Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Fast 60 Festnahmen bei Razzia gegen Aufständische. Erstes
Lebenszeichen von deutschen Geiseln auf Videoband
Sa.28.01.06 - Rund 500 irakische und amerikanische Truppen sind am Freitag in Bagdad
gegen Aufständische vorgegangen. Mindestens 58 Verdächtige
wurden festgenommen, wie Polizeimajor Falah Al Mohammedawi mitteilte.
Die Razzia stand im Zusammenhang mit einer Serie von Anschlägen in
der irakischen Hauptstadt.
Irakische Sondereinsatzkräfte durchsuchten gemeinsam mit
US-Soldaten Häuser in mehreren südwestlichen Stadtvierteln,
kontrollierten Fahrzeuge und Passanten. Die Operation richte sich gegen
Schlupfwinkel der Terroristen und deren Helfer, sagte Mohammedawi. Die
Polizei habe von Festgenommenen Hinweise erhalten, dass sie aus diesem
Gebiet unterstützt worden seien.
Rund 20 Kilometer südlich von Bagdad explodierte eine Bombe am
Straßenrand. Die Attentäter verfehlten eine US-Patrouille,
töteten aber zwei irakische Zivilpersonen, wie die irakischen
Streitkräfte mitteilten. Zwei Menschen wurden verletzt.
Ein erstes Lebenszeichen der beiden im Irak verschleppten deutschen
Ingenieure haben die Entführer drei Tage nach der Entführung
übermittelt. In einem am Freitag von Al Dschasira zunächst
ohne Ton ausgestrahlten Video rufen René Bräunlich und
Thomas Nitzschke die Regierung in Berlin auf, alles zu tun, um ihre
Freilassung zu erreichen. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier forderte die unverzügliche Freilassung und er sicherte
Hilfe zu.
Steinmeier zeigte sich erschüttert: «Wir verurteilen diese
Tat auf das Schärfste,» erklärte der SPD-Politiker. Die
Regierung ist nach seinen Worten willens, «alles
Menschenmögliche zu tun». Er sagte: «Wir werde dabei
mit Augenmaß vorgehen, das verspreche ich für die
Bundesregierung.»
Sein Sprecher Martin Jäger fügte hinzu, das Video sei ebenso
wie die Aufnahme der am 25. November verschleppten Archäologin
Susanne Osthoff ein «bedrückendes Zeugnis menschlicher
Erniedrigung, das uns alle sehr betroffen gemacht hat». Es
würden alle Anstrengungen unternommen, die Geiseln unversehrt in
Freiheit zurückzubringen. Zu konkreten Verhandlungen, der Arbeit
des Krisenstabes und eventuelle Hintergründe wollte Jäger
keine Stellung nehmen. Zunächst werde das Band von Experten des
Bundesnachrichtendienstes, der Bundeskriminalamtes und des
Auswärtigen Amtes analysiert.
Nach der Rechtslage werden die Entführten Jäger zufolge an
den Kosten der Befreiung beteiligt. Über die Höhe werde im
Einzelfall entschieden. Er vermied eine Aussage dazu, ob es von der
Firma klug gewesen sei, die Ingenieure in den Irak zu entsenden. Das
Auswärtige Amt warne allerdings seit geraumer Zeit eindringlich vor
Reisen in das arabische Land, betonte der Sprecher.
Das Video war auf Dienstag datiert, dem Tag der Entführung. Als
Uhrzeit auf dem Band erscheint 10.08 Uhr. Laut irakischer Polizei
ereignete sich die Entführung zwischen 08.30 und 09.00 Uhr.
Die Geiseln sind auf dem Boden sitzend zu sehen, mindestens vier
bewaffnete Männer stehen hinter ihnen. Im Bild ist auch ein Plakat
mit der Aufschrift «Unterstützer der Tauhid- und
Sunnah-Brigaden». Das Plakat war handschriftlich und schien in
Eile gefertigt. Dies lässt Beobachtern zufolge vermuten, dass die
Entführer keiner der organisierteren Gruppen von
Aufständischen angehören.
«Tauhid» ist das arabische Wort für Monotheismus, der
Begriff «Sunnah» bezieht sich auf die Lehren des Propheten
Mohammed. Von Al Dschasira wurde bekannt, dass die Bandaufnahme nur 35
Sekunden lang ist. Der Sender machte keine Angaben darüber, wie das
Band in seinen Besitz kam.
In der Videobotschaft nennen die beiden Entführten ihre Namen und
den ihres sächsischen Unternehmens Cryotec. Sie wenden sich auf
Deutsch an die Bundesregierung. Ob die Entführer über die
Bitte der Entführten um Hilfe hinaus konkrete Forderungen stellen
und welcher Gruppierung sie angehören, war zunächst unklar.
Das ZDF hat das Video nach Angaben des Chefs vom Dienst, Elmar
Theveßen, von Al Dschasira bekommen. Auf welchem Weg es dem
arabischen Sender zugespielt wurde, habe dieser dem ZDF nicht
mitgeteilt. Auch andere Sender übernahmen das Band.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 28.01.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.28.01.05 - Drei Tage vor den Wahlen mindestens 14 Tote bei neuen Anschlägen +++
Irakischer Außenminister dämpft Erwartungen auf hohe
Wahlbeteiligung +++ Irakische Gruppierung bekennt sich zu Abschuss von US-Hubschrauber +++
Noch keine Entscheidung über Anzeige gegen Rumsfeld wegen Folter
in Abu Ghraib...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0501280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Palästinenserwahl: Hamas gibt sich nach Wahlsieg kooperationsbereit
Fatah-Führung nach schwerer Wahlniederlage unter Druck.
Türkei bietet Vermittlung zwischen Israel und Hamas-Regierung an.
Bush droht Palästinensern mit Ende der US-Hilfen. EU will
Palästinenser weiter finanziell unterstützen
Sa.28.01.06 - Nach ihrem Überraschungssieg bei der palästinensischen
Parlamentswahl sucht die radikalislamische Hamas die Zusammenarbeit mit
anderen politischen Gruppierungen. Hamas-Spitzenkandidat Ismail Hanija
kündigte in Gaza ein Treffen mit Präsident Mahmud Abbas an,
bei dem über eine "politische Partnerschaft" von Hamas und Abbas'
Fatah-Bewegung diskutiert werden solle. Abbas kündigte an, er
werde die Hamas mit der Regierungsbildung beauftragen. Die USA wollen
ihre gesamten Hilfen für die Palästinenser einer Prüfung
unterziehen.
Zum Verhältnis zur bislang regierenden Fatah sagte Hanija: "Wir
haben politische Meinungsverschiedenheiten darüber, wie wir unsere
Ziele erreichen, aber das heißt nicht, dass Hamas mit dem
Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde in
Streit liegt." Hanija ist als Nachfolger des nach der Wahl
zurückgetretenen Ministerpräsidenten und Fatah-Politikers
Ahmed Kureia im Gespräch.
"Natürlich werde ich die stärkste Partei mit der
Regierungsbildung beauftragen", sagte Abbas. Er selbst werde weiter
für die Umsetzung des Programmes arbeiten, für das er
gewählt worden sei. Mit der israelischen Seite wolle er auf
Grundlage der Roadmap verhandeln, die unter anderem einen
Palästinenserstaat in friedlicher Koexistenz mit Israel vorsieht.
Laut Verfassung ist der palästinensische Präsident für
außenpolitische Belange zuständig, während die
Innenpolitik in das Ressort des Regierungschefs fällt. Vor Abbas'
Haus in Gaza forderten tausende Demonstranten die Absetzung des
Präsidenten. Die Hamas feierte ihren Wahlsieg nach dem
Freitagsgebet mit zahlreichen Versammlungen in ihren Hochburgen.
Der im Exil lebende Hamas-Politbürochef Chaled Meschaal wies in
der italienischen Zeitung "La Repubblica" den internationalen
Nahost-Friedensplan als "unannehmbar" zurück und bestritt
zugleich, dass die Hamas die Zerstörung Israels fordere. Meschaal
gilt als Anführer der Hamas, seit seine Vorgänger Scheich
Achmed Jassin und Abdelasis Rantisi 2004 von der israelischen Armee
getötet wurden.
Nach der schweren Niederlage der Fatah bei der palästinensischen
Parlamentswahl haben am Freitag tausende ihrer Anhänger einen
Rücktritt der Führung gefordert. Sie marschierten durch Gaza
und feuerten in die Luft. Die Demonstranten unterstützten aber die
Entscheidung der Fatah von Präsident Mahmud Abbas, sich nicht an
einer Regierung der radikalislamischen Hamas zu beteiligen.
Die Hamas errang bei der Parlamentswahl am Mittwoch eine absolute
Mehrheit der Mandate. Der amtierende israelische Ministerpräsident
Ehud Olmert schloss am Donnerstag Gespräche mit einer
Hamas-Regierung aus. Westliche Staaten riefen die Organisation zu einem
Gewaltverzicht auf. Die Organisation ist für zahlreiche
Selbstmordanschläge verantwortlich, will nach eigenem Bekunden
Israel vernichten und lehnt Friedensgespräche ab.
Russland appellierte an das neue palästinensische Parlament, den
Nahost-Friedensprozess zu respektieren. In einer am Donnerstagabend
verbreiteten Erklärung würdigte das Außenministerium in
Moskau zugleich die Wahl in den Autonomiegebieten als einen Schritt zur
Stärkung der Demokratie. Die Staats- und Regierungschefs der EU
wollen am Montag über das weitere Vorgehen beraten.
Die EU will die Palästinenser trotz des Wahlsiegs der
radikalislamischen Hamas bei der Parlamentswahl weiter finanziell
unterstützen. Die EU sei bereit, weiter Hilfe beim Aufbau der
Wirtschaft in den Palästinensergebieten und bei der Einrichtung
eines demokratischen Staates zu leisten, erklärten die 25
Mitgliedsstaaten am Donnerstag. Gleichzeitig erwarte die Union aber von
der neuen palästinensischen Regierung den Verzicht auf Gewalt,
Verhandlungen mit Israel und weitere innenpolitische Reformen. Die
EU-Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission überweisen jedes Jahr
etwa 500 Millionen Euro an die Autonomiebehörde.
Washington droht derweil den Palästinensern mit der Einstellung
der Finanzhilfe. Die USA stufen den Wahlsieger, die radikal-islamische
Hamas, als Terrororganisation ein. US-Präsident George W. Bush
sagte dem US-Fernsehsender CBS, die Hamas müsse sich von ihrem
bewaffneten und gewaltbereiten Arm trennen. Außerdem müsse
sie von dem Teil ihres Parteiprogramms abrücken, der eine
Vernichtung Israels propagiert.
Das US-Hilfsprogramm für die Palästinenser würde "in
allen seinen Aspekten" unter die Lupe genommen, kündigte der
Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, in Washington
an. "Wir vergeben kein Geld an terroristische Organisationen". Seit
1993 haben die USA rund 1,7 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) an
die Palästinenser vergeben.
Die Türkei hat sich unterdessen als Vermittler zwischen Israel und
einer neuen palästinensischen Regierung unter Führung der
radikalislamischen Hamas angeboten. "Wir könnten eine Art von
Vermittlerrolle zwischen Israel und Palästinensern
übernehmen", sagte der türkische Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan am Freitag nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär
Kofi Annan im schweizerischen Davos. Auch die Orgaisation Islamischer
Staaten könne "eine wichtige Rolle" einnehmen. Diese Idee habe er
bereits mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf
erörtert, sagte Erdogan.
(Quellen: afp, dpa, ap)
UN-Sicherheitsrat verurteilt Gewalt in Uganda
Sa.28.01.06 - Der UN-Sicherheitsrat hat die anhaltende Gewalt im Norden von Uganda
verurteilt. Der brutale Aufstand der Rebellenorganisation
Widerstandsarmee des Herrn (LRA) bereite große Sorge, hieß
es in einer am Freitagabend verabschiedeten Resolution. Sie wurde
einstimmig beschlossen. Der Sicherheitsrat beauftragte
UN-Generalsekretär Kofi Annan, Vorschläge zu unterbreiten,
wie das Gremium den Staaten in der Region im Kampf gegen Rebellen
helfen kann. Die LRA-Aufständischen kämpfen seit 20 Jahren in
Norduganda gegen die Regierung von Präsident Yoweri Museveni.
(Quelle: ap)
Vereinte Nationen hoffen auf schnellen EU-Einsatz im Kongo
Sa.28.01.06 - Der für friedenssichernde Einsätze zuständige
stellvertretende UN-Generalsekretär Jean-Marie Guéhenno hat
die EU zu einer schnellen Truppenentsendung in die Demokratischen
Republik Kongo aufgefordert. Je früher die EU die Mission zur
Absicherung des im Frühjahr beginnenden und bis Jahresmitte
laufenden Wahlprozesses auf den Weg bringe, umso bessser, sagte
Jean-Marie Guéhenno am Freitag in Brüssel. Die Vereinten
Nationen hofften auf eine schnelle Entscheidung über die Mithilfe
bei der Absicherung der bevorstehenden Wahlen. Zugleich
äußerte er Verständnis dafür, dass dieser Einsatz
von der EU sorgfältig vorbereitet werden müsse.
(Quelle: afp)
Weltsozialforum in Caracas: Chavez tritt bei Kundgebung gegen
Imperialismus auf
Sa.28.01.06 - Beim Weltsozialforum in Caracas hat der venezolanische Staatschef Hugo
Chavez die US-Regierung erneut scharf kritisiert. Präsident George
W. Bush sei «der größte Terrorist in der Welt»,
sagte Chavez am Freitag auf einer Kundgebung gegen den Imperialismus.
Bevor er ins Amt gekommen sei, hätten die USA die Ölreserven
seines Landes praktisch kontrolliert. «Venezuela wird nie wieder
eine Kolonie der Vereinigten Staaten sein», sagte er.
Chavez drohte unterdessen, US-Beamte einzusperren, falls sie
Informationen über die Streitkräfte seines Landes sammeln.
Dies betreffe US-Zivilangestellte und besonders Soldaten. Am Mittwoch
hatte die Regierung bekannt gegeben, dass Offiziere der venezolanischen
Streitkräfte Informationen an das US-Verteidigungsministerium
weitergegeben hätten. Die Soldaten werden demnach
verdächtigt, mit der US-Botschaft in Venezuela zusammengearbeitet
zu haben.
(Quelle: ap)
Weltsozialforum in Caracas endet am Sonntag.
Bedeutende
Strategiedebatten bestimmten das Treffen, aber auch organisatorische
Probleme... Mehr in 'junge Welt' vom 28.01.06:
http://www.jungewelt.de/2006/01-28/005.php
Boliviens Präsident Morales verhängt für sich und Beamte
Gehaltsverzicht von 57 Prozent
Sa.28.01.06 - Als ersten Erlass seiner Amtszeit hat der bolivianische Präsident
Evo Morales die Reduzierung seines Gehalts sowie der Gehälter in
der öffentlichen Verwaltung um 57 Prozent angekündigt. Das
Geld solle im Gesundheitssektor und in der Bildung vor allem in den
ländlichen Gebieten eingesetzt werden, sagte Morales am Donnerstag
in La Paz. Zugleich rief er die 157 Kongressabgeordneten auf, ihre
Diäten ebenfalls zu halbieren.
Einer internen Bestimmung zufolge darf in Bolivien kein Staatsbeamter
mehr verdienen als der Präsident. Nach dem Verzicht würde
Morales rund 15.000 Boliviano (etwa 1600 Euro) bekommen; die
Abgeordneten erhalten bislang ungefähr das Doppelte.
(Quelle: afp)
Türkei stellt wegen Erdgasmangels zeitweise Strom ab
Sa.28.01.06 - Die Türkei hat am Freitag mit Stromabschaltungen begonnen, um
Engpässe bei Erdgaslieferungen auszugleichen. Von Region zu Region
werde die Stromversorgung ein bis zwei Stunden unterbrochen, teilte die
Energiebehörde mit. Die Regierung wolle so Erdgas sparen, das von
Kraftwerken zur Herstellung von Elektrizität benötigt wird.
Stromabschaltungen werde es so lange geben, bis der Erdgas-Bedarf des
Landes wieder gedeckt sei. In der Geschäftsmetropole Istanbul sei
es bereits zu Abschaltungen gekommen.
Zuvor hatten die Behörden mitgeteilt, die Menge an geliefertem
Erdgas sei zwar wieder gestiegen, läge aber noch weit unter dem
Bedarf der Türkei. In den vergangenen Tagen hat der Iran, auf Grund
der Kältewelle und dem dadurch im eigenen Land gestiegenen Bedarf,
weniger Erdgas an die Türkei geliefert als vereinbart. Zeitweise
wurden nur fünf Millionen Kubikmeter der täglich vereinbarten
26 Millionen Kubikmeter exportiert. Russland, das für mehr als die
Hälfte des an die Türkei gelieferten Erdgases aufkommt, hat
einen Teil des Ausfalls ausgeglichen.
(Quelle: rtr)
Europa macht vielen Deutschen Angst
Sa.28.01.06 - Die Entwicklung der Europäischen Union löst bei acht von zehn
Deutschen Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes aus. In einer am
Donnerstag in Berlin vorgestellten EU-Umfrage fürchten 84 Prozent
der Befragten die Verlagerung von Arbeitsplätzen in
Niedriglohnländer der Mitgliedstaaten. Drei Viertel nannten
Arbeitslosigkeit als ihr vordringlichstes Problem. Große Skepsis
herrscht demzufolge gegenüber den politischen Parteien. Ihrer
Polizei hingegen vertrauen die Deutschen mehrheitlich.
Laut dem im Auftrag der EU-Kommission erstellten «Nationalen
Bericht Deutschland» zum bereits im Dezember vorgestellten
Eurobarometer erwarten 51 Prozent der Befragten, dass sich die Lage auf
dem Arbeitsmarkt verschlechtern wird. Nur jeder fünfte Deutsche
glaubt demzufolge an eine Verbesserung seines Lebens, nur 18 erwarten
einen Konjunkturaufschwung. Abgefragt wurde die Meinung von 1.534
Deutschen im Alter ab 15 Jahren im Zeitraum zwischen dem 11. Oktober und
dem 15. November 2005.
Die «allgemeine Stimmung in Deutschland» trübte sich
den Angaben zufolge auf hohem Niveau gegenüber dem Frühjahr
2005 um vier Prozentpunkte etwas ein. Demzufolge sind 79 Prozent der
Deutschen mit ihrem Leben zufrieden. Innerhalb der EU gehören die
Deutschen damit zu den zufriedensten Europäern: Vorn an liegen die
Dänen mit 96 Prozent Zufriedenheitsquote, in Bulgarien können
nur 29 Prozent der Befragten ihrem Leben eine positive Seite abgewinnen.
In etwa gleich geblieben ist das Vertrauen in nationale Institutionen.
Wohlwollen bringen die Deutschen ihrer Polizei (80 Prozent), der
Bundeswehr (72 Prozent) und dem Justizwesen (60 Prozent) entgegen.
Heftiges Misstrauen herrscht dagegen gegenüber politischen Parteien
(79 Prozent) und großen Unternehmen (71 Prozent). Die
Misstrauensquote gegenüber der Bundesregierung liegt demzufolge bei
66 Prozent.
Viele Deutschen haben Angst vor dem organisierten Verbrechen (75
Prozent) sowie wachsender Kriminalität infolge lascher
Grenzkontrollen. 42 Prozent der Befragten fürchten um einen
Bedeutungsverlust der deutschen Sprache.
Der Umfrage zufolge haben 40 Prozent der Deutschen ein positives Bild
von der EU. Mehr als die Hälfte hält die «Mitgliedschaft
innerhalb der Europäischen Union für eine gute Sache».
Jeder Zweite ist dafür, die EU-Verfassung neu zu verhandeln, 28
Prozent sprechen sich für einen Weiterführung des
Ratifizierungsprozesses aus und nur 13 Prozent der Deutschen sind gegen
eine Verfassung.
Eine Mehrheit von 59 Prozent der Befragten sprach sich gegen die
Aufnahme weiterer Länder in die EU aus. Während die Befragten
der Umfrage zufolge gegen eine Aufnahme wohlhabender Länder wie die
Schweiz, Norwegen oder Island nichts einzuwenden haben, kann sich nur
jeder Dritte einen Beitritt der Ukraine, gar nur jeder Fünfte eine
EU-Mitgliedschaft der Türkei vorstellen.
Kritik gab es an der internationalen Rolle der USA. Eine Mehrheit der
Deutschen (64 Prozent) und auch der Europäer (53 Prozent)
schätzte die Rolle der Amerikaner der Umfrage zufolge
«für den Weltfrieden als negativ ein». Hingegen sind 77
Prozent der Deutschen und noch knapp zwei Drittel der Europäer
insgesamt von der «positiven Rolle der EU auf diesem Politikfeld
überzeugt».
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://europa.eu.int/index_de.htm
2005 geringste Tarifsteigerung seit 1995
Deutliches Absinken des Reallohnniveaus
Sa.28.01.06 - Die Löhne und Gehälter sind im vergangenen Jahr weniger
angestiegen als jemals seit dem Beginn der gesamtdeutschen Statistik im
Jahr 1995. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, erhöhten sich
die tariflichen Monatsgehälter der Angestellten in der gewerblichen
Wirtschaft und bei den Gebietskörperschaften 2005 im
Jahresvergleich um nur 1,3 Prozent. Die tariflichen Stundenlöhne
der Arbeiter stiegen sogar nur um 1,2 Prozent. Da sich die
Verbraucherpreise in Deutschland zugleich im Jahresdurchschnitt um 2,0
Prozent erhöhten, bedeutet dies ein deutliches Absinken des
Reallohnniveaus.
Überdurchschnittlich erhöhten sich laut Statistischem
Bundesamt die tariflichen Monatsgehälter der Angestellten in den
Wirtschaftsbereichen Eisenbahn (plus 3,1 Prozent), Schienenfahrzeugbau
(plus 2,2 Prozent), Landverkehr, Transport in Rohrfernleitungen (plus
2,1 Prozent) und im Stahl- und Leichtmetallbau sowie im Maschinenbau
(jeweils plus 1,9 Prozent). Geringe oder keine Tariferhöhungen gab
es im Bekleidungs- und Textilgewerbe (plus 0,1 Prozent) und im Hoch- und
Tiefbau (0,0 Prozent).
Bei den Stundenlöhnen der Arbeiter war der stärkste Anstieg
im Bereich Schienenfahrzeugbau (plus 2,3 Prozent); die geringsten oder
keine Tariferhöhungen bei den Stundenlöhnen gab es wieder im
Textil- und Bekleidungsgewerbe (plus 0,2 Prozent), beim Baugewerbe sowie
im Hoch- und Tiefbau (jeweils 0,0 Prozent).
(Quelle: afp)
Hartz-Reform verfehlt Ziel kürzerer Arbeitslosigkeit
Sa.28.01.06 - Arbeitslose unter 25 Jahren sind im vergangenen Jahr deutlich
länger ohne Beschäftigung geblieben als im Vorjahr. Damit ist
ein zentrales Ziel der Hartz-IV-Reform am Arbeitsmarkt verfehlt worden,
die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit junger Menschen auf
drei Monate zu begrenzen.
Einem der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorliegenden internen
Bericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge stieg die
durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit junger Erwachsener im Jahr
2005 auf 4,4 Monate. Im Jahr davor habe sie noch bei 4,1 Monaten
gelegen. "Damit wurde das Drei-Monats-Ziel um rund 1,5 Monate
überschritten", heißt es in dem unveröffentlichten
Bericht für das Bundesarbeitsministerium.
Auch das erklärte Ziel der damaligen rot-grünen
Bundesregierung vom Frühjahr 2005, jedem Arbeitslosen unter 25
Jahren ein Angebot für eine Beschäftigung oder Qualifizierung
zu machen, wurde nicht erreicht. Nach den vorläufigen Zahlen habe
2005 nur "mindestens jeder dritte Jugendliche von
arbeitsmarktorientierten Eingliederungsleistungen profitiert". In dem
BA-Bericht wird darauf hingewiesen, dass die endgültigen Zahlen
wegen einer Verzögerung bei der Erfassung voraussichtlich etwas
höher ausfallen. Diese lägen aber erst im April vor.
Im zurückliegenden Jahr seien nach vorläufigen Berechnungen
im Durchschnitt rund 520.000 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos
gemeldet gewesen. Mehr als die Hälfte davon - rund 270.000 - waren
drei Monate oder länger arbeitslos. In dieser Zahl seien junge
Arbeitslose aus dem Arbeitslosengeld II und aus dem regulären
Arbeitslosengeld I erfasst. Zwei Drittel der knapp 260.000 Arbeitslosen
unter 25 Jahren im Arbeitslosengeld II hätten keinen
Berufsabschluss, 26 Prozent keinen Schulabschluss. Noch nicht
berücksichtigt seien junge Arbeitslose aus den 69 Kommunen, die
Langzeitarbeitslose in eigener Regie betreuen.
Insgesamt wurden im Bereich des Arbeitslosengeldes II 2005 den
vorläufigen Berechnungen zufolge etwa 41 Milliarden Euro
ausgegeben. Davon entfielen rund 25 Milliarden allein auf die Auszahlung
des Arbeitslosengeldes II, wie das Finanzministerium am Freitag in
seinem Monatsbericht mitteilte - fast elf Milliarden Euro mehr als
geplant. Aus dem BA-Bericht geht hervor, dass zudem über zehn
Milliarden Euro für Wohnungs- und Heizkostenzuschüsse bezahlt
wurden. Geringer als geplant fielen die Verwaltungsausgaben aus. Am
deutlichsten gespart wurde bei den Maßnahmen zur Eingliederung in
den Arbeitsmarkt: Statt der geplanten 6,55 Milliarden Euro wurden 3,12
Milliarden Euro ausgegeben. Die BA erklärt dies damit, dass die
Maßnahmen im ersten Jahr der Reform erst langsam angelaufen seien.
Im Jahr 2005 hätten knapp 1,6 Millionen oder jeder Vierte der
arbeitslosen Bezieher von Arbeitslosengeld II an arbeitsmarktpolitischen
Maßnahmen teilgenommen, heißt es in dem BA-Bericht. Fast
600.000 davon waren in gemeinnützigen, in der Regel auf sechs
Monate begrenzten Ein-Euro-Jobs beschäftigt. "Die
tatsächliche Förderquote liegt höher, da noch nicht alle
Eintritte berücksichtigt werden konnten", schreibt die BA.
Ergebnisse dazu, wie viele Arbeitslose durch solche Maßnahmen eine
dauerhafte Beschäftigung fanden, lägen nicht vor.
(Quelle: rtr)
Arbeitslosigkeitsversicherung bietet keinen Schutz vor
Überschuldung
Sa.28.01.06 - Arbeitslosigkeitsversicherungen, die Banken zusammen mit Baukrediten
anbieten, gewähren keinen Schutz vor Überschuldung.
Entsprechende Angebote haben laut ING-DiBa oft gravierende Lücken.
Die Aussage, dass die Versicherung so lange die Zahlung von Kreditraten
übernimmt, bis eine neue Stelle gefunden ist, sei mit Vorsicht zu
genießen, so die Frankfurter Bank.
Die Versicherungen sprängen meist nur beim unverschuldeten Verlust
eines unbefristeten Arbeitsplatzes ein. Bei Kündigung durch den
Arbeitnehmer oder dem Auslaufen eines befristeten Jobs gebe es kein
Geld. Außerdem ende die Zahlung in der Regel nach einem bis
spätestens zwei Jahren.
Damit böten solche Versicherungen keinen wirksamen Schutz vor der
Schuldenfalle, betonen die Experten. Wirkungsvoller und
kostengünstiger sei es, als Verbraucher bei der Kreditaufnahme
vorsichtig zu sein und Reserven für finanzielle Engpässe
einzurechnen.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsexperte Lauterbach fordert höhere Steuern für
Spitzenverdiener
Sa.28.01.06 - Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine Erhöhung
der Einkommensteuer für Spitzenverdiener, um die Finanzprobleme
der gesetzlichen Krankenversicherung zu lösen. Die Steuer für
Spitzenverdiener könne erhöht werden, da sie sich bislang an
der solidarischen Finanzierung des Gesundheitssystems nur weit
unterproportional beteiligen», schreibt Lauterbach in einem
Gastbeitrag für die «Welt am Sonntag».
Spitzenverdiener und Selbstständige seien in der Regel privat
versichert und beteiligten sich daher nicht an der Finanzierung der
Krankenversicherung für Geringverdiener. Auch die
Krankenversicherung der Kinder werde überwiegend von der
Solidargemeinschaft finanziert. Mit den Einnahmen aus höheren
Steuern könne etwa die medizinische Versorgung der Kinder bezahlt
werden. «Dies würde die Beitragssätze senken und sich
positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken», schreibt Lauterbach.
Hintergrund für seine Überlegungen ist der steigende
Reformdruck in der gesetzlichen Krankenversicherung. «Ohne
Finanzreform würde der Beitragssatz um einen Prozentpunkt steigen.
Für die sich erholende Konjunktur käme es zu einem
unkalkulierbaren Belastungstest», schreibt Lauterbach.
(Quelle: ap)
Grünen-Fragenkatalog zu Geheimdienst-Aktivitäten an Regierung
Sa.28.01.06 - Die Grünen wollen in der Geheimdienst-Affäre mit einem
großen Fragenkatalog Auskunft von der Regierung. Das Dokument
umfasst beinahe 70 Fragen zu sechs Themenbereichen. Das schreibt die
«Berliner Zeitung». Grünen-Innenexperte Wolfgang
Wieland sagte: «Nur wenn alle Fragen beantwortet werden, ist der
Untersuchungsausschuss noch zu vermeiden.» Wieland gab der
Regierung für eine Antwort bis spätestens Ende Februar Zeit.
Noch Mitte der Woche hatten die Grünen hatten sich die Grünen
solch einem Ausschuss verweigert.
(Quelle: dpa)
Johannes Rau mit 75 Jahren gestorben
Sa.28.01.06 - Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau ist tot. Er starb nach
längerer schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren in Berlin im
Kreise seiner Familie. Rau hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Als einer der ersten führenden Politiker würdigte
Innenminister Wolfgang Schäuble Rau als großen Staatsmann.
Rau zählte über Jahrzehnte zu den führenden deutschen
SPD-Politikern. Er war fast 50 Jahre politisch aktiv, davon 20 Jahre als
Ministerpräsident in Nordrhein-Westalen. 1999 wurde Rau
Bundespräsident.
(Quelle: dpa)
Der Menschenfreund
Er war ein Mann, der an die Gleichheit aller glaubte. 20 Jahre lang
regierte Johannes Rau das bevölkerungsreichste Bundesland - uneitel
und warmherzig. Dann wechselte der SPD-Politiker ins höchste
Staatsamt. Abschied von dem besten Bundespräsidenten, den
Deutschland je gehabt hat... meint Bettina Gaus im taz-Kommentar vom
28.01.06:
http://www.taz.de/pt/2006/01/28/a0161.1/text
Computer
Microsofts Quellcode-Veröffentlichung könnte Falle sein
Sa.28.01.06 - Die Free Software Foundation (FSF) hat Befürchtungen
geäußert, dass sich Microsofts Ankündigung, die
Quellcodes für Konkurrenten offen zu legen, als Falle entpuppen
könnte. Der Softwareriese hat angekündigt, er gewähre
Unternehmen zukünftig Einblick in den kompletten Sourcecode der
Windows-Systeme. "Wer von diesem Apfel isst, findet sich selbst mit
einer Copyright-Vergiftung wieder", so der bissige Kommentar von Carlo
Piana, Anwalt der FSF.
Microsoft setzte den Schritt, um die Auflagen aus dem
Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission zu erfüllen. Den Sourcecode
zur Verfügung zu stellen ist für Microsoft allerdings nicht
ganz neu. "Aktuell haben bereits eine Million Entwickler und
IT-Experten volle Einsicht in den Quellcode der Windows
Betriebssysteme. Erst kürzlich wurde das Shared-Source-Projekt auf
Office-Produkte ausgeweitet", erklärte Microsoft-Sprecher Thomas
Lutz im Gespräch mit pressetext (pte).
"Die Offenlegung heißt natürlich nicht, dass der Konzern auf
seine Urheberrechte verzichtet. Sie soll dem Wissenstransfer und der
Transparenz dienen. Wir betrachten es als Vertrauensbeweis. IT-Experten
sollen sich davon überzeugen können, dass mit unseren Systemen
alles in Ordnung ist", so Lutz weiter. "Es ist eben Shared und nicht
Open Source. Die Verwendung der Codes unterliegt Auflagen und bedarf
einer Vereinbarung mit Microsoft. Man darf nicht vergessen, dass der
Code auch Patente Dritter enthalten kann. Deren Rechte müssen
ebenfalls gewahrt sein."
"Entwickler, die sich den Sourcecode angesehen haben, können keine
Implementierung in freier Software auf dieser Basis vornehmen, ohne den
Vorwurf der Urheberrechtsverletzung erwarten zu müssen", meinte
Piana. Es sei zu befürchten, dass Microsoft sein
Shared-Source-Projekt nutzt, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu
nehmen. "Sie werden argumentieren, dass die Entwickler den Code
anschauen können", sagte der Anwalt. Das Verwenden dieser
Erkenntnisse in ihren Applikationen, könne für Programmierer
zu gravierenden Probleme führen. "Mit öffentlichen
Windows-Codes muss jeder Entwickler ab sofort sehr aufpassen, dass sein
Code keine Ähnlichkeit mit dem von Microsoft hat. Denn prinzipiell
kann nun jeder abschreiben", erklärte Joachim Jakobs, Sprecher der
FSF, gegenüber pressetext.
Ob der Streit mit der Wettbewerbskommission der EU nun beigelegt werden
kann, ist noch offen. Der Sprecher der Kommission, Jonathan Todd, sagte,
es wäre verfrüht anzunehmen, dass das Angebot des
Quellcode-Zugangs für Wettbewerber bereits alle Auflagen der EU
erfülle. Microsoft habe bisher keine Details zu dem Angebot
verlautbart. Erst wenn diese vorliegen, werde man sie prüfen und
sich anschließend zu möglichen Konsequenzen
äußern, so Todd.
Im März 2004 wurde Microsoft nach einem Kartellverfahren wegen
missbräuchlicher Ausnutzung seiner Marktposition bei dem
Betriebssystem Windows zu einer Strafzahlung von 497 Mio. Euro
verurteilt. Zudem wurde Microsoft auferlegt, einige seiner
Marktpraktiken zu ändern. Vergangenen November hat die Kommission
dem Softwarekonzern vorgeworfen, die Anordnungen zu unterlaufen. Bis
zum 15. Februar hat Microsoft Zeit, auf die Vorwürfe zu reagieren.
Sollte sich an der Einschätzung der Kommission bis dahin nichts
ändern, drohen Strafzahlungen in der Höhe von zwei Mio. Euro
täglich.
(Quelle: pte)
Free Software Foundation (FSF):
http://www.fsf.org
Wettbewerbskommission der EU:
http://europa.eu.int/comm/competition/index_de.html
Wissenschaft
Japanischer Wissenschaftler fälschte offenbar Forschungsergebnisse
Sa.28.01.06 - Nach dem Skandal um den südkoreanischen Genforscher Hwang Woo Suk
haben sich offenbar auch Aufsehen erregende Forschungsergebnisse eines
prominenten japanischen Wissenschaftlers als Fälschungen entpuppt.
Die von Kazunari Taira veröffentlichten Erkenntnisse könnten
nicht in Experimenten bewiesen werden, urteilte ein Prüfausschuss
der Universität Tokio in einem am Freitag veröffentlichten
Bericht. Der Ausschuss verfügte die Schließung von Tairas
Labor. Der 53-jährige Wissenschaftler hatte behauptet, erstmals
ein menschliches Enzym in Kolibakterien hergestellt zu haben. Die auch
in der angesehenen britischen Fachzeitschrift "Nature"
veröffentlichten Erkenntnisse sollten den Weg zur Behandlung
bisher unheilbarer Krankheiten öffnen.
Taira selbst bestritt die Anschuldigungen. Zuvor hatte er in "Nature"
bereits eine Korrektur des methodischen Teils seiner Forschung
veröffentlicht. Es habe einige "kleinere Fehler" in seinem Aufsatz
gegeben. Diese seien aber nicht "entscheidend" genug, um die Ergebnisse
insgesamt zu erschüttern, sagte er. Der Fall erinnert an den
Skandal um den südkoreanischen Genforscher Hwang Woo Suk. Dessen
Stammzell-Forschung war Anfang des Jahres als gefälscht entlarvt
worden. Seine Forschung hatte international Hoffnungen geweckt,
maßgeschneiderte Stammzellen eines Tages zur Behandlung von
Kranken einzusetzen.
(Quelle: afp)