Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Schiitische Allianz verfehlt absolute Mehrheit. Regierung in Bagdad
kritisiert US-Kontakte zu Aufständischen. Gefechte zwischen
US-Truppen und Aufständischen
Sa.21.01.06 - Die Schiiten haben bei der zweiten Parlamentswahl nach dem Sturz Saddam
Husseins ihre absolute Mehrheit verloren, bleiben aber stärkste
politische Kraft im Irak. Nach dem am Freitag veröffentlichten
Ergebnis der Abstimmung vom 15. Dezember konnten die arabischen
Sunniten ihren Einfluss im Parlament deutlich steigern, mit knapp 60
der 275 Mandate stellen sie nun mehr als ein Fünftel der
Abgeordneten - was in etwa ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.
Verlierer sind zum einen die Kurden und zum anderen die säkulare
Partei von Ajad Allawi. In Allawi hatten die USA einst große
Hoffnungen gesetzt, sie machten ihn 2004 zum Chef einer
Übergangsregierung. Nun schrumpft seine Fraktion im neuen
Parlament um 15 auf 25 Abgeordnete.
Das religiös-schiitische Parteienbündnis Vereinigte Irakische
Allianz musste zwar ebenfalls Federn lassen - es verlor gegenüber
der Wahl zur Nationalversammlung im Januar 2005 18 Mandate und damit
seine absolute Mehrheit im Parlament. Mit jetzt 128 der 275 Sitze
bleibt es aber die beherrschende politische Kraft. Derzeit stellt das
Bündnis den Ministerpräsidenten, Ibrahim al Dschaafari.
Für eine Regierungsbildung benötigt das Bündnis aber die
Unterstützung anderer Parteien.
Die Minderheit der sunnitischen Araber, die die Abstimmung vor einem
Jahr noch weitgehend boykottiert und nur 17 Mandate erzielt hatte,
kommt im neuen Parlament auf knapp 60 Sitze. 44 davon entfallen auf das
Bündnis Irakische Eintracht, eine weitere Liste um den
sunnitischen Politiker Saleh al Mutlak gewann elf Parlamentssitze, wie
ein Mitglied der Wahlkommission, Safwat Raschid, mitteilte.
Zudem schafften Vertreter einiger kleinerer sunnitischer Parteien den
Einzug ins Parlament. Die USA hoffen, dass eine stärkere Rolle der
Sunniten in Parlament und Regierung den Aufstand schwächt, der in
weiten Teilen von der Minderheit getragen wird. Ein Sprecher der
US-Botschaft, Tom Casey, erklärte, die Amerikaner
begrüßten die Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnis
und seinem mit dem Verlauf des Wahlprozesses zufrieden.
Die beiden größten kurdischen Parteien stellen nur noch 53
Abgeordnete, die konkurrierende Kurdische Islamische Gruppe gewann
fünf Mandate. Das ist ein herber Verlust für die kurdische
Minderheit, die bislang insgesamt über 75 Parlamentssitze
verfügte.
Die Politiker haben nun vier Tage Zeit, die Wahlergebnisse anzufechten.
Darüber muss die Wahlkommission dann binnen zehn Tagen
entscheiden, bevor das Ergebnis offiziell festgestellt und das neue
Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten kann.
Die erste Beschwerde kam von einem Vertreter von Allawis Irakischer
Liste, Saad Assem al Dschanabi. «Diese Ergebnisse sind nicht
richtig, und die nationale Einheit des Iraks wird von
ausländischen Elementen bedroht», sagte er in Anspielung auf
die religiösen schiitischen Parteien, die Verbindungen zum Iran
pflegen. Auch der sunnitische Politiker Salman al Dschumaili zeigte
sich trotz der Zugewinne der Sunniten enttäuscht, erklärte
aber, seine Volksgruppe wolle sich an der Regierungsbildung beteiligen.
Vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses waren die
Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad und vier weiteren großen
Provinzen am Freitag verstärkt worden, um Terroranschläge zu
verhindern.
Die irakische Regierung hat vertrauliche Kontakte der US-Einheiten im
Irak zu aufständischen Sunniten kritisiert. Mit ihrer
"Appeasement-Politik" begingen die USA einen "schweren und fatalen
Fehler", sagte der nationale Sicherheitsberater Muaffak el Rubaie der
"Washington Times" (Freitagausgabe). Derartige Kontakte seien ohne das
Wissen der Regierung in Bagdad aufgenommen worden. Die USA "sollten es
der irakischen Regierung überlassen, das in die Hand zu nehmen",
betonte Rubaie.
In der westirakischen Stadt Ramadi ist es am Freitag zu Gefechten
amerikanischer und irakischer Soldaten mit Aufständischen
gekommen. Wie die US-Marineinfanterie mitteilte, griffen die Rebellen
am Nachmittag Stützpunkte der Koalitionstruppen in der 115
Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt an. Die Angriffe seien
nach etwa einer Stunde zurückgeschlagen worden, hieß es.
Über mögliche Opfer wurden keine Angaben gemacht. Ramadi, die
Hauptstadt der Provinz Anbar, ist seit langem ein Brennpunkt des
Widerstands gegen die US-Truppen.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 21.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.21.01.05 - Konfrontation zwischen Mitgliedern der irakischen Wahlkommission +++
Auch zum Opferfest Hass-Botschaften und Attacken im Irak. Erneut zahlreiche Tote und
Verletzte +++ Militante Gruppe in Irak meldet Tötung zweier
Europäer +++ Soldatenfamilien in Großbritannien gegen Irak-Krieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Menschenrechte weiter auf dem Rückzug
Im Kontext des Kriegs gegen den Terror geben USA und EU ihre
traditionelle Führungsrolle in Menschenrechtsfragen auf. In das
Vakuum stoßen China und Russland - mit katastrophalen Folgen,
fürchtet der neueste Jahresbericht von Human Rights Watch... Mehr
in der taz vom 20.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/20/a0101.1/text
Nahost-Konflikt
Israel wirft Iran und Syrien Verwicklung in Anschlag vor. Peres
grundsätzlich zu Verhandlungen mit der Hamas bereit. Israels
Arbeitspartei will Teil Jerusalems Palästinensern überlassen.
Scharons Zustand weiter kritisch
Sa.21.01.06 - Nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in Tel Aviv hat Israel
schwere Vorwürfe gegen Syrien und den Iran erhoben. Wie am
Freitagmorgen aus Regierungskreisen verlautete, erklärte
Verteidigungsminister Schaul Mofas bei einer Dringlichkeitssitzung zur
Sicherheitslage, Syrien habe die Tat geplant und der Iran habe sie
finanziert. Mofas kündigte den Angaben zufolge außerdem
Angriffe auf Stellungen des Islamischen Dschihads an. Dieser hatte sich
zu dem Anschlag am Donnerstag bekannt.
Es lägen «klare Beweise» für die Verwicklung
Syriens und des Irans vor, wurde Mofas weiter zitiert. Israel werde
diese Beweise an die USA und die Europäische Union weiterleiten.
Ferner würden die Sicherheitsvorkehrungen um die Stadt Nablus im
Westjordanland verschärft. Dort lebte der 22-jährige
Attentäter, der bei dem Anschlag in einer Imbissstube ums Leben
kam. 20 Israelis wurden verletzt, einer von ihnen schwer.
Mit Blick auf die bevorstehende palästinensische Parlamentswahl
signalisierte der israelische Politiker Schimon Peres am Freitag eine
grundsätzliche Bereitschaft, auch mit der radikalislamischen Hamas
zu verhandeln. Bedingung sei allerdings, dass die Organisation der
Gewalt abschwöre, betonte der langjährige Vorsitzende der
Arbeitspartei in einem Radio-Interview. «Wenn der Tiger eine Katze
wird, dann ist er eben eine Katze und kein Tiger mehr», sagte
Peres über die Hamas. Meinungsumfragen prognostizieren der Gruppe
ein gutes Ergebnis bei der Wahl am kommenden Mittwoch.
Für die am 28. März in Israel geplanten Parlamentswahl
zeichnet sich weiterhin ein Wahlsieg der neuen Partei Kadima ab. Laut
zwei am Freitag veröffentlichten Umfragen dürfte die Bewegung,
der mittlerweile alle Minister der amtierenden Regierung angehören,
über 40 der 120 Mandate erringen. Zudem legte der mögliche
Koalitionspartner, die Arbeitspartei, in den Umfragen um einige
Prozentpunkte zu und käme jetzt auf 19 bis 20 Sitze.
Im Vorfeld der Parlamentswahlen in Israel ist erstmals eine der
großen Parteien vom Anspruch auf den annektierten Ostteil
Jerusalems abgerückt. Die Arbeitspartei veröffentlichte am
Freitag einen Wahlaufruf, in dem es hieß, sie sei bereit, die
1967 eroberten "moslemischen Viertel" Jerusalems zurückzugeben.
Die heiligen jüdischen Stätten sollen demnach unter Israels
Kontrolle bleiben. Im Ostteil Jerusalems leben 200.000
Palästinenser. Seit der Eroberung wurden in jüdischen
Siedlungen im Osten der Stadt 200.000 Israelis untergebracht. Die
Palästinenser wollen den Ostteil Jerusalems zur Hauptstadt des
angestrebten Palästinenserstaates machen.
Die Ärzte von Ministerpräsident Ariel Scharon hoffen einem
Zeitungsbericht zufolge, den seit einem Schlaganfall bewusstlosen
Regierungschef bald nicht mehr künstlich beatmen zu müssen.
Scharon atme mittlerweile so regelmäßig, dass er das
Beatmungsgerät kaum noch brauche, zitierte die Zeitung
«Yediot Ahronot» einen seiner Ärzte. Offiziell wurde
lediglich mitgeteilt, Scharons Zustand sei weiter kritisch, aber stabil.
(Quellen: ap, afp)
Lage in Elfenbeinküste normalisiert sich
Sa.21.01.06 - Nach vier Tagen gewaltsamer Proteste gegen die UN-Mission in
Elfenbeinküste hat sich am Freitag die Lage wieder normalisiert.
Auf den Straßen herrschte reger Verkehr, die Geschäfte hatten
wieder geöffnet.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach sich trotz der
Übergriffe, bei denen vier Demonstranten ums Leben kamen, gegen
einen Rückzug der Blauhelm-Soldaten aus. «Das würde die
Situation nur verschlimmern», sagte er am Donnerstag in New York.
Mehrere führende Politiker in Abidjan hatten an die Jugendlichen
appelliert, die Proteste einzustellen und die Straßensperren zu
räumen. Die so genannten Jungen Patrioten, die als Anhänger
von Präsident Laurent Gbagbo gelten, hatten sowohl vor dem Sitz der
UN- Mission als auch vor dem Quartier der französischen Armee und
der französischen Botschaft mehrere Tage randaliert. Die
Straßensperren hatten das Leben der Metropole weitgehend lahm
gelegt. Zahlreiche Flüge waren gestrichen worden.
Anlass der jüngsten Unruhen war eine Empfehlung einer
internationalen Vermittlergruppe, das Übergangsparlament am Ende
seiner Amtszeit aufzulösen. In den staatlichen Medien wurde dies so
dargestellt, als hätten die Vereinten Nationen das Parlament selbst
aufgelöst, was die Anhänger Gbagbos als
«unzulässige Einmischung» empfanden. Der UN-Beauftragte
für Friedensmissionen Jean-Marie Guéhenno vermutete, die
Proteste seien nicht spontan, sondern organisiert gewesen.
(Quelle: dpa)
Die Schokoladenseite des Krieges
Krieg und Kakao - wie passt das zusammen? Die Elfenbeinküste ist
der größte Kakaoproduzent der Welt. Deutschland ist der
größte Schokoladenkonsument der Welt. In der
Elfenbeinküste herrscht Krieg. Ein Prüfbericht der EU, der der
'tageszeitung' (taz) vorliegt, legt jetzt offen, wie Gelder aus dem
Kakaohandel an das Militär fließen... Mehr in der taz vom
20.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/20/a0137.1/text
Iran zieht Bankguthaben aus Europa ab
Sa.21.01.06 - Der Iran bereitet sich auf mögliche UN-Sanktionen wegen seines
umstrittenen Atomprogramms vor. Wie Notenbankpräsident Ebrahim
Scheibani am Freitag vor Journalisten mitteilte, hat das Land damit
begonnen, seine ausländischen Währungsreserven von
europäischen Banken abzuziehen. Damit will Teheran einer
möglichen Sperrung seiner Konten im Ausland zuvorkommen.
Scheibani äußerte sich nicht dazu, wie viel Geld aus Europa
abgezogen wird. Auch machte er keine Angaben, wohin es transferiert
wird. Nach Schätzungen von Analysten könnten sich die
iranischen Einlagen bei europäischen Banken auf 25 bis 50
Milliarden Dollar belaufen. Der Abzug der Gelder zeigt nach Ansicht
politischer Beobachter, dass die Regierung in Teheran das Thema
möglicher Sanktionen ernst nimmt.
Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
wird sich am 2. Februar mit einem von europäischen Staaten
eingebrachten Entschließungsantrag befassen, der die
Überweisung des Atomstreits an den UN-Sicherheitsrat vorsieht.
Dieser könnte Wirtschaftssanktionen gegen Teheran verhängen.
Nach der Islamischen Revolution im Iran 1979 haben die USA alle
iranischen Guthaben in ihrem Land eingefroren.
Der Iran ist unterdessen nach russischen Angaben zu detaillierten
Gesprächen über eine Urananreicherung in Russland bereit.
Entsprechend äußerte sich der Leiter der russischen
Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, am Freitag in einem vom
Fernsehen gesendeten Gespräch mit Präsident Wladimir Putin.
Moskau hat dem Iran angeboten, die Anreicherung von Uran für
iranische Kraftwerke zu übernehmen. Damit soll Befürchtungen
entgegen getreten werden, dass der Iran eine stärkere Anreicherung
für die Nutzung in Atomwaffen vornehmen könnte. Nach
früheren Angaben aus russischen Regierungskreisen wird etwa Mitte
Februar eine iranische Delegation zu Gesprächen über den
Vorschlag in Russland erwartet.
Die Oppositionsgruppe Nationaler Widerstandsrat warf dem Iran derweil
am Freitag vor, in den Besitz zweier technischer Geräte gelangt zu
sein, die für die Herstellung von Atomwaffen genutzt werden
könnten. Die Maschinen, die auf der Verbotsliste stünden,
seien an einem geheimen Ort etwa 40 Kilometer westlich von Teheran,
sagte eine Vertreterin der Gruppe, Dowlat Nowrouzi, auf einer
Pressekonferenz in London. Die Informationen stammen nach ihren Angaben
von Gewährsleuten im Iran. Ein Sprecher der IAEA in Wien konnte
die Angaben der Oppositionsgruppe nicht bestätigen.
Der italienische Außenminister Gianfranco Fini rief in einem
Interview der Nachrichtenagentur AP die Staatengemeinschaft auf, im
Streit um das iranische Atomprogramm Geschlossenheit zu demonstrieren.
Zugleich warnte er vor einer Eskalation des Konflikts. Ein israelischer
Militärangriff auf iranische Atomanlagen beispielsweise hätte
katastrophale Folgen für den Nahen Osten und die gesamte Welt. Es
müsse alles getan werden, um einen noch größeren
Konflikt zu vermeiden, sagte Fini.
Eine Sprecherin des iranischen Ölministeriums bestätigte
indessen am Freitag, dass der Iran die Organisation Erdöl
exportierender Länder (OPEC) zu einer Produktionskürzung
drängt. Als Grund nannte sie eine zu erwartende geringere
Nachfrage nach Öl im zweiten Quartal 2006. Im Zuge des sich
verschärfenden Streits um das iranische Atomprogramm haben die
Rohölpreise an den Weltmärkten in den vergangenen tagen
wieder angezogen.
(Quelle: ap)
Indonesien gut 100.000 Morde in Osttimor zur Last gelegt
Sa.21.01.06 - Ein Bericht über die 24-jährige Besatzung Osttimors wirft den
indonesischen Sicherheitskräfte massive Menschenrechtsverletzungen
vor. Sie sollen demnach für den Tod von mehr als 100.000 Menschen
verantwortlich sein und im Kampf gegen Aufständische auch das
Kampfgas Napalm eingesetzt haben. Der Bericht der Wahrheitskommission
für die seit 2002 unabhängige Inselrepublik wurde am Freitag
von Präsident Xanana Gusmao den Vereinten Nationen in New York
übergeben. Schon vorab wies Indonesien den Vorwurf des
Napalm-Einsatzes entschieden zurück.
Der Bericht der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung,
Wahrheitsfindung und Versöhnung wurde bislang nicht
veröffentlicht, doch wurden Auszüge bekannt, nachdem die
Regierung und das Parlament von Osttimor im November darüber
beraten hatten. Demnach kamen zwischen 1975 und 1999 infolge der
Besatzung mindestens 102.800 Menschen ums Leben, oder sie verschwanden
spurlos. Mindestens 84.200 von ihnen verhungerten oder erlagen
Krankheiten infolge des bewaffneten Konflikts.
Den indonesischen Sicherheitskräften wird zu Last gelegt, Bewohner
des 1975 annektierten Inselteils systematisch misshandelt, gefoltert
und ausgehungert zu haben. Auch seien viele Frauen zu Sex-Sklavinnen
gemacht worden. Von den Menschenrechtsverletzungen, die im untersuchten
Zeitraum registriert worden seien, gingen 85 Prozent auf das Konto der
indonesischen Besatzungsbeamten und der mit ihnen verbündeten
Milizen. Nur zehn Prozent seien von den
Unabhängigkeitskämpfern unter Führung des heutigen
Präsidenten Gusmao verübt worden.
Die indonesische Regierung verwahrte sich insbesondere gegen den
Vorwurf, den chemischen Kampfstoff Napalm eingesetzt zu haben.
«Wir hatten damals nicht einmal die Kapazitäten, Napalm zu
importieren, geschweige denn es selbst herzustellen»,
erklärte Verteidigungsminister Juwono Sudarsono. Gusmao betonte
indessen vor Journalisten in New York, die Regierung von Osttimor
erkenne die Ergebnisse der Untersuchungen an. Die
Unabhängigkeitskämpfer hätten sich für ihren Teil
der Menschenrechtsverletzungen bereits entschuldigt.
(Quelle: ap)
free-fire-zone
Blutbad in Osttimor war vorhersehbar... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/osttim01.htm#free
Lula, Chávez und Kirchner beschliessen gemeinsame Gaspipeline
Sa.21.01.06 - Die Präsidenten von Argentinien, Brasilien und Venezuela haben den
Bau einer Erdgaspipeline für ganz Südamerika beschlossen. Die
Einigung erzielten Néstor Kirchner, Luiz Inácio Lula da
Silva und Hugo Chávez am Donnerstag auf einem Gipfeltreffen in
Brasilia. Die Pipeline soll laut Chávez eine Länge von 7000
Kilometern haben und Erdgas aus Venezuela unter anderem nach
Argentinien, Brasilien und Uruguay transportieren. Chávez
veranschlagte die Bauzeit der Pipeline auf fünf bis sieben Jahre,
die Kosten auf 20 Milliarden Dollar (16,6 Milliarden Euro). Er schlug
vor, Bolivien, das nach Venezuela über die zweitgrößten
Gasvorkommen Südamerikas verfügt, in das Projekt einzubeziehen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Außenminister Steinmeier warnt vor BND-Untersuchungsausschuss
Sa.21.01.06 - Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Opposition davor
gewarnt, einen Untersuchungsausschusses in der so genannten
BND-Affäre durchsetzen zu wollen. Der SPD-Politiker forderte am
Freitag vor dem Bundestag besonders Grüne und FDP auf, über
die Folgeschäden der «Inszenierung eines politischen
Skandals» nachzudenken. Während FDP-Vorsitzender Guido
Westerwelle und die Linkspartei auf der Einsetzung eines solchen
Gremiums beharrten, ließen die Grünen ihr Votum noch offen.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, angesichts
dessen, was bisher über die Tätigkeiten der beiden BND-Beamten
im Irak-Krieg in Bagdad bekannt geworden sei, habe sich die Formulierung
eines Untersuchungsauftrages für einen künftigen Ausschuss
«schon gelohnt». Über das weitere Verfahren allerdings
werde mit den Vorsitzenden der anderen Fraktionen am kommenden Montag
noch geredet. Sie sagte, die Aufklärung stehe erst am Anfang,
außerdem forderte sie einen «öffentlichen
Diskurs» darüber.
Härter zur Sache ging ihr Fraktionskollege Christian
Ströbele, der selbst Mitglied des Parlamentarischen
Kontrollgremiums (PKG) ist. Er warf Bundesregierung und den
Koalitionsfraktionen vor, das Gremium «bewusst zu
missbrauchen». Ausgehend von den Erklärungen des Gremiums
komme die Bundesregierung zu «vollkommen unzutreffenden
Folgerungen». Er fuhr fort: «Das PKG hat nicht festgestellt,
dass an den Vorwürfen nichts dran ist.» Lediglich einen Teil
der Aussagen der beiden angehörten BND-Agenten habe das Gremium als
glaubhaft eingestuft. Im übrigen handele es sich um Angaben von
«Beschuldigten», die überprüft werden
müssten. Aus diesem Grund müsse das Parlament «jede
Anstrengung» unternehmen, den Sachverhalt aufzuklären. Dazu
gehöre auch ein Untersuchungsausschuss.
Steinmeier sagte über die BND-Debatte der vergangenen beiden
Wochen, die mit anonym erhobenen Vorwürfen begonnen habe, sie sei
kein Höhepunkt der Streitkultur gewesen. Im PKG sei den
Nachrichtendiensten im Irak kein Fehler nachgewiesen worden. Vielmehr
sei in den vergangenen Wochen der «durchsichtige Versuch»
gemacht worden, «das eindeutige Nein der Bundesregierung zum
Irak-Krieg nachträglich ins Zwielicht zu ziehen».
Das Nein zur Beteiligung deutscher Soldaten an Kampfhandlungen habe
aber nicht bedeutet, die Bündnisverpflichtungen gegenüber den
USA außer Acht zu lassen. Dies habe der damalige Bundeskanzler
Gerhard Schröder seinerzeit eindeutig klar gemacht. Künast
gestand zu, dass es daran nichts zu rütteln gebe.
Der PKG-Vorsitzende, der CDU-Politiker Norbert Röttgen, wies
darauf hin, dass in den vergangenen Tagen bereits «eine sehr
weitgehende Klärung erfolgt» sei. Eine Beteiligung der
Agenten an Kriegshandlungen der US-Armee habe es «so nicht
gegeben», betonte er. Er bekräftigte, die Untersuchungen
würden fortgesetzt; so werde das PKG etwa Akteneinsicht verlangen.
Ausdrücklich sprach Röttgen den beiden Agenten seinen Respekt
für ihren lebensgefährlichen Einsatz aus, der «in der
Sache richtig» gewesen sei und im nationalen Interesse gelegen
habe. Über einen Untersuchungsausschuss äußerte er sich
nicht eindeutig.
Westerwelle bekräftigte die Forderung seiner Fraktion nach einem
Geheimdienst-Untersuchungsausschuss. Es seien «Grauzonen sichtbar
geworden», die erhellt werden müssten. Als Beispiele nannte
er die Verschleppung des deutschen Staatsbürgers Khaled el Masri
durch den US-Geheimdienst CIA und die Beteiligung deutscher Beamter an
Verhören im US-Gefangenenlager Guantanamo. «Wenn Guantanamo
Unrecht ist, dann ist es schlichtweg inakzeptabel, wenn deutsche Beamte
dorthin fliegen, um dort Vernehmungen vorzunehmen», sagte der
FDP-Politiker.
(Quelle: ap)
IG Metall verlangt in Tarifrunde fünf Prozent mehr Lohn
Sa.21.01.06 - Die IG Metall geht mit einer Forderung nach fünf Prozent
höheren Einkommen in die bevorstehende Tarifrunde für die 3,4
Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche.
Der Hauptvorstand beschloss dieses Forderungsvolumen am Freitag nach
Angaben aus Gewerkschaftskreisen in Frankfurt. Der Tarifvertrag soll
eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.
Die regionalen Tarifbezirke hatten sich bereits dafür
ausgesprochen, die von der Gewerkschaftsspitze vorgeschlagene Spanne von
bis zu fünf Prozent voll auszuschöpfen. Die Arbeitgeber haben
durchblicken lassen, dass sie höchstens 1,2 Prozent mehr zahlen
wollen. Beide Seiten rechnen mit einer harten Tarifauseinandersetzung.
Neben deutlichen Lohnsteigerungen will die IG Metall einen Anspruch der
Arbeitnehmer auf Qualifizierung durchsetzen. Außerdem verlangt die
größte Industriegewerkschaft tarifliche Regelungen für
Innovation bei Produkten und Prozessen in den Betrieben. Längere
Arbeitszeiten für qualifizierte Beschäftigte, wie sie die
Arbeitgeber vereinbaren wollen, lehnt die Gewerkschaft ab.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat Lohnerhöhungen
in dieser Größenordnung bereits im Vorfeld des
Gewerkschaftsbeschlusses als unerfüllbar zurückgewiesen. Sie
würden der Branche im internationalen Konkurrenzkampf schaden und
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Zentrales Thema neben
einer linearen Lohnerhöhung soll nach dem Willen der IG Metall ein
Weiterbildungsanspruch der Beschäftigten sein. Außerdem
verlangt die Gewerkschaft tarifliche Regelungen für Innovation bei
Produkten und Prozessen in den Betrieben.
Die Lohnforderung setzt sich zusammen aus einem Ausgleich für die
gesamtwirtschaftliche Preissteigerungsrate von zwei Prozent und der
Teilhabe am Produktivitätsfortschritt von ebenfalls zwei Prozent.
Hinzu kommt ein weiterer Prozentpunkt, den die IG Metall mit der guten
Wirtschaftslage vieler Metallunternehmen begründet.
Die Tarifforderung ist höher als vor zwei Jahren, als die IG
Metall vier Prozent durchsetzen wollte. Damals wurden nach der Drohung
mit einem Streik eine Anhebung der Löhne und Gehälter um 2,2
Prozent ab März 2004 und um weitere 2,7 Prozent ab März 2005
vereinbart. Der Tarifvertrag läuft Ende Februar aus. Die
Friedenspflicht endet vier Wochen später am 28. März. Dann
können die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie mit
Warnstreiks Druck machen.
(Quelle: rtr)
Dem deutschen Wald geht es weiter schlecht
Sa.21.01.06 - Der deutsche Wald ist laut einem Zeitungsbericht nach wie vor in einem
Besorgnis erregenden Zustand. 29 Prozent der Gesamtfläche wiesen
schwere Schäden auf, schreibt die «Welt am Sonntag»
unter Berufung auf den Waldschadensbericht 2005. Das sei nur eine
leichte Verbesserung zum Vorjahr, als der Rekordwert von 31 Prozent der
Waldfläche deutliche Kronenverlichtungen aufwies. Die
Bundesregierung will den Bericht in der kommenden Woche vorstellen.
Dramatisch verschlechtert hat sich demnach im vergangenen Jahr der
Zustand der Eichen: Der Anteil der Eichen mit schweren Schäden sei
von 45 Prozent im Jahr 2004 auf 51 Prozent 2005 gestiegen. Die
Regierung warne in dem Bericht, dass die «Vorbelastung der
Wälder durch noch immer zu hohe Stoff- und Säureeinträge
ihre Anfälligkeit für zusätzlich auftretende
Stressfaktoren erhöht und langfristig ein Risiko für die
Qualität der Böden und des Grundwassers darstellt».
Zudem bringe die Klimaänderung für den Wald und die
Waldbewirtschaftung neue Herausforderungen mit sich.
Erholt haben sich demnach vor allem die Buchen. Nach dem heißen
Sommer 2003 war ihr Anteil mit schweren Schäden um 25
Prozentpunkte auf 55 Prozent gestiegen. Jetzt weisen dem Bericht
zufolge nur noch 44 Prozent deutliche Kronenverlichtungen auf.
Regional habe sich der Wald sehr unterschiedlich entwickelt.
«Verschlechtert hat er sich insbesondere im Saarland (+ 12
Prozentpunkte), aber auch in Baden-Württemberg (+ 3 Prozentpunkte)
und Hessen (+2)», heißt es. Einen verbesserten
Kronenzustand verzeichneten Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern,
Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und
Sachsen. Die Gründe für diese Entwicklung seien regional sehr
unterschiedlich: «Während die Witterung im Norden und in der
Mitte Deutschlands der Erholung der Bäume förderlich war, war
dies im Süden nicht überall der Fall», zitiert die
Zeitung.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Hochgebirgsgletscher schmelzen schneller
Sa.21.01.06 - Nach jüngsten Berechnungen eines internationalen Forscherteams
werden die Hochgebirgsgletscher bis zum Jahr 2100 schneller schmelzen
als bisher angenommen. Hingegen wird der Anstieg des Meeresspiegels
aufgrund abschmelzender Polkappen nur halb so stark sein wie bisher
vermutet. An der Untersuchung haben Wissenschaftler des
Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung AWI
teilgenommen. Über die Forschungsergebnisse berichten die
Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Nature.
"Die Modellstudie hat ergeben, dass die Gletscher wesentlich schneller
schmelzen", erklärt die Studienleiterin Sarah Raper vom AWI im
pressetext-Interview. Damit steige auch die Gefahr von katastrophalen
Überschwemmungen in den Gebirgsregionen. "Wenn die Gletscher
schmelzen, bilden sich aus dem Schmelzwasser Seen. Diese können,
wie es schon passiert ist, bersten", erklärt die Forscherin. Die
Folge sind katastrophale Überschwemmungen. "Besonders
gefährdet sind hier Hochgebirgsregionen wie Nepal." Um genauere
Aussagen zu treffen seien aber weitere Untersuchungen notwendig.
Kritisiert wird von den Wissenschaftlern, dass es in zahlreichen
Ländern viel zu wenig gesammelte Daten gebe. "Weder die USA noch
Kanada haben komplette Daten über ihre Gletscher", so Roger
Braithwaite von der University of Manchester, der auch an der Studie
teilgenommen hat.
Positiver als erwartet fiel allerdings die Untersuchung der Eiskappen
der Pole aus: Gingen die Experten bisher davon aus, dass der
Meeresspiegel bis 2100 um 40 Zentimeter steigen wird, gibt es eine
Korrektur nach unten. "Das Schmelzwasser der Pole und der Gletscher
trägt zu 25 Prozent zum Anstieg des Meersspiegels bei. Der Rest ist
auf erhöhte Wassertemperaturen und der damit verbundenen Ausdehnung
der Wassermassen in den Weltmeeren zurückzuführen. "Die
Überschwemmungsgefahr für Inselstaaten, die aus flachen
Korallenatollen bestehen - wie etwa die Staaten Malediven, Kiribati und
Tuvalu - bleibt weiterhin bestehen", so Raper.
Dass die globale Erwärmung zu einem Zusammenbruch der
Meeresströmungen und damit verbunden zu gewaltigen
Klimaveränderungen führen kann, haben Forscher des Scripps
Institute erst in der Vorwoche im Wissenschaftsmagazin Nature berichtet.
Raper glaubt aber nicht, dass dies in den kommenden 100 Jahren der Fall
sein werde. Es sei aber deutlich feststellbar, dass die Zirkulation von
Meeresströmungen langsamer werde, räumt die Wissenschaftlerin
abschließend ein. Die aktuelle Studie kombiniert Prognosen aus
globalen Klimamodellen mit Vorhersagen zur Veränderung der
Eismassen. Zum ersten Mal haben die Forscher dabei die polaren
Eisschilde und die Gebirgsgletscher getrennt betrachtet.
(Quelle: pte)
US-Wissenschaftler preisen 'Stardust'-Mission als 'Riesenerfolg'
Sa.21.01.06 - Als einen "Riesenerfolg" haben Wissenschaftler die Mission der
US-Raumsonde "Stardust" gefeiert, die am Wochenende mit kostbarem
Kometenstaub in Gepäck zur Erde zurückgekehrt war. Der Ertrag
übersteige alle Erwartungen, sagte am Donnerstag im texanischen
Houston der wissenschaftliche Leiter der Mission, Donald Brownlee, nach
einer ersten visuellen Analyse der Staubpartikel. Die Sonde habe
möglicherweise mehr als eine Million mikroskopischer
Staubkörnchen gesammelt, von denen manche rund viereinhalb
Milliarden Jahre alt sein könnten. Von den einzigartigen Proben
erhoffen sich die Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse über die
Entstehung von Planeten.
Mit ihrem an einen Tennisschläger erinnernden Kollektor hatte die
Kapsel während ihrer siebenjährigen Mission ein Häufchen
Kometenstaub etwa von der Menge eines Teelöffels eingesammelt. Es
handle sich um einen "wahren kosmischen Schatz" von den Grenzen unseres
Sonnensystems, sagte Brownlee. Rund 150 Wissenschaftler von allen
Kontinenten sollen den kostbaren Staub nun sorgfältig analysieren.
Erhofft werden auch Erkenntnisse über die Entstehung der Sonne.
Einfach wird die Analyse des Kometenstaubs allerdings nicht: Bis zu
zehn Jahre wird die Auswertung in Anspruch nehmen. Ein Wissenschaftler
verglich die Arbeit mit der Suche nach Ameisen auf einem
Fußballfeld. Die kalifornische Universität Berkeley sucht
bereits 30.000 Freiwillige, die per Internet bei der Auswertung
mithelfen sollen.
Die "Stardust" war am Sonntag in der Salzwüste des
US-Bundesstaates Utah gelandet. Sie wurde dann in das
Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston gebracht. Während ihrer Mission
legte die Sonde fast 4,6 Milliarden Kilometer zurück, umkreiste
zwei Mal die Sonne und begegnete dem viereinhalb Milliarden Jahre alten
Kometen Wild 2, aus dessen Schweif sie Staub einfing.
(Quelle: afp)
Mehr unter:
http://stardust.jpl.nasa.gov/home/index.html
Zehn deutsche Hochschulen können Spitzenunis werden
Sa.21.01.06 - Zehn deutsche Hochschulen sind in die engere Auswahl für die
Förderung als Spitzenuniversität gekommen. Das teilten die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat am
Freitagabend mit. Vier Universitäten in Baden-Württemberg,
drei in Bayern und je eine in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin
wurden in der ersten Stufe des Antragsverfahrens im Programm
Exzellenzinitiative für die Förderlinie
«Zukunftskonzepte» ausgewählt. Daneben wurden auch die
Hochschulen für die erste Stufe der Förderlinie
«Graduiertenschulen» und «Exzellenzcluster»
ausgewählt.
Bei den zehn Hochschulen, die aufgefordert wurden, ihre
Vollanträge für die zweite Stufe der Auswahl für die
Förderlinie «Zukunftskonzept» einzureichen, handelt es
sich um die RWTH Aachen, die Universitäten Bremen, Freiburg,
Heidelberg, München, Tübingen und Würzburg, die Freie
Universität Berlin, die TH Karlsruhe und die Technische
Universität München.
In der ersten Ausschreibungsrunde waren insgesamt 319 Antragsskizzen
von 74 Universitäten eingereicht worden, 27 davon hatten sich
für die Förderlinie «Zukunftskonzept» beworben.
Insgesamt wurden 36 verschiedene Universitäten zur Einreichung von
Vollanträgen in der zweiten Stufe aufgefordert.
Bund und Länder wollen in der so genannten Exzellenzinitiative den
Ausbau der Spitzenforschung für fünf Jahre mit insgesamt 1,9
Milliarden Euro fördern. Der Bund hatte Anfang September 2005 die
ersten 714 Millionen Euro bewilligt. Von den Gesamtgeldern trägt
der Bund 75 Prozent, die Länder, in denen die geförderten
Einrichtungen ihren Sitz haben, beteiligen sich mit 25 Prozent.
Im Rahmen des Wettbewerbs um die Fördergelder entscheidet eine
Jury internationaler Wissenschaftler, welche Anträge bewilligt
werden. Gefördert werden zum einen Spitzenuniversitäten, auch
wen dieser Begriff aus dem Vertragsvokabular gestrichen wurde und sich
nun hinter der Förderlinie «Zukunftskonzepte»
verbirgt. Die Zahl dieser geförderten Hochschulen ist noch offen.
Daneben sollen etwa 40 Graduiertenschulen mit durchschnittlich je einer
Million Euro pro Jahr und 30 Exzellenzcluster mit durchschnittlich je
6,5 Millionen Euro pro Jahr gefördert werden.
(Quelle: ap)
Kunst und Kultur
'Hommage an Beuys': Ausstellungen zum Todestag
Sa.21.01.06 - Zwei Ausstellungen in Berlin und Düsseldorf erinnern an den 20.
Todestag von Joseph Beuys am kommenden Montag.
In einer «Langen Beuys-Nacht» würdigt auch die
Berliner Akademie der Künste [http://www.adk.de/] den international gefeierten
Künstler, mit dem sich gleich über das ganze Wochende auch
Diskussionen, Filme und Vorträge im Beuys-Museum Schloss Moyland
bei Kleve (Nordrheion- Westfalen) [http://www.moyland.de/pages/josephbeuysarchiv/]
beschäftigen. Zu den Berliner Gesprächen werden unter anderem
René Block, Eugen Blume, Reinhild Hoffmann, Klaus Staeck und Rolf
Szymanski erwartet.
Beuys als Experimentator, Heiler und Naturforscher steht im Mittelpunkt
einer Ausstellung des Düsseldorfer museum kunst palast [http://www.museum-kunst-palast.de].
Die rund 70 Objekte, Auflagen-Stücke und Dokumente sind von
Freitag an (bis 19. März) unter dem Titel «Joseph Beuys in
Aktion. Heilkräfte der Kunst» zu sehen. Die Exponate stammen
aus der Sammlung des Mediziners Prof. Axel Hinrich Murken, der 1979
gemeinsam mit dem Künstler das Buch «Beuys und die
Medizin» herausgegeben hatte.
Mit ganzheitlich-anthroposophischem Denken erkundete Beuys die
Heilkräfte der Kunst in der Grenzregion zwischen Naturwissenschaft
und «Schamanismus». So sind die Exponate häufig Relikte
seiner archaischen Aktionen, mit denen sich Beuys in die Nähe
urtümlicher Heiler rückte. Ein blasser Bienenwachsblock mit
fein verteiltem Kupfer (1978/1986) spielt etwa auf die Honig-Energie
liefernden Insekten ebenso an wie auf Kupfer als Heil- und
Tötungsmittel.
Eine der bereits historischen Fotoserien dokumentiert die Beuys- Aktion
«Freitagsobjekt. 1a gebratene Fischgräte» vom Oktober
1970, bei der der Kunstprovokateur eine Reihe von Heringsgräten
unter die Decke einer Düsseldorfer Galerie hing. Das
«Urobjekt» der Aktion, eine in brauner Pappschachtel
verwahrte Heringsgräte macht als Reliquiar an der Museumswand die
tiefen Wurzeln des Künstlers in «heilsamer» Religion
deutlich.
Mit einer «Hommage an Joseph Beuys» würdigt der
Hamburger Bahnhof in Berlin «einen der bedeutendsten und
einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts». Die
Ausstellung ist von diesem Samstag (21. Januar) an bis zum 23. April zu
sehen. Das Museum für Gegenwart als Teil der Nationalgalerie
verfügt über eine Gruppe von wichtigen Werken aus dem Oeuvre
von Beuys, darunter «Unschlitt/Tallow»,
«Straßenbahnhaltestelle», «Das Ende des 20.
Jahrhunderts» und die 456 Zeichnungen aus «The secret block
of a secret person in Ireland». Im 20. Todesjahr will der
Hamburger Bahnhof, wie die Ausstellungsmacher am Donnerstag betonten, an
einen Künstler erinnern, der «am radikalsten in den
Zusammenhang von Kunst und Politik eingetreten ist».
(Quelle: dpa)
Joseph Beuys (* 12. Mai 1921 in Krefeld; † 23. Januar 1986 in
Düsseldorf) war Bildhauer, Zeichner sowie Aktions- und
Environmentkünstler. Er gilt als einer der bedeutendsten
Künstler der Moderne.. Mehr bei wikipedia (Porträt und
umfangreiche Linksammlung):
http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Beuys
Joseph Beuys Archiv für erweiterte Kunst und soziale Plastik
Informationen über Person und Werk:
http://www.beuys.de/
Deutsche Bibliothek soll zur Nationalbibliothek werden
Sa.21.01.06 - Die Deutsche Bibliothek soll in Deutsche Nationalbibliothek umbenannt
werden. Der Bundestag debattierte am Donnerstag in erster Lesung
über einen entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung. Damit
soll die Deutsche Bibliothek zugleich einen erweiterten Sammelauftrag
erhalten. Als Deutsche Nationalbibliothek wird sie künftig auch
digitale Werke sammeln, die nur online erscheinen.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte, die Deutsche Bibliothek
erfülle bereits seit mehr als 90 Jahren die Kernaufgaben einer
Nationalbibliothek. Daher sei die neue Namensgebung «nicht nur
angemessen, sondern entspricht auch internationalem Gebrauch und dem
allgemeinen Verständnis von der Funktion der Einrichtung».
Die Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main wurde nach der deutschen
Wiedervereinigung 1990 mit der Deutschen Bücherei Leipzig
zusammengeführt. Seitdem haben beide Einrichtungen gemeinsam unter
dem Namen Deutsche Bibliothek die Funktion einer Nationalbibliothek
für ganz Deutschland. Ihre gesetzliche Aufgabe ist es, alle
deutschen Veröffentlichungen sowie Publikationen über
Deutschland zu archivieren und zugänglich zu machen.
(Quelle: ddp)