Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Armee lässt rund 500 Häflinge aus Gefängnissen im
Irak frei. Affäre um mögliche Verwicklung des deutschen
Auslandsgeheimdienstes in den Irak-Krieg: Opposition fordert
Rücktritt von Außenminister Steinmeier
Mo.16.01.06 - Die US-Armee hat rund 500 Häftlinge aus Gefängnissen im Irak
freigelassen. Zuvor sei festgestellt worden, dass die Gefangenen nicht
in Verbrechen verwickelt seien, sagte ein Sprecher des irakischen
Justizministeriums am Sonntag. Die Häftlingen wurden demnach aus
den Gefängnissen Camp Bucca im Südirak, Camp Suse im Nordirak
und Abu Ghraib bei Bagdad entlassen. Unter ihnen befinden sich auch zwei
Iraker, die für die britische Nachrichtenagentur Reuters arbeiten,
wie das Unternehmen mitteilte. Die Journalisten seien in der
sunnitischen Rebellenhochburg Ramadi westlich von Bagdad stationiert
gewesen. Seit dem Einmarsch im Irak im März 2003 hat die US-Armee
nach eigenen Angaben rund 12.000 Iraker festgenommen.
In der Affäre um eine mögliche Verwicklung von Agenten des
deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) in den Irak-Krieg 2003 mehren
sich die Forderungen nach einem Rücktritt von Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD). Vertreter von FDP und Grünen legten
dem SPD-Politiker am Wochenende diesen Schritt nahe. Steinmeier war
2003 als Kanzleramtschef verantwortlich für die Arbeit der
Geheimdienste.
Steinmeier lehnte einen Rücktritt ab: «Diese Frage stellt
sich nicht», betonte er und verwahrte sich dagegen, das klare
rot-grüne Nein zu einer deutschen Beteiligung am Irak-Krieg
umzudeuten. «Wenn verhindert werden konnte, dass eine Botschaft
oder ein Krankenhaus getroffen wird, dann hat das nichts mit
Doppelmoral zu tun. Dann geht es um das Retten unschuldiger
Menschenleben», sagte er.
Derweil berichtete der «Spiegel», der BND habe
militärisch verwertbare Daten an die USA übermittelt. So habe
der BND etwa Informationen über Truppenbewegungen in Bagdad und
Positionen von Verteidigungsstellen weitergegeben. Im Gegenzug habe der
US-Geheimdienst die deutschen Stellen mit Informationen über den
Kriegsverlauf versorgt.
Vor diesem Hintergrund forderten der Parlamentarische
Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jürgen Koppelin, sowie
der Grünen- Politiker Matthias Berninger den Rücktritt
Steinmeiers. Koppelin betonte: «Ich könnte verstehen, wenn
Herr Steinmeier als Außenminister einpackt.» Informationen
könnten im Krieg genauso tödlich sein wie Waffen. Berninger
forderte Konsequenzen «auf höchster Ebene», sollten
sich die Vorwürfe bestätigen.
Der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hält eine
BND-Hilfe nicht für schlüssig. «Ich gehe davon aus,
dass die Amerikaner selbst wussten, welche Ziele sie angreifen wollen.
Da brauchen sie keine Hinweise», argumentierte er und
versicherte, die Bundesregierung habe sich an die Linie gehalten, nicht
direkt am Krieg teilzunehmen.
Angesichts der Unklarheiten bleibt die Opposition bei ihrer Forderung
nach einem Untersuchungsausschuss. «Ich gehe nach wie vor davon
aus, dass die Vorwürfe im Kern zutreffen», sagte der
Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele. Auch für
die Vize- Fraktionsvorsitzende der Linkspartei.PDS, Petra Pau, bleibt
«die Generalfrage ungeklärt». Daher sei die Zeit reif
für einen Untersuchungsausschuss. Der Bundestag will in der
kommenden Sitzungswoche zunächst in einer Aktuellen Stunde das
Thema erörtern.
Mittlerweile wird in Deutschland der Verdacht lauter, dass die
Informationen über eine mutmaßliche BND-Hilfe im Irak-Krieg
bewusst von den USA gestreut wurden. SPD-Vize Kurz Beck sagte, damit
solle die deutsche Außenpolitik in der Zeit des Irak-Krieges
diskreditiert werden: «Da tapsen die Nachtigallen so laut, dass
die Dachziegel klappern», sagte Beck. Grünen-Fraktionsvize
Jürgen Trittin geht davon aus, dass US-Stellen damit auf die
Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am US-Gefangenenlager
Guantanamo reagieren wollten.
(Quellen: afp, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 16.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.16.01.05 - US-Präsident Bush sieht seine Irak-Politik durch die Wiederwahl
bestätigt +++ Unbekannte ermorden 13 Iraker südlich von Bagdad +++
Ansar al Sunna bekennt sich zur Entführung von 15 Irakern +++
Fahrverbot während der Wahl soll Anschläge verhindern +++
Schiitisches Wahlbündnis lehnt Errichtung von Gottesstaat ab +++ Zehn
Jahre Haft für US-Soldat Graner wegen Misshandlung von irakischen
Häftlingen im Gefängnis Abu Ghraib +++
US-geführte Koalitionstruppen beschädigten laut Experten
Ruinen von Babylon...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501160.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Afghanistan: Tote und Verletzte bei Anschlag auf kanadischen
Militärkonvoi
Mo.16.01.06 - Bei einem Angriff auf einen kanadischen Militärkonvoi in
Afghanistan sind am Sonntag mindestens zwei Zivilpersonen getötet
und 13 Menschen verletzt worden. Unter den Verletzten in Kandahar waren
drei Soldaten, wie die US-Streitkräfte mitteilten. In derselben
Stadt erschossen mutmaßliche Taliban-Kämpfer am Samstag laut
Polizeiangaben den ehemaligen afghanischen Vize-Innenminister Mohammed
Chaksar.
Der Attentäter zündete eine Autobombe, als der Konvoi in der
Nähe der kanadischen Basis in Kandahar vorüber fuhr, wie ein
Sprecher des Innenministeriums in Kabul mitteilte. Mindestens zwei
Zivilpersonen seien getötet und zehn verletzt worden. Auch eine
Reihe kanadischer Soldaten sei verwundet worden. Ein
US-Militärsprecher gab die Zahl der verletzten Soldaten mit drei an.
Kandahar war früher eine Hochburg der islamistischen Taliban.
Kanada hat rund 650 Soldaten in Afghanistan stationiert, fast alle in
Kandahar.
Chaksar gehörte der früheren Taliban-Regierung an, sagte sich
aber von der Bewegung los. Bereits vor ihrem Sturz 2001 bat er die USA
heimlich um Hilfe. Ein Mann, der sich als Taliban-Sprecher ausgab,
bekannte sich im Namen seiner Gruppe in einem Anruf bei der
Nachrichtenagentur AP zu dem Anschlag.
Chaksar sei ein Verräter gewesen, sagte Kari Mohammed Jussaf und
kündigte weitere Morde an. Der ehemalige Vize-Minister wurde nach
Angaben der Polizei von zwei Angreifern auf einem Motorrad in Kopf und
Herz geschossen, als er mit zweien seiner Kinder auf der Straße
unterwegs war.
Unterdessen wurden bei zwei Explosionen während Feiern zum
islamischen Opferfest in der ostafghanischen Provinz Chost 40 Menschen
verletzt und eine Person getötet. Ein Polizeisprecher machte die
Taliban verantwortlich.
Im Süden des Landes wurden sechs mutmaßliche
Aufständische bei einem Gefecht getötet. Wie die
US-Streitkräfte am Samstag mitteilten, beschossen Rebellen am
Freitag in der Unruheprovinz Urusgan eine gemeinsame Patrouille der
US-geführten internationalen Truppe und der afghanischen Armee, die
das Feuer erwiderte. Der Vorfall ereignete sich in einem Gebiet, in dem
1.400 niederländische Soldaten im Rahmen einer neuen NATO-Aktion
die US-Truppen ablösen sollen. Die Regierung in Den Haag hat wegen
der prekären Sicherheitslage noch keine abschließende
Entscheidung getroffen.
Bei einem weiteren Feuergefecht in der Provinz Paktia wurden am
frühen Samstagmorgen ein Soldat und zwei mutmaßliche
Taliban-Rebellen getötet. Nach Angaben des afghanischen
Verteidigungsministeriums griffen Aufständische einen
Kontrollposten der afghanischen Streitkräfte an. Die Gewalt in
Afghanistan nimmt seit Monaten zu, im vergangenen Jahr kamen mindestens
1.600 Menschen bei Anschlägen und Gefechten ums Leben.
(Quelle: ap)
IAEO-Chef Baradei: Notfalls Gewalt im Iran-Konflikt
Mo.16.01.06 - Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, El Baradei
schließt im Konflikt um das iranische Atomprogramm den Einsatz
von Gewalt nicht mehr aus. In einem Interview sagte Baradei, man
müsse die Regierung in Teheran zwingen, ihr Atomprogramm
völlig offen zu legen. Diplomatie brauche auch Druckmittel, und,
in extremen Fällen, Gewalt. Die IAEO will den Vorwurf der USA
überprüfen, wonach der Iran Atomwaffen herstellen will.
Teheran bestreitet das. Die Verhandlungen stecken in einer Sackgasse.
Über das weitere Vorgehen soll heute in London beraten werden.
Dort treffen sich Vertreter dreier EU-Länder und der USA, Chinas
und Russlands. Vor allem Russland will noch verhindern, dass die Sache
vor den Weltsicherheitsrat kommt.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Nahost-Konflikt
Israel billigt palästinensische Wahl in Ostjerusalem - Aber ohne
Kandidaten der Hamas. Siedler in Hebron kämpfen gegen Evakuierung.
Zustand des israelischen Ministerpräsidenten Scharon
unverändert ernst
Mo.16.01.06 - Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat seine
erste Bewährungsprobe bestanden: Sein Kabinett beschloss am Sonntag
einstimmig, an der palästinensischen Parlamentswahl am 25. Januar
auch Bewohner Ostjerusalems teilnehmen zu lassen. Allerdings
dürfen dort keine Kandidaten der Hamas antreten. In Hebron spitzen
sich derweil die Proteste radikaler jüdischer Siedler zu, die sich
gegen eine Ausweisungsanordnung zur Wehr setzten.
Ein Ausschluss der Palästinenser in Ostjerusalem hätte aller
Voraussicht nach zur Absage der Wahl und damit zu einer neuen Krise im
Nahen Osten geführt. Vor allem die USA hatten darauf gedrungen, die
Abstimmung wie geplant zu ermöglichen. Israel wollte jedoch einen
Sieg der der radikalislamischen Hamas verhindern. Mit dem Ausschluss
von deren Kandidaten in Ostjerusalem wurde nunmehr eine Lösung
erzielt, wie der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat
bestätigte.
Kurz nach der Ankündigung kam es in der Altstadt zu Handgemengen,
weil Polizisten Hamas-Mitglieder am Wahlkampf hinderten. Es gab drei
Festnahmen. In Ostjerusalem sind neun der 132 Sitze im Parlament von
Ramallah zu vergeben. Die dortige Wahl ist von hoher symbolischer
Bedeutung, weil sowohl Israelis als auch Palästinenser Jerusalem
als Hauptstadt beanspruchen. Rund 5.000 Wahlberechtigte dürfen ihre
Stimmen nunmehr per Post in Wahllokalen im Westjordanland abgeben.
Ein zweites kritisches Thema der Kabinettssitzung unter Leitung von
Olmert war die Lage in Hebron. Acht radikale jüdische
Siedlerfamilien kündigten dort Widerstand gegen die Anordnung zum
Verlassen eines palästinensischen Marktviertels an, das sie vor
vier Jahren besetzt hatten. Am Samstag bewarfen hunderte Siedler
Häuser von Palästinensern mit Steinen und Farbbeuteln. Dabei
wurde ein israelischer Soldat leicht am Auge verletzt. Am Sonntag wurden
palästinensische Geschäfte auf dem Marktplatz von Hebron in
Brand gesetzt.
Olmert verurteilte das Vorgehen der Siedler aufs Schärfste und
drohte mit harten Strafen für Übergriffe auf Soldaten. Die
acht Familien hatten noch bis Sonntagabend Zeit zur freiwilligen
Evakuierung, danach sollten sie vertrieben werden. In Hebron leben rund
500 Juden in streng bewachten Siedlungen unter mehr als 160.000
Palästinensern. Dadurch kommt es immer wieder zu gewaltsamen
Zwischenfällen.
Unweit von Nablus im Westjordanland erschossen israelische Soldaten
einen 20-jährigen bewaffneten Palästinenser und seine
50-jährige Mutter. Anwohnern der Ortschaft Rodschib zufolge
handelte es sich um einen tödlichen Irrtum. Der junge Mann habe die
Waffe nicht wegen der anrückenden Soldaten getragen, sondern habe
sein Familienanwesen gegen verfeindete Nachbarn schützen wollen,
die Autos der Familie in Brand gesetzt hätten.
Im Gazastreifen blockierten am Samstag Dutzende bewaffnete
Palästinenser für mehr als eine Stunde die beiden
Hauptverkehrsstraßen in Nord-Süd-Richtung. Sie forderten
Ministerpräsident Mahmud Abbas auf, Recht und Ordnung in dem
Autonomiegebiet wiederherzustellen. Außerdem verlangten sie den
Rücktritt von Innenminister Nasser Jussef.
Unterdessen war der Zustand des israelischen Ministerpräsidenten
Ariel Scharon unverändert ernst. Trotz Reduzierung der
Narkosemittel erlangte er vorerst nicht das Bewusstsein zurück.
Einige Ärzte, die nicht an der Behandlung Scharons beteiligt sind,
werteten dies als schlechtes Zeichen. Das Hadassah-Krankenhaus betonte
jedoch, es sei zu früh, um die Genesungsaussichten
einzuschätzen. Scharon war nach seinem schweren Schlaganfall am 4.
Januar in ein künstliches Koma versetzt worden.
(Quelle: ap)
Afrikanische Union: Sudan muss Übernahme von Darfur-Mission durch
UNO akzeptieren
Mo.16.01.06 - Die Afrikanische Union (AU) hat die sudanesische Regierung
gedrängt, eine Übernahme der Friedensmission in Darfur durch
die UNO zu akzeptieren. Khartum müsse die entsprechende
Entscheidung des AU-Rats für Frieden und Sicherheit annehmen, dem
es selbst angehöre, sagte der Vize-Chef der AU-Kommission, Patrick
Mazimhaka, am Samstag in Addis Abeba. Die Truppen der AU könnten
intervenieren, um die Lage in einem Krisengebiet zu stabilisieren; die
Union habe jedoch nicht die Kapazitäten, um eine Friedensmission
auf unbegrenzte Zeit zu führen, fügte Mazimhaka in der
äthiopischen Hauptstadt hinzu. Nach seiner Einschätzung
würde es ein halbes Jahr dauern, bis die UNO die Friedensmission
der Afrikanischen Unionersetzt habe.
(Quelle: afp)
50 Millionen Kinder in Afrika laut AU ohne Schulbildung
Mo.16.01.06 - Fast 50 Millionen Kinder in Afrika besuchen einem Bericht der
Afrikanischen Union zufolge keine Schule. Grund seien immer geringere
staatliche Investitionen in Bildungsmöglichkeiten, das große
Bevölkerungswachstum und die Abwanderung gut ausgebildeter
Arbeitnehmer, erklärte die AU am Sonntag. Während in den 90er
Jahren noch umgerechnet 37 Euro pro Kopf in Bildung investiert worden
seien, seien diese Ausgaben in den Jahren 2002 und 2003 auf 17 bis 21
Euro gesunken.
Mehrere afrikanische Staaten gäben im Schnitt weniger als drei
Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Bildungsmöglichkeiten
aus, heißt es in dem Bericht, der auf einer Konferenz der
afrikanischen Bildungsminister vorgestellt wurde. Für Unterricht
seien weniger als zwölf Prozent des Etats vorgesehen. Damit werde
der afrikanische Kontinent vermutlich sein Ziel verfehlen, allen
Kindern bis zum Jahr 2015 kostenlos einen Grundstock an Bildung zu
ermöglichen.
Die Mitgliedstaaten der AU sollten mindestens ein Viertel ihres Etats
und sechs Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Bildung
aufwenden, forderte der südafrikanische Erziehungsminister Naledi
Pandor. Ohne Bildung könne sich Afrika nicht weiterentwickeln,
betonte sein algerischer Kollege Boubakeur Benbouzid.
(Quelle: ap)
Deutschland prüft Einsatz deutscher Soldaten im Kongo
Mo.16.01.06 - Das deutsche Verteidigungsministerium prüft die Entsendung
deutscher Fallschirmjäger zur Sicherung der für Ende April
geplanten Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo. Die
Europäische Union (EU) prüfe derzeit den Einsatz einer so
genannten Battle Group, bestätigte am Samstag ein Sprecher des
Bundesverteidigungsministeriums in Berlin einen "Spiegel"-Bericht. Die
"Battle Groups" der EU, die rund 1500 Soldaten in jeweils
unterschiedlicher Zusammensetzung umfassen, stehen im Halbjahresrhythmus
für Krisenaktionen zu Verfügung. Seit Januar führt die
Bundeswehr eine deutsch-französische Eingreiftruppe, zu der auch
ein Fallschirmjäger-Bataillon gehört.
(Quelle: afp)
Oppositionsführer will Präsident der Elfenbeinküste
werden
Mo.16.01.06 - Der im Exil lebende Oppositionsführer der Elfenbeinküste will
in sein Heimatland zurückkehren und bei der
Präsidentschaftswahl im Herbst kandidieren. Er werde in den
kommenden zehn Monaten den Wahlkampf der Opposition organisieren und
gegen Amtsinhaber Laurent Gbagbo antreten, sagte Alassane Ouattara der
französischen Zeitung "Nord Eclair" (Sonntagsausgabe). Mit der
für Herbst geplanten Wahl wird seiner Ansicht nach in dem
Bürgerkriegsland "ein neues Kapitel" aufgeschlagen. Seine
Rückkehr aus dem dreijährigen Exil in Frankreich sei für
die kommenden Tage geplant.
(Quelle: afp)
Sozialistin Bachelet wird erste Präsidentin Chiles
Mo.16.01.06 - Historischer Tag in Chile: Die Sozialistin Michelle Bachelet hat die
Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag gewonnen und wird damit
erste Präsidentin des südamerikanischen Staates. Ihr
Gegenkandidat, der konservative Geschäftsmann Sebastian Pinera,
räumte seine Niederlage ein. Die 54-Jährige kündigte in
ihrer Siegesrede eine Fortsetzung der marktorientierten Politik der
Regierung an, die Chiles Wirtschaft zu einer der stärksten der
Region gemacht haben. Zugleich versprach sie, in ihrer Amtszeit bis
2010 das soziale Sicherheitssystem Chiles zu festigen.
Die ehemalige Kinderärztin kam nach Auszählung fast aller
Stimmen auf 53,5 Prozent. Die Regierungskandidatin ist die Tochter
eines Generals, der sich gegen den Putsch Augusto Pinochets im Jahr
1973 stellte und gefoltert wurde. Er starb in Haft an einem Herzanfall,
der nach Bachelets Worten auf die Folter zurückzuführen war.
Michelle Bachelet wurde nach dem Putsch gemeinsam mit ihrer Mutter
vorübergehend inhaftiert. Später lebte sie mehrere Jahre im
Exil, unter anderem auch in der früheren DDR.
Der scheidende populäre Amtsinhaber Ricardo Lagos, der aus
verfassungsrechtlichen Gründen nicht erneut antreten durfte,
gratulierte seiner Nachfolgerin und sprach von einem historischen
Wahlsieg. Lagos hatte Bachelet im Jahr 2000 zur Gesundheitsministerin
ernannt und zwei Jahre später zur Verteidigungsministerin.
Bachelet ist nach Violeta Chamorro (Nicaragua) und Mireya Moscoso
(Panama) erst die dritte Frau, die in einem lateinamerikanischen Land
direkt ins Präsidentenamt gewählt wurde.
(Quelle: ap)
Peru: Gericht bestätigt Verbot von Fujimoris
Präsidentschaftskandidatur
Mo.16.01.06 - Der ehemalige peruanische Staatschef Alberto Fujimori darf per
Gerichtsbeschluss endgültig nicht bei der Präsidentschaftswahl
im April antreten. Das oberste peruanische Gericht bestätigte am
Samstag eine Entscheidung des Wahlgerichts in Lima, das Fujimoris
Kandidatur für unzulässig erklärt hatte. Der
Expräsident hatte die Entscheidung laut seiner Anwälte
angefochten. Das Wahlgericht begründete sein Urteil am Montag
damit, dass das Parlament Fujimori bis 2010 eine Kandidatur untersagt
habe. Fujimoris Partei Sí, Cumple ("Ja, er hält sein Wort")
hielt dagegen, dass das Parlament bei der Abstimmung nicht über
das erforderliche Quorum verfügte.
(Quelle: afp)
Argentinien: Mütter der Plaza de Mayo wollen
24-Stunden-Protestmärsche beenden
Mo.16.01.06 - Die Mütter der Plaza de Mayo in Buenos Aires stellen ihre
24-Stunden-Protestmärsche ein, mit denen sie seit mehr als 25
Jahren gegen das Verschwinden ihrer Anghörigen unter Argentiniens
Militärdiktatur demonstrieren. Zum einen hätten sie ihren
Kampf gegen die "Henker" gewonnen, sagte Hebe de Bonafini, Sprecherin
der Gruppe, am Samstag. Inzwischen sei mit Néstor Kirchner
außerdem ein verbündeter Präsident im Amt. Kirchner
hatte nach seinem Amtsantritt 2003 die Amnestiegesetze für
Vertreter der Militärdiktatur aufgehoben, was zu zahlreichen
Festnahmen von Polizisten und Militärs führte.
(Quelle: afp)
Albanische Dörfer in Süd-Serbien drohen mit Abspaltung
Mo.16.01.06 - Drei mehrheitlich von Albanern bewohnte Dörfer im Süden
Serbiens haben Autonomie von der Regierung in Belgrad gefordert und mit
einem Anschluss an das benachbarte Kosovo gedroht. Die
Kommunalparlamentarier der Dörfer Bujanovac, Presovo und Medvedja
stimmten am Samstag mit großer Mehrheit für eine Petition, in
der sie den Rückzug serbischer Sicherheitskräfte, die
Besetzung von Grenzpatrouillen mit Einheimischen und engere Beziehungen
zum Kosovo verlangen. Zudem sollen die Bewohner der drei Dörfer von
der Wehrpflicht befreit werden. Sollten die Forderungen nicht
erfüllt werden, würden sich die Gemeinden von Serbien lossagen
und den ebenfalls von Albanern bewohnten Kosovo anschließen.
(Quelle: afp)
Finnlands Präsidentin Halonen muss in die Stichwahl
Mo.16.01.06 - Bei der Präsidentenwahl in Finnland muss die sozialdemokratische
Amtsinhaberin Tarja Halonen trotz ihres klaren Sieges in der ersten
Runde in eine Stichwahl. Mit 46,3 Prozent der Stimmen verfehlte sie am
Sonntag die notwendige absolute Mehrheit. Ihr Gegenkandidat bei der
Stichwahl am 29. Januar wird der frühere Finanzminister Sauli
Niinisto von den Konservativen sein, der 24,1 Prozent der Stimmen auf
sich vereinte.
Dritter wurde der bisherige Ministerpräsident Matti Vanhanen von
der Zentrumspartei mit 19,1 Prozent. Vanhanen verkündete
überraschend, dass er bei der zweiten Runde Niinisto
unterstützen werde.
Halonen zeigte sich zuversichtlich, dass sie die Stichwahl in zwei
Wochen gewinnen werde. «Ich bin immer noch in der Pole
Position», sagte die 62-jährige Sozialdemokratin. Die
Zustimmung zu Halonen ging im vergangenen Monat allerdings von 58 auf
etwas über 50 Prozent zurück.
Ihr Konkurrent Niinisto gab sich vor seinen Anhängern
zuversichtlich. Es sei noch Raum vorhanden, um sein Ergebnis aus der
ersten Runde zu verdoppeln, erklärte er. Über die von
Vanhanen zugesagte Unterstützung zeigte er sich «erfreut und
dankbar».
Das Staatsoberhaupt hat in Finnland die Richtlinienkompetenz für
die Außen- und Verteidigungspolitik inne, arbeitet dabei aber eng
mit der jeweiligen Regierung zusammen. Diese wiederum ist für die
Innenpolitik allein verantwortlich. Zurzeit regiert in Helsinki eine
Mitte-Links-Regierung unter Vanhanen.
Wahlberechtigt waren 4,3 Millionen Finnen. Die Wahlbeteiligung lag
etwas unter 74 Prozent und war damit niedriger als vor sechs Jahren,
als 77 Prozent der Wähler zur Urne gingen.
(Quelle: ap)
BND-Hilfe für USA im Irak-Krieg erhöht Terrorgefahr in
Deutschland
Mo.16.01.06 - Die BND-Hilfe für die USA im Irak-Krieg erhöht nach
Einschätzung von Terrorismus-Experten die Gefahr von
Anschlägen in Deutschland. "Aus der Perspektive der Terroristen ist
der Aufenthalt des BND in Bagdad ein attraktives Argument, um
Deutschland stärker ins Fadenkreuz ihrer Operationen zu nehmen,"
sagte der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung-
und Sicherheitspolitik, Rolf Tophoven, der "Bild am Sonntag".
Nachdem die Weltöffentlichkeit nun wisse, dass der BND im Irak mit
dem US-Geheimdienst kooperiert habe, "werden die Terroristen einen
möglichen Terrorangriff auf Deutschland damit begründen". Aus
Sicht der Terroristen spiele es "keine Rolle, ob die Deutschen
Bombenziele ausgewählt haben oder nur dabei geholfen haben, dass
etwa Krankenhäuser verschont bleiben", sagte Tophoven. "Die
Tatsache, dass die beiden Dienste im Irak zusammenarbeiten, genügt."
(Quelle: afp)
Wulff und Müntefering gegen flächendeckende Kombilöhne
Mo.16.01.06 - In der Debatte um den Nutzen von Kombilöhnen haben ostdeutsche
Politiker die Chancen betont, während sich Niedersachsens
Regierungschef Christian Wulff und Arbeitsminister Franz
Müntefering skeptisch äußerten.
"Eine flächendeckende Lohnsubvention schließen wir aus",
sagte Wulff, der auch stellvertretender CDU-Chef ist, der "Welt am
Sonntag". "Das wäre nicht zu bezahlen." Es dürfe keinen
generellen Anspruch auf staatliche Zuschüsse im Niedriglohnsektor
geben, da sich Mitnahmeeffekte sonst nicht ausschließen
ließen. Müntefering betonte: "Ich will keinen
Niedriglohnsektor, schon gar nicht einen, der auf flächendeckenden
Kombilohn ausgerichtet ist." Positiver äußerten sich der
sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP). Auch der Chef
der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Hubertus
Schmoldt, signalisierte Zustimmung. Dagegen lehnte der Präsident
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus
Zimmermann, staatliche Zuschüsse für Niedriglöhne
kategorisch ab.
Die CDU-Führung hatte angekündigt, Kombilöhne ab 2007
bundesweit einführen zu wollen. Der "Welt am Sonntag" zufolge
wollen führende CDU-Politiker, darunter Wulff und Milbradt, am
Montag über eine gemeinsame Position in der Frage sprechen. Unter
Kombilöhnen versteht man staatliche Zuschüsse für gering
bezahlte Arbeit. Sie werden derzeit in verschiedenen Formen in mehreren
Modellversuchen in den Ländern erprobt.
Müntefering wiederholte in der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung", er werde im Herbst Vorschläge zu den
Kombilöhnen machen. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit müsse
aber bereits bei der Schulbildung ansetzen. Deutschland müsse ein
Hochlohnland mit qualifizierten Arbeitskräften sein.
Wulff betonte, der Kombilohn sei ein Instrument, um
Langzeitarbeitslosen gezielt zu helfen, aus der Abhängigkeit von
Sozialleistungen herauszukommen. "Wichtig ist, dass örtlich,
individuell und befristet entschieden wird", sagte Wulff. Der
nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU),
kündigte Widerstand gegen Überlegungen an, bei Einführung
eines Kombilohns das Arbeitslosengeld II zu senken. "Wir können
das Arbeitslosengeld II nicht flächendeckend kürzen, ohne
dass wir den Menschen Arbeit anbieten können", sagte er der FAS.
Milbradt aus Sachsen sagte der "Super Illu", Kombilöhne
funktionierten nur, wenn bei denen, die eine Arbeit ablehnten,
gekürzt werde. "Mit dem Kombilohn können wir
Langzeitarbeitslosen zu einem menschenwürdigen Einkommen verhelfen
und für gering Qualifizierte neue Jobs schaffen".
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Rehberger forderte die
Bundesregierung ebenfalls auf, deutschlandweit die Möglichkeiten
des Einstiegsgelds als Kombilohn auszuweiten. Langzeitarbeitslose
bekommen hier für maximal zwei Jahre einen Zuschuss bei Aufnahme
einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit. IG-BCE-Chef Schmoldt schlug
in der "Super Illu" vor, der Arbeitgeber solle 80 Prozent des
Tariflohns zahlen und der Staat die übrigen 20 Prozent
zuschießen. DIW-Chef Zimmermann nannte dagegen alle
Kombilohn-Modelle teuer und wenig wirksam.
Die SPD und die CSU hatten sich ebenso wie andere Gewerkschaften und
Wirtschaftswissenschaftler skeptisch zu einem Erfolg der Kombilöhne
geäußert. Der "Spiegel" berichtet zudem von einem
Modellversuch in Kassel, bei dem Kombilöhnen ein schlechtes
Zeugnis ausstellt wurde. So sei unklar, ob nicht ohnehin geplante
Stellen mit Kombilöhnern besetzt würden. Auch die Kosten seien
gemessen am Erfolg für den Staat zu hoch.
(Quelle: rtr)
Familienministerin von der Leyen fordert Abschaffung von
Kita-Gebühren
Mo.16.01.06 - In der Debatte um die steuerliche Absetzbarkeit von
Kinderbetreuungskosten hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen
(CDU) die Abschaffung der Gebühren für
Kindertagesstätten gefordert. In einer Reaktion auf Kritik am
Familienförderprogramm der Bundesregierung schrieb die
CDU-Politikerin in einem Gastbeitrag der "Bild am Sonntag": "Die
Politiker, die jetzt in Ländern und Gemeinden nörgeln,
müssen ihren eigenen Beitrag zur Kinderfreundlichkeit leisten. Ich
fordere sie auf: Habt den Mut zu neuen Prioritäten! Senkt die
Kita-Gebühren - oder noch besser: Schafft sie ganz ab!".
Zuvor berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf
Regierungskreise, das Konzept solle zu Gunsten von Alleinerziehenden
nachgebessert werden.
Von der Leyen wies die Kritik aus Bund und Ländern an den
Beschlüssen bei der Kabinettsklausur von Genshagen scharf
zurück: "Warum dürfen Familien die ersten 1000 Euro pro Jahr
für Kita-Gebühren und Kinderbetreuung nicht absetzen? Ganz
einfach: weil Gebühren für Kindergärten und
Kindertagesstätten von den Ländern und Kommunen kassiert
werden. Und es wäre völliger Unsinn, wenn die Bundesregierung
mit Steuergeldern Kita-Plätze bezahlt", schrieb die Ministerin.
Die "Bild" hatte zuvor unter Berufung auf Regierungskreise berichtet,
Alleinerziehende sollten die Betreuungskosten im selben Umfang von der
Steuer absetzen können wie Ehepaare. Bisher sollten sie sie nur zur
Hälfte geltend machen können. Dem Bericht zufolge entschloss
sich die Bundesregierung wegen der massiven Proteste von
Familienverbänden sowie aus den Fraktionen von Union und SPD zu den
Nachbesserungen. Danach sollen Alleinerziehende auch bis zu 4000 Euro
Kosten der Kinderbetreuung pro Kind im Jahr bei der
Steuererklärung geltend machen können. Bisher lag diese Summe
nur bei 2000 Euro.
(Quelle: afp)
Auch Hessen plant Einbürgerungs-Fragebogen
Mo.16.01.06 - Nach Baden-Württemberg plant auch Hessen einen Fragebogen für
Einwanderer. Damit soll jeder Einbürgerungsbewerber belegen, dass
er sich mit Deutschland und seinen Grundwerten auseinander gesetzt habe,
sagte der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Die Verwaltungsvorschrift
werde sich an dem umstrittenen Fragebogen der
baden-württembergischen Regierung orientieren, aber noch
darüber hinausgehen. SPD-Politiker und Grüne kritisierten das
Vorgehen.
Zum hessischen Prüfungskatalog sollen Fragen zur Geschichte und zu
den staatlichen Organen gehören, aber auch Bekenntnisse zur Rolle
von Mann und Frau in der Gesellschaft, zum Gewaltmonopol des Staates
oder zum deutschen Wahlrecht. Die Kritik an dem in
Baden-Württemberg erstellten Gesprächsleitfaden werde man
aufnehmen, kündigte Bouffier an. So werde nicht nach der
Einstellung zur Homosexualität gefragt. Es solle der Eindruck
vermieden werden, die Überprüfung richte sich vor allem gegen
Muslime oder gegen eine andere Religionsgruppe.
Der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll hatte zuvor
angekündigt, den Fragebogen für einwanderungswillige Muslime
zu verändern. Er geht demnach davon aus, dass umstrittene
Gewissensfragen wie zur Homosexualität wieder gestrichen werden.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin kritisierte, es
sei absurd, nur Muslime danach zu fragen, wie sie zur
Homosexualität stünden oder ob sie ihre Frauen schlügen.
«Hier wird eine an sich vernünftige Idee diskriminierend
für eine Gruppe von Menschen umgesetzt. Das kann nur rechte
Bürokraten befriedigen, hat aber mit unserer Verfassung nichts zu
tun», sagte die frühere Bundesjustizministerin dem
Deutschlandradio Kultur.
Auch der Grünen-Politiker Volker Beck erklärte, dass der
Fragebogen diskriminierend sei: «Mit dem Muslim-Test werden
Muslime zum Risikofaktor unserer Gesellschaft gemacht.»
Kritik an dem Vorgehen von Baden-Württemberg kam am Wochenende
selbst aus der Union. «Das ist das falsche Mittel zur Integration,
und der Fragebogen Baden-Württembergs erst recht», sagte der
nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU)
der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». So sei es
diskriminierend, dass nur Muslime befragt würden. Zudem gingen
bestimmte Fragen den Staat nichts an, etwa die Einstellung der Eltern
zu einem homosexuellen Kind. «Das heißt, in
Baden-Württemberg könnte der Papst wohl nicht
eingebürgert werden.»
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff
forderte unterdessen größere Anstrengungen zur Integration
der Muslime in Deutschland. Das gelte für beide Seiten, denn zur
Entstehung von Parallelgesellschaften gehörten immer zwei, sagte
der CDU-Politiker.
Die Schulen müssten muslimischen wie christlichen Schülern
eine religiös-ethische Erziehung anbieten. Aber in keinem
Bundesland gebe es bislang islamische Religion als ordentliches
Unterrichtsfach. Die hier geborenen Ausländerkinder dürften
sich keinesfalls wie Fremde ausgegrenzt fühlen, forderte der
CDU-Politiker. Der Westen müsse auch anerkennen, dass der Islam
eine Hochreligion sei und nicht nur aus militanten Eiferern bestehe. Auf
der anderen Seite könnten Muslime die Traditionen ihrer
Herkunftsländer nicht einfach fortführen.
(Quelle: ap)
Tausende erinnerten an Luxemburg und Liebknecht
Mo.16.01.06 - Mehrere tausend Menschen haben am Sonntag der Sozialistenführer
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht.
Zu der traditionellen Kundgebung in der "Gedenkstätte der
Sozialisten" in Berlin-Friedrichsfelde hatte die Linkspartei aufgerufen.
Deren Vorsitzender Lothar Bisky sowie die Fraktionschefs Gregor Gysi
und Oskar Lafontaine legten Kränze am Grab Luxemburgs und
Liebknechts nieder, die am 15. Januar 1919 von Freikorps-Offizieren
ermordet worden waren. Auch der letzte DDR-Staats- und Parteichef Egon
Krenz gedachte der beiden Mitbegründer der Kommunistischen Partei
Deutschlands. Luxemburg und Liebknecht seien dafür eingetreten, die
Kluft zwischen Arm und Reich zu beseitigen, die in den vergangenen
Jahren in Deutschland wieder größer geworden sei, sagte Gysi
Reuters-TV. "Das macht sie auch heute sehr aktuell."
In der DDR gehörte das staatliche Gedenken an Luxemburg und
Liebknecht zum festen Bestandteil des politischen Lebens. Angeführt
von der Staats- und Parteiführung pilgerten Mitte Januar
Hunderttausende zu der Gedenkstätte, in der neben Liebknecht und
Luxemburg auch DDR-Staatsgründer Walter Ulbricht und andere
führende Vertreter der sozialdemokratischen und kommunistischen
Arbeiterbewegung begraben sind.
1988 versuchten DDR-Bürgerrechtler und Ausreisewillige unter der
Luxemburg-Losung "Die Freiheit ist immer die Freiheit der
Andersdenkenden" an der Demonstration teilzunehmen. Sie wurden von einem
massiven Aufgebot der DDR-Staatssicherheit daran gehindert und zu
Hunderten festgenommen.
(Quelle: rtr)
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht:
http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/revolution/luxlieb/index.html
Rosa Luxemburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg
Karl Liebknecht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Liebknecht
Wissenschaft
Viren bei jeder zehnten HIV-Neuinfektion resistent
Mo.16.01.06 - Bei jeder zehnten HIV-Neuinfektion in Deutschland sind die Viren
resistent. Darauf wiesen Experten bei einem Symposium der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in
Berlin hin. Dadurch seien die Behandlungsmöglichkeiten stark
eingeschränkt. Auch bei Keimen wie Pneumokokken und Staphylokokken,
die bislang mit Antibiotika recht gut behandelt werden konnten, gebe es
eine zunehmende Resistenzentwicklung.
"Hierfür ist wesentlich der verbreitete irrationale und
überflüssige Einsatz von Antibiotika verantwortlich",
kritisierte Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der AkdÄ.
Als problematisch bezeichntete Müller-Oerlinghausen auch die
Stagnation der industriellen Forschung auf dem Gebiet der Antibiotika.
Die Hersteller seien eher interessiert an der Entwicklung von
Substanzen, die im Gegensatz zu Antibiotika über lange Zeit bei
größeren Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden
könnten.
(Quelle: afp)
NASA-Sonde 'Stardust' in der Wüste von Utah gelandet
Raumkapsel bringt erstmals Sternenstaub auf die Erde
Mo.16.01.06 - Mit kostbarem Kometenstaub im Gepäck ist die US-Raumsonde
"Stardust" nach sieben Jahren im All sicher zur Erde
zurückgekehrt. Die Kapsel landete am Sonntag um 10.57 Uhr MEZ in der
Salzwüste des US-Bundesstaates Utah; an Bord hatte das 46
Kilogramm schwere Gerät Staub aus der Gashülle eines rund 4,5
Milliarden Jahre alten Kometen. Von den einzigartigen Proben erhoffen
sich Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse über die Entstehung von
Planeten.
Ein Hubschrauber fand das Objekt mit Hilfe eines Peilsenders in der
Wüste. Begleitet von zwei weiteren Helikoptern transportierte die
Crew die wertvolle Ladung zum US-Armeestützpunkt Dugway Proving
Ground in Utah. Von dort sollte sie in das Johnson-Raumfahrtzentrum in
Houston im Bundesstaat Texas transportiert werden.
Bei ihrem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre stellte "Stardust"
mit 46.444 Kilometern pro Stunde einen neuen
Geschwindigkeits-Weltrekord für von Menschenhand geschaffene
Objekte auf. Der bisherige Rekord stammte von "Apollo 10" aus dem Mai
1969. Hitzeschilde schützten "Stardust" vor Temperaturen von bis
zu 2700 Grad Celsius.
Fast 4,6 Milliarden Kilometer - zehntausend Mal die Strecke von der
Erde zum Mond - brachte die "Stardust"-Sonde bis zu ihrer
geglückten Heimkehr hinter sich. Nach dem Start 1999 umkreiste sie
zwei Mal die Sonne, bevor es weiter in Richtung Jupiter ging.
Höhepunkt der 168 Millionen Dollar (139 Millionen Euro) teuren
Mission war das Treffen mit dem Kometen Wild 2: Am 2. Januar 2004 kam
die Sonde in 240 Kilometer Entfernung an dem Schweifstern vorbei. Dort
schoss sie Fotos von der kratergespickten Oberfläche und sammelte
mit einem an einen Tennisschläger erinnernden Kollektor Staub aus
dem Schweif des uralten Himmelskörpers ein.
Für die Wissenschaft sind die etwa einen Teelöffel
füllenden Mitbringsel von einzigartigem Wert: Denn die zumeist
weniger als einen Drittel Millimeter dünnen Staubteilchen sind
älter als unser Sonnensystem. Sie könnten Aufschluss
über die Welt geben, wie sie vor unvorstellbarer langer Zeit bei
der Entstehung der Planeten aussah, sagt der Leiter des
"Stardust"-Forschungsprojektes an der Universität von Washington
in Seattle, Don Brownlee.
Einfach wird die Analyse des Kometenstaubs nicht: Bis zu zehn Jahre
wird die Auswertung in Anspruch nehmen. Ein Wissenschaftler verglich
die Arbeit mit der Suche nach 45 Ameisen auf einem Fußballfeld.
Die kalifornische Universität Berkeley sucht bereits 30.000
Freiwillige, die bei der Auswertung mithelfen sollen.
(Quelle: afp)
Mehr unter:
http://stardust.jpl.nasa.gov/home/index.html
http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21793/1.html