Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mehrere Tote bei Anschlägen und Überfällen. US-Armee
lässt 430 weitere Gefangene im Irak frei. Wrack des im Irak
vermissten deutschen Privatjets entdeckt
Mo.20.02.06 - Bei Anschlägen und Überfällen im Irak sind am Sonntag
mindestens sieben Menschen getötet worden, unter ihnen ein
hochrangiger Polizeifunktionär. Der stellvertretende Polizeichef
der nordirakischen Stadt Kirkuk, General Hatem Chalaf el Obaidi, und
zwei seiner Leibwächter wurden nach Polizeiangaben zehn Kilometer
westlich von Kirkuk getötet, als eine Bombe neben ihrer
Wagenkolonne explodierte.
Die US-Armee im Irak hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen
rund 430 Gefangene freigelassen. Dies sei aufgrund einer Entscheidung
einer Kommission aus Vertretern der multinationalen Streitkräfte
sowie der irakischen Ministerien für Justiz, Inneres und
Menschenrechte erfolgt, teilte die US-Armee am Samstag mit. Sie machte
keine Angaben darüber, aus welchen Gefängnissen
Häftlinge entlassen wurden. Ende Januar waren bereits 410
Gefangene aus Anstalten der multinationalen Streitkräfte
freigekommen, darunter fünf Frauen. Anfang Februar wurden nochmals
50 Häftlinge entlassen.
Das Wrack des im Irak vermissten Privatjets aus Bayern ist im Norden
des Landes entdeckt worden. Ein Sprecher der Patriotischen Union
Kurdistans sagte, die Maschine sei 35 Kilometer nördlich von
Suleimanija gefunden worden. Nach offiziellen Angaben wurden in dem
ausgebrannten Wrack sechs Leichen gefunden. Bislang konnte offenbar nur
der Pilot identifiziert werden. Die Absturzursache ist unklar. Die
Cessna mit fünf Deutschen und einem Iraker an Bord war auf dem Weg
nach Kirkuk im Nordirak.
(Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 20.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertsiebenunddreißgsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.20.02.05 - Trotz strengster Sicherheitsmaßnahmen wurde das Aschura-Fest im
Irak von Anschlägen überschattet: Mindestens
50 Tote +++ Rund 500.000 Menschen demonstrieren in Rom für die
Freilassung der im Irak entführten Journalistin Sgrena. Die
Organisatoren hatten mit etwa 200.000 Demonstranten gerechnet.
Italienische Soldaten werden nicht vorzeitig aus dem Irak abberufen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502200.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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Nahost
Israel stellt Überweisungen an Palästinenser ein
Olmert erklärt Autonomiebehörde zu 'Terrorbehörde'.
Russland warnt internationale Gemeinschaft vor einer Isolation der
Hamas. US-Regierung abwartend. Israelische Luftwaffe tötet zwei
Palästinenser mit Raketenangriff
Mo.20.02.06 - Nach der Vereidigung des Hamas-dominierten palästinensischen
Parlaments droht der Friedensprozess im Nahen Osten zusammenzubrechen.
Als erste Reaktion beschloss das israelische Kabinett am Sonntag, keine
Steuern und Zöllen mehr an die palästinensische
Autonomiebehörde zu überweisen. Der amtierenden
Ministerpräsidenten Ehud Olmert schloss jeglichen Kontakt mit der
Hamas aus.
«Angesichts der Mehrheit der Hamas im Parlament ist die
palästinensische Autonomiebehörde in der Tat eine
Terror-Behörde geworden», sagte Olmert vor den Ministern.
«Israel kann das nicht zulassen.» Gleichzeitig habe Israel
nicht die Absicht, internationale Hilfe für die Palästinenser
zu blockieren.
Nach der Kabinettsentscheidung droht der Autonomiebehörde der
finanzielle Kollaps. Bislang hat Israel jeden Monat 50 Millionen Dollar
überwiesen. Dabei handelt es sich um Steuern und Zölle, die
Israel für die Autonomiebehörde eintreibt.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hatte der Hamas
auf der konstituierenden Sitzung des Parlaments am Samstag den
offiziellen Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Die radikalislamische
Bewegung nominierte daraufhin am Sonntag den Abgeordneten Ismail Hanija
für das Amt des palästinensischen Ministerpräsidenten.
Der Schritt war allgemein erwartet worden. Hanija wird dem
pragmatischen Flügel der Hamas zugerechnet.
Die Hamas verfügt als überraschende Siegerin der Wahl von
Ende Januar über 74 Mandate im Parlament. Der Hamas-Abgeordnete
Abdel Asis Duaik wurde am Samstag mit 70 von 132 Stimmen zum
Parlamentspräsidenten gewählt. Duaik sagte nach seiner
Vereidigung, die Hamas werde weiterhin an ihrer
«rechtmäßigen Pflicht zum Widerstand gegen die
Besatzung» festhalten.
Abbas forderte, die neue Regierung müsse «im nationalen
Interesse darauf hinarbeiten, das Chaos der Waffen zu beenden».
Zudem müsse die Hamas die existierenden palästinensischen
Sicherheitskräfte anerkennen. Die Sicherheitskräfte werden
derzeit von Anhängern von Abbas' Fatah-Bewegung dominiert. An
Israel richtete Abbas die Bitte, nach der Regierungsbildung in den
Autonomiegebieten rasch zu Verhandlungen auf der Basis des
internationalen Friedensplans (Roadmap) zurückzukehren. Direkte
Verhandlungen mit Israel lehnte der Hamas-Abgeordnete Muschir al Masri
umgehend ab.
Russland warnte die internationale Gemeinschaft vor einer Isolation der
Hamas. «Es ist kontraproduktiv, die Tür zu verschließen
und schon im Voraus 'Nein' zu sagen», erklärte der
Terrorismusbeauftragte von Präsident Wladimir Putin, Anatoli
Safonow. Putin hat Vertreter der Hamas für Anfang März nach
Moskau eingeladen, um die Organisation in den Friedensprozess
einzubinden und zu einem Gewaltverzicht zu bewegen.
Die US-Regierung zeigte sich am Samstag abwartend. «Wir warten
ab, welchen Ansatz sie wählen, wenn sie die Regierung
übernehmen», erklärte der Sprecher des Nationalen
Sicherheitsrats, Frederick Jones. Die Position der USA sei klar. Die
Hamas müsse die Waffen niederlegen, der Gewalt abschwören und
das Existenzrecht Israels anerkennen.
Israelische Kampfflugzeuge griffen nach Angaben der Streitkräfte
im Gazastreifen zwei Palästinenser an, die in der Nähe des
Sicherheitszauns an der Grenze zu Israel ein Bombe legen wollten.
Anwohner erklärten, zwei Mitglieder der Volkswiderstandskomitees
seien getötet worden. Aus israelischen Militärkreisen
verlautete, die beiden seien in Raketenangriffe auf israelische Ziele in
der vergangenen Woche verwickelt gewesen.
(Quelle: ap)
In Libyen inhaftierte Krankenschwestern haben Angst
Mo.20.02.06 - Den fünf wegen der angeblich vorsätzlichen Infektion von
Kindern mit Aids in Libyen infhaftierten Krankenschwestern geht es nach
Angaben ihres Anwalts schlecht. Die Bulgarinnen befänden sich in
einem "schwierigen psychischen Zustand", sagte ihr französischer
Anwalt Emmanuel Altit am Samstag nach einem Besuch bei den Gefangenen.
Nach der Aufhebung des Todesurteils gegen sie hätten seine
Mandantinnen große Angst, dass sich der Berufungsprozess über
Jahre hinziehen werde.
Die fünf Frauen und ein ebenfalls angeklagter
palästinensischer Arzt sind seit sieben Jahren in Haft. Sie waren
im Mai 2004 in erster Instanz für schuldig befunden worden, im
Kinderkrankenhaus von Bengasi 426 Kindern bewusst HIV-verseuchte
Transfusionen verabreicht zu haben.
Der Anwalt wollte nach eigenen Angaben mit dem libyschen Justizminister
Ali Hasnaui über ein Freilassungsgesuch für die sechs
Inhaftierten verhandeln. Das Treffen wurde jedoch abgesagt. Der Oberste
Gerichtshof Libyens hatte im Dezember das Todesurteil gegen die
Angeklagten aufgehoben und eine Berufung vor dem Strafgerichtshof in
Bengasi zugelassen. Die Angeklagten hatten vor Gericht ihre Unschuld
beteuert. Aussagen ausländischer Aids-Experten, wonach die
Infektionen durch mangelhafte Hygiene verursacht worden seien, wurden in
dem ersten Prozess nicht berücksichtigt. Bislang starben 51 Kinder
an den kontaminierten Transfusionen.
(Quelle: afp)
26 Tote bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen in Afrika
Übergriffe auf christliche Minderheit in Nigeria. Pakistanische
Polizei geht gegen radikale Muslimführer vor. Zehntausende
protestieren in Instambul gegen Mohammed-Karikaturen
Mo.20.02.06 - Die gewaltsamen Proteste gegen die Karikaturen des Propheten Mohammed
haben am Wochenende in Afrika mindestens 26 Menschen das Leben gekostet.
In Nigeria richteten muslimische Demonstranten ihre Wut gegen die
christliche Minderheit und töteten mindestens 15 Menschen, womit
der Konflikt einen neuen, blutigen Höhepunkt erreichte. Bereits am
Freitagabend waren in Libyen bei einer Kundgebung vor einem
italienischen Konsulat elf Demonstranten von der Polizei erschossen
worden.
In der nigerianischen Stadt Maiduguri artete ein Protestmarsch gegen
die Mohammed-Karikaturen am Samstag in blindwütige Gewalt gegen
christliche Kirchen und Geschäfte aus. Ein AP-Reporter beobachtete,
wie Kundgebungsteilnehmer mit Macheten, Stöcken und Eisenstangen
im Stadtzentrum ausschwärmten. Eine Gruppe steckte einen Mann in
einen Autoreifen, übergoss ihn mit Benzin und zündete ihn an.
Augenzeugen erklärten, die meisten der 15 Todesopfer seien
Christen, darunter auch drei Kinder und ein katholischer Priester.
Die Proteste in Libyen waren eine Reaktion auf einen provokativen
Auftritt des italienischen Reformministers Roberto Calderoli. Dieser
hatte am Freitag in einer Fernsehsendung sein Hemd aufgeknöpft und
ein T-Shirt gezeigt, auf dem die umstrittenen Karikaturen abgedruckt
waren. Libysche Demonstranten zogen danach vor das italienische Konsulat
in der Stadt Bengasi und legten Feuer, woraufhin die Polizei in die
Menge schoss. Elf Demonstranten kamen dabei ums Leben, 35 wurden
verletzt. Einen Tag später trat Calderoli nach heftiger Kritik auch
aus der eigenen Regierung zurück. Der libysche Innenminister wurde
wegen der Schüsse auf die Demonstranten suspendiert.
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der
libysche Revolutionsführer Muammar al Gaddafi bemühten sich am
Samstag in einem Telefongespräch, die Wogen zu glätten. Beide
seien sich einig, dass die Vorfälle die freundschaftlichen
Beziehungen zwischen Italien und Libyen nicht beeinträchtigen
dürften, teilte Berlusconis Büro mit. Libyen ist für
Italien ein wichtiger Öl- und Gaslieferant, in dem
nordafrikanischen Land leben rund 1.400 italienische Staatsbürger.
Außenminister Gianfranco Fini besuchte am Samstag demonstrativ
eine Moschee in Rom, um seinen Respekt für den Islam zu bekunden.
Auch in anderen Staaten kam es am Wochenende wieder zu Demonstrationen
gegen die Mohammed-Karikaturen. Sie verliefen jedoch weitgehend
friedlich.
In Pakistan stellte die Polizei am Sonntag radikale Muslimführer
unter Hausarrest und nahm mehrere hundert Menschen fest, um eine
Großkundgebung in der Hauptstadt Islamabad zu verhindern. Ein
kleiner Demonstrationszug mit rund 100 Teilnehmern wurde mit
Tränengas und Warnschüssen auseinandergetrieben. Im Laufe der
Woche war es in Pakistan wiederholt zu gewaltsamen Protesten gekommen,
bei denen es auch Tote gab. Am Samstag demonstrierten in Karachi 12.000
Frauen friedlich gegen die Karikaturen.
In Istanbul gingen am Sonntag Zehntausende gegen die Karikaturen auf
die Straße. Die Demonstranten forderten einen Boykott
dänischer Produkte. In London beteiligten sich am Samstag über
15.000 Muslime an einem Protestmarsch vom Trafalgar Square zum Hyde
Park. Auch in Duisburg demonstrierten rund 1.300 Muslime.
40 islamische Gelehrte riefen in einer in Kairo veröffentlichten
Mitteilung zu einer Beendigung der Proteste auf. Der Großimam der
einflussreichen Al-Aschar-Universität in Kairo, Mohammed Sajjed
Tantawi, schlug ein weltweit gültiges Verbot von Beleidigungen
religiöser Empfindungen vor.
(Quelle: ap)
Redakteur der dänischen Zeitung 'Jyllands-Posten': Karikaturen
waren Reaktion auf Selbstzensur
Mo.20.02.06 - Der für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen
verantwortliche Redakteur der dänischen Zeitung
«Jyllands-Posten» hat den Abdruck der Zeichnungen als
Reaktion auf Selbstzensur bezüglich den Islam betreffender Themen
bezeichnet. In einem Kommentar für die Sonntagsausgabe der
«Washington Post» schrieb Flemming Rose, die Karikaturen
seien als Antwort auf «sich verstärkende Ängste und
Gefühle der Einschüchterung im Umgang mit Themen, die mit dem
Islam zu tun haben» veröffentlicht worden.
Als Beispiel führte Rose einen dänischen Kinderbuchautor an,
der keinen Illustrator für ein Buch über Mohammed gefunden
habe. Die Londoner Tate-Galerie habe eine Installation
zurückgezogen, in der ein zerrissener Koran, eine zerrissene Bibel
und ein zerrissener Talmud gezeigt wurden. Seine Zeitung habe in
derartigen Ereignissen eine legitime Geschichte mit Nachrichtenwert
gesehen und sich entschlossen, nach dem journalistischen Prinzip
«zeigen, nicht erzählen» vorzugehen. Druck nachzugeben,
die Karikaturen nicht zu veröffentlichen, wäre
«unvereinbar mit einer säkularen Demokratie» gewesen,
schrieb der Redakteur.
Rose, der inzwischen auf unbestimmte Zeit in Urlaub gegangen ist,
schrieb weiter, dass der Islam in den Karikaturen fair behandelt worden
sei. «Die Karikaturisten behandelten den Islam auf dieselbe Art,
wie sie das mit dem Christentum, dem Buddhismus, dem Hinduismus und
anderen Religionen tun. Und indem sie Muslime in Dänemark
gleichberechtigt behandelten, stellten sie fest: Wir integrieren euch in
die dänische Satiretradition, weil ihr Teil unserer Gesellschaft
seid, keine Fremden. Die Karikaturen schließen Muslime ein, nicht
aus», schrieb Rose.
Kritiker hätten eine der Zeichnungen, die den Propheten mit einer
Bombe im Turban zeigt, dahingehend interpretiert, dass damit Mohammed
oder alle Muslime als Terroristen dargestellt würden. «Ich
sehe es anders: Einige Individuen haben die Religion des Islams als
Geisel genommen, indem sie Terrorakte im Namen des Propheten begehen.
Sie sind diejenigen, die der Religion einen schlechten Ruf gegeben
haben.»
Zu Vorwürfen, seine Zeitung habe sich in der Vergangenheit
geweigert, Jesus-Karikaturen abzudrucken, schrieb Rose:
«'Jyllands-Posten' hat sich geweigert, satirische Karikaturen von
Jesus abzudrucken, aber nicht, weil sie einen Maßstab von
Doppelmoral anwendet. Tatsächlich hat derselbe Karikaturist, der
Mohammed mit einer Bombe im Turban gezeichnet hat, eine Karikatur von
Jesus am Kreuz mit Dollarnoten in den Augen gezeichnet und eine andere
mit dem Davidstern, der an einer Zündschnur einer Bombe befestigt
war. Als wir die veröffentlicht haben, gab es jedoch keine
brennenden Botschaften oder Todesdrohungen.»
Die zuerst im September abgedruckten Karikaturen haben weltweit zum
Teil gewaltsame Proteste von Muslimen ausgelöst, bei denen
zahlreiche Menschen getötet wurden. Andere westliche Zeitungen
druckten die Karikaturen unter Berufung auf deren Nachrichtenwert und
die Pressefreiheit später nach. Im Islam ist die Abbildung des
Propheten Mohammed verboten.
(Quelle: ap)
Saudiarabische Zeitungen drucken Entschuldigung von 'Jyllands-Posten'
Mo.20.02.06 - In mehreren saudiarabischen Zeitungen sind am Sonntag ganzseitige
Anzeigen erschienen, in denen sich die dänische Zeitung
«Jyllands-Posten» wegen der umstrittenen
Mohammed-Karikaturen entschuldigt. Auf der Web Site der
«Jyllands-Posten» hieß es jedoch am Abend, die
Anzeigen seien nicht von ihr geschaltet worden, sondern von einer
Gruppe von Unternehmen. Diese hätten auf eigene Initiative ohne
Mitwirkung der Zeitung gehandelt. Die Namen der Firmen waren
zunächst nicht in Erfahrung zu bringen.
Bei den Anzeigen habe es sich um eine Entschuldigung von
«Jyllands-Posten» gehandelt, die das Blatt Ende Januar
veröffentlicht habe, erklärte die Zeitung. Diese
Entschuldigung ist vom Chefredakteur des Blatts, Carsten Juste,
unterschrieben. «Jyllands-Posten» hatte die Karikaturen des
islamischen Propheten Mohammed Ende September vorigen Jahres gedruckt.
Sie wurden später von mehreren anderen Zeitungen nachgedruckt. Die
Karikaturen lösten Anfang dieses Jahres in der islamischen Welt
massive und zum Teil gewaltsame Protesten aus.
Die ganzseitige Anzeige erschien in den drei größte
Zeitungen Saudi-Arabiens - «Al Dschasira», «Al
Rijadh» und «Al Jum» sowie in der überregionalen
saudiarabischen Zeitung «Aschark al Ausat», die in der
gesamten arabischen Welt verbreitet ist.
(Quelle: ap)
Pakistan testet atomare Boden-Boden-Rakete
Mo.20.02.06 - Die pakistanische Armee hat erfolgreich eine Boden-Boden-Rakete
getestet. Die in einheimischer Produktion gebaute Kurzstreckenrakete vom
Typ Hatf-II Abdali sei mit Erfolg gestartet, teilte die Armee in einer
Erklärung mit. Die Regierung in Indien sei vor dem Test
darüber informiert worden. Die Rakete kann den Angaben zufolge mit
Nuklearsprengköpfen bestückt werden und Ziele in einer
Entfernung von bis zu 200 Kilometern treffen.
Die rivalisierenden Atommächte Indien und Pakistan hatten Anfang
2004 den Friedensprozess eingeleitet und sich darauf geeinigt, sich
künftig über Raketentests gegenseitig in Kenntnis zu setzen.
(Quelle: afp)
Iran signalisiert Kompromissbereitschaft im Atomstreit
Mo.20.02.06 - Einen Tag vor Beginn iranisch-russischer Atomgespräche in Moskau
hat Teheran Kompromissbereitschaft signalisiert. Unter bestimmten
Bedingungen könnte der Iran sein Uran in Russland anreichern
lassen, sagte Außenminister Manuchehr Mottaki am Sonntag nach
einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Deutschlands
Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte den Iran zum
Einlenken auf.
Wenn der russische Plan zu einem umfassenden Vorschlag führe,
werde der Iran daran interessiert sein, sagte Mottaki. Von Bedeutung
seien dabei die beteiligten Partner, die Dauer und der Ort des Projekts
sowie ein Konsens aller Parteien. Mottaki bekräftigte jedoch, sein
Land werde keine Bedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen
akzeptieren. Der iranische Unterhändler in Moskau, Ali
Hosseinitasch, sagte dem staatlichen Fernsehen, der Iran vertraue
Russland. Allerdings sei die Zustimmung Russlands zum Verweis des
Atomstreits vor den UN-Sicherheitsrat unerwartet gekommen.
Mottaki wollte heute in Brüssel mit Vertretern der
Europäischen Union über den Atomkonflikt sprechen. Geplant
waren eine Rede vor dem Außenausschuss des Europäischen
Parlaments und ein Treffen mit dem amtierenden Vorsitzenden der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE),
Karel De Gucht.
Deutschland und Südkorea forderten ein Entgegenkommen des Irans.
Bundesaußenminister Steinmeier erklärte nach einem Treffen
mit seinem Kollegen Ban Ki Moon am Sonntag in Seoul, der russische
Vorschlag, Kernbrennstoffe für Iran aufzuarbeiten, könnte
«das Problem vom Tisch bringen». Ban sagte, der Iran
müsse «eine aufrichtigere Haltung zeigen.
Die iranische Botschaft in Frankreich erklärte, Teheran wäre
unter bestimmten Bedingungen bereit, wieder unangemeldete Kontrollen
seiner Atomanlagen durch Inspekteure der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) zuzulassen. Die Botschaft bezog sich auf
ein Interview von Chefunterhändler Ali Laridschani vom Freitag.
Die iranische Regierung hatte die Erlaubnis zu den Kontrollen vor zwei
Wochen zurückgezogen, nachdem die IAEA den Atomstreit an den
Weltsicherheitsrat überwiesen hatten.
Der iranische Parlamentspräsident Gholam Ali Haddad Adel
bekräftigte während eines Besuchs in Kuba das Interesse
seines Landes an dem russischen Kompromissvorschlag, die
Urananreicherung für den Iran unter bestimmten Bedingungen zu
übernehmen. Entscheidend sei, dass dem Iran die Nutzung der
Atomenergie im eigenen Land nicht verboten werden dürfe, sagte
Haddad Adel am Freitag zu Journalisten in Havanna.
Die arabischen Länder am Persischen Golf appellierten an die
Konfliktparteien, eine diplomatische Lösung zu suchen. «Die
Mitglieder des Golfkooperationsrates (GCC) glauben, dass die Sprache
des diplomatischen Dialogs beibehalten werden sollte», sagte der
kuwaitische GCC-Generalsekretär Abdul Rahman al Attijah. Die
Organisation halte es für legitim, wenn ein Land die Atomenergie
friedlich nutzen wolle, zitierte ihn die amtliche kuwaitische
Nachrichtenagentur am Samstagabend. Alle darüber hinausgehenden
Ziele seien jedoch gefährlich.
(Quelle: ap)
Italiens Ministerpräsident Berlusconi prangert Justiz an
Mo.20.02.06 - Angesichts einer noch im Wahlkampf drohenden Anklage wegen
Zeugenbestechung hat der italienische Ministerpräsident Silvio
Berlusconi die Justiz angeprangert. Auf einer Wahlveranstaltung in
Verona sagte Berlusconi am Samstagabend, es sei stets dasselbe:
Pünktlich zu Beginn des Wahlkampfs schlügen die Mailänder
Staatsanwälte zu. Staatsanwalt Fabio De Pasquale strebt für
Anfang März eine Anklageerhebung gegen Berlusconi wegen
Zeugenbestechung an.
Die Ermittlungen richten sich auch gegen den britischen Anwalt David
Mills, der durch die Zahlung von 600.000 Dollar (502.000 Euro)
Schmiergeld durch Berlusconis Firma Fininvest zu Falschaussagen in
früheren Prozessen gegen den Regierungschef bewegt worden sein soll.
Für Berlusconi kommt die Justizaffäre kurz vor der
Parlamentswahl am 9. und 10. April äußerst ungelegen.
Meinungsumfragen sehen das rechtsgerichtete Berlusconi-Lager hinter der
Mitte-links-Opposition, die von dem ehemaligen EU-Kommissar Romano Prodi
angeführt wird.
(Quelle: afp)
Gefährliche Vogelgrippe erreicht deutsches Festland
Mo.20.02.06 - Die Vogelgrippe des gefährlichen Typs H5N1 hat jetzt auch das
deutsche Festland erreicht. Wie das Bundesforschungsinstitut für
Tiergesundheit auf der Insel Riems am Sonntagabend mitteilte, wurde bei
zwei von insgesamt fünf toten Wildvögeln aus Ostvorpommern
und Nordvorpommern eine Infektion mit dem hoch pathogenen Erreger
festgestellt. Insgesamt stieg die Zahl der verseuchten Vögel in
Mecklenburg-Vorpommern auf jetzt 81.
Auch in anderen Teilen Westeuropas breitete sich das für den
Menschen gefährliche Virus H5N1 aus. Erstmals ist auch Frankreich
betroffen, das der größte Geflügelproduzent der EU ist.
In Österreich trat eine landesweite Stallpflicht für
Geflügel in Kraft.
Mit dem so genannten Keulen soll auf Rügen verhindert werden, dass
das gefährliche Virus vom Wild- auf das Hausgeflügel
überspringt. Wie viele Nutztiere von der vorsorglichen Tötung
betroffen sind, war nicht klar. Betroffen ist zunächst das
Nutzgeflügel in näherer Umgebung der Fundstellen infizierter
Wildvögel. Zudem werden Haustierbestände getötet, in die
nachweislich Menschen gelangten, die sich zuvor an Infektionsherden
aufhielten.
Das gesamte Inselgebiet Rügens von etwa 1.000 Quadratkilometern
wurde zum Schutzgebiet erklärt. Ein Bundeswehr-Vorauskommando
einer ABC-Einheit errichtete gemeinsam mit dem THW
Seuchenschutzsperren. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich vor Ort
ein Bild von der Lage machte, erklärte, es sei jetzt wichtig, eine
«ruhige Informationspolitik» zu betreiben. Sie bot die
Hilfe des Bundes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern an, falls die
vor Ort eingesetzten Hilfskräfte nicht ausreichen sollten.
Zu den Fällen auf dem Festland sagte der Präsident des
Friedrich-Loeffler-Instituts auf Riems, Thomas Mettenleiter:
«Damit ist das eingetreten, was zu befürchten war.»
Umso wichtiger sei die strikte Einhaltung des Aufstallungsgebots
für Nutzgeflügel sowie eine umfassende Bestandshygiene, um
ein Eindringen der Vogelgrippe in die Nutzgeflügelpopulation zu
verhindern. Bei den beiden H5N1-Infektionen auf dem Fastland handelt es
sich um einen Bussard und eine Silbermöwe.
Im Raum Lyon im Südosten Frankreichs, wo die mit H5N1 infizierte
Ente gefunden worden war, wurde eine drei Kilometer weite Schutzzone
eingerichtet. Landwirtschaftsminister Dominique Bussereau kündigte
die Impfung von rund 900.000 Hühnern und Gänsen an, um ein
Übergreifen der Grippe auf Bauernhöfe zu verhindern. Das
Impfen gegen die Vogelgrippe ist unter Fachleuten umstritten, die
EU-Agrarminister wollten am (morgigen) Montag über einen
entsprechenden Antrag Frankreichs und der Niederlande beraten.
Frankreich ist nach der Türkei, Griechenland, Rumänien,
Bulgarien, Slowenien, Italien, Österreich und Deutschland das
neunte Land in Europa, in dem der H5N1-Erreger festgestellt wurde.
Auch in Asien breitete sich die Vogelgrippe weiter aus: Am Samstag
wurde der H5N1-Erreger erstmals in Indien nachgewiesen. In der Umgebung
der Stadt Navapur starben in den vergangenen zwei Wochen mindestens
30.000 Hühner. Zudem starb in der Nähe auch ein
27-jähriger Hofbesitzer an einer Grippe, wie ein
Behördensprecher am Sonntag erklärte. Die Todesursache werde
untersucht.
Nach WHO-Zahlen sind seit dem Ausbruch der Vogelgrippe Ende 2003
mindestens 91 Menschen an der Tierseuche gestorben. Alle Opfer lebten
in Ostasien oder der Türkei.
(Quelle: ap)
Ornithologe: H5N1 möglicherweise durch Futter übertragen
Mo.20.02.06 - Die Vogelgrippe wird nach Erkenntnissen des Münchner Ornithologen
Josef Reichholf möglicherweise durch verseuchtes Hühnerfutter
übertragen - wie auch die Rinderseuche BSE. "Das Geflügel kann
sich über verseuchtes Fischmehl, das häufig Bestandteil von
Futtermitteln ist, angesteckt haben", sagte der Wissenschaftler dem
Magazin "Focus". Dies sei plausibel, werde aber ungern gehört. Auch
bei BSE habe sich die Viehwirtschaft lange gegen die Vorstellung
gewehrt, dass die Seuche durch Futter übertragen werde.
Als einer der zentralen Übertragungswege des Vogelgrippeerregers
H5N1 gilt derzeit der Transport des Virus durch Zugvögel. Reichholf
machte jedoch darauf aufmerksam, dass weder das geografische noch das
zeitliche Auftreten der Vogelgrippe mit dem Vogelzug übereinstimme.
(Quelle: afp)
CSU streitet über künftige Familienpolitik
Mo.20.02.06 - Junge CSU-Politiker haben einer Korrektur der traditionellen
Familienpolitik ihrer Partei eine Absage erteilt. In einem gemeinsamen
Aufruf wandten sich sechs junge Bundestagsabgeordnete gegen das
Vorhaben, im neuen CSU- Grundsatzprogramm das konservative Frauenbild
der Partei zu modernisieren, berichtet der «Spiegel».
Die stellvertretende CSU-Vorsitzende Beate Merk fordert die Partei
dagegen auf, ihr Familienbild zu überdenken. Sie müsse auch
andere Lebensgemeinschaften anerkennen, sagte Merk der «Welt am
Sonntag».
In dem Papier der zwischen 27 und 35 Jahre alten Parlamentarier
heißt es laut «Spiegel»: «Wir fordern, das
traditionelle Familienbild als unverrückbares politisches Leitbild
in der CSU aufrechtzuerhalten.» Die traditionelle Familie - Frau,
Mann und Kinder - bleibe das Ideal. In dem Aufruf von Dorothee Bär,
Alexander Dobrindt, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Stefan
Müller, Daniela Raab und Andreas Scheuer heiße es,
Single-Haushalte oder Patchwork-Familien spiegelten nicht «die
tatsächliche Lebenssehnsucht vieler Menschen wider».
Justizministerin Merk weist dagegen darauf hin, dass in den
Großstädten die Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften
deutlich steigt. «Die Partei muss sich auf diese
Lebenswirklichkeit einstellen, und sie muss diese Lebensformen
akzeptieren.» Sie schloss dabei auch Familien mit homosexuellen
Partnern ein. Kinder lebten nicht selten auch bei gleichgeschlechtlichen
Partnern. Das sei aber keine Abkehr vom traditionellen Familienbild.
«Dieses Leitbild steht.»
Zuvor hatten die bayerische Sozialministerin Christa Stewens und
Europaministerin Emilia Müller (beide CSU) gefordert, das
Frauenbild der Partei zu korrigieren. Die Formel «Frau gleich
Familie» stimme nicht mehr mit der Lebenswirklichkeit
überein, zitiert der «Spiegel».
(Quelle: dpa)
Führende Unionspolitiker: CDU soll christliche Werte stärker
betonen
Mo.20.02.06 - Vor dem Wertekongress der CDU am Montag in Berlin haben führende
CDU-Politiker eine stärkere Betonung christlicher Werte gefordert.
Der CDA-Vorsitzende Karl-Josef Laumann kritisierte das Motto
«neue Gerechtigkeit durch mehr Freiheit» als Irrweg.
Bundestagspräsident Norbert Lammert rief seine Partei dazu auf,
sich auf ein neues Verhältnis von Freiheit und Gerechtigkeit zu
verständigen.
Auf einem kleinen Parteitag will die CDU eine erste Debatte über
ihre Werte führen und damit die Diskussion über ein neues
Parteiprogramm eröffnen. Außerdem soll der
Bundestagsabgeordnete Ronald Pofalla zum neuen Generalsekretär der
Partei bewählt werden.
Laumann erklärte, das neue Motto sei geeignet, «unsere
Partei auf einen Irrweg zu führen. Wie das Düngen des
Apfelbaums nicht zu einem neuen Wachstum eines Birnbaums führt,
gibt es auch keine Gerechtigkeit durch mehr Freiheit». Der
CDA-Chef und nordrhein-westfälische Arbeitsminister ermahnte seine
Partei, ihre christlichen Grundwerte und die Solidarität nicht zu
vernachlässigen. Nur Solidarität mache Schweres leichter.
«Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können wir in
Deutschland etwas bewegen». Das C im Parteinahmen müsse
weiter für christlich stehen und nicht für comercial.
Der Vorsitzende der CDU-Wertekommission, Christoph Böhr sprach
sich für eine stärkere Betonung christlicher Werte aus. Eine
Gesellschaft, die seit Jahren mit vielen Millionen Arbeitslosen lebe,
müsse sich fragen, ob das christliche Menschenbild in ihr noch
eine ausreichende Rolle spiele.
Lammert sagte, es sei der klassische Ansatz der CDU, das
Verhältnis von Freiheit und Gerechtigkeit immer wieder neu zu
bestimmen. Die Wirtschaft wolle weniger Behinderungen und Belastungen.
Bei der Bevölkerung wachse aber das Bedürfnis der
Bevölkerung nach Sicherheit und Gerechtigkeit.
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust sagte, auch für die CDU
sei eine gewisse «Sozialdemokratisierung» notwendig. Das
hieße zu akzeptieren, dass «wir den Staat brauchen, um die
Risiken der Globalisierung zu mindern». Dieser Reflex sei bei
allen Parteien zurückgekehrt, meinte der CDU-Politiker.
(Quelle: ap)
Barmer Ersatzkasse: Dramatischer Anstieg bei Arzneiausgaben setzt sich
fort
Mo.20.02.06 - Der rasante Anstieg bei den Arzneimittelausgaben setzt sich nach
Angaben der Barmer Ersatzkasse auch im laufenden Jahr fort.
Der Januar zeige erneut Ausgabensteigerungen bei den Medikamenten
zwischen 13 und 14 Prozent, sagte der Chef von Deutschlands
größter Krankenkasse, Eckart Fiedler, der Nachrichtenagentur
Reuters in Berlin. Dies sei umso dramatischer, weil der Wert auf eine
extrem hohe Basis des vergangenen Jahres aufsetze. Im Januar 2005 waren
die Arzneiausgaben um 29 Prozent und im Jahresmittel um rund 16 Prozent
gestiegen. Der Anstieg war unter anderem mit dem Wegfall eines
Sonderrabatts von zehn Prozent der Pharmaindustrie an die Kassen
erklärt worden.
Die neuerlichen Mehrausgaben seien in erster Linie auf einen Anstieg
teurer Verordnungen durch die Ärzte zurückzuführen, sagte
Fiedler. Auch das im Grundsatz richtige Arznei-Sparpaket werde nicht
ausreichen, um die Besorgnis erregende Entwicklung zu korrigieren.
Fiedler rechnet nach eigenen Worten damit, dass die Einnahmen der
gesetzlichen Kassen in 2006 erneut stagnieren werden, die Ausgaben aber
um etwa drei Prozent ansteigen. "Die Schere zwischen Einnahmen und
Ausgaben geht weiter auseinander", sagte der Kassenchef. Durch die
Überschüsse des Jahres 2005, die vermutlich bei 1,2 Milliarden
Euro liegen würden, und die 1,7 Milliarden Euro des Bundes
für versicherungsfremde Leistungen könne diese Lücke
nochmal ausbalanciert werden.
"Dramatisch wird die Situation aber ab 2007, wenn erneut eine Schere
zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft, der Bundeszuschuss um 2,7
Milliarden Euro gekürzt wird und die gesetzliche
Krankenversicherung Mehrausgaben von rund 900 Millionen Euro durch die
steigende Mehrwertsteuer verkraften muss", sagte Fiedler. Dann werde
sich die Finanzlücke in einer Größenordnung von mehr als
sechs Milliarden Euro bewegen.
Eine große Finanzierungsreform dürfe von der Politik daher
nicht auf die lange Bank geschoben werden. Davon hänge auch die
Entwicklung der Beiträge entscheidend ab.
(Quelle: rtr)
In VW-Affäre kommen weiter Details ans Licht
Mo.20.02.06 - In der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Kosten des
Unternehmens gibt es neue Anschuldigungen.
Nach Medienberichten soll der ehemalige Spitzenfunktionär der IG
Metall und frühere VW-Aufsichtsrat Albert Schunk an einer
Vergnügungs-Reise nach Brasilien 1998 teilgenommen haben. Dies gehe
aus den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Braunschweig hervor,
berichtete «Die Welt».
Das Nachrichtenmagazin «Focus» schrieb, Schunk habe
möglicherweise in Zusammenhang mit der Brasilien-Reise
Begünstigungen von VW erhalten. Schunk wies die Vorwürfe
zurück und erklärte, er werde juristisch gegen die
«Unterstellungen» vorgehen.
In einer vom IG- Metall-Vorstand verbreiteten Stellungnahme räumte
Schunk ein, er sei im Januar 1998 für etwa drei Tage im Auftrag der
Gewerkschaft nach Sao Paulo geflogen. Er habe den damaligen
Vorsitzenden des VW- Gesamtbetriebsrates, Klaus Volkert, bei
Verhandlungen über einen bevorstehenden Personalabbau in Brasilien
unterstützen sollen.
Die IG Metall sei für seine Reisekosten aufgekommen, lediglich die
Hotelkosten seien von VW übernommen worden. In den Medienberichten
würden «Vermutungen geäußert, Zusammenhänge
konstruiert und Andeutungen gemacht, die falsch sind».
Volkert, der einer der Beschuldigten in der VW-Affäre ist, wurde
nach dpa-Informationen bereits ein zweites Mal vernommen. Die
Staatsanwaltschaft befragte ihn in der vergangenen Woche mehrere Stunden
lang. Volkert war 2005 schon einmal vernommen worden.
Der «Braunschweiger Zeitung» sagte Volkert, «ich
versuche mein Alltagsleben zu leben. Aber das ist nicht einfach».
Er wolle aber nicht «jammern». Volkert sagte: «Ich
weiß, ich habe Mist gebaut. Dafür muss ich geradestehen. Ich
ärgere mich schwarz über mich.» Das Nachrichtenmagazin
«Der Spiegel» (Montag) schrieb, es gebe neue Vorwürfe
gegen Volkert.
Er habe dazu beigetragen, dass die kleine brasilianische Firma
Aquanálise einen Auftrag von Volkswagen do Brasil erhalten hatte.
Die Revision habe später festgestellt, dass die Firma zeitweise
teurer war als die Konkurrenz. VW machte dazu keine Angaben. Der Anwalt
von Volkert war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Zu den Berichten über eine Verwicklung des langjährigen IG
Metall-Funktionärs Schunk in die VW-Affäre sagte der Sprecher
der Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe, wenn die Reise im Jahr 1998 gewesen
sei, wäre eine Straftat wie etwa Beihilfe zur Untreue schon
verjährt. Damit sei eine Strafverfolgung kaum mehr möglich.
Zum Inhalt von Ermittlungsakten nahm die Staatsanwaltschaft keine
Stellung. Schunk sei kein Beschuldigter, sagte Ziehe.
Nach dem Bericht der «Welt» werden in Rechnungen und
Dokumenten für die Brasilien-Reise umgerechnet rund 74 000 Euro
geltend gemacht, rund ein Drittel davon für Prostituierte. Schunk
war bis 2002 Mitglied des VW-Aufsichtsrates und war in der IG Metall
für den Vorstandsbereich Internationale Beziehungen verantwortlich.
Ein VW- Sprecher sagte am Samstag zu den Medienberichten über
Schunk, «uns ist ein solcher Vorgang nicht bekannt, wir hatten
noch keinen umfassenden Einblick in die Ermittlungsakten der
Staatsanwaltschaft.»
In der VW-Affäre, die im Sommer 2005 ins Rollen kam, ermittelt die
Justiz gegen zwölf Beschuldigte. Ein Netz von Tarnfirmen war
aufgeflogen. Mit deren Hilfe soll der frühere Personalchef der
tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, Geld auf eigene Konten
umgeleitet haben.
(Quelle: dpa)