Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Schiiten und Sunniten verhandeln über Regierungsbildung.
Irakischer Fernsehjournalist bei Kämpfen zwischen US-Truppen und
Aufständischen getötet. Irakische Fernsehmoderatorin entkommt
schwerverletzt Entführung durch Sturz aus dem Fenster. Keine Spur
von deutschen Geiseln. US-Inspekteur: Millionen bei Wiederaufbau im
Irak verschleudert
Do.26.01.06 - Sechs Wochen nach der Parlamentswahl hat das siegreiche Bündnis,
die schiitische Vereinigte Irakische Allianz, Gespräche mit
Sunniten und Kurden über die Bildung einer Regierung der nationalen
Einheit aufgenommen. An den Verhandlungen sei das sunnitische
Bündnis Irakische Eintracht beteiligt, teilte der schiitische
Abgeordnete Baha al Aaradschi am Mittwoch mit.
Zum Auftakt der Gespräche am Dienstag habe die Allianz vier
Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen,
sagte Aaradschi. Dies seien der amtierende Regierungschef Ibrahim al
Dschaafari, Adil Abdul Mahdi vom Höchsten Rat für eine
Islamische Revolution im Irak (SCIRI), der Atomwissenschaftler Hussein
al Scharastani sowie Nadim al Dschabiri aus der streng religiösen
Partei Fadhila.
Nasir al Ani vom Bündnis Irakische Eintracht erklärte, die
Sunniten würden die Wahl des künftigen Regierungschefs den
Schiiten überlassen. Ungeachtet von Anschlägen auf die
arabischen Sunniten werde sein Bündnis bei der Regierungsbildung
mitarbeiten, fügte er hinzu. «Es gibt Hindernisse, aber wenn
bestimmte Blöcke Zugeständnisse machen, können diese
überwunden werden.»
Bei Kämpfen zwischen US-Truppen und Aufständischen nahe der
westlichen Stadt Ramadi wurde ein irakischer Fernsehjournalist
getötet, wie der Sender Bagdad Television am Mittwoch bekannt gab.
Mahmud Saal sei von mehreren Schüssen getroffen worden und am
Schauplatz der Kämpfe gestorben, sagte ein Arzt des Krankenhauses
in Ramadi. Es war zunächst unklar, wer die tödlichen
Schüsse abgegeben hat.
In Bagdad entkam die populäre Fernsehmoderatorin Nagham Abdul
Sahra einer Entführung, indem sie sich aus dem zweiten Stock ihrer
Wohnung stürzte. Schwer verletzt rief sie um Hilfe und trieb damit
die Geiselnehmer in die Flucht, die ihren Mann bereits gefesselt hatten.
Der Vorfall ereignete sich am Dienstag.
Von den beiden im Irak verschleppten deutschen Ingenieuren fehlt
vorerst jede Spur. Das betroffene Unternehmen Cryotec in Bennewitz bei
Leipzig, für das die Männer arbeiten, bestätigte
erstmals offiziell die Entführung. Man werde alles tun, um die
Arbeit des Krisenstabes in Berlin zu unterstützen, sagte
Geschäftsführer Peter Bienert. Man werde aber keine
Informationen öffentlich machen, die die Sicherheit der
Männer gefährden könnten.
Vor zwei Monaten war im Irak die deutsche Archäologin Susanne
Osthoff entführt und nach dreiwöchiger Geiselhaft wieder
freigelassen worden. Wie das sächsische Landeskriminalamt
erklärte, stehen Verhandlungs- und Beratungsspezialisten bereit,
um Angehörige und Kollegen in dem neuen Entführungsfall zu
unterstützen.
Cryotec-Geschäftsführer Bienert erklärte, seine Gedanken
seien jetzt bei seinen Mitarbeitern und deren Familien. Die beiden
Mitarbeiter seien im Irak an einem Projekt zur Erzeugung von Stickstoff
als Schutzgas für chemische Prozesse in der Raffinerie in Baidschi
beteiligt gewesen. Der Probelauf der Anlage habe wegen der
gefährlichen Bedingungen im Irak zunächst in Bennewitz
stattgefunden. Die beiden Männer sollten die Anlage
anschließend im Irak an die Auftraggeber übergeben.
Beim Wiederaufbau im Irak hat die US-Übergangsverwaltung nach
einer offiziellen Untersuchung hohe Millionenbeträge
verschleudert. Der von der US-Regierung eingesetzte Generalinspekteur
für den Wiederaufbau, Stuart Bowen, teilte in einem am Mittwoch in
Washington veröffentlichten Bericht mit, die Verwaltung habe
zwischen der Eroberung Bagdads im Frühjahr 2003 und Juni 2004 mehr
als 2000 Verträge im Wert von 88,1 Millionen Dollar (71,7
Milliarden Euro) "nicht effektiv gemanagt". Auch seien Hinweise auf
Betrug entdeckt worden, denen weiter nachgegangen werde. Bowen empfahl
der irakischen Regierung, die Rückzahlung von 571.823 Dollar aus
elf Verträgen einzufordern.
(Quellen: ap, afp, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 26.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundzw&oumml;lften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.26.01.05 - Irakische Regierung räumt Verstöße gegen Menschenrechte
im Umgang mit Gefangenen ein. Human Rights Watch: In
Iraks Gefängnissen wird weiter systematisch gefoltert.
Bürgerrechtsorganisation ACLU: US-Armee ging Vorwürfen
über Folter von Gefangenen im Irak durch Mitglieder von
US-Spezialeinheiten nicht nach. Befehlshaber der wegen Misshandlung
irakischer Gefangener angeklagten britischen Soldaten will zum
Zeitpunkt der Vorfälle abgelenkt gewesen sein +++ Rebellen im Irak
rufen zu Großangriff auf Parlamentswahl auf +++ Bei Kämpfen und
Mordanschlägen kommen 17 Menschen ums Leben +++ Pentagon: 2006
wahrscheinlich noch 120.000 US-Soldaten im Irak +++
Kriege in Irak und Afghanistan steigern US-Haushaltsdefizit auf Rekordstand...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501260.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Fatah verliert offenbar absolute Mehrheit bei Palästinenserwahl
Hamas will bei Einzug ins Parlament nicht auf Waffen verzichten.
US-Präsident Bush bekräftigt ablehnende Haltung zur
radikalislamischen Hamas
Do.26.01.06 - Die regierende Fatah liegt bei den palästinensischen
Parlamentswahlen vor der radikalislamischen Hamas. Wie ein
Meinungsforschungsinstitut in der Nacht mitteilte, wird die Fatah in
dem 132 Sitze zählenden Parlament 58 Sitze erhalten. Die Hamas
komme aus dem Stand auf 53. Damit hätte die Partei von
Präsident Mahmud Abbas die absolute Mehrheit im Parlament
verloren. Israels amtierender Premier Ehud Olmert sagte, sein Land
könne eine Hamas-Beteiligung an der Palästinenser-Regierung
nicht akzeptieren.
Die radikalislamische Hamas-Bewegung wird auch nach einem Einzug ins
Parlament nicht die Waffen niederlegen. Europa und die USA
bestünden darauf, dass die Hamas sich zwischen Waffen und
Abgeordnetensitzen entscheide, sagte Hamas-Anführer Ismail Hanijeh
bei der Stimmabgabe am Mittwoch in Gaza. "Wir aber sagen: 'Waffen und
Parlament'." Dies sei kein Widerspruch. Anstatt Druck auf die Hamas
auszuüben, sollten Europa und Amerika Druck auf Israel
ausüben, damit die Palästinenser zu ihrem Recht kämen.
"Das Problem ist nicht die Hamas, nicht die palästinensische
Bevölkerung und auch nicht der Widerstand, sondern die Fortdauer
der israelischen Besatzung, die den Palästinensern ihre Rechte
raubt", sagte Hanijeh zu Beginn der Parlamentswahl.
Vor Bekanntgabe der Ergebnisse der Wahlen in den
Palästinensergebieten hat US-Präsident George W. Bush seine
ablehnende Haltung gegenüber der Hamas-Bewegung bekräftigt.
Solange die Hamas ihrem Ziel der Zerstörung Israels nicht
abschwöre, werde Washington mit der Partei nicht zusammenarbeiten,
sagte Bush am Mittwoch (Ortszeit) in einem Interview mit dem "Wall
Street Journal". Eine existenzfähige Partei müsse sich zum
Frieden bekennen, betonte der US-Präsident. Ein Sprecher des
Weißen Hauses wollte sich zu möglichen Kürzungen der
US-Hilfen für die Palästinenser im Falle eines
Hamas-Wahlsiegs zunächst nicht äußern.
(Quellen: dpa, afp)
Neue Scharon-Partei in Umfragen weiter vorn
Do.26.01.06 - Trotz des Schlaganfalls von Ariel Scharon liegt die von ihm
gegründete neue Partei in den Umfragen weiter deutlich vorn. Nach
den am Mittwochabend veröffentlichten Ergebnissen einer Erhebung
im Auftrag der Zeitung «Haaretz» und des Fernsehsenders
Channel 10 kann die Partei Kadima bei der Wahl am 28. März mit 44
der 120 Mandate rechnen - das sind drei mehr als bei der letzten
Umfrage vor einer Woche. Die Arbeitspartei konnte sich von 19 auf 21
verbessern. Hingegen werden für den von Scharon verlassenen
Likud-Block nur noch 14 Sitze erwartet, drei weniger als zuletzt.
Spitzenkandidat der Kadima ist der amtierende Ministerpräsident
Ehud Olmert, der die Politik Scharons fortsetzen will.
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat verlängert UN-Friedenseinsatz in Elfenbeinküste
Do.26.01.06 - Der Weltsicherheitsrat hat den Einsatz der UN-Friedenstruppe in der
Elfenbeinküste bis Mitte Dezember - und damit über die
geplanten Wahlen hinaus - verlängert. Sowohl die 7000 Mann starke
UN-Mission für die Elfenbeinküste (MINUCI) als auch die 4000
französischen Soldaten, die sie unterstützen, sollen bis 15.
Dezember in dem westafrikanischen Land stationiert bleiben, wie der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Dienstag (Ortszeit) in zwei
getrennten Entschließungen festlegte. Über den Antrag von
UN-Generalsekretär Kofi Annan, die Mission vorübergehend um
fast 4000 Soldaten und Polizisten aufzustocken, entschied der
UN-Sicherheitsrat zunächst nicht.
(Quelle: afp)
UNHCR fordert Sicherheitsrat zum Eingreifen in Darfur auf
Do.26.01.06 - UN-Menschenrechtskommissar Antonio Guterres hat den Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen angesichts der Krise in der westsudanesischen Region
Darfur zum Eingreifen aufgerufen. Gewalt und Straflosigkeit seien in
Darfur an der Tagesordnung, sagte Guterres am Dienstag. Die Krise habe
sich über Sudans Grenze hinweg ins Nachbarland Tschad ausgeweitet.
Der Chef des UNHCR warnte vor einer Katastrophe in Darfur. Um diese zu
verhindern, seien "kühne Maßnahmen" und die volle Beteiligung
der Afrikanischen Union und der UNO notwendig. Der UN-Sicherheitsrast
müsse Druck auf die Konfliktparteien in der Region ausüben
und den Frieden unterstützen.
(Quelle: afp)
Teheran offen für Uran-Anreicherung in Russland
Do.26.01.06 - Der Iran ist offen für den Vorschlag der Regierung in Moskau, sein
Uran in Russland anreichern zu lassen. "Wir stehen diesem Vorschlag
aufgeschlossen gegenüber", sagte der iranische
Atomunterhändler Ali Laridschani in Moskau. Zugleich drohte er
jedoch damit, dass der Iran im eigenen Land Uran anreichern werde, falls
der Atomstreit an den UN-Sicherheitsrat übertragen oder
politischer Druck ausgeübt werde. Laridschani steht auch dem
nationalen Sicherheitsrat des Iran vor.
Am Dienstag hatten Laridschani und der Leiter des russischen
Sicherheitsrates, Igor Iwanow, "die Absicht kundgetan, das Problem
innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit
diplomatischen Mitteln zu lösen", wie ranghohe Beamte in Moskau
sagten.
Im Atomstreit mit Teheran plädieren vor allem die USA und
Großbritannien für eine Anrufung des UN-Sicherheitsrats, der
Strafen gegen Teheran verhängen könnte.
(Quelle: afp)
Sechser-Treffen zum Iran am Montag in London
Do.26.01.06 - Die Außenminister der fünf ständigen Mitglieder im
UN-Sicherheitsrat und Deutschlands treffen sich am Montag in London zu
Beratungen über das iranische Atomprogramm. Dies teilte das
britische Außenamt am Mittwoch in London mit. Bei dem
Ministertreffen soll ein gemeinsamer Ansatz formuliert werden, bevor der
Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am 2.
Februar in Wien zu seiner Sondersitzung zusammenkommt, wie ein
ranghoher europäischer Diplomat in Wien sagte.
Weltsozialforum für Abkehr von Freihandelspolitik
Do.26.01.06 - Teilnehmer des Weltsozialforums in Caracas haben sich am zweiten Tag
der Konferenz für eine radikale Wende in der internationalen
Handelspolitik ausgesprochen. Statt der Förderung des Freihandels
sollten die Regierungen der reichen Staaten über die
Einführung einer weltweiten Steuer zum Kampf gegen die Armut
nachdenken, sagte am Mittwoch die kolumbianische Aktivistin Catalina
Herazo.
«Wir sind gekommen, um unsere Klagen über den Mangel an
Gerechtigkeit in der Welt vorzubringen, über Hunger und
Krieg», sagte die Studentin am zweiten Tag der Zusammenkunft, die
als sich als Alternative zum Weltwirtschaftsforum in Davos versteht.
Die mehr als 60.000 angemeldeten Teilnehmer trafen sich zu
Vorträgen und Seminaren über Themen wie «Imperialismus
- die größte Bedrohung der Menschheit» oder
«Sozialismus im 21. Jahrhundert».
Der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcon forderte eine
Kampagne für den Abzug aller US-Truppen aus Lateinamerika und
nannte dabei auch den auf Kuba gelegenen Stützpunkt Guantanamo
sowie das US-Territorium Puerto Rico in der Karibik. Die
US-Friedensaktivistin Cindy Sheehan forderte den
schnellstmöglichen Abzug der US-Truppen aus dem Irak. «Die
meisten Amerikaner wollen, dass unsere Truppen bis Ende 2006 nach Hause
kommen», sagte Sheehan vor Journalisten. «Aber das ist viel
zu spät. In jeder Minute, die wir warten, wird weiteres Blut
vergossen.» US-Präsident George W. Bush spreche von einem
Krieg gegen den Terrorismus. Tatsächlich aber führe er
«einen terroristischen Krieg gegen die Welt», sagte
Sheehan, deren Sohn als Soldat im Irak getötet wurde.
Ein großer Teil der Debatten in der venezolanischen Hauptstadt
beschäftigt sich mit dem Linksruck in mehreren
lateinamerikanischen Ländern. Der mexikanische Aktivist Hector de
la Cueva äußerte die Hoffnung auf einen Wahlsieg des
Präsidentschaftskandisaten Andres Manuel Lopez Obrador in seinem
eigenen Land. «Wir schlagen eine Alternative für das Amerika
von heute vor, die die Menschenrechte über die Profite stellt, und
dafür brauchen wir einen Regierungswechsel in Mexiko», sagte
De la Cueva. Lopez Obrador tritt bei der Präsidentenwahl am 2.
Juli für die linksgerichtete Partei der Demokratischen Revolution
(PRD) an und liegt zurzeit in den Umfragen vorn.
(Quelle: ap)
Global zuhören, afrikanisch handeln
Afrika-Weltsozialforum in Malis Hauptstadt Bamako endet mit
Bekenntnissen zur stärkeren Vernetzung der Aktivisten... Mehr in
der taz vom 25.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/25/a0118.1/text
Patriarchale Gewalt am Pranger
Welttribunal in Caracas beschäftigt sich mit Diskriminierung der
Frauen... Mehr in 'junge Welt' vom 27.01.06:
http://www.jungewelt.de/2006/01-27/012.php
Höchststand: 191,8 Millionen Arbeitslose weltweit
Do.26.01.06 - Die Zahl der Arbeitslosen weltweit hat 2005 einen neuen
Höchststand erreicht. Insgesamt 191,8 Millionen Menschen waren Ende
2005 arbeitslos, 2,2 Millionen mehr als 2004 und 34,4 Millionen mehr
als 1995, wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO am Dienstag in
Berlin mitteilte. «Wir sehen uns mit einer
Beschäftigungskrise gigantischen Ausmaßes konfrontiert, die
sich nicht von selbst auflösen wird», erklärte
ILO-Generaldirektor Juan Somavia.
Die Zahlen zeigten, dass Wirtschaftswachstum allein die globalen
Arbeitsmarktprobleme nicht lösen könne. Das Wachstum lag
diesen Zahlen zufolge weltweit bei 4,3 Prozent. «Wir brauchen
daher neue Politikansätze, um diese Probleme anzugehen»,
erklärte Somavia.
Die Arbeitslosenquote weltweit blieb trotz des Anstiegs der absoluten
Zahlen laut ILO gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 6,3
Prozent. In den Industrieländern einschließlich der
Europäischen Union sank die Arbeitslosenquote dieser Statistik
zufolge von 7,1 Prozent im Vorjahr auf 6,7 Prozent Ende 2005. Der
größte Anstieg bei der Arbeitslosigkeit, von 7,4 Prozent auf
7,7 Prozent ergab sich in Lateinamerika und der Karibik. In Osteuropa
(außerhalb der EU) und den ehemaligen Sowjet-Republiken stieg die
Quote von 9,5 Prozent auf 9,7 Prozent. Ostasien verzeichnete mit
unverändert 3,8 Prozent die niedrigste Arbeitslosigkeit,
während Nordafrika und der Nahe Osten mit 13,2 Prozent den
höchsten Stand aufweisen.
In den meisten Volkswirtschaften sei es nicht gelungen, ein wachsendes
Inlandsprodukt in mehr Arbeitsplätze oder höhere Löhne
und Gehälter zu übersetzen, hieß es weiter. Zusammen mit
den gestiegenen Energiepreisen und Naturkatastrophen in zahlreichen
Ländern habe dies negative Auswirkungen vor allem für die
ärmere Bevölkerung gehabt.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.ilo.org/public/english/employment/strat/global.htm
Deutschland: Regierung erwartet 350 000 Arbeitslose weniger
Anstieg des Bruttoinlandsprodukt um real 1,4 Prozent erwartet
Do.26.01.06 - Die Konjunkturerholung wird nach Ansicht der Bundesregierung in diesem
Jahr auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Die Arbeitslosenzahl werde
im Jahresdurchschnitt gegenüber 2005 voraussichtlich um rund 350
000 auf 4,51 Millionen sinken, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael
Glos am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des
Jahreswirtschaftsberichts. Die Erwerbstätigkeit werde sich im
Jahresverlauf allmählich beleben, auf Jahresdurchschnitt gesehen
jedoch stagnieren.
Beim Bruttoinlandsprodukt erwartet die Regierung einen Anstieg um real
1,4 Prozent. Die konjunkturelle Erholung habe sich gefestigt und werde
in diesem Jahr an Breite gewinnen, sagte Glos voraus. Die
Beschlüsse der Kabinettsklausur in Genshagen seien in die
Vorausschau weitgehend eingearbeitet. Die Prognose bleibt unter den
optimistischeren Erwartungen der Wirtschaftsforschungsinstitute. Glos
begründete dies damit, dass von den Koalitionspartnern
ausdrücklich eine vorsichtige Schätzung gewünscht worden
sei.
Im nächsten Jahr werde die Konjunktursituation wegen der
Mehrwertsteuererhöhung jedoch schwieriger, räumte der Minister
ein. Er erwarte «leichte Störungen», aber keinen
Abbruch des Aufschwungs. Unverzichtbar sei ein Anziehen des privaten
Verbrauchs. Glos erwartet für 2007 ein Wachstum von rund einem
Prozent.
Glos bemängelte, in Deutschland seien die Energiepreise «aus
vielerlei Gründen zu hoch». Auf dem Energiegipfel müsse
man daher die Themen Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige
Energiepreise in den Mittelpunkt stellen. Hierfür sei ein
Energiemix «aus allen Teilen» wichtig. Glos kündigte
zudem an, er werde im Februar ein «wettbewerbsfreundliches,
diskriminierungsfreies Gasnetzzugangsmodell» vorlegen.
(Quelle: ddp)
Mitgliederschwund der Gewerkschaften abgeschwächt
Do.26.01.06 - Die DGB-Gewerkschaften haben im vergangenen Jahr per saldo 234.000
Mitglieder verloren. Das Minus von 3,3 Prozent sei deutlich geringer als
in den vorangegangenen Jahren, erklärte der Deutsche
Gewerkschaftsbund am Dienstag in Berlin. Der Mitgliederschwund
schwäche sich ab.
Insgesamt waren zum Jahreswechsel 6.778.638 Menschen im DGB
organisiert. 283.000 Menschen waren im Lauf des vergangenen Jahres in
eine der Mitgliedsgewerkschaften eingetreten, fünf Prozent mehr als
in den beiden Jahren zuvor. Gleichzeitig sei die Zahl der Abgänge
gesunken. 2003 hatten die Gewerkschaften per saldo noch 337.000
Mitglieder verloren, 2004 waren es 350.000.
(Quelle: ap)
T-Online darf IP-Adresse nicht speichern
Do.26.01.06 - Der Telekommunikationsanbieter T-Online darf nicht mehr alle
Verbindungsdaten seiner Internetkunden mit dem Tarif "dsl flat"
speichern. Nach einem Urteil des Landgerichts Darmstadt ist es dem
Unternehmen nun verboten, bei Internetverbindungen die Menge der
übertragenen Daten zu speichern. Zudem wurde T-Online verpflichtet,
all jene Daten umgehend zu löschen, die eine Verbindung zwischen
der zugeteilten IP-Adresse und dem Internetnutzer herstellen.
Das Gericht vertritt die Auffassung, dass diese Daten für das
Erstellen der Rechnung nicht erforderlich sind. Die jeweilige IP-Adresse
ist wie ein individueller Fingerabdruck im Internet. An ihr können
etwa Strafverfolger nachvollziehen, welche Seiten ein Internetnutzer
besucht hat.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Sex vor Prüfungen macht laut Studie wirklich locker
Do.26.01.06 - Wer vor einer Prüfung Sex hatte, steht die Angstsituation einer
britischen Studie zufolge tatsächlich lockerer und
stressresistenter durch. Allerdings, so berichtet das Magazin
«New Scientist», sollte es am besten «echter»
Beischlaf sein.
Selbstbefriedigung oder andere Sexpraktiken, bei denen es nicht zum
Koitus kommt, haben der Studie nach eine deutlich schlechtere
Anti-Stress-Wirkung. Das Team um Stuart Brody, Psychologe von der
University of Paisley, ließ dazu 24 Frauen und 22 Männer
zwei Wochen lang Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten
führen. Anschließend mussten sie einen Stresstest
absolvieren: Vor einem Auditorium reden und öffentlich Kopfrechnen.
Bei Probanden, die Beischlaf hatten, zeigten sich dabei die wenigsten
Stresssymptome und der unauffälligste Blutdruck. Liebhaber anderer
Sexpraktiken lagen im Mittelfeld. Bei abstinenten Teilnehmer hingegen
blieben die stressbedingt erhöhten Blutdruckwerte am längsten
bestehen.
«Die positiven Effekte konnten nicht nur der Kurzzeit-Entspannung
nach dem Orgasmus zugerechnet werden, denn sie hielten mindestens eine
Woche lang an», erläuterte Brody der Zeitschrift. Er
vermutet, dass die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das für
Partnerschafts- und Vertrauensbildung eine Rolle spielt und unter
anderem auch stillende Mütter vor Stress schützt, für
den beruhigenden Effekt verantwortlich sein könnte. Angaben zu den
tatsächlichen Oxytocin- Werten im Blut der Probanden wurden jedoch
nicht gemacht.
(Quelle: dpa)
Forscher finden neue Minifische
Do.26.01.06 - Deutsche Biologen haben das bislang kleinste Wirbeltier der Welt
entdeckt. Der Minifisch lebt in den stark säurehaltigen
Schwarzwasser-Torfmooren Indonesiens, und manche Exemplare werden nur
knapp acht Millimeter lang.
Das berichtet die Gruppe um Ralf Britz, der zurzeit am Londoner Natural
History Museum forscht, in den «Proceedings B» der
britischen Royal Society. Das kleinste geschlechtsreife Weibchen unter
den bislang gesammelten Exemplaren von Paedocypris progenetica maß
demnach nur 7,9 Millimeter. Die Geschlechtsreife gilt Biologen als
Merkmal für ein erwachsenes Tier.
Zusammen mit der ebenfalls neuen und nur wenig größeren Art
Paedocypris micromegethes aus Malaysia begründet der indonesische
Winzling eine ganz neue Gattung, wie Britz gemeinsam mit Kollegen aus
Singapur und der Schweiz schreibt. Unglücklicherweise gefährde
die Zerstörung der Lebensräume das Überleben der
Minifische und damit die Möglichkeit der weiteren Erforschung.
Zuvor hatten australische Forscher einen kleinen Korallenfisch als
weltkleinstes Wirbeltier identifiziert. Bei den bislang lediglich sechs
bekannten Exemplaren von Schindleria brevipinguis ließ sich Britz
zufolge die Geschlechtsreife nur bei einem 8,4 Millimeter langen
Weibchen eindeutig nachweisen.
(Quelle: dpa)
Kleinster erdähnlicher Planet außerhalb des Sonnensystems
entdeckt
Do.26.01.06 - Eine internationale Forschergruppe hat den bislang kleinsten
erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems
entdeckt. Der so genannte Exoplanet hat nur rund fünf Mal so viel
Masse wie die Erde und umkreist seinen Stern in etwa zweieinhalbfach
größerem Abstand als unser Heimatplanet die Sonne.
Er besteht vermutlich aus Gestein und Eis, wie die Astronomen im
britischen Fachjournal «Nature» (DOI: 10.1038/nature04441)
von diesem Donnerstag berichten.
Da sein Stern viel schwächer strahlt als die Sonne, dürfte es
auf dem OGLE-2005-BLG-390Lb bezeichneten Planeten rund -220 Grad
Celsius kalt sein und damit ähnlich frostig wie auf dem Eiszwerg
Pluto am Rande unseres eigenen Sonnensystems. Das mache Leben auf dem
neu entdeckten Himmelskörper unwahrscheinlich, erklärte
Pascal Fouqué vom Astrophysikalischen Labor von Toulouse und
Tarbes. Der neue Exoplanet liegt im Sternbild Schütze in der sehr
großen Entfernung von 25 000 bis 28 000 Lichtjahren - das
entspricht rund einem Viertel der Ausdehnung unserer Milchstraße.
Er umkreist seinen Stern mit der Bezeichnung OGLE-2005-BLG-390 einmal
in zehn Erdjahren.
Der Exoplanet wurde mit Hilfe einer für die Planetenjagd neuen
Technik gefunden, dem so genannten Mikro-Gravitationslinseneffekt.
Dabei verrät sich der normalerweise in keinem irdischen Teleskop
sichtbare Planet durch seine Schwerkraft, die gemäß Albert
Einsteins Relativitätstheorie das Licht eines dahinter liegenden
Sterns beugt, wenn er zufällig vor diesem vorbeizieht. Im Probing
Lensing Anomalies NETwork (PLANET) fahnden Astrophysiker aus zwölf
Staaten nach solchen Ereignissen.
Drei weit entfernte Exoplaneten wurden in den vergangenen Jahren mit
dieser Methode gefunden. Insgesamt sind mittlerweile über 150
ferne Planeten bekannt. Die meisten davon liegen vergleichsweise dicht
an der Erde und verrieten sich durch die Schlingerbewegung, die sie
ihrem Stern durch die eigene Schwerkraft aufzwingen. Entsprechend sind
diese Exoplaneten in der Regel viel größer als die Erde,
etwa wie der Riesenplanet Jupiter, der rund 300 Mal so viel Masse
besitzt wie unser Heimatplanet.
(Quelle: dpa)