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Irak am fünfhundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Schiiten und Sunniten verhandeln über Regierungsbildung. Irakischer Fernsehjournalist bei Kämpfen zwischen US-Truppen und Aufständischen getötet. Irakische Fernsehmoderatorin entkommt schwerverletzt Entführung durch Sturz aus dem Fenster. Keine Spur von deutschen Geiseln. US-Inspekteur: Millionen bei Wiederaufbau im Irak verschleudert

Do.26.01.06 - Sechs Wochen nach der Parlamentswahl hat das siegreiche Bündnis, die schiitische Vereinigte Irakische Allianz, Gespräche mit Sunniten und Kurden über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit aufgenommen. An den Verhandlungen sei das sunnitische Bündnis Irakische Eintracht beteiligt, teilte der schiitische Abgeordnete Baha al Aaradschi am Mittwoch mit.

Zum Auftakt der Gespräche am Dienstag habe die Allianz vier Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen, sagte Aaradschi. Dies seien der amtierende Regierungschef Ibrahim al Dschaafari, Adil Abdul Mahdi vom Höchsten Rat für eine Islamische Revolution im Irak (SCIRI), der Atomwissenschaftler Hussein al Scharastani sowie Nadim al Dschabiri aus der streng religiösen Partei Fadhila.

Nasir al Ani vom Bündnis Irakische Eintracht erklärte, die Sunniten würden die Wahl des künftigen Regierungschefs den Schiiten überlassen. Ungeachtet von Anschlägen auf die arabischen Sunniten werde sein Bündnis bei der Regierungsbildung mitarbeiten, fügte er hinzu. «Es gibt Hindernisse, aber wenn bestimmte Blöcke Zugeständnisse machen, können diese überwunden werden.»

Bei Kämpfen zwischen US-Truppen und Aufständischen nahe der westlichen Stadt Ramadi wurde ein irakischer Fernsehjournalist getötet, wie der Sender Bagdad Television am Mittwoch bekannt gab. Mahmud Saal sei von mehreren Schüssen getroffen worden und am Schauplatz der Kämpfe gestorben, sagte ein Arzt des Krankenhauses in Ramadi. Es war zunächst unklar, wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat.

In Bagdad entkam die populäre Fernsehmoderatorin Nagham Abdul Sahra einer Entführung, indem sie sich aus dem zweiten Stock ihrer Wohnung stürzte. Schwer verletzt rief sie um Hilfe und trieb damit die Geiselnehmer in die Flucht, die ihren Mann bereits gefesselt hatten. Der Vorfall ereignete sich am Dienstag.

Von den beiden im Irak verschleppten deutschen Ingenieuren fehlt vorerst jede Spur. Das betroffene Unternehmen Cryotec in Bennewitz bei Leipzig, für das die Männer arbeiten, bestätigte erstmals offiziell die Entführung. Man werde alles tun, um die Arbeit des Krisenstabes in Berlin zu unterstützen, sagte Geschäftsführer Peter Bienert. Man werde aber keine Informationen öffentlich machen, die die Sicherheit der Männer gefährden könnten.

Vor zwei Monaten war im Irak die deutsche Archäologin Susanne Osthoff entführt und nach dreiwöchiger Geiselhaft wieder freigelassen worden. Wie das sächsische Landeskriminalamt erklärte, stehen Verhandlungs- und Beratungsspezialisten bereit, um Angehörige und Kollegen in dem neuen Entführungsfall zu unterstützen.

Cryotec-Geschäftsführer Bienert erklärte, seine Gedanken seien jetzt bei seinen Mitarbeitern und deren Familien. Die beiden Mitarbeiter seien im Irak an einem Projekt zur Erzeugung von Stickstoff als Schutzgas für chemische Prozesse in der Raffinerie in Baidschi beteiligt gewesen. Der Probelauf der Anlage habe wegen der gefährlichen Bedingungen im Irak zunächst in Bennewitz stattgefunden. Die beiden Männer sollten die Anlage anschließend im Irak an die Auftraggeber übergeben.

Beim Wiederaufbau im Irak hat die US-Übergangsverwaltung nach einer offiziellen Untersuchung hohe Millionenbeträge verschleudert. Der von der US-Regierung eingesetzte Generalinspekteur für den Wiederaufbau, Stuart Bowen, teilte in einem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Bericht mit, die Verwaltung habe zwischen der Eroberung Bagdads im Frühjahr 2003 und Juni 2004 mehr als 2000 Verträge im Wert von 88,1 Millionen Dollar (71,7 Milliarden Euro) "nicht effektiv gemanagt". Auch seien Hinweise auf Betrug entdeckt worden, denen weiter nachgegangen werde. Bowen empfahl der irakischen Regierung, die Rückzahlung von 571.823 Dollar aus elf Verträgen einzufordern.

(Quellen: ap, afp, ddp)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 26.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am zweihundertundzw&oumml;lften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mi.26.01.05 - Irakische Regierung räumt Verstöße gegen Menschenrechte im Umgang mit Gefangenen ein. Human Rights Watch: In Iraks Gefängnissen wird weiter systematisch gefoltert. Bürgerrechtsorganisation ACLU: US-Armee ging Vorwürfen über Folter von Gefangenen im Irak durch Mitglieder von US-Spezialeinheiten nicht nach. Befehlshaber der wegen Misshandlung irakischer Gefangener angeklagten britischen Soldaten will zum Zeitpunkt der Vorfälle abgelenkt gewesen sein +++ Rebellen im Irak rufen zu Großangriff auf Parlamentswahl auf +++ Bei Kämpfen und Mordanschlägen kommen 17 Menschen ums Leben +++ Pentagon: 2006 wahrscheinlich noch 120.000 US-Soldaten im Irak +++ Kriege in Irak und Afghanistan steigern US-Haushaltsdefizit auf Rekordstand... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501260.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht werden sollte.

Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder», heißt es in dem Bericht.

Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft" prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen, sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet" erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.

Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei "eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der Kampfhandlungen im März 2003.

Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

 


 


 

Fatah verliert offenbar absolute Mehrheit bei Palästinenserwahl

Hamas will bei Einzug ins Parlament nicht auf Waffen verzichten. US-Präsident Bush bekräftigt ablehnende Haltung zur radikalislamischen Hamas

Do.26.01.06 - Die regierende Fatah liegt bei den palästinensischen Parlamentswahlen vor der radikalislamischen Hamas. Wie ein Meinungsforschungsinstitut in der Nacht mitteilte, wird die Fatah in dem 132 Sitze zählenden Parlament 58 Sitze erhalten. Die Hamas komme aus dem Stand auf 53. Damit hätte die Partei von Präsident Mahmud Abbas die absolute Mehrheit im Parlament verloren. Israels amtierender Premier Ehud Olmert sagte, sein Land könne eine Hamas-Beteiligung an der Palästinenser-Regierung nicht akzeptieren.

Die radikalislamische Hamas-Bewegung wird auch nach einem Einzug ins Parlament nicht die Waffen niederlegen. Europa und die USA bestünden darauf, dass die Hamas sich zwischen Waffen und Abgeordnetensitzen entscheide, sagte Hamas-Anführer Ismail Hanijeh bei der Stimmabgabe am Mittwoch in Gaza. "Wir aber sagen: 'Waffen und Parlament'." Dies sei kein Widerspruch. Anstatt Druck auf die Hamas auszuüben, sollten Europa und Amerika Druck auf Israel ausüben, damit die Palästinenser zu ihrem Recht kämen. "Das Problem ist nicht die Hamas, nicht die palästinensische Bevölkerung und auch nicht der Widerstand, sondern die Fortdauer der israelischen Besatzung, die den Palästinensern ihre Rechte raubt", sagte Hanijeh zu Beginn der Parlamentswahl.

Vor Bekanntgabe der Ergebnisse der Wahlen in den Palästinensergebieten hat US-Präsident George W. Bush seine ablehnende Haltung gegenüber der Hamas-Bewegung bekräftigt. Solange die Hamas ihrem Ziel der Zerstörung Israels nicht abschwöre, werde Washington mit der Partei nicht zusammenarbeiten, sagte Bush am Mittwoch (Ortszeit) in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Eine existenzfähige Partei müsse sich zum Frieden bekennen, betonte der US-Präsident. Ein Sprecher des Weißen Hauses wollte sich zu möglichen Kürzungen der US-Hilfen für die Palästinenser im Falle eines Hamas-Wahlsiegs zunächst nicht äußern.

(Quellen: dpa, afp)
 


 

Neue Scharon-Partei in Umfragen weiter vorn

Do.26.01.06 - Trotz des Schlaganfalls von Ariel Scharon liegt die von ihm gegründete neue Partei in den Umfragen weiter deutlich vorn. Nach den am Mittwochabend veröffentlichten Ergebnissen einer Erhebung im Auftrag der Zeitung «Haaretz» und des Fernsehsenders Channel 10 kann die Partei Kadima bei der Wahl am 28. März mit 44 der 120 Mandate rechnen - das sind drei mehr als bei der letzten Umfrage vor einer Woche. Die Arbeitspartei konnte sich von 19 auf 21 verbessern. Hingegen werden für den von Scharon verlassenen Likud-Block nur noch 14 Sitze erwartet, drei weniger als zuletzt. Spitzenkandidat der Kadima ist der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert, der die Politik Scharons fortsetzen will.

(Quelle: ap)
 


 

Sicherheitsrat verlängert UN-Friedenseinsatz in Elfenbeinküste

Do.26.01.06 - Der Weltsicherheitsrat hat den Einsatz der UN-Friedenstruppe in der Elfenbeinküste bis Mitte Dezember - und damit über die geplanten Wahlen hinaus - verlängert. Sowohl die 7000 Mann starke UN-Mission für die Elfenbeinküste (MINUCI) als auch die 4000 französischen Soldaten, die sie unterstützen, sollen bis 15. Dezember in dem westafrikanischen Land stationiert bleiben, wie der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Dienstag (Ortszeit) in zwei getrennten Entschließungen festlegte. Über den Antrag von UN-Generalsekretär Kofi Annan, die Mission vorübergehend um fast 4000 Soldaten und Polizisten aufzustocken, entschied der UN-Sicherheitsrat zunächst nicht.

(Quelle: afp)
 


 

UNHCR fordert Sicherheitsrat zum Eingreifen in Darfur auf

Do.26.01.06 - UN-Menschenrechtskommissar Antonio Guterres hat den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angesichts der Krise in der westsudanesischen Region Darfur zum Eingreifen aufgerufen. Gewalt und Straflosigkeit seien in Darfur an der Tagesordnung, sagte Guterres am Dienstag. Die Krise habe sich über Sudans Grenze hinweg ins Nachbarland Tschad ausgeweitet. Der Chef des UNHCR warnte vor einer Katastrophe in Darfur. Um diese zu verhindern, seien "kühne Maßnahmen" und die volle Beteiligung der Afrikanischen Union und der UNO notwendig. Der UN-Sicherheitsrast müsse Druck auf die Konfliktparteien in der Region ausüben und den Frieden unterstützen.

(Quelle: afp)
 


 

Teheran offen für Uran-Anreicherung in Russland

Do.26.01.06 - Der Iran ist offen für den Vorschlag der Regierung in Moskau, sein Uran in Russland anreichern zu lassen. "Wir stehen diesem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber", sagte der iranische Atomunterhändler Ali Laridschani in Moskau. Zugleich drohte er jedoch damit, dass der Iran im eigenen Land Uran anreichern werde, falls der Atomstreit an den UN-Sicherheitsrat übertragen oder politischer Druck ausgeübt werde. Laridschani steht auch dem nationalen Sicherheitsrat des Iran vor.

Am Dienstag hatten Laridschani und der Leiter des russischen Sicherheitsrates, Igor Iwanow, "die Absicht kundgetan, das Problem innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit diplomatischen Mitteln zu lösen", wie ranghohe Beamte in Moskau sagten.

Im Atomstreit mit Teheran plädieren vor allem die USA und Großbritannien für eine Anrufung des UN-Sicherheitsrats, der Strafen gegen Teheran verhängen könnte.

(Quelle: afp)
 


 

Sechser-Treffen zum Iran am Montag in London

Do.26.01.06 - Die Außenminister der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands treffen sich am Montag in London zu Beratungen über das iranische Atomprogramm. Dies teilte das britische Außenamt am Mittwoch in London mit. Bei dem Ministertreffen soll ein gemeinsamer Ansatz formuliert werden, bevor der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am 2. Februar in Wien zu seiner Sondersitzung zusammenkommt, wie ein ranghoher europäischer Diplomat in Wien sagte.
 


 

Weltsozialforum für Abkehr von Freihandelspolitik

Do.26.01.06 - Teilnehmer des Weltsozialforums in Caracas haben sich am zweiten Tag der Konferenz für eine radikale Wende in der internationalen Handelspolitik ausgesprochen. Statt der Förderung des Freihandels sollten die Regierungen der reichen Staaten über die Einführung einer weltweiten Steuer zum Kampf gegen die Armut nachdenken, sagte am Mittwoch die kolumbianische Aktivistin Catalina Herazo.

«Wir sind gekommen, um unsere Klagen über den Mangel an Gerechtigkeit in der Welt vorzubringen, über Hunger und Krieg», sagte die Studentin am zweiten Tag der Zusammenkunft, die als sich als Alternative zum Weltwirtschaftsforum in Davos versteht. Die mehr als 60.000 angemeldeten Teilnehmer trafen sich zu Vorträgen und Seminaren über Themen wie «Imperialismus - die größte Bedrohung der Menschheit» oder «Sozialismus im 21. Jahrhundert».

Der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcon forderte eine Kampagne für den Abzug aller US-Truppen aus Lateinamerika und nannte dabei auch den auf Kuba gelegenen Stützpunkt Guantanamo sowie das US-Territorium Puerto Rico in der Karibik. Die US-Friedensaktivistin Cindy Sheehan forderte den schnellstmöglichen Abzug der US-Truppen aus dem Irak. «Die meisten Amerikaner wollen, dass unsere Truppen bis Ende 2006 nach Hause kommen», sagte Sheehan vor Journalisten. «Aber das ist viel zu spät. In jeder Minute, die wir warten, wird weiteres Blut vergossen.» US-Präsident George W. Bush spreche von einem Krieg gegen den Terrorismus. Tatsächlich aber führe er «einen terroristischen Krieg gegen die Welt», sagte Sheehan, deren Sohn als Soldat im Irak getötet wurde.

Ein großer Teil der Debatten in der venezolanischen Hauptstadt beschäftigt sich mit dem Linksruck in mehreren lateinamerikanischen Ländern. Der mexikanische Aktivist Hector de la Cueva äußerte die Hoffnung auf einen Wahlsieg des Präsidentschaftskandisaten Andres Manuel Lopez Obrador in seinem eigenen Land. «Wir schlagen eine Alternative für das Amerika von heute vor, die die Menschenrechte über die Profite stellt, und dafür brauchen wir einen Regierungswechsel in Mexiko», sagte De la Cueva. Lopez Obrador tritt bei der Präsidentenwahl am 2. Juli für die linksgerichtete Partei der Demokratischen Revolution (PRD) an und liegt zurzeit in den Umfragen vorn.

(Quelle: ap)


 

Global zuhören, afrikanisch handeln
Afrika-Weltsozialforum in Malis Hauptstadt Bamako endet mit Bekenntnissen zur stärkeren Vernetzung der Aktivisten... Mehr in der taz vom 25.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/25/a0118.1/text


 

Patriarchale Gewalt am Pranger
Welttribunal in Caracas beschäftigt sich mit Diskriminierung der Frauen... Mehr in 'junge Welt' vom 27.01.06:
http://www.jungewelt.de/2006/01-27/012.php
 


 

Höchststand: 191,8 Millionen Arbeitslose weltweit

Do.26.01.06 - Die Zahl der Arbeitslosen weltweit hat 2005 einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt 191,8 Millionen Menschen waren Ende 2005 arbeitslos, 2,2 Millionen mehr als 2004 und 34,4 Millionen mehr als 1995, wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO am Dienstag in Berlin mitteilte. «Wir sehen uns mit einer Beschäftigungskrise gigantischen Ausmaßes konfrontiert, die sich nicht von selbst auflösen wird», erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia.

Die Zahlen zeigten, dass Wirtschaftswachstum allein die globalen Arbeitsmarktprobleme nicht lösen könne. Das Wachstum lag diesen Zahlen zufolge weltweit bei 4,3 Prozent. «Wir brauchen daher neue Politikansätze, um diese Probleme anzugehen», erklärte Somavia.

Die Arbeitslosenquote weltweit blieb trotz des Anstiegs der absoluten Zahlen laut ILO gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 6,3 Prozent. In den Industrieländern einschließlich der Europäischen Union sank die Arbeitslosenquote dieser Statistik zufolge von 7,1 Prozent im Vorjahr auf 6,7 Prozent Ende 2005. Der größte Anstieg bei der Arbeitslosigkeit, von 7,4 Prozent auf 7,7 Prozent ergab sich in Lateinamerika und der Karibik. In Osteuropa (außerhalb der EU) und den ehemaligen Sowjet-Republiken stieg die Quote von 9,5 Prozent auf 9,7 Prozent. Ostasien verzeichnete mit unverändert 3,8 Prozent die niedrigste Arbeitslosigkeit, während Nordafrika und der Nahe Osten mit 13,2 Prozent den höchsten Stand aufweisen.

In den meisten Volkswirtschaften sei es nicht gelungen, ein wachsendes Inlandsprodukt in mehr Arbeitsplätze oder höhere Löhne und Gehälter zu übersetzen, hieß es weiter. Zusammen mit den gestiegenen Energiepreisen und Naturkatastrophen in zahlreichen Ländern habe dies negative Auswirkungen vor allem für die ärmere Bevölkerung gehabt.

(Quelle: ap)

Mehr unter:
http://www.ilo.org/public/english/employment/strat/global.htm
 


 

Deutschland: Regierung erwartet 350 000 Arbeitslose weniger

Anstieg des Bruttoinlandsprodukt um real 1,4 Prozent erwartet

Do.26.01.06 - Die Konjunkturerholung wird nach Ansicht der Bundesregierung in diesem Jahr auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Die Arbeitslosenzahl werde im Jahresdurchschnitt gegenüber 2005 voraussichtlich um rund 350 000 auf 4,51 Millionen sinken, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts. Die Erwerbstätigkeit werde sich im Jahresverlauf allmählich beleben, auf Jahresdurchschnitt gesehen jedoch stagnieren.

Beim Bruttoinlandsprodukt erwartet die Regierung einen Anstieg um real 1,4 Prozent. Die konjunkturelle Erholung habe sich gefestigt und werde in diesem Jahr an Breite gewinnen, sagte Glos voraus. Die Beschlüsse der Kabinettsklausur in Genshagen seien in die Vorausschau weitgehend eingearbeitet. Die Prognose bleibt unter den optimistischeren Erwartungen der Wirtschaftsforschungsinstitute. Glos begründete dies damit, dass von den Koalitionspartnern ausdrücklich eine vorsichtige Schätzung gewünscht worden sei.

Im nächsten Jahr werde die Konjunktursituation wegen der Mehrwertsteuererhöhung jedoch schwieriger, räumte der Minister ein. Er erwarte «leichte Störungen», aber keinen Abbruch des Aufschwungs. Unverzichtbar sei ein Anziehen des privaten Verbrauchs. Glos erwartet für 2007 ein Wachstum von rund einem Prozent.

Glos bemängelte, in Deutschland seien die Energiepreise «aus vielerlei Gründen zu hoch». Auf dem Energiegipfel müsse man daher die Themen Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise in den Mittelpunkt stellen. Hierfür sei ein Energiemix «aus allen Teilen» wichtig. Glos kündigte zudem an, er werde im Februar ein «wettbewerbsfreundliches, diskriminierungsfreies Gasnetzzugangsmodell» vorlegen.

(Quelle: ddp)
 


 

Mitgliederschwund der Gewerkschaften abgeschwächt

Do.26.01.06 - Die DGB-Gewerkschaften haben im vergangenen Jahr per saldo 234.000 Mitglieder verloren. Das Minus von 3,3 Prozent sei deutlich geringer als in den vorangegangenen Jahren, erklärte der Deutsche Gewerkschaftsbund am Dienstag in Berlin. Der Mitgliederschwund schwäche sich ab.

Insgesamt waren zum Jahreswechsel 6.778.638 Menschen im DGB organisiert. 283.000 Menschen waren im Lauf des vergangenen Jahres in eine der Mitgliedsgewerkschaften eingetreten, fünf Prozent mehr als in den beiden Jahren zuvor. Gleichzeitig sei die Zahl der Abgänge gesunken. 2003 hatten die Gewerkschaften per saldo noch 337.000 Mitglieder verloren, 2004 waren es 350.000.

(Quelle: ap)
 


 

T-Online darf IP-Adresse nicht speichern

Do.26.01.06 - Der Telekommunikationsanbieter T-Online darf nicht mehr alle Verbindungsdaten seiner Internetkunden mit dem Tarif "dsl flat" speichern. Nach einem Urteil des Landgerichts Darmstadt ist es dem Unternehmen nun verboten, bei Internetverbindungen die Menge der übertragenen Daten zu speichern. Zudem wurde T-Online verpflichtet, all jene Daten umgehend zu löschen, die eine Verbindung zwischen der zugeteilten IP-Adresse und dem Internetnutzer herstellen.

Das Gericht vertritt die Auffassung, dass diese Daten für das Erstellen der Rechnung nicht erforderlich sind. Die jeweilige IP-Adresse ist wie ein individueller Fingerabdruck im Internet. An ihr können etwa Strafverfolger nachvollziehen, welche Seiten ein Internetnutzer besucht hat.

(Quelle: afp)
 


 

Wissenschaft

Sex vor Prüfungen macht laut Studie wirklich locker

Do.26.01.06 - Wer vor einer Prüfung Sex hatte, steht die Angstsituation einer britischen Studie zufolge tatsächlich lockerer und stressresistenter durch. Allerdings, so berichtet das Magazin «New Scientist», sollte es am besten «echter» Beischlaf sein.

Selbstbefriedigung oder andere Sexpraktiken, bei denen es nicht zum Koitus kommt, haben der Studie nach eine deutlich schlechtere Anti-Stress-Wirkung. Das Team um Stuart Brody, Psychologe von der University of Paisley, ließ dazu 24 Frauen und 22 Männer zwei Wochen lang Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten führen. Anschließend mussten sie einen Stresstest absolvieren: Vor einem Auditorium reden und öffentlich Kopfrechnen.

Bei Probanden, die Beischlaf hatten, zeigten sich dabei die wenigsten Stresssymptome und der unauffälligste Blutdruck. Liebhaber anderer Sexpraktiken lagen im Mittelfeld. Bei abstinenten Teilnehmer hingegen blieben die stressbedingt erhöhten Blutdruckwerte am längsten bestehen.

«Die positiven Effekte konnten nicht nur der Kurzzeit-Entspannung nach dem Orgasmus zugerechnet werden, denn sie hielten mindestens eine Woche lang an», erläuterte Brody der Zeitschrift. Er vermutet, dass die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das für Partnerschafts- und Vertrauensbildung eine Rolle spielt und unter anderem auch stillende Mütter vor Stress schützt, für den beruhigenden Effekt verantwortlich sein könnte. Angaben zu den tatsächlichen Oxytocin- Werten im Blut der Probanden wurden jedoch nicht gemacht.

(Quelle: dpa)
 


 

Forscher finden neue Minifische

Do.26.01.06 - Deutsche Biologen haben das bislang kleinste Wirbeltier der Welt entdeckt. Der Minifisch lebt in den stark säurehaltigen Schwarzwasser-Torfmooren Indonesiens, und manche Exemplare werden nur knapp acht Millimeter lang.

Das berichtet die Gruppe um Ralf Britz, der zurzeit am Londoner Natural History Museum forscht, in den «Proceedings B» der britischen Royal Society. Das kleinste geschlechtsreife Weibchen unter den bislang gesammelten Exemplaren von Paedocypris progenetica maß demnach nur 7,9 Millimeter. Die Geschlechtsreife gilt Biologen als Merkmal für ein erwachsenes Tier.

Zusammen mit der ebenfalls neuen und nur wenig größeren Art Paedocypris micromegethes aus Malaysia begründet der indonesische Winzling eine ganz neue Gattung, wie Britz gemeinsam mit Kollegen aus Singapur und der Schweiz schreibt. Unglücklicherweise gefährde die Zerstörung der Lebensräume das Überleben der Minifische und damit die Möglichkeit der weiteren Erforschung.

Zuvor hatten australische Forscher einen kleinen Korallenfisch als weltkleinstes Wirbeltier identifiziert. Bei den bislang lediglich sechs bekannten Exemplaren von Schindleria brevipinguis ließ sich Britz zufolge die Geschlechtsreife nur bei einem 8,4 Millimeter langen Weibchen eindeutig nachweisen.

(Quelle: dpa)
 


 

Kleinster erdähnlicher Planet außerhalb des Sonnensystems entdeckt

Do.26.01.06 - Eine internationale Forschergruppe hat den bislang kleinsten erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der so genannte Exoplanet hat nur rund fünf Mal so viel Masse wie die Erde und umkreist seinen Stern in etwa zweieinhalbfach größerem Abstand als unser Heimatplanet die Sonne.

Er besteht vermutlich aus Gestein und Eis, wie die Astronomen im britischen Fachjournal «Nature» (DOI: 10.1038/nature04441) von diesem Donnerstag berichten.

Da sein Stern viel schwächer strahlt als die Sonne, dürfte es auf dem OGLE-2005-BLG-390Lb bezeichneten Planeten rund -220 Grad Celsius kalt sein und damit ähnlich frostig wie auf dem Eiszwerg Pluto am Rande unseres eigenen Sonnensystems. Das mache Leben auf dem neu entdeckten Himmelskörper unwahrscheinlich, erklärte Pascal Fouqué vom Astrophysikalischen Labor von Toulouse und Tarbes. Der neue Exoplanet liegt im Sternbild Schütze in der sehr großen Entfernung von 25 000 bis 28 000 Lichtjahren - das entspricht rund einem Viertel der Ausdehnung unserer Milchstraße. Er umkreist seinen Stern mit der Bezeichnung OGLE-2005-BLG-390 einmal in zehn Erdjahren.

Der Exoplanet wurde mit Hilfe einer für die Planetenjagd neuen Technik gefunden, dem so genannten Mikro-Gravitationslinseneffekt. Dabei verrät sich der normalerweise in keinem irdischen Teleskop sichtbare Planet durch seine Schwerkraft, die gemäß Albert Einsteins Relativitätstheorie das Licht eines dahinter liegenden Sterns beugt, wenn er zufällig vor diesem vorbeizieht. Im Probing Lensing Anomalies NETwork (PLANET) fahnden Astrophysiker aus zwölf Staaten nach solchen Ereignissen.

Drei weit entfernte Exoplaneten wurden in den vergangenen Jahren mit dieser Methode gefunden. Insgesamt sind mittlerweile über 150 ferne Planeten bekannt. Die meisten davon liegen vergleichsweise dicht an der Erde und verrieten sich durch die Schlingerbewegung, die sie ihrem Stern durch die eigene Schwerkraft aufzwingen. Entsprechend sind diese Exoplaneten in der Regel viel größer als die Erde, etwa wie der Riesenplanet Jupiter, der rund 300 Mal so viel Masse besitzt wie unser Heimatplanet.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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