Aktuelle Nachrichten
Irak am fünfhundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Irakische Regionalregierung kündigt Zusammenarbeit mit Briten auf.
Chefausbilder der Bagdader Polizei vor seinem Haus getötet. Bislang
kamen 61 Journalisten im Irak-Krieg ums Leben
Mi.15.02.06 - Nach den jüngsten Misshandlungsvorwürfen gegen britische
Soldaten hat die Regionalregierung der irakischen Stadt Basra die
Zusammenarbeit mit den Koalitionsstreitkräften aufgekündigt.
Ein britischer Militärsprecher teilte am Dienstag mit, der
Verwaltungsrat der südlichen Provinz habe am Montag alle
Verträge eingefroren. Zunächst blieb unklar, ob auch die
irakischen Sicherheitskräfte, die gemeinsam mit den britischen
Truppen in der Region patrouillierten, die Kooperation einstellen
würden. «Wir hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit»,
sagte der Militärsprecher. Am Sonntag war in Großbritannien
ein Video aus dem Jahr 2004 aufgetaucht. Darauf ist zu sehen, wie
britische Soldaten irakische Häftlinge verprügeln.
Der Chefausbilder der Polizei der irakischen Hauptstadt Bagdad ist von
Unbekannten getötet worden. Oberst Mehdi Mutlak sei am Montagabend
vor seinem Haus im südlichen Bagdader Stadtteil Dura ermordet
worden, sagte ein Vertreter des irakischen Innenministeriums am
Dienstag. Im selben Stadtteil wurden bei zwei Bombenanschlägen auf
Polizeipatrouillen am Morgen zwei Polizisten verletzt. Nach Angaben des
Verteidigungsministeriums wurden in verschiedenen Teilen Bagdads
insgesamt vier Leichen gefunden.
Kein Konflikt war in der jüngsten Zeitgeschichte für
Journalisten so gefährlich wie der Irak-Krieg. Seit März 2003
kamen dort 61 Berichterstatter ums Leben, wie das Komitee zum Schutz von
Journalisten (CPJ) am Dienstag in New York mitteilte. Dies
übertrifft die Zahl der im Algerien-Konflikt von 1993 bis 1996
getöteten Medienvertreter und sei die höchste Zahl seit
Gründung der Organisation vor 24 Jahren.
Nach dem Bericht mit dem Titel «Attacks on the Press 2005»
(Angriffe auf die Presse 2005) kamen im vergangenen Jahr weltweit 47
Journalisten in Ausübung ihrer Arbeit ums Leben. Die Liste der
Staaten, in denen Journalisten inhaftiert sind, wird von China mit 32
Häftlingen angeführt, gefolgt von Kuba (24), Eritrea (15) und
Äthiopien (13). Die USA teilen sich mit fünf inhaftierten
Journalisten mit Birma den sechsten Platz. Der bekannteste Fall in den
USA war die 85 Tage dauernde Erzwingungshaft der
«New-York-Times»-Reporterin Judith Miller. Die USA seien
lange eine Bastion der Pressefreiheit gewesen, hätten jetzt aber
ihren Anteil an «verstörenden Tendenzen», erklärte
CPJ-Vorsitzender Paul Steiger.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 15.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertzweiunddreißgsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.15.02.05 - Appelle an siegreiche Schiiten im Irak, mit allen Gruppen
zusammenzuarbeiten. Kampf um Posten in neuer Regierung +++ Türkei
kritisiert Wahlergebnis im Irak +++ Blutige Gewalt im Irak hält
unvermindert an +++ Bush beantragt weitere 82 Milliarden Dollar für Kriegseinsätze...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Taliban drohen mit neuer Anschlags-Offensive in Afghanistan
Mi.15.02.06 - Die radikal-islamischen Taliban haben den ausländischen Truppen
und der Regierung in Afghanistan mit einer Zunahme der Gewalt gedroht.
Mit dem beginnenden Frühling werde die Zahl der Anschläge
wieder zunehmen, sagte der frühere Taliban-Statthalter der Provinz
Kandahar, Mullah Mohammed Hassan Rahmani, am Dienstag der
Nachrichtenagentur Reuters via Satelliten-Telefon. Mit der Stationierung
immer mehr ausländischer Soldaten in Afghanistan hätten die
Taliban deutlich mehr Angriffsziele. Unter anderem Deutschland,
Großbritannien und die Niederlande planen eine Ausweitung ihres
Nato-Kontingents in Afghanistan, während die USA ihre Präsenz
in dem Land zurückfahren wollen. Die deutschen Soldaten sind
allerdings im Norden und Westen des Landes stationiert, während die
Taliban-Hochburgen im Süden liegen.
Nach US-Militärangaben setzen die Taliban bei ihren
Anschlägen gegen ausländische Truppen und die afghanische
Regierung vermehrt auf Selbstmordattentäter und Autobomben anstatt
direkter Kämpfe mit den Truppen. Erst am Montag waren vier
US-Soldaten bei einem Bombenanschlag in der zentralafghanischen Provinz
Urusgan getötet worden. Seit November gab es insgesamt rund 15
Selbstmordattentate.
(Quelle: rtr)
Unruhen in Pakistan wegen Mohammed-Karikaturen
Diplomatisches Viertel in Islamabad gestürmt.
EU-Kommissionspräsident Barroso stellt sich in dem Disput hinter
Dänemark
Mi.15.02.06 - Die gewaltsamen Proteste gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen
haben am Dienstag in Pakistan einen neuen Höhepunkt erreicht. In
Islamabad stürmten mehr als 1.000 Demonstranten das diplomatische
Viertel. In Lahore randalierten Tausende, warfen Scheiben ein und
plünderten das Büro eines norwegischen Mobilfunkunternehmens.
Zwei Menschen wurden getötet.
Innenminister Aftab Khan Sherpao sagte, die Demonstranten hätten
eine Bank stürmen wollen und seien von einem Wachmann erschossen
worden. Paramilitärische Truppe seien in die Stadt entsandt worden,
um die Ordnung wiederherzustellen. Ziel der aufgebrachten Muslime waren
Restaurants wie Pizza Hut, KFC, McDonald's und das Hotel Holiday Inn.
Sie warfen Fensterscheiben ein, beschädigten mehr als 200 Autos und
dutzende Geschäfte. Danach stürmten sie das Büro des
norwegischen Mobilfunkanbieters Telenor und rannten mit PC-Geräten
und Mobiltelefonen davon. Die Sicherheitskräfte setzten
Tränengas ein.
In Islamabad protestierte die Menge vor der britischen und der
französischen Botschaft gegen die Mohammed-Karikaturen, bevor sie
von der Polizei mit Tränengas vertrieben wurde. Die Teilnehmer der
Protestaktion drangen durch das Haupttor in das diplomatische Viertel
ein, das von einigen Polizisten bewacht wurde, die aber nicht
eingriffen. Das Personal der amerikanischen, britischen und
französischen Botschaften zog sich aus Sicherheitsgründen in
die Gebäude zurück. Die Fensterscheiben einer Bank gingen zu
Bruch.
Insgesamt demonstrierten in Islamabad am Dienstagmorgen etwa 4.000
Menschen, die meisten von ihnen Studenten, gegen die Karikaturen. Vor
dem Botschaftsviertel zerschlugen sie Straßenlaternen und setzten
Autoreifen in Brand. Sie riefen «Tod den USA» und andere
antiwestliche Parolen. Etwa 50 Demonstranten wurden festgenommen. Rund
50 Abgeordnete zogen vom Parlament zum Botschaftsviertel und forderten
Respekt für alle Religionen. Erst am Montag hatten in der
nordwestlichen Stadt Peshawar 7.000 Muslime demonstriert und die Fenster
von Universitätsgebäuden eingeschlagen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellte sich in
dem Disput hinter Dänemark. Barroso sagte der dänischen
Zeitung «Jyllands-Posten», die die Zeichnungen als erste
veröffentlicht hatte, die Meinungsfreiheit sei ein
«fundamentaler Wert» in Europa und nicht verhandelbar.
«Es ist besser, zu viel zu veröffentlichen, als keine
Freiheit zu haben.» Es war das erste Mal, dass sich der
EU-Kommissionschef direkt zu dem Konflikt äußerte. Er
erklärte, Dänemark sei traditionell ein offenes, tolerantes
und freies Land, das bekannt sei für seine guten Beziehungen zu
verschiedenen Kulturen. Barroso sagte Dänemark die «volle
Solidarität» der EU-Kommission zu. Er verstehe, dass die
Karikaturen viele Muslime verletzt hätten, aber «das
rechtfertigt keine Gewalt».
UN-Generalsekretär Kofi Annan liegen nach eigenen Angaben keine
Beweise dafür vor, dass Syrien und der Iran antiwestliche Proteste
wegen der Mohammed-Karikaturen geschürt haben könnten.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte entsprechende
Anschuldigungen erhoben. In einem Interview des Senders CNN sagte Annan
am Montag, derartige Proteste habe es weltweit gegeben.
Syrien und der Iran trügen aber dieselbe Verantwortung wie alle
anderen Staaten, Angriffe auf diplomatische Vertretungen zu verhindern.
«Sie hätten das beenden sollen», sagte Annan. Sollten
sie dazu nicht in der Lage gewesen sein, sollten sie den betroffenen
Regierungen den Schaden ersetzen.
(Quelle: ap)
Dänische Muslime übernehmen Mitverantwortung für
Karikaturenstreit
Mi.15.02.06 - Im Streit über die Mohammed-Karikaturen haben dänische
Muslime eine Mitverantwortung für die gewaltsamen Proteste in der
islamischen Welt übernommen. Die von ihm vertretene Islamische
Gesellschaft Dänemarks sei bereit, ein Drittel der Verantwortung
zu tragen, wenn die dänische Regierung und die Zeitung
«Jyllands-Posten» die anderen zwei Drittel
übernähmen, sagte Ahmed Akkari am Dienstag in einem Interview
der Nachrichtenagentur AP. «Jyllands-Posten» hatte die
Zeichnungen im September zuerst veröffentlicht.
Eine Delegation der dänischen Muslime hatte die umstrittenen
Karikaturen im Dezember vergangenen Jahres in mehreren islamischen
Ländern gezeigt. Grund dafür sei die Weigerung der Regierung
in Kopenhagen gewesen, sich mit ihren Bedenken zu befassen, sagte
Akkari. Die internationalen Proteste seien nicht beabsichtigt gewesen,
vielmehr habe die Gruppe mit ihrer Reise nach Syrien, Ägypten und
in den Libanon eine Unterstützung durch die dortigen Regierungen
angestrebt. Die Islamische Gesellschaft Dänemarks
repräsentiert nach eigenen Angaben 27 muslimische Organisationen
in Dänemark.
(Quelle: ap)
Karikaturen-Streit: Die Bilder des Propheten Mohammed
Ruhig, ruhig, sagen jetzt alle, wie zu einem durchdrehenden Gaul.
Bloß nicht weiter schafrmachen will man die Auseinandersetzung um
die despektierliche Darstellung des Propheten Mohammed. Wer gestern
noch "Pressefreiheit!" schrie, säuselt jetzt "Respekt", auch der
dänische Ministerpräsident, ein kalter Machtpolitiker, dessen
Mehrheit von einer fremdenfeindlichen Partei abhängt.
Zur allseits gewünschten Abkühlung des Eifers ist offenbar
eine Typologie willkommen: eine Einteilung der am Karikaturenstreit
Beteiligten in die bewussten Provokateure und die Harmlosen, die es
doch gar nicht böse gemeint haben. Hierein fügt sich die
Erzählung von einem freundlichen Kinderbuchautor namens Kare
Bluitgen. Um Kindern und Jugendlichen in einer multikulturellen
Gesellschaft den Islam näherzubringen, habe dieser Mann ein Buch
geschrieben, das jetzt mit dem Titel "Der Koran und das Leben des
Propheten. Erzählung nach den ältesten Quellen des Islam" mit
einiger Verspätung im Kopenhagener Verlag Host & Son
erschienen ist.
Die Verzögerung, so geht die Erzählung weiter, lag daran,
dass Bluitgen für sein Buch keinen Kinderbuchillustrator fand, der
das Leben Mohammeds in Bilder fassen mochte. Ein Kinderbuch ohne
Bilder, das werde wohl kaum ein Renner, dachte sich Bluitgen; aber die
Zeichner wollen nicht gegen das - mit einigen Ausnahmen im großen
und ganzen durchgehaltene - islamische Verbot von Abbildungen des
Propheten verstoßen. Von seiner Irritation über diesen
Vorgang berichtete Bluitgen, ein erfolgreicher und fleißiger
Autor, nachts um drei Uhr in der Küche bei einer privaten Party,
und unter den Umstehenden war auch ein Mitarbeiter der dänischen
Nachrichtenagentur Ritzau,
der daraus eine Agenturmeldung machte. Die Tageszeitung Jyllands-Posten, die den
Kulturkampf der dänischen Regierung gegen zu viel Immigration
unterstützt, witterte Selbstzensur, gab Karikaturen in Auftrag -
der Rest ist bekannt...
Aus: Johan Schloemann - "Zehn Bilder des Prophten - Das Mohammedbuch
des dänischen Autors Kare Bluitgen", Süddeutsche Zeitung vom
15.02.2006
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Karikaturist des Berliner 'Tagesspiegel' Ziel von Morddrohungen
Mi.15.02.06 - Wegen einer Karikatur iranischer Fußballer hat der Berliner
Zeichner Klaus Stuttmann Morddrohungen erhalten. Der
«Tagesspiegel», der die Karikatur am Freitag
veröffentlicht hatte, wurde von der iranischen Botschaft zu einer
Entschuldigung aufgefordert.
Stuttmann hatte iranische Fußballspieler mit
Sprengstoffgürteln verfremdet und daneben vier Soldaten gestellt.
Eigenen Angaben zufolge wollte er damit Pläne zum Einsatz der
Streitkräfte bei der Fußball-WM kritisieren. Der
Staatsschutz nahm dem «Tagesspiegel» zufolge Ermittlungen
auf.
Die Chefredakteure des Blatts, Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz
Maroldt, verwiesen darauf, dass die Veröffentlichung der Karikatur
von der grundgesetzlich garantierten Presse- und Meinungsfreiheit
gedeckt sei. Weder Stuttmann noch der «Tagesspiegel»
hätten die Integrität der iranischen Fußballer in Frage
stellen wollen. Obwohl die Ausgabe bereits ab Donnerstagabend habe
gekauft werden können, seien die Protest-E-Mails erst am
Samstagabend eingegangen, dann aber in großer Zahl, berichtete
Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller. Stuttmann selbst ist nach mehreren
Morddrohungen inzwischen von zu Hause ausgezogen.
(Quelle: ap)
Karikaturisten verteidigen bedrohten Kollegen und ihren Berufsstand
Etwa 50 deutsche Karikaturisten unterstützen ihren Kollegen Klaus
Stuttmann mit einem Brief an die Chefredaktion des Tagesspiegels. Die
Süddeutsche Zeitung vom 15.02.2006 zitierte in Auszügen:
"Im Fall des gegenwärtigen Streites um Mohammed-Karrikaturen galt
schon, dass Reaktionen, die zu Gewalt auffordern oder sich ihrer
bedienen, absolut intolerabel waren: hier aber gingen die
Drohbriefschreiber noch einen Schritt weiter, denn die betreffende
Zeichnung hat keine religiöse, sondern eine sehr weltliche, dazu
rein innenpolitische Zielsetzung, die mit der Ironie operierte, ein
Szenario darzustellen, das eben gerade nicht der Realität
entspricht. Diese Ironie wurde entweder nicht verstanden oder aber
bewusst übersehen und fehlinterpretiert, um als Trittbrettfahrer
des Karikaturenstreits die Stimmung weiter anheizen zu können. Und
selbst wenn die Zeichung missverständlich wäre: Dürfen
wir von nun an nach dem Propheten jetzt auch schon nicht mehr die
iranische Fußballmannschaft karikieren, ohne um unsere Sicherheit
fürchten zu müssen? (...) Als Karikaturisten haben wir die
Aufgabe, alle Probleme und Konflikte, die die Öffentlichkeit und
somit auch uns bewegen, zu kommentieren. Und wir bedienen uns dabei
jener Mittel, die eine Karikatur per defenitionem erst zur Karikatur
machen, nämlich der Kritik, der Polemik, Übertreibung und
Ironie. Würden wir durch den Druck von außen oder auch durch
(...) Selbstzensur ständig wachsende Zugeständnisse bei der
Wahl der Themen oder der Mittel machen müssen, so wären wir,
so wäre das Medium Karikatur bald am Ende. (...) Klaus Stuttmann
ist einer der erfahrendsten und besten Karikaturisten Deutschlands, und
er verteilt seine Kritik ohne ideologische Beschränktheit auf
alle, die es verdient haben. (...) Er hat Karikaturen ebenso gegen
islamistischen Terror gezeichnet wie gegen den Krieg im Irak, und er
wird auch in Zukunft hoffentlich die Möglichkeit und die geistige
Freiheit haben, sich beispielsweise mit dem iranischen Atomprogramm
auseinander zu setzen, wenn es ihm geraten scheint. Klaus Stuttmann
verdient und erhält seiner Kollegen Solidarität."
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Nahost
USA und Israel betreiben angeblich Destabiliserung der Hamas
Mi.15.02.06 - Die USA und Israel arbeiten einem Zeitungsbericht zufolge an Szenarien,
wie die militante Hamas-Bewegung isoliert und destabilisiert werden
kann, wenn sie der Gewalt nicht abschwört und an der
Zerstörung Israels festhält.
Ziel der Kampagne sei es, die Hamas scheitern zu lassen und die
moderaten Kräfte der Fatah wieder an die Macht zu bringen, schrieb
die "New York Times" am Dienstag auf ihrer Internetseite.
Die Szenarien sehen dem Bericht zufolge vor, einer
Palästinenser-Regierung unter Führung der Hamas die
finanziellen Mittel und Hilfen zu entziehen sowie ihre internationalen
Kontakte einzuschränken. Auf diese Weise solle den
Palästinensern das Leben so sehr erschwert werden, dass sie die
Hamas abwählten und moderate Kräfte an die Regierung
gelangten, heißt es in dem Bericht, der sich auf US-Diplomaten und
nicht identifizierte israelische Regierungsvertreter beruft.
Die Strategie beinhalte aber auch einige Risiken, räumten die
Diplomaten dem Blatt zufolge ein. So könnte die Hamas versuchen,
mehr Unterstützung in der islamischen Welt zu aktivieren, vor allem
im Iran und in Syrien. Zudem könnte die Hamas eine offene
militärische Konfrontation mit Israel provozieren.
(Quelle: rtr)
Hamas kündigt Widerstand gegen internationalen Druck an
Mi.15.02.06 - Auch unter wachsendem internationalen Druck will die Hamas-Bewegung
Israel nicht anerkennen. Die Hamas brauche «das teuflische
Geld» Amerikas nicht, sagte Hamas-Führer Mahmud Sahar am
Montag in Kairo.
Hamas-Führer Sahar erklärte, bislang sei ein Großteil
des Hilfsgeldes in korrupten Kanälen der Fatah versickert. Indem
korrupte Funktionäre ihrer Ämter enthoben und arabische
Geldquellen erschlossen würden, könne fehlende
Unterstützung aus dem Westen wettgemacht werden. «Eine
Anerkennung des Staats des israelischen Feindes liegt nicht auf dem
Tisch», sagte er. «Unser Programm ist, Palästina zu
befreien, das ganze Palästina.»
Zugleich lehnte er die Friedensverträge von Oslo aus dem Jahr 1993
erneut ab. Darin erkannten die Palästinenser Israel an, und die
Autonomiebehörde wurde geschaffen. «Wir gehen ins Parlament,
um jede Spur von Oslo zu eliminieren.» Verhandlungen mit Israel
mittels einer dritten Partei schloss er allerdings nicht aus.
«Verhandlungen sind nicht unser Ziel. Verhandlungen sind ein
Mittel.» Sollten sie im Interesse des palästinensischen
Volkes liegen, fänden sich auch Vermittler.
Zum sozialen und wirtschaftlichen Programm der Hamas sagte Sahar, die
Bildungspolitik werde künftig dazu genutzt, eine Kultur des
Widerstands zu fördern. Es werde keinen «Tourismus der
Nacktheit, des Alkohols und der Kasinos» geben. Vielmehr sei an
einen «Tourismus des Widerstands» gedacht, der Muslime und
Araber anziehe. Kleinbetriebe sollten gefördert werden, die
Wirtschaft müssen «vom israelischen Feind» getrennt
werden.
Im Kampf gegen die Korruption werde die Hamas rund 37.000
«imaginäre Arbeitsplätze» bei den von der Fatah
dominierten Sicherheitskräften abschaffen. Zu Befürchtungen,
die Hamas werde eine strenge Auslegung des Islams durchsetzen, sagte
Sahar: «Wir zwingen niemandem die Religion auf.» Eine
Regierungsübernahme der Hamas läute eine «goldene
Ära» für den palästinensischen Präsidenten
Mahmud Abbas ein. «Der Mann will Reformen. Wir werden mit ihm auf
jede mögliche Art zusammenarbeiten.»
(Quelle: ap)
Paris hofft auf Moskauer Einfluss auf Hamas
Mi.15.02.06 - Die französische Regierung hat ihre Hoffnung geäußert,
dass die palästinensische Hamas-Bewegung unter dem Einfluss von
Russland ihre militante Haltung gegen Israel aufgeben wird. Die
Einladung an die Hamas zu Gesprächen in Moskau könnte eine
solche Entwicklung in Gang setzen, sagte der französische
Premierminister Dominique de Villepin am Dienstag nach Gesprächen
mit dem russischen Ministerpräsidenten Michail Fradkow. Zugleich
bekräftigte Villepin die Forderung nach einer Anerkennung Israels
durch die Hamas und die Anerkennung der Oslo-Verträge, auf deren
Basis die Autonomiebehörde gegründet wurde.
«Heute mehr denn je müssen Frankreich und Russland auf der
internationalen Bühne mit einer Stimme sprechen», sagte
Villepin bei einer Zeremonie zum Gedenken an die Toten des Zweiten
Weltkriegs. Angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen wie
Terrorismus und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie
angesichts von regionalen Krisen wie im Nahen Osten könnten beide
Staaten «die gleiche Botschaft von Entschlossenheit, Toleranz und
Solidarität» vermitteln, sagte der französische Premier.
Im Mittelpunkt des Besuchs standen die Wirtschaftsbeziehungen und vor
allem die Zusammenarbeit in der Energieversorgung. Fradkow wies darauf
hin, dass das Volumen im Handel zwischen Russland und Frankreich zuletzt
jedes Jahr um 25 bis 30 Prozent gestiegen sei und 2005 den Wert von neun
Milliarden Dollar erreicht habe.
(Quelle: ap)
Iran: Atomverhandlungen am 20. Februar
Mi.15.02.06 - Die Gespräche Irans mit Russland über den russischen
Kompromissvorschlag zum Atomstreit sollen jetzt am kommenden Montag in
Moskau stattfinden. Dies sagte der stellvertretende Vorsitzende des
iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Jawad Waidi, am Dienstag.
Das Treffen, das ursprünglich für Donnerstag vorgesehen war,
war am Vortag überraschend abgesagt worden. Nach dem russischen
Vorschlag soll die umstrittene Urananreicherung in einem
iranisch-russischen Gemeinschaftsunternehmen auf russischem Boden
stattfinden.
Gleichzeitig dementierte Waidi, dass sein Land das volle Programm der
Urananreicherung im Atomwerk Natans aufgenommen habe. Man befinde sich
noch in der vorbereitenden Phase. Man habe lediglich mit der
Urananreicherung verbundenen Aktivitäten begonnen. Am Montag hatte
es auf Grund von Kreisen der Internationalen Atomenergieorganisation in
Wien geheißen, die Anreicherung sei bereits gestartet.
Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki hat die Absicht
seiner Regierung bekräftigt, mit Hilfe einer eigenen
Urananreicherung in Zukunft selbst Atombrennstoff herzustellen. Sein
Land wolle weitere Atomkraftwerke bauen, betonte Mottaki am Dienstag bei
einem Besuch im nördlichen Nachbarstaat Armenien. «Wir
hoffen, dass wir sie (die neuen Kraftwerke) selbst mit nuklearem
Brennstoff versorgen werden», sagte Mottaki in der Hauptstadt der
früheren Sowjetrepublik, Eriwan.
Der erste Reaktorblock bei der Stadt Buschehr am Persischen Golf werde
noch, wie vertraglich vereinbart, mit russischem Nuklearbrennstoff
beliefert. Russische Ingenieure arbeiten seit Jahren an der
Fertigstellung des vor 30 Jahren ursprünglich von deutschen Firmen
begonnenen Reaktors. Iran sei «in Kürze» bereit, den
Nuklearbrennstoff aus Russland in Empfang zu nehmen, betonte der
iranische Außenminister. Mit Hilfe der Urananreicherung lässt
sich neben dem Nuklearbrennstoff für Atomreaktoren auch in einem
wesentlich aufwändigeren Verfahren waffenfähiges Material
herstellen.
(Quelle: dpa)
Neuer Chemieunfall in China vergiftet Fluss
Mi.15.02.06 - Nach einem neuen Chemieunfall in China ist ein Fluss mit giftigen
Abwässern im Norden des Landes stark verschmutzt worden. Drei von
vier Sinkbecken eines Chemieunternehmens in Mizhi (Provinz Shaanxi)
seien eingestürzt, wodurch 2000 Tonnen giftige Abwässer in den
Fluss Wuding gelangt seien.
Das berichteten am Montag chinesische Medien. Die
Schadstoffkonzentrationen im Flusswasser seien so hoch, dass sie
für Menschen gefährlich sein könnten. Die zuständige
Umweltbehörde in der nahe gelegenen Stadt Yulin sah die
Trinkwasserversorgung in der 240.000 Einwohner zählenden Kreisstadt
Mizhi nicht gefährdet. «Die Wasserqualität ist
gegenwärtig normal», sagte ein Sprecher. Das Leck habe
abgedichtet werden können, so dass kein giftiges Wasser mehr in den
Fluss nachfließe, der in den Gelben Fluss mündet. Die
Behörde hat ein Untersuchungsteam zum Unglücksort entsandt.
Nach ersten Schätzungen war unter anderem eine Tonne Sulfid in den
chemikalischen Abwässern.
Der Unfall passierte vor einer Woche in der Nacht zum 5. Februar, aber
erst am Montag wurde darüber berichtet. In den vergangenen drei
Monaten sind nach der zunächst vertuschten Umweltkatastrophe im
Songhua-Fluss in Nordostchina mehrere große Fälle von
Wasserverschmutzung durch Chemieunfälle und Lecks bekannt geworden.
Dadurch war die Trinkwasserversorgung für Millionen von Menschen
bedroht.
(Quelle: dpa)
China erlässt Gesetz zur Eindämmung von Aids
Mi.15.02.06 - Die chinesische Regierung hat am Sonntag ein Aids-Gesetz zur
Verhinderung und Eindämmung der Immunschwächekrankheit
erlassen. In dem vom Staatsrat verabschiedeten Gesetz werden
HIV-Infizierte und Aids-Patienten vor Diskriminierung geschützt,
zugleich wird die bewusste Verbreitung des tödlichen Virus' unter
Strafe gestellt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
Das Gesetz soll am 1. März in Kraft treten. Es verpflichtet die
Provinzregierungen, mittellose Patienten mit Medikamenten zu versorgen.
Auch die Behandlung und Beratung von infizierten Schwangeren muss von
der Regierung gesichert werden. Vor einem Monat gab Peking bekannt, dass
sich 2005 70.000 Menschen mit dem HIV-Virus infizierten. Bei 75.000 der
650.000 Infizierten in China ist die Aids-Krankheit ausgebrochen.
(Quelle: ap)
Vogelgrippe laut WHO-Experten kaum noch zu stoppen
Mi.15.02.06 - Die Ausbreitung des Vogelgrippe-Erregers H5N1 ist nach Ansicht des
Vorsitzenden des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation
(WHO), Klaus Stöhr, fast nicht mehr zu stoppen. "Das haben wir zwar
geglaubt, als das Virus bei den Wildvögeln noch nicht verbreitet
war", sagte Stöhr am Dienstag im Hessischen Rundfunk. Durch diesen
Übertragungsweg seien aber die bisherigen
Eindämmungsmaßnahmen des Erregers wie Gepäckkontrollen
und Verbote von Tiertransporten ineffektiv geworden. "Das zeigt die neue
Dimension, die diese Tierseuche genommen hat", sagte Stöhr. "Mit
den konventionellen Maßnahmen stehen wir ein bisschen auf
verlorenem Fuß."
(Quelle: afp)
Stimmenauszählung nach Präsidentenwahl in Haiti wird
überprüft
Mi.15.02.06 - Nach massiven Betrugsvorwürfen und gewaltsamen
Straßenprotesten hat die haitianische Übergangsregierung
eine Überprüfung der Ergebnisse der Präsidentenwahl
angeordnet. Die Regierung wolle sicherstellen, dass der Prozess korrekt
ablaufe, sagte Innenminister Paul Magloire am Dienstag der
Nachrichtenagentur AP. Die Überprüfung werde von einer
Kommission vorgenommen, der Vertreter des Präsidentenbüros,
der Wahlkommission und der Partei des führenden Kandidaten
René Préval angehören.
Bei der Wahl gab es nach Überzeugung Prévals
«massiven Betrug oder grobe Fehler». Er rief seine
Anhänger am Dienstag auf, weiter gegen das bisherige Ergebnis der
Auszählung zu protestieren, wonach er zwar der stärkste
Kandidat ist, aber in die Stichwahl muss, weil er im ersten Wahlgang
nicht die erforderlichen 50 Prozent der Stimmen erhielt.
«Der Wille der Menschen in Haiti muss respektiert werden»,
sagte Préval, der seine Anhänger aufrief, friedlich zu
demonstrieren und das Eigentum anderer zu achten. Seit Sonntag ist es
in Haiti zu Protesten gekommen, bei denen am Montag mindestens ein
Mensch getötet wurde. UN-Sprecher David Wimhurst sagte am
Dienstag, es gebe keine Hinweise auf Betrug.
Der örtliche Sender Telemax TV zeigte am Dienstagabend Bilder von
zerstörten weißen Wahlurnen auf einer Müllhalde.
Stimmzettel waren bündelweise verstreut, alle waren für
Préval markiert.
Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen lag Préval bei
48,7 Prozent. Auf den Zweitplatzierten Leslie Manigat entfielen 11,8
Prozent. Bis die Überprüfung der Auszählung
abgeschlossen sei, würden keine weiteren Ergebnisse
verkündet, sagte Magloire.
(Quelle: ap)
Italien: Ministerpräsident Berlusconi verspricht Steuersenkungen
Mi.15.02.06 - Steuersenkungen, mehr Arbeitsplätze, kostenlose Schulbücher
und eine verstärkte Polizeipräsenz in Wohngebieten sind die
Kernpunkte des Programms von Silvio Berlusconi bei der bevorstehenden
Parlamentswahl in Italien. Der Ministerpräsident und Parteichef der
rechtsgerichteten Forza Italia stellte den Acht-Punkte-Plan am Dienstag
in der Turiner Tageszeitung «La Stampa» vor.
Bei der Wahl am 9. und 10. April tritt Berlusconi mit dem Versprechen
an, den durchschnittlichen Steuersatz von 41,4 Prozent auf 38 Prozent zu
drücken. Mit 1,5 Millionen neuen Arbeitsplätzen soll die
Arbeitslosigkeit von 7,0 auf 4,5 Prozent verringert werden. Den
Altersrentnern wird eine Mindestversorgung von 800 Euro im Monat in
Aussicht gestellt. Außerdem will Berlusconi 10.000
zusätzliche Polizisten in Wohngebieten einstellen, die Wartelisten
in Krankenhäusern abschaffen, öffentliche Bauprojekte
vorantreiben und Immobilien im Staatsbesitz an ihre Bewohner verkaufen.
Berlusconi kündigte an, dass er das Programm in den nächsten
Tagen mit den Koalitionspartnern der Forza Italia besprechen werde. In
den vergangenen Tagen hat Berlusconi weniger mit seiner Politik als mit
Äußerungen Schlagzeilen gemacht, in denen er sich mit
Napoleon und Jesus Christus verglich.
Der von Romano Prodi geführte Mitte-links-Block liegt in Umfragen
zurzeit fünf Prozentpunkte vor dem Regierungslager. Zu den am
Samstag vorgestellten Wahlversprechen der Linken gehört der
schnelle Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak. In der
Wirtschaftspolitik will das Linksbündnis die Kaufkraft der
Beschäftigten stärken, die Kosten von Unternehmen senken,
Investitionen in die Forschung fördern und mehr Geld für die
Entwicklung Süditaliens ausgeben. Die Linke hat auch
angekündigt, dass sie im Fall eines Wahlsiegs mehrere von
Berlusconis Reformen wieder rückgängig machen will. Dazu
gehört auch das im vergangenen Jahr eingeführte
Verhältniswahlrecht.
(Quelle: ap)
Straßburg: Groß-Demonstration gegen
EU-Dienstleistungsrichtlinie
Mi.15.02.06 - An die 30.000 Gewerkschafter aus ganz Europa haben am Dienstag in
Straßburg gegen die geplante Dienstleistungsrichtlinie der EU
protestiert. Die Demontranten zogen in Richtung Europaparlament, wo am
Nachmittag eine Debatte über das umstrittene Vorhaben zur
Marktöffnung für grenzüberschreitende Dienstleistungen
beginnen sollte. Das Gelände rund um das Europaparlament, wo im
Januar randalierende Hafenarbeiter erhebliche Schäden verursacht
hatten, war von mehreren hundert Polizisten weiträumig abgeriegelt.
Zu den Protesten hatten der Europäische Gewerkschaftsbund (ETUC)
und seine Mitgliedsorganisationen aufgerufen, darunter der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB). Allein aus Deutschland reisten laut einem
DGB-Sprecher an die 17.000 Demonstranten an.
Mit der zweiten Großkundgebung nach der vom Samstag in Berlin
solle der Druck auf das Europaparlament und den Ministerrat aufrecht
erhalten werden, erläuterte der DGB-Sprecher. Zwar
begrüße der DGB die "Stoßrichtung" des zwischen den
beiden großen Fraktionen ausgehandelten Kompromisses. Es seien
aber noch viele Detailfragen zu klären. Es seien Fortschritte
erzielt worden, räumte auch ETUC-Generalsekretär John Monks
ein. Noch sei der Ausgang des am Donnerstag geplanten Votums aber
ungewiss.
Der von der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) und den
Sozialisten ausgehandelte Kompromiss sieht die Aufgabe des besonders
heftig bekämpften Herkunftslandprinzips vor. Damit soll
sichergestellt werden, dass sich Dienstleister grundsätzlich an die
Gesetze des Landes halten müssen, in dem sie tätig werden -
und nicht, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, an die ihres eigenen
Landes. Dies soll verhindern helfen, dass Billiganbieter etwa aus
Süd- oder Osteuropa soziale Standards etwa in Deutschland, Schweden
oder Frankreich untergraben.
(Quelle: afp)
Offene Kritik an deutscher Debatte über Militärschlag gegen
Iran
Mi.15.02.06 - Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, hat die
Debatte über die Option eines Militärschlags gegen Iran offen
kritisiert. «Das Dümmste, was wir jetzt machen können,
wäre, darüber zu streiten, wie wir reagieren», sagte
der SPD-Politiker am Dienstag. Damit grenzte er sich klar von SPD-Chef
Matthias Platzeck ab, der gefordert hatte, im Streit um das iranische
Atomprogramm die militärische Option vom Tisch zu nehmen.
Am Montag hatten bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Außenminister Frank-Walter Steinmeier deutlich gemacht, dass die
Bundesregierung jetzt nicht über Fragen sprechen wolle, die sich
nicht stellten. Der parlamentarische Staatssekretär im
Verteidigungsministerium, Friedbert Pflüger kritisierte die
Debatte am Dienstag als Versuch, «den Eindruck zu erwecken, dass
einige mehr für den Frieden seien als andere».
Erler betonte, es gebe einen «sehr breiten Konsens, dass die
ganze Weltgemeinschaft an einem Strang ziehen muss». Gleichzeitig
ermahnte er die iranische Führung, auf den «Weg der
Gesprächsbereitschaft» zurück zu kehren. Die Botschaft
an Teheran sei, dass die Tür zu Verhandlungen offen sei, wenn
bestimmte Grundvoraussetzungen erreicht seien. Über die
Konsequenzen eines Scheiterns von Verhandlungen müsse man
«dann reden, wenn es soweit ist», sagte Erler.
Es gehe darum, Iran deutlich zu machen, dass bis zum 6. März nur
noch wenige Wochen für eine Verhandlungslösung blieben.
«Es ist absolut unverständlich, was der Iran hier
macht», sagte Erler. «Er provoziert inzwischen nicht nur
die ganze Weltgemeinschaft, nicht nur die westliche Welt, sondern auch
die treuesten politischen Freunde», so etwa Russland. Am Montag
hatte Iran eine Verschiebung der Verhandlungen über das russische
Kompromissangebot zur Uran-Anreicherung angekündigt.
Pflüger kritisierte, die SPD habe mit einer ähnlichen Debatte
schon einmal punkten wollen. «Das Aufwärmen dieser Strategie
wird scheitern», betonte der CDU-Politiker. Er warnte
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil davor, das hohe Ansehen, das
Merkel mit ihrer Außenpolitik überall erworben habe, durch
parteipolitische Störmanöver zu mindern. Heil hatte sich am
Montag hinter Platzeck gestellt und erklärt, die SPD wehre sich
gegen «eine Diskussion, die Krieg als erstes und einziges Mittel
denkt».
Der stellvertretende Unionsfraktionschef Andreas Schockenhoff verlangte
ein Ende der Debatte. «Die Bundesregierung hat keine
militärische Option, deswegen hat die Bundesregierung damit nicht
zu spielen», sagte Schockenhoff. «Sie hat auch nichts vom
Tisch zu nehmen.» Nötig sei nun eine möglichst
geschlossene Haltung gegenüber Iran.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion,
Eckart von Klaeden, warf Iran im Atomkonflikt eine Salamitaktik mit
gezielten Regelverstößen vor. Es sei wichtig, Teheran klar
zu machen, «dass ein Weitergehen auf dem Weg mit erheblichen
Nachteilen für ihn verbunden wäre», sagte Klaeden.
Allerdings wollte er keine konkreten Maßnahmen oder Sanktionen
androhen.
(Quelle: ap)
Öffentlicher Dienst weiter im Streik
Mi.15.02.06 - Der Streit über längere Arbeitszeiten im öffentlichen
Dienst spitzt sich zu: Die Gewerkschaft ver.di weitete am Dienstag ihre
Streiks gegen die 40-Stunden-Woche bei den Beschäftigten von
Kommunen und Ländern aus. Der Müll blieb in zahlreichen
Städten liegen, Kindertagesstätten waren geschlossen. Zudem
beteiligten sich weitere Beschäftigte von Krankenhäusern,
Straßenmeistereien und aus dem Kulturbetrieb in acht
Bundesländern an dem Arbeitskampf.
Insgesamt streikten nach ver.di-Angaben 26.000 Beschäftigte nach
22.000 am Montag. Eine weitere Ausweitung sei im Laufe der Woche
möglich, sagte eine Gewerkschaftssprecherin auf Anfrage in Berlin.
Am kommenden Montag treffen sich ver.di und die Länderarbeitgeber
zu einem Spitzengespräch.
In Baden-Württemberg, wo sich die Gewerkschaft in der zweiten
Streikwoche befindet, blieben erneut die Müllfahrzeuge in ihren
Depots; betroffen waren Mannheim, Ulm, Stuttgart, Freiburg und
Karlsruhe. Insgesamt streikten 12.000 Beschäftigte, auch in
Kindertagesstätten, Bauhöfen und Gemeindeverwaltungen. Von
den Landesbehörden war unter anderem der Stuttgarter Zoo sowie die
staatliche Münzprägeanstalt betroffen.
Verhandlungsführer Alfred Wohlfart sagte, er rechne mit der
Unterstützung vieler Bürger im «Kampf gegen
Arbeitsplatzvernichtung im großen Stil».
Am zweiten Streiktag in Niedersachsen legten laut ver.di mehr als 6.000
Beschäftigte unter anderem in Straßenmeistereien und
Abfallwirtschaftsbetriebe die Arbeit nieder. Zudem seien weitere
Krankenhäuser von Kommunen und Land in den Arbeitskampf einbezogen
worden. Erhöht habe sich auch die Zahl der Streikenden in Kreis-
und Stadtverwaltungen.
Erstmals wurde am Dienstag auch der Müll in Hamburg nicht mehr
weggeräumt, hier legten nach Gewerkschaftsangaben rund 2.000
Müllwerker und andere Beschäftigte die Arbeit nieder. Weder
wurde der Müll abgeholt, noch waren Recyclinghöfe
geöffnet oder rückten Straßenfeger aus, wie ver.di
mitteilte.
Auch aus Bayern meldete die Gewerkschaft rund 2.000 Streikende, unter
anderem aus Autobahnmeistereien, Staatstheatern und
Universitätskliniken. In Erlangen demonstrierten 300 Auszubildende
an der Universitätsklinik. Ihren Protest gegen längere
Arbeitszeiten setzten auch rund 2.700 Pflegekräfte und
Beschäftigte der sechs Universitätskliniken in
Nordrhein-Westfalen fort.
Als möglichen Kompromiss in dem Tarifstreit schlug der
Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg, vor, die
Arbeitgeber könnten im Gegenzug zu Lohnverzicht
Beschäftigungsgarantien geben. Ein solches Modell hatten die
niedersächsische Landeshauptstadt und ver.di im Jahr 2004
ausgehandelt, wie der SPD-Politiker in einem Interview sagte. Beide
Parteien müssten sich an einen Tisch setzen und sich
verständigen, forderte Schmalstieg.
Die Streiks stoßen laut einer Umfrage bei der Mehrheit der
Bürger auf Verständnis. 57 Prozent erklärten in der
Umfrage im Auftrag des NDR, sie hielten die Streiks für
gerechtfertigt. 37 Prozent sagten das Gegenteil. Befragt wurden 1.000
Bürger in Niedersachsen und Hamburg.
(Quelle: ap)
Ministerpräsident Beck bietet Kompromiss im Tarifstreit an
Mi.15.02.06 - Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD)
hat im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes einen neuen
Kompromissvorschlag gemacht. «Ich könnte mir durchaus ein
flexibles Modell von Arbeitszeiten zwischen 38,5 und 40 Stunden
vorstellen, das zum Ausgleich auch Zulagen vorsieht», sagte Beck
der «Financial Times Deutschland» (Mittwochausgabe). Er
stellte klar: «Wir sind nicht an einer Verschärfung der
Situation interessiert, sondern an einer Lösung.»
Mit diesem konkreten Angebot geht Beck vor der geplanten
Gesprächsrunde am kommenden Montag auf die Arbeitnehmer zu. Das
Modell «würde den Ländern erlauben, die Arbeitszeit
auszugestalten», sagte der Regierungschef. Etwa an Hochschulen,
bei Polizeidienststellen, technischen Dienststellen und im
Straßendienst sei eine flexible Arbeitszeitregelung durchaus
sinnvoll.
(Quelle: ddp)
Metall-Tarifgespräche in Baden-Württemberg
Mi.15.02.06 - Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg haben die
Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie begonnen. Vor
Beginn der Gespräche verteidigte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg
Hofmann im Deutschlandradio erneut die Lohnforderung der Gewerkschaft
von fünf Prozent. Er wehrte sich zudem gegen die von den
Arbeitgebern geforderte Abschaffung der 1973 erkämpften
"Steinkühlerpause". Die Erholzeit von acht Minuten pro Stunde sei
für Akkordarbeiter Teil einer "humanen Arbeitsgestaltung".
Die in Baden-Württemberg getroffenen Vereinbarungen für die
knapp 800.000 Beschäftigten werden häufig von anderen
Bezirken übernommen. In Niedersachsen nahmen die
Verhandlungspartner ebenfalls Verhandlungen auf. Im Tarifbezirk Berlin,
Brandenburg und Sachsen wurden die bereits begonnenen Gespräche
nach kurzer Beratung auf den 7. März vertagt. Die ersten
Gespräche in der vergangenen Woche in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem
Saarland oder in Bayern wurden alle ergebnislos vertagt.
(Quelle: afp)
Kürzung der Arbeitslosenhilfe für junge Erwachsene: Proteste
gegen 'Hotel Mama'
Mi.15.02.06 - Linkspartei und Grüne laufen Sturm gegen die Kürzung der
Arbeitslosenhilfe für junge Erwachsene. Die Regierungsfraktionen
stellten sich am Dienstag dagegen ausdrücklich hinter die
Pläne von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD).
Arbeitslose unter 25 Jahren bekommen danach künftig nur noch in
Ausnahmefällen Geld für eine eigene Wohnung. Außerdem
sollen sie nur noch 80 Prozent des Arbeitslosengeldes II erhalten, wenn
sie bei ihren Eltern leben.
Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, sprach
von «finanzieller Sippenhaft», die im 21. Jahrhundert
endlich abgeschafft werden müsse. «Die von SPD und CDU
geplanten Verschärfungen bei ALG-II Beziehenden stellen einen
Angriff auf Bürgerrechte dar und verstoßen gegen das
Bürgerliche Gesetzbuch», sagte Kipping. Mit den
Neuregelungen setze die große Koalition ihren völlig
verfehlten Kurs fort, den einzelnen für die durch Politik und
Wirtschaft zu verantwortende Massenarbeitslosigkeit zu bestrafen.
Auch Grünen-Fraktionsvize Krista Sager kritisierte die geplanten
Kürzungen scharf. «Gerade junge ´Hartz IV´-
Empfänger kommen meist aus Familien mit wenig Wohnraum»,
sagte Sager und gab zu bedenken: «Wenn die vergattert werden, bei
ihren Eltern zu leben, führt das zwangsweise zu enormen
Konflikten». Die Pläne seien einfach lebensfremd.
«Einerseits kritisiert man die jungen Nesthocker und jetzt
heißt es plötzlich marsch zurück zu Muttern. Das passt
vorn und hinten nicht zusammen», sagte Sager.
Politiker der großen Koalition verteidigten die Pläne.
«Die Kosten sind so explodiert, dass wir da handeln
müssen», sagte Unions-Fraktionsvize Ilse Falk (CDU) und
fügte hinzu: «Dies scheint mir ein vernünftiger Schritt
zu sein.» Die stellvertretende Vorsitzende des
Arbeitsausschusses, Angelika Krüger-Leißner (SPD) sagte, es
habe zu hohe Mitnahmeeffekte bei der bisherigen Regelung gegeben. Bei
Härtefällen werde es zudem Ausnahmeregelungen geben.
(Quelle: ddp)
'Rechtliche Apartheid für Arbeitslose'
Martin Künkler, Referent der Koordinierungsstelle
gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen in Berlin, zu den Plänen,
nach denen Eltern den Unterhalt ihrer erwerbslosen Kinder selbst sichern
müssen... taz vom 14.02.06:
http://www.taz.de/pt/2006/02/14/a0138.1/text
Erstmals Vogelgrippe-Verdacht in Deutschland
Mi.15.02.06 - Die Vogelgrippe hat womöglich Deutschland erreicht: Bei zwei von
vier toten Schwänen auf Rügen besteht nach Angaben von
Agrarminister Horst Seehofer (CSU) nach einem Schnelltest der "starke
Verdacht" auf das gefährliche Virus H5N1. "Es gibt bisher keine
unmittelbare Gefahr für Menschen", sagte Seehofer in Berlin.
Für Mittwoch berief er den nationalen Tierseuchen-Krisenstab ein,
um weitere Maßnahmen mit den zuständigen Landesministern zu
erörtern. Ab Freitag soll laut Seehofer für
Zuchtgeflügel Stallpflicht herrschen.
Wichtigste Aufgabe sei nun, ein Überspringen des Erregers von
Wildvögeln auf Nutztiere zu verhindern, sagte Seehofer. Die Proben
von den toten Schwänen werden nun in das EU-Referenzlabor in
Großbritannien geschickt, das weitere Tests machen wird, um
Gewissheit zu erlangen.
Ab Freitag und damit zwölf Tage früher als geplant muss nun
sämtliches Federvieh in Deutschland im Stall bleiben. Die per
Eilverordnung beschlossene Stallpflicht wird laut Seehofer
voraussichtlich zunächst bis Ende April gelten. Außerdem
werden Geflügelmärkte und -veranstaltungen verboten, wobei es
lokale Ausnahmen geben wird.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßte die Pläne des
Ministers. Die Aufstallung sei eine wichtige Vorsorgemaßnahme
gegen die Vogelgrippe, erklärte der DBV in Berlin. Die
Stallpflicht betrifft demnach 13 Millionen Stück Geflügel.
Zuvor war auch in Österreich erstmals der H5N1-Erreger bei zwei
verendeten Schwänen nachgewiesen worden. Das Virus sei bei der
vorläufigen Untersuchung von zwei in der Steiermark tot
aufgefundenen Schwänen entdeckt worden, teilte die
österreichische Lebensmittelaufsicht AGES mit. Auch in
Rumänien wurde der H5N1-Erreger erneut nachgewiesen.
Die Veterinärexperten der EU-Mitgliedstaaten wollen am Mittwoch
und Donnerstag über Schutzmaßnahmen gegen H5N1 beraten. Nach
Ansicht des Vorsitzenden des Influenza-Programms der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), Klaus Stöhr, ist die
Ausbreitung des H5N1-Virus fast nicht mehr zu stoppen.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Hunde können Borkenkäfer erschnüffeln
Mi.15.02.06 - Im Kampf gegen den Borkenkäfer können künftig
Spürhunde helfen. Die Hunde seien in der Lage, die spezifischen
Gerüche der Schädlinge an befallenen Bäumen zu erkennen,
berichtete die Fachhochschule Weihenstephan in Freising bei München
am Dienstag nach dem Abschluss eines Pilotprojekts. Das frühzeitige
Erkennen sei wesentlich für die Bekämpfung der
Borkenkäfer.
In Zusammenarbeit mit der Zollhundeschule Neuendettelsau waren zwei
Hunde zehn Wochen lang geschult worden. «Am Ende der Ausbildung
waren beide Hunde in der Lage, Fichtenbestände gezielt nach Quellen
borkenkäferspezifischen Geruchs abzusuchen», erläuterte
Projektleiter Robert Vogl. Einzelne befallene Bäume hätten sie
schnell gefunden und dem Hundeführer gezeigt.
(Quelle: dpa)
Neue Ursache für plötzlichen Kindstod entdeckt
Notfallatmung funktioniert anders als normale Atmung
Mi.15.02.06 - Wissenschafter der University of Bristol haben Gehirnzellen entdeckt,
die Nervenimpulse erzeugen, die für das Schnappen nach Luft
entscheidend sind aber nicht für das normale Atmen. Sie gehen davon
aus, dass ein Mangel an derartigen Zellen ungeklärte
Todesfälle bei Babys erklärbar machen könnte. Der
plötzliche Kindstod gehört zu den häufigsten
Todesursachen bei Kindern unter einem Jahr. Laut BBC starben 2004 in
Großbritannien 349 Kinder an plötzlichem Kindstod. Die Anzahl
der Todesfälle sank nach einer Informationskampagne um 75 Prozent.
Ab 1991 wurde den Eltern geraten, ihre Kinder auf dem Rücken
schlafen zu lassen.
Details der Studie wurden in dem Fachmagazin Nature Neuroscience [http://www.nature.com/neuro]
veröffentlicht.
Der plötzliche Kindstod wurde lange Zeit mit einem Versagen des
Einatmens in Zusammenhang gebracht. Der Grund für dieses Versagen
war jedoch nicht bekannt. Gemeinsam mit amerikanischen Kollegen
entdeckten die Wissenschafter, dass viele verschiedene Arten von
Gehirnzellen für ein normales Atmen von entscheidender Bedeutung
sind. Nur ein kleiner Teil, die so genannten Schrittmacher, spielen eine
Rolle beim Atmungsreflex. Stoppt die normale Atmung, wird dieses
Hilfssystem aktiviert um ein Schnappen nach Luft auszulösen. Damit
wird die Sauerstoffversorgung wieder hergestellt und das erneute
Schlagen des Herzens wieder eingeleitet und so eine normale Atmung
wiedererlangt.
Die Wissenschafter wiesen nach dass diese Schrittmacherzellen von einem
Protein abhängen, das ein winziges Loch oder eine Pore innerhalb
der Membran von Zellen entstehen lässt. Sind die Sauerstoffwerte
niedrig, öffnet sich diese Pore weiter um den Durchgang von
Natriumionen in die Zelle zu erlauben und eröffnet so eine
Möglichkeit wie ein Schnappen nach Luft automatisch stattfinden
kann. Das Team zeigte, dass eine Blockierung dieser Pore die
Schrittmacherfunktion und die Fähigkeit nach Luft zu schnappen
beendete. Ein Herzversagen wäre die logische Folge und der Tod
nicht mehr zu verhindern. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit,
dass ein genetischer Defekt dieses speziellen Proteins das Schnappen
nach Luft verhindern könnte. Der leitende Wissenschafter Walter St
John erklärte, dass mit diesen Studienergebnissen gezeigt wurde,
dass die Atmung im Notfall oder das Schnappen nach Luft durch anderen
Mechanismen reguliert wird als die normale Atmung.
(Quelle: pte)
Intelligente Sensornetzwerke revolutionieren den Alltag
Mi.15.02.06 - In einem von der EU unterstützten internationalen Wettbewerb [http://www.embedded-wisents.org]
zum Thema intelligente drahtlose Sensornetzwerke sind drei besonders
visionäre Ideen ausgezeichnet worden. Den ersten Preis bekam ein
brasilianischer Beitrag, der den Einsatz von Sensoren und Mikrochips bei
großen Tierherden vorsieht, um die Verbreitung von
Infektionskrankheiten besser bekämpfen zu können. Die anderen
Preisträger beschäftigten sich mit der Ausrüstung von
Verpackungsmaterial mit RFID-Sensoren zur Verbesserung von
Recyclingprozessen bzw. mit einem Sensorensystem zur Vermeidung von
Staus.
"Ziel des Wettbewerbs war es, eine Forschungs-Road-Map zum Thema zu
entwickeln und Ideen zu sammeln, wohin die Reise in fünf bis zehn
Jahren führen könnte", erklärt Projektkoordinatorin Irina
Piens von der TU Berlin im Gespräch mit pressetext (pte). Kriterien
für die Prämierung seien neben der Originalität der
Beiträge vor allem auch die technologische und gesellschaftliche
Relevanz gewesen, so Piens. Darüber hinaus habe man auch
berücksichtigt, inwiefern die vorgestellten Ideen in einem Rahmen
von fünf bis zehn Jahren in die Realität umsetzbar seien.
Der mit 6.000 Euro ausgezeichnete Siegerbeitrag des an der Pontificia
Universidade Catolica do Rio de Janeiro tätigen Wissenschaftlers
Markus Endler hat den Einsatz von Sensornetzwerken bei Tierherden zum
Thema. Durch die Ausstattung der Tiere mit entsprechenden Sensoren und
Mikrochips kann deren gesundheitlicher Zustand beispielsweise durch die
Überwachung der Körpertemperatur überwacht werden. Damit
können im Falle einer Infektionsgefahr die betreffenden Tiere sowie
deren Bewegungsmuster erkannt und eine Ausbreitung verhindert werden.
Endlers Vorschlag adressiert das reale Problem brasilianischer
Rinderfarmen, die mit herkömmlichen Mitteln nicht in der Lage sind,
Infektionskrankheiten rechzeitig zu erkennen.
"Die Siegeridee ist insofern von besonderer Relevanz, da die
Problemlösung sich auch für andere Tierseuchen wie z. B.
aktuell bei der Vogelgrippe eignen würde", kommentiert Piens die
getroffene Juryentscheidung. Der Einsatz von RFID-Sensoren wie im
ebenfalls ausgezeichneten Entwurf zum Müllmanagement, der
Konsumenten bei richtiger Entsorgung von Produkten mit
Entsorgungspunkten auf einer Abfallsammelkarte belohnt, sei derzeit
sicherlich weiter verbreitet als der Einsatz von aktiv kommunizierenden
Sensorsystemen, so Piens. In den kommenden Jahren sei aber zu erwarten,
dass jene auch abseits ihrer derzeitigen Einsatzgebiete
Gebäudetechnik und Verkehr weitaus häufiger zum Einsatz
gelangen.
(Quelle: pte)
Internet
Neues Gesundheitsportal für Patienten gestartet
Mi.15.02.06 - Ein neues Internetportal bietet Patienten künftig kompakte
Informationen über Krankheiten und Gesundheitsthemen von der
Darmkrebs-Vorsorge bis zur Babyernährung. Das Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
startete dazu am Dienstag die Internetseite http:www.gesundheitsinformation.de.
Laut Institutsleiter Peter Sawicki soll damit eine Lücke in den
bisherigen Angeboten geschlossen werden, die für Laien zum Teil
unverständlich sind oder falsche Angaben enthalten. Zugleich zog er
zum einjährigen Bestehen des Kölner Instituts eine positive
Bilanz. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wertete die neue
Internetseite als weiteren Schritt hin zu "mehr Transparenz und
Patientenorientierung".
"Gesundheits-Webseiten gibt es im Überfluss, viele Patienten
bekommen dort aber dennoch nicht, was ihnen weiterhilft", betonte
Sawicki. Zudem sei wichtiges Medizin-Wissen bislang häufig nur in
englischer Sprache verfügbar. "Diese Lücke wollen wir mit
unserem Gesundheitsportal schließen", erklärte der
Instituts-Chef, der das Internetportal gemeinsam mit Schmidt und der
Patientenbeauftragten Helga Kühn-Mengel in Berlin vorstellte. Neben
bestimmten Krankheiten wie Brustkrebs, Diabetes oder Erkältungen
informiert die Webseite auch zu Themen wie Wechseljahre, Bettnässen
oder Angst vor Operationen. Neben Studienergebnissen werden auch
Erfahrungsberichte von Patienten veröffentlicht.
Gesundheitsministerin Schmidt betonte, damit sei ein wichtiges Ziel der
Gesundheitsreform ein großes Stück näher gerückt.
Das neue Gesundheitsportal biete "unabhängige, evidenzbasierte und
geprüfte Informationen". Das Angebot könne das Gespräch
mit dem Arzt nicht ersetzen und auch keine konkreten Empfehlungen
für den Einzelfall geben, betonte Sawicki. Es gehe vor allem um
Aufklärung. Die Informationen würden "nach strengen
wissenschaftlichen Kriterien geprüft". Ausgewählte Artikel
soll es bald auch als "Hörstück"-Version geben, um behinderten
Menschen den Zugang zu erleichtern. Das Angebot soll stetig ausgebaut
werden. Eine englische Version soll sicherstellen, dass die Texte in
einem internationalen Netzwerk von Experten ausgetauscht und begutachtet
werden können. Englisch biete zudem die Möglichkeit, gezielt
bestimmte Migrantengruppen zu erreichen.
Das vor einem Jahr gegründete IQWiG soll den Nutzen und die
Wirtschaftlichkeit von medizinischen Leistungen sowie Arzneimitteln
bewerten und die Patienten über den aktuellen Stand der
Wissenschaft bei ausgewählten Krankheiten informieren. Das Institut
wurde im Zuge der Gesundheitsreform gegründet und wird von einer
unabhängigen Stiftung getragen. Es wird aus Mitteln der
Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) finanziert.
Sawicki betonte, die erste Aufbauphase sei "erfolgreich abgeschlossen".
Rund zwei Drittel der Aufträge entfielen auf die Bewertung von
Arzneimitteln. Die Experten legten bereits einen Bericht zu einem
Diabetes-Medikament vor und bewerteten den Nutzen so genannter
Cholesterinsenker. In diesem Jahr soll laut Sawicki das Augenmerk
stärker als bisher auf die Gesundheitsökonomie und Methoden
für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Therapien gelegt
werden. Derzeit beschäftigt das Institut mehr als 50
Wissenschaftler und wird durch ein Netzwerk von nationalen und
internationalen Experten unterstützt.
(Quelle: afp)