Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Siegreiche Schiitenpartei will Wahlergebnis anfechten.
Einheitliche Verwaltung für Kurdenregion im Nordirak beschlossen.
Vier Tote bei Autobombenexplosion auf Markt bei Bagdad. Irakischer
Minister setzt sich für entführte Journalistin ein
So.22.01.06 - Trotz ihres überlegenen Sieges bei der irakischen Parlamentswahl
will die religiöse Schiitenpartei Vereinigte Irakische Allianz das
Ergebnis des Urnengangs anfechten. Der Einspruch sollte noch im Laufe
des Samstages den Rechtsexperten der Wahlkommission übergeben
werden, sagte ein Vertreter der Partei der Nachrichtenagentur AFP. Der
Protest der Schiiten richtet sich gegen das komplizierte System der
Sitzverteilung, das die Partei nach eigenen Angaben acht Sitze im
Parlament kostete.
Die autonome Kurdenregion im Norden Iraks steht künftig unter
einheitlicher Verwaltung. Die Chefs der beiden großen
Kurdenparteien, Dschalal Talabani und Massud Barsani, unterzeichneten
am Samstag während einer außerordentlichen Sitzung des
kurdischen Parlaments in Erbil einen entsprechenden Vertrag. Von dem
Abkommen sind die Bereiche Inneres, Finanzen, Justiz und Verteidigung
allerdings ausgenommen. An der Zeremonie nahm auch der US-Botschafter
im Irak, Zalmay Khalilzad, teil.
Bei der Explosion einer Autobombe sind auf einem belebten Markt in
einem Vorort von Bagdad vier Menschen getötet worden. Aus
Krankenhauskreisen hieß es, fünf Marktbesucher seien verletzt
worden. Der Autobombenanschlag ereignete sich einen Tag nach
Bekanntgabe der Ergebnisse der Parlamentswahl vor fünf Wochen. In
der Nähe der irakischen Stadt Tikrit 160 Kilometer nördlich
der Hauptstadt wurden am selben Tag nach Polizeiangaben ein irakischer
Offizier, sein Sohn und ein Soldat von Aufständischen erschossen.
Um das Leben der verschleppten Journalistin Jill Carroll zu retten, hat
ein irakischer Minister die US-Streitkräfte um die Freilassung von
inhaftierten Irakerinnen gebeten. Die sechs Frauen würden
vermutlich in den kommenden Tagen auf freien Fuß gesetzt, sagte
der stellvertretende Justizminister Buscho Ibrahim Ali am Samstag der
Nachrichtenagentur AP. Das Ultimatum der Entführer Carrolls lief am
Freitagabend ab, über das Schicksal der 28-Jährigen war
zunächst aber nichts bekannt.
Die USA haben nach eigenen Angaben neun irakische Frauen im Irak
inhaftiert. Er bemühe sich darum, ihre Freilassung zu
beschleunigen, sagte Ali, «denn das könnte helfen, die
Freilassung der entführten Journalistin zu beschleunigen».
Auch eine amerikanisch-muslimische Interessengruppe setzte sich
für die Mitarbeiterin der Zeitung «The Christian Science
Monitor» ein. Vertreter des Rates für amerikanisch-islamische
Beziehungen trafen am Samstag von Jordanien kommend in Bagdad ein.
Carrolls Vater appellierte am Freitagabend an die Kidnapper, seine
Tochter freizulassen. Dies wäre auch besser für die Sache der
Iraker, sagte Jim Carroll im Fernsehsender Al Arabija. Er bezeichnete
seine Tochter als unschuldige Person, deren Tod dem Wunsch der
Entführer nach Freilassung aller weiblichen Gefangenen kaum dienen
könne. Würde sie dagegen freigelassen, könnte sie sich
für die Belange der Iraker einsetzen. «Erlaubt ihr, Eure
Stimme in der Welt zu sein. Als lebende Journalistin kann sie Eurer
Sache besser dienen, als wenn sie stirbt», appellierte der Vater
an die Entführer.
Die Geiselnehmer hatten mit der Ermordung von Jill Carroll gedroht,
sollten die US-Militärbehörden im Irak nicht bis zum Freitag
alle weiblichen Gefangenen freilassen. Die 28-Jährige wurde am 7.
Januar in Bagdad verschleppt. Al Dschasira strahlte am Donnerstag ein
Video von etwa 20 Sekunden aus, in dem Carroll gemeinsam mit drei
maskierten Aufständischen zu sehen war. Ein Redakteur des Senders
erklärte, die Bilder stammten aus demselben Videofilm, von dem
bereits am Dienstag Auszüge gezeigt worden seien.
Mehr als 30 türkische Unternehmen stellten am Samstag unterdessen
ihre Treibstofflieferungen an den Irak ein. Grund seien die Schulden des
Landes in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar, sagte
Staatsminister Kursad Tuzmen der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge. Die
Türkei hatte den Lieferstopp am vergangenen Wochenenede
angekündigt.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 22.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundachten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.22.01.05 - Erneut Blutvergießen zum islamischen Opferfest im Irak:
Schiitische Moschee in Bagdad Ziel von
Anschlag. Mindestens 14 Tote. Auch Ausländer weiterhin von
Aufständischen bekämpft +++ Im Prozess gegen
britische Soldaten wegen der Misshandlung irakischer Gefangener gibt
Major Befehl für hartes Vorgehen gegen Plünderer zu. Fünf
dänische Soldaten der Misshandlung von Irakern angeklagt +++
US-Army will Irak-Verweigerer vor Gericht stellen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501220.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Israel will atomar bewaffneten Iran verhindern
So.22.01.06 - Israel will unter allen Umständen verhindern, dass der Iran in den
Besitz von Atomwaffen kommt. Verteidigungsminister Schaul Mofas
erklärte am Samstag, Israel bereite sich auch auf die
Möglichkeit vor, dass die Diplomatie scheitere. Mofas sprach zwar
nicht direkt von einem möglichen Angriff Israels auf den Iran,
erklärte aber: «Israel wird unter keinen Umständen eine
Atomwaffenfähigkeit Irans akzeptieren, darauf bereiten wir uns
vor.» Iran beteuert zwar, dass das Atomprogramm
ausschließlich friedlichen Zwecken dient, vor allem die USA
vermuten aber, dass die Regierung in Teheran nach Atomwaffen strebt.
(Quelle: ap)
Vor palästinensischer Parlamentswahl: Fatah laut Umfrage klar vor
Hamas
So.22.01.06 - Vor der palästinensischen Parlamentswahl am Mittwoch liegt die
regierende Fatah-Partei in der Wählergunst klar mit sieben
Prozentpunkten vor der radikalislamischen Hamas, wie eine am Samstag
veröffentlichte Umfrage ergab. Die Fatah kam demnach auf 42 Prozent
der Stimmen, 35 Prozent der Befragten erklärten, sie wollten sich
für die Hamas entscheiden. Das palästinensische
Chalil-Schikaki-Institut hat 4.516 Wahlberechtigte befragt, die
Fehlerquote wurde mit zwei Prozentpunkten angegeben. Eine Erhebung des
Jerusalemer Medien- und Kommunikationszentrums von Freitag ergab dagegen
ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Fatah und Hamas.
(Quelle: ap)
Simbabwe: Hungernde Bevölkerung soll Mugabes Geburtstag finanzieren
So.22.01.06 - Trotz bitterer Armut im Lande und chronischer Versorgungsengpässe
soll die Bevölkerung Simbabwes für eine Feier zum 82.
Geburtstag von Präsident Robert Mugabe im kommenden Monat in die
Tasche greifen. Jede der zehn Provinzen des afrikanischen Landes solle
11 000 US-Dollar sammeln, berichtete am Freitag die staatlich
kontrollierte Zeitung «Manica Post».
Ein Besuch Mugabes in einem Krankenhaus in Johannesburg hat indes
erneut Gerüchte um seinen Gesundheitszustand entfacht. Unklar
blieb, ob er am Donnerstag zu einer medizinischen Untersuchung oder nur
dem Krankenbesuch eines Freundes ins Nachbarland Südafrika gekommen
war.
Simbabwe erlebt nach einer chaotisch verlaufenen Landreform mit der
Vertreibung tausender weißer Farmer eine der schlimmsten Krisen
seit seiner Unabhängigkeit 1980. Obwohl Mugabe Pressefreiheit und
politische Opposition unterdrückt, gilt er bei der
Landbevölkerung jedoch weiterhin als beliebt. Erst am Freitag war
ein simbabwischer Journalist festgenommen worden, als er mit seinem
Handy ins Ausland telefonierte. Unter den drakonischen Mediengesetzen
des Landes kann journalistische Tätigkeit ohne staatliche
Genehmigung sowie das Verbreiten von «Information zum Schaden des
Staates» mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden
(Quelle: dpa)
Kosovo-Präsident Rugova ist tot - Kosovo-Gespräche vertagt
So.22.01.06 - Der Präsident des Kosovos, Ibrahim Rugova, ist am Samstag im Alter
von 61 Jahren gestorben. Dies bestätigte sein Sprecher Muhamet
Hamiti. Der Präsident sei kurz vor Mittag im Kreise seiner Familie
in seiner Residenz in Pristina gestorben. Rugova war starker Raucher und
litt an Lungenkrebs, der im vergangenen September diagnostiziert wurde.
Ende August wurde Rugova deswegen auf der US-Militärbasis im
pfälzischen Landstuhl behandelt. Rugova galt für viele
Kosovo-Albaner als Symbolfigur für das Streben der Provinz nach
Unabhängigkeit von Serbien.
Er führte Anfang der 90er Jahre den gewaltlosen Widerstand gegen
die Politik des damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan
Milosevic an. Im Gegensatz zu anderen Kosovo-Albanern, die heute
Führungspositionen bekleiden, gehörte er nie der
Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) an, die gegen die serbischen Truppen
kämpfte.
Nach dem Tod des Kosovo-Präsidenten wächst die Sorge
über die politische Zukunft der südserbischen Unruheregion.
Der Beginn der geplanten Verhandlungen darüber wurde auf Anfang
Februar vertagt. Ein führender Diplomaten äußerte sich
gleichwohl zuversichtlich für die Kosovo- Verhandlungen in Wien.
Der zweite Chefvermittler bei den Gesprächen, Albert Rohan, sagte
der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», die
Statusgespräche würden sich insgesamt nur kurz verzögern.
(Quellen: ap, dpa)
Spanien: Tausende demonstrieren für unabhängiges Baskenland
So.22.01.06 - Tausende Menschen haben am Samstag in der nordspanischen Stadt
Barakaldo bei Bilbao für ein unabhängiges Baskenland
demonstriert. Anlass der Kundgebung war das Verbot eines Kongresses der
verbotenen Partei Batasuna. Die Parteiveranstaltung sollte am Samstag
in Barakaldo stattfinden. Ein Gericht hatte dies jedoch untersagt. An
der Demonstration nahmen der Führer der Batasuna, Arnaldo Otegi,
sowie 50 Vertreter baskischer und europäischer Linksparteien teil.
Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich etwa 10.000 Menschen an
der Protestkundgebung. Die Polizei nannte keine Zahlen. Die
Demonstration verlief friedlich. Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte
die Batasuna 2003 wegen ihrer Nähe zur Untergrundorganisation ETA
verboten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Kanzlerin Merkel will angeblich deutschen Einsatz im Kongo verhindern
So.22.01.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will bei ihrem Treffen mit dem
französischen Präsidenten Jacques Chirac am Montag nach
"Spiegel"-Informationen eine Beteiligung deutscher Kampftruppen an einem
EU-Militäreinsatz in der Demokratischen Republik Kongo abwehren.
Anders als die rot-grüne Vorgängerregierung sehe die
Regierung Merkel Afrika nicht mehr als Einsatzgebiet an, auf das sich
die Bundeswehr einrichten müsse, berichtete der "Spiegel" vorab
aus seiner neuen Ausgabe. Merkel könne sich auf
Verteidigungspolitiker aller Fraktionen stützen.
(Quelle: afp)
Ex-Außenminister Fischer traf 2003 offenbar BND-Agenten aus Bagdad
So.22.01.06 - Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne)
hat sich im Dezember 2003 mit den beiden im Irak eingesetzten Agenten
des Bundesnachrichtendienstes (BND) getroffen und sich detailliert
über deren Operationen in Bagdad informiert. Dies berichtet das
Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf Berliner
Sicherheitskreise. Im Streit der Oppositionsparteien um die Einsetzung
eines Geheimdienst-Untersuchungsausschusses des Bundestages richtete die
FDP neue Angriffe gegen die Grünen.
Fischer tauschte sich laut "Focus" am 16. Dezember 2003 am Rande eines
Besuchs beim jordanischen Außenminister Marwan Moascher knapp eine
Stunde lang mit den BND-Beamten Reiner M. und Volker H. aus. Die beiden
reisten für das geheime Treffen mit Fischer eigens aus Bagdad an.
Fischer zeigte sich dem Bericht zufolge später gegenüber
Vertrauten beeindruckt von ihrer Arbeit.
Die BND-Mitarbeiter gaben laut dem Magazin vor und während des
Irak-Kriegs rund hundert Berichte an die BND-Zentrale weiter. Etwa 20
Meldungen wurden an den US-Militärgeheimdienst DIA weitergeleitet.
Zu den vom BND genannten schützenswerten Objekten gehörten
neben Schulen und Krankenhäusern auch eine Synagoge sowie ein von
Journalisten bewohntes Hotel, das bereits ins Visier der US-Armee
geraten war.
Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Hoyer kritisierte
in "Focus" das Zögern der Grünen angesichts möglicher
Verstrickung deutscher Sicherheitsbehörden in "elementare
Verstöße gegen die Menschenrechte" beim Anti-Terror-Kampf.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion,
Jörg van Essen, sagte dem Magazin, früher hätte Fischer
auf sein gutes Gewissen verwiesen und im Gegebnsatz zu jetzt nichts
gegen einen Untersuchungsausschuss gehabt. "Jetzt ist er ganz still. Wer
ein reines Gewissen hat, verhält sich nicht so defensiv",
fügte von Essen hinzu.
(Quelle: afp)
Grüne suchen Alternative zu Untersuchungsausschuss
So.22.01.06 - Für die Grünen ist ein Untersuchungsausschuss zu den
BND-Aktivitäten während des Irakkriegs kein Muss mehr.
Grünen- Fraktionschef Fritz Kuhn sagte der «Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung», wenn der Vorwurf einer Beteiligung
der rot-grünen Regierung am Irak-Krieg anders entkräftet
werden könne, müsse man darüber nachdenken. Damit deutet
sich an, dass nicht genügend Stimmen für einen
Untersuchungsausschuss zusammenkommen. Dieser kann nur mit den Stimmen
aller drei Oppositionsfraktionen eingesetzt werden.
(Quelle: dpa)
WASG-Bundesparteitag abgesagt
So.22.01.06 - Der für den 4. März geplante Bundesparteitag der
Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) wird aus
rechtlichen Gründen abgesagt. «Wir können es uns nicht
leisten, dass uns kurz vor den Landtagswahlen der Bundesparteitag um
die Ohren fliegt», sagte der WASG-Vorsitzende Klaus Ernst am
Samstagabend dem «Tagesspiegel am Sonntag» zur
Begründung der Entscheidung des Vorstands vom Vorabend. Nur mit
einer Verschiebung könne verhindert werden, dass ungültige
Beschlüsse gefasst werden. Hintergrund sind satzungsrechtliche
Probleme, die sich an der Frage der zulässigen Delegierten
festmachen.
Im Dezember hatte die WASG beschlossen, dass ungeachtet der bereits
für zwei Jahre gewählten Delegierten neue Delegierte für
den bevorstehenden Parteitag, auf dem es auch um die Fusion mit der
Linkspartei.PDS geht, gewählt werden sollten. Kritiker
unterstellten der WASG-Führung, auf diese Weise eine ihr genehme
Mehrheit sicherstellen zu wollen. Um die Delegierten nach den
bestehenden Listen satzungsgemäß einzuladen, reicht die Zeit
nicht mehr. Am 5. Februar will der WASG-Bundesvorstand zusammen mit den
Landessprechern in Berlin die neue Lage beraten.
(Quelle: ddp)
Korruptionsaffäre um E.ON-Ruhrgas zieht weitere Kreise
So.22.01.06 - Die Korruptionsaffäre um den Gasversorger E.ON-Ruhrgas zieht immer
weitere Kreise: Wie die Kölner Staatsanwaltschaft am Samstag der
Nachrichtenagentur AP bestätigte, ist neben E.ON Ruhrgas offenbar
auch die mittlerweile zu RWE-Energy gehörige Thyssengas in die
Affäre verstrickt. Den bisherigen Ermittlungen zufolge, habe sich
Thyssengas offenbar an «einigen Fahrten finanziell
beteiligt», sagte Staatsanwalt Günther Feld.
In diesem Zusammenhang seien bereits vor einigen Monaten
Büroräume bei Thyssengas durchsucht und Unterlagen
beschlagnahmt worden. Feld bestätigte damit entsprechende Berichte
von «Focus», «Spiegel» sowie der
«Kölner Rundschau». Seinen Angaben zufolge beziehen
sich die Ermittlungen bei dem Unternehmen auf zwei bis drei
Beschuldigte; ob diese dort noch tätig sind, konnte Feld jedoch
nicht sagen.
Bei RWE-Energy, die Thyssengas Anfang 2004 übernommen hatten,
bestätigte ein Sprecher die Durchsuchungen ebenfalls. «Wir
kooperieren umfassend mit den Ermittlungsbehörden»,
erklärte ein Sprecher. Und man bemühe sich auch nach innen um
Aufklärung. In diesem Zusammenhang betonte er, dass bei dem
Unternehmen mittlerweile verbindliche Regeln - ein so genannter
«code of conduct» - gelte, der äußerst strenge
Maßstäbe auch für Reisen anlege. Wie das
Nachrichtenmagazin «Focus» berichtete, hat der RWE-Konzern
inzwischen nach eigenen Angaben eine interne Prüfung der gesamten
Reisetätigkeit veranlasst.
Laut dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» will auch die ins
Visier der Ermittler geratene E.ON Ruhrgas nun interne Regeln
verschärfen. Bis solche verbindlichen Konzepte verabschiedet seien,
sollten «sämtliche Kunden-Veranstaltungen dieser Art
komplett eingestellt» werden, zitierte das Blatt E.ON-Ruhrgas-Chef
Burckhard Bergmann.
Die «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ)» berichtete indes
von einem Schreiben des Gasversorgers an seine Stadtwerke-Kunden, in dem
das Unternehmen Position zu den Vorwürfen beziehe. «Der
Verdacht einer Vorteilsgewährung (...) ist nicht
begründet», zitiert die Zeitung aus dem Schreiben.
In der Korruptionsaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft nach
eigenen Angaben mittlerweile gegen rund 200 Personen, darunter rund 150
Aufsichtsräte von nordrhein-westfälischen Stadtwerken, die auf
Kosten des Konzerns an Vergnügungsreisen nach Norwegen, Spanien,
Frankreich und Belgien teilgenommen haben sollen. Darüber hinaus
gibt es der Ermittlungsbehörde zufolge Hinweise, dass zudem etwa
50 weitere Politiker aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem
Saarland an Reisen auf Konzernkosten teilgenommen haben.
Laut einem Bericht der «Welt am Sonntag» wollen Kommunal-
und Wirtschaftspolitiker von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen mit der
geplanten Reform der Gemeindeordnung die Verflechtung öffentlicher
Unternehmen und der Politik begrenzen. «Natürlich geht es da
auch um die Betriebe in öffentlichen Händen», sagt
FDP-Fraktionschef Gerhard Papke der Zeitung.
Dem Blatt zufolge soll 1992 auch die Sparkasse Leverkusen eine
Politiker-Reise nach Barcelona inklusive Übernachtung auf Mallorca
bezahlt haben, an der 50 Politiker und Mitarbeiter teilgenommen haben
sollen. Dies habe eine Sparkassen-Sprecherin bestätigt. Bei dem
Geldinstitut selbst war am Samstag keine Stellungnahme zu erhalten.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Forscher bohren sich am Südpol 900 000 Jahre in die Vergangenheit
So.22.01.06 - Eiskerne aus bis zu 2774 Metern Tiefe hat ein Team von internationalen
Wissenschaftlern und Technikern in der Antarktis gehoben. Damit sei das
vierjährige Forschungsprojekt an der Kohnen-Station beendet, sagte
ein Sprecher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) am Freitag in
Bremerhaven.
Erste Untersuchungen ließen darauf schließen, dass das
gewonnene Eis bis zu 900 000 Jahre alt sein könnte. Von den
Ergebnissen erhoffen sich die Forscher weitere Aufschlüsse
über das globale Klimageschehen.
Bereits vor einem Jahr hatten die Wissenschaftler eine Bohrung an einer
anderen Stelle der Südpolregion abgeschlossen und dabei Eis
gesichert, das ebenfalls 900 000 Jahre alt ist. Die bisher gewonnenen
Daten belegen laut AWI, dass es in der Vergangenheit immer einen
direkten und konstanten Zusammenhang zwischen Klima und Treibhausgasen
in der Atmosphäre gab. Erst in den vergangenen Jahrhunderten sei
der Anteil der Schadstoffe durch menschlichen Einfluss
überproportional gestiegen.
Der zweite Datensatz soll nun eine bessere und genauere Interpretation
der Messwerte ermöglichen. Beide Bohrungen erfolgten im Rahmen des
europäischen Projekts Epica (European Program for Ice Coring in
Antarctica), an dem sich insgesamt zehn Länder beteiligen.
(Quelle: dpa)