Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertachtundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bei Anschlägen 10 Menschen getötet. Unter den Opfern zwei
irakische Regierungsmitarbeiter und ein US-Soldat. US-Armee lässt
419 irakische Häftlinge frei. Noch Keine Spur der im Irak
entführten Deutschen
Fr.27.01.06 - Zwei ranghohe Mitarbeiter der irakischen Regierung sind am Donnerstag
in Kirkuk auf offener Straße erschossen worden. Wie die Polizei
mitteilte, wurden der stellvertretende Direktor eines staatlichen
Lebensmittelunternehmens und ein Mitarbeiter der
Anti-Korruptions-Behörde bei zwei Anschlägen getötet. In
beiden Fällen habe es sich um dieselben Täter gehandelt.
Bei zwei Bombenanschlägen wurden vier Menschen getötet, wie
die US-Streitkräfte am Donnerstag berichteten. Ein US-Soldat kam
bei einer Detonation südlich von Bagdad ums Leben, ein weiterer
wurde verletzt. Bei einem weiteren Anschlag an der Straße zwischen
Bagdad und Mossul kamen nach offiziellen Angaben drei irakische
Sicherheitskräfte ums Leben. Nach Zählung der
Nachrichtenagentur AP sind seit Beginn des Irak-Krieges im März
2003 mindestens 2.237 US-Soldaten getötet worden.
Die US-Armee hat die Freilassung von 419 irakischen Häftlingen,
darunter fünf Frauen, angekündigt. Die Gefangenen würden
bis Freitag aus den vom US-Militär verwalteten Haftanstalten
entlassen, erklärte ein Armeesprecher am Donnerstag in Bagdad. Nach
seinen Angaben wurde die Entscheidung gemeinsam mit den zuständigen
irakischen Ministerien getroffen. Laut dem Justizministerium in Bagdad
steht die Entscheidung in keinem Zusammenhang mit Forderungen von
Entführern der US-Geisel Jill Carroll. Die Entführer hatten am
Dienstag vergangener Woche mit der Ermordung der 28-jährigen
Journalistin gedroht, sollten nicht binnen drei Tagen alle weiblichen
irakischen Gefangenen freikommen. Über das Schicksal der
US-Bürgerin gab es seitdem keine Informationen mehr.
Von den beiden im Irak entführten Deutschen gibt es keine Spur.
Den deutschen Behörden gelang es auch drei Tage nach der
Verschleppung nicht, Kontakt zu den Entführern herzustellen. In
Deutschland wächst die Kritik am Arbeitgeber der Entführten.
Der frühere Geheimdienstkoordinator und heutige
CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Schmidbauer kritisierte die Firma
Cryotec für die Entsendung der beiden Techniker scharf.
«Hier kann auch das beste Geschäft nicht darüber
hinwegtäuschen, dass die Mitarbeiter in eine riesige Gefahr
geschickt wurden», sagte der Politiker in DW-TV. Das
Auswärtige Amt habe nicht ohne Grund vor Reisen in diese Region
gewarnt. «Wer frisch in dieses Gebiet geworfen wird und sich
nicht entsprechend schützt, muss sich nicht wundern, wenn er
sofort aufgegriffen wird.»
In der nordirakischen Stadt Bedschi nahmen amerikanische und irakische
Soldaten am Tag der Entführung Dutzende mutmaßliche
Terroristen fest. Vier der Festgenommenen sollen laut US-
Militärkommando in Tikrit Kontakte zu einer Terrorzelle haben.
Diese Zelle habe mehrere Morde begangen und Geiseln enthauptet. Zu einem
möglichen Zusammenhang zwischen den Razzien und der Entführung
machte die US-Armee keine Angaben.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Drohende Zersetzung
USA: Ehemalige Militärs und Politiker sehen Risiko für
Streitkräfte durch fortgesetzte Kriege in Irak und Afghanistan.
Verklausulierte Warnung vor Feldzug gegen Iran... Mehr in 'junge Welt'
vom 27.01.06:
http://www.jungewelt.de/2006/01-27/010.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 27.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertunddreizehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.27.01.05 - Bush ruft Iraker zur Wahlteilnahme auf +++ Irakische Regierung
verschärft angesichts anhaltender Angriffe die
Sicherheitsvorkehrungen für die Wahl +++ Anschlag auf Parteizentralen
und Wahlämter +++ Extremisten drohen mit weiteren Anschlägen im
Irak +++ 31 US-Soldaten bei Hubschrauberabsturz im Irak
getötet - Möglicherweise abgeschossen. Zahl der in Irak
umgekommenen US-Soldaten steigt damit auf mehr als 1.400...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Großbritannien schickt 3300 weitere Soldaten nach Afghanistan
Fr.27.01.06 - Großbritannien will in den nächsten Monaten rund 3300
weitere Soldaten nach Afghanistan schicken. Die zusätzlichen
Einheiten sollten in der Hauptstadt Kabul und im Süden des Landes
eingesetzt werden, kündigte Verteidigungsminister John Reid vor dem
Unterhaus in London an. Großbritannien übernimmt im Mai das
Kommando der NATO-Truppen in Afghanistan. Derzeit sind dort rund 850
britische Soldaten im Einsatz. Insgesamt verfügt die NATO in
Afghanistan im Moment über etwa 9200 Soldaten.
(Quelle: dpa)
Radikalislamische Hamas verdrängt Fatah von der Macht
Absolute Mehrheit bei Palästinenserwahl erreicht. Fatah geht in
die Opposition. Regierungschef Ahmed Kureia kündigt Rücktritt
an. Hamas soll regieren. Israel lehnt jeden Kontakt zu Hamas-Regierung
ab. Israelischer Berater vergleicht Hamas-Sieg mit Nazi-Machtergreifung
Fr.27.01.06 - Die Palästinenser haben die Hamas-Bewegung mit großer
Mehrheit an die Macht gewählt. Dagegen erlitt die regierende Fatah
eine herbe Niederlage. Nach Angaben der Wahlkommission errang die Hamas
76 der 132 Mandate im Parlament. Die Fatah kam nur auf 43 Sitze.
Nach dem Wahlsieg der israelfeindlichen Hamas bahnt sich eine neue
Eiszeit zwischen den Palästinensern und Israel an. Die israelische
Regierung schloss Verhandlungen mit einer palästinensischen
Regierung unter Einschluss einer "bewaffneten terroristischen
Organisation" kategorisch aus. Hamas-Spitzenkandidat Ismail Hanijeh
kündigte an, den "Kampf gegen den zionistischen Feind"
fortzusetzen.
Noch vor Bekanntgabe offizieller Ergebnisse erklärte die Fatah die
Hamas zum Sieger und kündigte an, in die Opposition zu gehen.
Die Hamas-Bewegung soll die Regierung stellen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wolle die Hamas mit der
Regierungsbildung beauftragen, teilte der palästinensische
Chefunterhändler Saeb Erakat mit. Zuvor hatte der
palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia seinen Rücktritt
angekündigt und erklärt, die Hamas müsse die neue
Regierung bilden. Hamas-Spitzenkandidat Ismail Hanija sagte, seine
Organisation sei bereit, mit der Fatah zusammenzuarbeiten.
Gespräche mit Fatah-Chef Mahmud Abbas über eine
Regierungsbildung würden "bald" beginnen. Auch mit anderen Parteien
solle gesprochen werden. Führende Mitglieder der Fatah
erklärten, die Hamas habe die Fatah "bei der Wahl
übertroffen". Offizielle Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Hamas-Anführer Adnan Asfur aus Nablus im Westjordanland sagte,
seine Bewegung habe bei der Abstimmung am Vortag "mehr als fünfzig
Prozent der Abgeordnetensitze gewonnen".
Kureia erklärte, er werde bei Abbas seine Demission einreichen.
Der Palästinenserpräsident rief dazu auf, das Wahlergebnis zu
respektieren: "Die Wahlen waren transparent und gerecht." Die Hamas
forderte ihrerseits die USA auf, das Resultat des Urnengangs und "den
Willen des palästinensischen Volkes" zu achten.
Es war für die Palästinenser die erste Parlamentswahl seit
zehn Jahren - und das erste Mal, dass die radikale Hamas ins Rennen
ging. Die Abstimmung verlief unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen
ohne große Zwischenfälle.
Die Hamas hatte im Wahlkampf auf die Enttäuschung vieler
Wähler über die Fatah gesetzt. Der Gruppierung um
Präsident Abbas und Regierungschef Kureia werden Korruption und
Stillstand bei der Wirtschaftsentwicklung und im Friedensprozess
vorgehalten.
Nach einer Krisensitzung unter Leitung von
Interimsministerpräsident Ehud Olmert erklärte die
israelische Regierung: "Der Staat Israel wird nicht mit einer
palästinesischen Regierung verhandeln, der eine bewaffnete
terroristische Organisation angehört, die zur Zerstörung
Israels aufruft." Der "Großteil der internationalen Gemeinschaft"
sehe die Hamas "als Terrororganisation" an. Israel werde "unter allen
Umständen mit eiserner Faust überall den Kampf gegen den
Terrorismus fortsetzen".
Der frühere Botschafter Israels in den Vereinigten Staaten, Salman
Schoval, hat die Parlamentswahl in den Palästinensergebieten mit
der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verglichen.
Demokratische Wahlen hätten eine undemokratische, terroristische
Partei möglicherweise bis an die Macht gebracht, die von der
Zerstörung Israels spreche, sagte Schoval, der jahrelang als
Berater für den israelischen Regierungschef Ariel Scharon
tätig war, am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe den Fehler gemacht,
die radikalislamische Hamas nicht rechtzeitig aufzulösen und zu
entwaffnen. "Die Chance ist vielleicht jetzt verpasst", fügte
Schoval hinzu.
Der gemäßigte Palästinenserpräsident Abbas
bemühte sich um Schadensbegrenzung. In einer vom Rundfunk
übertragenen Stellungnahme kündigte er das Festhalten an
Verhandlungen mit Israel an.
Hamas-Spitzenkandidat Hanijeh kündigte ein zweigleisiges Vorgehen
seiner Partei an: Gegen den "zionistischen Feind" werde Widerstand
geleistet, mit den anderen palästinensischen Parteien werde der
Dialog geführt. Er erwarte, dass die Staatengemeinschaft nun auf
die Hamas zugehe.
USA und EU forderten die Hamas auf, der Gewalt abzuschwören und
das Ziel der Vernichtung Israels aus ihrem Programm zu streichen. Die
EU erklärte sich bereit, unter Bedingungen weiter Hilfe beim
Aufbau der Wirtschaft in den Palästinensergebieten zu leisten.
Israels Außenministerin Zippi Livni erklärte, die EU
müsse sich klar von der Hamas distanzieren.
Die USA, die EU, Russland und die UN wollen die neue Lage in Nahost am
Montag in London erörtern.
(Quellen: afp, dpa)
Wohin steuert die Hamas?
Die Abgeordneten der Hamas-Mehrheit im palästinensischen
Legislativrat haben eine klare Vorstellung für ihr
innenpolitisches Programm: Sie wollen die bisherige Korruption in
Regierung und Verwaltung überwinden, die Sozialpolitik
fördern und die Ruhe auf den Straßen wiederherstellen. Wenn
es aber um die Außenpolitik geht und den Umgang mit einem
jüdischen Staat, dessen Existenz sie nicht anerkennen wollen,
fehlt es der Hamas an einer klaren Vorstellung.
Der erstaunliche Wahlerfolg der Hamas ist sowohl der Lohn für eine
seit zwei Jahrzehnten betriebene Basisarbeit als auch ein
Misstrauensvotum für die verkrustete Fatah-Partei, die das
politische Leben der Palästinenser 40 Jahre lang bestimmt hat. Als
Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft sammelte die nach innen
äußerst diszipliniert agierende Hamas vor allem bei den
armen Palästinensern Punkte.
Mit ihren Anlaufstellen für Gesundheitsversorgung, Bildung und
Sozialhilfe hat die Hamas bei den Palästinensern breite
Anerkennung gefunden - selbst bei Palästinensern, die des
Kreislaufs der Gewalt überdrüssig sind, in dem die Hamas mit
ihren Selbstmordanschlägen und Raketenangriffen bislang eine
zentrale Rolle gespielt hat. Dabei sind viele Experten der
Überzeugung, dass die politischen und sozialen Flügel der
Hamas eng mit ihrem militärischen Zweig verflochten sind.
In der konkreten politischen Gestaltung hat die Hamas, die bei der Wahl
am Mittwoch 76 der 132 Parlamentsmandate gewonnen hat, so gut wie keine
Erfahrung. Wie soll sie die palästinensischen Autonomiegebiete
jetzt durch einen der schwierigsten Konflikte der Welt steuern?
«Wie ihr Programm aussieht, kann ich wirklich nicht sagen»,
meint Hanan Aschrawi, die bei den Palästinensern zu den
Persönlichkeiten mit der größten politischen Erfahrung
gehört. Die einstige Abgeordnete der Fatah wurde erneut ins
Parlament gewählt, diesmal aber auf der Liste der neuen Partei
Dritter Weg. Sie glaube nicht, dass die Hamas ihr politisches Programm
bereits fertig formuliert habe, sagt Aschrawi. «Sie sagen, dass
sie Reformen wollen. Das bedeutet aber nicht, dass sie dies auch in die
Tat umsetzen.»
Politische Beobachter wie Talal Okal von der palästinensischen
Zeitung «Al Ajjam», sind überzeugt, dass die Hamas
eigentlich gar nicht an einer absoluten Mehrheit interessiert gewesen
sei. Sie hätte es vorgezogen, die Verantwortung bei der Fatah zu
belassen und diese punktuell ihren eigenen Vorstellungen zu unterwerfen.
Jetzt aber befindet sich die Hamas vermutlich in einer Lage, in der sie
gezwungen ist, mit Israel Kontakt aufzunehmen - und sei es nur in
Fragen des täglichen Lebens wie der Strom- und Wasserversorgung
oder dem Außenhandel. «Die Hamas kann sich nicht um den
Alltag der Menschen kümmern, ohne sich mit Israel
abzustimmen», sagt Okal. Ein Weg dazu könnte die Einladung
an die Fatah sein, sich der Hamas-Regierung anzuschließen und
dann die Kontakte mit Israel zu übernehmen. Diese Vorstellung hat
die Fatah am Donnerstag bereits zurückgewiesen.
Ein anderer Weg aber könnte darin bestehen, dass die Hamas einen
Teil ihrer militanten Ideologie aufgibt. Zwar hat einer der
Hamas-Führer, Muschir al Masri, erklärt, dass eine
Anerkennung Israels und Verhandlungen mit seiner Regierung «nicht
auf unserer Tagesordnung» stünden. Aber Mahmud Sahar, der
Führer der Hamas im Gazastreifen, hat seine Bereitschaft bekundet,
die im vergangenen Jahr mit Israel vereinbarte Waffenruhe fortzusetzen,
falls auch Israel dies tut.
Der israelische Terrorismus-Experte Joram Schweitzer erwartet, dass die
Hamas zwar offiziell am Grundsatz der Nichtanerkennung Israels
festhalten wird, in der praktischen Politik aber einen pragmatischen
Kurs steuern wird. «Aus Prinzip werden sie weiter sagen, dass sie
alles Land zurückhaben wollen», erklärt Schweitzer.
«Aber sie werden ganz pragmatisch die Existenz Israels
akzeptieren.»
Eine ganz andere Frage aber ist die Verhandlungsbereitschaft auf
israelischer Seite. Der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert
gab sich am Donnerstag in dieser Frage abweisend: «Der Staat
Israel wird nicht mit einer palästinensischen Regierung
verhandeln, wenn diese auch nur zu einem Teil aus einer bewaffneten
terroristischen Organisation besteht, die zur Zerstörung des
Staates Israels aufruft.»
Quelle: ap, 27.01.06
Hamas betrachtet Jerusalem als islamische Stadt
Für die geteilte Stadt Jerusalem ist der Wahlsieg der Hamas von
besonderer Brisanz. Die islamisch-fundamentalistische Bewegung gewann
vier von sechs Sitzen im arabischen Ostjerusalem. Jetzt wächst die
Sorge, dass die Hamas den jahrhundertealten Streit der Religionen um
Jerusalem neu anheizen könnte.
«Unser Volk hat bei dieser Wahl bewiesen, dass die Stadt
islamisch ist», sagte Ahmed Aton, einer der vier
neugewählten Hamas-Abgeordneten in Jerusalem. Seine Partei will
Jerusalem zu einem Schwerpunkt machen und mehr Budgetmittel der
palästinensischen Regierung als bisher in die Stadt fließen
lassen. «Unser Sieg in Jerusalem ist wichtiger als unser Sieg in
Hebron oder Gaza», erklärte Mohammed Abu Teir, die Nummer
zwei auf der Wahlliste der Hamas.
Jerusalem, auf Arabisch Al Kuds genannt, ist vielleicht der kritischste
Konfliktherd im Nahen Osten. Im Krieg von 1967 besetzte Israel den
arabischen Teil der Stadt und annektierte dieses Gebiet 1981, ohne dass
dies international anerkannt wurde. Die Palästinenser beanspruchen
Jerusalem als Hauptstadt ihres geplanten Staates. Zum arabischen Teil
von Jerusalem gehört die historische Altstadt mit ihren heiligen
Stätten für Judentum, Christentum und Islam. Nach der
Zerstörung des jüdischen Tempels wurde dort zunächst
eine christliche Kirche, später die Al-Aksa-Moschee errichtet. Als
jüdisches Heiligtum übrig geblieben ist die Klagemauer. Immer
wieder war der Tempelberg - auf arabisch As Haram as Scharif genannt -
Ausgangspunkt gewaltsamer Zusammenstöße wie zu Beginn der
zweiten Intifada im September 2000.
Der Konflikt zwischen den Religionen könnte mit dem Wahlsieg der
Hamas neu angeheizt werden, fürchten viele Experten. «Die
grüne Fahne der Hamas bedeutet, dass die Themen nun wieder
religiös werden», sagt der auf Jerusalem-Studien
spezialisierte Professer an der Universität Haifa, Mosche Amiraw.
«Sobald der heilige Charakter von Jerusalem ins Spiel kommt,
werden wir große Probleme haben.»
Besorgt sind auch die in Jerusalem lebenden Christen, unter ihnen viele
Palästinenser. «Es wird für Christen sehr unangenehm
werden, in die Hamas-Gebiete zu gehen», erwartet David Parsons
von der Organisation International Christian Embassy, die für die
Interessen von Christen in Israel eintritt. Wenn die Hamas für die
palästinensische Polizei zuständig sein werde, sei mit einem
Rückgang der Pilgerreisen nach Ostjerusalem und Bethlehem zu
rechnen.
Rabbiner David Rosen vom American Jewish Committee ist ebenfalls
besorgt. Ein harmonisches Zusammenleben zwischen den Religionen in
Jerusalem werde viel schwieriger, «wenn man es mit einer
Organisation zu tun hat, die einen religiös-fundamentalistischen
Ansatz vertritt», sagte Rosen. «Dies sind keine sehr guten
Nachrichten für die Zukunftsaussichten.»
Viele Wähler in Jerusalem haben allerdings erklärt, dass ihre
Unterstützung der Hamas keine religiösen Beweggründe
habe, sondern ein Protest gegen die Korruption der Fatah sei. Mustafa
Abu Sway vom Islamischen Forschungsinstitut der
Al-Kuds-Universität erwartet denn auch, dass sich die Hamas als
Regierungspartei auf die Politik konzentrieren und die Religion nicht
in den Mittelpunkt stellen werde. Aber der israelische
Regierungsberater Dore Gold ist da skeptisch: «Ich glaube nicht,
dass die Hamas eine Ideologie über Bord werfen wird, die sie mehr
als zwei Jahrzehnte lang aufgebaut hat.»
Quelle: ap, 27.01.06
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Blix für Zugeständnisse im Atomstreit mit Iran
Fr.27.01.06 - Im Streit über das iranische Atomprogramm hat sich der
frühere UN-Waffeninspekteur Hans Blix für Zugeständnisse
der USA ausgesprochen. Damit könne der Iran möglicherweise von
der Uran-Anreicherung und der Herstellung von Atomwaffen abgehalten
werden, sagte der schwedische Diplomat am Mittwoch in Washington. Er
sprach sich für eine Nichtangriffsverpflichtung der USA sowie
Wirtschafts- und Handelserleichterungen für den Iran aus.
Blix warnte davor, das iranische Atomprogramm vor den UN-Sicherheitsrat
zu bringen und möglicherweise Sanktionen zu verhängen, falls
der Iran die Verhandlungen mit der EU nicht wieder aufnimmt. «Ich
denke, damit würde sich der iranische Standpunkt noch
verhärten», sagte er. Gleichzeitig kritisierte Blix die
Politik der USA. So weigere sich die Regierung von Präsident George
W. Bush, dem Moratorium über Atomtests beizutreten. Außerdem
kritisierte er das geplante Raketenabwehrsystem und das nach seiner
Ansicht mangelnde Interesse an atomwaffenfreien Zonen in der Welt.
Die USA und die EU wollen nach dem Abbruch der Verhandlungen mit dem
Iran den Sicherheitsrat einschalten. Russland und China haben sich in
dieser Frage bislang zurückhaltend geäußert.
(Quelle: ap)
Generalstreik und Krawalle in Nepal - Demonstrant angeschossen
Fr.27.01.06 - Bei einer pro-demokratischen Demonstration in Nepal ist ein Mensch
angeschossen worden. Ein Arzt in der Stadt Pokhara sagte der
Nachrichtenagentur Reuters, dem Verletzten sei ins Bein geschossen
worden. Die Polizei teilte mit, sie habe Dutzende Menschen im ganzen
Land festgenommen. In Kathmandu und anderen Städten blieben die
Straßen wegen eines Generalstreiks weitgehend leer. Schulen,
Universitäten, und Läden waren geschlossen, der Nahverkehr
stand still, während staatliche Angestellte zu Fuß zur Arbeit
gingen. Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken bewachten
Regierungsgebäude.
Zum Generalstreik hatten die großen Parteien Nepals aufgerufen.
König Gyanendra hatte im Februar die Regierung abgesetzt und die
Bürgerrechte eingeschränkt mit der Begründung, nur so
könne ein Aufstand von Maoisten bekämpft werden. Die
Einschränkungen der Rechte und das harte Vorgehen gegen
führende Politiker haben viele Menschen verärgert. Seit zehn
Jahren kämpfen Maoisten in dem Himalaya-Land für einen Sturz
der konstitutionellen Monarchie und die Errichtung eines kommunistischen
Staates. Dabei wurden mehr als 12.500 Menschen getötet.
(Quelle: rtr)
Südkorea verklagt Hersteller von 'Agent Orange' zu Schadensersatz
Fr.27.01.06 - Mehr als dreißig Jahre nach Ende des Vietnam-Krieges sind in
Südkorea zwei US-Hersteller des Entlaubungsmittels "Agent Orange"
zu Schadenersatzzahlungen verurteilt worden. Die beiden US-Konzerne Dow
Chemical und Monsanto müssen 6800 Menschen für das Leid
entschädigen, das diesen durch die Chemikalie entstanden ist, wie
Richter Choi Byung Deok am Donnerstag in Seoul befand. "Die Kläger
werden Entschädigungen bekommen, die zwischen sechs und 46
Millionen Won (5000 bis 39.000 Euro) pro Kopf liegen." Die Gesamtsumme
der Entschädigungen liege bei 60 Milliarden Won, meldete die
südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.
US-Flugzeuge hatten während des Vietnamkriegs rund 80 Millionen
Liter des Entlaubungsmittels versprüht, um den nordvietnamesischen
Truppen die Deckung im Dschungel zu nehmen. Durch «Agent
Orange» wurde Dioxin freigesetzt. Eine Studie kam vor zwei Jahren
zu dem Schluss, dass auch drei Jahrzehnte nach dem Krieg in einigen
Regionen Vietnams die Dioxin-Belastung noch fast genau so hoch ist wie
in den Tagen des Einsatzes des Mittels.
Nach Angaben der vietnamesischen Regierung sind mehr als 620.000
Menschen Opfer des giftigen Mittels geworden.
(Quellen: afp, ap)
Europarat besorgt über Präsidentschaftswahl in
Weißrussland
Fr.27.01.06 - Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl in Weißrussland hat
sich der Europarat besorgt über die weitere Einschränkung der
Rechte Oppositioneller geäußert. Die Regierung unter
Staatschef Alexander Lukaschenko wolle "jeden Ausdruck einer politischen
Opposition" noch mehr als bisher unterbinden, kritisierte die
Parlamentarier-Versammlung des Staatenbundes am Donnerstag in
Straßburg. Die EU solle ihr Visaverbot für
Regierungsvertreter ausweiten, forderten die Abgeordneten in einer
Entschließung. Außerdem müsse sie Maßnahmen
ergreifen, um Auslandskonten von Lukaschenko und dessen Vertrauten
einzufrieren.
(Quelle: afp)
EU-Richter billigen Steuervorteile für deutsche Kernkraftbetreiber
Fr.27.01.06 - Die deutschen Steuervergünstigungen für die
Rückstellungen der Betreiber von Kernkraftwerken stellen keine
unzulässige Staatsbeihilfe dar. Mit diesem am Donnerstag
veröffentlichten Urteil (AZ: T-92/02) wies das EU-Gericht erster
Instanz in Luxemburg die Klage mehrerer deutscher Stadtwerke gegen die
EU-Kommission ab. Die Steuerbefreiung sei zwar durchaus ein staatlich
finanzierter Wirtschaftsvorteil, stelle aber keine besondere
Vergünstigung unter dem Begriff der staatlichen Beihilfe dar,
entschieden die Luxemburger Richter.
(Quelle: afp)
Scholz bringt Atomwaffen für Bundeswehr ins Gespräch
Fr.27.01.06 - Der frühere Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz hält
eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr unter bestimmten Bedingungen
für nötig. Der CDU-Politiker sagte der
«Bild»-Zeitung: «Im Lichte der Gefahr, dass nukleare
Massenvernichtungswaffen auch in die Hände von Terroristen geraten
könnten, müssen wir diese Frage ernsthaft diskutieren.»
Die SPD lehnte den Vorstoß am Donnerstag als
«Einzelmeinung» ab.
Scholz, der von 1988 bis 1989 Verteidigungsminister war, verwies auf
den französischen
Staatspräsidenten Jacques Chirac, der Terror-Staaten mit dem
Einsatz von Atomwaffen gedroht hatte. Er räumte ein: «Ich bin
mir völlig darüber im Klaren, dass ich mit dieser Frage ein
Tabu anspreche.»
Die Frage sei aber, ob die nuklearen Schutzzusagen der USA und der NATO
aus der Zeit des Kalten Krieges noch Bestand hätten. «Die
nukleare Schutzgarantie des Westens für Deutschland muss der
veränderten Weltlage angepasst werden. Das heißt konkret: Wir
brauchen von unseren Partnern und der NATO bindende Zusagen, dass sie
Deutschland auch vor einer nuklearen terroristischen Bedrohung oder
Erpressung mit dem Einsatz von Atomwaffen schützen», sagte
Scholz, war.
Sollten solche Zusagen nicht erreichbar sein, «müssten wir
die Frage ernsthaft diskutieren, wie wir auf eine nukleare Bedrohung
durch einen Terror-Staat angemessen, im Notfall sogar mit eigenen
Atomwaffen reagieren können». Ein solches Bedrohungs-Szenario
hält Scholz vor dem Hintergrund des iranischen Atomwaffen-Programms
«keineswegs für abstrakt».
Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold nannte den Vorstoß
eine «Einzelmeinung», für die es «keinerlei
politische Unterstützung» gebe. Er sagte der
«Netzeitung», Deutschland habe ein großes Interesse
daran, dass die Verträge über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen eingehalten würden. «Dies erreicht man nicht
dadurch, dass man sich selbst Atomwaffen beschafft.» Zudem sei
Deutschland «fest ins NATO-Bündnis integriert mit einer
gegenseitigen Beistandsverpflichtung».
Es gebe zudem keinen Hinweis, dass Terroristen eine Atombombe bauen
könnten. Insofern handele es sich um eine Geisterdebatte. Sie
könnten allenfalls «schmutzige Bomben» mit strahlenden
Partikeln bauen. Im Hinblick auf das umstrittene iranische Atomprogramm
fügte er hinzu, Deutschland wolle nicht, dass weitere Staaten
Atomwaffen erhielten. Mit Russland und China müssten alle
Anstrengungen unternommen werden, dass das Regime in Teheran nicht in
den Besitz atomwaffenfähigen Materials komme.
(Quelle: ap)
Sehrbrock soll stellvertretende DGB-Chefin werden
Fr.27.01.06 - Die CDU-Sozialexpertin Ingrid Sehrbrock soll Ursula Engelen Kefer als
stellvertretende DGB-Vorsitzende ablösen. Das erfuhr die
Nachrichtenagentur AP am Donnerstag nach der Vorstandsklausur des
Gewerkschaftsbundes auf Schloss Neuhardenberg von Teilnehmern. Erstmals
seit Jahren würde damit wieder ein Unionsmitglied den Spitzenposten
erhalten. Die Wahl findet im Mai auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin
statt.
Die 57-jährige Sehrbrock ist seit 1999 Mitglied des DGB-Vorstands.
Die gelernte Drogistin und Studienrätin gehört der
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di an und ist stellvertretende
Vorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft.
Den durch das Ausscheiden der 62-jährigen Engelen-Kefer frei
werdende Vorstandsposten soll die ehemalige Grünen-Abgeordnete
Annelie Buntenbach übernehmen.
(Quelle: ap)
Bei Kommunen und Ländern stehen die Zeichen auf Streik
Fr.27.01.06 - Nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen über längere
Arbeitszeiten stehen in Kommunen und mehreren Bundesländern die
Zeichen auf Streik.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigte am Donnerstag in
Berlin an, ab Montag eine Urabstimmung unter den etwa 60.000 Mitgliedern
bei Gemeinden und Ländern abzuhalten. Wenn sich mindestens 75
Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für einen Streik zur
Verteidigung der bestehenden Arbeitstzeiten aussprechen, könnte
bereits am 6. Februar in Baden-Württemberg die Arbeit in Kommunal-
und Landesbetrieben ruhen. Weitere Länder würden folgen.
Verdi-Chef Frank Bsirske zeigte sich zu einer harten Auseinandersetzung
entschlossen. "Wir werden uns gegebenenfalls auf einen lang anhaltenden
Streik einstellen", sagte Bsirske in Berlin. Die Länder-Arbeitgeber
reagierten verärgert auf die Streikankündigung.
Verdi hatte im vergangenen September mit dem Bund und den kommunalen
Arbeitgebern einen Tarifvertrag unterzeichnet, der für den Bund
eine wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden, für
West-Kommunen von 38,5 Stunden und für ostdeutsche Gemeinden von 40
Stunden vorsieht. Zudem sieht der Vertrag bei einer Verständigung
der Tarifparteien die Möglichkeit vor, die Arbeitszeit auch im
Westen auf 40 Stunden auszudehnen. Inzwischen hätten die kommunalen
Arbeitgeberverbände in Baden-Württemberg, Niedersachsen und
Hamburg den Tarifvertrag gekündigt, um längere Arbeitszeiten
zu erreichen. Die Verhandlungen zur Abwehr der Forderung seien
gescheitert oder ihr Scheitern stehe unmittelbar bevor, sagte Bsirske.
Die Übertragung des Tarifvertrags auf die Länder ist Bsirske
zufolge bislang nicht gelungen. Er warf der Tarifgemeinschaft deutscher
Länder (TdL) vor, die per Gesetz verfügten
Arbeitszeitverlängerungen für Beamte auf bis zu 42 Stunden
einseitig auf Arbeiter und Angestellte übertragen zu wollen. "Die
Länder wollen Kompromisse durch einseitige Diktate ersetzen", sagte
der Verdi-Chef. Dagegen wolle sich die Gewerkschaft mit einem
Erzwingungsstreik zur Wehr setzen. "Wir jedenfalls sind entschlossen,
die Handlungsfähigkeit und Kampfkraft unserer Mitglieder abzufragen
und einzusetzen, um die Arbeitsbedingungen zu verteidigen", sagte
Bsirske. In den für Streiks in Frage kommenden Bereichen sei die
Gewerkschaft gut organisiert. Er erwarte eine klare Mehrheit für
den Arbeitskampf. Es sollten vorrangig Universitätskliniken und
Straßenverkehrsverwaltungen bestreikt werden.
Urabstimmungen sind in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen,
Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Sachsen
geplant. Sie beginnen am Montag in Baden-Württemberg und werden am
2. Februar in den anderen Ländern fortgesetzt.
Baden-Württemberg ist Bsirske zufolge deshalb als erster
Schwerpunkt ausgewählt worden, weil die öffentlichen
Arbeitgeber in dem Bundesland die Vorreiterrolle bei den Bemühungen
um längere Arbeitszeiten gespielt hätten.
Die TdL warnte vor einem "Arbeitskampf auf dem Rücken der
Bürger". Er passe angesichts der katastrophalen Haushaltslage der
Länder nicht in die Zeit, erklärte der TdL-Vorsitzende und
niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring. Das
Ankündigen von Urabstimmung und Streik sei völlig
überzogen, nicht nachvollziehbar und ärgerlich, ergänzte
der CDU-Politiker. Die Tarifgemeinschaft stehe am 20. Februar zu einem
Spitzengespräch mit Verdi bereit.
(Quelle: rtr)
Gewerkschaft begrüßt Urteil zur Arbeitszeit
Fr.27.01.06 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Entscheidung
des Bundesarbeitsgerichts begrüßt, auch die Arbeitszeiten
älterer Tarifverträge auf durchschnittlich höchstens 48
Stunden pro Woche zu begrenzen. Damit sei der Versuch gescheitert, unter
dem Druck von Arbeitgebern und Wirtschaftsverbänden die Einhaltung
der Arbeitszeitgrenzen auf unbestimmte Zeit zu verschieben, sagte der
stellvertretende ver.di-Vorsitzende Gerd Herzberg am Mittwoch bin Berlin.
Der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichts hatte in seinem Urteil vom
Dienstag hervorgehoben, dass in einem Tarifvertrag eine
werktägliche Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden vorgesehen
werden könne, wenn in die Arbeitszeit in erheblichem Umfang
Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst falle. «Werden solche
verlängerten Arbeitszeiten tariflich zugelassen, muss...
gewährleistet sein, dass die Arbeitszeit einschließlich
Arbeitsbereitschaft und Bereitschaftsdienst im Durchschnitt von
zwölf Monaten 48 Wochenstunden nicht überschreitet. Eine
Ausnahme gilt auch nicht für Alt-Tarifverträge»,
hieß es zur Begründung. Damit wurde laut Herzberg der
wesentliche Einfluss des europäischen Rechts auf die nationale
Gesetzgebung bekräftigt.
Das Bundesarbeitsgericht hatte über die Rechtmäßigkeit
einer Betriebsvereinbarung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu
entscheiden, durch die die Arbeitszeit auf durchschnittlich 48 Stunden
pro Woche begrenzt worden war, obwohl der Tarifvertrag aus dem Jahr 1999
längere Arbeitszeiten vorsah. Das DRK hatte sich darauf berufen,
dass nach der mehrfach verlängerten Ausnahmeregelung in Paragraf 25
des Arbeitszeitgesetzes längere Arbeitszeiten in älteren
Tarifverträgen weiterhin zulässig seien. Auf Grund der
Verpflichtung, nationale Gesetze möglichst übereinstimmend mit
Europarecht auszulegen, könne diese Ausnahme jedoch nicht angewandt
werden, urteilten die obersten deutschen Arbeitsrichter. (Aktenzeichen:
Bundesarbeitsgericht Erfurt - 1 ABR 6/05)
(Quelle: ap)
Studie: Lage des deutschen Mittelstands deutlich verbessert
Fr.27.01.06 - Die Lage und die Zukunftsaussichten der mittelständischen Betriebe
in Deutschland haben sich einer Studie zufolge spürbar verbessert.
"Der Mittelstand hat die Talsohle durchschritten", sagte
DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt zu einer Umfrage des Deutschen
Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) am Donnerstag in Berlin. "Vor allem
hinsichtlich Eigenkapitalausstattung, Personalaufwand sowie Auftragslage
und Umsatzentwicklung gibt es erneut positive Signale." Bereits im
sechsten Jahr in Folge habe sich die Eigenkapitalquote im Mittelstand
positiv entwickelt. Für eine endgültige Entwarnung sei es
allerdings zu früh. Eine noch stärkere Verbesserung sei erst
dann in Sicht, wenn die Exportimpulse auch die Binnenkonjunktur belebten.
Der DSGV greift bei seiner jährlichen "Diagnose Mittelstand" auf
seine verbandsinternen Bilanzdaten zurück, in die etwa 150.000
Unternehmensbilanzen einfließen. Außerdem werden
Firmenkundenberater der Sparkassen befragt, die unterm Strich eine
positive Tendenz bei der Auftrags- und Umsatzentwicklung ihrer
Firmenkunden feststellten. "Obwohl es insgesamt gesehen erfreuliche
Signale gibt, befinden sich die rund 3,3 Millionen
mittelständischen Betriebe nach wie vor in einer schwierigen
Situation", schränkte Hoppenstedt ein. So liege die
Umsatzrentabilität vieler Firmen auf einem sehr niedrigen Niveau.
(Quelle: rtr)
Debatte um Deutschpflicht wird heftiger
Fr.27.01.06 - Die Debatte um die Deutschpflicht auf Berliner Schulhöfen spitzt
sich zu. Türkische Organisationen kritisierten am Donnerstag, das
Verbot ausländischer Sprachen offenbare «die Inkompetenz und
Unfähigkeit des deutschen Bildungssystems». Sie forderten
Bildungssenator Klaus Böger (SPD) auf, gegen das Verbot vorzugehen,
da es gegen Grundrechte verstoße. Ein Sprecher sagte, es gebe
über die zwei bekannten Fälle hinaus viele Berliner Schulen,
an denen nur Deutsch gesprochen werden dürfe.
Der Türkische Elternverein in Berlin-Brandenburg trat
«entschieden gegen eine kulturell und sprachlich gesäuberte
Schule ein». Ihr Sprecher Turgut Hüner sagte: «Deutsch
sollen die Kinder lernen. Aber nicht durch diese Methode.»
Hüner erklärte weiter, dass nicht nur die in die Schlagzeilen
geratene Herbert-Hoover-Realschule im Bezirk Wedding sowie die
Kreuzberger Borsig-Realschule ihre Schüler per Hausordnung
verpflichteten, auf dem Pausenhof nur Deutsch zu sprechen. «Ich
bekomme schon seit zehn Jahren Beschwerden, dass es so etwas an anderen
Schulen auch gibt». Allerdings sei das Sprachenverbot an diesen
Schulen nicht schriftlich fixiert.
Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) erklärte, niemand
dürfe eine Sprache verbieten. «Uns geht es nicht um einzelne
Schulen, sondern um die Botschaft, um das Signal, das mit einer solchen
Maßnahme verbunden ist», sagte TBB-Sprecherin Eren
Ünsal. Das Verbot bediene ungewollt «bestimmte Ressentiments
in der Mehrheitsbevölkerung» und trage sicherlich nicht zum
friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen bei.
Ausländer hätten in Berlin bereits durch die Kürzung von
Fördermitteln, zusammengestrichenen Angeboten und die Auswirkungen
von Hartz IV Nachteile hinnehmen müssen, sagte Ünsal. Die
aktuelle Diskussion gebe vielen das Gefühl, «es wird sich
nicht mehr um uns gekümmert, wir werden immer mehr an den Rand der
Gesellschaft gedrängt».
Eine Verletzung von Artikel drei des Grundgesetzes
(Gleichheitsgrundsatz) konstatierte der Verein Türkisches
Wissenschafts- und Technologiezentrum. Vorsitzende Nazan Yildirim sprach
sich «für eine zwanglose Förderung der Sprache»
aus. Statt auf Integration zu setzen, werde an den beiden Schulen
«der Pfad der Assimilation eingeschlagen».
Die «Vereinigung Türkischer LehrerInnen und ErzieherInnen in
Berlin und Brandenburg» (TÜLEB) forderte,
«populistischen, engstirnigen und gefährlichen Tendenzen
entgegen zu treten» und stattdessen Kinder mit nicht
deutschsprachigem Hintergrund gezielt zu fördern.
TBB-Sprecherin Ünsal sagte, man werde sich mit Bildungssenator
Böger treffen und das Thema diskutieren. Derzeit laufe
außerdem eine juristische Prüfung. Eine Klage werde jedoch
nicht erwogen. Weitere Klarheit solle eine Expertenrunde bringen, die
vermutlich Mitte Februar in Berlin zusammentreffen werde.
(Quelle: ap)
Internationaler Holocaust-Gedenktag
Erinnerung an Nazi-Verbrechen soll wach gehalten werden
Fr.27.01.06 - Führende Politiker haben zum Holocaust-Gedenktag am (heutigen)
Freitag dazu aufgerufen, die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen
wachzuhalten. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte am
Donnerstag in Berlin, die Auseinandersetzung mit der
«großen Katastrophe der Menschheitsgeschichte» werde
immer schwieriger, da es bald keine authentischen Berichte von
Zeitzeugen mehr geben werde. Der Tag der Befreiung des
Konzentrationslagers Auschwitz ist seit 1996 in Deutschland der
zentrale Gedenktag für die Nazi-Opfer.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, das
Verbrechen des Holocaust werde «für immer
unauslöschlicher Teil der deutschen Geschichte und uns immer
währende Verpflichtung für die Zukunft» sein.
Antisemitischen und ausgrenzenden Tendenzen müsse entschieden
begegnet werden. Dazu gehöre auch, jeden Versuch, den Holocaust zu
leugnen oder zu relativieren, zurückzuweisen, sagte er mit Blick
auf israelfeindliche Äußerungen des iranischen
Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad.
Lammert sagte, jeder müsse begreifen, dass der Holocaust ein
eigenes Thema sei, auch wenn er kein Bestandteil der Biografie sei. Es
sei wichtig, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart
herzustellen. Das Gedenken müsse mit dem Nachdenken verbunden
werden. Daraus müsse gerade für die nachwachsende Generation
eine Verantwortung für die Zukunft erwachsen.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave
(SPD), sagte, es sei für die Zukunft der Gesellschaft von
entscheidender Bedeutung, dass alle wüssten, dass Demokratie und
Achtung der Menschenwürde nicht selbstverständlich seien.
Vielmehr müssten diese Werte immer wieder neu verteidigt werden,
sagte die schleswig-holsteinischen Bildungsministerin.
Der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, sagte, je länger
der Holocaust zurückliege, desto wichtiger sei es, allen Opfern
des deutschen Faschismus ein mahnendes Andenken zu bewahren und
konsequent allen neofaschistischen und rechtsextremistischen
Auffassungen entgegenzutreten. Der Rechtsextremismus sei nach wie vor
eine Gefahr in Deutschland.
Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, des
größten nationalsozialistischen Vernichtungslagers und Ort
millionenfachen Judenmordes, jährt sich am 27. Januar zum 61. Mal.
Insgesamt wurden in dem Lager in der südpolnischen Stadt Auschwitz
bei Krakau von Anfang 1942 bis Ende 1944 wahrscheinlich rund 1,5
Millionen Juden sowie viele Tausend Sinti und Roma und Polen
umgebracht. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz
durch sowjetische Truppen befreit. Seit letztem Jahr ist der 27. Januar
auch ein offizieller internationaler Gedenktag der Vereinten Nationen.
Gut acht Monate nach Eröffnung des Holocaust-Mahnmals für die
ermordeten Juden Europas soll in Berlin künftig ein weiteres
Denkmal an die in der Nazi-Zeit verfolgten Homosexuellen erinnern. Eine
Jury empfahl die Realisierung eines entsprechenden Entwurfs von Michael
Elmgreen und Ingar Dragset, wie die Berliner Senatsverwaltung für
Kultur mitteilte. Der Bund stelle für den Bau 450.000 Euro zur
Verfügung. Das Denkmal solle «so schnell wie
möglich» gebaut werden.
Es soll gegenüber dem Holocaust-Mahnmal für die ermordeten
Juden errichtet werden. In dem Entwurf werde offensichtlich Bezug auf
die Stelen des Holocaust-Mahnmals von Richard Eisenman genommen, indem
sie die Grundform einer Stele, deutlich vergrößert, zu einer
Art Haus werden lasse, heißt es in der Jurybegründung. Wie
durch ein Fenster blicke der Betrachter auf ein in das Innere
projiziertes Filmbild. Dies zeige eine endlos wirkende Kussszene
zwischen zwei Männern.
(Quelle: ap)
Auschwitz: 'Allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung'
«Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und
Mahnung an die Menschheit.» Der Text an einem Denkmal im
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau versucht, das Unfassbare in Worte
zu kleiden. In dem Konzentrationslager bei Krakau ermordeten die Nazis
von 1940 bis 1945 zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen, die meisten
davon Juden. Das Lager wurde vor 60 Jahren, am 27. Januar 1945, von der
sowjetischen Armee befreit. Seitdem ist es weltweit zum Symbol für
Terror, Völkermord und Holocaust geworden... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/../boa-archiv6/auschw_1.htm#top
Die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 haben am Holocaust
mitgewirkt...
sagt der Münchener Historiker Johannes Hürter. Er
hat damit eine kontroverse Debatte um die Rolle der hingerichteten
Wehrmachtsoffiziere entfacht... Mehr in der taz vom 28.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/28/a0175.1/text
Johannes Hürter, 41, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Forschungsprojekt "Wehrmacht in der nationalsozialistischen Diktatur" am
Münchener Institut für Zeitgeschichte. Er arbeitet zur Zeit
an einer Monografie über "Die deutschen Oberbefehlshaber an der
Ostfront 1941/42". Sein Kritiker Hermann Graml war einst Chefredakteur
der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, für die Hürter
heute als Redakteur tätig ist. (taz)
Wissenschaft
'Gefräßige' Milchstraße - Heimatgalaxie saugt Sterne
auf
Fr.27.01.06 - Die Milchstraße ist gefräßig: Unsere Heimatgalaxie
saugt noch heute Sterne und Materie aus ihrer Umgebung auf. Forscher des
Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie haben Spuren
dieses «galaktischen Kannibalismus» entdeckt, wie das
Wissenschaftsmagazin «MaxPlanckForschung» in seiner
jüngsten Ausgabe schreibt.
Bisher waren Astronomen davon ausgegangen, dass sich Galaxien seit
Jahrmilliarden nur aus ihrer eigenen Substanz wandeln und entwickeln.
Die Suche nach der verschlungenen Materie ist mühsam. Unter vielen
Millionen Sternen müssen Astronomen die Himmelskörper
identifizieren, die einst von einer Satellitengalaxie abgezogen wurden.
Die «Neuzugänge» verraten sich etwa durch eine
ungewöhnliche chemische Zusammensetzung, ihre Bewegung und
Geschwindigkeit oder ein abweichendes Alter.
Vor rund zehn Jahren hatten Astronomen erstmals einen Strom von Sternen
gefunden, der von einem kleinen Nachbarn der Milchstraße stammt,
der Sagittarius-Zwerggalaxie - und sich nun komplett um das Zentrum der
Milchstraße windet. Heidelberger Forscher sind auf einen
ringförmigen Sternstrom gestoßen, dessen Ursprung vermutlich
eine Zwerggalaxie in der Konstellation Großer Hund (Canis Major)
ist; heute erstreckt sich der Strom um das Sternbild Einhorn (Monoceros).
Und der Kugelsternhaufen Palomar 5, einer der masseärmsten seiner
Art, hat beim Durchqueren der Milchstraßen-Ebene in rund zehn
Milliarden Jahren etwa das Zehnfache seiner heutigen Restmasse verloren.
«Beim nächsten Durchtritt durch die Milchstraße, in 110
Millionen Jahren, trifft er in nur 23 000 Lichtjahren Entfernung vom
galaktischen Zentrum in ein Gebiet hoher Sterndichte - und wird dann
vermutlich vollständig aufgerieben und von der Milchstraße
aufgesogen», sagen die Wissenschaftler voraus.
(Quelle: dpa)