Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertfünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Mindestens sieben Tote bei Anschlagen in Bagdad. Unter den Opfern zwei
US-Soldaten. Zahl der getöteten amerikanischen Soldaten steigt
damit seit Kriegsbeginn auf mindestens 2.226
Di.24.01.06 - Ein Selbstmordattentäter hat im Zentrum von Bagdad mindestens drei
Menschen mit in den Tod gerissen. Bei den Todesopfern handelte es sich
um zwei Zivilpersonen und einen Polizisten, wie die irakische Polizei
erklärte. Sechs Menschen seien verletzt worden, darunter fünf
weitere Polizisten. Der Attentäter zündete eine Autobombe in
der Nähe eines Kontrollpunktes an der streng bewachten Grünen
Zone, in der unter anderem die irakische Regierung und die US-Botschaft
untergebracht sind.
Der Anschlag richtete sich den Angaben zufolge gegen eine
Polizeistreife in der Nähe der iranischen Botschaft. Nach der
Explosion stieg über dem Gebiet schwarzer Rauch auf, und es waren
Schüsse zu hören. Der Kontrollpunkt war in der Vergangenheit
bereits mehrfach Ziel von Angriffen Aufständischer.
Nördlich von Bagdad wurden zwei amerikanische Soldaten bei einem
Bombenanschlag getötet. Der Sprengsatz sei in der Nähe von
Tadschi detoniert und habe einen Konvoi getroffen, erklärten die
Streitkräfte. Die Zahl der getöteten US-Soldaten stieg damit
seit Beginn des Irak-Krieges im März 2003 nach einer Zählung
der Nachrichtenagentur AP auf mindestens 2.226.
Eine weitere Autobombe explodierte an einer Straße 30 Kilometer
südlich der Hauptstadt. Ein Iraker wurde getötet, vier weitere
wurden verletzt, wie die Polizei erklärte. Aufständische
erschossen außerdem einen Labormitarbeiter des irakischen
Gesundheitsministeriums, der gerade auf dem Weg zur Arbeit war.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 24.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.24.01.05 - Terroristenführer Sarkawi droht mit 'erbitterten Kampf im Irak':
Jeder, der bei den Wahlen mitmache, sei ein potenzielles Anschlagsziel.
Iraks Ministerpräsident Allawi: Abstimmung wird helfen, die Gewalt
im Lande zu beenden. Der Regierungschef spricht sich gegen baldigen
Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak aus. UNO sieht
Gültigkeit der Irak-Wahl nicht durch Gewalt bedroht. Viel weniger
Auslands-Iraker als erwartet wollen wählen +++ US-General empfiehlt
Entsendung tausender US-Ausbilder in den Irak +++ Seit Kriegsbeginn mehr
als 1.370 US-Soldaten im Irak getötet +++ US-Analyse: Irak-Krieg nicht
zu gewinnen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Islamischer Dschihad ruft zu Boykott der Palästinenser-Wahl auf
Di.24.01.06 - Die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad hat
zwei Tage vor der Parlamentswahl ihre Anhänger zum Boykott der
Abstimmung aufgerufen. "Wir rufen unsere Kämpfer und Anhänger
dazu auf, in keiner Form an der Wahl teilzunehmen", erklärte die
Gruppe am Montag. Der Islamische Dschihad schickt keine eigenen
Kandidaten ins Rennen. Dagegen nimmt erstmals die ebenfalls militante
Hamas an der Wahl teil. Beide Organisationen kämpfen für die
Zerstörung Israels.
Bislang hatte der Islamische Dschihad darauf verzichtet,
ausdrücklich zu einem Boykott der Wahl aufzurufen. Fraglich ist,
welchen Einfluss der Aufruf auf das Wahlergebnis haben wird. Es wird
erwartet, dass die Hamas regen Zulauf zu Lasten der regierenden Fatah
bekommen wird.
(Quelle: rtr)
Hamas und Fatah signalisieren Bereitschaft für Koalition
Di.24.01.06 - Vor der palästinensischen Parlamentswahl haben die regierende
Fatah-Partei und die militante Hamas-Bewegung ihre Bereitschaft zur
Bildung einer Koalition signalisiert. Der Hamas-Ideologe Ghasi Hamad
deutete am Montagabend in Gaza an, seine Partei würde sich dabei
mit einer Juniorrolle in der Regierung zufrieden geben.
«Wir wollen Abu Masen keine Hindernisse in den Weg legen»,
sagte Hamad - Abu Masen ist der volkstümliche Name für den
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. «Aber wir
wollen seine Politik korrigieren und ihn dabei unterstützen, mehr
Rechte für die Palästinenser zu erringen.» Für die
Wahl eines Koalitionspartners komme in erster Linie die Fatah in Frage,
sagte Hamad. Entschieden werde dies aber erst nach der Wahl am Mittwoch.
Führende Fatah-Mitglieder haben ebenfalls erklärt, dass sie
eine gemeinsame Regierung mit der Hamas für möglich hielten.
«Wir werden froh sein, wenn wir sehen, dass die Hamas
realistischer und pragmatischer wird», sagte der
palästinensische Kabinettsminister Sufian Abu Sajdeh. Dieser
Prozess würde durch eine Einbindung in die Regierung
gefördert.
Die USA haben erklärt, dass Hamas-Mitglieder in einer
palästinensischen Regierung kein Verhandlungspartner für sie
seien. Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Montag in
Washington, die palästinensischen Wähler müssten
bedenken, dass Terrorismus kein Weg zum Frieden sei. Eine Regierung
könne nicht «ein Bein im Terrorismus und das andere in der
Politik» haben. Die USA, die Europäische Union und Israel
betrachten die Hamas als terroristische Organisation.
(Quelle: ap)
Israelische Soldaten erschießen jungen Palästinenser
Di.24.01.06 - Israelische Soldaten haben am Montag bei Ramallah im Westjordanland
einen jugendlichen Palästinenser erschossen. Wie die
Streitkräfte mitteilten, hatte der Jugendliche einen
«verdächtigen Gegenstand» an einer Straße
deponiert, die von jüdischen Siedlern befahren wird. Der
israelische Rundfunk berichtete, der Palästinenser habe Steine als
Wurfgeschosse an der Straße nahe der Siedlung Schilo bereitgelegt.
(Quelle: ap)
Acht UN-Soldaten bei Gefechten mit LRA-Rebellen im Kongo getötet
Di.24.01.06 - Bei einem Feuergefecht mit mutmaßlichen Rebellen aus Uganda sind
am Montag im Osten der Demokratischen Repbulik Kongo mindestens acht
UN-Blauhelmsoldaten getötet worden. 14 weitere wurden nach Angaben
der UN-Mission MONUC verletzt. Bei den Toten handelt es sich um Soldaten
aus Guatemala, die auf Erkundung im Garamba-Nationalpark waren, wo die
ugandische Rebellenorganisation LRA in den vergangenen Monaten
Fuß fasste.
(Quelle: afp)
Wieder Angriff auf Öl-Anlagen in Nigeria
Di.24.01.06 - In Nigeria haben Aufständische am Montag nach Polizeiangaben ihre
Angriffe auf Öl-Anlagen fortgesetzt. Wie die Polizei mitteilte,
griffen Aufständische eine Ölplattform von Agip an. Der
Übergriff konnte aber von Sicherheitskräften abgewehrt werden,
wie ein Vertreter des Unternehmens mitteilte. Die Ölproduktion sei
daher nicht beeinträchtigt worden. In Nigeria kommt es seit rund
einem Monat zu Übergriffen auf die Öl-Infrastruktur des
Landes. Die Vorfälle haben den Ölpreis nach oben getrieben.
(Quelle: rtr)
Nigerianische Rebellen - Geiseln werden nicht freigelassen
Di.24.01.06 - Nach der Entführung von vier ausländischen Shell-Mitarbeitern
in Nigeria haben die Geiselnehmer am Montag eine baldige Freilassung
ausgeschlossen.
"Sie können sicher sein, dass die Geiseln nicht freigelassen
werden", hieß es in einer E-Mail der Rebellen an die
Nachrichtenagentur Reuters. Eher wollten die Aufständischen noch
weitere Geiseln nehmen, hieß es. Gleichzeitig wiesen die Rebellen
Berichte über einen angeblichen Vermittler zurück. Der Mann
sei ein Kopfgeldjäger und habe nichts mit ihnen zu tun.
Am Sonntag hatten die nigerianischen Behörden die Hoffnung auf
eine Freilassung der Geiseln genährt, nachdem sie über einen
Mittelsmann ein Foto der Entführten erhalten hatten. Die Person war
als ein glaubwürdiger Vermittler eingeschätzt worden.
Die vier Geiseln - darunter ein US-Bürger und ein Brite - waren am
11. Januar von einem Ölfeld des Konzerns Royal Dutch Shell
verschleppt worden. Die größte Ölförderer in Afrika
sieht sich seit Jahren mit dem Widerstand militanter Gruppen in der
Region konfrontiert. Im Niger Delta leben rund 20 Millionen Menschen in
Armut - in unmittelbarer Nähe der milliardenschweren
Ölindustrie. So kommt es häufig zu Entführungen,
Ölraub oder Sabotage.
(Quelle: rtr)
2006 benötigen fast zehn Millionen Äthiopier
Nahrungsmittelhilfe
Di.24.01.06 - In Äthiopien werden nach Schätzungen von Regierung und
UN-Organisationen in diesem Jahr fast zehn Millionen Menschen auf
Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein. "Insgesamt werden fast zehn
Millionen Menschen 2006 Hilfe benötigen, also eine Million mehr als
2005", sagte der Vertreter des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, Björn
Ljungqvist, am Montag in Addis Abeba. Nach Schätzungen der
äthiopischen Katastrophenschutzbehörde können sich 2006
9,8 Millionen Menschen nicht selbst versorgen, gegenüber 8,6
Millionen im vergangenen Jahr.
(Quelle: afp)
Morales als erster Indio-Präsident Boliviens vereidigt
Di.24.01.06 - Der Führer der bolivianischen Coca-Bauern, Evo Morales, ist am
Sonntag feierlich als erster Indio in das Amt des Präsidenten des
südamerikanischen Landes eingeführt worden.
In Anwesenheit von Regierungschefs und Präsidenten aus elf Staaten
legte Morales in der Hauptstadt La Paz den Amtseid ab. Bereits am
Samstag hatten ihn die Indios aus 13 lateinamerikanischen Staaten zu
ihrer höchsten Autorität erhoben.
Mit der als historisch empfundenen Wahl von Morales geht eine lange
Zeit der Krisen in Bolivien zu Ende, in der fast jedes Jahr eine
Regierung verschlissen wurde. Morales, der im ersten Wahlgang 53,7
Prozent der Stimmen erhalten hatte, ist bereits jetzt zu einer der
populärsten Figuren in Lateinamerika geworden. Mit ihm, der mit
seiner Partei «Bewegung zum Sozialismus» (MAS - Movimiento
al Socialismo) das Land in den kommenden fünf Jahren regieren wird,
sind viele Hoffnungen verbunden.
Morales will dem Land eine neuen Verfassung geben. «Die
Indio-Völker fordern eine Neugründung Boliviens durch eine
verfassunggebenden Versammlung», sagte er am Samstag. Diese
Versammlung soll spätestens Mitte dieses Jahres mit der Arbeit
beginnen. «Wir werden die Verfassungsversammlung installieren, um
den kolonialen Status (Boliviens) zu beenden», sagte er.
Eines der größten Probleme Boliviens, wie auch anderer
Staaten Lateinamerikas sind die ungleiche Verteilung des Reichtums und
die Kontrolle über die Gas- und Ölvorkommen. Morales will die
Ressoursen verstaatlichen, ohne die ausländischen Gesellschaften zu
enteignen.
(Quelle: dpa)
Kanada vor Machtwechsel
Di.24.01.06 - Kanada hat am Montag in vorgezogenen Neuwahlen über einen
Machtwechsel nach 13 Jahren liberaler Regierung entschieden. Nach
vorläufigen Ergebnissen wurde die Konservative Partei
stärkste politische Kraft in Kanada. Demnach entfallen auf die
Konservativen 122 der 308 Parlamentssitze, die Liberalen stellen 103
Abgeordnete - 30 weniger als bisher. Der kanadische
Ministerpräsident Paul Martin hat seine Niederlage bei der
Parlamentswahl eingeräumt. Außerdem kündigte der
67-Jährige an, vom Vorsitz seiner Liberalen Partei
zurückzutreten..
Der konservative Oppositionsführer Stephen Harper kann nun Paul
Martin ablösen. Dessen Minderheitsregierung stürzte im
November über ein Misstrauensvotum in der Folge eines
Korruptionsskandals seiner Liberalen Partei. Mit ersten Ergebnissen
wurde in der Nacht zum Dienstag gerechnet.
Der 46-jährige Harper tritt für engere Beziehungen zu den USA
ein und lehnt wie diese das Kyoto-Protokoll ab. Unter Anspielung auf das
soziale Netz bezeichnete er Kanada einmal als
«nordeuropäischen Wohlfahrtsstaat». Der Gegner von
Abtreibung und Homo-Ehe versprach im Fall seines Wahlsiegs eine Politik
ohne Skandale. Zum Programm seiner Konservativen zählt eine Senkung
der Mehrwertsteuer von sieben auf fünf Prozent, mehr Geld für
Familien mit kleinen Kindern, schärfere Verbrechensbekämpfung,
höhere Verteidigungsausgaben und mehr Autonomie für die 13
kanadischen Provinzen und Territorien.
Die regierenden Liberalen konnten im Wahlkampf auf wirtschaftliche
Erfolge verweisen: Seit acht Jahren in Folge präsentierte die
Regierung einen Haushaltsüberschüsse. In diesem Jahr lag das
Plus bei elf Milliarden kanadischen Dollar (7,95 Milliarden Euro), die
Arbeitslosigkeit lag im November bei 6,4 Prozent, dem niedrigsten Wert
seit 31 Jahren. Außerdem machte die Partei von
Ministerpräsident Martin den Weg frei für die
gleichgeschlechtliche Ehe.
Im Wahlkampf versuchten sie unter anderem mit einem Verbot von
Handfeuerwaffen, Steuererleichterungen für Familien mit geringem
und mittlerem Einkommen und Verbesserungen im gesetzlichen
Gesundheitswesen zu punkten. Unter ihrer Regierung kühlte sich das
Verhältnis zum großen Nachbarn USA ab. Der 67 Jahre alte
Martin verurteilte den Irak-Krieg, kritisierte US-Präsident George
W. Bush für dessen Ablehnung des Kyoto-Klimaschutzprotokolls und
beteiligte sich an den US-Plänen einer Raketenabwehr für
Nordamerika. Bush ist in Kanada nicht beliebt: Ein TV-Spot der Liberalen
deutete an, dass ein Wahlsieg Harpers dem US-Präsidenten gefallen
würde.
Harper hat seine konservative Rhetorik entschärft, die zu seiner
Niederlage bei der Parlamentswahl im Juni 2004 beitrug. Nelson Wiseman,
ein Politologe von der Universität Toronto, sagte, diesmal spiele
der Wechselwille für viele Kanadier eine große Rolle. Bei der
Wahl vor gut eineinhalb Jahren errangen die Liberalen 135 der 308
Mandate im Parlament von Ottawa, die Konservativen 99. Seither
führte Martin eine Minderheitsregierung. Der Bloc Quebecois errang
53 Mandate, die Neue Demokratische Partei 18. Zudem schafften vier
unabhängige Abgeordnete den Sprung ins Parlament.
Die Wähler haben offenbar auch genug von den Skandalen der
Liberalen Partei. Die von ihnen geführte Regierung gab von 1997 bis
2003 rund 150 Millionen kanadische Dollar (100 Millionen Euro) für
Werbe- und Sponsorenverträge aus. Die Firmen erbrachten dafür
aber kaum Leistungen. Dafür wurde von ihnen erwartet, Geld an die
Liberalen zu spenden. Martin hatte mit der Auftragsvergabe nichts zu tun
und bemühte sich nach Bekanntwerden der Affäre um
Schadensbegrenzung, doch schadete der Skandal dem Ansehen der Liberalen
immens und trug zum Verlust ihrer absoluten Mehrheit 2004 bei.
(Quelle: ap)
Ford will bis zu 30 000 Stellen in Nordamerika streichen
Di.24.01.06 - Nach Milliardenverlusten im Nordamerikageschäft will der
Autohersteller Ford dort in den nächsten Jahren bis zu 30 000
Stellen streichen. Insgesamt sollen 14 Werke stillgelegt werden. Dies
kündigte Konzernchef Bill Ford nach der Vorlage der
Geschäftszahlen in Dearborn an. Ford will mit dem drastischen
Kürzungsprogramm in Nordamerika bis spätestens 2008 wieder in
die schwarzen Zahlen kommen.
(Quelle: dpa)
Moskau beschuldigt britische Diplomaten als Spione
Di.24.01.06 - Der russische Inlandsgeheimdienst hat nach eigenen Angaben einen
Spionagering zerschlagen, an dem vier britische Diplomaten beteiligt
gewesen sein sollen. Vier Briten würden der Spionage
verdächtigt, sagte ein FSB-Sprecher und bestätigte damit
Informationen einer Fernsehdokumentation des TV-Senders Rossija vom
Vorabend. Der in Zusammenarbeit mit dem Inlandsgeheimdienst entstandene
Bericht zeichnete die Ermittlungen im vergangenen Jahr nach. London
zeigte sich besorgt.
Der Spionagering habe sich einer ganz neuen Technik bedient, sagte der
FSB-Sprecher. Informationen wurden über einen am Rande Moskaus
installierten "toten Hightech-Briefkasten" ausgetauscht: Bei dem "toten
Briefkasten" habe es sich um einen mit moderner Kommunikationstechnik
ausgerüsteten unscheinbaren Stein gehandelt.
Die russischen Informanten seien demnach an dem Stein vorbeigegangen
und hätten mit einem Mini-Computer Daten übertragen. Wenige
Tage darauf habe dann ein britischer Botschaftsangehöriger an dem
Ort die Daten abgerufen. Ein russischer Staatsbürger wurde laut
Rossija festgenommen. Die britischen Diplomaten unterhielten Kontakte zu
mehreren Nichtregierungsorganisationen.
Ein Sprecher des Außeministeriums in London sagte, die britische
Regierung sei "besorgt und überrascht von den Vorwürfen". Ein
klares Dementi der Fakten gab es aber nicht. Der Sprecher wies nur den
Vorwurf "unangebrachten Verhaltens" in den Beziehungen Londons zu
russischen Nichtregierungsorganisationen zurück. Es sei bekannt,
dass die britische Regierung Menschenrechtsprojekte russischer
Nichtregierungsorganisationen unterstütze, sagte ein
Innenministeriumssprecher.
(Quelle: afp)
EU begrüßt Einstellung des Verfahrens gegen Autor in der
Türkei
Di.24.01.06 - Die Europäische Kommission hat die Einstellung des umstrittenen
Strafverfahrens gegen den türkischen Autor Orhan Pamuk
begrüßt.
"Dies sind ganz offensichtlich gute Nachrichten für Herrn Pamuk,
aber auch für die Meinungsfreiheit in der Türkei",
erklärte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn am Montag in
Brüssel. Der Schritt werde hoffentlich auch zu einem positiven
Ergebnis ähnlicher, noch anhängiger Fälle in der
Türkei führen. Die Europäische Union (EU) hatte den
Prozess zu einem Test für die Haltung der Türkei zur
Meinungsfreiheit erklärt.
Ein Anwalt der Verteidigung hatte zuvor am Montag Medienberichte
bestätigt, wonach ein türkisches Gericht die Anklage gegen
Pamuk wegen Beleidigung des Türkentums fallen ließ. Das
Verfahren sei eingestellt, sagte der Anwalt. Es gebe keine Notwendigkeit
für einen Prozess.
Die Justiz des Landes hatte den Bestseller-Autor wegen seiner
Äußerungen über die Tötung von Armeniern in den
Jahren 1915 bis 1923 vor Gericht gestellt. Die Regierung hat einen
Völkermord an den Armeniern stets bestritten. Bei einer
Verurteilung hätten Pamuk bis zu drei Jahre Haft gedroht.
(Quelle: rtr)
Cavaco Silva wird neuer Präsident Portugals
Di.24.01.06 - Aus der Präsidentschaftswahl in Portugal ist der konservative
Ex-Ministerpräsident Anibal Cavaco Silva als Sieger hervorgegangen.
Auf den 66-jährigen Wirtschaftsprofessor entfielen bei dem Wahlgang
vom Sonntag nach amtlichen Angaben 50,59 Prozent der Stimmen. Cavaco
Silva erzielte damit angesichts der Spaltung der Linken bereits im
ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und kann am 9. März als
Nachfolger des sozialistischen Amtsinhabers Jorge Sampaio vereidigt
werden.
Zweitplatzierter wurde mit 20,72 Prozent der 69-jährige
Vize-Präsident der Nationalversammlung, Manuel Alegre. Auf den
früheren sozialistischen Staatschef Mario Soares entfielen
lediglich 14,34 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp
63 Prozent.
"Ich werde der Präsident aller Portugiesen sein", sagte Cavaco
Silva am Abend vor mehreren tausend jubelnden Anhängern. Nach den
Parlamentswahlen vom Februar und den Kommunalwahlen vom Oktober sei es
nun "Zeit, sich an die Arbeit zu machen". Der sozialistische
Ministerpräsident José Socrates beglückwünschte
den Wahlsieger und erklärte seine "umfassende Bereitschaft zur
Zusammenarbeit" mit dem neuen Staatschef.
Ausschlaggebend für das Wahlergebnis war vor allem die Spaltung
der Sozialistischen Partei. Der offizielle Kandidat der Sozialisten,
Ex-Staatschef Soares, schnitt schlechter ab als sein Parteifreund
Alegre, der von der Partei nicht unterstützt wurde. Ein Drittel der
Parteianhänger der Sozialisten hatte in Umfragen erklärt, sie
wollten für Cavaco Silva stimmen.
Cavaco Silva ist ein Anhänger der früheren britischen
Premierministerin Margaret Thatcher. In seiner Zeit als Regierungschef
(1985-1995) betrieb er ein Programm der wirtschaftlichen
Liberalisierung. Der Wirtschaftsprofessor ist Mitglied der
Sozialdemokratischen Partei, die jedoch im portugiesischen
Parteiensystem eine bürgerliche Ausrichtung mit konservativen
Werten und wirtschaftsliberaler Programmatik vertritt.
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso
beglückwünschte seinen Landsmann zur Wahl und wünschte
ihm viel Erfolg bei der Amtsausübung. Die Wahl Cavaco Silvas
bekräftige die "europäische Berufung" Portugals erklärte
Barroso, der daran erinnerte, dass sein Land vor 20 Jahren der
Europäischen Union beigetreten war.
Das Amt des Präsidenten ist im portugiesischen
Verfassungsgefüge weniger wichtig als das des
Ministerpräsidenten. Der Staatschef hat keine direkten Befugnisse
im Gesetzgebungsverfahren. Allerdings kann er gegen bereits beschlossene
Gesetze im Nachgagang ein Veto einlegen. Außerdem kann er das
Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen. Nach den
Parlamentswahlen im vergangenen Februar stellen die Sozialisten die
Mehrheit.
(Quelle: afp)
Deutsch-französisches Gipfeltreffen
Merkel übt keine Kritik
an Chirac Atom-Äußerungen
Di.24.01.06 - Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keinen Grund zur Kritik an der
Atomwaffendrohung des französischen Staatspräsidenten Jacques
Chirac. Nach einem deutsch-französischen Gipfeltreffen in
Versailles am Montag erklärte sie, Chiracs Äußerungen
vom Donnerstag stünden «in vollständiger
Kontinuität». Es gehe um Abschreckung, und angesichts der
aktuellen Veränderungen auf der Welt müsse dabei die Doktrin
angepasst werden.
Der französische Staatspräsident hatte mit seiner Drohung,
bei Terrorangriffen von Staaten notfalls auch Atomwaffen einzusetzen,
vor allem bei deutschen Oppositionsparteien massive Kritik
hervorgerufen. Am Montag erklärte er, die Schwelle zum Einsatz von
nuklearen Waffen sei für Frankreich nicht gesunken. Aus
französischer Sicht würden Atomwaffen nie Instrument im Krieg
sein, es handele es sich um «Nicht-Angriffs-Waffen».
Allerdings müsste die Doktrin der internationalen Entwicklung
angepasst werden, und das habe Frankreich getan.
Merkels Regierungssprecher Thomas Steg hatte noch am Montagmorgen
mitgeteilt, die Kanzlerin wollte sich in ihrem Gespräch mit
Chirac, an dem auch die Außenminister beider Länder
teilnahmen, um eine Beruhigung des Konfliktes bemühen. Kritiker
sehen in Chiracs Drohung einen Rückschlag im Ringen der
internationalen Gemeinschaft um eine einheitliche Position im
Iran-Konflikt.
Merkel betonte indes, das Vorgehen gegenüber dem Iran sei zwischen
Deutschland, Frankreich und Großbritannien «hervorragend
abgestimmt». Man werde versuchen, auf dem IAEA-Gipfel am 2.
Februar eine breite Mehrheit zu finden. Ob sie damit eine Mehrheit
für eine Einschaltung des Weltsicherheitsrates meinte, ließ
sie offen: «Jetzt geht es darum, alle diplomatische Mittel
anzuwenden. Wir sollten nicht den übernächsten Schritt
vorwegnehmen.»
Ihren Konflikt über reduzierte Mehrwertsteuersätze in der EU
für bestimmte Dienstleistungen legten Merkel und Chirac in
Versailles bei. «Wir haben den französischen Wunsch auf eine
niedrige Steuer in der Bauwirtschaft verstanden und eingesehen, dass
das verlängert werden kann», sagte Merkel. Ohne ihre
Zustimmung wäre die Regelung ausgelaufen.
Chirac erklärte sichtlich erleichtert, die Entscheidung werde zwar
erst am (heutigen) Dienstag auf dem EU-Finanzministerrat offiziell
getroffen. Aber er freue sich, dass in Frankreich weiterhin eine
reduzierte Mehrwertsteuer im Bereich des Wohnungsbaus gelten
könne. Den Wunsch Frankreichs, die Minimalsteuer auch auf das
Gaststättengewerbe anzuwenden, erfüllte Merkel unter Verweis
auf die angespannte Haushaltslage in Deutschland zunächst nicht.
Das müsse noch geprüft werden.
Das dritte bilaterale Treffen zwischen Merkel und Chirac nach dem
Amtsantritt der Bundeskanzlerin im November fand in herzlicher
Atmosphäre statt. Vor den politischen Gesprächen
eröffneten sie in Begleitung des sächsischen
Ministerpräsidenten Georg Milbradt die Ausstellung «Glanz
des sächsischen Hofes - Dresden in Versailles». Entspannt
plaudernd schauten sie sich die Zeugnisse aus der Ära des
Kurfürsten Friedrich August I. an, nachdem Chirac Merkel im Hof
des Schlosses mit dem obligatorischen Handkuss begrüßt
hatte. Nach der Pressekonferenz sagte Merkel: «Es ist ein guter
Ort, es war ein gutes Treffen. Jetzt erwarte ich ein gutes
Abendessen.»
(Quelle: ap)
Grüne bringen BND-Ausschuss vorerst zu Fall
Di.24.01.06 - Die Grünen haben die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss
zu den Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Irak
zurückgestellt und das Projekt damit vorerst zu Fall gebracht. "Die
Regierung hat jetzt die Möglichkeit, durch intensives Beantworten
von Fragen den Untersuchungsausschuss überflüssig zu machen",
sagte Fraktionschefin Renate Künast in Berlin. Wegen des
Zögerns der Grünen hält die FDP einen
Untersuchungsausschusses derzeit für "unmöglich".
Die Grünen hielten zwar im Prinzip "an einem
Untersuchungsausschuss fest", sagte Künast nach einem
Spitzengespräch von Fraktionsspitzen und Bundesregierung; ihre
Fraktion werde diese Haltung aber korrigieren, wenn ihr Fragenkatalog
von der Regierung anderweitig beantwortet werde.
Die Bundesregierung habe zugesagt, die BND-Aktivitäten "sehr
zeitnah" aufzuklären und im Laufe des Februar einen öffentlich
zugänglichen Bericht vorzulegen. Die Notwendigkeit für einen
Ausschuss sei deswegen "eher kleiner" geworden. Fraktionsvize Christian
Ströbele kündigte an, die Grünen wollten frühestens
Mitte Februar über die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss
entscheiden.
Für die Einsetzung eines solchen Ausschusses, der umstrittene
Geheimdienstaktivitäten des BND während des Irak-Krieges
aufklären soll, sind die Stimmen aller drei Oppositionsfraktionen
erforderlich. Bei dem Gespräch im Berliner Reichstag hatte
Kanzleramtsminister Thomas de Maizière die Fraktionen am
Montagnachmittag über die Vorgänge informiert.
"Wir bedauern, dass den Grünen Denkmalpflege für Herrn
Fischer wichtiger ist als die Pflege des Rechtsstaats", kritisierte
FDP-Chef Guido Westerwelle anschließend die Grünen scharf. Da
ohne die Grünen ein Antrag nicht eingebracht werden könne,
machten auch weitere Gespräche der Oppositionsfraktionen über
Details des Untersuchungsauftrages derzeit keinen Sinn.
FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt hob hervor, es gehe nicht nur um
Aufklärung zu den BND-Aktivitäten in Bagdad, sondern auch um
Verhöre im Ausland, CIA-Flüge und die Entführung
deutscher Staatsbürger, vor allem des Deutsch-Libanesen Khaled el
Masri mutmaßlich durch den US-Geheimdienst CIA.
Linksfraktionschef Gregor Gysi beurteilte das Verhalten der Grünen
zurückhaltender. Seine Fraktion bleibe dabei, "dass die drei
Oppositionsfraktionen sich verständigen sollten". "Wir hoffen, wir
kriegen das hin", äußerte sich Gysi weiterhin optimistisch
mit Blick auf einen Ausschuss. SPD und CDU/CSU lobten das Vorgehen der
Grünen als verantwortungsbewusst.
(Quelle: afp)
US-Verteidigungsminister Rumsfeld kommt zur Münchner
Sicherheitskonferenz
Di.24.01.06 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kommt zur Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik. Die Teilnahme Rumsfelds sei nun
amtlich, teilten die Veranstalter der vom 3. bis 5. Februar in der
bayerischen Landeshauptstadt stattfindenden Konferenz am Montag in
München mit. Zu dem inoffiziellen Treffen kommen mehr als 250
Teilnehmer aus über 50 Ländern, darunter mehr als 40
Außen- und Verteidigungsminister. Eröffnet wird das Treffen
in diesem Jahr durch eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
(Quelle: afp)
'Frieden und Gerechtigkeit gestalten - Nein zum Krieg!'
Internationale Gegenveranstaltung zur 'Sicherheitskonferenz',
München, 03.02. bis 05.02.2006:
Aktuelle Informationen unter:
http://www.friedenskonferenz.info
Baden-Württemberg: Tarifgespräche über Arbeitszeit bei
Kommunen geplatzt
Di.24.01.06 - Die Tarifgespräche über die Arbeitszeit der mehr als 200.000
Beschäftigten der baden-württembergischen Kommunen sind
geplatzt. Dies teilte ein Gewerkschaftssprecher am Montag in Stuttgart
mit. Die kommunalen Arbeitgeber seien nicht von ihrer Forderung nach der
40-Stunden-Woche abgerückt. Beim Bundesvorstand in Berlin werde
die Urabstimmung beantragt. Sie solle in der kommenden Woche
stattfinden.
Wenn 75 Prozent der anwesenden Gewerkschaftsmitglieder für einen
Streik votieren, kann ver.di den Arbeitskampf durchführen. Im
letzten Jahr hatte es an den vier Universitätskliniken des Landes
einen Arbeitskampf gegeben. Der stellvertretende Landeschef von ver.di,
Alfred Wohlfart, sagte, die Beschäftigten seien nicht bereit, die
kommunalen Haushalte auf ihrem Rücken sanieren zu lassen. Vor dem
Verhandlungslokal hatten rund 1.000 kommunale Beschäftigte
demonstriert.
Nach Gewerkschaftsangaben hat der Kommunale Arbeitgeberverband
Baden-Württemberg den Tarifvertrag zur Wochenarbeitszeit
gekündigt und die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne
Lohnausgleich gefordert. Die Kündigung der entsprechenden
Vereinbarung sei fünf Tage nach dem In-Kraft-Treten des neuen
Tarifwerks bei den Kommunen erfolgt. Die Friedenspflicht sei am 1.
Dezember ausgelaufen. Eine erste Gesprächsrunde zum Thema
Arbeitszeit war im vergangenen Jahr ergebnislos vertagt worden.
Im Dezember hatten rund 20.000 Beschäftigte von Kommunen und vom
Land gegen die Arbeitgeberpläne demonstriert. Ver.di wehre sich
gegen einen Stellenabbau von nahezu 10.000 Vollzeitarbeitsplätzen,
welcher nach Befürchtungen der Gewerkschaft die Folge der Umsetzung
der Arbeitszeitverlängerung wäre.
(Quelle: ap)
Streik im Nürnberger AEG-Werk fortgesetzt
Di.24.01.06 - Im Kampf um das vor der Schließung stehende AEG-Werk in
Nürnberg sind die Fronten verhärtet. Während die
Beschäftigten ihren unbefristeten Streik am Montag fortsetzten,
forderte der Konzern die Gewerkschaften zur Rückkehr an den
Verhandlungstisch auf. «Wir warten auf ein Signal der IG Metall,
dass sie weiterverhandeln will», sagte AEG-Sprecher Michael Eichel
der Nachrichtenagentur AP. Nicht AEG, sondern die Gewerkschaft habe die
Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag für gescheitert
erklärt.
Vor den Werkstoren fanden sich am Montagmorgen neben den rund 800
Mitarbeitern der Frühschicht auch Kollegen anderer Firmen ein.
«Die Stimmung ist sehr gut», sagte der
AEG-Betriebsratsvorsitzende und Streikleiter Harald Dix. Es gebe keine
Streikbrecher. Der am Freitag begonnene Arbeitskampf werde so lange
fortgesetzt, bis das Management ein akzeptables Angebot vorlege.
Der bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser bezeichnete die
geplante Schließung des Werks auf einer Kundgebung als
«Unverschämtheit». Gleichzeitig zollte er den
Streikenden Respekt dafür, den Kampf gegen das Management des
Mutterkonzerns Electrolux aufgenommen zu haben. «Jetzt geht es
darum, dass Electrolux genötigt wird, ein verhandlungsfähiges
Angebot vorzulegen», sagte Schösser.
Zugleich müsse der Druck auf die Politik erhöht werden, damit
die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billig-Lohn-Länder nicht
weiter subventioniert werde. Er begrüßte, dass sich
inzwischen immer mehr Politiker für die Geschehnisse in
Nürnberg interessierten. «Sie bringen Öffentlichkeit.
Und Electrolux hat Angst vor der Öffentlichkeit», sagte
Schösser. Gleichzeitig bat er um Verständnis dafür, dass
die IG Metall das Vermittlungsangebot des bayerischen
Ministerpräsidenten Edmund Stoiber abgelehnt hat. «Sein
Angebot kam ein bisschen spät», sagte Schösser. Es
wäre besser gewesen, Stoiber hätte sich vor der Entscheidung
von Electrolux eingeschaltet und nicht erst hinterher.
Am Wochenende hatten Wirtschaftspolitiker zunehmend Kritik an der
EU-Förderungspraxis geübt. «Die deutsche EU-Nettozahlung
in Milliardenhöhe darf nicht dazu führen, dass wir in
Verbindung mit Verlagerungsinvestitionen die Totengräber unserer
Arbeitsplätze sind», sagte der CSU-Politiker Hans Michelbach
der «Leipziger Volkszeitung». Der wirtschaftspolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, erklärte der
gleichen Zeitung: «Wenn es wirklich so ist, dass Electrolux
für den Aufbau des Werkes in Polen EU-Mittel erhalten hat, dann ist
das nicht hinzunehmen.» Der wirtschaftspolitische Sprecher der
Unions-Fraktion im Bundestag, Laurenz Meyer, forderte eine Klärung
der Förderpraxis. «Wir müssen bei der Neufestlegung der
Wirtschaftsförderungsmaßnahmen in Europa ab 2007 für
die Zukunft ausschließen, dass Arbeitsplatzverlagerungen in
Europa mit Steuergeldern auch aus Deutschland gefördert
werden.»
Electrolux will das Nürnberger AEG-Werk bis Ende 2007
schließen und die Produktion von Wasch- und
Geschirrspülmaschinen nach Polen verlagern. Verhandlungen über
einen Sozialtarifvertrag für die betroffenen 1.700 Mitarbeiter
waren gescheitert. Für den Arbeitskampf hatten sich in einer
Urabstimmung mehr als 96 Prozent der Belegschaft ausgesprochen. Sie
wollen damit ihre Forderungen nach Ersatzarbeitsplätzen, hohen
Abfindungen und einer Qualifizierungs- und
Beschäftigungsgesellschaft durchsetzen.
(Quelle: ap)
Continental-Beschäftigte protestieren gegen Jobabbau
Di.24.01.06 - Mehrere tausend Beschäftigte des Autozuliefers Continental haben
gegen die drohende Stillegung der Pkw-Reifenfertigung im Werk in
Hannover protestiert. Im Laufe des bundesweiten Aktionstages sollten
nach Angaben der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG
BCE) an 26 Standorten bis zu 30.000 Teilnehmer bei
Betriebsversammlungen zusammenkommen. Am Nachmittag ist zudem eine
Großkundgebung vor der Continental-Hauptverwaltung in Hannover
geplant.
Die Proteste richten sich nach Angaben der Gewerkschaft gegen die
Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer und ganz
konkret gegen die drohende Schließung der Pkw-Reifenproduktion in
Hannover-Stöcken mit 320 Beschäftigten. Der
Continental-Vorstand will diesen Zweig bis Mitte 2007 stilllegen.
Die Gewerkschafter weisen darauf hin, dass das Werk "hochprofitabel"
sei und beklagen zudem die Verletzung einer Betriebsvereinbarung vom
Sommer 2005, in der die Sicherung der Pkw-Reifenproduktion bis Ende
2007 festgelegt worden sei.
Die Continental AG setzt in dem Dissens unterdessen auf eine
einvernehmliche Lösung. "Wir sind unverändert
gesprächsbereit und haben weiter Interesse an einer konstruktiven
Einigung mit den Arbeitnehmervertretern", hatte ein
Unternehmenssprecher am Sonntag erklärt. Er kündigte zudem
an, dass Vertreter der Geschäftsleitung die Stöckener
Beschäftigten regulär über Standortthemen informieren
würden. Am Dienstag steht nach Gewerkschaftsangaben ein
Gespräch zwischen Arbeitnehmervertretern und dem
Continental-Vorstand an.
(Quelle: afp)
Institut: Bürokratieabbau würde hunderttausende Stellen
schaffen
Di.24.01.06 - Durch einen systematischen Abbau von Bürokratie könnten nach
Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rund
600.000 neue Stellen entstehen.
Würden die Bürokratiekosten in dieser Legislaturperiode um 25
Prozent gesenkt, könnte die Wirtschaftsleistung um mehr als 30
Milliarden Euro oder 1,5 Prozent steigen, sagte der Direktor des
arbeitgebernahen IW, Michael Hüther, am Montag in Berlin.
Voraussetzung für ein Gelingen sei aber, dass Gesetze schon bei der
Entstehung auf ihre bürokratischen Folgen abgeklopft würden.
Zudem müssten Gesetze mit Verfallsdatum versehen werden. Mit der
großen Koalition bestehe nun erstmals die Chance, durch das
Bürokratie-Dickicht eine Schneise zu schlagen.
Ausdrücklich unterstützt das IW das Vorhaben der Koalition,
einen Normenkontrollrat im Bundeskanzleramt einzurichten, der als
Bürokratie-TÜV Gesetze auf ihre Kosten hin prüfen soll.
Auch die geplante Einführung des Standardkostenmodells wie in den
Niederlanden sei ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei werden in
einem Schnelltest Kosten-Stichproben in einigen Firmen gemacht und dann
auf die Gesamtwirtschaft hochgerechnet. Würden dabei Schwellenwerte
überschritten, müsse in einem zweiten Schritt eine
detaillierte Kostenanalyse folgen, forderte Hüther. Drittens
sollten Gesetze regelmäßig revidiert werden, wobei nur solche
verlängert werden sollten, deren Nutzen sich als größer
erwiesen habe als ihre Kosten.
Die von der früheren rot-grünen Bundesregierung angestrebte
Bürokratie-Entlastung sei vor allem am unsystematischen Vorgehen
gescheitert, sagte Hüther. Statt später zu reparieren,
müssten von Anfang an die Kosten im Auge behalten werden: "Wir
müssen die Gesetze von der Geburtsstunde an begleiten." Sei das
Gesetzgebungsverfahren angelaufen, sei es für eine
Kosten-Schätzung oft bereits zu spät, warnte er. Um dem
Normenkontrollrat die notwendige Fachexpertise zu verschaffen, solle er
von einem unabhängigen Gremium beraten werden, ähnlich dem
bestehenden Rat der fünf Wirtschaftsweisen.
In der vergangenen Legislaturperiode seien 800 neue Gesetze geschaffen,
aber nur 200 abgebaut worden, kritisierte Hüther. Im
internationalen Vergleich sei aber vor allem die Bürokratie Schuld
daran, dass Deutschland nicht in der Oberliga der ökonomisch
liberalen Staaten mitspiele, sondern auf Platz 19 liege. Zu
ähnlichen Modellrechnungen wie das IW war zuletzt auch der Deutsche
Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gekommen. Danach bedeutet eine
Entlastung von Bürokratiekosten um ein Viertel bis 2009 ein
zusätzliches BIP-Wachstum von zwei Prozent. Auch die
Bertelsmann-Stiftung hatte den Kontrollrat begrüßt.
Als gelungene Beispiel für Bürokratieabbau nannte Hüther
die Niederlande und Großbritannien. Mit dem Standardkostenmodell
werde es den Niederlanden gelingen, die Bürokratiekosten binnen
einer Gesetzgebungsperiode um ein Viertel zu verringern. Dabei werden in
dem niederländischen Modell nur die administrativen Kosten der
Gesetzesverfolgung und der Erfüllung von Berichtspflichten erfasst,
nicht die Kosten durch die Regulierungsinhalte selbst. In
Großbritannien wiederum gebe es eine beim Regierungschef
angesiedelte Kommission, die Ministerien helfen soll,
bürokratiearme Gesetze zu erstellen.
(Quelle: rtr)
Muslimische Verbände fordern Rücknahme des
Einbürgerungs-Leitfadens
Di.24.01.06 - Im Streit um den Einbürgerungs-Leitfaden in Baden-Württemberg
machen die muslimischen Verbände weiter Druck auf die
Landesregierung. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der Islamrat
für die Bundesrepublik sowie die Islamische Glaubensgemeinschaft
Baden-Württemberg forderten am Montag in Stuttgart Innenminister
Heribert Rech (CDU) auf, den Gesprächsleitfaden umgehend
zurückzuziehen. Sie warfen ihm vor, die Muslime «unter
Generalverdacht» zu stellen und von der Gesellschaft auszugrenzen.
Die muslimischen Organisationen legten ein in ihrem Auftrag erstelltes
Gutachten des Rechtsanwalts Rolf Gössner vor. Er kommt zu dem
Schluss, dass der Leitfaden gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des
Grundgesetzes verstößt. Die darin aufgeführten Fragen
für Einbürgerungsbewerber seien ungeeignet und hätten
«inquisitorischen» Charakter. Gössner wirft der
Landesregierung darüber hinaus
«Gesinnungsschnüffelei» vor.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Baden-Württemberg,
M. Riad Ghalaini, sagte, die Landesregierung handle nicht nur
grundgesetzwidrig, sondern auch «rassistisch». Er sprach von
einer gegen Muslime und den Islam gerichtete «Kampagne». Der
Sprecher des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Mounir Azzaoui,
betonte, die muslimischen Gemeinschaften würden so lange nicht
Ruhe geben, bis der Leitfaden aus dem Verkehr gezogen sei.
(Quelle: ddp)
Für rechte Parolen nicht nur Ränder der Gesellschaft
anfällig
Di.24.01.06 - Am Freitag wird wieder bundesweit der Holocaust-Gedenktag begangen.
Dass Massenvernichtungslager, Judenverfolgung und Völkermord nie
wieder von deutschem Boden ausgehen dürfen, darin sind sich
demokratischen Parteien einig. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und
andere Formen des Rassismus aber gibt es nach wie vor. Die Zahl der
rechtsextremistischen Gewalttaten in Deutschland ist in den ersten elf
Monaten des vergangenen Jahres um 30 Prozent gestiegen.
Politikwissenschaftler warnen vor einer Unterschätzung des
Phänomens.
Schließlich begann auch das Jahr 2006 wieder mit einem traurigen
Vorfall dieser Art: In dem kleinen Ort Pömmelte in Sachsen-Anhalt
wurde ein zwölfjähriger Junge mit dunkler Hautfarbe von
jugendlichen Neonazis aufs Schwerste misshandelt und krankenhausreif
geschlagen. Der bereits zum zweiten Mal malträtierte Heimbewohner
will jetzt von dort wegziehen. Dennoch ist es nach einer Studie des
Professors für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Werner
Bergmann, den Rechtsextremisten nicht gelungen, in Deutschland - wie sie
es nennen - «national befreite» oder
«ausländerfreie» Zonen zu schaffen. Das heiße
freilich nicht, dass es keine Probleme mehr gebe.
Keinen Grund zur Entwarung sieht auch der Leiter des Bielefelder
Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung,
Wilhelm Heitmeyer. Nach dem jüngsten Teil seiner
Langzeituntersuchung über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in
Deutschland ist jetzt vermehrt auch die Mittelschicht anfällig
für rechte Parolen. Als Grund nennt der Soziologieprofessor die
weit verbreitete wirtschaftliche Unsicherheit und die Angst vor sozialem
Abstieg, etwa durch Hartz IV. Betrafen derartige Existenzängste
früher nur eine kleine Gruppe gering Qualifizierter, müssen
heute auch gut ausgebildete Menschen damit rechnen, von
Betriebsschließungen, Rationalisierung und ähnlichem erfasst
zu werden.
In die Erhebung von Heitmeyers Forschungsgruppe wurden 2.000
repräsentativ ausgewählte Bundesbürger einbezogen. Die
Ergebnisse sind erschreckend: Vorurteile und Abwertungen von sozial
schwachen Gruppen wie Zuwanderern, Muslimen und andersfarbigen Menschen,
Obdachlosen, Behinderten und Homosexuellen nehmen spürbar zu. So
meinten 24 Prozent der Befragten, die Lage der Deutschen sei schlechter
als die der hier lebenden Ausländer. Diese allen Statistiken
widersprechende Einschätzung ist bei Deutschen mit besseren
Einkommen und höherer Bildung weit weniger verbreitet als bei den
übrigen. Gerade in Gegenden mit einem höheren
Ausländeranteil ist das Vorurteil aber viel seltener anzutreffen
als andernorts.
Falsch ist der Untersuchung zufolge aber der Eindruck, dass vor allem
jüngere Deutsche derartige Einstellungen hätten. Etwa bei der
Angst vor dem Islam sei es genau umgekehrt. Nur Vorurteile
gegenüber Obdachlosen seien bei Jüngeren mehr ausgeprägt
als bei den Älteren, und bei der Fremdenfeindlichkeit näherten
sich die Altersgruppen einander an. Ansonsten wäre es aber falsch,
mit Interventionsprogrammen gegen die Abwertung sozialer Gruppen nur bei
jungen Leuten anzusetzen, argumentieren die Forscher. Besorgnis
erregend sei, dass sich die Einstellung von Menschen, die sich als
politische Mitte einschätzen, in Sachen Fremdenfeindlichkeit oft
kaum von denen ganz rechts unterschieden.
Dass es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Krise und
zunehmenden Ängsten gibt, belegen weitere Zahlen aus der Erhebung:
So geben Personen aus dem - nach Bildung, Beruf und Einkommen - unteren
sozialen Drittel zu 53,7 Prozent an, dass sie große oder sehr
große Angst haben, arbeitslos zu werden. In der Mittelschicht sind
es noch 40,3 und in sozial gehobener Lage lediglich 25,1 Prozent. Der
Anteil derjenigen, die sich als politisch machtlos einstufen, stieg von
bereits 57,1 Prozent im Jahr 2002 weiter auf 66,3 Prozent 2005.
Insbesondere Abstiegsängste und Orientierungslosigkeit seien also
dafür verantwortlich, dass das Potenzial für
rechtspopulistische Propaganda gegen Fremde, Juden, Muslime, Obdachlose
und Homosexuelle von 20 Prozent im Jahr 2002 auf 26 Prozent im
vergangenen Jahr gestiegen sei.
Dass aber auch kein Anlass zu Resignation im Kampf gegen den
Rechtsextremismus besteht, zeigt die Berliner Untersuchung in vier
ostdeutschen Orten mit einst starker Dominanz der rechten Szene. In
keinem dieser in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gelegenen Orte kam es
wirklich zu «national befreiten Zonen», wie sie die Neonazis
noch vor wenigen Jahren als Ziel propagiert hatten. In sämtlichen
Fällen verlief sich der Spuk weitgehend wieder.
Antisemitismus-Forscher Bergmann nennt dafür eine ganze Reihe von
Faktoren, von denen die Verhaftung führender Köpfe der
Extremisten und polizeiliche Maßnahmen nur die eine Seite sind. So
hätten manche der von ihnen als Zentren benutzten Kneipen
zugemacht, seien Neonazis weggezogen oder hätten sich wegen Heirat
beziehungsweise Antritt einer Arbeitsstelle aus der Szene
zurückgezogen.
Bergmann weist aber ausdrücklich darauf hin, dass
Rechtsextremisten noch immer vielerorts Angst verbreiten. Oft
hätten sie auch einfach nur den Ort gewechselt. Immerhin sei es
ihnen aber in den geprüften Fällen nicht gelungen, zentrale
Orte oder gar Regionen dauerhaft zu vereinnahmen.
(Quelle: ap)