die nun aufgedeckten Zusammenhänge
machten das vielfältige Zusammenspiel von Klima, Krankheitserregern
und deren Wirten deutlich. Es sei zu befürchten, dass viele weitere
Arten - «von der Ameise bis zum Zebra» - vor ähnlichen
Problemen stehen könnten. «Wir sollten das Unerwartete
erwarten», warnt Blaustein daher.
(Quelle: dpa)
Deutscher Historiker: Wehrmacht tötete tausende Schwarze
Fr.13.01.06 - Nach dem Einmarsch in Frankreich 1940 soll die deutsche Wehrmacht
mehrere tausend gefangene schwarze Soldaten aus französischen
Kolonialregimentern getötet haben. Archivquellen dokumentierten
beim West-Feldzug "die Ermordung von 1500 Schwarzen", schreibt der
deutsche Historiker Raffael Scheck in einem Gastbeitrag für "Die
Zeit". "Aber die wirkliche Zahl dürfte mindestens doppelt so hoch
sein, da die Quellen große Lücken aufweisen."
Scheck weist darauf hin, dass das Bild eines "korrekten Verhaltens" der
Wehrmacht beim West-Feldzug in Frankreich auf dieser Grundlage nicht
mehr aufrechtzuerhalten sei. Anders als zu Beginn des
Vernichtungsfeldzuges gegen die Sowjetunion ein Jahr später habe es
1940 keine offizielle Weisung für die Ermordung bestimmter Gruppen
von Kriegsgefangenen gegeben, schreibt Scheck, der als Professor
für europäische Geschichte am Colby College im US-Bundesstaat
Maine arbeitet.
Er führt die Massaker auf eine lange Tradition der Stigmatisierung
schwarzer Soldaten in Deutschland zurück, die auf die
Aufstände in den deutschen Kolonien in Südwest- und Ostafrika
(1904 bis 1907) zurückgehe. Die damalige "Gräuelpropaganda"
sei von den Nazis während des Westfeldzuges 1940 durch eine
groß angelegte Propaganda-Offensive "neu belebt und verstärkt
worden". Die Massaker in Frankreich sind laut Scheck damit Teil einer
"mörderischen Ouverture" des Vernichtungskriegs im Osten.
In Frankreich ist das Schicksal von Farbigen während des Zweiten
Weltkrieges im vergangenen Jahr durch das Buch "Noirs dans les camps
nazis" ("Schwarze in den Nazi-Lagern") von Serge Bilé wieder
verstärkt ins Blickfeld gerückt, das den Umgang der Nazis
insgesamt mit Schwarzen beleuchtet. Auch darin wird auf Massaker und
Massenexekutionen von Soldaten der Kolonialregimenter beim deutschen
Frankreich-Feldzug verwiesen.
(Quelle: afp)
Internet
Hommingberger Gepardenforelle - Was Suchmaschinen bevorzugt auflisten
Fr.13.01.06 - Die Hommingberger Gepardenforelle ist gelb, hat schwarze Flecken, einen
eigenartig anmutenden Kopf in Raubtierform - und sie ist ungemein
populär. Die Suchmaschine Google liefert bei Eingabe dieses
Stichworts mehr als drei Millionen Fundstellen.
Das ist ummso verwunderlicher, als es die Hommingberger Gepardenforelle
überhaupt nicht gibt. Sie ist ein Kunstprodukt der
Computerzeitschrift c't (Ausgabe 9/05) - erfunden um zu testen, wie sich
Suchmaschinen austricksen lassen. Ein gerade abgeschlossener Wettbewerb
hatte zum Ziel, Webseiten zu erstellen, die in den Trefferlisten von
Google.de, Yahoo.de, MSN.de und Seekport.de für die Abfrage
'Hommingberger Gepardenforelle' Spitzenpositionen belegen. Das Ergebnis:
Die Qualität der Inhalte von Web-Seiten trägt nur teilweise
zum Erfolg der Suchmaschinen bei. Mindestens genauso wichtig ist der
Bekanntheitsgrad - und der lässt sich auf durchaus fragliche
Weise steigern.
Zu den Sites, die ihre Position verbessern konnten, zählt das
Hommingberger Gepardenforellen Blog [http://www.hommingberger-gepardenforelle-blog.de].
Das Blog, aufgesetzt vom Auszubildenden Oliver Baumgart der Web-Agentur
COM.POSiTUM, war zwar nicht das einzige Weblog im Wettbewerb, hat aber
am erfolgreichsten mit guten Einfällen immer wieder neue Inhalte
generiert (und damit auch Links auf sich gezogen). So veranstaltete es
einen Poetry-Slam-Wettbewerb, bei dem es darum ging,
Gepardenforellen-Gedichte zu reimen. Mit solchen Aktionen hat sich das
Blog auf den sechsten Platz hochgearbeitet.
Dass Inhalt nicht gleich Inhalt ist, zeigten die Teilnehmer des
Seminars "Internet-Suchmaschinen" an der Universität Kassel. Sie
ließen sich mit Hilfe eines Computerprogramms aus Textbausteinen
einen formal korrekten, aber vollkommen inhaltsfreien wissenschaftlichen
Aufsatz generieren. Die Nonsenstudie wurde anschließend
automatisch ins Deutsche übersetzt, wobei beliebige Substantive
gegen den Namen des imaginären Fisches ausgetauscht wurden. Fertig
war die falsche Forellenforschung. Zudem setzten die Kasseler Studenten
auf die massive Verlinkung ihres Angebots. Viele andere Web-Seten der
Universität verwiesen auf die Seite [http://www.kde.cs.uni-kassel.de/lehre/ss2005/googlespam],
und sogar in der Lokalpresse wurde um Link-Spenden gebeten.
Die Seminar-Website zeigt anschaulich, dass von Google geschätzte,
aktuelle Inhalte für den Surfer ohne jeden Wert sein können.
(Quellen: heise-online, sz)
Mehr unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/67419