Aktuelle Nachrichten
Irak am sechshundertunddritten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Schleppende Regierungsbildung - US-Botschafter droht mit Entzug der
Unterstützung. Mindestens 24 Tote bei Anschlägen. Zwei im
Irak entführte Mazedonier wieder frei. Agenten des deutschen
Nachrichtendienstes BND wurden im Irak angeblich vom US-Geheimdienst
abgehört
Di.21.02.06 - Angesichts der schleppenden Regierungsbildung im Irak hat
US-Botschafter Zalmay Khalilzad mit einem Entzug der Unterstützung
aus Washington gedroht. Sollte keine Regierung der nationalen Einheit
gebildet werden, würden die USA kein Geld in Institutionen
investieren, deren Leiter nur die Interessen ihrer Volksgruppen
verfolgten, sagte Khalilzad bei einer Pressekonferenz am Montag in
Bagdad.
Vor allem die Ministerien für Verteidigung und Inneres
müssten von Personen geführt werden, «die nicht
konfessionsgebunden, allgemein akzeptabel und nicht an Milizen
gebunden» seien. Die USA hätten Milliarden für den
Aufbau der irakischen Polizei und Armee ausgegeben. «Wir werden
die Mittel des amerikanischen Volks nicht investieren, um Kräfte
aufzubauen, die von Sektierern geführt werden».
Der schiitische Politiker Dschalaladin al Saghir wies die
Äußerung des Botschafters als inakzeptabel zurück. Er
sprach von einer Einmischung in die Angelegenheiten eines
souveränen Staates. Die Amerikaner hätten frühere
Mitglieder von Saddam Husseins Baath-Partei im Innen- und
Verteidigungsministerium installiert und damit viele Schiiten
verärgert, sagte Al Saghir weiter.
Die Politiker im Irak konnten sich bislang nicht auf eine starke
Beteiligung der sunnitischen Bevölkerungsgruppe verständigen.
Von einer solchen Beteiligung erhoffen sich die USA aber einen
Rückgang der Gewalt.
Im Irak sind bei mehreren Anschlägen mindestens 24 Menschen ums
Leben gekommen. Zwölf Leichen wurden aus einem Kleinbus in Bagdad
geborgen, in dem sich ein Selbstmordattentäter in die Luft
gesprengt hatte, wie das Innenministerium mitteilte. Weitere
Anschläge wurden in Mossul, Nabai und bei Balad verübt. In
Mossul, 370 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden bei der Explosion
einer Bombe in einem von Polizisten häufig besuchten
Innenstadt-Restaurant fünf Menschen getötet.
21 Menschen wurden bei dem Anschlag in Mossul verletzt, unter ihnen 14
Polizisten. Nach Angaben der Polizei war die Bombe in einer Tüte
versteckt, die ein Kunde nach dem Frühstück unter der Theke
zurückließ.
Unbekannte griffen in Nabai, 50 Kilometer nördlich von Bagdad,
nach Polizeiangaben aus etwa 15 Autos heraus mit automatischen Waffen
und Raketen einen Lastwagen-Konvoi an, der Baumaterial transportierte.
Fünf Fahrer kamen ums Leben, drei weitere wurden verletzt. Sechs
Lastwagen wurden durch den Angriff zerstört. In der Region um
Balad, 70 Kilometer nördlich von Bagdad, wurde ein Zivilist in
seinem Auto von Schüssen getötet.
Südöstlich von Kerbela wurde nach Angaben der
US-Streitkräfte am Montag ein US-Soldat bei einer Bombenexplosion
getötet.
Mit Blick auf die jüngsten Misshandlungsvorwürfe gegen
britische Soldaten im Südirak warb der britische
Verteidigungsminister John Reid um Verständnis für die
Truppen. Laut einem vorab veröffentlichten Redemanuskript sagte
Reid am Montag in London, derartige Vorwürfe beträfen seit
Beginn der Invasion 2003 lediglich 0,05 Prozent der Soldaten. Moderne
Technologie und die Medien sorgten dafür, dass die Truppen
ständig unter Beobachtung stünden.
Vier Tage nach ihrer Entführung sind im Süden des Irak zwei
Mazedonier wieder freigelassen worden. Die beiden Männer, die
für die Düsseldorfer Firma Ecolog arbeiten, waren am
Donnerstag in der Nähe von Basra entführt worden. Über
die Umstände ihrer Freilassung wurde zunächst nichts bekannt.
Ecolog hat zahlreiche Beschäftigte aus Balkan-Staaten. Das
Unternehmen arbeitet mit den internationalen Truppenverbänden
zusammen, die im Irak stationiert sind. Im Januar 2004 waren auf einem
US-Truppenstützpunkt bei Bagdad vier Ecolog-Wäscherinnen von
Aufständischen erschossen worden.
Die beiden Beamten des deutschen Nachrichtendienstes BND in Bagdad
sollen während des Irak-Krieges angeblich vom US-Geheimdienst
abgehört worden sein. Das vermutet die deutsche Regierung in
ihrem vertraulichen Bericht zur BND-Affäre, berichtet die
«Leipziger Volkszeitung». Durch das Abhören
hätten die USA möglicherweise nützliche Informationen
erhalten. Bitten der US-Behörden nach kriegswichtigen
Informationen habe man «aus Überzeugung» nicht
nachgegeben. Der Bericht soll morgen im Parlamentarischen
Kontrollgremium des Bundestags beraten werden.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten wärden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03. bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07. bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11. bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01. bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06. bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11. 2003 bis 21.02.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am zweihundertachtunddreißgsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.21.02.05 - USA führen angeblich erstmals direkte Gespräche mit
sunnitischen Aufständischen +++ 91 Tote bei Anschlägen am
Aschura-Fest. Nationaler Sicherheitsberater: Anschläge sind der
Versuch, einen Religionskrieg im Irak auszulösen +++ Zahl der Toten
in den Reihen der US-Streitkräfte steigt seit Kriegsbeginn auf
1.477...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/k0502210.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.04 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3\irak_k01.htm#bodycount
Sa.04.02.06 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.248
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
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US-Kirchen übernehmen Mitverantwortung für Irakkrieg
Di.21.02.06 - Christliche Kirchen aus den USA haben Mitverantwortung für den
Irakkrieg übernommen. Sie hätten nicht laut genug gegen den
Krieg ihres Landes protestiert, heißt es in einem auf der 9.
Vollversammlung des Ökomenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im
brasilianischen Porto Alegre veröffentlichten Brief von
Spitzenvertretern zahlreicher US-Kirchen.
Sie bekunden "besonderen Schmerz über den Krieg im Irak", der
teilweise auch in ihrem Namen sowie auf der Basis von Täuschungen
ausgelöst worden sei. Zugleich kritisierten sie die Regierung von
US-Präsident George W. Bush. Die USA hätten seit den
Terroranschlägen des 11.Speptember die "Familie der Menschheit
gefährdet und die Schöpfung missbraucht". Sie hätten mit
"Terror gegenüber den wahrhaft Verwundbaren unter unseren globalen
Nachbarn" geantwortet. Zudem übernehme Washington keine
Verantwortung für Umweltprobleme und blockiere entsprechende
Abkommen. Die USA trieben einen globalen Kapitalismus voran, der zu
Lasten der Ärmsten gehe.
Der Aufruf wird unterstützt vom "National of the Churches of
Christ", einem ökomenischen Rat christlicher Kirchen in den USA.
Darin sind protestantische, anglikanische orthodoxe und
historische Friedenskirchen wie die Quäker zusammengeschlossen.
Laut eigenen Angaben hat der Dachverband etwa 45 Millionen Mitglieder.
(Quellen: epd, kna, sz)
Haben die Uranwaffen des Irak-Kriegs auch Europa kontaminiert
Wissenschaftler glauben, einen steilen Anstieg der Uran-Konzentration
in der Luft in britischen Messstellen auf die Bombardierungswelle mit
DU-Munition Ende März 2003 zurückführen zu
können... Mehr bei telepolis vom 20.02.06
http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22081/1.html
Nahost
Palästinenserpräsident Abbas: Autonomiebehörde vor
Finanzkrise
Di.21.02.06 - Die Autonomiebehörde steht wegen der Wirtschaftsanktionen nach
Einschätzung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor
einer ernsten Finanzkrise.
Unglücklicherweise sei auch die Zahlung von Hilfsgeldern
zurückgegangen, betonte Abbas am Sonntagabend in Gaza nach Angaben
des britischen Fernsehsenders BBC. Wie der israelische
Online-Nachrichtendienst «Ynet» berichtete, erklärte
Abbas, er werde sich dem Druck nicht beugen.
Die israelische Regierung hatte wegen der Konstituierung des von der
radikal-islamischen Hamas dominierten palästinensischen Parlaments
am Sonntag entschieden, die Überweisung von Steuereinnahmen und
Zollrückzahlungen in Höhe von monatlich etwa 40 Millionen Euro
zu beenden.
Nach israelischen Medienberichten könnten arabische Länder
diesen Fehlbetrag jedoch ausgleichen. Bei ihrem Treffen in Algier am
Montag wollten Außenminister der Mitgliedstaaten der Arabischen
Liga über eine monatliche Finanzspritze von rund 50 Millionen
Dollar (42 Millionen Euro) monatlich beraten, schrieb die
«Jerusalem Post» in ihrer Onlineausgabe.
Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert
bezeichnete die Autonomiebehörde am Sonntag als
«Terrorbehörde». Israel werde keine Kontakte mit einer
palästinensischen Regierung unter Hamas-Beteiligung unterhalten.
Israel sehe nicht die Regierungsbildung, sondern bereits die
konstituierende Sitzung des Parlaments mit einer Hamas-Mehrheit am
Samstag als Wendepunkt.
Abbas hatte dabei angekündigt, er werde Hamas mit der
Regierungsbildung beauftragen. Die radikal-islamische Organisation, die
die Zerstörung Israels anstrebt, hatte bei den Wahlen am 25. Januar
74 der 132 Parlamentssitze errungen. Abbas forderte die Hamas auf, an
friedlichen Verhandlungen mit Israel festzuhalten.
Der ehemalige israelische Ministerpräsident und
Friedensnobelpreisträger Schimon Peres bezeichnete die
Hamas-Bewegung als «Katastrophe» für das
palästinensische Volk. Peres sagte dem israelischen Rundfunk am
Montag, Hamas habe keine Lösungen, sondern nur Slogans anzubieten.
«So kann man im 21. Jahrhundert keinen Staat führen»,
sagte Peres. Er warnte die Hamas zudem vor einer Wiederaufnahme von
Terroranschlägen in Israel.
Die US-Regierung forderte die Autonomiebehörde zur Rückgabe
von ungenutzten Hilfsgeldern in Höhe von 50 Millionen Dollar auf.
Washington wolle sicherstellen, dass das Geld nicht in die Taschen einer
Regierung fließe, die das Existenzrecht Israels bestreite, sagte
ein Sprecher des US-Außenministeriums. Die USA haben auch ihren
Verbündeten empfohlen, ihre Hilfsleistungen für die
Palästinenser kritisch zu prüfen.
Israel will laut der Kabinettsentscheidung auch die internationale
Gemeinschaft dazu aufrufen, bei einer Regierungsbeteiligung der Hamas
keine Hilfsgelder mehr an die Autonomiebehörde zu zahlen. Davon
ausgenommen seien nur Gelder, die ausdrücklich allein für
humanitäre Zwecke bestimmt seien. Israel will auch den Transfer von
Geldern an die palästinensischen Sicherheitskräfte
verhindern. Ferner sollen die Sicherheitskontrollen an den Grenzen
verschärft und Hamas- Abgeordneten die Reise durch israelisch
kontrollierte Gebiete verboten werden.
Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri verurteilte die israelische
Regierungsentscheidung als Einmischungsversuch. Hamas könne sich
jedoch auf die Unterstützung der arabischen und islamischen Welt
sowie auf die Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes
verlassen. Die Hamas ernannte den als Pragmatiker bekannten Ismail
Hanija am Sonntag offiziell zum Kandidaten für das Amt des
palästinensischen Ministerpräsidenten.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
begrüßte am Sonntag, dass Abbas in seiner Rede die
Fortsetzung seiner bisherigen Politik einer friedlichen
Verhandlungslösung mit Israel bekräftigte.
In der Nacht zum Montag erschossen israelische Soldaten nach
palästinensischen Angaben einen Anführer der radikalen
Organisation Islamischer Dschihad in Nablus im Westjordanland. Dies
berichtete der britische Fernsehsender BBC. Am Sonntag tötete die
israelische Luftwaffe im südlichen Gazastreifen zwei militante
Palästinenser mit einem Raketenangriff. Nach palästinensischen
Angaben waren die beiden Männer dabei, einen Raketenangriff auf
israelische Grenzorte vorzubereiten. Bei Zusammenstößen mit
israelischen Soldaten in der Stadt Nablus wurden am Sonntag zwei
palästinensische Jugendliche getötet und 13 weitere verletzt.
Nach palästinensischen Krankenhausangaben wurden die
17-Jährigen von israelischen Geschossen getroffen, als sie
gemeinsam mit Dutzenden von Einwohnern des Lagers Balata Steine auf die
Truppen warfen.
(Quelle: dpa)
Rebellen in Nigeria setzen Sabotageakte gegen Öl-Anlagen fort
Di.21.02.06 - Nach der Entführung von neun Öl-Arbeitern hat eine
nigerianische Rebellengruppe am Montag eigenen Angaben zufolge ihre
Sabotageakte gegen Öl-Anlagen fortgesetzt.
In einer E-mail erklärten die Aufständischen, eine
Öl-Sammelleitung in die Luft gesprengt zu haben. Zudem hätten
sie ein Hausboot des Militärs angegriffen.
Die "Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas" hatte am
Sonntag mit Anschlägen auf Öl-Tanker gedroht, die eine
Öl-Anlage des Konzerns Royal Dutch Shell erreichen wollten. Die
Anlage selbst war von den Rebellen am Samstag angegriffen worden. Damit
hatten sie einen 20-prozentigen Rückgang der Öl-Auslieferungen
beim weltweit achtgrößten Öl-Erzeugerland bewirkt.
Die Bewegung will die Öl-Exporte zum Erliegen bringen, um mehr
regionale Kontrolle über die Vorkommen zu erlangen. Im Niger-Delta
liegen alle Öl-Vorkommen Nigerias. Nigeria ist der weltweit
achtgrößte Öl-Exporteur.
(Quelle: rtr)
Zunehmende Spannungen vor Wahlen in Uganda
Di.21.02.06 - Vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Uganda ist die
Lage in der Hauptstadt Kampala zunehmend angespannt. Der oppositionelle
Präsidentschaftskandidat Kizza Besigye sagte am Montag seinen
letzten Wahlkampfauftritt kurzfristig ab, nachdem die Polizei hunderte
seiner Anhänger mit Tränengas und Wasserwerfern
auseinandergetrieben hatte.
Bei einer weiteren Veranstaltung für Anhänger von Besigye
wurde nach Angaben von Polizei und Opposition ein Mann von einem
Lastwagen tödlich verletzt. Oppositionspolitiker kritisierten die
Regierung für das Vorgehen der Polizei und werteten es als
weiteren Beweis für Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen
gegen Präsident Yoweri Museveni.
Am Donnerstag sollen in Uganda die ersten Wahlen seit 26 Jahren
stattfinden, bei denen mehrere Parteien zugelassen sind. Museveni, der
seit fast 20 Jahren Präsident ist, liegt laut einer am Wochenende
veröffentlichten Umfrage mit 47 Prozent vor Besigye, der auf 36
Prozent kommt.
(Quelle: ap)
Angebliche Koranschändung: Kirchen in Pakistan angezündet
Di.21.02.06 - Nach einer angeblichen Schändung des Korans durch eine christliche
Familie haben muslimische Randalierer in der südpakistanischen
Provinz Sindh zwei Kirchen und eine Schule in Brand gesteckt.
Rund 100 Menschen seien anschließend wegen Beschädigung
öffentlichen Eigentums festgenommen worden, teilte die Polizei am
Montag mit. Die Menge sei nach dem Vorfall am Vortag im Distrikt Sukkar
mit Tränengas auseinandergetrieben worden.
Auslöser der Unruhen seien Berichte gewesen, dass ein Christ
Seiten des Korans im Hause seines Schwiegervaters verbrannt habe, um
diesem Blasphemie anzulasten, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann habe
es auf das Haus des Schwiegervaters abgesehen gehabt und sei ebenfalls
festgenommen worden.
Auf Gotteslästerung steht im überwiegend muslimischen
Pakistan die Todesstrafe. In dem Land war es in den vergangenen Tagen
immer wieder zu anti-westlichen Ausschreitungen wegen der in
europäischen Medien veröffentlichten Mohammed-Karikaturen
gekommen. Mindestens fünf Menschen kamen dabei ums Leben, darunter
ein Kind.
(Quelle: dpa)
Russisch-iranische Atomgespräche vertagt
Di.21.02.06 - Die ersten Atomgespräche zwischen Russland und dem Iran sind ohne
konkretes Ergebnis geblieben. Beide Seiten hätten sich darauf
geeinigt, ihre Verhandlungen auf Expertenebene fortzusetzen, teilte das
russische Außenministerium mit. Die russische Regierung will
Teheran davon überzeugen, seine umstrittene Urananreicherung auf
russischem Gebiet vorzunehmen. Das russische Kompromissangebot gilt als
letzte Chance, um eine Einschaltung des UN-Sicherheitsrats zu
verhindern. Dieser könnte Sanktionen gegen den Iran verhängen.
Einzelheiten der ersten Gespräche zwischen den Vize-Vorsitzenden
des iranischen und des russischen Nationalen Sicherheitsrats wurden
nicht bekannt. Der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki
sagte in Brüssel, entscheidend sei, wie lange und an welchen Orten
Russland im Auftrag Irans Uran anreichern könnte. Er deutete an,
dass sein Land eine Urananreicherung an mehreren Orten in Russland
anstreben könnte. Die Initiative Moskaus betreffe allein die
industrielle Anreicherung von Uran, betonte Mottaki.
Die Forderung der EU nach einer Aussetzung der iranischen
Nuklearaktivitäten lehnte er ab. Auch bei einer Einigung mit
Russland werde der Iran sein nukleares Forschungsprogramm fortsetzen,
betonte Mottaki nach einem Treffen mit EU-Außenkommissarin Benita
Ferrero-Waldner. Er forderte die Europäer und die USA auf, den
UN-Sicherheitsrat nicht anzurufen. Das Atomprogramm des Iran diene
ausschließlich friedlichen Zwecken.
Aus Sicht der EU könne der Atomstreit ohne ein Moratorium nicht
gelöst werden, sagte dagegen eine Sprecherin Ferrero-Waldners. Der
belgische Außenminister Karel De Gucht bekräftigte das
Misstrauen auf europäischer Seite: Es sei "sehr schwierig" zu
glauben, dass der Iran keine militärischen Zwecke mit seinem
Atomprogramm verfolge. Die USA und die EU verdächtigen Teheran,
Atomwaffen herstellen zu wollen. Dafür ist hoch angereichertes
Uran notwendig.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich
zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten der Gespräche in
Moskau. Dennoch werde Moskau "alle erforderlichen Anstrengungen
unternehmen, um zu verhindern, dass sich die Lage verschlimmert und in
Richtung Zwangsmaßnahmen bewegt".
Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, forderte
den Iran auf, dem Beispiel Libyens zu folgen. Die Entscheidung Libyens,
auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten, habe die Beziehungen zu den
USA nachhaltig verbessert, sagte er in dem Magazin "Time". Wenn der
Iran seine Haltung nicht ändere, müsse er mit
größerem internationalen Druck rechnen.
(Quelle: afp)
Serben und Kosovo-Albaner verhandeln über Zukunft Kosovos
Di.21.02.06 - Sieben Jahre nach dem Kosovo-Krieg haben Vertreter Serbiens und der
Kosovo-Albaner am Montag in Wien die ersten Verhandlungen über die
Zukunft der serbischen Provinz begonnen.
Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen legten beide Seiten
dabei ihre Vorstellungen von einer Dezentralisierung der Verwaltung in
der Region vor, die nach dem Wunsch der Albaner schon bald
unabhängig werden sollte. Belgrad lehnt dies entschieden ab.
Dennoch verliefen die Gespräche nach Schilderung einer
Teilnehmerin «in einer konstruktiven und verständnisvollen
Atmosphäre». Während der Pausen hätten die
Delegationen «sogar miteinander gesprochen». Der
stellvertretende UN-Chefunterhändler Albert Rohan sagte am Abend:
«Es war ein gutes Meeting, sehr konstruktiv.» Nach
serbischen Angaben wurde jedoch «keine Annäherung» in
den entscheidenden Fragen erzielt.
Je acht Vertreter beider Seiten hatten sich am Montagmorgen unter
Vermittlung des Österreichers Rohan im Wiener Palais Kinsky
getroffen. Rohan ist Stellvertreter des finnischen UN-Kosovo-
Sondergesandten Martii Ahtisaari. An der historischen Begegnung, die an
diesem Dienstag fortgesetzt wird, nahmen auch Vertreter der USA, der EU
und de NATO teil. Im Konferenzsaal herrschte knisternde Spannung, als
die verfeindeten Parteien pünktlich um 10.00 Uhr an ihren einander
gegenüber liegenden Tischen Platz nahmen. Die Gespräche
sollten schon im Januar beginnen, waren jedoch wegen des Todes von
Kosovo-Präsident Ibrahim Rugova verschoben worden.
Unmittelbar vor dem Treffen gab sich der Leiter der kosovo-albanischen
Delegation, Lutfi Haziri, zuversichtlich: «Die
Unabhängigkeit wird kommen», meinte der Minister vor
Journalisten. Pristina wolle «so rasch wie möglich»
eine Statuslösung. Die albanische Delegation sei zu den
Verhandlungen bereit und werde «eine positive Rolle dabei
spielen». Der serbische Delegationsleiter Slobodan Samardzic
dagegen machte deutlich, dass Belgrad keine raschen Resultate erwarte.
«Unser Ziel ist die Selbstverwaltung der Serben im Kosovo»,
betonte er. Zuvor hatten Vertreter beider Seiten getrennte
Gespräche mit UN-Chefvermittler Ahtisaari geführt.
Angesichts der unüberbrückbar scheinenden Vorstellungen
beider Seiten vom künftigen Status Kosovos konzentrierten sich die
Vermittler zunächst auf die Frage, wie die Verwaltung in der von
den UN verwalteten Provinz aufgebaut werden könnte, um der
serbischen Minderheit künftig mehr Eigenverantwortung zu geben.
Dabei sollte es zunächst um die Zuständigkeiten in den
Bereichen Gesundheits- und Bildungswesen, soziale Fragen und Kultur
gehen. Man habe jedoch am ersten Tag nur über das Thema Gesundheit
gesprochen worden, sagte eine Sprecherin am Abend.
Für großen Unmut unter der serbischen Delegation sorgten
Aussagen von UN-Vermittler Ahtisaari in einem Interview mit dem
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Darin hatte der Finne
erklärt, die maßgebliche Kontaktgruppe habe sich bei ihrem
letzten Treffen in London darauf geeinigt, dass die
Kosovo-Bevölkerung am Ende über ihre Zukunft entscheiden
werde. «90 Prozent sind Albaner - wie werden die sich wohl
entscheiden?» meinte der Unterhändler. Die Serben warfen
Ahtisaari daraufhin «Einseitigkeit» vor.
Schon vor sieben Jahren waren in Schloss Rambouillet bei Paris erste,
indirekte Kosovo-Verhandlungen geführt worden. Die Bemühungen
der internationalen Vermittler scheiterten jedoch. Der Kosovo
gehört völkerrechtlich zu Serbien, steht aber seit 1999 unter
UN-Verwaltung.
(Quelle: dpa)
Karadzic und Mladic wollen Millionen für Aufgabe
Di.21.02.06 - Die seit Jahren flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher
Radovan Karadzic und Ratko Mladic haben angeblich jeder mindestens
fünf Millionen Euro dafür verlangt, dass sie sich den
serbischen Behörden stellen. Über diese Forderung werde mit
dem ehemaligen Präsidenten und dem Ex-Oberbefehlshaber der
bosnischen Serben derzeit "intensiv verhandelt", berichtet die "Neue
Osnabrücker Zeitung". Die Gesuchten wollten mit dem Geld angeblich
ihre Familien und ihre wichtigsten Helfer versorgen.
Die Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals, Carla del
Ponte, habe mit Blick auf die Suche nach Karadzic und Mladic den Druck
auf Belgrad erhöht, berichtet das Blatt. "Wir wissen, wo sich
Mladic aufhält. Wir wissen, dass er in Greifweite serbischer
Behörden ist. Und wir wissen, dass die Regierungen in Serbien und
Montenegro das auch wissen", sagte ihre Sprecherin Florence Hartmann der
Zeitung. Die Anklägerin legt Mladic und Karadzic Völkermord
und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last, darunter das Massaker
an fast 8000 moslemischen Bosniern in Srebrenica im Juli 1995.
Serbien-Montenegro will am 27. Februar mit der EU Gespräche
über ein Assoziierungsabkommen beginnen, den ersten Schritt zur
Mitgliedschaft. Brüssels Vorbedingung für die Verhandlungen
ist jedoch die "umfassende Zusammenarbeit" Belgrads mit dem Haager
Tribunal.
(Quelle: afp)
Österreich: Drei Jahre Haft für Holocaust-Leugner Irving
Di.21.02.06 - Der Brite David Irving ist von einem Wiener Gericht wegen Leugnung des
Holocaust zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter befanden
den 67-Jährigen für schuldig, die Existenz der Gaskammern im
Todeslager Auschwitz abgestritten zu haben. Irving hatte sich zuvor
schuldig im Sinne der Anklage bekannt. Er habe bei Vorträgen in
Österreich 1989 die Existenz von Gaskammern in den
nationalsozialistischen Vernichtungslagern bestritten, räumte er
vor Gericht ein. Inzwischen habe er aber dazugelernt und eingesehen,
dass seine Äußerungen "falsch" gewesen seien.
Ausdrücklich versicherte Irving während des Prozesses, er sei
"kein Holocaust-Leugner". Seine Einstellung habe sich seit 1989 unter
anderem nach der Entdeckung von Aufzeichnungen des
Judenmord-Organisators Adolf Eichmann geändert. Gleichzeitig
verteidigte Irving einige seiner früheren Äußerungen -
etwa die, die Entdeckung von 100.000 Auschwitz-Überlebenden sei
ein Anzeichen dafür, dass es in dem Todeslager keine Gaskammern
gegeben habe.
Dies sei keine Holocaust-Leugnung, es gehe dabei lediglich um
Einzelheiten der Geschichte, betonte der Angeklagte. Heute würde
er jedoch nicht mehr sagen, dass es in Auschwitz keine Gaskammern gab:
"Ich habe einen Fehler begangen, indem ich das behauptet habe. Es war
ein methodischer Formfehler." Zu seinem Ausspruch, Auschwitz sei "ein
Disneyland für Touristen" stehe er hingegen bis heute.
Staatsanwalt Michael Klackl warf Irving vor, immer wieder von
"Gaskammern-Märchen" und einer "Gaskammern-Lüge" gesprochen
zu haben. Der Brite sei "alles andere als ein Historiker": Sein
Bestreben sei es, eine neue Geschichte zu erzählen und sein
eigenes Geschichtsbild zu verbreiten.
Irving hatte 1989 bei Vorträgen in Österreich unter anderem
behauptet, Adolf Hitler habe "seine schützenden Hände
über die Juden gehalten". Die Novemberpogrome der so genannten
Reichskristallnacht seien von "Unbekannten" verübt worden, die
sich als SA-Männer verkleidet hätten.
Die Leugnung des Holocaust steht in Österreich wie auch in
Deutschland unter Strafe, Irving drohte eine Höchststrafe von zehn
Jahren. Noch kurz vor dem Prozess bezeichnete er es als
lächerlich, dass er wegen Äußerungen vor Gericht stehe,
die er vor 17 Jahren gemacht habe. Mit dem Urteil hatte er
offensichtlich nicht gerechnet: "Ich bin sehr geschockt", sagte er beim
Verlassen des Gerichtssaals.
(Quelle: afp)
EU-Kommissionsvize Verheugen: Europäische Union wird deutlich
wachsen
Di.21.02.06 - Die Europäische Union wird nach Ansicht von EU-Kommissionsvize
Günter Verheugen in den kommenden Jahren deutlich größer
werden. «In 20 Jahren werden alle europäischen Länder
Mitglied der EU sein«, sagte Verheugen der Tageszeitung
«Die Welt» (Montagausgabe). Eine Ausnahme bildeten
lediglich die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die heute noch nicht in
der EU seien. Die EU werde in 20 Jahren die «stärkste
Wirtschaftsregion der Welt sein, "wenn die Mitgliedstaaten in den
kommenden Jahren Reformen mutig anpacken und Innovationen
voranbringen».
Der Kommissionsvize räumte ein, dass Brüssel in den
vergangenen Jahren Fehler begangen habe. «Ein Fehler, der gemacht
worden ist, lag in der Art und Weise der Präsentation der
Dienstleistungsrichtlinie», sagte Verheugen. Er betonte:
«Das hat uns letztlich in die Schwierigkeiten gestürzt, die
wir heute haben.» Daran sei unter anderem auch das
Verfassungsprojekt gescheitert. Die EU habe einfach zuwenig reagiert auf
die zunehmende Sorge der Menschen über eine Öffnung der
Märkte. «Die europäischen Institutionen haben die Angst
vor dem Verlust des Arbeitsplatzes unterschätzt», sagte
Verheugen.
Zur künftigen EU-Struktur betonte er: »Ich glaube, dass wir
in 20 Jahren eine politische Union haben werden - aber vielleicht nicht
mit allen Staaten, die derzeit der EU angehören.» Dabei
würden sich bestimmte europäische Staaten darauf einigen, dass
sie gemeinsame Kompetenzen in der Außen-, Wirtschafts- und
Finanzpolitik sowie in der Rechtspolitik hätten.
(Quelle: ddp)
Deutschland beim Klimaschutz international vorn
Di.21.02.06 - Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den
Spitzenreitern im Klimaschutz: Auf einem von der Umwelt- und
Entwicklungsorganisation "Germanwatch" veröffentlichten
Klimaschutz-Index belegt Deutschland den fünften Platz. Der Index
vergleicht die Klimaschutz-Leistungen von 53 Industrie- und
Schwellenländern, die zusammen für 90 Prozent des weltweiten
Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) verantwortlich sind. Auf den drei
ersten Plätzen liegen Island, Lettland und Großbritannien.
Die USA sind Vorletzter; nur Saudi-Arabien schneidet noch schlechter ab.
Germanwatch warnte aber auch die Spitzenreiter wie Deutschland vor
Zufriedenheit. Auch die Länder, die in der Rangliste gut
abgeschnitten hätten, "dürfen sich nicht zurücklehnen",
erklärte der Klimaexperte Jan Burck, der an der Entwicklung des
Index mitgearbeitet hatte. Sie glichen eher "den Einäugigen unter
den Blinden".
Der Index soll laut Burck dabei helfen, "den politischen und
zivilgesellschaftlichen Druck auf diejenigen Länder zu
erhöhen, die ihre Klimaschutz-Aufgaben bisher vernachlässigt
haben." In den Ländervergleich flossen neben der absoluten
Höhe der klimaschädigenden CO2-Emissionen auch der Trend des
Kohlendioxid-Ausstoßes sowie eine Bewertung der Klimapolitik ein.
Deutschland konnte laut Germanwatch als einziges Industrieland seine
Verkehrsemissionen leicht senken. Auch in der internationalen
Klimapolitik schneidet die Bundesrepublik im internationalen Vergleich
gut ab. "Erhöhter Handlungsbedarf" wird allerdings im
Gebäudesektor gesehen, der den Heizbedarf erfasst. In diesem
Bereich liegt Deutschland nur auf Rang 31. Angemahnt werden deshalb
Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, bessere Isolierung und die
Verwendung von Heizkraftanlagen, die sich aus regenerativen Quellen
speisen.
Entscheidend für das künftige Abschneiden Deutschlands sind
nach Ansicht von Germanwatch auch die anstehenden Entscheidungen
über die Neubauten von Kraftwerken. "Eine Tendenz in Richtung Kohle
und Braunkohle würde Deutschlands gesamte Klimapolitik
konterkarieren", warnte Geschäftsführer Christoph Bals. Auch
ein Ausbau der Atomkraft könne wegen des Risikopotenzials, der
Kosten und der Marktverdrängung von erneuerbaren Energien kein Weg
aus der Klimamisere sein.
(Quelle: afp)
SPD kündigt eigene Positionen zur Familienpolitik an
Di.21.02.06 - Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hat bis Jahresende konkrete
Positionen seiner Partei zur Neuordnung der Familienpolitik
angekündigt. Damit soll ein Expertengremium beauftragt werden,
kündigte er am Montag vor der Tagung des
geschäftsführenden Fraktionsvorstandes in Magdeburg an.
Langfristiges Ziel sei es, alle Jungen und Mädchen zwischen null
und sechs Jahren unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern in
Kindergärten zu betreuen.
Bei der Familienpolitik gebe es erheblichen Handlungsbedarf. Auf den
verschiedenen Förderebenen Bund, Länder und Kommunen werden
Strucks Angaben zufolge jährlich insgesamt über 50 Milliarden
Euro in die Hand genommen. Kindergartenplätze in Deutschland
kosten danach allein 8,8 Milliarden Euro. Neben der Finanzierung der
Kindergartenplätze komme es auf die optimale Förderung der
Jungen und Mädchen an.
Zu einem Einsatz der Bundeswehr bei der Fußball-WM sagte Struck,
dies «kommt für uns überhaupt nicht in Frage».
Überlegungen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble dazu
nannte er «absolut irrelevant». Das sei Aufgabe der Polizei
der Bundesländer.
Knapp fünf Wochen vor der Landtagswahl am 26. März in
Sachsen-Anhalts zeigte sich der SPD-Fraktionschef siegessicher:
«Die Aussichten unseres Spitzenkandidaten Jens Bullerjahn sind
gut.» Eindeutig stellte sich Struck hinter Bullerjahns
Vorschläge zur Fusion der mitteldeutschen Bundesländer
Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bis zum Jahr 2020.
«Langfristig gibt es zur Zusammenlegung von Ländern keine
Alternative», sagte er.
(Quelle: ap)
Kinderkommission fordert bessere Sprachförderung
Di.21.02.06 - Für eine bessere Förderung von Lesekompetenz und
Mehrsprachigkeit hat sich die Kinderkommission des Bundestages
ausgesprochen. Sprachliche Kompetenz sei Voraussetzung für den
Erfolg in der Schule und im späteren Beruf, sagte die Vorsitzende
der Kommission, Michaela Noll (CDU), am Montag in Berlin. Deshalb
müsse eine «systematische Sprachförderung» bereits
im frühen Kindesalter beginnen.
Nach Ansicht der Kinderkommission sind neben Kindertageseinrichtungen
und Schulen vor allem die Eltern gefordert, "denn sie können durch
Vorlesen einen entscheidenden Beitrag übernehmen, um die Lese- und
Sprachkompetenz ihrer Kinder zu stärken», sagte Noll. Zudem
gelinge die Integration von Kindern mit Migrationhintergrund am besten,
wenn sowohl die Muttersprache als auch der Erwerb der deutschen Sprache
gefördert werde.
(Quelle: ddp)
Urabstimmung der WASG zu Fusion steht fest
Di.21.02.06 - Die Mitglieder der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit
(WASG) werden noch vor dem Bundesparteitag Ende April erneut in einer
Urabstimmung über die geplante Fusion mit der PDS befinden.
Parteisprecher Björn Radke bestätigte am Montag auf Anfrage
der Nachrichtenagentur AP einen entsprechenden Bericht der Berliner
«Tageszeitung». Danach haben die sich die drei
Landesverbände Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz jetzt definitiv
für die Urabstimmung entschieden und damit die
satzungsmäßigen Voraussetzungen dafür erfüllt.
Mit der Urabstimmung sollen die WASG-Mitglieder laut Radke eine
Zwischenbilanz über die bisherige Zusammenarbeit mit der PDS
ziehen, die sich vor allem in der gemeinsamen Fraktion der Linkspartei
unter Gregor Gysi und Oskar Lafontaine im Bundestag manifestiert. Bei
einem Ja zum weiteren Vereinigungsprozess könnte sich der
Parteitag Ende April in Ludwigshafen dann darauf konzentrieren, die
nächsten Schritte der Fusion zu beraten, ohne noch einmal die
Frage des «Ob» zu diskutieren.
Die neuerliche Urabstimmung hatte der Bundesvorstand vor allem mit
Blick darauf angeregt, dass die lange zurückliegende Auswahl der
Parteitagsdelegierten nach seiner Auffassung nur bedingt die inzwischen
von 5.000 auf rund 12.000 angewachsene Mitgliederzahl
repräsentiert. Die eher gegen die Fusion eingestellten
Landesverbände Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern
hatten dagegen den Sinn der Urabstimmung in Frage gestellt und
kritisiert, damit werde das Ergebnis des Parteitags vorweggenommen.
Radke wies aber daraufhin, dass nach der Satzung das Votum von drei
Landesverbänden oder 20 Prozent der Mitglieder für eine
Urabstimmung ausreicht.
Bei einem positiven Votum der WASG-Mitglieder könnte der Parteitag
nach seinen Angaben dann den Bundesvorstand beauftragen, in die
nächste Phase des Fusionsprozesses einzutreten. Dazu gehört
vor allem die weitere Arbeit an Statuten und Programm einer gemeinsamen
Linkspartei sowie die Schaffung der organisatorische Voraussetzungen.
(Quelle: ap)
Beschäftigte im öffentlichen Dienst streiken weiter -
Tarifgespräche vertagt
Di.21.02.06 - Bei den Streiks im öffentlichen Dienst ist noch kein Ende
abzusehen. Ein Spitzengespräch der Tarifparteien endete am Montag
in Berlin ohne Einigung. Beide Seiten erklärten aber nach dem rund
vierstündigen Meinungsaustausch, sie hielten eine
Konfliktlösung für möglich.
Der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring sagte,
dass für die erste Märzhälfte ein weiteres
Spitzengespräch vorgesehen sei. Außerdem werden
Arbeitsgruppen eingesetzt, die «energisch»
Einigungsmöglichkeiten ausloten sollen. Beide Seiten haben
striktes Stillschweigen über den Inhalt der Gespräche
vereinbart.
Ver.di-Chef Frank Bsirske erklärte: «Es gibt im Moment keine
Einigung. Wir halten das aber für möglich.» Der Streik
werde fortgesetzt. Am Montag waren Schwerpunkte des Arbeitskampfs
Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg.
Der Arbeitskampf richtet sich zum einen gegen eine Verlängerung
der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden im öffentlichen Dienst.
Zum anderen will ver.di die Länder zwingen, den zwischen Bund und
Kommunen ausgehandelten Tarifvertrag zu übernehmen. Der Streik
ging inzwischen in seine dritte Woche.
Möllring bekräftigte vor dem Spitzentreffen mit Bsirske die
Forderung der Länder nach tariflichen Öffnungsklauseln.
«Wir brauchen Öffnungsklauseln für die Länder,
weil wir unterschiedliche Arbeitsbedingungen haben», sagte
Möllring, der auch Vorsitzender der Tarifgemeinschaft deutscher
Länder (TdL) ist. Dafür könne es ein Entgegenkommen der
Länder geben. Positiv wertete Möllring, dass der Vorsitzende
der dbb Tarifunion, Frank Stöhr, erklärt habe, die
Arbeitszeit müsse kein Tabu sein.
Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) sagte: «Wir
haben einen langen Atem. Solange sich ver.di nicht bei der Arbeitszeit
bewegt, sehe ich überhaupt keine
Kompromissmöglichkeiten.»
Ähnlich äußerte sich auch sein
baden-württembergischer Amtskollege Gerhard Stratthaus (CDU):
«Mehr Geld für längere Arbeitszeiten - das darf es
nicht geben. Es ist einem gesunden jungen Menschen zuzumuten, dass er
ein paar Minuten länger am Tag arbeitet.»
In den Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens kommt es vorerst
nicht zu Streiks bei der Müllabfuhr oder Kindergärten. Nach
einem ersten Tarifgespräch mit ver.di erklärte der Kommunale
Arbeitgeberverband (KAV), er wolle den Arbeitszeittarifvertrag nicht
kündigen. Dagegen wurde der Ausstand an den sechs
Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen fortgesetzt. Wie schon
seit einer Woche beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben wieder etwa
2.700 Mitarbeiter. Insgesamt protestierten rund 4.000 Landesbedienstete.
In Nürnberg nahmen nach Polizeiangaben 4.000 Menschen an einer
Demonstration teil. In Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der Streikenden
auf landesweit 450. Neu hinzu kam laut Gewerkschaft die
Universität Trier, wo knapp 50 Beschäftigte in den Ausstand
getreten seien.
In Baden-Württemberg wurde erneut die Müllabfuhr in den
Großstädten bestreikt. Schwerpunkte waren die Städte
Mannheim mit über 2.000 Teilnehmern und Stuttgart mit rund 3.000
Streikenden. Es blieben auch wieder Krankenhäuser und
Kindertagesstätten geschlossen.
In Schleswig-Holstein legten die Verwaltungsangestellten der
Universität Flensburg und der Fachhochschule ganztägig die
Arbeit nieder. In Hamburg streiken weiter die Müllabfuhr und die
Stadtentwässerung.
(Quelle: ap)
Schering peilt bis 2008 Umsatzrendite von 20 Prozent an
Di.21.02.06 - Der Berliner Pharmakonzern Schering will nach einem Rekordergebnis 2005
seine Gewinne in den nächsten Jahren weiter nach oben schrauben.
Bis 2008 soll die operative Umsatzrendite auf 20 Prozent steigen,
teilte Schering am Montag in Berlin mit. Im vergangenen Jahr lag das
Betriebsergebnis bei 17,5 Prozent vom Umsatz, knapp unter den für
2006 angepeilten 18 Prozent. Für die Verbesserung machte Schering
auch sein Spar- und Effizienzprogramm "Focus" verantwortlich, das den
Abbau von 2000 Stellen einschloss. Die Marge verbessern dürfte die
geplante Übernahme der Produktion des Multiple-Sklerose Mittels
Betaferon vom US-Partner Chiron. Bislang muss Schering 22,5 Prozent des
Umsatzes als Lizenzgebühr an den Partner abtreten.
"Das Jahr 2005 war das beste unserer Unternehmensgeschichte", sagte
Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen. Der Nettogewinn stieg um 23
Prozent auf 619 Millionen Euro, das Betriebsergebnis um 21 Prozent auf
928 Millionen Euro. Beide Zahlen lagen im Rahmen der
Analystenerwartungen. Der Umsatz kletterte ohne Währungseffekte um
sieben Prozent auf 5,31 Milliarden Euro.
Die Schering-Aktie legte in einem kaum veränderten Markt um 1,5
Prozent auf 57,40 Euro zu und war damit größter Gewinner im
Deutschen Aktienindex Dax.
Der Konzern kann sich weiter auf seine wachstumsstarken
Verhütungsmittel wie die Pille Yasmin verlassen, die sich vor allem
in den USA gut verkauft. Schering hatte zuletzt bei der Entwicklung
neuer Präparate viele Rückschläge erlitten. Mit den
bestehenden Produkten verdient der Konzern aber vor allem in Amerika
gut. Erlen sagte, das Geschäft solle durch Kooperationen und den
Kauf von Lizenzen für Medikamente anderer Unternehmen
gestärkt werden. Das "Focus"-Sparprogramm werde fortgesetzt.
Allein im vierten Quartal 2005 steigerte Schering sein Betriebsergebnis
gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 218 Millionen Euro. Der
Konzernumsatz stieg um elf Prozent auf 1,41 Milliarden Euro. 2006 sollen
die Erlöse um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz
steigen. Von Betaferon allein wird ein Plus im hohen einstelligen
Bereich erwartet. Der Umsatz mit dem wichtigsten Medikament des
Konzerns soll mit einer Erweiterung der Indikation verstärkt
werden. Im dritten Quartal werde eine Zulassung für eine
frühe Form der Multiple Sklerose erwartet.
Um die Produktfamilie um Yasmin zu erweitern, soll bis zum Sommer 2006
die Variante Yasminelle auf den europäischen Markt kommen. Schering
peilt das zweite Quartal an.
Schering kündigte zudem ein Aktienrückkaufprogramm über
bis zu 500 Millionen Euro an, das von März bis Ende September
laufen soll. Die Dividende für 2005 will der Konzern, wie im
Dezember angekündigt, um 20 Cent auf 1,20 Euro erhöhen. Damit
würden den Aktionären rund 700 Millionen Euro
zurückgegeben, sagte Erlen. Analyst Martin Possienke von Equinet
nannte den Rückkauf eine gute Nachricht für die Aktie. Auch
das Ziel von 20 Prozent Umsatzrendite sei gut angesichts der Tatsache,
dass Schering in nächster Zeit wenige neue Produkte auf den Markt
bringen könne.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Vorgänger des Menschen war ein 'Beutetier'
Di.21.02.06 - Dem Mythos nach ist er der geborene Jäger - tatsächlich aber
entwickelte sich der Mensch aus dem Gejagten. Darauf haben Anthropologen
auf einem Kongress der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung
der Wissenschaften in St. Louis hingewiesen.
Millionen von Jahren sei der Vorgänger des Mannes die Beute
gewaltiger Hyänen sowie Säbelzahntiger und anderer
Fleischfresser, Reptilien und Raubvögel gewesen, erläuterten
die Forscher. Aus der Rolle des Beutetiers hätten die Hominiden,
die Vorgänger des heutigen Homo sapiens, viele ihrer geistigen und
sozialen Fähigkeiten entwickelt.
Robert Sussman von der Universität von Washington in St. Louis und
Kollegen konzentrierten sich in ihrer Untersuchung auf Fossilien des
Australopithecus afarensis, eines Hominiden, der etwa vor fünf
Millionen bis 2,5 Millionen Jahren lebte. Er könne als direkter
Vorfahre der Gattung Homo angesehen werden, sagte Sussman auf dem
Kongress. Der aufrecht gehende Australopithecus afarensis sei bis 1,50
Meter groß geworden und habe bis zu 45 Kilo gewogen.
Aus seinen relativ kleinen Zähnen schließen die Experten,
dass dieser Hominid sich von Früchten und Nüssen ernährt
habe. Für den Verzehr von Fleisch seien die Zähne zu klein und
nicht scharf genug gewesen. Über richtige Werkzeuge und Feuer
hätten diese frühen Menschen noch nicht verfügt. Das
hieße, dass sie «einfach noch kein Fleisch essen
konnten», fasst Sussman zusammen. «Und warum hätten sie
jagen sollen, wenn es ihnen nicht ums Fleisch ging?»
Vielmehr gäben die Fossilien der frühen Menschen diese als
Opfer von Raubtieren zu erkennen. Der Abdruck von Raubtierzähnen
und Krallen in ihren Knochen sowie Löcher im Schädel legten
Zeugnis dafür ab, dass die Hominiden häufig das Opfer von
Fleischfressern waren. Aus dieser Rolle habe der Vorfahre des Menschen
im Verlauf von Millionen Jahren seine geistige Überlegenheit und
Fähigkeit zur Kooperation abgeleitet, behauptete der Forscher.
(Quelle: dpa)
Forscher protestieren gegen Anti-Evolutionsgesetze
Di.21.02.06 - Der weltgrößte Verband von Wissenschaftlern AAAS hat
Gesetzesvorlagen gegen die Verbreitung der Evolutionslehre in mehreren
US-Bundesstaaten angeprangert.
Die geplanten Gesetze würden «jungen Amerikanern jene
Erziehung vorenthalten, die sie brauchen, um als informierte und
produktive Bürger in einer globalen Gemeinschaft mithalten zu
können, die in zunehmendem Maß technologisch orientiert
ist», heißt es in einer offiziellen Erklärung. Dem
amerikanischen Forscherverband gehören Wissenschaftler der
verschiedensten Disziplinen an.
Der Vorstand des Verbandes protestiere gegen den «Anschlag auf
die Integrität von Wissenschaft und Wissenschaftslehre»,
sagte AAAS-Präsident Gilbert Omenn bei der Jahreskonferenz in St.
Louis (US-Bundesstaat Missouri). Schülern, denen der Unterricht in
der Evolutionslehre versagt werde, mangele es automatisch an einem
grundlegenden Verständnis in Biologie, Physik sowie Geologie.
Nach Angaben des Forscherverbandes versuchen derzeit 14 von 50
US-Bundesstaaten, die Evolutionslehre aus ihren Klassenräumen zu
verbannen: Alabama, Arkansas, Georgia, Kansas, Michigan, Mississippi,
Missouri, New York, Ohio, Oklahoma, Pennsylvania, South Carolina, Texas
und Utah.
In einigen Gesetzestexten würden Lehrer und Schüler
aufgefordert, das alternative Konzept des christlich geprägten
«intelligenten Designs» zu untersuchen. Andere
Gesetzesvorlagen verpflichteten Lehrer, auf angebliche Ungereimtheiten
in der Evolutionstheorie und Einwände in der Forschergemeinde
hinzuweisen. Die gebe es nicht, protestiert der AAAS. «Es gibt
unter Wissenschaftlern keine größere Kontroverse über
die Gültigkeit der Evolutionstheorie».
Nach der von Charles Darwin begründeten Theorie entstehen neue
Arten durch zufällige Veränderungen in ihrem Erbgut. Dabei
kommt es zu einer natürlichen Auslese: Ist eine solche
Veränderung günstig, wird sie an die Nachkommen weitergegeben
und bleibt erhalten.
(Quelle: dpa)