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+++ Mi.08.02.06, 07:40         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am fünfhundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Vier Zivilisten und vier US-Soldaten im Irak getötet. Prominenter Geistlicher in Falludscha ermordet. Weiße Luftballons in Paris für Freilassung aller Irak-Geiseln. Weiter Bangen um das Leben der entführten Deutschen im Irak

Mi.08.02.06 - Zwei Bomben sind am Dienstag kurz hintereinander auf einem Markt der irakischen Hauptstadt Bagdad explodiert und haben vier Zivilisten in den Tod gerissen.

Zwanzig weitere Leute seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Unter den Verwundeten seien fünf Polizisten und 15 Passanten. Viele Menschen hätten sich nach der ersten Explosion um den Anschlagsort versammelt, als die zweite Bombe detoniert sei.

Bei zwei vorangegangenen Bombenanschlägen im Irak wurden vier US-Soldaten getötet. Wie die US-Armee mitteilte, detonierte am Vortag eine am Straßenrand versteckte Bombe in der Ortschaft Hit in der Provinz Anbar. Dabei seien drei Soldaten ums Leben gekommen. Bei einer weiteren Bombenexplosion in derselben Provinz sei ein US-Soldat getötet worden. Seit dem Beginn des Irak-Kriegs sind damit mindestens 2252 US-Soldaten ums Leben gekommen.

Unbekannte haben am Dienstag einen prominenten sunnitischen Geistlichen vor seiner Moschee in Falludscha erschossen. Die Angreifer eröffneten aus zwei fahrenden Autos das Feuer auf Scheik Kamal Nasal, wie die Polizei mitteilte. Er sei auf dem Weg zum Krankenhaus gestorben. Nasal war Vorsitzender des Stadtrates von Falludscha, einer sunnitisch dominierten Stadt westlich von Bagdad. Zum Verhängnis wurde ihm möglicherweise, dass er im Januar den schiitischen Ministerpräsidenten Ibrahim al Dschaafari und den US-Botschafter Zalmay Khalilzad zu politischen Gesprächen empfing.

Mit Dutzenden weißen Luftballons hat die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) am Dienstag in Paris für die Freilassung aller Irak-Geiseln demonstriert. An der Aktion auf dem Platz der Menschenrechte am Seineufer gegenüber dem Eiffelturm nahmen die französische Schauspielerin Juliette Binoche und Reporterin Florence Aubenas teil, die selbst monatelang im Irak als Geisel festgehalten worden war, dazu Peter Ford, der Europa-Chef der Zeitschrift "Christian Science Monitor", dessen Mitarbeiterin Jill Carroll im Irak verschleppt wurde. Auf Transparenten hieß es auf Englisch "Lasst Jill Carroll frei" und "Lasst die Geiseln im Irak frei".

Das Schicksal der beiden im Irak entführten deutschen Ingenieure ist weiter ungewiss. "Wir sind leider nicht entscheidend vorangekommen", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag in Berlin. Die deutsche Regierung sei unverändert bemüht, die Freilassung von Thomas Nitzschke und Rene Bräunlich zu erreichen.

Die Kidnapper der beiden Deutschen hatten in einem am Dienstagabend vergangener Woche ausgestrahlten Video damit gedroht, die Geiseln zu ermorden, sollten ihre Forderungen nicht binnen 72 Stunden erfüllt werden. Die Entführer verlangen, dass die Bundesregierung die deutsche Botschaft in Bagdad schließt und die Zusammenarbeit mit den irakischen Behörden einstellt. Zudem sollten sich alle deutschen Firmen aus dem Irak zurückziehen. Steinmeier hatte am Freitag in einer Videobotschaft die Entführer zur Freilassung der Geiseln aufgefordert.

(Quellen: ap, afp)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Chronologie des Irak-Kriegs:

Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11. 2003 bis 08.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
 
 

Vor einem Jahr:
 
Irak am zweihundertfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.08.02.05 - Kommission räumt Unregelmäßigkeiten bei Wahlen im Irak ein. Mindestens 15.000 Stimmberechtigte im Nordirak konnten nicht wählen. Kurdische Liste auf Platz zwei nach Schiiten +++ Acht Tage nach den Wahlen wurden bei mehreren Anschlägen mindestens 30 Menschen in den Tod gerissen +++ Neue Enthüllungen über Zustände in der irakischen Haftanstalt Abu Ghraib +++ Druck aus dem Pentagon wegen Strafanzeige gegen Rumsfeld ?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502080.htm#news

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht werden sollte.

Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder», heißt es in dem Bericht.

Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft" prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen, sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet" erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.

Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei "eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der Kampfhandlungen im März 2003.

Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899 Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.

Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

 


 


 

13 Tote bei Taliban-Anschlag in Afghanistan

Mi.08.02.06 - Bei einem erneuten Selbstmordanschlag der radikal-islamischen Taliban sind in der südafghanischen Stadt Kandahar am Dienstag mindestens 13 Menschen getötet und 11 verletzt worden. Viele Verletzte schwebten in Lebensgefahr, sagten Ärzte in den Krankenhäusern.

Die meisten der Opfer seien Polizisten gewesen. Das Innenministerium in Kabul bestätigte den Anschlag, ohne Einzelheiten zu nennen. Augenzeugen sagten, die Bombe sei an einem Motorrad befestigt gewesen.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Rebellensprecher Qari Yussif Ahmadi sagte, der Selbstmordattentäter ei ein Mann aus Kandahar gewesen. Nach Angaben des Innenministeriums sprengte sich der Attentäter in der Nähe des Polizei-Hauptquartiers in Kandahar-Stadt in die Luft. In der Unruheprovinz Kandahar kommt es immer wieder zu schweren Anschlägen der Taliban.

In der nordafghanischen Stadt Maymana ist ein Muslim beim Ansturm von Demonstranten auf ein norwegisches Lager der Internationalen Schutztruppe ISAF getötet worden. Zwei weitere Demonstranten seien bei den Protesten gegen die Mohammed- Karikaturen am Dienstag verletzt worden, teilte das afghanische Innenministerium mit.

Aufgebrachte Demonstranten hatten das Camp der Norweger im Maymana angegriffen. Wie ein Armeesprecher in Oslo mitteilte, bewarfen etwa 200 bis 300 Personen das Lager mit Steinen und konnten durch das Haupttor ins Innere eindringen. Dabei sei es auch zu Brandstiftung gekommen. In dem Lager befanden sich lediglich 20 Soldaten. Es habe mehrere Verletzte gegeben. Die norwegische Einheit habe das ISAF-Hauptquartier um Verstärkung durch Einsatzkräfte zu Land und aus der Luft ersucht.

Bei Protesten andernorts in Afghanistan waren am Montag mindestens drei Demonstranten ums Leben gekommen. Am Dienstag wurden aus sieben Provinzen und der Hauptstadt Kabul teils gewalttätige Proteste gemeldet.

Die Taliban forderten die muslimische Welt wegen der Mohammed-Karikaturen zum Heiligen Krieg (Dschihad) auf. Taliban-Sprecher Qari Yussif Ahmadi sagte der dpa am Dienstag, die Rebellen würden wegen der Veröffentlichungen besonders dänische Soldaten ins Visier nehmen. «Alle ausländischen Invasoren in Afghanistan sind unser Ziel, wegen der Beleidigungen werden wir aber besonders dänische Soldaten angreifen.»

(Quelle: dpa)
 


 

USA wollen Afghanistan alle Schulden erlassen

Mi.08.02.06 - Die USA wollen Afghanistan alle Schulden in Höhe von rund 108 Millionen Dollar erlassen. Das kündigte am Dienstag der Sprecher des Außenministeriums, Sean McCormick, an. Er erklärte, auch Deutschland und Russland wollten Afghanistan alle Schulden erlassen. Dies werde über den Pariser Club abgewickelt, einem Zusammenschluss von Gläubigerstaaten. McCormick rief auch andere Staaten auf, sich diesem Schritt anzuschließen. Der Schuldenerlass sei notwendig, um die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans voranzubringen.

Russland hatte schon zu Beginn der Woche angekündigt, dass es bereit sei, Afghanistan die Schulden zu erlassen. Voraussetzung sei aber, dass das Land diese Verbindlichkeiten anerkenne. Sie belaufen sich auf rund zehn Milliarden Dollar und stammen zumeist noch aus der Zeit der sowjetischen Besatzung in Afghanistan. Bislang hat die Regierung von Staatspräsident Hamid Karsai die Schulden weder anerkannt noch mit der Rückzahlung begonnen.

(Quelle: ap)
 


 

Bush will mehr Geld für Truppen und Heimatschutz

Einsparungen im Sozialbereich

Mi.08.02.06 - US-Präsident George W. Bush will die Ausgaben für die Streitkräfte und die innere Sicherheit erneut erhöhen. Sein Entwurf für das Haushaltsjahr 2007 sieht einen Zuwachs im Verteidigungsressort um 6,9 Prozent auf 439,3 Milliarden Dollar (366,7 Milliarden Euro) vor. Das Ministerium für den Heimatschutz soll 33,1 Milliarden Dollar bekommen und damit 3,3 Prozent mehr als im derzeitigen Etat. Auch für die Diplomatie soll mehr Geld ausgegeben werden: Das Budget des Außenministerium soll um 12,2 Prozent auf 33,9 Milliarden Dollar wachsen.

In den meisten anderen Bereichen wie Erziehung, Gesundheit, Landwirtschaft und Verkehr soll es dagegen Kürzungen geben. Insgesamt hat der Haushaltsentwurf ein Volumen von 2,77 Billionen Dollar, was einem Zuwachs von 2,2 Prozent entspricht. Der Entwurf bedarf allerdings noch der Zustimmung des Kongresses, der in der Regel zahlreiche Änderungen vornimmt.

Das Weiße Haus korrigierte zugleich die Schätzung für das Defizit im laufenden Haushaltsjahr deutlich nach oben. Es geht nun davon aus, dass es bei 423 Milliarden Dollar liegen wird, was einem Anteil von 3,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) entsprechen würde. Ursprünglich hatte die Regierung ein Defizit von 341 Milliarden Dollar erwartet. Für das im Oktober beginnende Haushaltsjahr 2007 rechnet das Weiße Haus dann mit einer Lücke von 354 Milliarden Dollar, für 2008 mit 223 Milliarden Dollar.

(Quelle: afp)
 


 

Hamas will neuen Regierungschef stellen

Mi.08.02.06 - Der nächste palästinensische Ministerpräsident wird nach Einschätzungen eines Anführers der radikal-islamischen Hamas aus deren Reihen kommen.

Hamas-Führer Ismail Hanija sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag in Kairo, die Erwartung sei hoch, dass ein Mitglied der Hamas Chef der neuen palästinensischen Regierung werde. Es sei aber noch zu früh, um Namen zu nennen.

Die Organisation berät zur Zeit mit Vertretern Ägyptens in Kairo über die Regierungsbildung in den Palästinenser-Gebieten. Bei den Gesprächen ging es am Montag um die Möglichkeit, die Fatah von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas einzubinden. Dabei hatte die Hamas das Amt des Regierungschefs zunächst nicht für sich beansprucht.

Da die Hamas die größte Fraktion im Parlament stelle, gehe sie davon aus, dass Präsident Mahmud Abbas jemanden von ihr mit der Regierungsbildung beauftragen werde, sagte Hanija nun am Dienstag.

Die Hamas hatte bei der Parlamentswahl Ende Januar überraschend klar die absolute Mehrheit erreicht. Sie gewann 74 der 132 Sitze im Parlament. Bisher stellte die Fatah die Regierung, die das Existenzrecht Israels im Grundsatz anerkennt. Die Hamas dagegen hat das Ziel, Israel zu zerstören.

Sowohl Abbas als auch Ägypten haben gefordert, dass die neue Regierung die bisherigen Ergebnisse des Friedensprozesses respektieren muss. Es wurde erwartet, dass sich die Gespräche in Kairo über mehrere Tage hinziehen.

(Quelle: rtr)
 


 

Abbas weicht Frage nach Fatah-Regierungsbeteiligung aus

Mi.08.02.06 - Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat sich zu einer Beteiligung seiner Fatah-Bewegung an der künftigen Regierung zusammen mit der radikalislamischen Hamas ausweichend geäußert. Auf entsprechende Journalistenfragen antwortete Abbas am Dienstag beim Abschluss seines Kurzbesuchs in Kuwait, die Entscheidung darüber liege bei den zuständigen Instanzen der Fatah. In den vergangenen Tagen hatten sich einige Fatah-Führer gegen eine Koalitionsregierung mit der Hamas ausgesprochen. Der Hamas-Führer Ismail Hanija hatte am Montagabend nach Beratungen über die Regierungsbildung in Kairo erklärt, seine Gruppe werde der Fatah offiziell eine Koalition vorschlagen.

(Quelle: afp)
 


 

Olmert will drei Siedlungsblöcke im Westjordanland behalten

Mi.08.02.06 - Die israelische Kadima-Partei will nach den Worten des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert die drei großen Siedlungsblöcke im Westjordanland und das Jordantal für einen israelischen Staat behalten. In einem am Dienstag aufgezeichneten Fernsehinterview deutete Olmert außerdem weitere einseitige Schritte im Nahost-Konflikt an, wie ein Redakteur des Senders Kanal Zwei vor der Ausstrahlung mitteilte.

Das Interview mit Olmert sollte am Dienstagabend gesendet werden. Erstmals nenne darin ein ranghoher Politiker genaue Einzelheiten, welche Gebiete Israel behalten wolle, sagte der Redakteur Nissim Mischal im Armeerundfunk. Olmert habe erklärt, er wolle die drei großen Siedlungsblöcke Ariel, Gusch Etzion und Maaleh Adumin sowie das Jordantal behalten. Die Palästinenser streben dagegen einen eigenen Staat an, der das Westjordanland, den Gazastreifen und Ostjerusalem umfasst.

Olmert «weiß, dass wir nicht mit der Hamas verhandeln können», sagte Mischal mit Blick auf den Sieg der islamischen Bewegung bei der palästinensischen Parlamentswahl. Die logische Folgerung daraus seien weitere einseitige Schritte Israels wie beim Gaza-Abzug im vergangenen Sommer. Olmert hat bereits mehrfach erklärt, dass Israel Verhandlungen mit den Palästinensern bevorzuge, aber nicht als einzige Möglichkeit ansehe.

Verteidigungsminister Schaul Mofas kündigte an, Kadima werde bei einem Wahlsieg im März innerhalb der kommenden zwei Jahre endgültig die Grenzen Israels festlegen. Dies werde zur Not auch ohne Vereinbarungen mit den Palästinensern geschehen, wurde Mofas in der Tageszeitung «Maariv» zitiert. Israel müsse «auf niemanden warten», sagte Mofas demnach.

(Quelle: ap)
 


 

Israelische Soldaten töten Dschihad-Kämpfer

Mi.08.02.06 - In Nablus im Westjordanland erschossen israelische Soldaten einen gesuchten Kämpfer des Islamischen Dschihad. Zwei Soldaten wurden nach Angaben der Streitkräfte verletzt, als es zu einem Feuergefecht kam.

Nach Raketenangriffen palästinensischer Extremisten flogen die Streitkräfte im nördlichen Gazastreifen einen Luftangriff. Eine Brücke wurde schwer beschädigt, Strom- und Telefonleitungen zerstört. Bei dem jüngsten palästinensischen Angriff schlug am frühen Morgen eine Rakete in der israelischen Stadt Sderot ein, verletzt wurde niemand.

(Quelle: ap)
 


 

Welle gewaltsamer Proteste gegen Mohammed-Karikaturen ebbt nicht ab

Erneut Todesopfer. UN, EU und die Organisation der Islamischen Konferenz rufen Muslime zur Ruhe auf

Mi.08.02.06 - Die Welle gewaltsamer Proteste gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen ebbt nicht ab. In Afghanistan kam es am Dienstag den zweiten Tag in Folge zu blutigen Zusammenstößen, bei denen ein Demonstrant erschossen und mehrere weitere verletzt wurden. Auch in Indien wurden mindestens acht Menschen verletzt. Der geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, bezeichnete die Veröffentlichung der Karikaturen als Reaktion auf den Sieg der radikalen Hamas-Bewegung bei der palästinensischen Parlamentswahl.

In der nordwestafghanischen Stadt Majmana griffen mehrere hundert Menschen den dortigen Stützpunkt von Soldaten der ISAF-Friedenstruppe an. Erst warfen sie mit Steinen, dann explodierten Granaten, wie der Provinzgouverneur Mohammed Latif mitteilte. Zwei norwegische Soldaten wurden leicht verletzt. Die Truppen setzten nach Angaben von Militärsprecherin Annie Gibson-Sexton Tränengas ein. Dem Gouverneur zufolge wurde aber auch auf die Demonstranten geschossen. Die Vereinten Nationen räumten ihr Regionalbüro in Majmana, und die NATO verlegte britische Soldaten zur Verstärkung in die Stadt.

Vor der dänischen Vertretung in der Hauptstadt Kabel ging die Polizei mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vor. Auch dort warf die Menge mit Steinen. Proteste gab es auch vor dem Büro der Weltbank. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah, wie mehrere Teilnehmer festgenommen wurden. Bereits am Vortag waren in Afghanistan und Somalia fünf Menschen ums Leben gekommen.

In der westlichen Stadt Herat warfen mehr als 3.000 Demonstranten Steine gegen ein Regierungsgebäude und einen Stützpunkt italienischer NATO-Soldaten. In Pulichumri nördlich von Kabul demonstrierten rund 5.000 Menschen. Mehrere Fensterscheiben gingen zu Bruch, und Autos wurden beschädigt. Auch aus anderen afghanischen Städten wurden Proteste gemeldet, die jedoch friedlich verliefen.

In Srinagar im indischen Teil Kaschmirs setzte die Polizei Tränengas gegen knapp 500 Demonstranten ein. Mindestens sechs Demonstranten sowie zwei Polizisten wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Menge setzte dänische Flaggen in Brand und skandierte: «Nieder mit Dänemark» und «Nieder mit US-Präsident Bush».

Chamenei bezeichnete den Abdruck der Karikaturen in mehreren europäischen Zeitungen als von Israel ausgehende Verschwörung. Der Westen zeige damit seinen Unmut über den Wahlsieg der Hamas. In einer Rede vor Soldaten der iranischen Luftwaffe nannte Chamenei die Karikaturen einen Skandal.

An der bisher größten pakistanischen Demonstration seit Beginn des Karikaturen-Streits nahmen am Dienstag etwa 5.000 Menschen teil. Die aufgebrachte Menschenmenge in der Grenzstadt Peschawar verbrannte Puppen, die den dänischen Regierungschef und einen der dänischen Karikaturisten darstellen sollten.

Vor der EU-Vertretung in der indonesischen Provinz Aceh demonstrierten mehrere hundert Studenten gegen die umstrittenen Karikaturen. Auf den Philippinen verbrannten mehrere hundert aufgebrachte Muslime eine dänische Flagge.

Angesichts der anhaltenden Proteste rief die dänische Regierung die in Indonesien lebenden Dänen zum Verlassen des Landes auf. Es gebe keine angemessenen Sicherheitsvorkehrungen in Indonesien, sagte Botschafter Geert Aagaard Anderson am Dienstag.

Die Karikaturen erschienen erstmals im September in der dänischen Presse. Sie wurden danach von mehreren Zeitungen in anderen europäischen Ländern nachgedruckt.

Angesichts der anhaltenden gewaltsamer Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen haben  die UN, die EU und die Organisation der Islamischen Konferenz Muslime in aller Welt zur Ruhe aufgerufen.

(Quellen: ap, dpa)
 


 

Südafrika will Landreform zu Gunsten der Schwarzen beschleunigen

Mi.08.02.06 - Südafrika will ab nächstem Monat die Landreform zu Gunsten der schwarzen Bevölkerungsmehrheit beschleunigen. "Wir haben mit manchen weißen Farmern schon zwei oder drei Jahre lang verhandelt", sagte der Landreform-Beauftragte Tozi Gwanya am Montag der Nachrichtenagentur AFP in Johannesburg. "Das muss nun ein Ende haben." Gwanya kündigte an, dass diese Landbesitzer ab März mit Zwangsverkäufen rechnen müssten. Zwangsenteignungen in großem Stil nach dem Vorbild Simbabwes schloss er jedoch aus. "Wir reden nicht über Beschlagnahmungen, denn wir wollen für das Land einen Preis zahlen", allerdings keine inflationären Summen, betonte Gwanya. Seit dem Ende der Apartheid 1994 stieg der Anteil der Schwarzen am Landbesitz demnach lediglich von 13 auf 16 Prozent.

(Quelle: afp)
 


 

Indische Wirtschaft wächst um 8,1 Prozent

Mi.08.02.06 - Der Boom von Dienstleistungen und verarbeitender Industrie hat das indische Wirtschaftswachstum überraschend stark angetrieben. Das Konjunkturplus werde im laufenden Finanzjahr, das im März endet, bei 8,1 Prozent liegen, gab das Statistikamt der indischen Regierung am Dienstag in Neu Delhi bekannt. Zuletzt hatte die Regierung mit nur rund sieben Prozent gerechnet. Im Vorjahreszeitraum hatte das Wachstum bei 7,5 Prozent gelegen. Für Deutschland rechnet die Bundesregierung im laufenden Jahr offiziell mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent. Am Montag hatte die indische Börse zudem erstmals die historische Marke von 10.000 Punkten genommen und konnte sich auch am Dienstag über dem Grenzwert halten.

(Quelle: afp)
 


 

Japan fordert Rückgabe der Kurilen-Inseln von Russland

Mi.08.02.06 - Japan hat Russland erneut zur Rückgabe der Kurilen-Inseln aufgefordert. Der anhaltende Streit belaste die Beziehungen zwischen beiden Staaten, sagte der japanische Außenminister Taro Aso am Dienstag in Tokio. Die Inseln, die von Japan als Nördliche Territorien bezeichnet werden, wurden von der Sowjetunion zum Ende des Zweiten Weltkriegs besetzt.

Aso sprach während einer Kundgebung zur Erinnerung an einen Freundschaftsvertrag zwischen Japan und Russland von 1855. In dem Dokument wurden Japan die vier Inseln zugesprochen. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi und der russische Präsident Wladimir Putin hatten sich im Januar 2003 auf eine Verbesserung der Beziehungen beider Länder geeinigt und intensive Gespräche angekündigt, um den Streit um die Kurilen-Inseln beizulegen. Bislang gab es in dem Konflikt aber keinerlei Fortschritte.

(Quelle: ap)
 


 

Wahlen in Haiti chaotisch, aber friedlich beendet

Mi.08.02.06 - Unter dem Schutz der UN- Stabilisierungstruppe MINUSTAH haben die Haitianer zum ersten Mal seit sechs Jahren ein neues Parlament und einen Präsidenten gewählt. Haitianische Medien berichteten von einem guten Verlauf des Urnengangs. Chaos entstand vor einigen Wahllokalen, die mit Verspätung geöffnet wurden. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Um das Amt des Präsidenten hatten sich 33 Kandidaten beworben.

(Quelle: dpa)
 


 

Fünf Journalisten in Istanbul wegen Armenien-Konferenz vor Gericht

Mi.08.02.06 - Vor einem Istanbuler Gericht mussten sich am Dienstag fünf Journalisten wegen ihres Engagements für eine Konferenz zu den Massakern an den Armeniern zwischen 1915 und 1917 rechtfertigen. Die vier Journalisten der Tageszeitung "Radikal" und ein Journalist des Massenblatts "Millyet" stehen unter dem Vorwurf der Beleidigung von Justizbehörden.

Die Journalisten hatten im September öffentlich Druck ausgeübt, um das Verbot einer internationalen Konferenz zu den Massakern an den Armeniern rückgängig zu machen. Die Konferenz hatte schließlich mit Unterstützung der türkischen Regierung stattfinden können.

(Quelle: afp)
 


 

Großbritannien: Sieben Jahre Haft für radikalen Prediger Abu Hamsa

Mi.08.02.06 - Wegen der Anstiftung zum Mord an "Ungläubigen" und der "Aufstachelung zum Rassenhass" hat ein Londoner Gericht den islamistischen Prediger Abu Hamsa zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Imam einer Londoner Moschee habe seine Autorität missbraucht und seinen Zuhörern das Töten als "religiöse Pflicht" dargestellt, sagte Richter Anthony Hughes in seiner Urteilsbegründung.

Der gebürtige Ägypter wurde in elf von 15 Anklagepunkten schuldig gesprochen, unter anderem auch wegen des Besitzes von Dokumenten, die "zur Verübung oder Vorbereitung eines Terroraktes nützlich" sein könnten. Die Anwälte Hamsas kündigten Berufung an.

Abu Hamsa habe mit seinen Predigten eine "Atmosphäre" geschaffen, in der das Töten nicht nur als legitim, sondern geradezu als moralische und religiöse Pflicht zur Ahndung subjektiv empfundener Ungerechtigkeit gegolten habe, sagte Hughes im Gericht Old Bailey. Er werde sich jedoch nicht zu dem Fehlschluss verleiten lassen, Abu Hamsa als "Repräsentanten des Islam als Ganzem" zu betrachten, betonte der Richter offenbar mit Blick auf den eskalierenden Streit um die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed.

Der Angeklagte, der während des Prozesses sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen hatte, zeigte bei der Verkündung des Strafmaßes keine Regung. Er muss mindestens zwei Drittel seiner Strafe absitzen; die 18-monatige Untersuchungshaft wird auf die Haftzeit angerechnet. Im Anschluss droht ihm die Aberkennung seiner britischen Staatsbürgerschaft und die Auslieferung an die USA.

Vertreter der britischen Polizei äußerten sich erneut überzeugt von Abu Hamsas Beteiligung an terroristischen Aktivitäten. Scotland Yard veröffentlichte Fotos von Waffen, die 2003 in der Finsbury-Moschee beschlagnahmt worden waren, darunter Tränengasflaschen, Pistolen und hunderte nicht ausgefüllte Pässe und Kreditkarten. Es sei möglich, dass das Material für Terroristenlager in Großbritannien bestimmt gewesen seien, sagte ein ranghoher Polizeivertreter. Hamsa war von 1997 bis 2003 Prediger in der Finsbury-Moschee.

Zu den Anhängern von Abu Hamsa, der in den 80er Jahren im Kampf gegen die sowjetische Armee in Afghanistan beide Hände und ein Auge verlor, gehörten nach Angaben der britischen Polizei auch der "Schuhbomber" Richard Reid und der Franzose Zacarias Moussaoui, der zurzeit wegen seiner Verwicklung in die Terroranschläge vom 11. September in den USA vor Gericht steht.

(Quelle: afp)
 


 

Großdemos gegen Arbeitsmarkt-Reform in Frankreich

Mi.08.02.06 - In Frankreich haben mehrere hundertausend Menschen gegen die jüngste Arbeitsmarkt-Reform der bürgerlichen Regierung protestiert. Gewerkschaften und Vertretungen von Schülern und Studenten machten landesweit gegen den Plan von Premierminister Dominique de Villepin mobil, zum Abbau der Jugendsarbeitslosigkeit Arbeitsverträge mit zwei Jahren Probezeit für Berufsanfänger einzuführen. Der Protesttag gilt als bisher größte Kraftprobe für Villepin seit seiner Amtsübernahme Ende Mai vergangenen Jahres.

Nach Polizeiangaben gingen bei 187 Kundgebungen im ganzen Land etwa 218.000 Menschen auf die Straße, fast die Hälfte waren Schüler und Studenten. Die Veranstalter sprachen von insgesamt 400.000 Teilnehmern. Allein in Paris nahmen laut Polizei rund 13.000 Menschen an einer Großdemonstration teil, die Veranstalter zählten in der Hauptstadt 45.000 Demonstranten.

Villepin deutete an, sein Vorhaben notfalls ohne Abstimmung durch das Parlament zu bringen. In diesem Falle könnte die Opposition nur noch einen Misstrauensantrag stellen, der angesichts der klaren Mehrheit von Villepins Regierungspartei UMP keine Chance hätte. In der Nationalversammlung sind die oppositionellen Linksparteien, aber auch die zentrumsliberale UDF gegen den Plan.

Zu Protesten riefen auch Mitarbeiter der Parlamentarier auf; sie verwiesen darauf, dass bei ihnen ohnehin kaum Job-Sicherheit herrsche. Das Parlamentspräsidium bereitete sich auf ein Nachsitzen der Nationalversammlung am Wochenende vor, um die zahlreichen Änderungsanträge der Opposition debattieren zu können.

Am Pariser Flughafen Orly nutzten die Lotsen den Streikaufruf der Gewerkschaften zu einem überraschenden Streik für ihre Gehälter. Nach einer vorübergehenden Wiederaufnahme des Flugverkehrs kam der Betrieb am Großflughafen im Süden der französischen Hauptstadt erneut zum Erliegen.

(Quelle: afp)

Mehr zum neuen Arbeitsgesetz für Berufsanfänger in Frankreich bei telepolis vom 08.02.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21996/1.html
 


 

Deutsche Verbände kritisieren EU-Pläne zur Datenspeicherung

Mi.08.02.06 - Zehn deutsche Verbraucher-, Journalisten- und Computerverbände wehren sich in einer gemeinsamen Erklärung sich gegen EU-Pläne zur massenhaften Speicherung von Telefon- und Internetdaten.

Die auch von der deutschen Regierung befürwortete Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten sehe vor, dass künftig jede Benutzung von Telefon, Handy und Internet protokolliert werden soll, berichteten die Verbände am Dienstag in Berlin. Der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Deutsche Journalisten-Verband, der Chaos Computer Club und andere Verbände kritisierten die geplante Datenspeicherung als «inakzeptabel».

«Sie bewirkt keinen verbesserten Schutz vor Kriminalität, kostet Millionen von Euro, gefährdet die Privatsphäre und die Sicherheit Unschuldiger, beeinträchtigt vertrauliche Kommunikation und ebnet den Weg in eine immer weiter reichende Massenüberwachung der Bevölkerung», heißt es in der Erklärung. Strafverfolgungsbehörden sollten auf die Informationen zugreifen können. Nachdem das Europäische Parlament im Dezember grünes Licht gab, steht den Angaben zufolge die Entscheidung der EU-Justizminister noch aus. Wenn die EU- Richtlinie nicht zu verhindern sei, müsse bei der Umsetzung in deutsches Recht der verbleibende Spielraum zu Gunsten von Bürgern und Wirtschaft sowie die Umsetzungsfrist voll ausgeschöpft werden.

(Quelle: dpa)

Mehr bei telepolis vom 08.02.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/21/21992/1.html
 


 

Weniger Firmenpleiten in Deutschland - Privatkonkurse dagegen auf Rekordhöhe

Mi.08.02.06 - Die Welle von Firmenpleiten in Deutschland ebbt ab. Im Vorjahr ging die Zahl der Unternehmenskonkurse zum zweiten Mal in Folge zurück und sank gegenüber 2004 um 3,5 Prozent auf 37 900, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag in Düsseldorf berichtete. In ihrer Prognose für 2006 rechnet die Creditreform mit leicht rückläufigen bis stabilen Konkurszahlen.

Erwartet werden zwischen 36 000 (minus 5 Prozent) und 38 000 Pleiten - basierend auf der Annahme, dass das Wirtschaftswachstum wenigstens 1,5 Prozent beträgt.

Überschattet wird die Trendwende bei den Firmeninsolvenzen von der weiter deutlich zulegenden Zahl der Pleiten von Privatpersonen - 1999 hatte Deutschland das Verbraucherinsolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung eingeführt. So meldeten im Vorjahr bundesweit 98 400 Privatpersonen Konkurs an. Das war laut Creditreform ein Viertel mehr als 2004.

Dieser Anstieg trieb die Zahl der Gesamtinsolvenzen, also Firmen und Privathaushalte, 2005 damit auf die Rekordhöhe von 136 300 Fälle. Für dieses Jahr geht Creditreform von einem neuen Spitzenwert aus. Bei erwarteten 105 000 bis 110 000 Privatinsolvenzen könnte die Zahl der Gesamtinsolvenzen damit auf bis zu 148 000 Fälle steigen.

Im westeuropäischen Vergleich der Firmenkonkurse in 17 Ländern (EU sowie Schweiz und Norwegen) schneidet Deutschland jedoch trotz der zuletzt günstigen Entwicklung schlecht ab. Mit 130 Insolvenzen auf 10 000 Unternehmen liegt die Bundesrepublik nur im unteren Mittelfeld auf dem zwölften Platz. Spitzenreiter ist Spanien mit lediglich zwei Konkursen, Schlusslicht ist Österreich mit 288 Fällen.

(Quelle: ddp)
 


 

Die Ich-AG ist besser als ihr Ruf

Mi.08.02.06 - Die Ich-AG ist nach einer am Dienstag veröffentlichten Studie besser als ihr Ruf. Das treffe auch auf das Überbrückungsgeld zu, teilte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB [http://www.iab.de]) am Dienstag bei der Vorstellung der Untersuchung über die Förderung der Existenzgründung durch die Bundesagentur für Arbeit mit. «Insgesamt vermeiden beide Programme erfolgreich eine Rückkehr in die Arbeitslosigkeit», urteilten die Arbeitsmarktforscher. Sie sprachen sich für eine Fortsetzung aus, schlugen aber einige Änderungen vor, darunter auch eine Verkürzung der Bezugsdauer.

Nach etwa anderthalb Jahren waren der Studie zufolge etwa 70 Prozent der Gründer mit Überbrückungsgeld und knapp 80 Prozent der Inhaber von Ich-AGs noch immer selbstständig. Weniger als 15 Prozent waren wieder arbeitslos oder als arbeitssuchend gemeldet. In Anbetracht der in der öffentlichen Diskussion häufig behaupteten hohen Abbrecherquote sei dieser Anteil relativ gering, sagte IAB-Gründungsexperte Frank Wießner.

Zudem seien rund zwölf Prozent der Ich-AG-Gründer und acht Prozent der Bezieher von Überbrückungsgeld wieder sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das Ende einer Selbstständigkeit sei also keineswegs immer mit einem Scheitern gleichzusetzen. Beide Programme vermieden insgesamt erfolgreich eine Rückkehr in die Arbeitslosigkeit, hieß es. Beim Überbrückungsgeld gelte das auch für einen ausreichend langen Zeitraum nach Ende der Förderung.

Bei der Ich-AG seien wegen des längeren Förderzeitraums die Ergebnisse dagegen nur als Zwischenfazit zu betrachten: Die Förderung der Selbstständigen dauerte zum Zeitpunkt der Befragung in der Regel noch an. Um Fehlanreize und Missbrauch zu vermeiden, schlugen die Arbeitsmarktforscher eine Verkürzung der dreijährigen Förderdauer vor. Zudem empfahlen sie, die Eignung der Gründer und ihrer Geschäftsideen durch entsprechende Filter besser zu kontrollieren; beispielsweise mittels einer Verzahnung mit den erfolgreichen Modellen der Unterstützung durch Gründungszentren.

Anfang 2003 wurde das bestehende Instrument Überbrückungsgeld um die neue Ich-AG ergänzt. Seitdem habe insgesamt rund eine Million vormals Arbeitsloser mit Unterstützung der Arbeitsagenturen ein eigenes Unternehmen gestartet. Die Zahl der neu gegründeten Ich-AGs und der Existenzgründer, die das Überbrückungsgeld nutzen, lagen 2004 mit 171.000 und 183.500 auf ähnlichem Niveau, wie es weiter hieß.

Die Förderprogramme verschaffen den Gründungswilligen Zeit, ihre ersten Einnahmen unter geschützten Bedingungen zu erzielen und ihre unternehmerischen Fähigkeiten weiter auszubilden, so das Fazit. Beim Überbrückungsgeld beträgt dieses Zeitfenster sechs Monate, bei der Ich-AG maximal drei Jahre. Da beim Überbrückungsgeld die finanzielle Unterstützung von der Höhe des Arbeitslosengelds abhängt, sei dieses Förderinstrument vor allem für Arbeitslose interessant, die zuvor gut verdient haben. Bei der Ich-AG ist die Förderung pauschaliert und beträgt den Angaben zufolge monatlich 600 Euro im ersten, 360 Euro im zweiten und 240 Euro im dritten Jahr.

An der Studie waren neben dem IAB das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sinus, infas und die Gesellschaft für Arbeitsmarktaktivierung (GfA) beteiligt. Die Ergebnisse sind Bestandteil des «Berichts der Bundesregierung zur Wirkung der Umsetzung der Vorschläge der Kommission Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt».

(Quelle: ap)
 


 

Bei Hartz IV reicht vager Verdacht nicht für Hausbesuche

Mi.08.02.06 - Für Hausbesuche bei Empfängern des Arbeitslosengelds II reicht ein vager Verdacht auf Missbrauch nicht aus. Das hat das Hessische Landessozialgericht in Darmstadt entschieden. Mit der am Dienstag bekannt gewordenen Entscheidung gaben die Richter der Klage einer 64-jährigen Frau aus Wiesbaden recht, die einen Hausbesuch von Behördenvertretern abgelehnt hatte. Die Stadt hatte daraufhin ihren Antrag auf Bezüge nach dem Hartz-IV-Gesetz abgelehnt.

Das Gericht betonte aber in seiner Entscheidung, die Unverletzlichkeit der Wohnung sei ein hohes, verfassungsrechtlich geschütztes Gut. Deshalb müssten Bezieher von Arbeitslosengeld II Hausbesuche von Vertretern der Arbeitsagentur oder der Stadt nur unter zwei Voraussetzungen gestatten: wenn die Behörden berechtigte Zweifel an den Angaben des Betroffenen geltend machen können, und wenn ein Hausbesuch geeignet ist, diese berechtigten Zweifel aufzuklären.

Die Frau hatte im Herbst vergangenen Jahres Arbeitslosengeld II beantragt. Sie war zuvor selbstständig gewesen, hatte ihre Geschäftstätigkeit nach eigenen Angaben jedoch aus Krankheitsgründen einstellen müssen. Die Betroffene bewohnt eine nach den Maßstäben des Gesetzes zu große Wohnung, machte aber geltend, dass sie sich krankheitshalber vorläufig nicht um eine neue, kleinere Wohnung kümmern könne.

Mitarbeiter der Stadt als Leistungsträger des Arbeitslosengelds II wollten daher mit einem Hausbesuch die genaue Größe der Wohnung ermitteln und auch prüfen, ob die Frau wirklich ihrer bisherigen Geschäftstätigkeit nicht mehr nachgeht. Weil sie diesem Hausbesuch nicht ohne weiteres zustimmen wollte, lehnte die Stadt ihren Hartz-IV-Antrag ab. Das Landessozialgericht kam jedoch zu dem Ergebnis, dass im vorliegenden Fall kein über einen vagen Verdacht hinausgehender, berechtigter Zweifel bestand. Ein konkreter Hinweis auf eine fortbestehende Tätigkeit als Selbstständige habe nicht vorgelegen. Und im Übrigen sei ein Hausbesuch auch kein taugliches Mittel, um eine mögliche Geschäftstätigkeit der Antragstellerin nachzuweisen.

Die Ablehnung des Hausbesuchs kann nach dem rechtskräftigen Urteil deshalb auch nicht als Grund dafür herangezogen werden, der Frau Leistungen der Grundsicherung zu verweigern. (Aktenzeichen: Hessisches Landessozialgericht L 7 AS 1/06 ER und L 7 AS 13/06)

(Quelle: ap)
 


 

Belegschaften der Hausgeräteindustrie bekunden Solidarität mit AEG

Mi.08.02.06 - Die Belegschaften großer deutscher Hausgerätehersteller haben den Streikenden bei AEG in Nürnberg ihre Solidarität bekundet. «Ihr führt stellvertretend den Kampf für uns alle.»

Das sagte der Miele-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Krüger auf einer Kundgebung mit hunderten von Teilnehmern vor dem AEG-Werk. Auch Betriebsratssprecher von Bosch Siemens, Bauknecht und Liebherr versicherten der seit 19 Tagen streikenden AEG-Belegschaft ihre Unterstützung. Der schwedische Electrolux-Konzern will das Werk mit 1700 Beschäftigten Ende 2007 schließen.

Von Hausgeräte-Werken und Zulieferern aus ganz Deutschland waren Abordnungen zu einem «Weiße Ware-Tag» nach Nürnberg angereist. «Heute Ihr, morgen wir», sagte Krüger. Der stellvertretende Gesamtbetriebsratschef von Bosch Siemens Hausgeräte, Franz Veh, unterstrich: «Ihr kämpft für die Arbeitsplätze der gesamten Branche in Deutschland.» Der Bauknecht-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Manfred Böffel kritisierte, dass die Politik dem ungebremsten Personalabbau tatenlos zusehe. Für die Liebherr-Belegschaft sagte Betriebsratschef Ottmar Auzinger, bei den Produktionsverlagerungen gehe es ausschließlich um Profit.

IG Metall-Streikleiter Jürgen Wechsler unterstrich die ungebrochene Kampfbereitschaft der AEG-Beschäftigten. Electrolux bekomme die Folgen des Ausstands bereits zu spüren. «Wir wissen, dass ihnen der Streik wehtut, weil die Kunden ihnen davonlaufen.» Wechsler kündigte an, dass am Mittwoch die Urabstimmung über einen Streik bei der AEG-Ersatzteil-Sparte distriparts GmbH in Rothenburg ob der Tauber beginnen werde. Dabei geht um die Rückkehr in die Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie.

Im AEG-Konflikt treffen Vertreter der IG Metall und der Arbeitgeber heute in Nürnberg zu einer weiteren Verhandlungsrunde zusammen. Beide Seiten sind in der Frage eines Sozialplans bisher noch weit auseinander. Der Mutterkonzern Electrolux hat für Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen ein Angebot im Volumen von etwa 100 Millionen Euro vorgelegt. Die IG Metall fordert mindestens das Vierfache.

(Quelle: dpa)

 


 

Zentralrat der Muslime: Axel Ayyub Köhler löst Nadeem Elyas ab

Mi.08.02.06 - Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat am Sonntag Axel Ayyub Köhler zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der 67-jährige bisherige Generalsekretär löste nach zwölf Jahren Nadeem Elyas ab, der sich nicht mehr zur Wahl gestellt hatte.

Der Zentralrat ist neben dem Islamrat der zweite Spitzenverband der Muslime in Deutschland. Er erreicht nach eigenen Schätzungen bundesweit 800 000 Muslime unterschiedlicher Nationalitäten in 500 angeschlossenen Moscheen.

Köhler ist in Stettin (heute Szczecin in Polen) geboren und trat nach seiner Flucht in den Westen 1963 zum Islam über.

Der Naturwissenschaftler war Mitbegründer und Sprecher des Islamischen Arbeitskreises und seit 2001 Generalsekretär des Zentralrats der Muslime. Als neuer Vorsitzender steht Köhler nach Angaben der Organisation für die Fortsetzung des bisherigen Kurses.

Besonders wichtig ist ihm demnach die Zusammenführung der Muslime zu einer einheitlichen Repräsentanz in Deutschland. Verhandlungspartner sind seit zwei Jahren die Verbände DITIB, Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion, und der Verband der islamischen Kulturzentren und die nicht organisierten Moscheen.

Elyas hatte schon vor drei Jahren seine letzte Amtszeit angekündigt. «Es besteht die Gefahr, dass die Ziele und die Arbeit einer Organisation mit der Person verankert wird. Das wollte ich nie», hatte er diesen Schritt begründet. Das Büro des Verbandes soll langfristig von Eschweiler nach Köln umziehen, wo Köhler lebt.

Der 60-jährige, aus Saudi-Arabien stammende Elyas war seit der Gründung des Zentralrats 1994 Vorsitzender. Schwerpunkte seiner Arbeit waren die Integration der Muslime in Deutschland und der Dialog mit Politik, Verbänden und Medien. Nach seinem Abgang wollte er keine Ämter in der islamischen Verbandsarbeit mehr wahrnehmen.

Elyas hatte sich zuletzt für die Freilassung der deutschen Geisel Susanne Osthoff im Irak stark gemacht und hatte in der aktuellen Diskussion um Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed in westlichen Zeichen zu Gewaltfreiheit aufgerufen.

(Quelle: dpa)
 


 

Technik

NASA will neue Raumfähren entwickeln

Mi.08.02.06 - Die US-Raumfahrtbehörde NASA will den Schwerpunkt ihrer Ausgaben künftig auf die Entwicklung einer neuen Generation von Raumfähren legen, um bis zum Mond und Mars zu fliegen.

«Die Ausweitung der Menschheit auf unser Sonnensystem wird ohne Zweifel zu den größten Errungenschaften gehören», sagte NASA-Direktor Michael Griffin am Montag (Ortszeit) in Washington bei der Vorstellung des Haushaltsplanes für das Finanzjahr 2007.

Die NASA will darüber hinaus am vereinbarten Ausbau der Internationalen Raumstation ISS festhalten, aber dabei mit der geringst möglichen Zahl von 16 Shuttle-Flügen auskommen. Aus Einsparungsgründen will die NASA in der Raumstation weniger forschen.

Damit scheint sichergestellt, dass nach dem Flug des deutschen Astronauten Thomas Reiter zur ISS das europäische Raumlabor Columbus an die Raumstation andocken wird. Nach dem nächsten, für Mai geplanten Flug einer Raumfähre zur ISS will die NASA entscheiden, ob sie einen Reparatureinsatz am alternden Weltraumteleskop Hubble in Angriff nehmen wird.

Der Haushaltsentwurf für die NASA für das am 1. Oktober beginnende Finanzjahr sieht eine Steigerung von 3,2 Prozent auf insgesamt 16,8 Milliarden Dollar (14,1 Milliarden Euro) vor. Der größte Einzelposten ist dabei die Entwicklung einer neuen Generation von Raumfähren für die Zeit zwischen 2010 und 2014 und die Entwicklung einer neuen Mondlandesonde und einer Startrampe.

Sparen wird die NASA künftig an wissenschaftlichen Forschungsprogrammen. Zwar scheint die Finanzierung für laufende Projekte wie die Mars-Rover, die Saturn-Sonde Cassini und die Pluto-Sonde New Horizons sicher, aber andere Projekte könnten nach Angaben der NASA zeitlich gestreckt werden. Zu den gefährdeten Missionen gehört der Flug einer Sonde zum Mond des Gasplaneten Jupiter, Europa, sowie die Erforschung von erdähnlichen Planeten, die um Sterne kreisen.

Für die wissenschaftlichen Programme hatte die NASA im Vorjahr, noch vor dem Amtsantritt Griffins, Steigerungen von bis zu 8 Prozent pro Jahr veranschlagt. Jetzt sollen diese Programme im Haushaltsjahr 2007 nur noch um 1,7 und in den Folgejahren um 1 Prozent wachsen. Die NASA erfülle ihre Prioritäten, die vom Präsidenten und vom Kongress gesetzt würden, sagte Griffin. Bush hatte im Januar 2004 seine Weltraumvision von der Rückkehr zum Mond bis zum Jahr 2020 und Flügen bis zum Mars und darüber hinaus vorgestellt.

(Quelle: dpa)
 


 

Wissenschaft

Vogelgrippevirus hat sich in regionale Varianten entwickelt

Mi.08.02.06 - Das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus hat sich in zahlreiche regionale Varianten entwickelt. Diese Vielzahl der H5N1-Untertypen mache es der internationalen Gemeinschaft schwer, geeignete Vorsichtsmaßnahmen gegen eine mögliche Pandemie zu treffen.

Das schreibt ein internationales Team im Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» (DOI: doi/10.1073/pnas.0511120103) vom Dienstag.

Erstmal wurden die Viren 1996 im Süden Chinas isoliert. Robert Webster vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis und Kollegen in China, Vietnam, Malaysia und Indonesien hatten unter anderem das Erbgut verschiedener Virenvarianten untersucht. Bisher könne niemand voraussagen, welcher der Subtypen sich einmal zu einer globalen Bedrohung für Millionen von Menschen entwickeln könnte, schreibt das Team.

Die Studie lässt auch Schlüsse über die Verbreitungswerge des Virus zu. Zugvögel können den Vogelgrippeerreger demnach zwar über weite Strecken tragen und haben den Forschern zufolge bereits zu Infektionen in China, Tibet, Kasachstan, der Mongolei, Sibirien, der Türkei, Kroatien und Rumänien geführt. Dennoch ist die Übertragung des Virus in heimischem Federvieh der Hauptgrund für die Entwicklung der regionalen Subtypen und damit die erhöhte Gefahr einer schwer kontrollierbaren Pandemie, schreiben die Autoren.

(Quelle: dpa)
 


 

Dutzende von neuen Tier- und Pflanzenarten in Indonesien entdeckt

Mi.08.02.06 - In einem abgelegenen Dschungel auf Neuguinea haben Naturforscher Dutzende von bislang unbekannten Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Die Expedition stieß in den Foja-Bergen im indonesischen Teil der Insel auf neue Arten von Fröschen und Schmetterlingen. Teilnehmer äußerten sich am Dienstag begeistert über eine einzigartige «verlorene Welt».

Die elf Forscher aus Indonesien, den USA und Australien seien Tieren begegnet, die erstaunlich wenig Angst vor den ungewohnten menschlichen Besuchern gehabt hätten, sagte Bruce Beehler, einer der Expeditionsleiter des gemeinsamen Projekts der Umweltschutzorganisation Conservation International [http://www.conservation.org/] mit dem Indonesischen Institut der Wissenschaften. So trafen sie auf zwei Langschnabeligel (Zaglosus), die sich von den Wissenschaftlern furchtlos aufheben ließen. Die Forscher brachten die vom Aussterben bedrohten urtümlichen Säugetiere zur eingehenden Untersuchung in ihr Stammlager.

Die Expedition erkundete ein mehr als eine Million Hektar großes Dschungelgebiet im Westen der Insel Neuguinea. «Es gab dort keinen einzigen Pfad, kein Zeichen von Zivilisation oder Hinweise auf Dorfgemeinschaften», sagte Beehler. Begleitet wurden die Forscher von zwei Führern des Kwerba- und des Papasena-Stammes, die als Eigentümer des Landes gelten. «Sie waren so erstaunt wie wir darüber, wie isoliert es dort ist», sagte Beehler. «Soviel sie wissen, war keiner von ihren Clans jemals in diesem Gebiet gewesen.»

Die Wissenschaftler registrierten 20 neue Froscharten, darunter ein winziger Engmaulfrosch mit einer Länge von weniger als 14 Millimetern, vier bislang unbekannte Schmetterlingsarten und mindestens fünf neue Arten von Palmen. Vor der offiziellen Anerkennung als neue Arten müssen die Ergebnisse der Expedition noch publiziert und von anderen Wissenschaftlern anerkannt werden - ein Prozess, der mitunter mehrere Jahre dauern kann.

Ebenfalls neu entdeckt wurde ein zu den Honigfressern gehörender Vogel mit einem hellen orangefarbenen Lappen unter jedem Auge. Zu den besonders wertvollen Entdeckungen gehörte auch Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi pulcherrimus), der bislang als nahezu ausgestorben galt. Die Forscher machten die ersten bekannten Fotos eines Carola-Paradiesvogels (Parotia carolae berlepschi), der im 19. Jahrhundert von Jägern auf Neuguinea beschrieben wurde.

Die Naturforscher entfernten sich im Dezember 2005 nur wenige Kilometer von ihrem Basislager. «Wir haben nur an der Oberfläche gekratzt», sagte Beehler. Der stellvertretender Leiter eines Artenschutzzentrums von Conservation International hofft, später in diesem Jahr in die Foja-Berge zurückkehren zu können.

Einer der Gründe für die Isolierung des Regenwalds in den Foja-Bergen ist nach Angaben Beehlers die geringe Besiedlung von nur wenigen hundert Menschen in der Region. Außerdem gebe es am Fuß der Berge so viel Wild zum Jagen, dass niemand bislang eine Veranlassung gesehen habe, in das Innere des Dschungels vorzustoßen. Beehler hält das wertvolle Biotop für derzeit nicht gefährdet, da es noch nicht einmal eine Straße dorthin gebe. Allerdings kann sich dies nach seiner Einschätzung ändern, wenn die Nachfrage nach Tropenholz vor allem aus China und Japan weiter steigt.

(Quelle: ap)

 


 

Neuentdecktes Hormon hemmt Fortpflanzungssystem

Mi.08.02.06 - Amerikanische Wissenschaftler haben in Nagetieren ein Hormon entdeckt, welches das hormongesteuerte Fortpflanzungssystem hemmt. Das Forscherteam um Lance Kriegsfeld von der University of California in Berkeley [http://www.berkeley.edu] vermutet, dass das Hormon eine ähnliche Rolle im menschlichen Fortpflanzungssystem spielt. Falls dies bewiesen wird, hätten Hormonspezialisten bald einen neuen Angriffspunkt um gegen Unfruchtbarkeit vorzugehen.

Die Ergebnisse sind jetzt in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht worden.

Das identifizierte Hormon namens GnIH (gonadotropin-inhibitory hormone) wirkt direkt auf seinen bereits bekannten Gegenspieler GnRH (gonadotropin-releasing hormone) ein. Forscher vermuteten das seit einigen Jahren, doch bis jetzt blieb das Hormon unentdeckt. Die Wissenschaftler beobachteten, dass GnIH seinen Antagonisten GnRH hemmt und so verhindert, dass das Fortpflanzungssystem aktiviert wird. Damit blockiert GnIH eine Schlüsselstelle, denn nur in seiner aktiven Form stimuliert GnRH die Hirnanhangdrüse, die andere Hormone ausschüttet, um das Fortpflanzungssystem anzukurbeln.

Dazu erreichen die im Gehirn produzierten Sexualhormone über die Blutbahn die Keimdrüsen, wo sie bei Männern die Produktion von Testosteron anregen, während sie bei Frauen die Produktion von Östradiol stimulieren. Diese beiden Hormone, welche die Spermien- bzw. die Eizellenreifung regulieren, wirken wiederum auf das Gehirn ein, sobald ein bestimmter Hormonspiegel besteht. Dort regt Östradiol Zellen im Hypothalamus an, GnIH zu produzieren, das in den Zellen die Herstellung von GnRH verhindert.

"Diese Grundlagenforschung ist eminent wichtig, um Probleme im hormonellen System zu verstehen", betont Peter Licht, Beirat der Sektion Reproduktionsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie [http://www.endokrinologie.net] im Gespräch mit pressetext (pte). "Essstörungen können mitunter hormonell bedingt sein", so der Hormonspezialist weiter. Wenn man nun eine weitere Komponente in der hormonellen Steuerung kennt, so die US-Forscher in ihrem Bericht, bietet das einen neuen Ansatzpunkt für mögliche Therapiemethoden.

(Quelle: pte)
 
 
 
 

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