Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundersten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens zwanzig Tote bei Anschlägen. Iran unterhält
angeblich Todesschwadrone im Irak Durch Sabotageakte im Jahr 2005
mehr als sechs Milliarden US-Dollar an Öleinnahmen verloren
gegangen
So.19.02.06 - Der anhaltenden Gewalt im Irak sind am Samstag mindestens 20 Menschen
zum Opfer gefallen. Der blutigste Anschlag wurde im Osten der
Hauptstadt verübt: Zwar verfehlte die Bombe nach Angaben der
Polizei eine Polizeistreife, dafür riss sie drei Zivilpersonen in
den Tod. Bei einem weiteren Anschlag ebenfalls im Osten der Hauptstadt
wurden vier Polizisten getötet, die einen Tanklastzug bewachten.
Ein dritter Anschlag in diesem Teil Bagdads galt einer US-Kolonne.
Dabei wurde ein amerikanischer Soldat getötet, teilten die
Streitkräfte mit.
Bei einem Bombenanschlag in Falludscha wurde ein Kind getötet, der
Sprengsatz riss seinem Bruder die Beine weg. Weitere Anschläge und
Angriffe kosteten noch mindestens ein Dutzend Menschen das Leben.
Im südlichen Bezirk Dora eröffneten US-Truppen nach
irakischen Angaben das Feuer auf Aufständische, die einen
Sprengsatz deponieren wollten, und töteten drei von ihnen. In
Ramadi fiel ein irakischer Polizeimajor einem Attentat zum Opfer.
In der südlichen Stadt Basra wurden am Donnerstag zwei Mazedonier
entführt, wie die britischen Streitkräfte am Samstag
bestätigten. Die beiden für eine Reinigungsfirma tätigen
Männer wurden auf dem Weg vom Flughafen ins Stadtzentrum
verschleppt.
Das iranische Regime unterhält nach Informationen der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» im Irak zahlreiche Terrorgruppen. Sie
sollen bereits Hunderte Iraker umgebracht haben und neun
Spitzenpolitiker auf einer «Schwarzen Liste» aufführen.
Das geht aus einem Geheimdokument irakischer Sicherheitskreise hervor,
das der «Neuen Osnabrücker Zeitung» vorliegt. Das
Papier wird von hochrangigen Politikern in Bagdad als «sehr
glaubwürdig» eingestuft.
Im Norden des Iraks setzten hunderte irakische Soldaten mit
Unterstützung der US-Streitkräfte die Suche nach einem
Flugzeug mit fünf Deutschen an Bord fort. Die Maschine wird seit
Donnerstag vermisst.
Der Firmenjet aus Bayern war am Donnerstag von den Radarschirmen
verschwunden. Von der Maschine sowie den fünf Deutschen und einem
Iraker an Bord fehlte am Samstag weiter jede Spur. Das Auswärtige
Amt in Berlin teilte mit, die Suche werde fortgesetzt. Bisher habe die
deutsche Botschaft in Bagdad jedoch keine neuen Hinweise.
Die Funkverbindung zu der Cessna 501 auf dem Flug von Aserbaidschan
nach Suleimanijah oder Kirkuk im Norden des Irak war am Donnerstag gegen
11.15 Uhr abgebrochen. Ein Sprecher der US-Streitkräfte im Irak
erklärte lediglich, es gebe Berichte, dass ein ziviles Flugzeug
auf dem Weg in den Nordirak abgestürzt sei. Im iranischen oder
türkischen Luftraum wurde das Kleinflugzeug nicht gesichtet.
Das vermisste Flugzeug gehört einer Baustofffirma in Freising bei
München. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern waren
neben zwei Piloten, die der Firma angehören, drei weitere
Firmenmitarbeiter aus Oberbayern sowie ein Iraker an Bord. Die Maschine
sei am Dienstag in München gestartet und über Ungarn nach Baku
in Aserbaidschan geflogen.
Das Bagdader Ölministerium teilte unterdessen mit, dass dem Irak
durch Sabotageakte im Jahr 2005 mehr als sechs Milliarden US-Dollar an
Öleinnahmen verloren gegangen seien.
Der Sprecher des Ölministeriums Assem Dschihad erklärte, im
vergangenen Jahr seien 186 Anschläge auf die Ölindustrie
verübt worden. Dabei seien 47 Mitarbeiter von Ölfirmen sowie
etwa 100 Sicherheitskräfte getötet worden. Die Schäden an
Exportpipelines beliefen sich auf 2,71 Milliarden US-Dollar,
während Anschläge auf das Netz für den innerirakischen
Bedarf zu Ausfällen von 3,1 Milliarden Dollar geführt
hätten. Des weiteren wurden Ölfelder und Raffinerien
attackiert. Die meisten Sabotageakte erfolgten im Norden erfolgt, von wo
der Irak täglich 400.000 Barrel Öl exportieren könnte.
Die Ölproduktion des Landes beträgt derzeit etwa zwei
Millionen Barrel pro Tag, das sind dem Ministerium zufolge 800.000
weniger als vor dem Krieg.
(Quellen: ap, dpa)
Niederlage im Medienkrieg
Rumsfeld sieht das Problem der US-Regierung im neuartigen Krieg gegen
den Terror in der Medienkompetenz der Feinde und fordert eine massive
Aufrüstung der strategischen Kommunikation... Mehr bei telepilis
vom 19.02.06:
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22074/1.html
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 19.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertsechsunddreißgsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.19.02.05 - Serie von Anschlägen auf Gläubige vor
höchstem schiitischen Feiertag: Mindestens 35 Tote +++
Bei Kämpfen wurden fünf US-Soldaten getötet +++
Übergangsministerpräsident Ijad Allawi besorgt über
mögliche Einsetzung einer islamischen Regierung +++ Italiener demonstrieren
für Rückzug aus dem Irak +++ EU will in Bagdad eine eigene
Verbindungsstelle aufbauen +++ Das Ringen um die Macht in Irak dauert an. Mit einem Schritt zur
Souveränität hatte die »erste demokratische Wahl«
aber nichts zu tun +++ Irakischer Häftling starb offenbar in Folterstellung +++
Hälfte der Vorwürfe gegen Lynndie England fallen gelassen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502190.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die am Donnerstag auf der Website der
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht werden sollte.
Die Umfrage im Auftrag der US-Universitäten Johns Hopkins und
Columbia und der Al-Mustansirija-Universität in Bagdad wurde von
Irakern, überwiegend Ärzten, durchgeführt. Von
landesweit 988 besuchten Haushalten erklärten sich 808 zur
Teilnahme bereit. Verglichen wurde die Todesrate nach der Invasion mit
der in der Zeit vor dem Krieg. Anschließend wurde die Rate auf
das gesamte Land hochgerechnet. «Die meisten Menschen, die von
Koalitionstruppen getötet wurden, waren Frauen und Kinder»,
heißt es in dem Bericht.
Sa.30.10.04 - Die britische Regierung will die von US-Wissenschaftlern
veröffentlichte Zahl von rund 100.000 Zivilisten, die infolge des
US-geführten Krieges im Irak ums Leben kamen, "sehr ernsthaft"
prüfen. London habe noch keine Zeit gehabt, sich die Studie der
Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health genauer anzusehen,
sagte der britische Außenminister Jack Straw. Da die Erhebung
jedoch in der renommierten britischen Fachzeitung "The Lancet"
erschienen sei, werde die Regierung sie sehr ernsthaft prüfen.
Zugleich betonte Straw, die Zahl von 100.000 getöteten Irakern sei
"eine sehr hohe Schätzung", die weit über allen bisherigen
Angaben von Nichtregierungsorganisationen liege. So spreche die
irakische Internetseite "Body Count" [http://www.iraqbodycount.net] von 15.000 Toten seit Beginn der
Kampfhandlungen im März 2003.
Sa.17.09.05 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 1.899
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen.Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
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Nahost
Palästinensische Autonomiegebiete - Hamas erhält
Regierungsauftrag
So.19.02.06 - Dreieinhalb Wochen nach der Wahl in den Autonomiegebieten hat sich das
von der israelfeindlichen Hamas dominierte palästinensische
Parlament konstituiert. Präsident Mahmud Abbas erteilte der Hamas
den Regierungsauftrag, mahnte die radikalislamische Bewegung aber
zugleich, die bisherigen Abkommen im Friedensprozess anzuerkennen.
Direkte Verhandlungen mit Israel lehnte der Hamas-Abgeordnete Muschir al
Masri umgehend ab. Verhandlungen mit Israel stünden «nicht
auf unserem Programm», sagte Al Masri.
Abbas forderte, die neue Regierung müsse «im nationalen
Interesse darauf hinarbeiten, das Chaos der Waffen zu beenden».
Zudem müsse die Hamas die existierenden palästinensischen
Sicherheitskräfte anerkennen. Die Sicherheitskräfte werden
derzeit von Anhängern von Abbas' Fatah-Bewegung dominiert.
An Israel wandte Abbas die Bitte, nach der Regierungsbildung in den
Autonomiegebieten rasch zu Verhandlungen auf der Basis des
internationalen Friedensplans (Roadmap) zurückzukehren.
«Lassen Sie uns besser heute als morgen zusammen Frieden
schließen», sagte Abbas in der konstituierenden Sitzung des
Parlamentes. «Lassen Sie uns in zwei benachbarten Staaten
leben.»
Angesichts der ablehnenden Haltung der Hamas blieb indes offen, wer auf
palästinensischer Seite mit Israel verhandeln soll. Die israelische
Regierung und die Staatengemeinschaft haben mit einer Aufkündigung
der Zusammenarbeit und einer Einstellung aller Zahlungen an Ramallah
gedroht, sollte die künftige palästinensische Regierung die
Abkommen der Vergangenheit nicht anerkennen und der Gewalt nicht
abschwören.
Die Hamas verfügt mit 74 Mandaten im 132 Sitze zählenden
Parlament über eine absolute Mehrheit. Künftiger
Ministerpräsident soll ihr pragmatischer Führer im
Gazastreifen, Ismail Hanija werden, wie der designierte
Parlamentspräsident Abdel Asis Duaik bekannt gab. Die Sitzung des
so genannten Legislativrates wurde am Samstag parallel in Ramallah und
in Gaza-Stadt abgehalten, weil Israel nicht allen Hamas-Abgeordneten die
Reise ins Westjordanland genehmigte.
Hamas-Führer Mahmud Sahar sprach von einem «historischen
Tag». «Wir müssen neue Diener des
palästinensischen Volkes werden», erklärte er vor
Sitzungsbeginn. Als Kernpunkte nannte er die Frage der Häftlinge,
des Territoriums und des Heiligen Landes», womit er auf
Ostjerusalem anzuspielen schien, dass die Palästinenser gegen
israelischen Widerstand zu ihrer Hauptstadt machen möchten.
(Quelle: ap)
US-Außenministerin Rice drängt arabische Staaten zur
Isolation Irans
So.19.02.06 - Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice hat die
arabischen Staaten aufgefordert, den Iran zu isolieren, sollte das Land
an seinem Atom-Programm festhalten.
"Ich hoffe, dass die Staaten, die besorgt über die Entwicklung
sind, auch wirklich bereit sind, den Iranern zu sagen: 'Wenn ihr diesen
Weg weiter beschreitet, werden wir euch isolieren'", sagte Rice am
Freitag in einem Interview mit arabischen Medien. Sie wird in der
kommenden Woche nach Ägypten, Saudi Arabien und die Vereingten
Arabischen Emirate reisen, um dort für den Iran-Kurs der
US-Regierung zu werben. Die USA werfen der islamischen Republik vor,
nach Atomwaffen zu streben. Der Iran hat die Vorwürfe
zurückgewiesen. In Kürze soll sich auch der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen (UN) mit der Angelegenheit befassen. Dieser
könnte Sanktionen verhängen.
Auch die Regierungen arabischer Länder haben sich besorgt
über das iranische Atom-Programm geäußert. Dennoch
zögern sie, den Kurs der USA gegenüber dem Iran zu
unterstützen, weil sie die US-Politik im Irak und die
pro-israelische Haltung im Nahost-Konflikt als anti-moslemisch empfinden.
(Quelle: rtr)
Muslimische Gelehrte für Ende der Proteste gegen
Mohammed-Karikaturen
So.19.02.06 - Islamische Gelehrte haben die Muslime in aller Welt aufgerufen, die
Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen zu beenden. Die Gläubigen
sollten stattdessen im Dialog die große Bedeutung des Propheten
für Muslime erklären, schrieben die 40 Gelehrten in einer am
Samstag in Kairo veröffentlichten Mitteilung. . Allerdings gab es
bei neuerlichen Protesten in Libyen am Freitagabend mindestens zehn
Tote, als die Polizei das Feuer auf Demonstranten vor dem italienischen
Konsulat in Bengasi eröffnete. Hunderte Demonstranten belagerten
das Konsulat und steckten es in Brand. Der italienische
Außenminister Gianfranco Fini machte seinen Kabinettskollegen
Roberto Calderoli für die Ausschreitungen verantwortlich. Der
Politiker der rechtsgerichteten Lega Nord machte zuvor seine
Ankündigung wahr und trat im Fernsehsender RAI mit einem T-Shirt
auf, auf dem die umstrittenen Karikaturen aufgedruckt waren.
Die zu einer Konferenz über die Mohammed-Karikaturen versammelten
Gelehrten erklärten, sie lehnten es ab, einen Akt der Aggression
mit Handlungen entgegen zu treten, die der Islam nicht erlaube. Die
dänische Regierung und das dänische Volk forderten sie auf,
die Karikaturen zu verurteilen und sich dafür zu entschuldigen,
«um diese Aggression zum Ende zu bringen.
In der ostpakistanischen Kleinstadt Chaniot schoss die Polizei am
Samstag auf Demonstranten, die bei ihrem Protest gegen die Karikaturen
versuchten, Geschäfte in Brand zu setzen. Ein Krankenhausarzt
teilte mit, vier Personen seien mit Schussverletzungen eingeliefert
worden, zwei davon befänden sich im kritischen Zustand. Bei
Demonstrationen gegen die zuerst in einer dänischen Zeitung
veröffentlichten Karikaturen wurden in der vergangenen Woche
mindestens fünf Menschen in Pakistan getötet.
(Quelle: ap)
16 Tote bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen in Nigeria
So.19.02.06 - Bei gewalttätigen Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen in
Nigeria sind nach Polizei-Angaben 16 Menschen getötet worden. In
zwei Städten des Landes löste die Polizei Kundgebungen gegen
die Karikaturen auf. Anschließend plünderte ein
wütender Mob Geschäfte und zündete christliche Kirchen
an. Es gab mehr als 100 Festnahmen. In der Stadt Maiduguri
verhängten die Behörden eine Ausgangssperre.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Tausende demonstrieren in London gegen Mohammed-Karikaturen
Demonstration in Dänemark für Dialog zwischen Christentum und Islam
So.19.02.06 - In London haben am Samstag mehr als 10.000 Menschen gegen die
umstrittenen Mohammed-Karikaturen demonstriert. Die Demonstranten kamen
mit Bussen aus dem ganzen Land zum Trafalgar Square, von wo aus sie zum
Hyde Park ziehen wollten. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie
«Meinungsfreiheit=billige Beleidigungen» oder «Wie
könnt ihr es wagen, den Propheten zu beleidigen?». Zu der
Kundgebung hatte eine Organisation namens Muslimisches Aktionskomitee
aufgerufen. Ihr Sprecher Taji Mustafa erklärte, die Proteste
würden fortgesetzt, so lange der Prophet Mohammed beleidigt werde.
Für den
Dialog zwischen Christentum und Islam demonstrierten gestern Abend in
Dänemark mehrere tausend Menschen. An dem Marsch durch ein
muslimisches Viertel von Kopenhagen nahmen auch Geistliche beider
Religionen teil. Die umstrittenen Karikaturen waren zuerst in der
dänischen Presse erschienen.
(Quelle: ap)
Neun ausländische Ölarbeiter in Nigeria verschleppt
So.19.02.06 - In Nigeria sind am Samstag neun ausländische Ölarbeiter von
Bewaffneten verschleppt worden. Nach Darstellung eines Mitarbeiters der
US-Firma Wilbros griffen mehr als 40 Männer nahe der
Ölhafenstadt Warri im Niger-Delta ein Boot des Unternehmens an. In
einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP bekannte sich die Bewegung
für die Befreiung des Niger-Deltas zu der Entführung. Demnach
sind unter den Geiseln drei Amerikaner, zwei Ägypter, zwei
Thailänder, ein Brite und ein Philippiner.
In der E-Mail hieß es weiter, die Bewegung für die Befreiung
des Niger-Deltas habe eine Reihe von Anschlägen auf Öl-Anlagen
verübt, darunter ein Exportterminal des Ölkonzerns Shell in
Forcados, eine Pipeline sowie eine staatliche Gaspipeline. Ein Sprecher
des Ölkonzerns Shell bestätigte einen Anschlag auf eine
Pipeline nahe dem Exportterminal in Forcados, die in Brand gesetzt
worden sei. Das Feuer sei aber wieder gelöscht. Eine weitere
Pipeline sei gekappt worden.
Im Niger-Delta kommt es immer wieder zu Anschlägen auf die
Ölindustrie durch örtliche Gruppen, die eine stärkere
Beteiligung der Einwohner an den Gewinnen aus der Ölförderung
fordern. Im Juni vergangenen Jahres wurden in der Region zwei deutsche
Mitarbeiter des Baukonzerns Bilfinger Berger entführt, sie kamen
nach drei Tagen wieder frei.
(Quelle: ap)
Bis zu 3000 Tote nach Erdrutsch auf den Philippinen befürchtet
So.19.02.06 - Die Zahl der Opfer bei einem gewaltigen Erdrutsch auf den Philippinen
ist vermutlich wesentlich höher als bisher befürchtet. Nach
offiziellen Angaben vom Samstag werden bis zu 3000 Menschen unter den
Schlammmassen vermisst. Hoffnung auf ihre Rettung gebe es kaum. Nach
tagelangen Regenfällen hatte sich am Freitag eine gewaltige
Schlamm- und Gerölllawine von einem Berg gelöst und das Dorf
Guinsaugon auf der Insel Leyte unter sich begraben.
(Quelle: afp)
Venezuelas Präsident Chávez droht USA mit Ende der
Öllieferungen
So.19.02.06 - Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat den USA erneut
mit einem Ende der Öllieferungen gedroht. In einer Radio- und
Fernsehansprache sagte der Linksnationalist Chávez am Freitag
(Ortszeit), Venezuela würde seine Lieferungen an die USA
unterbrechen, falls Washington weiterhin versuchen solle, die Regierung
zu destabilisieren.
Aus Protest gegen die Versuche Washingtons, eine internationale Front
gegen ihn aufzubauen, habe er bereits Maßnahmen unternommen, um
andere Absatzmärkte für das venezolanische Erdöl zu
suchen.
Erneut griff Chávez die Regierung von US-Präsident George
W. Bush scharf an und kritisierte die hohen US-Militärausgaben, die
benutzt würden, um in Länder wie Irak und Afghanistan
einzumarschieren und Staaten wie Iran und Venezuela zu bedrohen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice fördere einen Plan zur
Destabilisierung Venezuelas, indem sie Streik provoziere, betonte der
Präsident. Chávez kritisierte vor allem auch Kommentare von
Rice über die Verbindungen zwischen Venezuela und Kuba.
(Quelle: dpa)
Bush will mehr Atomkraft in aller Welt
So.19.02.06 - US-Präsident George W. Bush hat sich für eine intensivere
Nutzung der Atomenergie in den USA und international ausgesprochen. In
seiner wöchentlichen Rundfunkansprache verwies er darauf, dass die
USA nur 20 Prozent ihres Energiebedarfs mit Atomkraftwerken abdeckten.
In Frankreich seien es dagegen mehr als 78 Prozent. «Unser Plan
ist es, die Nutzung sicherer und sauberer Atomenergie zu
erhöhen», sagte Bush, der vor wenigen Wochen eine
Reduzierung der Öl-Abhängigkeit gefordert hatte.
(Quelle: dpa)
USA/New Orleans: Angeblich Todesspritzen während Hurrikan 'Katrina'
So.19.02.06 - Nach der vernichtenden Kritik des US-Kongresses am Krisenmanagement der
Regierung im Zusammenhang mit dem Hurrikan "Katrina" erschüttert
ein weiterer Bericht die Öffentlichkeit. Am Freitag hieß es
im National Public Radio (NPR) unter Berufung auf Gerichtsdokumente,
schwerkranken Patienten in New Orleans seien tödliche Morphiumdosen
verabreicht worden, weil sie nicht rechtzeitig aus einem Krankenhaus
hätten evakuiert werden können.
Mindestens drei Krankenhausangestellte hätten von dem Plan
gehört, hieß es in dem Bericht. Jedoch habe kein
Schlüsselzeuge aussagen können, wer seine Umsetzung anordnete.
Aus den Dokumenten gehe hervor, dass im Memorial Medical Center ein
Arzt und zwei Krankenschwestern mit Morphiumspritzen beim Betreten von
Krankenzimmern gesehen wurden, deren Patienten später
zurückgelassen worden seien. Anwälte von LifeCare, der Firma
für Langzeitpatienten, die die entsprechende Etage in der Klinik
geleast hatte, hätten die Generalstaatsanwaltschaft von Louisiana
im September von dem Vorfall informiert.
Durch den Hurrikan "Katrina" am 29. August des vergangenen Jahres und
die anschließende Überflutung der Stadt fielen in
Krankenhäusern Notstromaggregate aus, zehntausende Menschen
warteteten unter zum Teil katastrophalen Bedingungen tagelang auf
Rettung, hunderte Menschen kamen ums Leben. Die Stadt im Südosten
der USA hat sich noch immer nicht von dem Desaster erholt. Ihre
Einwohnerschaft beträgt derzeit weniger als die Hälfte der
ursprünglichen 460.000.
(Quelle: afp)
Spanien: Zehntausende demonstrieren für erweiterte Autonomie
Kataloniens
So.19.02.06 - Zehntausende Menschen sind am Samstag für eine stärkere
Autonomie der spanischen Region Katalonien auf die Straße
gegangen. Die Organisatoren sprachen von fast einer Million Teilnehmer
bei der Kundgebung in Barcelona, Medien bezifferten die Zahl hingegen
auf rund 75.000. Die Demonstranten stellten sich hinter eine Charta
für eine erweiterte Autonomie Kataloniens, die derzeit in einem
Parlamentsausschuss diskutiert wird.
Ein Entwurf einer solchen Charta war im September vom Regionalparlament
in Barcelona nahezu einstimmig verabschiedet worden. Die Vorlage war in
den vergangenen Monaten Gegenstand heißer Debatten und wird jetzt
in einem Parlamentsausschuss behandelt, ehe sie dem Plenum zur
Entscheidung vorgelegt wird.
Katalonien im Nordwesten der Iberischen Halbinsel genießt einen
semiautonomen Status wie 17 weitere Regionen in Spanien. Das Parlament
in Barcelona strebt jedoch nach noch mehr Unabhängigkeit. So wird
in der Charta gefordert, dass Katalonien selbst Steuern erheben darf
und lediglich einen Anteil davon an die Zentralregierung abführt.
Ferner soll die Region nach dem Wunsch ihrer Abgeordneten ihr eigenes
Justizsystem erhalten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Anti-Terror-Gesetze werden offenbar ausgeweitet
So.19.02.06 - Die große Koalition will offenbar die Anti-Terror-Gesetze
ausweiten. Die Bundesregierung wolle den Sicherheitsbehörden mehr
Befugnisse im Kampf gegen den internationalen Terrorismus geben,
berichtet der "Spiegel". Damit würden die Regelungen, die nach den
Anschlägen vom 11. September 2001 eingeführt wurden,
ergänzt.
Der von Union und SPD ausgearbeitete Entwurf sieht demnach vor, dass
das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der
Bundesnachrichtendienst (BND) sowie die Polizei leichter als bisher auf
die Kontodaten von Terrorverdächtigen zugreifen können.
Dafür sollten sie zur "Prävention" bei der Bundesanstalt
für Finanzdienstleistungsaufsicht nachfragen können, bei
welcher Bank eine Zielperson ihr Konto hat. Zugleich sollten die
Geheimdienste einen Online-Zugriff auf das Zentrale Fahrzeugregister des
Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg erhalten.
Auch die Beobachtung von mutmaßlichen Terroristen in der EU soll
dem Bericht zufolge einfacher werden. Die Geheimdienste erhielten das
Recht, Personen über das so genannte Schengener Informationssystem
zur "verdeckten Registrierung" auszuschreiben, berichtet der "Spiegel".
Die Grenzpolizeien anderer EU-Staaten müssen den deutschen
Geheimdiensten dann mitteilen, wann, wo und unter welchen Umständen
ein Reisender bei ihnen registriert wurde.
Noch nicht entschieden ist dem Bericht zufolge, ob es für die
Anti-Terror-Regelungen auch künftig eine gesetzliche Befristung
geben wird. Die Union strebt laut dem Bericht eine dauerhafte Geltung
an. SPD-Experten plädierten hingegen dafür, in die
Terrorismus-Gesetze wie bisher eine mehrjährige Frist einzubauen,
nach der alle Regelungen überprüft und durch den Bundestag
verlängert werden müssen.
(Quelle: afp)
Grüne und Linkspartei kritisieren Vorschlag für
Soldatenehrenmal
So.19.02.06 - Der Vorschlag von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), ein
Ehrenmal für im Ausland getötete Bundeswehrsoldaten zu
errichten, stößt bei der Opposition auf Skepsis. «Das
ist eine verkürzte Antwort auf eine berechtigte Frage», sagte
der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei der
«Berliner Zeitung» (Samstagausgabe). Ein Erinnerungsort
dürfe nicht nur für Soldaten eingerichtet werden. Es
müsse dort auch Diplomaten, Polizisten und zivilen Helfern gedacht
werden, die in Auslandseinsätzen ums Leben gekommen sind.
Der Verteidigungsexperte der Linkspartei, Paul Schäfer, sagte der
Zeitung, Jungs Vorstoß stimme ihn misstrauisch. «Eine solche
Erinnerungskultur ist fragwürdig, wenn damit die Heroisierung des
Soldatentums verbunden ist», sagte Schäfer. «Offenbar
will man damit auch die Öffentlichkeit daran gewöhnen, dass
bei Militäraktionen Soldaten umkommen.»
(Quelle: ddp)
Brisante Zahlen zum Bahn-Börsengang geschwärzt
So.19.02.06 - In dem Gutachten, das dem Bundestag zur Entscheidung über den
geplanten Börsengang der Deutschen Bahn dienen soll, sind brisante
Zahlen geschwärzt: Diese betreffen die Kosten einer möglichen
Privatisierung ohne Netz, die die Bahn deutlich höher beziffert als
die Gutachter. Konzernsprecher Werner Klingberg bestätigte Angaben
der "Süddeutschen Zeitung", wonach die Bahn im Fall einer
Abtrennung des Netzes von Synergieverlusten und Trennungskosten in
Höhe von knapp fünf Milliarden Euro ausgeht. Die Gutachter
veranschlagen dagegen nur die Hälfte.
Auch bei den Personalkosten rechnen die Gutachter deutlich
optimistischer als die Bahn: Die Bahn rechnet bei einer Abspaltung des
Netzes laut Klingberg mit Kosten von knapp 2,3 Milliarden Euro unter
anderem für das Aufbrechen der Tarifverträge. Die Gutachter
setzten dagegen nur 915 Millionen Euro an und damit lediglich 40 Prozent.
Klingberg dementierte erneut, dass die Bahn die Schwärzung der
politisch brisanten Passagen veranlasst habe: "Die hat der Gutachter auf
eigene Verantwortung vorgenommen." Die Bahn habe lediglich
erklärt, dass sie gewisse Daten vor allem zur mittelfristigen
Finanzplanung nicht öffentlich machen wolle.
Das Gutachten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton dient den
Experten des Bundestages als Entscheidungsgrundlage für den
Börsengang. Am Freitag war es wegen der Schwärzungen im
Verkehrsausschuss zu einem Eklat gekommen. In dem Bericht werden
fünf verschiedene Varianten genannt, wie die Bahn an die Börse
gebracht werden könne. Diese reichen von einem integrierten Modell
- dem zufolge Bahn und Netz zusammen als ein Unternehmen an die
Börse gehen - bis hin zu einem Trennungs-Modell, bei dem die
Netzsparte abgespalten wird und nur die Transportsparte der Bahn aufs
Parkett geht.
Die Bahn ist für die integrierte Variante. Regierung und Bundestag
wollen sich bis zum Sommer auf ein Modell für den Konzern einigen,
der noch zu 100 Prozent in Staatsbesitz ist.
(Quelle: afp)
Dachdecker demonstrieren in Köln gegen Rente mit 67
So.19.02.06 - Aus Protest gegen die geplante Rente mit 67 Jahren sind in Köln
rund 2000 Dachdecker aus dem gesamten Bundesgebiet auf die Straße
gegangen. Bei der Demonstration der IG Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU)
forderten die Dachdecker Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und
Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) zu einer "Dach-Visite" auf.
"Wir wollen beiden Spitzenpolitikern ein Gespür für den rauen
Job auf deutschen Dächern geben", begründete
IG-BAU-Vorstandsmitglied Rolf Steinmann die Aktion.
Steinmann betonte, keinem Dachdecker sei zuzumuten, mit 67 Jahren noch
über den Dachfirst zu klettern. Vielmehr gehe ein
Beschäftigter der Branche heute im Durchschnitt mit 58 Jahren in
Rente. "Dann ist er körperlich kaputt und weiß, was er
geleistet hat." Die Regierungspläne für das Vorziehen der
Rente mit 67 nannte der Gewerkschafter eine "Rentenkürzung durch
die Hintertür".
Die 1954 geborene Merkel soll der Gewerkschaft zufolge nun einen
"Gutschein für eine Dach-Visite" für das Jahr 2021 bekommen;
der 66-jährige Müntefering dürfe "sofort auf den First,
um möglichst rasch ein Gefühl fürs deutsche Dach zu
entwickeln". Laut Steinmann sollen Merkel und Müntefering die
"Gutscheine" noch am Wochenende zugestellt werden. Zugleich sagte die
Gewerkschaft zu, für die Sicherheit der Politiker bei der
"Dach-Visite" zu sorgen: Beiden würden zwei junge
Dachdecker-Gesellen zur Seite gestellt.
Mit der Demonstration bekräftigten die Dachdecker zudem ihre
Forderung nach 3,5 Prozent mehr Lohn in der bevorstehenden Tarifrunde.
Darüber hinaus will die IG BAU in den Verhandlungen eine
ganzjährige Beschäftigung in den Betrieben durchsetzen.
(Quelle: afp)
Verhärtete Fronten im öffentlichen Dienst
Kaum Chancen auf Einigung bei Spitzengespräch am Montag
So.19.02.06 - Vor dem Spitzengespräch zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di und der Tarifgemeinschaft der Länder am Montag in Berlin
sind die Fronten im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes weiter
verhärtet. Der Verhandlungsführer der Länder, der
niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU),
bezifferte die Chancen für eine Einigung beim Treffen mit
ver.di-Chef Frank Bsirske gegenüber der Tageszeitung «Die
Welt» (Samstagausgabe) allenfalls 50:50. «Aber das ist eher
zu hoch gegriffen», fügte er hinzu.
Mit den seit zwei Wochen andauernden Streiks wehrt sich ver.di gegen
die Forderung der Arbeitgeber, die Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden
zu erhöhen. Zudem will sie eine Übernahme des im vergangenen
Jahr für den öffentlichen Dienst beim Bund und in den Kommunen
ausgehandelten Tarifkompromisses erreichen.
«Es muss bei der Arbeitszeit eine Vier vorne stehen», sagte
Möllring der Zeitung. Dem Nachrichtenmagazin «Focus»
sagte Möllring laut Vorabbericht, die Arbeitgeber wollten
Öffnungsklauseln für die Arbeitszeit und Zuschläge auf
der Basis einer 40-Stunden-Woche erreichen. Jedes Land bestimme dann
selbst, wie lange seine Angestellten arbeiten und wie hoch Urlaubs- und
Weihnachtsgeld ausfällt.
Unterstützung bekommt Möllring von Nordrhein-Westfalens
Finanzminister Helmut Linssen (CDU). «Es geht um 18 bis 30 Minuten
mehr am Tag. Wir brauchen mindestens die 40-Stunden-Woche ohne
Lohnausgleich, sonst bekommen wir unsere Finanzsituation nicht in den
Griff», sagte Linssen der Zeitung.
Auch die Gewerkschaft ver.di verharrt auf ihrer Position. Ihr
Verhandlungsführer Kurt Martin sagte «Focus», entweder
die Arbeitgeber legten «einen verhandlungsfähigen Vorschlag
auf den Tisch, oder wir können das gleich vergessen». Bei der
Arbeitszeit gebe es keinen Spielraum.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK), Ludwig Georg Braun, fordert ver.di unterdessen auf, die Streiks
zu beenden. «Ich habe kein Verständnis dafür, dass jetzt
wegen eineinhalb Wochenarbeitsstunden gestreikt wird», sagte
Braun der «Rheinischen Post» (Samstagausgabe).
Unentgeltliche Mehrarbeit sei «das beste Instrument», um die
Finanzlast der Kommunen zu mindern. Durch Mehrarbeit würden die
Leistungen für den Bürger besser. «Beispielsweise
könnten Kitas länger öffnen und der Service in den
Bürgerbüros ausgebaut werden», betonte Braun.
(Quelle: ddp)
Für IG-Metall-Chef Peters sind Löhne auch Kaufkraft
Fünf-Prozent-Forderung verteidigt
So.19.02.06 - IG-Metall-Chef Jürgen Peters hat die Forderung der Gewerkschaft
nach fünf Prozent mehr Geld in der laufenden Tarifrunde verteidigt.
«Wir müssen den Arbeitgebern deutlich machen, dass
Löhne nicht nur ein Kostenfaktor sind, sondern auch
Kaufkraft», sagte Peters der «Süddeutschen
Zeitung» (Wochenendausgabe). Es gebe Unternehmen, die
«klotzige Gewinne» machten, daran müssten die
Beschäftigten teilhaben. Deutsche Betriebe behaupteten sich
hervorragend im Wettbewerb. Er könne «das Jammern der
Industrie nicht mehr hören», sagte Peters.
Der IG-Metall-Chef äußerte außerdem deutliche Kritik
an Unternehmen, die wegen kurzfristiger höherer Gewinne
Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, wie dies etwa der schwedische
Electrolux-Konzern im Falle des Nürnberger AEG-Werks plane. Peters
appellierte an die Regierung, auf Verlagerungen eine Abgabe zu erheben
oder diese wie Verkäufe zu behandeln und den Gewinn zu besteuern.
«Es kann nicht sein, dass die Betriebe immer nur Vorteile von
Verlagerungen in Anspruch nehmen und die Kosten der Gesellschaft
aufbürden. Dafür müssen sie bezahlen», sagte er.
Zu seiner Zukunft schloss Peters nicht aus, dass er 2007 noch einmal
für den IG-Metall-Vorsitz kandidieren werde. 2003 hatte er
angekündigt, nur für eine Periode anzutreten, um dann dem
Zweiten Vorsitzenden Bertold Huber Platz zu machen. Er habe bei der
vergangenen Wahl gesagt, dass er seine private Lebensplanung habe, sagte
Peters nun. «Wenn es Gründe gibt, die dieser Planung
entgegenstehen, werde ich eine andere Entscheidung treffen
müssen.» Ob dieser Fall eintrete, könne er jetzt nicht
sagen.
(Quellen: ddp, ap)
Vogelgrippe auf Rügen weitet sich aus
So.19.02.06 - Die Vogelgrippe auf Rügen breitet sich aus: Auf der Ferieninsel
seien weitere 28 Wildvögel positiv auf das gefährliche Virus
H5N1 getestet worden, sagte der Landwirtschaftsminister von
Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD). Damit sind dort inzwischen
41 Fälle von Vogelgrippe bekannt. Die ganze Ostseeinsel wurde zur
Beobachtungszone erklärt. Die Bundeswehr sagte
Mecklenburg-Vorpommern ihre Hilfe zu. Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD) forderte eine Krisenkonferenz, um über den Schutz
der Bevölkerung zu beraten.
Backhaus sprach nach einem gemeinsamen Besuch mit
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) auf Rügen von
einer "sehr ernsten Situation". Bislang sind rund 650 tote
Wildvögel in Mecklenburg-Vorpommern geborgen worden. Die
Vogelgrippe-Variante H5N1 ist besonders gefährlich, da sie auf den
Menschen übertragbar ist.
Seuchenexperten der Bundeswehr sollen nun bei der Absperrung der
Schutzzonen sowie beim Desinfizieren von Fahrzeugen, Kleidung und
Straßen helfen, wie Backhaus weiter sagte. Zwei ABC-Trupps
stünden seit Freitag bereits in Bereitschaft. Außerdem wurde
über Rügen ein Hubschrauberflugverbot verhängt, damit
infizierte Vögel nicht aufgescheucht und in bisher nicht
betroffene Gebiete vertrieben werden.
Backhaus rief Rügens Landrätin Kerstin Kassner (PDS) erneut
zu schnellem Handeln auf. Es sei ihre Aufgabe, die Gefahrenquellen,
also tote und sterbende Vögel, "unverzüglich zu beseitigen".
Zu den Kompetenzstreitigkeiten der vergangenen Tage sagte Backhaus, es
gebe "klare Verantwortlichkeiten" des Landkreises. Er kritisierte
besonders, dass es der Landkreis offenbar nicht schaffe, die
Schutzzonen um die Fundorte infizierter Vogelkadaver zu sperren.
Seehofer forderte Kassner indirekt auf, den Katastrophenfall
auszurufen, um so weitere Hilfe der Bundeswehr zu ermöglichen.
Wichtigste Aufgabe sei es, Menschen und Nutztiere vor der Vogelgrippe
zu schützen. Mittelfristig müsse der Bund mehr Rechte
bekommen, in derartigen Krisenfällen zu leiten und zu
koordinieren, sagte der Bundesminister.
Gesundheitsministerin Schmidt forderte, die Länder müssten so
schnell wie möglich Schritte zum Schutz der Bevölkerung vor
einer möglichen Pandemie klären. Die Länder müssten
klären, welche Krankenhäuser im Fall einer Übertragung
des gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 auf den Menschen Nothilfe
leisten könnten. Zudem müsse es um die Alarm- und Meldekette
bis hin zu den Kommunen gehen.
(Quelle: afp)
Kultur
Übergriff auf Theaterkritiker
So.19.02.06 - Wegen eines Übergriffs auf den Theaterkritiker der 'Frankfurter
Allgemeinen Zeitung', Gerhard Stadelmaier, ist ein Darsteller des
Schauspiels Frankfurt am Freitag entlassen worden. Das teilte
Intendantin Elisabeth Schweeger in einer schriftlichen Erklärung
mit.
Stadelmaier, einer der bekanntesten Theaterkritiker Deutschlands, war
am Donnerstagabend in Frankfurt bei der Premiere des
Aktionstheater-Stücks «Das große Massakerspiel oder
Triumph des Todes» von dem Schauspieler Thomas Lawinky angegangen
worden. Lawinky
hatte den Kritiker zunächst von der Bühne aus beschimpft,
anschließend soll er Stadelmaier den Notizblock entrissen und ihn
aus dem Raum gewiesen haben.
Kollegen Stadelmaiers bestätigten laut «Spiegel
Online» den Ablauf des Vorfalls. Der Angegriffene selbst sagte dem
Nachrichtenportal, er sei als Theaterkritiker «einiges
gewöhnt». Der Vorfall am Donnerstagabend sei jedoch eine
«ganz klare Grenzüberschreitung, eine Frechheit und ein
beispielloser Vorfall» gewesen.
Frankfurts Oberbürgermeister Petra Roth (CDU) sprach am Freitag
von einem «unentschuldbaren Zwischenfall» und einem
«Angriff auf die Pressefreiheit», der sofortige Konsequenzen
verlange.
Schauspiel-Intendantin Schweeger erklärte daraufhin, Lawinky habe
«außerhalb des künstlerischen Konzeptes und der
Festlegung der Inszenierung überreagiert und die persönliche
Integrität eines Zuschauers, eines Kritikers, verletzt».
Dieses Verhalten entspreche nicht ihrem Verständnis von Kunst und
auch nicht der Programmatik des Hauses. Die Inszenierung sei in keiner
Weise so angelegt gewesen, dass Zuschauer beleidigt oder angegriffen
werden. Dies habe die von ihr abgenommene Generalprobe bestätigt.
Das Arbeitsverhältnis mit Lawinky sei inzwischen einvernehmlich
beendet worden, sagte Schweeger weiter. Der Schauspieler bedauere den
Vorfall sehr. Er habe zugesagt, sich persönlich bei dem Kritiker in
aller Form zu entschuldigen.
(Quelle: ddp)
'Betonierter Betonkopf'
Christoph Schlingensief, 45, Regisseur und Provokateur, freut sich
über den jüngsten "Theaterskandal" in Frankfurt: Endlich habe
sich "FAZ"-Kritikergott Stadelmaier demontiert... Mehr in der taz vom
21.02.06:
http://www.taz.de/pt/2006/02/21/a0130.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/02/21/a0129.1/text
Attacke von der Bühne
(...) Was ist passiert? Auf dem Programm in der Nebenspielstätte
des Frankfurter Schauspiels in der Schmidtstraße stand die
Premiere von Ionescos "Das große Massakerspiel oder Triumph des
Todes", inszeniert von Sebastian Hartmann. Das Stück war als
Aktionstheater inszeniert, in dem die Schauspieler die Zuschauer
ansprechen und sie dazu auffordern, sich mit ihnen im Raum zu bewegen.
Stadelmaier weigerte sich, an der Aktion teilzunehmen und reagierte
auch dann nicht erfreut, als der Schauspieler Thomas Lawinky ihm einen
soeben aus dem Schoß einer Frau geborenen Vogel andienen wollte.
"Gebt dem da doch das Kind!", soll Lawinky gerufen und auf Stadelmaier
gedeutet haben: "Schreiben Sie doch, dass es ein schönes Kind
ist!" Damit nicht genug, griff Lawinky den Kritiker an und entriss ihm
seinen Notizblock. "Als er meine Schrift nicht entziffern konnte, hat
er mir den Block mit den Worten zurückgegeben: Schreib weiter,
Junge, der Abend wird noch schrecklich!", berichtete Stadelmaier
hinterher. Als er das Theater verlassen wollte, habe Lawinky ihm
hinterher gerufen: "Hau ab, du Arsch, verpiss dich! " und Applaus
für "den Kritiker" gefordert.
Er sei im Theater einiges gewöhnt, so Stadelmaier in seiner
Stellungnahme, "masturbierende Männer, Blut und alle
möglichen Körpersäfte auf der Bühne sind
mittlerweile ja fast Standard". Aber der Vorfall in Frankfurt sei eine
"ganz klare Grenzüberschreitung" gewesen. Gegenüber dpa
sprach er von einem "Angriff auf die Pressefreiheit" und kündigte
eine Strafanzeige gegen den Schauspieler an. Lawinky hat sich
inzwischen bei Stadelmaier entschuldigt und ein persönliches
Gespräch angeboten.
Auch die Intendantin des Frankfurter Schauspiels, Elisabeth Schweeger,
die bei der Premiere nicht zugegen war, hat sich bei Stadelmaier
entschuldigt und in einer offiziellen Stellungnahme mitgeteilt, hier
habe ein Schauspieler "außerhalb des künstlerischen
Konzeptes und der Festlegung der Inszenierung überreagiert und die
persönliche Integrität eines Zuschauers, eines Kritikers,
verletzt". Dieses Verhalten entspreche nicht ihrem Verständnis von
Kunst und auch nicht der Programmatik des Hauses. Der SZ erklärte
sie, hier läge der Tatbestand eines"tätigen Übergriffs"
und der rechtliche Übergriff auf die Pressefreiheit und die
persönliche Freiheit vor. Es ist eine Verletzung, darauf muss ich
reagieren! " Thomas Lawinky habe von selbst angeboten, zu gehen,
"diesen Vorgang habe ich akzeptiert, denn er schadet sich selbst, der
Aufführung und dem Haus" Die Inszenierung soll jedoch weiter
gespielt werden. Und natürlich gebe es jetzt "Diskussionsbedarf -
ähnlich wie im Karikaturen-Streit. "
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 18.02.2006
Schauspiel Frankfurt wehrt sich
Der Skandal am Schauspiel Frankfurt geht in eine neue Runde. Nun hat
sich das Theater zur Wehr gesetzt. Man werde es "nicht hinnehmen, dass
so ein bedauerlicher Vorfall wie dieser dazu genutzt wird, den
Kunstraum Theater und die künstlerische Freiheit der dort
tätigen Künstler einzuschränken", heißt es in
einer Erklärung.
An diesem Donnerstag (23.02.2006) wird das Stück "Das große
Massakerspiel oder Triumph des Todes" erneut gezeigt. Bei dessen
Premier hatte der Schauspieler Thomas Lawinky dem FAZ-Kritiker Gerhard
Stadelmaier den Notizblock entrissen. Der Gastvertrag des Schauspielers
wurde daraufhin aufgelöst. Schauspieler haben sich nun aus
Solidarität mit Lawinky bereit erklärt, jeweils für
einen Abend dessen Rolle zu übernehmen. Den Anfang macht der
Regisseur des Stücks, Sebastian Hartmann. Im Anschluss an die
Aufführung soll unter dem Titel "Freiheit für wen?" über
den Vorfall diskutiert werden. Die Intendantin Elisabeht Schweeger hat
Schauspieler und Journalisten sowie den Geschäftsführenden
Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, den Kurator der
Spielstätte Schmidtstraße 12, Armin Petras und den
Intendanten des Theaters Magdeburg, Tobias Wellemeyer, zum
Gespräch eingeladen.
SZ, 23.02.2006
Wissenschaft
Klimaforscher prognostizieren Zunahme extremer Wetterlagen
So.19.02.06 - Deutschland muss sich spätestens zur Mitte des Jahrhunderts auf
die Zunahme extremer Wetterereignisse wie starker Sommergewitter oder
Trockenperioden einstellen. Das sagte Daniela Jacob vom
Max-Planck-Institut für Meteorologie am Freitag beim ersten
Extremwetterkongress in Hamburg.
Zusammen mit ihren Mitarbeitern hatte sie mit bislang nicht erreichter
Genauigkeit berechnet, wie sich der globale Klimawandel auf Deutschland
auswirken könnte. Dazu nutzte sie ein neues, an ihrem Institut
entwickeltes regionales Klimamodell.
Das Verfahren überzieht Deutschland mit einem virtuellen Gitter,
das in Quadrate mit einer Kantenlänge von 10 Kilometern unterteilt
ist - global wird mit rund 300 Kilometern gearbeitet. An den
Gitterkreuzungen löst ein Computer beständig 70 Gleichungen
und bildet so die Vorgänge des Klimas nach. Zusätzlich wird
berücksichtigt, das bis Ende 2100 die globale mittlere Temperatur
durch den Ausstoß von Treibhausgasen auch hier zu Lande um rund 3
oder 3,5 Grad Celsius steigen wird.
Dem Modell zu Folge wird es von etwa 2020 oder 2030 an im Winter im
Durchschnitt rund zehn nasse Tage mehr geben. «Fast
gesichert» sei zudem, dass sommerliche Starkniederschläge und
Gewitter zunehmen, sagte Jacob. Das gelte sowohl für deren Anzahl
als auch für die Niederschlagsmenge. «Auch Hitzeperioden wie
2003 werden künftig wahrscheinlicher», sagte Jacob. Die
Prognose sagt zudem doppelt so viele ein- und zweiwöchige
Niedrigwässer am Rhein voraus. Eine leichte Tendenz zu
stärkeren Stürmen lasse sich bislang nur erahnen.
Die mit ähnlichen Vorhersagen befassten rund 15 europäischen
Arbeitsgruppen kämen zu vergleichbaren Resultaten: «Die
Modelle unterscheiden sich nur noch in der Stärke, nicht darin,
dass etwas passieren wird.» Wie sich das Wetter in den
nächsten zehn Jahren ändern werde, könne das Modell
bislang nicht voraussagen.
Die Hamburger Forscher arbeiten derweil daran, die räumliche
Genauigkeit ihres Modells weiter zu verfeinern, um damit vielleicht
sogar einmal besonders betroffene Landkreise oder den Katastrophenschutz
zu warnen. Für solche Simulationen seien allerdings deutlich
schnellere Computer nötig, als sie den Hamburger Forschern
momentan zur Verfügung stünden, sagte die Forscherin.
(Quelle: dpa)
'Science': Bush-Regierung lässt Forschung frisieren
So.19.02.06 - Die US-Regierung hat der Weltraumbehörde NASA und der
Klimaforschungsbehörde NOAA nach Ansicht des Fachjournals
«Science» in Klimafragen einen Maulkorb verpasst.
Die staatlichen Forscher stünden unter dem Druck der
Bush-Regierung, mit Washingtons umstrittener Klimapolitik kollidierende
Daten zurückzuhalten, schreibt der Chefredakteur des bedeutendsten
amerikanischen Wissenschaftsjournals, Donald Kennedy, in einem Kommentar
in der jüngsten Ausgabe seines Blatts vom Freitag.
Kennedy zufolge ignoriert Washington nicht nur schlagende Beweise
für die globale Erwärmung durch Treibhausgase wie
Kohlendioxid. Vielmehr habe die Regierung NOAA-Forschern, die die
Klimapolitik des Weißen Hauses ablehnen, auch den Kontakt mit der
Presse verboten. Ebenso müssten die staatlich angestellten
Klimaforscher der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration)
ihre Vorträge auf wissenschaftlichen Kongressen zuvor mit
Washington abstimmen, schreibt Kennedy.
Unverständlich sei auch, dass die NOAA die zunehmende
Intensität von Hurrikanen auf ihrer Website allein mit
natürlichen Zyklen begründe, wenn gerade zwei große, in
«Science» und dem wichtigsten Konkurrenzblatt
«Nature» veröffentlichte Studien den Einfluss von
Treibhausgasen nachgewiesen hätten. Noch schlimmer als bei der NOAA
habe sich der Druck der Bush-Regierung auf die NASA ausgewirkt,
schreibt Kennedy und prangert Washingtons «bürokratische
Dummheit» an.
So sei einer der führenden NASA-Forscher, James Hansen, nach einer
Rede vor der American Geophysical Union in San Francisco im Dezember
offiziell vor persönlichen Konsequenzen gewarnt worden. Ein junger
Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsabteilung der NASA habe Hansen
außerdem untersagt, zum Rundfunksender NPR zu sprechen, weil
dieser «zu liberal» sei. Der 24-Jährige hatte den Job
im NASA-Hauptquartier bekommen, nachdem er sich 2004 beim Wahlkampf
für den US-Präsidenten George W. Bush eingesetzt hatte. Er
veränderte angeblich auch wissenschaftliche Veröffentlichungen
und täuschte einen Universitätsabschluss vor, gab seinen
Posten aber inzwischen freiwillig auf.
Washington richte seine Umwelt- und Klimapolitik nicht an
wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen aus, sondern an einzelnen
Daten, die ihre Politik unterstützen, empört sich der
«Science»- Chefredakteur in dem Kommentar. Er
begrüße die Ankündigung von NASA- Direktor Michael
Griffin, «Schluss mit diesem Unsinn zu machen», schreibt
Kennedy, und wissenschaftliche Erkenntnisse ungeschminkt zu
veröffentlichen.
(Quelle: dpa)