Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Neue Video-Botschaft der Entführer von US-Journalistin Carroll.
Arbeitgeber der deutschen Irak-Geiseln appelliert an Kidnapper
Fr.10.02.06 - Ein kuwaitischer Fernsehsender hat eine neue Videobotschaft der Anfang
Januar im Irak entführten US-Journalistin Jill Carroll
ausgestrahlt. Darin bat die 28-Jährige die US-Regierung, die
Forderungen ihrer Kidnapper zu erfüllen, berichtet CNN. Die
Videobotschaft soll aus den ersten Februartagen stammen. Das Schicksal
der beiden deutschen Geiseln im Irak bleibt indes ungewiss. Die
Bemühungen um eine Freilassung würden intensiv fortgesetzt,
sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.
Der Arbeitgeber der beiden deutschen Geiseln im Irak hat sich in einer
Videobotschaft direkt an die Entführer gewandt. Darin bitte der
Chef der Firma Cryotec, Peter Bienert, die Geiselnehmer um
Kontaktaufnahme, berichtet die "Sächsische Zeitung". Die
Bundesregierung hat zu den Geiselnehmern von Thomas Nitzschke und
René Bräunlich weiterhin keinen Kontakt. "Der Krisenstab
ist unverändert bemüht, Aufschluss über den
Aufenthaltsort der beiden zu gewinnen", sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes in Berlin.
Nach Auskunft von Cryotec-Chef Bienert wurde das Video vergangenen
Freitag in einem MDR-Studio für das Fernsehen der Deutschen Welle
aufgenommen, berichtet die "Sächsische Zeitung" weiter. Es sei
zunächst auf Englisch und Arabisch von der Deutschen Welle
gesendet worden. Seit Sonntag strahle auch der arabische Sender El
Dschasira den Beitrag aus.
Die Kidnapper Nitzschkes und Bräunlichs hatten in einem am
Dienstagabend vergangener Woche ausgestrahlten Video damit gedroht, die
Geiseln zu ermorden, sollten ihre Forderungen nicht binnen 72 Stunden
erfüllt werden. Die Entführer verlangen, dass die
Bundesregierung die deutsche Botschaft in Bagdad schließt und die
Zusammenarbeit mit den irakischen Behörden einstellt. Zudem
sollten sich alle deutschen Firmen aus dem Irak zurückziehen.
Die beiden Männer waren als Ingenieur und Service-Monteur von
Cryotec in den Irak gereist. In Baidschi rund 200 Kilometer
nordwestlich von Bagdad wurden sie Ende Januar verschleppt.
(Quellen: dpa, afp)
Zur Lage meiner Familie
Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück.
US-amerikanische Mutter antwortet auf die Ansprache von
US-Präsident George W. Bush zur Lage der Nation... Mehr in der
Tageszeitung 'junge Welt' vom 10.02.06:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 10.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.10.02.05 - USA fordern größeres NATO-Engagement im Irak +++ Serie von
Morden und Entführungen im Irak reißt nicht ab +++ Bekanntgabe
des Wahlergebnisses im Irak verzögert sich +++ Weiter Unklarheit über
im Irak entführte Italienerin +++ Bush will Verbündete in Afghanistan und Irak belohnen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502100.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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US-Armee verschärft Maßnahmen gegen Hungerstreikende in
Guantánamo
Fr.10.02.06 - Die US-Armee hat einem Zeitungsbericht zufolge die Maßnahmen
gegen die seit Monaten andauernden Hungerstreiks im US-Gefangenenlager
Guantánamo verschärft. Wie die "New York Times" am
Donnerstag berichtete, begannen Wärter in den vergangenen Wochen
damit, Gefangene teils stundenlang auf speziellen Stühlen zu
fixieren, um sie durch Schläuche zu ernähren und zu
verhindern, dass sie sich anschließend absichtlich übergeben.
Außerdem seien Häftlinge über lange Zeiträume
isoliert worden, um zu verhindern, dass sie von anderen zur Fortsetzung
des Hungerstreiks angestachelt würden. Die Maßnahmen
führten einem US-Militärsprecher zufolge dazu, dass die Zahl
der Hungerstreikenden von 84 auf nur noch vier zurückging.
(Quelle: afp)
Mit brutalem Zwang gehen die USA gegen Hungerstreikende in Guantanamo
vor
Die Firma ERC aus dem Bundesstaat Iowa preist ihren Stuhl als
"Gummizelle auf Rädern". Das Gerät sei bestens geeignet,
"renitente, selbstzerstörerische oder gewaltbereite Gefangene zu
kontrollieren". Das amerikanische Unternehmen ist gut im Geschäft:
Nach seinen Angaben hat das US-Militär Anfang Dezember
zunächst fünf Stühle erhalten und später 20 weitere
geordert, die Anfang Januar ausgeliefert wurden. Die Stühle werden
offenbar dringend gebraucht. Sie wurden dazu genutzt, einen seit Wochen
andauernden Hungerstreik im Haftlager Guantanamo auf Kuba
niederzuschlagen. Die Gefangenen wurden einfach an die Stühle
gefesselt und zwangsernährt.
Der Einsatz hat sich aus Sicht der Armee gelohnt: Nach Angaben des
Militäsprechers von Guantanamo, Jeremy Martin, sank die Zahl der
Hungerstreikenden von 84 Ende Dezember auf nunmehr vier.
Rechtsanwälte der Gefangenen geißelten die Prozedur hingegen
als weiteres Beispiel einer menschenverachtenden Behandlung in dem
Lager. Die US-Regierung habe den Hungerstreik mit "äußerst
brutalen und unmenschlichen Mitteln" beendet, sagte der Washingtoner
Anwalt Thomas Wilner nach einem Besuch in Guantanamo: "Es ist eine
Schande." Nahrungsschläuche seien derart gewaltsam durch die Nase
eingeführt worden, dass die Gefangenen Blut gespruckt hätten
oder in Ohnmacht gefallen seien. Zudem seien hungerstreikende Gefangene
in unterkühlte Räume gebracht worden. Decken und Bücher
seien ihnen entzogen worden.
Auslöser für den Streik ist laut Wilner die hoffnungslose
Lage der Gefangenen, die keine Aussicht auf ein Ende ihrer Internierung
haben. (...)
Militärsprecher weisen die Misshandlungsvorwürfe zurück.
Die Gefangenen würden "mitfühlend und menschlich" behandelt,
Die Prozeduren orientierten sich an Vorschriften in amerikanischen
Gefängnissen. Tatsächlich aber bestätigen
Militärangehörige, dass die Gefangenen teilweise "für
Stunden" in dem Gerät arretiert wurden, um sie daran zu hindern,
die Nahrung zu erbrechen. Im Prospekt der Herstellerfirma wird
ausdrücklich davor gewarnt, Menschen "mehr als zwei Stunden" in
dem Stuhl festzuhalten.
Vergangenen Sommer hat sich das Pentagon auch mit der Frage
beschäftigt, was passieren soll, wenn ein Gefangener wegen des
Streiks stirbt oder einer der häufig vorkommenden
Selbstmordversuche erfolgreich sein sollte. In dem vertraulichen Papier
wird unter anderem geregelt, wo ein Gefangener beerdigt werden soll,
wenn sein Heimatland die Leiche nicht zurückhaben will. "Das sind
eben die Realitäten einer langen Gefangenschaft", sagt dazu ein
Pentagon-Offizieller lapidar. "Mit so etwas muss man rechnen."
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 10.02.2006
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Keine Beweise gegen Mehrheit der Guantánamo-Gefangenen
Fr.10.02.06 - Der Mehrzahl der seit vier Jahren in Guantánamo auf Kuba
festgehaltenen Gefangenen werden keine feindlichen Akte gegen die USA
vorgeworfen. Das geht aus der Analyse von Pentagon-Papieren hervor, die
zwei Anwälte von Gefangenen zusammen mit der Rechtsfakultät
der Seton Hall Universität veröffentlicht haben.
«Die Anwälte hatten nur Zugang zu öffentlichen
Dokumenten und haben unsere geheimen Akten nicht eingesehen»,
sagte Pentagonsprecher Michael Shavers. «Der weitaus
größte Teil unserer Informationen unterliegt Geheimhaltung.
Weil die Feindseligkeiten noch nicht abgeschlossen sind, wäre es
weder angemessen noch im nationalen Interesse, dieses Material zu
veröffentlichen.»
Nach der Analyse der Anwälte Mark und Joshua Denbeaux kam das
Pentagon bei der Überprüfung des Gefangenenstatus der
Männer Ende 2004 und Anfang 2005 zu dem Schluss, dass 55 Prozent
der rund 500 in Guantánamo Festgehaltenen keine Verbrechen gegen
die USA oder ihre Verbündeten begangen haben. Nur acht Prozent
seien als Kämpfer der Terrorgruppe El Kaida identifiziert worden.
Shavers hatte schon früher betont, dass voraussichtlich weniger
als 100 Gefangene vor die geplanten Militärgerichte gestellt
werden. Die anderen hätten keine Kriegsverbrechen begangen,
würden aber als «feindliche Kämpfer» festgehalten,
weil die USA überzeugt seien, dass sie bei einer Freilassung wieder
die Waffen gegen die USA erheben würden. Die US-Regierung
behält sich das international scharf umstrittene Recht vor, die
Männer ohne Anklage zeitlich unbegrenzt festzuhalten.
Als Grund für die fortgesetzte Internierung werde bei vier von
fünf Gefangenen lediglich eine «Verbindung» zu Gruppen
angegeben, die von den USA als Terrororganisationen eingestuft werden,
kritisieren die Anwälte. Fünf Prozent der Männer seien
von US-Truppen direkt gefangen genommen worden, 86 Prozent von
pakistanischen Soldaten oder Kämpfern der damals gegen die Taliban
kämpfenden Nord-Allianz. «Diese 86 Prozent wurden den USA
übergeben, als die US-Regierung große Kopfgelder für die
Ergreifung möglicher Feinde zahlte», heißt es in dem
Bericht.
(Quelle: dpa)
Annan besorgt über Israels Angriffe auf Palästinenser
Fr.10.02.06 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat sich besorgt gezeigt über
die neue Serie von gezielten israelischen Angriffen auf radikale
Palästinenser. Annan erkenne das Recht Israels auf Verteidigung
seiner Staatsbürger an, hieß es in einer in New York
veröffentlichten Erklärung. Die gezielten Tötungen
setzten jedoch Unbeteiligte einem großen Risiko aus und kämen
zudem "Exekutionen ohne Prozess" gleich. Annan drückte auch seine
Besorgnis über die "wiederholten Raketenangriffe" radikaler
Palästinenser auf israelisches Gebiet aus.
In den vergangenen Tagen hatte die israelische Luftwaffe ihre gezielten
Angriffe auf palästinensische Extremisten verstärkt; seitdem
die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad am
Freitag Raketen auf israelisches Gebiet feuerte. Mindestens zehn
Menschen wurden bei den israelischen Militäraktionen getötet.
Israelische Soldaten haben nach palästinensischen Angaben im
Gazastreifen einen bewaffneten Palästinenser erschossen. Zwei
weitere Palästinenser seien bei dem Schusswechsel in der Nähe
des Flüchtlingslagers El Bureidsch am frühen Mittwochmorgen
verletzt worden, verlautete von palästinensischen Medizinern. Die
israelische Armee teilte auf Anfrage mit, sie wisse nichts von einer
Auseinandersetzung in diesem Gebiet. Am Dienstag hatte die Armee bei
einem Luftangriff in Gaza zwei Palästinenser getötet.
(Quelle: afp)
Hamas fordert Westen zu weiterer Unterstützung der
Palästinenser auf
Fr.10.02.06 - Hamas-Führer Chaled Maschaal hat Europa und die USA am Donnerstag
aufgefordert, ihre finanzielle Unterstützung für die
palästinensische Autonomiebehörde nicht einzustellen.
Zugleich betonte er, dass die Bewegung weder einen Gewaltverzicht
erklären noch Israel anerkennen werde. «Hamas kann seine
Prinzipien niemals gegen Geld eintauschen», sagte Maschaal
während einer Reise durch arabische Staaten in Katar. Die
Hamas-Bewegung gewann die Parlamentswahl in den palästinensischen
Gebieten Ende Januar. Die Regierungsbildung wird in den kommenden Wochen
erwartet.
Die Autonomiebehörde erhält jährlich rund 750 Millionen
Euro von westlichen Gebern, insbesondere Europa und den USA. Beide
haben mit einer Einstellung der Zahlungen gedroht, sollte die Hamas
weiterhin die Zerstörung Israels anstreben. «Wir rufen die
Europäische Union auf, ihre Haltung zu ändern, denn sonst
wird sie ihre Glaubwürdigkeit in den Augen des
palästinensischen Volks verlieren», sagte Maschaal vor
Reportern. Andernfalls werde die Hamas alternative Geldquellen finden.
Bezüglich Israel sagte er: «Wir schlagen nicht vor, Israel
ins Meer zu werfen. Aber wir wollen die palästinensischen Rechte
wiederherstellen und die Besatzung beenden.»
(Quelle: ap)
Hisbollah ruft zur Fortsetzung der Protestes gegen die
Mohammed-Karikaturen auf
Fr.10.02.06 - Die radikale Hisbollah-Miliz hat am Donnerstag zur Fortsetzung der
Protestbewegung gegen die Mohammed-Karikaturen aufgerufen. Die Muslime
sollten solange zur «Verteidigung des Propheten» auf die
Straße gehen, bis die Beleidigung Mohammeds in Europa gesetzlich
verboten werde, forderte Hisbollah-Führer Scheik Hassan Nasrallah
vor 700.000 Schiiten in der libanesischen Hauptstadt Beirut.
Zum Abschluss der Massenkundgebung zum schiitischen Aschura-Fest sagte
Nasrallah: «Wir werden den Gesandten Gottes nicht nur mit unserer
Stimme, sondern auch mit unserem Blut verteidigen.»
US-Präsident George W. Bush und seine US-Außenministerin
Condoleezza Rice sollten «das Maul halten». Die US-Regierung
hatte Syrien und den Iran beschuldigt, die Proteste bewusst zu
schüren. Auch der iranische Vizepräsident Isfandiar Rahim
Maschai wies dies am Donnerstag zurück und sagte: «Das ist
eine hundertprozentige Lüge.»
Im Unterschied zu den Vortagen blieben die Protestdemonstrationen in
der islamischen Welt am Donnerstag meist friedlich. In Srinagar, der
Hauptstadt des indischen Teils von Kaschmir, ging die Polizei mit dem
Schlagstock gegen 200 Menschen vor, die anlässlich eines
schiitischen Feiertags mit Rufen wie «Nieder mit
Dänemark» durch die Straßen zogen. 25 Personen wurden
festgenommen. Der geistige Führer der Muslime im indischen Teil von
Kaschmir, Mirwaiz Umar Farooq, rief zu entschlossenen, aber friedlichen
Protesten gegen die Karikaturen auf.
Nach dem Abdruck einer Mohammed-Karikatur aus Dänemark wurde die
malaysische Zeitung «Sarawak Tribune» am Donnerstag
verboten. Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi untersagte der
Tageszeitung mit sofortiger Wirkung das weitere Erscheinen.
Die Zeitung hatte sich für den Abdruck der Karikatur am
vergangenen Samstag zwar entschuldigt, zog sich aber anhaltende Kritik
der Regierung in dem überwiegend islamischen Land zu. Malaysia
hält zurzeit den Vorsitz in der 57 Staaten umfassenden Organisation
der Islamischen Konferenz. Die «Sarawak Tribune» erscheint
auf der Insel Borneo, wo die Muslime in der Minderheit sind. Der
für den Abdruck verantwortliche Redakteur hat den Verlag bereits
verlassen und wurde am Donnerstag zwei Stunden lang von der Polizei
verhört.
In Malaysia müssen sich die Zeitungen ihre Lizenz jährlich
erneuern lassen. Diese steht unter der Auflage, nichts zu
veröffentlichen, was das religiöse Empfinden stören
könnte.
Indonesien sagte am Donnerstag ein Badminton-Turnier mit Dänemark
ab. Die Sicherheit der dänischen Mannschaft könne nicht
gewährleistet werden, erklärte der indonesische
Badminton-Verband als Begründung. Die dänische Regierung hat
alle in Indonesien lebenden Dänen zum Verlassen des Landes
aufgerufen, nachdem es dort mehrfach zu Angriffen auf dänische
Einrichtungen gekommen war. Am Donnerstag versammelt sich erneut
muslimische Studenten zu einer Kundgebung vor der dänischen
Botschaft.
In Paris kamen am Donnerstag Intellektuelle, Medienexperten und
islamische Gelehrte zu einer Konferenz über den Karikaturen-Streit
zusammen. Der französische Publizist Regis Debray sagte,
Meinungsfreiheit habe nie bedeutet, einfach alles sagen zu können.
Sie beginne und ende mit dem Schutz der Grundrechte von anderen Menschen.
(Quelle: ap)
Eine schweinische Geschichte
Wie aus einem Franzosen ein Prophet mit Schweineschnauze wurde... Mehr
bei telepolis vom 09.02.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22008/1.html
EU erwägt Pressekodex zum Schutz religiöser Gefühle
Fr.10.02.06 - Als Konsequenz aus den gewaltsamen Protesten gegen europäische
Mohammed-Karikaturen erwägt die Europäische Union (EU) die
Vereinbarung eines Pressekodex.
Damit könnten die Medien zur Vorsicht bei religiösen Themen
ermutigt werden, sagte Innenkommissar Franco Frattini am Donnerstag in
einem Interview dem "Daily Telegraph" in London. Die Richtlinien sollten
auf freiwilliger Basis erstellt und eingehalten werden.
"Die Presse wird der moslemischen Welt zeigen: Wir sind uns der
Konsequenzen bewusst, wenn wir unser Recht auf Meinungsfreiheit
ausüben. Wir können dieses Recht selbst regulieren und wir
sind auch bereit dazu", sagte der frühere italienische
Außenminister. Der Kodex solle die Medien verpflichten,
religiöse Empfindsamkeiten zu respektieren. Die Europäische
Kommission könne ihn gemeinsam mit Pressevertretern ausarbeiten. Er
würde aber nicht rechtlich bindend sein.
Der indonesische Präsident forderte auch von den Medien seines
Landes, Konsequenzen aus dem Konflikt um die Karikaturen zu ziehen. "Das
Recht auf Pressefreiheit gilt nicht unbeschränkt", sagte Staatschef
Susilo Bambang Yudhoyono aus Anlass des indonesischen Tags der Presse
in Bandung. "Um welchen Glauben es sich auch handelt: Wir müssen
ihn respektieren." Indonesien ist das Land, in dem die meisten Moslems
leben.
Bei moslemischen Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen sind etliche
Menschen getötet worden. Die umstrittenen Karikaturen waren im
September in einer dänischen Zeitung erschienen und sind in den
vergangenen Wochen in zahlreichen Publikationen nachgedruckt worden. Die
Zeitungen berufen sich dabei auf die Meinungsfreiheit, während
Kritiker sagen, die Zeichnungen beleidigten Moslems vorsätzlich.
Die islamische Tradition verbietet die Darstellung des Propheten
Mohammed.
(Quelle: rtr)
Niederländische Abgeordnete für ein 'Recht auf Beleidigung'
Pressefreiheit gegen Kritiker der Mohammed-Karikaturen verteidigt
Fr.10.02.06 - Die niederländische Abgeordnete Ayyan Hirsi Ali hat die
Pressefreiheit mit scharfen Worten gegen die Kritiker der
Mohammed-Karikaturen verteidigt. In Berlin sagte Hirsi Ali am
Donnerstag: «Ich bin hier, um das Recht auf Beleidigung zu
verteidigen.» Der Abdruck der Karikaturen in Dänemark und
anderswo sei richtig gewesen. Die Islamkritikerin warnte westliche
Medien vor Selbstzensur aus Angst vor gewaltsamen Reaktionen. Von der
Tyrannei dürfe man sich nicht unterkriegen lassen.
Hirsi Ali hatte das Drehbuch zu dem Film «Submission»
(Unterwerfung) geschrieben, dessen Regisseur Theo van Gogh im November
2004 von islamischen Fundamentalisten ermordet worden war. In dem Film
wird die Behandlung von Frauen im Islam angeprangert. Die Politikerin
und Publizistin räumte ein, dass sie seit der Ermordung van Goghs
Angst habe und unter Bewachung stehe. Sie betonte aber, dass sie sich
dadurch nicht mundtot machen lassen werde. Sie plane weiterhin, den
zweiten Teil von «Submission» bis Ende des Jahres fertig zu
stellen. Er nehme dieses Mal die Beziehung von Männern zu Allah
unter die Lupe und thematisiere auch Homosexualität.
«Die Strategie, mit Nachsicht auf religiöse Gefühle zu
reagieren, funktioniert nicht», sagte die 36-jährige, in
Somalia geborene Politikerin zum aktuellen Streit um die
Mohammed-Karikaturen, die in der islamischen Welt eine Welle von
Protesten ausgelöst haben. «Es ist wichtig und dringend, den
Islam zu kritisieren», fügte sie hinzu. Denn die offene
Gesellschaft werde vom Islamismus herausgefordert.
Hirsi Ali stellte sich hinter den dänischen
Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen, der eine direkte
Entschuldigung für die zuerst in der dänischen Zeitung
«Jyllandsposten» veröffentlichten Karikaturen
verweigert hatte. Rasmussen habe sich richtig verhalten, indem er eine
Einschränkung der Pressefreiheit abgelehnt habe. Sie forderte auch
Solidarität mit den dänischen Firmen, die unter dem
Kaufboykott im Iran litten.
«Schande über diejenigen Zeitungen und Fernsehsender, die
nicht den Mut hatten, ihren Lesern die umstrittenen Karikaturen zu
zeigen», sagte sie. Diese Intellektuellen lebten zwar von der
Redefreiheit, aber sie akzeptierten Zensur. «Sie verstecken ihre
intellektuelle Mittelmäßigkeit hinter edelmütigen
Begriffen wie 'Verantwortlichkeit' und 'Einfühlsamkeit'.»
Der Streit um die Karikaturen habe gezeigt, dass Autoren, Filmemacher
und Journalisten, die den Islam kritisieren wollten, sich
einschüchtern ließen.
Den Muslimen warf sie vor, sich gerne als Opfer zu fühlen. Hirsi
Ali stellte auch klar, dass nicht alle Muslime Fanatiker seien.
«Ich will keine religiösen Gefühle verletzen, aber ich
werde mich keiner Tyrannei unterordnen», betonte sie.
«Alles, was wir haben, sind unsere Gedanken, und alles, was wir
wollen, ist eine faire Chance, sie zu äußern.»
Sich selbst bezeichnete Hirsi Ali als Islam-Dissidentin. Die Autorin
des Buches «Ich klage an», das sie ein halbes Jahr nach dem
Mord an van Gogh veröffentlichte, wurde orthodox-islamisch erzogen
und beschnitten. Sie wuchs in Saudi-Arabien, Äthiopien und Kenia
auf. Im Alter von 23 Jahren sollte sie an einen kanadischen Cousin
verheiratet werden. Über Deutschland floh sie in die Niederlande,
wo sie Asyl beantragte. 1997 wurde sie niederländische
Staatsbürgerin. 2002 erschien ihr Buch «Die
Söhnefabrik» mit scharfer Kritik an der islamischen Kultur.
Dafür erhielt sie erstmals Morddrohungen. 2004
veröffentlichte sie das Buch «Der
Jungfrauenkäfig».
Bei dem ermordeten van Gogh wurde damals ein Brief gefunden, in dem die
Täter Hirsi Ali als eigentliches Ziel des Attentats nannten. Kurz
danach musste sie in den USA untertauchen. Bei ihrer Rückkehr in
die Niederlande Anfang 2005 gab sie bekannt, dass sie ihren Kampf
für die Befreiung muslimischer Frauen fortsetzen werde.
(Quelle: ap)
Auch die schlechte Karikatur bleibt rechtlich geschützt
(...) Die juristischen Grenzen der Pressefreiheit setzt nicht der Takt,
sondem das Strafrecht - und das setzt dort ein, wo die
Schmähkritik beginnt - Die Grenzziehung kann hier aber nicht
allein den Betroffenen überlassen bleiben, denn: Wenn eine
Religion allumfassend ist, wenn sie die Trennung zwischen Recht und
Moral nicht vollzieht, wenn sie alles, was ihre Sitten verletzt, als
Schmähung verfolgt sehen will, dann macht sie ihre religiöse
Ordnung zur weltlichen. Ein säkularisierter, demokratischer Staat
kann das nicht akzeptieren, weil die Grundrechte der Verfassung
über jedwedem heiligen Buch stehen. Die verschiedenen Grundrechte
(die Religionsfreiheit einerseits, die Meinungs- und Pressefreiheit
andererseits) können aneinander reiben - aber diese Konflikte
müssen ausgetragen und ertragen werden. Auch die schlechte
Karikatur bleibt also rechtlich geschützt, zugleich darf sie aber
kritisiert, gescholten und auch moralisch verdammt werden.
Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 08.02.2006
Massenbetrug
Wegen der Diskussionen um die Mohammed-Karikaturen darf bei RTL
Gott nicht mehr besungen werden: Der Sender hat die Band Oomph! von der
Echo-Verleihung am 12. März ausgeladen. Ihr Song 'Gott ist ein
Popstar' sei "nicht zu verantworten". RTL beanstandet die Oomph!-Zeile
"Ich geb' euch Liebe ( ... ), doch nur zum Schein, denn die Massen
wollen betrogen sein."
dpa-Meldung, gefunden in der Süddeutschen Zeitung vom 06.03.2006
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Tote bei Kämpfen zwischen Schiiten und Sunniten in Afghanistan
Fr.10.02.06 - Bei Kämpfen zwischen Schiiten und Sunniten sind am Donnerstag in
Afghanistan zwei Menschen getötet und mindestens 40 verletzt
worden. Die Gewalt brach in einem Flüchtlingslager in der
westlichen Stadt Herat nahe der iranischen Grenze aus, wie ein Arzt des
städtischen Krankenhauses mitteilte. Anschließend breiteten
sich die Kämpfe auf die gesamte Stadt aus.
Nach Angaben von Anwohnern wurden mehrere Autos sowie zwei Moscheen in
Brand gesetzt. Die beiden Gruppen hätten sich gegenseitig mit
Steinen beworfen, und die Polizei habe Warnschüsse abgegeben.
Mehrere tausend Sicherheitskräfte wurden in Herat stationiert.
Über den Anlass der Gewalt war zunächst nichts bekannt. Die
Polizei machte islamische Extremisten dafür verantwortlich.
Die Schiiten feierten am Donnerstag das Aschura-Fest, mit dem sie der
Ermordung des Imams Hussein im 7. Jahrhundert gedenken. Der Tod Husseins
zementierte die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten.
(Quelle: ap)
Pakistan: Tote bei Anschlag auf Schiiten-Prozession
Fr.10.02.06 - Bei einem Anschlag auf eine Prozession schiitischer Gläubiger sind
in Pakistan mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte der
Bürgermeister der Stadt Hangu im Nordwesten mit, wo der Anschlag
sich ereignet hatte. Zuvor hatte das Innenministerium von zehn Toten
gesprochen. Der Anschlag richtete sich gegen eine Prozession zum
schiitischen Aschura-Fest, bei dem die rituell den Tod des Imam Hussein,
eines Enkels von Religionsgründer Mohammed, betrauern.
Die örtliche Polizei sprach von 45 Verletzten. Nach der Explosion
sei es zu Schusswechseln gekommen. Nach dem Anschlag zündeten
aufgebrachte Schiiten Autos und Geschäfte an. Örtliche Beamte
machten sunnitische Extremisten für den Anschlag in dem nahe der
afghanischen Grenze gelegenen Ort verantwortlich. Sunniten hatten in der
Vergangenheit immer wieder schiitische Zeremonien angegriffen. Auch beim
Aschura-Fest, zu dessen Riten auch die Selbstgeißelung der
Gläubigen gehört, starben in der Vergangenheit zahlreiche
Menschen bei Anschlägen. Rund ein Fünftel der Menschen in
Pakistan gehören der schiitischen Ausprägung des Islam an.
(Quelle: afp)
Weltbank sieht Chinas Wirtschaftswachstum bei 9,2 Prozent
Fr.10.02.06 - Die chinesische Wirtschaft wird nach Einschätzung der Weltbank in
diesem Jahr um 9,2 Prozent wachsen. In einem am Donnerstag in Peking
veröffentlichten Bericht bescheinigt die Weltbank dem asiatischen
Land gute ökonmische Aussichten für 2006. Allerdings
würde die Konjunktur damit leicht an Fahrt verlieren: 2005 hatte
das Wirtschaftswachstum laut amtlicher chinesischer Statistik noch 9,9
Prozent betragen. Im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre legte das
chinesische Bruttoinlandsprodukt demnach um 9,6 Prozent pro Jahr zu.
(Quelle: afp)
Plan übererfüllt
Chinas Wirtschaftswachstum bleibt auf hohem Niveau. Doch die Schere
zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander.... Mehr in der
Tageszeitung 'junge Welt' vom 10.02.06:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/004.php
Sudan und Tschad unterzeichnen Friedensabkommen
Fr.10.02.06 - Mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens haben der Sudan und der
Tschad am Mittwoch ihren seit Jahren andauernden Konflikt beendet. Der
sudanesische Präsident Omar el Beschir und sein tschadischer
Kollege Idriss Déby unterzeichneten in der libyschen Hauptstadt
Tripolis ein Abkommen über die Wiederherstellung der diplomatischen
Beziehungen und die Eröffnung von Konsulaten. Gleichzeitig
verpflichteten sich beide Staaten, feindselige Aktivitäten auf dem
Territorium des anderen künftig zu unterlassen.
(Quelle: afp)
USA frieren Konten von Politikern aus Elfenbeinküste ein
Fr.10.02.06 - Einen Tag nach einem UN-Sanktionsbeschluss gegen drei Politiker aus der
Elfenbeinküste haben die USA die Konten der Betroffenen
eingefroren. Die drei Männer stellten eine Bedrohung der nationalen
Sicherheit und der außenpolitischen Interessen der USA dar,
erklärte US-Präsident George W. Bush am Mittwoch. Alle
Guthaben von Charles Blé Goudé, Eugène Djué
und Martin Kouakou Fofié in den USA würden daher
eingefroren. Die drei Politiker werden für die UN-feindlichen
Unruhen in der Elfenbeinküste im vergangenen Monat verantwortlich
gemacht. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern des
ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo und UN-Soldaten waren
fünf Einheimische getötet worden.
(Quelle: afp)
Streit zwischen Mexiko und USA wegen abgewiesener Kubaner eskaliert
Fr.10.02.06 - Zwischen Mexiko und den USA bahnt sich neuer Streit an. Wie die
mexikanische Regierung am Dienstag mitteilte, wird gegen eine Filiale
der amerikanischen Hotelkette Sheraton in Mexiko-Stadt ermittelt. Das
Hotel Maria Isabel Sheraton hatte vergangene Woche 16 kubanische
Funtionäre abgewiesen, die sich dort mit US-Managern aus der
Ölindustrie zu einer Konferenz treffen wollten. Dabei berief sich
das Hotel auf ein US-Gesetz, das amerikanischen Firmen und deren
Filialen den Geschäftkontakt mit Kuba verbietet. Das erteilte
Hausverbot verstoße gegen das Handels- und
Investitionsschutzgesetz, ließ Mexikos Präsident Fox
mitteilen. Sollte das Hotel gegen mexikanisches Recht verstoßen
haben, werde man "mit der ganzen Härte des Gesetzes" dagegen
vorgehen.
"Wir können nicht hinnehmen, dass ein Unternehmen das Gesetz zum
Schutz des Handels verletzt", ließ Fox mitteilen. "Und noch
weniger werden wir tolerieren, dass in Mexiko eine Person diskriminiert
wird, die unser Land besucht." Der Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums, Sean MCCormack, betonte in Washington, nach den
Gesetzen seines Landes sei das Hotel in Mexiko eine Filiale eines
US-Unternehmens und falle deshalb unter die Gesetze der USA. Das
"Helms-Burton-Gesetz", das US-Firmen den Geschäftskontakt mit Kuba
verbietet, werde ohne Ausnahme auf diese angewandt. Dabei sei es egal,
wo sie sich befänden, "sei es in Mexiko, in Europa oder in
Südamerika". Mexikos Außenminister Luis Ernesto Derbez sagte
dagegen, in seinem Land würden nur "die mexikanischen Gesetze
gelten".
Das Hotel hatte am Freitag eine kubanische Delegation unter Leitung des
Vizeministers für Basisindustrie abgewiesen, die sich dort am
zweiten Tag einer Konferenz erneut mit US-Unternehmern treffen wollte.
Die Kubaner suchen Investoren für die Erschließung von
Ölvorkommen. Die Hotelleitung räumte ein, die Delegation auf
Anweisung Washingtons abgewiesen zu haben. Das US-Finanzministerium habe
zudem die Einnahmen für die Beherbergung der Kubaner beschlagnahmt.
Bereits am vergangenen Wochenende hatte Präsident Fox vor
wachsenden Spannungen mit den USA gewarnt, nachdem der Nationale
Geheimdienstkoordinator der US-Regierung, John Negroponte, die Regierung
Fox als zu schwach angesichts der ausufernden Krriminalität in
seinem Land bezeichnet hatte. Auch wegen der illegalen Einwanderung von
Mexikanern in die USA kommt es immer wieder zum Streit zwischen beiden
Ländern.
(Quellen: dpa, afp, sz)
Ex-Präsident Préval bei Haiti-Wahlen in Führung
Fr.10.02.06 - Zwei Tage nach den Präsidentschaftswahlen in Haiti hat der
Provisorische Wahlrat in Port-au-Prince die ersten Ergebnisse
mitgeteilt. Demnach liegt nach der Auszählung von rund 15 Prozent
der Stimmen der ehemalige Präsident René Préval in
Führung. Er erhielt knapp 45 Prozent der Stimmen. An zweiter
Stelle liegt diesen Angaben zufolge der Rechtsprofessor Leslie Manigat
mit gut 11 Prozent der Stimmen. Der Unternehmer Charles Henry Baker
folgt mit knapp 11 Prozent der Stimmen.
(Quelle: dpa)
EU-Dienstleistungsrichtlinie: Trotz Einigung soll weiter demonstriert
werden
Deutsche Wirtschaft will grünes Licht für umstrittene
Richtlinie
Fr.10.02.06 - Ungeachtet der Einigung unter den großen Fraktionen des
EU-Parlaments sollen die großen Demonstrationen gegen die
Dienstleistungsrichtlinie am Wochenende stattfinden. DGB-Chef Michael
Sommer rief nachdrücklich zur Teilnahme auf. Industrie- und
Handelsverbände verlangten am Donnerstag die Verabschiedung der
Richtlinie trotz aus ihrer Sicht bestehender Mängel. Das Handwerk
begrüßte die Abschwächung des Herkunftsland-Prinzips.
Abstimmen will das EU-Parlament am 16. Februar.
Die Herkunftsland-Prinzip besagt, dass bei einer Entsendung von
Arbeitskräften ins EU-Ausland oder der Gründung einer
Niederlassung dort die Standards des Herkunftslandes gelten sollen.
Gewerkschaften bekämpfen es aus Furcht vor Lohndumping in
Deutschland. Die Wirtschaft befürwortet es, weil es den Export von
Dienstleistungen vereinfacht.
Konservative und Sozialdemokraten im EU-Parlament hatten sich am Vortag
informell auf einen Kompromiss geeinigt, der das Herkunftsprinzip
gegenüber dem Zielland-Prinzip - das Zielland bestimmt die
Parameter des Beschäftigungsverhältnisses -
zurückdrängt. Nun erhalten Regierungen die Möglichkeit,
Dienstleister aus Niedriglohnländern aus Gründen der
öffentlichen und sozialen Sicherheit sowie des Umweltschutzes
abzuweisen.
Die Demonstrationen sind für den 11. und 14. Februar in Berlin und
Straßburg angesetzt. Nach einer eventuellen Zustimmung des
EU-Parlaments müssen noch die Regierungen zustimmen. Die
Entscheidung des Parlaments sei nach wie vor offen, erklärte
Sommer. Der Kompromiss sei in der EVP-Fraktion «heftig
umstritten». Dort stehe die endgültige Abstimmung erst am
Dienstag an.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie äußerte sich
enttäuscht, verlangte aber dennoch die Verabschiedung der
Richtlinie. Die Einigung sei «mehr als nichts», sagte das
Mitglied der BDI-Geschäftsführung Klaus Bräunig. Mit der
Abwendung vom Herkunftsprinzip werde aber wiederum eine
«Risikovermeidungs-Strategie» verfolgt, die Wettbewerb
behindere.
Positiv an der Richtlinie wertete Bräunig, dass das Prinzip des
«One-stop-Shops» gelten solle, nach dem EU-Ausländer
sich im Zielland an eine einzige Stelle wenden können, um ihre
Formalitäten zu erledigen. Dem BDI schlossen sich die
Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, der Industrie- und
Handelskammertag und die Hauptgemeinschaft des Einzelhandels an.
SPD-Chef Matthias Platzeck begrüßte den Kompromiss. Die
Einigung sichere das europäische Sozialmodell bei gleichzeitigem
freien europaweitem Marktzugang. Auch der Zentralverband des Handwerks
erklärte, die «beabsichtigte Streichung» des
Herkunftsprinzips sei sinnvoll und richtig.
Die Linkspartei forderte zur Teilnahme an den Demonstrationen auf und
sprach von «einem Freibrief für Sozialabbau, Lohndumping und
ungehemmte Profite der Großkonzerne». Der Vorsitzende des
EU-Ausschusses im Bundestag, Matthias Wissmann (CDU), meinte, mit dem
Kompromiss sei «die Sachlichkeit in der Diskussion»
zurückgekehrt. Die Richtlinie müsse nun rasch Wirklichkeit
werden. Der FDP-Wettbewerbsexperte Martin Zeil kritisierte dagegen die
gefundene Lösung als Rückkehr in die «Wärmestube
des Protektionismus», was die ganze Richtlinie mehr oder weniger
zur Wirkungslosigkeit verdamme.
(Quelle: ap)
Mindeststandards fehlen weiter
In einem sind sich Kritiker von links und rechts einig: Die jetzige
Fassung der Dienstleistungsrichtlinie schafft wenig Klarheit und wird in
vielen Einzelfällen wie bislang schon vor Gericht enden. Das sieht
Sahra Wagenknecht von der Linkspartei nicht anders als der Bundesverband
der Industrie. Und die sozialistische Verhandlungsführerin im
Europaparlament wirbt für das Ergebnis mit dem Argument, so werde
gleichzeitig die Öffnung der Märkte ermöglicht und das
europäische Sozialmodell garantiert... Mehr in der taz vom
10.02.06:
http://www.taz.de/pt/2006/02/10/a0135.1/text
Tausende Stellen bei Banken und Versicherungen gestrichen
Fr.10.02.06 - Trotz Milliardengewinnen hält der massive Stellenabbau bei Banken
und Versicherungen nach Gewerkschaftsangaben unvermindert an. Allein bei
den Kreditinstituten wurden laut Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in
den vergangenen fünf Jahren mehr als 70.000 Stellen gestrichen, bis
2008 dürften weitere 15.000 Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen.
Das sei bisher einmalig in der Branche, sagte ver.di-Vorstandsmitglied
Uwe Foullong. Zugleich deutete er an, die Gewerkschaft wolle in der
anstehenden Tarifrunde für die Bankbeschäftigten bis zu 5
Prozent mehr Gehalt fordern.
«Ich schätze, dass bei der Sitzung der Tarifkommission am 4.
April Gehaltsforderungen von 4 bis 5 Prozent erhoben werden. Das ist
meine ganz persönliche Meinung», sagte Foullong am Donnerstag
in Frankfurt am Main. Angesichts der guten wirtschaftlichen Situation
der Unternehmen gebe es Spielraum für deutliche Gehaltssteigerungen
für rund 430.000 Bankbeschäftigte.
Wenig Verständnis hat die Gewerkschaft für Forderungen aus
der Bankenbranche nach längeren Arbeitszeiten und weniger Urlaub.
Sollten die Arbeitgeber mit dieser Forderung in die Tarifverhandlungen
gehe, würde dies auf großen Unmut bei den Beschäftigten
stoßen, warnte Foullong.
Scharfe Kritik übte der Gewerkschafter am Stellenabbau bei Banken
und Versicherungen. Der Leistungsdruck auf die verbliebenen Mitarbeiter
sei gestiegen, zugleich mangele es in einigen Bereichen bereits an
Fachkräften. «Der Personalabbau von heute ist der
Fachkräftemangel von morgen», sagte Foullong. Personalabbau
sei eine «stupide Unternehmenspolitik» und der falsche Weg.
Stellenstreichungen trotz Gewinnsteigerungen seien
«unverantwortlich und unmoralisch». Das Management habe
nicht nur eine Verantwortung für seine Anteilseigner, sondern auch
für die Beschäftigten. Foullong bekräftigte die Forderung
der Gewerkschaft nach einer gesetzlichen Regelung, wonach
betriebsbedingte Kündigungen verboten sein sollten, wenn das
Unternehmen Gewinne erwirtschaftet und die Rendite steigert.
Auch in der Versicherungsbranche, in der laut ver.di-Schätzungen
allein im vergangenen Jahr 5.000 Stellen wegfielen, rechnet die
Gewerkschaft mit dem Abbau weiterer Jobs. Bis 2008 dürften es
vermutlich weitere 10.000 Stellen sein, die gestrichen würden,
hieß es. Nicht enthalten in der Schätzung sind
Arbeitsplätze, die möglicherweise durch die Umstrukturierungen
bei der Allianz entfallen. Foullong forderte Allianz-Vorstandschef
Michael Diekmann in diesem Zusammenhang auf, betriebsbedingte
Kündigungen auszuschließen.
(Quelle: ap)
ver.di erhöht Druck - Streik im öffentlichen Dienst weitet
sich aus
Fr.10.02.06 - Die Gewerkschaft ver.di erhöht den Druck auf die Arbeitgeber im
öffentlichen Dienst und hat für Anfang nächster Woche die
Ausweitung der Streiks auf kommunaler und Landesebene angekündigt.
Wie die Dienstleistungsgewerkschaft am Donnerstag in München
mitteilte, laufen an den fünf Universitätskliniken Bayerns die
Vorbereitungen für einen unbefristeten Streik ab Montag. Bei der
laufenden Urabstimmung zeichnet sich nach Angaben des bayerischen
ver.di-Sprechers Hans Sterr eine Mehrheit von über 75 Prozent der
im Dienst des Landes stehenden Beschäftigten für einen
Arbeitskampf ab.
Die Gewerkschaftsmitglieder im Bereich der Tarifgemeinschaft deutscher
Länder (TdL) in den meisten Bundesländern sind seit Montag zur
Urabstimmung aufgerufen. Das Ergebnis soll am Freitag zentral in Berlin
bekannt gegeben werden. Wahrscheinlich ist, dass ab kommender Woche
Landesbedienstete in allen Bundesländern streiken, ausgenommen
Berlin und Hessen. Beide Länder gehören der TdL nicht mehr an.
Die nächsten Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft sind für
den 20. Februar geplant. Im Saarland streiken Landesbeschäftigte
schon seit Mittwoch.
ver.di und der Deutsche Beamtenbund fordern eine Übernahme des
bereits für die Beschäftigten von Bund und Kommunen
abgeschlossenen Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst
(TVöD) auch für die Beschäftigten der Länder und
damit die Wiederherstellung der Einheitlichkeit von Einkommens- und
Beschäftigungsbedingungen im gesamten öffentlichen Dienst.
Der Streik im öffentlichen Dienst begann Anfang der Woche bei den
Beschäftigten der Kommunen in Baden-Württemberg und soll in
den nächsten Tagen auf die Bediensteten von Städten und
Gemeinden weiterer Bundesländer ausgedehnt werden. Sie wehren sich
mit dem Ausstand gegen die von den kommunalen Arbeitgebern geplante
Verlängerung der Arbeitszeit. Am Freitag sollen in Hamburg und
Niedersachsen die Ergebnisse der jeweiligen Urabstimmungen
veröffentlicht werden. ver.di erwartet, dass dort ebenfalls die
erforderliche Mehrheit der Beschäftigten für einen Streik
zusammen kommt. Dann drohen in beiden Ländern Ausstände der
kommunalen Beschäftigten ab kommender Woche.
Unterdessen ist im aktuellen Tarifkonflikt in Baden-Württemberg
eine Ende des ersten großen Streiks im öffentlichen Dienst
seit 14 Jahren nicht absehbar. Ein Gesprächstermin mit den
kommunalen Arbeitgebern ist derzeit nicht geplant. Am Donnerstag wurden
erneut zahlreiche Einrichtungen in mehreren Städten bestreikt.
Anfang nächster Woche würden die Streiks landesweit
ausgeweitet, sagte der Stuttgarter ver.di-Geschäftsführer
Bernd Riexinger der Nachrichtenagentur ddp.
(Quelle: ddp)
Metall-Tarifrunde für 710.000 Beschäftigte in Bayern ohne
Ergebnis
Fr.10.02.06 - Die Tarifverhandlungen die für die 710.000 Beschäftigten der
bayerischen Metall- und Elektroindustrie sind nach der ersten Runde am
Donnerstag erwartungsgemäß vertagt worden. «Beide
Seiten haben ihre Positionen in sachlicher Atmosphäre
dargelegt», sagte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Helmut
Keese. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten der Branche
fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt. Zudem will die Gewerkschaft eine
Weiterführung des Tarifabkommens über vermögenswirksame
Leistungen sowie einen Innovations- und Qualifizierungstarifvertrag
durchsetzen.
Die Arbeitgeberseite bezifferte dagegen den Spielraum für die
Gesamtkosten gemessen am Produktivitätszuwachs auf höchstens
1,2 Prozent. «Aus diesem Topf müsste das gesamte
Forderungspaket bewältigt werden», sagte Keese. Die
Gewerkschaftsforderung von fünf Prozent mehr Lohn würde wegen
erheblicher Mehrkosten für die Betriebe zu weiterem Arbeitsplatzbau
oder Auslandsverlagerungen führen. «Der zentrale Punkt der
Tarifverhandlungen ist für uns, dafür zu sorgen, dass Arbeit
in Deutschland bleibt und die Unternehmen neue Arbeitsplätze
aufbauen können», fügte Keese hinzu.
Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer verwies dagegen auf die
gute Ertragslage der Unternehmen im Freistaat, an deren Erfolg die
Arbeitnehmer teilhaben müssten. Ein Metall-Auszubildender trug
zudem in der ersten Verhandlungsrunde die Forderung nach einer
jährlichen Erhöhung der Ausbildungsvergütung vor. Die
nächste Tarifrunde soll am 6. März in Augsburg stattfinden.
(Quelle: ap)
Ruf nach Mindestlöhnen spaltet die Koalition
Fr.10.02.06 - Die große Koalition in Berlin steuert auf einen Konflikt
über die Einführung von Mindestlöhnen zu. «Wir
stehen einer Einführung von Mindestlöhnen sehr
zurückhaltend gegenüber», sagte
CSU-Generalsekretär Markus Söder der «Süddeutschen
Zeitung» (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. Es müsse sehr
genau geprüft werden, wie ein solches Gesetz aussehen könnte.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte laut einem am
Donnerstag vorab veröffentlichten Interview der
«Mitteldeutschen Zeitung» aus Halle (Saale) einen
Gesetzentwurf für die zweite Jahreshälfte angekündigt.
Ein Gesetz für existenzsichernde Löhne sei mit Blick auf
Kombilohnmodelle und Entsendegesetz notwendig, «damit die Leute
nicht ins Bodenlose fallen». Stundenlöhne von 2,50 oder 3,00
Euro seien nicht fair.
Über die Einführung von Mindestlöhnen sei bisher
zwischen den Koalitionspartnern im Kabinett und auch in den
Koalitionsrunden offenbar noch nicht gesprochen worden, berichtete die
«Süddeutsche Zeitung» weiter. Dass die Debatte nun an
Fahrt gewinne, liege auch an der Einigung des Europa-Parlaments bei der
Dienstleistungsrichtlinie. Nur mit Mindestlöhnen könnten
Regierungen ihren Arbeitsmarkt vor Konkurrenz aus dem ärmeren
Ausland schützen.
(Quelle: ddp)
Bundesregierung will 'Hartz'-Reformen 2007 reformieren
Fr.10.02.06 - Die Bundesregierung will am Ziel der «Hartz»-Reformen
festhalten und zugleich Änderungen im Detail vornehmen. Das betonte
der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium,
Gerd Andres (SPD), am Donnerstag zum Auftakt der Bundestagsdebatte
über moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt in Berlin. Die
Überprüfung der «Hartz»-Gesetze auch mit dem
Arbeitslosengeld II (Hartz IV) soll bis Ende des Jahres dauern, Mitte
2007 sollen Konsequenzen gezogen werden. «Hartz IV» war
bislang nicht Gegenstand der Untersuchung, daher kann laut Andres von
einem Scheitern keine Rede sein.
Nach einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen ersten Studie
haben sich von den Reformpaketen «Hartz I bis III» vor allem
die Ich-AG, die Eingliederungszuschüsse und die Förderung der
beruflichen Weiterbildung bewährt. Negativ bewertet wurden dagegen
die Personal-Service-Agenturen (PSA) und die Vermittlungsgutscheine.
Andres hob hervor, mit den Ich-AGs sei die Schwarzarbeit bekämpft
worden. Die Minijobs hätten 125 000 sozialversicherungspflichtige
Arbeitsverhältnisse geschaffen oder gesichert. Nicht bewährt
hätten sich die Vermittlungsgutscheine, räumte der
Staatssekretär ein. Und die PSA hätten sogar die
Vermittlungschancen für Arbeitslose verschlechtert. Diese Agenturen
sollen nur in Einzelfällen weitergeführt werden.
(Quelle: ddp)
Antrag der Linksfraktion im Bundestag zur Überwindung von Hartz IV:
http://www.jungewelt.de/2006/02-11/008.php
Millionen Beschäftigten drohen Rentenabschläge
Fr.10.02.06 - Millionen von Beschäftigten drohen Rentenabschläge, weil ihre
Arbeitsverträge mit dem Erreichen des 65. Lebensjahrs auslaufen.
Diese Regelung gelte für nahezu alle Manteltarifverträge der
großen Branchen, berichtete "Die Welt" unter Berufung auf das
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der
gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. In einer Aktuellen Stunde
diskutiert das Parlament heute über die Anhebung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.
"Ohne eine Neuregelung bedeutet dies, dass die betroffenen Arbeitnehmer
Rentenabschläge in Kauf nehmen müssen, weil sie mit 65
vorzeitig in Rente gehen müssen", sagte demnach der Tarifexperte
der Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck.
Nach Angaben des Leiters des WSI-Tarifarchivs steht etwa in den
Manteltarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie, des
öffentlichen Dienstes, des Großhandels, der Banken oder der
Druckindustrie eine entsprechende Passage, die das Ausscheiden mit
Erreichen des 65. Lebensjahres festlegt. Eine Ausnahme von dieser Regel
sei der Tarifvertrag der Chemieindustrie, der klarstelle, dass die
gesetzlichen Bestimmungen gelten, sagte Bispinck. Für die
Textilindustrie enthalte der Manteltarifvertrag gar keine Regelung zum
altersmäßigen Ausscheiden.
Rund die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeite
allerdings in Betrieben, die nicht der Tarifbindung unterliegen, so der
Bericht weiter. Lediglich rund 45 Prozent der westdeutschen und 23
Prozent der ostdeutschen Betriebe seien durch Branchentarifverträge
gebunden. In diesen Unternehmen arbeiten demnach 63 Prozent der
westdeutschen und 45 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten.
Die Union lehnt es dem Bericht zufolge ab, die Arbeitgeber per Gesetz
zu zwingen, die Arbeitsverträge an die Anhebung der Altersgrenze
anzupassen. "Das muss nicht gesetzlich geregelt werden. Es ist Sache der
Tarifvertragsparteien, dafür zu sorgen, dass die Tarifverträge
bis 2012 angepaßt werden", sagte der Rentenexperte der
Unionsfraktion, Peter Weiß, der Zeitung.
Das Renteneintrittsalter soll ab 2012 bis 2023 pro Jahr um jeweils
einen Monat erhöht werden. 2024 bis einschließlich 2029 soll
das Eintrittsalter dann pro Jahr um zwei Monate erhöht werden. Das
hatte das Kabinett in der vergangenen Woche beschlossen.
(Quelle: afp)
Bayerisches Verfassungsgerichtshof schränkt Schleierfahndung ein
Fr.10.02.06 - Der Bayerische Verfassungsgerichtshof hat die Möglichkeiten
verdachtsunabhängiger Polizeikontrollen bei der so genannten
Schleierfahndung erheblich eingeschränkt. Die Richter
erklärten dabei völlige grundlose Durchsuchungen für
verfassungswidrig. Es reiche insbesondere nicht als Begründung
für eine «abstrakte Gefahr» aus, dass eine Person auf
Durchgangsstraßen unterwegs sei oder grenzüberschreitende
Verkehrsmittel benutze.
Vielmehr müsse eine Durchsuchung der mitgeführten Sachen
einer Person «durch ein Mindestmaß an Indizien
untermauert» sein, erklärten die Verfassungsrichter. Zu
dieser «erhöhten abstrakten Gefahr» zählten die
Richter allerdings auch polizeiliche Lageerkenntnisse sowie vorhandene
Täterprofile oder Fahndungsraster. Auch dürften die
Polizeibeamten Erfahrungen nutzen, die sie bei vorausgehenden Kontrollen
gewonnen hätten, etwa «wenn sie irgendwelche
Auffälligkeiten registrieren», nannte das Gericht als
Ermessensspielraum.
Völlig verdachtsunabhängig dürften die Polizeibeamten
dagegen auch weiterhin Ausweiskontrollen im Rahmen der Schleierfahndung
durchführen. Bei einer Durchsuchung handle es sich jedoch «um
einen wesentlich intensiveren Grundrechtseingriff als bei einer
Identitätskontrolle», betonten die Richter.
Bayern hatte die Schleierfahndung nach dem Wegfall der
EU-Grenzkontrollen in den 90er Jahren eingeführt. Die Polizei darf
dabei im Grenzgebiet sowie auf Transitrouten anlassunabhängige
Fahndungskontrollen durchführen. Andere Bundesländer und die
Bundespolizei folgten dem bayerischen Beispiel.
(Quelle: ap)
2000 Soldaten werden bei Fußball-WM eingesetzt
Fr.10.02.06 - Das Bundesverteidigungsministerium hat einen Bericht der
"Süddeutschen Zeitung" bestätigt, wonach bei der
Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer knapp 2000 Soldaten zur
Unterstützung eingesetzt werden sollen. Sie sollen unter anderem im
Sanitätsdienst tätig sein, wie ein Ministeriumssprecher sagte.
Zudem seien "Beratung und technische Unterstützung" von
ABC-Experten, Unterstützung bei Transport und Verpflegung sowie die
Bereitstellung von Unterkünften vorgesehen. Die Gesamtkosten
dafür wurden den Angaben zufolge auf fünf Millionen Euro
veranschlagt.
Bei den geplanten Hilfsmaßnahmen handelt es sich nach
Einschätzung des Ministeriums nicht um den in den vergangenen
Wochen diskutierten Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Es handele sich
ausschließlich um eine Unterstützung im Rahmen der
technischen Amtshilfe, sagte der Ministeriumssprecher.
(Quelle: afp)
Greenpeace: Uran-Vorräte reichen nur noch 65 Jahre
Fr.10.02.06 - Der Atomkraft droht nach einer Greenpeace-Studie auch wegen der
begrenzten Uran-Vorräte mittelfristig das Aus. Nach Berechnungen
der Umweltorganisation sind die weltweiten Uran-Vorkommen auch bei
reduziertem Bedarf in spätestens 65 Jahren erschöpft. Die
Atomkraft sei daher «gänzlich ungeeignet, um Deutschland eine
energiepolitische Versorgungssicherheit zu garantieren»,
heißt es in dem am Donnerstag in Berlin vorgelegten
Greenpeace-Report.
Greenpeace-Experte Thomas Breuer warf Bundeswirtschaftsminister Michael
Glos (CSU) vor, die Bevölkerung hinters Licht führen zu
wollen, wenn er in Sorge vor Abhängigkeit von russischen
Gaslieferungen die Atomkraft propagiere. Größter
Uran-Lieferant der Europäischen Union sei schließlich
Russland, sagte Breuer. Etwa ein Viertel der Uranlieferungen an die EU
sei 2004 aus Russland gekommen. Weitere große Lieferanten seien
Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan und Niger.
(Quelle: ddp)
Toter Reaktor gefährdet Forschungsetat
Im Bundesforschungsministerium wird Bares knapp, weil der Rückbau
eines Forschungsreaktors in Karlsruhe eine halbe Milliarde Euro
verschlingt. Die neue Ministerin Annette Schavan muss das Geld von ihrer
Innovationsoffensive abzwacken... Mehr in der taz vom 10.02.06:
http://www.taz.de/pt/2006/02/10/a0169.1/text
Wissenschaft
Auswirkungen von Antidepressiva auf Ungeborene erforscht
Fr.10.02.06 - Vorgeburtlicher Kontakt mit bestimmten Antidepressiva scheint das
Risiko Neugeborener für Entzugserscheinungen und Anomalien im
Atmungsbereich zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis sind zwei neue
Studien gekommen. Der Einsatz von selektiven
Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bei schwangeren Frauen
erhöhte laut einer Studie der University of California das Risiko
einer persistierenden pulmonalen Hypertonie bei Neugeborenen (PPHN) um
600 Prozent. Die Wirkung dieser Antidepressiva beruht auf der
Erhöhung der Verfügbarkeit des chemischen Botenstoffes
Serotonin im Körper.
Die Studie des Schneider Children's Medical Center of Israel hat
nachgewiesen, dass fast ein Drittel der Kinder, deren Mütter SSRIs
eingenommen hatten, kurz nach der Geburt Entzugserscheinungen wie ein
Weinen in hoher Tonlage, Zittern, Probleme im Magen-Darm-Bereich und
Schlafstörungen aufwiesen. 13 Prozent der 60 Neugeborenen, die mit
diesen Antidepressiva in Kontakt gekommen waren, zeigten schwere
Entzugserscheinungen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem
Fachmagazin Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine
eröffentlicht.
Für die Studie der University of California wurden 377 Frauen
befragt, deren Kinder unter einer persistierenden pulmonalen Hypertonie
bei Neugeborenen litten. Das Team um Christina Chambers stellte fest,
wie viele der Teilnehmerinnen während der Schwangerschaft selektive
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingenommen hatten. Diese Ergebnisse
wurden mit den Einnahmegewohnheiten von Müttern mit gesunden
Kindern verglichen. Es zeigte sich, dass die Einnahme nach der 20.
Schwangerschaftswoche zu einer Erhöhung des Erkrankungsrisikos des
Kindes führte. Diese relativ seltene Atemwegserkrankung tritt bei
ein bis zwei pro 1.000 lebend geborenen Kindern in Amerika auf. Aufgrund
der Schwere der Erkrankung überleben zwischen zehn und zwanzig
Prozent der Neugeborenen trotz medizinischer Behandlung nicht.
Typisch für PPHN ist ein krankhaftes Zellwachstum im
Atmungssystem. Frühere Studien haben ergeben, dass SSRIs dazu
neigen, sich in den Lungen abzulagern und dass Serotonin die Vermehrung
bestimmter Muskelzellen fördern kann. Damit dürfte laut der im
New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie
geklärt sein, warum diese Medikamente Auswirkungen auf das sich
entwickelnde Kind haben können. Die Wissenschafter betonen jedoch,
dass das Risiko einer Schwangeren, die SSRIs einnimmt, ein Kind mit PPHN
auf die Welt zu bringen, mit rund einem Prozent relativ gering ist.
Experten schätzen laut New Scientist, dass zehn bis fünfzehn
Prozent der Frauen in gebärfähigem Alter unter deutlichen
depressiven Störungen leiden. Viele Mediziner gehen davon aus, dass
schwangere Frauen bei Depressionen behandelt werden sollten. Sie
befürworten dabei auch den Einsatz von selektiven
Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Laut Chambers seien die Risiken und
Vorteile abzuwägen. Ohne Antidepressiva bestünden ebenfalls
Risiken. Eine im Journal of the American Medical Association
veröffentlichte Studie wies kürzlich darauf hin, dass es bei
Frauen mit schweren Depressionen zu einem erneuten Auftreten der
Erkrankung kommen kann, wenn sie ihre Medikamente während der
Schwangerschaft absetzen.
(Quelle: pte)
Massentourismus hinterlässt negative Energiebilanz
Tourismus-Forscher: 'Kerosin muss besteuert werden'
Fr.10.02.06 - Tourismus sorgt weltweit für immer mehr Schadstoffemissionen und
wirkt dadurch umweltgefährdend. Der Schweizer Wissenschaftler
Hansruedi Müller vom Forschungsinstitut für Freizeit und
Tourismus (FIF) warnt vor dem Wildwuchs der Tourismusindustrie und deren
Folgen für die Umwelt. Prinzipiell geht es um das Wohin und das
Wie. Müller klagt im pressetext-Interview darüber, dass die
Destinationswahl sich ausschließlich über den Preis definiere
und die Energiebilanz außer Acht lasse.
"Die Energiebilanz des Reisenden geht alle etwas an", meint
Müller. Es gebe in der Zwischenzeit zahlreiche Informationsquellen,
die ziemlich genau darüber Aufschluss geben, wie hoch der
Energieaufwand der jeweiligen Transportmittel sei. "Die westliche Welt
hat den Massentourismus entdeckt und konsumiert diesen
Fastfood-mäßig", so Müller. Es sei eine Unkultur, die
Wahl der Reisedestination ausschließlich über den
Verkaufspreis zu definieren. Als erstes Ende des Wildwuchses sieht der
Experte die gesetzliche Regelung, Flugpreise nur noch als Inklusivpreise
deklarieren zu dürfen. "Es ist notwendig Kerosin zu besteuern",
führt Müller aus. Es sei nicht einsehbar, dass alle
Treibstoffe mit zum Teil erheblichen Steuern belegt sind, Kerosin aber
steuerfrei sei. Das zugrunde liegende Vertragswerk stammt aus den 40-er
Jahren und entspricht heute nicht mehr den Anforderungen. Müller
sieht hingegen keinen Sinn in der Besteuerung von Flugtickets.
Auf die Frage, wie mit dem Thema wirtschaftliche Abhängigkeit der
Volkswirtschaft von Tourismus in Übersee umzugehen sei, meint der
Experte: "Das Reisen muss zu einer bewussten Entscheidung werden. Es
muss mehr Zeit in Anspruch genommen werden, wenn man eine Fernreise
antritt." Nur so können die negativen Folgen der weiten Anreise in
irgendeiner Art kompensiert werden. "Warum nicht 14 Tage, drei Wochen
oder sogar einen Monat lang verreisen?", fragt Müller. Es gehe
nämlich auch darum, sich ernsthaft mit dem jeweiligen Reiseziel
auseinander zu setzen. Generell sieht Müller eine Verminderung der
Qualität im derzeitigen Reisetrend.
Müller hat bei der Konferenz "Umweltfreundlich Reisen" [http://www.eco-travel.at]
in Wien erneut wesentliche Handlungsfelder der Tourismusindustrie
dargelegt: Der Tourismus muss umweltverträglicher werden: das
bedeutet, dass die ökologischen Gefahrenherde der touristischen
Entwicklung, die ohnehin längstens bekannt sind, ernst zu nehmen
und präventiv zur Durchsetzung kommen müssen. Dazu zähle
etwa eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs, eine
konsequente Umsetzung des Verursacherprinzips, die Förderung
schadstoffarmer Fahrzeuge sowie ein optimiertes Verkehrsmanagement.
"Tourismus muss entschleunigt werden", fordert Müller. Die
Ökoeffizienz insbesondere des Straßen- und Luftverkehrs sei
trotz langjähriger Bemühungen sehr unbefriedigend. Die Antwort
liege in der von Schallaböck 1993 aufgestellten Formel: 400 km/h
in der Luft, 200 km/h auf der Schiene, 100 km/h auf der Straße
und 50 km/h innerorts würden die Umweltverträglichkeit des
Reisens entscheidend verbessern. Auf die Frage wie das Reisen in der
Luft aussehen würde, meint der Experte: "Dazu ist die
Innovationskraft der Industrie gefragt." Der Komfort würde sich
bei der Verlangsamung zugunsten der Passagiere entwickeln. "Die
Industrie ist dumm. Sie reagiert falsch", kritisiert Müller. Das
sei auch bei der Einführung der Katalysatoren nicht anders
gewesen. Die Automobilindustrie hat sich so heftig dagegen gewehrt.
Heute sei das Standard. "Der Staat ist aufgefordert Grenzwerte zu
setzen", fordert der Fachmann.
"Um umweltschonenderes Reisen zu fördern, sind die Anreize zu
verstärken und das Verursacherprinzip durchzusetzen", so
Müller. Am effizientesten wäre hier, die Geschwindigkeit aus
dem System zu nehmen. Dazu zähle eben die Aufwertung des
öffentlichen Verkehrs bezüglich Fahrplandichte, Qualität
und Preis. "Es ist für ein Reisebüro immer noch einfacher ein
Flugticket zu reservieren als ein Bahnticket", kritisiert Müller.
Zu den größten Verlierern der vergangenen 20 Jahre an immer
länger werdenden Reisedistanzen gehört die Bahn.
"Aufzuhalten ist das Reise- und Mobilitätsbedürfnis der
Menschen nicht", so Müller. Es sei aber möglich die in die
falsche Richtung gehenden Tendenzen zu verzögern. "Dies ist aber
nur über die Kostenwahrheit möglich", erklärt Müller
abschließend.
(Quelle: pte)
Internet
Neue Kritik an Yahoo! nach Haft für zweiten Dissidenten in China
Fr.10.02.06 - Das Internetunternehmen Yahoo! ist wegen des Vorwurfs, durch die
Preisgabe von Daten bei der Inhaftierung eines zweiten Dissidenten in
China mitgeholfen zu haben, erneut ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.
Bei der Verurteilung des Bürgerrechtlers Li Zhi 2003 wegen
«Untergrabung der Staatsgewalt» zu acht Jahren haben nach
Angaben seiner Anwälte persönliche Daten und E-Mails eine
Rolle gespielt, die Yahoo! in Hongkong ausgehändigt hatte. Die
Menschenrechtsgruppe «Reporter ohne Grenzen» übte am
Donnerstag scharfe Kritik. «Jetzt wissen wir, dass Yahoo
regelmäßig und effizient mit Chinas Polizei
zusammenarbeitet.»
Das Internetunternehmen wurde aufgefordert, «eine Liste mit allen
Cyber-Dissidenten vorzulegen, bei denen Daten zur Verfügung
gestellt worden sind». In China säßen 49 solcher
Bürgerrechtler in Haft, berichtete «Reporter ohne
Grenzen». Zu dem konkreten Fall konnte sich Yahoo!-Sprecherin Mary
Osako zunächst nicht äußern. Sie verteidigte aber
grundsätzlich die Haltung des Unternehmens, sich an lokale Gesetze
zu halten, auch wenn diese «nicht unbedingt mit unseren Werten
übereinstimmen». Der chinesische Aktivist Liu Xiaobo, der den
Fall enthüllt hatte, warf Yahoo! vor, «den Tyrannen zu
helfen».
Das Internetunternehmen war im November schon kritisiert worden, weil
es Benutzerdaten des chinesischen Autors Shi Tao herausgegeben hatte,
der zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Eine Welle der Kritik
haben ferner die Geschäfte anderer Internetfirmen wie Google und
Microsoft in China ausgelöst, die kritische Betrachtungen zur
Menschenrechtslage in China, zu Pekings Politik gegenüber Tibet und
Taiwan oder Kritik an der Kommunistischen Partei selbst zensieren und
aus ihren Nachrichten und Suchergebnissen herausfiltern.
Wenn die großen Internetfirmen nicht nur selbst zensierten,
sondern Chinas Staatssicherheit auch Benutzerdaten aushändigten,
«ist die virtuelle Welt für die chinesischen Nutzer genauso
wie ihr echter Lebensraum, wo sie nicht einen Zentimeter
persönliche Freiheit genießen», kritisierte der
Bürgerrechtler Liu Xiaobo. Die großen Internetfirmen
müssen sich am kommenden Mittwoch im US-Kongress in Washington zu
ihren China-Aktivitäten äußern, nachdem sie einer
früheren Vorladung zum freiwilligen Erscheinen nicht nachgekommen
waren.
Der Fall des im Dezember 2003 verurteilten Li Zhi liegt allerdings
anders als der des Autors Shi Tao. Wie eine Verteidigungsschrift
erkennen lässt, spielten einerseits Benutzerdaten und E-Mails eine
Rolle, doch erhofften sich seine Anwälte andererseits auch
mögliche entlastende Hinweise von dem Material, das Yahoo! der
Staatssicherheit ausgehändigt hatte. Es gehe um Aufklärung
über die Aktivitäten von zwei mutmaßlichen chinesischen
Agenten, die Li Zhi mit ihrer Korrespondenz in eine Falle gelockt
hätten. Das Gericht behandelte aber nur die Darlegungen des
Angeklagten, während die seiner Korrespondenzpartner als
Beweismittel nicht zugelassen wurden.
(Quelle: dpa)
Sprunghafter Anstieg der online verabredeten Selbstmorde in Japan
Fr.10.02.06 - In Japan ist die Zahl der im Internet verabredeten Selbstmorde im
vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. 91 Menschen hätten sich nach
Onlineabsprachen das Leben genommen, teilte die Polizei am Donnerstag
mit. Damit sei die Zahl solcher Selbstmorde im Vergleich zum Vorjahr um
65 Prozent gestiegen. 2004 habe die Zahl der verabredeten Selbstmorde
noch bei 55 gelegen, 2003 bei 34. Zuletzt seien im vergangenen Dezember
drei Männer und eine Frau in einem Auto tot aufgefunden worden,
die sich vermutlich im Internet zum Selbstmord durch
Kohlenmonoxidvergiftung verabredet hatten, teilte die Polizei weiter
mit.
Die japanischen Behörden versuchten, das Phänomen in den
Griff zu kriegen. So richtete Japan im Oktober ein Alarmsystem ein, bei
dem Internetnutzer sich an die Polizei wenden können, wenn sie im
Internet auf Ankündigungen oder Aufrufe zu Selbstmorden
stoßen. Zwischen Oktober und Dezember ging die Zahl der
Selbstmorde im Vergleich zum Vorjahresquartal immerhin zurück. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Japan mit gut 24
Selbstmorden pro 100.000 Menschen im Jahr die höchste
Selbstmordrate eines Industrielandes.
(Quelle: afp)