Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mehr als 40 Iraker von Aufständischen ermordet. Ingenieur aus
Malawi entführt. Amerikanische Muslime setzen sich für das
Leben der entführten US-Journalistin Jill Carroll ein
Do.19.01.06 - Der Absturz eines US-Hubschraubers nördlich von Bagdad hat der
Polizei zufolge indirekt die Ermordung von mehr als 40 Irakern
ausgelöst. Den Angaben zufolge wurden sie in ihren Autos auf
kleinen Seitenstraßen überfallen, die sie benutzen mussten,
weil nach dem Absturz vom Montag ein weites Gelände gesperrt war.
Die Opfer seien an einer von Rebellen errichteten Straßensperre
bei Dudschail aus ihren Fahrzeugen gezerrt und wie gezielt erschossen
worden, teilte Polizeileutnant Kahtan al Haschmawi am Mittwochabend mit.
Allein am Mittwoch habe 30 Menschen dieses Schicksal getroffen,
hieß es. Außerdem seien 35 Iraker, die sich vergeblich um
einen Stelle bei der Polizei beworben hätten, von
Aufständischen entführt worden. Letztere hätten den Bus
mit den potenziellen Rekruten auf der Straße zwischen Bagdad und
dem nördlichen Samarra aufgehalten.
In der irakischen Hauptstadt Bagdad haben bewaffnete Angreifer am
Mittwoch einen Fahrzeugkonvoi überfallen und nach Angaben aus dem
Innenministerium zehn Wachleute getötet. Ein Ingenieur aus Malawi
sei von den Angreifern verschleppt worden.
Die Wachleute seien zum Schutz des Ingenieurs eingesetzt gewesen,
hieß es. Er habe für die Firma Irakna gearbeitet, ein
Unternehmen der ägyptischen Orascom Telecom.
Ein Irakna-Sprecher sagte indes, die Firma vermisse seit dem
Überfall zwei Ingenieure. Einer stamme aus Malawi und der andere
aus Madagaskar. Nach seinen Worten wurden sechs Wachleute getötet
und zwei schwer verletzt.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Übergriffe auf
Mitarbeiter von Irakna. Bislang seien schon acht entführt worden,
sagte der Sprecher, sechs Iraker und zwei Ägypter.
Unterdessen reiste eine Delegation amerikanischer Muslime in den Nahen
Osten, um sich für das Leben der entführten US-Journalistin
Jill Carroll einzusetzen. Die Mitglieder des Rates für
amerikanisch-islamische Beziehungen wollten noch am (heutigen)
Donnerstag eine Pressekonferenz in der jordanischen Hauptstadt Amman
geben und eine weitere am Freitag in Bagdad.
Die 28-jährige freie Mitarbeiterin der Zeitung «The
Christian Science Monitor» wurde am 7. Januar im Westen von
Bagdad verschleppt. In einem Video an den Sender Al Dschasira drohte
die bislang unbekannte «Rachebrigade» mit ihrer Ermordung,
sollten die US-Militärbehörden im Irak nicht bis zum
(morgigen) Freitag alle weiblichen Gefangenen freilassen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 19.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.19.01.05 - Designierte US-Außenministerin Condoleezza Rice legt sich nicht
auf Zeitplan für Abzug aus dem Irak fest +++ Tote bei Anschlag
auf australische Botschaft +++ Angesichts täglicher Anschläge
und Übergriffe beschließt irakische Regierung
Grenzschließung während der Parlamentswahl Ende Januar +++
Regierungschef Allawi will im Fall eines Wahlsiegs die irakischen
Streitkräfte massiv verstärken und die innere Sicherheit in
den Mittelpunkt seiner Amtszeit stellen +++ Irakischer
Innenminister warnt für den Fall eines Wahlboykotts der
sunnitischen Minderheit vor einem Bürgerkrieg mit den Schiiten +++
Großes Waffenlager in Moschee in Nadschaf entdeckt +++ Acht
chinesische Arbeiter im Irak entführt +++ Entführter Erzbischof
ist wieder frei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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UN-Truppen ziehen sich aus Stadt der Elfenbeinküste zurück
Unruhen in Abdijan dauern an
Do.19.01.06 - Nach heftigen Gefechten haben sich die internationalen Friedenstruppen
aus einer Stadt im Westen der Elfenbeinküste zurückgezogen.
Der UN-Militärbeobachter Gilles Combarieu erklärte am
Mittwoch, die Soldaten hätten sich ein Feuergefecht mit den
Angreifern in Guiglo geliefert. Diese hätten versucht, in das
militärische Gelände einzudringen. Schließlich brachten
die Soldaten alle UN-Mitarbeiter aus der Stadt. «Sie mussten sich
verteidigen», sagte Combarieu.
In der Metropole Abidjan randalierten unterdessen den dritten Tag in
Folge Anhänger von Präsident Laurent Gbagbo. Die Mitglieder
der so genannten Jungen Patrioten errichteten Barrikaden und belagerten
UN-Büros in dem zwischen Regierung und Rebellen geteilten Land.
Gbagbo hatte Straßenblockaden zwar offiziell verboten, seine
Sicherheitskräfte griffen jedoch nicht ein. Viele Geschäfte
und Banken in Abidjan blieben geschlossen.
Der französische Stabschef General Henri Bentegeat forderte
UN-Sanktionen gegen die Elfenbeinküste. Bentegeat sagte am Mittwoch
dem Radiosender Europa-1, beide Seiten hätten in den vergangenen
drei Jahren gezeigt, dass sie nicht bereit seien, ihren Konflikt
beizulegen. Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste dauerte von
2002 bis 2003 und endete erst mit der Entsendung von UN-Friedenstruppen.
Eine Vermittlungsgruppe der Vereinten Nationen hatte empfohlen, das
Mandat des Parlaments der Elfenbeinküste nicht zu verlängern.
Das Parlament gilt als Gbagbos letzte Bastion der Macht. Die
Entscheidung der Vermittler verärgerte viele Regierungsaktivisten
und Vertraute des Präsidenten, die daraufhin ihre jugendlichen
Anhänger als Demonstration der Stärke auf die Straße
schickten. UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte die Gewalt.
(Quelle: ap)
Israel und die Hamas machen gute Miene zum alten Konflikt
Do.19.01.06 - Die militante Hamas ist den Israelis bei der anstehenden
palästinensischen Wahl ein bohrender Dorn im Auge. Doch in der
Hoffnung auf Fortschritte im Friedensprozess nach dem Urnengang am
kommenden Mittwoch hält Israel weitgehend still und nimmt auch die
Kandidatur von Hamas-Politikern hin. Beide Seiten vermeiden den offenen
Konflikt - und haben ihre guten Gründe dafür.
Die Hamas erhofft sich ein starkes Abschneiden. Dazu hat sie sich im
Wahlkampf auf innere Themen eingeschossen: Sie prangert Korruption in
der Autonomiebehörde an und betont ihre Absicht, dem anhaltenden
Chaos im Gazastreifen ein Ende zu setzen. Der blutige Kampf gegen den
erklärten Feind Israel ist in den Hintergrund geschoben worden.
Seit ihrer Gründung 1987 war die Hamas für Dutzende
Anschläge mit hunderten Toten verantwortlich. Im vergangenen Jahr
hat sie sich jedoch weitgehend an ihre zugesagte Waffenruhe gehalten.
Israel vermeidet eine größere Konfrontation, weil es die
Wahl und den Nahost-Friedensprozess nicht behindern oder die
internationale Gemeinschaft vor den Kopf stoßen will.
«Israel wird der Palästinensischen Autonomiebehörde
keine Ausrede dafür geben, die Wahl zu verschieben und dieser
Verpflichtung auszuweichen», erklärt der israelische
Außenministeriumssprecher Mark Regev. Das entscheidende Ziel sei
es, dass die Wahl wie geplant stattfinde.
Auch der Möglichkeit zur Abstimmung in Ostjerusalem hat Israel
nach einigem Zögern wie schon in der Vergangenheit wieder
zugestimmt. Obwohl damit nur etwa 5.000 der 23.000 arabischen Einwohner
Jerusalems ihre Stimme in einer Hand voll Postfilialen direkt in der
Stadt abgeben dürfen, ist die Zusage Israels doch von symbolischer
Bedeutung.
Der Kompromiss für den von Israel 1967 eroberten Ostteil
Jerusalems stammt aus dem Jahr 1996 und erlaubt beiden Seiten, das
Gesicht zu wahren. Während Israel an seiner Souveränität
über die gesamte Stadt festhält, wollen die Palästinenser
Ostjerusalem zu ihrer künftigen Hauptstadt machen. «Wir
treten unseren Anspruch auf ganz Jerusalem nicht ab», verteidigte
der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert die
Entscheidung gegen Kritik aus konservativen Reihen, «aber
natürlich wollen wir die Verbindung der Palästinenser zum
Westjordanland aufrechterhalten.»
Vereinzelte harsche Rhetorik auf beiden Seiten, einzelne
Militäraktionen oder ein Wahlkampf-Verbot für die Hamas in
Jerusalem sind im Endspurt zur Abstimmung offenbar nicht viel mehr als
Nebenerscheinungen. So entfernten israelische Sicherheitskräfte am
Sonntag in Jerusalem Plakate der Hamas und nahmen drei Kandidaten der
Organisation zum Verhör fest. Am Montag waren die Politiker jedoch
wieder frei, und die Hamas reagierte gelassen. Die Festnahmeaktion habe
seiner Organisation in die Hände gespielt, sagte Mohammed Abu Teir,
einer der Betroffenen, nach der Freilassung. «Sie hat uns die
Möglichkeit gegeben, den Menschen zu zeigen, was in Jerusalem
passiert, ohne dass wir unserem Volk überhaupt irgendetwas sagen
mussten.»
Auf den offenen Wahlkampf in Jerusalem sei die Hamas überhaupt
nicht angewiesen, erklärte der 55-Jährige. Die Gruppe
könne auch so ihre Botschaft verbreiten. «Die meisten von uns
predigen in Moscheen, und wir haben Universitätsprofessoren,
Ärzte, Studentenorganisationen», sagte er. «Wir sind
sehr gut organisiert.» Fern der Augen israelischer
Sicherheitskräfte verteilen auch einige Jungen auf dem Gelände
der Al-Aksa-Moschee Flugblätter an die Besucher. Das Abschneiden
der Hamas in Jerusalem entscheidet sich ohnehin in Vororten, die zwar
dem Wahlbezirk zugerechnet sind, aber im Westjordanland liegen. Dort
sind 50.000 Stimmen zu gewinnen.
Die Wahl sei ein Schlüssel dazu, das Bild der Hamas zu
ändern, erklärte der Wahlkampfleiter der Organisation in
Jerusalem, der aus Angst vor einer Festnahme nur seinen Kampfnamen
«Abu Jussef» nennt. «Wir brauchen internationale
Anerkennung, und die werden wir über das Parlament bekommen.»
Die Waffen will die Hamas weiterhin nicht aus der Hand legen, aber
zumindest steht der gewaltsame Kampf derzeit nicht an oberster Stelle
der Tagesordnung.
Israel setzt dementsprechend auf eine Entwaffnung der militanten
Gruppen und eine Lösung des Konflikts nach der Abstimmung. Er
hoffe, dass es nach den Wahlen der Palästinenser und in Israel im
März auch zu Verhandlungen über ein Friedensabkommen komme,
erklärte der amtierende israelische Ministerpräsident Olmert.
Den Wahlprognosen zufolge wird der Einfluss der Hamas dabei nicht zu
ignorieren sein: Jüngste Umfragen sehen die Organisation bei 31
Prozent der Stimmen, nur vier Prozentpunkte weniger als die regierende
Fatah. Im Vergleich zu vor vier Wochen legte die Hamas um zehn
Prozentpunkte zu.
(Quelle: ap)
Livni zur israelischen Außenministerin nominiert
Do.19.01.06 - Fünf Tage nach dem Rücktritt des israelischen
Außenministers Silvan Schalom ist Justizministerin Zippi Livni
offiziell zu dessen Nachfolgerin nominiert worden. Die Nominierung
Livnis wurde während einer Kabinettssitzung in Jerusalem bekannt
gegeben. Livni ist die zweite Frau auf diesem Posten in der Geschichte
Israels.
Schalom hatte am Freitag als letzter Likud-Minister nach der Spaltung
der israelischen Rechten vor zwei Monaten seinen Rücktritt
eingereicht. Er folgte damit der Aufforderung des neuen
Likud-Parteichefs Benjamin Netanjahu. Livni ist Mitglied der Partei
Kadima (Vorwärts), die sich im November unter Führung des
inzwischen schwer erkrankten Ministerpräsident Ariel Scharon vom
Likud abgespalten hatte.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kündigte indes an,
er wolle sich mit dem israelischen Interimsregierungschef Ehud Olmert zu
Friedensgesprächen treffen. Er wolle die Verhandlungen zur
Beendigung des Nahostkonflikts "so schnell wie möglich" wieder
aufnehmen, erklärte Abbas in Ramallah. Er hoffe, dass beide Seiten
"unverzüglich" an den Verhandlungstisch zurückkehrten, "denn
das ist der einzige Weg zum Frieden", hieß es in der
Erklärung weiter. Olmert führt seit dem schweren Schlaganfall
von Ministerpräsident Ariel Scharon am 4. Januar die
Amtsgeschäfte.
(Quelle: afp)
Israel schließt Militärschlag gegen Iran aus
Gespräche in Moskau über Atomkonflikt
Do.19.01.06 - Die israelischen Streitkräfte schließen einen Angriff auf
die iranischen Atomanlagen derzeit aus. Zwar stelle der Iran die letzte
Bedrohung für die Existenz Israels dar, sagte Generalstabschef Dan
Halutz am Dienstagabend in Haifa. Doch obwohl die Bedrohung immanent
sei, sei es nicht Aufgabe der Israelis, diese auf militärischem
Wege zu beseitigen, zitierte ihn die Zeitung «Yediot
Ahronot».
Der Iran hat am 10. Januar die Siegel von mehreren Atomanlagen entfernt
und sein Forschungsprogramm an Nuklearbrennstoff wieder aufgenommen.
Seitdem ist die Staatengemeinschaft verstärkt bemüht, Teheran
zur Aufgabe seiner Ambitionen zu bewegen, hinter denen insbesondere
Washington das Streben nach der Atombombe vermutet. Der amtierende
israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte am
Dienstag, Israel werde es nicht zulassen, dass ein feindlich gesinnter
Staat in den Besitz von Massenvernichtungswaffen gelange.
Eine Delegation israelischer Sicherheitsexperten führte am
Mittwoch in Moskau Gespräche über den Konflikt. Die Israelis
wollen Russland für die Einschaltung des Weltsicherheitsrates
gewinnen. Der UN-Sicherheitsrat könnte Sanktionen gegen Teheran
verhängen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow deutete
am Dienstag an, Moskau halte eine Einschaltung des Gremiums für
verfrüht. Am Abend wurde sein französischer Kollege Philippe
Douste-Blazy in Moskau zu Gesprächen über das Thema erwartet.
(Quelle: ap)
Resolutionsentwurf der EU: Iran-Streit soll vor Sicherheitsrat
Do.19.01.06 - Die Europäische Union (EU) fordert in ihrem Resolutionsentwurf
für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) einem
EU-Diplomaten zufolge die Überweisung des Atomstreits mit dem Iran
an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN).
Der Iran werde in dem von Deutschland, Frankreich und
Großbritannien ausgearbeiteten Dokument zudem aufgefordert, bei
der Klärung von Fragen zu seinem vermuteten Atomwaffen-Programm
mitzuhelfen. Der Gouverneursrat der IAEA wird Anfang nächsten
Monats auf einer Dringlichkeitssitzung über den Entwurf beraten.
Dabei dürfte es noch Änderungen am Text geben.
Mit der Überweisung des Streitfalls an den Sicherheitsrat
wäre der Weg zu Sanktionen gegen den Iran frei. Bis dahin wäre
es aber auch im Sicherheitsrat noch ein weiter Weg. Russland hat am
Dienstag deutlich gemacht, dass es Sanktionen nicht für ein
geeignetes Mittel hält, den Iran zum Einlenken zu bewegen.
Die drei EU-Staaten hatten vergangene Woche beschlossen, sich der
Forderung der USA nach Einschaltung des Sicherheitsrates
anzuschließen. Sie reagierten damit auf die provokative
Ankündigung der Wiederaufnahme von Forschungsarbeiten zur
Urananreicherung im Iran. Demonstrativ hatten iranische Experten die
IAEA-Siegel an den blockierten Anlagen entfernt und die Inspektoren
dabei zuschauen lassen.
Die USA und die EU vermuten, der Iran wolle mit der Technologie
Atomwaffen herstellen. Der erdölreiche Iran erklärte jedoch
immer wieder, mit der Atomkraft solle nur Strom erzeugt werden.
Sollte die Resolution angenommen werden, wäre erstmals seit Beginn
des Streits im August 2002 der Sicherheitsrat einbezogen. Sie sieht
allerdings auch vor, dass die IAEA weiterhin für die Kontrolle des
iranischen Atomprogramm zuständig bleiben soll.
(Quelle: rtr)
Chamenei: Keiner kann Iran von seinem Atomprogramm abbringen
Do.19.01.06 - Die Welt kann Iran nicht von seinem Atomprogramm abbringen. Dies hat
Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, am Mittwoch
unterstrichen. Gleichzeitig versicherte der Ajatollah, der das letzte
Wort in allen Staatsangelegenheiten hat, dass sein Land niemals ein
Programm zur Atomwaffenproduktion verfolgen werde.
Zuvor hatte Außenminister Manuchehr Mottaki Europa vor
«hastigen und falschen Schritten» im Atomstreit gewarnt.
Eine solche Reaktion der Europäer «würde die Situation
auf beiden Seiten nur komplizieren», sagte Mottaki am Mittwoch
nach einem Bericht der Nachrichtenagentur ISNA. Gleichzeitig
äußerte er Zweifel daran, dass der «Fall Iran»
tatsächlich vor den Weltsicherheitsrat kommen wird. Damit hatten
die Europäische Union und die USA gedroht.
(Quelle: dpa)
KCNA: Kim Jong Il will weiter über Atomprogramm verhandeln
Do.19.01.06 - Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il will nach Angaben der amtlichen
Nachrichtenagentur KCNA weiter über das umstrittene Atomprogramm
seines Landes verhandeln. Das habe Kim in einem Gespräch mit dem
chinesischen Präsidenten Hu Jintao versichert, berichtete KCNA am
Mittwoch. Kim Jong Il habe die "Schwierigkeiten" bei den
Sechs-Nationen-Gesprächen über das nordkoreanische
Atomprogramm angesprochen und betont, es gebe keine Änderung der
Position Nordkoreas: Ziele seien die Abrüstung der koreanischen
Halbinsel und eine friedliche Verhandlungslösung.
(Quelle: afp)
Peking: Vogelgrippe-Konferenz bringt 1,8 Milliarden Dollar
Do.19.01.06 - Die internationale Geberkonferenz in Peking hat internationale Zusagen
über 1,8 Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) für den
Kampf gegen die Vogelgrippe erbracht. Die Konferenz sei ein
"großer Erfolg", sagte der Generaldirektor der Weltorganisation
für Tiergesundheit (OIE), Bernard Vallat. Die USA sagten nach
Angaben ihrer Delegationsleiterin Nancy Powell 334 Millionen Dollar zu.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief dazu auf, im Kampf gegen die
Vogelgrippe "keine Zeit zu verlieren".
Die Gelder sollen insbesondere in Maßnahmen zur
Früherkennung und Intervention in den ärmsten Länder
fließen. Auf der Geberkonferenz beraten Vertreter von über
hundert Ländern und Organisationen über Maßnahmen im
Kampf gegen die Seuche.
"Wir müssen sicherstellen, dass wir vorbereitet sind. Noch sind
wir es nicht", sagte Annan in einer Videobotschaft an die internationale
Geberkonferenz. Zur Verhinderung einer drohenden Pandemie seien
"gewaltige Anstrengungen" nötig.
Seit 2003 sind bereits rund 80 Menschen an dem besonders aggressiven
Vogegrippe-Virus H5N1 gestorben, die meisten von ihnen in
Südostasien und China. Seit einem Monat ist das Virus aber auch in
der Türkei auf dem Vormarsch; dort starben bislang insgesamt vier
Kinder und Jugendliche.
Bisher wurde das Virus von infizierten Tieren auf den Menschen
übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde
bislang nicht entdeckt. Experten fürchten für diesen Fall eine
Pandemie mit Millionen von Toten.
(Quelle: afp)
EU-Untersuchungsausschuss zu CIA-Affäre
Do.19.01.06 - In der Affäre um mögliche CIA-Geheimgefängnisse hat das
Europäische Parlament in Straßburg am Mittwoch die
Einberufung eines Untersuchungsausschusses beschlossen. Dem Ausschuss
werden 46 Abgeordnete aus allen Fraktionen angehören. Die
Europäische Volkspartei EVP stellt als größte Gruppe 17
Parlamentarier, gefolgt von der sozialdemokratischen SPE mit 13
Mitgliedern. Wer dem Ausschuss angehören wird, soll am (morgigen)
Donnerstag bekannt gegeben werden.
Sollte sich herausstellen, dass Terrorverdächtige vom
US-Geheimdienst verschleppt und in Geheimgefängnissen auf
europäischem Boden festgehalten worden sind, wäre dies nach
Einschätzung der EU-Kommission ein schwerer Verstoß gegen die
Verträge. Genannt wurden in diesem Zusammenhang bislang Polen und
Rumänien. Beide Länder haben dies aber dementiert.
EU-Justizkommissar Franco Frattini hat für den Fall, dass die
Berichte stimmen, mit Konsequenzen für die betreffenden Staaten
gedroht. So könnten ihnen im Ministerrat die Stimmrechte entzogen
werden.
Der Parlamentsausschuss soll nun untersuchen, inwieweit die Berichte
zutreffen. Sein Mandat läuft bis zu einem Jahr. Ein erster
Zwischenbericht soll in vier Monaten vorgelegt werden. Das Parlament ist
die erste EU-Institution, die in der Affäre eigene Untersuchungen
anstellt. Der Europarat, der unabhängig von der EU über die
Einhaltung der Menschenrechte wacht, ermittelt in dem Fall bereits seit
einigen Monaten.
(Quelle: ap)
EU-Parlament lehnt Finanz-Kompromiss ab
Do.19.01.06 - Der nach langem Tauziehen zwischen den EU-Staaten zustandegekommene
Kompromiss zur langfristigen Finanzierung der EU ist im Europaparlament
auf deutliche Ablehnung gestoßen. Gegen den Vorschlag stimmten 541
Abgeordnete; 56 billigten den Kompromiss, 76 enthielten sich der
Stimme. Der Kompromiss gewährleiste weder Wohlstand, noch
Wettbewerbsfähigkeit, Solidarität oder Sicherheit für die
Zukunft, kritisierte das Parlament in einer Entschließung. Auch
erfülle der Vorschlag des Gipfels nicht die Zusagen, die den neuen
Mitgliedsstaaten gemacht worden seien.
Der Gipfelbeschluss sieht für die Jahre 2007 bis 2013 einen
Finanzrahmen in Höhe von rund 862 Milliarden Euro vor, das sind
1,045 Prozent des EU-Bruttonationaleinkommens (BNE). Damit blieben die
Staats- und Regierungschefs weit hinter den Vorstellungen des
Europaparlaments zurück, das im vergangenen Juni Ausgaben in
Höhe von fast 975 Milliarden Euro gefordert hatte.
Auf Kritik im Europaparlament stoßen vor allem die in
Brüssel vereinbarten Abstriche für die Bereiche Forschung,
Ausbildung und Jugendförderung. Damit gerieten gerade
Politikbereiche in den Hintergrund, in denen die EU "neue
Herausforderungen bewältigen und einen europäischen Mehrwert
schaffen" könnte, heißt es in der Entschließung vom
Mittwoch.
Das Europaparlament forderte zugleich eine "feste Zusage" für
seine Rolle bei der 2008 geplanten Überprüfung der
Finanzplanung. Das Europaparlament hat beim Haushalt das letzte Wort.
Parlament und Rat müssen sich somit bis Ende des Jahres einigen.
Sollte dies nicht gelingen, müsste die EU ab 2007 mit
jährlichen Haushaltsplänen leben, was langfristige Planung -
etwa für die Forschung - erschweren würde.
(Quelle: afp)
EU-Parlament versenkt Hafen-Liberalisierung
Do.19.01.06 - Das Europäische Parlament hat nach massivem Druck der
Gewerkschaften Pläne für mehr Wettbewerb in Europas
Seehäfen versenkt.
Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten wies am Mittwoch in
Straßburg einen entsprechenden Richtlinienentwurf der
EU-Kommission zurück. Dieser sah die Abschaffung von Monopolen etwa
bei Lotsendiensten und Ladearbeiten in den Häfen vor. Die
EU-Kommission und einige konservative Abgeordnete setzten sich nicht mit
ihrer Forderung durch, die ursprünglichen Pläne in
wesentlichen Punkten zu ändern, statt sie vollständig
zurückzuweisen. 532 Abgeordnete stimmten für die
Zurückweisung des Vorhabens, 120 Parlamentarier stimmten dagegen.
Bereits 2003 hatte das Parlament ähnliche Vorschläge abgelehnt.
Gewerkschaften hatten mit Streiks in vielen großen
europäischen Häfen und einer teils gewaltsamen Demonstration
vor dem Straßburger Parlamentsgebäude Druck gegen die
Richtlinie gemacht. Sie warnten vor dem Verlust zahlreicher
Arbeitsplätze. Der im Parlament für die Hafen-Richtlinie
federführende Abgeordnete Georg Jarzembowski (CDU) kritisierte die
Abstimmung. "Eine unheilige Allianz der Besitzstandswahrer und der
Steinewerfer hat sich durchgesetzt", erklärte er.
Den Gewerkschaften warf Jarzembowski vor, mit sachlich falschen
Argumenten gearbeitet zu haben. Es sei bekannt gewesen, dass alle
Fraktionen die Selbstabfertigung von Reedern auch weiterhin nicht
zulassen wollten. Vor allem dagegen hatten die Gewerkschaften mobil
gemacht.
(Quelle: rtr)
Deutschland
PKG entlastet Arbeit der BND-Mitarbeiter im Irak
Do.19.01.06 - Entlastung für den Geheimdienst in der BND-Affäre: Die zwei
Agenten im Irak haben sich nichts zu Schulden kommen lassen. Davon ist
das Parlamentarische Kontrollgremiums überzeugt. Dessen
Vorsitzender Norbert Röttgen sagte, die Agenten hätten
versichert, nicht an der Bombardierung eines Restaurants mitgewirkt zu
haben. Es habe auch keine direkten Kontakte mit den USA bis zum
Eintreffen der Armee in Bagdad gegeben.
(Quelle: dpa)
IWF sieht Unsicherheit bei deutscher Konjunkturprognose
Do.19.01.06 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält die für 2007
geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer für einen
Unsicherheitsfaktor bei der Beurteilung der Konjunkturentwicklung in
Deutschland.
Die Experten des Fonds bezifferten das Wachstum der deutschen
Wirtschaft im kommenden Jahr zwischen 0,75 und 1,2 Prozent, berichtet
das "Handelsblatt" am Mittwoch unter Berufung auf Kreise des IWF. Es sei
fraglich, wie die Verbraucher auf die Anhebung der wichtigsten
Verbrauchssteuer reagierten.
Im laufenden Jahr beurteilt der Fonds die deutsche
Wirtschaftsentwicklung deutlich positiver als bislang. Das
Bruttoinlandsprodukt werde nach der Prognose um 1,5 Prozent zunehmen.
Zuvor war der IWF von 1,2 Prozent ausgegangen.
Das "Handelsblatt" zitiert einen hochrangigen Mitarbeiter des Fonds mit
den Worten: "Der Aufschwung in Deutschland gewinnt an Breite und
Intensität." Zu der bislang vorherrschenden Exportstärke
kämen zunehmend Lichtblicke auf dem Binnenmarkt. So sprängen
die Investitionen wieder an, auch gebe es Anzeichen für eine
zunehmende Nachfrage der Verbraucher. Außerdem scheine die
Bauwirtschaft die Talsohle durchschritten zu haben. "Wir sind deutlich
optimistischer als noch vor drei Monaten", zitiert das Blatt einen
Mitarbeiter.
Einen Durchbruch auf dem Arbeitsmarkt sehe der Fonds allerdings nicht.
Nach den angestoßenen Reformen müsse nun die Schaffung neuer
Stellen durch mehr Lohndifferenzierung und eine Lockerung des
Kündigungsschutzes angekurbelt werden. Darüber hinaus solle
die Regierung eine Gesundheits- und eine Steuerreform anpacken.
(Quelle: rtr)
Regierung beschließt Gesetzespaket zur Wirtschafsförderung
Do.19.01.06 - Trotz des Streits über die Betreuungskosten für Kinder hat
das Bundeskabinett das Milliarden-Paket zur Förderung der
Wirtschaft beschlossen.
Die Bundesregierung habe den Gesetzentwurf ohne Änderung
gebilligt, hieß es am Mittwoch aus Regierungskreisen in Berlin.
Neben der Regelung zur Absetzbarkeit von Ausgaben für
Kindergärten, Kinderfrauen und Tagesmütter sieht der Entwurf
eine bessere steuerliche Anrechnung von Handwerkerkosten,
günstigere Abschreibungsregeln für Unternehmen, und geringere
Anforderung an die Bilanzierung bei der Umsatzsteuer vor.
Nach dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Gesetzentwurf
kostet das Paket den Staat im laufenden Jahr rund 2,75 Milliarden Euro.
Die eingeplanten Mindereinnahmen steigen bis 2008 auf 6,325 Milliarden
Euro an und nehmen danach wieder ab. Dies ist vor allem durch die
zeitliche Begrenzung der Abschreibungsregeln begründet. Die Kosten
der Maßnahme lasten überdurchschnittlich stark auf den
Kommunen. Ihnen entgehen im Jahr 2007 rund 1,37 Milliarden Euro und 2008
rund 1,7 Milliarden.
Der Streit um die Betreuungskosten soll im Laufe des
Gesetzgebungsprozesses im Bundestag oder Bundesrat geklärt werden.
(Quelle: rtr)
Gewerkschaft fordert Familienkasse
Do.19.01.06 - In der Debatte um finanzielle Entlastungen für Familien hat sich
die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für eine
Familienkasse ausgesprochen. Eine solche Kasse könnte die
verstreuten Geldleistungen für Familien von rund 150 Milliarden
Euro im Jahr bündeln und neu ordnen, erklärte der
GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne in Frankfurt am Main. Die Familien
müssten Gewinner des Parteienwettbewerbs zur Familienfinanzierung
werden, forderte Thöne.
Nach Ansicht der GEW ist der "Finanzdschungel" aus Ehegattensplitting,
Steuerfreibeträgen, Baukindergeld, Kindergeld und BAföG nicht
mehr zu durchschauen. "Wer 150 Euro Kindergeld bekommt, aber 300 Euro
Kita-Gebühren für einen Ganztagsplatz zahlen muss, der hat
wenig vom bisherigen System der Familienunterstützung", unterstrich
Thöne. Deshalb müssten die Familienleistungen neu verteilt
werden.
Thöne zufolge könnten gebührenfreie Kitas finanziert
werden mit dem Abschmelzen des Ehegattensplittings, des Baukindergeldes
sowie den Mitteln aus der gestrichenen Eigenheimzulage. "Die Mittel sind
da. Wenn die Parteien Kinder und Familien wirklich fördern wollen,
können sie noch heute damit anfangen", erklärte der
GEW-Vorsitzende.
(Quelle: afp)
Müntefering will Rentensenkungen per Gesetz verhindern
Do.19.01.06 - Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) will per Gesetz
Rentensenkungen in der laufenden Legislaturperiode ausschließen.
Damit wolle er jede Gefahr einer Minusrunde bannen, sagte
Müntefering am Mittwoch dem Bundestagsausschuss für Soziales
laut einem an die Abgeordneten verteilten Papier. Eine solche Minusrunde
sei ansonsten für die im Juli fällige Rentenanpassung nicht
ausgeschlossen, da die Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung
gekoppelt ist.
Sofern durch das Gesetz Rentenkürzungen verhindert werden, sollen
die dadurch entstehenden Kosten zu einem späteren Zeitpunkt wieder
hereingeholt werden. Dies sei nötig, damit die Rentenversicherung
finanzierbar bleibe. So könnten bei steigenden Löhnen die
damit eigentlich verbundenen Rentenerhöhungen ausfallen. Dies solle
aber nicht vor 2010, also frühestens in der nächsten
Legislaturperiode erfolgen.
(Quelle: ddp)
Ver.di kritisiert 'Gutsherrenmentalität' bei Ärzteprotesten
Do.19.01.06 - Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat den Ärzten eine
«Gutsherrenmentalität» bei ihren Protesten vorgeworfen.
Die Mediziner demonstrierten für höhere Einkommen,
während ihre Angestellten, die nur einen Bruchteil des
Arzteinkommens erhielten, die Protestzeit unentgeltlich nacharbeiten
sollten, sagte ver.di- Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke am Mittwoch
in Berlin. «Das verstößt gegen alle guten
Sitten.»
Paschke rief die Ärzteverbände auf, sich für mehr
Zusammenarbeit im Gesundheitswesen einzusetzen. Damit ließe sich
die Versorgung deutlich verbessern und häufig auch wirtschaftlicher
organisieren. Im Gesundheitswesen arbeiten nach Angaben von ver.di rund
4,2 Millionen Menschen. Der Anteil der Ärzte betrage rund 300 000
- ein Viertel mehr als noch vor zehn Jahren. Die Pflegeberufe stellten
mit etwa einer Million Beschäftigten die größte
Berufsgruppe, an zweiter Stelle folgten die Arzthelferinnen mit mehr
als 500 000 Beschäftigten.
(Quelle: dpa)
Erneut Vorwürfe gegen Pharmaunternehmen Ratiopharm
Do.19.01.06 - Die umstrittenen Marketingmethoden der Pharma-Firma Ratiopharm sollen
laut einem «Stern»-Bericht bis in die jüngste Zeit
angedauert haben. Das Unternehmen habe auch noch im Jahr 2005
Ärzten eine Provision auf Medikamente angeboten, die sie
verordneten. Demnach erhielten Ärzte ein Prozent des
Apothekenverkaufspreises und fünf Prozent auf den Mehrumsatz der
Ratiopharm-Verordnungen als Rückzahlung, berichtete das Magazin am
Mittwoch unter Berufung auf Ärzte sowie auf ein firmeninternes
Dokument vom 19. Mai 2005.
Das Unternehmen mit Sitz in Ulm gab zunächst keine Stellungnahme
ab. Bisher hatte Ratiopharm erklärt, bei den fragwürdigen
Geschäftsmethoden habe es sich um «Einzelfälle aus der
Vergangenheit gehandelt, die bereits abgestellt wurden»,
berichtete der «Stern». Die Kaufmännische Krankenkasse
(KKH) habe im Fall Ratiopharm erstmals das Verschreibungsverhalten von
Ärzten, die Schecks bekommen hätten, mit dem Durchschnitt der
Ärzte in den Jahren 2000 bis 2005 verglichen. Demnach verordneten
alle Ärzte im KKH-Durchschnitt 14 Prozent
Ratiopharm-Präparate. Jene Ärzte aber, die von Ratiopharm
bezahlt würden, verordneten zu 56 Prozent deren Medikamente,
berichtete das Magazin.
KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit sagte laut «Stern»:
«Als Krankenkasse können wir uns das nicht gefallen lassen.
Denn die fünf Prozent, die Ratiopharm den Ärzten zahlt, sind
ja nicht aus dem Gewinn von Ratiopharm finanziert, sondern die
Medikamente sind entsprechend teurer.» Die KKH forderte die
Staatsanwaltschaft Ulm auf, das inzwischen eingestellte
Ermittlungsverfahren gegen Ratiopharm erneut aufzunehmen. «Wir
werden der Staatsanwaltschaft unsere Informationen zur Verfügung
stellen», sagte der KKH-Chef. «Und wenn die
Staatsanwaltschaft nichts unternimmt, werden wir alleine versuchen,
Schadensersatzansprüche gegen die Ärzte geltend zu
machen.»
Auch die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz forderte, die Ermittlungen
gegen den Generika-Anbieter wegen Untreue und Bestechung
unverzüglich wieder aufzunehmen. Der stellvertretende Koblenzer
Generalstaatsanwalt Karl-Rudolf Winkler kritisierte im ARD-Magazin
«Monitor» laut Vorabmeldung ungewöhnlich deutlich die
Einstellung des Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Ulm.
«Nach meinem Kenntnisstand müsste die Staatsanwaltschaft Ulm
ihre Entscheidung überprüfen und zu dem Ergebnis gelangen,
dass Ermittlungen angezeigt sind», sagte Winkler demnach. Die
Ulmer Staatsanwaltschaft hatte das Ermittlungsverfahren gegen Ratiopharm
im Dezember 2005 aus rechtlichen Gründen eingestellt. Die
«Monitor»-Sendung soll heute Abend ausgestrahlt
werden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Norwegischer Mediziner erfand Krebsforschungs-Daten
Do.19.01.06 - Ein norwegischer Mediziner hat veröffentlichte Daten für die
Krebsforschung wahrscheinlich frei erfunden. Die Studie sei ein aus
seiner Sicht beispielloser Fall von Schwindel, sagte der Chefredakteur
der Fachzeitung «The Lancet», Richard Horton, nach
Bekanntwerden der Vorwürfe in der Osloer Zeitung
«Aftenposten».
Das hoch angesehene britische Fachjournal «The Lancet»
hatte im Oktober eine Studie des Krebsforschers Jon Sudbø vom
Radiumhospital in Oslo und 13 Mitautoren zur Behandlung von
Mundhöhlenkrebs veröffentlicht. Darin erklärten die
Autoren, dass dieser Krebsart bei Rauchern durch Einnahme bestimmter
schmerzstillender Mittel vorgebeugt werden könne.
Dabei berief sich Sudbø auf Daten der norwegischen Datenbank
CONOR mit angeblichen Angaben zu 123 234 Menschen aus den Jahren 1975
bis 1995. Durch einen Fachkollegen des Autoren kam nach der
Veröffentlichung der Studie ans Licht, dass die genannte Datenbank
erst 1994 eingerichtet wurde. Auch zahlreiche Detailangaben über
die Nutzung der Datenbank seien frei erfunden, hieß es am Dienstag
in norwegischen Medienberichten.
Die Leitung des Radiumhospitals erklärte, man werde umgehend
Vorwürfen nachgehen, wonach Krebspatienten wegen dieser
Forschungsergebnisse möglicherweise falsch behandelt worden sind.
«Wir haben alle unsere nationalen wie internationalen Partner
informiert, die von diesem Fall betroffen sind», sagte Klinikchef
Stein Vaaler. Sudbø meldete sich krank und gestattete
vollständigen Einblick in seine Forschungsunterlagen durch eine
externe Wissenschaftlergruppe.
Lancet-Chefredakteur Horton sagte, sein Blatt habe die eigene
Sorgfaltspflicht nicht verletzt. Derartige Betrugsversuche seien nicht
immer rechtzeitig zu erkennen. Er könne aber nicht verstehen, warum
13 fachlich versierte Co-Autoren nicht in der Lage oder willens gewesen
seien, den Schwindel zu durchschauen. «Dieser Fall ist
einzigartig», meinte Horton. Das Blatt will in seiner
nächsten Ausgabe einen Widerruf des norwegischen Artikels
veröffentlichen und davon abraten, die darin enthaltenen Angaben
für Behandlungs- oder andere Forschungszwecke zu benutzen.
(Quelle: dpa)
Mangelernährung in europäischen Krankenhäusern
Studie soll Hintergründe aufdecken
Do.19.01.06 - Eine Langzeitstudie analysiert ab heute europaweit die
Ernährungssituation in Krankenhäusern. Das Projekt
"NutritionDay in European Hospitals" befasst sich mit der Realität
von Ernährung und Mangelernährung auf einzelnen Stationen.
"Ziel ist es", so Internationaler Koordinator Michael Hiesmayr von der
Medizinischen Universität Wien "präzise Informationen
über das Auftreten von Mangelernährung in Zusammenhang mit
Krankenhaus-Strukturen zu sammeln."
Dazu bekommen mehr als 400 Krankenhaus-Stationen in 26
europäischen Ländern und vier weiteren Staaten (USA, Mexiko,
Brasilien, Indien) Fragebögen. Diese stehen den Stationen und den
über 10.000 Patienten in 24 Sprachen zur Verfügung. "Jeder
Bürger Europas kann sich in seiner Muttersprache ausdrücken",
betont Hiesmayr im Gespräch mit pressetext (pte). "So werden auch
benachteiligte Gruppen gleich wie alle anderen behandelt." Der Gedanke,
der dahinter stecke, sei, dem Patienten eine Stimme zu geben.
Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass bis zu 40 Prozent der
stationär aufgenommenen Patienten mangelhaft ernährt werden.
"Das wirkt sich massiv auf den Heilungsverlauf aus", erklärt
Hiesmayr. Dabei werde das Krankenhaus-Essen nur in weniger als 10
Prozent der Fälle als schlecht bewertet. Das Problem liege auch in
den Strukturen, der Organisation des Stationsalltags. "Einige Patienten
klagen über mangelnde Hilfe, andere leiden unter Übelkeit",
führt der Experte aus. Doch auf den Punkt gebracht: Die Patienten
essen insgesamt zu wenig.
Jetzt soll ein bewussterer Blick auf die Ernährungssituation
helfen, diese Probleme in den Griff zu bekommen und Krankenhaus-Kosten
zu senken. "Es ist ein qualitätssicherndes Projekt für einen
europaweiten Vergleich", sagt Hiesmayr gegenüber pressetext. Die
Ergebnisse würden ein Bewusstsein über Stärken und
Schwächen der Stationen als Organisationseinheit schaffen. Nach dem
Stichtag bekommt jede teilnehmende Einrichtung ihre persönliche
Auswertung. Damit bestehe die Chance, etwas zu verbessern.
Im Laufe des dreijährigen Projekts werden zwei weitere
"NutritionDays" im Abstand von einem Jahr durchgeführt. So
können die jährlichen Ergebnisse der einzelnen Stationen
verglichen werden. Mit der Langzeitstudie setzt das österreichische
Forscher-Team eine politische Willenserklärung des Europarats von
2003 in die Praxis um. Denn das Ausmaß des Problems der
Mangelernährung in Krankenhäusern wurde bereits 2001 erkannt.
"Jetzt muss man Taten folgen lassen", hebt Hiesmayr hervor.
In ganz Österreich nehmen 82 Stationen an der
Ernährungsstudie teil, 25 davon im Allgemeinen Krankenhaus Wien. Im
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in St.Veit/Glan setzen die
Mediziner bei der Ernährung schon länger auf neueste
wissenschaftliche Erkenntnisse. Zwei Monate nach der Umstellung des
Speiseplans durch Ernährungteams waren bereits positive
Auswirkungen sichtbar. Durch das Studienprojekt "NutritionDay" erhoffen
sich die Wissenschaftler aussagekräftige Daten, um Konsequenzen
daraus ziehen zu können.
(Quelle: pte)
Kunst und Kulter
Bremer Filmpreis an britischen Regisseur Ken Loach
Do.19.01.06 - Der britische Regisseur Ken Loach erhält am Donnerstag (18.00 Uhr)
den Bremer Filmpreis 2006. Der mit 8000 Euro dotierte und von der Kunst-
und Kultur-Stiftung der Sparkasse Bremen gestiftete Preis ist eine
Auszeichnung für Verdienste um den europäischen Film. Die
Jury würdigt die herausragenden Leistungen des streitbaren
Filmemachers, der seit den 60er Jahren ein beständiger
Ankläger sozialer und politischer Missstände sei. Alle seine
Werke folgten der Tradition, politisch, parteiisch und persönlich
zu sein. Mit dem TV-Doku-Drama «Cathy Come Home» über
Obdachlosigkeit provozierte Loach 1966 eine so starke Diskussion in der
Öffentlichkeit, dass die britische Regierung einige Gesetze
änderte. Die Auszeichnung wird Loach zum Start des «11.
Internationalen Bremer Symposiums zum Film» in der Oberen
Rathaushalle überreicht.
Bis Sonntag werden unter dem Titel «Bis ans Ende der
Welt...» im Kino 46 Vorträge gehalten sowie eine Ausstellung
und ein umfangreiches Filmprogramm gezeigt. Am Donnerstagabend um 21.00
Uhr wird Loach persönlich seinen Film «My Name is Joe»
(1998) im Kino 46 präsentieren.
(Quelle: ddp)
Ken Loach:
Geboren am 17. Juni 1936 in Nuneaton, Warwickshire, England, Großbritannien...
Mehr unter:
http://www.prisma-online.de/rga-online/person.html?pid=ken_loach
Streit um Klimt-Bilder gelöst: Österreich gibt NS-Raubkunst
zurück
Do.19.01.06 - Nach sechs Jahren ist in Österreich der Rechtsstreit um fünf
wertvolle Bilder Gustav Klimts beigelegt. «Die Bilder werden
restituiert, ohne Wenn und Aber» kündigte Österreichs
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer an.
Die fünf Gemälde aus dem Besitz der jüdischen
Industriellen-Familie Bloch-Bauer, die während der NS-Zeit
beschlagnahmt worden waren, werden an die rechtmäßigen Erben
zurück gegeben. Wenn nicht eine Lösung für einen Kauf
oder eine Leihgabe gefunden wird, muss sich die Österreichische
Galerie, die in Gehrers Zuständigkeitsbereich fällt, von den
berühmten zwei Porträts und den drei Landschaften
verabschieden. Doch das Kapitel NS-Raubkunst und der Umgang mit der
Restitutionsfrage ist mit dieser Entscheidung in Österreich noch
nicht abgeschlossen.
Ministerin Gehrer sieht sich nun mit Vorwürfen konfrontiert,
Österreich hätte dieses Ergebnis schon vor Jahren haben
können - und sich mit sensiblerem Vorgehen oder einem früheren
Einlenken eine Menge Kritik erspart. Denn die Klägerin Maria
Altmann, Nichte der ursprünglichen Besitzer Adele und Ferdinand
Bloch-Bauer, hatte sich bereits 1998 in einem Brief an die Ministerin
gewandt und um eine Lösung bemüht. «Ich hätte es
gerne friedlicher gelöst, aber es war nicht zu machen»,
sagte sie in einer ersten Reaktion. Gehrer zog den Rechtsweg vor. Auch
im Nachhinein rechtfertigt sie dieses Vorgehen mit dem Verweis auf die
damals gültige Rechtslage.
Wie wenig eindeutig die juristische Einschätzung tatsächlich
gewesen sei, darauf verwies der Vorsitzende des unabhängigen
Schiedsgerichts, Peter Rummel, bei der Verkündung der Entscheidung
am Dienstag in Wien. Im Zentrum der Interpretation stand dabei eine
Passage im Testament der Adele Bloch-Bauer von 1923, in der sie ihren
Mann Ferdinand bittet, die fünf Gemälde nach seinem Tod der
Österreichischen Galerie zu überlassen.
Die überzeugte Sozialistin Adele starb 1925. Ihr Mann musste 1938
vor den Nazis fliehen und seinen Besitz zurücklassen. Er starb 1945
im Schweizer Exil. Die fraglichen Bilder gingen an die
Österreichische Galerie. In seinem Testament nennt Bloch-Bauer
seine drei Neffen und Nichten als alleinige Erben. Das Schiedsgericht
entschied nun, die Bitte Adeles habe keine rechtliche Verbindlichkeit.
1948 hatten die österreichischen Behörden in einer
Auseinandersetzung mit den Erben, die sich vom Ausland aus um eine
Zusammenführung des einstigen Familienbesitzes bemühten,
anders geurteilt. Sie hielten die Bitte Adeles für
rechtsgültig und sahen die Österreichische Galerie als
rechtmäßige Besitzerin der Gemälde an. Auf diese
Auffassung bezog sich Gehrer zu Beginn der rechtlichen
Auseinandersetzung mit Altmann. Damit rückte in dem Verfahren auch
noch einmal das fragwürdige Vorgehen der österreichischen
Behörden in der Nachkriegszeit in den Mittelpunkt.
Sie übten in Auseinandersetzungen um Ausfuhrgenehmigungen
häufig Druck auf die rechtmäßigen Besitzer aus und
erwirkten so zahlreiche «Schenkungen». Mit dem Einsatz einer
Historiker-Kommission, systematischer Provenienzforschung und bereits
erfolgten Rückgaben hat sich Österreich in den vergangenen
Jahren von diesen Vorgängen distanziert und zu einem
verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema gefunden. Kritikern erschien
das Festhalten an den fraglichen Klimt-Bildern daher als
Rückschritt.
Gerade die Bekanntheit der Bilder, vor allem des ganz in Gold
gehaltenen «Bildnis Adele Bloch-Bauer I» - eine Ikone des
Wiener Jugendstils - machte den Fall zu einem symbolträchtigen
Streit. Auch wenn Österreich nun einlenken musste, ist jedoch das
Kapitel Raubkunst noch lange nicht geschlossen. Die Kunsthistorikerin
Sophie Lillie etwa listet in ihrer Dokumentation «Was einmal war.
Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens» auf rund 1400
Seiten eine Vielzahl weiterer Fälle von Raubkunst auf, von denen
eine großer Teil ebenfalls noch nicht gelöst ist.
(Quelle: dpa)
Medien
Journalistenverband besorgt über jüngste Eingriffe in
Pressefreiheit
Scharfe Kritik an Trend zu Leiharbeit in Redaktionen. Weitere
Aushebelung von Tarifverträgen befürchtet
Do.19.01.06 - Der Deutsche Journalistenverband hat sich besorgt über
jüngste Eingriffe in die Pressefreiheit und die Aushebelung von
Tarifverträgen gezeigt. Der DJV-Vorsitzende Michael Konken verwies
am Mittwoch in Berlin auf zahlreiche Verlage, die Redakteure aus
Kostengründen als Leiharbeiter beschäftigten. «Der Trend
zu Leiharbeit und Outsourcing im Journalismus muss in diesem Jahr
aufgehalten werden», verlangte Konken. Als positiv bewertete der
DJV das Informationsfreiheitsgesetz, das zu Jahresbeginn für
Bundesbehörden in Kraft trat.
Konken kritisierte zudem die Ermittlung von Telefonkontakten und die
Durchsuchung von Redaktionsräumen. «Journalisten sind auf
Informanten angewiesen», sagte er. Ein Informant werde sich dem
Journalisten aber nur anvertrauen, wenn seine Anonymität garantiert
sei. Konken forderte die Bundesregierung auf, den Informantenschutz zu
stärken und entsprechende Gesetze zu ergänzen. Außerdem
müssten die Regelungen der Strafprozessordnung zur
Überwachung von Telekommunikation künftig einen
stärkeren Schutz der Journalisten vorsehen.
DJV-Hauptgeschäftsführer Hubert Engeroff verwies auf die
festgefahrenen Tarifverhandlungen für Tageszeitungsredakteure. Der
Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) mute der
Arbeitgeberseite «erhebliche Abstriche» zu, sagte Engeroff
und verwies auf die Forderung nach Streichung von Berufsjahren. Sehr
kritisch beurteilte er den Trend, dass im BDZV immer mehr Verlage ohne
Tarifbindung organisiert seien. Damit werde der Flächentarifvertrag
untergraben. Im Endeffekt würden die abgeschlossenen
Tarifverträge für immer weniger Redakteure gelten.
In diesem Jahr will der DJV auch auf die schwierige Situation von
Berufsanfängern aufmerksam machen. Es müsse gesichert werden,
dass junge Menschen eine Chance auf Zukunft hätten, sagte Konken.
Dazu gehöre auch eine qualitativ anspruchsvolle journalistische
Aus- und Weiterbildung. Kritik übte er an der Praxis von Verlagen
und Sendern, angehende Journalisten monate- und manchmal jahrelang als
Praktikanten zu beschäftigen. Sinn eines Praktikums sei, junge
Menschen auf einen Beruf vorzubereiten, nicht aber diesen zu ersetzen,
sagte Konken.
(Quelle: afp)